Frontberichte, Pflanzen und das eigene Reden über den Sachverhalt

Strahlenaralie (Schefflera arboricola), aka Zwerg-Schefflera. Eine schwierige Pflanze – hier ein selbst gezüchteter Ableger der Mutterpflanze, die mehr als zweieinhalb Meter hoch ist. Letztere verlor im letzten Jahr plötzlich sehr viele Blätter, weil ich zu spät bemerkt hatte, dass sie voller Schildläuse war, welchselbige ich in einem chemischen Vernichtungskrieg bis zum letzten Mann ausrottete.
Ich wollte eigentlich bei Kaiserwetter heute auf’s Boot und die Havel, da es das Klima vermutlich der letzte richtig warme Tag im Jahr sein wird. Aber erstens bin ich viel zu spät aufgewacht, weil heute der letzte von vier freien Tagen ist, an dem ich ausschlafen kann. Ab morgen wieder vier Mal hintereinander um vier Uhr aufstehen und dann 12 Stunden Lohnschinderei. Und zweitens habe ich noch so viel vor und zu tun, dass ich vermeiden möchte, heute Abend hektisch herumzurödeln, um dann nur ein paar Stunden Schlaf übrig zu haben.
Ich denke also an Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden: Es sei wichtig, dass dem Gegenüber die Materie bekannt ist. Der ausschlaggebende Punkt sei vielmehr das eigene Reden Bloggen über den Sachverhalt. Mit dieser Methode könne man sich selbst am besten belehren: Die Idee kommt beim Sprechen Schreiben. Wohlan.


Köstliches Fensterblatt (Monstera deliciosa) (links). Die Pflanze wurde mir, als sie erst zwei Blätter hatte, von einer scheidenden Untermieterin geschenkt und hat sich prächtig entwickelt. Die Luftwurzeln sehen zwar hässlich aus, und die Blätter stehen kreuz und quer und sperrig herum, aber Burks gefällt das. Der Drachenbaum (rechts), der auf meinem Schreibtisch stand, ist mittlerweile riesig – er musste jetzt hinunter in einer ultraschweren Tontopf, damit er nicht in Gefahr gerät umzukippen, wenn er wieder Zweige, die fast größer sind als der Baum selbst, in Richtung Sonne wachsen lässt. Er mag aber keine Zugluft, und ich muss mir überlegen, ob er verträgt, dass die Balkontür sehr oft offen steht.
Armageddon-Front
Während meines Frühstücks spülten mir die Algorithmen tonnenweise Katastrophen-Filmchen zur Unterhaltung in meine Feeds. Beim Bildervergleich assoziierte ich Tsunami, aber mit höheren Bergen, oder Kerala. Textbausteine: „Heftige Unwetter“ (das Klima!), „völlig unerwartet“ (das Klima!).
Nein, nichts ist „unerwartet“, mit oder ohne Klima. Das war schon immer so, mit oder ohne Menschen, mehr oder weniger heftig. Erinnert sich noch jemand an den Flimser Bergsturz?
Ostfront
„Während Russland Luhansk nahezu vollständig erobert hat, kontrolliert die Ukraine noch knapp ein Fünftel der Oblast Donezk – gut 5000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa der fünffachen Fläche Berlins. Sehr wahrscheinlich geht es nicht mehr um die Frage, ob Putins Armee die verbliebenen Gebiete im Donbass erobern wird, sondern wann,“ schreibt die bürgerliche Presse.
Oh, es geht nicht mehr um den Endsieg der Ukraine? „Die Eskalation nimmt immer mehr zu“, beobachtet Oberst Markus Reisner…“Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle.“

„Das ist sehr wahrscheinlich eine Birkenfeige (Ficus benjamina), auch Benjamini genannt. Dafür sprechen auf deinem Foto die typischen Merkmale: die zahlreichen kleinen, glänzenden, ovalen und vorne zugespitzten Blätter sowie die dünnen, verholzten und stark verzweigten Triebe. Die Pflanze sieht insgesamt gesund und kräftig aus. Einige hellgrüne Blätter sind einfach jüngerer Austrieb. Der Standort direkt am hellen Fenster scheint ihr zu gefallen.“ Die Benjamini ist meine heimliche Lieblingspflanze, die wie fast alle anderen auch, eine Geschichte hat: Ich habe sie aus dem Büro des Konzerns, in dem ich ein paar Jahre gearbeitet habe, gerettet, nachdem dort Security nicht mehr gebraucht wurde. Sie hatte nur noch ein (!) Blatt. Vielleicht ist sie mir dankbar.
Naher-Osten-Front
Israels wachsender Bedarf an ausländischen Arbeitskräften verschärft die Wohnungskrise.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel die meisten „palästinensischen Arbeitskräfte“ durch ausländische Beschäftigte ersetzt. Ihre Zahl liegt inzwischen bei 250.000 – so hoch wie nie zuvor. Die von der Regierung festgelegte Obergrenze beträgt 330.000. [In der Kantine des Kibbutz Jan Mordechai, wo ich im Oktober 2025 war, arbeiteten Asiaten – ich glaube, waren Filipinos.]
Aufsichtsbehörden berichten von überbelegten Wohnungen und menschenunwürdigen Zuständen. Teilweise leben 12 bis 15 Menschen in einer Wohnung und müssen sich zwei Badezimmer teilen. Die staatlichen Pläne zur Unterbringung der Arbeitskräfte bestehen bislang größtenteils nur auf dem Papier – während die Wahlen näher rücken.
Ach. Ach was.
Die Jerusalem Post ist immer noch interessanter als alle deutsche Medien zusammen. Just saying.
Ich sage übrigens nur: Fauda!
Und Netanjahu sollte man auch nicht abschreiben.
Unter Surensöhnen

Aus dem hier schon erwähnten Buch von Khālid Abū Ṣubḥ (Khaled Abu Subh) (auf Arabisch): „Vom Beginn und Ende der osmanischen Herrschaft bis zur zionistischen Besetzung.“ Großes Bild links (identisch mit dem kleinen Bild rechts oben): „Der Nabi-Musa-Prozessionszug zieht an Gethsemane vorbei, 1936.“ Kleines Bild rechts unten: „Die Nabi-Musa-Prozession zwischen 1898 und 1914.“ – Die Fotos zeigen die berühmte Nabi-Musa-Prozession, einen traditionellen muslimischen Pilgerzug von Jerusalem zum Nabi-Musa-Heiligtum bei Jericho, der bis 1948 jährlich stattfand. Das Fest war eines der größten religiösen Ereignisse im damaligen Palästina und zog oft Zehntausende Teilnehmer an. Auf dem Foto oben rechts erkennt man die Todesangstbasilika.
Aus Tuvias Tenenboms „Wie nennt ihr dieses Land hier? – Unter Siedlern“:
„…die Wetterunterschiede zwischen Tag und Nacht, der milde Sonnenschein, der Boden – all das trägt zum Erfolg des israelischen Weins bei«, erzählt sie mir.
Wie sie mir verrät, stammt einer ihrer Lieblingsweine vom Weingut Kabir in Elon Moreh. Auch bewundert sie die Einwohner von Elon Moreh, auf die sie große Stücke hält.
Sie persönlich ist in einer araberfreundlichen Familie aufgewachsen, einer Familie, die politisch stolz linksaußen stand und trotzdem sehr religiös war. Links und gläubig, eine seltene Kombination auf der politischen Landkarte. »Mein Vater stammt aus Marokko und sprach arabisch, es gab keine Spur von antiarabischem Rassismus in unserem Haus, null Rassismus.
Ich habe das nicht in mir; Rassismus liegt mir nicht im Blut.« Erst nachdem sie hierher nach Psagot gekommen ist, von wo ihr Mann stammt, hat sie ihre Ansichten geändert. »Sie leben hier, und im Lauf der Zeit verstehen Sie etwas, das Sie vorher nicht verstanden haben. Ja, es gibt viele gute Araber, viele gute Palästinenser, aber die Mehrheit von ihnen sind Hurensöhne, die uns benutzen, die uns ausbeuten – Entschuldigung, ich kann es nicht anders sagen.«
Wodurch sind Sie zu einer solchen Schlussfolgerung gekommen?
»Dadurch, dass ich hier bin und die Realität sehe. Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Als ich hierherkam, als Linke, die ich war, ließ ich viele Araber für mich arbeiten. Nicht ein einziges Mal haben sie mich nicht bestohlen. Ich führte ein offenes Haus für sie, ich gab ihnen den Schlüssel zu meinem Haus, ich tat mein Bestes, um ihnen zu zeigen, dass ich sie mochte, dass ich ihnen vertraute, aber sie bestahlen mich, fast alle. Das ist ihre Kultur, und es gibt nichts, was ich daran ändern kann.«
Psagot ist von palästinensischen Dörfern und Beduinendörfern umgeben, von denen einige prachtvolle Häuser aufweisen, deren bloßer Anblick die Seele labt. Nur hat die Sache einen Haken: 80 bis 90 Prozent der palästinensischen Häuser, erzählt Naama mir, stünden leer. Sie wurden aus einem einzigen Grund erbaut: um Juden die Möglichkeit zu nehmen, das Land zu besiedeln.“
ich werde mir mal ein paar Flaschen bestellen.
Unter Siedlern, revisited
Ich lache mich immer noch schlapp über einzelne Passagen von Tuvias Tenenboms „Wie nennt ihr dieses Land hier? – Unter Siedlern“. Lesebefehl!
Ich empfehle auch ein Interview mit ihm auf Mena-Watch:
„Nein, das Problem liegt darin, dass Israel das Gebiet nie annektiert hat. Welche Gesetze sollen also gelten? Sie können kein israelisches Recht anwenden, da das Gebiet nicht zu Israel gehört. Sie selbst sagen, dass es nicht zu Israel gehört; sie bezeichnen es als umstrittenes Gebiet. Welches Recht gilt also? Es gibt das osmanische Recht und das jordanische Recht. Das sind die Rechtsgrundlagen im Westjordanland.
Israelisches Recht gilt dort nicht, weil Israel das Gebiet bis heute nicht annektiert hat. Man kann schließlich kein Gesetz für ein Gebiet erlassen, das man nicht kontrolliert. Es gehört nicht zum eigenen Land. Das wäre so, als würde die Knesset entscheiden, wie Immobilientransaktionen in New Jersey rechtlich abzuwickeln sind. Nein, sie haben kein Mitspracherecht bei dem, was in New Jersey geschieht. Sie können Gesetze nur für Gebiete erlassen, die ihnen gehören. In dem Moment, in dem Israel das Gebiet annektiert, gibt es keine Siedler mehr. Denn dann siedeln sie nicht mehr, sondern leben in Israel. Sobald Israel es also annektiert, wird es – zumindest nach israelischem Recht – als Israel gelten.“
Tenenbom hat das seltene Talent, Dinge lächerlich zu machen, ohne die Leute zu diskreditieren, die den Quatsch glauben und verfasst haben. Das Buch wird zwar positiv besprochen in Deutschland, der Inhalt und die Thesen werden aber nicht bis in die Anstalten vordringen – und zu Dunja Hayali und Sawsan Chebli ohnehin nicht. Hier zwei bemerkenswerte Zitate:
„Die Haupthalle der Synagoge ist den Männern vorbehalten, während die Frauen obendrüber auf dem ersten Rang beten. Die Frauensektion ist abgeschirmt, sodass die Männer nicht zu den Frauen schauen und, Gott bewahre, von ihren weiblichen Körpern verführt werden. Die Frauen hingegen können die Männer nach Herzenslust in Augenschein nehmen, weil Männer, wie man nie vergessen sollte, nicht verführerisch sind, ihre Körper sind nichts, womit sich prahlen ließe, und die Holzbänke, auf denen sie sitzen, geben weitaus mehr her als ihre Gesichter.
Ich gucke mir das Bücherregal im nichtverführerischen Männerbereich an und entdecke ein Buch darüber, wie sich männliche Soldaten in der israelischen Armee benehmen sollen, insbesondere in der Gegenwart von Soldatinnen. Nämlich wie? Sie sollen ihren Austausch mit Frauen auf Themen beschränken, die auf Logik, Rationalität und praktischen Fragen beruhen, es jedoch vermeiden, mit den Damen über irgendetwas zu plaudern, was mit Gefühlen zu tun hat.
Wenn ich das richtig verstehe, dann ist es, wenn eine Frau an einen Mann herantritt, um mit ihm zum Beispiel über mathematische Ableitungen zu sprechen, in Ordnung, wenn der Mann sich auf ein stundenlanges Gespräch mit ihr einlässt. Wenn sie sich jedoch an ihn wendet und beispielsweise gurrt, »ich habe Lust auf ein Eis«, sollte er davonflitzen wie vor einer iranischen Rakete.
Habe ich ein Glück, dass ich hier bin, in Elon Moreh, um solche Schmankerl zu lernen.
Neben weiteren Regeln darüber, wie sich ein Soldat im Dunstkreis von Soldatinnen verhalten soll, findet sich auch folgende: Bei einer Musikdarbietung von Frauen sollten die Männer tunlichst mitsingen, da sie dies von deren verführerischen Stimmen oder deren stets verführerischen Leibern ablenken würde.
Wunderbar!“
Und:
„Sie müssen verstehen, dass die Leute, die bereit sind, in jüdische Viertel einzudringen, um Terrorangriffe zu verüben, unterschiedlicher Art sind und aus unterschiedlichen Motiven handeln. Einige sind durch ihre Ideologie motiviert, eine religiöse Ideologie gegen Juden, aber das ist nur eine Art potenzieller Terroristen. Andere hingegen begehen terroristische Akte aus ganz anderen Gründen, zum Beispiel Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben.
Ein solches Beispiel: eine Frau, die mit einem Mann gesehen wurde, der nicht ihr Ehemann ist. In der muslimischen Gesellschaft von Nablus ist diese Frau erledigt. Anstatt von einem Angehörigen ihrer Familie in einem sogenannten ›Ehrenmord‹ getötet zu werden, kann sie beschließen, ehrenvoll als Märtyrerin zu sterben. So zieht sie mit einem Messer los, um einen Juden umzubringen, und wenn sie dabei selbst den Tod findet, dann ist das großartig für sie, weil sie nun ins Paradies kommt und zu einer jungfräulichen Braut wird, einer sexy Lady, der die Ehre zuteilwird, die Gerechten zu unterhalten.
Der Mann einer solchen Frau, der seine Ehre verloren hat, könnte ebenfalls entscheiden, dass der beste Ausweg für ihn zur Wahrung seiner Würde sein Tod als Märtyrer ist. Er zieht ins Paradies ein, glaubt er, wo er mit Dutzenden von jungfräulichen Bräuten in alle Ewigkeit belohnt wird. Und ein auf frischer Tat ertappter Dieb weiß, dass seine beste Chance, dass Allah und seine eigene Gesellschaft ihm vergeben, in der Tötung von Juden besteht.“
Unter Siedlern oder: Sexy Ladies aus der Ukraine
Ich habe Tuvias Tenenboms „Wie nennt ihr dieses Land hier? – Unter Siedlern“ angefangen zu lesen. Es ist so vergnüglich, wie ich es erwartet hatte.
„Wo bin ich? Am zentralen Ort der Samaritaner, auf dem Berg Garizim. Ich gehe meine ersten Schritte auf diesem Land, dem Land der Samaritaner, einem Land ohne Araber und Juden, und sehe nirgendwo eine Passkontrolle.
Haben sie hier keine Pässe?
Sagen Sie mir, frage ich die erste Samaritanerin, die mir über den Weg läuft, was für Pässe haben Samaritaner, wenn sie denn welche haben? Viele Samaritaner, antwortet sie, haben drei Pässe: einen israelischen, einen jordanischen und einen palästinensischen. Deshalb haben sie hier keine Passkontrollen: viel zu kompliziert.
Wie viele Samaritaner gibt es insgesamt?, frage ich meine neue Gesprächspartnerin. Alles in allem, erzählt Lady Partnerin mir, sind es 800. 400 von ihnen leben auf Har Garizim, dem Berg Garizim, direkt bei Nablus, und die anderen 400 in der israelischen Stadt Holon [Cholon]. Ihre Geschichte reicht Tausende von Jahren zurück, erläutert sie mir, im 6. Jahrhundert zählten sie sogar anderthalb Millionen. Aber vor einem Jahrhundert waren sie viel weniger als heute: rund 140. Wie sind sie von dieser niedrigen Zahl aus wieder gewachsen? Das ist eine heikle Frage, da man anscheinend nicht zu ihrem Glauben übertreten kann, aber die Ukraine, verrät Lady Partnerin mir, kam zur Hilfe.
Wie das?
Um als Gemeinschaft zu überleben und den Glauben zu bewahren, erlaubten die Anführer der Gemeinschaft, offensichtlich helle Köpfchen, den samaritanischen Männern, sexy Ladys aus der Ukraine zu heiraten.
Gepriesen sei der Gott der Samaritaner und Ukrainerinnen.“
Und: „In der örtlichen arabischen Umgangssprache sagen die Leute nicht »Israelis«, sondern »el-Jahud«. Schlicht und einfach.
Die Spitznamen machen es den Demonstrierenden der Flüsse und Meere natürlich leichter, sie sind aber irreführend. Seit der Gründung des modernen Staats Israel sind rund ein Viertel der Israelis, jene, die innerhalb der Grünen Linie leben, Araber. Vor der Entstehung des modernen Israels war jeder ein »Palästinenser«, einschließlich der Juden, wobei sich die semitische Wurzel des Worts »Palästinenser« auf »Eindringlinge« bezieht. Natürlich sind einige damit absolut nicht einverstanden, und sie ignorieren auch die Tatsache, dass der Buchstabe »p« im Arabischen nicht einmal vorkommt.
Wenn man noch ein bisschen tiefer schürfen möchte, umfasste das »biblische Israel« auch einige heute arabische Länder, aber kein Mensch, der bei Verstand ist, spricht in diesem Sinne vom »Land der Bibel«“
Unter Siedlern
Neu in meiner Bibliothek – und ich freue mich schon auf’s Lesen: Tuvias Tenenboms „Wie nennt ihr dieses Land hier?: Unter Siedlern | Ein Reisebericht mitten aus dem Herzen des biblischen Israels, weit weg von Klischees“.
Unter Siedelnden

Zu dem Foto gibt es unterschiedliche Angaben über Fotograf und Quelle. „Zionism is the weapon of the imperialism. May Day demonstration.“ Photo by Vladimir Sychev, USSR, 1970s“ [vermutlich 1. Mai] dürfte der Wahrheit am nächsten kommen.
Sehr informativer Artikel (mit vielen Links) auf Mena-Watch: Der Fall des Soziologen Jürgen Mackert: Das Siedlerkolonialismus-Paradigma als Waffe gegen Israel.
„Im März brachte die Jugendorganisation Solid der Linkspartei Niedersachsen auf ihrem Landesparteitag einen Antrag ein, in dem sie aus ihrer Ablehnung des Zionismus keinen Hehl machte. Der Parteinachwuchs forderte die Genossen dazu auf, sich gegen die »Leugnung und oder Verharmlosung der siedlerkolonialistischen Akte des Staates Israel, der sich damals wie heute durch sowohl der gewaltsamen Eroberung [sic] von Gebieten als auch Vertreibung von ihren Einwohnern zeigt«, zu stellen.
Der gegen den jüdischen Staat gerichtete Vorwurf des Siedlerkolonialismus ist jedoch keineswegs neu. Er hat seine Vorläufer in der sowjetischen antizionistischen Propaganda der 1950er-Jahre, die den Zionismus als Produkt des westlichen Imperialismus brandmarkte. In den 1960er-Jahren griffen Protagonisten der palästinensischen Nationalbewegung diese Deutung auf. So veröffentlichte der PLO-Diplomat Fayez Sayegh, einst Mitglied der Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei – laut Gilbert Achcar dem »levantinischen Klon der NSDAP in fast jeder Hinsicht« –, 1965 unter dem Titel »Zionist Colonialism in Palestine« eine Schrift, die wesentliche Elemente der heutigen antiisraelischen Propaganda bereits vorwegnimmt. Schon dort ist vom »zionistischen Siedlerstaat« die Rede.“ [mehr lesen…]
Vorübergehend geschlossen
Die IDF hat Burg Beaufort im Libanon eingenommen.
„Beaufort war die einzige größere Kreuzritterburg, die der Eroberungswelle Saladins in den Jahren 1187 bis 1189 standhielt, der die Burg mehrmals belagerte. Dabei überlistete der Burgherr Rainald von Sidon Saladin, indem er die Übergabe versprach, die Burg jedoch heimlich reparierte.“
Rainald sprach übrigens fließend Arabisch.
Hinweis: Wenn man mich verarschen auf den Arm nehmen will, muss man das schon geschickter anstellen. Das Bild ganz unten, das Hisbollah-Terroristen im Libanon zeigen soll, ist garantiert nicht echt. Die tragen sogar ihre „Palästinenser“-Tücher noch.
Der Betreiber des Kanals ist aus Lagos, Nigeria: „I am a businessman living in Guangzhou, China.“ Schon klar.
ChatGPT bestätigt meine Vermutung:
„Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob das Bild echt oder KI-generiert ist, aber ich sehe mehrere Merkmale, die mich skeptisch machen:
Auffälligkeiten, die für KI sprechen könnten
Die Menschenmenge wirkt ungewöhnlich gleichförmig
► Viele Personen haben nahezu identische Körperhaltungen.
► Die Arme über dem Kopf bilden ein fast perfektes Muster, wie man es oft bei KI-generierten Menschenmengen sieht.
Gesichter im Hintergrund sind kaum klar erkennbar
► Besonders in den mittleren Reihen wirken viele Gesichter verwaschen oder unnatürlich vereinfacht. Das ist ein typisches Problem von KI-Bildern, vor allem bei größeren Personengruppen.
Unklare Details an Händen und Armen
► Einige Hände scheinen ineinander überzugehen.
► An mehreren Personen ist schwer zu erkennen, welche Arme zu welchem Körper gehören.
Der Soldat rechts vorne
► Seine Ausrüstung wirkt auf den ersten Blick plausibel. Allerdings erscheinen einzelne Gurte und Taschen etwas unlogisch angeordnet. Das allein beweist nichts, ist aber ein typisches KI-Indiz.
Licht und Schärfe
► Die Szene wirkt insgesamt sehr kontrastreich und dramatisch.
► Moderne KI-Bilder haben oft genau diesen „hyperrealistischen Nachrichtenfoto-Look“.
Was für ein echtes Foto spricht
Fahrzeuge und Landschaft
► Die gepanzerten Fahrzeuge und die Straße sehen weitgehend konsistent aus.
► Keine offensichtlichen KI-Fehler wie schwebende Räder oder unmögliche Perspektiven.
► Keine extremen Anatomiefehler
► Ich sehe keine sechs Finger, verschmolzenen Gesichter oder andere grobe Fehler, die bei KI häufig vorkommen.
► Das Motiv selbst: Solche Bilder existieren tatsächlich aus realen Konflikten. Das Motiv ist also nicht von vornherein unrealistisch.“
Politische Pädagogik in besonders grober Ausführung
Noch mal etwas zu dem Video Ben-Gvirs. Auf Facebook schrieb jemand etwas, dem ich beipflichten kann:
Ein guter Faustschlag hat mehr Wert als ein guter Ausgang der Dinge. (Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes)
„Gemeint sind jene bekannten oppositionellen Kommentatoren und Publizisten, die Israels Minister für nationale Sicherheit zuletzt als „Schande“ bezeichneten und dessen Vorgehen gegen die sogenannte Gaza-Flottille als nationale Blamage darstellten.
Was diese Herren allerdings nicht erklären: Wie genau soll man mit Aktivisten umgehen, die offen Sympathie für die Hamas demonstrieren? Mit Blumen? Mit einem Blasorchester? Mit einem Kinderchor und einem Korb Bio-Datteln?
Diese „See-Aktivisten“ kamen nicht, um Wale zu retten oder Plastik aus den Ozeanen zu fischen. Sie kamen, um einer Organisation moralischen Rückhalt zu geben, deren Terroristen jüdische Familien massakrierten, Kinder ermordeten und Frauen vergewaltigten – begleitet vom moralischen Pathos jener internationalen Öffentlichkeit, die bei jüdischem Blut erstaunlich oft plötzlich philosophisch wird.
Nichts ist langweiliger als die Logik professioneller moralischer Fernkämpfer. Vor allem dann, wenn sie Humanismus mit der Miene von Buchhaltern vortragen, die gerade eine Rechnung auf Korrektheit prüfen.
Mir erscheint inzwischen jede politische Zeile verdächtig, die ausschließlich geschrieben wird, um die eigene pflanzenfressende Ethik vorzuführen. Zu viele Menschen umarmen heute symbolisch das Krokodil des Friedens — solange gefressen werden nur andere.
Israels Minister für nationale Sicherheit behandelte die sogenannte „Flottille der Provokateure“ jedenfalls nicht wie harmlose Friedenspilger. Sicherheitskräfte kontrollierten die Aktivisten massiv, bewaffnete Einheiten standen bereit, und der Minister schwenkte demonstrativ die israelische Flagge – mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der es leid ist, sich für die bloße Existenz seines Landes zu entschuldigen.
„Wir sind hier die Hausherren“, lautete die Botschaft. Und, ehrlich gesagt, klang das überzeugender als das endlose diplomatische Wehklagen über die „internationale Besorgnis“.
Noch vor wenigen Jahren wurden Klimaaktivisten mit Sandwiches und Mineralwasser empfangen. Diesmal jedoch reagierte Israel mit demonstrativer Härte – sehr zum Entsetzen europäischer Menschenrechtsmilieus, die sofort Herzrhythmusstörungen bekamen. Natürlich meldeten sich umgehend Gerichte, NGOs und internationale Mahner zu Wort – jene ewigen Onkel der Weltpolitik, die bei jedem israelischen Sieg hereinstürmen und rufen: „Bitte sofort aufhören zu gewinnen!“
Der Minister ist ohnehin für seine kompromisslose Haltung gegenüber den Hamas-Terroristen bekannt, die am 7. Oktober israelische Zivilisten abschlachteten und verbrannten.
Er verschärfte die Haftbedingungen für Terroristen und ließ Gefängnisse demonstrativ mit Bildern des zerstörten Gazastreifens dekorieren. Man könnte sagen: politische Pädagogik in besonders grober Ausführung.“
Full ack, Euer Ehren! Auch wenn Ben Gvir ein Unsympath sein mag: Es schadet es nicht, die Hatikwa in demütiger Haltung anzuhören. Die können froh sein, dass sie nicht zu Abbruch- und Steinbrucharbeiten in Gaza herangezogen wurden.
Verbrechen der Hamas

Fotos: Nova Site Memorial, 26.10.2025
Eine israelische Zivilkommission hat die bisher umfassendste Untersuchung zu sexualisierter Gewalt beim Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 vorgelegt. Der Bericht der „Zivilkommission zu den Verbrechen der Hamas gegen Frauen und Kinder am 7. Oktober“ resumiert, dass die Hamas und verbündete Gruppen solche Gewalt systematisch einsetzten – beim Angriff selbst, während der Verschleppung und später in der Geiselhaft im Gazastreifen.
„Der Bericht beschreibt unter anderem Fälle, in denen Opfer vor den Augen ihrer eigenen Familienangehörigen missbraucht oder gedemütigt worden seien. Eine Überlebende des Nova-Festivals schildert in ihrer Aussage die Schreie einer Frau, die von mehreren Tätern missbraucht worden sei. „Und nachdem sie fertig waren, haben sie sie erschossen“, zitiert der Bericht die Zeugin.“
OK, Human!

A cinematic conceptual illustration showing the contrast between authentic human creativity and artificial intelligence. In the center, a human writer sits at a glowing desk, surrounded by handwritten notes, evolving drafts, flowing ink, fingerprints, and organic creative chaos. Around the writer, transparent timelines, revision layers, heartbeat-like data streams, and luminous process trails visualize the journey of genuine human thought. In the background, faceless AI-generated text clouds dissolve into geometric patterns and sterile machine grids. The scene symbolizes proof of human authorship rather than AI detection. Emotional, intellectual, trustworthy atmosphere. Futuristic but human-centered. Soft warm lighting mixed with cool digital holograms. Highly detailed, symbolic storytelling, editorial illustration style, cinematic depth, ultra realistic, subtle cyberpunk aesthetics, 8k –ar 16:9 –stylize 250
(sup>
Der folgende Text wurde von ChatGPT verfasst; das obige Bild von Midjourney, das Schaubild und das Bild unten von ChatGPT.
Ich frug: „Was kannst du mir über die Website/Software OKHuman sagen, die angeblich KI-generierte Texte erkennen kann und menschliche Texte zertifiziert?“ (Fünf Sekunden für die Antwort.) „Verfasse aus deiner Antwort einen journalistischen Text, den man in ein WordPress-Blog einfügen kann.“
OKHuman: Kann diese Plattform wirklich menschliche Texte zertifizieren?
Seit dem Siegeszug von ChatGPT, Claude und anderen generativen KI-Systemen stehen Schulen, Universitäten und Unternehmen vor einer neuen Herausforderung: Wie lässt sich überhaupt noch feststellen, ob ein Text von einem Menschen oder von einer KI geschrieben wurde?
Während zahlreiche sogenannte „AI Detectoren“ versuchen, KI-generierte Texte anhand statistischer Muster zu erkennen, verfolgt die Plattform OKHuman einen anderen Ansatz. Das Unternehmen behauptet nicht, künstliche Intelligenz direkt zu entlarven. Stattdessen soll der eigentliche Schreibprozess eines Menschen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Doch wie funktioniert das – und wie glaubwürdig ist dieser Ansatz wirklich?
Weg von der KI-Erkennung, hin zum Schreibprozess
Klassische KI-Detektoren analysieren fertige Texte. Sie suchen nach sprachlichen Mustern, typischen Satzstrukturen oder statistischen Auffälligkeiten, die auf Systeme wie GPT [Sprachmodelle aus der GPT-Familie, also die Technik hinter OpenAIs ChatGPT] hindeuten könnten.
Das Problem dabei: Moderne Sprachmodelle werden immer besser. Inzwischen gelten viele KI-Erkennungssysteme als unzuverlässig. Menschliche Texte werden teilweise fälschlich als KI-generiert markiert, während überarbeitete KI-Texte oft unerkannt bleiben.
Genau hier setzt OKHuman an.
Die Plattform konzentriert sich nicht auf den fertigen Text, sondern auf dessen Entstehung. Während des Schreibens werden offenbar verschiedene Metadaten erfasst, darunter:
- Schreibdauer,
- Bearbeitungsverläufe,
- Überarbeitungen,
- Schreibpausen,
- Versionsänderungen.
Am Ende entsteht daraus eine Art Zertifikat oder „Stamp“, der bestätigen soll, dass ein Mensch tatsächlich an diesem Text gearbeitet hat.
Kein KI-Detektor im klassischen Sinn
OKHuman betont ausdrücklich, kein klassischer KI-Scanner zu sein. Statt zu fragen: „Ist dieser Text von einer KI geschrieben worden?“ lautet die eigentliche Frage: „Kann nachgewiesen werden, dass ein Mensch aktiv an diesem Dokument gearbeitet hat?“
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Denn die Plattform versucht nicht, künstliche Intelligenz direkt zu identifizieren – etwas, das selbst Experten zunehmend für schwierig halten. Stattdessen soll eine Art Vertrauensnachweis entstehen, vergleichbar mit einer Versionshistorie in Google Docs oder Commit-Verläufen bei Softwareentwicklern.
Die Schwächen des Systems
Trotzdem bleibt die Idee nicht ohne Kritik. Denn ein dokumentierter Schreibprozess beweist nicht automatisch, dass keine KI beteiligt war. Nutzer könnten weiterhin:
- KI-generierte Abschnitte einfügen,
- Texte umformulieren,
- Inhalte schrittweise übernehmen,
- oder KI parallel zum Schreiben verwenden.
Das System kann also eher belegen, dass jemand mit dem Dokument gearbeitet hat – nicht jedoch, dass der gesamte Inhalt ausschließlich menschlichen Ursprungs ist.
Hinzu kommen Datenschutzfragen. Auch wenn OKHuman nach eigenen Angaben nicht den eigentlichen Text analysiert, entsteht dennoch eine umfangreiche Schreib-Telemetrie. Dazu gehören möglicherweise Informationen über Arbeitsweise, Tippverhalten, Bearbeitungsgeschwindigkeit oder Pausen.
Gerade im Bildungsbereich könnte das kritisch gesehen werden. Datenschützer dürften sich fragen:
- Wer speichert diese Daten?
- Wie lange bleiben sie erhalten?
- Und welche Rückschlüsse lassen sich daraus über Nutzer ziehen?
Die Branche sucht nach neuen Lösungen
Der Fall OKHuman zeigt vor allem eines: Die Diskussion um KI-generierte Inhalte verschiebt sich gerade grundlegend.
Viele Experten gehen inzwischen davon aus, dass reine KI-Erkennung langfristig kaum zuverlässig funktionieren wird. Sprachmodelle imitieren menschliche Schreibweisen mittlerweile zu gut.
Deshalb entstehen neue Ansätze:
- Schreibprotokolle,
- Versionsnachweise,
- kontrollierte Schreibumgebungen,
- digitale Signaturen,
- kryptografische Watermarks,
- oder eben Systeme wie OKHuman.
Die Idee dahinter lautet nicht mehr: „Erkenne die Maschine.“ Sondern vielmehr: „Dokumentiere den Menschen.“
Fazit
OKHuman wirkt auf den ersten Blick moderner und plausibler als klassische KI-Detektoren. Statt fragwürdiger Textanalysen setzt die Plattform auf die Dokumentation des Schreibprozesses.
Allerdings bleibt auch dieser Ansatz weit von einem eindeutigen Beweis menschlicher Autorschaft entfernt. Letztlich handelt es sich eher um ein Vertrauenssystem als um eine technisch unangreifbare Zertifizierung.
Ob sich solche Plattformen langfristig durchsetzen, dürfte vor allem davon abhängen, wie Schulen, Universitäten und Unternehmen künftig mit KI-generierten Inhalten umgehen wollen.
Denn eines scheint bereits klar zu sein: Die Zeit, in der sich KI-Texte zuverlässig allein anhand ihres Sprachstils erkennen ließen, geht wahrscheinlich zu Ende.
Zur Ehrenrettung der Humanoiden muss ich natürlich noch etwas anmerken. Außerdem habe ich gern das letzte Wort. Was hätte ich anders formuliert? In willkürlicher Reihenfolge:
- Sätze fängt man nicht mit „denn“ an. Grammatikalisch ist das zwar korrekt, denn – wenn „denn“ einen Satz beginnt – handelt es sich um einen Konjunktionalsatz mit nebenordnender Konjunktion, auch als „Bindewort“ bekannt.
- Alle Zwischenüberschriften sind gähnend langweilig – ein typisches Problem der KI.
- „Die Branche sucht nach neuen Lösungen“ – Wolf Schneider würde urteilen: „Direkt aus dem Anus einer Werbeagentur ausgeschieden.“
- Eine künstliche Intelligenz benutzt kein starkes und korrektes, aber archaisches Verb wie „frug“.
- „Beweis menschlicher Autorschaft“. Nein, keine Schäfte. Ein Beweis, dass der Autor ein Mensch war.
- Keine „-ung“-Wörter wie „Herausforderung“.
- „Der eigentliche Schreibprozess“ – was ist mit dem uneigentlichen Schreibprozess? Fasel-Rhabarber.
- „Dürfte davon abhängen“ und „scheint klar zu sein“. Nichts Genaues weiß man also nicht. Vielleicht sollte man dann besser die Kresse halten?
Luxury und andere Beliefs

Die Qualitätsboulevardmedien von gestern (digitaler Ausriss)
Wir nehmen wieder Dinge zusammen durch, die gar nicht zusammengehören.
Medien und die Ostfront
Manchmal frage ich mich ganz ernsthaft, ob es heute nicht ehrenrührig ist, sich „Journalist“ in Deutschland zu nennen. Mit dieser haltungsaffinen belehrungsfreundlichen Mischpoke möchte ich eigentlich gar nichts mehr zu tun haben.
Ich sehe in der Tagespresse keinen Journalismus, wie ich ihn verstehe, nirgends. „Expertin entlarvt“ – soll ich da etwa weiterlesen? „Digital-Terror“? WTF? Und wieso denke ich jetzt an Immobilienmakler?

Die Qualitätshauptstadtmedien von gestern (digitaler Ausriss)
Es kömmt darauf an, was mit dem suggeriert wird, was als Cluster von „Nachrichten“ angeboten wird. „Ukraine meldet“ ist kein Journalismus, sondern ungefragte Weitergabe von Propaganda. Das ist genau so „seriös“ wie die zahlreichen Krankheiten Putins, von denen die üblichen Verdächtigen gern herumraunen.
„Seine Frau versucht“ – auch das ist suggestiv und hat mit dem Thema rein gar nichts zu tun. „Politisch isoliert“ bedeutet nur, das man in der selbstreferenziellen Medienblase nicht mehr auftaucht. Außerdem ist das nicht mess- und verifizierbar, gehörte also in einen gekennzeichneten Kommentar, nicht in eine Nachricht.

Das gefühlte Zentralorgan der deutschen Bourgeoisie von gestern (digitaler Ausriss)
Schröder ist Putins Mann. Weitere Nachrichten: Spaniens Regierungschef ist der Mann der Hamas und der Hisbollah. Merz ist Selenskijs Mann. Stegner ist der Mann des Islam. Man kann den Blödsinn bis ins Unendliche fortführen.
Fernost
Wechseln wir das Thema. Falls übrigens jemand eine Bombe auf den nordkoreanischen Diktator würfe, wäre das eine schlechte Idee. Und noch schlechter wäre dieser Bombenwurf, wenn der Täter sich gar nicht zu erkennen gäbe.
Luxurybeliefniks
Kommen wir zu den Sich-gut-Fühlenden.
„Der Artikel argumentiert, dass der Erfolg der Grünen in London weniger von ärmeren Wählern getragen wird, sondern vor allem von wohlhabenden, gut situierten Bewohnern attraktiver Innenstadtviertel. Obwohl Zack Polanski mit Forderungen wie Vermögenssteuer, höheren Kapitalertragssteuern und Gehaltsobergrenzen auftritt, zeigen die Wahlergebnisse laut Autor ein anderes Bild.
Die Grünen erzielten besonders gute Ergebnisse in reichen und beliebten Stadtteilen wie Highbury, Clissold Park oder De Beauvoir Town – Gegenden mit hohen Immobilienpreisen und wohlhabender Bevölkerung. Dagegen hielten ärmere Viertel mit höherer Kriminalität oder sozialen Problemen, etwa Homerton, Notting Dale oder Northumberland Park, eher zur Labour-Partei.
Der Autor interpretiert dies als Beispiel für sogenannte „Luxury Beliefs“: Wohlhabende Menschen unterstützen politische Ideen, die ihnen moralisches Prestige verleihen, deren negative Folgen aber eher ärmere Bevölkerungsschichten tragen müssten. Die Grünen würden damit vor allem das politische und moralische Selbstbild der urbanen Mittelschicht bedienen.“
Ist also exakt wie hier. Den Begriff Luxury Beliefs merke ich mir. Die Taz ist das Zentralorgan der Luxurybelievers (ChatGPT schlägt auch „Luxurybelieflings“, „Luxurybeliefocrats“ und „Luxurybeliefarians“ vor – gefällt mir!).
Internet verbieten!
Dann hatten wir noch eine lustige Meldung: „Der Wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments stuft VPNs als Gefahr für den Jugendschutz ein und fordert Auflagen gegen das Umschiffen von Altersverifikation.“ (Die Original-Quelle ist CyberInsider.
Virtual Private Networks seien ein „loophole that needs closing“. Tor haben sie vergessen. Und was ist mit dem Verbot von Verschlüsselung?
Übrigens surfe ich über das VPN meiner eigenen Fritzbox, wenn ich nicht zu Hause bin. Wie wollen die das verbieten?
Man muss es ganz unverblümt aussprechen: „Jugendschutz“ ist seit vierzig Jahren nur ein Vorwand, Zensur im Sinn der herrschenden Klasse im Internet einzuführen. Zum Glück sind die alle so dämlich, dass daraus nie etwas wird oder nur für Klein Fritzchen. Ernst würde es erst, wenn der European Parliamentary Research Service (EPRS) eine Bildungsreise nach China machen würde.

a static shot featuring a figure in military attire and a balaclava with their back to the viewer, against a large blue star of david symbol on a white wall. a laptop is placed on a shiny case in the foreground, displaying source code on the left of its screen and a stylized, luminous blue brain icon with „ai“ on the right, accompanied by network information below the code. –ar 16:9 –s 750
Naher-Osten-Front
– Wir haben das Gewohnte vom künstlich intelligenten Mossad: „Inside Israel’s AI targeting system: How data from a phone becomes a death sentence“.
„Der Artikel beschreibt, wie Israel mithilfe von künstlicher Intelligenz und umfassender Überwachung gezielt Mitglieder und Unterstützer der Hisbollah aufspürt und tötet. Im Mittelpunkt steht Ahmad Turmus, ein älterer Hisbollah-Funktionär aus dem libanesischen Grenzdorf Talloussah, der im Februar nach einem Anruf eines israelischen Offiziers bei einem Drohnenangriff getötet wurde.
Das israelische System kombiniert Daten aus Smartphones, Kameras, Drohnen, WLAN-Signalen, sozialen Medien und staatlichen Datenbanken. KI analysiert daraus Bewegungen, Kontakte und Verhaltensmuster, um sogenannte „Bedrohungsprofile“ zu erstellen. Laut dem Bericht kann die Software Ziele in Sekunden identifizieren – Aufgaben, für die früher viele Analysten Wochen gebraucht hätten.
Experten warnen jedoch vor großen Risiken: Die KI arbeite oft mit Wahrscheinlichkeiten statt mit sicherem Wissen. Menschen könnten allein wegen ihrer Kontakte oder ähnlicher Kommunikationsmuster fälschlich als Kämpfer eingestuft werden. Dadurch entstehe eine gefährliche „Illusion von Gewissheit“.
Der Artikel zeigt außerdem, dass Israel die Infrastruktur und Kommunikationsnetze im Libanon über Jahre infiltriert hat. Gleichzeitig versucht die Hisbollah inzwischen, sich anzupassen, etwa durch kleinere Gruppen und sicherere Kommunikationsmethoden.
Am Ende schildert der Text die letzten Stunden von Turmus: Nachdem er einen Anruf der Israelis erhalten hatte, sagte er seiner Familie, sie solle das Haus verlassen, weil „sie sein Gesicht kennen“ und es keine Möglichkeit gebe zu entkommen. Kurz darauf wurde er getötet.“

Jerusalem, Nachlaot, Oktober 2025
– Ich traue mich jetzt nicht mehr, den Ausgang der Wahlen in Israel im Oktober vorherzusagen. Netanjahu hat zwar jetzt eine ganz große Koalition gegen sich, die wesentlich mehr Stimmen bekäme als der Likud, aber man sieht schon im Ansatz, dass dieses Bündnis sehr brüchig ist.
Die Die Jerusalem Post „berichtet über die schwere Personalkrise der israelischen Armee (IDF). Generalstabschef Eyal Zamir fordert dringend mehr Soldaten, insbesondere die Einberufung großer Zahlen ultraorthodoxer Juden (Haredim), die bisher oft vom Militärdienst befreit sind.
Zamir warnte, dass die Armee wegen der vielen Gefallenen, Verwundeten und psychisch belasteten Soldaten sowie der anhaltenden Einsätze in Gaza, Libanon, Syrien und dem Westjordanland an ihre Grenzen komme. Laut ihm brauche die IDF bis 2027 etwa 15.000 zusätzliche Soldaten, darunter viele Kampfsoldaten.
Er fordert drei neue Gesetze: längere Wehrpflicht, längeren Reservedienst, sowie ein wirksames Gesetz zur Einberufung der Haredim.
Politisch ist das Thema hoch umstritten, weil Premierminister Benjamin Netanyahu auf die Unterstützung ultraorthodoxer Parteien angewiesen ist. Kritiker werfen der Regierung vor, aus politischen Gründen keine gerechte Wehrpflicht durchzusetzen und damit die Sicherheit Israels zu gefährden.
Oppositionspolitiker wie Naftali Bennett und Gadi Eisenkot erklärten, dass die Verweigerung der Einberufung ultraorthodoxer Männer Soldatenleben koste und die Einsatzfähigkeit der Armee schwäche.“
Das Thema Armee und Einberufung der Orthodoxen wird die Wahl entscheiden. In Israel kann jeder mit jedem koalieren. Man sollte trotz der Umfragen den Machiavellisten Netanjahu nicht abschreiben.
Wg. Todesstrafe
Israel führt also die Todesstrafe für „Terroristen“ ein. Wer Anschläge auf Israelis/Juden verübt, ist eindeutig einer. Was aber ist mit denen, die andere morden lassen, den Terror aber ausgeheckt haben?
Ich finde er übertrieben, sich jetzt aufzuregen. Wenn die IDF reihenweise Hamas- und Hibollah-Anführer liminiert/tötet/exekutiert (die Wortwahl sagt schon viel aus), dann ist das auch die Todesstrafe, nur ohne Gerichtsurteil.
Todesstrafe wegen Homosexualität
| Land | Status |
|---|---|
| Iran | Todesstrafe wird angewendet |
| Saudi-Arabien | Todesstrafe möglich |
| Jemen | Todesstrafe möglich |
| Vereinigte Arabische Emirate | Todesstrafe gesetzlich möglich |
| Katar | Todesstrafe theoretisch möglich |
| Afghanistan | Unter Taliban Todesstrafe |
| Brunei | Todesstrafe im Gesetz (Moratorium) |
| Mauretanien | Todesstrafe im Gesetz |
| Nigeria | In einigen Bundesstaaten mit Scharia |
| Somalia | In einigen Regionen |
| Pakistan | Theoretisch möglich (sehr selten angewendet) |
Ich war immer ein Gegner der Todesstrafe, weil wie erwiesenermaßen nichts bewirkt. Außerdem ist sie barbarisch, wenn man sich überlegt, dass die Justiz auch irren kann.

Seitdem ich aber das Nova Site Memorial gesehen habe, weiß ich nicht mehr, was „barbarisch“ ist… Wenn man diese Täter lebenslang in den Knast steckte, werden sie nicht resozialisiert, was eigentlich immer auch ein Zweck der Strafe ist.
Vielleicht ist es eine zynische Abwägung: Wenn arabische Terroristen durch Geiselnahme andere Terroristen freipressen wollen, wäre die Auswahl jetzt nicht mehr so groß.
Todesstrafe wegen Terrorismus
| Land | Region | Status |
|---|---|---|
| China | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Indien | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Pakistan | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Afghanistan | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Iran | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Saudi-Arabien | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Vereinigte Arabische Emirate | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Katar | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Bangladesch | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Indonesien | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Malaysia | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Nordkorea | Asien | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Ägypten | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Somalia | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Nigeria | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Sudan | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Südsudan | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Äthiopien | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Libyen | Afrika | Todesstrafe für Terrorismus möglich |
| Algerien | Afrika | Gesetzlich möglich |
| Marokko | Afrika | Gesetzlich möglich |
| USA | Amerika | Im Bundesrecht bei Terrorismus mit Todesfolge möglich |
| Kuba | Amerika | Theoretisch möglich |
Für Leib und Geist [Update]

Ardbeg 10 Years Old Islay Single Malt Scotch Whisky sowie Flavius Josephus: Jüdische Altertümer („Antiquitates Judaicae“): Vollständige Ausgabe (Judaika) (Links gehen zur Großbourgeoisie)
Frisch eingetroffen: Ein Labsal (Wortschatzübung!) für Geist und Körper. Vielleicht trieb mich auch nur der Ehrgeiz, ein Posting mit „Whisky“ und „Flavius Josephus“ zu verfassen. Was gäbe ich darum, wenn meine Bücher, zumindest der Roman, noch nach 2000 Jahren gelesen würden… Die Wirkungsgeschichte der Werke des Flavius Josephus kann gar nicht unterüberschätzt werden.
PS Drei 12-Stunden Nachtschichten und heute auch noch – nach fünf Stunden Schlaf – 90 Minuten Zahnarzt und noch das Gefühl der Spritze im Mund – bin ein bisschen gerädert….
Update: Link usw. repariert
Schweren und leichten Herzens

Ich habe heute meinen Flug nach Israel im Oktober schweren Herzens gecancelt. Ich würde auch unter Beschuss dahin reisen, aber ich hatte geplant, den Norden zu erkunden, was jetzt nicht so entspannend ist. Wer weiß, wie es im Oktober aussieht, aber sicher ist sicher. Also 2027.
Ich werde improvisieren. Ägypten? Albanien? Kosovo? Thailand? Spanien? Tipps nehme ich gern entgegen.
Ich muss aber sparen, weil ich mehrere größere Posten bezahlen muss. Vielleicht kaufe ich auch schon in diesem Jahr einen neuen Niu – mein jetziger hat schon mehr als 17.000 Kilometer auf dem Tacho.
Leichten Herzens bedanke ich mich bei dem edlen Spender H.H.: „Toller Blog, klasse Infos – weiter so! Lese hier schon lange mit und wollt mal was ablatzen. Grössten Respekt für deinen Fleiß und Energie! Mein Tip: Ardbeg Corryvreckan.“ Schon bei der Großbourgeoisie bestellt!
Schweren Herzens nehmen wir Abschied von dem Kuba, das wir kennen. Es wird so ausgehen wie in allen ehemaligen „sozialistischen“ Staaten.
Ein sich wandelndes Schlachtfeld
Ich habe mir eine sehr interessante Analyse von Herb Keinon aus der Jerusalem Post „A changing battlefield: Five takeaways from Israel’s war with Iran, two weeks in“ übersetzen lassen und den Artikel ein wenig umformuliert und gestrafft.
Ein sich wandelndes Schlachtfeld: Fünf Erkenntnisse aus Israels Krieg gegen den Iran, zwei Wochen nach Kriegsbeginn
Zwei Wochen nach Kriegsbeginn mit dem Iran entwickelt sich das militärische Bild rasant, auch wenn sich bereits übergreifende Muster abzeichnen.
Alles begann vor zwei Wochen mit einem spektakulären Angriff auf ein Treffen der iranischen Führungsspitze in Teheran.
Unter den bei diesem Angriff Getöteten befand sich Irans oberster Führer Ali Khamenei – ein Mann, der wiederholt zur Zerstörung Israels aufgerufen hat und unermüdlich daran arbeitete, die Fähigkeiten zu entwickeln, dies auch umzusetzen, selbst wenn es bedeutete, die Zukunft seines Landes auf’s Spiel zu setzen. Er war wohl die größte Bedrohung für das jüdische Volk seit Hitler.
Dieser Angriff, der den Auftakt der Operation „Roaring Lion“ bildete, löste in ganz Israel Luftalarm aus, da man mit einem iranischen Vergeltungsschlag rechnete. Millionen Menschen eilten in Schutzräume.
Zwei Wochen nach Beginn des Krieges mit dem Iran, während Israelis weiterhin täglich Schutz vor iranischen Raketen suchen müssen, entwickelt sich die militärische Lage rasch weiter, auch wenn sich einige übergreifende Muster bereits abzeichnen. Hier sind fünf:
1. Strategischer Wandel: von der Eindämmung zur Zerschlagung von Bedrohungen
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, wie dramatisch sich Israels strategische Denkweise seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober verändert hat.
Vor diesem Tag war Israels vorherrschende Doktrin die Eindämmung. Die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon wurden weitgehend als Bedrohungen betrachtet, die sich durch Abschreckung, gelegentliche militärische Schläge und vorsichtige Schritte kontrollieren ließen. Gegen den Iran selbst führte Israel das, was es den „Krieg zwischen den Kriegen““ nannte – eine Schattenkampagne aus Luftschlägen, Sabotageakten und gezielten Tötungen, die den militärischen Aufbau Teherans verlangsamen sollte, ohne eine offene Konfrontation auszulösen. Ruhe – selbst eine fragile Ruhe – hatte weiterhin oberste Priorität.
Der 7. Oktober zerstörte dieses Weltbild.
Das Massaker machte die Gefahren deutlich, die entstehen, wenn feindliche Kräfte unmittelbar an Israels Grenzen Fähigkeiten aufbauen können, während man darauf vertraut, dass Abschreckung ausreicht. Die Lehre, die große Teile des politischen und sicherheitspolitischen Establishments Israels daraus zogen, war eindeutig: Bedrohungen, denen man Zeit gibt, sich zu entwickeln, bleiben nicht theoretisch.
Diese Erkenntnis prägt nun den aktuellen Krieg.
Israels Entscheidung, tief im Inneren Irans zuzuschlagen – im vollen Bewusstsein, dass dies Vergeltung auslösen würde – spiegelt die Bereitschaft wider, kurzfristige Kosten in Kauf zu nehmen, um künftig weitaus größere Gefahren zu verhindern. Das stellt einen deutlichen Bruch mit dem früheren Instinkt dar, eine Konfrontation hinauszuzögern, um eine Eskalation zu vermeiden.
Im Grunde ist Israel von der Verwaltung von Bedrohungen dazu übergegangen, sie zu zerschlagen.Die heutige Einschätzung lautet, dass Abwarten größere Risiken birgt als Handeln – selbst wenn Handeln bedeutet, die eigene Bevölkerung wochenlang in einen Kriegszustand zu versetzen.
2. Hamas und Huthis nicht beteiligt
Eine der am wenigsten diskutierten, aber folgenreichsten Realitäten des aktuellen Krieges ist etwas, das nicht passiert.
Zwei Wochen nach Beginn des Konflikts mit dem Iran ist die Hisbollah vom Libanon aus massiv in die Kämpfe eingetreten und hat mit Raketen- und Drohnenangriffen eine große Nordfront eröffnet.
Doch zwei weitere Säulen von Irans regionalem Netzwerk – Hamas im Gazastreifen und die Huthis im Jemen – haben bislang keine militärische Rolle gespielt.
Die Gründe dafür sind jedoch völlig unterschiedlich: Hamas, weil sie es nicht kann; die Huthis, weil sie es nicht wollen.
Beginnen wir mit Gaza.
Wenn die Hamas noch über die militärischen Fähigkeiten verfügen würde, die sie vor dem 7. Oktober besaß – tausende Raketen, unterirdische Raketenproduktionsanlagen und eine funktionierende Kommandostruktur, die anhaltenden Beschuss koordinieren kann – stünde Israel heute vor einem deutlich komplexeren Schlachtfeld.
Statt gleichzeitig dem Iran und der Hisbollah gegenüberzustehen, würde Israel an drei Fronten kämpfen.
Die Luftabwehr wäre stärker überlastet, die israelischen Streitkräfte müssten größere Operationen im Gazastreifen durchführen, und der Süden Israels – nicht nur der Norden – würde erneut unter ständigem Raketenbeschuss leben.
Ein solches Szenario würde die militärische, wirtschaftliche und psychologische Belastung für das Land drastisch erhöhen.
Doch die Fähigkeit der Hamas, diese Rolle zu spielen, wurde weitgehend entfernt. Die Organisation existiert zwar weiterhin, und Gaza bleibt instabil. Aber die Hamas kann keine Raketen mehr nach Israel abfeuern und kann daher das Schlachtfeld nicht mehr so prägen wie früher.
Die Huthis sind jedoch eine andere Geschichte.
Anders als die Hamas verfügen sie weiterhin über eine gewisse Fähigkeit, Israel und amerikanische Interessen anzugreifen. Dennoch haben sie sich entschieden, dies bisher nicht zu tun.
Ihre Zurückhaltung scheint eine Mischung aus Abschreckung und Kalkül zu sein. Jahre israelischer, amerikanischer und britischer Angriffe haben ihre Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie Teile ihres Kommando- und Kontrollnetzwerks geschwächt. Angriffe jetzt zu starten, könnte eine verheerende Vergeltung nach sich ziehen – möglicherweise gegen ihre Führung und ihre Hochburg in Sanaa.
Gleichzeitig führen die Huthis weiterhin ihren eigenen Krieg im Jemen und scheinen zögerlich zu sein, wertvolle militärische Ressourcen in einer regionalen Konfrontation einzusetzen, die nicht unmittelbar über ihr eigenes Überleben entscheidet.
Analysten gehen zudem davon aus, dass der Iran selbst das Tempo der Eskalation durch seine Verbündeten sorgfältig steuert – einige zum Handeln ermutigt, während andere in Reserve gehalten werden.
Das Ergebnis ist, dass zwei wichtige Komponenten von Irans regionalem Netzwerk weitgehend außerhalb der Kämpfe geblieben sind.
Für Israel ist diese Abwesenheit strategisch bedeutsam. Hätten sich alle drei Fronten – Gaza, Libanon und Jemen – gleichzeitig zusammen mit direkten iranischen Angriffen entzündet, sähe der Krieg heute sehr anders aus.

Jerusalem, Blick ins Kidron-Tal, Oktober 2025
3. Trump sendet weiterhin gemischte Signale
Ein weiteres auffälliges Merkmal des Krieges bisher ist die widersprüchliche Kommunikation des Weißen Hauses.
An manchen Tagen deutet US-Präsident Donald Trump an, dass sich der Konflikt seinem Ende nähere. Er hat davon gesprochen, dass der Krieg weitgehend abgeschlossen sei, und angedeutet, dass ein Ende schnell kommen könnte.
Zu anderen Zeitpunkten schlägt seine Rhetorik in die entgegengesetzte Richtung aus. Er spricht davon, den Feldzug fortzusetzen, bis der Iran entscheidend besiegt ist, und von einer bedingungslosen Kapitulation.
Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Botschaften unvereinbar zu sein. Die eine deutet auf ein baldiges Ende hin, die andere auf eine Kampagne, die noch einige Zeit andauern könnte.
Doch der Widerspruch ist möglicherweise weniger verwirrend, als es zunächst scheint.
Trump agiert gleichzeitig auf mehreren Ebenen. Die eine ist das Schlachtfeld; die andere ist die Weltwirtschaft.
Die Aussicht auf einen langen Krieg hat die Märkte nervös gemacht, insbesondere wegen der Auswirkungen auf die weltweiten Ölversorgung und die Schifffahrtsrouten. Schon die bloße Wahrnehmung, dass der Konflikt dramatisch eskalieren könnte, hat unmittelbare Folgen für die Energiepreise.
Signale, dass der Krieg bald enden könnte, helfen, diese Sorgen zu beruhigen. Gleichzeitig läuft die militärische Kampagne weiter.
Aus dieser Perspektive dient Trumps Kommunikation zwei Zielen: den Märkten und Verbündeten zu versichern, dass die Eskalation nicht unbegrenzt weitergehen wird, während gleichzeitig durch fortgesetzte militärische Operationen Druck auf den Iran aufrechterhalten wird.
Mit anderen Worten: Die Rhetorik über ein schnelles Ende richtet sich weniger an Teheran als an Händler, Investoren und Regierungen, die sich über wirtschaftliche Folgen sorgen. Währenddessen fallen die Bomben weiter.

Jerusalem, Altstadt, Arabisches Viertel, Oktober 2025
4. Israelische Einigkeit vs. amerikanische Polarisierung im Krieg
Eine weitere wichtige Erkenntnis bisher ist der Unterschied darin, wie sich der Krieg politisch in Israel und in den USA auswirkt.
Israel ging erneut tief gespalten in diesen Konflikt – wegen der Folgen des 7. Oktober, der Ausnahmen für den Wehrdienst für Haredim und der Gerichte. Mit anderen Worten: die alten Streitpunkte.
Doch der Krieg hat diese Spaltungen weitgehend überlagert.
Laut einer aktuellen Umfrage des Israel Democracy Institute unterstützen etwa 82 % der Israelis den militärischen Einsatz, darunter sogar 93 % der jüdischen Israelis. In Israel ist ein solcher Grad an Konsens außergewöhnlich.
Die Erklärung liegt darin, wie Israelis die Lage einschätzen. Israelis haben in den vergangenen drei Jahrzehnten Khameneis Drohungen gehört, seinen militärischen Aufbau beobachtet und die Angriffe der von ihm bewaffneten und finanzierten Terrororganisationen selbst erlebt.
Für Israelis ist die iranische Bedrohung real, unmittelbar und existenziell. Ihre Beseitigung übersteigt daher politische Spaltungen.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht das Bild ganz anders aus.
In den USA ist die öffentliche Meinung über den Krieg deutlich stärker gespalten. Umfragen zeigen eine Zustimmung von etwa 40 %, die stark entlang parteipolitischer Linien verläuft. Amerikaner, die Trump unterstützen, befürworten den Feldzug überwiegend; diejenigen, die ihn ablehnen, tun dies in der Regel auch beim Krieg.
Der Krieg hat diese beiden Lager nicht vereint, sondern die Polarisierung sogar noch verstärkt.
Während Israelis den Krieg weitgehend als Frage des nationalen Überlebens betrachten, sehen viele Amerikaner darin lediglich einen weiteren entfernten Konflikt im Nahen Osten mit unklaren Zielen – und einen, der sich möglicherweise an der Zapfsäule bemerkbar macht.
Diese Wahrnehmungslücke wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass es der Regierung nicht gelungen ist, die Konfrontation mit dem Iran überzeugend als unmittelbar mit amerikanischen Sicherheitsinteressen verbunden darzustellen.
Das Ergebnis ist eine politische Dynamik, in der Israelis den Krieg weitgehend unterstützen, während Amerikaner darüber tief gespalten bleiben – eine Divergenz, die zunehmend bedeutend werden könnte, wenn sie die Durchhaltefähigkeit Washingtons im Krieg beeinflusst.

Jerusalem, Westmauer aka „Klagemauer“, Oktober 2025
5. Iran erhöht globalen Druck, den Krieg zu beenden
Die Art und Weise, wie der Iran das Schlachtfeld erweitert hat, indem er Raketen auf seine Nachbarn am Golf – und darüber hinaus – abfeuert, verrät viel über seine strategischen Überlegungen.
Auf den ersten Blick mögen Teherans Raketenangriffe auf Israel wie die zentrale Front des Konflikts erscheinen. Diese Angriffe stören selbstverständlich den Alltag und die Wirtschaft des Landes erheblich – und der Iran weiß das. Teheran zeigt damit, dass es Israel direkt erreichen kann, dass es Störungen verursachen und die israelische Gesellschaft unter Druck setzen kann.
Doch der Iran weiß auch, dass diese Raketen Israel nicht besiegen oder zu einem Waffenstillstand zwingen werden. In diesem Sinne ist der Beschuss Israels in gewisser Weise symbolisch – ernst, aber symbolisch.
Die Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate – die mehr Raketen und Drohnen abgefangen haben als Israel – sowie auf Bahrain, Saudi-Arabien und andere Ziele am Golf sind strategisch weit bedeutsamer.
Diese Angriffe – neben amerikanischen diplomatischen und militärischen Einrichtungen – richteten sich gegen Flughäfen, Öl-Infrastruktur, Hotels und andere zivile wirtschaftliche Einrichtungen.
Die Auswahl der Ziele folgt einer klaren Logik.
Der Golf ist der sensibelste Energiekorridor der Welt. Störungen dort wirken sich sofort auf Ölmärkte, Schifffahrtsrouten, Versicherungskosten und globale Lieferketten aus.
Teherans Kalkül ist, dass wirtschaftliche Instabilität im Golf nicht nur diese Länder alarmiert, sondern auch Regierungen in Europa und Asien, deren Volkswirtschaften von Energie aus dieser Region abhängig sind.
Wenn Märkte erschüttert werden und Ölpreise steigen, könnte international der Druck auf Trump wachsen, den Krieg zu beenden.
Und diese Strategie ist nicht unrealistisch.
Man denke an die Worte des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz am Dienstag. Obwohl er versteht, worum es in dem Krieg geht, und seine Ziele unterstützt, sagte er angesichts steigender Ölpreise: „Die Vereinigten Staaten und Israel führen seit über einer Woche Krieg gegen den Iran. Wir teilen viele ihrer Ziele. Doch mit jedem Tag des Krieges entstehen neue Fragen. Besonders besorgt sind wir darüber, dass es offenbar keinen gemeinsamen Plan gibt, diesen Krieg schnell und überzeugend zu beenden.“
Der Iran versucht also, wirtschaftliches Chaos auszulösen, in der Hoffnung, dass externe Mächte Druck auf Washington ausüben, den Krieg zu beenden.
Teheran setzt darauf, dass eine wirtschaftliche Ausweitung des Konflikts in diplomatischen Einfluss umschlägt. Doch dieselben Angriffe könnten auch das Gefühl gemeinsamer Verwundbarkeit unter den Golfstaaten verstärken, die Irans Ambitionen ohnehin misstrauisch gegenüberstehen.
Diese Dynamik könnte neue Bündnisse in der Region hervorbringen. Dennoch wäre es verfrüht anzunehmen, dass dies automatisch zu großen diplomatischen Durchbrüchen wie einer Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien führen wird.
Selbst wenn der Iran geschwächt aus dem Krieg hervorgeht, werden Riad und andere Hauptstädte am Golf vorsichtig bleiben, was das regionale Machtgleichgewicht betrifft. Die Saudis fürchten seit langem eine iranische Hegemonie in der Region – und wie die iranischen Angriffe auf Teile ihrer Ölinfrastruktur in dieser Woche zeigen, nicht ohne Grund. Aber sie werden ebenso wenig wollen, dass Israel zu einer überwältigend dominierenden Regionalmacht wird.
Doch eine Schlussfolgerung wird für die Saudis – und für jeden anderen in der Region – schwer zu umgehen sein: Wenn es um weitreichende Aufklärung, operative Reichweite und dauerhafte militärische Einsatzfähigkeit geht, gibt es derzeit im Nahen Osten keinen anderen Akteur, der Israels Fähigkeit erreicht, militärisch auch über große Entfernungen hinweg wirksam zu handeln.
Das mag keine Sympathie schaffen, aber in dieser rauen Nachbarschaft zählt Respekt oft mehr- und Respekt kann die Grundlage für neue Bündnisse sein.

Jerusalem, Altstadt, Arabisches Viertel am Damaskus-Tor, Oktober 2025
Unter Nachdenkenden
Oh yeah. Nimm dies, Kollege Fleischhauer:

Air-to-air combat

Ein F-35I-Kampfjet der israelischen Luftwaffe startet von einem Luftwaffenstützpunkt in Israel zu Angriffen im Iran. (Foto: IDF, 03.03.2026)
„Das jetzt von einer F-35 abgeschossene Modell YAK 130 gehört zu einer Flotte, die der Iran erst 2023 von Russland erworben hat. Das Modell, das ursprünglich als Jet-Trainingsflugzeug konzipiert wurde, ist in technischer Hinsicht gegen eine israelische F-35 praktisch chancenlos“, berichtet die paywallgeschützte bürgerliche Presse.
Das wissen doch alle Beteiligten? Warum lassen die Perser dann so ein Flugzeug in die Luft? War der israelische Pilot eine Frau und somit sowieso besser? (Har har) Oder wollte es Allah so? Oder war es eine Frage der Ehre, sich abschießen zu lassen?
„The last time IAF jets shot down a manned enemy aircraft was on November 24, 1985, over Lebanon. In that incident, an IAF F-15 downed two Syrian MiG-23 fighters.“
Zwei gegen 28 funktioniert übrigens auch.
Tzedek ve-Shalom Synagogue

Auf dem großen Schild steht: זה השער לה‘ צדיקים יבאו בו. „Dies ist das Tor des Herrn; die Gerechten werden durch es eintreten.“ (Psalm 118,20)
Auf dem kleinen Schild in Niederländisch: Ter herinnering aan het woord in gebruikneming van de synagoge – 26 november 1889 – 28 cheshvan 5650. „Zur Erinnerung an die Einweihung (Ingebrauchnahme) der Synagoge 26. November 1889 – 28. Cheschwan 5650“
Die Tzedek ve-Shalom Synagoge aus Paramaribo, Surinam, heute im Israel-Museum, Jerusalem. Fotografiert im Oktober 2025.
Die Tzedek-ve-Shalom-Synagoge, 1736 in Paramaribo, der Hauptstadt Surinames, gegründet, ist ein typisches Beispiel spanisch-portugiesischer Synagogen in der Neuen Welt.
Die Republik Surinam – früher als Niederländisch-Guayana bekannt – ist ein tropisches Land an der Nordküste Südamerikas, unmittelbar nördlich von Brasilien gelegen. In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörten Juden spanischer und portugiesischer Herkunft, die während der Inquisition nach Holland geflohen waren, zu den frühen europäischen Siedlern in Suriname. Sie errichteten entlang des Suriname-Flusses Zuckerrohrplantagen, denen sie biblische Namen gaben, und gründeten in der Savanne ein Dorf, das sie „Jerusalem am Flussufer““ nannten. Auch als Jüdische Savanne bezeichnet, wurde es bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zum Zentrum dieser abgelegenen Kolonie, bevor die meisten Juden nach Paramaribo übersiedelten.
Die Tzedek-ve-Shalom-Synagoge, die ursprünglich in der Mitte eines großen Hofes lag, ist ein neoklassizistisches Holzgebäude von rechteckigem Grundriss, weiß gestrichen. Der von drei Rundbogenfenstern flankierte Haupteingang führt in einen breiten, basilikaartigen Saal, dessen hervorstechende Merkmale typisch für die spanisch-portugiesische Tradition sind: Die Bima (Tevah, Lesepult) befindet sich der Tora-Arche (Heichal) gegenüber; die Bänke der Gemeindemitglieder verlaufen entlang der Wände und sind zur Mitte hin ausgerichtet, darunter auch besonders hervorgehobene Sitze für die Gemeindevorsteher (Parnassim) und den Gemeindeleiter; zudem hängen prächtige Messingleuchter niederländischer Herkunft von der Decke und zwischen den Säulenreihen, versehen mit den Namen der Stifter, die sie der Synagoge geschenkt haben. Diese Elemente werden ergänzt durch Merkmale der lokalen, regionalen Architektur, wie die schlichte, symmetrische Bauweise, die weißen Wände und großen Fenster, die das Sonnenlicht hereinlassen, sowie der mit Sand bedeckte Fußboden.
Unmittelbar von der Esnoga, der großen portugiesischen Synagoge von Amsterdam, inspiriert, hallt die Tzedek-ve-Shalom-Synagoge von alten Erinnerungen wider und verkörpert zugleich neue architektonische Elemente. Sie ist ein deutliches Spiegelbild des Charakters der jüdischen Gemeinde Surinams – einer Gemeinschaft, die eine vergleichsweise große Religionsfreiheit genoss und aktiv am Leben der sie umgebenden Gesellschaft teilnahm. (Text in Englisch: Israel-Museum)
Alles nach Plan
Ich plane gerade den Oktober. Dieses Mal habe ich drei Wochen, aber das ist für das, was mich interessiert, immer noch zu wenig.
– Tel Aviv
– Haifa
– Caesarea
– Ayun Stream Nature Reserve
– Berg Hermon
– Tel Hazor Netionalpark, übernachten in Kirjat Schmona (Yarin’s Appartment) oder Metulla
– Mount Meron, von Safed aus?
Von Jerusalem aus:
– Masada
– Yad Vashem
– Hebron
– Adulam Caves (Fahrrad)
– Valley of Elah – Terebentental
– ʿAin Dschālūt – Ma’ayan Harod National Park – Gideon’s Spring, übernachten in Nazareth oder Kibbutz Beit Alfa Guest House?
– Kalya Kibbutz und Qumran Höhlen.
Ölig
Habe ich mir mal gegönnt – ich war neugierig. Die liefern über eine tschechische Adresse. Hat nur zwei Tage gedauert, dann war es da – eigentlich unfassbar.
קיבוץ ארז
Kibbuz Erez
שמן זית כתית מעולה
Natives Olivenöl extra
מכרמי זיתים ישראליים מובחרים
Aus ausgewählten israelischen Olivenhainen
כבישה קרה
Kaltpressung
חמיצות מירבית 0.8%
Maximaler Säuregehalt: 0,8 %
































