Medien

washington Postthe guardian

Ich habe zwei Zeitungen digital abonniert, die ich für die besten der Welt halte. Man kann es sich leisten. Deutsche Zeitungen interessieren mich nicht mehr. (Heise lese ich noch.)

Deutscher Qualitätsjournalismus, revisited

qualitätsjournalismus

Entweder hat dort jemand die falschen Pillen genommen oder schlechtes Zeug geraucht. Keine Macht für Niemand war schon eine gute Parole,

Liebe unter Kollegen

„Wer als Kolumnist von seinen Kollegen geliebt werden will, hat nach meiner Meinung ohnehin den Beruf verfehlt. Entscheidend ist nicht, ob man gemocht, sondern ob man gelesen wird.“ (Jan Fleischhauer)

Er hat natürlich recht, obwohl ich den Eindruck habe, dass das nur die wenigsten Insassen der Medienblase so sehen. „Nichts ist so drückend wie die Kuhstallwärme der Gesinnungsgemeinschaft.“

Fleischhauer geht jetzt zum Unterhaltungsmagazin Focus.

Wenn hier auf burks.de eine Gesinnungsgemeinschaft entstehen sollte, bitte ich um eine warnende Mitteilung (außer bei wissenschaftlichen Themen).

Bauchgefühl

Lehrreicher Artikel im Tagesspiegel: „Menschen nutzen den Kopf nur, um das Bauchgefühl zu bestärken. (…) Wir haben festgestellt, dass die Wähler die Welt auf eine Weise sehen, die ihre Werte und Identitäten stärkt – unabhängig davon, ob sie jemals Fox News oder MSNBC gesehen haben und unabhängig davon, ob sie ein Facebook-Konto haben.“

Medien bestärken die Meinungen, die man eh schon hat. (Schrieb ich hier schon gefühlt 283 Mal – das an diejenigen, die meinten, sich müssten sich in den „sozialen Netzwerken“ herumstreiten.)

Massaker und Propaganda-Sprache

Wer den Propaganda-Begriff Tian’anmen-„Massaker“ benutzt, muss konsequent sein und in Venezuela auch vom Caracazo-Massaker sprechen oder in der Ukraine vom Euromaidan-Massaker. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat es gar kein Massaker gegeben. (N-TV: „Falsche Berichterstattung hält sich jahrelang“. Warum wohl?)

Read on my dear, read on oder: Der Weltgeist schwebte über den Wassern

burkshavelburks

Ich las gerade im „Spiegel“ ein Zitat, das ich den literarisch und wissenschaftlich interessierten Leserinnen und den gebildeten Lesern nicht vorenthalten will, da es exakt dem entspricht, was ich von den meisten Leuten denke: „Ein elfseitiges PDF-Dokument – ernsthaft?! Das liest sich doch kein junger Mensch durch“. Sagt ein Moritz Bayerl, 18, Gymnasiast aus Köln, Wähler der „Grünen“ und jemand, der auch „Landesschüler*nnenvertretung“ stammelt, obwohl ich anzweifele, das die Interviewer, die ihn haben zu Wort kommen lassen, das Sternchen gehört haben.

Schon Klar. Die gesamte Weltliteratur – außer Thomas Gsella – ist bekanntlich kürzer als elf Seiten. Muss man nicht kennen, wenn man Grün wählt. Dem würde ich gern – womöglich zum Abitur – 50 Seiten aufdonnern, etwa Lohn, Preis und Profit und ihn anschließen examinieren, da, wenn wir schon in Stenografie schreiben und denken wollen, dieses Marxsche Traktat die Lektüre der drei Bände des „Kapitals“ ersetzen könnte, wenn man es denn verstünde.

Auch interessant: Marie Sophie Hingst war Bloggerin des Jahres 2017. Und niemand hat etwas gemerkt. Vielleicht sollte ich mir – der medialen Aufmerksamkeit wegen – auch eine etwas interessantere Lebensgeschichte ausdenken. Ich habe – hört genau zu! – eine Slumklinik (das „Slum“ ist wichtig!) in Cochabamba gegründet und dort eine Sexualberatung für junge indianische Frauen angeboten. Würde aber nicht funktionieren; ich bin keine junge Frau, der man automatisch alles glaubt, wenn sie nur treudoof guckt.

Auch interessant: Andrea Nahles ruft zum geordneten Untergang Übergang der SPD auf.

Auch interessant dazu ist die Kolumne Thomas Frickes: „Dramatisch auseinandergedriftet sind die verfügbaren Einkommen der Leute im Land vor allem: zwischen 1999 und 2005 – also exakt in jenen sechs Jahren, in denen die SPD erstmals seit Ewigkeiten den Kanzler stellte, zwischen dem Wahlsieg von Rot-Grün Ende 1998 und der Abwahl von Gerhard Schröder im Herbst 2005. (…) Zum Auseinanderdriften dürfte ebenso beigetragen haben, dass durch die Tarifflucht von Betrieben seit Mitte der Neunzigerjahre immer mehr Beschäftigte nicht mehr nach Tarif bezahlt wurden; oder dass es keine Steuer mehr auf Vermögen gab, was kurz vor Rot-Grün kam.

Was soll man dazu noch sagen? Ich weiß was: Die Umverteilung von unten nach oben ist die zentrale Aufgabe des Staates – eines Ausschusses der herrschenden Klasse – im Kapitalismus, und es ist egal, welche Partei regiert – schwarz, rot oder grün.

Ach so: der Titel. Die Anspielung des zweiten Teils kannte wer?

Regulierte Meinungen

HAZ und Göttinger Tagblatt: „In der Diskussion um CDU-kritische Youtube-Videos vor der Europawahl hat CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer über die Regulierung von Meinungsäußerungen im Internet vor Wahlen nachgedacht.“

Heise dazu: „Wenn 70 Zeitungsredaktionen vor einer Wahl dazu aufriefen, nicht CDU und SPD zu wählen, würde dies als ‚klare Meinungsmache vor der Wahl‘ eingestuft, so Kram-Karrenbauer: ‚Was sind Regeln aus analogen Bereich und welche Regeln gelten auch für den digitalen Bereich.‘ Darüber gelte es zu diskutieren, sagte sie.“

Jetzt werden die, die Gesetze gegen Gefühle („Hass“) im Internet fordern, dumm aus der Wäsche gucken: Zensur trifft im Zweifelsfall alle, die nicht der Meinung der herrschenden Klasse und ihrer medialen Helfershelfer sind.

Tagesspiegel: „Kramp-Karrenbauer will im Wahlkampf Regeln für Influencer. (…) Dass sie Meinungsäußerungen regulieren will, weist sie aber zurück.“

Har har.

Fakten versus literarische Qualität

Der „Spiegel“ hat den Fall Relotius jetzt aufgearbeitet. Der Abschlussbericht ist lesenswert – man sollte ihn ohne Häme studieren.

Am 11. November 2015 schickte ein Leser, nach eigenen Angaben Lektor für Fachmagazine, eine E-Mail an die Adresse chef-redaktion@spiegel.de. Darin wies er ruhig und detailliert auf Fehler in der Relotius-Geschichte »Blindgänger« (…) hin, nachdem er den Text mit einer einfachen Google-Recherche überprüft hatte. Der Chefredaktionsaccount, auf dem die E-Mail einging, wird vom Sekretariat der Chefredaktion verwaltet. Die Kolleginnen dort leiteten die E-Mail am selben Tag weiter, das konnte die Kommission im Ausgangsfach überprüfen; die E-Mail ging korrekterweise an Klaus Brinkbäumer und den für Relotius zuständigen Ressortleiter Matthias Geyer. Es gibt dort keine Hinweise darauf, dass jemand dem Leser geantwortet hat.

Unfassbar. Was macht denn die Dokumentation, auf die der „Spiegel“ so stolz ist, beruflich? Noch nicht einmal Google benutzen? Ein Teil der Antwort kommt später: „… im Ressort arbeitete nur noch eine Halbtagskraft.“

Die Kommission hat mehrere Faktoren identifiziert, die eine systemische Rolle im Fall des Claas Relotius gespielt haben könnten.
• Die Stilform der Reportage, die möglicherweise für Fälschungen besonders anfällig ist.
• Der Druck durch Journalistenpreise.
• Die besondere Konstruktion des Gesellschaftsressorts innerhalb des SPIEGEL.
• Die Dokumentation, die beim Aufspüren von Fehlern, die den Fälscher möglicherweise entlarvt hätten, versagt hat.
• Der Umgang mit Fehlern

Ceterum censeo: Journalistenpreise abschaffen! Journalisten, die sich gegenseitig bepreisen? Wie blöde ist das denn? Die ehemalige stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer bestätigte im Gespräch mit der Kommission, dass von der Chefredaktion Journalistenpreise ausdrücklich gewünscht worden seien. Zu welchem Zweck? Und wie kann man einen solchen Wunsch umsetzen?

Besonders gefährdet und anfällig für Ausschmückungen und Fehleinschätzungen scheint die Form der »szenischen Re-konstruktion«, wie sie im „Spiegel“ auch in den szenischen Einstiegen häufig genutzt wird.

Auch „szenische Einstiege“ sind albern und klingen fast immer bemüht. Ich habe meinen Studenten abgeraten, so etwas zu benutzen. Wer oder was also zwingt den „Spiegel“ und anderen Medien, darauf zurückzugreifen? Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie? Wolf Schneider? Oder was? Lasst es einfach.

Kostümierter Staatsfunk

Ein Artikel ist wie eine Hose und hat wie diese einen Preis. Liefert der eine Journalist nicht, was bestellt ist, liefert der andere. (…) Die sogenannten privaten Medien gehören eben nicht irgendwelchen „zweihundert reichen Leuten“, sondern „der Wirtschaft“, dem Kapital; die sogenannten „öffentlich-rechtlichen“ gehören dem Staat, vertreten durch die ihn tragenden Parteien. (…) Was sich „öffentlich-rechtlich“ kostümiert, ist: Staatsfunk. Presse- und Meinungsfreiheit bedeuten, dass der Staat und das Kapital so frei sind, ihre Meinung vom Blatt singen zu lassen, begleitet von einem manchmal dezent murrenden Chor. (…) Für neunzig Prozent des Gesendeten und Gedruckten und Erwägungen wie die hier angestellten freilich sinnlos. Es ist einfach Schund, Abfall, Dreck, wie die Hersteller selbst zugeben, wenn sie das eine oder andere ihrer Produkte als ‚Qualitätsmedium“ davon abzuheben versuchen… (Hermann L. Gremliza: Aus der Welt der Wahren, in der aktuellen konkret)

Qualitätsjournalismus, revisited oder: So genannte Hintergrundgespräche

Telepolis: „Von gefährlichen Iranern, trickreichen Russen und schrecklichen Kindern“.

Der Tagesspiegel hat auch etwas: „Bundesnachrichtendienst streute heimlich Russland-Kritik unter Medien“.

Yo.

Breaking News

breaking

Das falsche Rückgrat

Liebe Kollegen vom Spiegel, nicht die Mittelschicht ist das „Rückgrat der Gesellschaft“, sondern die Arbeiterklasse. Aber das könnt ihr als Angehörige der Mittelschicht, die nach oben buckelt und nach unten tritt, nicht wissen.

Qualitätsjournalismus, revisited

Meedia.de (20.02.2019): „Nach Informationen von MEEDIA hat sich das SZ Magazin von einem freien Autor und Kolumnisten getrennt, nachdem Recherchen einer Überprüfung vor Veröffentlichung nicht standgehalten haben. Der Autor hatte offenbar eine Protagonistin erfunden. Der Verlag spricht von einem „groben Verstoß gegen journalistische Standards“. Der u.a. mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnete Reporter schrieb auch für andere Qualitätsmedien wie den Spiegel und die Zeit, wo seine Recherchen nun geprüft werden.“

Update 21.02.2019: Meedia.de: „Nachdem er beim SZ Magazin aufflog: Spiegel schließt künftige Zusammenarbeit mit freiem Autor aus“.

Vielleicht sollte man bei allen preisgekrönten Journalisten misstrauisch sein.

Ceterum censeo: Schafft alle Journalistenpreise ab! Wer so etwas annimmt, ist nur noch peinlich.

Die digitale Enzyklopädie als Kampfinstrument [Update]

Ich verlinke schon seit längerer Zeit fast nie mehr auf das deutschsprachige Wikipedia. Meine Zweifel fingen nicht schon seit der Zeit an, als ich versuchte, den Eintrag zum Nibelungenlied zu verbessern – und an der Ignoranz des mir unbekannten Verantwortlichen scheiterte.

Aktuell heben Fefe und Telepolis etwas zum Thema:. „Wikipedia an der Propagandafront gegen Historiker“.

Self-described Native American Hebrew Israelite

Washington Post: „The Washington Post sued by family of Covington Catholic teenager“.

Nicholas Sandmann and his classmates were waiting for a bus at the Lincoln Memorial after attending the March for Life rally on the Mall when a group of African American men who call themselves Hebrew Israelites began yelling racial epithets at them. The high school group began a series of school sports chants in response, the complaint said.

Phillips, a self-described Native American activist…

Ich meine mich erinnern zu können, dass sich in den so genannten „Sozialen Medien“ ein Shitstorm erhob gegen den jungen Mann, der eine Trump-Mütze trug. Jetzt zeigt sich, dass er nicht der bad guy war, sondern der selbst ernannte „Indianer“.

Neusprech-Narrative, reloaded

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Symboldbild für Framing

Netzpolitik.org hat das Framing-Gutachten der ARD online gestellt. Es stammt von Elisabeth Wehling. Die Welt sagt „Neusprech“ dazu – völlig zu Recht. Ich kann mich nur ausschütten vor Lachen.

Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD – schon in der triefend affirmativen Überschrift ein Kommafehler, wenn man es im Oberlehrer-Modus sieht. Soll ich jetzt etwa weiterlesen?

Beginnen wir direkt mit dem Wichtigsten – ein so genannter „pädagogischer Kommentar“, ähnlich wie „bevor wir anfangen, hier noch ein Prolog“ – und schon nimmt die Hälfte aller Leser reißaus.

Das bedeutet, dass die Worte, Slogans und Narrativen, die Sie verwenden, ein primäres Ziel haben müssen: das Ziel, bei der Diskussion von Fakten rund um die ARD und Themen wie „Beitragszahlungen“ oder „Strukturreform“ immer zunächst ihre moralische Perspektive sprachlich offenzulegen… Ganz großartig – vor allem das sprachliche Offenlegen. Oder auch das nichtsprachliche Zuschütten.

Es ist aber nicht nur so, dass moralische Narrativen bei der Mobilisierung von Zustimmung zu oder Ablehnung von einer Sache über die größte kognitive Zug­kraft verfügen. Ich hätte fast gewettet, dass Katja Kipping hier ihre Hände im Spiel hatte – so viele UNGs! Hatte ich schon dazu etwas gesagt? Man kann das Geschwurbel nur mit einem Pferd oder einer Lokomotive oder mit Sex illustrieren. Wer sonst hat Zugkraft?

…Gemeinschaftsmit­glieder, auch solcher, die andernorts sozial marginalisiert werden, wie etwa Schwule und Lesben oder Muslime – vermutlich geht jetzt die Neusprech-Version des homosexuellen Milieus so: LGBTM – wenn ihr wisst, was ich meine. (Ich musste erst nachgucken.)

Übrigens kommt in dem Traktat das Narrativ „Medienkapitalistische Heuschrecken“ vor. Ich bin gleich zusammengezuckt.

Fazit: Ich konne einfach nicht weiterlesen. So eine gequirlten Scheiß habe ich lange nicht mehr gelesen. By the way: Ich glaube, dass Elisabeth Wehling gut ist und weiß, was sie sagt. Wer Texte wie „eine neurolinguistische Analyse des EU-Wahlkampfes“ verfasst, fesselt mich. Ganz großes Theater. Aber im Zusammenhang mit der ARD klingt das so, als ließe man Beethoven Justin Bieber vertonen.

Das Profitprinzip ist ein ebenso strenger, moralischer Grundsatz wie das Gleichwertigkeitsprinzip. Karl Marx, bitte übernehmen Sie!

Böse Trump-Fans, guter „Ureinwohner“, oder: Was wirklich geschah

Über Medien: „Doch das Video, auf dem die ganze Empörung beruht, zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Konfrontation. Betrachtet man die Vorgeschichte, die dank mehrerer Filmaufnahmen gut dokumentiert ist, ergibt sich ein anderes, deutlich komplexeres Bild. Es widerspricht der Darstellung des Ureinwohners Nathan Phillips, der im Nachhinein zum Held stilisiert wurde. Und es bestätigt weitgehend die Aussagen der Schüler…“

Der detaillierte Bericht mit vielen Links zu den Quellen zeigt, dass man deutsche Medien nicht ernst nehmen kann, wenn die Zeichenkette „Trump“ auftaucht und alle synchron moraltheologisch hyperventilieren.

Cyber-Alarm oder: Die Russen kommen (nicht)

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Screenshot: Bild online 07.01.2019

Das Bildblog schreibt über die Lügenpresse und „Scoops“, die keine waren.

Jehova ist nicht im Internet

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Symbolbild

Kleine Aufgabe für das Publikum in Sachen Medienkompetenz: Ist die These, alles drehe sich im Internet um Pornografie, wahr, und ist die Website Netzsieger.de seriös? Und wenn ja, warum nicht?

Beim Frühstück gelesen ein hübscher Kommentar in der NZZ über den Parteichef der Grünen, Robert Habeck, der seinen Abschied von Twitter und Facebook verkündet hat:
Schliesslich fragt man sich, ob jemand, den ein paar Tweets nach eigenem Bekunden so aggressiv machen, dass er das ganze Medium meiden muss wie ein Trinker die Flasche, politische Verantwortung tragen sollte. Har har.

Mit Medien hatte der Mann ohnehin schon öfter Probleme.

Die Zeit dazu: „…die vielen Falschmeldungen und Halbwahrheiten, die auf den ersten Blick von seriöser Information kaum zu unterschieden sind – das alles gab es in dieser Weise in den Vorinternetzeiten nicht.“

Das, mit Verlaub, ist Unfug. Ich weiß nicht, wie es den medienaffinen Leserinnen und socialmediaabgebrühten Lesern dieses kleinen Blogs geht, aber ich kann „Falschmeldungen und Halbwahrheiten“ fast immer erkennen, auf den ersten Blick, ganz gleich, wo sie lauern, offline oder online. Vielleicht braucht es dazu eine gewisse Bildung oder auch ein Wissen, an dem es vielen, die sich Journalisten nennen, vermutlich gebricht. Ihr könnt mich gern arrogant nennen.

Die Idee, Politiker zu bezahlen, dass sie in den so genannten „sozialen Medien“ einfach mal das Maul halten, finde ich aber nicht schlecht.

Die Grünen sind übrigens nicht „links“, daher ist die Worthülse „links-grün“, die bürgerliche und kleinbürgerliche Texbausteinfacharbeiter gern gebrauchen, ein schlechtes Oxymoron.

Die deutsche Journaille und ihr Antiamerikanismus

Die meisten deutschen Journalisten, die ich kennengelernt habe, halten den Journalismus für ein Instrument der „Volkspädagogik“, bei dem Tatsachen viel weniger zählen als das „richtige Denken.“ In ihrer Selbstwahrnehung stehen sie eine Stufe über den „Massen“ und halten es für ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Leute das Richtige denken.“ (Tuvia Tenenboom)

James Kirchick schreibt in der FAZ über den Antiamerikanismus der deutschen „Eliten“. Relotius, so behaupte ich, konnte mit seinen Betrügereien deshalb so lange durchkommen, weil er die Vorurteile von Leuten bestätigte, die sich als Weltbürger geben, aber in Wirklichkeit ebenso provinziell sind wie die republikanisch gesinnten Hinterwäldler ihrer Phantasie.

el paso

Natürlich kann man nicht allen Thesen des Artikels zustimmen, weil er den Charakter des kapitalistischen Staates der USA nicht benennt, aber die Tendenz ist richtig:

Als Trump zum Präsidenten gewählt wurde, schien das die negativen Ansichten der Europäer über die Amerikaner nur zu bestätigen. Da zeigte sich in Gestalt unseres Reality-TV-Führers das Urbild des Amerikaners: vulgär, unhöflich, ignorant, kriegerisch. Trump mag ja all das sein, doch alle seine Anhänger mit solch einem groben Pinsel zu zeichnen ist so, als beschriebe man halb Deutschland als Bande im Stechschritt marschierender Möchtegern-Nazis. Die äußerst populären Arbeiten von Relotius lesen sich genau wie das, was man von einem schnöseligen, verweichlichten, selbstgerechten, moralische Überlegenheit vortäuschenden und Latte macchiato schlürfenden Europäer über Amerika zu hören erwartet.

Zur Zeit schreibt sich die deutsche Journaille wieder die Finger wund, um alle Kandidaten, die gegen Trump antreten werden – und auch alle seine sonstigen Gegner – hochzujazzen.

Es merkt jedoch sogar Klein Fritzchen, wenn Trump-Gegnerinnen mit Fotos abgebildet werden, die sie möglichst in gutem Licht erscheinen lassen, auch wenn es sich um Antisemiten-Pack handelt. Trumps Reaktion ist angemessen und richtig.

Ich hatte übrigens vorhergesagt, dass Trump die nächsten Präsidentschaftswahlen gewinnen wird.

Foto: El Paso 1979 (die Grenzbrücke zu Mexiko)

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