Verrutscht?
Sieht noch jemand die rechte Spalte des Blogs nach unten verrutscht? Auf meinem Laptop mit Ubuntu/Google Chrome ist das so, nicht aber mit diesem Rechner – und auch nicht mit anderen Browsern.
Nachgedacht für 15s
Bei alten 3-Spalten-Themes (Float-Layout) rutscht die rechte Spalte in Chrome oft nach unten, wenn die Spalten zusammen minimal zu breit werden.
- Breiten-Summe zu groß: Content + Sidebars + Margin/Padding/Border > Container (1–2px reichen).
- Zu breites Inhaltselement: Bild/Video/iframe/Banner, Tabelle,
<pre>, lange URL/Wort ohne Umbruch. - Fehlerhaftes HTML: z.B. fehlendes
</div>(Browser reagieren unterschiedlich). - Falscher/fehlender DOCTYPE: Quirks-Mode kann das Box-Modell verändern.
- Plugins/Adblock: können CSS/HTML beeinflussen (Inkognito testen).
The Art of a Deal
Kluger Kommentar in der bürgerlichen Presse von Marc Felix Serrao:
Ja, Donald Trumps Drohung, Grönland notfalls militärisch einzunehmen, war eine Unverschämtheit. Aber sie war auch typisch Trump. Der amerikanische Präsident geht politische Konflikte so an wie früher Deals auf dem New Yorker Immobilienmarkt. Er startet mit einer Extremforderung, einem „Anker“, um den Verhandlungsraum zu seinen Gunsten auszudehnen. Er nutzt jedes Druckmittel und Worst-Case-Szenarien. Und sein Geschwätz von gestern interessiert ihn im Zweifel selbst am wenigsten.
Am Ende steht ein Kompromiss, der Trumps eigentlichem Ziel entspricht und den die Gegenseite mit Erleichterung akzeptiert. Nach dem Motto: Hurra, wir haben das Schlimmste verhindert.
Man kann das alles seit bald vier Jahrzehnten wissen. Es steht in „The Art of the Deal“, dem Bestseller, den ein Ghostwriter 1987 für Trump geschrieben hat.
Unter Samurai
Ich war heute im Samurai-Museum und habe unzählige Fotos gemacht, aber heute leider nicht genug Zeit, um darüber ausführlich zu schreiben.
AHAWAH oder: Das Vergessene Haus
„Dieses Haus wurde vom Architekten Knoblauch und dem Baumeister Hähnel im Auftrag der Berliner Jüdischen Gemeinde errichtet. Von 1861 bis 1914 befand sich hier das jüdische Krankenhaus, das Arme und Wohlhabende, Juden und Christen ohne Unterschied aufnahm. Dieses Krankenhaus, das durch Spenden von Berliner Jüdinnen
und Juden unterhalten wurde, war eines der modernsten in Europa. 1915 kamen in dieses Haus jüdische Flüchtlinge aus dem Osten Europas. Aus dem Flüchtlingsheim wurde ein Kinderheim, die AHAWAH (hebräisch: Liebe). 1934 und 1935 ging ein Teil der Kinder mit der Leiterin nach Palästina, wo die Arbeit der AHAWAH bis heute fortgesetzt wird. Das Heim AHAWAH in der Auguststraße blieb bestehen als Heimstatt für verlassene jüdische Kinder, deren Spuren sich schließlich in nationalsozialistischen Vernichtungslagern verlieren.“
„Liebe“ heißt auf Ivrit „אַהֲבָה“. Es gibt ein Buch und auch etwas auf Youtube zu dem Haus.
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Vielen Dank dem edlen Spender Jan M.!
Hinter Gittern
Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II

Das Reich der Abbasiden um ca. 850 n. Chr, also zeitgleich mit dem Frankenreich in Nordwesteuropa, Thomas Lessman / Wikipedia 2008, CC BY 4.0
Wir können vorläufige Arbeitshypothesen aufstellen, die einige meiner Thesen modifizieren.
1. Die Sklaverei existierte weltweit in allen Gesellschaften, in ökonomisch relevantem Maßstab aber erst in Klassengesellschaften.
Anmerkung: Die Aborigines von Australien müssen nicht berücksichtigt werden, da sie seit mehr als 40.000 Jahren nur als Jäger und Sammler lebten und das Stadium der Bronzezeit bis zur Ankunft der europäischen Kolonisatoren nicht erreicht hatte – im Gegensatz etwa zu den südamerikanischen Völkern. Das gilt auch für Teile der Ureinwohner von Papua-Neuguinea, die aber im Weltmaßstab zahlenmäßig irrelevant sind.
2. Die (zahlenmäßig) umfangreichste Sklavenhaltergesellschaft (oder „sklavistische Gesellschaft“) und am längsten andauernde war die islamische, die mit der arabischen Eroberung Nordafrikas begann, aber zum Teil schon vorher in Ansätzen bestand.
Anmerkung: Religion – also auch der Islam – ist Überbau. Sie fällt nicht vom Himmel oder ist einfach da, sondern wird von Menschen gemacht. „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte notwendige von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen.“ (Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859), Vorwort, MEW Bd.13, S. VII) Der Islam ist also nicht an der Sklaverei „schuld“.
Aber – laut Flaig: „Da die menschliche Arbeitskraft die Hauptressource jeglicher Ökonomie ist, strukturierte die islamische Herrschaft die interkontinentalen Handelsläufe der gesamten bekannten Welt völlig um: Der Islam verschaffte der Sklaverei einen außerordentlichen Auftrieb und begünstigte die Entwicklung des Sklavenhandels entlang transkontinentaler Routen.“

Karte aus Rudolf Fischers „Gold, Salz und Sklaven: die Geschichte der grossen Sudanreiche Gana [Ghana], Mali, Songhai“
Man muss sich noch einmal die Entwicklung im antiken Rom vergegenwärtigen – nicht nur die der Sklavenwirtschaft, sondern auch die der Bauern, was sich gegenseitig bedingt: Nach den 40er Jahren – also nach der Eroberung Galliens – reichten die römischen Kriege nicht mehr aus, um die Sklavenmärkte zu versorgen.
„Diese Expansion strukturierte die italische Agrikultur um. Einerseits belastete der Kriegsdienst das Bauerntum erheblich; kleinere Höfe verkrafteten die langen Abwesenheiten wichtiger Arbeitskräfte nicht, verschuldeten sich und wurden aufgekauft. Andererseits flossen riesige Reichtümer nach Italien, welche teils eine rege Bautätigkeit vorantrieben, teils einen auf Prestige angelegten Konsum beförderten, teils in Land investiert wurden. Der Zustrom von Sklaven lieferte dafür die massenhaften Arbeitskräfte.
So nahm der Großgrundbesitz nach 200 v. Chr. rasant zu; jedoch entstanden keine Latifundien. Das Latifundium ist eine spezielle Form des Großgrundbesitzes, in der ein Eigentümer über ein großes zusammenhängendes Areal verfügt; dazu kam es erst am Ende der Republik und vermehrt in der Kaiserzeit.
Hingegen besaßen die Großgrundbesitzer des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. mehrere landwirtschaftliche Betriebe, meist von mittlerer Größe (25 bis 50 ha), bewirtschaftet teils von eigenen Sklaven, teils von Pächtern. Die freien Bauern wurden keinesfalls ersetzt, ihr Kaiserzeit waren weit über 75 % der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte Italiens freie Bauern. Doch immer mehr freie Bauern waren nun coloni, d. h. Pächter. Die Quote der Bauern, die auf eigenem Boden wirtschafteten, war immer noch ansehnlich, aber sie sank allmählich.“

Aus Tidiane N’Diaye: Le génocide voilé: Enquête historique, 2017
Die Sklavenhaltergesellschaft ruiniert auf lange Sicht die Kleinbauern und macht sie vom Großgrundbesitz abhängig. (Ich bin nicht sicher, ob man so eine Frage stellen kann: Wäre das auch ohne Sklaven so passiert? Hypothetische Antwort: Ja, aber wesentlich langsamer, weil der Großgrundbesitz urbane Zentren als „Kunden“ voraussetzt, für die Bauern aber nicht genug produzieren.)
Man muss das mit den arabischen bzw. afrikanischen Gesellschaften vergleichen, hat aber das Problem, dass diese zeitlich nicht parallel sind. Die Römer hatten mindestens ein halbes Jahrtausend „Vorsprung“. Als der Norden Afrikas von Sklavenhaltergesellschaften dominiert wurde – und Zentralafrika ebenso, aber als „Lieferant“ der ökonomischen Ressource Mensch – entwickelte sich in Nordwesteuropa schon der Feudalismus, der auf der Arbeit selbständiger Bauern beruhte und der völlig ohne Sklaven auskam.
Ich schrieb am 20.08.2022: „Die antike Sklavenhaltergesellschaft trieb als Basis die Ökonomie im Frühfeudalismus an. ‚Man kann nicht behaupten, dass Latifundien und das Kolonat die conditio sine qua non waren, aber wenn sie als Grundlage existierten, beschleunigten sie offenbar die Agrarrevolution. Und das war nur im Frankenreich und in England so. In anderen Regionen des ehemalige römischen Reiches stimmte die Ökologie nicht.'“
Jetzt wird es kompliziert. War das Reich der Abbasiden (vgl. Karte oben) eine sklavistische Gesellschaft oder schon Feudalismus oder noch etwa anderes?
Die KI ist natürlich kein Marxist und antwortet etwas unstruktuiert:
Worauf gründete sich die Ökonomie des Abbasidenreiches?
Die Ökonomie des Abbasidenreiches (ca. 750–1258) beruhte auf mehreren eng
miteinander verflochtenen Säulen, die das Reich zu einem der wirtschaftlich dynamischsten Räume der mittelalterlichen Welt machten.
Grundlagen der Wirtschaft
1. Landwirtschaft als Basis
- Intensiver Bewässerungsfeldbau (v. a. in Mesopotamien, Ägypten, Persien)
- Anbau von Weizen, Gerste, Reis, Datteln, Baumwolle, Zuckerrohr
- Neue Nutzpflanzen durch interregionalen Austausch (oft als „arabische Agrarrevolution“ beschrieben)
- Großgrundbesitz und staatlich kontrollierte Ländereien als wichtige Faktoren
2. Steuern und Abgaben
Ein ausgefeiltes Steuersystem bildete das finanzielle Rückgrat von Verwaltung, Heer und Hof:
- Ḫarāǧ – Grundsteuer auf landwirtschaftliche Flächen
- Ǧizya – Kopfsteuer für nichtmuslimische Untertanen
- Zakāt – religiöse Abgabe für Muslime
3. Fernhandel und Märkte
- Zentrale Lage zwischen Mittelmeer, Indien, Zentralasien und China
- Einbindung und teils Kontrolle wichtiger Handelsachsen (u. a. Seidenstraßen-Netzwerke)
- Export: Textilien, Metallwaren, Glas, Papier
- Import: Gewürze, Seide, Edelsteine
- Bagdad als bedeutendes Handels- und Finanzzentrum
4. Handwerk und frühe Industrie
- Hochentwickelte Produktion von Papier, Keramik, Seide, Waffen
- Städtische Märkte (Suqs) sowie private und staatliche Werkstätten
- Städte als wirtschaftliche Motoren
5. Geldwirtschaft und Finanzwesen
- Weit verbreitete Währungen: Dinar (Gold) und Dirham (Silber)
- Nutzung von Wechseln (ṣakk) als Vorläufer moderner Schecks
- Kreditwesen und Handelsgesellschaften erleichterten größere Investitionen
Zusammenfassung:
Produktive Landwirtschaft + effiziente Besteuerung + internationaler Handel + städtisches Handwerk
+ fortschrittliches Finanzsystem.
Nicht vergessen: Der Aufstand der Zandsch war der größte Sklavenaufstand der Weltgeschichte – zwischen 869 und 883 in Mesopotamien gegen die Abbasiden, angeführt von Ali ibn Muhammad. Der steht gleichberechtigt neben Spartacus! Und er war ideologisch viel weiter, „denn er forderte die Gleichheit aller Menschen ohne Rücksicht auf ihre ethnische Zugehörigkeit“. Das beantwortet auch die Frage nach dem ökonomischen Charakter des Abbasidenreiches.
Es gibt offenbar drei ökonomische Gründe, warum Gesellschaften, die teilweise sklavistisch sind, aber „auf dem Weg“ zum Feudalismus, der Entwicklung in Nordwesteuropa „hinterherhinken“:
1. Gesellschaften, die sich aus einer tribalistischen Gesellschaft zur so genannten asiatischen Produktionsweise weiterentwickeln – wie der vordere Orient -, sind „langsamer“. Die Bauern stehen der staatlichen Herrschaft direkt gegenüber, die sie zu kollektiven Arbeiten zwingt.
Anmerkung: „Was die asiatische Produktionsweise jedoch von allen anderen Klassengesellschaften unterscheidet, ist, dass hier diese Funktionen direkt über die einfache Arbeitsteilung zwischen Hand- und Kopfarbeit ausgeführt werden, während sie in anderen Klassengesellschaften über das Privateigentum vermittelt sind. Hier tritt die im Staat organisierte Bürokratie als Organisator der Produktion und Kooperation auf.“
2. Die Arabische Agrarrevolution (zur Zeit des Abassidenreiches) stieß auf eine ökologische und ökonomische Grenze (wie auch die Green Revolution zur Zeit der Song-Dynastie in China, vgl. „Agrarisch und revolutionär (I), 21.02.2021), lief also in eine „Sackgasse“. Die Bauern wurden nicht – wie im mitteleuropäischen Frühfeudalismus – in der Grundherrschaft „organisiert“, sondern von ihrem Land vertrieben.
3. Die Sklavenhaltergesellschaften des Vorderen Orients und Afrikas entwickelten sind ähnlich wie die Ökonomie in West- und Nordeuropa – in Richtung Feudalismus -, aber hatten die Stufe der industriellen Revolution, die der Kapitalismus voraussetzt, noch nicht erreicht, als sie der europäische Kolonialismus schon überrollte.
Beispiel aus Flaig: „Dabei war die soziale Entwicklung in den einzelnen Regionen vielgestaltig und folgte keiner einheitlichen Entwicklungslinie. Mancherorts in der islamischen Welt wurden Bauern seit dem 9. Jh. hörig oder gar leibeigen; dagegen verwandelte beispielsweise das Emirat Bahrain unter dem Einfluss einer sozialrevolutionären Sekte im 11. Jh. 30 000 schwarze Staatssklaven, um seine Einwohner von niedrigen Arbeiten freizustellen. Massenhafte Sklaverei brauchte man auch in den Salz- und Kupferminen in der Sahara. In anderen Regionen entstanden regelrechte Latifundien mit großen Sklavenkontingenten, so z. B. in Tunesien und Algerien seit dem 9. Jh..“
„Hinzu kamen die Minen. Ihre Ausbeutung erreichte einen hohen Pegel. Das betraf nicht nur den Abbau von Gold im Senegal, welcher arbeitsintensiv war aber nicht mörderisch; es betraf vor allem den Ausbau der westsaharischen Salzminen bei Sijilmassa [Sidschilmasa], Idjil und Teghaza; die größte, Idjil, war 30 km lang und 12 km breit, abgebaut wurde Salz und Alaun. Das Salz ging auf Karawanen in den Sahel und den Sudan; diese Transporte übertrafen alles, was zu Lande vor der Erfindung der Eisenbahnen möglich war; manche Karawanen umfassten 6000 Kamele. Die Reisenden Ibn Battuta und Leo Africanus berichteten vom massenhaften Einsatz von Sklaven unter entsetzlichen Bedingungen; die Lebensdauer dieser Menschen war kurz, darum verschlangen diese Minen unablässig hohe Mengen an menschlicher Zufuhr, ebenso wie die Kupferminen bei Takkeda im mittleren Sudan“ [heute Niger].
وتَكَدَّةُ مدينةٌ كبيرةٌ، ليس بها شجرٌ، وبها معادنُ النحاس، وأهلُها يقتاتون منه،
والحرُّ بها شديدٌ، وكثيرٌ من الناس يموتون في العمل بها.
Takedda ist eine große Stadt, in der es keine Bäume gibt, und in der es Kupferminen gibt; und ihre Bewohner leben davon.
Die Hitze dort ist sehr stark, und viele Menschen sterben bei der Arbeit dort.
Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied, wie jeweils die herrschenden Klassen organisiert sind. In Griechenland entwickelte sich zuerst eine Demokratie, auch bekannt als „Volksherrschaft“, wobei mit „Volk“ nur die Freien gemeint sind. Auch Rom war ursprünglich eine Republik von Wehrbauern – erst in der Kaiserzeit ließ man die „demokratische“ Maske fallen.
In den muslimisch geprägten Sklavenhaltergesellschaften im vorderen Orient und in Afrika war das ganz anders: Demokratische Formen der Herrschaft hat es nie gegeben. Das hat einen Nachteil und einen Vorteil. Der Nachteil: Ist die herrschende Klasse tribalistisch organisiert („Stämme“ – wirksam bis heute), macht das das System instabil und anfällig für innere Revolten, weil jeder, der mit dem jeweiligen Herrscher verwandt ist, Ansprüche stellen kann. Die Situation ist vergleichbar mit dem Frühfeudalismus im Europa, dessen Struktur dazu führte, dass sich die herrschende Feudalklasse gegenseitig durch permanente Kriege aller gegen alle fast auslöschte.
Der Vorteil: Islamische Staaten unterschieden sich von allen anderen Hochkulturen, weil die Kinder der Herrscher Nachkommen von Sklavinnen (die eigentliche Funktion des „Harems“), also immun gegen tribalistische Loyalitäten waren. („Das abbasidische Kalifat gewann auf diese Weie eine relative Stabilität, allerdings um den Preis, daß nach 800 kein Kalif mehr eine freie Mutter hatte“ (Flaig)).
Das hat aber auch Folgen für die Form der Klassenherrschaft und der Staatsbildung: Da die „Bürokratie“ und das Militär – allesamt Sklaven – nur dem Herrscher gegenüber verpflichtet waren, konnte sich keine Form irgendeiner Teilhabe der Bürger entwickeln wie in Europa. Gleichzeitig wurde der Herrscher von seinen „Untergebenen“ absolut abhängig.
„Die islamische politische Kultur erzeugte somit einen Staatstyp, in dem alle Bestimmungen von Staatlichkeit – nämlich daß Menschen sich politisch organisieren . auf radikalste Weise pervertiert waren. Nach Meillassoux erreichte dieser Staatstyp das äußerste Stadium der Sklaverei und trieb ihre Logik auf die Spitze: Sklaven fungierten als Rädchen im Getriebe eine militärischen Maschine, welche jegliche Change auf politische Selbstbestimmung – von Städten oder Gemeinden zunichte macht; diese Maschinerie war aller politischen Freiheit tödlich, da sie – sogar bei Freilassung der Militärsklaven – einen Zustand perpetuierte, der immer weiter Rekrutierung von Sklaven erheischt.“
| Merkmal | Indien | Römisches Reich | Islamische Welt |
|---|---|---|---|
| Zeitlicher Schwerpunkt | ca. 1500 v. Chr. – 1500 | ca. 500 v. Chr. – 500 n. Chr. | ca. 700 – 1600 |
| Rechtlicher Status | Sozial und religiös reguliert | Sache (res), rechtlos | Mensch mit eingeschränkten Rechten |
| Wirtschaftliche Rolle | Haushalt, Tempel, Dorfsysteme | Latifundien, Bergbau, Städte | Haushalt, Militär, Verwaltung |
| Massensklaverei | nicht systemprägend | zentral für Wirtschaft | regional unterschiedlich |
| Freilassung | möglich, sozial eingebettet | häufig, aber statusbegrenzt | religiös gefördert |
| Soziale Mobilität | stark durch Kaste begrenzt | begrenzt, aber vorhanden | vergleichsweise hoch |
Wir können jetzt Indien einschließen – der Norden wurde ohnehin islamisch, unterscheidet sich strukturell und ökonomisch nicht von Nordafrika. China ist ein Spezialfall, dazu kommen wir später.
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)
Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)
Die BBC und ihre antiisraelischen Vorurteile

Screenshot aus „Exposed: How BBC platformed Hamas and pushed anti-Israel bias“
Neville Teller hat in der Jerusalem Post einen Artikel über die Entwicklung des BBC verfasst mit dem Titel „The BBC haunted by bias – and the Israeli connection“. Ich habe mir die wesentlichen Passagen übersetzen lassen und Links hinzugefügt. Der Artikel erinnerte mich an eine Diskussion per Videokonferenz, die ich mit dem Chefredakteur von Telepolis hatte: Ich saß auf einer Bank vor dem Sitz des isralischen Staatspräsidenten (was ich da noch gar nicht wusste) und er in Postdam: Es ging darum, ob in meinem Artikel die Hamas als „Terroristen“ bezeichnet werden sollte – die BBC täte das nicht.
„(…) Gemessen an wöchentlicher Reichweite und Reputation ist die BBC die weltweit führende internationale Rundfunkorganisation. Neben ihrem Programm für Großbritannien sendet sie Unterhaltung, Informationen, Nachrichten und aktuelle Ereignisse über Fernsehen, Radio und Internet an ein Millionenpublikum weltweit. Dennoch kämpft sie ständig damit, ihrer in der DNA verankerten Verpflichtung nachzukommen, höchste Standards an Objektivität, Unparteilichkeit und Objektivität zu wahren.
Dieses Problem, das die BBC seit mehr als der Hälfte ihrer Geschichte plagt, erreichte im November letzten Jahres seinen Höhepunkt. Dies führte zum Rücktritt des BBC-Generaldirektors, des Nachrichtenchefs und eines Vorstandsmitglieds sowie zur Drohung von US-Präsident Donald Trump, den Sender auf bis zu fünf Milliarden Dollar zu verklagen. Tatsächlich hat er vor einem Bundesgericht eine Klage über 10 Milliarden Dollar eingereicht. (…)
Die anhaltende antiisraelische Schlagseite der BBC in ihrer Berichterstattung und Kommentierung hatte ein derart empörend parteiisches Ausmaß angenommen, dass sie nicht länger widerspruchslos hingenommen werden konnte. Asserson, heute Seniorpartner einer international tätigen, auf Tel Aviv ausgerichteten Anwaltskanzlei, stellte ein Team von rund 20 Juristen und 20 Datenwissenschaftlern zusammen und begann auf Pro-bono-Basis ein akribisches Forschungsprojekt zur Analyse der BBC-Berichterstattung über den Gaza-Konflikt.
Der Bericht, der am 6. September 2024 veröffentlicht wurde, legte eine detaillierte Untersuchung der BBC-Nachrichtenberichterstattung über einen Zeitraum von vier Monaten vor, beginnend am 7. Oktober 2023.
Obwohl die redaktionellen Leitlinien der BBC Unparteilichkeit, Genauigkeit sowie die Verpflichtung zu redaktionellen Werten und zum öffentlichen Interesse verlangen, identifizierte der Asserson-Bericht 1.553 Verstöße. „Die Ergebnisse“, so der Bericht, „zeigen ein zutiefst beunruhigendes Muster von Voreingenommenheit sowie zahlreiche Verletzungen der eigenen redaktionellen Richtlinien durch die BBC.“
Die Untersuchung ergab, dass die BBC den Terrorismus der Hamas wiederholt verharmloste, während Israel als aggressiv und militaristisch dargestellt wurde. Zudem zeigte der Bericht, dass einige von der BBC eingesetzte Journalisten im Rahmen ihrer Berichterstattung über den Israel-Hamas-Krieg zuvor Sympathien für die Hamas geäußert und sogar deren Terrorakte gefeiert hatten.
Eine Woche nach Beginn des Krieges kam es zu der Explosion auf dem Parkplatz des Al-Ahli-Arab-Krankenhauses in Gaza-Stadt. In der Berichterstattung erklärte ein BBC-Korrespondent, der live aus Gaza sprach: „Angesichts der Stärke der Explosion ist schwer vorstellbar, was das sonst gewesen sein könnte – außer einem israelischen Luftangriff oder mehreren Luftangriffen.“
Der arabische Dienst der BBC übernahm diese Einschätzung, woraufhin sowohl in der arabischen Welt als auch im Westen umgehend antiisraelische Proteste ausbrachen.
Die Wahrheit, nachdem der Schaden bereits angerichtet war
Es dauerte nicht lange, bis die Wahrheit ans Licht kam – doch zu diesem Zeitpunkt war der Schaden bereits angerichtet. Die Explosion war das Ergebnis einer fehlgeleiteten Rakete des Islamischen Dschihad.
Tage später gelang es der BBC selbst in ihrer ausweichenden Entschuldigung nicht, klarzustellen, dass die Beweise eindeutig belegten, dass es sich nicht um einen israelischen Angriff gehandelt hatte.
Auf die hastige und ungeprüfte Behauptung, Israel müsse für die Explosion am Al-Ahli-Krankenhaus verantwortlich sein, folgte wenige Wochen später ein weiteres Beispiel. Diesmal berichtete die BBC, israelische Streitkräfte seien in das Schifa-Krankenhaus in Gaza eingedrungen und hätten dabei „medizinisches Personal und arabische Sprecher ins Visier genommen“.
Dabei handelte es sich entweder um eine vorsätzliche oder um eine unprofessionelle Fehlinterpretation einer Erklärung der israelischen Armee, in der es hieß, die Truppen hätten das Krankenhaus „in Begleitung arabischsprachiger Mitarbeiter und medizinischer Teams“ betreten, um Patienten zu unterstützen. Zwar strahlte die BBC später eine angemessene Entschuldigung aus, doch der Vorfall belegte die tief verwurzelte Neigung des Senders, vorschnell gegen Israel zu urteilen.
Schutzschild für die Hamas
Als das weitverzweigte Tunnelsystem der Hamas unter dem Gazastreifen nach und nach offengelegt wurde, schien die BBC bemüht, die Entdeckung eines militärischen Hamas-Kommandopostens direkt unter einem Krankenhaus durch die israelischen Streitkräfte zu relativieren.
In seinem Beitrag ließ der internationale BBC-Redakteur Jeremy Bowen durchblicken, dass die unter dem Krankenhaus gefundenen Kalaschnikow-Sturmgewehre möglicherweise nichts mit der Hamas zu tun hätten, sondern zur Sicherheitsausstattung des Krankenhauses selbst gehörten.
Beispiele für antiisraelische Voreingenommenheit oder sachliche Fehler in Bowens Berichterstattung über den Gaza-Konflikt nehmen im neuen Asserson-Bericht 16 Seiten ein. Zudem identifizierte der Bericht den arabischen Dienst der BBC als einen der voreingenommensten Medienanbieter weltweit. Er nannte elf Nachrichten- und Kommentarsendungen, in denen Reporter auftraten, die zuvor öffentlich ihre Unterstützung für die Hamas bekundet hatten – ohne dass das Publikum darüber informiert worden wäre.
Die BBC kündigte eine Stellungnahme zu dem Asserson-Bericht an. Einige Wochen später veröffentlichte sie eine kurze, abweisende Erklärung, in der sie die zur Erhebung und Auswertung der Daten verwendete Methodik infrage stellte.
Der „Daily Telegraph“ schlägt Alarm
Die im November aufgeflammte Kontroverse um die BBC geht auf die Veröffentlichung eines 19-seitigen Whistleblower-Memorandums durch den britischen Daily Telegraph zurück. Verfasser war der angesehene Journalist Michael Prescott, der drei Jahre lang als unabhängiger Berater des Editorial-Standards-Ausschusses der BBC tätig gewesen war. Nachdem seine wiederholten Hinweise auf gravierende Mängel von der BBC-Führung ignoriert worden waren, legte Prescott sein Amt nieder. Anschließend verfasste er das Memorandum und ließ es sämtlichen Mitgliedern des BBC-Verwaltungsrats zukommen.
In seinem Bericht warf er der BBC fortgesetzte und schwerwiegende Verstöße gegen das Gebot der Unparteilichkeit vor sowie ein chronisches Versagen der Führungsebene, redaktionelle Standards durchzusetzen oder Fehler zu korrigieren.
Der prominenteste von Prescott angeführte Fall betraf die BBC-Flaggschiffsendung Panorama, die kurz vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 ausgestrahlt wurde. Prescott zufolge hatte die Sendung eine Rede Donald Trumps vom 6. Januar 2021 manipuliert, sodass der Eindruck entstand, der Präsident habe den Sturm auf das Kapitol gezielt angeheizt.
Darüber hinaus verwies Prescott auf gravierende Probleme in der Berichterstattung von BBC Arabic über den Israel-Hamas-Krieg. Er zeigte auf, dass dort bekannte Hamas-Unterstützer eingesetzt, israelisches Leid marginalisiert, ungeprüfte Opferzahlen verwendet und durchgängig ein verzerrtes Narrativ verbreitet worden sei, das Israel als Aggressor darstelle.
Im September 2025 lud der parlamentarische Ausschuss für Kultur, Medien und Sport den BBC-Vorsitzenden Samir Shah sowie den Generaldirektor der BBC vor, um Vorwürfe von Voreingenommenheit, redaktionellem Versagen und jüngsten Skandalen zu klären – darunter die Ausstrahlung einer Gaza-Dokumentation, die sich später als von dem Sohn eines Hamas-Funktionärs gesprochen herausstellte.
Kurz darauf stellte die Rundfunkaufsichtsbehörde Ofcom fest, dass der Film „in wesentlichen Punkten irreführend“ gewesen sei. Ofcom wies die BBC an, ihr Publikum über diese Feststellungen zu informieren und den Film aus ihrem Streaming-Angebot zu entfernen.
Um die aktuelle Krise aufzuarbeiten, unterzog der Ausschuss am 24. November 2025 sowohl Shah als auch Prescott einer intensiven Befragung. Weit verbreitet ist inzwischen die Überzeugung, dass die Nachrichten- und Politikredaktionen der BBC – wie Prescott es sinngemäß darlegte – systemisch verzerrt seien.
Zwar verfügt die Anstalt weiterhin über entschlossene Fürsprecher unter Politikern und Meinungsmachern, die große Teile ihres Programms schätzen. Dennoch kursieren bereits lebhafte Spekulationen darüber, wer als nächster Generaldirektor der BBC berufen werden könnte. Viele hoffen, dass ein neuer Besen tatsächlich gründlich kehren wird.
Zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

„Enemy Activities – German Revolution Continued – Rosa Luxemburg, the brains of „Spartacus“ during the revolution „, Akte des US-Kriegsministeriums, 1917–1918.
In den späten Abendstunden des 15. Januar 1919 wurden in Berlin Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet. Der Befehl zu ihrer Erschießung ging Waldemar Pabst aus, einem Generalstabsoffizier der Einheit. Es ist kaum vorstellbar, dass Pabst eine derart weitreichende Entscheidung aus eigenem Antrieb und ohne politische Rückendeckung getroffen haben sollte.
Fünf Jahrzehnte lang schwieg Pabst zu den Vorgängen. Erst gegen Ende seines Lebens räumte er ein, dass die Morde zumindest mit Gustav Noske abgestimmt gewesen seien und vermutlich auch mit Billigung Friedrich Eberts erfolgt waren.
Die Ermordung der beiden führenden Köpfe der KPD war ein Verbrechen. Eine rechtliche Grundlage für ihre Erschießung existierte nicht. Sie war zugleich sinnlos: Der Spartakusaufstand hatte von Beginn an keine realistische Erfolgsaussicht, war am Tag der Morde militärisch bereits niedergeschlagen, und ein erneutes Aufflammen revolutionärer Kämpfe war auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Sie war darüber hinaus unlogisch. Weder Karl Liebknecht noch Rosa Luxemburg hatten zum Aufstand aufgerufen. Selbst wenn Liebknecht sich von der Dynamik der Ereignisse hatte fortreißen lassen, hatte Luxemburg dem Aufstand klar und entschieden widersprochen.
Vor allem jedoch stellte die Tat eine schwere Hypothek für die junge Weimarer Republik dar. Sie verfestigte die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung – jener Bewegung, deren Geschlossenheit zehn Jahre später im Kampf gegen den aufziehenden Nationalsozialismus so dringend erforderlich gewesen wäre. Zugleich beraubte sie die KPD zweier ihrer brillantesten und analytisch schärfsten Köpfe, die die Gefahr des heraufziehenden Faschismus vermutlich weit nüchterner und klarer eingeschätzt hätten als der tumbe dogmatische Parteisoldat Ernst Thälmann, für den die Weisungen aus Moskau nahezu religiösen Charakter besaßen und in denen die deutsche Sozialdemokratie zum Hauptfeind erklärt wurde.
Zum Gedenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die vor 107 Jahren ermordet wurden und die sich beim Anblick der heutigen so genannten „Linken“ vor Abscheu und Ekel geschüttelt hätten.
100 Meter Berlin Shithole-city
Weniger als 100 Meter – von der Hetzbergstraße 10 bis Treptower Ecke Stuttgarter Straße in Berlin-Neukölln. Es sieht aus wie in Aqabat Jabr bei Jericho. Manche Ecken in Neukölln sind zu einem Drecksloch verkommen, das man so nur in Slums der so genannten „Dritten Welt“ findet oder in Bangla Desh. Japaner werden Berlin-Aufenthalte als „Abenteuer-Urlaub“ ansehen, den man nur mit Mundschutz ertragen kann und der nur noch von Frankfurt/Main getoppt wird.
Tor, unbeleuchtet
Das Brandenburger Tor gibt es auch unbeleuchtet. #Nachtschicht
Luftgebratene Bratkartoffeln
Bratkartoffeln aus rohen Kartoffeln – Cosori TurboBlaze (das ist mein Airfryer)
Zutaten (2 Portionen)
•500–600 g vorwiegend festkochende Kartoffeln
•1–1½ EL Öl (Butterschmalz oder Sonnenblumenöl)
•Salz
•80–100 g Speckwürfel
•1 kleine Zwiebel (feine Streifen)
•Pfeffer (erst zum Schluss)
Zubereitung
1 Kartoffeln vorbereiten: Schälen oder gut waschen, in ca. 3 mm Scheiben schneiden. Kurz abspülen
und sehr gut trocknen. Mit Öl und etwas Salz mischen.
2 Erste Garphase: 190 °C, 12 Minuten. Nach 6 Minuten Korb kräftig schütteln.
3 Speck dazugeben: Speck unter die Kartoffeln mischen. 185 °C, 5 Minuten.
4 Zwiebeln dazugeben: Zwiebeln untermischen. 180 °C, 5–6 Minuten.
5 Finish: Optional 200 °C für 2 Minuten. Danach pfeffern und ggf. nachsalzen.
Tipps
•Korb nicht überfüllen – lieber zwei Durchgänge.
•½ TL Speisestärke sorgt für extra Knusper.
•Für mehr Pfannenaroma 1 TL Butter nach dem Garen unterheben.
Für zwei Personen? Ich habe das allein aufgegessen.
Sklavenhaltergesellschaften in Afrika 1, Addendum
– Addendum zu Sklavenhaltergesellschaften in Afrika 1 v. 02.01.2026 –

Solche historischen Dokumente würden so genannte „linken“ Verlage nicht mehr abdrucken – oder sie verfälschen.
Das hiesige Publikum empfahl als zusätzliche Lektüre von Eric Eustace Williams Kapitalismus und Sklaverei Kapitalismus und Sklaverei: Mit einem Vorwort von William A. Darity Jr., einer Einleitung von Colin A. Palmer und einem Beitrag von Bafta Sarbo und René Arnsburg (Marxistische Schriften).
Triggerwarnung: Das Buch ist mit Gendersternchen/Gendersprache gespickt („Sklav*innen“) und somit fast unleserlich. Nicht nur das: Es zensiert historische Zitate und schreibt diese im Sinne woker Sitten um, was ich schon reichlich unverschämt finde und respektlos gegenüber den Lesern. Wenn also jemand vor 200 Jahren auf Englisch „Nigger“ gesagt hat, steht da „n*****. Ich finde das unfassbar dämlich und zum Fremdschämen. Für so einen reaktionären sprachesoterischen Quatsch gebe ich kein Geld aus; ich hätte gleich die englische Version nehmen sollen. Ich habe gar nicht mehr nachgesehen, ob sie das auch bei Marx-Zitaten machen. Zuzutrauen wäre es dem Verlag – das ist schon fast wie in einem Sektenmilieu. Ich werde von denen kein weiteres Buch mehr kaufen und auch anderen davon abraten.
Der Autor von Capitalism and Slavery (1944) war der 1. Premierminister von Trinidad und Tobago und hatte Geschichte an der Universität von Oxford studiert. Sein Einfluss in Trinidad kann gar nicht unterschätzt werden, was seine Publikationen angeht. Und natürlich hat sein Hauptwerk sowohl wütende Ablehnung als auch begeisterten Zuspruch gefunden. „Als Williams später Premierminister wurde, machte man ihm gelegentlich den Vorwurf, er sei ein Marxist“… Das ist für mich kein Vorwurf, sondern ein Kompliment.
Für unser Thema ist „Rassismus“ nicht das primäre Problem, obwohl das auch bei Egon Flaigs: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“ ausführlich behandelt wird.
Die neuere Forschung, insbesondere die Arbeit des verstorbenen Cedric Robinson, scheint Williams Position anzufechten. In seiner Analyse des »racial capitalism« argumentiert Robinson, dass der Rassismus – die Praxis, »die Anderen« für von Natur aus minderwertig zu erklären und zu behaupten, dass sie ihre Unterwerfung verdient hätten – älter ist als der transatlantische Sklavenhandel und die Sklaverei in Amerika. Er verweist auf die vorhergehende Rassifizierung einiger europäischer Gruppen durch andere als festen Bestandteil der gruppenbezogenen Ausbeutung und des Kolonialismus innerhalb Europas.
Aber das geht an der Sache vorbei; Williams lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Ursprünge des Rassismus gegen Schwarze, nicht auf die Ursprünge des Rassismus allgemein. Er behauptet, dass der Beginn der weißen Vorherrschaft eine materielle Basis hatte.

Detail of Contrabands Aboard U.S. Ship Vermont, Port Royal, South Carolina, 1862
Was Williams aber von anderen Autoren – vor allem auch von den marxistischen Historikern – unterscheidet, ist seine dritte These:
Die dritte These, die in »Kapitalismus und Sklaverei« über weite Strecken eine große Rolle einnimmt, ist das Argument, dass der afrikanische Sklavenhandel und die Sklaverei in der Karibik die industrielle Entwicklung in Großbritannien befeuerten und die Sklaverei die Grundlage für den britischen Kapitalismus bildete. Williams argumentiert, dass, während der Sklavenhandel und die Sklaverei während des größten Teils des 18. Jahrhunderts für die Entwicklung der britischen Wirtschaft entscheidend waren, ihre Bedeutung schwand, nachdem das Projekt der »Manufakturperiode« erst einmal abgeschlossen war.
Das bedeutet: Obwohl in Mittel-und Nordeuropa seit der Spätantike sich der Feudalismus durchsetzt – und in klassischer Weise auch in Japan -, sei die immer noch vorhandene Sklaverei die Basis für die Entwicklung zum Kapitalismus. Die interessante These wäre erwägenswert, wenn sie sich auf Regionen bezöge, die sich noch gar nicht bis zum Feudalismus entwickelt hatte. Aber das gibt es nicht: Der Frühkapitalismus braucht freie Arbeitskräfte, die er in einem bestimmten Stadium von der Landflucht und vom „Bauernlegen“ bekommt.
Natürlich ist, was die Arbeitsbedingungen des Frühkapitalismus angeht, der Unterschied zwischen der klassischen Lohnarbeit und Sklaverei marginal und nur theoretisch-analytischer Natur.
Nichtsdestotrotz drückte Marx sich im 24. Kapitel des ersten Bandes von »Das Kapital« [„Die Ursprüngliche Akkumulation“] sehr deutlich aus, als er die Sklaverei in der »Neuen Welt« als wesentlichen Pfeiler des Aufstiegs der britischen Industrie bezeichnete. Marx’ Kommentar, dass »die verhüllte Sklaverei der Lohnarbeiter in Europa zum Piedestal die Sklaverei sans phrase (ohne Hülle) in der Neuen Welt« benötigte, entspricht voll und ganz der dritten These in »Kapitalismus und Sklaverei«.
Marx dachte und schrieb extrem präzise – ich verstehe das obige Zitat metaphorisch. Das Problem ist ohnehin nicht neu: „In marxistischen Diskussionen wurde oftmals die Frage diskutiert, ob die ursprüngliche Akkumulation eine historische Phase oder ein kontinuierlicher Prozess sei.“ Wäre letzteres der Fall, würde ein immer Sklaverei geben, auch im voll entwickelte Kapitalismus, zum Beispiel heute in Russland und Indien.
Ich habe mir das Thema von einem Roboter kurz zusammenfassen lassen:
Eric Williams hat in seinem vielbeachteten Buch
Capitalism and Slavery von 1944 vier Thesen vorgebracht:
- Der Rassismus sei nicht die Ursache der Sklaverei, sondern deren Folge.
- Die Plantagenwirtschaft habe die industrielle Revolution beschleunigt.
- Seit 1776 habe sich die Plantagenökonomie im Niedergang befunden.
- Die Abolition sei weniger den Bemühungen religiöser Eliten zu verdanken, sondern den ökonomischen Interessen der neuen englischen Eliten.
Egon Flaig hat sich ebenso mit den Thesen Williams‘ beschäftigt: Die erste These hat sich durchgesetzt und ist nicht mehr umstritten. [Das bezieht Flaig – mit vielen Argumenten – auch auf Afrika und den Islam.] Die dritte ist durch eine Vielzahl ökonometrischer Studien umfassend widerlegt. Die vierte wurde nur von marxoiden [sic] Strömungen in der Forschung ernst genommen und darf nach gründlichen kulturgeschichtlichen Forschungen als falsch bezeichnet werden. (Die zweite These Williams‘ bezieht sich nur auf die USA und die Karibik.)
[Der zweite Teil zu Sklavenhaltergesellschaften in Afrika folgt.]
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)
Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)
Letzte Chance, der Kälte zu entfliehen

Wäre stilvoll, jetzt da hinzufliegen, wie 2023, aber leider habe ich keinen Urlaub. „Letzte Chance, der Kälte zu entfliehen! El Al fliegt noch…
Tanais

Hereford-Weltkarte, Ende 13. Jh.
Ich habe den Beyer erst halb durch, er ist interessanter, als ich dachte.
כל ארץ צפון כלה עד די דבק ל[…]¹¹
ים רבא […]¹⁶ פניה נהרא […]⁸¹⁷ […]
לחזקק […] לארם ארנא די […]¹⁰
דן ועבר חולקא די למערבא עד דבק […]¹¹
ועל ריש תלח חולקא […]¹⁶
לגמר יהב לקדמין בצפונא עד די דבק לים
נהרא ובתרה למגוג […]
¹⁶¹¹ […] das ganze nördliche Land insgesamt, bis er (= sein Anteil)
angrenzte an […]¹² diese Grenze das Wasser des großen Meeres
(des Mittelmeeres) […]¹⁶ den Fluß Tina [Tanais, heute Don]
[…]¹⁷⁸ im Westen nach Assur, bis er angrenzte an den Tigris
[…] ⁹ dem Aram das Land, welches […], bis er angrenzte an die
Spitze von […]¹⁰ diesen Berg des Stiers (Amanusgebirge nördlich
des Golfs von Alexandret ta), und dieser Anteil erstreckte sich nach
Westen bis er angrenzte an […]¹¹ und gegen die Spitze der drei
Anteile […] dem Arpaksad […]¹⁶ dem Gomer gab er zuerst im
Norden, bis er angrenzte an den Fluß Tina, und nach ihm dem
Magog […].
Übersetzung einer der Qumran-Texte durch Breyer
Moment aka wait a minute. Die ältesten Schriften aus Qumran stammen aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert, die jüngsten aus dem 1. Jh. n. Chr.
Die obige Passage handelt davon, wie Noah (aka Noach) die Erde unter seinen Nachkommen verteilt (das ist der mit der Arche). Die Sintflut fand ungefähr um 7500 v. Chr. statt, als das Mittelmeer durch die Dardanellen brach, und hat sich bei vielen Völkern als Legende in das kollektive Gedächtnis eingebrannt, wie etwa dem Gilgamesch-Epos aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend (aus dem die Bibel vermutlich abgeschrieben hat).
Frage: Woher kennen die Qumran-Schreiber den Don am Asowschen Meer?
(Vgl. oben) Der ist ganz schon weit weg von der Levante. Der Don hieß in der Antike Tanaïs und galt als die östliche Grenze Europas – laut gotischen und isländischen Geschichtsschreibern.
Aber heute glaube ich nichts und hake nach, weil ich auch noch das Interview mit KI-Forscher Michael Gerlich gelesen habe: „Aber wenn man hundertmal die KI nutzt und hundertmal zufrieden war oder sogar schon automatisch die Antworten übernimmt, dann entscheidet im Endeffekt längst die KI und nicht mehr der Mensch. Aber diejenigen, die das nicht möchten, und das hat meine Studie gezeigt, die erreichen bis zu 60 Prozent Verbesserung der Leistung, also des Outputs, indem sie gezielt mit der KI zusammenarbeiten.“ Ich bin für „gezielt“.
Kurzantwort:
Im hebräisch-aramäischen Text steht nicht die deutsche Wortgruppe
„der Fluss Tina“, sondern der Ausdruck
נהרא טינא
(nahrā Tīnā), wörtlich:
„der Fluss Tina / Tanais“.
Sprachliche Erklärung:
נהרא
(nahrā) ist aramäisch für „Fluss“ und entspricht dem
hebräischen נהר (nahar).
טינא
(Tīnā) ist die aramäische Lautform von
Tanais, dem antiken Namen des Don.
Zur Textüberlieferung:
In der gedruckten Edition erscheint die relevante Stelle nur
fragmentarisch (mit […]). Der Eigenname
טינא
ist dort nicht vollständig erhalten, wird jedoch aus
Parallelüberlieferungen und aus dem geographischen Kontext
(Grenzbeschreibung des Nordens) zuverlässig erschlossen.
Ich fragte natürlich die KI, wo der Tanais aka Don auf der Hereford-Karte sei, und ChatGPT sollte gefälligst auf der hochgeladenen Karte markieren, wo Tanais stehe. Ich kriegte aber eine komplett halluzinierte Karte, die sogar dreist verfälscht (vgl oben).
„Auf der Original-Karte steht das Worte Tanais aber nicht: Es gibt auch keine Verbindung zwischen dem nord-südlichen Fluss oberhalb der Insel zu der Region, die orange markiert ist.“
„Du hast vollkommen recht – und danke, dass du so genau hinschaust. Die vorherige Markierung war nicht korrekt“. Bitte und gern geschehen. „Auf der Hereford-Mappa-Mundi ist der Tanais nicht eindeutig lokalisierbar wie auf ptolemäischen oder schematischen Weltkarten.“
Quellen? Scott D. Westrem, The Hereford Map: A Transcription and Translation of the Legends (2001) – Standardwerk: The river traditionally taken to represent the Tanais is not clearly distinguished from other northern rivers on the map.“ Es gibt also gar keine antike oder mittelalterliche Karte, die den Don zeigt. Aber Quellen:
Die Berufung auf den Tanais auf der Hereford-Karte stützt sich auf diese lateinischen Autoritäten:
1. Isidor von Sevilla
Etymologiarum sive Originum libri XX,
Buch XIV, Kapitel 3, §31.
Maßgebliche Edition:
W. M. Lindsay (Hg.), Isidori Hispalensis Episcopi Etymologiarum sive Originum Libri XX,
2 Bände, Oxford: Clarendon Press, 1911.
2. Paulus Orosius
Historiae adversus paganos,
Buch I, Kapitel 2, §48.
Maßgebliche Edition:
C. Zangemeister (Hg.), Pauli Orosii Historiarum adversum paganos libri VII,
Leipzig: Teubner, 1889 (Nachdrucke gebräuchlich).
3. Plinius der Ältere
Naturalis Historia,
Buch IV, §78.
Maßgebliche Edition:
L. Ian & K. Mayhoff (Hg.), C. Plini Secundi Naturalis Historiae Libri XXXVII,
Leipzig: Teubner, 1892–1909.
4. Gaius Iulius Solinus
Collectanea rerum memorabilium,
Kapitel 19, §1.
Maßgebliche Edition:
Th. Mommsen (Hg.), C. Iulii Solini Collectanea rerum memorabilium,
Berlin: Weidmann, 1895.
Das Asowsche Meer aka Palus Maeotis war nie Teil des römischen Reiches. Der Schreiber der Qumran-Texte, der dem legendären Noach gute geografische Kenntnisse unterjubelten, war auch nicht schlecht in Erdkunde. Und man muss davon ausgehen, dass auch die Leser oder Zuhörer, des es gab, wenn die Schriftrollen in Gebrauch waren, mit dem Begriff etwas anfangen konnten.
🕍 Die früheste jüdische Quelle: Flavius Josephus, Werk: Antiquitates Iudaicae Zeit: ca. 93/94 n. Chr. Stelle: I, 6, 1 (Ant. Iud. 122–124, Zählung je nach Edition).
οἱ δὲ τοῦ Ἰάφεθ υἱοὶ τὴν ἀπὸ τοῦ Ταύρου καὶ Ἀμανῶν ὄρους μέχρι Τανάϊδος χώραν ᾤκησαν. (Die Söhne Japhets aber bewohnten das Land vom Taurus- und Amanusgebirge bis zum Tanais. Nein, ich kann kein Griechisch.)
👉 Hier erscheint der Tanais erstmals explizit in einem jüdischen Werk.
Fähig und unfähig
„Hinter BILD auf Platz 2 liegt erneut die „Spiegel“-Gruppe mit 924 Zitierungen in anderen Medien (2024: 1073 Zitate). Platz 3 verteidigt die „Handelsblatt“-Gruppe mit 824 Zitat-Nennungen. Dahinter folgen „New York Times“ (805), ARD (726) und ZDF (687). BILD ist Deutschlands größtes Medium mit durchschnittlich 13 Millionen Nutzern pro Tag“.
Ich halte die Kategorie „zitiert“ für Unsinn, weil sich das innerhalb der Medien-Bubble bewegt, also ein selbstreferenzielles System ist. Unstrittig ist aber das Qualitätsboulevardmedium „Bild“ sehr gut in der Recherche, was der lesenswerte Artikel über die AfD-Zentrale beweist.
Neue Ware eingetroffen
Neu in meiner Bibliothek: Klaus Beyer: Die aramäischen Texte vom Toten Meer: Bd 1: Samt den Inschriften aus Palästina, dem Testament Levis aus der Kairoer Genisa, der Fastenrolle und den alten talmudischen Zitaten, Göttingen 1984 (kostete früher 240,00 DM, neu jetzt 300 Euro. ich habe es natürlich gebraucht für einen Bruchteil der Summe gekauft).
Muss man das kennen? Natürlich nicht. Da die Nachgeborenen des Lesens längere Sätze ohnehin unkundig sind, suhle ich mich in dem Gefühl, eine aussterbende Kulturtechnik zu beherrschen, was aber heißt, dass ich hier Perlen vor die Säue würfe, es sei denn, das Publikum bestünde aus bildungsbeflissenen EDV-Opas, was ein nicht existierendes höhere Wesen verhüten möge.
Der Breyer hat knapp 800 Seiten, aber die Hälfte davon besteht aus Grammatik des Aramäischen, Wörterbuch und Register. Das erinnerte mich an eine meiner Studentinnen, die auf die Frage, was ihre Muttersprache sei „Aramäisch“ antwortete und mich so dabei ansah, als erwartete sie, ich würde antworten: „Was ist das denn“?, wobei sie sich bei mir natürlich irrte. Hätte sie „Turoyo“ gesagt, wäre ich mit meinem Latein [sic] am Ende gewesen.
Ich habe die Qumram-Höhlen im Oktober auf meiner To-Do-Liste; im Kalya Kibbutz war ich schon 2023, aber nur ein paar Minuten, bei der Reise per Bus von Jerusalem zum Toten Meer und zurück.
The international community considers Israeli settlements in the West Bank illegal under international law, but the Israeli government disputes this.
Da muss ich dann sowieso hin und der international community zuwinken. Die tiefste Bar der Welt ist natürlich auch ganz nett.
pa‘‘el
Der Faktitiv-Resultativstamm (pa‘‘el) wird durch Längung des mittleren Konsonanten
(ursprünglich durch Verdoppelung der ganzen Wurzel) gebildet. Er zeigt im Perf. und Imp.
die Form qattēl, dessen ẹ teilweise durch ’ bezeichnet ist (→ 417):
זבינת „ich verkaufte“ (M), מליל „er redete“ (aRES 1785B,4: um 100 v. Chr.),
מגיש „er nahm magische Beschwörungen vor“ (aKAI 265,2: um Christi Geburt),
עזיד „er richtete her“ (aŠimbar 1–5: 2. Jh. n. Chr.).
Das Impf. hat den Präformativvokal (a) ẹ (→ 111).
Das Perf. passiv lautet qottēl (→ 152. 492),
der Inf. absol. qattālā (mit Femininenendung: → 435. 449;
mittelaram. mit m-: → 150: מאסירא „heilen“: oo),
constr. qattālût (→ 456),
das Partz. maqattēl,
das Partz. passiv maqattāl (→ 111. 130f.)
oder maqottāl (→ 37 Anm. 1).
Als Verbalabstrakta dienen
qatalīn (?) qittūl qalqūl maqlāl
taqtūlā taqtīl qattālût.
Wozu? Ich finde es auch lustig, den letzten Teil durchzublättern, weil ich vielleicht mein dürftiges Hebräisch auffrischen kann. Ich werde das ganze Buch heute während meiner 12-stündigen Nachtschicht durchlesen, natürlich nur während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen – sonst wäre das verboten.
Unten: Osten-Sacken, Peter von der (Hrsg.): Zionismus – Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, Institut Kirche und Judentum, 1986.
Keine Revolution, nirgends
Nein, die Revolution im Iran – wenn es denn überhaupt eine ist – wird nicht gewinnen, auch wenn das traurig klingt.
In der bürgerlichen Presse liest man ein Interview mit Vali Nasr, der sich ähnlich äußert (aber aus anderen Gründen als ich): Das Herrschaftssystem sei „noch nicht wirklich bedroht. Zwar ist der Unmut groß, aber der Opposition fehlen ein gemeinsames Programm, eine übergreifende Organisation, handlungsfähige Führungsfiguren.“
Das alles braucht es nicht unbedingt, damit eine Regierung stürzt – etwa wie in Rumänien am 22.12.1989. Revolutionäre Führer schälen sich während der Aktion aus der Masse heraus. Und welche Art von Organisation sollte es sein? Ich kenne nur eine – der Anführer hieß Lenin -, aber so etwas wird es nicht wieder geben.
„Unruhen aus wirtschaftlichen Motiven haben die herrschende Ordnung bisher nie wirklich gefährdet.“
Es kann natürlich einen Umsturz geben, wenn die herrschende Klasse zur Einsicht kommt, dass bisherigen ihre Anführer ineffektiv handeln, wie fast in allen Staaten des so genannten Arabischen Frühlings. Die werden dann einfach durch andere ausgetauscht, die sich nicht so dumm anstellen, und nichts ändert sich – oder das Regime wird noch repressiver als zuvor.
In der französischen Revolution wurde die Feudalklasse entmachtet zugunsten der Bourgeoisie. Es folgte aber zunächst eine Diktatur, bei der im Sinne des Wortes viele Köpfe rollten, und dann das Kaisertum unter Napoleon. In Deutschland scheiterte das Bürgertum 1848 – aber der Kapitalismus, also die Klassenherrschaft der Bourgeoisie, kam dennoch.
Mai 1951
Unter Führung Mossadeghs wird die iranische Ölindustrie verstaatlicht. An der Ölgesellschaft, der Anglo-Iranian Oil Company, hält Großbritannien die Mehrheit; es kommt zum Konflikt zwischen Großbritannien und Iran. Innenpolitisch wird Mossadegh zum Widersacher des Schahs.19. August 1953
Mossadegh wird gestürzt; Teile der iranischen Armee führen mit Hilfe des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA einen Staatsstreich durch. Mossadegh wird zu drei Jahren Haft verurteilt, im Anschluss unter Hausarrest gestellt. Mossadegh stirbt 1967.1957
Ab 1957 baut der Schah – ebenfalls mit ausländischer Hilfe – den Geheimdienst SAVAK auf.9. Mai 1961
Der Schah löst das Parlament (Madschlis) auf. Iran bleibt zwei Jahre ohne Volksvertretung.Januar 1963
Der Schah lässt in einem Referendum über Reformpläne abstimmen („Weiße Revolution“). Zu den Reformen gehört unter anderem eine Landreform. Die Reformen werden angenommen.
Was soll also in Persien kommen? Eine andere, weniger religiösere Form des Kapitalismus, oder eine mehr demokratische?
Die „Islamische Republik“ war die vom Volk gewünschte Alternative zur Monarchie. Und jetzt wieder zurück?
„Die Macht in diesem System ist auf viele Pole verteilt.“
Die gefährlichste Variante wäre die, dass das Militär übernimmt – es wäre nicht das erste Mal – , oder die Ayatollahs gestürzt werden und neue Hardliner an die Macht kommen. Das können weder die Israelis noch Trump mit einem Flächenbombardement verhindern.
Am verlorenen Berg

Pirineo Aragones – Monte Perdido. – Alt. 3.355m. Foto: Foto Peñarroya – Jaca
Heute noch etwas weit jenseits des Zeitgeschehens. Ich habe auf einem sehr abgelegenen Bücherregal ein paar Reiseführer über Spanien und die Pyrenäen entdeckt und erinnerte mich, dass ich da mal war – vermutlich 1987. Ich hatte keinen Fotoapparat dabei; Handy natürlich auch nicht, weil es das noch nicht gab. Ich musste ein paar Wochen allein in den Bergen herumwandern, weil ich – wie man heute so sagt – einfach den Kopf freibekommen wollte, vor allem wegen einer unglücklich ausgegangenen …ähem… ich bleibe lieber diskret, weil das Mädel die reizende Künstlerin, mit der ich damals in einer großen WG zusammenlebte, noch quicklebendig ist und ihr charmantes Lächeln behalten hat.
Ich habe auch noch eine Postkarte gefunden und einen Brief. Ich bin von Berlin aus mit einer Mitfahrgelegenheit über Frankreich – mit einer Übernachtung – nach Pamplona gefahren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich am Steuer saß, als wir die Pässe der westlichen Pyrenäen-Ausläufer überquerten und ich mir Rennen mit den einheimischen Autos lieferte.
8.9.[1987]
Liebe Eltern!
30 Grad im Schatten, seit einer Woche keine Wolke zu sehen – das ist fast zu heiß zum Wandern. Ich sitze auf einer Terrasse (gehört zu einem feudalen Campingplatz inklusive Dusche und Waschmaschine) mit einem kühlen Getränk und mache einen Tag Pause. Die Pyrenäen sind wunderschön, fast wie die Dolomiten – bis 2000 m bewaldet und dann schroff aufsteigende Felsen bis 3000.
Die ersten Tage (nach 2 Tagen in Pamplona mit einer tollen Altstadt und vielen Kneipen wie in Berlin) hatte ich mich in die Berge geschlagen zum trainieren. In einem Seitental wanderte ich von einem Dorf zum anderen – alle unbewohnt, weil von den Bewohnern aufgegeben – malerische Ruinen im Abendlicht, Totenstille, nur Grillen zirpen und ein plätschernder Bach – Wassermangel ist hier das größte Problem. [Die Route finde ich nicht mehr, es war südwestlich von Pamplona. Die Dorfruinen waren angeblich mozarabisch.]
Das Marschieren war anstrengend. mit Zelt wieder mein Gepäck 25 kg. Dann bin ich in den Nationalpark von Ordesa [Nationalpark Ordesa y Monte Perdido] – ein riesiger Canyon mit über 15km Länge und über 1000m tief.
Den bin ich raufgekraxelt und am nächsten Tag auf den Pass, den ihr am oberen Kreuzchen auf der Karte seht. Der Abstieg war, was die Aussicht angeht, atemberaubend; Ich könnte sogar das Maladetta-Massiv [gemeint ist der Pic de Maladeta] sehen, wohin ich erst in 3 Wochen will, ansonsten aber fürchterlich – Geröll und Gletscherfelder.
Das zweite Schneefeld nahm ich im Sturzflug auf dem Hinterteil, schließlich konnte ich mich mit einem Eispickel festhalte. Beim unteren Kreuzchen passierte es: Eine Kletterpassage, normaler Schwierigkeitsgrad, aber das blöde Zelt und der Rucksack sind einfach zu schwer für so etwas. Die letzten 10m bin ich hinuntergekracht – holterdipolter den Felsen lang auf das Schneefeld, was unter dem 2. Kreuzchen zu sehen ist – außer Hautabschürfungen und zerrissenen Riemen ist nix passiert.
Nach weiteren 3 Stunden Abstieg kam ich laut fluchend an einem kristallklaren Gletschersee an [Ibón Helado], umgeben von Wiesen und bunten Blumen. Dort habe ich alles geflickt, gerichtet und mich erholt – allerdings kamen mir nach 3 Tagen das Müsli und die guten Suppen von Knorr schon zu den Ohren raus.
Übermorgen werde ich zur nächsten Tour aufbrechen, weniger halsbrecherisch, aber anstrengender, weil 5 Tage – von Bielsa (wo ich morgen den Brief abwerfe) zu Fuß zum Maladetta [Maladeta] Massiv, von da aus zum anderen Nationalpark (Vall d’Aran, von da aus Anfang Oktober nach Barcelona, wo eine Freundin wohnt und wo ich auch B. treffe.
Ich versuche noch inzwischen, mal ein Kärtchen loszuwerden – aber die bewohnten Orte sind erstens selten und zweitens so teuer wie bei uns (Essen 20 Mark).
Bis bald und Gruß Burkhard
Heute kann ich die Tour zum Teil nachvollziehen. Ich bin erst – von Süden aus – zum Refugio de Góriz – Ordesa (2200 m) marschiert und dann nordwestlich über den Pass am Soum de Ramond vorbei hinunter ins Tal, wo ich mein Zelt aufschlug, bis zum Refugio de Pineta, wo ich am nächsten Tag übernachtete. Auf der Karte des Alpenvereins ist der kleine See gut zu erkennen. Auch die Gletscherfelder sind noch da; sie waren damals aber ausgedehnter, und es war schon Spätherbst.
Der Plan, zum Pico de la Maladeta zu Wandern, zerschlug sich, weil es schon vor Bielsa anfing, heftig zu schneien. Ich bin daher von Bielsa nach Süden getrampt. Ein freundlicher Autofahrer setzte mich irgendwann an einem Stausee ab, wo der erwähnte Campingplatz war. Dann bin ich nach Graus – an die großartige Altstadt kann ich mich noch erinnern. Und von dort aus über Lleida nach Barcelona – wieder getrampt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich irgendwann in einem trockenen Flussbett unter einer Brücke geschlafen habe – vermutlich am im Tal des Llobregat in der Nähe der abtei Montserrat, weil ich mir die noch angesehen habe.
Es wäre witzig, würde ich die Tour noch einmal machen, aber dieses Mal mit Fotos. Ich zweifele aber, ob ich heute noch so fit wäre, in zwei oder drei Tagen die höchsten Pässe der Pyrenäen zu Fuß überqueren zu können.
Araber, Juden und Christen im unheiligen Land
Wir müssen heute etwas total Überflüssiges durchnehmen. Warum und zu welchem Ende liest man Heyer, Friedrich: Kirchengeschichte des Heiligen Landes, was ich vorgestern und gestern getan habe? Natürlich interessiert das niemanden außer mir, und ich machte das auch nur aus egoistischen Gründen dergestalt, dass ich hier auf meinem Blog sozusagen das Exzerpt platziere, obwohl ich auch in jedem Buch, das ich lese, herum- und unterstreiche, dass ich das Wichtigste beim nächsten Mal schneller finde.
[Die kursiven Passagen sind Zitate.] Ich war jedoch von diesem Buch recht überrascht. Ich erwartete drögen Stoff, den man im Schnellverfahren abhandeln könnte, nur der Form halber, weil es als Standardwerk zum Thema gilt.
Stattdessen kam ich aus dem Staunen über mein eigenes Unwissen gar nicht mehr heraus.
Ich musste nicht nur zahllose Namen und Begriffe googlen, sondern lernte auch Nützliches über die Spätantike. Man merkt doch immer wieder, wie eurozentiert der Blick ist, ganz zu schweigen davon, dass das Thema in den hiesigen Universitäten vermutlich gar nicht auftaucht oder nur eineinhalb Interessenten beschäftigt, die des Genderns überdrüssig sind. [Es war auch zum Teil schwierig, die richtigen Links zu finden, weil manche Namen über die Jahrhunderte mehrfach auftauchen. Aber die Recherche parallel zur Lektüre und kombiniert mit ChatGPT machte Spaß, weil sie viel mehr Details liefert und sogar kleine Fehler im Buch – das ja vor dem Internet entstanden ist – richtigstellt. Zum Beispiel gab es keinen Vertrag zwischen Karl dem Großen und Harun al-Raschid, obwohl Heyer das behauptet. ChatGPT spuckte sogar unaufgefordert das lateinische Zitat aus Einhards Vita Karoli Magni (um 830) aus: Cum Aarone rege Persarum, qui totum pene Orientem tenebat, amicitiam fecit. (Mit Aaron, dem König der Perser, der fast den ganzen Orient beherrschte, schloss er Freundschaft). Nur dass – und keinen Vertrag.]
Aber zunächst Unterhaltung.
Des Apphianus Halbbruder Ädesius, der allzeit im ärmlichen Philosophenmantel ein Asketenleben führte, in der wissenschaftlichen Bildung seinem Bruder noch überlegen (Mitschüler des Euseb[ius von Caesarea] in der Schule von Cäsarea), wagte in Alexandria ähnliches wie sein Bruder. Als er sah, wie der dortige Richter angesehene Männer, weil sie Christen waren, mißhandelte und Jungfrauen Bordellhaltern übergab, trat er an den Richter heran, schlug ihn mit beiden Händen ins Gesicht, überhäufte ihn mit Schimpfworten und warf ihn zu Boden. Auch er wurde ertränkt. In Tyrus wurde in der gleichen Zeit der junge Ulpianus nach fürchterlichen Geißelungen mit einem Hund und einer Giftschlange in rohe Rindshaut eingenäht und ins Meer geworfen.
Vermutlich hätte ich noch eine Warnung voranschicken sollen. „Beim Lesen der Zitate könnte das Publikum verstört werden! Jugendliche unter 18 dürfen die Passagen nur embedded in Gegenwart eines weltanschaulich gefestigten Journalisten Erwachsenen konsumieren.“
Als Kaiser Maximinius Daja am 20. November 306 in Cäsarea zur Feier seines Geburtstages Festspiele veranstaltete, bei denen Verbrecher in der Arena mit Tieren aus Indien oder Äthiopien kämpfen sollten, holte man den Agapius zusammen mit einem Sklaven, der seinen Herrn ermordet hatte, heran. Agapius war schon drei- oder viermal zum Tierkampf ins Stadion geführt, aber immer wieder zurückgestellt worden. Das Theater hallte von Beifallsbezeugungen wider, als der Kaiser dem Mörder Leben und Freiheit schenkte. »Den Kämpfer für das Christentum liebe der Tyrann vor sich rufen«, verlangte von ihm die Verleugnung des Glaubens, wofür er ihm die Freiheit anbot. Agapius schritt lieber der losgelassenen Bärin entgegen. Noch atmend brachte man ihn ins Gefängnis, wo er noch einen Tag lebte. Mit Steinen an den Füßen wurde er ins Meer versenkt.
Hätten Sie’s gewusst? Die Araber waren Alliierte Roms und Christen. Erst in der Spätantike wurden sie Muslims. Sie lebten damals auch nicht in Palästina. Von wegen „Palästinenser“. Aber sage das jemand den heutigen hohlköpfigen Palituch-Trägern und so genannten „Linken“!
Um das Jahr 500 hatten sich arabische Stämme, die sich um die mächtige Familie Ghassan gruppierten – vom byzantinischen General Romanos besiegt – dem Kaiser Anastasios gegenüber zum Dienst bereit gezeigt. Sie grenzten das byzantinische Reich gegen Persien ab und halfen die aufständischen Samariter zu überwältigen. Ihre Herrscher hingen freilich dem antichalcedonensischen Glauben an. Verfolgte Monophysiten aus dem byzantinischen Reich suchten bei ihnen Zuflucht. Daß die Kaiser infolge ihres Ränkespiels den Grenzschutz der Ghassaniden einbüßten, machte einen Einfall der Perser unter Chosroes ins Heilige Land im Jahre 614 möglich. Juden und Samariter begrüßten sie stürmisch.
Auch das noch! Juden bejubeln die Iraner Perser, die das Heilige Land erobern, in dem die Mehrheit Christen, also Byzantiner waren! Antichalcedonisch? Monophysiten? Das sage ich bei einem Barbesuch auf die Frage: „Bist du religiös?“ – „Ich bin antichalcedonischer Monophysit!“
Die Perser unterwarfen die palästinensische Hauptstadt Cäsarea (die damit ihre Bedeutung verlor) und Lydda und erschienen vor Jerusalem. Die Mönche der jüdischen Wüste flohen über den Jordan. Im Vertrauen, Gott werde seine Heilige Stadt schützen, hinderten rebellische Gruppen den Patriarchen Zacharias an friedlichen Verhandlungen mit dem Feind. So schickte Zacharias den Mönch Modestus aus dem Theodosioskloster zur byzantinischen Garnison von Jericho, Hilfe aufzubieten. Umsonst! Nach 20 Tagen brach die Eudokiamauer unter den Stößen des persischen Rammbocks zusammen. Als die Perser am 20. Mai in die Stadt stürmten, stachen sie nieder, wen sie trafen, und verbrannten Grabeskirche, Himmelfahrtskirche und Sion. Aus den Übriggebliebenen, aus den Verstecken gerufen, wurden nur die Handwerker zum Abtransport ausgesucht. Die in diesem Sinne Unbrauchbaren wurden in den Teich von Mamilla getrieben und dort ertränkt, oder sie erhielten einen Gnadenstoß von jüdischer Hand.
Moment. Die Juden brachten die Christen um, die nicht „nützlich“ waren?
Der tugendhafte Thomas und seine Gattin begruben die 33 000 Toten. Patriarch Zacharias wurde in die Gefangenschaft verschleppt, die Kreuzreliquie nach Persien entführt. – Unter den Deportierten befand sich der Diakon Eusebios mit seinen zwei Töchtern, 8 und 10 Jahre alt. Die persischen Priester forderten die Kinder zur persischen Feueranbetung auf, doch gestützt auf die Ermahnungen ihres Vaters verweigerten sich die Mädchen. Sie wurden hingemordet, der Vater ins Feuer gestoßen. Darüber schrieb Patriarch Sophronios einen Hymnus, den bewegendsten unter allen seinen Dichtungen.

Patriarch Sophronius von Jerusalem, Menologion von Basil II
Die christlichen Araber sind schuld, dass die muslimischen Araber Palästina erobern konnten. Und das kam so:
Nachdem 635 Damaskus in arabische Hand gefallen war, erkannte Kaiser Heraklius die drohende Gefahr. Zwei Heere entsandte er gegen Omar [ʿUmar ibn al-Chattāb, auch: Omar ibn–al-Khattab], eines, das in Armenien ausgehoben war, unter Fürst Vahan, das andere unter Theodor Trithyrios.
Am heißen Sommertag des 20. August 636 verloren die Byzantiner am Jarmuk, dem östlichen Nebenfluß des Jordan, die Entscheidungsschlacht. Mitten im Kampf gingen 12 000 christliche Araber [die Ghassaniden] zum Feind über. Als Nonchalcedonenser haßten sie Byzanz. Den Soldaten des Kaisers wehte der Sandsturm in die Augen. Als Sophronios erfuhr, daß Jericho in gegnerischer Hand sei, schaffte er die Kreuzreliquie bei Nacht zur Küste, damit sie nach Konstantinopel verbracht würde.

Schlacht von Jarmuk, 638 n. Chr., anonyme katalanische Illustration, ca. 1310 – 1325
Über den Fall der Heiligen Stadt gibt es unterschiedliche historische Berichte. Am wahrscheinlichsten ist, daß Jerusalem von einem unbekannten Stammesscheich Khalid b. Thabit al-Fahmi eingenommen wurde, der Jerusalem gegen Tributzahlung unzerstört ließ. Die spätere Phantasie haftete jedoch an einem Bericht, demzufolge der greise Patriarch Sophronios die Heilige Stadt den Muslimen übergeben habe. Der Patriarch habe gefordert, daß Kalif Omar [Omar ibn–al-Khattab] selbst in Person anwesend sei. Im 17. Jahr der Hedschra, das heißt im Februar 638, begegneten sich Sophronios und Omar auf dem Ölberg. Der alte Patriarch mußte sich vor dem Eroberer demütigen. Sophronios bot dem Kalifen an, in der Anastasis zu beten. Doch Omar erwiderte: »Wenn ich in Deinem Tempel beten würde, würdest du ihn später verlieren, denn die Muselmanen würden ihn dir nach meinem Tod wegnehmen, indem sie sagten: Hier hat Omar gebetet.«
„Jhesus aber sprach zu ihnen: Sehet jr nicht das alles? Warlich ich sage euch, Es wird hie nicht eyn steyn auff dem andern bleiben, der nicht zu brochen werde.“ (Matthäus 24,2, Lutherbibel 1525)
Der Kalif wünschte statt dessen ein Terrain zu sehen, auf dem er eine Moschee bauen könnte. Die Sage berichtet, Sophronios habe ihn auf den Tempelplatz geführt, der bis dahin wüst gelegen hatte; die Christen respektierten nämlich die Prophezeiung des Herrn, daß hier kein Stein auf dem andern bleiben werde. Omar habe sogleich mit eigenen Händen begonnen, in der Mitte des Platzes Trümmer wegzuräumen. Der Felsendom, von syrischen Kirchenarchitekten nach der Art errichtet, wie sie eine christliche Kirche gebaut haben würden, entstand freilich erst 691. Der arabische Historiker Mukkadasi [al-Muqaddasī] beschreibt das dabei vorwaltende Motiv so: Dieser Bau sei errichtet worden, damit die Pracht der Grabeskirche die Muslime nicht verwirre.
Trotz der Herrschaft muslimischer Mächte war Palästina bis zu den Kreuzzügen noch immer ein majoritär christliches Land geblieben.

Jerusalem auf der Mosaikkarte von Madaba, 6. Jh. n. Chr.
Die Juden, denen Julian Apostata die Rückkehr nach Jerusalem gestattet hatte, waren von den Kreuzfahrern wieder ausgetilgt worden. Nach Zerstörung des Kreuzfahrerreichs durften sie wieder in ganz Palästina siedeln.
Als die katholischen Majestäten 1492 die Judenschaft Spaniens vertrieben, nahm Sultan Bayazid die Exulanten [sic] großzügig im Osmanischen Reich auf. Unter 70000 Sefarden, die sich in den türkischen Häfen einfanden und in urbanen Zentren des Inneren ihre Kolonien schufen, waren vor allem religiös gestimmte Juden vertreten, die in der Kabbala lebten – jener mystischen Strömung, die anfangs des 13. Jhs. in der spanischen Stadt Gerona [Girona] ihre bedeut3enden Schriftsteller gefunden hatte. Im Heiligen Land gewann das Judentum eine neue geistige Präsenz iim obegaliläischen Safed….“
1777 trafen die ersten Chassidim aus Russland in Palästina ein… Also noch mal ganz langsam. Wie kann jemand behaupten, die Juden seien „Kolonisten“, obwohl sie viel früher als die Araber in Palästina waren?
Aber wenden wir uns von der Politik ab und den Religonen des Friedens zu. Heyers Buch reicht bis in die Gegenwart – also die 80er-Jahre. Über die Grabeskirche, in der ich jetzt schon zwei Mal war und mich immer noch nicht auskenne (das ist die mit dem afrikanischen Kloster auf dem Dach):
Das Protokoll der Berliner Konferenz von 1878 bestätigte den Status quo. Diese Regelung der Rechtsverhältnisse an den Heiligen Stätten blieb das letzte Wort. Tatsächlich handelte es sich um eine bloße Beschreibung der Gebräuche, wie sie sich historisch eingespielt hatten. Ein Versuch, 1902 den Status quo in eine Kodifikation umzumünzen, mißlang. Die bisherigen Rechte der Kustodie gingen auf das lateinische Patriarchat über. Die Forderung der Franziskaner, daß das Aedicuium der Grabeskirche, die obere Geburtsbasilika in Bethlehem und das Mariengrab im Josaphattal zurückgegeben würden, die 1757 den Lateinern genommen waren, blieb unerfüllt.
Auch den nonchalcedonensischen Kirchen – den Armeniern, Kopten und Syrern [gemeint ist die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien] – spricht der Status quo bestimmte Rechte zu. So besitzen die Kopten das Recht, Tag und Nacht in der Grabeskirche zu räuchern und bestimmte Lampen aufzuhängen, etwa am Salbungsstein zwei Lampen, außerdem in der Karwoche in Prozession das Christusgrab zu umschreiten. In Fastenzeiten dürfen die Kopten täglich eine Eucharistie in der Grabeskirche feiern, sonst zweimal in jeder Woche. Am Himmelfahrtstage dürfen sie im Imbomon ihr Zelt aufschlagen und einen eigenen Altar errichten. Auch in Bethlehem und am Mariengrab besitzen die Kopten bestimmte Rechte.
Jede der im Status quo privilegierten Kirchen wachte eifersüchtig darüber, daß die Partner ihre Grenzen in den im Vertrag einbezogenen Stätten nicht überschritten und die im Text nicht aufgeführten Kirchengemeinschaften ausgeschlossen blieben. Da der Status quo katholischen Institutionen nur insofern Rechte zuerkennt, als diese sich an das lateinische Patriarchat ankristallisieren, sind die mit Rom unierten Christen ausgeschlossen. Unierte Kleriker dürfen in der Grabes- und der Geburtskirche nicht einmal privat zelebrieren.
Als 1888 der Präsident der Russischen Palästina-Gesellschaft, Großfürst Sergij, und seine Gattin Elisaveta Jerusalem besuchten, erfolgte insofern ein Übergriff über die vom Status quo gezogenen Grenzen, als der russische Archimandrit auf dem Kalvarienberg für die hohen Herrschaften in Kirchenslawisch zelebrierte. Beim Eucharistischen Kongreß, den die katholischen Christen vom 15.–20. Mai 1893 nach Jerusalem einberiefen, ließen die Lateiner, was im Status quo nicht vorgesehen ist, die mit Rom unierten Ostchristen an diesem Ort feiern. Als im Jahre 1960 der syrisch-katholische Hierarch Ephraim aus Mossul am lateinischen Altar in der Geburtsgrotte zelebrierte, prügelte ihn ein griechischer Mönch – mitten in der Messe – hinaus.
Man kann die Israelis nur bedauern, dass sie da für Ordnung sorgen müssen. Vermutlich müssen sie auch immer erst nachsehen in einer langen Liste, mit wem sie es gerade zu tun haben.









































