Unter dem Führerbalkon

Westentorbunker Hamm

Vermutlich wissen weder die Einwanderer in Hamm (Westfalen) noch die Nachgeborenen, was es mit dem riesigen Gebäude in der Nähe des Bahnhofs genau auf sich hat. Ich bilde mich gern auch im Urlaub fort, deswegen fuhr ich da hin.

Meine Mutter hat im Alter von 18 Jahren (1944) ganz oben in Raum 905 gesessen, im so genannten Westentorbunker, viele Male, während Bomben die ganze Stadt in Schutt und Asche legten und Hunderte verbrannten und starben. In Hamm stehen heute noch fünf der neungeschossigen Bunker.

Das Stadtarchiv teilte mir vorher mit, jetzt gehöre der Bunker der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Sitz Dortmund, eine Institution, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Der Tonfall, mit der mir diese Auskunft erteilt wurde, legte nahe, dass ich es gar nicht erst versuchen solle, eine Besichtigung zu beantragen, da noch nicht einmal die Stadtarchivare einen Schlüssel hätten.

Das Motto des Stadtarchivs Hamm, das im Souterrain eines hässlichen Zweckbaus residiert, ist: „Für Ihre Recherche stellen wir alles auf den Kopf.“ Das taten sie auch. Als ich eintraf, lagen schon dicke Folianten mit Bauplänen usw. auf dem Tisch. (Man sollte wissen, dass große Teile des Archivs im Krieg zerstört wurde.)

Westentorbunker Hammstadtarchiv Hamm

Über den Bombenkrieg in Hamm und die Bunker gibt es nur zwei Bücher, die ich mir beide besorgt habe. Karl Wulf: Hamm im Bombenkrieg (2018) sowie ders.: Hamm – Planen und Bauen 1936-1945.

Meine Mutter hat 1943 und 1944 bei Schönherr & Alves (Herren-, Knaben- u. Berufskleidung, wurde ausgebombt) in der Weststraße gearbeitet und musste von dort bei Luftalarmen in den Westentorbunker rennen. Mehrfach gab es Massenpanik, weil hunderte Menschen gleichzeitig in den Bunker flüchten wollten.

Die Hammer Archivare hatten sogar einen alten Stadtplan für mich, auf dem die exakte Lage des Geschäfts zu erkennen war. Es gibt nur ein Foto, das die Weststrasse – mit der Pauluskirche im Hintergrund – kurz nach dem Bombenangriff vom 22. April 1944 zeigt, den meine Mutter miterlebt hat. Auf dem untere Foto ist die Straße heute zu sehen, die Perspektive stimmt nicht ganz. Wo Rossmann ist, war damals Schönherr & Alves.

Weststrasse Hamm

Vor 1940 gab es fast keine Bunker in Deutschland. „Öffentlich geäußerte Vorschläge zu einem umfangreichen und sicheren Luftschutzbau galten bis zu diesem Zeitpunkt als ‚zersetzend‘ und konnten sogar zur Verhaftung durch die Gestapo führen und mit der Einlieferung in ein KZ enden.“ (Wulf: Hamm – Planen und Bauen, S. 93) Hitler ordnete nach dem ersten alliierten Angriff auf Berlin im August ein „Sofortprogramm“ für das Luftschutzbauwesen an. Die Anlagen sollten die gesamte Bevölkerung schützen. Hamm war der größte Eisenbahnknotenpunkt Europas; nur dort wurde der Bunkerbau wie geplant vollzogen. Wenn man die Dokumente studiert, wird man fassungslos: Wie selbstverständlich gehen die Verfasser in ihrem Wahn davon aus, dass „nach dem Krieg“ weitergebaut würde.

Luftschutzmaßnahmen
„Betrifft: Anordnungen des Führers zur sofortigen Durchführung baulichen Luftschutzmaßnahemn“, 13. Oktober 1940″, aus: ebd. (Ausriss)

Der Bunker am Bahnhof von Hamm hat oben eine Art Balkon. Wulf schreibt dazu:
Bunker mit Stilelementen der offiziellen Baukunst. Sie sind durch Gesimse, Konsolenfries, Attikabänder und betonte Eingänge künstlerisch aufgewertet. Einige von ihnen zeigen auch das neben dem Hoheitszeichen wichtigste Zeichen der Herrschaftspolitik: den Führerbalkon, der aber nicht zugänglich ist und lediglich symbolisch die Anwesenheit des Führers dokumentiert.

Luftschutzmaßnahmen

Ich habe das Buch über Hamm im Bombenkrieg mit Spannung gelesen – ein Horrorfilm ist nichts dagegen. Um so ungeheuerlicher ist die Unbelehrbarkeit, mit der sich die Nationalsozialisten und auch die „normale“ Bevölkerung an die Illusion klammerten, Hitlers verbrecherische Krieg würde zum Sieg führen.

Von der schönen Stadt Hamm ist nichts mehr übrig geblieben. Das Foto unten zeigt die Innenstadt bei Kriegsende – der Westentorbunker steht im linken oberen Viertel. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass meine Mutter da durchlaufen musste, oft sogar zu Fuß zehn Kilometer bis Bönen, wo meine Großeltern wohnten, weil die Züge nicht mehr fuhren, einmal sogar unter Tieffliegerbeschuss, zusammen mit einer Arbeitskollegin, wie sie erzählte. Dass ich existiere, ist eigentlich ein glücklicher Zufall.

Hamm 1945

Wunschliste [Update]

wunschliste

Zu teuer oder nicht zu haben – was ein Pech. Wenn jemand eine preiswertere Version irgendwo sieht, bitte ich um eine verschlüsselte E-Mail.

Jemand schickte mir gerade Link 1 und Link 2 – funktioniert aber gerade nichts (Zeitmangel!).

Coloured Mom

mom

Meine Mutter im Jahr 1929. Ich habe ein bisschen experimentiert – das Foto ist ursprünglich schwarz-weiß. Colorize Photos oder Colourise your black and white photos machen da ein ganz ordentliches buntes Foto draus, obwohl ich das Original schöner finde.

Es war einmal in einer Zeche im Ruhrpott

Zeche Bönen

Credits: Gemeindearchiv Bönen

Centralny Obóz Pracy w Potulicach

georgetown

Das hier ist die Enteignungsurkunde des Hofes meine Urgroßvaters. Seine Enkelin hatte das Grundstück geerbt. Die Gebäude waren ohnehin 1943 abgebrannt.

Interessant ist, dass die polnischen Behörden von „Arbeitslager“ sprechen. In Potulice sind entfernte Verwandte von mir umgekommen. Am Ende des 2.Weltkriegs wurden fast alle Deutschen im ehemaligen Westpreußen interniert, vertrieben und zwangsweise ausgesiedelt, in Potulice starben rund 1.300 Menschen. Die sozialistische Regierung Polens hielt das Thema unter der Decke, im öffentlichen Diskurs war es tabuisiert.

Es existiert auch nur ein einziges deutsches Buch, das sich sachlich dem Thema widmet – von Helga Hirsch: Die Rache der Opfer. Deutsche in polnischen Lagern.

Euthanasie [Update]

Special Selection

Ich habe einen Grund, warum ich das ziemlich teure Buch von Anika Burkhardt Das NS-Euthanasie-Unrecht vor den Schranken der Justiz: eine strafrechtliche Analyse gekauft habe. Ich rege mich immer noch auf.

1965 leitete Fritz Bauer ein Ermittlungsverfahren gegen sechzehn hochrangige Juristen ein, die am 23./24. April 1941 an einer Besprechung in Berlin teilgenommen hatten. Dort hatten sie offiziell von der Tötung Geisteskranker erfahren und danach widerspruchslos die Anordnung befolgt, Strafanzeigen unbearbeitet ans Reichsjustizministerium abzugeben. Die Voruntersuchungen wurden 1970 eingestellt. (…) Von 438 ‚Euthanasie‘-Strafverfahren, die bis 1999 eingeleitet wurden, endeten nur 6,8 % mit rechtskräftigen Urteilen, darunter zahlreichen Freisprüchen.

Ich erwähnte hier schon im Oktober 2017, dass mein Großonkel Helmuth Schröder, der jüngste Bruder meines Großvaters,im Zuge des Euthanasie-Programms von den Nazis ermordet wurde, weil er an Epilepsie litt. Leider wurde das Landesarchiv Berlin auf der Suche nach Unterlagen darüber nicht fündig, die Akten aus Westpreußen sind verstreut oder ungeordnet in Polen.

Der Ermordung unheilbar Kranker und Behinderter hatte Adolf Hitler im Oktober 1939 mit einem auf den 1. September zurückdatierten und auf seinem Privatbogen verfassten Schreiben die Ermächtigung gegeben: ‚unheilbar Kranken … [sollte] der Gnadentod gewährt werden‘. Die Rückdatierung des Erlasses verdeutlichte, dass mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 auch der innere Krieg gegen Menschen begonnen hatte, die dem Rassenideal der Nationalsozialisten nicht entsprachen und somit als „schädlich“ und „wertlos“ galten. (LEMO)

Die Zentrale Stelle für Justizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen riet mir, ich solle mich an den International Tracing Service (ITS) wenden, da man in Ludwigsburg nur für die Täter zuständig sei – die vermutlich schon alle tot sind.

Bei der ITS in Arolsen habe ich heute einen Antrag gestellt, nach den Akten über meinen ermordeten Großonkel zu suchen.

Ich bekam vorgestern noch eine Nachricht, die mich aufgewühlt hat.

…habe gestern mit der Tochter (…) vom letzten Bürgermeister (…) aus Mittenwalde telefoniert. (…) Sie kennt Deine Urgroßeltern Gustav und Emilie Schröder. Sie wußte auch, dass 3 Töchter und ein Sohn in dieser Zeit auf dem Hof waren. Die eine Tochter hieß Lina und war geistig behindert. Sie ist später abgeholt worden und der Euthanasie zum Opfer gefallen.(…). Sie kann sich nur daran erinnern, daß diese Lina immer laut geschrieen hat und sie immer Angst hatten auf den Hof zu gehen. (…) Abgeholt wurde Lina ab Ende 1940. Zeitgenau konnte sie sich auch nicht erinnern. Als Kind achtet man da nicht so darauf.

Deine Urgroßeltern hat sie als liebe und nette Menschen in Erinnerung. Nur vor der Tochter hatte sie Angst, weil sie halt so laut geschrien hat. Es gab noch eine Familie Pansegrau, deren Tochter hatte einen sehr großen und unförmigen Kopf. Diese Tochter ist ebenfalls abgeholt worden.

Niemand hat jemals darüber ein Wort verloren. Wenn es stimmt, werde ich das herausfinden, wenn es möglich ist, auch wenn das Jahre dauerte. Mord verjährt nicht.

[Update] Mir wurde mitgeteilt, dass die Suche bis zu einem Jahr dauern kann.

Baumgart am Styr

baumgart

Ein kurzes Zwischenspiel und ein Beispiel für historische Fummelei, die einem schwierigen Puzzle gleicht. Aus der oral history meiner Familie weiß ich, dass die Vorfahren des Vaters meiner Mutter aus Schwaben nach Russland bzw. Polen gezogen sein sollen. Das erzählte meine Oma Caroline Emma Baumgart (geb. Weiß). Ich habe das angezweifelt, weil nichts dafür sprach und die Möglichkeiten der Recherche in den 30-er Jahren mit den heutigen nicht vergleichbar sind. Meine Mutter erinnert sich, einer der entfernten Verwandten, vielleicht eine Großtante, sei in Odessa gestorben.

Mittlerweile weiß ich, dass die matriarchale Linie Wolhyniendeutsche waren. Viele siedelten im Kirchspiel Roshischtsche, heute heißt der Ort Roschyschtsche am Styr. Aber wann und wie sind die in die heutige Ukraine gekommen, und wie die Vorfahren meines Großvaters nach Polen, westlich von Warschau? Und waren sie Mennoniten?

Eine Karte aus dem Jahr 1927 von Karl Lück zeigt das damalige Wolhynien und die deutschen Sprachinseln.

Roschyschtsche

Mit dieser Karte kann man auch den obigen Sterbeeintrag eines Kirchenbuchs von Rożyszcze (polnische Schreibweise) lokalisieren: Ludwig Baumgart aus Glinsche. Das heißt eigentlich Gliniszcze und läge auf der heutigen Karte bei Kremenez (oder ist identisch mit dem alten Gliniszcze), einem „Ort in der ukrainischen Oblast Wolhynien, Rajon Roschyschtsche“, laut Wikipedia „irrelevant“.

Interessant ist der letzte Eintrag im obigen Kirchenbuch vom Ludwig Baumgart „Odessa von den russischen Behörden“. Was das genau besagt, kann ich (noch) nicht interpretieren.

Dazu passt ein Fund, den ich schon vor einiger Zeit machte. Es gibt eine Liste der Auswanderer aus Deutschland ins Schwarzmeergebiet 1763 bis 1862. Darin findet man Franz Joseph Baumgart aus Germersheim in der Pfalz, der 1809 nach Taurien ausgewandert sei. Taurien hieß früher die Krim, wo auch später einige Baumgarts nachweisbar sind.

Sollten einige der krimdeutschen Baumgarts wieder zurück nach Polen gewandert sein? Fragen über Fragen…

1828

masel topf
[Quelle]

Es geschah im Dorf Kazuń Polski am 17. Februar 1828 um ein Uhr nachmittags: Er erschien persönlich der Bauer Henryk Gacki, 40, wohnhaft in Brzozówka. Zeugen: Dawid Bomgart, 23, und Jakób Tobur, 30, Bauern, wohnhaft in Brzozówka. Sie bezeugten die Geburt eines Mädchens in Brzozówka, im Haus Nummer 17, am 16. Februar diesen Jahres um acht Uhr nachmittags, von seiner Ehefrau Eufraza (geb. Berata?), 20. Bei der heutigen Heiligen Taufe wurde dem Kind der Namen Ewa gegeben.

Großeltern (?): Jakób Tober und Helena Bomgartowa. Dieser Akt wurde nur von uns ausgefertigt und signiert, weil alle anderen nicht schreiben können. (Danke, Marianne H.!)

Dawid Bomgart (Baumgart) ist einer meiner Vorfahren der matriarchalen Linie. (Vgl. Baumgart, revisited, Was von uns bleibt und Peter aus Podlesche)

Ich vermute, dass die erwähnte Helena Bomgartowa als Großmutter schon im 18. Jahrhundert geboren wurde.

Baumgart, revisited

geheime soldarität

(Quelle: Ostdeutsche Familienkunde, Bd. 14, 44. Jg. (1996), Heft 1 Jan-März 1996, S. 159)

In Nowy Dwór Mazowiecki (dt. Neuhof) bei Warschau wurde mein Großvater mütterlicherseits 1897 getauft. Ich halte es immer noch für unwahrscheinlich, dass die Vorfahren meiner Mutter Mennoniten waren. Die Liste ehemaliger Mennonitenkirchen führt die Gemeinde in Deutsch-Kazun auf. Auf Catalogue of monuments of Dutch colonization in Polen gibt es noch eine alte Karte des Ortes.

By the way: Neu auf meiner Website Ancestry:

Guter Stoff

Dalwhinnie

In der Flasche ist ein 15 Jahre alter Dalwhinnie.

Amtsblatt der Königlichen Preussischen Regierung zu Bromberg

Amtsblatt der Königlichen Preussischen Regierung zu Bromberg

Neu auf meiner Linksammlung Ancestry: Grosspolnische digitale Bibliothek – Amtsblatt der Königlichen Preussischen Regierung zu Bromberg.

Was man so alles findet…(podziękować, Sylwia!) 1835, 1836, 1841, 1856, 1862, 1866, 1874 sollen die Familiennamen Schröder und Rosenke auftauchen. Also muss ich mich jetzt da durchfummeln.

Quellenforschung

bücher

Damit ihr seht, was ich in den letzten Wochen nebenher in meiner „Freizeit“ getrieben habe. Es wird noch viel hinzukommen, befürchte ich.

Quellen und Literatur

Abkürzungen: imB = in meinem Besitz

1. Quellen

Adreßbuch für die Stadt Unna einschließlich Königsborn und die Gemeinden (…) Altenbögge (Dorf und Kolonie). (…) Holzwickede (…), Hamm 1911/1912, Archiv der Stadt Unna, auszugsweiser Abdruck Gemeinde Holzwickede, Archiv 08/83 [imB, 1911 Adressbuch Raum Holzwickede.pdf]

Bliss, Winfried: Die Plankammern der Regierung Bromberg – Spezialinventar 1772 -1912, Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, hrsg. F. Benninghoven, H. Koeppen, C. Lowenthal-Hensel, Bd. 16, Wien 1978 [imB, Verzeichnis der Karten im Geheimen Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem] [imB]

Brzóska, Tomasz: Deutsche Personenstandsbücher und Personenstandseinträge von Deutschen in Polen – Niemieckie ksiegi stanu cywilnego w Polsce 1898-1945, Berlin 2000 [ImB]

Bussenius, Dr. Ingeborg Charlotte / Hubatsch, Prof. Dr. Walther: Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1793-1806, Frankfurt M. 1961 [imB]

Eberle, Mathias (Hrsg.): Aufbau, Ausbau, Trennungen – Die Entwicklung der apostolischen Gemeinschaften im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Nürtingen 2009 [imB]

Hubatsch, Prof. Dr. Walther (Hrsg.): Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1779 – 1806, Frankfurt. M. Und Bonn 1961 [imB]

Königlich Statistisches Bureau: Gemeindelexikon der Provinz Posen auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885, in: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Berlin 1888 [imB, 1888 – Gemeindelexikon_Koenigreich_Preussen.pdf)

Wuttke, Heinrich: Städtebuch des Landes Posen, Leipzig 1864 (Nachdruck 2016) [imB]

2. Literatur

Breyer, Albert: Deutsche Gaue in Mittelpolen, in Ostdeutsche Heimathefte, Heft 4, 1935, Herausgegeben von Viktor Kauder, Verlag Günther Wolff, Plauen
im Vogtland und in: Deutsche Monatshefte in Polen, Jahrgang 1 (11), Heft 10, April 1935, digital: 2006 [inM, ABreyer_DtGaue.pdf]

Broszat, Martin: 200 Jahre deutsche Polenpolitik, München 1963 [imB, auch als 200 Jahre deutsche Polenpolitik.epub]]

Burchard, Dr. W. Theodor: Weichselkolonisten, Deutsche Blätter in Polen 2, Nr. 5, 1925, 278–295 [imB, 1925 – Burchard – Weichselkolonisten.pdf]

Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste: Deutsche Minderheiten in der Zwischenkriegszeit, 2009 [imB, agrarreform_Polen_1925.pdf]

Ellerbrock, Karl-Peter (Hrsg.): Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg und Ruhrbesetzung, Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte e.V., Kleine Schriften 33, Dortmund 2010 [imB]

Essen, Jac van: Mein Holland, Amsterdam 1944 [imB]

Gzelak, Jerzý: Quellen zur Geschichte der Euthanasie-Verbrechen 1939-1945
in polnischen Archiven. Ein Inventar, Bundesarchiv 2001/2002, [imB, Inventar_euth_polen.pdf]

Heike, Otto: 150 Jahre Schwabensiedlungen in Polen, Leverkusen 1979 [imB]

Heuer, Dr. Reinhold: Die Holländerdörfer in der Weichselniederung um Thorn, Mitteilungen des Coppernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst, Heft 42, 1934, S. 122-155 [imB, 1934-Hollaenderdoerfer.pdf]

Heydenreich, Regierungsrat Prof. Dr. Eduard: Familiengeschichtliche Quellenkunde, Leipzig 1909 [imB, 1909_heydenreich.pdf]

Hirsch, Helga: Die Rache der Opfer – Deutsche in polnischen Lagern 1944-1950, Reinbek 1999 [imB]

Jansen, Christian u. Weckbecker, Arno: Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/40, Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, München 1992 [imB]

Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Winsen/Luhe 1962 [imB., vgl. GenWiki http://wiki-de.genealogy.net/Geschichte_der_evangelisch-augsburgischen_Kirche_in_Polen, 1961-Geschichte_der_Evangelisch-Augsburgischen_Kirche_in_Polen.pdf]

Kossmann, Dr. Otto: Ein Lodzer Heimatbuch – Geschichte und Geschichten aus Stadt und Land, Hannover 1967 [imB, Nachdruck älterer Aufsätze Kossmanns, überwiegend aus den Jahren 1928-36. vgl. GenwWiki http://wiki-de.genealogy.net/Ein_Lodzer_Heimatbuch]

Kothe, Julius: Das Bauernhaus in der Provinz Posen, in: Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, 14. Jg., 3. und 4. Heft, Juli bis Dezember 1899, S. 309-322 [imB]

Kotowski, Albert S.: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919 -1939, Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund Bd. 23, Wiesbaden 1998 [imB]

Kossmann, Oskar: Ein Lodzer Heimatbuch (Geschichte und Geschichten….aus Stadt und Land…, Roth bei Nürnberg, 1967

Lucas, Erhard: Märzrevolution 1920, Bd. 2: Der bewaffnete Aufstand in seiner Struktur, Frankfurt M. 1983 [imB]

Maas, Dr. Walther: Die Namen der Hauländerdörfer in Polen, 1940 [imB, 1940-Maas – Die Namen der Haulaenderdoerfer in Polen.pdf]

Maas, Dr. Walther: Die Posener Hauländereien 91-126, Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Jg. 1938, Heft 34 [imB, 1938_maas.pdf]

Maas, Dr. Walther: Hauländereien, Holländereien, Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Heft 25, 1935, S. 199-211 [imB, Maas – Haulaendereien, Hollaendereien.pdf]

Maas, Dr. Walther: Mittelalterliche deutschrechtliche Orte des Posener Landes und der östlichen Nachbargebiete, in: Zeitschrift für Ostforschung 23, 1974, Nr. 1, S. 59-113 [imB, 1974_maas.pdf]

Maas, Dr. Walther: Zur Siedlungskunde des Warthe-Weichsellandes – Sozialgeographische Betrachtungen, Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrsg. v. Johann Gottfreed Herder-Institut, Marburg/Lahn 1961 [imB]

Maercker, Hans: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn, Münster 2006 (1899ff.) [imB]

Mehring, Franz: Deutsche Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, Berlin 1973 [imB]

Müller-Sternberg, Robert: Deutsche Ost-Siedlung – eine Bilanz für Europa, Bielefeld 1971 [imB]

Opgenoorth, Ernst (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Ost- und Westpreußens, Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, hg. v. U. Arnold, Bd. 10, Lüneburg 1994 [imB]
– Teil II/1: Von der Teilung bis zum Schwedisch-Polnischen Krieg 1466-1655
– Teil II/2: Vom Schwedisch-Polnischen Krieg bis zur Reformzeit 1655-1807
– Teil III: Von der Reformzeit bis zum Vertrag von Versailles 1807-1918
– Teil IV: Vom Vertrag von Versailles bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1918-1945

Rasmus, Hugo: Pomerellen Westpreußen 1919-1939, München und Berlin 1989 [imB]

Rogall, Joachim: Die Deutschen im Posener Land und in Mittelpolen, Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat Bd. 3, Mainz 1993 [imB]

Rudolf, Dr. Philipp: Aus der Geschichte von Schulitz und den umliegenden Dörfern, Posen 1936 [imB]

Rudolf, Dr. Philipp: Deutsches Schicksal in Schulitz und den umliegenden Dörfern während der Schreckenstage im September 1939, Weichselland 40, 1941, s. 54. 1941 [imB, 1941 – Rudolf – Deutsches Schicksal in Schulitz und den umliegenden Doerfern waehrend der Schreckenstage im September 1939.pdf]

Schmidt, Erich: Deutschtum im Lande Posen, Bromberg 1904 [imB, geschichte_des_deutschtums.pdf]

Johannes Zechner: Natur der Nation. Der „deutsche Wald“ als Denkmuster und Weltanschauung, Aus Politik und Zeitgeschichte – Zeitschrift der Bundeszentrale für Politische Bildung, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, H. 49/50, 2017 [imB, 2017-zechner_wald.pdf]

Stand 09.11.2018

Wenn die Liebe nicht wär [Update]

Ich brauche Hilfe beim Übersetzen (sorry für die reißerische Überschrift, aber ich wollte euch anlocken):
1) Ist es denkbar, dass der gesamte Text von einer Person geschrieben wurde oder sind das eindeutig zwei verschiedene Schriften?
2) Was steht unten rechts (schräg) über „am 25.5.21 geschrieben“?
3) Oben „im einsamen Stübchen“ ist von meinem Großvater H(ugo) Schröder. Ist der Buchstabe des Vornamens unten rechts etwa ein G oder ist das auch ein H? Wenn es ein G ist, dann wäre die Schrift unten von meinem Urgroßvater Gustav Schröder. Das ist aber unwahrscheinlich, denn Hugo hat das Poesiealbum 1920 geschenkt bekommen und es mit nach Dortmund genommen.

[Update] Ich wurde gerade darauf hingewiesen, dass es wohl ein H in Kurrentschrift sei.

Der Wald ruft

MittenwaldeMittenwaldeMittenwalde

Gleichwie die Stämme in dem Wald
Woll’n wir zusammenhalten,
Ein‘ feste Burg, Trutz der Gewalt,
Verbleiben treu die alten.
(1)

Da stand ich im Walde so vor mich hin, dó dâhte ich mir vil ange, wie man zer welte solte leben. Aber letztlich fragt man sich auch: Was soll der Scheiß eigentlich? Einfach mal wieder Waldboden riechen und das Rascheln der Blätter hören und kein Geräusch, was in Kujawien immer noch möglich ist. Man sollte jedoch als Deutscher bei Wäldern aller Art weltanschaulich vorsichtig sein:

Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreiches geriet der „deutsche Wald“ für das radikalnationalistische Spektrum noch verstärkt zum Inbegriff organisch verstandener Identität. Außerordentlich aktiv war dabei der 1923 gegründete Deutscher Walde. V. – Bund zur Wehr und Weihe des Waldes, dem es aber weniger um die Bäume selbst als um die Bedürfnisse der Menschen ging: „Kommt, Deutsche, in den Wald hinein und lasst uns alle, alle einig sein!“ Klar definiert wurden auch die vermuteten Feinde von Wald und Volk zugleich, vor allem das französische „Schlächtergesindel“ und der jüdische „Wüstensprößling“. (2)

Hört, hört! Auf den unteren beiden Bilder bin ich hier, dort, wo der Hof meiner Urgroßeltern war. Das oberste Bild (nach Westen fotografiert) habe ich vom einzigen Bauernhof aus aufgenommen, der heute noch in Dąbrowa Mała (dt. Mittenwalde) existiert (auf der alten Karte unter der 73a).

Wir Deutschen sind von alters her ein Waldvolk gewesen und in unserem innersten Wesen bis heute geblieben. (3)

Ich kann mich an eines meiner liebsten Jugendbücher erinnern; Jan und Sam im Walde von Ernest Thomson Seton und dass ich damals das Wort „hinterwäldlerisch“, das vorkam, nicht verstanden habe.

Der Wald hat also was mit der Romantik zu tun, vermutlich eine reaktionäre, dennoch irgendwie antikapitalistische Romantik. Gut zu wissen.

(1) Joseph von Eichendorff: Der Tyroler Nachtwache. 1810. Berlin 1837.
(2) Johannes Zechner: Natur der Nation. Der ‚deutsche Wald‘ als Denkmuster und Weltanschauung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 67.49-50 (2017), 4-10.
(3) O. A., Uns ruft der Wald, in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (Hrsg.), Uns ruft der Wald. Ein Buch deutscher Dichter und Waldfreunde, Rheinhausen 1949, S. 7.

Cmentarz ewangelicki w Chrośnej [Update]

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Der ehemalige protestantische Friedhof in Chrosna (dt. Krossen, Westpreußen, das Waldstück westlich der Straße), fotografiert 18.10.2018.

Hier wurden – was ich jetzt erst herausgefunden habe – meine Urgroßeltern Anna Emilie Kuckuck, Bäuerin (geb. 22.5.1864 in Elsendorf, heute Dąbrowa Wielka, Polen, gest. August 1943)) und mein Urgroßvater Gustav Reinhold Schröder, Bauer (geb. 14.5.1859 in Mittenwalde, heute Dąbrowa Mała, gest. 1943) begraben. Die Inschriften sind – bis auf eine Ausnahme – nicht mehr zu entziffern. Das Gelände ist fast undurchdringlich und wie ein Urwald – die Bäume hatten ein Vierteljahrhundert Zeit, alles zu überwachsen. Ohne Hilfe findet man den Friedhof überhaupt nicht. (Danke, Sylwia!) Nach dem Krieg, so sagten mir die einzige überlebende Augenzeugin der Zeit, wurden die Grabsteine aus Hass auf die Deutschen demoliert und umgestürzt.

Heute kümmert sich der polnischer Verein Lapidaria um die ehemaligen Friedhöfe. Vgl. auch deren Fotos (Facebook). Leider haben die kein Spendenkonto.

Ich hatte ein komisches Gefühl, als ich mich da durchgewühlt habe. So etwas habe ich noch nie gesehen.

[Update] Der noch lesbare Grabstein ist von Ella Pöggel, geb. Hagen, der Tochter der Schwester Emma Bertha Rosenke bzw. die Enkelin von Carl Rosenke, dem Bruder Henriette Rosenkes (meine Ururgroßmutter).

Wassergrundstück in Czersk Niemiecki

ŁęgnowoŁęgnowoŁęgnowoŁęgnowo

Das Wassergrundstück (zwischen der Brahe/Brda und dem Kanal) meines Ururururgroßvaters Jacob Schröder im Jahr 1778. (Das größte Grundstück – markiert mit dem Buchstaben F auf der Karte – war nordöstlich der heutigen Torúnska – da ist immer noch ein Bauernhof, und die Kurve in der Strasse ist auch noch da, wo sie 240 Jahre zuvor war.)

Wenn man am Ufer der Weichsel steht, kann man das heutige Bromberg sehen. Der kleine Deich des Kanals stammt vermutlich aus dem 17, Jahrhundert, als Langenau ein Holländerdorf war.

Chrosna, Kujawien

Chrosno

Dieses Haus in Chrosna (dt. Krossen), Polen, habe ich 1982 fotografiert – es ist vermutlich die alte Dorfschule, in der mein Großvater Schüler war.

Nächste Woche werde ich das Haus live sehen und hoffentlich noch viel mehr.

Saepe parva et pulchritudo

OtorowoBlumen

Zwei Dinge, die mir gerade während meines Urlaubs Spaß gemacht haben…

Mittenwalde – Dąbrowa Mała, reloaded

mittenwalde Dąbrowa Mała

Hier und heute muss ich leider etwas widerrufen. Ich schrieb im Januar 2017: Ich bin bei der Lektüre auf mehrere interessante Indizien gestoßen, die eigene Familiengeschichte betreffend. Leider gibt es keine Zeitzeugen mehr, die mir etwas konkret über das Verhältnis der Polen und Deutschen rund um den ehemaligen Hof meines Urgroßvaters in Mittenwalde im heutigen Polen sagen können. Der Hof wurde 1943 von den Polen abgebrannt, meine Urgroßmutter starb an ihren Verletzungen. Mein Urgroßvater war aber kein Nazi, zumal einer seiner Söhne von den Nazis ermordet worden waren. Ich weiß nur, dass er auf „die Polen“ sehr schlecht zu sprechen war.

Was waren also die Gründe für den Brandanschlag? Vermutlich werde ich es nie erfahren, aber man findet in einigen Büchern Hinweise darauf (vgl. Ausriss oben), wie groß der gegenseitige Hass war.

Es gibt in Mitteleuropa wohl kaum ein schwierigeres historisches Thema als das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen. Und meine Familie war seit dem späten 18. Jahrhundert immer mitten drin..

Jetzt weiß ich, dass alles ganz anders war. Ich habe einen Kriminalfall aus dem Jahr 1943 lösen können. Doch vorab will ich etwas zu der gähnenden Langeweile bemerken, die das Stammpublikum befallen könnte. Was heißt und zu welchem Ende studiert man die eigene Familiengeschichte?

Es gibt vermutlich Verhaltensweisen und Traditionen, die von den Vorfahren unbewusst übernommen werden, falls diese einen beeinflusst haben. Meine beiden Großväter, die in meiner Kindheit wichtig für mich waren, lehnten Hitler ab. Wie würde ich heute denken, wenn das anders gewesen wäre? Ich wollte auch wissen, wie mein Urgroßvater, der wegen des „romantischen“ und verschwundenen Hofes immer geheimnisvoll für mich war, zu den Nazis stand. Einer seiner Söhne, Helmuth, wurde umgebracht – kaum vorstellbar, dass dann der Vater das Regime unterstützt hätte. Und was war mit der Brandstiftung, die meiner Urgroßmutter das Leben kostete?

Nach eine Suche von 36 Jahren haben ich endlich den genauen Ort erfahren, wo der Hof Gustav und Annas stand. 1982 suchte ich an der falschen Stelle – damals lebte mein Großvater noch, der dort geboren worden war, aber der hatte noch nie eine Karte der Gegend gesehen und sich um ein paar Kilometer vertan, als er mir den Weg beschrieb. Der obigen Kartenausschnitt (für die gesamte Karte von 1940 klicken) zeigt das Haus (links), das rechte gehörte wohl früher auch dazu; zu einem mir bis jetzt noch unbekannten Datum ist der Hof geteilt worden.

mittenwalde Dąbrowa Mała

Das Dorf Mittenwalde (Dąbrowa Mała) im ehemaligen Westpreußen (vgl. Kartenausschnitt) grenzte an Krossen (Chrosna, beide in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Wie mir eine Lehrerin aus Thorn (Torún) schrieb, schwelt immer noch ein Streit zwischen den Dörfern, wo die exakte Grenze sei – genau dort, wo der Hof war. Das erklärt auch, warum mein Opa zwar in Mittenwalde geboren, aber in Krossen zur Schule ging.

mittenwalde 1911

Eine Leserin meines Blogs (vgl. Kommentare) schickte mir vor zwei Jahren eine handgemalte Skizze, die Mittenwalde im Jahr 1911 zeigt samt der Legende, wer wo wohnte. Nr. 1 (links unten) ist der Hof meiner Urgroßeltern. Leider war ich zunächst auf der falschen Fährte, weil ich die Nord-Süd-Tangente für die Strasse hielt, die von Mittenwalde/Dąbrowa Mała nach Süden führt. Der Vergleich der Waldwege stimmte einigermaßen, und ich war erst recht von meiner These überzeugt, als ich in Archiven herausfand, dass die Nr. 1 ein Hof bei Elsendorf hätte sein können, der schon im 18. Jahrhundert von einer Familie bewohnt wurde, deren Namen in meinem Stammbaums vorkommt. Aber ich irrte. In Wahrheit zeigt die Skizze die „Hauptstraße“ von Krossen – Mittenwald ist östlich davon. Und die Skizze ist nicht exakt genordet: Wenn man sie richtig hält, stimmt alles.

mittenwalde Dąbrowa Mała

Ein Großcousin von mir, von dessen Existenz ich erst jetzt auf Umwegen erfahren habe, war schon Dutzende Male im heutigen Polen, weil er in Krossen/Chrosna geboren worde und ihn das Thema interessierte. Das Foto ist von ihm und zeigt die Stelle, an der der Hof meiner Vorfahren war. 1981 hat er mitten im Wald noch Reste des gemauerten Kellers und verwilderte Obstbäume gefunden – das Haus selbst und die Anbauten waren komplett aus Holz.

Und wer hat es nun angesteckt? Es gibt noch Augenzeugen – und die haben geredet! Es war nicht der polnische Knecht Eduard, der unter Verdacht stand (sorry, Eduard!) und grausam verprügelt und zeitweilig ins Gefängnis gesteckt wurde. Es war der Nachbar Zühlke, Bauernführer und Obernazi von Mittenwalde, mit dem meine Urgroßeltern verfeindet waren, so, dass er ihnen sogar nicht erlaubte, den Weg, von Norden kommend, zu ihrem Hof zu gehen – sie mussten westlich an einem Hügel einen Umweg gehen. Diese Nazi schwängerte seine polnische Magd – seine Frau starb vor Kummer, sagten die Leute -, und floh noch vor Kriegsende nach Westen. Bestraft wurde er nie. Zu meinem Ärger taucht diese Name auch irgendwann in meinem Stammbaum auf, die Bauern in den damals zahlreichen „deutschen“ Dörfern dort heirateten alle untereinander.

mittenwalde 1794

Jetzt noch eine Denksportaufgabe für die der Geografie kundigen und die in der Messtechnik (nennt man da so bei der Landvermessung?) bewanderten Leser. Hier eine Karte von Mittenwalde aus dem Jahr 1794. Die ist nicht genordet und von einem preußischen Kataster-Beamten gezeichnet worden. Wenn man die mit der Karte von 1940 vergleicht, müsste man sehen können, ob dort schon im 18. Jahrhundert ein Hof stand? Ich suchte an der „Grenze mit Chrosna“, die dort handschriftlich eingezeichnet ist. Wenn die Leser meinen, dass der Hof damals aber in Krossen war, weil 1794 noch nichts zu sehen ist, muss ich noch mal eine andere Schriftrolle anfordern.

Viel Spaß mit diesem unpolitischen Thema!

Unleserlich!

Heinrich Schröder

Kann jemand die Nr. 217 lesen (anklicken zum Vergrößern)? Es handelt sich um einen Kirchenbucheintrag 1820. Heinrich Schröder ist mein Urururgroßvater, geboren 03.07.1778 in Langenau, Krs. Bromberg, Kujawien-Pommern, gestorben 01.10.1848 in Kirschgrund, ebenda. Meine Urururgroßmutter ist Frederica Buß, über die ich noch nichts gefunden habe.

Vermutlich ist das der Geburtseintrag meines Ururgroßvaters Friedrich Ludwig Schröder vom 10 Mai 1820 in Otteraue/Ottorowo.

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