Das buntscheckige Volk der Panzaleo-sprechenden Rothäute

quechua-Ethnie

Immer und immer wieder nehme ich mir vor, bein sonntäglichen Frühstück keine deutschen Medien zu konsumieren. Und immer, wenn ich rückfällig werden, bestätigt sich mein VorUrteil: Entweder verfassen die Praktikanten Quatsch, oder die Redakteure sind genau so blöd wie jene. Und ich muss mich dann ärgern und blogge über meinen Ärger statt über etwas Interessantes.

Wenn jemand hierzulande etwas Völkischen daherfaselt, wird es um so schlimmer. Zudem zwingt die Mischung aus political correctness, Opportunismus und Feigheit oft zu sprachlichen Volten, die nicht nur im wörtlichen Sinn unaussprechlich, sondern auch unverständlich sind (wie das Wort „Volte“).

Im aktuellen „Spiegel“ (S. 80) haben wir hier eine „Quetschua-Ethnie“. Nun ist Quechua eine Sprache und sonst nichts. Ethnie heißt im Deutschen „Volk“, es sei denn, man plante eine ethnologische Diskussion vom Feinsten, die so ausufert, dass man die letzten 6000 Jahre Weltgeschichte betrachten muss. „Volk“ hat im Deutschen aus Gründen einen Beigeschmack, so dass oft lieber englische Wörter benutzt werden. Redakteure und Praktikanten erheben sich selten bei etwas, was sie nicht wirklich interessiert, über das Wikipedia-Niveau, das sie hier recht haben lässt – auch dort sind die, die Quechua sprechen, eine „Ethnie“.

pielroja

Im Detail wird das natürlich extrem lustig und lächerlich, weil es mittlerweile bei den Mittelklassen der lateinamerikanischen Staaten Mode geworden ist, Quechua und auch Aymara zu sprechen (was zu einer Renaissance der eingeborenen „indigenen“ Musik geführt hat). Man kann das irgendwie vergleichen mit Kanak Attak: Wer rassistisch diskrimiert wurde, dreht den Spieß verbal um.

In Wahrheit geht es immer nur um die Klassenfrage. (Über den „Indianerismus“ in Ecuador hatte ich schon geschrieben.) Jemand wird nicht abschätzend beurteilt, weil er oder sie Quechua spricht, sondern weil das vorwiegend die Bauern und Armen tun, von denen die Mittelklassen sich abgrenzen wollen. Das ist bekanntlich auch die primäre Idee der klassistischen Gendersprache.

Das galt auch für die „Tracht“, die keine ist, sondern der Landbevölkerung von den Spaniern aufgezwungen wurde oder – wie die Cholita auf dem obigen Bild – eine buntscheckige Mischung aus allen möglichen Moden Europas und Lateinamerikas. In Bolivien ist die Chola ein Zeichen für „Tradition“, auch bei Mestizen.

Ich habe das selbst in Bolivien erlebt. Der Fahrer des LKW, mit dem wir unterwegs warn, selbst Aymara-Indio, machte sich über die Dorfbewohner lustig und nannte sie „pielroja“ („Rothäute“), wieder ein Beweis, dass „indianisch“ oder die Sprache nichts mit der Haut oder der Abstammung oder gar einem „Volk“ zu tun haebn, sondern eine Lebensweise im Verhältnis zum Mainstream meint.

quito taxistas catedral

Das Foto habe ich 1979 in Quito, Ecuador, gemacht. Ich kann leider die Perspektive nicht wiederfinden, aber das im Hintergrund sollte die Kathedrale sein.

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Unter Maskenträgern

triopta

Will man unerkannt bleiben, muss man als Avatar eine Maske tragen. #roleplaying #roleplay #secondlife #Gor #fantasy #mask #badass #triopta

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Resistance is futile

gendern

Man muss sich wehren. Irgendjemand muss damit anfangen. Aber solange es nicht ums Geld geht, bleibt die Sache Feuilleton, ist also irrelevant. Ich habe jetzt den Newsletter Netzwerk Recherche abbestellt, den ich, seitdem es ihn gab, abonniert hatte, weil ich nicht mit Genderdoppelpunkten inmitten unschuldiger Wörter belästigt werden will. Denen ist es egal, warum man das nicht mehr lesen will, und sie haben auch die Abonnenten nicht gefragt.

Zum Thema auch: Welt online: „Autorin klagt gegen Gendern ihres Textes“. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) unterstützt die Klage. Man muss den Verein nicht mögen, aber es gibt keine organisatorische Alternative, gegen den identitären Unsinn vorzugehen.

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Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I)

essener schwert

Karolingisches Schwert aus dem Essener Domschatz, hergestellt vor 1000. Die Schwertscheide hat einen Holzkern und ist mit getriebenen Goldplatten bedeckt. Der Griff ist mit Edelsteinen und Emails verziert. Länge: knapp einen Meter. Auf der Scheide sind Ranken aus sorgfältig verteilten Blättern mit fantastischen Formen vermutlich byzantinischen Ursprungs. Die Scheide ist vermutlich ein Geschenk Kaiser Otto III. an das Essener Stift.

Es ist wie mit Frauen, dem Universum und dem Mikroskop vielen Dingen: Je genauer man hinschaut, um so interessanter kann es werden. Das gilt auch für „Prunkschwerter“. Wie der Name schon sagt: Sie sind nicht zum Kämpfen, sondern zum protzen Prunken, was aber im Feudalismus etwas anders heißt als im heutigen Kapitalismus. In jenem haben wir das Problem, dass es außer der Archäologie kaum etwas gibt, das als Quelle taugt. Vor und nach der karolingischen Renaissance muss man sich an Objekte halten, meistens der religiösen Art.

Wir hatten hier schon Marcel Mauss zitiert: „Nicht seelische Regungen oder psychische Prozesse sollten jeweils sichtbar gemacht werden, sondern objektivierende Formen sozialer Ordnung und Interaktionen. (…) Prestige und Status waren im Auftreten sichbar zu machen; nur ritualisiert ließen sie sich wahrnehmen, Herrschaftszeichen, Gaben, Kleider, Gebärden machten Leute.“ (Vgl. Die Gabe: Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften). Ich wiederhole mich: Wer begreift, was eine Reliquie ist (vergesst den oberflächlichen Unsinn auf Wikipedia), ist auf dem richtigen Weg.

Das Essener Schwert, heute Teil des Stadtwappens, ist nicht als Bodenfund erhalten geblieben, sondern als Teil des Domschatzes. Das ist selten. Es war rund 20 Jahre „in Gebrauch“; jemand hat damit gekämpft. Das haben metallurgische Untersuchungen gezeigt. Das Damaszener-Schwert wurde auch oft geschliffen und dadurch rund sechs Millimeter schmaler als ursprünglich. Das Essener Schwert ist von so hoher Qualität, dass es vermutlich für einen Königshof in Auftrag gegeben wurde.

Als Teil des Kirchenschatzes wurde es seiner „militärischen“ Qualitäten verlustig. Man nahm den ursprünglichen Griff aus Holz oder Horn und die Parierstange ab, heftete die Kostbarkeiten daran und fertigte die Scheide (die Klinge ist in der Ausstellung gar nicht zu sehen, das wird nicht allen auffallen). Das Wichtigste ist die Inschrift, die vermutlich erst im 15. Jahrhundert hinzugefügt wurde:

Gladius cu(m) quo fueru(n)t / decollatia) / p(at)ronib) / n(ost)ri
Das Schwert, mit dem unsere Patrone enthauptet wurden.

Somit hat sich ein gutes Schwert in eine Reliquie verwandelt. Man verbindet die legendären frühchristlichen Zwillingsbrüder Kosmas und Damian, die vielleicht zur Zeit des römischen Kaisers Diokletian lebten, mit dem Schwert, dazu kommen seltene, exotische und kostbare Schmuckstücke, alles kombiniert mit bestimmen Ritualen, und fertig ist die objektivierende Form sozialer Ordnung und Interaktion. Noch im 18. Jahrhundert wurde das Schwert während der Fronleichnamsprozession herumgetragen und dem gemeinen Volk vorgeführt, dass es nur so prunkte.

Wir müssen leider die Abstraktionsschraube noch ein wenig mehr anziehen. Ich hatte mich natürlich auf den Besuch des Domschatzes vorbereitet und u.a. Gold vor Schwarz: Der Essener Domschatz auf Zollverein gelesen, ein gutes, ausführliches und vor allem bezahlbares Buch zum Thema. Über das, was mich interessiert, findet man natürlich dort nichts. Über die bloße Phänotypie kommt die bürgerliche Historiografie nur selten hinaus. (Der hier schon oft zitierte Johannes Fried Johannes Fried ist eine große und um so bemerkenswertere Ausnahme.)

Was braucht es, um einen Gebrauchsgegenstand in eine Reliquie zu verwandeln? Klobürsten oder banale Dinge sind nur dann ungeeignet, wenn sie keinen Bezug zum jeweils passenden Überbau, also der Religion, haben. Ich habe auch in Essen zahlreiche Nägel gesehen, die verehrt wurden, weil sie angeblich vom Kreuz stammten, an dem angeblich der Sohn des christlichen Gottes starb. Fazit: Jedes Objekt ist theoretisch geeignet. Reliquien sind auch nicht auf das Christentum beschränkt. Wir müssen uns also auch in das luftige Reich der Magie begeben, also hinsehen, wie in einer oralen Gesellschaft das Volk im Sinne des Wortes verzaubert wird.

Fortsetzung folgt.

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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)

Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) 05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) 27.12.2020)

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Jeszcze Polska nie zginęła!

weichsel
Die Weichsel an der Grenze zwischen Deutschland und Polen

Wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) Deutschland aufforderte, nach Polen einzumarschieren, um die Strafgelder einzutreiben, sollten wir das übrigens ablehnen, weil wir dieses Mal verlieren würden.

„Polens“ Sturheit ist nur Säbelrasseln aus innenpolitischen Gründen. Polen kann sich einen Austritt aus der EU gar nicht leisten. Das kann man beim Finanztransparenzsystem der EU nachsehen. Polen ist auch der größte Empfänger von EU-Geldern.

Unsere Qualitätspresse ist erstaunlich einhellig gegen Polen.

Das finde ich komisch, da auch in Deutschland die Justiz nicht wirklich unabhängig ist – es gibt ein politisches Weisungsrecht. Politiker können also in Deutschland der Justiz sagen, was sie tun soll. Keine Unabhängigkeit, nirgends.

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Freiheit, wie sie die Welt anschaut

collectivismt
Medics from north China’s Tianjin Municipality wave goodbye before their departure in Wuhan, central China’s Hubei Province, March 17, 2020. (Xinhua/Xiong Qi)

„Don’t criticize what you can’t understand. Embrace those things that are uncomfortable, those things that don’t make sense, those things that are frustrating. Those are the things that will teach you the most.“ (Werauchimmerdasgesagthabenmag)

Cornelius Dieckmann erzählt im Tagesspiegel ein Märchen, man könnte auch sagen: Er verbreitet Fake News:
Wenn Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping nun behauptet, Taiwan gehöre seiner Regierung, ist das ebenso geschichtsvergessen, wie es umgekehrt größenwahnsinnig wäre, würde Tsai das Festland beanspruchen (was sie nicht tut).

Der Kollege Christian Y. Schmidt, antwortet auf Fratzenbuch bequem und angenehm, was erstens, zweitens, drittens kam: Unter anderem behaupte Diekmann, die ROC-Präsidentin Tsai-Ingwen beanspruche nicht das chinesische Festland für die Taipeh. Täte sie das nicht, würde sie aber gegen ihren Amtseid verstoßen. Denn der Anspruch auf ganz China wird in der Verfassung der ROC erhoben. Allein, dass in der Nationalversammlung der ROC Plätze für Abgeordnete aus Tibet und der Mongolei vorgesehen sind, ist dafür ein Beweis.

Apropos China: Im ehemaligen Nachrichtenmagazin ist ein sehr interessanter Artikel des Gastkommentators Kishore Mahbuban. Man fragt sich, ob der Zensor für die freiwilligen Selbstkontrolle gerade pinkeln war oder ob die anti-chinesische Propaganda der deutschen Mainstream-Medien so offensichtlich, dass man ein Feigenblättchen für eine andere Perspektive dazwischenschmuggeln wollte: „Daten lügen nicht. Warum China und andere Staaten Ostasiens des Virus erfolgreicher bekämpfen als der Westen“.

Der westlichen Welt fällt es schwer zu akzeptieren, dass das chinesische Volk bereit ist, seine „Freiheit“ aufzugeben und unter der KP zu leben. Dieses Unverständnis hat wohl damit zu tun, dass die unterschiedlichen historischen Erfahrungen der westlichen und der chinesischen Bevölkerung verschiedene Arten von „Freiheit“ produziert haben. Im Westen liegt der Schwerpunkt auf „Freiheit von“, zum Beispiel auf der „Freiheit von“ starker autoritärer Herrschaft. In China liegt die Betonung auf der „Freiheit für“. Aus der Sicht der Chinesen bedeutet „Freiheit“, ein glückliches Leben mit ihren Familien und Freunden zu führen, geschützt von einer starken Zentralregierung, die für Ordnung sorgt.

Als ich 1980 zum ersten Mal in die Volksrepublik reiste, durften die Chinesen nicht selbst entscheiden, was sie studieren, wo sie wohnen, wo sie arbeiten, und auch nicht, was sie anziehen. Heute dürfen sie das. 1980 konnten Chinesen nicht ihr Land verlassen, 2019 reisten 130 Millionen Menschen als Touristen ins Ausland und kehrten freiwillig zurück. Das chinesische Volk hat in den letzten 40 Jahren den größten Zuwachs an persönlicher Freiheit seiner 4000 Jahre alten Geschichte erlebt. Um ein brilliantes deutsches Wort zu verwenden: Das chinesische Volk hat seine eigene „Weltanschauung“. Und es ist glücklich mit dieser Weltanschauung.

Das ist zwar dick aufgetragen und die Frage umgangen, ob es im Sozialismus auch der chinesischen Couleur Klassenkampf gebe, was im Zweifel zu bejahen ist, aber natürlich hat der Mann recht. Der so genannte „Westen“ hat sich beim Kampf COVID-10 nicht nur blamiert, er ist auch kläglich gescheitert.

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Traumhaus und Traumschiff am Amazonas

benjamin constant

Nachtrag zu Am Solimões (18.01.2011) – Tabatinga Benjamin Constant am Amazonas, der in Brasilien bis zur Mündung des Rio Negro Solimões genannt wird.

Von Benjamin Constant bis Manaus sind es mehr als tausend Kilometer. Wir waren eine Woche per Schiff unterwegs.

Ich schrieb am 14.12.2004: „Wenn man weiß, dass die Tide in Manaus mehr als zwölf Meter beträgt, kann man ahnen, welch unbändige Urgewalt hier am Werk ist. Der Amazonas fordert heraus, und niemand hat eine Chance gegen ihn. Und deshalb ist der Reisende auf einem Schiff nur auf ihm geduldet.“ In Tabatinga ist die Tide des Amazonas noch nicht so hoch.

Aus meinem Reisetagebuch, 5.Januar 1982:
„Am nächsten Morgen schüttet es. Wir schaffen es gerade noch, zum DAS zu kommen. Ausreisestempel [aus Kolumbien] gibt es ohne größere Probleme, obwohl sich der Mensch natürlich erst einmal zwei Mal beim Datum vertut. Wir müssen ein Taxi für 1000 (!) nach Tabatinga nehmen. Dort bei der Policia Federal müssen wir beim dunkelhäutigen Einreisebeamten 600 US Dollar cada persona vorzeigen. Sie sind freundlich, aber kaum zu verstehen. Der erste Eindruck von Tabatinga ist natürlich sehr vom Regen verwischt. Die Fähre kostet 400.“

Jetzt muss ich mich korrigieren. Ich wundert mich über meinen Tagebuch, weil dort nach Tabatinga Benjamin Constant, auch Brasilien, folgt. Umgekehrt würde auch gar keinen Sinn machen, weil Tabatinga die Grenzstadt zu Kolumbien ist und man einfach laufen kann. 2012 habe ich hier die „Skyline“ des brasilianischen Ortes gepostet, inklusive der markanten Catedral, und die gehört eindeutig nicht zu Tabatinga, sondern zu Benjamin Constant. Wir haben also in Tabatinga nicht übernachtet, sondern sind mit der Fähre nach Benjamin Constant gereist.

Weiter im Tagebuch:
„Benjamin Constant unterscheidet sich sehr von Leticia [Kolumbien]. Die Häuser sind den Umständen entsprechend gepflegt. Sogar gejätete Vorgärten gibt es. Nirgendwo fehlt die Mülltonne vor dem Haus. Straßenbeleuchtung, saubere Kneipen, manchmal mit Samba.

Das Hotel Pousada São Jorge [das gibt es tatsächlich noch!] ist total vollgehängt mit Wäsche, aber wir können kochen und haben Platz für die Hängematten, während zwei komische Schweden lieber das teuerste Hotel am Ort nehmen.

Drei Bayern mit dementsprechenden Hüten (und das am Amazonas!). Drei Schweizer, die sich gerade für 1200 $ ein Boot bauen lassen [Foto unten] und damit bis Belém fahren wollen. Sie laden uns ein mitzukommen. Wir sind erst angetan, aber der Fluss soll sehr gefährlich wegen der Strudel sein, die [vermutlich sollte das Boot einen Scheinwerfer bekommen] sind ausgeleuchtet, aber keiner von ihnen weiß wie, sie haben noch nicht einmal eine Karte. [Wir haben abgelehnt.]

Ein Engländer aus Leticia. Ein Costaricenser, der Schnickschnack verkauft. Ein Brasilianer mit deutschen Vorfahren und kolumbianischer Frau, die Kreolin ist (das gibt viersprachige Kinder!) – sie sind den Putumayo einen Monat lang runtergefahren [per Einbaum – die hatten ein Baby dabei, aber kaum Geld und sind so mitten durch den härtesten Dschungel Kolumbiens gereist. Ich sprach mit dem Mann Deutsch – er war in meinem Alter -, und seine bildschöne Frau verstand kein Wort und machte sich immer lustig über den Klang des Deutschen und imitierte ihn wie wie Adenoid Hynkel].

Es gibt eine Kirche, die jeden Morgen die Leute mit flotter Musik unterhält – unmöglich bei uns! An den Ufern und Nebenarmen des Rio Solimões sieht es aus wie in der Karibik.

Das Schiff, die Marcia Maria, ist ein wahrer „Luxus“dampfer, wenn man von den Platzproblemen absieht. Es gibt eine tadellos funktionierende Dusche, ein sauberes Klo usw. Die Brasilianer schrubben sowieso ihre Schiffe mehr als woanders [Bolivien, Kolumbien usw.]. Es gibt jede Menge Wasserfilter und sonstige Kleinigkeiten, die das Leben im Dschungel erleichtern. Nur der ganze Müll kommt natürlich in den Fluss, auch das Öl.

benjamin constant

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Als die Römer frech geworden, reloaded

Gladius: Roms Legionen in Germanien

Thomas Fischer: Gladius: Roms Legionen in Germanien.

Was fällt dem historisch gebildeten Leser und der in römischer Geschichte bewanderten Leserin zuerst auf? Ja, richtig: Der Reiter benutzt keine Steigbügel. Die waren sogar noch fast ein Jahrtausend später nicht selbstverständlich.

Die Perspektive Richters schien mir interessant: Mit den freien, nicht unterworfenen Germanen verband Rom seit den Völkerwanderungen der Kimbern und Teutonen im ausgehenden 2. Jahrhundert v. Chr. ein wechselvolles Verhältnis, in dem sich kriegerische Konfrontationen nur für kürzere Zeit mit friedlicher Koexistenz ablösten. Dieses ambivalente Verhältnis war von Anfang an durch den Widerspruch gekennzeichnet, dass Germanen seit Caesars Zeiten in der römischen Armee dienten. Als sich die römisch-germanischen Konflikte ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. ganz erheblich verschärften, nahm auch der Anteil von Germanen, die in der römischen Armee kämpften, in großem Umfang zu. Rom sah zu Recht an seinen Grenzen die Germanen im Norden noch vor den Parthern bzw. Persern im Osten als seine gefährlichsten äußeren Gegner an. Kein Wunder, dass an der Germanengrenze am Rhein und später an der Donau die zahlenmäßig stärksten römischen Truppen stationiert waren – paradoxerweise stets unter germanischer Beteiligung.

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Schöner gesamtdeutsch Essen

currywurst mit kartoffelsalat

Selbstgemachter westfälischer Kartoffelsalat, dazu Currywurst mit Sauce. Die Würstchen sind waren aus Halberstadt.

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The Voyeurs oder: Breathing new life into the forgotten genre of erotic thriller

the voyeurs

Ich empfehle The Voyeurs (Amazon Prime). Bevor mich jemand missversteht: Ich dachte auch zuerst, das sei Film, in dem es vorwiegend darum ginge, die äußerst appetitlichen und auf einschlägigen Websites oft genug erwähnten big naturals (bra size D) der Hauptdarstellerin Pippa (Sidney Sweeney) in ihrer natürlichen Umgebung – also unbekleidet – möglichst oft zu Wort kommen zu lassen darzustellen. Aber das ist mitnichten so. Der Film ist intelligent, kombiniert auf elegante Weise sex and crime, überrascht die Zuschauer mit dramatischen Zickzacks des Plots und kann auch als Parabel für die Hipster-Kardashians dienen, ohne dass irgendwo ein moralischer Holzhammer zu sehen wäre, wie in deutschen Filmen unumgänglich.

the voyeurs

Es sei empfohlen, sich den Plot vorher nicht durchzulesen, weil das einige Überraschungsmomente weniger bedeutete. Mal so dahingeschwurbelt: Was macht sie aus, die Faszination für das Leben und die intimen Momente uns fremder Personen? In einer digitalen Zeit, in der sich Menschen auf Plattformen regelrecht zur Schau stellen, Videoüberwachung ein fast alltäglicher und unbemerkter Begleiter ist, Firmen unsere Spuren im Internet analysieren und Datenschutz ein stetig heiß diskutiertes Thema ist, erarbeiten Filme ein außerordentliches Spektrum dessen, wie Voyeurismus jeden von uns im Alltag begleiten kann. (…) Auch Michael Mohans „The Voyeurs“ spielt mit dem Reiz des Verbotenen, der lauernden Gefahr und der Sucht nach Teilhabe an einem Leben, das nicht (mehr) das eigene ist.

the voyeurs

Sidney Sweeney ist kein blondes Puttchen, das nur den Möpse-Faktor ausspielt. Ich finde Sex-Szenen in Filmen meistens peinlich und zum Fremdschämen, weil man weiß, was kommt und in welcher Reihenfolge und dass bestimmte Praktiken sowieso nicht sein dürfen. Die Sweeney spielt das, was das voyeuristische Hetero-Herz anzusehen begehrt, mit einer Mischung aus Unschuld und Schamlosigkeit, dass einem Hören und Sehen vergeht. Die Dame ist außerdem Kampfsportlerin, was für eine Frau mit solch auffälligem Busen nützlich ist, um notfalls zu aufdringliche Glotzer in das Gemächt zu treten, und betreibt Sportarten, bei denen man nicht allzu ängstlich sein darf. Tough girl, obwohl sie auf den ersten Blick nicht so wirkt.

the voyeurs

Ein Wort zur Technik im Film. Das Paar nutzt eine Art Laserpointer, um ihre Nachbarn auszuspionieren. Man kann mich gern eines Besseren belehren, aber ich halte das für Bullshit-Bingo. Alle Drucker, auch in der Nachbarschaft, sind für alle zugänglich. Kann man machen, und vermutlich agieren Hipster auch so. Aber realistisch ist das nicht. Die Rezensenten begnügen sich damit und kennen in Deutschland ohenhin nicht den Unterschied zwischen Fax und E-Mail: Pippa findet einen dramatischen Weg, um mit den Nachbarn zu kommunizieren. Sie verschafft sich offenbar Zugang zu deren Drucker und verschickt die Faxe. Wenn Julia und Seb wollen, dass die Nachbarn sie ausspionieren, würden sie sich nicht einmal darum kümmern, ein Passwort für ihr W-LAN zu vergeben. Die technische Seite des Ganzen wird jedoch im Film selbst nicht im Detail gezeigt.

Klar, weil es diese „technische Seite“ so nicht gibt, oder aber man ist extrem bekloppt, was aber dazu führte, dass man sich solche Luxus-Lofts, die im Film zu sehen sind, vermutlich dann nicht leisten könnte.

Jim Schembri schreibt: Sweeney’s magnetic performance really draws you in, making you complicit in her actions as she soft steps ever deeper into the goings on across the way.

Not only do her actions have consequences, even the consequences have consequences. Vastly underrated, The Voyeurs turns out to be a knockout piece of entertainment for adults that plays with perversion and delivers a most satisfying finale.

Ich hätte noch einen alternativen Titel: Unterschätze niemals eine Augenoptikerin mit viel Holz vor der Hütte!

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Hotel Torino, revisado

hotel torino la paz

Diese Quittung ergänzt mein Posting vom 06.05.2020: „Huelga oder gendersozialökologischklimatisch?“

Ich frage mich, warum das Hotel keine Website hat? Es gibt die üblichen Bewertungen auf attention-whore-like-Portalen wie Tripadvisor oder Booked.net, die, falls ich Vergleich aus dem Tierreich bemühte, eher den Parasiten oder Blutegeln gleichen.

Nach längerem Hin und Her habe ich die Website gefunden – leider kann ich dort nichts sehen wg. „Adobe Flash Player wird nicht mehr unterstützt“ (alle Browser auf allen Betriebssystemen).Vielleicht sollte man die informieren, dass das eher eine suboptimale Idee ist oder der Webdesigner eine Pfeife.

Auf Fratzenbuch steht, dass es das Hotel schon mehr als 100 Jahre gibt.

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Dune Raider, revisited

March to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of KlimaMarch to the Oasis of Klima

War hier angekündigt worden und wurde auch in einschlägigen Medien weiterverbreitet. Es machten 21 Leute mit. Da eine Homestead-Sim (auf der die Oase liegt) nur 20 Avatare erlaubt, mussten wir die Gruppe vorsichtshalber teilen und die Sache zwei Mal durchziehen, was ingesamt drei Stunden dauerte.

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Kommunistische Lektüre und anderes

burks die nachrichten lesend

Der Tagesspiegel informiert uns detailliert: „Die Polizei stellte allerdings auch zwei aktuelle, vertrauliche Dossiers des Bundesnachrichtendienstes zu Nordkorea sicher. Ein Papier war als geheim eingestuft. In den Wohnräumen des Hauptmanns fand sich zudem umfangreiche kommunistische Literatur, auch mit Bezug zu Nordkorea.“

Was könnte das nur sein? Kommunistische Literatur? Ich habe mich schnell in meiner Bibliothek umgesehen, ob man so etwas Gefährliches dort fände. O Graus! Man würde!

werbung

Und now to something usl. Leseempfehlung (aber leider Paywall): Aline von Drateln über „Sex, Macht und „Bild“: Warum spielen die Frauen da mit?“

Kernsätze: „Dass Frauen mit ihren Vorgesetzten schlafen, um Karriere zu machen, passt ebenfalls. Und zwar zur gesamten Branche.“ – „Die interessante Frage aber ist doch: Warum machen die Frauen das mit? Wie naiv muss man sein, dass aus einer Anmache ein Missbrauch wird? Es scheint, als würden sich Frauen freiwillig ausnutzen lassen. Noch immer. Immer wieder. Es lohnt sich, genauer hinzusehen.“ –

„Es geht nicht zwangsläufig um die nächste Sprosse auf der Karriereleiter. Oder darum, dass Frauen sich lästigerweise zu oft verlieben. Sondern um ihre Macht über den Mann.

„So eindeutig das Machtgefälle bei körperlichen Übergriffen ist, so vielschichtig sind die Geschlechterrollen, wenn es um Verführung geht.“ – „Die Intimität eines Flirts findet scheinbar auf Augenhöhe statt. Unerwartet finden sich zwei Menschen aus verschiedenen Positionen in einem exklusiven Raum wieder. Ein Kompliment kann respektlos und herablassend sein. Es kann in ihren Augen aber gleichzeitig die Adressatin heben. Eine SMS vom Chef aus der Konferenz verstärkt die Abgrenzung zum Rest der Redaktion. Vor aller Augen und gleichzeitig hinter ihrem Rücken – Aufmerksamkeit ist für die Generation „social media“ die höchste Währung.“ –

„Und so benutzt man sich zunächst noch gegenseitig. Es geht ja oft von beiden Seiten gar nicht um die andere Person, sondern um sich selbst. Viele Frauen suchen überhaupt keinen Ehemann. Vielleicht nicht einmal einen Liebhaber. Sie suchen ihre eigene Rolle. Beruflich in der Hierarchie noch unterlegen. Sexuell aber überlegen.“ – „Während der Mann noch balzt und hofft die Frau überhaupt „rumzukriegen“, kann die Frau schon längst das halbe Sportressort zum Frühstück verschlungen haben.“

Selten so etwa Kluges zum Thema gelesen.

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By the way: Was macht eigentlich das Kapital? Es hat Lieferprobleme (Paywall). „Weltweit sind neun Prozent der Transportkapazität auf dem Seeweg durch Containerstaus gebunden.“ Und: „Die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie droht zu erlahmen. Ein Grund dafür sind fehlende Arbeitskräfte. Zehntausende Pflegekräfte, Bauelektriker oder Lkw-Fahrer fehlen. Experten fordern eine längere Lebensarbeitszeit. Und mehr Zuwanderung.“

Wieso Zuwanderung? Wir haben doch gerade sehr viele hochqualifizierte Araber und Nordafrikaner bekommen? Brauchen wir noch mehr? Oder nicht? „Daneben sieht das IW in weiteren Berufen, die für unsere tagtägliche Versorgung entscheidend sind, besorgniserregende Engpässe: etwa bei Bauelektrikern, die neue Häuser mit Strom versorgen (15.500), bei Lkw-Fahrern, die Waren an Supermärkte und Co. liefern (6700), sowie bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern, die für Wärme in kalten Wohnungen sorgen (13.200). Über alle Branchen hinweg lag der Mangel bei Fachkräften mit Ausbildung im September schon wieder bei 98 Prozent des Vor-Corona-Niveaus – Tendenz stark steigend.“

Ich sage nur: Araber zu LKW-Fahrern! Ein Führerschein dauert nicht so lange. Warum hört niemand auf mich?

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Nur im ältesten Gewerbe der Welt gibt es keinen Personalmangel.

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Non-E-Scooter im Wirtschaftswunder

tretroller ballonreifen kettler

Meine Schwester war noch nicht geboren, also muss das vor 1958 sein. Ich habe etwas recherchieren müssen, um welches Gerät es sich handelt: Vermutlich um einen Kettler Tretroller mit Ballonreifen. Diese Roller gibt es heute noch (Amazon), aber die damals sahen cooler aus.

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Remember Ludmilla

Industrieruine

Was man so alles findet, wenn man kramt. In Deutschland gibt es für jeden Quatsch einen Verein und eine Zentrale. Ich war viele Jahre Mitglied in der Deutschen Zentrale für Globetrotter. Irgendwann bin ich ausgetreten, als es zu Unregelmäßigkeiten bei den Mitgliedsgeldern gekommen war, die der Verein offen kommunizierte. In den Zeiten des Internet braucht man auch den Austausch mit ähnlich Gesinnten nicht zwingend. Das legendäre South America Handbook war immer besser als alles andere – ab meiner zweiten Reise 1981/82 hatte ich immer das dabei.

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In Ruinenstädten

Industrieruine

Meine beste Freundin und ich erkunden eine Industrieruine, irgendwo südlich des Schwerbelastungskörpers. Das Foto habe ich am 23.09.2003 um 16.39 Uhr gemacht.

Ich darf auf einen amüsanten Artikel von Sascha Lobo auf „Spiegel online“ aufmerksam machen: „Eine Liebeserklärung an den »failed state« Berlin“.

Kernsatz: „Selbst bei maximalem Misserfolg ist man in Berlin eben nur eine Knalltüte unter Hunderttausenden, das lindert jeden Versagensschmerz.“

Schön ist auch Fefe über die Cyberalarmstufe, die es wohl gerade gibt.

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Gchtodet Buthhatd

malaria

Das ist eine Impfbescheinigung aus Costa Rica, die mir am 22. Dezember 1981 in Peñas Blancas ausgestellt wurde – das ist die Grenze zwischen Nicaragua und Costa Rica. Man sieht, dass da jemand Schwierigkeiten hatte, meinen Namen richtig aus meinem Pass abzuschreiben.

Die Sache war aber komplizierter, als es aussieht. In Wahrheit habe ich die Pille, die mich gegen Malaria schützen sollte, gar nicht geschluckt, sondern im Mund behalten und später unauffällig ausgespuckt. Nein, ich war kein Impfgegner, und es war auch gut, dass ich das Zeug verweigerte. Aus meinem Reisetagebuch über den Grenzübertritt (den Nicaragua-Teil hatte ich schon beschrieben):
Von einem Zivilen Vorkontrolle auf Geld in Costa Rica, anschließend braucht man einen Zettel der Gesundheitsbehörde. Wir machen einen Aufstand, weil wir die angebliche Malaria-Prophylaxe für 30 Tage nicht nehmen wollen. Es ist auch kein Arzt dabei. Endlich tun wir nur so, bei S. schöpfen sie fast Verdacht. Dann endlich Einreisestempel, dann fünf Colonen „Steuer“. Wir erwischen einen Kleinbus nach San José. Die Gegend ist viel bebauter als vorher, ansonsten nichts Neues. Die Straße ausgezeichnet.

Wir haben uns deshalb geweigert, weil wir eh schon unsere eigenen Malaria-Tabletten nahmen. Ich glaube, es war Resochin. Bei einer Überdosis kann es zu allerlei Nebenwirkungen kommen. Wir trafen auch prompt in San José einen Reisenden, der einen Tag lang kaum noch etwas sehen konnte, weil er ebenfalls seine eigenen Tabletten regelmäßig nahm, an der Grenze aber gezwungen worden war, auch noch die staatlichen Pillen zu nehmen.

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Dune Rider

dune rider

Einladung: Marsch nach der Oase von Klima (nein, das hiesige Publikum gehört bekanntlich nicht dazu!)
Wann: 23. Oktober 2021, 20 Uhr
Wo: Start in der Oasis of Four Palms – von der Skybox durch das Schild „To the Tahari“ gehen und den Teleporter akzeptieren.

Voraussetzung: Kleidung, die zur Wüste passt (dort sind immer Sandstürme und es ist brüllend heiß – habt Fantasie! Freie Frauen und Sklaven sind erlaubt. Die Männer sollten bewaffnet sein.)

Plot: Nur sehr wenige Goreaner kennen den Weg zur Oase von Klima. Wer Karten der Wüste zeichnet, wird umgebracht. Der Salz-Ubar (Salt Ubar) und seine Krieger (Guards of the Dunes) kontrollieren den Handel mit dem Salz aus Klima. Ihre Namen sind nicht bekannt, sie sind immer verschleiert oder tragen eine Maske.

Ihr seid eine Gruppe von Kaufleuten, die sich in der Wüste verirrt haben und weit von den Handelswegen abgekommen seid. Ihr habt kaum noch Wasser. Man wird euch finden! Wenn ihr einer Kaiila-Karawane begegnet, seid ihr gerettet! Tut das, was die Männer sagen, die euch retten. Vielleicht werdet ihr die Oase von Klima kennenlernen, aber man wird euch nicht sagen, wo ihr seid und ihr werdet später auch nicht wissen, wie man da hinkommt. Vorsicht vor Treibsand! Wer vom Weg abkommt, kann verloren sein!

Das Rollenspiel dauert ungefähr eine Stunde oder mehr. (Man muss mehrere Male durch einen unsichtbaren Teleporter, bitte immer akzeptieren). (Vorschau)

Woran erkennt man die Oase von Klima? In der Oase wird fast einer Viertel der gesamten Salzproduktion Gors abgewickelt. Rund einen Tagesmarsch vor der Oase ist ein „Exchange Point“. Dort kommen Karawanen an, die Lebensmittel für Klima bringen, Auf dem Rückweg nehmen sie die Salzblöcke mit, die von den Gefangenen und Sklaven aus Klima dorthin getragen werden. Wenn ihr es bis dahin schafft, ist Klima nicht mehr weit.

In der Oase gibt es unterirdische Höhlen, in denen vor allem rotes und gelbes Salz abgebaut wird. Man transportiert es mit Loren und Flaschenzügen an die Oberfläche. Vorsicht vor den Salzhaien! Ausserhalb der Höhlen findet man noch Solegruben, in die man auch nicht fallen sollte. Die Höhlen und die Gruben sind durch Rohre eines Drainage-Systems verbunden.

In „Stammeskrieger von Gor“ lebten in Klima nur männliche Sklaven, Frauen waren nicht erlaubt. Nach dem Tod des Salz-Ubars Saran hat sich das geändert. Diejenigen, die in Klima leben, verwalten sich selbst.

We will need taverns, cafes, at Klima,” he said. “The men have been too long without recreation.”
“With the control of much salt,” I said, “you may have much what you wish.”
“We shall confederate the salt districts,” said T’Zshal. (Tribesmen of Gor, Seite 347/8)

Der Rollenspiel-Plot dauert schon mehrere Jahre. 2019 machten wir von Kasra-Fayeen aus den ersten Marsch nach Klima, nachdem nicht mehr bekannt war, wer dort eigentlich das Sagen hat (Die französischsprachige Sim war schon länger geschlossen worden). Ein zweiter Marsch nach Klima fand in diesem Jahr von Teehra aus statt (im Mai 2021) Der dritte Marsch war am 12. Oktober 2021. Es wurde ein neuer Salz-Ubar bestimmt. Die Südliche Handelsallianz (Southern Trade Alliance, STA) arbeitet mit den Wächtern der Dünen zusammen – Klima ist Mitglied dieser Allianz.

#tahari #roleplay #fantasy #Gor #roleplaying #dunes #SecondLife

Eine Gruppe brasilianischer Rollenspieler wird auch mitmachen, vor allem als „Guards of the Dunes“ – es wird wieder kosmopolitisch. I love it.

(Esta é a 2ª marcha, a primeira foi estabelecer um novo Salt Ubar, desta vez é principalmente para RPGistas alemães e com um enredo diferente)
Quando: 23 de outubro de 2021, 16h00 hora brasileira (São Paulo + 1), 20h00 hora alemã, 19h00 GMT, 11h00 SLT
Onde: Oasis of Four Palms, skybox, atravesse a placa „To the Tahari“ e espere

É preciso usar roupas adequadas para o deserto: vento sempre forte e tempestades de areia, sol extremamente quente.

Sinopse: Muito poucos Goreanos conhecem o caminho para o oásis de Klima. Qualquer um que desenhe mapas do deserto será morto. O Salt Ubar e seus guerreiros (Guardas das Dunas) controlam o comércio de sal de Klima. Seus nomes não são conhecidos, estão sempre velados ou usam máscaras.

Para RPGistas alemães; você é um grupo de mercadores que se perdeu no deserto e se afastou das rotas comerciais. Você quase não tem água. Você será encontrado! Se você encontrar uma caravana kaiila, será salvo!

Faça o que os homens dizem que vão te salvar. Talvez você conheça o oásis de Klima, mas não será informado de onde está e não saberá mais tarde como chegar lá.

Para os Guardas das Dunas: resgate os mercadores e traga-os primeiro para o Ponto de Troca, depois para o Oásis de Klima, mas não diga onde eles estão. Cuidado com a areia movediça! Se você se perder, pode estar perdido!

A dramatização dura cerca de uma hora ou mais. (Você tem que passar por um teletransportador invisível várias vezes, por favor, sempre aceite)

Como você reconhece o Oasis of Klima?
Quase um quarto de toda a produção de sal de Gor ocorre no oásis. A cerca de um dia de caminhada do oásis fica um „Ponto de Troca“. Lá chegam caravanas trazendo comida para Klima. No caminho de volta, eles levam consigo os blocos de sal que são carregados pelos prisioneiros e escravos de Klima.

Em „Tribesmen of Gor“, apenas escravos do sexo masculino viviam em Klima, as mulheres não eram permitidas. Isso mudou após a morte do Salt Ubar Saran. Quem vive no clima administra a si mesmo.

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Monasterio sanctimonialium quod Astnidhi appellatur

Essen
Essen im 16. Jahrhundert, nach einem Kupferstich von Braun und Hogenberg

Seit dem 13. Jahrhundert ruhte das seltsame Stück Schlauch, von höchster Instanz der katholischen Kirche als Sinnbild christlicher Keuschheit und Zeugnis erstaunlicher sizilianischer Mannbarkeit bestätigt, in einem kunstvoll ziselierten und mit Seide ausgekleideten Silberschrein, der nur alle hundert Jahre zur Feier des Centenariums von Sta. Felicita geöffnet und zur Schau gestellt wurde, damit jedermann das wundersam der Verwesung entzogene Glied des Heiligen in Augenschein nehmen könne. (Wolfgang Jeschke: Der letzte Tag der Schöpfung.)

Wer sich für zukünftige Welten interessiert, denkt bei „Reliquie“ natürlich zuerst an das obige Zitat, „das Unaussprechliche des Heiligen Veit“, das sich später als etwas anderes entpuppt. Versuche ich mit Freunden über meinen jüngsten Besuch im Essener Dom zu reden, muss ich – zu Recht! – erklären, was das soll und wozu man das braucht. Ich möchte das Publikum daher, bevor wie in einem weiteren Teil zum Allerschatzmäßigen kommen, mental darauf einstimmen, inwiefern Reliquien ein Baustein zu dem schon lange geplanten Einen und Einzigen Wahren und Autorativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Bericht über den Feudalismus gehören und wie er den Kapitalismus gebar und warum und warum anderswo nicht – der geplante Beitrag soll allem Widerspruch und Streit zum Thema ein Ende setzen.

Dom EssenDom Essen

Der Dom in Essen ist gedrungen und unscheinbar und liegt inmitten der extrem hässlichen und langweiligen Innenstadt, die man getrost komplett abreißen könnte, ohne dass jemand auch nur eine Träne vergösse. Früher besaß Essen, wie fast alle deutsche Städte, einen mittelalterlichen Stadtkern, dazu Straßenzüge mit der typischen Architektur der Gründerzeit. Dann meinten die Deutschen, Hitler an die Macht bringen zu müssen, mit der bekannten Folge, dass alles kaputt ging. Man muss sich also auch wundern, dass es Dinge, die aus der Karolingerzeit stammen, also mehr als ein Jahrtausend alt sind, überhaupt noch gibt.

Dom Essen
Das Kruzifix im Atrium des Doms ist um 1400 entstanden, also rund 50 Jahre vor Erfindung des Buchdrucks

Das Ruhrgebiet ist schon seit der Jungsteinzeit besiedelt. Die Franken hatten in Essen eine Burg übernommen oder bauen lassen. Interessant ist die karolingischen Zeit, also das neunte und zehnte Jahrhundert, deswegen, weil das Ruhrgebiet zum sogenannten Stammesherzogtum Sachsen gehörte, womit eine tribalistisch organisierte Gruppe Warlords gemeint ist. Das Frauenstift in Essen wurde um 840 vom sächsischen Feudalherrn und späteren Bischof Altfrid gegründet. Kaiser Karl war Franke, seine ottonischen Nachfolger Sachsen wie auch die Äbtissinen des Stiftes.

Reliquienbehälter Dom Essen
Reliquienbehälter aus Blei, Ende 10. Jh. bis ca. um 1300, einige sind jünger. Diese Kästchen wurden in die Altäre eingemauert, in die so genannten Sepulcren der Altarmensen. In einigen Behältern sind immer noch Reliquien: Knochenpartikel, mit Leinen umwickelt samt Zettelchen mit den Namen der Heiligen. In einem war eine Glasampulle, die angeblich Wasser des Jordan enthielt.

Das wirkt bis in die Architektur: Der spätere Dom auf den Fundamenten der ottonischen Kirche ist nicht, wie etwa der Kölner Dom, gotisch, setzt also nicht auf Höhe und spitze Bögen, sondern romanisch, ist also gedrungener und hat runde Bögen. Das musste damals „altertümelnd“ wirken und war vermutlich ein bewusster architektonischer Affront gegen die „Moderne“ oder auch ein kulturelles Statement des „Sächsischen“ gegen das „Fränkische“.

evangelist Dom Essenfragment himmelfahrt Dom Essen
Oben: Evangelist (Fragment), getriebene geschmiedete Messingplatte, 2. Hälfte 10. Jahrhundert, im Original 24,8 x 9 cm. Unten: Himmelfahrt Christi (Fragment), dito, im Original 23 x 11,8 cm.

Man könnte dazu noch viel mehr sagen, vor allem über die Macht der Frauen Äbtissinnen im Feudalismus, die in Essen dem Papst direkt unterstanden. Ich hatte mir eine private Führung durch äußerst kundigen Rainer Teuber gegönnt, mit dem ich höchst erbaulich diskutieren konnte. Das Publikum aber würde vermutlich laut lamentierend fliehen und wegzappen.

Türzieher Dom Essen
Türzieher, Mitte 13. Jh, gegossene ziselierte Bronze

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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)

Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) 05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) 27.12.2020)

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