Das Internet noch heute abschalten

„Wenn die deutsche und europäische Politik es könnte, würde sie das Internet noch heute abschalten, durch einen sauber kontrollierten Datendienst ersetzen, bei dem jedes Byte vor dem Versand ein Formular in drei Durchschlägen ausfüllen muss, und die Uhr 25 Jahre zurückdrehen. Und das macht mir mehr Angst als die Gigabyte von Daten, die Google, Facebook, Amazon und Twitter über mich aufgehäuft haben.“ (Herbert Braun auf Heise)

Die Steuerluxe

Panorama (Video): Schimmel, bröckelnder Putz, kaputte Fenster. Die Moabiter Grundschule ist vollkommen marode. Das Geld für Reparaturen fehlt, dem Staat fehlen die Einnahmen. Umso empörender ist, was ein streng geheimer Datensatz, der dem NDR vorliegt, jetzt zutage fördert. Über 27.000 Dokumente belegen die ganz legalen Tricks, mit denen viele Unternehmen Milliarden von Steuern sparen.

In monatelanger Arbeit hat ein internationales Reporterteam die Dateien ausgewertet und die komplizierten Strukturen und verschachtelten Firmen nachgezeichnet, die zum Teil über viele Ländergrenzen miteinander zusammenhängen.

Es gibt noch Journalisten in Deutschland, die ihren Beruf ernst nehmen, wenn auch nur wenige. Die von Panaroma gehören dazu. Chapeau!

Unter Avataren

ich

Hier ein völlig unpolitisches Posting aus der beliebten Rubrik „Lange-kein-Avatar-Screenshot-mehr-veröffentlicht“. Ich bin der bewaffnete Herr links. Das Environment habe ich selbst gebaut (außer der Dame natürlich).

Journalistische Recherche | Wirtschaft

Update: Journalistische Recherche | Wirtschaft: Grundbuchämter in Deutschland

Auf dem Weg in die Altersarmut

Newsroom.de: „Gabriele Riedle ist langjährige Geo-Redakteurin. Wie andere Journalisten bei Gruner und Jahr wird auch sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Newsroom.de dokumentiert den bewegenden Brief von Gabriele Riedle an Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende des Hamburger Großverlags Gruner und Jahr, im vollen Wortlaut.“ (Die taz hat auch was dazu.)

Und wie es überhaupt ist, in meinem Alter plötzlich vor dem Nichts zu stehen? Ohne Vermögen, ohne auch nur die allergeringsten Strukturen, Sicherheiten und Perspektiven, vollkommen auf sich alleine gestellt.

Don Alphonso schreibt ganz richtig: „Wer im Journalismus reich werden will, muss darin entweder reich heiraten, reich erben oder auf einen Managerposten kommen. Alle anderen sollten sich eben überlegen, ob sie sich diese Arbeit, verbunden mit den Privilegien, die man dort hat, wirklich leisten können.“

Ausbeutung ist Alltag

In kaum einem anderen Euroland ist der Niedriglohnsektor so groß wie in Deutschland. Nur in der Slowakei und Irland ist der Anteil der Billiglöhner noch höher.

19,2 Prozent aller Beschäftigten in Betrieben arbeiten für weniger als 8,50 Euro die Stunde, eine Entwicklung, die offenbar politisch gewollt war. Schon 2005 lobte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sich und seine rot-grüne Regierung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: „Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut.“ (…)

Denn Deutschland bietet für viele Formen der Knechtschaft im 21. Jahrhundert legale Fassaden, meist sind es Werkverträge und Gewerbescheine für Selbständige. (Aus der lesenswerten Reportage „Ausbeutung ist Alltag“ im aktuellen Print-Spiegel)

Natürlich ist es bezeichend, dass derartige Geschichten in unseren Wirtschaftszeitungen, in denen die Lautsprecher des Kapitals „Volkswirtschaftler“ die Lufthoheit haben, nie vorkommen.

Sorgerecht und Dauerpartnerschaft

Das Bundesverfassungsgericht hat ein sehr interessantes Urteil zum Sorgerecht der Eltern gefällt und wann die Kinder den Eltern weggenommen werden dürfen, und gleichzeitig einige Sachverständige abgewatscht:

Im Sachverständigengutachten wird die verfassungsrechtlich gebotene Frage nach einer nachhaltigen Gefährdung des Kindeswohls weder explizit noch in der Sache gestellt. Stattdessen prüft es die Erziehungsfähigkeit der Eltern in einer Weise, die nicht geeignet ist, das rechtliche Merkmal der Kindeswohlgefahr in tatsächlicher Hinsicht aufzuklären. Als Kriterien zieht es unter anderem heran, ob die Eltern dem Kind vermittelten und vorlebten, dass es „sinnvoll und erstrebenswert ist, zunächst Leistung und Arbeit in einer Zeiteinheit zu verbringen, sich dabei mit anderen messen zu können und durch die Erbringung einer persönlichen Bestleistung ein Verhältnis zu sich selbst und damit ein Selbstwertgefühl aufbauen zu können“, ob die Eltern der „geistigen Entwicklung ihres Kindes größtmögliche Unterstützung und Hilfe zukommen lassen, damit die Kinder hier nach ihrem geistigen Vermögen auf eine persönliche Bestleistung hin gefördert werden und diese erbringen können“ und ob die Eltern den Kindern ein „adäquates Verhältnis zu Dauerpartnerschaft und Liebe vorleben“.

Mit diesen Fragestellungen wird die Erziehungsfähigkeit des Beschwerdeführers an einem Leitbild gemessen, das die von Art. 6 Abs. 2 und Abs. 3 GG geschützte primäre Erziehungszuständigkeit der Eltern verfehlt. Eltern müssen ihre Erziehungsfähigkeit nicht positiv „unter Beweis stellen“; vielmehr setzt eine Trennung von Eltern und Kind umgekehrt voraus, dass ein das Kind gravierend schädigendes Erziehungsversagen mit hinreichender Gewissheit feststeht.

Nicaragua: Pictures from a Revolution

nicaragua

Neu in meiner Bibliothek: Susan Meiselas: Nicaragua: June 1978-July 1979 Man sieht die Fotos natürlich mit ganz anderen Augen, wenn man selbst da gewesen ist. (Leider bin ich erst 1982 durch Nicaragua gereist.) Dem Buch ist eine CD beigelegt: „Pictures from a Revolution“.

Die herrschende Lehre der neoklassischen Gleichgewichtsökonomie

„Die herrschende Lehre der neoklassischen Gleichgewichtsökonomie hat jegliche empirische Relevanz seit langem der logischen Stimmigkeit ihrer Modell geopfert. Soweit sie Wissenschaft ist, ist sie sozialwissenschaftlich uninteressant, und soweit sie sozialwissenschaftlich interessant wird, wie in ihren Axiomen und Annahmen, ist sie keine Wissenschaft, sondern ein Glaubenssystem, an dem höchstens seine sozialwissenschaftliche Uninformiertheit verblüffen kann.“ (Michael R. Krätke, Lancaster University, Sociology)

Die Wahrheit über die Wahrheit, reloaded

donezk

Das hatten wir doch schon mal

Unter Webdesignern oder: Wenden Sie sich an ihren Softwarelieferanten

softwareliferant

Ich wollte schon immer wissen, wer eigentlich mein Softwarelieferant ist… Ob Frau Ubuntu oder Herr Microsoft mir helfen würden?

Wer das geschrieben hat, sollte öffentlich ausgepeitscht werden.

Journalistische Recherche | Wirtschaft

Ich habe ein neues Portal freigeschaltet, an dem ich schon seit einger Zeit werkelte: Journalistische Recherche | Wirtschaft (rechts oben in der Blogroll unter „Werkzeuge“).

Die Website enthält Links zu internationalen Wirtschaftsblogs, zu Wirtschaftsdatenbanken und zu internationalen und deutschsprachigen Wirtschaftszeitungen sowie Fachzeitschriften zu Wirtschaftsthemen. Es gibt keine vergleichbare deutschsprachige Sammlung nützlicher Recherche-Tools zu ökonomischen Themen.

Unter bärtigen offenen Kragenträgern

bart

„Im Grunde gibt es zwei Leute, die die heutige Männermode geprägt haben. Der eine ist Arafat mit seinem Bart – es muss ja jeder heute mit so einem Bart rumlaufen. Der andere ist Ben Gurion, der trug diesen offenen Kragen.“ (Peter Scholl-Latour in einem sehr lesenswerten Interview)

Und immer an die Flagge denken!

wieder mal putin

Kriegerische Berichterstattung und andere mythische Erzählungen

wieder mal putin

Foto: Es war Putin!

Ein grandioser Artikel von Malte Daniljuk auf Telepolis: „Rückblick auf ein besonderes Jahr für den Kriegs- und Krisenjournalismus“. Absoluter Lesebefehl!

Im gesamten vergangenen Jahr schaffte es kein einziges deutsches Medium, eine kritische Analyse der jüngeren ukrainischen Geschichte vorzulegen, die auch nur andeutet, was alle in der Ukraine wissen und was sogar ein zentrales Motiv für viele Teilnehmer an den Maidan-Protesten war. (…) Das wichtigste medienpolitische Ereignis des vergangenen Jahres besteht darin, dass große Teile des deutschen Publikums mithilfe der Netzmedien ihre oppositionelle Lesart, in diesem Fall des Ukraine-Konflikts, drastisch und unmissverständlich öffentlich Ausdruck verliehen haben. (…) Inzwischen nutzen die großen Anbieter ihre Verfügungsmacht, um die Möglichkeit zu kommentieren grundsätzlich einzuschränken oder unangepasste Meinungsbeiträge zu zensieren. (…) Ein zentrales Warnsignal besteht sicher im erzählerischen Motiv: „Demokratische Opposition verteidigt sich gegen autokratischen Herrscher“. Dieser Mythos erweist sich bei einem genaueren Rückblick als ein Paradigma, das im Zusammenhang mit zahlreichen Fällen von westlichen Einmischungen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder auftritt. Da mythische Erzählungen sich im Wesentlichen aus dem Selbstverständnis der Erzähler speisen und nur teilweise bewusst gestaltet sind, lässt sich sicher vorhersagen, dass wir diese Geschichte auch in Zukunft noch häufiger hören werden.

Dazu passt von Marcus Klöckner ebd.: „Journalismusforschung: „Ganz auf Linie mit den Eliten“.

Alle sind verdächtig

Heise: „Die britische Innenministerin Theresa May nimmt einen erneuten Anlauf, um verdächtige Internetznutzer identifzierbar zu machen. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Internet-Provider dafür sorgen sollen, dass Kunden eindeutig per IP-Adresse identifiziert werden können,…“

It will therefore require internet providers to retain Internet Protocol – or IP – address data to identify individual users of internet services.

Ach ja. By the way: „The Tor software protects you by bouncing your communications around a distributed network of relays run by volunteers all around the world: it prevents somebody watching your Internet connection from learning what sites you visit, it prevents the sites you visit from learning your physical location, and it lets you access sites which are blocked.“

Tweet of the day 80

„Mein Dozent sucht mit Bing Google und gibt bei Google “duden.de” ein.“ (Jonas Schönfelder)

Das sagt genug aus über das vorherrschende Niveau. Es gibt sogar Dozenten, die halten Seminare ab über „das Internet“ und können keine E-Mails verschlüsseln.

Der Wassermann

Zeit online (ZEITmagazin) über einen Mann, der die Spree sauber bekommen will, so dass man wieder darin schwimmen kann. Lesenswert! (Via Thomas – Vorsicht: Facebook-Link!)

Er kämpft gegen Trägheit, Ignoranz und Mutlosigkeit, er kämpft mit technischem Sachverstand, Kreativität und mit einer geradezu manischen Leidenschaft. Sein Kampf führt ihn in die Niederungen der Berliner Politik, ins Dickicht der Behörden und in ferne Länder. Ralf Steeg ist ein Idealist im Kampf mit der Realität. (…) Was er erlebt hat, hat ihn sehr verletzt, aber auch noch widerspenstiger gemacht. „Ich bin oft undiplomatisch“, sagt er. „Aber ich will auch nicht beim diplomatischen Dienst der UN arbeiten. Es gibt Streite, die sollten zu Ende gefochten werden, bis einer verliert oder gewinnt.“

Offenbar ein sehr sympathischer Mensch mit einem ebenso sympathischen Lebensmotto, das mir irgendwie bekannt vorkommt.

Backdoor.Regin

Der Kaiser ist nackt! Nicht schon wieder. Eine Sicherheitsfirma entdeckt ein Sicherheitsproblem. Symantec warnt vor einem Trojaner Trojanischen Pferd, also einer Spionage-Software, die aus unbekannten Gründen einen Rechner infiziert – und man kann gar nichts dagegen tun, die nur Windows-Rechner betrifft: „a Trojan horse that opens a back door and steals information from the compromised computer.“

Warum machen Spiegel online und Heise jetzt daraus eine riesige Schlagzeile und alle hoppeln hinterher?

Regin is a highly-complex threat which has been used for large-scale data collection or intelligence gathering campaigns. The development and operation of this threat would have required a significant investment of time and resources. Threats of this nature are rare and are only comparable to the Stuxnet/Duqu family of malware. The discovery of Regin serves to highlight how significant investments continue to be made into the development of tools for use in intelligence gathering.

Wie kam Stuxnet auf einen Rechner? „Es wird vermutet, dass die Erstinfektion in der Zielumgebung mittels eines USB-Wechsellaufwerks erfolgt sein könnte.“

Ach?! Nicht per Voodoo, Zauberei oder als Attachment stuxnet.exe per unverschlüsselter E-Mail oder per „untergeschobener“ Website?

Sniper oder: Kill for tolerance!

snipersnipersniper

So etwas kann auch nur US-Amerikanern einfallen. Ich habe mir einen netten Ego-Shooter für Android-Tablets besorgt: Sniper 3D Assassin (empfehlenswert und kostenlos).

Die Geschäftsidee des Spiels: Wenn man eine Weile herumgeballert hat, was mit einem Tablet gar nicht so einfach ist, hat man „keine Energie“ mehr und muss ein paar Minuten warten, bis man weiterspielen kann – oder soll für richtiges Geld „Energie“ kaufen (oder bessere Waffen usw.) Man kann es aber auch lassen und schlicht geduldig sein. Nur Süchtige oder Doofe müssen Geld ausgeben.

Ich kann mir vorstellen, dass die Programmierer bei den einzelnen Szenarien sich gefühlt haben müssen wie die Titanic-Redaktion: „Xenophobia: Skinheads are on the rise and now are trying to kill all foreigners. One of them is chasing a group of tourists on the street. Protect them!“

Mach ich doch gern, obwohl mir die Theorie, was „Xenophobia“ sei und wie diese sich subkulturell kostümieren mag, nicht gefällt. Den „Skinhead“ habe ich gleich mit dem ersten Schuss umgenietet. „Missions accomplished. One for tolerance!“ Muahahahaha.

Sehr schön ist auch: „After frustrated bank hacking attempts, TOm KOd3R is trying to brute-force a cash-withdrawal! Kill him before he calls and triggers the explosives!“

Ein Leckerbissen für Soziologen und Ethnologen: Versatzstücke der „Hacker“-Subkultur und deren – auch verbaler – Ikonografie, wie sie Klein Fritzchen und Richterin Barbara Salesch rezipieren würden, werden aufgenommen und sinnlos miteinander kombiniert, aber dennoch vom Publikum wiedererkannt. Omg that stuff is rly kewl, lol. Yolo!

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