Sittliche Reife

Seehofer fehle die „sittliche Reife“ für sein Amt. Was habt ihr da geraucht, liege Kollegen von Spiegel online? Seit wann braucht jemand „sittliche Reife„, um im Kapitalismus ein Amt zu übernehmen, und was ist das genau?

So was will ich nicht lesen. Das ist kein Journalismus. Moraltheologie kann ich selbst.

Hassprediger

hassprediger

Credits: Felix Kruppa

Ein trüber Brei aus Neobiedermeier

„Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ und seither jede eigene Medienkritik mit einer umständlichen und würdelosen Distanzierung von der AfD einleiten muss.“ (…) Das Jahr 1985 war – ob in Bezug auf Auflagen, Umsätze oder inhaltliche und formale Grandezza – das Rekordjahr des deutschen Printwesens. Man kam als freier Autor, der querbeet für Stern, Playboy, SZ oder Geo wie Vogue schrieb, auf richtig gute Honorare, man reiste mit der Carte Blanche des jeweiligen Verlags und genoss allerorts mit diesem Presseausweis eine echte Reputation. Heute wird nur noch gekichert, wenn man den albernen Plastikausweis in die Höhe hält. (…) Parallel dazu wurden die Honorare halbiert und mit dem Aufkommen des Online-Journalismus noch weiter geschreddert. Heute kann ein freier Journalist kein menschenwürdiges Leben führen, wenn jenes allein von seiner Arbeit abhängt. Bei den geschätzt 30.000 Kollegen machten sich Frust, Wut, Resignation und Selbstzweifel breit und vor allem war da diese Angst, diese allumfassende Angst, die aktuell dazu führt, dass bei der SZ nach der eben erfolgten Kündigung des Karikaturisten Dieter Hanitzsch keine Solidaritätsbekundung erfolgt. Angst essen Seele auf.“ (Wolf Reiser, vgl. den Freitag über Rubikon.news.)

Was Reiser über den 11. September schreibt, halte ich für Bullshit, auch seine Bilderberger-usw.-Verschwörungstheorien teile ich nicht. Das hiesige Publikum ist vermutlich medienkompetent genug, den Artikel als Anregung zu nehmen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Nimm dies, CSU!

Kurze Lektüre für Kaltduscher: Auf dem Verfassungsblog schreibt Dana Schmalz: „Weshalb man Asylsuchende nicht an der Grenze abweisen kann“.

Jeder Journalist, der zum Thema was absondert, sollte die Gesetze, die Schmalz zitiert, kennen, sonst nennte ich ihn eine Pappnase. Davon gibt es viele. „Staatsbürgerliche Aufklärung“, die zentrale Aufgabe der Medien, heißt bekanntlich auch, die Bürger mit den relevanten Informationen zu versorgen, damit sich diese eine eigene Meinung bilden können. Das ist bisher in den Mainstream-Medien insofern nicht geschehen, als die juristischen Grenzen das populistische Gefasel seitens Seehofer und Konsorten als heiße Luft entlarvt hätten. By the way: Natürlich hat Merkel recht, auf eine europäische Lösung zu pochen. Anders geht es nicht.

Virtue Signalling

„Viele neigen dazu, sich in der Öffentlichkeit durch Bekundungen bereits sozial akzeptierter Einstellungen und Tugenden in ihrer moralischen Exzellenz zu suhlen. James Bartholomew bezeichnet dieses Phänomen als „Virtue Signalling“ (übersetzt etwa: ‚verbale Gutmenschenbekundung‘). Menschen präsentieren sich demnach im besten moralischen Licht, indem sie politisch korrekt, oft aber emotional und unsachlich, durch die demonstrative Verurteilung oder Unterstützung einer Position oder Person Stellung beziehen. Das Statement dient dazu, sich vor Freunden oder in der Politik auf der „richtigen Seite“ zu positionieren.

Weil diese Bekundungen dem Mainstream entsprechen, sind sie für die Person nicht risikobehaftet und höchst bequem. Beispielsweise kann man sich einen FCK-AFD-Aufkleber auf sein Auto kleben und möchte damit verdeutlichen, ein guter und liberaler Mensch zu sein. Gegen Rassismus hat man dadurch aber sonst nichts geleistet.

Als Virtue Signalling darf wohl auch die Teilnahme an der Ice Bucket Challenge oder die Mitwirkung an der Bewegung #ichbinhier gelten.

An alle, die auf den Zug der moralischen Eigenwerbung aufspringen: Macht euch doch erst einmal eigene Gedanken! Wollt ihr nicht auch an wahre Dinge glauben? Allein dass der Konsens über das gesellschaftlich akzeptierte Sag- und Denkbare einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, sollte stutzig machen.

Es ist klar, dass das Querdenken, die eigene Meinung, eher Gefahr läuft, von anderen nicht akzeptiert zu werden und somit negative Gefühle hervorrufen kann. Haltet es aus!

Wenn ihr nicht mutig genug seid, selbst öffentlich zu eurer Meinung zu stehen, weil sie gesellschaftlich gerade nicht im Trend liegt, so beachtet zumindest dies: Im Kollektiv propagierter Unsinn kann eine Gruppendynamik entfachen, die nicht nur Religionen hervorgebracht, sondern historisch auch schon zum sozialen Ausschluss oder Tod von Menschen geführt hat, deren Meinung und Überzeugungen vom Mainstream abwich. Unter dem Vorwand der vermeintlich wahren moralischen Gesinnung wurden schon die unmoralischsten Gräueltaten verübt.

Vordergründig sollte es in Diskussionen wieder mehr um die gemeinsame Wahrheitssuche und den Inhalt anstatt um die moralische Selbstdarstellung und somit auch den moralischen Ausschluss Andersdenkender gehen.“

(via Gott und die Welt, Facebook)

Aktivisten, Rebellen, Terroristen

aktivisten

Herdentrieb

Henryk M. Broder: „In keinem anderen Gewerbe ist der Herdentrieb so ausgeprägt wie im Journalismus, der Wunsch nach Konsensualität so sinnstiftend. Ich kenne Kollegen, die nur deswegen Journalisten geworden sind, weil sie gedacht haben, das wäre eine Stufe auf der Karriereleiter, die in die Pressestelle des Bundeskanzleramtes führt. Oder wenigstens in den Frachtraum einer Maschine, mit der der Außenminister nach Kuala Lumpur fliegt. Wer es nicht in die Entourage eines Ministers schafft, freut sich immer noch über zwei Freikarten für ein Helene-Fischer-Konzert.“

Wo er recht hat, hat er recht.

Der Artikel offeriert viele Links, die interessanter sind als er selbst. Demnächst mehr in diesem Theater oder warum Burks wieder mal ganz anders denkt als alle anderen. (Nein, ich finde die rechten Pappnasen weiterhin bescheuert.)

Unter Betroffenen oder: Entscheidungen sind falsch, wenn sie den Gegnern gefallen [Update]

Don Alphonso wechselt von der FAZ zur Welt. Auf Meedia.de sagt er dazu: „Man kann heute keine Geschichte mehr erzählen, ohne dass sich jemand betroffen fühlt“. Das Interview sollte man ganz lesen.

„Die Medienszene ist immer noch riesig, mir fehlt da der Überblick. In den Leitmedien ist das tendenziell so, da werden die Bankenrettung wie die Migrationskrise recht einheitlich beschrieben, und dass es da vielleicht das eine oder andere Problem gibt – sei es die Instabilität der Deutschen Bank, seien es die erwartbaren Judenhasser aus dem mittleren Osten – wird, wenn überhaupt, nur sehr verspätet zur Kenntnis genommen.“

Well said.

[Update] „Die Frage ist bei Menschen nicht, wie sie so vor sich hinleben, da schludern wir alle, sondern was sie tun, wenn wirklich die Luft brennt.“

Im Recht oder auch nicht [Upddate]

Sueddeutsche.de : „Die Zeit“ trennt sich von „Fischer im Recht“.

Grund sei, dass ein Text Fischers illoyal gewesen sei „gegenüber unseren eigenen Reportern, die mit erheblichem Aufwand recherchierten, und vor allem auch gegenüber den Frauen, die sich uns unter erheblichem persönlichen Risiko anvertraut haben. (…) Die Zeitung schrieb am 4. Januar im Zeit Magazin und am 25. Januar in einem Dossier über Anschuldigungen, die mehrere Schauspielerinnen gegen Wedel erheben und die von Mobbing bis zur Vergewaltigung reichen. (…) Fischer schrieb bei meedia.de dagegen unter anderem von einem „Tribunal“ und einer „medialen Abrechnung“; die Zeit nutze „Mittel der Suggestion und Verzeichnung, der Zirkelschlüssigkeit und der Denunziation“. Eine erste Fassung des Textes hatte Fischer dem Spiegel zufolge der Zeit angeboten, die den Abdruck ablehnte.

(Sehr geehrte Pappnasen bei sueddeutsche.de, habt ihr schon einmal etwas davon gehört, dass man Links setzen kann? Es ist einfach unverschämt, die Leser selbst suchen zu lassen!)

Auf den Beitrag Fischers gab es bei meedia.de eine Replik der Juristin Elisa Hoven. So sieht Streit der Meinungen aus! Was die „Zeit“ macht, ist jedenfalls lächerlich, aber bezeichnend für die Art und Weise, wie der Mainstream mit unbequemen Thesen umgeht.

[Update] die Neue Zürcher Zeitung: „Der frühere deutsche Bundesrichter Thomas Fischer war der aufregendste freie Mitarbeiter der «Zeit». Keiner konnte so wortgewaltig austeilen. Keiner provozierte solche Debatten unter den Lesern. Dafür liebten sie ihn in der Redaktion. Bis er an der Berichterstattung des eigenen Blattes etwas auszusetzen hatte.“ Der Kommentar ist geradezu vernichtend für die „Zeit“.

Facebook und die drei Siebe des Sokrates

Facebook

Gestern diskutierte ich mit engen Freunden über so genannte „soziale Netzwerke“. Am 03.12.2016 (also vor zwei Jahren) schrieb ich hier:

Das Magazin (mit recht naiven Statements des Autors): „Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minutiös zu analysieren. (…) Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausfüllen. (…) Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.“

Schon klar. Das ist nicht neu. Steht genau beschrieben (fast wörtlich) bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung.

Und jetzt (in Worten: jetzt) gibt es einen „Skandal“, dass Daten von Facebook-Nutzern an die Politik verkauft wurden? Cordt Schnibben schreibt auf Facebook: „Kopfschüttelnd schaue ich seit Tagen zu, wie Freunde glauben, die richtige Reaktion auf das Datendesaster bei Facebook sei der Abschied. (…) Facebook etc. sind amerikanische Unternehmen, die Geld machen mit der Kommunikation zwischen mir und ein paar tausend Leuten; dennoch sind soziale Medien mehr als das, sie sind Teil der Öffentlichkeit geworden, die ich als Bürger (und als Journalist) nutzen sollte, so wie ich das Telefon und die Straße benutze.“

trump

Ich brauche Facebook nicht, nutze es aber trotzdem. Für mich ist es Unterhaltung und schult gleichzeitig in Medienkompetenz, weil die Seriösität von Informationen nicht vom Medium borgegeben wird. Meine Vorlieben, den Konsum von Informationen bzw. Medien betreffend, könnte ich auch ohne Fratzenbuch ausleben; ich müsste mir nur eine Linkliste anliegen (mit diesem hier (Facebook) zum Beispiel – oder diesem) oder RSS-Feeds abonnieren.

Mein Argument „gegen“ meine Freunde, die alle nicht „soziale“ Medien nutzen, war, dass die Algorithen genau das imitieren – mehr schlecht als recht -, was im realen Leben auch geschieht: Man traut den Fakten mehr, wenn sie von Leuten verbreitet werden, die man kennt oder womöglich sogar mag. Die Deutungshoheit der Journaille ist perdu, und das ist gut so.

pumch

Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung.
„He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen.“
„Moment mal“, unterbrach ihn der Weise. „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“ fragte der Andere voller Verwunderung.
„Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es irgendwo und . . .“
„So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?“
Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil …“
„Aha!“ unterbrach Sokrates. „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?“
„Notwendig nun gerade nicht …“
„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

Wenn man das beherzigte, wäre Facebook wüst und leer.

facebook

Es liegt an dir

Die Welt hat ein lesenswertes Interview mit Deniz Yücel: „Es liegt an dir, ob sie die Kontrolle über dich bekommen.“

Böhmer: Haben dich diese Erfahrungen im Kleinen auch im Großen stärker gemacht?
Yücel: Bestimmt.
Böhmer: Bleibt das?
Yücel: Das weiß ich nicht. Ich bin milder geworden. Auch gegenüber Redakteuren. Man lernt, dass man nicht über jede Zwischenüberschrift diskutieren muss.
Akrap: Dazu braucht es nicht unbedingt Knasterfahrung.
Yücel: Bei mir schon.

Für diese Attitude mochte ich ihn schon immer.

Im Nirwana

Harald Martenstein über das „Recht, nicht links zu sein“.

Es kann in Deutschland passieren, dass ein Buch aus den Bestsellerlisten wie von Zauberhand verschwindet. Es kann passieren, dass alle Bücher eines Autors plötzlich nicht mehr lieferbar sind. Es kann passieren, dass bei einer Buchmesse politisch nicht genehme Verlagsstände geplündert werden, ohne dass die Messeleitung sich zuständig fühlt. Es kann passieren, dass Autoren nicht auftreten können und die Polizei sich für machtlos erklärt.

Well said.

Computerisierte Legebänke

Meedia.de rezensiert ein Buch Matthias Matusseks (den ich als Journalist eh nie ernst genommen habe, weil er an höhere Wesen glaubt). Politisch fraternisiert er Salonfaschisten und Leuten, die ich ideologisch nur mit Gummihandschuhen anfassen würde.

Interessant fand ich diese Passage, unter welchen Umständen Journalisten heute arbeiten:
Den Redaktionsbetrieb in der Welt beschreibt er folgendermaßen: „Das hier war Akkord an computerisierten Legebänken. Internet first. Hier mussten Geschichten oft für drei verschiedene Produkte auf- und umgeschrieben werden. Harte Zeiten. An der Längswand ein großes Display, auf dem in einem ständigen Zittern die Klickzahlen im Netz gemessen und in Kurven abgebildet wurden, und am Kopfende des Raums Glaskubikel, in denen die Chefredakteure saßen wie Filialleiter bei Aldi, wenn sie nicht in ihren höheretagigen Büros saßen, sondern unten im Maschinenraum Dienst taten.“

Nicht ohne meinen Alu-Hut

Christian Y. Schmidt: „Noch mal ganz langsam: Russland versucht einen ehemaligen Spion in England umzubringen, damit die britische Regierungschefin Russland dieser Tat bezichtigt, damit der russische Regierungschef Putin wiederum den Westen beschuldigen kann, Verschwörungstheorien gegenüber Russland zu verbreiten. Sind die eigentlich noch ganz frisch beim Tagesspiegel? Oder gehört der Alu-Hut dort inzwischen zur Dienstbekleidung?“

#AusFAZwirdTAZ [Update]

don alphonso

Roger Letsch: „Don Alphonso wird abgeschaltet“.

Wenn man sich bei Twitter nach #AusFAZwirdTAZ umsieht, überkommt einen das Grauen über das „intellektuelle“ Niveau der Diskussion über Medien in Deutschland. Meedia.de: „Die FAZ hat angekündigt, auf ihrer Website die Sektion mit Blogs umzubauen. Künftig sollen Blogs bei FAZ.net stärker als „Experimentierfeld“ genutzt werden und auch mehr Podcasts veröffentlicht werden. Im Zuge der Neuausrichtung werden einige alte Blogs eingestellt, darunter auch „Stützen der Gesellschaft“ und „Deus ex Machina“ des ebenso bekannten wie streitbaren Bloggers Don Alphonso. Dessen Fans laufen bei Twitter Sturm.“

Ich lese Don Alphonso gern, obwohl ich die Dinge meistens völlig anders sehe. Jemand schrieb auf Twitter: „Ich habe oft nicht mit @faz_donalphonso übereingestimmt, aber er war das Salz in der Suppe des Einheitsbreis.“ Don Alphonso hat Fans, worum ihn vermutlich seine schmallippigen Kritiker beneiden. Die Mehrheit deutschsprachiger Blogs tüte ich ohnehin in die Kategorie Deldenk ein, wenn es um den Kapitalismus geht. Don Alphonso gehört trotz seiner systemaffinen Attitude nicht dazu. Er sieht den Rauswurf auch gelassen.

Die Fans kann man sich auch nicht aussuchen. Dass auch die kackbraune AfD-Mischpoke Don Alphonso manchmal bejubelt, ist nicht seine Schuld.

Mir fällt immer Schopenhauer ein: „Daher nun ist die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!“ Der Don hat sowieso Stil, auch wenn dieser (klein)bourgeois ist. Und wenn lechts und rinks alle heulen und zähneklappern, hat man etwas richtig gemacht.

Liebe FAZ, mal im Ernst: Ihr redet von kreativen Ansätzen. Das ist nicht nur Neusprech, sondern schlechtes Deutsch und zudem Heuchelei. Kennt ihr Wolf Schneiders Verdikt in Deutsch für Profis über Kreativität?
Mode-, Bläh- und Zauberwort für das Talent, Ideen zu haben oder schöpferisch zu sein; in Umlauf gesetzt und heilig gehalten von den sog. „Kreativen“ in den Werbeagenturen. „Brezeln zu formen ist meine Art, meine Kreativität auszudrücken“, sagt heute jeder bessere Bäckergeselle. Oft ist Phantasie eine gute Übersetzung.

Das Ministerium für Wahrheit informiert: Sperrige und unbequeme Meinungen abzuschalten heißt jetzt: „kreativen Ansätzen größeren Raum geben.“

[Update] Don Alphonso sagt, wie es war und ist bei der FAZ.

Gesundes Volksempfinden

Lesebefehl: Bundesrichter a.D. Thomas Fischer auf meedia.de: „Kenntnisfreie ‚Fakten-Checker‘ bei ‚Hart aber fair‘: Plasberg und Bild strapazieren das ‚gesunde Volksempfinden'“.

#miomiogate et al

Wer vom geschätzten Publikum nicht in der Medienblase lebt, sollte jetzt vielleicht kurz die Titanic lesen.

And now for something completely different. Wir reden über reaktionäre Sch…haufen. Nein, nicht die so genannte AfD, sondern die Journaille, die nichts, aber auch gar nichts kapiert hat, wie man bei Salonkulumnisten vorgeführt bekommt: „Neoliberale Professoren- und Anti-Euro-Partei war einmal, in der AfD geben jetzt die Sozialnationalisten den Ton an. Zeit, sich auf das Erfolgsrezept der jungen Bundesrepublik zu besinnen: Wachstum und Wohlstand für alle.“

Wachstum und Wohlstand für alle im Kapitalismus?! Wie blöde muss man sein und in welcher Blase muss man leben, um so etwas zu formulieren? Der Autor dieses ideologischen Sondermülls schreibt angeblich aus „aus konsequent humanistischer Perspektive“. Freunde werden wir in diesem Leben nicht mehr.

Zornige alte weiße Männer in unbeliebten Bademänteln

selfie

Grandioser und gut geschriebener Artikel von Hilmar Klute in der Zeit über den Kolumnisten Harald Martenstein: „Es sind aufgeregte Zeiten, in denen Männer nicht zu wissen glauben, was sie sagen dürfen“. Für mich stimmt das natürlich nicht, aber vielleicht ja für andere Männer. Mein Beileid.

„Anfang der Fünfzigerjahre geboren, Arbeiterhaushalt, Dosenravioli und keine Bücher im elterlichen Wohnzimmer. Da muss man nicht, aber da kann man natürlich Kommunist werden, in die DKP eintreten, das hat Martenstein gemacht.“ Alles stimmt bei mir auch, ausser natürlich das mit der DKP. Ich suchte damals etwas Radikaleres.

Harald Martenstein und Deniz Yücel sind für mich großartige Journalisten, so wie es sein müsste, die besten Schreiber, die Deutschland hat. (Das Foto oben zeigt natürlich nicht Martenstein, dessen Bademantel ist weiß.)

Challenge und Datafizierung

Hypertext

Christoph neuberger @LMU_Muenchen – journalisten sollen sich kommentaren unter ihren artikeln stellen statt ihre texte als sakrosanktes endprodukt zu sehen. journalistisches endprodukt ist nicht text sondern der kommunikationsprozess /v @hiig_berlin

Der Vortrag ist ein rechtes Geschwurbel. Der Vortragende kann nicht reden und kennt auch keine Zwerchfellatmung (und er muss an den falschen Stellen schlucken).

„Auch in der Raum-Zeit-Dimension gibt es viele neue Möglichkeiten.“ Wer hätte das jetzt gedacht?

Der Vorwurf trifft aber den Punkt. Frage: Warum tun sie es nicht?

Das Sternchen-System

Meedia.de: „Das Sternchen-System: Thomas Fischers Zeit-kritische Anmerkungen zum Medien-‚Tribunal‘ gegen Dieter Wedel:

Eine Zeitungs-Redaktion hat nicht über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen zu entscheiden. Sie sollte sich daher auch nicht so gebärden. „Unschuldsvermutung“ ist ein Begriff, der aus dem staatlichen Strafprozess stammt, diesem eigentümlich ist und dort etwas Wichtiges bedeutet und bewirkt. Mit dem Presserecht und der Kompetenz von Journalisten hat er allenfalls mittelbar zu tun. (…)

Für die Presse hat das nur mittelbar Bedeutung. Presseberichte können eine Person sozial schädigen, gar vernichten, sie in unverhältnismäßiger Weise für immer ausgrenzen und stigmatisieren. Deshalb ist die Presse verpflichtet, bei der Veröffentlichung von ehrverletzenden Beschuldigungen deutlich zu machen, dass es sich nicht um feststehende Tatsachen handelt. Man darf nicht öffentlich eine rechtlich definierte Schuld behaupten, die nicht auf legitime Weise bewiesen ist.

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