Cyber-Alarm oder: Die Russen kommen (nicht)

p0rn
Screenshot: Bild online 07.01.2019

Das Bildblog schreibt über die Lügenpresse und „Scoops“, die keine waren.

Jehova ist nicht im Internet

p0rn
Symbolbild

Kleine Aufgabe für das Publikum in Sachen Medienkompetenz: Ist die These, alles drehe sich im Internet um Pornografie, wahr, und ist die Website Netzsieger.de seriös? Und wenn ja, warum nicht?

Beim Frühstück gelesen ein hübscher Kommentar in der NZZ über den Parteichef der Grünen, Robert Habeck, der seinen Abschied von Twitter und Facebook verkündet hat:
Schliesslich fragt man sich, ob jemand, den ein paar Tweets nach eigenem Bekunden so aggressiv machen, dass er das ganze Medium meiden muss wie ein Trinker die Flasche, politische Verantwortung tragen sollte. Har har.

Mit Medien hatte der Mann ohnehin schon öfter Probleme.

Die Zeit dazu: „…die vielen Falschmeldungen und Halbwahrheiten, die auf den ersten Blick von seriöser Information kaum zu unterschieden sind – das alles gab es in dieser Weise in den Vorinternetzeiten nicht.“

Das, mit Verlaub, ist Unfug. Ich weiß nicht, wie es den medienaffinen Leserinnen und socialmediaabgebrühten Lesern dieses kleinen Blogs geht, aber ich kann „Falschmeldungen und Halbwahrheiten“ fast immer erkennen, auf den ersten Blick, ganz gleich, wo sie lauern, offline oder online. Vielleicht braucht es dazu eine gewisse Bildung oder auch ein Wissen, an dem es vielen, die sich Journalisten nennen, vermutlich gebricht. Ihr könnt mich gern arrogant nennen.

Die Idee, Politiker zu bezahlen, dass sie in den so genannten „sozialen Medien“ einfach mal das Maul halten, finde ich aber nicht schlecht.

Die Grünen sind übrigens nicht „links“, daher ist die Worthülse „links-grün“, die bürgerliche und kleinbürgerliche Texbausteinfacharbeiter gern gebrauchen, ein schlechtes Oxymoron.

Die deutsche Journaille und ihr Antiamerikanismus

Die meisten deutschen Journalisten, die ich kennengelernt habe, halten den Journalismus für ein Instrument der „Volkspädagogik“, bei dem Tatsachen viel weniger zählen als das „richtige Denken.“ In ihrer Selbstwahrnehung stehen sie eine Stufe über den „Massen“ und halten es für ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Leute das Richtige denken.“ (Tuvia Tenenboom)

James Kirchick schreibt in der FAZ über den Antiamerikanismus der deutschen „Eliten“. Relotius, so behaupte ich, konnte mit seinen Betrügereien deshalb so lange durchkommen, weil er die Vorurteile von Leuten bestätigte, die sich als Weltbürger geben, aber in Wirklichkeit ebenso provinziell sind wie die republikanisch gesinnten Hinterwäldler ihrer Phantasie.

el paso

Natürlich kann man nicht allen Thesen des Artikels zustimmen, weil er den Charakter des kapitalistischen Staates der USA nicht benennt, aber die Tendenz ist richtig:

Als Trump zum Präsidenten gewählt wurde, schien das die negativen Ansichten der Europäer über die Amerikaner nur zu bestätigen. Da zeigte sich in Gestalt unseres Reality-TV-Führers das Urbild des Amerikaners: vulgär, unhöflich, ignorant, kriegerisch. Trump mag ja all das sein, doch alle seine Anhänger mit solch einem groben Pinsel zu zeichnen ist so, als beschriebe man halb Deutschland als Bande im Stechschritt marschierender Möchtegern-Nazis. Die äußerst populären Arbeiten von Relotius lesen sich genau wie das, was man von einem schnöseligen, verweichlichten, selbstgerechten, moralische Überlegenheit vortäuschenden und Latte macchiato schlürfenden Europäer über Amerika zu hören erwartet.

Zur Zeit schreibt sich die deutsche Journaille wieder die Finger wund, um alle Kandidaten, die gegen Trump antreten werden – und auch alle seine sonstigen Gegner – hochzujazzen.

Es merkt jedoch sogar Klein Fritzchen, wenn Trump-Gegnerinnen mit Fotos abgebildet werden, die sie möglichst in gutem Licht erscheinen lassen, auch wenn es sich um Antisemiten-Pack handelt. Trumps Reaktion ist angemessen und richtig.

Ich hatte übrigens vorhergesagt, dass Trump die nächsten Präsidentschaftswahlen gewinnen wird.

Foto: El Paso 1979 (die Grenzbrücke zu Mexiko)

Dauerwürste und preisgekrönte Frauenfreunde

Thomas Fischer auf meedia.de: „Die Branche wälzt sich seit zehn Tagen im erhitzten Öl stellvertretenden Schämens und tiefgründiger Elegien. (…) Die Schraube dreht sich im Zweistundentakt der Updates, denn unter einem Geysir selbstreferentieller Metatexte tut es die Qualitätspresse nicht. (…) Es gibt bekanntlich ungefähr 500 deutsche „Journalistenpreise“, fast so viel wie DLG-prämierte Dauerwürste.“

Muss man bis zum Schluss lesen.

Qualitätshackjournalismus, reloaded [Update] [2. Update] [3. Update]

hacker

Ihr erwartet hoffentlich nicht, dass ich zu der gerade durch alle Dörfer gejagten Sau „Hacker-Angriff“ etwas sage? Nach den ersten Zeilen habe ich alles in die Rubrik „Volksverdummung“ eingetütet. Viel Rauch um nichts.

Guckst du hier beim Qualitätsjournalismus:

„Ist noch unklar“ – „offenbar“ – „unklar, wo Daten abgegriffen wurden“ – „rätselhaft“ – „was es unwahrscheinlich erscheinen lässt“ – „Vielmehr scheint es“ – „sind die Dokumente zum Teil mehrere Jahre alt“ – „angeblich“ – „der Betreiber soll sich“ – „ist noch völlig unklar.“

Dann gibt es noch den unvermeidlichen Artikel mit dem ebenso unvermeidlichen „So schützen Sie sich….“

„Jedes System kann geknackt werden.“ Falsch. Veracrypt ist nicht zu „knacken“ oder „hacken“. Und noch viel mehr. PGP auch nicht.

„Seien Sie vorsichtig mit E-Mail-Anhängen: Ransomware wird gern über E-Mail-Anhänge eingeschleust, die sich als harmlose Word-Dokumente tarnen.“ Ach. In welchem Jahrhundert? Ich habe gar kein Word. By the way, Word? Das wusste schon Tony Blair.

„Auch ein Back-up kann entwendet werden“. Wer hätte das gedacht? Vor allem meine externen Festplatten mit Hidden Volumes. Da werde ich jetzt noch mehr drauf aufpassen.

„Auch ein Virenschutzprogramm hilft“. Bullshit. Oder warum sollte ich Schlangenöl für Linux einsetzen? Auch meine Windosen haben so etwas nicht.

„Geben Sie Ihre Daten nicht überall an“. Danke. Gut zu wissen. Wäre ich nicht von allein drauf gekommen.

„Behalten Sie den Überblick: Wie viele Computer haben Sie zu Hause, welche Geräte hängen am Internet?“ Ich habe gerade noch mal nachgezählt. Und was macht eigentlich mein Toaster?

„…wenn sich herausstellen sollte, dass eine ausländische Macht hinter den Vorgängen stecken könnte.“ Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Putin oder die Chinesen.

Wer so einen gequirlten Unsinn verzapft, gehört… Ach was, ich wollte mich heute nicht aufregen. Ich vermute, dass ich auch an die besagten Daten gekommen wäre, wenn ich mich angestrengt hätte.

[Update] Telepolis: „Mit völlig übertriebenen Bedrohungsszenarien soll eine Gefahr suggeriert werden.“
[2. Update] Jetzt ist es plötzlich kein „Hacken“, sondern Doxing. Wenn wir noch ein bisschen warten, wird sich vermutlich alles in Luft auflösen.
[3. Update] Das ging ja schnell. „Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um einen Einzeltäter. (…) Dabei handelte es sich in vielen Fällen um frei zugängliche Informationen wie Festnetz-Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.“ So berichten die Qualitätsmedien. Tztz.

Bauer Poppe, revisited

„Es war an einem Freitag des Jahres 2004, als in einem bis dahin unauffälligen Dorf namens Waffensen ein Schüler als Autor des weltweit wütenden Computerwurms „Sasser“ festgenommen wurde. Für die aktuellen Medien eine Pflichtgeschichte – und für ein Magazin, dessen Drucktermin nahe war, eine kleine Herausforderung. Die Reporter des „Spiegel“ indes fanden sogar Muße, die folgenden Details für den Einstieg ihres Beitrags zu ermitteln:

In dem Dorf Waffensen nahe dem niedersächsischen Rotenburg an der Wümme scheint die Welt noch in Ordnung: Der Gasthof „Eichenhof“ lockt mit gemütlicher Kaminschenke, Bauer Poppe um die Ecke verkauft Fleisch und Marmelade aus eigener Produktion, und bislang brachte allein der Shanty-Chor einen Hauch der großen, weiten Welt in den norddeutschen Heideflecken.

Eichenhof, Bauer Poppe, Shanty-Chor: Mag sein, dass harte Recherchen vor Ort zu einer derart treffenden Charakterisierung des „Heideflecken“ führten. Kann aber auch sein, dass stattdessen ganze 0.13 Sekunden Muße genügten. Gleich, nachdem der Beitrag am Samstag im Vorgriff aufs Heft bei Spiegel Online erschienen war, meldete sich jedenfalls ein Journalist im Internet-Medienforum jonet. Er hatte den Text gelesen und nebenbei „Waffensen“ gegoogelt (in 0.13 Sekunden). Dabei war er auf folgendes Treffer-Ranking gestoßen: Platz 1 – Eichenhof. Platz 3 – Bauer Poppe. Platz 12 – Shanty-Chor.

Als Marginalie des Recherche-Alltags wäre der Fall nicht weiter erwähnenswert, würde er nicht auf einen Streich alle vier Antworten auf eine wichtige Frage illustrieren: Wie hat Google den Journalismus verändert?“

Der Text stammt von Jochen Wegner und ist aus dem Jahr 2005.

Dass die Wirklichkeit im Journalismus erfunden wird, ist also nicht neu. Ich weiß schon, warum ich „szenische Einstiege“ bei einer Reportage hasse.

Getürkte Spenden

Der Fall Relotius wird immer schlimmer. [Wehe, hier regt sich jemand über das Wort getürkt auf!]

Narrativ und Fakten

Markus Kompa auf Telepolis: „Die Aufregung um Claas Relotius ist Heuchelei“. – „Relotius tut nichts anderes als das, was von ihm erwartet wurde: Geschichten zu liefern, die das erwünschte Narrativ bedienen, regelmäßig Klickzahlen zu liefern und unerwünschte Beiträge zu vermeiden.“ – „Auch im kommenden Jahr werden die Journalisten hierzulande Hunderte Medienpreise einander gegenseitig verleihen und uns damit die Wahrheit weisen.“

Well said.

Lügenpresse, revisited [Update]

Der Spiegel entlarvt einen eigenen Redakteur als Betrüger: „Ein Reporter des SPIEGEL hat in großem Umfang eigene Geschichten manipuliert. Durch interne Hinweise und Recherchen erhärtete sich in den vergangenen Tagen der Verdacht gegen Claas Relotius – der inzwischen Fälschungen zugegeben und das Haus verlassen hat.“

Relotius hat auch für andere Medien im In- und Ausland gearbeitet. Er publizierte in seiner Zeit als freier Journalist unter anderem in „Cicero“, der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“, der „Financial Times Deutschland“, der „taz“, der „Welt“, im „SZ-Magazin“, in der „Weltwoche“, auf „Zeit Online“ und in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Schadenfreude ist nicht angebracht. Wie sieht es denn in anderen Medien aus, die ihren Schreiberlingen nicht so genau auf die Finger gucken?

Die kruden Potpourris, die wie meisterhafte Reportagen aussahen, machten ihn zu einem der erfolgreichsten Journalisten dieser Jahre. Sie haben Claas Relotius vier Deutsche Reporterpreise eingetragen, den Peter Scholl-Latour-Preis, den Konrad-Duden-, den Kindernothilfe-, den Katholischen und den Coburger Medienpreis. Er wurde zum CNN-„Journalist of the Year“ gekürt, er wurde geehrt mit dem Reemtsma Liberty Award, dem European Press Prize, er landete auf der Forbes-Liste der „30 under 30 – Europe: Media“ – und man fragt sich, wie er die Elogen der Laudatoren ertragen konnte, ohne vor Scham aus dem Saal zu laufen.

Unfassbar. Ich weiß schon, warum ich Preise für Journalisten für Bullshit halte.

[Update] „Letztlich steckt hinter dem „Fall Relotius“ aber ein viel grundsätzlicheres Problem. Ausgezeichnet und gedruckt werden hauptsächlich Reportagen, die kompliziertere politische Zusammenhänge und Szenarien auf rührselige und psychologisierende Einzelgeschichten runterbrechen. Dann sind plötzlich nicht mehr die jahrelange Dürre in Syrien, ökonomische Fehlentwicklungen in Folge der Weltfinanzkrise, geopolitische Fragen und Interessen sowie damit verbundene ausländische Interventionen für den Bürgerkrieg in Syrien verantwortlich, sondern ein Jugendlicher, der eine Parole an die Wand schreibt und ein blutsaufender Diktator, der so ist, weil er eben gerne Blut säuft. Und genau diese Form von Journalismus hat Relotius bedient. Wenn der jetzt verschwindet, wird sich an diesem grundsätzlichen Webfehler des deutschen Journalismus nichts ändern. Im nächsten Jahr hat dann halt ein anderer das verlogene Rührstück geschrieben, dem der Preis verliehen wird.“ (Christian Y. Schmidt)

Nicht-ganz-die-Wahrheit-sagende-Presse

qualitätspresse

Was fällt mir zum Titel „Nicht-ganz-die Wahrheit-sagende-Presse“ zuerst ein? Arye Sharuz Shalicar schreibt auf Facebook: „Über 200 Raketen wurden von palästinensischen Terroristen in den letzten Stunden auf Israel abgefeuert. Israel wehrt sich und schiesst zurück und was bringt die Tagesschau?“ – „Tote nach Luftangriffen“ – man könnte natürlich formulieren: Tote nach Raketenangriffen, aber das kapiert die Tagesschau nicht. Dann wäre ja Israel nicht der Aggressor.

And now for something not completely different. In den Dresdner Neuesten Nachrichten las ich (weil die im Hotal auslag; Auflage knapp 20.000):
Die Afd hat ein Problem. die Beobachtung durch den Verfassungsschutz wird immer wahrscheinlicher. Die Frage, wie die Partei damit umgehen sollen, rührt an den Markenkern der AfD.

Der Kollege Jan Sternberg – mit einer brachentypischen Ausbildung als Doktorand an der Uni Osnabrück beim IMIS – Institut für Migrationsgeschichte und Interkulturelle Studien – hat oft vernünftige Dinge geschrieben, aber hier muss ich ihn als Sprechblasenfacharbeiter titulieren. Wen interessiert es warum, ob der Inlandsgeheimdienst irgendetwas beobachtet? Und was sagt uns das? Im Fall der AfD „droht“ auch nichts, wie die FAZ glaubt zu wissen. Derartige hohle Phrasen, die aber durchweg in allen Medien wiedergekäut werden, zeigen nur, dass die Journaille von den unzähligen Skandalen um den Verfassungschutz nichts, aber auch gar nicht gelernt haben. Sollen die Schlapphüte jetzt auch sich selbst beobachten?

And now for something not completely different. Die Welt und das Neue Deutschland berichten irgendwie gleichlautend, dass die beiden Berliner Landesverbande des DJV jetzt irgendwie fusionierten. Die Welt: „Der Berliner DJV-Landesverband hatte sich 2004 im Streit über interne Wahlen, Kritik an der Amtsführung des damaligen Vorstandes sowie dessen Umgang mit Mitgliederbeiträgen gespalten. Der Bundes-DJV erkannte weiterhin beide Teile als Landesverbände an.“ Liebe Kollegen, Letzteres ist nicht nur unwahr, sondern einfach gelogen. Der DJV hatte versucht, den DJV Berlin auszuschließen, ist aber juristisch kläglich gescheitert, was diejenigen, die sich mit Vereinsrecht auskennen (zum Beispiel ich), vorhersagten.

Ich muss mich natürlich zurückhalten, weil ich einer der Protagonisten bin und mein Blog Recherchegruppe 2004 gegründet wurde, um die Machenschaften einiger selbstzufriedener Funktionäre aufzudecken, eingedenk des Georg Christoph Lichtenbergschen Mottos: „Es gibt manche Leute, die nicht eher hören können, bis man ihnen die Ohren abschneidet.“

Man muss dazu anmerken, dass in ganz Deutschland keine einzige Zeitung korrekt über diese Thema berichtet hat, es wurden immer wesentlich Dinge ausgelassen. Wenn man das aber macht, lügt man. Ich denke immer an den wichtigsten Satz, den ich in meiner journalistischen Karriere jemals gehört habe. Er stammt vom Kollegen Mathew D. Rose, der mir sagte: „Bei einer Geschichte muss man nur zwei Fragen stellen und beantworten, um alles hinreichend erklären zu können: ‚Wo kommt die Kohle her und wo geht sie hin?'“

Das mit der Fusion ist noch nicht geklärt, weil der Bundesverband sich über die „Kohle“, die fehlt und die ihm beide Landesverbände schulden, nicht juristisch sattelfest festgelegt hat. Bevor das aber nicht klar ist, wird niemand einer Fusion zustimmen. Mündliche Absichtserklärungen sind nur Schall und Rauch.

#unten und Klassenbewusstein

zitat

Christian Baron schrieb dazu: „Heute schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ über #unten. Harald Staun würdigt in seinem Text die Initiative, aber er bringt auch die offensichtlichen Schwächen von Hashtag-Kampagnen auf den Punkt. Solche Sätze in der konservativen „FAS“ – dass ich das noch erleben darf!“

Leider habe ich den ganzen Text nicht gelesen, aber der ist in der eben der Sprache geschrieben, die die zitierten Verkäuferinnen und Möbelpacker nicht sprechen und auch nicht lesen wollen.

„Um eine wichtige Ebene ergänzen“ – das ist nichtssagendes Geschwurbel. Das gilt auch für „Zugang zum Diskurs erleichtern“ oder „unterliegen den Ausgrenzungseffekten“.

These: Man redet so, wie die eigene Klasse es verlangt. „Identitätspolitik“ inklusive gendrinfizierter Sprache sowie Veganismus-Asketismus sind kleinbürgerlicher esoterischer Lifestyle-Scheiß und mitnichten „links“. Das musste jetzt mal gesagt werden.

Reminder: Bernd Stegemann im „Neuen Deutschland“:
Der blinde Fleck der Identitätspolitik ist ihr fehlendes Klassenbewusstsein. In der Ökonomie geht es nie um Moral, immer um Interessen. Wer aber keine Klassen kennt, muss auf moralische Kategorien zurückgreifen. (…)

KI vs. Fake News

Technology Review: „Lässt sich automatisch erkennen, ob man Nachrichten auf einer Website Vertrauen schenken kann? Ein Forscherteam hat das versucht – mit bislang nicht überzeugenden Ergebnissen.“

„Großen Medien-Angeboten das Etikett hoher oder geringer Faktentreue zu verpassen, ist demgegenüber deutlich heikler. Diese Entscheidung müssen professionelle Journalisten treffen, die strenge Methoden anwenden, und sie ist ein zeitintensiver Prozess.“

Sag ich doch. Die Frage ist nur: Wer und was macht Journalisten zu „Professionellen“?

Unvereinbar oder nicht

Alexander Fritsch schreibt auf Tichys Einblick: „Der Deutsche Journalisten-Verband DJV will keine AfD-Mitglieder mehr in seinen Reihen dulden. Das ist die falsche Reaktion auf die Entfremdung der klassischen Nachrichtenmedien von ihrem Publikum.“

„30.000 Wähler hat die SPD bei der Bayernwahl an die AfD verloren, die Grünen immerhin noch 10.000. Die jetzt alle rückwirkend zu Nazis zu erklären, ist schlechterdings absurd. Aber wenn es um die rechte Gefahr geht, brennen bei vielen Journalisten die Sicherungen durch. (…) Am wenigsten gefällt mir, dass dem deutschen Journalismus scheinbar völlig die Fähigkeit zur Selbstkritik abhanden gekommen ist.“

Vgl. meinen Beitrag vom 22.08.2012: „Wer ist Alexander Fritsch?“

Ich halte von Unvereinbarkeitsbeschlüssen, die sie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) jetzt einführen will, rein gar nichts, auch wenn meine politischen Gegner und andere halb- und ganzgebräunte Pappkameraden ebenfalls dieser Meinung sind. So etwas macht man nur, wenn einem nichts mehr einfällt.

Audiatur et altera pars

Wer öfter mit einstweiligen Verfügungen zu tun hat, sollte sich die aktuelle Pressemeldung des Bundesverfassungsgerichts ansehen:

Aus dem grundrechtsgleichen Recht auf prozessuale Waffengleichheit folgt, dass ein Gericht im Presse- und Äußerungsrecht grundsätzlich vor einer stattgebenden Entscheidung über den Antrag einer Partei der Gegenseite Recht auf Gehör gewähren muss. Auch wenn Pressesachen häufig eilig sind, folgt hieraus kein schutzwürdiges Interesse daran, dass die Geltendmachung eines Unterlassungsanspruchs oder eines Gegendarstellungsrechts dem Antragsgegner verborgen bleibt.

Das betraf eine Entscheidung des Landgerichts Köln, in der der Beschwerdeführerin die Unterlassung von Äußerungen aufgegeben wurde, ohne dass sie zuvor vorprozessual abgemahnt oder im gerichtlichen Verfahren angehört worden war.

Erzbesorgte erzinformierte Leser

Erzlesenswert die Kolumne Thomas Fischers: „Was mich interessieren würde: Warum eigentlich kennen ungefähr 99,9 Prozent der deutschen Staatsbürger bestenfalls einen einzigen Richter des Bundesverfassungsgerichts, haben aber zugleich zu gefühlten 60 Prozent eine Meinung über behauptete Verfehlungen des 10.000 km entfernt lebenden Richters K. als verklemmter 17-Jähriger vor 37 Jahren?“

Und: „(Auch) die deutschen Pressemedien vollführen seit zwei Jahren ein Trump-Festival jenseits aller Rationalität.“

Konkret verboten!

konkret

Kauft die konkret! (Vgl. auch das Ermittlungsverfahren gegen mich.)

Sympathy for the Devil

Michael Meyen hat mit einem Menschen geredet, den ich für uninteressant halte. In der Welt von Twitter und Co. wurde aus solchem Unverständnis blanke Ablehnung, wenn auch mit wenig Resonanz. Motto: Hat er sie noch alle?“

Mathias Broeckers hält das für eine „Pflichtlektüre für Journalistenschulen“.

Meine Meinung: Ein Journalist redet mit jedem. Ich hatte immer auf den Scoop gehofft, ein Interview mit dem Teufel machen zu können („Was halten Sie von Sympathy for the Devil?), aber er hat sich leider nicht gemeldet.

Extremistische Pappnasen

Journalisten, die den Begriff Extremismus benutzen, sind auch Pappnasen. Das ist Behörden-Neusprech und keine politische Analyse.

Das Thema hatten wir hier schon öfter, zu, Beispiel 2009 oder 2003.

Der Anfang vom Ende der deutschen Medien

Telepolis: „Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ“.

Hingeschlampt und nichts begriffen und fremde Vierecke

gewalt

Nein, lieber Tagesspiegel, das sind Fake News: Die Teilnehmer der Demonstration sind mitnichten „gegen Gewalt“ auf die Strasse gegangen, sondern gegen rechte Gewalt. Will mir hier jemand insgeheim die Totalitarismus-Doktrin unterjubeln? Wer so schlampig formuliert, hat entweder etwas weltanschaulich Böses im Schilde oder ist einfach faul und dumm. Zugunsten des Tagesspiegel nehme ich Letzteres an.

Die politisch gebildeten Leserinnen und an den Weltläuften interessierten Leser erwarten hoffentlich nicht, dass ich etwas über Sachsen und insbesondere Chemnitz schreibe? Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von jedem. Der öffentliche Diskurs besteht wie gewohnt aus immerdengleichen sinnfreien Textbausteinen, seit dreißig Jahren. Ich kann es nicht mehr hören. Daher wiederhole ich mich jetzt auch.

„Die rechte Szene schöpft heute das rebellische Potential [der Jugend] ab und kann das auch deshalb, weil das Milieu politisch nicht eindeutig festgelegt ist und auch nicht werden muß. Die Anführer wirken wie die Hefe im Teig. Rassistische Vorurteile und nationalsozialistische Ideologeme können punktuell und bezogen auf bestimmte Anlässe aktiviert werden. Rassismus ist ein funktionierendes Modell, sich den Konkurrenzkampf im Kapitalismus hinreichend zu erklären und deshalb eine Option, die immer, ungeachtet der sozialen und wirtschaftlichen Situation, verfügbar ist.“ (Burkhard Schröder: Im Griff der rechten Szene, 1997). Man muss nur, wenn man Eribon und Baron gelesen hat, „der Jugend“ weglassen.)

„Die rechte Szene ist in den neuen Bundesländern auch deshalb erfolgreich, weil es kaum eine Alternative gibt, die ein derart einfaches, homogenes und, was das Versprechen des persönlichen Machtzuwachses angeht, attraktiveres Weltbild liefert. Neonazis im Osten begreifen sich als Ordnungsfaktor in direkter Konkurrenz zur Polizei. Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, daß sie die Bevölkerung eher vor den vermeintlich schädlichen Folgen ‚massenhafter‘ Zuwanderung und den Reibungen zwischen diversen kulturellen Traditionen schützen könnte als die politischen Entscheidungsträger.“ (Burkhard Schröder: Im Griff der rechten Szene, 1997)

„In den letzten zehn Jahren ist so gut wie alles für den ‚Rechtsextremismus‘ verantwortlich gemacht worden, was man sich mit lebhafter Phantasie ausdenken kann: die Erziehung ohnehin, die autoritäre oder auch die antiautoriäre, je nach Couleur des Diskutanten, die angeblich fehlenden Väter, der ‚Frust‘, die Wiedervereinigung an sich, fehlende Lehrstellen und Billardtische in Jugendzentren, zerrüttete Elternhäuser, die, falls das ein Grund für Antisemitismus wäre, auch an der NSDAP Schuld sein müssten. Eine Vielzahl von Experten zum Thema ‚Rechtsextremismus‘, die den Eindruck erwecken, bei anderen abzuschreiben, ohne jemals einen Fuß bis nach Ostsachsen gesetzt zu haben, gebrauchen die Begriffe Wilhelm Heitmeyers wie ‚Individualisierung‘, ‚Globalisierung‘ und ‚erhöhte gesellschaftliche Desintegrationsprozesse‘ – wahrscheinlich ohne Heitmeyer im Original gelesen zu haben. Das klingt klug, sagt garantiert nichts aus und führt bei ‚Fachtagungen‘ garantiert zu verständnisvollem Kopfnicken der Publikums. (…)

Thesen, die nicht die Vergangenheit bemühen, klingen um so origineller, sind aber ebensowenig einleuchtend. Der PDS-Politiker Lothar Bisky, so meldete DPA im August 2000, sehe in der Wiedervereinigung Deutschlands eine wesentliche Ursache für den Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern. In der ARD-Sendung ‚Bericht aus Berlin‘ sagte Bisky, in der DDR gäbe es durch ‚diesen Law- and-Order-Staat‘ eine Art Samen. Den ‚Humus‘ für die Entwicklung des Rechtsextremismus habe dann die Vereinigung gegeben. Dann erst seien Rechtsradikalismus und Neonazis ‚auf die Straße gekommen‘.“

„Richtig ist, dass die Werte des rechten Milieus sich nicht signifikant von denen der Durchschnittsmenschen unterscheiden, eher noch die Prizipien des Kapitalismus, insbesondere das asketische Arbeitsethos, auf die Spitze treiben: Rechte Gewalttäter stehen oft, das ist statistisch signifikant, unter einem hohen Leistungsdruck, den sie unkritisch von ihren Eltern übernommen haben.“

„Toleranz hilft weder gegen Rassismus noch Antisemitismus. Sie fordert eine kulturelle Anstrengung ein, eine psychische Arbeit, das, was als anders empfunden wird, nicht verändern zu wollen. Jeder empfindet unterschiedliche Dinge als ‚fremd‘; ein allgemeiner Appell, das Gute zu empfinden und zu tun, tolerant zu sein, verpufft ausnahmslos ohne jede Wirkung.“

„‚Konfliktkultur‘ und Toleranz können sich nur unter Gleichberechtigten entwickeln. Alles andere ist keine Toleranz, sondern Paternalismus und vergleichbar mit der freundlichen Leutseligkeit heutiger christlicher Missionare gegenüber den ‚Heiden‘, die zum Glauben an das christliche höhere Wesen überredet werden sollen.“ (Burkhard Schröder: Nazis sind Pop; 2000, vgl. auch Deutsche und Neger.)

verfassungsschutz

Und was sagt uns das jetzt? Was änderte sich, wenn die Schlapphüte etwas beobachteten? Sähen sie dann auch etwas? Solche Sätze nach unzähligen Skandalen des Inlandsgeheimdienstes!? Wie blöd und ingnorant muss man sein – oder das Gedächnis einer Drosophila haben? Und „Ausländerfeindlichkeit“? Was sagt Roberto Blanco dazu?

„Die Nation definiert sich über eine fiktive ‚Identität‘, über eine vermeintliche ‚Leitkultur‘, die als politisches Projekt sowohl die innere Kolonisierung als auch die Selbstethnisierung der Migranten fördert. Deutschland hat sich vom internationalen Diskurs zum Thema ‚Rassismus‘ begrifflich abgekoppelt….) Die Dominanz des Unwortes ‚Ausländerfeindlichkeit‘ in den Medien dokumentiert den zentrale Topos des rassistischen Diskurses. Der Begriff suggeriert zum einen, dass rassistische Diskrimierungen sich nicht gegen Afrodeutsche richten oder – noch schlimmer – dass diese keine Deutschen seien, und zum anderen leugnet er zentrale Klammer rechter Ideologien, den Antisemitismus. Ursache rassistischer Vorurteile sind daher auch affirmative ‚Multikulti‘-Diskurse im Schulunterricht, die Vorurteile nicht abbauen, sondern in der Regel verstärken. Dieser Diskurs verschweigt, dass ‚Kultur‘ oder ‚Ethnizität‘ immer fiktive politische Projekte sind, die gesellschaftliche Machtverhältnisse thematisieren.“

Thomas Fischer faselt von „fremden Kulturkreisen“. Warum nicht Vierecken?

Jetzt mach ich mal etwas Vernünftiges, meine Blumen wollen gegossen werden.

Older entries