Ianda on the isle of Landa, revisited

Ianda on the isle of Landa

Sicherheit am Gerät oder: Truecrypt et al, reloaded

Independent: „Police have used powers under the Terrorism Act to seize the laptop of a young Newsnight journalist in a case that has shocked BBC colleagues and alarmed freedom of speech campaigners…“

Ich hoffe, Eure Geräte sind sicher. Es kann jeden treffen. Und ich kriege immer noch unverschlüsselte E-Mails mit journalistischen Anfragen.

Nicht eilig

Der DJV Berlin hat auf seiner Website eine weitere Stellungnahme zu den „Stasi“-Vorwürfen des RBB gegen den Vorsitzenden Bernd Lammel.

Die Dürftigkeit des Materials zieht die Frage nach sich, warum der rbb ein so großes Interesse daran hatte, seine diffamierende Berichterstattung unbedingt am 13. 09. 2015 in der Abendschau zu platzieren. Genau einen Tag vor der wichtigen, vorletzten DJV-Gesamtvorstandssitzung vor dem kommenden DJV-Bundesverbandstag, der einen neuen Vorsitz wählen soll.
Ebenso unklar ist die beschriebene Eilbedürftigkeit vor dem Hintergrund, dass der rbb bereits seit über fünf Jahren im Besitz dieser Unterlagen ist und zum damaligen Zeitpunkt auch das einzige Medium war, welches diese Akten angefordert hat. (…)

Der DJV Berlin wird die Vorgänge zum Anlass nehmen, eine breite innerverbandliche Diskussion zum Thema „Journalistische Ethik zwischen Aufarbeitung und Rufmord“ anzustoßen. Die Berichterstattung von rbb, Kress und Bild stellt den fragwürdigen Effekt einer Verdachtsberichterstattung über die Grundsätze des Qualitätsjournalismus.

Ich kenne die Antwort, ich brauche aber noch ein paar Tage, bis ich etwas publizieren kann. Sorgfaltspflicht usw.

Rückfall in die Barbarei

Telepolis: „Damit erleben wir derzeit einen in Deutschland nach 1945 nie gekannten Vorfall. So schnell kann man gar nicht schauen, wie Deutschlands wichtigste Buchhändler in voraufklärerische Verdammungspraktiken zurückfallen. Selbst die katholische Inquisition hat es sich immer zur Devise gemacht, klar zwischen einem konkreten Werk und den anderen Äußerungen des Autors zu unterscheiden. (…) Was jetzt in Deutschland mit dem neuesten Werk Pirinçcis passiert, zeigt nicht nur, wie wenig ernst die Mehrheit der deutschen Buchhändler das Selbstentscheidungsrecht der Leser nimmt. Es ist ein Abschied von jenem Denken, für das Voltaire und die anderen großen Philosophen Europas stehen.“

Full ack.

Schönheit im Detail

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Maternal Gatekeeping oder: Wir sind nicht frei

Ein lesenswertes Interview mit Cornelia Koppetsch, einer Soziologin, kann man im aktuellen Print-Spiegel lesen: „Die Frau will die Kontrolle“.

O je, Wikipedia: wer hat da was geraucht? „Koppetsch ist Mitbegründerin eines milieuvergleichenden Ansatzes in der Geschlechterforschung, der die Persistenz traditioneller Rollenaufteilungen in Paarbeziehungen weder auf biologische oder anthropologische Muster, noch auf herrschende, patriarchale Machtstrukturen bezieht, sondern davon ausgeht, dass es eine latente Übereinstimmung zwischen Männern und Frauen hinsichtlich des „richtigen“ Mannseins bzw. Frauseins gibt.“

Ich übersetzte das mal anhand des Interviews. Sie sagt, ob Männer und Frauen sind anders verhielten, sei je nach Milieu unterschiedlich. Im so genannten „familistischen“ Milieu bestehe am ehesten die Chance, dass die klassischen Rollen sich veränderten, im akademischen Milieu eher nicht.

Das wird den akademischen Gendersprech-Tussen aber gar nicht gefallen. Koppetsch interessiert sich eher für Fakten. Das Fazit ist pessimistisch. Auf die Frage, ob die Menschen ihr Verhalten änderten, obwohl sie merkten, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen, antwortet sie:
Weil ihr Verhalten auf sozialen Normen fußt, also auf Gesetzmäßigkleiten, die sich nur langsam und kollektiv ändern können. Und bis es so weit ist, bleibt das Individuu darin gefangen. Wir Menschen entwickeln unsere Identität nicht unabhängig von der Anerkennung der anderen. Wir sind nicht frwi in dem, was uns ausmacht – und daher nur bedingt in der Lage, uns anders zu verhalten.

Es geht um Macht und unter anderem auch um Maternal Gatekeeping.

Jedenfalls eine brilliante und kluge Frau. (Ja, ich finde Intelligenz bei Frauen sexy!) Lesenswert!

Meine Daten? Wo? Was? WTF?

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Ich habe auf einem meiner Rechner jetzt versuchsweise Windows 10 installiert. Eigentlich dürfte niemand, der über Netzpolitik und Datensicherheit redet oder schreibt, so etwa benutzen. Aber ob man mit den jungen Damen auf dem Foto darüber reden könnte?

Gotik by night et al

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Heute habe ich nur herumgelungert und dieses und jenes gemacht. Wie Urlaub so ist und sein sollte.

Nicht ganz: Ich habe auch gearbeitet und Dokumente hin- und hergewälzt und Mails geschrieben. To whom it may concern: Die Recherche ist noch nicht abgeschlossen. Old school investigative journalism dauert eben.

Linke Regierung in Portugal verboten

Schöne Definition: Das „nationale“ Interesse ist das Interesse des internationalen Kapitals.

So will es laut FAZ der portugiesische Staatspräsident. Obwohl die Linke eine Mehrheit im Parlament hat, ernannte er den amtierenden „bürgerlich-konservativen“ Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho zum Regierungschef.

Ragnarok – Hill Climb Racing

hill climb racing

Hill Climb Racing“ für Android hatte ich hier und hier schon lobend erwähnt.

Ich habe mich umgesehen, wann wohl das letzte Level bzw. die letzte Szenerie erreicht sei. Die auf dem Wiki erwähnten sind bei mir schon alle freigeschaltet, auch alle Fahrzeuge. Jetzt aber erschien plötzlich Ragnarok mit ausgesprochen coolem Sound.

„Description – Mysterious place with tons of challenging suprises. Recommended Vehicle(s) – Police Car, Super Diesel 4×4, Dune Buggy, Big Finger, Moonlander“.

Ich bin weiter gekommen als auf diversen Videos. Allerdings sieht die Strecke bei 12.000 Metern und danach offenbar sehr spannend aus… Sollte ich statt des „Dicken Fingers“ doch lieber den Mondrover nehmen?

Gibt es vielleicht noch eine verborgene Szenerie, nach gefühlt 1 Trillion Punkten?

Wieder mal: Geheimakten

Telepolis: Der Fall des Attentäters Frank S., der am Samstag einen Anschlag auf Henriette Reker verübte, wird immer bizarrer. So hat S. offenbar Hartz4-Leistungen bezogen, obwohl er nie im Jobcenter aufgetaucht sei und sich um eine Stelle bemüht habe, berichten der Kölner Stadtanzeiger und Express. Noch erstaunlicher ist aber die Meldung, die entsprechende Akte des Attentäters sei als geheim eingestuft und daher gesperrt worden.“

Interessant. Man fraggt sich natürlich, ob auch die Akten Akif Pirinccis oder Lutz Bachmanns gesperrt sind. Das würde doch passen. Zeit online schrieb gestern (die Meldung gibt es fast jeden Monat bei unterschiedlichen Anlässen): „Die Bundesregierung will offenbar den Sicherheitsapparat aufstocken. Deutlich mehr Mittel sollen ans BKA und den Verfassungsschutz gehen.“

Das ist ja schon ein running gag,

Früher war mehr Lichterkette

Telepolis: „Am vergangenen Samstag zeigte die Tagesschau einen Bericht über eine Lichterkette für Flüchtlinge in Berlin. Allerdings waren in dem Beitrag auch Bilder einer Lichterkette aus dem Jahr 2003 zu sehen, die von Menschen gebildet wurde, um ein Zeichen für Frieden und gegen den bevorstehenden Krieg im Irak zu setzen, wie der medienkritische Journalist Stefan Niggemeier auf seiner Webseite erläutert„.

Vom Stuckenberg zum Keller Kopf

massener Heidemassener Heidereich des wassers

Eine Denksportaufgabe wäre: Reisen sie wie Heinrich Heine 1812 von Hagen nach Unna, aber bitte über Holzwickede! Wenn man sich die heutigen Autobahnen und Straßen wegdenkt und nur die Topografie und alten Karten ansieht, wird eines sofort klar: Die Römer wussten schon, warum sie auf dem Hellweg in Richtung Osten marschierten – und nur da. Südlich davon liegt das Tal, in dem früher wenige Bauern lebten, und dann kommt der Höhenzug des Haarstrangs mit den Dörfern Hengsen und Opherdicke (seit 950 n.u. Z. besiedelt). Wenn man aber direkt von Holzwickede nach Unna wollte, träfe man auf das Liedbachtal oder einen steilen Hügel – beides würde eine Kutsche oder ein Fuhrwerk vor ein großes Problem stellen. Wikipedia radebrecht dazu; „Zudem ist in Massen ein Berg vorhanden, welcher Stuckenberg heißt, der 118 m über NN und in der Massener Heide liegt.“

Ich habe die Tour heute mit dem Fahrrad gemacht. Die Landschaft ist lieblich und abwechslungsreich, wenn man von dem Krach der Autobahn absieht, der aber nicht überall durchdringt. Wenn man den Stuckenberg mit Karacho runterradelt, kommt man zu einer historischen Mühle (vgl. Foto oben), die der Besitzer in eigener und Handarbeit restauriert hat. Touristen sind hier nie, obwohl man hier Rosamunde Pilcher verfilmen könnte. Das Areal heißt bei den Einheimischen „Reich des Wassers“.

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Auf der anderen Seite Holzwickedes strampelt man den Haarstrang hoch, über die „Landskrone“ zum Keller Kopf mit dem hier schon 2011 erwähnten Denkmal. Der Blick ins Ruhrtal ist unbezahlbar.

keller kopfholzwickede
Hixterwald

Auch der Hixterwald dürfte den wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammlesern bekannt sein. Man könnte dazu Madonna hören.

lünschermannswegemscherquellhof

Und täglich grüßt der Lünschermannsweg, und der Emscherquellhof nickt dazu.

Chilling und vielleicht mehr Kuchen

Extrablatt

Es regnete. Aber das tut meiner guten Laune keinen Abbruch. Es muss am Urlaub und meiner wasserdichten Jacke liegen. Sie fangen an, die nassen Tische vom Cafe Extrablatt draußen beiseite zu räumen, als wenn es keine Hoffnung mehr gäbe, dass sich morgen noch jemand nach draußen setzte.

Der Blick auf den Unnaer Markt allein erholt schon, Uraltes Fachwerk, mit Liebe für Detail hergestellt. Und die stolzen Bürgerhäuser aus der Gründerzeit, die den Betrachtern etwas verkünden wollen mit ihren Ornamenten.

Vielleicht sollte ich überhaupt mehr über Kuchen ,Fahrräder und andere Lifestyle-Themen schreiben, da auch Don Alphonso jetzt schon die Grenzen schließen möchte und die dortigen linksextremen Leser sicher eine neue Heimat suchen. (Das war ein Scherz, ihr Dödel!)

Vom Hellweg zum Hixterwald

hellweg

Wenn man in den Kleinstädten im Ruhrpott herumwandert, ist es gar nicht anders als in Dörfern Südamerikas: Wo keine Touristen hinkommen, nimmt man von jedem, der zu Fuß unterwegs ist, an, er sei Einheimischer und wohne da. Ich hatte mich entschieden, die schlappen sechs Kilometer von Unna nach Holzwickede zu laufen, eingedenk der Tatsache, dass ich in Lateinamerika mit einem 20 Kilo schweren Rucksack unterwegs war und selbst bei 15 Kilometern Fußmarsch bei 35 Grad im Schatten nur mit den Achseln gezuckt habe.

Als ich an einer Trinkhalle (so heißen Kioske hier) vorbeikam, am Ende der Massener Straße in Unna, grüßte mich ein alter Mann freundlich und nickte mir zu. Das würde mir in Berlin bei Unbekannten eben nicht passieren, in touristenfreien Dörfern Perus oder Boliviens sehr wohl.

Ich marschierte also auf der alten Römerstraße Hellweg, die später die Reichs- bzw. Bundesstraße 1 wurde. Zwischen Unna und Holzwickede ist nur noch ein Fußweg neben der neuen Straße entlag des Hügelkammes erhalten, der am Flughafen Dortmund verschwindet. Natürlich war ich allein, niemand läuft dort zu Fuß. Die alte Salzstraße wird schon 5000 Jahre genutzt, sogar Ptolemäus erwähnt sie. Was mag da alles vorgefallen sein? Ich habe mir eine römische Legion vorgestellt und mittelalterliche Kutschen, die mit der Steigung ihre Mühe gehabt haben werden.

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Nicht nur die turmhohen Pappeln sind verschwunden, die den Hellweg einst säumten und sogar von den Dörfern Hengsen und Opherdicke aus zu sehen waren, auch die alte Kolonie südlich des Hellwegs, eine Reihe von Bergarbeiterhäuschen, die in meiner Kindheit noch existieren. Ich wurde immer davor gewarnt, dort zu spielen, weil die Leute, die dort wohnten, keinen guten Ruf hatte. Nur eine Handvoll alter Häuser duckt sich im Schatten des Flughafens, der heute alles niederwalzt.

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Die Nordstraße (oben) war das Revier meiner Kindheit,freifunk im Haus Nummer 2 wurde ich geboren, Ich ließ es mir heute nicht nehmen, in der Bäckerei gegenüber, die früher Schopp hieß, Rast zu machen.

„Freies WLAN“ stand an der Tür, hurra! Ein Vorposten der Zivilisation! Das ist bei der Kette „Bäckerei Grobe“ offenbar Standard, wie man mir sagte. Deshalb kommt sie gleich zwei Mal vor. Und auch der Inhaber des Hotspots nebenan ist nicht von gestern.

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Das „eigentliche“ Holzwickede beginnt südlich der Bahn, und Völkerkundler würden sich für die herzliche Abneigung zwischen „Südseitlern“ und „Nordseitlern“ interessieren, die niemand zugibt, aber in der oral history sehr wohl vorkommt. Das Gasthaus „Zum Adler“ hinter der ersten Kurve ist eines der imposantesten Häuser der Gründerzeit und bietet heute ganz kosmopolitisch japanische, chinesische und mongolische (!) Küche an. Indisch hätten sie eigentlich auch noch dazunehmen können.

So eine 10000-Seelen-Gemeinde hat nur eine „richtige“ Hauptstraße, aber ihr Zweck wird heute verfehlt. Händler und Handwerker sind kaum noch da, Häuser stehen leer, und Rechtsanwälte und vergleichbare Dienstleister machen sich breit. Nur das Rathaus (oben) ist eine Augenweide.

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Ja, der Lünschermannsweg (unten) an der ehemaligen Hengser Straße. Ein Foto ist Pflicht, wie schon wie hier (Oktober 2014), hier (24.10.2014), hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011). Und auch der Hixterwald.

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Der Marsianer – Rettet Mark Watney

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Es gibt einen Roman, der so heißt. Vielleicht hätte ich den lesen sollen. Und wenn die Deutsche Film- und Medienbewertung etwas als „besonders wertvoll“ erachtet und die Obersten Landesjugendbehörden von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft eine „Freigabebescheinigung“ erstellen (muss man sich auf der Zunge zergehen lassen), dann ist der Film vermutlich langweilig oder grottenschlecht oder beides. Ich war also gewarnt.

Kurz gesagt: „Der Marsianer“ ist ein Propaganda-Film für die NASA und deren Programm, mit Musik von Abba unterlegt („Waterloo“, 1974) und Schauspielern, die nicht schauspielern, weil sie keinen Charakter haben müssen, außer Matt Demon, der so vielschichtig agiert wie Asterix, weil der Plot es so will. Also alles ganz großartig und besonders wertvoll.

Noch etwas: Das Gute siegt, weil die Chinesen mit den US-Amerikanern zusammenarbeiten und alle Wissenschaftler mindestens so klug sind wie MacGyver. Putin aka die Russen dürfen nicht mitspielen.

Noch etwas, reloaded: Gewalt, Sex, Olga Kurylenko und Jessica Alba kommen auch nicht vor, und alle Frauen haben was an, trotz 3D-Brillen für die Zuschauer. Ich habe ihn dennoch bis zu Ende gesehen, weil ich gerade nichts anderes zu tun hatte und er ja besondert wertvoll ist.

Alles ganz normal

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Ich sitze immer noch im Cafe Extrablatt. Milchkaffee, Apfelstrudel, Linux-Netbook, Sonnenstrahlen blinzeln, graue Wolken trödeln vorbei, und Reggae aus den Lautsprechern! Reggae! Was fällt dem humanistisch gebildeten Weltbürger da ein? Ja, richtig!

Mittags laufen hier nur Rentner herum und Hausfrauen. Die anderen müssen ja arbeiten. Und die, die keine Arbeit haben, können sich das hier nicht leisten. Currywurst und Apfelstrudel und die dazu passenden Getränke – das sind schon rund fünfzehn Euronen. Multipliziert das meinetwegen nur mit 15 Tagen.

Das hier ist auf den erten Blick idyllisch, pittoresk, dabei ist es noch Ruhrpott (die östlichste Stadt desselben). Vor allem die Details: Der Bahnhof hat ein Holzdach (!) mit Gold. So würde heute keiner mehr bauen. Ist nicht profitabel.

Der Charme kommt daher, dass es nicht wie Disneyland wirkt. Die Läden in der Hauptstraße sind zum Teil potthässlich, eine große Baulücke gähnt dort, wo ich in meiner Schülerzeit oft war. Und wenn man sich backstage herumtreibt, dann ist da alles baupolizeilich vernagelt und unansehnlich verramelt.

Die Geschichte der letzten 500 Jahre lugt hier hinter dem Fachwerk hervor, und ich erkenne hier keine Touristen. Aber könnte ich hier leben? Wie sieht es hier abends aus, wenn man in keinem Verein ist oder sein will, womöglich arm ist und Single? Wie findet man hier gleichgesinnte Freunde? Und die wenigen gut aussehenden Frauen haben alle Kinder bei sich. SCNR.

Yellowhound in die Pampa

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Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte eine so lange Strecke mit einem Bus gefahren bin. Muss 1982 in den USA gewesen sein, von Dutch Pennsylvania nach Texas. Jetzt wieder: Im gelben Postbus von Berlin nach Dortmund (und von da mit dem Bummelzug nach Unna).

Tut mir leid, Bahn, ihr habt mich als Kunden verloren. Als Globetrotter weiß man, dass es nicht darauf ankommt, wie lange man unterwegs ist: Das Reisen an sich ist das Ziel. Für die zwei Stunden mehr bekomme ich ein sauberes Klo, sogar mehr Beinfreiheit und WLAN mitsamt einer respektablen Mediathek. Und es gibt Steckdosen! Unter jedem Sitz! Hört ihr das von der Bahn?

Ja, ich weiß: „Mediathek“ meint den durchschnittlichen Publikumsgeschmack, der bekanntlich das Grauen ist. Ich hatte ein Tablet mit großem Bildschirm dabei und sah mir die beiden einzigen Filme an, die nicht ganz daneben zu sein schienen. Beide kann ich empfehlen: Argo (running gag: „fuck yourself“), mit extremer Spannung, herrlich zynischen Dialogen und trotz Hollywood mit politischen Inhalten. (Nein, Ben Affleck, es war nicht Ronald Reagan, der die Berliner Mauer zum Einsturz brachte.)

Slate: „Sure, Argo’s an easily consumable mashup of well-worn genres (exotic adventurer, political caper flick, derelict daddy redemption movie, Hollywood insider satire) whose geopolitical themes make it feel smart and important.“ Schon gut.

Danach The Judge (leider auf Deutsch) mit einem überzeugendem Bad-ass-Rechtsanwalt Robert Downey Jr.. Der Plot ist etwas flach, aber, hey, ich saß im Postbus! Da will ich keine bulgarischen Kulturfilme mit französischen Untertiteln!

„Argo“ brachte mich in eine düstere Stimmung, die durch den Busbahnhof von Hannover (2. Bild von oben) noch düsterer wurde. Nur Wolfsburg hätte schlimmer aussehen können. Es schüttete auch die ganze Zeit, aber Sonne hätte es nicht besser gemacht. Ich habe mir übrigens zum wiederholten Male geschworen, nie in ein islamisches Land zu fahren (das Risiko wäre für mich auch zu groß wegen der „Satanischen Verse“), und ich will in meiner Freizeit auch überhaupt keine Frauen mit Kopftüchern sehen. And period. Ekelhaft.

Wenn man um halb elf Uhr abends in einer Kleinstadt wie Unna angekommt, lernt man die Vor- und Nachteile gleich kennen. Es ist so gut wie niemand (in Worten: keiner) mehr auf der Straße, im Hotel wird gerade das letzte Bier ausgeschenkt, und wenn man in einer Viertelstunde das gesamte Stadtzentrum durchwandert hat, findet man trotzdem nichts mehr zu essen oder trinken. Sogar die Tankstelle hat geschlossen.

Ganz Unna eine Pampa, tote Hose, Schlafstadt, kein zivilisierter Ort, nirgends? Nein, eine kleine „City Pizza“ hatte noch geöffnet. Ihr sei Lob und Dank, obwohl das Interieur gewöhnungsbedürftig ist. Passte aber zur Tageszeit und zu meiner Laune, die sich schlagartig änderte. You made my night.

Was ich an Lokalzeitungen so mag, sind die Schlagzeilen auf der ersten Seite: „Weihnachtsbaumpreise stabil!“ Im Oktober! Vier Seiten für Lokalsport, eine halbe Seite Politik. Genau richtig zum Frühstück.

Heute abend Kino: „Der Marsianer“. Was will man mehr von einem Kurzurlaub. Nur das Internet ist gewohnt scheiße. Das schnellste bekommt man im Cafe Extrablatt, wo ich gerade sitze.

Ich wünsche allen nochen schönen Tach (wie man das hier ausspricht).

Stadt in den Wolken

Die Erklärung für das Phänomen gibt es bei iflscience.com („The lighter side of science“).

Polynesian seafarers discovered America long before Europeans

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Hawaiian navigators sailing multi-hulled canoe, c. 1781, Photo: Wiki Commons

Mother Nature Network: „The prevailing theory about the „rediscovery“ of the American continents used to be such a simple tale. Most people are familiar with it: In 1492, Christopher Columbus sailed the ocean blue. Then that theory was complicated when, in 1960, archaeologists discovered a site in Canada’s Newfoundland, called L’Anse aux Meadows, which proved that Norse explorers likely beat Columbus to the punch by about 500 years.

Now startling new DNA evidence promises to complicate the story even more. It turns out that it was not Columbus or the Norse — or any Europeans at all — who first rediscovered the Americas. It was actually the Polynesians.“

Ich finde solche Geschichten großartig. Man muss sich das mal vorstellen…

„The findings show that the technological capabilities of ancient peoples and cultures from around the world should not be underestimated, and that the history of human expansion across the globe is probably far more complicated than anyone could have previously imagined.“

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