Äpfel
Ein Arbeitskollege hat einen Garten und brachte die Äpfel mit, aber niemand wollte sie haben. Da habe ich sie mitgenommen. Es hat aber 90 Minuten gedauert, bis ich sie geschält und gestückelt hatte. Lecker Apfelmus mit Zimt und Vanillezucker!
Bin auf dem Weg der Besserung. Arbeiten geht ja immer.
Shakshuka
Ich habe mir einen Männerschnupfen zugelegt und fühle mich matschig in der Birne. Demnächst wieder etwas Gehaltvolleres.
FYI Kraftvolle Wiederholungen und das Wort zum Sonntag
וְהָיָה בַּיּוֹם הַהוּא אֲבַקֵּשׁ לְהַשְׁמִיד אֶת־כָּל־הַגּוֹיִם הַבָּאִים עַל־יְרוּשָׁלִָם׃
„Vnd zu der zeit, werde ich gedencken zu vertilgen alle Heiden, die wider Jerusalem gezogen sind.“ (Sacharja 12,9)
Übersetzt von Maariv – Autor Avi Aschkenasi:
Wie eine kraftvolle Wiederholung des „Pager“-Coup: Der Schlag, den Israel dem Jemen und den Huthis versetzte, kommt ans Licht.
Der dramatische Angriff in Sanaa gilt als einer der eindrucksvollsten operativen und nachrichtendienstlichen Erfolge Israels im Jemen. Kampfflugzeuge der Luftwaffe, die nach der Identifizierung des Huthi-Generalstabschefs auf die Freigabe warteten, warfen zehn Ein-Tonnen-Bomben ab und zerstörten das Gebäude mit hochrangigen Regierungsvertretern.
Der gestrige (Donnerstag) Angriff im Jemen war ein dramatischer nachrichtendienstlicher und operativer Erfolg, der sogar die „Pager“-Operation im Libanon übertraf.
Trotz der großen Distanz zu Israel – über zweitausend Kilometer – kreisten zahlreiche Kampfflugzeuge der Luftwaffe, beladen mit Tonnen von Bomben, und warteten auf das grüne Licht, um die Sitzung der Huthi-Regierung in einem geheimen Gebäude in Sanaa anzugreifen. Die Maschinen hielten sich zurück, weil der Huthi-Generalstabschef, den Israel bereits vor einigen Monaten während der Operation „Am Kol-Lavi“ zu eliminieren versucht hatte, zu der Sitzung erwartet wurde. Doch es war unklar, ob er tatsächlich eintreffen würde.
Bevor den Piloten der Befehl erteilt wurde, ohne Bombenabwurf umzukehren, fiel die Entscheidung, das Gebäude anzugreifen, in dem sich bereits fast alle Minister der Huthi-Regierung aufhielten – darunter der Innen- und der Verteidigungsminister, die neben dem Generalstabschef als Schlüsselfiguren bei der Führung der militärischen Angelegenheiten im Jemen gelten.
Der israelische Nachrichtendienst übermittelte eine Verknüpfung in der Kirya, wonach sich alle für die Ausschaltung vorgesehenen Zielpersonen im Gebäude befanden, und damit begann das Rennen gegen die Zeit. Der Generalstabschef, Generalleutnant Ejal Samir, informierte Verteidigungsminister Israel Katz und Premierminister Benjamin Netanjahu über das rote Telefon. Der Luftwaffenchef, General Tomer Bar, und seine Leute erhielten fortlaufend Updates über den Treibstoffstand der Angriffsflugzeuge und den Zeitpunkt ihres Übergangs vom Wartegebiet zum Angriff auf Sanaa, das tief im bebauten Gebiet des Jemen liegt. Ab dem Moment, in dem der Premierminister die Freigabe für den Angriff gab, gingen die Flugzeuge nacheinander hinein und warfen binnen Sekundenbruchteilen zehn Bomben ab – jede mit einer Tonne Sprengstoff – auf das Gebäude. In der Armee geht man davon aus, dass keiner der Anwesenden in dem Gebäude einen solchen Bombardement überleben konnte.
In der Armee heißt es, das Niveau der Aufklärung und die Entschlossenheit der Luftwaffe hätten den Erfolg der Operation ermöglicht. „Die Piloten und die Nachrichtendienstler zeigten Entschlossenheit und Kaltblütigkeit und signalisierten den Kommandeuren, dass sie fest entschlossen sind, auf die Bestätigung des Eintreffens des Huthi-Generalstabschefs im Gebäude zu warten. Der Erfolg der Operation resultierte aus der Beharrlichkeit von unten, von denen, die gehandelt haben“, sagte ein Militärvertreter, der in die Aktion eingeweiht war.
Avatarinnen sehen dich an, reloaded
Hübscher Avatar, aber bewaffnet!
Kreatives Handwerk, made in Germany
Alfashirt hat krasses Zeug; vielleicht ist das eine Tarnfirma von Zahal (har har). Das Galil ist in der ganzen Welt verbreitet. Wieder ein Argument, dass erstens die Position der sogenannten „Linken“, gegen die Rüstungsindustrie zu sein, völlig meschugge ist und zweitens, dass der Kapitalismus ohnehin keine Moral kennt, weil es selbstredend um den Profit geht – und um sonst nichts. Rüstungsindustrie vergesellschaften!
Übrigens werde ich jetzt nicht mehr zu den Filmfestspielen in Venedig eingeladen.
Über alles
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass die New York Times das bewusst so suggestiv formuliert hat. Wir hatten das schon ähnlich als Meme: „Wer gewann die erste Tour de France?“- „Die 9. Panzerdivision.“
Unter Ohnmächtigen
„Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt.
Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.
Die Religion ist das Opium des Volks. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen.“ (W.I. Lenin: Sozialismus und Religion, 1905)
Pigeon Point
Tobago 1982.
„This idyllic scene is typical of many of Tobago’s famed beauty spots. Pigeon Point is an easy jumping off place for Buccoo Reef and the Nylon Pool.“
Dort waren wir nicht, weil alle Touristen dort sind, sondern auf der gegenüberliegenden Seite der Insel in Charlotteville. Warum ich geschrieben habe, die Kamera sei kaputt, weiß ich nicht. Sie hat bis zur Rückkehr nach Deutschland funktioniert.
Der Schoß ist fruchtbar noch
Fuck off, Klimatisches und Vermischtes

Was haben wir denn heute noch so?
– „‘Anti-Palestinian Racism’: It’s the next tool of anti-Zionists“, schreibt die Jerusalem Post. Hoffentlich haben die jetzt nicht Frau Chebli auf noch mehr dumme Gedanken gebracht. Warum muss ich jetzt spontan an den Jemen denken?
– Der Chinese an sich ist, wenn wir den deutschen Qualitätsmedien glauben wollen, ein Imperialist. Der Vietnamese aber, eben weil er kein Chinese ist, nicht, auch wenn er noch imperialistischer ist.
– Ein US-Amerikaner sagt etwas über die deutsche Einwanderungspolitik. Die Journalistin Dunja Halali antwortet: Uwe!
– Die Chinesen bleiben stabil, was den Islam angeht.
– Leider hinter der Paywall der bürgerlichen Presse: „Entlarvte Katastrophenprognose offenbart mächtiges Netzwerk zum Schaden der Wirtschaft“
Zitat: „De Studie erntete im April 2024 donnernde Schlagzeilen: „Der Klimawandel bedroht die Weltwirtschaft“, titelte die „Tagesschau“, „Klimakrise kostet 38 Billionen Dollar pro Jahr“, meldete der „Spiegel“. Sie avancierte zur am zweithäufigsten zitierten Studie aus der Klimaforschung 2024.
Die Medienberichte angefacht hatte eine Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die für die Arbeit seiner Forscher warb: „Selbst wenn der CO₂-Ausstoß ab heute drastisch gesenkt werden sollte, ist die Weltwirtschaft aufgrund des Klimawandels bereits zu einem Einkommensverlust von 19 Prozent bis 2050 verurteilt, so eine neue Studie, die in ,Nature‘ veröffentlicht wurde“, hieß es darin. Jene Studie erweist sich aber nun als einer der größten Wissenschaftsskandale der vergangenen Jahre.
Es häufen sich fachliche Verrisse. Jetzt haben die Autoren zur Schadensbegrenzung einen neuen Aufsatz publiziert, der alles nur noch schlimmer macht. Der Fall sät grundlegende Zweifel an „Nature“, dem PIK, unkritischen Medien, Polit-Organisationen und Finanzinstituten; Kritiker sprechen von Filz. (…)
Das renommierte Magazin hätte die Arbeit nicht veröffentlichen dürfen, denn seine Redaktion war gewarnt worden: Alle vier begutachtenden Wissenschaftler hatten gravierende Mängel an der Studie festgestellt.“
– US-Botschafter Mike Huckabee kritisiert die UNO: „Die Geiseln hungern, Hamas mästet sich, und eure Lebensmittelhilfe verrottet in der Sonne von Gaza, anstatt verteilt zu werden.“ Warum sagt das der deutsche Außenminister nicht?
– „Additionally, Trump said that the States no longer spend money on Ukraine. And stated that Putin does not want to meet with Zelensky because he does not like him.“ Ist aber russische Propaganda und deshalb voll gelogen, auch wenn es wahr ist.
– Parade oder nicht Parade, das ist die Frage. Oder schauen wir uns ein Dreamgirl an? Oder ein Sixpack von Gaby Butler, die starken Männern vertraut?? Oder gehen wir zu einem Kinderfest mit einem lustigen Kostüm?

Zu müde
Morgen geht es weiter.
Am Arbeitsplatz
Mein Arbeitsplatz bis Montag, heute 12, morgen und übermorgen elf, dann acht Stunden. Danach noch woanders zwei Nachtschichten bis morgens um sechs.
Übrigens: Als ich draußen stand, fuhr Google vorbei. Es kann also sein, dass ihr bald mich in der Neustädtischen Kirchstraße sehen werdet.
Kulturelle Leistungen
„Ab einer gewissen Intensität wird Einflussnahme notwendig zu Herrschaft. Deshalb tendieren alle Hochkulturen – ohne jede Ausnahme – zum ‚Imperialismus‘. Entweder sie benahmen sich imperialistisch oder sie wurden Opfer anderer Imperialismen. „Antikolonialismus“ hat es darum nie gegeben, denn er diente stets anderen kolonialistischen Ansprüchen. ‚Imperialismen“ und „Kolonialisierungen“ differieren enorm: Die erfolgreichsten finden sich dort, wo die Unterworfenen ihre Religion und Sprache verloren (mit welchen Zwangsmitteln auch immer) und die kulturelle Identität ihrer Eroberer annahmen. Die dauerhafte Auslöschung der kulturellen Entität und Identität anderer ist selbst eine kulturelle Leistung, egal, wie wir moralisch dazu stehen.“ (Egon Flaig: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“, München 2018, S. 212)
Sklavenhaltergesellschaft und verschleierter Völkermord, revisited
Hier eine kurze Zusammenfassung dessen, was mich gerade umtreibt. Wie ich am 23.07.25 schon schrieb, lese ich gerade Egon Flaigs: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“. Ich bin noch nicht ganz durch, aber das Buch ist eine Art Standardwerk und nervte mich dergestalt, dass ich befürchtete, ich müsste meine gesammelten Thesen zum Thema „Sklavenhaltergesellschaft“ über den Haufen werfen. Also: Es ist hoch interessant.
Flaig ist kein Marxist, aber schüttet eine Fülle von Fakten über einem aus, dass einem Hören und Sehen vergeht. Leider verfügten Marx und die, die sich auf ihn ernsthaft berufen, damals über diese Fakten noch nicht.
Durch Flaig wurde ich auf Rudolf Fischers „Gold, Salz und Sklaven: die Geschichte der grossen Sudanreiche Gana [Ghana], Mali, Songhai“ (1986, 2. Auflage 1991) aufmerksam. Vor allem deswegen, weil es – soweit ich weiß – überhaupt kein vergleichbares Buch gibt. Die Rolle des arabischen Sklavenhandels in Afrika? Vermutlich wird das Thema ohnehin in deutschen Universitäten nicht behandelt, weil das woke Pack sich schon von der Fragestellung getriggert fühlt.
[Übrigens hat ChatGPT keine biografischen Informationen über den Autor und Historiker Rudolf Fischer. Nach längerem Suchen fand ich heraus, dass er an der Universität Tübingen war, vielleicht ein Doktorand.]

„Carte Du Cours Des Rivieres De Faleme [Senegal/Mali] Et Sanaga“ [Kamerun], Paris: Chez Didot, 1747; dans A.F. Prevost, Histoire Générale Des Voyages, Tome II, n° 27, 1747 – Scale: 1:845,000 (Extrême Est du Sénégal et Mali : le long de la rivière Falémé et de la rivière „Sanaga“. A l’ouest, le Boundou). cliquez pour agrandir
In dem weiten Bereich des Senegal-Niger-Gebietes kontrollierten die Herrscher des Ghanareiches den lukrativen transsaharanischen Gold- und Sklavenhandel. Der arabische Geograph und Schriftsteller des 10. Jahrhunderts, Ibn Hauqal, bezeugte diesen Handel erstmals schriftlich zwischen dem marokkanischen Sidschilmasa und dem heute mauretanischen Aoudaghost/Ghana am Nord- und Südende der großen westsaharanischen Goldroute, nachdem Ghana 990 die Kontrolle über Aoudaghost übernommen hatte. In der Hauptstadt Koumbi Saleh wurden Gold und Sklaven gegen die Waren aus dem Maghreb, Pferde, Stoffe und Waffen, aber auch gegen das Salz der Sahara getauscht. Die Wangara-Händler schafften das Gold aus Buré [Guinea] und Bambouk bis nach Koumbi Saleh und von dort brachten es berberische und arabische Händler weiter nach Norden.
[Anmerkung: Wenn ich so etwas lese, bereue ich es fast, dass ich nicht, wie geplant, 1981 quer durch Afrika getourt bin, von Algerien bis nach Timbuktu und weiter. Ich hatte schon alles beisammen, auch die Karten. Aber eine Frau überredete mich damals dazu, noch einmal nach Südamerika zu reisen. Heute wäre das fast unmöglich wegen des islamistischen Terrors und der zahllosen Kriege.]
Vorschau: Meine These, dass die „Gesellschaftsformationen“ – wie zum Beispiel „Sklavenhaltergesellschaft“ – in der marxistischen Diskussion nur analytische Kategorien sind bzw. sein sollten und keineswegs etwas über eine zeitliche Abfolge aussagen, bestätigt sich. „Analytisch“ meint: Wie ist die Beziehung des Menschen zu den Produktionsmitteln? Am „Beginn“, der idealtypischen und klassenlosen Urgesellschaft, besitzt er oder sein Kollektiv diese. Am Ende, dem Kapitalismus, hat er nichts mehr als seine Arbeitskraft, die er den Kapitalisten, die über die Produktionsmittel verfügen, verkaufen muss.
Kompliziert wird es, wenn man den Begriff „Gesellschaft“ näher ansieht. Unstrittig war das römische Reich eine Gesellschaft, die primär auf der Arbeit von Sklaven beruhte. Wie sieht es aber in Afrika aus, wo der Sklavenhandel und die Menge der Sklaven laut Flaig über die Jahrhunderte weitaus größer waren als in der Antike? Während der Lektüre kam ich immer wieder ins Grübeln, ob die These, nach den frühen Klassengesellschaften habe es mehrere Optionen gegeben, etwas die „Asiatische Produktionsweise“ oder auch die klassische Sklavenhaltergesellschaft wie im antiken Griechenland, umformuliert werden müssen: Offenbar war die Sklavenhaltergesellschaft weltwelt verbreitet; Flaig erwähnt unter anderem Korea. Bisher neigte ich eher zur Idee, diese sei insgesamt ein Sonderfall, und der Feudalismus als Idealtypus könnte auch ohne Sklavenhaltergesellschaft als Vorläufer entstanden sein. Das ist nach der Lektüre von Flaig eher unwahrscheinlich.
Ich muss gestehen, dass ich vom Thema des Buches von Fischer nicht die geringste Ahnung hatte. Reich von Songhai? Nie gehört. Auch in der Literatur, die ich bisher zitierte, werden die Sklavenhaltergesellschaften in Afrika nicht behandelt.
Ich in gespannt und werde berichten, solange es noch nicht verboten ist, kritisch über den Islam zu schreiben.

Fischer, S. 143: Frau eines Songhai-Häuptlings. Im Buch findet man den Hinweis, dass der Autor selbst mehrfach durch Afrika gereist ist; alle Karten und Fotos stammen von ihm.
Finanzielles Werkzeug
Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) aka Fjodor Lukjanow, Chefredakteur von Russia in Global Affairs, schreibt: „Trump behandelt Europa offen als ein Werkzeug – in erster Linie ein finanzielles –, das die Vereinigten Staaten von lästigen Ausgaben befreit. Er betrachtet Europa nicht als einen Partner, dessen unabhängige Position berücksichtigt werden muss.“
Gut zu wissen, dass das Propaganda ist und also gar nicht wahr sein darf kann.
Sozial engagierter Journalismus
„Das Posting eines ORF-Mitarbeiters hat für heftige Kritik auf Social Media gesorgt: Ein Redakteur, der für die Sendung „Am Schauplatz“ arbeitet, hatte mit Bezug auf Israel kommentiert: „wenn ich 2000 Jahre lang Opfer bin, dann sollte ich mir langsam überlegen, woran das wohl liegen mag.“
Auf Kurier-Anfrage teilte der ORF mit: „Der ORF verurteilt den Inhalt des Posting als völlig inakzeptabel. Eine Überprüfung möglicher dienstrechtlicher Konsequenzen wurde bereits eingeleitet. Das Posting wurde in der Zwischenzeit gelöscht.“
„Robert Gordon, Verfasser des antisemitischen Postings, arbeitet bereits seit 1995 als Redakteur bei „Am Schauplatz“. Der gebürtige Mödlinger hat in seiner beruflichen Laufbahn einige Anerkennungen und Nominierungen erhalten, darunter etwa der Claus Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus und der Leopold Unger-Preis 2016.“
Der Schoß ist eben fruchtbar noch, aus dem das kroch. Wahrscheinlich kann sich der Herr gar nicht erklären, warum jetzt einige so empört sind.
Das Scheitern der Mainstream-Ökonomie

Make a realistic photo with a white background of a thick bundle of dollar bills held together by a rubber band
Ich habe mir Michael Roberts Posting „Dollar decline; the failures of mainstream economics and epochal crisis – reviews auf seinem Blog (ist auch in der Blogroll) von Google und ChatGPT übersetzen lassen und das Ergebnis noch sprachlich feinjustiert korrigiert. In Deutschland erscheinen keine marxistischen Bücher zum Thema Ökonomie bzw. Kapitalismus, die es wert wären, rezensiert zu werden. Es gibt hier keine marxistischen Ökonomen, auch nicht bei der so genannten „Linken“. (Ich lasse mich gern des Besseren belehren.) Bei Roberts funktionieren nicht alle Links – das habe ich korrigiert. Meine Bücher-Links gehen zum Original oder zur Großbourgeoisie.
Es ist Hochsommer auf der Nordhalbkugel, daher dachte ich, es wäre an der Zeit, in Ruhe einige Bücher über die Trends der Weltwirtschaft zu rezensieren. Es handelt sich um kurze Rezensionen ohne große Tiefe, und ich schließe neue Bücher aus, die einer ausführlicheren Darstellung bedürfen.
Beginnen wir mit ein paar Büchern, die sich mit der wirtschaftlichen Hegemonie der USA und dem Dollar befassen. Der Mainstream-Ökonom Kenneth Rogoff hat Our dollar, your problem [auch in Deutsch verfügbar] veröffentlicht. Der Titel bezieht sich auf die Aussage des damaligen US-Finanzministers John Connally aus dem Jahr 1971, der seinen europäischen Amtskollegen sagte: Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem, als die USA beschlossen, den Dollar um 20 % abzuwerten, um ihre Handelsbilanz zu verbessern, die auf ein Defizit zusteuerte.
In seinem Buch argumentiert Rogoff, dass die Vorherrschaft des Dollars (die sogenannte „Pax-Dollar-Ära“) auf den Weltmärkten möglicherweise zu Ende geht. Rogoff vermutet, dass dies nicht daran liegt, dass die USA ihren Anteil am Welthandel mit Waren verlieren – was aktuell auch Trump meint. Rogoff sieht keine Anzeichen dafür, dass andere Währungen den Dollar im Handel oder Finanzwesen ersetzen könnten. Der Grund für den Dollarverfall liege in den USA selbst, nämlich im enormen Anstieg der Staatsverschuldung, die mittlerweile auf 125 % des US-BIP zusteuert. Rogoffs Schlussfolgerung lautet: Wenn die außer Kontrolle geratene US-Schuldenpolitik weiterhin mit höheren Realzinsen und geopolitischer Instabilität kollidiert und der politische Druck die Fähigkeit der Federal Reserve, die Inflation konsequent zu zügeln, einschränkt, wird dies zum Problem aller.
Die Frage der Staatsverschuldung war schon immer Rogoffs Thema. Berühmt (oder berüchtigt) ist er für sein gemeinsam mit Carmen Reinhart verfasstes Buch „This Time is Different“, in dem er darlegt, dass Wirtschafts- und Finanzkrisen durch Schulden – insbesondere Staatsschulden – verursacht werden. Erreicht die Staatsverschuldung eines Landes ein bestimmtes Niveau, kommt es zu einer Währungskrise, die die Wirtschaft zum Einsturz bringt. Die Ironie dieses Arguments liegt darin, dass die empirische Arbeit von Rogoff und Reinhart, die diese These untermauerte, von einem Doktoranden als fehlerhaft entlarvt wurde.
Vor allem zwei Dinge: Erstens: Verursacht eine hohe Staatsverschuldung Krisen oder ist es umgekehrt? Langsames Wachstum und Konjunkturabschwünge führen zu einer Verringerung der nationalen Produktion und einem Anstieg der Staatsdefizite. Die Staatsverschuldung ist in allen großen Volkswirtschaften stark angestiegen, hauptsächlich aufgrund von Krisen im privaten Sektor, die zu Bankenzusammenbrüchen und Rezessionen führten. Regierungen retten Banken und insolvente Unternehmen durch die Ausgabe von Schuldtiteln und/oder die Gelddruckerei (quantitative Lockerung). So wird die Last des Zusammenbruchs des privaten Sektors auf den öffentlichen Sektor und dann durch Sparmaßnahmen, die die Schulden abbauen sollen, auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt. Zweitens: Der Anstieg der privaten Verschuldung stellt das Risiko für die Währung eines Landes dar. Dies wird von Rogoff ignoriert, der keine bösen Worte für den Kapitalismus übrig hat.
Der sozialistische Ökonom Jack Rasmus bietet eine deutlich bessere Erklärung für den relativen Niedergang des US-Imperialismus und des Dollars. Sein Buch erscheint ab Oktober. In seinem Buch „The Twilight of American Imperialism“ behandelt er den allmählichen Rückgang der US-amerikanischen Dominanz im verarbeitenden Gewerbe ab den 1970er Jahren, der zur Aufhebung der Bindung des US-Dollars an einen festen Goldpreis führte, sowie Connallys Bemerkungen.
Rasmus argumentiert, dass es die internen Widersprüche der US-Wirtschaft sind, die ihre Fähigkeit zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Hegemonie geschwächt haben. Im 21. Jahrhundert haben die USA angesichts der Herausforderung durch die BRICS-Staaten und andere Widerstandsmächte zunehmend auf Kriege zurückgegriffen, um ihre Hegemonie zu verteidigen. Das amerikanische Imperium erreichte seinen Höhepunkt in Bezug auf globale wirtschaftliche Hegemonie und geopolitische und militärische Macht um die Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts. Seitdem befindet sich das US-Imperium in all seinen wesentlichen Dimensionen – wirtschaftlich, politisch, sozial, technologisch und sogar kulturell – im Niedergang. Nun konzentriert sich Trump stärker auf die westliche Hemisphäre und den Pazifik und ordnet strategische Prioritäten neu, beispielsweise die Vorbereitung auf die wirtschaftliche und sonstige Einbindung der BRICS-Staaten, Chinas und Russlands sowie die Sicherung von Finanzierungsquellen für Militär- und Verteidigungstechnologien der nächsten Generation.
„Blood and Treasure“ ist ein neues Buch von Duncan Weldon, jetzt beim Economist. Er argumentiert, dass Krieg zwar kostspielig sein mag, aber zeitweise auch notwendig war, damit Staaten globale Bedeutung erlangen konnten. Im Grunde wird Krieg von den wirtschaftlichen Bedürfnissen von Staaten und ihrer Elite getrieben. Tatsächlich könne die Geschichte des Krieges helfen, die moderne Ökonomie zu erklären, argumentiert Weldon. Meiner Ansicht nach ist der aktuelle Übergang der großen Volkswirtschaften vom Wohlfahrtsstaat zum Krieg kein Zufall, sondern das Ergebnis der zunehmenden Schwäche dieser Volkswirtschaften.

Create a realistic photo that metaphorically depicts the rapid national debt
Dass das Geschehen im privaten Sektor für Krisen und Finanzkollaps relevanter ist als das im öffentlichen Sektor, war schon immer die starke Botschaft des postkeynesianischen linken Ökonomen Steve Keen. Keen ist kein Marxist – tatsächlich hat er viel darüber geschrieben, Marxens Wertgesetz als ungültig und irrelevant abzutun. Anstatt Veränderungen der Rentabilität als Schlüssel zu kapitalistischen Krisen zu betrachten, sieht Keen die „übermäßige“ private Verschuldung.
Keen übte in seinem Buch „Debunking Economics“ eine brillante Kritik der Mainstream-Ökonomie. Nun hat er ein neues Buch mit dem Titel Money & Macro from First Principles für Elon Musk und andere Ingenieure veröffentlicht, in dem er Elon Musks ökonomische Ideen, die auf der libertären Marktwirtschaft Milton Friedmans basieren, widerlegt. Wie Keen sagt, sind private Bankkredite gefährlicher für die wirtschaftliche Stabilität als Staatsausgaben. Keen glaubt, dass die globale Finanzkrise von 2008 durch eine private Schuldenblase verursacht wurde. Damit hat er oberflächlich betrachtet recht. Doch warum wurde der private Kredit zu einer Blase, die platzte? Meiner Ansicht nach waren es Kräfte in der „realen“ Ökonomie der Akkumulation und Produktion, die die zugrundeliegenden Ursachen darstellten, nämlich Veränderungen in der Kapitalrentabilität.
Während die Weltwirtschaft immer weiter aus dem Ruder läuft und Krisen zunehmender Intensität auftreten, mehren sich die Kritiker der „freien Marktwirtschaft“, der neoklassischen Ökonomie. Die jüngste Kritik stammt von Nat Dyer in seinem Buch „Ricardos Traum: Wie Ökonomen die reale Welt vergaßen“. Das Buch wirft der modernen Ökonomie vor, den Bezug zu den realen Belangen verloren zu haben, die ursprünglich klassische Ökonomen wie David Ricardo motivierten, der sich konkret mit Vermögensverteilung, Handel und Arbeitsdynamik beschäftigte. Stattdessen, so Dyer, sei die zeitgenössische Ökonomie zu abstrakt geworden und werde von mathematischen Modellen dominiert, die historische, politische und soziale Realitäten ignorieren. Dyer plädiert dafür, dass die Ökonomie wieder mit Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft in Verbindung treten müsse – ganz im Sinne Ricardos. Dyers Argumente sind nicht neu, da mehrere Autoren vor ihm dieselben Punkte vorgebracht haben. Aber sein Buch bietet dem Leser eine fesselnde Reise.
Brisanter ist „Hayeks Bastarde: Das neoliberale Projekt und die Auflösung der Demokratie“ von Quinn Slobodian. Dies ist ein aufschlussreicher Bericht darüber, wie sich die neoklassische Ökonomie, wie sie von vermeintlich objektiven Ökonomen wie Friedrich Hayek vertreten wurde, in eine neoliberale Politik der Privatisierung, Gewerkschaftsfeindlichkeit, Zerstörung öffentlicher Dienstleistungen und Deregulierung verwandelte. Aber mehr noch: Die Ökonomie Hayeks wurde von der extremen Rechten aufgegriffen. Slobodian argumentiert, dass die heutigen rechtsradikalen, antidemokratischen, libertären Anhänger Hayeks nicht gegen Freihandel und Märkte (mit Ausnahme von Arbeitsmigranten) seien, sondern Bastardkinder dieser Denkrichtung. Diese Bastarde glauben an Rassenunterschiede und Stämme: Rassen sollten nicht vermischt werden. Darüber hinaus ist es die weiße Rasse, die einen höheren IQ hat, wie die Entwicklung der Informationstechnologie in den Entwicklungsländern (!) zeigt. Inmitten der Weltkrise predigten die Bastarde der ‚freien Marktwirtschaft‘-Ökonomen Mises und Hayek eine Flucht aus der Demokratie in die Sicherheit: ins Gold, in die Familie, ins Christentum, ein Appell, sich von staatlichen Geldern zu trennen und in das Metall zu investieren, das schwer in der Hand liegt.
Ich erinnere mich, dass Hayek in seinem Buch „The Road to Serfdom“ [auf deutsch verfügbar von Carlos A. Gebauer: Hayeks Warnung vor der Knechtschaft: Eine kommentierte Einführung in das Jahrhundertbuch „The Road to Serfdom“ 80 Jahre nach seiner Erstausgabe) argumentierte, staatliche Kontrolle würde die „Demokratie“ und die Freiheit der Marktwirtschaft beenden. Nach der Lektüre des Buches schrieb Keynes an Hayek: Moralisch und philosophisch stimme ich praktisch in allen Punkten überein; und nicht nur, sondern zutiefst bewegt. Hayeks Antisozialismus war also nicht nur ein Aushängeschild libertärer Faschisten.

Der Präsident des Centro de Estudios Públicos in Chile, Jorge Cauas, begrüßt die Konferenz „Grundlagen für ein freies Gesellschaftssystem“ im April 1981. Friedrich Hayek ist als vierter von links in der ersten Reihe zu sehen. (Centro de Estudios Públicos via Wikimedia Commons)
Hayek reiste nach dem Militärputsch, der General Pinochet an die Macht brachte, nach Chile. 1981, auf dem Höhepunkt der Diktatur, organisierte er Treffen der libertären Mont Peleriin society in Viña del Mar, Chile. Er gab der regierungsnahen Zeitung El Mercurio ein Interview (damals gab es natürlich noch keine regierungsfeindlichen Zeitungen), in dem er angeblich sagte: Mi preferencia personal se inclina a una dictadura liberal y no a un gobierno democrático donde todo liberalismo esté ausente (zitiert in Juan T. López, „Hayek, Pinochet y algún otro más“, El País, 22. Juni 1999. Eine grobe Übersetzung lautet: Meine persönliche Vorliebe tendiert zu einer liberalen Diktatur und nicht zu einer demokratischen Regierung, in der jeglicher Liberalismus fehlt.) Slobodian argumentiert, dass sich diese Ansichten im 21. Jahrhundert mit Leuten wie Jair Bolsonaro in Brasilien, Sebastian Kurz in Österreich, Donald Trump in den USA und jetzt Milei in Argentinien verbreitet haben. Viele vermeintliche Störer des Status quo sind weniger eine Gegenreaktion gegen den globalen Kapitalismus als vielmehr eine Gegenreaktion innerhalb des Kapitalismus.
Manche mögen argumentieren, dass auch China eine Diktatur sei, doch selbst wenn das stimmt, ist diese Diktatur kein Produkt von Hayeks „Bastarden“. Zwei neue Bücher über China sind erschienen, neben vielen, die im Laufe der Jahrzehnte veröffentlicht wurden. In „China im Aufstieg: Der Wandel struktureller Macht im Zeitalter der Multipolarität“ greifen Efe Can Gürcan und Can Donduran auf das Konzept der „strukturellen Macht“ der verstorbenen britischen Ökonomin Susan Strange zurück, um den Aufstieg Chinas zu erklären. Ihnen gefällt Stranges Ansatz zur Entwicklung, weil er eklektisch ist und Erkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven, darunter Realismus, Liberalismus, Konstruktivismus und Marxismus, kombiniert. Mit dieser Mischung argumentieren die Autoren, dass Chinas Aufstieg nicht auf eine aggressive politische Kraft zurückzuführen sei, sondern auf eine „strukturelle wirtschaftliche Entwicklung“. Dies erscheint mir offensichtlich, und darüber hinaus fehlt dem Buch jede klare Botschaft zu den Ursachen des Aufstiegs Chinas.
Der chinesische Ökonom Xiaohuan Lan bringt es in seinem Buch Wie China funktioniert auf den Punkt. Es ist ein Bestseller in China [und kostet leider rund 90 Dollar]. Lan argumentiert, Chinas Aufstieg sei nicht primär auf den Aufstieg des kapitalistischen Sektors zurückzuführen, sondern vor allem auf die Rolle des Staates. Er sagt jedoch: Die Rolle des Staates zu betonen, ist sicherlich nicht dasselbe wie für eine Planwirtschaft einzutreten. Er behauptet, es gebe in China keine Planwirtschaft sowjetischen Stils mehr, und solches Gerede sei „nicht am Thema“. Ich finde diese Schlussfolgerung seltsam unvereinbar mit der Politik der KP, die zwar keine zentrale Planung sowjetischen Stils ist, aber dennoch einen Fünfjahresplan für Chinas Entwicklungsziele vorlegt, an dem sich Staat und Privatwirtschaft orientieren sollen. Xiaohuan Lan sieht Chinas Wirtschaftssystem in drei Komponenten: lokale Regierungen mit großen Ressourcen und großem Handlungsspielraum; eine mächtige Zentralregierung mit ausgeprägter Koordinations- und Kontrollfähigkeit; und ein gut organisiertes bürokratisches System mit starkem Humankapital. Ich denke, man könnte den staatlichen Finanzsektor und große Staatsunternehmen in allen Sektoren noch hinzufügen.
Schließlich gibt es einige neue Bücher, die die Widersprüche des Kapitalismus im 21. Jahrhundert erklären. Der französische Ökonom Thomas Piketty hat ein Buch veröffentlicht, das einen Dialog zwischen ihm und Michael Sandel wiedergibt. Piketty ist vielen als Experte für weltweite Vermögensungleichheit bekannt und berühmt für sein Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert, das vor über zehn Jahren die Mainstream-Wirtschaftsmedien im Sturm eroberte. Michael Sandel lehrt politische Philosophie an der Harvard University und wird als „Rockstar-Moralist“ (Newsweek) und „der einflussreichste lebende Philosoph der Welt“ (New Statesman) bezeichnet.
In ihrem Buch „Equality: What It Means and Why It Matters“ [auf Deutsch verfügbar: „Die Kämpfe der Zukunft: Gleichheit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert“] diskutieren Piketty und Sandel, wie Ungleichheit weltweit verringert oder beseitigt werden kann. Sie fordern Kapitalkontrollen, um reiche Menschen und Unternehmen davon abzuhalten, ihr Vermögen in Steueroasen weltweit zu verstecken. Piketty fordert zudem eine Rückkehr zur progressiven Einkommensbesteuerung, die neoliberale Regierungen seit 40 Jahren schrittweise abschafften. Um der zunehmenden Ungleichheit entgegenzuwirken, scheinen sich Piketty und Sandel auf eine Form des „demokratischen Sozialismus“ zu einigen. Dieser zielt auf eine Ausweitung des öffentlichen Dienstleistungsangebots, einschließlich Gesundheits- und Bildungswesen, und eine stärkere Arbeitnehmervertretung in Unternehmensvorständen ab, „um die Beteiligung und Partizipation an Entscheidungsprozessen in der gesamten Wirtschaft zu erweitern“.
Für mich scheint dies eine Rückkehr zur Politik der Sozialdemokratie zu sein, nämlich einer schrittweisen Reform des Kapitalismus, um ihn gerechter und kontrollierbarer zu machen – eine Politik, die in den 1970er Jahren, als das goldene Zeitalter des Kapitalismus nach dem Krieg zu Ende ging, kläglich scheiterte. Das Problem, Ungleichheit als Hauptwiderspruch des Kapitalismus zu betrachten, besteht darin, dass es keine Erklärung [von den oben genannten Autoren] für die Existenz von Ungleichheit gibt. Dies war eine der Schwächen von Pikettys Meisterwerk von 2014.
Ungleichheit entsteht [laut Marx] durch die Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital. Ungleichheit lässt sich nicht wesentlich verringern, indem man im Nachhinein versucht, Vermögen und Einkommen durch progressive Steuerpolitik oder bessere öffentliche Dienstleistungen umzuverteilen. Kapitalistische Akkumulation führt lediglich zu mehr Ausbeutung.
Schließlich präsentiert William I. Robinson in seinem Buch „Epochal Crisis: The Exhaustion of Global Capitalism“, das Anfang nächsten Monats erscheint [kostet mehr als 100 Dollar], eine umfassende Analyse der globalen Krise des Kapitalismus.
Robinson geht davon aus, dass die wachsenden Widersprüche im Kapitalismus außer Kontrolle geraten, während seine Fähigkeit zur globalen kapitalistischen Erneuerung erschöpft ist. Der Kapitalismus verliert seine Produktivkraft und gerät in eine beispiellose und vielschichtige Krise. Robinson präsentiert sowohl theoretische als auch empirische Belege für einen irreversiblen Rückgang der Reproduktionsfähigkeit des Kapitalismus. Die neuen digitalen Technologien (KI usw.) könnten dem globalen Kapitalismus zwar zu neuem Leben verhelfen, allerdings nur vorübergehend. Der Zeitrahmen für eine solche Erschöpfung beträgt nur Jahrzehnte.
Robinson untersucht die Grundprinzipien der marxistischen politischen Ökonomie und Krisentheorie sowie die politischen und ökologischen Komponenten dieser Erschöpfung. Strukturkrisen haben ihren Ursprung in der Entstehung von Hindernissen für den laufenden Akkumulationsprozess, d. h. für die Profitmaximierung. Akkumulationskrisen sind in Wirklichkeit das Ergebnis einer zu starken Akkumulation; es handelt sich um Überakkumulationskrisen oder die Überproduktion von Kapital im Verhältnis zur Profitabilität.
Robinson argumentiert, dass der Kapitalismus möglicherweise einer tiefen Krise seiner eigenen Reproduktion gegenübersteht. Ohne Klassenkampf zu dessen Sturz könnte das System jedoch noch Jahrzehnte überdauern, zumindest bis der Kollaps der Biosphäre und der Zusammenbruch der gesellschaftlichen Reproduktion im großen Maßstab die Reproduktion des Kapitals unmöglich machen. Es ist daher unmöglich, die Politik von der epochalen Krise des globalen Kapitalismus zu trennen.
Durch die Wüste, revisited
Ein Eindruck vom vorgestrigen Rollenspiel-Plot auf meiner Sim in Secondlife.
Putita oder: En el barro

Alle Screenshots Netflix/Burks
Ich empfehle wärmstens „Im Dreck“ (Spanisch: El el barro), ein argentinischer Film auf Netflix über den (fiktiven) Frauenknast „La Quebrada“ (Spanisch: „Die Schlucht“, metaphorisch für einen abgelegenen Ort).
Der Plot ist nicht neu, sondern entspricht in etwa dem von Orange is the New Black. „Im Dreck“ ist noch besser – und die Charaktere realistischer.
Das Publikum mag mir zunächst verzeihen, dass ich befangen bin: Ich schaue den Film natürlich in Spanisch, weil ich den Tonfall einfach liebe. Spanisch ist die Sprache, die sich vom Klang her am besten dazu eignet, wenn man jemanden anschreien und beleidigen will. Nebeneffekt: Man lernt unzählige Schimpfwörter und Flüche dazu (was natürlich zu erwarten war). „Putita“ etwa habe ich sofort erkannt: „Puta“ ist die Prostituierte, aber in Lateinamerika wird vieles mit der Verkleinerungsform -ita benutzt – also: Du kleine Hure! (Ich muss mir das alles aufschreiben, falls ich je wieder in ein Land reise, in dem Spanisch gesprochen wird.)
Für die hier mitlesenden Spanner und Voyeure und lüsternen alten Herren: Es kommen zahlreiche nackte Frauen vor, es werden heimlich Pornos im Knast gedreht, und natürlich gibt es Lesben- und anderen Sex.
Die Stimmung ist aber insgesamt düster, hart, Gewalt ist selbstredend an der Tagesordnung. Philosophische Frage aus dem Off: wie entsteht Solidarität und warum, wenn alle gegen alle ums Überleben kämpfen?
Ich habe nur wenige aussagekräftige Rezensionen gefunden. „Diese achtteilige argentinische Serie ist keine eigenständige Produktion, sondern ein mit Spannung erwartetes Spin-off des von der Kritik gefeierten Kriminaldramas El Marginal, einer Serie, die das Gefängnisgenre mit ihrer rohen Wirklichkeitsnähe und komplexen Charakterstudien neu definierte“. (Werde ich mir gleich danach ansehen – aber nur Frauen ist natürlich interessanter, weil es vom Plot „Männer im Knast“ schon fantastilliarden Versionen gib.)
Ich empfehle die Serie vor allem wegen der Schauspielerinnen. Insbesondere Valentina Zenere hat mich gefesselt (ich habe sie auf dem Wikipedia-Foto gar nicht sofort wiedererkannt). Die wechselt von einem Augenblick zum anderen vom viel zu jungen Höhere-Tochter-und-Model-Look zur abgebrühten Porno-Diva. Auch die anderen Latinas spielen umwerfend, und einige sehen auch so aus. (Maria Beccera hat fast 15 Millionen Follower auf Instagram). Die Kolumbianerinnen – allesamt lechz!
Am meisten gefallen mir aber die alten, abgezockten Frauen, die das Sagen haben: Lorena Vega, neben der Zenere die heimliche Hauptdarstellerin (und exakt mein – natürlich erfolgloses – Beuteschema – und sogar nicht zu jung). Und Ana Garibaldi und noch einige andere. Durchweg großartige Schauspielerei.
Ich bin erst bei der vierten Folge, und das Niveau bleibt gleich hoch. (Wer die Serie nicht OmU sieht, kommt in den nächsten See mit einem Gewicht an den Füßen.)
[Bitte selbst ausfüllen] provoziert mit
„Ankunft in Alaska. Trägt Lawrow ein UdSSR-T-Shirt?“ Was erlauben Lawrow?
Als ich die Meldung der Qualitätsboulevardmedien las, trug ich auch ein T-Shirt, was ich hiermit dokumentiere.
Weitere Meldung: Sack Reis in China provoziert mit Umfallen.




































