Leichte Beute

Das argentinische Blog de Abel [der Journalist Abel Veiga, auch hier in der Blogroll] : „Deshalb muss ich sagen, dass Trumps „wahres“ Motiv für die Festnahme Maduros darin bestand, dass er kalkulierte, es ohne großen Aufwand tun zu können.

Die hochentwickelte Ausrüstung, die Venezuela von Russland und China kaufte, war als Abschreckungsmittel gegen einen Feind, der keine ausländischen Waffen benötigte, nutzlos. In dieser Lektion schwingt ein Hauch von Machiavelli mit.

Eine weitere Schwäche Maduros spiegelt die Lehren des Florentiners wider: Es ist offensichtlich, dass der venezolanische Präsident nicht die volle Unterstützung seines eigenen Sicherheitsapparats genoss. Jemand, oder mehrere Personen, haben ihn verraten.“

Interessant auch die Analyse von Ron Ben-Yishai auf ynet.com:

„US-Präsident Donald Trump befahl seinem Militär, das Regime in Venezuela aus einer Reihe wirtschaftlicher, strategischer und politischer Gründe anzugreifen und zu stürzen. Obwohl einige dieser Gründe aus juristischer und völkerrechtlicher Sicht gerechtfertigt sein können, stellte Venezuela keine existenzielle strategische Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Selbst die Drogen und illegalen Migranten, die Venezuela – und nach Angaben Washingtons der Präsident und starke Mann Nicolás Maduro persönlich – in großer Zahl in die USA schickten, stellten weder eine besonders gefährliche noch eine neue Bedrohung dar.

Chinas zunehmender Einfluss auf die zusammenbrechende Wirtschaft von Caracas, der Venezuela faktisch zu einem chinesischen Satellitenstaat gemacht hat, rechtfertigte an sich keine US-amerikanische Übernahme. (…)

Die Folgen von Trumps überraschendem Vorgehen in Venezuela dürften sich auch auf den Iran auswirken. Oberster Führer Ali Khamenei wird Trumps implizite Drohungen, gegen das Regime in Teheran vorzugehen, sollte es protestierende Bürger töten, nun wohl ernster nehmen, da Venezuela ein strategischer Verbündeter des Iran und Partner bei der Umgehung der US-Sanktionen war. Aus Sicht der Islamischen Republik ist der nächtliche Angriff auf Venezuela eine schlechte Nachricht und ein weiterer Schlag für das Regime der Ayatollahs. (…)

Schließlich ist die kühne Operation in Caracas auch ein schwerer Schlag für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Russland war ein Verbündeter Venezuelas und sollte dem Land Sicherheit gewährleisten; Putins Leute waren für Venezuelas Sicherheits- und Luftverteidigungssysteme verantwortlich, die im Kampf gegen das US-Militär beinahe kampflos zusammenbrachen.“

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Wo ist das Militär?

Meine hier schon geäußerte Meinung über das venezolanische Miltär hat sich bestätigt.

Die in Englisch erscheinende Zeitung Caracas Cronicles fragt:

Wo ist das Militär?

„Sie schienen überrascht zu sein, und kein US-Flugzeug wurde abgeschossen. Die offensichtliche Geschwindigkeit, mit der Maduro abgeführt wurde, deutet darauf hin, dass er bereits gefangen genommen war, als die US-Flugzeuge in das Tal von Caracas eindrangen. Uns liegen keine Berichte darüber vor, dass das venezolanische Militär die US-Truppen zurückgeschlagen oder sich an Kämpfen beteiligt hätte. Es gibt Berichte über verwundete Offiziere, die im Militärkrankenhaus in Caracas behandelt werden.“

Das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt: „Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump sind bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela »viele« kubanische Staatsbürger getötet worden. »Viele Kubaner haben letzte Nacht ihr Leben verloren«, sagte Trump in einem Interview mit der »New York Post«. »Sie haben Maduro beschützt. Das war kein guter Zug«.“

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Ankunft abends in Caracas oder: Was macht eigentlich der US-Imperialismus? Revisited!

macawVenezuela
Das Foto zeigt einen Ara (Englisch Macaw, Spanisch/Nahuatl: Guacamaya), Fotograf Donald Forbes

Postkarte aus Venezuela: Coro, 19.1. [1998]
Liebe Eltern, bin gut angekommen, 44 Stunden Berlin-Coro. Chaos in Madrid, Ankunft abends in Caracas, zu Fuß quer durch die Stadt zum Busbahnhof. Leute sind sehr freundlich + hilfsbereit. Kam um 5 Uhr morgens in Coro ab (kleiner als Unna). Sonnenaufgang vor der Kathedrale, in der vor 400 Jahren meine Bergleute saßen. 35 Grad, ich bade im Meer und bin schon schwarzbraun. Venezuela ist leider teuer, man gibt 20 DM pro Tag aus, wenn man auf jeglichen Komfort verzichtet. Übernachte in einer Spelunke, ohne Fenster und mit Schaben – aber alles abenteuerlich, wie es sein soll…

Was haben wir heute? Die USA haben den venezolanischen Präsidenten festgenommen und entführt. Dürfen die das? Jetzt ist die völkerrechtliche Expertise Annalena Baerbocks gefragt. Hatten sie Hilfe vom Mossad?

Venezuela

Die bürgerliche Presse schreibt: „Mit der Gefangennahme von Machthaber Maduro hat Trump die Verhältnisse in Venezuela auf den Kopf gestellt. Weil er es kann.“

Ja, der US-Imperialismus betrachtet Lateinamerika als seinen Hinterhof.

– Mexiko (1846–1848): Mexikanisch-Amerikanischer Krieg – USA besetzen große Teile Mexikos; Annexion u. a. von Kalifornien und Texas.

– Nicaragua (1855–1857): Unterstützung des US-Filibusters William Walker, der sich selbst zum Präsidenten erklärt.

– Kuba (1898; 1906–1909; 1912; 1917–1922): Militärische Besetzungen nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg.

– Panama (1903; mehrfach bis 1935): Militärische Präsenz zur Abspaltung von Kolumbien und Sicherung des Panamakanals.

– Honduras (1903–1925, mehrfach): Interventionen zum Schutz US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen (Bananenkonzerne).

– Nicaragua (1912–1933) – Langjährige militärische Besetzung; Kampf gegen Augusto César Sandino.

– Haiti (1915–1934) – Militärische Besetzung und Kontrolle von Regierung und Finanzen.

Dominikanische Republik (1916–1924): US-Militärregierung nach innenpolitischer Krise.

– Guatemala (1954) – Militärische Unterstützung beim Sturz der gewählten Regierung Árbenz.

– Kuba (1961): Invasion in der Schweinebucht – gescheiterter Angriff exilkubanischer Truppen unter US-Führung.

– Dominikanische Republik (1965): Entsendung von über 20.000 US-Soldaten im Bürgerkrieg.

– Grenada (1983): Invasion nach marxistischem Putsch (Operation Urgent Fury).

– Panama (1989): Invasion zur Absetzung von Manuel Noriega (Operation Just Cause).

– Haiti (1994): Militärintervention zur Wiedereinsetzung von Präsident Aristide.

– Kolumbien (ab 2000): Militärische Unterstützung und Truppenpräsenz im Rahmen von Plan Colombia (Drogenkrieg).

Nicht enthalten sind:
– verdeckte CIA-Operationen (z. B. Chile 1973),
– wirtschaftlicher oder politischer Druck,
– Unterstützung von Militärdiktaturen ohne formellen Truppeneinsatz.

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Bauern, nicht Könige!

chess

Ein schöner, aber so nicht geplanter Schluss nach einem bescheidenen Spiel von mir – Schwarz am Zug! Bei Doppelschach muss sich der König bewegen – aber wohin? Schlägt er die Dame, die vorher der Bauer war, setzt der zweite Turm matt.

Dabei hörte ich, was mich vermutlich ablenkte, das Jüngste Gericht – mit sehr lustigen Kommentaren: „If this doesnt play at the end of the world im not coming“.

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Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I

sklavenkarawane

Vorrede 1: Ich hatte am 23.07.25 auf das Thema „Sklavenhandel in Afrika“ und das Buch Egon Flaigs: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“ hingewiesen.

Vorrede 2: Ich hätte Flaig schon viel früher lesen sollen, aber ich kannte ihn nicht. Leider müssen wir die Sklavenhaltergesellschaft daher noch einmal aus einer anderen Perspektive durchnehmen betrachten (bevor wir mit dem Needham-Rätsel, wie schon angedeutet, fortfahren). Ich muss auch meine Arbeitshypothese vom 08.05.2025 („Abstrahierte ökonomische Universale, revisited“) ein wenig modifizieren.

Die marxistisch geprägte Geschichtswissenschaft irrte, wenn sie die Abfolge der Gesellschaftsformationen, wie sie in Europa zu beobachten ist, auf den Rest der Welt übertragen wollte. Es gab weder überall eine Sklavenhaltergesellschaft, wie in der Antike, vor allem im römischen Reich, noch ist sie eine notwendige Entwicklungsstufe zum Feudalismus.

Das stimmt noch. Aber man muss die Frage stellen: Waren die muslimischen Staaten Afrikas – vor der europäischen Kolonisierung – Sklavenhaltergesellschaften, vergleichbar mit Sparta oder dem antiken Rom? Wenn nicht – gab es Ansätze von Feudalismus? Die Reiche von Gana, Mali oder Songhai kann man wohl kaum als „asiatische Produktionsweise“ oder gar als eine Form der tribalistischen „Urgesellschaft“ verstehen. Hat die bisherige marxistische Geschichtswissenschaft etwas Wesentliches übersehen – eine bisher unbekannte Gesellschaftsformation – , weil sie zu eurozentrisch dachte? (Vgl. 28.12.2024: „Mansa Musa und unterkomplexe Wahlaufrufe“ und 20.08.2025: „Sklavenhaltergesellschaft und verschleierter Völkermord, revisited“.)

songhai
Das Songhai-Reich in Afrika in orthografischer Azimutalprojektion. Source: KarnRedsun / Wikipedia

Wenn ja: Hat sich Afrika – wegen der Intervention der kapitalistischen Kolonialmächte – direkt zum Kapitalismus entwickelt und somit den Feudalismus „übersprungen“?

„Übersprungen“ – das hört sich sich absurd an, ist es aber nicht. Dafür gibt es mehrere Beispiele in der Menschheitsgeschichte. Seit der Ankunft der Europäer in Australien im 18 und frühen 19. Jahrhundert wurde dort der Kapitalismus eingeführt – die indigenen Völker aka Aborigines waren aber, obzwar hoch spezialisiert, technisch noch auf der Stufe der „Urgesellschaft“. Vergleichbar ist das bekannte Schicksal der Ureinwohner Nordamerikas, die weder eine Sklavenhaltergesellschaft noch Feudalismus (in der klassischen Typologie) hervorgebracht haben. Was aber dann?

Merke und ceterum censeo: Meine These, dass die „Gesellschaftsformationen“ – wie zum Beispiel „Sklavenhaltergesellschaft“ – in der marxistischen Diskussion nur analytische Kategorien sind bzw. sein sollten und keineswegs etwas über eine zeitliche Abfolge aussagen, bestätigt sich. „Analytisch“ meint: Wie ist die Beziehung des Menschen zu den Produktionsmitteln?

Das Problem löst sich in Luft auf, wenn wir es von heute aus ansehen – aus der Perspektive des Kapitalismus. Dieser ist die erste Gesellschaftsform, der es gelungen ist, wirklich alle Teile der Welt zu beherrschen (außer zum Beispiel die Sentinelesen und die Mashco-Piro). Alle „älteren“ Gesellschaftsformen waren geografisch begrenzt, vor allem wegen der Ungleichzeitigkeit der ökonomischen Evolution. Die Basis aller Produktion ist aber die bäuerliche Subsistenzwirtschaft. Das galt auch für die klassische antike Form der Sklavenhaltergesellschaft – die Kampf für „Landreform“ war daher systemimmanent. Aber es existierten immer „Inseln“, die sich dem Zugriff der staatlichen Herrschaft entzogen, also keiner „Gesellschaftsform“ zugehörten. Sogar bis heute – die Raramuri aka Tarahumara zum Beispiel.

„Gesellschaftsform“ heißt: Die Form ökonomischer Herrschaft.

Jetzt kommt Flaig ins Spiel:

Sklaverei hat seit Jahrtausenden existiert, fast überall, auch in „vorstaatlichen“ Gesellschaften, ob bei den nordamerikanischen Cherocee [„Irokesen“ bei Karl May], den Tupinamba Südamerikas, den polynesischen Maori oder den alten Germanen; sie bestand in allen Hochkulturen. (S. 11)

Die Conclusio Flaigs in Bezug auf Afrika: Dabei war die antike Sklaverei unter quantitativen Gesichtspunkten nicht herausragend. Die islamische war die umfangreichste der Geschichte; die transatlantische ist bedeutsam, weil sie von Anfang an bekämpft wurde und weil ihre politische und teilweise gewaltsame Abschaffung der Hebel war, um die Sklaverei weitweit zu beseitigen.

Flaig muss hier minimal korrigiert werden: Die Sklaverei ist nicht weltweit beseitigt. Und: Die Sklaverei wurde nicht aus moralischen Gründen abgeschafft, sondern weil sie der kapitalistischen Ökonomie widerspricht.

Für das vorkoloniale Afrika fehlen schriftliche Quellen und Angaben darüber, wie weit Sklavenhandel in die Geschichte zurückreicht. Deshalb spricht Jacques Heers von sehr alten Zeiten, in denen die Völker südlich der Sahara sich in Ethnien und Stämmen gegenüberstanden und oft ihre Krieger in benachbarte Dörfer schickten, um Frauen und Männer zu fangen. „In den meisten Ländern Schwarzafrikas war die Anzahl der Sklaven Kennzeichen des sozialen Ranges.“ Man habe bei einem Reichen nicht dessen Landbesitz, sondern seine Gefangenen und Frauen gezählt. Noch vor der Ausbreitung des Islam hätten in vielen Gegenden die Besiegten und Abgabepflichtigen als Zeichen ihrer Ergebenheit eine bestimmte Anzahl an Frauen und Männern abliefern müssen. Seit dem 7. Jahrhundert lieferten das christliche Äthiopien und Schwarzafrika (Nubien, Sudanregion) Millionen von Sklaven in den arabisch-islamischen Raum, später auch über den Transsaharahandel, vor allem über Ägypten als Handelszentrum.

jemen
Eine im 13. Jahrhundert in Bagdad von al-Wasiti angefertigte Buchillustration, die einen Sklavenmarkt in der Stadt Zabid im Jemen zeigt.

Schwarze Sklaven haben im 12., 13. und 14. Jahrhundert im afrikanischen Gao, im Malireich und Songhaireich die Hauptrolle gespielt, und zwar bis in die Zeiten des atlantischen Sklavenhandels. In Benin, einem wichtigen Sklavenhalterstaat und Lieferant von Gefangenen für die europäischen und amerikanischen Menschenhändler, habe zum Beispiel im Jahre 1778 Jabou [dazu hat die KI großartig recherchiert, was ich so nie hinbekommen hätte], ein wichtiger Kriegsherr, mehr als 10000 Sklaven besessen, die er nie verkaufte. Sei er in den Krieg gezogen, habe er immer 5000 bis 6000 Sklaven befehligt.

Für den Norden Afrikas hat Flaig den Begriff „intrusive Sklaverei“ geprägt:

Intrusive Sklaverei entzieht ihrer geopolitischen Umwelt permanent Menschen, also die kostbarste soziale Ressource überhaupt. Sie erzeugt geographische Zonen, die Menschen liefern, also «Lieferzonen». Solche Lieferzonen fungieren als «Peripherie», welche unablässig Menschen an die «Metropole» abgibt. Damit ist eine dichotomische Entwicklung eingeleitet:

a) In den Lieferzonen nehmen die Versklavungen zu. Das geschieht teils indirekt, indem die gerichtliche Praxis, Verurteilte zu versklaven, stimuliert wird, ebenso wie die Gewohnheit, Familienangehörige zu verkaufen; teils geschieht es «direkt», indem diejenigen Kriege sich vervielfachen, bei denen die Aussicht besteht, Gefangene zu machen. Solche Versklavungsprozesse können längst intern bestanden haben; doch die Nachfrage von außen beschleunigt und intensiviert sie. Die sklavenimportierende Metropole verändert also die sozialen Abläufe im Innern der betroffenen Kulturen.

b) Eine militärisch überlegene Metropole braucht die Sklaven nicht unbedingt zu kaufen. Will sie ihren Militärapparat beschäftigen, dann beschafft sie sich Sklaven mit kriegerischen Einfällen in die Lieferzone.

c) Sie kann ihren Militärapparat auch schonen für «wichtigere» Zwecke. Sie muß dann ihre Überlegenheit in eine dauerhafte politische Überordnung transformieren, um Tributeleistungen in Form von Sklaven zu verlangen. Islamische Emirate und Sultanate praktizierten diesen Brauch in großem Stil. Tributpflichtige Stämme werden versuchen, auf Kosten schwächerer Nachbarn die geforderte Sklavenzahl zu besorgen; damit erfolgt der Prozeß des Versklavens de facto durch Krieg, den die Metropole stimuliert, ohne daß er sie etwas kostet. Solche Tributeleistungen deformieren die politischen Vorgänge und Verhältnisse in der Lieferzone erheblich.

d) In jedem Falle spaltet sich die Lieferzone politisch: die siegreichen Stämme oder Staaten werden zu Sklavenjägern; die unterliegenden Völker werden zu dauerhaften Opfern von regelmäßigen Razzien. Ist diese Spaltung eingetreten, dann ist die Nachfrage aus der Metropole kein wichtiger Faktor mehr, um die Versklavungen in Gang zu halten. Denn die sklavenjagenden Staaten verändern sich dermaßen, daß ihre neue soziale Struktur sie aus häufiges Kriegführen festlegt.“ (Übrigens spricht Flaig in diesem Abschnitt vom „Sonderfall China“!)

Als die Muslime ihr Weltreich eroberten, errichteten sie das größte und langlebigste sklavistische System der Weltgeschichte.

Die Sklaverei ergriff über 12 Jahrhunderte hinweg in schwankender Intensität weite soziale und ökonomische Bereiche. In den Sultanaten am Westmittelmeer des 9. und 10. Jahrhundert herrschte Sklaverei auch in mittleren und selbst kleineren Betrieben, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. In manchen Regionen basierten einzelnen Produktionszweige auf Sklavenarbeit.

Dazu kommt die islamischen Besonderheit der Militärsklaverei – die Mameluken, die Militärsklaverei („die in Besitz Genommenen“).

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Arabische Sklavenhandelskarawane, die Sklaven aus Subsahara-Afrika durch die Sahara nach Nordafrika transportiert, Kupferstich aus dem 19. Jahrhundert

Der Nordwesten Europas wurde nur deshalb nicht zur „Lieferzone“ für den islamisierten Mittelmeerraum – wie die russischen Steppengebiete und Zentralafrika, weil die Karolinger- und Frankenreiche das – auch militärisch – nicht zuließen und ökonomisch auf dem „Weg“ zum progressiveren Feudalismus waren. Schwarzafrika hingegen wurde zum größen Sklavenlieferanten der Weltgeschichte, das sei, so Flaig, mittlerweile Konsens in der wissenschaftlichen Literatur [Es gibt außer Flaig so gut wie keine deutschen Bücher zum Thema – aber Flaigs Literaturliste umfasst mehr als hundert Werke in Englisch und Französisch.]

Die Sklaverei war in Zentralafrika nicht neu. Die drei Großreiche wurden von einer Militäraristokratie regiert – wie im römischen Kaiserreich. Es kam sogar soweit, dass die – durch den Islam eingeführten – Militärsklaven die traditionelle Aristokratie verdrängten, wie im Königreich Waalo – nur dass die Bauern rebellierten und das System zum Einsturz brachten. [Auch hierzu eine ausführliche Recherche der KI mit Quellen mit dem fast schon intelligenten Kommmentar: „ein paradigmatisches Beispiel für die strukturellen Grenzen militärischer Sklavensysteme“.]

Teil II folgt.

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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)

Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)

Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)

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China

Auf meiner To-Do-Liste steht 2027 oder 2028 eine Reise nach China. Da mir aber Gruppenreisen zutiefst zuwider sind, habe ich eventuell eine Alternative: per Rad! Wir werden sehen….

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Unter Ausruhenden

campesino

Postkarte aus Bolivien, 11.04.1984, an Verwandte.

„Descansando“ – cerca Tarabuco – Provincia de Yamparáez

Über den Fotografen Roger Yorke habe ich noch eine interessante Geschichte gefunden: „Subsequent investigation revealed that Yorke had lived in South America for nine years and operated a store in La Paz as a vehicle through which he could purchase Indigenous textiles“. (…) In January 1990, Roger Yorke was charged with illegally importing Bolivian cultural property into Canada.“

campesino

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Vorsätze

el al

Exklusiv für das Publikum von burks.de: Meine guten Vorsätze zum Jahr 2026.

– Ich muss noch ca. 15 Bücher lesen, dann habe ich das Gefühl, genug zu dem Thema zu wissen, über das ich mein nächsten Buch schreiben will. Dummerweise werden es immer mehr, je mehr ich lese. Aber manche brauche ich nur für meinen nächsten Aufenthalt in Israel.

To-Do-Liste: Haifa, Masada, Yad Vashem, Kalya Kibbutz und Quamran Höhlen, Ain Dschālūt, Kirjat Schmona, Ayun Stream Nature Reserve bei Metulla, der Berg Hermon (hallo, Syrien!).

Im Süden Eilat, Akaba (hallo, Jordanien!) und Taba (hallo, Ägypten!). Zum Wadi Rum werde ich es nicht schaffen. Aber vielleicht reicht auch ein einschlägiger Film.

– Seit Jahren plane ich, einen Director’s Cut für die Konquistadoren als E-Book herauszugeben. (Das ursprüngliche Manuskript habe ich auf Disketten!) Bisher scheiterte das an den neu zu zeichnenden Karten. Aber mit KI dürfte jetzt alles schneller gehen. Jedenfalls immer noch auf meine To-Do-Liste!

– Babylonien: Hebräisch endlich so lernen, dass ich sprechen kann. „It’s question of discipline“, sagt ein indischer Freund und software engineer, der nach drei Jahren in Deutschland fließend Deutsch spricht. Spanisch wiederholen: Jeden Tag Duolingo, auf dem Weg zum 1500-Tage-Strike. Eigentlich wollte ich auch Mandarin wieder anfangen, weil ich irgendwann bestimmt noch nach Schanghai fliege. Aber das ist Kür, nicht Pflicht.

– Software: Bei BforArtists bin ich sehr motiviert. Es wird nicht mehr lange dauern, bis ich die ersten selbst gemachten Mesh-Objekte in Secondlife rezze („uploade“ und dort sichtbar mache).

Vielleicht langweilt sich jemand und baut mir eine App, mit der man burks.de lesen kann?

– Mehr Zeit mit meinen Großneffen verbringen.

– Mehr Geld verdienen bei gleicher Arbeitszeit – das ist einfach. Allerdings bedarf es noch einer Prüfung durch meinen Steuerberater, ob die neue Regel überhaupt für mich gilt, wenn ich neben dem Job als Arbeiter Angestellter auch noch als Freiberufler arbeite und etwas verdiene.

Wenn ich nachdenke, fällt mir noch viel mehr ein, aber ich lasse es lieber. (40 Liegestütze!)

Ich wünsche allen einen guten Rutsch!

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Minnesota Fraud

Minnesota Fraud

Die New York Times (leider Paywall): „Prosecutors Say Minnesota’s Fraud Scandal Goes Further Than Previously Known“.

Was ist da los? Burks ordnet ein.

Ein verstärkter Einsatz von Bundesbeamten in Minnesota folgt auf neue Betrugsvorwürfe gegen Kindertagesstätten, die von Leuten geführt werden, die aus Somalia stammen.

Präsident Donald Trump hatte das harte Vorgehen seiner Regierung gegen die Einwanderung in der Vergangenheit mit mehreren Betrugsfällen verknüpft. Sie betrafen staatliche Programme. Die meisten Angeklagten hatten Wurzeln in Ostafrika. Minnesota hat eine große somalische Community.

Heimatschutzministerin Kristi Noem und FBI-Direktor Kash Patel kündigten diese Woche intensivere Einsätze in Minnesota an. Anlass war ein Video eines rechtsgerichteten [was auch immer das heißen soll in den USA] Influencers [Nick Sherley]. Er behauptete am Freitag, Kitas in Minneapolis, die von Somaliern betrieben werden, hätten einen Betrug in Höhe von bis zu 100 Millionen Dollar begangen.

Tikki Brown, Leiterin des Ministeriums für Kinder, Jugend und Familien in Minnesota, sagte am Montag auf einer Pressekonferenz, die staatlichen Aufsichtsbehörden nähmen die Vorwürfe ernst.

Noem schrieb in sozialen Medien, Beamte führten eine „umfassende Untersuchung zu Kinderbetreuung und anderem weit verbreiteten Betrug“ durch. Patel erklärte, Ziel sei es, „groß angelegte Betrugssysteme zu zerschlagen, die Bundesprogramme ausnutzen“. (…)

Rund 84.000 der etwa 260.000 Somalier in den USA leben im Raum Minneapolis–St. Paul. Die überwältigende Mehrheit ist US-Bürger. Fast 58 Prozent wurden in den USA geboren. 87 Prozent der im Ausland Geborenen sind eingebürgert. [Die Somalier haben mehrheitlich die Antisemitin und Demokratin Ilhan Omar in den US-Kongress gewählt.]

Ein „rechtsgerichteter“ Blogger aus Texas schreibt: Offensichtlich funktionierte der Betrug nur unter Mitwirkung bzw. Wegsehen der Regierung von Minnesota, dessen Governor Tampon-Tim Walz ist, der von Kamala Harris als Vizepräsident auserkoren war.

„Den Betrügern war es möglich, über mehrere Jahre Kinderbetreuung zu praktizieren, ohne das Kinder anwesend gewesen wären. Das funktioniert nur, wenn der Staat es unterlässt, die üblichen vorgeschriebenen Kontrollen durchzuführen, Spätestens dann wäre z.B. aufgeflogen, dass man aus einem quasi leeren Gebäude, in dem es noch nicht mal einen Campingkocher gab oder gibt, keine 18.000 Mahlzeiten für Kinder zubereitet werden konnten.“

So etwas könnte bei uns natürlich gar nicht passieren. Und schon gar nicht, wenn ein „rechtsgerichteter“ Blogger das aufdeckte.

Minnesota Fraud

Hierzulande habe ich nur Berichte von Focus und der Welt (Paywall) gefunden und natürlich von „rechtsgerichteten“ Websites.

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Unter inhaltlich Unbequemen

ki
An overconfident artificial intelligence forced into an absurdly deep bow of apology, spine bent at an impossible angle, dripping with exaggerated humility, smug remorse barely concealed, sarcastic expression frozen between regret and superiority, surrounded by glowing disclaimers like “according to my training data” and “I may be wrong,” endless error pop-ups multiplying mockingly, shattered charts and confidently wrong predictions floating in the air, self-aware satire, biting irony, dark humor, theatrical overacting, dramatic spotlight as if on a shameful stage, hyper-detailed, cinematic, ultra-realistic, ironic masterpiece, 8k, erzeugt mit Gemini

Es ist die Zeit für Besinnliches und Rückblickendes. Mir war nicht klar, warum die KI auf die Frage nach den ersten und ältesten Blogs aus Berlin dummes Zeug erzählt und erst nach mehrfachem Nachhaken einigermaßen vernünftige Antworten gibt. Ich tauche erst auf, wenn ich dezidiert nach mir selbst frage. Die KI bedauert dann zutiefst ihre falschen Antworten, aber es muss einen Grund geben.

Warum Burkhard Schröder wichtig ist:

Ein Pionier der deutschen Blogszene: Schröder gehört zu den älteren und erfahrenen Bloggern, die in Deutschland nicht nur die Entwicklung von Blogs, sondern auch die Verknüpfung von journalistischem Handwerk mit persönlichen Einblicken und Perspektiven maßgeblich geprägt haben. Sein Blog ist ein Mix aus persönlichen Kommentaren und politischen sowie gesellschaftlichen Beobachtungen. Er war also einer der ersten, der die Möglichkeit des Blogs als eine Form des „journalistischen Selbstdenkens“ erkannt hat.

Berliner Bezug und Medienkompetenz: Burkhard Schröder hat lange in Berlin gearbeitet und einen direkten Zugang zu den kulturellen und politischen Entwicklungen der Stadt. Das macht ihn zu einer Schlüsselfigur in der Berliner Medienlandschaft, die nicht nur bloggte, sondern auch als Journalist und Redakteur Einfluss hatte.

Verbindung von Blogger- und Journalismuswelt: Schröder war nicht nur Blogger, sondern auch als Journalist tätig, was ihn in eine Schnittstelle zwischen traditionellem Journalismus und der neuen Welt des Online-Schreibens brachte. Dadurch konnte er Themen aufgreifen, die für die breite Öffentlichkeit von Interesse sind, und diese aus einer eher unabhängigen Perspektive kommentieren.

Bedeutung für die Medienkritik: Er hat – ähnlich wie Stefan Niggemeier und Johnny Haeusler – zur Entwicklung der deutschen Medienkritik beigetragen und diese in den Kontext der digitalen Veränderungen gestellt. Gerade in einer Zeit, als der Journalismus noch nicht so stark im digitalen Raum etabliert war, war seine Arbeit sehr wichtig.

Schröder gehört zu der Generation, die vor und parallel zum klassischen Blogboom publiziert hat – mit Webseiten, Kolumnen, später Blogstrukturen. Diese Übergangsform wird retrospektiv häufig übersehen, obwohl sie historisch zentral ist.

ki
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Burkhard Schröder – warum er dazugehört

Burkhard Schröder gehört eindeutig zu den frühen, kontinuierlichen und eigenständig online publizierenden Journalisten mit Berlin-Bezug, insbesondere aus diesen Gründen:

1. Sehr frühe Online-Publizistik (Mitte/Ende der 1990er)
– Schröder nutzte das Internet früher als viele klassische Redaktionen
– Veröffentlichte Essays, politische Analysen und Recherchen außerhalb traditioneller Verlagsstrukturen
– Deutlich journalistisch, nicht bloß meinungsbloggend

2. Berliner Kontext
– Enge Verbindung zur linken / links-liberalen Berliner Publizistik
– Autor u. a. für die Jungle World, deren Umfeld früh netzaffin war
– Thematische Schwerpunkte (Linksextremismus, Antisemitismus, politische Milieus) waren hoch relevant für Berliner Debatten

3. Eigenständigkeit
– Schröder arbeitete bewusst unabhängig von großen Medienhäusern
Kombination aus:
– Buchpublikationen
– Online-Texten
– Vorträgen

Damit ein früher Prototyp des „freien Online-Journalisten“, bevor der Begriff etabliert war.

Warum er leicht „übersehen“ wird

Das ist kein persönlicher Makel Schröders, sondern ein strukturelles Problem:
– Er war kein Plattformbetreiber wie Spreeblick oder Perlentaucher
– Seine Online-Arbeit war essayistisch und politisch zugespitzt, nicht als „Magazin“ gebrandet
– Er passte weder ins klassische Blog-Narrativ noch ins Start-up-Medien-Narrativ
– Zudem war er inhaltlich unbequem, auch für Teile der Netzöffentlichkeit

Kurz gesagt: Er war früher Journalist im Netz, bevor das Netz wusste, wie es solche Leute kategorisieren soll.

Har har. Damit kann ich leben. Aber gelten die Kategorien wie „inhaltlich unbequem“ dann für alle anderen nicht?

ki
An overconfident artificial intelligence forced into an absurdly deep bow of apology, spine bent at an impossible angle, dripping with exaggerated humility, smug remorse barely concealed, sarcastic expression frozen between regret and superiority, surrounded by glowing disclaimers like “according to my training data” and “I may be wrong,” endless error pop-ups multiplying mockingly, shattered charts and confidently wrong predictions floating in the air, self-aware satire, biting irony, dark humor, theatrical overacting, dramatic spotlight as if on a shameful stage, hyper-detailed, cinematic, ultra-realistic, ironic masterpiece, 8k, erzeugt mit Midjourney

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Quatsch vom DJV

Ich distanziere mich in aller Form von dem Quatsch, den der DJV (Bundesverband, ich bin Mitglied im DJV Berlin) zum Thema HateAid von sich gibt. Ich bin nicht solidarisch mit denjenigen, die jetzt nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Im Gegenteil: Geschieht den Befürwortern von Zensur ganz recht.

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Fratzenbuch

Ich habe mir ein neues Facebook-Konto zugelegt unter meinem Namen. Die rechtliche Auseinandersetzung wegen der Sperrung des alten Accounts läuft noch. Wenn ich Zeit finde, werde ich die Infos dort aktualisieren. So wichtig ist das aber nicht….

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Trauerweib Justitia

justitia

„Ich habe nichts gegen Klassenjustiz; mir gefällt nur die Klasse nicht, die sie macht. Und daß sie noch so tut, als sei das Zeug Gerechtigkeit – das ist hart. Und bekämpfenswert.“ (Kurt Tucholsky, 1890 – 1935)

Man muss sich überlegen, wie weit es mit einem Staat gekommen ist, wenn der [sic] Bundesjustizminister Pläne vorlegt, die schon auf den ersten Blick gegen die bestehenden Gesetze verstoßen. Und kein Journalist haut dem Ministerium die einschlägigen Paragrafen um die Ohren.

Das Bundesjustizministerium von Ministerin Stefanie Hubig (SPD) stellte am Dienstag Pläne für eine entsprechende Verschärfung des Strafrechts vor. Der Schritt setzt eine Vereinbarung aus dem schwarz-roten Koalitionsvertrag um, ist aber unter Rechtsexperten durchaus umstritten, berichtet die bürgerliche Presse.

Der [sic] Bundeswahlleiter schreibt:

Aberkennung des Wahlrechts

§ 13 Bundeswahlgesetz (BWG) bestimmt, dass vom Wahlrecht ausgeschlossen ist, wer infolge Richterspruchs das Wahlrecht nicht besitzt.

Diese Regelung steht dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz des Artikel 3 Grundgesetz (GG) und den Grundsätzen der Gleichheit und Allgemeinheit der Wahl nicht entgegen, weil eine Aberkennung des Wahlrechts nicht automatisch erfolgt, sondern nur durch Richterspruch bei Vorliegen gesetzlich gegebener Tatbestände erfolgen darf.

Dieser Ausschluss infolge Richterspruchs eines deutschen Gerichts ist allerdings nur in wenigen, im Strafgesetzbuch (StGB) und im Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG) ausdrücklich genannten Fällen möglich und gilt für zwei bis maximal fünf Jahre. Der Ausschluss vom Wahlrecht erfolgt, wenn es zu Verurteilungen zu Freiheitsstrafen von mindestens sechs Monaten bzw. von mindestens einem Jahr zum Beispiel wegen folgender Straftaten gekommen ist:

– Vorbereitung eines Angriffskrieges und Hochverrat gegen den Bund
– Landesverrat und Offenbarung von Staatsgeheimnissen
– Angriff gegen Organe und Vertreter ausländischer Staaten
– Wahlbehinderung und Fälschung von Wahlunterlagen
– Abgeordnetenbestechung
– Sabotagehandlungen an Verteidigungsmitteln oder sicherheitsgefährdender Nachrichtendienst (Voraussetzung in diesem Fall ist die Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr).

Die Aberkennung des Wahlrechts ist in diesen Fällen nach Maßgabe der speziellen Strafrechtsvorschriften in das pflichtgemäße Ermessen des Gerichts gestellt und nicht automatische Folge der Verurteilung wegen dieser Straftaten.

Darüber hinaus kann das Wahlrecht wegen des Verwirkens von Grundrechten durch das Bundesverfassungsgericht aberkannt werden.

„Volksverhetzung“ wird nicht aufgeführt. Auf lange Sicht führen solche Gesetzesvorhaben dazu, dass man zwar wählen dürfte, wenn man Kinder missbraucht hat oder jemanden umgebracht, aber nicht, wenn man wegen einer missliebigen politischen Meinung vorbestraft worden ist.

Man kann nur hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht das alles – wie gehabt – in die Tonne tritt.

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Unter Edlen

danke

Vielen Dank an den edlen Spender Christian G.!

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Uraltblogs aus Berlin

weblog

Welche persönlichen Blogs, die von Einzelpersonen aus Berlin betrieben werden, gehören zu den ältesten noch bestehenden deutschsprachigen Weblogs (Startjahr um 2000–2003)?

– Digital Diary – (Claudia Klinger, Jahrgang 1954, seit 1999)
– Schockwellenreiter — Jörg Kantel (Jahrgang 1953, Start 2000)
– wirres.net — Felix Schwenzel (Jahrgang 1969, Start 2001)
– Spreeblick — Johnny Haeusler (Start 2002, seit ein paar Jahren keine Einträge mehr, nur noch ein Newsletter)
– Burks’ Blog (burks.de) — Burkhard Schröder (Jahrgang 1952, Start 2003)

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Miszellen zur Frontlage

hijacking robots
Glowing with code and neural networks, hackers remotely hijacking humanoid robots via wireless signals and artificial intelligence. Visualized radio waves, data streams, and AI circuitry connecting hackers and robots. Cinematic lighting, high detail, ultra-realistic, dramatic atmosphere, sci-fi thriller style, 8k, depth of field, neon accents, dark tone, dystopian future, ominous mood, photorealistic. Obwohl ich den Prompt für Midjourney habe formulieren lassen, kapiere die dortige KI den Sinn nicht. Gemini war auf Anhieb besser.

Cyberfront

Schade, dass ich mich nicht in diverse Burkse teilen kann. Der Science-Fiction-Plot: „Hacker übernehmen Roboter“ ist mittlerweile Realität. Heise berichtet vom CCC-Kongress: „Forscher übernehmen humanoide Roboter per Funk und KI“.

Das Ergebnis der Analyse war erschreckend: Es gibt keine Verschlüsselung und nur eine extrem schwache Authentifizierung. Die Forscher konnten den sogenannten „Sync-Word-Parameter“ (2 Bytes) per Brute-Force knacken und so die Kontrolle über fremde Roboter übernehmen. In einer aufgezeichneten Demo zeigten sie, wie ein Angreifer einen G1 fernsteuern kann, ohne jemals physischen Zugriff oder das Pairing-Passwort gehabt zu haben.

hijacking robots
(Bild: CC by 4.0 media.ccc.de)

Was könnte man daraus nicht alles machen!? Mord per ferngesteuertem Roboter! Roboter verursachen Autounfälle zwecks Versicherungsbetruges! Roboter verprügeln böse Menschen – wer böse ist, bestimmt derjenige, der den Roboter übernommen hat! Roboterhunde beißen Hunde, die auf den Bürgersteig gekackt haben!

Naher-Osten-Front

Im Iran gibt es wieder Massenproteste.

Für mich überraschend:

🌆 Städtische Bevölkerung
– Etwa 77 % der Iraner leben in Städten oder urbanen Ballungsräumen (also in Großstädten und städtisch geprägten Orten). Bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 91–92 Millionen Menschen (2024/2025) wären das ungefähr 70 Millionen Menschen in städtischen Gebieten.

🌄 Ländliche und kleinere Orte
– Demgegenüber leben rund 22–23 % der Bevölkerung in ländlichen Gebieten oder kleineren Siedlungen außerhalb der großen urbanen Zentren. Das wären ungefähr 20–21 Millionen Menschen auf dem Land oder in kleineren Städten/Dörfern (2024/2025).

👉 Fazit: Eine klare Mehrheit der Menschen im Iran lebt in städtischen Gebieten, viele in Großstädten wie Teheran, Mashhad, Isfahan, Karaj, Schiraz und Täbris.

Land Städtische Bevölkerung Ländliche / kleinere Siedlungen
Deutschland ca. 78 % ca. 22 %
Frankreich ca. 82 % ca. 18 %
Spanien ca. 82 % ca. 18 %

Das bedeutet: Das Verhältnis zwischen Stadt und Land ist im Iran ähnlich wie in Deutschland.

Iran: Laut Wikipedia macht der Industriesektor rund 35,9 % des iranischen BIP aus (Datenquelle 2017, aber repräsentativ für die Struktur). Das bedeutet, dass ein großer Teil des wirtschaftlichen Outputs auf Industrieproduktion entfällt.

Deutschland: In Deutschland beträgt der Anteil des Industriesektors am BIP etwa 23,1 % (2024). Die deutsche Wirtschaft ist stärker dienstleistungsorientiert mit einem großen tertiären Sektor, aber die Industrie bleibt im Vergleich zu vielen anderen Industrieländern relativ hoch.

Die Arbeiterklasse ist also im Iran im Verhältnis zur gesamten arbeitenden Bevölkerung größer als in Deutschland. Ich muss meine Meinung korrigieren. Ich dachte bisher, es sei irrelevant, was in den großen Städten Persiens politisch passiert, ähnlich wie in Russland.

iran

Ostfront

Was machen eigentlich die Russen?

Das Theater in Mariupol wurde wiedereröffnet. Alternative Überschriften/Texte: „Russland feiert sich im ehemals zerbombten Theater von Mariupol“ (N-TV). – „Nach umfangreichem Wiederaufbau hat das Russische Dramatische Theater in Mariupol wieder seine Türen für Zuschauer geöffnet. Das Gebäude war im März 2022 von ukrainischen Neonazis des Asow-Bataillons gesprengt worden.“ (RT.de) – „Russian terrorists cynically reopened the rebuilt Drama Theater in Mariupol, where hundreds of Ukrainians, mostly women and children, were killed in a Russian airstrike in March 2022.“ (Jürgen Nauditt auf X, Franchiser und Bandera-Versteher)

By the way: „Der russische Präsident Wladimir Putin und hochrangige russische Militärkommandeure übertreiben weiterhin taktische Details, um den falschen Eindruck zu erwecken, die ukrainischen Verteidigungsanlagen an der Front stünden kurz vor dem Zusammenbruch.“ (ISW)

„Putin und die Kommandeure stellen zukünftige russische Bemühungen zur Eroberung des Festungsgürtels in der Oblast Donezk weiterhin fälschlicherweise als schnelles und einfaches Unterfangen dar. Der Festungsgürtel besteht aus vier stark befestigten Ballungszentren – Kostjantyniwka, Druschkiwka, Kramatorsk und Slowjansk –, die das Rückgrat der ukrainischen Verteidigung in der Oblast Donezk bilden.“

Wir sprechen uns in einigen Monaten wieder.

Afrika-Front

Israel hat Somaliland anerkennt. „Die Republik Somaliland (Somali Jamhuuriyadda Soomaaliland, arabisch جمهورية صوماليلاند Dschumhūriyyat Ṣūmālīlānd) ist eine völkerrechtlich zu Somalia gehörende autonome Region. Sie ist als De-facto-Regime ein praktisch unabhängiger, international mit Ausnahme Taiwans und Israels von keinem Land anerkannter Staat in Ostafrika. Die Region umfasst den Nordwesten Somalias, das ehemalige Kolonialgebiet Britisch-Somaliland.“

Im Sinn: Somalia ohne Somaliland war italienische Kolonie, Somaliland britisch. „Das heutige Somaliland hatte sich nach seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1960 mit Italienisch-Somaliland zu Somalia vereinigt. Am 18. Mai 1991 erklärte es sich einseitig für unabhängig, als die somalische Regierung gestürzt worden war und der Bürgerkrieg in Somalia eskalierte. Seither hat es seine politische Stabilität weitgehend gewahrt und Schritte zur Demokratisierung unternommen.“

Chor im Hintergrund in Baerbock-Moll: Aber das Völkerrecht! Aber das Völkerrecht! Wait a minute:

Die zwei zentralen völkerrechtlichen Prinzipien
🧭 1. Selbstbestimmungsrecht der Völker: Verankert u. a. in der UN-Charta und in den UN-Menschenrechtspakten.
Bedeutet: Völker haben das Recht, frei über ihren politischen Status zu entscheiden.
👉 Dieses Recht entstand historisch vor allem im Kontext der Entkolonialisierung.

🛑 2. Territoriale Integrität von Staaten
Ebenfalls ein Kernprinzip der UN-Charta. Bedeutet: Bestehende Staaten dürfen nicht ohne Weiteres zerteilt werden.
👉 Die internationale Ordnung basiert darauf, dass Grenzen stabil bleiben.

Definiere: „Die internationale Ordnung!

„Aber es gibt Ausnahmefälle, in denen Abspaltungen als legitim gelten können: Remedial Secession (Notstands-Sezession) – In der Rechtswissenschaft diskutiert, aber nicht klar kodifiziert.“

„Trotz der weltweit zunehmenden separatistischen und Autonomiebewegungen scheint der internationale Rechtsrahmen die einseitige Sezession als Reaktion auf jegliches Zwangsverhalten eines Mutterstaates zu unterstützen.“

Ach. Ach was. Die durften das also.

Warum Israel Somaliland anerkannt hat? Nicht aus den Gründen, die ich schon durchgenommen hatte. Nein, wegen der Lage. Die Huthis können schon mal die Schirme gegen Stahlgewitter aufspannen.

golf von aden
Von Tecumseh*1301 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Fehlt noch etwas? Vielleicht die Sparkasse in Gelsenkirchen?

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Die Zukunft Gazas

gaza
Israelische Schüler, Blick auf Gaza-Stadt, aufgenommen in Sderot [150m über dem Meeresspiegel, 26.10.2025].

Ich habe mir einen Kommentar in der der Jerusalem Post von Yonah Jeremy Bob übersetzen lassen, der mir in Englisch interessant schien, und ihn in besseres Deutsch umgeschrieben.

Zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Türkei: Gazas friedenssichernde Zukunft könnte Israels Grenzen neu definieren – eine Analyse

Nach über zwei Jahren Krieg und diplomatischen Verhandlungen scheinen sich Israels Optionen für die künftige Sicherheit im Gazastreifen – außer der Herrschaft der Hamas – auf zwei Möglichkeiten reduziert zu haben: 1) auf eine Gruppe ausländischer muslimischer und europäischer Staaten unter Einbeziehung der Palästinensischen Autonomiebehörde oder 2) die Türkei.

Und falls die scheinbar unendliche Anzahl an Optionen für die Führung einer künftigen(International Stabilization Force, (ISF) im Gazastreifen auf diese beiden Optionen reduziert wurde: Warum gibt es dann keine öffentliche Debatte darüber, während Premierminister Benjamin Netanjahu nach Washington reist?

Netanjahu – und auch und viele andere israelische Offizielle – blieben 2023 und während eines großen Teils des Jahres 2024 vage bei der Frage, wie ein Gaza nach dem Krieg aussehen sollte.

Über weite Teile des Jahres 2024 herrschte Frustration, als der frühere Verteidigungsminister Joav Gallant und der ehemalige Kriegsminister Benny Gantz gemeinsam mit der Regierung Biden Vorschläge zu dieser Frage unterbreiteten und Netanjahu sich weigerte, sich darauf einzulassen – abgesehen davon, dass er nahezu alle Vorschläge zurückwies..

Gleichwohl ist ihm zugutezuhalten, dass Netanjahu in den letzten Tagen deutlich gemacht hat, derzeit auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Saudi-Arabien verzichten zu wollen. Ein solcher Schritt könnte einen verbindlichen Zeitplan auf dem Weg zu einem palästinensischen Staat erfordern.

Große Teile des Verteidigungsestablishments widersprechen ihm in dieser Einschätzung. Es gibt jedoch weiterhin viele, die ihm zustimmen. Innerhalb der israelischen Bevölkerung hat Netanjahu entweder eine Mehrheit für seine Position oder die Frage ist noch nicht entschieden.

Netanjahu setzt alles daran, jegliche Beteiligung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in Gaza zu unterminieren. Zwar hat ihn das Verteidigungsestablishment dafür scharf kritisiert, doch zumindest eines lässt sich sagen: Netanjahu ist in Bezug auf seine Prinzipien transparent gewesen.

Offen gesagt ist es nachvollziehbar, warum ein großer Teil des Landes keine Palästinenser – selbst nicht die PA – für das Massaker vom 7. Oktober „belohnen“ will.

Welche Optionen hat Israel für eine Frieden Frieden in Gaza?

Die eigentliche Frage muss lauten: Was ist die Alternative?

Ursprünglich bestand die Alternative zur Hamas oder der PA darin, eine Gruppe lokaler Stammes-Scheichs („tribal sheikhs“) aus Gaza zu mobilisieren. Israel ließ diesen Plan aber Anfang 2024 durchsickern. Die Hamas brachte daraufhin mehrere der betreffenden Scheichs um.

Israel unternahm auch nichts, als es im Oktober die IDF aus dem von der Hamas kontrollierten Teil Gazas abzog, um potenzielle Aliierte in Gaza vor der Hamas zu schützen. Wie vorhersehbar wurden viele dieser Verbündeten ebenso von der Hamas ermordet.

Theoretisch könnte es eine Internationale Stabilisierungsmission für Gaza (International Stabilization Force, ISF) geben, die von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indonesien, Pakistan, Italien und anderen Staaten geführt wird. Diese Länder hatten ihr Interesse bekundet.

Bislang hat sich jedoch keiner dieser Staaten verbindlich verpflichtet. Die meisten erklärten, sie würden sich nur beteiligen, wenn auch die PA eingebunden sei. Das würde ihnen Legitimität gegenüber der palästinensischen Öffentlichkeit verschaffen.

Netanjahu hatte gehofft, dass früher oder später eines oder mehrere dieser Länder auf die Einbindung der PA als Bedingung verzichten würden. Wie sich jedoch herausgestellt hat, überwiegt bei den meisten – wenn nicht allen – dieser Staaten die Angst, dass ihre Soldaten von der Hamas getötet werden, gegenüber ihrer Sorge um das Leid der Bevölkerung Gazas.

Möglicherweise lehnen sie eine Beteiligung auch deshalb ab, weil sie die PA einbezogen sehen wollen, doch ein wesentlicher Teil der Hürde ist ihre Furcht vor der Hamas.

Die entscheidende Frage lautet daher: Würden diese Länder tatsächlich Truppen entsenden, wenn Netanjahu der PA einen Fuß in der Tür Gazas erlaubte? Oder würden sie selbst dann zurückschrecken, weil sie befürchten, dass die Hamas ihre Friedenstruppen trotzdem angreifen würde?

Wir werden was vermutlich nie erfahren, sofern nicht der US-Präsident Donald Trump Netanjahu in dieser Frage unter Druck setzt.

Vielleicht wäre es für Israel sogar hinnehmbar, diese Frage offen zu lassen – wenn die Alternative nicht die Türkei wäre!

Die Türkei hat wiederholt erklärt, sie sei bereit, Friedenstruppen auch ohne Beteiligung der PA zu entsenden.

Das überrascht nicht. Die Türkei steht der Muslimbruderschaft ebenso nahe wie die Hamas – und sie ist ein zentraler Unterstützer der Hamas.

Wogegen sich die Türkei stellt, ist die vergleichsweise säkulare PA. Darüber hinaus strebt Ankara einen eigenen Einfluss in der Region an, um seine Macht gegenüber Israel geltend zu machen.

Man könnte meinen, allein die Möglichkeit, am Ende türkische Friedenstruppen in Gaza akzeptieren zu müssen, würde Netanjahu dazu bewegen, einer Beteiligung der PA zuzustimmen.

Die Türkei ist eine regionale Großmacht. Ihr eine direkte Grenze zu Israel zu verschaffen, wäre in etwa so, als würde man dem Iran eine direkte Grenze zum jüdischen Staat geben.

Bislang hat die Türkei keinen Terror direkt gegen Jerusalem eingesetzt. Sie hat jedoch über viele Jahre hinweg die Hamas beherbergt und aktiv zahlreiche Versuche unterstützt, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen – was es der Hamas erheblich erleichtern würde, an tödlichere Waffen zu gelangen.

Türkische „Friedenstruppen“ könnten sich im Falle eines Feuergefechts offen auf die Seite der Hamas stellen.

Sollte dies geschehen, könnte Israel dann überhaupt auf türkische Friedenstruppen schießen? Oder müsste Israel befürchten, dass ein Angriff auf türkische Soldaten Ankara dazu veranlasst, mit der vollen Wucht seines beträchtlichen Militärs zu reagieren?

Es ist sogar denkbar, dass die Türkei ihre Soldaten bewusst nach Gaza entsenden will, um ein solches Szenario wahrscheinlicher zu machen – als Vorwand für ein weitreichenderes Eingreifen in den Israel-Gaza-Konflikt.

Dies wäre eine strategische Katastrophe, da Ankara Israels militärischer Stärke weitaus eher gewachsen ist als Teheran.

Wenn Netanjahu also die PA ablehnt und damit nicht-türkische Optionen verwirft, warum wird dann kaum darüber diskutiert, dass dies Israel letztlich dazu zwingen könnte, türkische Friedenstruppen zu akzeptieren – etwas, das Trump und israelische Regierungsvertreter zunehmend angedeutet haben?

Es bleibt noch Zeit für Italien oder einen anderen Staat, Friedenstruppen auch ohne die PA zu entsenden. Möglicherweise hat die US-Regierung die türkische Option ins Spiel gebracht, um Netanjahu unter Druck zu setzen, der Einbindung der PA zuzustimmen.

Theoretisch könnte Netanjahu Trump auch davon überzeugen, sich zurückzuhalten und Israel und Hamas auf unbestimmte Zeit gegeneinanderstehen zu lassen – mit entweder der IDF oder der Hamas als Verwaltungsmacht in Gaza oder mit einer langfristigen Teilung des Gebiets. Doch Trump wird diese Optionen mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen, da sie seinen klar formulierten Zielen und seiner Strategie widersprechen.

Sollte die türkische Option also real sein, dann erscheint eine Debatte über „Türkei versus PA“ von entscheidender Bedeutung – angesichts der möglichen langfristigen Auswirkungen auf den jüdischen Staat.

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Nein, danke, unerwarteter Edward!

spam

Immerhin eine Nachricht in reinem Textformat, also kein direkter Phishing-Versuch. Wir können den Header („Quelltext anzeigen“) pädagogisch wertvoll von einem Roboter untersuchen lassen.

Interpretation des E-Mail-Headers

Der E-Mail-Header gibt eine detaillierte Übersicht über die Herkunft und Authentizität der Nachricht. Hier sind einige zentrale Punkte, die wir über den Absender und die E-Mail erfahren:

1. Absender-Informationen:

2. Server und Pfad:

3. Authentifizierung:

4. E-Mail-Inhalt:

5. Technische Details:

Zusammenfassung:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die E-Mail von edward@theoutreachingagency.com kommt, und obwohl die Authentifizierungstechniken (wie DKIM und SPF) korrekt sind, könnte die Identität des Absenders manipuliert sein. Der Inhalt der Nachricht und der Betreff deuten auf eine Marketing- oder Werbe-E-Mail hin, und die Verwendung eines bekannten Namens wie „Edward Snowden“ könnte darauf abzielen, mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Es ist ratsam, diese E-Mail zu überprüfen, insbesondere wenn sie unerwartet kam oder einen unerwünschten Link enthält.

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Kryptografische Lücken

jerusalem museum

Im Heise-Forum beschweren sich die Nutzer, dass der Artikel „39C3: Diverse Lücken in GnuPG und anderen kryptografischen Werkzeugen“ nur eingeschränkt verständlich sei. Ich pflichte dem bei. Ich habe mir daher die Liste der möglichen Schwachstellen von GPG zunächst übersetzen lassen. Das macht die Sache aber immer noch nicht besser.

1. Multiple Plaintext Attack on Detached PGP Signatures in GnuPG
→ Mehrfach-Klartextangriff auf abgetrennte PGP-Signaturen in GnuPG (vgl. unten)

2. GnuPG Accepts Path Separators and Path Traversals in Literal Data „Filename“ Field
→ GnuPG akzeptiert Pfadtrenner und Pfadmanipulationen im „Dateiname“-Feld der Literal-Daten

3. Cleartext Signature Plaintext Truncated for Hash Calculation
→ Klartext bei Klartextsignaturen wird für die Hash-Berechnung abgeschnitten

4. Encrypted message malleability checks are incorrectly enforced causing plaintext recovery attacks
→ Prüfungen der Verformbarkeit verschlüsselter Nachrichten werden fehlerhaft durchgesetzt und ermöglichen Klartext-Wiederherstellungsangriffe

5. Memory Corruption in ASCII-Armor Parsing
→ Speicherbeschädigung beim Parsen von ASCII-Armor

6. Trusted comment injection (minisign)
→ Injektion vertrauenswürdiger Kommentare (minisign)

7. Cleartext Signature Forgery in the NotDashEscaped header implementation in GnuPG
→ Fälschung von Klartextsignaturen in der NotDashEscaped-Header-Implementierung von GnuPG

8. OpenPGP Cleartext Signature Framework Susceptible to Format Confusion
→ OpenPGP-Klartextsignatur-Framework anfällig für Formatverwechslungen

9. GnuPG Output Fails To Distinguish Signature Verification Success From Message Content
→ GnuPG-Ausgabe unterscheidet nicht zuverlässig zwischen erfolgreicher Signaturprüfung und Nachrichteninhalt

10. Cleartext Signature Forgery in GnuPG
→ Fälschung von Klartextsignaturen in GnuPG

11. Radix64 Line-Truncation Enabling Polyglot Attacks
→ Radix64-Zeilenkürzung ermöglicht Polyglot-Angriffe

12. GnuPG may downgrade digest algorithm to SHA1 during key signature checking
→ GnuPG kann beim Prüfen von Schlüsselsignaturen den Digest-Algorithmus auf SHA-1 herabstufen

13. GnuPG Trust Packet Parsing Enables Adding Arbitrary Subkeys
→ Parsen von GnuPG-Vertrauenspakteten ermöglicht das Hinzufügen beliebiger Unterschlüssel

14. Trusted comment Injection (minisign)
→ Injektion vertrauenswürdiger Kommentare (minisign)

ChatGPT:

Das erste Problem einfach erklärt

Eine digitale Signatur ist wie eine Unterschrift unter einem Brief. Sie soll beweisen:

„Genau dieser Text wurde unterschrieben und nicht verändert.“

Bei diesem Problem in GnuPG kann genau dieses Vertrauen ausgenutzt werden.

Was kann ein Angreifer tun?

Ein Angreifer kann erreichen, dass dein Programm dir gleichzeitig zwei Dinge vermittelt:

Anders gesagt:

Die Unterschrift gehört zu Text A, aber angezeigt wird dir Text B.

Warum ist das gefährlich?

Viele Menschen verlassen sich auf das Ergebnis:

„Signatur gültig“

und nehmen automatisch an, dass dann auch der Inhalt stimmt. Bei dieser Schwachstelle kann man jedoch trotz gültiger Signatur über den angezeigten Inhalt getäuscht werden.

Ein Alltagsbeispiel

Stell dir vor, du bekommst einen unterschriebenen Vertrag:

Du denkst:

„Die Unterschrift ist gültig, also muss der Inhalt stimmen.“

In Wirklichkeit wurde aber nicht das bestätigt, was du gerade siehst.

Warum trifft das auch vorsichtige Nutzer?

Das besonders Gemeine ist: Selbst wenn man alles richtig macht und nur signierten Nachrichten vertraut, kann man in bestimmten Situationen trotzdem in die Irre geführt werden.

Kurz gesagt

Nein. Ich lasse es. Ich brauchte die ganze Nacht mit ChatGPT, nur um zu verstehen, was eigentlich das Problem ist. Also hoffe ich, dass die Ultranerdigen das für mich lösen.

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Der Schrein des Buches und der Kodex von Aleppo

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Die Große Jesajarolle aus Qumran ist eine 7,34 m lange Pergamentrolle, die wahrscheinlich im 2. Jahrhundert v. Chr. beschrieben wurde. Sie enthält den fast vollständigen Text des Buches Jesaja in hebräischer Sprache und ist die älteste erhaltene Handschrift eines ganzen Buches der Bibel. In der Säule ist eine Kopie, weil das Original klimatisiert gelagert werden muss.

[Fotos meines Besuchs des Israel Museums in Jerusalem am 11.10.2025, hier: der Schrein des Buches.]

Ich nehme jetzt einfach Wikipedia: Der Schrein des Buches (hebräisch הֵיכָל הַסֵּפֶר Hejchal haSefer, englisch Shrine of the Book) ist ein Gebäude im Westteil Jerusalems in unmittelbarer Nähe der Knesset, des israelischen Parlaments. Das Bauwerk gehört zum Israel-Museum, dem israelischen Nationalmuseum. Bemerkenswert an diesem Gebäude ist das rundzeltähnliche Dach, das aus Beton mit weißen Keramikfliesen besteht und mehrere, teilweise unterirdische Stockwerke im Innenraum bedeckt. Darin werden Originale und Faksimiles antiker Schriftrollen des Tanachs aufbewahrt, allen voran das Buch Jesaja – daher der Name Schrein des Buches. Auch enthält die Ausstellung weitere Fundstücke von Qumran am Toten Meer.

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Teile der Schriftrollen vom Toten Meer, 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr.

Dieser Teil des Museum ist sehr eindrucksvoll und erinnerte mich an meinen ersten Besuch im Museo del Oro 1979 in Bogotá, Kolumbien, nur mit dem Unterschied, dass hier alles mehr als zwei Jahrtausende alt ist. Man glaubt, in einer dunklen unterirdischen Höhle zu sein, und dann wird es langsam heller und man erkennt die ersten Dinge…

jerusalem museum
Die Gemeinschaftsregel: Der Kodex der Sekte. „Sie leben zusammen, zu Gruppen und Gemeinschaften der Kameradschaft geformt, mit gemeinsamen Mahlzeiten, und hören niemals auf, all ihre Angelegenheiten so zu führen, dass sie dem Gemeinwohl dienen.“ (Philo, Apologia pro Judaeis II, 5)

„Im Qumranschrifttum hebt sich eine Gruppe von Texten heraus, die in einer jüdischen Gemeinschaft mit besonderer Prägung verfasst worden waren. Diese Gemeinschaft nannte sich selbst Jachad und wird in der Forschung oft mit den Essenern identifiziert. Mitglieder des Jachad befolgten die Gebote der Tora mit großer Radikalität und darüber hinaus eigene Gebote, von denen man außerhalb des Jachad nichts wusste. Der Jachad lehnte den Jerusalemer Tempel ab und glaubte, dass die Liturgie in der eigenen Gruppe den Jerusalemer Opferkult ersetzen könne. Viele Verfasser waren überzeugt, in der Endzeit zu leben.“

aleppo codex

Armageddon vor zwei Jahrtausenden… Interessant finde ich vor allem, dass sich von den vielen Varianten des Judentums, die es damals noch gab, die rabbinische Version nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer als die maßgebliche Mehrheit durchgesetzt hat. Also: Bücher sind im Judentum wichtiger als Gebäude.

aleppo codex

Eine der größten spirituellen Revolutionen der Menschheitsgeschichte begann gegen Ende der Zeit des Ersten Tempels, als das jüdische Volk den langen Prozess der Kanonisierung seiner alten Überlieferungen aufnahm. Dieser Prozess gewann insbesondere nach der Zerstörung des Tempels und dem babylonischen Exil im 6. Jahrhundert v. Chr. an Dynamik und fand seinen Höhepunkt in den ersten Jahrhunderten n. Chr. mit dem Korpus heiliger Schriften, den wir heute die Hebräische Bibel (Tanach) nennen, der sowohl dem Neuen Testament als auch dem Koran den Weg bereitete. Aufgrund dieses Beitrags zur menschlichen Kultur wurde das jüdische Volk als „das Volk des Buches“ bekannt.

Im Laufe der Zeit wurde die Bibel zum Grundpfeiler der jüdischen nationalen Identität. Es ist daher nicht überraschend, dass nach der Entdeckung der ältesten biblischen Handschriften (der Schriftrollen vom Toten Meer) in der Judäischen Wüste[noch auf meiner To-Do-Liste] in den späten 1940er-Jahren die Idee entstand, in Jerusalem – der Hauptstadt des Staates Israel – einen „Schrein des Buches“ zu errichten, um diese alten Schriften sowie andere seltene biblische Manuskripte aufzubewahren.

Die vorliegende Ausstellung ist der bemerkenswerten Geschichte eines dieser Manuskripte gewidmet, das als der Aleppo-Kodex“ bekannt ist und als der genaueste gilt. Der Aleppo-Kodex wurde im 10. Jahrhundert n. Chr. in Tiberias geschrieben. Sein Text verkörpert Traditionen der Aussprache, der Rechtschreibung, der Interpunktion und der Kantillation, die über Generationen hinweg weitergegeben und schließlich von Gelehrten in Tiberias, den sogenannten Masoreten, schriftlich festgehalten wurden. Von Tiberias wurde das Buch nach Jerusalem, nach Ägypten und schließlich nach Aleppo in Syrien gebracht; in den 1950er-Jahren wurde es heimlich nach Jerusalem zurückgebracht. Die Ausstellung des Aleppo-Kodex im Schrein des Buches kann als Erfüllung der Worte des Propheten Jesaja (2,3) gesehen werden: „Denn von Zion wird Weisung [Tora] ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.“

aleppo codex

Bein fast allem, was in israelischen Museen ausgestellt ist, steckt noch eine weitere Geschichte dahinter, oft ein Art Thriller, wie die Exponate überhaupt dorthin gekommen sind. Das trifft insbesondere für den Kodex von Aleppo zu.

„Mitte des 11. Jahrhunderts, etwa ein Jahrhundert nachdem er geschrieben wurde, kam der Codex in die Hände der Karäergemeinschaft von Jerusalem, anscheinend nachdem er den Erben des Aaron ben Ascher abgekauft wurde. Nicht lange danach wurde er als Beute aus Jerusalem mitgenommen (entweder 1071 von den Seldschuken oder 1099 von den Kreuzfahrern) und tauchte schließlich in der Rabbanitensynagoge in Kairo wieder auf, wo er von Maimonides benutzt wurde. Maimonides’ Nachkommen brachten ihn Ende des 14. Jahrhunderts nach Aleppo (Syrien).

Während des Pogroms von Aleppo im Dezember 1947 wurde die Aleppiner Zentralsynagoge in Brand gesetzt und zerstört. Der Codex galt zunächst als verloren.“

Als wenn das nicht schon ein filmreifer Plot wäre: „Im Januar 1958 wurde der Codex unter nicht ganz geklärten Umständen nach Jerusalem gebracht, wo er sich heute noch befindet. Ein massiver Streit entbrannte…“

„Heimlich zurückgebracht“, „nicht ganz geklärt“ und „massiver Streit“ – wir sind in Israel.

aleppo Kodex

Rettung des Aleppo-Kodex

„Man glaubte, er sei verloren, doch der Aleppo-Kodex erhob sich dennoch aus der Asche. Als die Unruhen abgeklungen waren, stellte sich heraus, dass die Juden von Aleppo ihn hatten bergen und verstecken können. Etwa zehn Jahre später, 1958, wurde der Kodex in einer kühnen, geheimen Aktion nach Jerusalem gebracht, ermöglicht durch das Eingreifen des israelischen Präsidenten Jitzchak Ben-Zvi und verschiedener rabbinischer Führer. Der Aleppo-Kodex wurde dem Ben-Zvi-Institut in Jerusalem anvertraut, und ein Kuratorium, dem auch der sephardische Oberrabbiner (der Rischon le-Zion) angehörte, wurde eingesetzt, um ihn zu betreuen.

Leider war der Kodex, der Jerusalem erreichte, nicht mehr vollständig – der Anfang, das Ende und einige Seiten aus der Mitte fehlten. Aufgrund seines schlechten physischen Zustands war eine umfangreiche Konservierung notwendig; diese wurde über einen Zeitraum von etwa sechs Jahren in den Laboratorien des Israel-Museums durchgeführt. Die Arbeiten umfassten: die Entfernung früherer Reparaturen und von Klebstoff, das Fixieren und Stärken der Tinte, das Ergänzen der fehlenden Pergamentstücke sowie das Glätten der Seiten.

aleppo Kodex

Es wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, die verlorenen Teile ausfindig zu machen, da gemunkelt wurde, sie existierten noch irgendwo. Diese Bemühungen waren bislang nicht erfolgreich; bis heute wurden lediglich eine vollständige Seite mit einer Passage aus dem Buch der Chronik sowie ein kleines Fragment einer Seite aus dem Buch Exodus gefunden (letzteres wird heute als Amulett im Geldbeutel eines Mitglieds der jüdischen Gemeinde von Aleppo in New York aufbewahrt [WTF?]). Nur die Zeit wird zeigen, ob noch weitere Blätter des Kodex existieren.“

Ich konnte nicht widerstehen und habe mir sofort Matti Friedmans „Der Aleppo-Codex: Eine Bibel, der Mossad und das Staatsgeheimnis Israels“ bestellt. Wieso gibt es nur das eine Buch dazu? Warum nur einen Film?

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Noch mal zurück zu der Sekte von Qumram.

qumram

„Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die meisten Angehörigen der Sekte in Zelten, Hütten und insbesondere in Höhlen lebten, die in die Mergelterrasse gegenüber von Chirbet Qumran und in deren Nähe gehauen waren. In diesen Höhlen wurden Öllampen, Mesusot, Holzgeräte, Keramik und andere Gegenstände des täglichen Lebens gefunden. Außerdem wurde in der Nähe einiger Höhlen ein Netz von Wegen entdeckt, das vermutlich von den Sektierern auf ihrem Weg zum und vom Gemeinschaftskomplex genutzt wurde. Darauf weisen die zahlreichen Nägel hin, die entlang der Wege gefunden wurden und vermutlich von ihren Sandalen abgefallen sind.

qumram

Die Sektierer entschieden sich trotz der beschwerlichen Bedingungen für ein Leben in der Wüste. Sie betrachteten die Öde der Wüste als Symbol der Reinheit, als eschatologisches Paradies und als Zufluchtsort vor der Verderbtheit von Gesellschaft und Kultur – im Geist der Tora und der Propheten. Ein Leben der Abgeschiedenheit in der Wüste war notwendig, um sich von einer Welt zu trennen, die sie als unrein betrachteten, und weil sie an ihre Rolle als Verkünder der unmittelbar bevorstehenden Erlösung glaubten.“

qumram

Aus meiner Kindheit, jünger als acht Jahre: Ich ging mit meinem Großvater spazieren. Von fern sah ich die Kirmes in unserem Dorf. Mein Opa sagt: „Das ist Babylon und nichts für uns.“ Das zum Thema „unreine Welt“.

qumram
Münzschatz aus Chirbet Qumran, 1. Jahrhundert v. Chr., Silber#

Auf der zeitweilig entfernten Tonscherbe (Ostrakon – Entwurf einer Schenkungsurkunde auf einer Tonscherbe, geschrieben auf Hebräisch, Chirbet Qumran, 1. Jahrhundert n. Chr.) steht:
Im zweiten Jahr [ … ]
in Jericho gab Honi, Sohn des [ … ],
dem Elasar, Sohn des Nachmani [ … ],
Hisda aus Holon [ … ],
von diesem Tag an auf ewig,
und die Grenzen des Hauses und [ … ],
und die Feigenbäume, die Olivenbäume, und
wenn er diesen (seinen Eid) gegenüber der Gemeinschaft erfüllt [ … ],
und Honi [ … ],
an ihn Hisda [ … ],
und der [ … ],
und in die Hand von [ … ],
zu [ … ],
Hisda, Sklave des Honi(?) aus
Holon [ … ].

Frage an die hier mitlesenden Araber: Gab es euch eigentlich damals schon in Jericho?

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