China: Der 15. Fünfjahresplan
Ich habe Michael Roberts informativen Artikel „China: the 15th National Plan“ übersetzen lassen (vgl. auch Left Horizons), gestrafft, modifiziert sowie Links und Grafiken hinzugefügt. Natürlich wird darüber in den Medien kapitalistischer Staaten kaum berichtet. Und wenn, dann im Panik-Modus: „Wir haben oft nicht geglaubt, dass Chinas Ambitionen realistisch sind“. Man muss die Berichterstattung über China zur Vorsicht dann auch mit pessimistischem Geraune flankieren, bei dem der Schritt zur dreisten Lüge aka Propaganda nur noch winzig ist: „Warum viele junge Chinesen nicht mehr an den „chinesischen Traum“ glauben“. Allein schon der Gedanke, man könne die Wirtschaft planen, würde die Bevölkerung verunsichern.
Der Artikel zum Thema beim isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. kommt mir übrigens bei der Wortwahl bekannt vor, wie auch der in der Wirtschaftswoche. Die Deutsche Welle hat nur übersetzt („adaptiert“) – die Quelle wird weder genannt noch verlinkt.
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China: Der 15. Fünfjahresplan
Die Chinesen nennen den Plan offiziell „15. Fünfjahresplan“.
Die chinesische Regierung hat gerade ihre jährlichen „Zwei Sitzungen“ oder Lianghui abgeschlossen. Der Begriff „Zwei Sitzungen“ bezieht sich auf die Chinesische Politische Konsultativkonferenz des Volkes (CPPCC), ein politisches Beratungsgremium, und den Nationalen Volkskongress (NPC), Chinas oberstes gesetzgebendes Organ.
Formal sind dies keine Treffen der Kommunistischen Partei, sondern Versammlungen des chinesischen Staates. Die Konsultativkonferenz hat größtenteils symbolischen Charakter; führende Unternehmer und lokale Funktionsträger treten dort zu vorher arrangierten Diskussionen auf. Der eigentliche Schwerpunkt liegt auf dem Nationalen Volkskongress, der offiziell über die Wirtschaftspolitik entscheidet. In der Praxis billigt er jedoch lediglich das, was die führende Elite der Kommunistischen Partei bereits im Voraus beschlossen hat. Da etwa zwei Drittel seiner Mitglieder der Kommunistischen Partei angehören, hat der NPC noch nie einen von der Partei eingebrachten Gesetzesentwurf abgelehnt.
Die diesjährigen „Zwei Sitzungen“ unterschieden sich insofern von früheren, als neben der Verabschiedung der Wirtschaftspolitik für dieses Jahr auch dem 15. Nationalen Plan zugestimmt wurde, der die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft bis zum Ende dieses Jahrzehnts festlegt.
Erstens wurde beschlossen, für das Jahr 2026 ein Ziel von etwa 4,5–5,0 % realem BIP-Wachstum festzulegen. Es war das erste Mal seit 1991, dass der Zielwert unter 5 % lag. Ministerpräsident Li erklärte bei der Vorstellung der wirtschaftlichen Zielvorgaben, dass das niedrigere Ziel auf Unsicherheiten im Welthandel und in der geopolitischen Lage zurückzuführen sei. Dennoch blieb das Wachstumsziel moderat, und die Führung zeigte sich zuversichtlich, dass es erreicht werden könne.
Für diese Einschätzung gibt es gute Gründe. Im Jahr 2025 betrug das reale BIP-Wachstum Chinas 5 % – ein Wert, der unter den großen Volkswirtschaften der Welt nur von Indien übertroffen wurde (das seine BIP-Daten übertreibt) und mehr als doppelt so hoch war wie die Wachstumsrate der USA sowie dreimal so hoch wie die der übrigen führenden G7-kapitalistischen Volkswirtschaften.

Source: International Monetary Fund (IMF)
Seit 2020 hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, dass China bis 2035 zu einer „Volkswirtschaft mittleren Einkommensniveaus“ wird (von der Weltbank definiert als 20.000 US-Dollar pro Person zu Preisen von 2020). Das bedeutete faktisch eine Verdopplung des Pro-Kopf-BIP innerhalb von 15 Jahren.
China ist klar auf Kurs, dieses Ziel zu erreichen, da das Pro-Kopf-Einkommen nur mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von etwa 4,17 % wachsen müsste. Nimmt man an, dass das reale Pro-Kopf-BIP künftig im Durchschnitt um etwa 4,5 % pro Jahr wächst, würde China die Definition der Weltbank bereits 2034 übertreffen.
Selbst dann läge Chinas Pro-Kopf-BIP jedoch nur bei etwa 27 % des US-Niveaus (unter der Annahme, dass das Pro-Kopf-BIP der USA künftig im Durchschnitt um 1,5 % pro Jahr wächst). Im Gegensatz dazu würde Indiens Pro-Kopf-BIP bis 2035 nur etwa 5 % des US-Niveaus erreichen.
Beim BIP-Wachstum spielt die Größe einer Volkswirtschaft eine entscheidende Rolle. Im Jahr 2025 stieg Chinas BIP um 5 %, was einem Zuwachs von 970 Milliarden US-Dollar entspricht. Um dies in diesem Jahr zu erreichen, müsste China lediglich ein BIP-Wachstum von 4,75 % erzielen.
Im Gegensatz dazu wuchs Indien offiziell im Jahr 2025 um 7,6 %, was jedoch nur etwa 326 Milliarden US-Dollar entspricht. Das bedeutet, dass Indiens BIP-Zuwachs dreimal kleiner war als der Chinas. Um im absoluten Betrag (in Milliarden Dollar) so stark zu wachsen wie China, müsste Indien in einem einzigen Jahr etwa 25 % Wachstum erreichen. Die schiere Größe zählt.
Chinas BIP-Zahlen und Wachstumsraten werden von vielen westlichen Mainstream-Ökonomen sowie von einigen Vertretern der heterodoxen Linken immer wieder in Zweifel gezogen. Dabei bringen sie im Wesentlichen zwei Argumente vor.
Erstens behaupten sie, die statistischen Daten Chinas seien gefälscht oder unzuverlässig. Zweitens argumentieren sie, dass sich Chinas Wirtschaft wegen übermäßiger Verschuldung, eines Zusammenbruchs des Immobilienmarktes und einer sinkenden Produktivitätsdynamik künftig stark verlangsamen und in Richtung Stagnation entwickeln werde – ähnlich wie es Japan seit den 1980er-Jahren erlebt hat.
Die angesehenen Penn World Tables haben jedoch kürzlich bestätigt, dass sie Chinas Wachstumsdaten im Großen und Ganzen für korrekt halten und nicht länger versuchen, sie nach unten zu „korrigieren“.
Was Verschuldung und Immobilienmarkt betrifft: Ja, die Unternehmensverschuldung ist hoch, und der Immobilienmarkt befindet sich weiterhin im Abschwung. Doch nahezu die gesamte Verschuldung wird aus inländischen Ersparnissen finanziert, anders als in vielen anderen Fällen rascher Kreditexpansion weltweit.

Source: Federal Reserve Bank of Dallas
Diese Schulden sind also durchaus tragbar. Was den durch die COVID-Pandemie ausgelösten Einbruch des Immobilienmarktes betrifft, so verringert sich dessen Belastung für die Wirtschaft allmählich.

Source: Goldman Sachs – Der schrumpfende Immobilienmarkt Chinas dürfte das Wachstum künftig weniger stark bremsen.
Produktivitätswachstum ist in einer Wirtschaft mit sinkender Erwerbsbevölkerung von entscheidender Bedeutung. Es ist zwar von ehemals hohen Werten zurückgegangen, Chinas Wachstum liegt aber immer noch deutlich über dem Niveau der fortgeschrittenen kapitalistischen Volkswirtschaften.

Source: Burks
Westliche Ökonomen fordern immer wieder, dass China
– aufhört, verarbeitete Exportgüter als Haupttreiber des Wachstums zu nutzen,
– aufhört, diese Exporte „unfair“ zu subventionieren, wodurch sie Konkurrenten verdrängen, und
– stattdessen den inländischen privaten Konsum erhöht und Sparen sowie Investitionen reduziert.
Ein jüngstes Beispiel für solche politischen Forderungen kommt vom Internationalen Währungsfonds (IWF): „China kann sich in den kommenden Jahren nicht darauf verlassen, dass immer höhere Exporte ein dauerhaftes Wachstum antreiben. Daher ist der Übergang zu einem konsumgetriebenen Wachstum die übergeordnete wirtschaftspolitische Priorität.“
Der Konsum der privaten Haushalte in China stagniert nicht, sondern wächst mit 4,4 %, also mehr oder weniger im Einklang mit dem BIP-Wachstum. Exporte sind nicht der Haupttreiber des Wachstums. Der Nettohandel machte etwa 20 % des Wachstums im Jahr 2025 aus; der Rest wurde durch inländischen Konsum und Investitionen getragen.
Das schnelle Produktivitätswachstum hat Inflation vermieden und ist nicht auf eine angebliche „Schwäche der inländischen Nachfrage“ zurückzuführen. Warum sollte China also von seiner investitionsgetriebenen Wirtschaftsstruktur abweichen, durch die der durchschnittliche Reallohn in den Städten seit 1978 um 2.406 % gestiegen ist, was die Kaufkraft um das 25-Fache erhöht hat? Können die konsumgetriebenen Volkswirtschaften der USA und des Vereinigten Königreichs einen vergleichbaren Anstieg der Kaufkraft ihrer Haushalte vorweisen?
Was die angeblich „unfairen“ Subventionen für Chinas Industrie betrifft, kam ein jüngster Bericht zu folgendem Schluss: „Während China tatsächlich ein aktiver Nutzer industrieller Subventionen ist, hat sich die direkte fiskalische Unterstützung seit 2008 stabilisiert. Der strategische Schwerpunkt hat sich klar von der Anwerbung ausländischer Investitionen hin zur Förderung inländischer Innovation und technologischer Fähigkeiten verlagert. Subventionen für die Industrieproduktion sind entgegen der verbreiteten Wahrnehmung relativ moderat und dezentral organisiert.“
Ein Beispiel sind Kraftfahrzeuge. Sowohl BYD als auch Tesla von Elon Musk produzieren Elektrofahrzeuge in China. Dennoch hat BYD deutlich niedrigere Kosten. Die vertikale Integration ist bei BYD sehr hoch, und Forschung und Entwicklung sind deutlich günstiger. Staatliche Subventionen spielen nur eine geringe Rolle bei der Kostensenkung.
Der 15. Nationale Plan knüpft in seinen Zielen eng an den gerade abgeschlossenen 14. an. Er ist ein konkreter Plan, mehr als nur eine Richtlinie oder ein Wunschtraum. Viele der Ziele gelten als verbindlich und müssen daher umgesetzt werden.
Im jüngsten Plan, der rund 20 Indikatoren umfasst, liegt der Schwerpunkt nun weniger auf der wirtschaftlichen Entwicklung als vielmehr auf der Verbesserung des Lebensstandards.
Ökologische Entwicklung ist weiterhin wichtig. Chinas Kohlendioxidemissionen (CO₂) sanken im vierten Quartal 2025 um 1 %, was voraussichtlich einen Rückgang von 0,3 % für das Gesamtjahr sichern wird. Damit setzt sich der seit März 2024 anhaltende Trend stagnierender oder sinkender CO₂-Emissionen in China fort.

Source: Carbon Brief
Die CO₂-Zahlen deuten darauf hin, dass Chinas Kohlenstoffintensität – also seine Emissionen aus fossilen Brennstoffen pro Einheit des BIP – 2025 um 4,7 % und im Zeitraum 2020–2025 um 12 % gesunken ist. Damit bleibt China jedoch unter dem Ziel einer Reduktion um 18 %, das im letzten Fünfjahresplan festgelegt wurde.
China müsste seine Kohlenstoffintensität in den nächsten fünf Jahren um etwa 23 % senken. Der 15. Fünfjahresplan zielt jedoch nur darauf ab, sie bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 17 % zu reduzieren. Damit zeichnet sich ab, dass China sein sehr ambitioniertes Ziel für 2030, die Kohlenstoffintensität bis dahin um 65 % zu senken, verfehlen wird.
Chinas Solarindustrie ist in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem Vorzeigeexample für den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes geworden. Die Produktion chinesischer Solartechnologie wuchs zwischen 2004 und 2013 jährlich um 76 %. Gleichzeitig sind die Kosten für Solarenergie um mehr als 90 % gefallen, wodurch sie mit fossilen Energieträgern konkurrenzfähig geworden ist.
Subventionen für Produktion, Installation und Forschung und Entwicklung im Solarbereich waren ein wesentlicher Grund für das explosive Wachstum der chinesischen Industrie. Im vergangenen Jahr wuchs erstmals die Energiespeicherkapazität – hauptsächlich Batterien – schneller als die Spitzennachfrage nach Strom in China im Jahr 2025 und auch schneller als das durchschnittliche Wachstum des vergangenen Jahrzehnts

Source: Solar World Record Database
Chinas Wirtschaft wird heute von Technologieinvestitionen angetrieben, nicht mehr von minderwertigen Fertigwaren oder unproduktiven Immobilieninvestitionen. Es sind die sogenannten „new quality productive forces“, wie chinesische Wirtschaftsstrategen sie bezeichnen. In China sind mehr Elektrofahrzeuge unterwegs als in den USA, und der Ausbau der 5G-Mobilfunknetze in Peking verlief deutlich schneller. Chinas einheimisches Passagierflugzeug C919 steht kurz vor der Serienproduktion und scheint bereit für den Markteintritt, der derzeit von Boeing und Airbus dominiert wird. Das Satellitennavigationssystem BeiDou ist in Abdeckung und Präzision mit GPS vergleichbar.
Auch bei der Dichte von Industrierobotern übertrifft China die USA: 2023 werden dort 470 Roboter pro 10.000 Beschäftigte installiert sein, in den USA hingegen nur 295. China wird die USA auch bei Patenten bald einholen: Der weltweite Anteil Chinas steigt von 4 % im Jahr 2000 auf 26 % im Jahr 2023, während der US-Anteil um mehr als 8 Prozentpunkte sinkt. Chinas Halbleiterproduktion beträgt mittlerweile ein Viertel der globalen Produktion, verglichen mit 16 % in den USA und 7 % in Europa.

Diese Grafik visualisiert die globale Halbleiterindustrie nach Marktkapitalisierung (Stand: 24. November 2025) und zeigt die Daten aufgeschlüsselt nach Ländern. Die Daten für diese Visualisierung stammen von CompaniesMarketCap.com. Die Kategorie „Übrige Welt“ umfasst 16 Unternehmen aus 11 Ländern. Source: visualkapitalist.com
China hat noch einen langen Weg vor sich. Bis zum Ende des neuen Nationalen Plans werden sich die Lebensstandards durchschnittlicher chinesischer Haushalte zwar deutlich verbessert haben, doch Chinas Pro-Kopf-Einkommen und Produktivität werden weiterhin deutlich unter denen der G7-Staaten liegen. Zudem wird es schwierig sein, qualifizierte junge Menschen in Beschäftigung zu bringen, da die Automatisierung in einer zunehmend technisierten Industriegesellschaft immer mehr Arbeitskräfte ersetzt. Schon jetzt ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch.

China weist im internationalen Vergleich eine hohe Einkommensungleichheit auf, die jedoch niedriger ist als in vielen anderen Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko oder Südafrika. Der Gini-Koeffizient erreichte seinen Höchststand kurz vor der Großen Rezession und ist seitdem rückläufig. Hauptgrund für die hohe Ungleichheit ist die Einkommensdifferenz zwischen Stadt- und Landbevölkerung sowie zwischen den Löhnen in Küsten- und Binnenstädten und den Bildungsabschlüssen.

Der Gini-Koeffizient oder auch Gini-Index ist ein statistisches Maß für die Ungleichverteilungen in einer Gruppe.
Wenn es um die Ungleichheit des persönlichen Vermögens geht, ist China nicht so ungleich wie viele seiner wirtschaftlichen Vergleichsländer. Der Gini-Koeffizient für Vermögensungleichheit ist deutlich höher in Brasilien, Russland und Indien sowie auch in den USA und Deutschland.
Nach den neuesten Schätzungen besitzt das reichste 1 % der Vermögensinhaber in China etwa 31 % des gesamten Privatvermögens, verglichen mit 58 % in Russland, 50 % in Brasilien, 41 % in Indien und 35 % in den USA. Das ist ein guter Maßstab für die ökonomische Macht der obersten Elite und der Oligarchen in diesen Ländern.
Oft wird auf die Zahl der Millionäre und Milliardäre in China verwiesen. Angesichts der Größe der Bevölkerung bleiben Millionäre dort jedoch relativ selten: etwa einer auf 200 Erwachsene, also rund 0,5 %.
In Italien und Spanien machen Millionäre etwa 3 % der Erwachsenen aus; in Frankreich, Österreich oder Deutschland etwa 4 %; in den sozialdemokratischen Ländern Skandinaviens etwa 6 %; über 8 % in den USA und Australien und am höchsten in der Schweiz (15 %).
China hat zwar ein schnelles Wachstum in dieser obersten Vermögensschicht erlebt. Doch obwohl China mehr als viermal so viele Einwohner wie die USA hat, ist die Zahl der vermögenden Amerikaner (High-Net-Worth Individuals) 4,8-mal größer als die entsprechende Zahl in China. Außerdem konzentriert sich die Vermögensungleichheit in China vor allem auf Immobilienbesitz, nicht auf Finanzvermögen (zumindest bisher) – anders als in den wichtigsten kapitalistischen Volkswirtschaften der G7. Das liegt auch daran, dass der Finanzsektor nicht vollständig für den kapitalistischen Privatsektor geöffnet wurde.
Meiner Ansicht nach liegt der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg Chinas in seinem großen staatlichen Sektor, der Investitionen vorantreiben und damit die Ziele nationaler Wirtschaftsplanung umsetzen kann. Das zeigt den Wert öffentlichen Eigentums und staatlich gelenkter Investitionen innerhalb eines nationalen Plans.
Infolgedessen hat China in den letzten 50 Jahren jede Rezession oder schwere Wirtschaftskrise vermieden, sogar während COVID, obwohl es zahlreiche Fehler und Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik der autoritären kommunistischen Führung gegeben hat.
China ist kein sozialistisches Land, aber auch kein kapitalistisches. Dieses Paradox erläutere ich an anderer Stelle.
Anmerkungen zum künstlich intelligenten variablen Kapital oder: „Wir sind nicht vorbereitet“

Artificial intelligence replacing human workers, a large glowing AI brain made of circuits towering over an empty factory floor, robotic arms and algorithms taking over machines while human workers walk away carrying boxes, contrast between humans in shadow and bright cold machines, symbolic illustration of job displacement by AI, dystopian industrial atmosphere, dramatic lighting, highly detailed, conceptual economic illustration, editorial style –ar 16:9 –v 6.0 –s 750 –
Ich darf auf ein paywallgeschütztes Interview hinweisen mit dem Ökonomen Anton Koriniec, Universität von Virginia („Named to TIME100 AI list of the most influential people in artificial intelligence“). Auch Golem hat das Interview abgeschrieben zusammengefasst.
Zentrale Aussagen Korineks: „Die KI wird in ein paar Jahren so gut wie alle intellektuellen Tätigkeiten verrichten können.“ – „Wird der Wert der Arbeit insgesamt weiter steigen oder fällt er, wenn KI und später auch Roboter alle Arbeit berichten können? Bisher war die Antwort immer, dass die Automatisierung nur einen kleinen Teil der Jobs zerstört. In den nächsten paar Jahren besteht aber das Risiko, dass alle Jobs wegfallen, die man vor einem Laptop verrichten kann.“
Golem: „In wenigen Jahren könnte KI so gut wie alle Tätigkeiten erledigen, die vor einem Bildschirm stattfinden. Juristen, Journalisten, Analysten – alle diese Berufe gelten in seiner Einschätzung als gefährdet. Schon heute erledigt KI viele anwaltliche Routineaufgaben halbwegs brauchbar. Und die Systeme verbessern sich laut Korinek alle drei Monate erheblich.“
Dazu habe ich Kritisches anzumerken. Ein bürgerlicher Ökonom hat immer eine enge erkenntnistheoretische Grenze. Sobald die Gesetze des Kapitalismus stringent dazuführen würde, dass dieser sich selbst abschafft (meine These) oder abgeschafft werden müsste (buchgläubige „Marxisten“), ist Schluss mit lustig. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Korinek sagt definitiv etwas über den „Wert der Arbeit.“ Das ist aber sehr ungenau: „Arbeit“ ist kein Synonym für „Jobs“. Es ist richtig, dass die Automatisierung Jobs vernichtet – aber das ist eine Folge des tendenziellen Falls der Profitrate und der immanenten Gesetze des Kapitalismus: Das Kapital muss zwangsläufig alle Komponenten, die den Profit ausmachen, verkleinern – die Ware Arbeitskraft („variables Kapital“ – der Teil des Kapitals, den der Kapitalist vorstreckt, um Arbeitskraft zu kaufen) und die Kosten der Produktionsmittel („konstantes Kapital“ – ganz exakt: „… handelt es sich um den Teil des aus Produktionsmitteln bestehenden Kapitals, dessen Gebrauchswert im Laufe einer Produktionsperiode durch Verschleiß oder Verbrauch untergeht und dessen Wert im Wert des Produkts wiedererscheint.“)

ChatGPT, 1. Versuch: „mache eine Skizze, die die Begriffe „variables Kapital“ und „konstantes Kapital“ im 1. Band von „Das Kapital“ von Karl Marx veranschaulicht.“ 2. Versuch: „Lasse die Skizze wissenschaftlicher aussehen, es soll auch klar werden, dass der Profit steigt, wenn das variable Kapital billiger wird“.
Golem: „Wenn KI und Roboter irgendwann alle Arbeit übernehmen können – nicht nur einen kleinen Teil -, dann fällt der Wert menschlicher Arbeit insgesamt. Nicht nur der eines bestimmten Berufsbildes. Das ist der Kern seiner Überlegung, und er verschweigt nicht, wohin das führen könnte: zu Massenelend, wenn die Verteilungsfrage nicht gelöst werde.“
Da muss ich zugunsten des Kapitalismus widersprechen. (Seit wann dürfen bürgerliche Ökonomen die Apokalypse vorhersagen?) Nein, dazu wird es nicht kommen. Dazu ist das System zu flexibel. Der Welt der Waren ändert sich nur tendenziell, nicht absolut.
Elend ist ein relativer Begriff: Das entsteht nur, wenn die herrschenden Klassen machen dürfen, was sie wollen. Man könnte auf die – zugegeben: kühne! – Idee kommen, den real existierenden unermesslichen Reichtum anders zu verteilen. Das würde – auch wenn die sogenannte „Linke“ das hierzulande anders sieht – am System rein gar nichts ändern, aber es würde temporär verhindern, dass „die Massen“ total verarmten und somit auch als Konsumenten wegfielen.
Korinek sieht das ähnlich und recht zynisch: „Wenn die KI dafür sorgt, dass die Wirtschaft so schnell wächst, sollte es möglich sein, einen kleinen Teil der Früchte dafür zu verwenden, dass die Verlierer des technologischen Fortschritts entschädigt werden.“ Klar, entschädigt“, vermutlich durch Brot und Spiele? Die Machtverhältnisse dürfen auf keinen Fall angetastet werden.
Ich habe ChatGPT, Duck.ai und Grok gefragt: „Wenn künstliche Intelligenz viele Bereiche menschlicher Arbeit übernimmt, sinkt dann nach der Theorie von Karl Marx der Gebrauchswert der erzeugten Waren?“ Die Antwort von Grok war am besten:
„Nein, nach Karl Marx’ Theorie sinkt der Gebrauchswert der erzeugten Waren nicht, wenn Künstliche Intelligenz (oder Maschinerie allgemein) menschliche Arbeit übernimmt. Im Gegenteil: Der Gebrauchswert bleibt unverändert oder kann sogar qualitativ steigen. Der Effekt von KI betrifft ausschließlich den Tauschwert (bzw. den Wert) der Waren. [also auch den Tauschwert der Ware Arbeitskraft, B.S.]
Hier die entscheidenden Stellen aus Marx’ Das Kapital (Band 1, Kapitel 1 und 7) kurz und präzise erklärt:
1. Was ist Gebrauchswert?
– Der Gebrauchswert ist die Nützlichkeit einer Ware – ihre Fähigkeit, ein menschliches Bedürfnis zu befriedigen (z. B. ein Mantel wärmt, Brot stillt Hunger, ein Auto transportiert).
Er ist qualitativ und hängt von den stofflichen Eigenschaften der Ware ab, nicht von der Menge der dafür aufgewendeten Arbeit.
Marx schreibt wörtlich: „Der Gebrauchswert wird nur durch den Gebrauch oder die Konsumtion realisiert.“
Und: „Nichts kann Wert haben, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist das Ding nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.“
→ Die Arbeit (auch KI-gestützte) erzeugt also keinen Gebrauchswert – sie macht nur etwas Nützliches. Ob ein Hemd von Hand genäht oder von einer KI-gesteuerten Fabrik in 10 Sekunden produziert wird, ändert nichts an seiner Nützlichkeit.
2. Was ändert sich durch KI/Maschinerie?
– KI ist für Marx nichts anderes als hochentwickeltes konstantes Kapital (wie eine Dampfmaschine oder ein Webstuhl).
– Nur lebendige menschliche Arbeit schafft neuen Wert und Mehrwert.
– Maschinen (und KI) übertragen lediglich ihren eigenen Wert (Abschreibung) auf das Produkt – sie schaffen keinen neuen Wert.
– Ergebnis: Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit pro Ware sinkt dramatisch → der Wert (und damit der Tauschwert) jeder einzelnen Ware sinkt.
Marx formuliert das so (Kapital, Band 1, Kap. 15): „Die Maschinerie vermehrt die Produktivität der Arbeit, d.h. sie befähigt, in derselben Arbeitszeit eine größere Masse von Gebrauchswerten zu produzieren. […] Der Wert der einzelnen Ware sinkt daher.“
3. Was passiert konkret bei Masseneinsatz von KI?
– Gebrauchswert pro Ware: gleichbleibend oder besser (bessere Qualität, mehr Varianten möglich).
Gesamte Gebrauchswerte in der Gesellschaft: steigen massiv (mehr Waren für alle).
– Wert/Tauschwert pro Ware: sinkt (die Waren werden „billiger“ im Sinne der in ihnen verkörperten Arbeitszeit).
– Lohnarbeiter werden tendenziell überflüssig → Mehrwertproduktion gerät in die Krise („Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate„). [Wie ich oben schon schrieb – die KI ist hier logischer als alle bürgerlichen Ökonomen, B.S.]
Kurzes Fazit in Marx’schen Begriffen
– KI ersetzt lebendige Arbeit → Wert der Waren sinkt.
– Der Gebrauchswert bleibt aber unberührt, weil er keine Arbeitszeit-Größe ist, sondern eine Gebrauchs-Eigenschaft.
– Deshalb lautet die Antwort klar: Nein, der Gebrauchswert sinkt nicht. Marx würde sogar sagen: Genau dadurch wird die materielle Basis für eine Gesellschaft geschaffen, in der die Menschen nicht mehr unter dem Zwang der Wertproduktion stehen müssen – aber das ist dann schon ein anderes Kapitel (Kritik der politischen Ökonomie).“
Welche Berufe bleiben übrig? „Sportler, Schauspieler“, „Religiöses Personal“. Ach? Auch das sehe ich anders. Bei Sportlern könnte es stimmen, weil dort die Person, die vermarktet werden will, im Vordergrund steht, nicht die Leistung. Schauspieler? Nein, die Menschen werden sich auch mit künstlich erzeugten Charakteren identifizieren – vgl. Avatar – Aufbruch nach Pandora.“ Und brauchen wir Religion in der Zukunft? Gott bewahre!

Der erste Band meines Ausgabe des „Kapitals“ von Marx mit meinen Notizen aus den 70-er Jahren, als ich mehrere Semester Tutor in Haugs legendären „Kapitalkursen“ war und auch privat Arbeitsgruppen angeleitet habe, zum Teil noch mit Schreibmaschine. Für die Nachgeborenen: „Eine Schreibmaschine ist ein von Hand oder elektromechanisch angetriebenes Gerät, das dazu dient, Text allgemein mit Drucktypen zu schreiben und hauptsächlich auf Papier darzustellen.“ Und nein, ich kann die drei Bände des „Kapitals“ nicht auswendig, genau so wenig wie die Bibel.
Unter Putschisten
Ich lese gerade zwischendurch von Sven Felix Kellerhoff: „Der Putsch: Hitlers erster Griff nach der Macht“ – „Es ist die bis dahin größte Bedrohung für die Weimarer Republik: Mit roher Gewalt wagt Hitler von München aus den Umsturz – und scheitert. Die Demokratie hält stand. Sven Felix Kellerhoff richtet den Fokus auf bislang übersehene Zeugnisse und schildert die tatsächlichen Hintergründe des 8. und 9. November 1923.“
Zitat: „Einem dänischen Journalisten gelang es, in diesen Novembertagen 1922 ein Gespräch mit Hitler zu führen; zunächst am Rande einer Veranstaltung im Bürgerbräukeller, danach am folgenden Vormittag im Parteibüro der NSDAP. »Schon überall wird Hitler der bayrische Mussolini genannt«, begann der Reporter der Regionalzeitung Århus Stiftstidende seinen Artikel, dann schilderte er sein Gespräch mit dem NSDAP-Chef: »Das erste Wort Hitlers an uns ist sehr taktlos: ›Sind Sie Jude?‹ Wir bemerken ihm gegenüber, dass wir nicht gekommen sind, um ein Glaubensbekenntnis abzulegen, sondern um ein Interview zu bekommen. ›Skandinavische Juden sind mir ebenso unsympathisch wie deutsche Juden‹, murrt Hitler.« Dann begann das eigentliche Gespräch: »Wir versuchen, die Frage zu stellen, was die Nationalsozialisten wirklich wollen? ›Wir wollen den Bolschewismus niederschlagen!‹, erklärt Hitler mit einer unangenehm knurrenden Stimme, die wahrscheinlich Entschlossenheit und Energie ausdrücken soll. Er fährt fort: ›Das ist kurz und gut unser Programm.‹ Wir sagen: ›Sind mit diesem lobenswerten Zweck nicht auch bestimmte Absichten für die Wiederherstellung der Monarchie verbunden?‹ ›Die Staatsform ist uns ganz und gar gleichgültig‹, antwortet Hitler: ›Monarchie oder Republik, darauf kommt es nicht an. Wir werden das Gesindel beseitigen, das Deutschland in den Ruin getrieben und das Deutschland zum Sklaven der ganzen Welt gemacht hat.‹ ›Und wie wollen Sie das machen?‹ Hitler antwortet mit einem Zitat: »Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich Dir den Schädel ein.« Um Missverständnisse zu vermeiden, fügt er hinzu: »Und willst Du nicht ein Deutscher sein, dann schlag’ ich Dir den Schädel ein.« Wir sagen: »Glauben Sie denn, dass das Ansehen Deutschlands im Ausland durch solche Gewalttaten verbessert wird?« »Vorläufig sind unsere Bemühungen nicht auf das Ausland gerichtet.««“
Ich kenne den Kellerhof schon sehr lange; wir waren gemeinsam Mitglied in allerlei Vereinen von und für Journalisten. Im Kugelhagel würde ihn nicht an meiner Seite haben wollen, er wäre eh schon vorher geflohen. Das zu charakterlichen Fragen. Alle Bücher Kellerhofs sind angenehm zu lesen und fundiert. Er ist aber ein typisch bürgerlicher Historiker mit den dazu passenden ideologischen Scheuklappen.
„Der Putsch“ ist interessant, wenn man die Situation in der Weimarer Republik mit der heute vergleicht, insbesondere wenn es um die AfD geht. Kann jemand wie Hitler, dem Zeitgenossen vermutlich zu Recht bescheinigten, er sei keine intellektuelle Leuchte und sogar dümmer als Mussolini, plötzlich an die Macht kommen?
Das Buch bestätigt, was schon das Standardwerk zum Thema – Karsten Heinz Schönbachs „Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943“ – mit ausführlich zitierten Quellen belegt: Hitler wäre nie an die Macht gekommen, wenn relevante Fraktionen der deutschen Großbourgeoisie ihn und seine Partei nicht finanziell massiv unterstützt hätten.
Man muss also das Wirtschaftsprogramm der AfD lesen und ob es den Interessen des deutschen Kapitals dient oder nicht. (Fast alles, was aber die Anstalten und andere staatsnahen Medien verbreiten, ist suggestive Propaganda und überzeugt nicht.) Alle anderen Themen wie Einwanderung, Sprachesoterik oder völkisches Gefasel usw. sind irrelevant.
I told you so

Karikatur von Hermann Dyke aus den „Fliegenden Blättern“ gegen Zollschranken und Kleinstaaterei, 1847. (Credits: Universität Heidelberg)
„Das Schutzzollsystem ist nichts anderes als ein Mittel, die industrielle Entwicklung eines Landes auf Kosten der industriellen Entwicklung anderer Länder zu beschleunigen.“ (Rede des Herrn Dr. Marx über Schutzzoll, Freihandel und die Arbeiterklasse, MEW 4)
In der bürgerlichen Presse lese ich: „Der Westen habe seine Industrie auf dem Altar des Freihandels geopfert und lange ignoriert, dass andere Staaten unsere Wirtschaft mit unfairen Handelspraktiken unterminierten. Zusätzlich habe er seine Wettbewerbsfähigkeit riskiert mit hohen Energiepreisen, „um den Klima-Kult zu befrieden“.
Die Ideologie offener Grenzen bringe durch Massenimmigration zudem die kulturelle Identität des Westens in Gefahr, sagte der amerikanische Außenminister. „Die Kräfte zivilisatorischer Auslöschung bedrohen sowohl die USA als auch Europa“, so Rubio.“
Da hat der Rubio natürlich ein bisschen recht. Wer sagt es aber jetzt den deutschen Medien?
It’s the economy. Der Rest ist Feuilleton. Was will uns ein Mitglied des Ausschusses, der in den USA die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie organisiert, damit mitteilen?
„Die Herren von der Bourgeoisie, welche das Schutzsystem befürworten, verfehlen nie, das Wohl der arbeitenden Klasse in den Vordergrund zu schieben. Ihren Worten nach zu urteilen, beginne zugleich mit der Beschützung der Industrie ein wahrhaft paradiesisches Leben für die Arbeiter…“ (Friedrich Engels: Schutzzoll oder Freihandels-System, Deutsche-Brüsseler-Zeitung Nr. 46, 10.06.1847 (MEW 4)
Das interessante Stichwort ist natürlich Freihandel. Jetzt ist die Bourgeoisie also plötzlich gegen „freien“ Handel? O tempora! O mores! Man hört Friedrich List im Grabe rotieren!
Der Begriff „Schutzzoll“ ist ohnehin affirmativ, weil er verschweigt, dass nur die Profite einer bestimmten nationalen Bourgeoisie „geschützt“ werden. Gemeint ist ein Mittel, bestimmte importierte Produkte künstlich zu verteuern, weil sie sonst mehr gekauft würden als Güter der einheimischen Industrie. Man kann das Ergebnis natürlich auch bekommen, indem ein Staat Exporte subventioniert – wie das China macht. Beide Methoden sind zwei Seiten einer Medaille. Die letztere funktioniert in den USA nicht, weil die Beteiligung des Staates an Unternehmen im Vergleich weitaus geringer ist. Daher kann auch viel weniger auf lange Sicht geplant werden.
„Altar des Freihandels“ klingt verzweifelt – und ist es auch. Zölle im jetzigen Stadium des Kapitalismus sind der Volkssturm im Kampf gegen den tendenziellen Fall der Profitrate. Das wird nicht funktionieren, es sei denn, die nationalen Kapitalisten in Europa unterwürfen sich freiwillig den Konzernen der USA und ließen sich die deshalb entgangenen Gewinne von den Steuerzahlern erstatten. Auch das würde nicht lange gutgehen.
Die kulturelle Identität des Westens? Was soll das sein? Die Shoa? Das Christentum? US-Interventionen in Lateinamerika? Der Antikommunismus?
Man lehnt sich zurück und beobachtet die Weltläufte mit Interesse und Vergnügen und mit den Worten: Marx told you so.

Ein Freund und ich auf der Jubelparade vor der Gedächniskirche am 27.1.1989
Unter Politökonomen
Ich war heute faul und habe die Künstliche Intelligenz aufgefordert, einen Artikel über die wirtschaftliche Situation der USA zu schreiben, aber: „Schreibe den Artikel so, als seiest du ein marxistischer Ökonom, und lasse alle Zitate von Regierungsvertretern weg.“

An allegorical, realistic illustration of the contemporary U.S. economy.
In the foreground, a deep chasm divides society. On the left side, exhausted working-class people in worn clothing push heavy burdens labeled “Debt,” “Rent,” and “Healthcare.” Behind them are crumbling houses, closed factories, smoke stacks, and a gray, polluted sky. On the right side, a small group of wealthy figures sits calmly on an elevated plateau made of gold, steel, and glass, surrounded by stacks of money, abstract stock market graphs, and modern skyscrapers glowing in warm sunset light. Banknotes and upward-moving charts drift from the left side toward the right. Beneath the chasm, fire burns with signs reading “Inflation” and “Cost Pressure.” The style is serious, journalistic, and somber — not cartoonish, not satirical, no real politicians or identifiable individuals. Strong color contrast: cold, desaturated tones on the left; warm, rich tones on the right. High detail, symbolic realism, social-critical atmosphere.
Die US-Wirtschaft 2025/26: Wachstum für wen?
Eine Analyse der aktuellen Lage aus politökonomischer Sicht
Die US-Wirtschaft wird Anfang 2026 vielfach als „robust“ oder „widerstandsfähig“ beschrieben. Tatsächlich zeigen zentrale Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt weiterhin Wachstum. Doch eine marxistische Analyse fragt nicht ob die Wirtschaft wächst, sondern für wen, auf wessen Kosten und unter welchen strukturellen Bedingungen dieses Wachstum entsteht.
Wachstum ohne Wohlstand
Das reale Wirtschaftswachstum der USA lag 2025 zeitweise deutlich über dem Durchschnitt der Industrienationen. Haupttreiber war der private Konsum, der rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Dieses konsumgetriebene Wachstum ist jedoch weniger Ausdruck steigenden gesellschaftlichen Wohlstands als vielmehr Resultat zunehmender Verschuldung privater Haushalte und der Notwendigkeit, Reallohnverluste auszugleichen.
Inflationsbereinigt stagnieren die Einkommen großer Teile der arbeitenden Bevölkerung seit Jahren. Während nominale Lohnerhöhungen die Preissteigerungen teilweise ausgleichen, bleibt die Kaufkraft vieler Haushalte unter Druck – insbesondere im Bereich Wohnen, Gesundheitsversorgung und Bildung. Konsum findet daher nicht aus Überschuss, sondern aus ökonomischem Zwang statt.
Arbeitsmarkt: Beschäftigung ja, Sicherheit nein
Die offizielle Arbeitslosenquote bleibt vergleichsweise niedrig. Doch diese Kennzahl verschleiert zentrale Entwicklungen:
Der US-Arbeitsmarkt ist zunehmend geprägt von prekären Beschäftigungsformen, Teilzeitarbeit, Solo-Selbstständigkeit und Plattformökonomie. Produktivitätsgewinne werden seit Jahrzehnten nicht mehr proportional an Löhne weitergegeben, sondern fließen überwiegend in Unternehmensgewinne und Kapitalerträge.
Aus marxistischer Perspektive handelt es sich um eine klassische Phase intensivierter Ausbeutung: Mehr Arbeitsleistung, höhere Flexibilität und geringere soziale Absicherung bei stagnierenden Reallöhnen. Der relative Mehrwert steigt – nicht durch Innovation allein, sondern durch Druck auf die Arbeitskraft.
Profite, Konzentration und Monopolisierung
Während breite Bevölkerungsschichten mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, verzeichnen große Konzerne weiterhin hohe Margen. Besonders im Technologie-, Finanz- und Energiesektor ist eine starke Kapitalkonzentration zu beobachten. Die Marktmacht weniger Unternehmen erlaubt es, Preise zu setzen, Kosten zu externalisieren und Löhne niedrig zu halten.
Diese Entwicklung ist kein Marktversagen, sondern Ausdruck der inneren Logik des Kapitalismus: Konkurrenz führt langfristig zur Monopolisierung. Kleine und mittlere Unternehmen geraten zunehmend unter Druck – nicht nur durch Zinsen und Kosten, sondern durch strukturelle Abhängigkeit von Großkonzernen, Plattformen und Finanzmärkten.
Staatsverschuldung und Klassenpolitik
Die hohe Staatsverschuldung der USA wird häufig als gesamtgesellschaftliches Problem dargestellt. Tatsächlich ist sie Ausdruck einer Umverteilungspolitik zugunsten des Kapitals: Steuersenkungen für Unternehmen, Subventionen, Rüstungsausgaben und Rettungspakete werden kreditfinanziert, während Sozialausgaben politisch umkämpft bleiben.
Die Last der Verschuldung wird langfristig nicht von Kapitalbesitzern getragen, sondern von der arbeitenden Bevölkerung – durch Sparpolitik, Kürzungen öffentlicher Leistungen oder indirekte Besteuerung. Der Staat fungiert hier weniger als neutraler Akteur, sondern als Instrument zur Stabilisierung der Kapitalverwertung.
Ausblick: Abschwächung mit sozialen Folgen
Für die nahe Zukunft deutet vieles auf eine Abkühlung der Wachstumsdynamik hin. Steigende Finanzierungskosten, geopolitische Spannungen und eine begrenzte Kaufkraft der Massen setzen dem konsumgetriebenen Modell Grenzen. Eine klassische Überproduktionskrise ist zwar kurzfristig nicht zwingend, doch die strukturellen Widersprüche verschärfen sich.
Ohne grundlegende Veränderungen – etwa eine Stärkung kollektiver Rechte, Umverteilung von Vermögen, Ausbau öffentlicher Daseinsvorsorge – wird jede wirtschaftliche Abschwächung vor allem sozial ungleich wirken: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.
Fazit
Die US-Wirtschaft steht Anfang 2026 nicht vor einem plötzlichen Zusammenbruch, aber vor einer Vertiefung ihrer inneren Widersprüche. Wachstum existiert, doch es basiert auf Prekarisierung, Verschuldung und zunehmender Ungleichheit. Aus marxistischer Sicht ist dies kein Ausnahmezustand, sondern der Normalzustand eines Systems, das Profit über Bedürfnisse stellt.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob die Wirtschaft weiter wächst, sondern ob die gesellschaftlichen Kosten dieses Wachstums politisch noch tragfähig sind.
Quellen
Nieder mit dem variablen Kapital!
Heise: „China installiert 2024 mehr als die Hälfte aller Industrieroboter weltweit“. Eine interessante Meldung und nicht die erste ihrer Art.
„Die USA sind in Nord- und Südamerika der größte Robotikmarkt. 68 Prozent der Neuinstallationen gehen auf das Konto der USA. 2024 verzeichnet das Land jedoch einen Rückgang um 9 Prozent auf 34.200 Einheiten. Die meisten davon stammen aus Japan und Europa, denn es gibt in den USA nur wenige inländische Roboterhersteller.“
Da hat Trump natürlich schlechte Karten. Aber wie sieht das im Detail aus, und was folgt daraus? Wie man an den Schaubildern der Quelle sehen kann, war vor einem Jahrzehnt die Autoindustrie der Motor, die Automatisierung durch Roboter einzuführen. Mittlerweile hat der Rest der Industrie nachgezogen. In der Elektronikindustrie hat sich kaum etwas verändert, was den Anteil der Roboter angeht – im Verhältnis zu anderen Branchen.

Quelle: World Robotics 2025
Um es realistisch zu machen, muss man diese Zahlen in Relation setzen zum gesamten Umfang der jeweiligen Industrie. ChatGPT sagt hier etwas völlig anderes als im Heise-Artikel suggeriert wird:
Laut International Federation of Robotics (IFR, Stand 2023):
– China: etwa 392 Roboter pro 10.000 Beschäftigte in der Industrie
– Deutschland: etwa 415 Roboter pro 10.000 Beschäftigte
👉 Das bedeutet: Absolut dominiert China, mit mehr als der Hälfte aller weltweit installierten Roboter. Relativ zur Industriegröße liegt Deutschland aber sogar etwas vor China, weil die deutsche Industrie kleiner ist, aber ähnlich viele Roboter einsetzt.
⚖️ Zusammengefasst:
– Ohne Berücksichtigung der Industriegröße: Verhältnis China : Deutschland ≈ 2:1 (54 % vs. 27 %).
– Unter Berücksichtigung der Industriegröße (Roboterdichte): Deutschland und China liegen praktisch gleichauf, Deutschland minimal vorne (415 vs. 392 Roboter je 10.000 Beschäftigte).
Wiederholung vom 07.12.2024 und vom 25.12.2025:
Das variable Kapital besteht aus den Kosten der Ware Arbeitskraft. Je größer die Kosten des variablen Kapitals, um so geringer der Mehrwert und letztlich Profit.
Laut Karl Marx besteht der Unterschied zwischen Mehrwert und Profit darin, dass der Mehrwert die grundlegende Größe ist, die durch die Ausbeutung der Arbeitskraft im Produktionsprozess entsteht, während der Profit eine Erscheinungsform dieses Mehrwerts darstellt, die durch die Konkurrenz und Verteilung im kapitalistischen System beeinflusst wird.
Krieg und KI
Ich habe mir einen interessanten Artikel der Jerusalem Post übersetzen lassen: „Gaza-Krieg und KI-Einsatz führen laut einer Studie des Taub-Zentrums zu steigender Arbeitslosigkeit im israelischen Technologiebereich. Die Arbeitslosenquote in der Branche ist gestiegen und liegt nun über dem Durchschnittswert der gesamten Wirtschaft; im Jahr 2024 gab es zudem einen starken Rückgang an freien Stellen.“
Was mich überraschte: Ein Viertel (!) aller nicht orthodoxen jüdischen Männer arbeitet im High-Tech-Sektor Israels, aber nur 12 Prozent der Frauen.
Israels Technologiesektor, der wichtigste Motor der Wirtschaft, steht laut einer heute vom Taub Center for Social Policy Research veröffentlichten Studie vor einer besonders herausfordernden Phase.
Die Untersuchung stellte einen Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Tech-Beschäftigten, einen Rückgang der offenen Stellen sowie wachsende soziale und geografische Unterschiede fest. Hauptgründe seien laut der Forscher die Folgen des Krieges sowie die beschleunigte Nutzung von KI.
Den Daten zufolge stieg die Zahl der Beschäftigten in Israels Hightech-Industrie zwischen 2014 und 2023 um rund 60 % – ein Zuwachs von etwa 150.000 Beschäftigten, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung. Die Löhne stiegen deutlich und liegen weiterhin weit über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Seit Ausbruch des Krieges hat sich dieser Trend jedoch umgekehrt.
Die Arbeitslosenquote in der Branche ist gestiegen und hat den gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt überschritten. Im Jahr 2024 kam es zudem zu einem starken Rückgang offener Stellen, vor allem für junge und unerfahrene Beschäftigte – ein Phänomen, das als „Junior-Krise“ bezeichnet wird.
Die Studie basiert auf einer umfassenden Analyse der Daten der Arbeitskräfteerhebung 2023–2024 des Zentralamts für Statistik und untersucht den Arbeitsmarkt für Personen im Alter von 25 bis 64 Jahren. Dabei wurden die Erwerbsstatus verschiedener Bevölkerungsgruppen (beschäftigt, arbeitslos, arbeitssuchend) sowie demografische Merkmale wie Geschlecht, Sektor und Wohnort berücksichtigt.
Darüber hinaus wurden sogenannte KI-Expositionsindizes herangezogen, um einzuschätzen, in welchem Umfang typische Tätigkeiten in verschiedenen Berufen von KI-Systemen übernommen werden können, und um das Risiko einer Verdrängung von Arbeitskräften durch Automatisierung zu bewerten.
Die Studie zeigt zudem große Unterschiede in der Beschäftigung: Fast 25 % der nicht-haredischen jüdischen Männer arbeiten im Hightech-Sektor, verglichen mit nur etwa 12 % der nicht-haredischen jüdischen Frauen. In der haredischen Gesellschaft sind weniger als 10 % in der Branche beschäftigt, in der arabischen Gesellschaft weniger als 5 %.
Geografisch gesehen ist die Beschäftigung in den meisten Regionen des Landes zurückgegangen, insbesondere im Norden, rund um den See Genezareth und in Safed, während Jerusalem und die Jesreelebene einen leichten Anstieg verzeichneten. Tel Aviv bleibt zusammen mit Petach Tikva, Haifa und Rehovot führend in Bezug auf die Beschäftigung.
Gleichzeitig stellte die Studie fest, dass Tech-Dienstleistungen die Wirtschaft beim Einsatz von KI-Technologien anführen. Dieser Trend geht mit einem Rückgang bei Neueinstellungen sowie dem Ersatz von Fachkräften durch automatisierte Systeme einher. Die Forschenden warnen, dass langfristig ein deutlicher Beschäftigungsrückgang in der Branche zu erwarten sei, falls keine geeigneten politischen Maßnahmen ergriffen werden.
Prof. Gil Epstein, einer der Autoren der Studie, schreibt: „Die Implementierung von KI und die Beschleunigung der Automatisierung verändern das Gesicht der Beschäftigung in der Hightech-Industrie.“ Laut ihm sei ein spürbarer Rückgang der Zahl der Beschäftigten in Unterstützungsfunktionen zu verzeichnen, begleitet von steigenden Löhnen – ein Trend, der den Bedarf an beruflicher Umschulung und gezielten Qualifizierungsmaßnahmen verstärkt.
Das Taub Center empfiehlt zudem, dass die Regierung eine Strategie entwickelt, die die KI-Revolution nutzt, um hochwertige Beschäftigung zu fördern und Unterschiede abzubauen, insbesondere in Randregionen. „Dies ist eine Bewährungsprobe für die Wirtschaftspolitik Israels“, betonen die Forschenden, „denn die Erhaltung und Stärkung des wichtigsten Wachstumsmotors der Wirtschaft ist entscheidend für Erholung und langfristiges Wachstum.“
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ChatGPT könnte meine Frage, wie das in Deutschland aussieht, nicht exakt beantworten, nannte aber als Quelle eine Studie der Bundesagentur für Arbeit: „Der Arbeitsmarkt für IKT-Berufe im Kontext der Transformation“.
„Ich konnte keine verlässliche Quelle finden, die angibt, wieviel Prozent der deutschen Männer insgesamt im High-Tech-Sektor arbeiten. Ein paar relevante Hinweise:
* In Deutschland sind über 1,12 Millionen sozialversicherungspflichtige IKT-Fachkräfte beschäftigt.
* Der Anteilswert der Beschäftigung im Bereich „High- und mittel-hochtechnologische Fertigung“ liegt laut Eurostat für Deutschland bei etwa 9,60 % (Stand Dezember 2024)
* In der Digital- / Techbranche liegt der Frauenanteil laut Bitkom bei etwa 16 % ([Electro IQ][3]) — daraus ließe sich theoretisch ableiten, dass etwa 84 % der Tech-Beschäftigten Männer sind, aber das ist kein direkter Beleg für den Anteil aller Männer in der Gesamtbevölkerung oder im Arbeitsmarkt, der in High-Tech arbeitet.“
Wenn ich die Daten richtig interpretiere, ist der Anteil der Personen, die in Israel im High-Tech-Sektor arbeitet, fast drei Mal so hoch wie in Deutschland.
Das Scheitern der Mainstream-Ökonomie

Make a realistic photo with a white background of a thick bundle of dollar bills held together by a rubber band
Ich habe mir Michael Roberts Posting „Dollar decline; the failures of mainstream economics and epochal crisis – reviews auf seinem Blog (ist auch in der Blogroll) von Google und ChatGPT übersetzen lassen und das Ergebnis noch sprachlich feinjustiert korrigiert. In Deutschland erscheinen keine marxistischen Bücher zum Thema Ökonomie bzw. Kapitalismus, die es wert wären, rezensiert zu werden. Es gibt hier keine marxistischen Ökonomen, auch nicht bei der so genannten „Linken“. (Ich lasse mich gern des Besseren belehren.) Bei Roberts funktionieren nicht alle Links – das habe ich korrigiert. Meine Bücher-Links gehen zum Original oder zur Großbourgeoisie.
Es ist Hochsommer auf der Nordhalbkugel, daher dachte ich, es wäre an der Zeit, in Ruhe einige Bücher über die Trends der Weltwirtschaft zu rezensieren. Es handelt sich um kurze Rezensionen ohne große Tiefe, und ich schließe neue Bücher aus, die einer ausführlicheren Darstellung bedürfen.
Beginnen wir mit ein paar Büchern, die sich mit der wirtschaftlichen Hegemonie der USA und dem Dollar befassen. Der Mainstream-Ökonom Kenneth Rogoff hat Our dollar, your problem [auch in Deutsch verfügbar] veröffentlicht. Der Titel bezieht sich auf die Aussage des damaligen US-Finanzministers John Connally aus dem Jahr 1971, der seinen europäischen Amtskollegen sagte: Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem, als die USA beschlossen, den Dollar um 20 % abzuwerten, um ihre Handelsbilanz zu verbessern, die auf ein Defizit zusteuerte.
In seinem Buch argumentiert Rogoff, dass die Vorherrschaft des Dollars (die sogenannte „Pax-Dollar-Ära“) auf den Weltmärkten möglicherweise zu Ende geht. Rogoff vermutet, dass dies nicht daran liegt, dass die USA ihren Anteil am Welthandel mit Waren verlieren – was aktuell auch Trump meint. Rogoff sieht keine Anzeichen dafür, dass andere Währungen den Dollar im Handel oder Finanzwesen ersetzen könnten. Der Grund für den Dollarverfall liege in den USA selbst, nämlich im enormen Anstieg der Staatsverschuldung, die mittlerweile auf 125 % des US-BIP zusteuert. Rogoffs Schlussfolgerung lautet: Wenn die außer Kontrolle geratene US-Schuldenpolitik weiterhin mit höheren Realzinsen und geopolitischer Instabilität kollidiert und der politische Druck die Fähigkeit der Federal Reserve, die Inflation konsequent zu zügeln, einschränkt, wird dies zum Problem aller.
Die Frage der Staatsverschuldung war schon immer Rogoffs Thema. Berühmt (oder berüchtigt) ist er für sein gemeinsam mit Carmen Reinhart verfasstes Buch „This Time is Different“, in dem er darlegt, dass Wirtschafts- und Finanzkrisen durch Schulden – insbesondere Staatsschulden – verursacht werden. Erreicht die Staatsverschuldung eines Landes ein bestimmtes Niveau, kommt es zu einer Währungskrise, die die Wirtschaft zum Einsturz bringt. Die Ironie dieses Arguments liegt darin, dass die empirische Arbeit von Rogoff und Reinhart, die diese These untermauerte, von einem Doktoranden als fehlerhaft entlarvt wurde.
Vor allem zwei Dinge: Erstens: Verursacht eine hohe Staatsverschuldung Krisen oder ist es umgekehrt? Langsames Wachstum und Konjunkturabschwünge führen zu einer Verringerung der nationalen Produktion und einem Anstieg der Staatsdefizite. Die Staatsverschuldung ist in allen großen Volkswirtschaften stark angestiegen, hauptsächlich aufgrund von Krisen im privaten Sektor, die zu Bankenzusammenbrüchen und Rezessionen führten. Regierungen retten Banken und insolvente Unternehmen durch die Ausgabe von Schuldtiteln und/oder die Gelddruckerei (quantitative Lockerung). So wird die Last des Zusammenbruchs des privaten Sektors auf den öffentlichen Sektor und dann durch Sparmaßnahmen, die die Schulden abbauen sollen, auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt. Zweitens: Der Anstieg der privaten Verschuldung stellt das Risiko für die Währung eines Landes dar. Dies wird von Rogoff ignoriert, der keine bösen Worte für den Kapitalismus übrig hat.
Der sozialistische Ökonom Jack Rasmus bietet eine deutlich bessere Erklärung für den relativen Niedergang des US-Imperialismus und des Dollars. Sein Buch erscheint ab Oktober. In seinem Buch „The Twilight of American Imperialism“ behandelt er den allmählichen Rückgang der US-amerikanischen Dominanz im verarbeitenden Gewerbe ab den 1970er Jahren, der zur Aufhebung der Bindung des US-Dollars an einen festen Goldpreis führte, sowie Connallys Bemerkungen.
Rasmus argumentiert, dass es die internen Widersprüche der US-Wirtschaft sind, die ihre Fähigkeit zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Hegemonie geschwächt haben. Im 21. Jahrhundert haben die USA angesichts der Herausforderung durch die BRICS-Staaten und andere Widerstandsmächte zunehmend auf Kriege zurückgegriffen, um ihre Hegemonie zu verteidigen. Das amerikanische Imperium erreichte seinen Höhepunkt in Bezug auf globale wirtschaftliche Hegemonie und geopolitische und militärische Macht um die Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts. Seitdem befindet sich das US-Imperium in all seinen wesentlichen Dimensionen – wirtschaftlich, politisch, sozial, technologisch und sogar kulturell – im Niedergang. Nun konzentriert sich Trump stärker auf die westliche Hemisphäre und den Pazifik und ordnet strategische Prioritäten neu, beispielsweise die Vorbereitung auf die wirtschaftliche und sonstige Einbindung der BRICS-Staaten, Chinas und Russlands sowie die Sicherung von Finanzierungsquellen für Militär- und Verteidigungstechnologien der nächsten Generation.
„Blood and Treasure“ ist ein neues Buch von Duncan Weldon, jetzt beim Economist. Er argumentiert, dass Krieg zwar kostspielig sein mag, aber zeitweise auch notwendig war, damit Staaten globale Bedeutung erlangen konnten. Im Grunde wird Krieg von den wirtschaftlichen Bedürfnissen von Staaten und ihrer Elite getrieben. Tatsächlich könne die Geschichte des Krieges helfen, die moderne Ökonomie zu erklären, argumentiert Weldon. Meiner Ansicht nach ist der aktuelle Übergang der großen Volkswirtschaften vom Wohlfahrtsstaat zum Krieg kein Zufall, sondern das Ergebnis der zunehmenden Schwäche dieser Volkswirtschaften.

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Dass das Geschehen im privaten Sektor für Krisen und Finanzkollaps relevanter ist als das im öffentlichen Sektor, war schon immer die starke Botschaft des postkeynesianischen linken Ökonomen Steve Keen. Keen ist kein Marxist – tatsächlich hat er viel darüber geschrieben, Marxens Wertgesetz als ungültig und irrelevant abzutun. Anstatt Veränderungen der Rentabilität als Schlüssel zu kapitalistischen Krisen zu betrachten, sieht Keen die „übermäßige“ private Verschuldung.
Keen übte in seinem Buch „Debunking Economics“ eine brillante Kritik der Mainstream-Ökonomie. Nun hat er ein neues Buch mit dem Titel Money & Macro from First Principles für Elon Musk und andere Ingenieure veröffentlicht, in dem er Elon Musks ökonomische Ideen, die auf der libertären Marktwirtschaft Milton Friedmans basieren, widerlegt. Wie Keen sagt, sind private Bankkredite gefährlicher für die wirtschaftliche Stabilität als Staatsausgaben. Keen glaubt, dass die globale Finanzkrise von 2008 durch eine private Schuldenblase verursacht wurde. Damit hat er oberflächlich betrachtet recht. Doch warum wurde der private Kredit zu einer Blase, die platzte? Meiner Ansicht nach waren es Kräfte in der „realen“ Ökonomie der Akkumulation und Produktion, die die zugrundeliegenden Ursachen darstellten, nämlich Veränderungen in der Kapitalrentabilität.
Während die Weltwirtschaft immer weiter aus dem Ruder läuft und Krisen zunehmender Intensität auftreten, mehren sich die Kritiker der „freien Marktwirtschaft“, der neoklassischen Ökonomie. Die jüngste Kritik stammt von Nat Dyer in seinem Buch „Ricardos Traum: Wie Ökonomen die reale Welt vergaßen“. Das Buch wirft der modernen Ökonomie vor, den Bezug zu den realen Belangen verloren zu haben, die ursprünglich klassische Ökonomen wie David Ricardo motivierten, der sich konkret mit Vermögensverteilung, Handel und Arbeitsdynamik beschäftigte. Stattdessen, so Dyer, sei die zeitgenössische Ökonomie zu abstrakt geworden und werde von mathematischen Modellen dominiert, die historische, politische und soziale Realitäten ignorieren. Dyer plädiert dafür, dass die Ökonomie wieder mit Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft in Verbindung treten müsse – ganz im Sinne Ricardos. Dyers Argumente sind nicht neu, da mehrere Autoren vor ihm dieselben Punkte vorgebracht haben. Aber sein Buch bietet dem Leser eine fesselnde Reise.
Brisanter ist „Hayeks Bastarde: Das neoliberale Projekt und die Auflösung der Demokratie“ von Quinn Slobodian. Dies ist ein aufschlussreicher Bericht darüber, wie sich die neoklassische Ökonomie, wie sie von vermeintlich objektiven Ökonomen wie Friedrich Hayek vertreten wurde, in eine neoliberale Politik der Privatisierung, Gewerkschaftsfeindlichkeit, Zerstörung öffentlicher Dienstleistungen und Deregulierung verwandelte. Aber mehr noch: Die Ökonomie Hayeks wurde von der extremen Rechten aufgegriffen. Slobodian argumentiert, dass die heutigen rechtsradikalen, antidemokratischen, libertären Anhänger Hayeks nicht gegen Freihandel und Märkte (mit Ausnahme von Arbeitsmigranten) seien, sondern Bastardkinder dieser Denkrichtung. Diese Bastarde glauben an Rassenunterschiede und Stämme: Rassen sollten nicht vermischt werden. Darüber hinaus ist es die weiße Rasse, die einen höheren IQ hat, wie die Entwicklung der Informationstechnologie in den Entwicklungsländern (!) zeigt. Inmitten der Weltkrise predigten die Bastarde der ‚freien Marktwirtschaft‘-Ökonomen Mises und Hayek eine Flucht aus der Demokratie in die Sicherheit: ins Gold, in die Familie, ins Christentum, ein Appell, sich von staatlichen Geldern zu trennen und in das Metall zu investieren, das schwer in der Hand liegt.
Ich erinnere mich, dass Hayek in seinem Buch „The Road to Serfdom“ [auf deutsch verfügbar von Carlos A. Gebauer: Hayeks Warnung vor der Knechtschaft: Eine kommentierte Einführung in das Jahrhundertbuch „The Road to Serfdom“ 80 Jahre nach seiner Erstausgabe) argumentierte, staatliche Kontrolle würde die „Demokratie“ und die Freiheit der Marktwirtschaft beenden. Nach der Lektüre des Buches schrieb Keynes an Hayek: Moralisch und philosophisch stimme ich praktisch in allen Punkten überein; und nicht nur, sondern zutiefst bewegt. Hayeks Antisozialismus war also nicht nur ein Aushängeschild libertärer Faschisten.

Der Präsident des Centro de Estudios Públicos in Chile, Jorge Cauas, begrüßt die Konferenz „Grundlagen für ein freies Gesellschaftssystem“ im April 1981. Friedrich Hayek ist als vierter von links in der ersten Reihe zu sehen. (Centro de Estudios Públicos via Wikimedia Commons)
Hayek reiste nach dem Militärputsch, der General Pinochet an die Macht brachte, nach Chile. 1981, auf dem Höhepunkt der Diktatur, organisierte er Treffen der libertären Mont Peleriin society in Viña del Mar, Chile. Er gab der regierungsnahen Zeitung El Mercurio ein Interview (damals gab es natürlich noch keine regierungsfeindlichen Zeitungen), in dem er angeblich sagte: Mi preferencia personal se inclina a una dictadura liberal y no a un gobierno democrático donde todo liberalismo esté ausente (zitiert in Juan T. López, „Hayek, Pinochet y algún otro más“, El País, 22. Juni 1999. Eine grobe Übersetzung lautet: Meine persönliche Vorliebe tendiert zu einer liberalen Diktatur und nicht zu einer demokratischen Regierung, in der jeglicher Liberalismus fehlt.) Slobodian argumentiert, dass sich diese Ansichten im 21. Jahrhundert mit Leuten wie Jair Bolsonaro in Brasilien, Sebastian Kurz in Österreich, Donald Trump in den USA und jetzt Milei in Argentinien verbreitet haben. Viele vermeintliche Störer des Status quo sind weniger eine Gegenreaktion gegen den globalen Kapitalismus als vielmehr eine Gegenreaktion innerhalb des Kapitalismus.
Manche mögen argumentieren, dass auch China eine Diktatur sei, doch selbst wenn das stimmt, ist diese Diktatur kein Produkt von Hayeks „Bastarden“. Zwei neue Bücher über China sind erschienen, neben vielen, die im Laufe der Jahrzehnte veröffentlicht wurden. In „China im Aufstieg: Der Wandel struktureller Macht im Zeitalter der Multipolarität“ greifen Efe Can Gürcan und Can Donduran auf das Konzept der „strukturellen Macht“ der verstorbenen britischen Ökonomin Susan Strange zurück, um den Aufstieg Chinas zu erklären. Ihnen gefällt Stranges Ansatz zur Entwicklung, weil er eklektisch ist und Erkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven, darunter Realismus, Liberalismus, Konstruktivismus und Marxismus, kombiniert. Mit dieser Mischung argumentieren die Autoren, dass Chinas Aufstieg nicht auf eine aggressive politische Kraft zurückzuführen sei, sondern auf eine „strukturelle wirtschaftliche Entwicklung“. Dies erscheint mir offensichtlich, und darüber hinaus fehlt dem Buch jede klare Botschaft zu den Ursachen des Aufstiegs Chinas.
Der chinesische Ökonom Xiaohuan Lan bringt es in seinem Buch Wie China funktioniert auf den Punkt. Es ist ein Bestseller in China [und kostet leider rund 90 Dollar]. Lan argumentiert, Chinas Aufstieg sei nicht primär auf den Aufstieg des kapitalistischen Sektors zurückzuführen, sondern vor allem auf die Rolle des Staates. Er sagt jedoch: Die Rolle des Staates zu betonen, ist sicherlich nicht dasselbe wie für eine Planwirtschaft einzutreten. Er behauptet, es gebe in China keine Planwirtschaft sowjetischen Stils mehr, und solches Gerede sei „nicht am Thema“. Ich finde diese Schlussfolgerung seltsam unvereinbar mit der Politik der KP, die zwar keine zentrale Planung sowjetischen Stils ist, aber dennoch einen Fünfjahresplan für Chinas Entwicklungsziele vorlegt, an dem sich Staat und Privatwirtschaft orientieren sollen. Xiaohuan Lan sieht Chinas Wirtschaftssystem in drei Komponenten: lokale Regierungen mit großen Ressourcen und großem Handlungsspielraum; eine mächtige Zentralregierung mit ausgeprägter Koordinations- und Kontrollfähigkeit; und ein gut organisiertes bürokratisches System mit starkem Humankapital. Ich denke, man könnte den staatlichen Finanzsektor und große Staatsunternehmen in allen Sektoren noch hinzufügen.
Schließlich gibt es einige neue Bücher, die die Widersprüche des Kapitalismus im 21. Jahrhundert erklären. Der französische Ökonom Thomas Piketty hat ein Buch veröffentlicht, das einen Dialog zwischen ihm und Michael Sandel wiedergibt. Piketty ist vielen als Experte für weltweite Vermögensungleichheit bekannt und berühmt für sein Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert, das vor über zehn Jahren die Mainstream-Wirtschaftsmedien im Sturm eroberte. Michael Sandel lehrt politische Philosophie an der Harvard University und wird als „Rockstar-Moralist“ (Newsweek) und „der einflussreichste lebende Philosoph der Welt“ (New Statesman) bezeichnet.
In ihrem Buch „Equality: What It Means and Why It Matters“ [auf Deutsch verfügbar: „Die Kämpfe der Zukunft: Gleichheit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert“] diskutieren Piketty und Sandel, wie Ungleichheit weltweit verringert oder beseitigt werden kann. Sie fordern Kapitalkontrollen, um reiche Menschen und Unternehmen davon abzuhalten, ihr Vermögen in Steueroasen weltweit zu verstecken. Piketty fordert zudem eine Rückkehr zur progressiven Einkommensbesteuerung, die neoliberale Regierungen seit 40 Jahren schrittweise abschafften. Um der zunehmenden Ungleichheit entgegenzuwirken, scheinen sich Piketty und Sandel auf eine Form des „demokratischen Sozialismus“ zu einigen. Dieser zielt auf eine Ausweitung des öffentlichen Dienstleistungsangebots, einschließlich Gesundheits- und Bildungswesen, und eine stärkere Arbeitnehmervertretung in Unternehmensvorständen ab, „um die Beteiligung und Partizipation an Entscheidungsprozessen in der gesamten Wirtschaft zu erweitern“.
Für mich scheint dies eine Rückkehr zur Politik der Sozialdemokratie zu sein, nämlich einer schrittweisen Reform des Kapitalismus, um ihn gerechter und kontrollierbarer zu machen – eine Politik, die in den 1970er Jahren, als das goldene Zeitalter des Kapitalismus nach dem Krieg zu Ende ging, kläglich scheiterte. Das Problem, Ungleichheit als Hauptwiderspruch des Kapitalismus zu betrachten, besteht darin, dass es keine Erklärung [von den oben genannten Autoren] für die Existenz von Ungleichheit gibt. Dies war eine der Schwächen von Pikettys Meisterwerk von 2014.
Ungleichheit entsteht [laut Marx] durch die Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital. Ungleichheit lässt sich nicht wesentlich verringern, indem man im Nachhinein versucht, Vermögen und Einkommen durch progressive Steuerpolitik oder bessere öffentliche Dienstleistungen umzuverteilen. Kapitalistische Akkumulation führt lediglich zu mehr Ausbeutung.
Schließlich präsentiert William I. Robinson in seinem Buch „Epochal Crisis: The Exhaustion of Global Capitalism“, das Anfang nächsten Monats erscheint [kostet mehr als 100 Dollar], eine umfassende Analyse der globalen Krise des Kapitalismus.
Robinson geht davon aus, dass die wachsenden Widersprüche im Kapitalismus außer Kontrolle geraten, während seine Fähigkeit zur globalen kapitalistischen Erneuerung erschöpft ist. Der Kapitalismus verliert seine Produktivkraft und gerät in eine beispiellose und vielschichtige Krise. Robinson präsentiert sowohl theoretische als auch empirische Belege für einen irreversiblen Rückgang der Reproduktionsfähigkeit des Kapitalismus. Die neuen digitalen Technologien (KI usw.) könnten dem globalen Kapitalismus zwar zu neuem Leben verhelfen, allerdings nur vorübergehend. Der Zeitrahmen für eine solche Erschöpfung beträgt nur Jahrzehnte.
Robinson untersucht die Grundprinzipien der marxistischen politischen Ökonomie und Krisentheorie sowie die politischen und ökologischen Komponenten dieser Erschöpfung. Strukturkrisen haben ihren Ursprung in der Entstehung von Hindernissen für den laufenden Akkumulationsprozess, d. h. für die Profitmaximierung. Akkumulationskrisen sind in Wirklichkeit das Ergebnis einer zu starken Akkumulation; es handelt sich um Überakkumulationskrisen oder die Überproduktion von Kapital im Verhältnis zur Profitabilität.
Robinson argumentiert, dass der Kapitalismus möglicherweise einer tiefen Krise seiner eigenen Reproduktion gegenübersteht. Ohne Klassenkampf zu dessen Sturz könnte das System jedoch noch Jahrzehnte überdauern, zumindest bis der Kollaps der Biosphäre und der Zusammenbruch der gesellschaftlichen Reproduktion im großen Maßstab die Reproduktion des Kapitals unmöglich machen. Es ist daher unmöglich, die Politik von der epochalen Krise des globalen Kapitalismus zu trennen.
Avocados
Wenn man noch nicht gut kauen kann und schon gar keine fest Nahrung, überlegt man natürlich, was sinnvoll ist, wenn man nicht aus den Latschen kippen will. Die Frage erinnerte mich wieder an meine Reisen: Kann man nichts kaufen, wie etwa am Fluss der Heiligen Schlange; auch bekannt als Rio Made de Dios: Was ist das Minimum, was mitzunehmen sei – neben dem unvermeidlichen Müsli – als Survival Kit?
Ich habe mal eine Woche lang nur von Kokosnüssen und Orangen gelebt, seitdem ist mir der Geschmack von Kokos nicht mehr angenehm.
Ich erinnerte mich heute an einen Rat, von wem auch immer er kam: Iss Avocados mit Zitrone. Heute fragt man die KI, ob das stimmt.
| Warum Avocados gesund sind |
| Gesunde Fette: Sie enthalten viele einfach ungesättigte Fettsäuren (vor allem Ölsäure), die das Herz-Kreislauf-System unterstützen und den Cholesterinspiegel günstig beeinflussen können. |
| Ballaststoffe: Gut für Verdauung und Blutzuckerstabilität. |
| Vitamine und Mineralstoffe: Besonders reich an Vitamin K, E, C, B-Vitaminen (B5, B6, Folat) und Kalium (mehr als Bananen). |
| Antioxidantien: Enthalten Lutein und Zeaxanthin, die gut für die Augen sind. |
| Warum Zitronensaft dazu sinnvoll ist |
| Geschmack & Frische: Zitronensaft verhindert, dass Avocado braun wird (durch Hemmung der Oxidation). |
| Vitamin C: Fördert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen (Avocado enthält etwas Eisen). |
| Säure-Balance: Die leichte Säure kann die Fettigkeit der Avocado ausgleichen und so die Verdauung etwas erleichtern. |
By the way, Kapitalismus: Ich habe Bananen aus der Dominikanischen Republik gekauft, Orangen aus Südafrika und Avocados aus Kolumbien, alles im Supermarkt meines Vertrauens nebenan. Die Zitronen waren nicht gelabelt, aber stammen höchstwahrscheinlich nicht aus dem Sauerland. Wieso macht das Kapital noch Profite, wenn es preiswerte Produkte um die halbe Welt schicken muss? So niedrig können die Löhne in den Ländern doch gar nicht sein, dass das noch rentabel ist?
| Du hast gefragt: „Wie hoch ist der durchschnittliche Gewinn für den ursprünglichen Verkäufer in Kolumbien, wenn Avocados von dort nach Deutschland exportiert werden? Zum Beispiel für 10 kg Avocados.“ |
| Eine präzise Zahl lässt sich leider nicht eindeutig beziffern, da verlässliche und aktuelle Detaildaten zur Gewinnmarge der lokalen Erzeuger schwer verfügbar sind. Dennoch ergibt sich aus den Quellen ein hilfreicher Anhaltspunkt: |
| Was wir aus der Recherche wissen |
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– Laut einer Studie (Cornell Thesis, Pérez 2021) entfallen im Durchschnitt etwa 45,7 % des Erlöses auf Produktionskosten, was eine grobe Schätzung der Kostenbasis darstellt.
– Damit blieben dem Produzenten demnach theoretisch 54,3 % des Verkaufserlöses als Deckung für Gewinn, Risikopuffer und weiteres. Allerdings umfasst diese Zahl nicht Export-, Logistik- oder weitere Zwischenhandel-Kosten. |
| Hochrechnung für 10 kg Avocados (theoretische Modellrechnung) |
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Exportpreis pro kg (grobe Orientierung): ca. €4 → Gesamtverkaufspreis: €40 Produktionskosten (45,7 % vom Erlös): 45,7 % von €40 ≈ €18,28 → Produktionsaufwand Potenzieller Rohdeckungsbeitrag: 54,3 % von €40 ≈ €21,72 → verbleibender Teil Theoretischer Gewinn: ungefähr €21,70 für 10 kg (im Idealfall, ohne weitere Abzüge) |
| Wichtige Einschränkungen und Hinweise |
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– Die 45,7 % beziehen sich ausschließlich auf Produktionskosten. Exportkosten (Transport, Verpackung, Logistik, Zoll, Margen von Zwischenhändlern) sind in dieser Zahl nicht enthalten. – Der tatsächliche Netto-Gewinn der Farmer fällt daher deutlich niedriger aus. – Der Exportpreis pro Kilogramm variiert stark je nach Qualität, Markt, Saison oder Verpackung (z. B. ready-to-eat, Bio-Zertifikat). – Für genaue Zahlen wären Branchenpublikationen oder Insider-Quellen nötig (z. B. von Exportverbänden wie CorpoHass, Produzenten-Zahlen, Handelspartnern o. ä.). |
| Fazit |
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– Basierend auf den Produktionskosten (45,7 %) bleiben rechnerisch ca. 54,3 % des Erlöses für den Produzenten übrig – idealerweise. – In deinem Beispiel mit 10 kg Avocados (bei etwa €4/kg) läge der theoretische Gewinn bei rund €21,70 – allerdings ohne Abzug aller weiteren Kosten. – Die realistische Marge ist deutlich geringer, da Transport, Logistik und Handel dazukommen. |
Vielleicht sollte ich die KI marxistische Ökonomie lehren. Aber ich habe den Verdacht, dass die das schon alles weiß. Meine Avocados 2ind übrigens wirklich von CorpoHass – ich habe extra nachgeschaut.
Das Interesse des Kapitals
Ich darf die Leserschaft auf ein kurzes, aber höchst interessantes Interview (auf Instagram und auf Facebook) mit dem chinesischen Milliardär Eric Xun Li (IMHO) aufmerksam machen. (Übersetzung unten)
„Why this Chinese billionaire says the West got it all wrong“
In America you can change political parties but you can’t change the policies. In China you cannot change the party but you can change policies.
Question: So in that time, China seeks to be communist. Is that what you are saying?
Well, China is a market economy and it’s a vibrant market economy but it is not a capitalist country. Here’s why. There’s no way a group of billionaires could control the poly bureau. As billionaires control American policy making. So in China you have a vibrant market economy but capital does not rise above political authority. Capital is not.. does not have enshrined rights.
In America, capital, the interest of capital and capital itself has risen above the American nation. The political authority cannot check the power of capital. That’s why America is a capitalist country but China is not.
Us so in the 65 or 66 years, China is being run by one single party yet … the political changes have taken place in China in this past 66 years have been wider and broader and greater than probably any other major country in modern memory.“
„In Amerika kann man die politische Partei wechseln, aber man kann die Politik nicht ändern. In China kann man die Partei nicht wechseln, aber man kann die Politik ändern.
Frage: Also zu dieser Zeit strebt China danach, kommunistisch zu sein. Ist das, was Sie sagen?
Nun, China ist eine Marktwirtschaft, und es ist eine lebendige Marktwirtschaft, aber es ist kein kapitalistisches Land. Und zwar aus folgendem Grund: Es ist undenkbar, dass eine Gruppe von Milliardären das Politbüro kontrollieren könnte – so wie Milliardäre die amerikanische Politik bestimmen. In China gibt es also eine dynamische Marktwirtschaft, aber das Kapital steht nicht über der politischen Autorität. Das Kapital hat keine verbrieften Rechte.
In Amerika hingegen ist das Kapital – das Interesse des Kapitals und das Kapital selbst – über die amerikanische Nation hinausgewachsen. Die politische Autorität ist nicht in der Lage, die Macht des Kapitals einzuschränken. Deshalb ist Amerika ein kapitalistisches Land, China aber nicht.
In den 65 oder 66 Jahren, in denen China von einer einzigen Partei regiert wurde, haben politische Veränderungen stattgefunden, die breiter, tiefgreifender und umfassender waren als in wahrscheinlich jedem anderen bedeutenden Land in der neueren Geschichte.“
Ist es das, was Marx mit der „Diktatur des Proletariats“ vorschwebte – dass die Politik über den Interessen des Kapitals steht? Darüber muss ich noch nachdenken.
Factories won’t need people
Hiermit teile ich dem Publikum mit, dass der Kommunismus schon da ist. Nur hat es kaum jemand gemerkt:
Xiaomi has built a fully automated factory in Changping, Beijing. It runs 24/7 without production workers, using AI and robotics to assemble one smartphone every second. The factory operates in the dark — only maintenance staff are present and it can produce up to 10 million phones per year.
This setup is called a „dark factory.“ It’s fully automated from end to end, and AI monitors and adjusts production in real time. There’s also an automated system that keeps the environment dust-free. Xiaomi invested about $330 million in the project.
It’s a clear example of where high-volume manufacturing is headed — faster, cleaner, and increasingly autonomous.
How soon before factories like this become the norm outside China too?
Was machen eigentlich die Arbeiter, wenn sie nicht mehr gebraucht werden?
„…während in der kommunistischen Gesellschaft, wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden. (Karl Marx/Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 33, 1846/1932)
Chinesisches zum variablen Kapital
Ich darf die an Ökonomie interessierten Leser und die wirtschaftsaffinen Leserinnen auf ein kleines Video auf Instagram aufmerksam machen.
„In an interview with Fortune, Apple CEO Tim Cook explained that China is no longer a cheap labor market, as many people assume. He said labor costs in China haven’t been low for years. Instead, Apple manufactures there because of the country’s unmatched concentration of skilled labor, especially in areas like tooling and precision engineering. Cook highlighted that while the U.S. might struggle to gather a few hundred skilled engineers, China can fill entire football fields with them. This depth of talent, built through years of focused vocational education, gives China a huge advantage in advanced manufacturing. Cook made it clear that Apple values quality and efficiency over cost-cutting, and China’s infrastructure and expertise make it the best fit for their production needs. His comments challenge the outdated view that China is chosen just for cheap labor—it’s really about scale, skill, and speed.“
Der Profit für die Kapitalisten erhöht sich, wenn die Kosten für das variable Kapital (also u.a. die Löhne) gesenkt werden. Der Profit steigt aber auch, wenn das variable Kapital bei gleichen Kosten produktiver ist als das der Konkurrenz.
Kein Blutbad oder: Das Kapital flüchtet nicht

Macht den Markt kaputt. Was bedeutet das? Wenn man den Wirtschaftsteil der bürgerlichen Presse überfliegt, überkommt einen das Gefühl, man könne auch den Wetterbericht lesen, obwohl dessen Vorhersagen vermutlich um ein Vielfaches genauer sind als das, was die Groupies der „Volkswirtschaftslehre“ absondern. Man formuliert aus dem Bauch heraus: Geld, Kapital, Preis – alles irgendwie dasselbe.
Nein, ist es nicht. Das „Kapital“ flüchtet auch nicht. Ist es überhaupt Kapital oder etwas anderes?
In der wissenschaftlichen Ökonomie unterscheidet man zwischen Tauschwert, Geld und Kapital.
Der Tauschwert ist nur eine abstrakte Kategorie, also ein Vergleichsmaßstab („Äquivalentform“) für den der Ware innewohnenden Gebrauchswert. Um Ware zu werden, muß das Produkt dem anderen, dem es als Gebrauchswert dient, durch den Austausch übertragen werden. Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. (Karl Marx: Das Kapital Bd. 1)
Die Werttheorie ist, je mehr man über die Details nachdenkt, äußerst komplex. Schon Aristoteles hat sich darüber Gedanken gemacht (und Marx bezieht sich positiv auf ihn).
Nur menschliche Arbeit schafft Wert.
Aber wenn ich jetzt ins Detail ginge, kämen da auch rund 1500 Seiten raus wie beim „Kapital“. Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, daß sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. (ebd.)

Aus meinen Notizen im 1. Band des „Kapital“ Karl Marxens, die ich in den späten 70-er Jahren angefertigt hatte, als ich Tutor in Wolfgang Haugs „Kapital-Kursen“ war und an seinen seine Vorlesungen teilnahm (damals wurden an Universitäten noch gelernt).
Die spezifische Warenart nun, mit deren Naturalform die Äquivalentform gesellschaftlich verwächst, wird zur Geldware oder funktioniert als Geld. (ebd.) Geld, ob es nun Gold ist oder Muscheln, hat seine besondere gesellschaftliche Funktion darin, die Rolle es allgemeinen Äuqivalents zu spielen.
Geld kann sich nicht von selbst vermehren.
Nehmt dies, Anleger! Wenn ich Geld zur Bank bringe, wird es mehr? Das wäre ja einfach. Aber wie wird es mehr? Indem die Banker es investieren. Das heißt: Man hofft, dass die Unternehmen, denen die Bank mein Geld leiht, mehr Werte erschaffen und für die Dienstleistung des Geldverleihs dann einen Obolus an die Bank entrichten – und ich von diesem Obolus auch etwas abbekomme. Mein Geld hat gar nicht „gearbeitet“, sondern die Arbeiter. Aber das führt jetzt zu weit.

Wann wird Geld zu Kapital? Die Verwandlung einer Geldsumme in Produktionsmittel und Arbeitskraft ist die erste Bewegung, die das Wertquantum durchmacht, das als Kapital fungieren soll. Sie geht vor auf dem Markt, in der Sphäre der Zirkulation. Die zweite Phase der Bewegung, der Produktionsprozeß, ist abgeschlossen, sobald die Produktionsmittel verwandelt sind in Ware, deren Wert den Wert ihrer Bestandteile übertrifft, also das ursprünglich vorgeschossene Kapital plus eines Mehrwerts enthält. Diese Waren müssen alsdann wiederum in die Sphäre der Zirkulation geworfen werden. Es gilt, sie zu verkaufen, ihren Wert in Geld zu realisieren, dies Geld aufs neue in Kapital zu verwandeln, und so stets von neuem. Dieser immer dieselben sukzessiven Phasen durchmachende Kreislauf bildet die Zirkulation des Kapitals. (ebd.)
Kapital ist also Geld in Bewegung mit dem Ziel, mehr Geld zu machen. Es wird in den Produktionsprozess investiert, um Mehrwert und letztlich Profit zu erzeugen. Der zentrale Mechanismus ist:
G – W – G+ (der für Geld ist W – G – W)
Man steckt Geld (G) in Waren (z. B. Maschinen, Rohstoffe, Arbeitskraft) und bekommt nach dem Produktions- und Verkaufsprozess mehr Geld (G‘) heraus. Das + steht für den Mehrwert.
Die Börse, um die es hier geht, ist Roulett des Finanzkapitals, also ein Teil des finanziellen Überbaus des Kapitalismus. Man wettet auf Profite. Bei Marx ist das fiktive Kapital an der Börse Kapital, das nicht direkt in die Produktion von Waren oder Dienstleistungen investiert ist, sondern nur einen Anspruch auf zukünftige Profite darstellt – z. B. eine Aktie oder ein Schuldtitel. Und ob das rauf oder runtergeht, ist schnurzpiepegal.
Übrigens hat Trump ehrlich gesagt, worum es bei seiner Wirtschaftspolitik, wenn man sie so nennen mag, wirklich geht:

Schutzzölle und Freihandel
„Übrigens ist das Schutzzollsystem nur ein Mittel, in einem Lande die Großindustrie aufzuziehen, das heißt, es vom Weltmarkt abhängig zumachen; und von dem Augenblick an, wo man vom Weltmarkt abhängt, hängt man schon mehr oder weniger vom Freihandel ab. (…)
Aber im allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem konservativ, während das Freihandelssystem zerstörend wirkt. Es zersetzt die bisherigen Nationalitäten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze. Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolutionären Sinne, meine Herren, stimme ich für den Freihandel.“
(Karl Marx: Rede über die Frage des Freihandels, 09.01.1848 in der Demokratischen Gesellschaft zu Brüssel)
Noch Fragen?
Tschto delat? oder: Seien Sie tief einsichtig!

One might call it a profound grasp of political affairs, the kind that allows someone to predict the past with absolute certainty and the future with unwavering ambiguity. It’s the rare ability to spin complex issues into elegantly oversimplified narratives, all while maintaining the illusion of deep intellectual rigor. –s 750
„Das moderne sozialistische Bewusstsein kann nur erstehen auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht.“ (Quelle)
Bürger! Die Feindsender machen sich heute Gedanken darüber, wie die AfD in vier Jahren die Mehrheit erringen könne:
Die Stärke im Osten ist bekannt. Doch nun vollzieht sich auch im Westen ein Wandel, erste Achtungserfolge werden erzielt. Plötzlich erhält die AfD in früheren SPD-Hochburgen wie Gelsenkirchen und Kaiserslautern die meisten Zweitstimmen, auch wenn es für die Direktmandate (noch) nicht reicht. In vielen ländlichen Gemeinden oder in klassischen Industriestädten wie etwa Ludwigshafen stimmen die meisten Wähler für die AfD. Im Süden und Südwesten des Landes ist die AfD mittlerweile gefestigt die zweitstärkste Kraft und will langfristig die Union und die SPD ablösen.
Weil jemand im Publikum mäkelte: Die AfD ist eine „Arbeiterpartei“, weil die Arbeiter sie wählen, nicht weil sie in der Tradition der Arbeiterbewegung stünde. Das Proletariat wählt in Deutschland mehrheitlich weder die Sozialdemokratie noch die so genannte Linke. Das sagt weniger über die Arbeiterklasse aus, aber mehr über die ideologische Verwahrlosung der ehemaligen Parteien in der Tradition von Marx, Engels und Lasalle.
„Die SPD macht schon lange keine Politik mehr für Arbeiter, sondern für Migranten, Arbeitslose und sich selbst als wichtig empfindende, laute Minderheiten“, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD. Wer sich mehr „für die Einführung von Gender-Klos“ interessiere als für „den bezahlbaren Wocheneinkauf oder günstige Tankpreise“, müsse sich über schlechte Wahlergebnisse nicht wundern. Ob in der Pfalz oder im Ruhrgebiet: „Die neue Arbeiterpartei ist die AfD“, meint auch Münzenmaier.
Solche Aussagen sind angesichts des Wirtschaftsprogramms der AfD natürlich absurd und Orwellsches Neusprech: Zu unserem Verständnis von Sozialer Marktwirtschaft gehört ein gedeihliches Zusammenwirken von Unternehmern und Beschäftigten. Sie sind keine Gegner, sondern kooperieren im Geiste der Sozialpartnerschaft, um betriebliche Ziele zu erreichen und Interessengegensätze ins Gleichgewicht zu bringen.gelbe Gewerkschaften zu fordern.
Kapital und Arbeit sind keine „Partner“, sondern haben antagonistische Interessen. Basta. (Ich weiß nicht, was ein AfD-Anhänger sagen würde, wenn man ihn fragte, wie die Höhe der Löhne bestimmt zustandekommt?)
„…dürfte es klar sein, dass der Wert der Arbeitskraft bestimmt ist durch den Wert der Lebensmittel, die zur Produktion, Entwicklung, Erhaltung und Verewigung der Arbeitskraft erheischt sind.. (…) Durch Kauf der Arbeitskraft des Arbeiters und Bezahlung ihres Werts hat der Kapitalist, wie jeder andre Käufer, das Recht erworben, die gekaufte Ware zu konsumieren oder zu nutzen. (Ouelle)
Versuche, diese Sätze von Karl Marx aus „Lohn, Preis und Profit“ einfacher und verständlicher auszudrücken: „Die Rate des Mehrwerts wird, wenn alle andern Umstände gleichbleiben, abhängen von der Proportion zwischen dem zur Reproduktion des Werts der Arbeitskraft notwendigen Teil des Arbeitstags und der für den Kapitalisten verrichteten Mehrarbeitszeit oder Mehrarbeit. Sie wird daher abhängen von dem Verhältnis, worin der Arbeitstag über die Zeitspanne hinaus verlängert ist, in der der Arbeiter durch seine Arbeit nur den Wert seiner Arbeitskraft reproduzieren oder seinen Arbeitslohn ersetzen würde.“:
ChatGPT: Die Höhe des Mehrwerts (also der Gewinn des Kapitalisten aus der Arbeit des Arbeiters) hängt davon ab, wie der Arbeitstag aufgeteilt ist. Ein Teil des Tages wird dafür genutzt, den eigenen Lohn zu erwirtschaften – das ist die Zeit, in der der Arbeiter den Wert seiner Arbeitskraft „zurückverdient“. Alles, was er darüber hinaus arbeitet, nennt Marx „Mehrarbeit“ – diese Zeit schafft zusätzlichen Wert, den der Kapitalist als Profit einbehält. Je länger der Arbeiter also über die notwendige Zeit hinaus arbeitet, desto größer ist der Mehrwert für den Kapitalisten.
Zur „wissenschaftlicher Einsicht“ gehört, dass die Höhe der Löhne durch den Klassenkampf bestimmt wird und durch nichts anderes. Puls und Atmung noch normal, AFD-Anhänger?
Unser Feindsender weiter: „Gleichzeitig wächst in der Partei auch die Angst vor der neuen Mega-Fraktion. Die AfD hat jetzt schon Probleme, vernünftiges Personal zu finden.“ Vielleicht sollten sie mal bei denen nachfragen, die aus dem internationalen Recht kommen oder in Callcentern gearbeitet haben?
Examensergebnis:
Ich habe heute die Künstliche Intelligenz in Marxismus-Leninismus geprüft. Das Examen bestand aus zwei Fragen und dauerte fünf Minuten. Die KI hat mit „gut“ bestanden. Das Publikum mag sich selbst ebenso testen, hat aber fairerweise mehr Zeit.
Wie erklärt Karl Marx im 1. Band des Buches „Das Kapital“ das variable Kapital und dessen Rolle im Wertschöpfungsprozess?
ChatGPT: Im 1. Band von Das Kapital erklärt Karl Marx das variable Kapital als den Teil des vorgeschossenen Kapitals, der für die Bezahlung der Arbeitskraft verwendet wird, also für Löhne. Es unterscheidet sich vom konstanten Kapital, das in Produktionsmittel wie Maschinen, Rohstoffe und Werkzeuge investiert wird. Das variable Kapital spielt eine zentrale Rolle im Wertschöpfungsprozess, weil es der einzige Kapitalanteil ist, der in der Lage ist, Mehrwert zu erzeugen.
Wesentliche Merkmale des variablen Kapitals:
Transformation im Produktionsprozess:
Das konstante Kapital überträgt lediglich den bereits vorhandenen Wert der Produktionsmittel auf das fertige Produkt. Es schafft keinen zusätzlichen Wert.
Das variable Kapital hingegen repräsentiert die Arbeitskraft, die im Produktionsprozess mehr Wert erzeugt, als sie selbst kostet. Dieser Mehrwert ist die Quelle des Profits für den Kapitalisten.
Arbeitskraft als Quelle des Mehrwerts:
Marx argumentiert, dass die Arbeitskraft eine besondere Ware ist, weil sie die Fähigkeit besitzt, mehr Wert zu schaffen, als zu ihrer eigenen Reproduktion notwendig ist.
Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft zum Wert ihrer Reproduktion (den Lohn), aber die Arbeitskraft erzeugt während der Arbeitszeit einen größeren Wert.
Mehrwertrate und Ausbeutung:
Die Differenz zwischen dem Wert, den die Arbeitskraft erzeugt, und dem Wert, den sie in Form des Lohns erhält, bezeichnet Marx als Mehrwert. Die Mehrwertrate misst das Verhältnis zwischen dem Mehrwert und dem variablen Kapital, also die Intensität der Ausbeutung der Arbeitskraft.
Rolle im Kapitalistischen Produktionsprozess:
Das variable Kapital ist dynamisch, weil es den gesamten Produktionsprozess antreibt. Ohne Arbeitskraft gibt es keine Produktion, und ohne Mehrwert gibt es keine Akkumulation des Kapitals.
Marx betont somit, dass das variable Kapital im Zentrum des kapitalistischen Produktionsprozesses steht, weil nur die Arbeitskraft in der Lage ist, die Wertsumme zu erhöhen und so die Grundlage für Profit und Kapitalakkumulation zu schaffen.
Wenn die Kosten für das variable Kapital gesenkt werden können, erhöht das den Profit. Welche Methoden gibt es, um die Kosten des variablen Kapitals zu senken?
ChatGPT: Ja, die Senkung der Kosten des variablen Kapitals (Löhne und andere Arbeitskosten) kann den Profit erhöhen. Marx analysiert im Kapital, wie Kapitalisten unterschiedliche Strategien anwenden, um die Arbeitskosten zu reduzieren und die Mehrwertrate zu steigern. Die wichtigsten Methoden sind:
Hier ist eine überarbeitete Zusammenfassung der wichtigsten Methoden, um die Kosten des variablen Kapitals zu senken, basierend auf Marx‘ Analyse im Kapital:
1. Verlängerung des Arbeitstages (absolute Mehrwertproduktion):
Längere Arbeitszeit ohne proportional höheren Lohn: Die Arbeiter leisten zusätzliche Stunden, die oft nur teilweise oder gar nicht vergütet werden. Dies steigert die Produktion und senkt die Kosten pro Einheit Arbeitskraft.
Unbezahlte Mehrarbeit: Die Verlängerung der produktiven Arbeitszeit erhöht den Mehrwert.
2. Steigerung der Produktivität (relative Mehrwertproduktion):
– Einsatz neuer Technologien: Maschinen und technologische Fortschritte ermöglichen, dass ein Arbeiter mehr in derselben Zeit produziert, wodurch die Arbeitskosten pro Stück sinken (vgl. Screenshot oben).
– Rationalisierung der Produktion: Effektive Arbeitsorganisation, z. B. Fließbandarbeit oder Automatisierung, reduziert den Arbeitsaufwand pro Produkt.
– Senkung der Reproduktionskosten der Arbeitskraft: Wenn die notwendigen Güter für das Leben der Arbeiter (wie Lebensmittel oder Kleidung) billiger werden, kann auch der Lohn gesenkt werden.
3. Direkte Lohnkürzungen:
– Senkung der Nominallöhne: Direkte Kürzungen der gezahlten Löhne oder Gehälter.
– Einsatz von Niedriglohnarbeit: Beschäftigung von Arbeitskräften in prekären oder unsicheren Arbeitsverhältnissen mit geringen Löhnen.
4. Verlagerung der Produktion (Globalisierung):
– Outsourcing in Niedriglohnländer: Verlagerung der Produktion in Länder mit niedrigeren Löhnen und schwächeren Arbeitsrechten.
– Offshoring: Reduzierung der variablen Kosten durch Produktion in Regionen mit geringen Lebenshaltungskosten.
5. Erhöhung der Arbeitsintensität:
– Steigerung der Leistung: Mehr Arbeit in derselben Zeit durch Erhöhung des Drucks, Überwachung oder Einführung strengerer Arbeitsnormen.
– Verkürzung von Pausen: Verringerung der Erholungszeiten, um die produktive Zeit pro Tag zu maximieren.
6. Flexibilisierung und Prekarisierung der Arbeit:
– Zeitarbeit und Leiharbeit: Einführung von flexiblen und kurzfristigen Arbeitsverträgen, die oft schlechter bezahlt werden und keine zusätzlichen Sozialleistungen bieten.
–Minijobs und Teilzeitarbeit: Förderung von Arbeitsmodellen mit niedrigen Stundenlöhnen oder ohne Anspruch auf reguläre Arbeitnehmerrechte.
7. Abbau von Sozialleistungen:
– Reduktion indirekter Lohnkosten: Kürzung von Renten, Krankenversicherungen oder Urlaubsgeld.
– Privatisierung von Sozialleistungen: Verlagerung von Verantwortung für Altersvorsorge oder Gesundheit auf die Arbeitnehmer. [Es heißt „Arbeiter“, KI! Das gibt einen Minuspunkt.]
8. Einsatz ungeschützter oder unbezahlter Arbeitskräfte:
– Praktika und unbezahlte Arbeit: Nutzung von Arbeitskräften ohne Lohnanspruch, etwa in Ausbildungsprogrammen.
– Kinder– und Zwangsarbeit: In extremen Fällen Einsatz von Arbeitskräften ohne Anspruch auf angemessene Bezahlung oder Rechte.
Das Kapital erschien 1867 und erklärt den heutige Kapitalismus noch immer hinreichend.
Nieder mit dem variablen Kapital!
Wir müssen über den Kapitalismus reden. Nein, müssen wir gar nicht: Die beiden Screenshots sagen alles aus, was die Zukunft bringt. Die Sache ist aber nicht neu. Dazu gibt es die übliche Lektüre:
Wie ein Wechsel im Wert der Produktionsmittel, ob auch rückwirkend nach ihrem bereits erfolgten Eintritt in den Prozeß, ihren Charakter als konstantes Kapital nicht verändert, ebensowenig berührt ein Wechsel in der Proportion zwischen konstantem und variablem Kapital ihren funktionellen Unterschied. Die technischen Bedingungen des Arbeitsprozesses mögen z.B. so umgestaltet werden, daß, wo früher 10 Arbeiter mit 10 Werkzeugen von geringem Wert eine verhältnismäßig kleine Masse von Rohmaterial verarbeiteten, jetzt 1 Arbeiter mit einer teuren Maschine das hundertfache Rohmaterial verarbeitet. In diesem Fall wäre das konstante Kapital, d.h. die Wertmasse der angewandten Produktionsmittel, sehr gewachsen und der variable Teil des Kapitals, der in Arbeitskraft vorgeschoßne, sehr gefallen. Dieser Wechsel ändert jedoch nur das Größenverhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital oder die Proportion, worin das Gesamtkapital in konstante und variable Bestandteile zerfällt, berührt dagegen nicht den Unterschied von konstant und variabel.
Die Roboter knabbern an den Kosten des variablen Kapitals – sie reduzieren sie, erhöhen also letztlich den Profit. Roboter feiern nicht krank und treten keiner Gewerkschaft bei und brauchen keine Pausen – ein Traum für jeden Kapitalisten!
AI Surveillance oder: Profitmaximierung im Kapitalismus
In diesem Instagram-Video kann man sehr schön erkennen, wie Künstliche Intelligenz dem Kapital bei der Profitmaximierung hilft. Wenn die Angestellten sich von ihren Plätzen erheben, werden sie gleich markiert, und die Fehlzeit wird vom Lohn abgezogen.
Das variable Kapital besteht aus den Kosten der Ware Arbeitskraft (nicht zu verwechseln, ChatGPT, mit dem Lohn). Je größer die Kosten des variablen Kapitals, um so geringer der Mehrwert und letztlich Profit.
ChatGPT: Laut Karl Marx besteht der Unterschied zwischen Mehrwert und Profit darin, dass der Mehrwert die grundlegende Größe ist, die durch die Ausbeutung der Arbeitskraft im Produktionsprozess entsteht, während der Profit eine Erscheinungsform dieses Mehrwerts darstellt, die durch die Konkurrenz und Verteilung im kapitalistischen System beeinflusst wird.
Im Arsch und salut
Wenn jemand Marx noch nie im Original gelesen hat: So sieht das aus. (Marx an Engels in Manchester, 25.12.1857, MEW 29)
Das Klima
ifo Geschäftsklimaindex gesunken – Der ifo #Geschäftsklimaindex fiel im August auf 86,6 Punkte, nach 87,0 Punkten im Juli. Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in die Krise.
Sind für das Klima nicht die Grünen verantwortlich? Oder gar Putin? Oder schafft sich der Kapitalismus einfach so ab? (Übrigens ein großartiger Artikel!)






































