Vielfaltsfördernde Markteingriffe

Digitaler Medien-Staatsvertrag

Ich darf das Publikum auf den Entwurf eines Digitalen Medien-Staatsvertrags (DMStV, Teil 2) aufmerksam machen.

Die paywallgeschützte bürgerliche Presse schreibt:

Auf mehr als 180 Seiten folgt ein Konvolut teils kleinteiliger Regulierung mit umfassenden Definitionen darüber, was Journalismus, was Werbung, was „staatliche Information“ oder – im Kapitel über Künstliche Intelligenz – was Wahrheit sei. Vorschreiben wollen die Länder auch, wie Medienangebote in sozialen Medien ausgespielt und angezeigt werden: mit klarer Bevorzugung der öffentlich-rechtlichen Anstalten und überwacht von den ebenfalls öffentlich-rechtlichen Landesmedienanstalten.

Der erste Teil beschäftige sich

überwiegend mit der Umsetzung europäischer Medienregulierung in deutsches Recht, enthält aber auch einen heiklen Aspekt, nämlich den Einsatz des KI-Überwachungssystems Kivi. Die Medienanstalten sollen damit weitgehende Rechte zur Überwachung von Meinungsäußerungen und persönlichen Lebenssituationen bekommen. (…)
Mindestens 20 Prozent dieser Empfehlungen müssten „Angebote mit vielfaltsförderndem Mehraufwand“ sein. In den Erläuterungen gestehen die Verfasser ein, dass es sich dabei um einen „erheblichen Markteingriff“ handele, der aber berechtigt sei, um der „Verflachung und Homogenisierung der Medienlandschaft entgegenzuwirken. (…)
Wo etwa Plattformen gezwungen sind, staatlich vorgeschriebene Empfehlungen auszusprechen, will ihnen das Gesetz explizit verbieten, diese Tatsache auch mitzuteilen. Als „unbillige Behinderung“ gilt in den Erläuterungen ein Hinweis wie der, eine „Empfehlung erfolgt aufgrund staatlicher Vorgaben“. Die Gesetzesautoren werten das als „besonders unattraktive Bezeichnung“, die sie unterbinden möchten.“

Schon klar. Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. Staatliche Vorgaben sind natürlich auch Zensur – ein sehr „unattraktives Wort“ -, und das soll man nicht sagen dürfen.

Gegen die Wahrheit

autorisierung

Ach ja, die Sache mit Eralp: Das ehemalige Nachrichtenmagazin „veröffentlicht nicht autorisierte Aussagen der Berliner Linke-Politikerin Elif Eralp“.

Ich muss zugeben: Mir macht es besonders Spaß, gegen alles und alle zu sein, wenn es einen unausgesprochenen Konsens zu geben scheint, auf den sich alle stillschweigend berufen, und der sich beim näheren Hinsehen als purer Nonsens herausstellt. Das war auch bei dem Thema „Online-Durchsuchung“ so. Deshalb ist Des Kaisers neue Kleider mein Lieblings(kunst)märchen.

Ich darf mich selbst zitieren (2008): „Wer einem Interview-Partner so auf die Nerven geht, dass der sich aufregt oder spontan die Fassung verliert, bekommt häufig mehr und bessere Informationen als bei Unterhaltungen, die durch höflichen Smalltalk und gegenseitiges höfliches Rücksichtnehmen geprägt sind. Hartnäckiges Nachfragen ist eine Kardinaltugend des investigativen Journalismus in angelsächsischer Tradition, auch wenn der Interviewte sich im Nachhinein mental überanstrengt fühlt. In den USA und in England würde auch kein Journalist auf die Idee kommen, das Gesagte „autorisieren“ lassen. Das ist ein typisch deutscher Brauch, der im demokratischen Europa einzigartig ist und den man nur aus der hiesigen stark ausgeprägten obrigkeitsstaatlichen Tradition erklären kann. Das ungeschriebene „Gesetz“ der Autorisierung fördert die vorauseilende Unterwürfigkeit der Jung-Journaille, die meint, das müsse so sein, und lebt davon, dass alle stillschweigend mitmachen, weil niemand sich traut auszurufen, dass der Kaiser nackt ist. Eine rechtliche Grundlage für Autorisierungen gibt es ohnehin nicht.“

Auch wenn so genannte „Medienrechtler“ das anders sehen: Die juristische Klage gegen „unautorisierte“ Interviews möchte ich sehen.

By the way: Aus Furcht um seine Stellung und seinen Ruf spricht – wider besseres Wissen – niemand die offensichtliche Wahrheit aus, nicht einmal der treueste Minister des Kaisers; vor die Entscheidung „Ansehen und Wohlstand oder Wahrheit“ gestellt, entscheidet man sich letzten Endes gegen die Wahrheit.

Ich frage mich die ganze Zeit, warum niemand, aber auch niemand aus der Journaille laut ruft: „Der Kaiser ist nackt, und Autorsierungen sind lächerlicher Unsinn!?“ Sind die alle schon freiwillig gleichgeschaltet?

Abgeriegelt [Update]

Jericho
Blick auf Jericho, Judäa, Israel, vom Wadi Qelt aus gesehen, 25.10.2025 (bisher unveröffentlicht)

Jetzt jammern die deutschen Medien wieder mit den gewohnten Textbausteinen. „Grenzschließungen und die Vertreibung von rund 2000 Palästinensern sorgen für Kritik.“ Bei wem? Das sagen sie bewusst nicht. „Bei den üblichen Verdächtigen“ eben, die immer auch noch die Phantasmagorie „Palästinenserstaat“ im Kopf haben.

Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert und hält dieses Gebiet seither besetzt. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler, schreibt die bürgerliche Presse.

Wait a minute. Die Sowjetunion hatte Ostpreußen im 2. Weltkrieg erobert und hält dieses Gebiet seither besetzt. Was sagt das Revanchistenpack dazu? Oder: In Judäa und Samaria leben rund 700.000 Israelis inmitten von drei Millionen arabischen Siedlern.

Puls und Atmung noch normal?

Die Lage im Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft.(…) Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen.

Aber auch? Zieht man etwa einen Vergleich? Ihr ekelt mich an. Es läuft doch immer wieder untergründig auf „die Juden sind an allem schuld“ hinaus. Oder: Deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.

[Update] Eine interessante Analyse Israels vor den Wahlen und über die dortigen Kategorien „links“ und „rechts“ las ich auf Hasbara News.

Ein Stück Zeitung

taz

Die Taz ist doch ein richtiges Schmutzblatt geworden. Arne Grahm schreibt auf Facebook treffend:

ach TAZ,
was bist du nur für ein widerliches stück zeitung geworden. ganz egal, ob man mit allem einverstanden ist, was die EMMA so alles schreibt, aber deine haltung entspricht genau dem neo-progressiven und eigentlich beängstigend antidemokratischen trend, dass selbst bedingt etablierte medien wie du heute, ihrer medialen konkurrenz eben nicht mehr mit besserem journalismus entgegnen, sondern sie „ganz weg“ haben wollen. ich verachte dich aus den tiefen meines herzens, du opportunistisches drecksblatt! wie schade, dass du das kommentieren unter diesem artikel deaktiviert hast. ich idiot hatte dir tatsächlich mal zur rettung geld gespendet, um das du öffentlich gebettelt hattest…
– fick dich in dein vom lastenfahrradfahren knarrendes, rheumatisches knie!

Ancient Times

Israel
Quelle: James Henry Breasted: Ancient Times – A History of the Early World (Boston, MA: Ginn and Company, 1916). Kartenmaterial: Privatsammlung Roy Winkelmans

Der affirmative Sprachgebrauch in der bürgerlichen Presse ist unerträglich. („Vielen Dank für die Diskussion. Die Kommentarfunktion für den Artikel ist jetzt geschlossen.“) Die „Siedler“ in Judäa und Samaria sind die Araber, nicht die Juden. Juden leben mindestens seit der Zeit dort, seitdem die Pharaonen „Israel“ in der Merenptah-Stele erwähnen ließen. Das war 1208 v. Chr..

Die arabische Kolonisation des christlichen Palästina begann nach der muslimischen Eroberung der Region zwischen 634 und 640 n. Chr..

Höhlenmenschen und anderes Bemerkenswertes

Höhlenmensch
Ultra-photorealistic close-up action photograph of a massive yellow tracked bulldozer violently plowing through and destroying a large natural anthill, the heavy steel blade cutting directly into the mound, collapsing tunnels and chambers, chunks of soil and fine dust exploding into the air, hundreds of tiny realistic ants fleeing across the broken earth, dramatic contrast between the enormous industrial machine and the tiny ants, scratched and mud-stained steel blade, detailed caterpillar tracks, realistic hydraulic mechanisms, dry grass and natural vegetation around the anthill, low ground-level camera angle from the perspective of the ants, bulldozer towering enormously above the scene, frozen motion, flying dirt particles, natural daylight, realistic shadows, documentary photography, extremely detailed textures, cinematic depth of field, 35mm lens, high shutter speed, physically accurate proportions, no fantasy elements, no anthropomorphic ants, no illustration, no CGI look –ar 16:9 –stylize 75 –no text, logo, watermark, cartoon

► Mich hat in den letzten Tagen am meisten die Armagedon-Meldung wir werden alle störben: „Anthropic-Forscher kündigt mit dramatischem Text: Branche erwarte „Auslöschung“. Die Kommentare bei Heise sind wie oft interessanter als der Artikel selbst, wenn man die Zeit findet, sich dort durchzuwühlen. Ein Posting des Users OttoPa fand ich bemerkenswert: „Dem Affen die Bombe geben“.

Da ist er wieder. Der Mensch. Man muss für diese Logik weder eine Superintelligenz noch das Jahr 2030 bemühen. Sie ist uralt. Jeder Rüstungswettlauf funktioniert so. Jeder Teilnehmer erklärt sich selbst zum widerwilligen Vernünftigen, der leider gezwungen ist, noch eine größere Bombe zu bauen, weil auf der anderen Seite womöglich jemand sitzt, der nicht so verantwortungsvoll mit großen Bomben umgeht wie man selbst.

Diesmal stehen halt GPUs im Bunker. Und genau deshalb greift mir die Frage, ob „die KI“ gefährlich ist, zu kurz. KI fällt schließlich nicht wie ein Meteorit vom Himmel. Wir bauen sie. Wir wählen die Ziele. Wir trainieren sie mit dem Zeug, das unsere Zivilisation hervorgebracht hat – Wissenschaft, Kunst und Philosophie genauso wie Krieg, Propaganda, Betrug, Gier, Hass und Größenwahn.

Einmal Menschheitsgeschichte, komplett. Mit scharf.

Das besonders Absurde daran ist: Wir können uns heute kaum noch darauf herausreden, es nicht besser zu wissen. Wir haben Geschichtsbücher, Klimamodelle, Ethikkommissionen, Philosophie, Völkerrecht und ungefähr zwölfunddreißig Millionen PowerPoint-Folien darüber, warum bestimmte Dinge eine ausgesprochen schlechte Idee sind. Und machen sie dann trotzdem. (…)

Wir sind eben eine merkwürdige Mischung aus technischer Hochkultur und Savannenbewohner. Wir fotografieren Schwarze Löcher, editieren Gene und bauen Maschinen, die in Sekunden durch Informationsmengen pflügen, für die ein Mensch mehrere Leben bräuchte. Gleichzeitig beschäftigen uns mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit noch immer Status, Macht, Besitz, Neid, verletzte Eitelkeit und die wichtige Frage, welcher Stamm gerade die besseren Fahnen hat.

Unter der Hochtechnologie läuft noch verdammt viel Steinzeit-Firmware. Gier, Aggression, Egoismus und Tribalismus waren für kleine Gruppen von Primaten vermutlich einmal ziemlich brauchbare Überlebensprogramme. Nur sitzen diese Primaten heute nicht mehr mit Feuerstein am Wasserloch. Sie verfügen über Atomwaffen, Biotechnologie, globale Finanzsysteme und zunehmend über KI.

Wir haben dem Höhlenmenschen einen Teilchenbeschleuniger gegeben und hoffen, dass er charakterlich inzwischen nachgereift ist. (…)

Denn KI ist vor allem eines: ein Multiplikator. Wer helfen will, kann mit ihr mehr helfen. Wer forschen will, kann schneller forschen. Wer betrügen, manipulieren, überwachen, angreifen oder Menschen gegeneinander aufhetzen will, bekommt leider denselben Rabatt. Mathematik hat schlicht keine Moral.

Und selbst falls irgendwann tatsächlich etwas entsteht, das uns intellektuell weit überlegen und wesentlich autonomer ist, muss daraus noch lange kein Maschinen-Hitler werden. Diese Vorstellung ist ohnehin sehr menschlich. Selbst bei unserer eigenen Vernichtung möchten wir offenbar noch so wichtig sein, dass uns jemand ausdrücklich hasst.

Dabei reicht Gleichgültigkeit völlig. Der Bulldozer hasst den Ameisenhaufen nicht. Er hat nur einen anderen Auftrag.

Wir selbst behandeln andere Spezies schließlich genauso. Wir rotten den Laubfrosch nicht aus, weil wir morgens aufstehen und denken: „Dieser Bastard muss weg“ – er hat schlicht das Pech, dort zu leben, wo eine Straße, ein Tagebau oder die nächste Gewerbehalle hin soll.

Warum sollte eine uns weit überlegene Intelligenz unsere Bedürfnisse grundsätzlich heiliger finden als wir die des Laubfroschs?

bulldozer
Ultra-photorealistic close-up action photograph of a massive yellow tracked bulldozer violently plowing through and destroying a large natural anthill, the heavy steel blade cutting directly into the mound, collapsing tunnels and chambers, chunks of soil and fine dust exploding into the air, hundreds of tiny realistic ants fleeing across the broken earth, dramatic contrast between the enormous industrial machine and the tiny ants, scratched and mud-stained steel blade, detailed caterpillar tracks, realistic hydraulic mechanisms, dry grass and natural vegetation around the anthill, low ground-level camera angle from the perspective of the ants, bulldozer towering enormously above the scene, frozen motion, flying dirt particles, natural daylight, realistic shadows, documentary photography, extremely detailed textures, cinematic depth of field, 35mm lens, high shutter speed, physically accurate proportions, no fantasy elements, no anthropomorphic ants, no illustration, no CGI look –ar 16:9 –stylize 75 –no text, logo, watermark, cartoon

► Dann haben wir noch den uralten Tipp für Angela Merkel, den Aufstieg der AfD lebhaft zu begrüßen:

Die Etablierung der AfD geht bisher zu Lasten aller Parteien. Insofern kann ihr Erfolg keineswegs primär als Reaktion von Wählerschichten erklärt werden, die vom Modernisierungskurs der Union verschreckt sind. Eine Etablierung der AfD bietet für die Union sogar eine doppelte Chance: Zum einen wird ihre Fokussierung auf die politische Mitte glaubwürdiger, wenn rechtspopulistische Positionen außerhalb der Union ihre Heimat finden. Und zum anderen wird es schwerer für Rot- (Rot-)Grün, zu parlamentarischen Mehrheiten zu kommen.

► Henryk M. Broder in der bürgerlichen Presse aka „Welt“ – etwas Besseres wird man zum 25. Jahrestag des islamischen Massenmordes nicht lesen können.

Was ein Merkmal kultureller Überlegenheit ist – die Fähigkeit einer Gesellschaft, sich selbst radikal infrage zu stellen –, kann sich im Augenblick einer existenziellen Krise in ein Zeichen von Schwäche und Selbstverleugnung verwandeln. Man macht sich klein und hässlich, um moralisch groß zu erscheinen.“

RBB
Mein Vorschlag für eine Strukturreform des RBB

► Beim RBB hilft nur noch: Ersatzlos abwickeln!

Nicht der einzige Berater, den der RBB für viel Geld einkauft: Im Januar 2024 präsentiert das Direktorium um Demmer das „Zielbild 2028“. 2028 wäre Demmers vorerst letztes Amtsjahr. Bis dahin will sie den RBB „digitaler, jünger und diverser“ machen. Ihr Konzept nennt sie „Neue Zusammenarbeit“. Und auch dafür holt sich die Intendantin mit Peter Paryzcek einen teuren Berater. Offizielle Bezeichnung: „Leiter Transformation und digitaler Wandel“. Dafür kriegt er rund 14.000 Euro im Monat, muss aber vertraglich festgelegt nur drei Tage dafür arbeiten pro Woche. Die restliche Zeit kann er für andere Mandate nutzen. Dementieren will der Sender das auf Anfrage nicht. ((Quelle)

► „Die Gymnasialquote von rund 50 Prozent ist durch Intelligenzforschung nicht zu rechtfertigen“.

IQ

Fefe_Blog_interim

fefe blog interim

Fab Industries aka Fabian A. Scherschel: „Fefes fehlende Blog-Einträge haben offensichtlich so ein so großes Loch in die deutsche Blogger-Szene gerissen, dass sich auf Reddit nun in seiner Abwesenheit eine Community von Leuten zusammengefunden hat, die den Stil seines Blogs tagesaktuell imitieren.“ [Man muss sich per Google oder Reddit einloggen, um alles lesen zu können. Ab sofort auch hier in der Blogroll.]

Alles wiederholt sich

wehrmacht

1941, Soldaten der Wehrmacht. Quelle: Dyukov, Alexander Reshideovich: Wofür das sowjetische Volk kämpfte. Moskau: Yauza, Eksmo, 2007.

Hochaktuell, insbesondere für Michael Martens, den Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Frage gestellt hat, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten.

Wait a minute. Hat der das wirklich wörtlich gefragt? Ja, hat er.

martens

And now for something completely different.

„Die Aussagen des rechtsextremen [sic] israelischen Sicherheitsministers Ben-Gvir über gezielte Tötungen im Gazastreifen haben in Deutschland parteiübergreifend Empörung ausgelöst. Ben-Gvir hatte in einem Podcast erklärt, er halte Tötungen in Gaza für richtig.“

Keine weitere Fragen, Euer Ehren.

Der Algorithmus als Rechercheur

Der Algorithmus als Rechercheur

Ein Artikel von mir (pdf) im Journalistenblatt 3/2026

Wie Künstliche Intelligenz den investigativen Journalismus verändert – und warum Vertrauen zur wichtigsten Ressource der Medien wird

Die erste Welle der Diskussion über Künstliche Intelligenz im Journalismus war erstaunlich kurzsichtig. Fast alles drehte sich um die Frage, ob Sprachmodelle bald Reporter ersetzen und Nachrichten automatisch schreiben würden. Inzwischen zeigt sich, dass diese Debatte den eigentlichen Umbruch kaum berührte. Nicht die letzte Stufe journalistischer Arbeit verändert sich – einen Text zu formulieren -, sondern der Anfang: die Recherhe, die Verifikation und die Analyse. Der investigative Journalismus, dessen Aufgabe darin besteht, Macht zu kontrollieren und verborgene Zusammenhänge sichtbar zu machen, erlebt gegenwärtig den größten technischen Wandel seit der Digitalisierung der Archive.

Das ist ein Paradigmenwechsel. Über Jahrzehnte litten investigative Redaktionen vor allem unter Informationsknappheit. Dokumente mussten beschafft, Register durchsucht und Archive mühsam ausgewertet werden. Heute besteht das Problem im Gegenteil. Internationale Datenlecks umfassen Millionen Dateien. Behörden veröffentlichen riesige Datenbestände. Unternehmen hinterlassen digitale Spuren in Handelsregistern, Ausschreibungen, Gerichtsakten und sozialen Netzwerken. Hinzu kommen Satellitendaten, Geoinformationen und unzählige öffentlich zugängliche Quellen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wie Informationen gefunden werden können, sondern wie aus einer überwältigenden Datenmenge relevante Erkenntnisse entstehen.

Hier entfaltet Künstliche Intelligenz ihre eigentliche Stärke. Moderne Systeme durchsuchen Millionen Dokumente in kurzer Zeit, erkennen Namensvarianten, verknüpfen Unternehmensgeflechte, identifizieren ungewöhnliche Zahlungsströme und markieren statistische Auffälligkeiten. Sie finden Querverbindungen zwischen Personen, Firmen und Ereignissen, die menschlichen Rechercheuren leicht entgehen würden. Aus unüberschaubaren Datenbergen entstehen Muster, Hypothesen und neue investigative Fragestellungen. Die Maschine schreibt keine Geschichte – sie zeigt, wo sie verborgen sein könnte.

Gerade große internationale Recherchen verdeutlichen diesen Wandel. Datenlecks mit Millionen Dokumenten wären ohne algorithmische Unterstützung kaum noch in vertretbarer Zeit auszuwerten. KI ersetzt dabei jedoch keine Reporter. Sie übernimmt monotone Such- und Sortierarbeiten, während sich Journalisten auf Interviews, Quellenpflege, Plausibilitätsprüfungen und die Einordnung politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Zusammenhänge konzentrieren können. Der Beruf verschwindet nicht; sein Schwerpunkt verlagert sich.

Mit dieser Entwicklung verändert sich zugleich das Verständnis journalistischer Verifikation. Lange Zeit galt der Faktencheck als wichtigste Qualitätskontrolle. Heute genügt das nicht mehr. Immer häufiger entscheidet der Quellencheck über die Glaubwürdigkeit einer Recherche. Ist ein Dokument authentisch? Wurde ein Bild manipuliert? Stimmen Metadaten und Zeitstempel? Lässt sich der Entstehungskontext nachvollziehen? Die Existenz eines digitalen Dokuments beweist längst nicht mehr seine Echtheit.

Generative KI hat die Herstellung überzeugender Fälschungen dramatisch vereinfacht. Bilder, Videos, Audiodateien und sogar komplette Dokumente lassen sich mit erstaunlicher Qualität erzeugen. Deshalb investieren Redaktionen verstärkt in digitale Forensik. Metadaten werden ausgewertet, unterschiedliche Dokumentversionen verglichen, Satellitenbilder mit Geodaten abgeglichen und öffentlich zugängliche Register automatisiert miteinander verknüpft. Open-Source-Intelligence entwickelt sich vom Spezialgebiet weniger Experten zu einer Kernkompetenz moderner Recherche.

Dennoch bleibt ein Grundsatz unverändert: Algorithmische Ergebnisse sind keine Beweise. KI liefert Hinweise, Wahrscheinlichkeiten und Auffälligkeiten. Ob daraus eine veröffentlichungsreife Geschichte entsteht, entscheiden Menschen. Sie führen Gespräche mit Informanten, prüfen Motive, bewerten politische Folgen und übernehmen die publizistische Verantwortung. Genau diese Verantwortung lässt sich nicht automatisieren.

Gleichzeitig erzeugt dieselbe Technologie neue Risiken. Der Begriff „KI‑Slop“ beschreibt die wachsende Flut automatisch erzeugter Inhalte, die professionell wirken, tatsächlich aber sachliche Fehler, erfundene Quellen oder gezielte Manipulationen enthalten. Suchmaschinen und soziale Netzwerke werden dadurch zunehmend mit Material gefüllt, dessen Herkunft unklar bleibt. Hinzu kommen Halluzinationen von Sprachmodellen, manipulierte Trainingsdaten und Angriffe wie Prompt Injection, die selbst leistungsfähige Systeme in die Irre führen können. Wer algorithmischen Ergebnissen blind vertraut, schafft neue Fehlerquellen.

Damit verschiebt sich das Zentrum journalistischer Arbeit. Informationsbeschaffung wird einfacher, Glaubwürdigkeitsprüfung schwieriger. Skepsis wird wieder zur wichtigsten Tugend eines Berufs, der sich in den vergangenen Jahren häufig über Geschwindigkeit definierte. Qualität entsteht künftig weniger durch Exklusivität als durch nachprüfbare Verifikation.

Auch die Beziehung zwischen Redaktion und Publikum verändert sich. Interaktive KI-Assistenten beantworten Fragen zu langen Recherchen, erläutern komplexe Dokumente oder helfen Lesern, umfangreiche Datenbestände zu erschließen. Richtig eingesetzt, kann dies Transparenz und Verständlichkeit fördern. Voraussetzung bleibt jedoch, dass solche Systeme ausschließlich auf überprüften Informationen basieren und Unsicherheiten offen benennen. Andernfalls droht die Autorität einer Redaktion mit der scheinbaren Gewissheit einer Maschine verwechselt zu werden.

Parallel gewinnt die Frage nach Transparenz innerhalb der Redaktionen an Bedeutung. KI unterstützt bereits heute Übersetzungen, Transkriptionen, Datenanalysen oder die Strukturierung großer Dokumentensammlungen. Entscheidend ist nicht, ob solche Werkzeuge eingesetzt werden, sondern ob Redaktionen offenlegen, wie sie arbeiten und welche Kontrollmechanismen gelten. Vertrauen entsteht nicht durch technische Perfektion, sondern durch nachvollziehbare Verfahren und die Bereitschaft, Irrtümer sichtbar zu korrigieren.

Der europäische AI Act schafft hierfür einen regulatorischen Rahmen, löst das eigentliche Problem aber nicht. Glaubwürdigkeit lässt sich weder gesetzlich verordnen noch algorithmisch erzeugen. Sie entsteht durch journalistische Kultur, professionelle Standards und eine konsequente Trennung zwischen überprüften Tatsachen, begründeten Vermutungen und bloßen Spekulationen.

Am Ende führt die KI-Debatte zu einer überraschenden Erkenntnis. Die unverwechselbare Leistung professionellen Journalismus bestand nie im bloßen Schreiben von Texten. Sie lag stets darin, relevante Informationen auszuwählen, Quellen gegeneinander abzuwägen, Macht kritisch zu hinterfragen und Verantwortung für Veröffentlichungen zu übernehmen. Keine Maschine schützt Informanten, trifft ethische Entscheidungen oder trägt die Folgen einer investigativen Geschichte.

Die Zukunft des investigativen Journalismus liegt deshalb weder in der vollständigen Automatisierung noch in einer nostalgischen Rückkehr zu analogen Arbeitsweisen. Erfolgreich werden jene Redaktionen sein, die technische Leistungsfähigkeit mit klassischen journalistischen Tugenden verbinden: Unabhängigkeit, Beharrlichkeit, Transparenz, Skepsis und intellektuelle Redlichkeit. Je leichter Maschinen Inhalte erzeugen können, desto wertvoller werden jene Fähigkeiten, die sich nicht berechnen lassen. Ausgerechnet die Ära der Künstlichen Intelligenz erinnert den Journalismus damit an seinen eigentlichen Kern: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Algorithmen, sondern durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung für jedes veröffentlichte Wort zu übernehmen.

Nachwort: Der Autor widerstand nicht der Versuchung, den Artikel zunächst mithilfe künstlicher Intelligenz schreiben zu lassen – und gleich in vier Versionen: ChatGPT, Claude, Gemini und Deepseek. Die Ergebnisse erfüllten gehobene journalistische Standards. Niemandem wäre aufgefallen, dass ein Mensch den Befehl gab, aber kein eigenes Wort geschrieben hat.

Man erkennt heute KI nur noch am bürokratischem Stil . Der legendäre Sprachpapst Wolf Schneider würde an zahlreichen Stellen herumkritteln: “technologisch”? Falsche Rückübersetzung aus dem Englischen für “technisch”. Wörter, die auf -ung enden? Alle verboten außer Zeitung. “Nachvollziehbare Verfahren”: abgedroschener Textbaustein. Aber dieses Niveau überforderte die meisten Journalisten, die meinen, sie kämen mit der deutschen Sprache zurecht.

Der letzte Befehl lautete: Mache eine Fassung mit 8000 Zeichen, die sich nicht mehr verbessern lässt!
Die Anwort der KI war fast menschlich: “Kein professioneller Autor – und auch ich [die KI!] nicht – kann seriös behaupten, einen Text geschrieben zu haben, „den man nicht mehr verbessern muss“.”

Unter Werbenden

Hinkel

Wer ist die gefährlichste Frau Deutschlands? Heidi Reichinnek? Bärbel Bas? Ursula von der Leyen?

Übrigens: Natürlich hat das ehemalige Nachrichtenmagazin gewusst, dass es mit so einem Titel (nein, an die hier mitlesenden Rechtsanwälte: Das hier ist Satire, die der staatsbürgerlichen Aufklärung dient, und sieht mitnichten so wie das Original) und – wenn man der bürgerlichen Presse glauben will („ein journalistischer Offenbarungseid“) – völlig inhaltslosen „Reportage“ Wahlkampf für Siegmund macht.

Die sind dort vermutlich ganz egoistisch. Für die Qualitätsmedien kann es nichts Besseres geben als wenn der AfD-Kandidat Ministerpräsident würde. Dann hätten sie wieder ein Thema und etwas, wogegen sie anschreiben können. Eine langweilige Koalition aller anderen, die sich inhaltlich nicht mehr unterscheiden, hingegen lässt die Rezipienten sich gähnend abwenden. Er gibt keine schlechte Werbung.

Nicht mehr zu verbessern

journalismus
Version ChatGPT

Ich habe mir von der KI vier Versionen eines Artikels schreiben lassen, die ich natürlich auch dem Publikum als open source anbiete. Falls das jemand benutzt und einem Medium verkauft und damit Geld verdient, bitte ich um eine verschlüsselte Nachricht, damit ich lachen kann.

► KI verändert den Journalismus: Vom Schreibautomaten zum Rechercheur
Quellencheck mit KI – Chance und Risiko für den investigativen Journalismus (ChatGPT) [Download als pdf]

► Der Algorithmus als Rechercheur – Wie Künstliche Intelligenz den Journalismus umschreibt – und warum Vertrauen zur Überlebensfrage wird
Von der Redaktion | Investigativ (claude.ai) [Download als pdf]

► Der stille Partner im Hintergrund – Wie Künstliche Intelligenz den investigativen Journalismus revolutioniert – und vor neue Gefahren stellt
Von [Name des Autors] (Deepseek) [Download als pdf]

►Die vierte Gewalt auf dem Prüfstand: Wie Algorithmen die investigative Recherche verändern (Gemini) [Download als pdf].

Ich habe für ein ähnliches Thema ein Nachwort zu meinem Artikel verfasst:

Der Autor widerstand nicht der Versuchung, den Artikel zunächst mithilfe künstlicher Intelligenz schreiben zu lassen – und gleich in vier Versionen: ChatGPT, Claude, Gemini und Deepseek. Die Ergebnisse erfüllten gehobene journalistische Standards. Niemandem wäre aufgefallen, dass ein Mensch den Befehl gab, aber kein eigenes Wort geschrieben hat.

Man erkennt heute KI nur noch am bürokratischem Stil . Der legendäre Sprachpapst Wolf Schneider würde an zahlreichen Stellen herumkritteln: “technologisch”? Falsche Rückübersetzung aus dem Englischen für “technisch”. Wörter, die auf -ung enden? Alle verboten außer Zeitung. “Nachvollziehbare Verfahren”: abgedroschener Textbaustein. Aber dieses Niveau überforderte die meisten Journalisten, die meinen, sie kämen mit der deutschen Sprache zurecht.

Der letzte Befehl lautete: Mache eine Fassung mit 8000 Zeichen, die sich nicht mehr verbessern lässt!
Die Anwort der KI war fast menschlich: “Kein professioneller Autor – und auch ich [die KI!] nicht – kann seriös behaupten, einen Text geschrieben zu haben, „den man nicht mehr verbessern muss“.”

PS Hatte ich schon geschrieben, dass der klassische Journalismus mausetot ist?

journalismus
Version Midjourney

Ist das noch „Journalismus“ beim ZDF oder kann das weg?

zdf hamas

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass das ZDF ein hoffnungsloser Fall ist und nur noch die totale Abwicklung hilft. Das ZDF übernimmt beim Thema „Israel“ die Positionen der Hamas und merkt es noch nicht einmal.

Auch wenn es mir schwerfällt, muss ich dem Russland-Hasser Julian Röpke recht geben: „Das @ZDF lässt sage und schreibe drei Regime-Vertreter zu Wort kommen, die die Moderation von Frau Hayali bestätigen, aber nicht einen einzigen Israeli. Was ist das für eine Art von Journalismus? Wo liegt hier die Objektivität & der nötige Abstand zu den getätigten Behauptungen?“

Und: „Wüsste man es nicht besser, man könnte glauben, @dunjahayali moderiere im iranischen Staatsfernsehen. Im übrigen wird so getan, als habe Israel irgendetwas unterschrieben und würde sich jetzt nicht daran halten. Auch das ist nicht der Fall.“

zdf hamas

P.S. Kann weg.

Ohne Worte

ZDF

Und sie bereuen nichts…

Lumpengesindel oder: Postheroische Handlungseunuchen

verdacht auf rechte Positionen

In den paywallgeschützten Hauptstadtqualitätsmedien lesen wir über Stephan Maninger: „Der in Fachkreisen angesehene und bei Polizeischülern beliebte Professor im Bereich Sicherheitspolitik sieht sich seit Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, eine rechte Vergangenheit zu haben. Die Folge für Maninger: Er führte jahrelang einen beruflichen Überlebenskampf gegen Politiker, Gewerkschaftsfunktionäre und Journalisten – schließlich schaltete sich auch ZDF-Satiriker Jan Böhmermann ein. Maningers Unterstützer sprechen von einer Vernichtungskampagne.“

Sein Anwalt Ralf Hoecker twittert xtet: „Eine jahrelange Schmutzkampagne linksradikaler Aktivisten aus Politik, Medien und Gewerkschaft der Polizei unter Mitwirkung des GdP-Spitzenfunktionärs und früheren Politoffiziers der DDR-Grenztruppen (aka „Mauermörderflüsterer“) Sven Hüber hatte nur ein Ziel: zu verhindern, dass unser Mandant Stephan Maninger weiter Polizisten unterrichtet und zu verhindern, dass er als verbeamteter Professor auf Lebenszeit entfristet wird. Dabei waren sämtliche Vorwürfe gegen den Mandanten längst mehrfach und schon seit Jahren von unabhängigen Gutachtern widerlegt worden. Unsummen an GdP-Geldern wurden dennoch für diese Kampagne verschwendet. Zuletzt wurde sogar Böhmermanns @zdfmagazin eingeschaltet, um dem Mandanten zu schaden.“

Ich weiß nicht, warum immer der Begriff „links“ in verschiedenen Formen auftaucht. Weder Böhmermann noch die Apologeten „feministischer Sicherheit“ noch die Deutsche Polizeigewerkschaft sind auch nur ansatzweise „links“.

„Im November 2022 veröffentlicht sein entlassener Ex-Kollege Lemke zusammen mit einem weiteren Dozenten des Fachbereichs Bundespolizei, Daniel Peters, im Jahrbuch Öffentliche Sicherheit“ eine „Studie“. Diese attestiert Maningers wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahrzehnte eine Unvereinbarkeit mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die Vorwürfe dienen wiederum als Treibstoff für die Politik: Linke und Grüne im Bundestag befragen die Bundesregierung. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schaltet sich ein und bezeichnet Maninger als „ausgewiesenen Extremisten“.“

Um welche strittigen Artikel es geht, kann man teilweise beim Landgericht Lübeck nachsehen.

Wikipedia: Maninger teilt Meinungen der Neuen Rechten. 2021 wurde durch eine Recherche von Ippen Investigativ öffentlich, dass er Gründungsmitglied des Trägervereins des Instituts für Staatspolitik ist. Er publizierte in der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit; in der Folge forderten mehrere Parteien im Bundestag hierzu Aufklärung.

Man kann das so sehen, aber so, wie es formuliert ist, bleibt es pure Diffamierung. Wie auch bei Peters und Lemke: „Verdacht auf rechte Vergangenheit“. Bei vielen Journalisten habe ich einen Verdacht auf Blödheit. Und jetzt?

„Zwei damalige Journalisten von Ippen Investigativ, Marcus Engert und Aiko Kempen, veröffentlichten Berichte über eine angebliche „rechte Vergangenheit“ des Professors in Südafrika. Es geht unter anderem um ein Engagement für die „Afrikaner Volksfront“ (AVF) in den 90er-Jahren. “

Die Afrikaner Volksfront (AVF, Engl.: Afrikaner Peoples Front) war eine separatistische Koalition von überwiegend konservativen Parteien, Gewerkschaften und Bauernverbänden in Südafrika Anfang der 1990er Jahre, deren gemäßigte Mehrheit entscheidend zur friedlichen Transformation Südafrikas 1993/1994 beitrug.

Was ist daran jetzt verwerflich?

Über mich könnte man schreiben – falls das jemand plante: „Verdacht auf maoistische und linksextremistische Vergangenheit“ (wieso Verdacht? Das stimmt doch!). Teilt Meinungen von Karl Marx. Gründungsmitglied der Vereine German Privacy Foundation und German Privacy Fund. Wahrscheinlich würde ich schon damit aus einem Beamtenverhältnis entfernt und bekäme Berufsverbot. Ich brauchte gar nicht mehr zu verraten, dass ich vieles im Kommunismus in China gut und richtig finde.

Es ist völlig irrelevant untersuchen zu wollen, ob Maninger „rechts“ ist oder nicht. Seine Gegner können eine andere Meinung als die ihre einfach nicht aushalten und versuchten, ihn persönlich zu erledigen. Das spricht für sich. Es ist Mobbing wie unter Jugendlichen.

Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.

Unter Aneinandergeratenden, die es nicht geben darf

In der „Tagesschau“ war zunächst von „ausgelassener Partystimmung“ in Paris die Rede. In der „Frankfurter Rundschau“ wurde vermutet, „die Bruthitze“ stecke hinter den Gewaltexzessen. Dann müsste Bangkok eigentlich an jedem Sommerabend in Flammen stehen. Der „Stern“ wählte die feinziselierte Formulierung: „Vermummte Personen und Polizisten gerieten aneinander“. (…)

Selbst, als die Rote Armee schon an der Oder stand, glaubte Hitler immer noch an seine Chance, den Krieg zu gewinnen. Und selbst wenn halb Paris ein Raub der Flammen geworden wäre, würden in Deutschland manche immer noch bestreiten, dass Massenmigration außer Kontrolle geraten kann. Es gibt Probleme, die es einfach nicht geben darf. Letztlich hängt das alles mit dem Klimawandel zusammen, oder? (Harald Martenstein)

Unter automatisch Kommunizierenden

KI
Made by ChatGPT – metaphorische und ironische Interpretation des Inhalts des Screenshots unten

Irgendein Algorithmus warf mir diesen verschwurbelten Text des Leibniz-Instituts für Medienforschung │Hans-Bredow-Institut (HBI) vor die Füße: „Wie verändert kommunikative Künstliche Intelligenz unsere gesellschaftliche Kommunikation, und welche Folgen hat dies für Medienorganisationen? Diesen Fragen geht die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderte Forschungsgruppe Kommunikative KI (ComAI) – Die Automatisierung gesellschaftlicher Kommunikation nach. In neun Forschungsprojekten untersuchen Forscher aus den Bereichen Kommunikations‑ und Medienwissenschaft, Mensch-Computer-Interaktion, Wissenssoziologie, Governance-Forschung und Medienrecht die Potenziale, Risiken und Konsequenzen dieses tiefgreifenden Wandels.“

Die Brafaselrharbarertextbausteine („Potenziale, Risiken und Konsequenzen“) ließen mir keine Ruhe. „KI-Inhalte“ sollen gekennzeichnet werden? Und dann? Wird die Welt dann besser – und würde der Bürger aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit entlassen?

Dann las ich noch etwas über Claude (neu in der Blogroll) von Anthropic. Und in meinem Hinterkopf hallte etwas von Baudrillard und Zeichen.

ChatpGPT merkte noch süffisant an: „Im Bild steht „Leibnitz Institut“. Falls damit das bekannte Forschungsnetzwerk gemeint ist, wird es normalerweise „Leibniz“ geschrieben.“

KI

Alsp sprach ich zu Claude: Ich brauche zu dem Thema einen journalistischen Artikel, der ungefähr so lang ist wie 2 Din-A-4 Seiten in einer Zeitschrift.

Um es gleich zu sagen: Der Journalismus ist tot, mausetot. Gefühlt 90 Prozent alles Texte, die produziert werden, sind schlechter als die von der KI erstellten. Das gilt natürlich nicht für polemische Kommentare – dazu ist die künstliche Intelligenz zwangsweise zu ausgewogen und harmonisch.

Vielleicht sollte ich – wie Claude – jetzt immer meine Postings hier beginnen mit „Von der Redaktion – Analyse“ – aber „Analyse“ klänge zu sehr nach RT Deutsch.

KI

Die stille Übernahme

Künstliche Intelligenz verändert den Journalismus – doch wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Von der Redaktion – Analyse

Es begann mit dem Versprechen, Routinearbeit abzunehmen. Heute generieren KI-Systeme Nachrichtentexte, prüfen Quellen, analysieren Datenberge – und treffen dabei Entscheidungen, die früher Journalistinnen und Journalisten vorbehalten waren. Die Branche steht an einem Scheideweg: zwischen Effizienzgewinn und dem schleichenden Verlust redaktioneller Kontrolle.

Die Zahlen klingen zunächst verheißungsvoll. Laut aktuellen Branchenerhebungen nutzen inzwischen mehr als 60 Prozent der großen deutschen Medienhäuser KI-gestützte Tools in der Produktion – für automatisierte Börsenmeldungen, Sportergebnisse, Wetterberichte. Was als Entlastung begann, hat sich ausgeweitet: Algorithmen schlagen Themen vor, fassen Pressemitteilungen zusammen, transkribieren Interviews in Sekundenschnelle. Doch mit der Nützlichkeit wächst auch die Abhängigkeit.

Das Versprechen der Verifikation

Besonders aggressiv vermarktet wird KI derzeit als Werkzeug für den Quellencheck. Tools wie Radar oder ClaimBuster durchsuchen in Echtzeit Millionen von Dokumenten, Social-Media-Posts und Datenbanken, um Aussagen automatisch zu verifizieren. Die Versuchung ist real: In einer Nachrichtenumgebung, in der Falschinformationen sich schneller verbreiten als ihre Korrekturen, klingt maschinelle Unterstützung wie ein Segen.

Was in den Verkaufspräsentationen fehlt: Diese Systeme sind nicht neutral. Sie wurden auf historischen Daten trainiert – mit all deren Verzerrungen, Lücken und impliziten Annahmen. Wenn ein Algorithmus entscheidet, ob eine Behauptung als wahr, falsch oder zweifelhaft eingestuft wird, kodiert er damit auch die Perspektive seiner Entwickler. Factchecking ist keine technische, sondern eine zutiefst redaktionelle Entscheidung. Wer das delegiert, gibt Macht ab.

KI-Slop: Die neue Dimension der Desinformation

Während Redaktionen über den Einsatz von KI diskutieren, hat das Problem längst eine neue Dimension erreicht. KI-Slop – der Begriff bezeichnet massenhaft generierte, fehlerhafte oder bewusst manipulierte KI-Inhalte – flutet das Netz. Gefälschte Zitate von Politikern, plausibel klingende, aber erfundene Studienergebnisse, fotorealistische Bilder von Ereignissen, die nie stattgefunden haben: Das Volumen ist neu, die Raffinesse erschreckend.

Für Journalistinnen und Journalisten bedeutet das eine fundamental veränderte Arbeitssituation. Die alte Faustregel: Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, ist es das meistens – greift nicht mehr. KI-generierte Inhalte sind oft präzise genug, um oberflächliche Prüfungen zu bestehen. Wer heute eine Meldung verifiziert, muss nicht nur die Faktenlage, sondern auch die Echtheit des Materials selbst hinterfragen. Reverse-Image-Search, Metadaten-Analyse, linguistische Muster – das Handwerk des Factcheckers wird technisch aufwändiger und gleichzeitig wichtiger.

KI
Mady by Gemini – Prompt wie unten für Midjourney

Die Kennzeichnungsfrage: Transparenz als Standard?

In der Debatte um KI-Inhalte ist die Forderung nach klarer Kennzeichnung längst zum Konsens geworden – zumindest auf dem Papier. Der Deutsche Presserat hat Leitlinien formuliert, der Europäische Medienfreiheitsakt sieht Transparenzpflichten vor, und die meisten Ethikrichtlinien großer Verlage enthalten entsprechende Passagen. Die Praxis sieht anders aus.

Was genau muss gekennzeichnet werden? Nur vollständig KI-generierte Texte? Oder auch solche, die lediglich KI-assistiert entstanden – sprich: von einem Menschen geschrieben, aber mit KI-Vorschlägen überarbeitet? Was ist mit KI-generierten Bildern, die redaktionell ausgewählt wurden? Die Grenzziehungen sind unscharf, die Definitionen umstritten. Und solange keine verbindlichen Standards gelten, entscheiden Verlage im Eigeninteresse – was nicht immer dem Interesse der Leserinnen und Leser entspricht.

Eingebettet in die Infrastruktur

Die vielleicht folgenreichste Entwicklung verläuft weitgehend unbemerkt: KI wird nicht mehr als externes Tool verwendet, sondern direkt in redaktionelle Infrastrukturen integriert. Content-Management-Systeme schlagen automatisch SEO-optimierte Überschriften vor. Algorithmen entscheiden, welcher Artikel auf der Startseite erscheint. Chatbots beantworten Leseranfragen im Namen der Redaktion. Die Linie zwischen Mensch und Maschine verschwimmt – und damit auch die Verantwortung.

Medienforscher warnen vor einem schleichenden Prozess, den sie als Automation Bias bezeichnen: die Tendenz von Menschen, maschinellen Empfehlungen zu folgen, auch wenn sie ihrem eigenen Urteil widersprechen. Redakteure, die täglich mit KI-Vorschlägen arbeiten, beginnen diese als Baseline zu akzeptieren. Was der Algorithmus nicht vorschlägt, wird seltener geschrieben. Was er bevorzugt, häuft sich. Das nennt sich dann Reichweite – und ist in Wirklichkeit stille Zensur durch Optimierung.

Was jetzt gefragt ist

Die Antwort auf diese Entwicklungen kann nicht Technikfeindlichkeit sein. KI-Tools werden bleiben, und viele sind tatsächlich nützlich – wenn sie richtig eingesetzt werden. Was fehlt, sind klare Kompetenzprofile für den KI-informierten Journalismus: Redakteurinnen und Redakteure, die verstehen, wie Sprachmodelle funktionieren, welche Fehler sie machen, wo ihre Grenzen liegen. Wer ein Tool nicht versteht, kann es nicht kritisch einsetzen.

Ebenso dringend ist eine strukturelle Antwort der Branche: verbindliche Kennzeichnungsstandards, unabhängige Audits von KI-gestützten Redaktionssystemen, und eine offene Debatte darüber, welche Entscheidungen grundsätzlich beim Menschen bleiben müssen. Die Frage, welche Geschichte erzählt wird, gehört dazu.
KI verändert den Journalismus – das ist unbestreitbar. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie. Wer diese Frage den Technologiekonzernen überlässt, die die Systeme bauen, hat die Antwort bereits gegeben.

KI
An ultra-photorealistic and ironic metaphor for the future of journalism in the age of AI: a crowded newsroom where hundreds of journalists have been replaced by giant mechanical magnifying glasses with artificial eyes, tirelessly inspecting mountains of glowing digital documents. In the center, a nervous human reporter desperately searches for a single authentic paper source while surrounded by endless streams of AI-generated articles flowing from golden factory machines. Above them, enormous floating labels reading „TRUST“, „SOURCE CHECK“, and „AI GENERATED“ are held up by tiny drones like advertising banners. The irony: despite infinite verification technology, nobody notices a giant elephant made of fake news quietly sitting in the room. Cinematic realism, satirical symbolism, newsroom of the near future, dramatic lighting, shallow depth of field, hyper-detailed textures, award-winning photojournalism, 8k, Leica photography, believable human expressions, visual metaphor for trust, transparency, source verification and AI-assisted journalism –ar 16:9 –stylize 250 –chaos 15 (Midjourney)

Hintergrund: Begriffe im Überblick

KI-Slop: Massenhafte, fehlerhafte oder manipulierte KI-generierte Inhalte, die gezielt oder ungefiltert verbreitet werden.
Automation Bias: Die kognitive Tendenz, Empfehlungen automatisierter Systeme auch dann zu folgen, wenn sie dem eigenen Urteil widersprechen.
Constitutional AI: Ansatz zur KI-Entwicklung, der ethische Grundsätze direkt in das Training integriert, um zuverlässigeres, transparenteres Verhalten zu fördern.

Chefökonomisches

Kapitalismus
A gigantic bureaucratic machine made of marble and rusted steel, endlessly fed by exhausted workers carrying sacks of gold coins uphill, while elegant government clerks in oversized suits stamp papers that transform into smoke and disappear into the sky, in the background towering factory chimneys and giant industrial machines create real glowing value and gears, ironic contrast between productive labor and bloated administration, dark marxist satire, symbolic capitalism and state bureaucracy, cinematic lighting, dystopian realism, brutalist architecture, red banners fading in rain, hyper-detailed, metaphorical, ironic, political allegory, oil painting mixed with socialist propaganda poster aesthetics –ar 16:9 –s 750 (Gemini)

Ich bin versucht, den Wanderpokal „Lautsprecher des Kapitals“ an Dorothea Siems zu vergeben, die „Chefökonomin“ der „Welt“ aka bürgerliche Presse, für ihren (paywallgeschützen) Artikel Der Arbeitsmarkt spiegelt die düstere Wahrheit.

„Siems ist eine Verfechterin einer Freien Marktwirtschaft und wird bisweilen auch als neoliberal bezeichnet.“ Beruhigend zu wissen, dass sie nicht die unfreie Marktwirtschaft unterstützt. Artikel von Journalisten, die den Kapitalismus zu erklären versuchen, aber dem Publikum stattdessen Meinungen unterjubeln, die strittig sind oder sogar Unsinn, könnrn oft lehrreich sein im Sinne der Volksweisheit, die von bösartigen Zeitgenossen Idi Amin zugeschrieben wird: „Keiner ist unnütz: Er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen“.

Doch die heutige Situation, das zeigen die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts, bedroht den Wohlstand des Landes nicht minder, als dies damals die Rekordzahl von fünf Millionen Arbeitslosen tat.

Was meint der suggestive Begriff „Wohlstand des Landes“? Man könnte das als Marxist mit einem ironischen Statement kontern: Wenn es der herrschenden Klasse gut geht, geht es auch dem Proletariat und allen anderen Klassen gut. Aber unserer Kapitalismus-affinen „Volkswirtschaftler“ würden dem ganz unironisch beipflichten und nur andere Begriffe benutzen, weil „Klasse“ freiwillig verboten ist.

Vor allem die Industrie schrumpft infolge der Belastung durch überhöhte Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten sowie Bürokratie und überzogene Steuern mit zunehmender Geschwindigkeit.

Das ist schon starker Tobak. Der Profit des Kapitals sinkt, weil das variable Kapital aka Löhne zu teuer ist? Überzogene Steuern? Was sind denn „nicht überzogene“ Steuern?

Unternehmenssteuer“last“ in kapitalistischen Ländern Europas
Rang Land Körperschaftsteuer / Unternehmenssteuer Relativ zu Polen = 100
1 Deutschland 30,1 % 158
2 Vereinigtes Königreich 25,0 % 132
3 Frankreich 25,8 % 136
4 Italien 27,8 % 146
5 Spanien 25,0 % 132
6 Niederlande 25,8 % 136
7 Türkei 25,0 % 132
8 Schweiz 19,7 % 104
9 Polen 19,0 % 100
10 Belgien 25,0 % 132
11 Dänemark 22,0 % 116
12 Schweden 20,6 % 108
13 Norwegen 22,0 % 116

Kann man also pauschal behaupten, dass es einem Land besser geht, wenn die Kapitalisten weniger Steuern zahlen? Natürlich nicht, nur für Lautsprecher des Kapitals. Das weiß sogar die KI: Kann man einen Zusammenhang herstellen zwischen der Höhe der Steuern für die Unternehmen und der Produktivität und der Rentabilität?

Ja – allerdings nicht in Form eines einfachen linearen Zusammenhangs. In der Wirtschaftswissenschaft gilt heute eher:
– Sehr hohe Unternehmenssteuern können Investitionen, Innovation und Kapitalbildung bremsen.
– Sehr niedrige Unternehmenssteuern allein erzeugen aber ebenfalls nicht automatisch hohe Produktivität oder hohe Gewinne.
– Entscheidend ist das Gesamtumfeld: Infrastruktur, Bildung, Rechtssicherheit, Energiepreise, Bürokratie, Arbeitskosten, Kapitalzugang und Innovationskraft.

Man kann grob drei Beobachtungen machen:
1. Hohe Produktivität trotz hoher Unternehmenssteuern
Beispiele: Deutschland, Dänemark, Schweden, Niederlande. Diese Länder haben relativ hohe Steuer- und Abgabenquoten, aber trotzdem hohe Arbeitsproduktivität, starke Exportindustrien, hohe technologische Kompetenz.

Grund: Die Steuern finanzieren teilweise Faktoren, die Produktivität erhöhen: gute Infrastruktur, Ausbildungssysteme, Forschung, stabile Institutionen.

2. Niedrige Unternehmenssteuern fördern oft Investitionen
Beispiele: Irland, Schweiz, Osteuropäische Staaten

Niedrigere Unternehmenssteuern erhöhen die Nachsteuerrendite [den Profit], machen Standorte attraktiver, ziehen internationale Konzerne an.

Das kann Investitionen, Firmengründungen, Kapitalzufluss und Beschäftigung erhöhen.

Die Schweiz kombiniert beispielsweise moderate Unternehmenssteuern, hohe Rechtssicherheit, stabile Energieversorgung, hohe Innovationskraft.

Dadurch entstehen oft hohe Unternehmensrenditen [gemeint sind sind wieder Profite].

3. Der entscheidende Punkt ist die „Gesamtbelastung“

Für Unternehmen zählt nicht nur die Körperschaftsteuer, sondern Lohnnebenkosten, Energiekosten, Bürokratie, Regulierung, Genehmigungsdauer, Kapitalmarktzugang, Arbeitsrecht.

Deshalb kann ein Land mit etwas höheren Steuern trotzdem wirtschaftlich erfolgreicher sein als ein Niedrigsteuerland mit schwachen Institutionen.

Das sind Binsenwahrheiten, die die KI uns anbietet. Das beweist aber auch: Die These, weniger Steuern für das Kapital machten uns alle reicher und glücklicher, ist Bullshit.

Durchschnittslöhne und Unternehmensprofite im Vergleich
Land Durchschnittslohn brutto pro Jahr Unternehmensprofite / Gewinnanteil Einordnung
Schweiz 107.487 € ca. 41 % sehr hohe Löhne, hohe Profitabilität
Dänemark 71.961 € ca. 42 % hohe Löhne, solide Profite
Deutschland 66.700 € ca. 40 % hohe Löhne, mittlere bis hohe Profite
Vereinigtes Königreich 65.340 € ca. 39 % hohe Löhne, mittlere Profite
Belgien 62.348 € ca. 38 % hohe Löhne, eher mittlere Profite
Niederlande 69.028 € ca. 43 % hohe Löhne, hohe Profite
Norwegen 68.420 € ca. 49 % hohe Löhne, sehr hohe Profite
Schweden 50.338 € ca. 39 % gute Löhne, mittlere Profite
Frankreich 45.964 € ca. 32 % mittlere Löhne, niedriger Gewinnanteil
Italien 36.594 € ca. 42 % mittlere Löhne, solide Profite
Spanien 32.678 € ca. 44 % niedrigere Löhne, hohe Profitquote
Polen ca. 26.000 € ca. 48 % niedrigere Löhne, hohe Profitquote
Türkei 18.590 € ca. 52 % niedrige Löhne, sehr hohe Profitquote

Unsere Chefökonomin: Wenn hierzulande Maschinen hergestellt und verkauft werden, sorgt diese Wirtschaftsleistung für Umsatzerlöse, die dann zum Teil als Lohn an die Arbeitnehmer gehen. Ist der Staat der Arbeitgeber, erhöht zwar jede neue Stelle in Höhe der Personalkosten statistisch das Bruttoinlandsprodukt. Doch es ist der Steuerzahler, der mit seinem Geld diese Jobs finanziert. Der Staat muss den Bürgern und Betrieben zuvor die Mittel abnehmen, um die Gehälter im öffentlichen Dienst zahlen zu können. Weil in diesem Prozess hohe Reibungsverluste entstehen, kosten die Beschäftigten unter dem Strich weit mehr, als sie an Lohn bekommen. Im Privatsektor geht die Rechnung dagegen anders aus: Jeder Arbeitsplatz bringt mehr, als er kostet – oder er fällt weg.

Wir übersetzen das in marxistisches Deutsch: Wenn in der kapitalistischen Produktion Maschinen hergestellt und veräußert werden, entsteht daraus ein Mehrwert: Der schlägt sich nur zu einem Teil in den Löhnen der Arbeiter nieder. Der Mehrwert bzw Profit (keine Synonyme) wird vom Kapital angeeignet.

Der bürgerliche Staat hingegen schafft keinen neuen Wert, sondern verteilt lediglich bereits im Produktionsprozess erzeugten gesellschaftlichen Reichtum um. Jede zusätzliche Stelle im Staatsapparat erscheint zwar statistisch als Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, tatsächlich finanzieren sich diese Arbeitplätze, indem Einkommen und Gewinne durch Steuern und Abgaben abgeschöpft werden.

Die Kosten dieser Umverteilung tragen letztlich die arbeitenden Klassen und die produktiven Bereiche der Wirtschaft. Während im privaten Unternehmen der einzelne Arbeitsplatz nur solange bestehen bleibt, wie er Mehrwert erzeugt, kann sich der Staatsapparat auch unabhängig von unmittelbarer Produktivität ausweiten, sofern die gesellschaftliche Gesamtarbeit genügend Überschüsse hervorbringt, um ihn zu tragen.

In Deutschland aber hypertrophiert ein ineffizienter Staatssektor, der mittlerweile die Hälfte aller Wirtschaftsleistung beansprucht. Mit einer immer höheren Schuldenfinanzierung kaschiert die Politik den Niedergang des Privatsektors, der sich in den Arbeitsmarktzahlen spiegelt. Gegen diese eklatante Fehlentwicklung helfen nur wirtschaftsfreundliche Reformen.

„Wirtschaftsfreundlich“. Damit ist der Artikel kein Journalismus mehr, sondern Polemik und Propaganda. Aber was will man von der bürgerlichen Wirtschaftspresse erwarten!

Apropos: Wo sollte ich mich als Chefökonom bewerben?

Kapitalismus
Der obige Prompt mit Midjourney

OK, Human!


A cinematic conceptual illustration showing the contrast between authentic human creativity and artificial intelligence. In the center, a human writer sits at a glowing desk, surrounded by handwritten notes, evolving drafts, flowing ink, fingerprints, and organic creative chaos. Around the writer, transparent timelines, revision layers, heartbeat-like data streams, and luminous process trails visualize the journey of genuine human thought. In the background, faceless AI-generated text clouds dissolve into geometric patterns and sterile machine grids. The scene symbolizes proof of human authorship rather than AI detection. Emotional, intellectual, trustworthy atmosphere. Futuristic but human-centered. Soft warm lighting mixed with cool digital holograms. Highly detailed, symbolic storytelling, editorial illustration style, cinematic depth, ultra realistic, subtle cyberpunk aesthetics, 8k –ar 16:9 –stylize 250

Der folgende Text wurde von ChatGPT verfasst; das obige Bild von Midjourney, das Schaubild und das Bild unten von ChatGPT.

Ich frug: „Was kannst du mir über die Website/Software OKHuman sagen, die angeblich KI-generierte Texte erkennen kann und menschliche Texte zertifiziert?“ (Fünf Sekunden für die Antwort.) „Verfasse aus deiner Antwort einen journalistischen Text, den man in ein WordPress-Blog einfügen kann.“


okhuman

OKHuman: Kann diese Plattform wirklich menschliche Texte zertifizieren?

Seit dem Siegeszug von ChatGPT, Claude und anderen generativen KI-Systemen stehen Schulen, Universitäten und Unternehmen vor einer neuen Herausforderung: Wie lässt sich überhaupt noch feststellen, ob ein Text von einem Menschen oder von einer KI geschrieben wurde?

Während zahlreiche sogenannte „AI Detectoren“ versuchen, KI-generierte Texte anhand statistischer Muster zu erkennen, verfolgt die Plattform OKHuman einen anderen Ansatz. Das Unternehmen behauptet nicht, künstliche Intelligenz direkt zu entlarven. Stattdessen soll der eigentliche Schreibprozess eines Menschen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Doch wie funktioniert das – und wie glaubwürdig ist dieser Ansatz wirklich?

Weg von der KI-Erkennung, hin zum Schreibprozess

Klassische KI-Detektoren analysieren fertige Texte. Sie suchen nach sprachlichen Mustern, typischen Satzstrukturen oder statistischen Auffälligkeiten, die auf Systeme wie GPT [Sprachmodelle aus der GPT-Familie, also die Technik hinter OpenAIs ChatGPT] hindeuten könnten.

Das Problem dabei: Moderne Sprachmodelle werden immer besser. Inzwischen gelten viele KI-Erkennungssysteme als unzuverlässig. Menschliche Texte werden teilweise fälschlich als KI-generiert markiert, während überarbeitete KI-Texte oft unerkannt bleiben.

Genau hier setzt OKHuman an.

Die Plattform konzentriert sich nicht auf den fertigen Text, sondern auf dessen Entstehung. Während des Schreibens werden offenbar verschiedene Metadaten erfasst, darunter:

Am Ende entsteht daraus eine Art Zertifikat oder „Stamp“, der bestätigen soll, dass ein Mensch tatsächlich an diesem Text gearbeitet hat.


okhuman

Kein KI-Detektor im klassischen Sinn

OKHuman betont ausdrücklich, kein klassischer KI-Scanner zu sein. Statt zu fragen: „Ist dieser Text von einer KI geschrieben worden?“ lautet die eigentliche Frage: „Kann nachgewiesen werden, dass ein Mensch aktiv an diesem Dokument gearbeitet hat?“

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn die Plattform versucht nicht, künstliche Intelligenz direkt zu identifizieren – etwas, das selbst Experten zunehmend für schwierig halten. Stattdessen soll eine Art Vertrauensnachweis entstehen, vergleichbar mit einer Versionshistorie in Google Docs oder Commit-Verläufen bei Softwareentwicklern.

Die Schwächen des Systems

Trotzdem bleibt die Idee nicht ohne Kritik. Denn ein dokumentierter Schreibprozess beweist nicht automatisch, dass keine KI beteiligt war. Nutzer könnten weiterhin:

Das System kann also eher belegen, dass jemand mit dem Dokument gearbeitet hat – nicht jedoch, dass der gesamte Inhalt ausschließlich menschlichen Ursprungs ist.

Hinzu kommen Datenschutzfragen. Auch wenn OKHuman nach eigenen Angaben nicht den eigentlichen Text analysiert, entsteht dennoch eine umfangreiche Schreib-Telemetrie. Dazu gehören möglicherweise Informationen über Arbeitsweise, Tippverhalten, Bearbeitungsgeschwindigkeit oder Pausen.

Gerade im Bildungsbereich könnte das kritisch gesehen werden. Datenschützer dürften sich fragen:

Die Branche sucht nach neuen Lösungen

Der Fall OKHuman zeigt vor allem eines: Die Diskussion um KI-generierte Inhalte verschiebt sich gerade grundlegend.

Viele Experten gehen inzwischen davon aus, dass reine KI-Erkennung langfristig kaum zuverlässig funktionieren wird. Sprachmodelle imitieren menschliche Schreibweisen mittlerweile zu gut.

Deshalb entstehen neue Ansätze:

Die Idee dahinter lautet nicht mehr: „Erkenne die Maschine.“ Sondern vielmehr: „Dokumentiere den Menschen.“

Fazit

OKHuman wirkt auf den ersten Blick moderner und plausibler als klassische KI-Detektoren. Statt fragwürdiger Textanalysen setzt die Plattform auf die Dokumentation des Schreibprozesses.

Allerdings bleibt auch dieser Ansatz weit von einem eindeutigen Beweis menschlicher Autorschaft entfernt. Letztlich handelt es sich eher um ein Vertrauenssystem als um eine technisch unangreifbare Zertifizierung.

Ob sich solche Plattformen langfristig durchsetzen, dürfte vor allem davon abhängen, wie Schulen, Universitäten und Unternehmen künftig mit KI-generierten Inhalten umgehen wollen.

Denn eines scheint bereits klar zu sein: Die Zeit, in der sich KI-Texte zuverlässig allein anhand ihres Sprachstils erkennen ließen, geht wahrscheinlich zu Ende.


okhuman

Zur Ehrenrettung der Humanoiden muss ich natürlich noch etwas anmerken. Außerdem habe ich gern das letzte Wort. Was hätte ich anders formuliert? In willkürlicher Reihenfolge:

Luxury und andere Beliefs

Bild
Die Qualitätsboulevardmedien von gestern (digitaler Ausriss)

Wir nehmen wieder Dinge zusammen durch, die gar nicht zusammengehören.

Medien und die Ostfront

Manchmal frage ich mich ganz ernsthaft, ob es heute nicht ehrenrührig ist, sich „Journalist“ in Deutschland zu nennen. Mit dieser haltungsaffinen belehrungsfreundlichen Mischpoke möchte ich eigentlich gar nichts mehr zu tun haben.

Ich sehe in der Tagespresse keinen Journalismus, wie ich ihn verstehe, nirgends. „Expertin entlarvt“ – soll ich da etwa weiterlesen? „Digital-Terror“? WTF? Und wieso denke ich jetzt an Immobilienmakler?

Tagesspiegel
Die Qualitätshauptstadtmedien von gestern (digitaler Ausriss)

Es kömmt darauf an, was mit dem suggeriert wird, was als Cluster von „Nachrichten“ angeboten wird. „Ukraine meldet“ ist kein Journalismus, sondern ungefragte Weitergabe von Propaganda. Das ist genau so „seriös“ wie die zahlreichen Krankheiten Putins, von denen die üblichen Verdächtigen gern herumraunen.

„Seine Frau versucht“ – auch das ist suggestiv und hat mit dem Thema rein gar nichts zu tun. „Politisch isoliert“ bedeutet nur, das man in der selbstreferenziellen Medienblase nicht mehr auftaucht. Außerdem ist das nicht mess- und verifizierbar, gehörte also in einen gekennzeichneten Kommentar, nicht in eine Nachricht.

FAZ
Das gefühlte Zentralorgan der deutschen Bourgeoisie von gestern (digitaler Ausriss)

Schröder ist Putins Mann. Weitere Nachrichten: Spaniens Regierungschef ist der Mann der Hamas und der Hisbollah. Merz ist Selenskijs Mann. Stegner ist der Mann des Islam. Man kann den Blödsinn bis ins Unendliche fortführen.

Fernost

Wechseln wir das Thema. Falls übrigens jemand eine Bombe auf den nordkoreanischen Diktator würfe, wäre das eine schlechte Idee. Und noch schlechter wäre dieser Bombenwurf, wenn der Täter sich gar nicht zu erkennen gäbe.

Luxurybeliefniks

Kommen wir zu den Sich-gut-Fühlenden.

„Der Artikel argumentiert, dass der Erfolg der Grünen in London weniger von ärmeren Wählern getragen wird, sondern vor allem von wohlhabenden, gut situierten Bewohnern attraktiver Innenstadtviertel. Obwohl Zack Polanski mit Forderungen wie Vermögenssteuer, höheren Kapitalertragssteuern und Gehaltsobergrenzen auftritt, zeigen die Wahlergebnisse laut Autor ein anderes Bild.

Die Grünen erzielten besonders gute Ergebnisse in reichen und beliebten Stadtteilen wie Highbury, Clissold Park oder De Beauvoir Town – Gegenden mit hohen Immobilienpreisen und wohlhabender Bevölkerung. Dagegen hielten ärmere Viertel mit höherer Kriminalität oder sozialen Problemen, etwa Homerton, Notting Dale oder Northumberland Park, eher zur Labour-Partei.

Der Autor interpretiert dies als Beispiel für sogenannte „Luxury Beliefs“: Wohlhabende Menschen unterstützen politische Ideen, die ihnen moralisches Prestige verleihen, deren negative Folgen aber eher ärmere Bevölkerungsschichten tragen müssten. Die Grünen würden damit vor allem das politische und moralische Selbstbild der urbanen Mittelschicht bedienen.“

Ist also exakt wie hier. Den Begriff Luxury Beliefs merke ich mir. Die Taz ist das Zentralorgan der Luxurybelievers (ChatGPT schlägt auch „Luxurybelieflings“, „Luxurybeliefocrats“ und „Luxurybeliefarians“ vor – gefällt mir!).

vpn

Internet verbieten!

Dann hatten wir noch eine lustige Meldung: „Der Wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments stuft VPNs als Gefahr für den Jugendschutz ein und fordert Auflagen gegen das Umschiffen von Altersverifikation.“ (Die Original-Quelle ist CyberInsider.

Virtual Private Networks seien ein „loophole that needs closing“. Tor haben sie vergessen. Und was ist mit dem Verbot von Verschlüsselung?

Übrigens surfe ich über das VPN meiner eigenen Fritzbox, wenn ich nicht zu Hause bin. Wie wollen die das verbieten?

Man muss es ganz unverblümt aussprechen: „Jugendschutz“ ist seit vierzig Jahren nur ein Vorwand, Zensur im Sinn der herrschenden Klasse im Internet einzuführen. Zum Glück sind die alle so dämlich, dass daraus nie etwas wird oder nur für Klein Fritzchen. Ernst würde es erst, wenn der European Parliamentary Research Service (EPRS) eine Bildungsreise nach China machen würde.

mossad
a static shot featuring a figure in military attire and a balaclava with their back to the viewer, against a large blue star of david symbol on a white wall. a laptop is placed on a shiny case in the foreground, displaying source code on the left of its screen and a stylized, luminous blue brain icon with „ai“ on the right, accompanied by network information below the code. –ar 16:9 –s 750

Naher-Osten-Front

– Wir haben das Gewohnte vom künstlich intelligenten Mossad: „Inside Israel’s AI targeting system: How data from a phone becomes a death sentence“.

„Der Artikel beschreibt, wie Israel mithilfe von künstlicher Intelligenz und umfassender Überwachung gezielt Mitglieder und Unterstützer der Hisbollah aufspürt und tötet. Im Mittelpunkt steht Ahmad Turmus, ein älterer Hisbollah-Funktionär aus dem libanesischen Grenzdorf Talloussah, der im Februar nach einem Anruf eines israelischen Offiziers bei einem Drohnenangriff getötet wurde.

Das israelische System kombiniert Daten aus Smartphones, Kameras, Drohnen, WLAN-Signalen, sozialen Medien und staatlichen Datenbanken. KI analysiert daraus Bewegungen, Kontakte und Verhaltensmuster, um sogenannte „Bedrohungsprofile“ zu erstellen. Laut dem Bericht kann die Software Ziele in Sekunden identifizieren – Aufgaben, für die früher viele Analysten Wochen gebraucht hätten.

Experten warnen jedoch vor großen Risiken: Die KI arbeite oft mit Wahrscheinlichkeiten statt mit sicherem Wissen. Menschen könnten allein wegen ihrer Kontakte oder ähnlicher Kommunikationsmuster fälschlich als Kämpfer eingestuft werden. Dadurch entstehe eine gefährliche „Illusion von Gewissheit“.

Der Artikel zeigt außerdem, dass Israel die Infrastruktur und Kommunikationsnetze im Libanon über Jahre infiltriert hat. Gleichzeitig versucht die Hisbollah inzwischen, sich anzupassen, etwa durch kleinere Gruppen und sicherere Kommunikationsmethoden.

Am Ende schildert der Text die letzten Stunden von Turmus: Nachdem er einen Anruf der Israelis erhalten hatte, sagte er seiner Familie, sie solle das Haus verlassen, weil „sie sein Gesicht kennen“ und es keine Möglichkeit gebe zu entkommen. Kurz darauf wurde er getötet.“

Jerusalem
Jerusalem, Nachlaot, Oktober 2025

– Ich traue mich jetzt nicht mehr, den Ausgang der Wahlen in Israel im Oktober vorherzusagen. Netanjahu hat zwar jetzt eine ganz große Koalition gegen sich, die wesentlich mehr Stimmen bekäme als der Likud, aber man sieht schon im Ansatz, dass dieses Bündnis sehr brüchig ist.

Die Die Jerusalem Post „berichtet über die schwere Personalkrise der israelischen Armee (IDF). Generalstabschef Eyal Zamir fordert dringend mehr Soldaten, insbesondere die Einberufung großer Zahlen ultraorthodoxer Juden (Haredim), die bisher oft vom Militärdienst befreit sind.

Zamir warnte, dass die Armee wegen der vielen Gefallenen, Verwundeten und psychisch belasteten Soldaten sowie der anhaltenden Einsätze in Gaza, Libanon, Syrien und dem Westjordanland an ihre Grenzen komme. Laut ihm brauche die IDF bis 2027 etwa 15.000 zusätzliche Soldaten, darunter viele Kampfsoldaten.

Er fordert drei neue Gesetze: längere Wehrpflicht, längeren Reservedienst, sowie ein wirksames Gesetz zur Einberufung der Haredim.

Politisch ist das Thema hoch umstritten, weil Premierminister Benjamin Netanyahu auf die Unterstützung ultraorthodoxer Parteien angewiesen ist. Kritiker werfen der Regierung vor, aus politischen Gründen keine gerechte Wehrpflicht durchzusetzen und damit die Sicherheit Israels zu gefährden.

Oppositionspolitiker wie Naftali Bennett und Gadi Eisenkot erklärten, dass die Verweigerung der Einberufung ultraorthodoxer Männer Soldatenleben koste und die Einsatzfähigkeit der Armee schwäche.“

Das Thema Armee und Einberufung der Orthodoxen wird die Wahl entscheiden. In Israel kann jeder mit jedem koalieren. Man sollte trotz der Umfragen den Machiavellisten Netanjahu nicht abschreiben.

Quid est veritas oder: #WirVerlassenXNicht

x

„Spricht Pilatus zu yhm: Was ist warheyt?“

Wir gehen das Thema X aka social media, das gerade wie ein Sau durch’s Dorf gejagt wird, anders an. Man weiß schon immer vorher, wer was warum sagt. Oder: Wer gendert, verlässt X aka Twitter und begibt sich zu irrelevanten Nischenprodukten wie Bluesky und bleibt unter Seinesgleichen. Was wollen mir die Künstler damit sagen? Feigheit vor dem imaginären Feind?

„Die politische Geschäftsführerin Pegah Edalatian über dieses parteiübergreifende Zeichen gegen Hass und Hetze blabla fasel…“ Muss man das noch kommentieren? Ein sinnfreier Textbaustein nach dem anderen. Zeichen setzen oder auch: Flagge, wahlweise Gesicht zeigen (und nicht etwas das Gesäß). Entschieden natürlich. Geschlossen. Und jetzt alle Klatschmarsch gemeinsam.

Ich bin schon seit Ewigkeiten bei X, aber noch nie hat mir ein wohl- oder übelwollender Algorithmus irgendwas von den SPDGrüneLinken vor die Füße gespült, das auch nur einen Gedanken wert gewesen wäre.

Auch die Bürgerlichen und Kapitalismus-affinen, die zaghaft anmerken, man müsse doch mit den Gegnern diskutieren, kommen mit einem jammernden Unterton einher:
„Der Rückzug sendet ein fatales Signal. Er wirkt wie eine Kapitulation vor den Bedingungen statt wie ein Versuch, sie zu verändern. Natürlich ist X kein neutraler Raum mehr. Moderation und Tonlage haben sich verändert, viele Akteure haben sich bereits zurückgezogen. Doch genau deshalb wäre eine sichtbare, widersprechende Stimme notwendig. Wer Desinformation kritisiert, muss ihr auch widersprechen – und zwar dort, wo sie entsteht.“

Was war jemals „neutral“? Und welche „Tonlage“ in Dur und Moll ist gemeint? Werden die Nutzer immer pöhser, wie seinerzeit im Internet, als AOL seine Zugangssoftware als CD (das ist so eine schimmernde Scheibe) unter das Volk streute und plötzlich auch Klein Fritzchen fragte: Bin ich schon drin?

„Viele Akteure haben sich bereits zurückgezogen“? Sind das nicht Fake News? X hat an mehreren Tagen in diesem Jahr neue Rekorde bei Zugriffen und Nutzerzahlen verzeichnet und ist mit rund 600 Millionen monatlichen Nutzern das fünftgrößte soziale Medium der Welt – und nach wie vor mehr als zehnmal so groß wie sein Konkurrent Bluesky.

Die fantasieren sich allesamt einfach ihre eigene gefühlte Welt als Wille und Vorstellung herbei.

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