Das Scheitern der Mainstream-Ökonomie

dollars
Make a realistic photo with a white background of a thick bundle of dollar bills held together by a rubber band

Ich habe mir Michael Roberts Posting „Dollar decline; the failures of mainstream economics and epochal crisis – reviews auf seinem Blog (ist auch in der Blogroll) von Google und ChatGPT übersetzen lassen und das Ergebnis noch sprachlich feinjustiert korrigiert. In Deutschland erscheinen keine marxistischen Bücher zum Thema Ökonomie bzw. Kapitalismus, die es wert wären, rezensiert zu werden. Es gibt hier keine marxistischen Ökonomen, auch nicht bei der so genannten „Linken“. (Ich lasse mich gern des Besseren belehren.) Bei Roberts funktionieren nicht alle Links – das habe ich korrigiert. Meine Bücher-Links gehen zum Original oder zur Großbourgeoisie.

Es ist Hochsommer auf der Nordhalbkugel, daher dachte ich, es wäre an der Zeit, in Ruhe einige Bücher über die Trends der Weltwirtschaft zu rezensieren. Es handelt sich um kurze Rezensionen ohne große Tiefe, und ich schließe neue Bücher aus, die einer ausführlicheren Darstellung bedürfen.

Beginnen wir mit ein paar Büchern, die sich mit der wirtschaftlichen Hegemonie der USA und dem Dollar befassen. Der Mainstream-Ökonom Kenneth Rogoff hat Our dollar, your problem [auch in Deutsch verfügbar] veröffentlicht. Der Titel bezieht sich auf die Aussage des damaligen US-Finanzministers John Connally aus dem Jahr 1971, der seinen europäischen Amtskollegen sagte: Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem, als die USA beschlossen, den Dollar um 20 % abzuwerten, um ihre Handelsbilanz zu verbessern, die auf ein Defizit zusteuerte.

staatsverschuldung USA

In seinem Buch argumentiert Rogoff, dass die Vorherrschaft des Dollars (die sogenannte „Pax-Dollar-Ära“) auf den Weltmärkten möglicherweise zu Ende geht. Rogoff vermutet, dass dies nicht daran liegt, dass die USA ihren Anteil am Welthandel mit Waren verlieren – was aktuell auch Trump meint. Rogoff sieht keine Anzeichen dafür, dass andere Währungen den Dollar im Handel oder Finanzwesen ersetzen könnten. Der Grund für den Dollarverfall liege in den USA selbst, nämlich im enormen Anstieg der Staatsverschuldung, die mittlerweile auf 125 % des US-BIP zusteuert. Rogoffs Schlussfolgerung lautet: Wenn die außer Kontrolle geratene US-Schuldenpolitik weiterhin mit höheren Realzinsen und geopolitischer Instabilität kollidiert und der politische Druck die Fähigkeit der Federal Reserve, die Inflation konsequent zu zügeln, einschränkt, wird dies zum Problem aller.

Die Frage der Staatsverschuldung war schon immer Rogoffs Thema. Berühmt (oder berüchtigt) ist er für sein gemeinsam mit Carmen Reinhart verfasstes Buch „This Time is Different“, in dem er darlegt, dass Wirtschafts- und Finanzkrisen durch Schulden – insbesondere Staatsschulden – verursacht werden. Erreicht die Staatsverschuldung eines Landes ein bestimmtes Niveau, kommt es zu einer Währungskrise, die die Wirtschaft zum Einsturz bringt. Die Ironie dieses Arguments liegt darin, dass die empirische Arbeit von Rogoff und Reinhart, die diese These untermauerte, von einem Doktoranden als fehlerhaft entlarvt wurde.

Vor allem zwei Dinge: Erstens: Verursacht eine hohe Staatsverschuldung Krisen oder ist es umgekehrt? Langsames Wachstum und Konjunkturabschwünge führen zu einer Verringerung der nationalen Produktion und einem Anstieg der Staatsdefizite. Die Staatsverschuldung ist in allen großen Volkswirtschaften stark angestiegen, hauptsächlich aufgrund von Krisen im privaten Sektor, die zu Bankenzusammenbrüchen und Rezessionen führten. Regierungen retten Banken und insolvente Unternehmen durch die Ausgabe von Schuldtiteln und/oder die Gelddruckerei (quantitative Lockerung). So wird die Last des Zusammenbruchs des privaten Sektors auf den öffentlichen Sektor und dann durch Sparmaßnahmen, die die Schulden abbauen sollen, auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt. Zweitens: Der Anstieg der privaten Verschuldung stellt das Risiko für die Währung eines Landes dar. Dies wird von Rogoff ignoriert, der keine bösen Worte für den Kapitalismus übrig hat.

Der sozialistische Ökonom Jack Rasmus bietet eine deutlich bessere Erklärung für den relativen Niedergang des US-Imperialismus und des Dollars. Sein Buch erscheint ab Oktober. In seinem Buch „The Twilight of American Imperialism“ behandelt er den allmählichen Rückgang der US-amerikanischen Dominanz im verarbeitenden Gewerbe ab den 1970er Jahren, der zur Aufhebung der Bindung des US-Dollars an einen festen Goldpreis führte, sowie Connallys Bemerkungen.

Rasmus argumentiert, dass es die internen Widersprüche der US-Wirtschaft sind, die ihre Fähigkeit zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Hegemonie geschwächt haben. Im 21. Jahrhundert haben die USA angesichts der Herausforderung durch die BRICS-Staaten und andere Widerstandsmächte zunehmend auf Kriege zurückgegriffen, um ihre Hegemonie zu verteidigen. Das amerikanische Imperium erreichte seinen Höhepunkt in Bezug auf globale wirtschaftliche Hegemonie und geopolitische und militärische Macht um die Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts. Seitdem befindet sich das US-Imperium in all seinen wesentlichen Dimensionen – wirtschaftlich, politisch, sozial, technologisch und sogar kulturell – im Niedergang. Nun konzentriert sich Trump stärker auf die westliche Hemisphäre und den Pazifik und ordnet strategische Prioritäten neu, beispielsweise die Vorbereitung auf die wirtschaftliche und sonstige Einbindung der BRICS-Staaten, Chinas und Russlands sowie die Sicherung von Finanzierungsquellen für Militär- und Verteidigungstechnologien der nächsten Generation.

Blood and Treasure“ ist ein neues Buch von Duncan Weldon, jetzt beim Economist. Er argumentiert, dass Krieg zwar kostspielig sein mag, aber zeitweise auch notwendig war, damit Staaten globale Bedeutung erlangen konnten. Im Grunde wird Krieg von den wirtschaftlichen Bedürfnissen von Staaten und ihrer Elite getrieben. Tatsächlich könne die Geschichte des Krieges helfen, die moderne Ökonomie zu erklären, argumentiert Weldon. Meiner Ansicht nach ist der aktuelle Übergang der großen Volkswirtschaften vom Wohlfahrtsstaat zum Krieg kein Zufall, sondern das Ergebnis der zunehmenden Schwäche dieser Volkswirtschaften.

staatsverschuldung
Create a realistic photo that metaphorically depicts the rapid national debt

Dass das Geschehen im privaten Sektor für Krisen und Finanzkollaps relevanter ist als das im öffentlichen Sektor, war schon immer die starke Botschaft des postkeynesianischen linken Ökonomen Steve Keen. Keen ist kein Marxist – tatsächlich hat er viel darüber geschrieben, Marxens Wertgesetz als ungültig und irrelevant abzutun. Anstatt Veränderungen der Rentabilität als Schlüssel zu kapitalistischen Krisen zu betrachten, sieht Keen die „übermäßige“ private Verschuldung.

Keen übte in seinem Buch „Debunking Economics“ eine brillante Kritik der Mainstream-Ökonomie. Nun hat er ein neues Buch mit dem Titel Money & Macro from First Principles für Elon Musk und andere Ingenieure veröffentlicht, in dem er Elon Musks ökonomische Ideen, die auf der libertären Marktwirtschaft Milton Friedmans basieren, widerlegt. Wie Keen sagt, sind private Bankkredite gefährlicher für die wirtschaftliche Stabilität als Staatsausgaben. Keen glaubt, dass die globale Finanzkrise von 2008 durch eine private Schuldenblase verursacht wurde. Damit hat er oberflächlich betrachtet recht. Doch warum wurde der private Kredit zu einer Blase, die platzte? Meiner Ansicht nach waren es Kräfte in der „realen“ Ökonomie der Akkumulation und Produktion, die die zugrundeliegenden Ursachen darstellten, nämlich Veränderungen in der Kapitalrentabilität.

Während die Weltwirtschaft immer weiter aus dem Ruder läuft und Krisen zunehmender Intensität auftreten, mehren sich die Kritiker der „freien Marktwirtschaft“, der neoklassischen Ökonomie. Die jüngste Kritik stammt von Nat Dyer in seinem Buch „Ricardos Traum: Wie Ökonomen die reale Welt vergaßen“. Das Buch wirft der modernen Ökonomie vor, den Bezug zu den realen Belangen verloren zu haben, die ursprünglich klassische Ökonomen wie David Ricardo motivierten, der sich konkret mit Vermögensverteilung, Handel und Arbeitsdynamik beschäftigte. Stattdessen, so Dyer, sei die zeitgenössische Ökonomie zu abstrakt geworden und werde von mathematischen Modellen dominiert, die historische, politische und soziale Realitäten ignorieren. Dyer plädiert dafür, dass die Ökonomie wieder mit Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft in Verbindung treten müsse – ganz im Sinne Ricardos. Dyers Argumente sind nicht neu, da mehrere Autoren vor ihm dieselben Punkte vorgebracht haben. Aber sein Buch bietet dem Leser eine fesselnde Reise.

Brisanter ist „Hayeks Bastarde: Das neoliberale Projekt und die Auflösung der Demokratie“ von Quinn Slobodian. Dies ist ein aufschlussreicher Bericht darüber, wie sich die neoklassische Ökonomie, wie sie von vermeintlich objektiven Ökonomen wie Friedrich Hayek vertreten wurde, in eine neoliberale Politik der Privatisierung, Gewerkschaftsfeindlichkeit, Zerstörung öffentlicher Dienstleistungen und Deregulierung verwandelte. Aber mehr noch: Die Ökonomie Hayeks wurde von der extremen Rechten aufgegriffen. Slobodian argumentiert, dass die heutigen rechtsradikalen, antidemokratischen, libertären Anhänger Hayeks nicht gegen Freihandel und Märkte (mit Ausnahme von Arbeitsmigranten) seien, sondern Bastardkinder dieser Denkrichtung. Diese Bastarde glauben an Rassenunterschiede und Stämme: Rassen sollten nicht vermischt werden. Darüber hinaus ist es die weiße Rasse, die einen höheren IQ hat, wie die Entwicklung der Informationstechnologie in den Entwicklungsländern (!) zeigt. Inmitten der Weltkrise predigten die Bastarde der ‚freien Marktwirtschaft‘-Ökonomen Mises und Hayek eine Flucht aus der Demokratie in die Sicherheit: ins Gold, in die Familie, ins Christentum, ein Appell, sich von staatlichen Geldern zu trennen und in das Metall zu investieren, das schwer in der Hand liegt.

Ich erinnere mich, dass Hayek in seinem Buch „The Road to Serfdom“ [auf deutsch verfügbar von Carlos A. Gebauer: Hayeks Warnung vor der Knechtschaft: Eine kommentierte Einführung in das Jahrhundertbuch „The Road to Serfdom“ 80 Jahre nach seiner Erstausgabe) argumentierte, staatliche Kontrolle würde die „Demokratie“ und die Freiheit der Marktwirtschaft beenden. Nach der Lektüre des Buches schrieb Keynes an Hayek: Moralisch und philosophisch stimme ich praktisch in allen Punkten überein; und nicht nur, sondern zutiefst bewegt. Hayeks Antisozialismus war also nicht nur ein Aushängeschild libertärer Faschisten.

Peleriin society
Der Präsident des Centro de Estudios Públicos in Chile, Jorge Cauas, begrüßt die Konferenz „Grundlagen für ein freies Gesellschaftssystem“ im April 1981. Friedrich Hayek ist als vierter von links in der ersten Reihe zu sehen. (Centro de Estudios Públicos via Wikimedia Commons)

Hayek reiste nach dem Militärputsch, der General Pinochet an die Macht brachte, nach Chile. 1981, auf dem Höhepunkt der Diktatur, organisierte er Treffen der libertären Mont Peleriin society in Viña del Mar, Chile. Er gab der regierungsnahen Zeitung El Mercurio ein Interview (damals gab es natürlich noch keine regierungsfeindlichen Zeitungen), in dem er angeblich sagte: Mi preferencia personal se inclina a una dictadura liberal y no a un gobierno democrático donde todo liberalismo esté ausente (zitiert in Juan T. López, „Hayek, Pinochet y algún otro más“, El País, 22. Juni 1999. Eine grobe Übersetzung lautet: Meine persönliche Vorliebe tendiert zu einer liberalen Diktatur und nicht zu einer demokratischen Regierung, in der jeglicher Liberalismus fehlt.) Slobodian argumentiert, dass sich diese Ansichten im 21. Jahrhundert mit Leuten wie Jair Bolsonaro in Brasilien, Sebastian Kurz in Österreich, Donald Trump in den USA und jetzt Milei in Argentinien verbreitet haben. Viele vermeintliche Störer des Status quo sind weniger eine Gegenreaktion gegen den globalen Kapitalismus als vielmehr eine Gegenreaktion innerhalb des Kapitalismus.

Manche mögen argumentieren, dass auch China eine Diktatur sei, doch selbst wenn das stimmt, ist diese Diktatur kein Produkt von Hayeks „Bastarden“. Zwei neue Bücher über China sind erschienen, neben vielen, die im Laufe der Jahrzehnte veröffentlicht wurden. In „China im Aufstieg: Der Wandel struktureller Macht im Zeitalter der Multipolarität“ greifen Efe Can Gürcan und Can Donduran auf das Konzept der „strukturellen Macht“ der verstorbenen britischen Ökonomin Susan Strange zurück, um den Aufstieg Chinas zu erklären. Ihnen gefällt Stranges Ansatz zur Entwicklung, weil er eklektisch ist und Erkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven, darunter Realismus, Liberalismus, Konstruktivismus und Marxismus, kombiniert. Mit dieser Mischung argumentieren die Autoren, dass Chinas Aufstieg nicht auf eine aggressive politische Kraft zurückzuführen sei, sondern auf eine „strukturelle wirtschaftliche Entwicklung“. Dies erscheint mir offensichtlich, und darüber hinaus fehlt dem Buch jede klare Botschaft zu den Ursachen des Aufstiegs Chinas.

Der chinesische Ökonom Xiaohuan Lan bringt es in seinem Buch Wie China funktioniert auf den Punkt. Es ist ein Bestseller in China [und kostet leider rund 90 Dollar]. Lan argumentiert, Chinas Aufstieg sei nicht primär auf den Aufstieg des kapitalistischen Sektors zurückzuführen, sondern vor allem auf die Rolle des Staates. Er sagt jedoch: Die Rolle des Staates zu betonen, ist sicherlich nicht dasselbe wie für eine Planwirtschaft einzutreten. Er behauptet, es gebe in China keine Planwirtschaft sowjetischen Stils mehr, und solches Gerede sei „nicht am Thema“. Ich finde diese Schlussfolgerung seltsam unvereinbar mit der Politik der KP, die zwar keine zentrale Planung sowjetischen Stils ist, aber dennoch einen Fünfjahresplan für Chinas Entwicklungsziele vorlegt, an dem sich Staat und Privatwirtschaft orientieren sollen. Xiaohuan Lan sieht Chinas Wirtschaftssystem in drei Komponenten: lokale Regierungen mit großen Ressourcen und großem Handlungsspielraum; eine mächtige Zentralregierung mit ausgeprägter Koordinations- und Kontrollfähigkeit; und ein gut organisiertes bürokratisches System mit starkem Humankapital. Ich denke, man könnte den staatlichen Finanzsektor und große Staatsunternehmen in allen Sektoren noch hinzufügen.

Schließlich gibt es einige neue Bücher, die die Widersprüche des Kapitalismus im 21. Jahrhundert erklären. Der französische Ökonom Thomas Piketty hat ein Buch veröffentlicht, das einen Dialog zwischen ihm und Michael Sandel wiedergibt. Piketty ist vielen als Experte für weltweite Vermögensungleichheit bekannt und berühmt für sein Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert, das vor über zehn Jahren die Mainstream-Wirtschaftsmedien im Sturm eroberte. Michael Sandel lehrt politische Philosophie an der Harvard University und wird als „Rockstar-Moralist“ (Newsweek) und „der einflussreichste lebende Philosoph der Welt“ (New Statesman) bezeichnet.

In ihrem Buch „Equality: What It Means and Why It Matters“ [auf Deutsch verfügbar: „Die Kämpfe der Zukunft: Gleichheit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert“] diskutieren Piketty und Sandel, wie Ungleichheit weltweit verringert oder beseitigt werden kann. Sie fordern Kapitalkontrollen, um reiche Menschen und Unternehmen davon abzuhalten, ihr Vermögen in Steueroasen weltweit zu verstecken. Piketty fordert zudem eine Rückkehr zur progressiven Einkommensbesteuerung, die neoliberale Regierungen seit 40 Jahren schrittweise abschafften. Um der zunehmenden Ungleichheit entgegenzuwirken, scheinen sich Piketty und Sandel auf eine Form des „demokratischen Sozialismus“ zu einigen. Dieser zielt auf eine Ausweitung des öffentlichen Dienstleistungsangebots, einschließlich Gesundheits- und Bildungswesen, und eine stärkere Arbeitnehmervertretung in Unternehmensvorständen ab, „um die Beteiligung und Partizipation an Entscheidungsprozessen in der gesamten Wirtschaft zu erweitern“.

Für mich scheint dies eine Rückkehr zur Politik der Sozialdemokratie zu sein, nämlich einer schrittweisen Reform des Kapitalismus, um ihn gerechter und kontrollierbarer zu machen – eine Politik, die in den 1970er Jahren, als das goldene Zeitalter des Kapitalismus nach dem Krieg zu Ende ging, kläglich scheiterte. Das Problem, Ungleichheit als Hauptwiderspruch des Kapitalismus zu betrachten, besteht darin, dass es keine Erklärung [von den oben genannten Autoren] für die Existenz von Ungleichheit gibt. Dies war eine der Schwächen von Pikettys Meisterwerk von 2014.

Ungleichheit entsteht [laut Marx] durch die Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital. Ungleichheit lässt sich nicht wesentlich verringern, indem man im Nachhinein versucht, Vermögen und Einkommen durch progressive Steuerpolitik oder bessere öffentliche Dienstleistungen umzuverteilen. Kapitalistische Akkumulation führt lediglich zu mehr Ausbeutung.

Schließlich präsentiert William I. Robinson in seinem Buch „Epochal Crisis: The Exhaustion of Global Capitalism“, das Anfang nächsten Monats erscheint [kostet mehr als 100 Dollar], eine umfassende Analyse der globalen Krise des Kapitalismus.

Robinson geht davon aus, dass die wachsenden Widersprüche im Kapitalismus außer Kontrolle geraten, während seine Fähigkeit zur globalen kapitalistischen Erneuerung erschöpft ist. Der Kapitalismus verliert seine Produktivkraft und gerät in eine beispiellose und vielschichtige Krise. Robinson präsentiert sowohl theoretische als auch empirische Belege für einen irreversiblen Rückgang der Reproduktionsfähigkeit des Kapitalismus. Die neuen digitalen Technologien (KI usw.) könnten dem globalen Kapitalismus zwar zu neuem Leben verhelfen, allerdings nur vorübergehend. Der Zeitrahmen für eine solche Erschöpfung beträgt nur Jahrzehnte.

Robinson untersucht die Grundprinzipien der marxistischen politischen Ökonomie und Krisentheorie sowie die politischen und ökologischen Komponenten dieser Erschöpfung. Strukturkrisen haben ihren Ursprung in der Entstehung von Hindernissen für den laufenden Akkumulationsprozess, d. h. für die Profitmaximierung. Akkumulationskrisen sind in Wirklichkeit das Ergebnis einer zu starken Akkumulation; es handelt sich um Überakkumulationskrisen oder die Überproduktion von Kapital im Verhältnis zur Profitabilität.

Robinson argumentiert, dass der Kapitalismus möglicherweise einer tiefen Krise seiner eigenen Reproduktion gegenübersteht. Ohne Klassenkampf zu dessen Sturz könnte das System jedoch noch Jahrzehnte überdauern, zumindest bis der Kollaps der Biosphäre und der Zusammenbruch der gesellschaftlichen Reproduktion im großen Maßstab die Reproduktion des Kapitals unmöglich machen. Es ist daher unmöglich, die Politik von der epochalen Krise des globalen Kapitalismus zu trennen.

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Kommentare

13 Kommentare zu “Das Scheitern der Mainstream-Ökonomie”

  1. ... der trittbrettschreiber am August 18th, 2025 3:01 p.m.

    Man sagt ja, dass im Moment des Todes sich das Leben als Film verabschiedet.
    Ich habe lange darüber nachgedacht, wie es wohl einem Buchhalter ergeht, in der ersten Reihe derer, die in diesem Showdown Kino sämtliche Exceltabellen ihres Dasein noch einmal abgespult bekommen. Erst da begann ich ,das Wort Empathie in seiner ganzen Tiefe zu verstehen – und ich weinte (ääh wieherte) bitterlich.
    Was, so beginne ich mich nun zu fragen, widerfährt dem finalen Cineasten, der sein Leben als Intellektueller, als Politinfluenzer, honorarabhängiger Journalist oder Wellnessphilosoph verbracht hat oder Gesellschaftsanalytiker oder gar Leser von Büchern, die nur ganz wenige Menschen auf dieser Welt interessieren und verstehen können, einfach weil ihnen die Lebenszeit dazu nicht gegeben ist?
    Nehmen wir an, gerade just in diesem Moment lächelt summend eine von Rheinmetall entwickelte und von den Russen mit dem Programm „Return to Sender“ umfunktionierte Drohne durch das zwar seit langem nicht mehr geputzte aber wegen des Sommers heute geöffnete Designerfenster – und scheißt auf alle Bildung in dieser Gesellschaft und auch auf meine mittelmäßig standardisierte.
    Sähe ich all die Frauenliteratur, all die klimafreundlichen Wahlzettel, die ich mit ernstem Gesicht artig bei Grün ankreuzte noch einmal wieder – oder schwömme ich voller Hopfen in all den JEVERgessenen Humpen Bier, die mir den Schluss mit einem freundlichen Zischen erleichterten….hx?

  2. blu_frisbee am August 18th, 2025 4:08 p.m.

    Uffz! Langer Artikel.

    Hayek unterstellt Kapitalismus wäre ein magisch selbststabilisierendes System, die Wahrheit stecke in den Preisen, „der Markt“ wäre schlauer ist als jede Planung.
    Das ist 19.Jhdt. Inzwischen gibts Chaostheorie.
    Marktglaube wird an Unis gelehrt und in Medien publiziert. Ungläubige sind Ketzer.

    „Linke“ Ökonomen unterstellen, hinter der Realität wäre eine Transzendentalie „Gerechtigkeit“. Das ist eine ebenso magische Vorstellung wie Hayeks.

    John Locke leitet Privateigentum aus der Natur ab, da kann man nix machen. Vorher gehörte alles Gott, der hats dem König geliehen.
    Der Staat will Privateigentum, das macht „das Volk“
    produktiv. Der Kapitalist muß weil Konkurrenz.

    Der Mangel aller Theorien ist, daß sie Wirtschaft ohne Privateigentum und Markt nicht denken können.
    Der französische Bauer des 16. Jhdt konnte Herrschaft ohne König nicht denken.
    Die „Demokratie“ one man one vote ist tatsächlich eine Herrschaft der Oligarchen.
    Wenn Kapitalismus kriselt muß der Staat hupfen.

    Geld ist Wette auf Gebrauchswert,
    Kredit ist Wette auf mehr Geld.
    Gelegentlich halluziniert eine ganze Gesellschaft.
    Mit der Natur kann man nicht verhandeln.

  3. Albert Rech am August 18th, 2025 6:38 p.m.

    Das Grundproblem von Neoliberalen Ideologen wie Hayek und Erhardt ist das sie einen Neoliberalen Nachtwächterstaat wollen der sich darauf beschränkt Gesetze zu erlassen, Gesetze zu überwachen und Gesetzesverstöße zu bestrafen.

    Die Lösung ist es natürlich wenn der Staat selber Unternehmen betreibt und alle Funktionen mit Personen besetzt die über eine überlegenen Anstand und Moral verfügen – was bei Marxisten ja immer gegeben ist.
    In diesem Fall ist dann auch eine Kontrolle der Unternehmen überflüssig.

    Durch Abschöpfen der Gewinne die dann nicht mehr dem Kapitalisten sondern der Gesellschaft zu Gute kommen profitiert auch die Allgemeinheit davon, wie man bei den Volkseigenen Betrieben in der Deutschen Demokratischen Republik sehen konnte.
    Hier gibt es interessante Ähnlichkeiten mit dem Islam wo es auch Stiftungen gibt die der Allgemeinheit dienen und die z.B. im Iran vom islamischen Klerus verwaltet worden sind.

    Leider ist bei vielen autochonen Einwohnern der sogenannten „BRD“ das ökonomische Model der Deutschen Demokratischen Republik durch rechte und neoliberale Hetze in Verruf gekommen, aber zum Glück sind viele der neuen Deutschen mit Migrationshintergrund davon nicht berührt.
    Durch die Verschärfung der Klassengegensätze verläuft die Kampflinie ja inzwischen nicht nur zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen nichtweissen und weissen Deutschen.
    Viele nichtweisse Deutsche sind ökonomisch schlechter gestellt als weisse Deutsche und damit empfänglicher für linke Ideen wie z.B. die Reichen zu enteignen und nützlicher Arbeit zuzuführen, bevor man sie erschießt.

    Ganz allgemein sollte man auch die heutigen technischen Möglichkeiten nicht vergessen: was hätte die Deutsche Demokratische Republik nicht alles erreichen können wenn es schon KIs gegeben hätte die mit den Werken von Marx, Engels und Lenin trainiert worden sind?

  4. Godwin am August 18th, 2025 7:17 p.m.

    im Moment etwas viel Text
    aber schön, dass hier sowas mal wieder Platz findet :-)

    einst las ich Paul Krugman:
    „Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg. Eine Abrechnung mit den Pop-Ökonomen“
    sowie
    „Schmalspur-Ökonomie. Die 27 populärsten Irrtümer über Wirtschaft“

    hab zwar mittlerweile vergessen, was im Detail drin stand.
    Aber der Umstand, dass ich sie damals las, beweist, dass sie interessant waren…

    ebenfalls zu empfehlen (und auch schon 2-3 mal erwähnt):

    Metamorphosen des Kapitals
    Kapitalistische Vergesellschaftung und Perspektiven einer kritischen Sozialwissenschaft nach Marx, Foucault und Bourdieu
    von Tino Heim

    harte Kost, da Dissertation
    aber voller interessanter Details

  5. blu_frisbee am August 18th, 2025 10:48 p.m.

    Das wirklich blöde: Egal welches System man nimmt,
    am Ende kommen Arschlöcher und Bullshitter dran.
    Dunning-Kruger

  6. DasKleineTeilchen am August 19th, 2025 5:00 a.m.

    „Die neuen digitalen Technologien (KI usw.) könnten dem globalen Kapitalismus zwar zu neuem Leben verhelfen, allerdings nur vorübergehend“

    yep, und die scheiss-ki is nichma in der lage, den unterschied zwischen „rubberband“ und „cord/string“ in burks prompt zum einstiegsbild aufzudrösln. dafür lohnts sich doch, ressourcen zu verfeuern als gäbs kein morgen. wies kapital, verspricht alles, hält fast nix. im gegenteil.

  7. bentux am August 19th, 2025 11:11 a.m.

    Wer sagt das dieses System scheitert? Works as designed. Es wird nur ein Zyklus abgeschlossen. Dannach kann das Spiel wieder von vorne beginnen, mit besiedeln, wiederaufbau und technifizierung.
    Dank des gereiften voraus glotzenden mündigen Zuschauerinnenaussenoderwasweissich sind die richtigen Parteien an die Macht gekommen, die das nun großspurig in die Wege leiten.
    Ein geschlossenes Werk? Kein Problem, produzieren Wir halt für die Rüstung. Die Arbeitsplätze bleiben erhalten.
    Technik Standort verschwunden? Wir rüsten auf, zur nach vorne Verteidigung. Damit löst sich dann auch die System Frage. Egal welches System, Wir durchlaufen den Zyklus.

    <8*) Der Aluhut meint: "Ich bin mittlerweile ziemlich sicher, das wir auf irgendeinem anderen Planeten so eine Art Satiresender sind."

  8. ... der trittbrettschreiber am August 19th, 2025 12:57 p.m.

    @Albert Rech

    „…Gewinne die dann nicht mehr dem Kapitalisten sondern der Gesellschaft zu Gute kommen profitiert auch die Allgemeinheit davon, wie man bei den Volkseigenen Betrieben in der Deutschen Demokratischen Republik sehen konnte.“

    Ja. Das stimmt. Das komfortable Leben der ehemaligen DDR-Bürger innen und außen ist perdü.
    Heute müssen sie in ihrem Leasing-Daimler-SUV übernachten, weil sie die Miete nicht zahlen können.

    PS: Nichtweiß ist ebenfalls perdü – ich sehe morgens im Spiegel nur ein aschfahles Grau.
    Erst der Duft von Hopfen, der unter der Kellertür hervorhaucht, bringt wieder frisches Weiß auf mein Antlitz, gerade so als hätte ich es mit ATA geschrubbt – oder Burks gelesen :) …hx.

    https://www.ddr-museum.de/de/objects/1013692

  9. blu_frisbee am August 19th, 2025 1:39 p.m.

    Impliziert wird, ‚der Mensch‘ wäre ‚von Natur aus‘ der egoistische Nutzenmaximierer des Kapitalismus.
    Tatsächlich ist der Mensch in kooperierenden Kleingruppen evolviert.

    Was Kapitalismus eigentlich ist (die Theorie davon) wird als Selbsverständlichkeit unterstellt.
    https://taz.de/Die-Finanzkrise-nach-Karl-Marx/!5169626/
    https://www.youtube.com/watch?v=cI2Oniil5zw

    Empfehlenswert die Theoretiker vom Gegenstandpunkt
    https://www.youtube.com/watch?v=qZs0UqOyoyc
    und Finanzkapital, Proletariat, Demokratie.
    Richtige Theoretiker gibts sonst kaum.

    Die Krise 2008 war überschüssiges Geld das bis zum Platzen in amerikanische Hypotheken wanderte.
    Der Film ‚The Big Short‘ verhandelt das.
    Obama hat die Banker gebailt.
    Jetzt zeichnet sich Staatsinterventionismus ab.

    Die Abkehr vom Goldstandard war der Vietnamkrieg.
    Ständig wurden Waren bezahlt die explodierten.
    Die Bomben waren weg, das Geld blieb.
    Über Inflation hat der Rest der Welt bezahlt.
    (zu wenig Gold für kapitalistischen Reichtum).

  10. Crazy Eddie am August 21st, 2025 9:11 a.m.

    In der DDR haben ca. 2,5 Millionen Menschen Marxismus-Leninismus studiert, trotzdem war damit kein Staat zu machen. Ob da eine KI was hätte retten können, bezweifle ich. Garbage in, garbage out.

  11. nOby am August 21st, 2025 3:09 p.m.

    Burks, ich finde es Klasse wie Du Dich hier verausgabst.

    Das ist praktizierter Elitarismus einer Randgruppe unserer Gesellschaft. Das ist ein Thema für eine ganz kleine Minderheit. Das Thema ist eigentlich obsolet und hat praktisch keinen Nutzen. Ob Heidi oder die Neue, die Lin, das kapieren?

    Ich weiß nicht wie lange Du daran getippt hast. Aber Du hast das neben den 12-Stundenschichten geschrieben. Neben Einkauf, Schlaf, Wäsche waschen und Blumen begießen. Ich könnte das nicht. Niemals. Eigentlich müßte ich mich jetzt bei Dir bedanken, dass ich bei dieser Leistung dabei sein durfte …

  12. Crazy Eddie am August 21st, 2025 5:46 p.m.

    Praktizierter Elitarismus? Innerhalb der erwähnten Randgruppe, bestenfalls. Erinnert mich an den singenden Rebell von Cascara, der auch durchs Fernrohr nie jemanden ausmacht, der ihm folgen will. Als selbstgemachter Libertärer gehe ich sowie zu Fuß hin, wohin die Vornehmen mit dem Sechsspänner fahren. Man sieht einfach mehr von der Welt und kommt mit mehr Leuten ins Gespräch.

  13. Godwin am August 24th, 2025 1:33 p.m.

    bin via DeepSeek drauf gestoßen

    The Great Convergence VS. The Great Divergence Chinese Modernization Under Momentous World Changes
    https://www.beck-shop.de/zheng-great-convergence-vs-great-divergence-chinese-modernization-under-momentous-world-changes/product/39108895

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