El Chepe oder: Archäologie des Befindens

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Cuauhtémoc im Norden Mexikos im Bundesstaat Chihuahua. Über meinen zweiten Aufenthalt in Cuauhtémoc 1981 habe ich am 25.05.2013 schon etwas geschrieben.

Wir könnten heute Sean Connery huldigen oder ihm zum Geburtstag gratulieren. Oder über den Landesparteitag der Link*innen lustig machen, wo man – immerhin! – den Kapitalismus*innen an die Kett*innen legen will – nach der Maxime: Immer die selben Leute treffen sich zu Veranstaltungen, um sich dort gegenseitig zu bestätigen und bejubeln, dass sie auf dem richtigen Weg zur Fünfprozenthürde sind und dass es ganz großartig ist, wenn man halb so viele Stimmen wie weiland die KPD bekommt.

Apropos Weg: Ich musste mir gestern wieder die Frage nach der Zahl 42 stellen, dröselte ich doch stundenlang an eingescannten uralten Dias Fotos, rund zweitausend oder mehr an der Zahl, die zu katalogisieren und den Nachgeborenen zu erhalten ich mir zur Aufgabe gemacht habe, trotz deren zum Teil desaströsen, weil im Original verstaubten Zustands. Ich stellte mir vor, jemand schaute die (wie?) in einem halben Jahrhundert an, eingedenk der oral überlieferten Tatsache, dass der besagte Vorfahre damals in Zeiten, bevor es das Internet als Massenmedium gab, in Lateinamerika auf das Abenteuerlichste herumgereist sei. Ist das in irgendeiner Weise relevant? el pasoOder werden diese Nachfahren verständnislos auf diese Fotos starren und mich für bekloppt erachten, weil ich zum Beispiel 1979 es versäumte, gleich Videos zu drehen – anstatt platt und zweidimensional etwas zu dokumentieren, was für andere ohnehin keinen Sinn ergibt? Ich sage nur: Dias! Wie meinen?

Gestern schaute ich Passagen meines ersten Reisetagebuchs (1979/80) an; einige Stellen hatte ich seit dem Notieren nie wieder gelesen. Merkwürdig, was ich damals wichtig fand! Das Geschreibsel klingt irgendwie hilflos und naiv. Es war meine erste Reise außerhalb Europas, und vorher war ich auch nicht viel herumgekommen. Ich plante ursprünglich, ins kalte Wasser zu springen und allein loszuziehen, aber ein Freund wollte unbedingt mit (was ich später bedauerte, weil wir nicht dieselbe Art des Abenteuerns mochten und oft vor der Option standen, getrennt weiterzureisen. Es war wie in der Ehe eine Frage des Abwägens der Vor- und Nachteile.)

Ich versuchte, mir mich selbst vorzustellen: Die paar Wochen in den USA waren exotisch: New York, New Orleans, das Space Center in Houston (leider ist das Foto, was ich im Kontrollraum gemacht hatte, verschollen), Santa Fe. Aber danach wurde es ganz anders: Mexiko?! Eine mir damals noch ziemlich fremde Sprache – was würde mich erwarten? Und danach: Südamerika? In meinem Tagebuch steht am Anfang nur Belangloses. Erst eine Busfahrt entlang des Rio Grande in Richtung El Paso “weckte” mich auf: Ritten da nicht die Apachen entlang – oder so? Was macht man eigentlich, wenn man reist?

Ich hatte einfach Glück. Oder macht man instinktiv etwas, was zum größtmöglichen Abenteuer führt? Aus meinem Reisetagebuch:

27.9.1979 Fahrt Santa Fe – Albuquerque – El Paso. Western-Kulisse am Rio Grande entlang. In El Paso drei Mal die Grenze [zu Mexiko, kleines Foto] überquert, da uns beim ersten Mal der Grenzer in Mexiko zurückschickt, weil kein Zug mehr fahre. Beim zweiten Mal sagen wir, laut Touristen-Information, dass wir mit dem Bus fahren würden, Er lässt uns durch. Fahrt mit dem ordinario [Lokalbus] durch das nächtliche Ciudad Juarez. Erste Gespräche auf Spanisch. [Ich habe nie Spanisch “ordentlich” gelernt. Ich hatte Latein und Französisch in der Schule, der Rest war learning by doing.]

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Hof von Mennoniten in Cuauhtémoc, im Hintergrund eine ihrer typischen Kutschen. Die orthodoxen Mennoniten benutzen keine Autos.

28.09. Kommen im 1.30 Uhr nachts in Chihuahua an. Suchen ein Hotel, es gibt nur eines mit allem Konfort (damals 250 Pesos pro Nacht). Sind zu müde, um ein anderes zu suchen. Frühstück: Tortillas! Fahren mit dem Bus nach Cuauhtémoc. Der Bus ist gerammelt voll. Cuauhtémoc hat einen komischen Bahnhof. Ein Kerl [ein Mennonite], dem die Getreidesilos gehören, spricht uns an. Nachdem er gehört hat, dass wir aus Alémania federal kommen [und nicht aus der DDR], lädt er uns zu sich ein, Wir verbringen den Nachmittag im Café [Ausblick von dort oberstes Foto], trinken zahllose Cola und spielen Schach. Die Bettler kommen uns bis ins Café hinterher. Viele Schuhputzerjungen. Mennoniten in traditioneller Tracht.

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In der Nähe des Bahnhofs von Cuauhtémoc, im Hintergrund Mennoniten-Jungen mit Cowboy-Hut, den alle Männer tragen.

Bei den Mennoniten abends gibt es Bratkartoffeln mit Bouletten. Lange Gespräche. Der Mann behauptet, die Mexikaner enteigneten alle reichen Bauern. Wir kriegen die Adresse seines Sohnes in Belize!

29.09. Frühstück mit anderen Mennoniten. Fresspakete für uns: Brote mit Schinken. Redekop [der Familienname des Mennoniten] organisiert den Fahrkartenverkauf, so dass wir bevorzugt werden.

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Bahnstrecke Cuauhtémoc nach El Sufragio – Ferrocarril Chihuahua al Pacífico

Der Zug nach El Sufragio [Sonora] fährt um 10 Uhr. Keine Schranken an den Gleisen, keine Signaltöne. Kaputte Scheiben, Musik und fliegende Händler. Das Gebirge ist abenteuerlich: 89 Tunnels und 40 Brücken. Zwischenstopp an der Barranca del Cobre [“Kupferschlucht”, Foto ganz unten]. Viele ärmliche Dörfer, die Leute hausen zum Teil ins ausrangierten Waggons. Händler verkaufen Papageien, Tacos, Bananen, Tequila.

Heute weiß ich, dass die Zug “El Chepe” genannt wird und dass ich auf einer der exotischsten und aufregendsten Eisenbahnrouten der Welt war. Wikipedia zu dieser Strecke: “Von der Hafenstadt Topolobampo an der Pazifikküste führt die Strecke über Los Mochis [dort liegt El Sufragio] nach El Fuerte und schlängelt sich dann durch die zerklüfteten Felsen der Sierra Madre Occidental, vorbei an schwindelerregend tiefen Schluchten und bizarren Felsformationen. Über viele Brücken und durch zahlreiche Tunnel wird ein Höhenunterschied von 2400 m bewältigt. Während der mehrere Stunden dauernden Reise durchfährt der Zug verschiedene Landschafts- und Vegetationsformen: die Pazifikküste mit ihrem subtropischen Klima genauso wie kühle Bergregionen und Kakteensteppen.”

Wir kommen abends um 20 Uhr in Sufragio an und haben sofort Anschluss nach Guadalajara. Eine sehr kesse Mexikanerin, die angeblich in Florida als Diätassistentin gearbeitet hat, gibt uns ihre Adresse und die ihrer Freundin in Lima, Peru.

29.09. Um fünf Uhr am Morgen sind es schon 25 Grad [im Zug]. Sonnenaufgang im Gebirge, dazwischen Palmen im Nebel, davor grünes, wucherndes Gestrüpp. Hinter jedem Tunnel ist ein Postkarten-Motiv. Der Zug braucht 22 1/2 Stunden. Wir sind total verdreckt, aber bekommen zum Glück vom Fraß der fliegenden Händler keinen Durchfall.

War das jetzt wichtig zu erfahren? Wichtiger als die aktuellen Nachrichten? Ich bin ein egoistischer Schreiber und mache, was ich will. Zu meinen Fotos fällt mir oft mehr ein und ich muss mehr recherchieren als etwa bei schlechten Nachrichten zur aktuellen Seuche, Gift oder nicht Gift oder zum gegenwärtigen Vorsitzenden des Ausschusses der herrschenden Klasse in den USA.

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Kupferschlucht (Barranca del Cobre)

Palace of the Governors

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Palace of the Governors, Santa Fe, USA, fotografiert am 26.9.1979. Ich stand auf der Lincoln Avenue.

Meinem Reisetagebuch entnehme ich, dass wir im De Vargas Hotel waren, das heute Hotel St. Francis heißt. Damals haben wir für ein Doppelzimmer mit Bad 22 Dollar bezahlt. Heute kostet es das Fünffache.

1891 St. John Church

1891 St. John Church

Houston, Texas, USA, 1891 St. John Church, im Sam Houston Park, fotografiert am 23.09.1979.

The 1891 St. John Church was built by German and Swiss immigrant farmers in northwest Harris County for their Evangelical Lutheran congregation. It was either the second or third church building for the congregation, which formed around 1860. Services were held primarily in German until the 1930s.

In meinem Reisetagebuch fand ich noch: “Im Busbahnhof zwei Engländer, die sich darüber beschweren, dass niemand ihre Flagge kennt. Zwei Franzosen sprechen kein Englisch, ich muss beim Fahrkartenkauf übersetzen. Wir werden nach Santa Fe über Fort Stockton fahren.”

About: Folks

Meine Wahlverhersage, dass Trump gewinnen wird, muss ich angesichts der Pandemie relativieren. Jetzt prophezeie ich: Wenn Trump Texas gewinnt, hat er auch die Wahl gewonnen. So einfach ist das.

German Deli

german deli

Aufgenommen Anfang September 1981 in Washington D.C., USA. Meine damalige Freundin hatte “deutsches” Brot gekauft, das man aber biegen konnte wie ein Radiergummi.

Hanover Street

wall street hanover

New York, fotografiert 1979, Wall Street Ecke Hanover Street. Ich bin mir unsicher, ob es nicht auch 1981 gewesen sein könnte, aber ich war auf jeden Fall 1979 in der Wall Street (und suche gerade vergeblich nach dem Foto mit dem Straßenschild Wall Street, an das ich mich erinnern kann). Die Perspektive dieses Fotos war schwer zu finden; offenbar ist auch die Einbahnstraße jetzt andersherum. Im Hintergrund die Trinitychurch.

Unter politischen Kleinanalysten

john watts statue

New York, John-Watts-Statue auf dem Trinity Church Cemetery außerhalb der Trinity Church in Manhattan (im Hintergrund). (Ich weiß nicht, warum die Leute bei Google Maps keine Beine haben.) Ganz im Hintergrund die Türme des ehemaligen World Trade Centers. Das Foto habe ich 1981 gemacht.

Ihr könnt mich gern einen politischen Kleinanalisten nennen. (Von der Taz und dem Spiegel lernte ich, dass es im Deutschen offenbar das Wort Großanalysten gibt, was mir bisher entgangen war.)

Ich sag(t)e die Wiederwahl Donald Trumps voraus. Ich prophezeie jetzt, dass Bernie Sanders raus ist und es zu einem Zweikampf zwishen Joe Biden und Trump kommen wird, den Trump nur gewinnen kann.

Warum? Biden ist der Vertreter der Parteifunktionäre des “demokratischen” Establishments, das auch die Superdelegierten dominiert. Die Superdelegierten werden ohnehin Biden nominieren, wenn keiner der beiden Kandidaten die Mehrheit bekommt.

Die enttäuschten Fans von Sanders werden nicht automatisch Biden wählen, sondern gar nicht oder sogar Trump. Es kommt darauf an, welches Thema für sie wichtiger ist: Biden ist ein Kriegshetzer und Bellizist, der nicht nur dazu riet, den Balkan zu bombardieren, sondern auch mehr Truppen in Afghanistan wollte und in Syrien einmarschiert wäre.

Sanders ist gegen eine Verschärfung des Waffenrechts, er steht damit Trump näher als Biden.

Wenn ich recht behalte, müssen die politisch interessierten Leserinnen und die gebildeten Leser mich ab dann einen Großanalysten nennen.

Jefferson Memorial

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Das Thomas Jefferson Memorial in Washington D.C., fotografiert am 22.09.1979 auf der Durchfahrt. (Es folgte eine 33-stündige Busfahrt nach New Orleans.)

Das ist wieder ein hübsches geografisches Rätsel. Offensichtlich habe ich das von Osten aufgenommen; im Vordergrund sieht man das Headquarters National Park Service. Mein Standpunkt war aber höher – wenn man heute etwa die Francis Case Memorial Brücke auswählt, kann man das Denkmal nicht sehen. Von der Main Avenue SW kann man das kleine Gebäude am anderen Ufer gerade noch ausmachen, aber die Perspektive ist zu tief. Ich saß im Bus, also muss es eine Strasse sein. Oder es ist so viel gebaut worden, dass man den Punkt, wo ich damals geknipst habe, nicht mehr finden kann.

Littly Italy

little Italy

Little Italy, New York, fotografiert im September 1981.

Am Fluss des Heiligen Geistes oder: El Rio de Espiritu Santo

hernando de soto bridge

Gerade habe ich beim digitalen Aufräumen noch ein schlechtes Foto (Dia) entdeckt, dass ich laut Reisetagebuch am 25.09.1979 aufgenommen habe, durch das getönte Fenster eines Greyhound-Busses, auf der Fahrt von Fort Stockton nach Sante Fe in Texas. Ich finde es komisch, dass ich nach vier Jahrzehnten noch wusste, wo das war, obwohl das Bild wirklich nicht emotional “aufgeladen” ist. Es zeigt Memphis/Tennessee und den Mississippi (mir fällt beim Schreiben ein, dass der sagenumwobene Fluss der Grund war, warum ich unbedingt fotografieren musste – wir habe uns in Memphis nicht aufgehalten).

Nach einigem Ausprobieren habe ich auch den genauen Standort herausgefunden – es war auf der Interstate 40 und der Hernando-de-Soto-Bridge.

Der spanische Konquistador, der hier weitgehend unbekannt ist, war vermutlich der erste Europäer, der den Mississippi gesehen hat.

Southern Pacific

Southern Pacific

Southern Pacific – aufgenommen im September 1981, irgendwo im Südwesten der USA auf dem Weg nach Santa Fe, Texas (durch die Scheiben eines Busses fotografiert, daher der Grünstich).

New York Panorama

New York Panorama

Blick vom Empire State Building nach Norden, New York, USA 1979

Hoch zu Ross

New York

New York 1979 – ob die Cops dort heute noch Pferde haben?

Chinatown

New York chinatown

Chinatown, New York 1979

Disco Party Service

disco party service

Fotografiert 1981 in New York, USA.

If Schroeder could see me

snoopy

Fotografiert 1981 in einem Kaufhaus in New York, USA.

Wall Street, backstage

manhattan

Das Foto habe ich 1981 in Manhattan, New York, in der Wall Street gemacht, in Sichtweite der Brooklyn Bridge.

Kurvig

New York

Das Foto habe ich 1981 in New York gemacht. Leider weiß ich nicht mehr, welches Gebäude das ist.

New York

new york

Das Foto habe ich 1979 gemacht.

Die wahren USA

Vice.com: “Fotos von den wahren USA”. Whoa.

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