Marcia Maria und reisende Rassisten

marcia maria

Mit der Marcia Maria war ich 1982 zehn Tage unterwegs auf dem Rio Solimões (Amazonas), von Tabatinga bzw. Benjamin Constant in Brasilien bis nach Manaus.

“Reiselustige Personen, so heißt es, sind weitaus weniger rassistisch. Das ist natürlich grober Unsinn. Selbst den größten Fremdenfeind begeistert eine schöne Aussicht. In Wahrheit reisen vor allem Rassisten. Die glauben in fremden Ländern etwas anderes zu finden als immerzu das Ewiggleiche. Am schlimmsten sind die Weltenbummler, ehemals Landstreicher genannt. Landstreicher aber konnten noch etwas. Oft waren das vorzügliche Taschendiebe, Trickbetrüger oder unterhaltsame Tölpel. Die Weltenbummler können gar nichts. Die brauchen auch nichts mehr zu können, weil sie nicht die Armut treibt, sondern ihr stumpfsinniger Reichtum. Die wollen niemanden berauben. Die wollen sich nur selbst bereichern. Und das nicht einmal mit Geld, denn davon haben sie genug. Nein, sie wollen Erlebnisse. Sie müssen ständig etwas erleben, um nur ja nicht leben zu müssen. Und sie wollen Erfahrungen. Sowohl gute als auch schlechte. Sie wollen lieber Erfahrungen sammeln, anstatt Wissen anzuhäufen.” (Lisa Eckhart: Omama)

image_pdfimage_print

Kommentare

2 Kommentare zu “Marcia Maria und reisende Rassisten”

  1. Godwin am Oktober 24th, 2020 10:24 pm

    “Sie müssen ständig etwas erleben, um nur ja nicht [ARBEITEN] zu müssen.”

    So müsste es eigentlich heißen.
    Und das ist ja auch nicht schlecht.
    Die Notwendigkeit die Knechtschaft der Arbeit abzustreifen, war seit jeher das Bestreben linker Bewegungen…

  2. ... der Trittbrettschreiber am Oktober 25th, 2020 10:02 am

    Lisa Eckhart ist da schon auf der richtigen Spur. Das Anhäufen von Wissen ist allerdings nur die Verwandtschaft 3. Grades zum Sammeln von Erfahrungen; es soll Prognosen, Handlungsstrategien für die Zukunft und, so der am Profit orienterte Ansatz, Effizienz schaffen. Sicher können Menschen auch genauso Freude daran haben, einen riesigen Rucksack mit Wissensmüll mit sich herum zu schleppen, wie diejeneigen, die alle Wüsten und Wadis dieser Welt, jeden Granithügel mit der Atem beraubenden Aussicht auf die anderen, meits schneebedeckten umliegenden Granithügel und jede kanarische Saufkneipe besucht haben, um dann (naja, heute wohl nicht mehr) im Freundeskreis damit zu glänzen. Ansonsten verweise ich auf Gryphius: Alles ist eitel. (Anmerkung des Kommentators: auch ein leerer Kühlschrank oder Keller)

    @Godwin
    Marx sah die Arbeit nicht als Knechtschaft sondern als freiwilliges Bedürfnis der Menschen – nur eben an Fähigkeiten orientiert. JEVER trinken ist solch eine Fähigkeit…

Schreibe einen Kommentar