Amtsblatt der Königlichen Preussischen Regierung zu Bromberg

Amtsblatt der Königlichen Preussischen Regierung zu Bromberg

Neu auf meiner Linksammlung Ancestry: Grosspolnische digitale Bibliothek – Amtsblatt der Königlichen Preussischen Regierung zu Bromberg.

Was man so alles findet…(podziękować, Sylwia!) 1835, 1836, 1841, 1856, 1862, 1866, 1874 sollen die Familiennamen Schröder und Rosenke auftauchen. Also muss ich mich jetzt da durchfummeln.

Quellenforschung

bücher

Damit ihr seht, was ich in den letzten Wochen nebenher in meiner „Freizeit“ getrieben habe. Es wird noch viel hinzukommen, befürchte ich.

Quellen und Literatur

Abkürzungen: imB = in meinem Besitz

1. Quellen

Adreßbuch für die Stadt Unna einschließlich Königsborn und die Gemeinden (…) Altenbögge (Dorf und Kolonie). (…) Holzwickede (…), Hamm 1911/1912, Archiv der Stadt Unna, auszugsweiser Abdruck Gemeinde Holzwickede, Archiv 08/83 [imB, 1911 Adressbuch Raum Holzwickede.pdf]

Bliss, Winfried: Die Plankammern der Regierung Bromberg – Spezialinventar 1772 -1912, Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, hrsg. F. Benninghoven, H. Koeppen, C. Lowenthal-Hensel, Bd. 16, Wien 1978 [imB, Verzeichnis der Karten im Geheimen Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem] [imB]

Brzóska, Tomasz: Deutsche Personenstandsbücher und Personenstandseinträge von Deutschen in Polen – Niemieckie ksiegi stanu cywilnego w Polsce 1898-1945, Berlin 2000 [ImB]

Bussenius, Dr. Ingeborg Charlotte / Hubatsch, Prof. Dr. Walther: Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1793-1806, Frankfurt M. 1961 [imB]

Eberle, Mathias (Hrsg.): Aufbau, Ausbau, Trennungen – Die Entwicklung der apostolischen Gemeinschaften im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Nürtingen 2009 [imB]

Hubatsch, Prof. Dr. Walther (Hrsg.): Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1779 – 1806, Frankfurt. M. Und Bonn 1961 [imB]

Königlich Statistisches Bureau: Gemeindelexikon der Provinz Posen auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885, in: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Berlin 1888 [imB, 1888 – Gemeindelexikon_Koenigreich_Preussen.pdf)

Wuttke, Heinrich: Städtebuch des Landes Posen, Leipzig 1864 (Nachdruck 2016) [imB]

2. Literatur

Breyer, Albert: Deutsche Gaue in Mittelpolen, in Ostdeutsche Heimathefte, Heft 4, 1935, Herausgegeben von Viktor Kauder, Verlag Günther Wolff, Plauen
im Vogtland und in: Deutsche Monatshefte in Polen, Jahrgang 1 (11), Heft 10, April 1935, digital: 2006 [inM, ABreyer_DtGaue.pdf]

Broszat, Martin: 200 Jahre deutsche Polenpolitik, München 1963 [imB, auch als 200 Jahre deutsche Polenpolitik.epub]]

Burchard, Dr. W. Theodor: Weichselkolonisten, Deutsche Blätter in Polen 2, Nr. 5, 1925, 278–295 [imB, 1925 – Burchard – Weichselkolonisten.pdf]

Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste: Deutsche Minderheiten in der Zwischenkriegszeit, 2009 [imB, agrarreform_Polen_1925.pdf]

Ellerbrock, Karl-Peter (Hrsg.): Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg und Ruhrbesetzung, Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte e.V., Kleine Schriften 33, Dortmund 2010 [imB]

Essen, Jac van: Mein Holland, Amsterdam 1944 [imB]

Gzelak, Jerzý: Quellen zur Geschichte der Euthanasie-Verbrechen 1939-1945
in polnischen Archiven. Ein Inventar, Bundesarchiv 2001/2002, [imB, Inventar_euth_polen.pdf]

Heike, Otto: 150 Jahre Schwabensiedlungen in Polen, Leverkusen 1979 [imB]

Heuer, Dr. Reinhold: Die Holländerdörfer in der Weichselniederung um Thorn, Mitteilungen des Coppernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst, Heft 42, 1934, S. 122-155 [imB, 1934-Hollaenderdoerfer.pdf]

Heydenreich, Regierungsrat Prof. Dr. Eduard: Familiengeschichtliche Quellenkunde, Leipzig 1909 [imB, 1909_heydenreich.pdf]

Hirsch, Helga: Die Rache der Opfer – Deutsche in polnischen Lagern 1944-1950, Reinbek 1999 [imB]

Jansen, Christian u. Weckbecker, Arno: Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/40, Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, München 1992 [imB]

Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Winsen/Luhe 1962 [imB., vgl. GenWiki http://wiki-de.genealogy.net/Geschichte_der_evangelisch-augsburgischen_Kirche_in_Polen, 1961-Geschichte_der_Evangelisch-Augsburgischen_Kirche_in_Polen.pdf]

Kossmann, Dr. Otto: Ein Lodzer Heimatbuch – Geschichte und Geschichten aus Stadt und Land, Hannover 1967 [imB, Nachdruck älterer Aufsätze Kossmanns, überwiegend aus den Jahren 1928-36. vgl. GenwWiki http://wiki-de.genealogy.net/Ein_Lodzer_Heimatbuch]

Kothe, Julius: Das Bauernhaus in der Provinz Posen, in: Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, 14. Jg., 3. und 4. Heft, Juli bis Dezember 1899, S. 309-322 [imB]

Kotowski, Albert S.: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919 -1939, Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund Bd. 23, Wiesbaden 1998 [imB]

Kossmann, Oskar: Ein Lodzer Heimatbuch (Geschichte und Geschichten….aus Stadt und Land…, Roth bei Nürnberg, 1967

Lucas, Erhard: Märzrevolution 1920, Bd. 2: Der bewaffnete Aufstand in seiner Struktur, Frankfurt M. 1983 [imB]

Maas, Dr. Walther: Die Namen der Hauländerdörfer in Polen, 1940 [imB, 1940-Maas – Die Namen der Haulaenderdoerfer in Polen.pdf]

Maas, Dr. Walther: Die Posener Hauländereien 91-126, Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Jg. 1938, Heft 34 [imB, 1938_maas.pdf]

Maas, Dr. Walther: Hauländereien, Holländereien, Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Heft 25, 1935, S. 199-211 [imB, Maas – Haulaendereien, Hollaendereien.pdf]

Maas, Dr. Walther: Mittelalterliche deutschrechtliche Orte des Posener Landes und der östlichen Nachbargebiete, in: Zeitschrift für Ostforschung 23, 1974, Nr. 1, S. 59-113 [imB, 1974_maas.pdf]

Maas, Dr. Walther: Zur Siedlungskunde des Warthe-Weichsellandes – Sozialgeographische Betrachtungen, Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrsg. v. Johann Gottfreed Herder-Institut, Marburg/Lahn 1961 [imB]

Maercker, Hans: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn, Münster 2006 (1899ff.) [imB]

Mehring, Franz: Deutsche Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, Berlin 1973 [imB]

Müller-Sternberg, Robert: Deutsche Ost-Siedlung – eine Bilanz für Europa, Bielefeld 1971 [imB]

Opgenoorth, Ernst (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Ost- und Westpreußens, Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, hg. v. U. Arnold, Bd. 10, Lüneburg 1994 [imB]
– Teil II/1: Von der Teilung bis zum Schwedisch-Polnischen Krieg 1466-1655
– Teil II/2: Vom Schwedisch-Polnischen Krieg bis zur Reformzeit 1655-1807
– Teil III: Von der Reformzeit bis zum Vertrag von Versailles 1807-1918
– Teil IV: Vom Vertrag von Versailles bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1918-1945

Rasmus, Hugo: Pomerellen Westpreußen 1919-1939, München und Berlin 1989 [imB]

Rogall, Joachim: Die Deutschen im Posener Land und in Mittelpolen, Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat Bd. 3, Mainz 1993 [imB]

Rudolf, Dr. Philipp: Aus der Geschichte von Schulitz und den umliegenden Dörfern, Posen 1936 [imB]

Rudolf, Dr. Philipp: Deutsches Schicksal in Schulitz und den umliegenden Dörfern während der Schreckenstage im September 1939, Weichselland 40, 1941, s. 54. 1941 [imB, 1941 – Rudolf – Deutsches Schicksal in Schulitz und den umliegenden Doerfern waehrend der Schreckenstage im September 1939.pdf]

Schmidt, Erich: Deutschtum im Lande Posen, Bromberg 1904 [imB, geschichte_des_deutschtums.pdf]

Johannes Zechner: Natur der Nation. Der „deutsche Wald“ als Denkmuster und Weltanschauung, Aus Politik und Zeitgeschichte – Zeitschrift der Bundeszentrale für Politische Bildung, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, H. 49/50, 2017 [imB, 2017-zechner_wald.pdf]

Stand 09.11.2018

Wenn die Liebe nicht wär [Update]

Ich brauche Hilfe beim Übersetzen (sorry für die reißerische Überschrift, aber ich wollte euch anlocken):
1) Ist es denkbar, dass der gesamte Text von einer Person geschrieben wurde oder sind das eindeutig zwei verschiedene Schriften?
2) Was steht unten rechts (schräg) über „am 25.5.21 geschrieben“?
3) Oben „im einsamen Stübchen“ ist von meinem Großvater H(ugo) Schröder. Ist der Buchstabe des Vornamens unten rechts etwa ein G oder ist das auch ein H? Wenn es ein G ist, dann wäre die Schrift unten von meinem Urgroßvater Gustav Schröder. Das ist aber unwahrscheinlich, denn Hugo hat das Poesiealbum 1920 geschenkt bekommen und es mit nach Dortmund genommen.

[Update] Ich wurde gerade darauf hingewiesen, dass es wohl ein H in Kurrentschrift sei.

Der Wald ruft

MittenwaldeMittenwaldeMittenwalde

Gleichwie die Stämme in dem Wald
Woll’n wir zusammenhalten,
Ein‘ feste Burg, Trutz der Gewalt,
Verbleiben treu die alten.
(1)

Da stand ich im Walde so vor mich hin, dó dâhte ich mir vil ange, wie man zer welte solte leben. Aber letztlich fragt man sich auch: Was soll der Scheiß eigentlich? Einfach mal wieder Waldboden riechen und das Rascheln der Blätter hören und kein Geräusch, was in Kujawien immer noch möglich ist. Man sollte jedoch als Deutscher bei Wäldern aller Art weltanschaulich vorsichtig sein:

Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreiches geriet der „deutsche Wald“ für das radikalnationalistische Spektrum noch verstärkt zum Inbegriff organisch verstandener Identität. Außerordentlich aktiv war dabei der 1923 gegründete Deutscher Walde. V. – Bund zur Wehr und Weihe des Waldes, dem es aber weniger um die Bäume selbst als um die Bedürfnisse der Menschen ging: „Kommt, Deutsche, in den Wald hinein und lasst uns alle, alle einig sein!“ Klar definiert wurden auch die vermuteten Feinde von Wald und Volk zugleich, vor allem das französische „Schlächtergesindel“ und der jüdische „Wüstensprößling“. (2)

Hört, hört! Auf den unteren beiden Bilder bin ich hier, dort, wo der Hof meiner Urgroßeltern war. Das oberste Bild (nach Westen fotografiert) habe ich vom einzigen Bauernhof aus aufgenommen, der heute noch in Dąbrowa Mała (dt. Mittenwalde) existiert (auf der alten Karte unter der 73a).

Wir Deutschen sind von alters her ein Waldvolk gewesen und in unserem innersten Wesen bis heute geblieben. (3)

Ich kann mich an eines meiner liebsten Jugendbücher erinnern; Jan und Sam im Walde von Ernest Thomson Seton und dass ich damals das Wort „hinterwäldlerisch“, das vorkam, nicht verstanden habe.

Der Wald hat also was mit der Romantik zu tun, vermutlich eine reaktionäre, dennoch irgendwie antikapitalistische Romantik. Gut zu wissen.

(1) Joseph von Eichendorff: Der Tyroler Nachtwache. 1810. Berlin 1837.
(2) Johannes Zechner: Natur der Nation. Der ‚deutsche Wald‘ als Denkmuster und Weltanschauung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 67.49-50 (2017), 4-10.
(3) O. A., Uns ruft der Wald, in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (Hrsg.), Uns ruft der Wald. Ein Buch deutscher Dichter und Waldfreunde, Rheinhausen 1949, S. 7.

Cmentarz ewangelicki w Chrośnej [Update]

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Der ehemalige protestantische Friedhof in Chrosna (dt. Krossen, Westpreußen, das Waldstück westlich der Straße), fotografiert 18.10.2018.

Hier wurden – was ich jetzt erst herausgefunden habe – meine Urgroßeltern Anna Emilie Kuckuck, Bäuerin (geb. 22.5.1864 in Elsendorf, heute Dąbrowa Wielka, Polen, gest. August 1943)) und mein Urgroßvater Gustav Reinhold Schröder, Bauer (geb. 14.5.1859 in Mittenwalde, heute Dąbrowa Mała, gest. 1943) begraben. Die Inschriften sind – bis auf eine Ausnahme – nicht mehr zu entziffern. Das Gelände ist fast undurchdringlich und wie ein Urwald – die Bäume hatten ein Vierteljahrhundert Zeit, alles zu überwachsen. Ohne Hilfe findet man den Friedhof überhaupt nicht. (Danke, Sylwia!) Nach dem Krieg, so sagten mir die einzige überlebende Augenzeugin der Zeit, wurden die Grabsteine aus Hass auf die Deutschen demoliert und umgestürzt.

Heute kümmert sich der polnischer Verein Lapidaria um die ehemaligen Friedhöfe. Vgl. auch deren Fotos (Facebook). Leider haben die kein Spendenkonto.

Ich hatte ein komisches Gefühl, als ich mich da durchgewühlt habe. So etwas habe ich noch nie gesehen.

[Update] Der noch lesbare Grabstein ist von Ella Pöggel, geb. Hagen, der Tochter der Schwester Emma Bertha Rosenke bzw. die Enkelin von Carl Rosenke, dem Bruder Henriette Rosenkes (meine Ururgroßmutter).

Wassergrundstück in Czersk Niemiecki

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Das Wassergrundstück (zwischen der Brahe/Brda und dem Kanal) meines Ururururgroßvaters Jacob Schröder im Jahr 1778. (Das größte Grundstück – markiert mit dem Buchstaben F auf der Karte – war nordöstlich der heutigen Torúnska – da ist immer noch ein Bauernhof, und die Kurve in der Strasse ist auch noch da, wo sie 240 Jahre zuvor war.)

Wenn man am Ufer der Weichsel steht, kann man das heutige Bromberg sehen. Der kleine Deich des Kanals stammt vermutlich aus dem 17, Jahrhundert, als Langenau ein Holländerdorf war.

Chrosna, Kujawien

Chrosno

Dieses Haus in Chrosna (dt. Krossen), Polen, habe ich 1982 fotografiert – es ist vermutlich die alte Dorfschule, in der mein Großvater Schüler war.

Nächste Woche werde ich das Haus live sehen und hoffentlich noch viel mehr.

Saepe parva et pulchritudo

OtorowoBlumen

Zwei Dinge, die mir gerade während meines Urlaubs Spaß gemacht haben…

Mittenwalde – Dąbrowa Mała, reloaded

mittenwalde Dąbrowa Mała

Hier und heute muss ich leider etwas widerrufen. Ich schrieb im Januar 2017: Ich bin bei der Lektüre auf mehrere interessante Indizien gestoßen, die eigene Familiengeschichte betreffend. Leider gibt es keine Zeitzeugen mehr, die mir etwas konkret über das Verhältnis der Polen und Deutschen rund um den ehemaligen Hof meines Urgroßvaters in Mittenwalde im heutigen Polen sagen können. Der Hof wurde 1943 von den Polen abgebrannt, meine Urgroßmutter starb an ihren Verletzungen. Mein Urgroßvater war aber kein Nazi, zumal einer seiner Söhne von den Nazis ermordet worden waren. Ich weiß nur, dass er auf „die Polen“ sehr schlecht zu sprechen war.

Was waren also die Gründe für den Brandanschlag? Vermutlich werde ich es nie erfahren, aber man findet in einigen Büchern Hinweise darauf (vgl. Ausriss oben), wie groß der gegenseitige Hass war.

Es gibt in Mitteleuropa wohl kaum ein schwierigeres historisches Thema als das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen. Und meine Familie war seit dem späten 18. Jahrhundert immer mitten drin..

Jetzt weiß ich, dass alles ganz anders war. Ich habe einen Kriminalfall aus dem Jahr 1943 lösen können. Doch vorab will ich etwas zu der gähnenden Langeweile bemerken, die das Stammpublikum befallen könnte. Was heißt und zu welchem Ende studiert man die eigene Familiengeschichte?

Es gibt vermutlich Verhaltensweisen und Traditionen, die von den Vorfahren unbewusst übernommen werden, falls diese einen beeinflusst haben. Meine beiden Großväter, die in meiner Kindheit wichtig für mich waren, lehnten Hitler ab. Wie würde ich heute denken, wenn das anders gewesen wäre? Ich wollte auch wissen, wie mein Urgroßvater, der wegen des „romantischen“ und verschwundenen Hofes immer geheimnisvoll für mich war, zu den Nazis stand. Einer seiner Söhne, Helmuth, wurde umgebracht – kaum vorstellbar, dass dann der Vater das Regime unterstützt hätte. Und was war mit der Brandstiftung, die meiner Urgroßmutter das Leben kostete?

Nach eine Suche von 36 Jahren haben ich endlich den genauen Ort erfahren, wo der Hof Gustav und Annas stand. 1982 suchte ich an der falschen Stelle – damals lebte mein Großvater noch, der dort geboren worden war, aber der hatte noch nie eine Karte der Gegend gesehen und sich um ein paar Kilometer vertan, als er mir den Weg beschrieb. Der obigen Kartenausschnitt (für die gesamte Karte von 1940 klicken) zeigt das Haus (links), das rechte gehörte wohl früher auch dazu; zu einem mir bis jetzt noch unbekannten Datum ist der Hof geteilt worden.

mittenwalde Dąbrowa Mała

Das Dorf Mittenwalde (Dąbrowa Mała) im ehemaligen Westpreußen (vgl. Kartenausschnitt) grenzte an Krossen (Chrosna, beide in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Wie mir eine Lehrerin aus Thorn (Torún) schrieb, schwelt immer noch ein Streit zwischen den Dörfern, wo die exakte Grenze sei – genau dort, wo der Hof war. Das erklärt auch, warum mein Opa zwar in Mittenwalde geboren, aber in Krossen zur Schule ging.

mittenwalde 1911

Eine Leserin meines Blogs (vgl. Kommentare) schickte mir vor zwei Jahren eine handgemalte Skizze, die Mittenwalde im Jahr 1911 zeigt samt der Legende, wer wo wohnte. Nr. 1 (links unten) ist der Hof meiner Urgroßeltern. Leider war ich zunächst auf der falschen Fährte, weil ich die Nord-Süd-Tangente für die Strasse hielt, die von Mittenwalde/Dąbrowa Mała nach Süden führt. Der Vergleich der Waldwege stimmte einigermaßen, und ich war erst recht von meiner These überzeugt, als ich in Archiven herausfand, dass die Nr. 1 ein Hof bei Elsendorf hätte sein können, der schon im 18. Jahrhundert von einer Familie bewohnt wurde, deren Namen in meinem Stammbaums vorkommt. Aber ich irrte. In Wahrheit zeigt die Skizze die „Hauptstraße“ von Krossen – Mittenwald ist östlich davon. Und die Skizze ist nicht exakt genordet: Wenn man sie richtig hält, stimmt alles.

mittenwalde Dąbrowa Mała

Ein Großcousin von mir, von dessen Existenz ich erst jetzt auf Umwegen erfahren habe, war schon Dutzende Male im heutigen Polen, weil er in Krossen/Chrosna geboren worde und ihn das Thema interessierte. Das Foto ist von ihm und zeigt die Stelle, an der der Hof meiner Vorfahren war. 1981 hat er mitten im Wald noch Reste des gemauerten Kellers und verwilderte Obstbäume gefunden – das Haus selbst und die Anbauten waren komplett aus Holz.

Und wer hat es nun angesteckt? Es gibt noch Augenzeugen – und die haben geredet! Es war nicht der polnische Knecht Eduard, der unter Verdacht stand (sorry, Eduard!) und grausam verprügelt und zeitweilig ins Gefängnis gesteckt wurde. Es war der Nachbar Zühlke, Bauernführer und Obernazi von Mittenwalde, mit dem meine Urgroßeltern verfeindet waren, so, dass er ihnen sogar nicht erlaubte, den Weg, von Norden kommend, zu ihrem Hof zu gehen – sie mussten westlich an einem Hügel einen Umweg gehen. Diese Nazi schwängerte seine polnische Magd – seine Frau starb vor Kummer, sagten die Leute -, und floh noch vor Kriegsende nach Westen. Bestraft wurde er nie. Zu meinem Ärger taucht diese Name auch irgendwann in meinem Stammbaum auf, die Bauern in den damals zahlreichen „deutschen“ Dörfern dort heirateten alle untereinander.

mittenwalde 1794

Jetzt noch eine Denksportaufgabe für die der Geografie kundigen und die in der Messtechnik (nennt man da so bei der Landvermessung?) bewanderten Leser. Hier eine Karte von Mittenwalde aus dem Jahr 1794. Die ist nicht genordet und von einem preußischen Kataster-Beamten gezeichnet worden. Wenn man die mit der Karte von 1940 vergleicht, müsste man sehen können, ob dort schon im 18. Jahrhundert ein Hof stand? Ich suchte an der „Grenze mit Chrosna“, die dort handschriftlich eingezeichnet ist. Wenn die Leser meinen, dass der Hof damals aber in Krossen war, weil 1794 noch nichts zu sehen ist, muss ich noch mal eine andere Schriftrolle anfordern.

Viel Spaß mit diesem unpolitischen Thema!

Unleserlich!

Heinrich Schröder

Kann jemand die Nr. 217 lesen (anklicken zum Vergrößern)? Es handelt sich um einen Kirchenbucheintrag 1820. Heinrich Schröder ist mein Urururgroßvater, geboren 03.07.1778 in Langenau, Krs. Bromberg, Kujawien-Pommern, gestorben 01.10.1848 in Kirschgrund, ebenda. Meine Urururgroßmutter ist Frederica Buß, über die ich noch nichts gefunden habe.

Vermutlich ist das der Geburtseintrag meines Ururgroßvaters Friedrich Ludwig Schröder vom 10 Mai 1820 in Otteraue/Ottorowo.

Was von uns bleibt

Peter Baumgart

Was mir von meinem Großvater Peter Baumgart (geb. 26.06.1897 in Podlesche bei Brzozówka, Kreis Neuhof – Nowy Dwór bei Warschau, gest. 30.12.1979 in Bönen) geblieben ist – außer ein paar Fotos und den Erinnerungen: Eine Kaffeetasse (die sogar mehrere meiner Wohngemeinschaften überlebt hat), ein Feldstecher „Compass“ von Eschenbach, der Wehrpass und ein silbernes Messer aus Solingen. Das Messer wurde so oft geschliffen, dass die Klinge jetzt um ein Drittel schmaler ist. Es ist das schärfste Messer, das ich besitze.

Peter aus Podlesche

peter Baumgartscotch single malt

Es dauerte mehrere Monate, bis ich endlich den Geburtsort meines Großvaters (matriarchale Linie) Peter Baumgart identifizieren konnte. Das kommt davon, wenn die Region, um die es geht, sowohl polnisch, russisch als auch deutsch war, je nachdem, um was die herrschenden Klassen jeweils gerade Krieg führten. Der winzige Ort, der auf normalen Karten gar nicht auftaucht und dessen Namen heute verschwunden ist, heißt Podles(c)he.

Im Wehrpass meines Opas steht das auch so, da seine Muttersprachen aber Deutsch und Russisch waren, hat er das lautmalerisch aufgeschrieben. Korrekt hieße es Podlesie oder Polesie (in Polnisch) oder Podljesje (russisch).

Ich wurde erst fündig, als ich auf einer (deutschen) Karte des russischen Reiches aus dem Jahr 1917 die Häusergruppe östlich des heutigen Brzozówka (russ: Brshusuwka) im Westen Warschaus fand – in Brzozówka sind viele meine Vorfahren geboren und waren dort Bauern, Arbeiter oder Wirte.

Mein Ururururgroßvater Jakub Baumgart ist 1833 in Brzozówka gestorben.

Roshischtsche

Neu auf burks.de – Ancestry:
Kirchspiel Roshischtsche (ab 1862)
Roschyschtsche – Wohnort meiner Ururgroßseltern (matriarchale Linie)
Michael Baumgart (gest. 1874) und
Anna Baumgart geb. Itermann (gest. 1867)

Martin im Revolutionsjahr

weser

Kirchenbuch von Nowy Dwór Mazowiecki (während der deutschen Besetzung 1939-45 „Neuhof“). Geburtseintrag meines Urgroßvaters (matriarchale Linie) Martin Baumgart, geb. 5.11.1848 in Brzozówka bei Warschau. Der Eintrag ist auf Russisch Altpolnisch, was ich leider nicht kann (vgl. Kongresspolen). Den Namen konnte ich aber entziffern. (Danke, Marianne H.!).

Altdeutsch

gustav schröder 1882

Ich brauche Hilfe bein Entziffern. Auf der Rückseite des Fotos (mein Urgroßvater) steht: Zur Erinnerung an meine Militärzeit 1880/1881 [zwei Wörter unleserlich] G. Schröder Mittenwalde im Januar 1940

Jesuiterbruch et al

jesuiterbruch

Ab übermorgen habe ich wieder mehr Zeit, mir über die Politik udn die Weltläufte den Kopf zu zerbrechen. Jetzt aber mache ich neben meiner Arbeit nur das, was mir Spaß macht.

Ich bekam von einer Cousine ein dickes Album mit alten Familienfotos, die aber selten beschriftet sind. Da ich ein paar Rätsel in meiner Familiengeschichte lösen will, arbeite ich mich an derartigen Puzzle-Aufgaben gern ab.

Das Foto oben ist auf der Rückseite polnisch geschriftet. In einem Forum zur Ahnenforschung wurde mir das übersetzt. Es wurde gemacht in Jesuiterbruch (Jezuicka Struga), damals „Kreis Inowroclaw“ (Hohensalza), Gemeinde Rojewo. Das ist nur wenige Kilometer von Mittenwalde im ehemaligen Westpreußen entfernt, wo die meisten meiner Vorfahren (väterliche Linie) herstammen.

Das Bild zeigt die Hochzeit von Martha Brandt (die ich nicht kenne) mit Max Brandt, der 1944 im 2.Weltkrieg als vermisst gemeldet und für tot erklärt wurde. Die ältere Paar vorn rechts sind meine Urgroßeltern Gustav Reinhold Schröder und Anna Emilie Kukuk, beide Bauern. Man beachte die politisch unkorrekte Pelzbekleidung einiger Damen! Aber vermutlich haben die die Tierchen noch selbst geschossen. Arme Bauern waren das offenbar nicht.

Die Vorfahren meiner Urgroßmutter saßen schon mindestens seit 1760 auf dem Hof in Mittenwalde. Ich kann es beweisen! By the way: Ich gehe bald ins Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und wälze preußische Akten des 18. Jahrhunderts! Das wird spannend!

Polen, revisited

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Meine Empfehlung: die polnische Website Truth about Camps (auch in Deutsch). Dazu u.a.: „List of Auschwitz commanders and guards posted online“ sowie Polens Antwort auf die Bezeichnung „polnische Todeslager“.
Die Veröffentlichung der Namensliste geht einher mit den Bemühungen der nationalkonservativen Regierung, Polens Ruf besser zu schützen. Dazu will sie historisch falsche Behauptungen wie die vom „polnischen Konzentrationslager“ sogar mit bis zu drei Jahren Haft bestrafen. Das Parlament arbeitet an einem entsprechenden Gesetzesentwurf.

Ich bin bei der Lektüre auf mehrere interessante Indizien gestoßen, die eigene Familiengeschichte betreffend. Leider gibt es keine Zeitzeugen mehr, die mir etwas konkret über das Verhältnis der Polen und Deutschen rund um den ehemaligen Hof meines Urgroßvaters in Mittenwalde im heutigen Polen sagen können. Der Hof wurde 1943 von den Polen abgebrannt, meine Urgroßmutter starb an ihren Verletzungen. Mein Urgroßvater war aber kein Nazi, zumal einer seiner Söhne von den Nazis ermordet worden waren. Ich weiß nur, dass er auf „die Polen“ sehr schlecht zu sprechen war.

Was waren also die Gründe für den Brandanschlag? Vermutlich werde ich es nie erfahren, aber man findet in einigen Büchern Hinweise darauf (vgl. Ausriss oben), wie groß der gegenseitige Hass war.

Es gibt in Mitteleuropa wohl kaum ein schwierigeres historisches Thema als das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen. Und meine Familie war seit dem späten 18. Jahrhundert immer mitten drin.

Die matriarchale Linie

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Altenbögge-Bönen, im Jahr 1930, Bahnhofstrasse 72. 2. von rechts: Mein Urgroßvater Julius Weiß, 2. v. rechts: mein Großvater Peter Baumgart (1897-1979), vor ihm meine Urgroßmutter Emma Weiß geb. Ströwer – die hat meine Mutter an der Hand und deren Bruder (also meinen Onkel).

Stell Dir vor, es ist Krieg

Kurt Schröder

Mein Großonkel Kurt Schröder, geb. 05.07.1895 Mittenwalde Krs. Bromberg, im Krieg umgekommen am 15. Mai 1918.

Willkürlich herrschende Schufte und Sicherheitsmaßnahmen

schufte

Im Nachlass meines Großvaters Hugo Reinhold Schröder (1902-1992) hat sich noch ein kleines Buch gefunden, das wir für ein Poesiealbum gehalten und unbeachtet gelassen hatten. Beim Entziffern fanden wir jetzt heraus, dass er auf den letzten beiden Seiten Tagebuch geschrieben hat. Hier geht es um das Jahr 1929. Beim Opa war damals Lehrhauer auf der Zeche Vereinigte Margarete in Dortmund-Sölde. Die Schachtanlage Margarethe wurde am 15. Juni 1926 stillgelegt. Mein Großvater verlor seinen Job, wurde „an die Fürsorge überwiesen“ und musste „Stempeln gehen“. Danach heißt es im Tagebuch:

Pflichtarbeit muss geleistet werden. Von den willkürlich herrschenden Schuften dazu gezwungen. Gegenaktion eingeleitet aus der ungerechten Behandlung heraus geboren.

Pflichtarbeit, also Zwangsarbeit bei Arbeitslosigkeit wurde 1923 in der Weimarer Republik eingeführt. „Die Verordnung zur Pflichtarbeit legte fest, daß sich jeder Arbeitslose, der nach Auslaufen der Arbeitslosenversicherung auf Krisenunterstützung angewiesen war, für gemeinnützige Arbeit zur Verfügung stellen mußte, ohne dafür entlohnt zu werden. Auf diese Weise wurden nicht nur zahlreiche Produktivkräfte außerhalb geregelter Arbeitnehmerrechte, wie Organisations- und Streikrecht, beschäftigt. Die Verordnung zur Pflichtarbeit sah auch erstmalig den Entzug der Unterstützung bei Arbeitsverweigerung und Sabotage vor, was praktisch der Verurteilung zum Hungertod gleichkam. (…)

Im Gegensatz zur ‚unterstützenden Erwerbslosenfürsorge‘, die zur Sicherung des Existenzminimums beitragen sollte, war die Sicherung des Überlebens von nun an an die Verrichtung von Notstandsarbeiten gebunden. Auch hier stand weniger der ökonomische denn ein pädagogisch-disziplinierender Faktor im Vordergrund, wie aus dem folgenden Zitat aus der Begründung zum Entwurf der Änderungsbestimmungen von 1925 deutlich hervorgeht:

‚Vor allem aber ist die produktive Erwerbslosenfürsorge das beste Mittel, um die Verelendung des Erwerbslosen und den Verfall seiner Arbeitskraft und seines Arbeitswillens zu verhüten; sie wirkt heilend und vorbeugend. (…) Wenn Arbeitslosigkeit in dicht zusammendrängender Bevölkerung in größerem Umfange und mit längerer Dauer eintritt, sind Störungen der öffentlichen Ordnung zu befürchten, besonders dann, wenn unter gewissen bekannten Einwirkungen der Wille der Massen in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. (…) Notstandsarbeiten bilden eine Sicherheitsmaßnahme, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf.'“

Von meinem Vater weiß ich, dass mein Großvater damals Kommunist gewesen sein soll. Leider wird sich nicht mehr feststellen lassen, um welche „Gegenaktionen“, die er im Tagebuch erwähnt, es sich handelte. Wenige Monate später hat er auf der Zeche Achenbach Arbeit als Bergmann gefunden.

Das erinnert mich doch sehr an heute – an Hartz IV und 1-Euro-Jobs.

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