Freizeit
Neapolitaner und andere Miszellen
– Aus der Rubrik „nützliches Wissen“: Der Neapolitanische Sextakkord oder kurz Neapolitaner ist ein alterierter Akkord. Der Quintton des Subdominantakkords wird durch den tiefalterierten Sextton ersetzt.
Ich hatte mir die berühmte Toccata und Fuge in D-Moll von Johann Sebastian Bach und fragte mich, warum das Motiv in der Popkultur beliebter ist als die „deutlich reifere C-Dur-Toccata„.
Ich verstehe nichts, obwohl ich nach Noten Klavierspielen kann. Ich bleibe besser bei der Onomatopoesie palim palim. (Wortschatzübung)
– „Schauspielerin verliert Hauptrolle wegen Pro-Israel-Video“, berichten die Qualitätsboulevardmedien in nicht ganz korrektem Deutsch. Gemeint ist die umwerfend gut aussehende Sarah Maria Sander.
Man sollte Ross und Reiter nennen, in diesem Fall vermutlich Reiter*&%_$§Innen. „Das Berliner Landgericht II für Zivilsachen untersagte der Produktionsfirma Soilfilms Media einstweilig, Teile einer Rolle weiter zu verfilmen oder zu veröffentlichen.“
Man könnte das jetzt genauer erforschen. „Einen Monat später habe ihr Co-Autor Rainer Begoihn ebenfalls Hauptdarsteller) in einem Telefongespräch erklärt, ihr Engagement schade dem Projekt. Festivals könnten den Film mit ihr nicht annehmen.“ Dieser Mann scheint ein ausgemachter Feigling zu sein – und ein Opportunist sin cojones dazu.
Die Sanders hat natürlich recht, wenn sie den sogenannten „Kulturschaffenden“ vorwirft: „Eure politische Haltung, euer Aktivismus ist nichts, es ist eine Show. Es ist Gratismut ohne Risiko, ohne Haltung.“
By the way und reprint: Nehmt dies, Kulturschaffende! „1933, als die Reichskulturkammer gegründet wurde, kam im Zusammenhang mit der Berichterstattung und mit öffentlichen Appellen plötzlich das Wort „Kulturschaffende“ auf. Es wurde von Leuten, die der Schaffung der Reichskulturkammer positiv gegenüberstanden, und von Künstlern und „Kulturschaffenden“, die ihre nationalsozialistische Gesinnung bekunden wollten, geprägt und benutzt – vorher ist es nicht nachweisbar.“
– Eine der vielen Folgen der Klima- und Erderwärmung: Es wird immer kälter. „Für die erste Februarwoche kündigt sich eine neue Störung des stratosphärischen Polarwirbels an, möglicherweise sogar ein starker Split oder gar eine viel zu frühe Auflösung. Dabei würde sich das Tiefdrucksystem in großer Höhe über dem Nordpol aufspalten und einem ungewöhnlich kräftigen Hoch über der Polarregion Platz machen. Eine Konstellation, die selten ist und die Chancen auf Wintereinbrüche am Boden auch in Europa deutlich erhöht.“ (Zitat aus der bürgerlichen Presse)
Jemand kommentierte auf Fratzenbuch: „Wetter ist eben nicht Klima“. Die Klimaerwärmung betrifft also nicht das Wetter, sondern nur die Temperaturen? Oder umgekehrt? Ich frage am besten die Genderbeauftragen beim DJV, die wissen das bestimmt.
Avatare sehen dich an, revisited
Die spärliche bekleidete Dame ist die Besitzerin von zwei „goreanischen“ Rollenspiel-Sims in Secondlife und zahlt monatlich rund 300 Dollar dafür.
Lob und Preis meinem Provider: Den Screenshot kann ich nirgendwo sonst posten, sonst würde ich sofort wieder gesperrt….
Sein Todesurteil

A black and white cinematic photograph, man seen from behind, wearing torn and dirty prison clothes, standing alone in a filthy stone prison cell, rough damp walls, cracks and stains, early 20th century prison, small barred window high in the wall, cold pale light streaming in, the man staring outside in despair, condemned to death in his final hours, oppressive and terrifying atmosphere, psychological horror, existential dread, heavy shadows, strong contrast lighting, grainy texture, historical realism, no modern elements, no color –ar 3:4 –v 6.0 –chaos 10 –s 750 –raw –
»Aus wahrem Leben«
„Wir veröffentlichen nachstehend und verschiedenlich in den folgenden Heften die Einsendungen, die bei unserem Wettbewerb „Aus wahrem Leben“ mit einem Preise ausgezeichnet werden konnten. Es sei betont, daß das Preisrichterkollegium gemäß unserer Bekanntmachung sich bei der Beurteilung der Einsendungen nicht nach der mehr oder minder guten Schilderungsweise und der angewandten Sprache richtete, sondern nur nach dem Inhalt. Dieser Umstand machte bei fast allen hier zur Veröffentlichung kommenden Erzählungen eine manchmal umfangreiche redaktionelle Umarbeitung notwendig.“ (Genaues Datum unbekannt, 40-er Jahre, 20. Jh.)
1. Preis:

Mein Todesurteil
Noch heute, nach vielen Jahren, läßt mich die Erinnerung an das einmal Erlebte nicht los, verfolgt mich bis in meine Träume und überfällt mich in Stunden, die der Ruhe und Entspannung dienen sollen.
Beim Ausbruch des Weltkrieges wohnte ich mit meinen Eltern auf russischem Boden, nicht weit von der deutschen Grenze entfernt. Wir betrieben eine kleine Landwirtschaft, die – wie viele andere in der dortigen Gegend – von meinen Vorfahren, Siedlern aus dem schönen Sachsenlande, geschaffen wurde. Zunächst blieb unser Gebiet von dem unseligen Krieg verschont. Als aber die deutschen Truppen nach der siegreichen Schlacht bei Tannenberg weiter vordrangen, zogen sich Kämpfe und Gefechte bis ganz in unsere Nähe hinein. Die Russen befürchteten Verrat und schickten deshalb viele Deutschstämmige, darunter auch mich – einen jungen Mann von siebzehn Jahren – an die Wolga. Einen Monat lang befanden wir uns unterwegs. Manche Entbehrungen hatten wir zu ertragen, bis endlich der Bestimmungsort, das Dorf Husenbach, erreicht war. Eineinhalb Jahre arbeitete ich auf verschiedenen Gütern, schritt hinter Pflug und Egge her und half, die Ernte einzubringen.
Mein neunzehnter Geburtstag stellte mich vor eine wichtige Entscheidung. Obwohl deutschen Blutes besaß ich die russische Staatsangehörigkeit. Und die sollte mir mit dem Eintritt in das neue Lebensjahr die zweifelhafte Pflicht auferlegen, ins Heer einzutreten und auf den Schlachtfeldern gegen meine Brüder zu kämpfen. Das aber hätte ich nie gekonnt. Gegen die Russen, unsere Bedränger – ja. Aber gegen die Meinen? Nie und nimmermehr. Aus meiner Not glaubte ich mir dadurch helfen zu können, daß ich mir in einer benachbarten Stadt einen neuen Paß ausstellen ließ. Mein Alter gab ich mit „siebzehn“ Jahren an. Um die Fälschung geheim zu halten, sagte ich dem Dorf, in dem man mich kannte, Lebewohl.
Mit meinem wenigen Hab und Gut machte ich mich auf die Reise nach Charkow, um in dieser dichtbevölkerten Stadt Unterschlupf und Arbeit zu finden. Bald nach meiner Ankunft suchte ich die Büros einer großen Fabrik auf, um nach Beschäftigung zu fragen. Aufs geratewohl ging ich in ein Zimmer, das zum Ausgangspunkt eines unendlichen Leidens für mich werden sollte.
Ich geriet in das Quartier von Werkpolizeibeamten, die sich eingehend nach meinem Begehr erkundigten, Paß und Papiere prüften. Klopfenden Herzens sah ich zu. Würden sie die Fälschung entdecken? Nein, es ging gut, schien wenigstens gut gehen zu wollen. Schon glaubte ich mich in Sicherheit und in Arbeit, als ein Beamter das Bedürfnis verspürte, eine Kleiderrevision vorzunehmen. Da brach das Verhängnis über mich herein, hatte ich Unglückseliger doch den richtigen Paß, den ich mir für spätere Zeiten aufbewahren wollte, in das Ärmelfutter meines Rockes genäht. Ich glaubte ihn gut verborgen, geschickte Polizeihände förderten ihn aber bald zutage.
Entsetzen bei mir, Lärm und Anklage bei den Beamten. Man bestürmte mich mit Fragen, die ich nicht verstand, überschüttete mich mit Drohungen und brach zuletzt in höhnisches Gelächter aus. Die Überzeugung herrschte in ihnen, einen deutschen Spion vor sich zu haben. Diese ihre Erkenntnis schien ihnen jede Vernunft geraubt zu haben. Was nützte es, daß ich bald meine Fassung wiederfand und Erklärungen abgab, daß ich Bitten und Beteuerungen vorbrachte. Ich sprach gegen den Wind. Man glaubte mir nicht. Schließlich erklärte man mich für verhaftet, ein riesiger Kerl trat auf mich zu und führte mich in das Polizeigefängnis. Drei Tage und drei Nächte lang, ohne eine Minute Schlaf und ohne einen Bissen Brot, lag ich in einem dunklen Keller. Sinnlos dünkte mich das Geschehen, das an Furchtbarkeit von Stunde zu Stunde zunehmen wollte. Nur die Gedanken: Du hast doch nichts Schweres verbrochen – den Verdacht, Spion zu sein, wirst du entkräften — mußt du schon büßen, dann nur dafür, daß du dir einen falschen Paß anfertigen ließest – nur eine kleine Strafe kann dich treffen – gaben mir Mut zum Ausharren. Immer wieder sprach ich diese Auffassung vor mich hin, um die entsetzliche Stille des Kerkers zu durchbrechen und die Empfindung zu stärken, daß ich noch lebte.
Dann nahte der Tag, an dem das Kriegsgericht gegen mich zusammentrat. Sehnsüchtig hatte ich auf ihn gewartet, als auf den Tag, der allem Ungewissen und Trostlosen ein Ende setzen würde. Jedoch — er brachte mich der Verzweiflung nahe. Schon die Miene des Vorsitzenden und die Art der Verhandlung flößten mir Entsetzen ein. Meinen Verteidigungsworten schenkte man kein Gehör. In einigen Minuten war man mit meiner Angelegenheit fertig. Die Anklage lautete auf Spionage. Das Urteil auf: Tod durch Erschießen! Am anderen Morgen um neun Uhr sollte der Befehl vollstreckt werden.
Wer vermag die Gedanken und Gefühle, die einen jungen Menschen im Angesicht eines gewaltsamen und unschuldigen Todes befallen, wiederzugeben? Stunden mußten verflossen sein, Stunden, in denen ein Chaos in meinem Innersten wütete und in denen ich die Vorgänge um mich weder verfolgen noch erkennen konnte, als ich die Fähigkeit, kalt und nüchtern zu denken und zu beobachten, wieder erlangte.
Ich befand mich nicht mehr in dem Kerker, der mich vorher beherbergt hatte, sondern ich lehnte mich in einem dunklen Gang gegen kalte und feuchte Steine. Ein Soldat mit schußbereitem Karabiner und bis an die Zähne bewaffnet bewachte mich, ging vor mir auf und ab. Die verrinnende Zeit dünkte mich wie der Lauf einer Ewigkeit, die angefüllt war mit Schmerz, mit Weinen und Furcht, mit Gebet und Flehen zu Gott, daß er mich doch noch aus dieser Hölle erretten und hinaus in die Freiheit — zu Vater und Mutter — in die Heimat führen möchte.
Es dämmerte schon. Müde und trostlos blickte ich den Gang entlang: er war nur kurz und lief auf einen kleinen Hof hinaus, wahrscheinlich auf den Hof, den morgen früh eine Salve durchzittern sollte, eine Salve für mich.
Da sah ich, wie ein russischer Offizier über diesen Hof schritt, sich zu der mächtigen Umfassungsmauer wandte und sich an einer verborgenen Tür zu schaffen machte. Er öffnete sie, ging hindurch, das Tor flog zurück, fiel aber nicht ins Schloß.
Ich sah es und begriff: Es war ein Mensch nach draußen gegangen, in die für mich sagenhaft gewordene Freiheit, ins Leben, in die Welt. Und —-ließ das Tor offen.
Eine maßlose, fiebernde und brausende Erregung befiel mich. Tausend Pläne durchkreuzten mein Gehirn. Der Gedanke an die Möglichkeit einer Flucht, an ein glückliches Entkommen betäubte mich zunächst durch seine Keckheit, dann aber peitschte er mich empor, schenkte Mut und Verzweiflung, ich wußte plötzlich nur mehr das Eine: Da drüben befindet sich ein Tor. Ein Durchlaß durch die hohe Mauer, hinter der die Freiheit liegt.
Das Tor. Es ist nicht weit zu ihm. Nur wenige Meter von dem Fenster, das sich in dem Gang befindet. Die Flucht wagen, das Fenster aufreißen, hinausspringen, über den Hof und durch das Tor dringen? Nein — es geht ja nicht. Der Soldat ist da, er bewacht mich unausgesetzt.
Und doch, es muß versucht werden. Ob dich heute oder morgen eine Kugel trifft, das bleibt sich doch gleich. Der Gedanke an die Flucht konzentriert sich, nimmt Formen an, ist unbeweglich und schenkt schließlich die Überlegung: Wenn der Soldat in seinen kurzen Auf- und abmarschieren fünf Schritte von mir entfernt ist, geht es los.
Und einmal nehme ich alle meine Sinne und Kräfte zusammen. Hart dröhnen die Schritte meines Wächters auf den Fliesen, ich zähle: Eins, zwei, drei, vier, fünf. Fünf – das ist das Zeichen, das ich mir selbst gegeben habe. Wie ein Raubtier stürze ich auf das Fenster, zerre es auf, Scherben klirren, hinaus — mit einem Satz — über den Hof — das Tor aufgerissen – und – ich bin draußen. In der Welt. In der Freiheit. Nein, noch nicht. Noch lange nicht. Noch bin ich nicht gerettet. Auf der Straße gehen nur wenige Menschen, einige Karren rappeln einher. Wenige Schritte zwinge ich mich zum Gehen, stelle mich, als ob nichts Außergewöhnliches geschehen wäre. Dann fange ich an zu laufen, höre hinter mir Rufe, Schreie, Poltern, einen Knall. Ich wende mich nicht um. Ich renne, stürze und hetze durch stille Straßen, kreuz und quer, hin und her, unentwegt.
Schließlich kann ich verharren, ich merke, daß sich keine Verfolger hinter mir befinden, begreife, daß ich atmen kann. Meine Glieder schlottern, vor Erregung vermag ich mich kaum mehr aufrecht zu halten, aber — ich bin ja frei. Frei. Frei. Als ich vollständig Herr dieses Gefühls geworden bin, sank ich am Ende einer dunklen und stillen Gasse auf die Knie, weine und danke inbrünstig Gott für seine Hilfe und bitte ihn flehentlich darum, mir auch weiter beizustehen.
In Charkow kannte ich einen Mann, der in einem der ärmsten Außenviertel wohnte. Ich suchte ihn auf und erzählte ihm die Schrecknisse, die ich überstanden hatte. Er erbarmte sich meiner, einige Tage lang durfte ich in einem stickigen Keller hausen, immer noch in Furcht, ob mich doch letzten Endes nicht die Häscher finden würden.
Da brach die russische Revolution aus. Das Zarenreich ging unter, Revolten und Unruhen, die überall ausbrachen, erlaubten es mir, das Verließ zu verlassen. Im Mai 1918 fuhr ich nach Deutschland, der Heimat meiner Vorfahren.
Peter Baumgart, Altenbögge
Peter Baumgart war mein Großvater. Das Foto wurde im Januar 1980 gemacht. (Vgl. 03.08.2020)
27. Januar 1944
Heute vor 82 Jahren – am 27. Januar 1944 – befreite die Rote Armee Leningrad von der Belagerung durch die Nazis.
Helden der Nacht
Pariser Platz, 04:12 Uhr.
Unter Säubernden
Nein, kein „Machtkampf“ in China, was die bürgerliche Presse beliebt zu behaupten, sondern: „Der ranghöchste General der chinesischen Volksbefreiungsarmee soll im Gegenzug für Infos und bestimmte Handlungen Schmiergelder aus den USA erhalten haben.
Das chinesische Regierung spricht von „Ermittlungen.“ „Zhang Youxia, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPCh und stellvertretende Vorsitzende der Zentralen Militärkommission, sowie Liu Zhenli, Mitglied der Zentralen Militärkommission und Leiter des Gemeinsamen Stabs der Zentralen Militärkommission, stehen im Verdacht schwerer Disziplinar- und Rechtsverstöße. Nach Beratung im Zentralkomitee der KPCh wurde beschlossen, gegen Zhang Youxia und Liu Zhenli Ermittlungen einzuleiten.“
Die South China Morning Post berichtete, Zhang sei am 19. Januar verhaftet worden. Weiterhin wurde berichtet, dass hochrangige KPCh-Funktionäre am 23. Januar über Zhangs Fall informiert wurden und dass Zhang der Korruption verdächtigt werde. Ihm werde vorgeworfen, seine engen Mitarbeiter, Familienmitglieder und Verwandten nicht ausreichend kontrolliert und Probleme nicht umgehend der Parteiführung gemeldet zu haben. Die Zeitung der Volksbefreiungsarmee veröffentlichte einen Leitartikel, in dem es hieß, Zhang und Liu hätten „das Verantwortungssystem des Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission schwerwiegend missachtet und untergraben“. Diese Charakterisierung fiel deutlich schärfer aus als die vorherige Charakterisierung der Vorwürfe gegen He Weidong, den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission.
Nehmt dies, Medien:
– Man wird glaubwürdiger, wenn man Links zu den Originalquellen setzt.
– Es ist möglich, die Leser umfassend zu informieren.
– Wenn jemand wegen des Verdachts auf Korruption aus dem Amt entfernt wird, ist das kein „Machtkampf“ und auch keine „Säuberung“. Die Chinesen sind beim Kampf gegen Korruption nur erfolgreicher als etwa die Europäische Union.
Nachtschicht in Preußen
#Nachtschicht
Mega-Deals

Ich verstehe wirklich nicht, was mir die Algorithmen damit sagen wollen oder was sie über mich denken (Anzeige in der bürgerlichen Presse).
Discombobulator

Das Active Denial System (ADS) des Air Force Research Laboratory Directed Energy Directorate ist eine nicht-tödliche, gegen Personen gerichtete Energiewaffe. Die Energie breitet sich mit Lichtgeschwindigkeit aus, trifft das Ziel und dringt nur etwa 1/64 Zoll tief in die Haut ein. Sie erzeugt ein Hitzegefühl, das innerhalb von Sekunden unerträglich wird und die betroffene Person instinktiv dazu zwingt, sich aus dem Wirkungsbereich zu entfernen. (U.S. Air Force photo, Official United States Air Force Website)
CNN berichtet von einer neuen CyberWaffe der USA. In Kürze:
„US-Präsident Donald Trump erklärte, die USA hätten bei der Festnahme des damaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro eine Waffe eingesetzt, die er als Discombobulator bezeichnete. Ein ranghoher US-Beamter sagte jedoch, Trump vermische vermutlich mehrere militärische Mittel zu einer einzelnen Waffe, die so nicht existiere.
Nach Angaben des Beamten nutzten US-Streitkräfte während der Operation Cybermittel, um venezolanische Radar-, Kommunikations- und Luftverteidigungssysteme auszuschalten. Zudem seien akustische Systeme eingesetzt worden, um Personal am Boden zu desorientieren. Unklar bleibt, ob auch das sogenannte Active Denial System, eine nicht-tödliche Hitzestrahlenwaffe, verwendet wurde.
CNN hatte zuvor berichtet, dass das Active Denial System elektromagnetische Wellen einsetzt, die ein starkes Hitzegefühl auf der Haut erzeugen und Menschen zum Rückzug zwingen.
Nach Maduros Festnahme verbreitete die Sprecherin des Weißen Hauses Aussagen eines mutmaßlichen venezolanischen Sicherheitsbeamten, der von einer intensiven schallartigen Wirkung sprach, die zu Nasenbluten und körperlicher Handlungsunfähigkeit geführt habe. Diese Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden.“
ChatGPT meint dazu:
– Discombobulator stammt aus dem amerikanischen Englisch (19. Jh.)
– wird häufig ironisch oder scherzhaft benutzt
– taucht in Popkultur, Satire und Comics auf
– kein militärischer Standardbegriff
Wenn jemand von einer „Discombobulator“-Waffe spricht, meint er wahrscheinlich keinen konkreten Apparat, sondern verwendet einen laienhaften Sammelbegriff für Effekte wie: Desorientierung, Funktionsstörungen von Technik, psychologische oder sensorische Überforderung. Deshalb sagen Fachleute, der Begriff beschreibe eher eine Wirkung als eine reale Waffe.
Trump wusste also durchaus, was er sagte und was es bedeutete.
Unter Politökonomen
Ich war heute faul und habe die Künstliche Intelligenz aufgefordert, einen Artikel über die wirtschaftliche Situation der USA zu schreiben, aber: „Schreibe den Artikel so, als seiest du ein marxistischer Ökonom, und lasse alle Zitate von Regierungsvertretern weg.“

An allegorical, realistic illustration of the contemporary U.S. economy.
In the foreground, a deep chasm divides society. On the left side, exhausted working-class people in worn clothing push heavy burdens labeled “Debt,” “Rent,” and “Healthcare.” Behind them are crumbling houses, closed factories, smoke stacks, and a gray, polluted sky. On the right side, a small group of wealthy figures sits calmly on an elevated plateau made of gold, steel, and glass, surrounded by stacks of money, abstract stock market graphs, and modern skyscrapers glowing in warm sunset light. Banknotes and upward-moving charts drift from the left side toward the right. Beneath the chasm, fire burns with signs reading “Inflation” and “Cost Pressure.” The style is serious, journalistic, and somber — not cartoonish, not satirical, no real politicians or identifiable individuals. Strong color contrast: cold, desaturated tones on the left; warm, rich tones on the right. High detail, symbolic realism, social-critical atmosphere.
Die US-Wirtschaft 2025/26: Wachstum für wen?
Eine Analyse der aktuellen Lage aus politökonomischer Sicht
Die US-Wirtschaft wird Anfang 2026 vielfach als „robust“ oder „widerstandsfähig“ beschrieben. Tatsächlich zeigen zentrale Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt weiterhin Wachstum. Doch eine marxistische Analyse fragt nicht ob die Wirtschaft wächst, sondern für wen, auf wessen Kosten und unter welchen strukturellen Bedingungen dieses Wachstum entsteht.
Wachstum ohne Wohlstand
Das reale Wirtschaftswachstum der USA lag 2025 zeitweise deutlich über dem Durchschnitt der Industrienationen. Haupttreiber war der private Konsum, der rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Dieses konsumgetriebene Wachstum ist jedoch weniger Ausdruck steigenden gesellschaftlichen Wohlstands als vielmehr Resultat zunehmender Verschuldung privater Haushalte und der Notwendigkeit, Reallohnverluste auszugleichen.
Inflationsbereinigt stagnieren die Einkommen großer Teile der arbeitenden Bevölkerung seit Jahren. Während nominale Lohnerhöhungen die Preissteigerungen teilweise ausgleichen, bleibt die Kaufkraft vieler Haushalte unter Druck – insbesondere im Bereich Wohnen, Gesundheitsversorgung und Bildung. Konsum findet daher nicht aus Überschuss, sondern aus ökonomischem Zwang statt.
Arbeitsmarkt: Beschäftigung ja, Sicherheit nein
Die offizielle Arbeitslosenquote bleibt vergleichsweise niedrig. Doch diese Kennzahl verschleiert zentrale Entwicklungen:
Der US-Arbeitsmarkt ist zunehmend geprägt von prekären Beschäftigungsformen, Teilzeitarbeit, Solo-Selbstständigkeit und Plattformökonomie. Produktivitätsgewinne werden seit Jahrzehnten nicht mehr proportional an Löhne weitergegeben, sondern fließen überwiegend in Unternehmensgewinne und Kapitalerträge.
Aus marxistischer Perspektive handelt es sich um eine klassische Phase intensivierter Ausbeutung: Mehr Arbeitsleistung, höhere Flexibilität und geringere soziale Absicherung bei stagnierenden Reallöhnen. Der relative Mehrwert steigt – nicht durch Innovation allein, sondern durch Druck auf die Arbeitskraft.
Profite, Konzentration und Monopolisierung
Während breite Bevölkerungsschichten mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, verzeichnen große Konzerne weiterhin hohe Margen. Besonders im Technologie-, Finanz- und Energiesektor ist eine starke Kapitalkonzentration zu beobachten. Die Marktmacht weniger Unternehmen erlaubt es, Preise zu setzen, Kosten zu externalisieren und Löhne niedrig zu halten.
Diese Entwicklung ist kein Marktversagen, sondern Ausdruck der inneren Logik des Kapitalismus: Konkurrenz führt langfristig zur Monopolisierung. Kleine und mittlere Unternehmen geraten zunehmend unter Druck – nicht nur durch Zinsen und Kosten, sondern durch strukturelle Abhängigkeit von Großkonzernen, Plattformen und Finanzmärkten.
Staatsverschuldung und Klassenpolitik
Die hohe Staatsverschuldung der USA wird häufig als gesamtgesellschaftliches Problem dargestellt. Tatsächlich ist sie Ausdruck einer Umverteilungspolitik zugunsten des Kapitals: Steuersenkungen für Unternehmen, Subventionen, Rüstungsausgaben und Rettungspakete werden kreditfinanziert, während Sozialausgaben politisch umkämpft bleiben.
Die Last der Verschuldung wird langfristig nicht von Kapitalbesitzern getragen, sondern von der arbeitenden Bevölkerung – durch Sparpolitik, Kürzungen öffentlicher Leistungen oder indirekte Besteuerung. Der Staat fungiert hier weniger als neutraler Akteur, sondern als Instrument zur Stabilisierung der Kapitalverwertung.
Ausblick: Abschwächung mit sozialen Folgen
Für die nahe Zukunft deutet vieles auf eine Abkühlung der Wachstumsdynamik hin. Steigende Finanzierungskosten, geopolitische Spannungen und eine begrenzte Kaufkraft der Massen setzen dem konsumgetriebenen Modell Grenzen. Eine klassische Überproduktionskrise ist zwar kurzfristig nicht zwingend, doch die strukturellen Widersprüche verschärfen sich.
Ohne grundlegende Veränderungen – etwa eine Stärkung kollektiver Rechte, Umverteilung von Vermögen, Ausbau öffentlicher Daseinsvorsorge – wird jede wirtschaftliche Abschwächung vor allem sozial ungleich wirken: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.
Fazit
Die US-Wirtschaft steht Anfang 2026 nicht vor einem plötzlichen Zusammenbruch, aber vor einer Vertiefung ihrer inneren Widersprüche. Wachstum existiert, doch es basiert auf Prekarisierung, Verschuldung und zunehmender Ungleichheit. Aus marxistischer Sicht ist dies kein Ausnahmezustand, sondern der Normalzustand eines Systems, das Profit über Bedürfnisse stellt.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob die Wirtschaft weiter wächst, sondern ob die gesellschaftlichen Kosten dieses Wachstums politisch noch tragfähig sind.
Quellen
Stärke und Schönheit oder: Yasuke, Daimos und Samurai, Addendum
„The small garrison force was quickly defeated, but according to the Sō Shi Kafu, one samurai, Sukesada, cut down 25 enemy soldiers in individual combat.“ (James P. Delgado: Khubilai Khan’s Lost Fleet: In Search of a Legendary Armada, 2009)
Hier weitere Fotos aus dem Samurai-Museum und ein paar kritische Gedanken dazu, die historischen Wissenschaften der marxistischen Art betreffend, was der hiesigen Leserschaft schon bekannt vorkommen mag – eingedenk der Tatsache, dass das erste Posting dieser Reihe vor zehn Jahren erschien.
Vorbemerkung I:
Die Frage, ob man Japan zu Recht als feudal geprägt bezeichnen kann, ist keineswegs geklärt. Obwohl westliche Historiker seit über hundert Jahren über „japanischen Feudalismus“ schreiben, ist die Berechtigung dieser Bezeichnung unter Historikern, insbesondere unter denen, die sich auf das mittelalterliche Europa spezialisiert haben, nach wie vor umstritten. Für eine lange Reihe westlicher Historiker (…) stand die Angemessenheit der Bezeichnung „feudal“ für Japan jedoch außer Frage. Auch der zeitgenössische japanische Historiker hinterfragt diesen Begriff nicht, da er zu einem so wichtigen Bestandteil seines Fach- und Alltagsvokabulars geworden ist. In einem Japan, in dem die Leserschaft täglich daran erinnert wird, dass der „Kampf gegen den Feudalismus“ noch immer geführt wird, erscheint der Feudalismus als eine gegenwärtige Realität, deren Existenz in Japans Vergangenheit sich naturgemäß nicht leugnen lässt.
Übersetzter Auszug aus John Witney Hall: Feudalism in Japan – a Reassessment, Cambridge 2009, zuerst erschienen 1962/63, abgedruckt in Heide Wunder; Feudalismus – 10 Aufsätze). Hall referiert die Diskussion zum Thema ab den 1920-er Jahren. Vgl. Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
Vorbemerkung II
In allen Ländern Westeuropa’s [sic] ist die feudale Produktion durch Theilung des Bodens unter möglichst viele Untersassen charakterisirt. Die Macht des Feudalherrn, wie die jedes Souverains, beruhte nicht auf der Länge seiner Rentenliste, sondern auf der Zahl seiner Unterthanen, d.h. der Zahl der auf ihren Gütern ansässigen Bauern.*
* Japan, mit seiner rein feudalen Organisation des Grundeigenthums und seiner entwickelten Kleinbauernwirthschaft, liefert in vieler Hinsicht ein viel treueres Bild des europäischen Mittelalters, als unsre sämmtlichen, meist von bürgerlichen Vorurtheilen diktirten Geschichtsbücher. Es ist gar zu bequem, auf Kosten des Mittelalters »liberal« zu sein.
Marx bezieht sich auf H[ermann] Maron: Bericht an den Herrn Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten über die japanische Landwirthschaft. In: Annalen der Landwirthschaft in den Königlich Preußischen Staaten [Monatshefte] (Berlin), Jg. 20, Bd. 39, von Januar 1862, pp. 44 u. 50, zit. nach: Justus von Liebig: Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie. 7. Aufl. Th. 2, Braunschweig 1862, pp. 425 u. 432. Ich zitiere nach Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie | Erster Band Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals Neue Textausgabe, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski. Vgl. Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
Vorbemerkung III
Meine These in Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020), es habe in Japan keine Sklaverei gegeben, ist komplett falsch. In der Yamato-Zeit (ca. 3.–7. Jh.) existierte echte Sklaverei. Diese Menschen wurden Nuhi (奴婢) genannt. In der Zeit vor den Shogunaten wurde Sklaverei durch die Ritsuryō-Gesetze geregelt.
Ab dem 8. Jahrhundert ging die klassische Form der Sklaverei zurück, erstaunlicherweise fast zeitgleich mit der Entwicklung in Nordwesteuropa, obwohl es keine Verbindung gab. Die Bevölkerungs- und Steuerregister (Shōsōin-Dokumente) aus dem 8. Jh. belegen unstrittig eine sinkende Zahl registrierter Sklaven und eine wachsende Zahl halbfreier oder freier Bauern. Staatliche Sklaven tauchen immer seltener auf.
Das verblüfft mich. Wie kann es sein, dass eine ökonomische Entwicklung – von einer Gesellschaft mit Sklaven zum klassischen Feudalismus – in zwei Regionen der Welt faktisch parallel abläuft, ohne dass es irgendeine Form des Kontakts gab? Sollte Marx doch Recht haben mit der These, es gebe eine historische Gesetzmäßigkeit?
Mal abgesehen von China, was ein eigenes Kapitel ist, kann man also die Thesen aufstellen:
– Die Sklavenhaltergesellschaft geht weltweit dem Feudalismus voraus, sowohl in Asien also auch in Europa und Afrika. Südamerika und Australien müssen nicht berücksichtigt werden, weil die Entwicklung der Produktivkräfte dort noch in der Bronzezeit verharrten bzw. auf dem Niveau von Jägern und Sammlern.
– Eine direkte Entwicklung von einer sich auflösenden Urgesellschaft, also von tribalistischen Formen der Gesellschaft, zum Feudalismus gibt es nicht.
– Die so genannte Asiatische Produktionsweise „verlangsamt“ die Entwicklung zum klassischen Feudalismus.
Interessant ist auch, dass es noch mehr strukturelle (meint: das Verhältnis der Klassen zu den Produktionsmitteln) Parallelen zwischen Japan und Nordwest- und Mitteleuropa gibt, was gleichzeitig den Beweis erhärtet, dass Religion, also der luftige Überbau, für die Ökonomie keine wesentliche Rolle spielt. Das Christentum in Europa legitimierte den Feudalismus, sowohl der Islam als auch der Buddhismus die Skalvenhaltergesellschaft und den Feudalismus. Religion legitimiert immer das herrschende System; neue Religionen versprechen, dass die Klassenschranken durchlässiger werden, werden aber immer irgendwann – wie das Christentum im Römischen Reich – von den herrschenden Klassen übernommen.
Die Zeit vor den Shogunaten in Japan lässt sich mit dem Frühfeudalismus in Nordwesteuropa – also den Karolinger- und Frankenreichen – vergleichen. In der Asuka-Zeit (ca. 592–710) und in der Nara-Zeit (710 bis 794) setzt sich der Buddhismus als „Staatsreligion“ durch. Grund und Boden gehören zum großen Teil dem Herrscher/Kaiser. Die ökonomische Tendenz ist aber genau wie in Europa: Klöster und die Feudalklasse eigneten sich immer mehr Land an, es entsteht eine Art von „Beamten“ (in Europa: Ministerialen). In der Heinan-Zeit (794–1192) wird die Macht des zentralen Herrschers gebrochen. In der Edo-Zeit beginnt der „klassische“ Feudalismus und die Herrschaft der Shoguns und Samurais – also des „Schwertadels“. Wikipedia drückt sich marxistisch aus: „Feudal-Clans verwalteten in zunehmendem Maße die steigende landwirtschaftliche Produktion und die bäuerlichen Tätigkeiten.“
Die Feudalklasse bekriegt sich gegenseitig („japanisches Mittelalter“ ist ein nichtssagender Begriff) bis hin zur Zeit der Streitenden Reiche, die man mit der Situation im „Alten Reich“ vergleichen kann. Sogar Stände wie in Europa gab es in Japan.
Man erwartet spätestens jetzt eine Stärkung einer zentralen Gewalt zuungunsten der Feudalklasse – in europa der Absolutismus, ökonomisch der Merkantilismus, in Japan.
Die Endphase der Edo-Zeit wird auch als Bakumatsu-Zeit bezeichnet. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verlangten westliche Mächte immer stärker Zugang zu Japan und seinen Märkten, allen voran Russland, England und die USA. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu Bauernaufständen, viele Samurai waren hoch verschuldet. Dem Shōgunat entglitt zunehmend die Kontrolle.
Jetzt wird es interessant. Wir haben alles, was dazugehört: Bauernkriege, Interventionen auswärtiger Mächte wie in Deutschland, zur Zeit des 30-jährigen Krieges, wirtschaftlicher Abstieg von Teilen der Feudalklasse. Die Europäischen Staaten waren aber ökonomisch weiter und im späten 19. Jahrhundert schon im Kapitalismus angelangt.
Wir machen hier aber kein Seminar zur japanischen Geschichte. Mir reicht, dass ich mir ein paar Fragen beantworten konnte. Also zurück zum Samurai-Museum.
„Dieser eindrucksvolle Helm ist eine sogenannte Nomonari kabutobachi (wörtl. „pfirsichförmige Helmschale“), ein japanischer Helmtyp, der durch spanische Cabasset-Helme beeinflusst wurde. Mit der Ankunft portugiesischer Händler im Jahr 1545 begann der sogenannte Nanban-Handel (wörtl. „südliche Barbaren-Handel“) zwischen Japan und verschiedenen europäischen Ländern.
Momonari kabuto haben eine erhöhte und spitz zulaufende Schale mit einem Flansch in der Mitte und ähneln insgesamt der Form eines Pfirsichs. Während der Momoyama-Zeit (1573–1615) erfreuten sie sich zunehmender Beleibtheit.“
Diese Pferdemaske besteht aus gekochtem und geformtem Leder, welches anschließend gold lackiert wurde. Pferdemasken nahmen generell die Gestalt von Karikaturen eines Drachens oder Pferdes an. In diesem Fall ist es wahrscheinlicher, dass es sich um die Karikatur eines Drachens handelt. Die Maske besteht aus zwei vorderen Stücken, die unter dem Teil für die Augen zusammengebunden sind, und zwei Seitenstücken, die an dem oberen Teil der Maske befestigt sind. Dies gewährleistet Flexibilität, wenn die Maske von einem Pferd getragen wird. (K. Ogorek)
Als Reaktion auf die Verbreitung von Schusswaffen und die Einfuhr europäischer Rüstungsteile durch portugiesische und holländische Händler ab dem 16. Jahrhundert begannen japanische Rüstungsschmiede, Helmschalen und Kürasse aus robustem und kugelsicherem Eisen herzustellen.
Zu dieser Zeit benutzten die Japaner die Sammelbezeichnung Nanban (wörtl. „südliche Barbaren“) sowohl für importierte ausländische Rüstungen und Rüstungsteile, die für den japanischen Träger angepasst wurden, als auch für Rüstungen japanischer Hersteller, die sich an ausländischen Rüstungsmodellen orientierten.
Heute werden japanische Rüstungen, die das Erscheinungsbild vermeintlich exotischer europäischer Rüstungen imitieren, als wasei nanban yoroi (wörtl. „in Japan gefertigte südliche Barbaren-Rüstung“) bezeichnet, um sie von den importierten Rüstungen zu unterscheiden.
Bei dem Kürass dieser eleganten Rüstung handelt es sich um einen sogenannten wasei nanban dō (wörtl. „in Japan gefertigter südlicher Barbaren-Kürass“), auch hatomune dō (wörtl. „Taubenbrustkürass“) genannt. Dieser ist aus Eisenplatten mit rostbraunem Patina-Finish (tetsu sabi-ji) gefertigt. Charakteristisch für diesen Rüstungstyp ist der Mittelgrat auf der Frontplatte des Kürasses, der das Ableiten gegnerischer Waffen begünstigt.
„Shishi-Löwen“ sind auch in einem japanischen Sprichwort zu finden, welches folgendermaßen übersetzt werden kann: „Zu den Löwen noch Pfingstrosen“. Beide Motive werden oft miteinander dargestellt und symbolisieren Stärke sowie Schönheit. Dies umfasst somit gleich zwei gute Eigenschaften, die eine Einheit bilden und gewissermaßen zusammengehören, ähnlich, wie wir es im Deutschen von der Redewendung „wie Pech und Schwefel“ kennen.
Man kann auch hier den minimalen technischen Vorsprung Europas erkennen. Im Gegensatz zu China hat die japanische Feudalklasse keine Schusswaffen entwickelt, die den europäischen Waffen hätten Paroli bieten können. Auch der Kürass aus Metall ist keine japanische Erfindung.
Es muss mal gesagt werden: Die Samurai waren keine besseren Krieger als etwa die Kreuzritter. Wenn man von Kind alle vorhandenen Waffen trainiert, ist man vermutlich genauso fit wie ein heutiger Navy Seal, für den es auf Handwaffen wie Schwerter nicht ankommt. Auch die Ritterrüstungen entsprachen dem heutigen Marschgepäck mit etwa 30 Kilogramm.
Das Albernste an „Der letzte Samurai“ fand ich, dass der Held nach wenigen Monaten so gut mit dem Katana umgehen kann wie ein Samurai, der schon seit dem dritten Lebensjahr damit übt. Das ist einfach scientologischer Blödsinn.
Und warum sieht man keinen Samurai-Film, bei dem die Krieger einen Helm tragen, auf dem übergroße Flügel von Fliegen oder anderen Insekten montiert sind? Weil das für das heutige Publikum blöd aussieht?
Die kleinen Metalltierchen mit winzigen Scharnieren sind in Europa eher unbekannt, aber technisch nicht aufwändiger herzustellen als etwa die uns wohlbekannten Reliquienbehälter aus diversen Domschätzen.
Fazit: Das (übrigens private] Museum lohnt sich und ist auch auf dem neuesten technischen Stand (wenn man es mit einem israelischen Museum vergleicht).
Natürlich kann man kein inhaltliches Niveau als etwa das von burks.de erwarten, das einem Wissenschaftler viel Neues aufbereitet. Auch eine Analyse der Gesellschaftsform (Kasten? Klassen?) sucht man vergeblich – aber das ist auch nicht der Sinn des Museums. Übrigens gibt es in ganz Europa nichts Vergleichbares.
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)
Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)
Verrutscht?
Sieht noch jemand die rechte Spalte des Blogs nach unten verrutscht? Auf meinem Laptop mit Ubuntu/Google Chrome ist das so, nicht aber mit diesem Rechner – und auch nicht mit anderen Browsern.
Nachgedacht für 15s
Bei alten 3-Spalten-Themes (Float-Layout) rutscht die rechte Spalte in Chrome oft nach unten, wenn die Spalten zusammen minimal zu breit werden.
- Breiten-Summe zu groß: Content + Sidebars + Margin/Padding/Border > Container (1–2px reichen).
- Zu breites Inhaltselement: Bild/Video/iframe/Banner, Tabelle,
<pre>, lange URL/Wort ohne Umbruch. - Fehlerhaftes HTML: z.B. fehlendes
</div>(Browser reagieren unterschiedlich). - Falscher/fehlender DOCTYPE: Quirks-Mode kann das Box-Modell verändern.
- Plugins/Adblock: können CSS/HTML beeinflussen (Inkognito testen).
The Art of a Deal
Kluger Kommentar in der bürgerlichen Presse von Marc Felix Serrao:
Ja, Donald Trumps Drohung, Grönland notfalls militärisch einzunehmen, war eine Unverschämtheit. Aber sie war auch typisch Trump. Der amerikanische Präsident geht politische Konflikte so an wie früher Deals auf dem New Yorker Immobilienmarkt. Er startet mit einer Extremforderung, einem „Anker“, um den Verhandlungsraum zu seinen Gunsten auszudehnen. Er nutzt jedes Druckmittel und Worst-Case-Szenarien. Und sein Geschwätz von gestern interessiert ihn im Zweifel selbst am wenigsten.
Am Ende steht ein Kompromiss, der Trumps eigentlichem Ziel entspricht und den die Gegenseite mit Erleichterung akzeptiert. Nach dem Motto: Hurra, wir haben das Schlimmste verhindert.
Man kann das alles seit bald vier Jahrzehnten wissen. Es steht in „The Art of the Deal“, dem Bestseller, den ein Ghostwriter 1987 für Trump geschrieben hat.
Unter Samurai
Ich war heute im Samurai-Museum und habe unzählige Fotos gemacht, aber heute leider nicht genug Zeit, um darüber ausführlich zu schreiben.
AHAWAH oder: Das Vergessene Haus
„Dieses Haus wurde vom Architekten Knoblauch und dem Baumeister Hähnel im Auftrag der Berliner Jüdischen Gemeinde errichtet. Von 1861 bis 1914 befand sich hier das jüdische Krankenhaus, das Arme und Wohlhabende, Juden und Christen ohne Unterschied aufnahm. Dieses Krankenhaus, das durch Spenden von Berliner Jüdinnen
und Juden unterhalten wurde, war eines der modernsten in Europa. 1915 kamen in dieses Haus jüdische Flüchtlinge aus dem Osten Europas. Aus dem Flüchtlingsheim wurde ein Kinderheim, die AHAWAH (hebräisch: Liebe). 1934 und 1935 ging ein Teil der Kinder mit der Leiterin nach Palästina, wo die Arbeit der AHAWAH bis heute fortgesetzt wird. Das Heim AHAWAH in der Auguststraße blieb bestehen als Heimstatt für verlassene jüdische Kinder, deren Spuren sich schließlich in nationalsozialistischen Vernichtungslagern verlieren.“
„Liebe“ heißt auf Ivrit „אַהֲבָה“. Es gibt ein Buch und auch etwas auf Youtube zu dem Haus.
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Vielen Dank dem edlen Spender Jan M.!
Hinter Gittern
Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II

Das Reich der Abbasiden um ca. 850 n. Chr, also zeitgleich mit dem Frankenreich in Nordwesteuropa, Thomas Lessman / Wikipedia 2008, CC BY 4.0
Wir können vorläufige Arbeitshypothesen aufstellen, die einige meiner Thesen modifizieren.
1. Die Sklaverei existierte weltweit in allen Gesellschaften, in ökonomisch relevantem Maßstab aber erst in Klassengesellschaften.
Anmerkung: Die Aborigines von Australien müssen nicht berücksichtigt werden, da sie seit mehr als 40.000 Jahren nur als Jäger und Sammler lebten und das Stadium der Bronzezeit bis zur Ankunft der europäischen Kolonisatoren nicht erreicht hatte – im Gegensatz etwa zu den südamerikanischen Völkern. Das gilt auch für Teile der Ureinwohner von Papua-Neuguinea, die aber im Weltmaßstab zahlenmäßig irrelevant sind.
2. Die (zahlenmäßig) umfangreichste Sklavenhaltergesellschaft (oder „sklavistische Gesellschaft“) und am längsten andauernde war die islamische, die mit der arabischen Eroberung Nordafrikas begann, aber zum Teil schon vorher in Ansätzen bestand.
Anmerkung: Religion – also auch der Islam – ist Überbau. Sie fällt nicht vom Himmel oder ist einfach da, sondern wird von Menschen gemacht. „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte notwendige von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen.“ (Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859), Vorwort, MEW Bd.13, S. VII) Der Islam ist also nicht an der Sklaverei „schuld“.
Aber – laut Flaig: „Da die menschliche Arbeitskraft die Hauptressource jeglicher Ökonomie ist, strukturierte die islamische Herrschaft die interkontinentalen Handelsläufe der gesamten bekannten Welt völlig um: Der Islam verschaffte der Sklaverei einen außerordentlichen Auftrieb und begünstigte die Entwicklung des Sklavenhandels entlang transkontinentaler Routen.“

Karte aus Rudolf Fischers „Gold, Salz und Sklaven: die Geschichte der grossen Sudanreiche Gana [Ghana], Mali, Songhai“
Man muss sich noch einmal die Entwicklung im antiken Rom vergegenwärtigen – nicht nur die der Sklavenwirtschaft, sondern auch die der Bauern, was sich gegenseitig bedingt: Nach den 40er Jahren – also nach der Eroberung Galliens – reichten die römischen Kriege nicht mehr aus, um die Sklavenmärkte zu versorgen.
„Diese Expansion strukturierte die italische Agrikultur um. Einerseits belastete der Kriegsdienst das Bauerntum erheblich; kleinere Höfe verkrafteten die langen Abwesenheiten wichtiger Arbeitskräfte nicht, verschuldeten sich und wurden aufgekauft. Andererseits flossen riesige Reichtümer nach Italien, welche teils eine rege Bautätigkeit vorantrieben, teils einen auf Prestige angelegten Konsum beförderten, teils in Land investiert wurden. Der Zustrom von Sklaven lieferte dafür die massenhaften Arbeitskräfte.
So nahm der Großgrundbesitz nach 200 v. Chr. rasant zu; jedoch entstanden keine Latifundien. Das Latifundium ist eine spezielle Form des Großgrundbesitzes, in der ein Eigentümer über ein großes zusammenhängendes Areal verfügt; dazu kam es erst am Ende der Republik und vermehrt in der Kaiserzeit.
Hingegen besaßen die Großgrundbesitzer des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. mehrere landwirtschaftliche Betriebe, meist von mittlerer Größe (25 bis 50 ha), bewirtschaftet teils von eigenen Sklaven, teils von Pächtern. Die freien Bauern wurden keinesfalls ersetzt, ihr Kaiserzeit waren weit über 75 % der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte Italiens freie Bauern. Doch immer mehr freie Bauern waren nun coloni, d. h. Pächter. Die Quote der Bauern, die auf eigenem Boden wirtschafteten, war immer noch ansehnlich, aber sie sank allmählich.“

Aus Tidiane N’Diaye: Le génocide voilé: Enquête historique, 2017
Die Sklavenhaltergesellschaft ruiniert auf lange Sicht die Kleinbauern und macht sie vom Großgrundbesitz abhängig. (Ich bin nicht sicher, ob man so eine Frage stellen kann: Wäre das auch ohne Sklaven so passiert? Hypothetische Antwort: Ja, aber wesentlich langsamer, weil der Großgrundbesitz urbane Zentren als „Kunden“ voraussetzt, für die Bauern aber nicht genug produzieren.)
Man muss das mit den arabischen bzw. afrikanischen Gesellschaften vergleichen, hat aber das Problem, dass diese zeitlich nicht parallel sind. Die Römer hatten mindestens ein halbes Jahrtausend „Vorsprung“. Als der Norden Afrikas von Sklavenhaltergesellschaften dominiert wurde – und Zentralafrika ebenso, aber als „Lieferant“ der ökonomischen Ressource Mensch – entwickelte sich in Nordwesteuropa schon der Feudalismus, der auf der Arbeit selbständiger Bauern beruhte und der völlig ohne Sklaven auskam.
Ich schrieb am 20.08.2022: „Die antike Sklavenhaltergesellschaft trieb als Basis die Ökonomie im Frühfeudalismus an. ‚Man kann nicht behaupten, dass Latifundien und das Kolonat die conditio sine qua non waren, aber wenn sie als Grundlage existierten, beschleunigten sie offenbar die Agrarrevolution. Und das war nur im Frankenreich und in England so. In anderen Regionen des ehemalige römischen Reiches stimmte die Ökologie nicht.'“
Jetzt wird es kompliziert. War das Reich der Abbasiden (vgl. Karte oben) eine sklavistische Gesellschaft oder schon Feudalismus oder noch etwa anderes?
Die KI ist natürlich kein Marxist und antwortet etwas unstruktuiert:
Worauf gründete sich die Ökonomie des Abbasidenreiches?
Die Ökonomie des Abbasidenreiches (ca. 750–1258) beruhte auf mehreren eng
miteinander verflochtenen Säulen, die das Reich zu einem der wirtschaftlich dynamischsten Räume der mittelalterlichen Welt machten.
Grundlagen der Wirtschaft
1. Landwirtschaft als Basis
- Intensiver Bewässerungsfeldbau (v. a. in Mesopotamien, Ägypten, Persien)
- Anbau von Weizen, Gerste, Reis, Datteln, Baumwolle, Zuckerrohr
- Neue Nutzpflanzen durch interregionalen Austausch (oft als „arabische Agrarrevolution“ beschrieben)
- Großgrundbesitz und staatlich kontrollierte Ländereien als wichtige Faktoren
2. Steuern und Abgaben
Ein ausgefeiltes Steuersystem bildete das finanzielle Rückgrat von Verwaltung, Heer und Hof:
- Ḫarāǧ – Grundsteuer auf landwirtschaftliche Flächen
- Ǧizya – Kopfsteuer für nichtmuslimische Untertanen
- Zakāt – religiöse Abgabe für Muslime
3. Fernhandel und Märkte
- Zentrale Lage zwischen Mittelmeer, Indien, Zentralasien und China
- Einbindung und teils Kontrolle wichtiger Handelsachsen (u. a. Seidenstraßen-Netzwerke)
- Export: Textilien, Metallwaren, Glas, Papier
- Import: Gewürze, Seide, Edelsteine
- Bagdad als bedeutendes Handels- und Finanzzentrum
4. Handwerk und frühe Industrie
- Hochentwickelte Produktion von Papier, Keramik, Seide, Waffen
- Städtische Märkte (Suqs) sowie private und staatliche Werkstätten
- Städte als wirtschaftliche Motoren
5. Geldwirtschaft und Finanzwesen
- Weit verbreitete Währungen: Dinar (Gold) und Dirham (Silber)
- Nutzung von Wechseln (ṣakk) als Vorläufer moderner Schecks
- Kreditwesen und Handelsgesellschaften erleichterten größere Investitionen
Zusammenfassung:
Produktive Landwirtschaft + effiziente Besteuerung + internationaler Handel + städtisches Handwerk
+ fortschrittliches Finanzsystem.
Nicht vergessen: Der Aufstand der Zandsch war der größte Sklavenaufstand der Weltgeschichte – zwischen 869 und 883 in Mesopotamien gegen die Abbasiden, angeführt von Ali ibn Muhammad. Der steht gleichberechtigt neben Spartacus! Und er war ideologisch viel weiter, „denn er forderte die Gleichheit aller Menschen ohne Rücksicht auf ihre ethnische Zugehörigkeit“. Das beantwortet auch die Frage nach dem ökonomischen Charakter des Abbasidenreiches.
Es gibt offenbar drei ökonomische Gründe, warum Gesellschaften, die teilweise sklavistisch sind, aber „auf dem Weg“ zum Feudalismus, der Entwicklung in Nordwesteuropa „hinterherhinken“:
1. Gesellschaften, die sich aus einer tribalistischen Gesellschaft zur so genannten asiatischen Produktionsweise weiterentwickeln – wie der vordere Orient -, sind „langsamer“. Die Bauern stehen der staatlichen Herrschaft direkt gegenüber, die sie zu kollektiven Arbeiten zwingt.
Anmerkung: „Was die asiatische Produktionsweise jedoch von allen anderen Klassengesellschaften unterscheidet, ist, dass hier diese Funktionen direkt über die einfache Arbeitsteilung zwischen Hand- und Kopfarbeit ausgeführt werden, während sie in anderen Klassengesellschaften über das Privateigentum vermittelt sind. Hier tritt die im Staat organisierte Bürokratie als Organisator der Produktion und Kooperation auf.“
2. Die Arabische Agrarrevolution (zur Zeit des Abassidenreiches) stieß auf eine ökologische und ökonomische Grenze (wie auch die Green Revolution zur Zeit der Song-Dynastie in China, vgl. „Agrarisch und revolutionär (I), 21.02.2021), lief also in eine „Sackgasse“. Die Bauern wurden nicht – wie im mitteleuropäischen Frühfeudalismus – in der Grundherrschaft „organisiert“, sondern von ihrem Land vertrieben.
3. Die Sklavenhaltergesellschaften des Vorderen Orients und Afrikas entwickelten sind ähnlich wie die Ökonomie in West- und Nordeuropa – in Richtung Feudalismus -, aber hatten die Stufe der industriellen Revolution, die der Kapitalismus voraussetzt, noch nicht erreicht, als sie der europäische Kolonialismus schon überrollte.
Beispiel aus Flaig: „Dabei war die soziale Entwicklung in den einzelnen Regionen vielgestaltig und folgte keiner einheitlichen Entwicklungslinie. Mancherorts in der islamischen Welt wurden Bauern seit dem 9. Jh. hörig oder gar leibeigen; dagegen verwandelte beispielsweise das Emirat Bahrain unter dem Einfluss einer sozialrevolutionären Sekte im 11. Jh. 30 000 schwarze Staatssklaven, um seine Einwohner von niedrigen Arbeiten freizustellen. Massenhafte Sklaverei brauchte man auch in den Salz- und Kupferminen in der Sahara. In anderen Regionen entstanden regelrechte Latifundien mit großen Sklavenkontingenten, so z. B. in Tunesien und Algerien seit dem 9. Jh..“
„Hinzu kamen die Minen. Ihre Ausbeutung erreichte einen hohen Pegel. Das betraf nicht nur den Abbau von Gold im Senegal, welcher arbeitsintensiv war aber nicht mörderisch; es betraf vor allem den Ausbau der westsaharischen Salzminen bei Sijilmassa [Sidschilmasa], Idjil und Teghaza; die größte, Idjil, war 30 km lang und 12 km breit, abgebaut wurde Salz und Alaun. Das Salz ging auf Karawanen in den Sahel und den Sudan; diese Transporte übertrafen alles, was zu Lande vor der Erfindung der Eisenbahnen möglich war; manche Karawanen umfassten 6000 Kamele. Die Reisenden Ibn Battuta und Leo Africanus berichteten vom massenhaften Einsatz von Sklaven unter entsetzlichen Bedingungen; die Lebensdauer dieser Menschen war kurz, darum verschlangen diese Minen unablässig hohe Mengen an menschlicher Zufuhr, ebenso wie die Kupferminen bei Takkeda im mittleren Sudan“ [heute Niger].
وتَكَدَّةُ مدينةٌ كبيرةٌ، ليس بها شجرٌ، وبها معادنُ النحاس، وأهلُها يقتاتون منه،
والحرُّ بها شديدٌ، وكثيرٌ من الناس يموتون في العمل بها.
Takedda ist eine große Stadt, in der es keine Bäume gibt, und in der es Kupferminen gibt; und ihre Bewohner leben davon.
Die Hitze dort ist sehr stark, und viele Menschen sterben bei der Arbeit dort.
Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied, wie jeweils die herrschenden Klassen organisiert sind. In Griechenland entwickelte sich zuerst eine Demokratie, auch bekannt als „Volksherrschaft“, wobei mit „Volk“ nur die Freien gemeint sind. Auch Rom war ursprünglich eine Republik von Wehrbauern – erst in der Kaiserzeit ließ man die „demokratische“ Maske fallen.
In den muslimisch geprägten Sklavenhaltergesellschaften im vorderen Orient und in Afrika war das ganz anders: Demokratische Formen der Herrschaft hat es nie gegeben. Das hat einen Nachteil und einen Vorteil. Der Nachteil: Ist die herrschende Klasse tribalistisch organisiert („Stämme“ – wirksam bis heute), macht das das System instabil und anfällig für innere Revolten, weil jeder, der mit dem jeweiligen Herrscher verwandt ist, Ansprüche stellen kann. Die Situation ist vergleichbar mit dem Frühfeudalismus im Europa, dessen Struktur dazu führte, dass sich die herrschende Feudalklasse gegenseitig durch permanente Kriege aller gegen alle fast auslöschte.
Der Vorteil: Islamische Staaten unterschieden sich von allen anderen Hochkulturen, weil die Kinder der Herrscher Nachkommen von Sklavinnen (die eigentliche Funktion des „Harems“), also immun gegen tribalistische Loyalitäten waren. („Das abbasidische Kalifat gewann auf diese Weie eine relative Stabilität, allerdings um den Preis, daß nach 800 kein Kalif mehr eine freie Mutter hatte“ (Flaig)).
Das hat aber auch Folgen für die Form der Klassenherrschaft und der Staatsbildung: Da die „Bürokratie“ und das Militär – allesamt Sklaven – nur dem Herrscher gegenüber verpflichtet waren, konnte sich keine Form irgendeiner Teilhabe der Bürger entwickeln wie in Europa. Gleichzeitig wurde der Herrscher von seinen „Untergebenen“ absolut abhängig.
„Die islamische politische Kultur erzeugte somit einen Staatstyp, in dem alle Bestimmungen von Staatlichkeit – nämlich daß Menschen sich politisch organisieren . auf radikalste Weise pervertiert waren. Nach Meillassoux erreichte dieser Staatstyp das äußerste Stadium der Sklaverei und trieb ihre Logik auf die Spitze: Sklaven fungierten als Rädchen im Getriebe eine militärischen Maschine, welche jegliche Change auf politische Selbstbestimmung – von Städten oder Gemeinden zunichte macht; diese Maschinerie war aller politischen Freiheit tödlich, da sie – sogar bei Freilassung der Militärsklaven – einen Zustand perpetuierte, der immer weiter Rekrutierung von Sklaven erheischt.“
| Merkmal | Indien | Römisches Reich | Islamische Welt |
|---|---|---|---|
| Zeitlicher Schwerpunkt | ca. 1500 v. Chr. – 1500 | ca. 500 v. Chr. – 500 n. Chr. | ca. 700 – 1600 |
| Rechtlicher Status | Sozial und religiös reguliert | Sache (res), rechtlos | Mensch mit eingeschränkten Rechten |
| Wirtschaftliche Rolle | Haushalt, Tempel, Dorfsysteme | Latifundien, Bergbau, Städte | Haushalt, Militär, Verwaltung |
| Massensklaverei | nicht systemprägend | zentral für Wirtschaft | regional unterschiedlich |
| Freilassung | möglich, sozial eingebettet | häufig, aber statusbegrenzt | religiös gefördert |
| Soziale Mobilität | stark durch Kaste begrenzt | begrenzt, aber vorhanden | vergleichsweise hoch |
Wir können jetzt Indien einschließen – der Norden wurde ohnehin islamisch, unterscheidet sich strukturell und ökonomisch nicht von Nordafrika. China ist ein Spezialfall, dazu kommen wir später.
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
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– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
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– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
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– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
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– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
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– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
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– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
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Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)
Die BBC und ihre antiisraelischen Vorurteile

Screenshot aus „Exposed: How BBC platformed Hamas and pushed anti-Israel bias“
Neville Teller hat in der Jerusalem Post einen Artikel über die Entwicklung des BBC verfasst mit dem Titel „The BBC haunted by bias – and the Israeli connection“. Ich habe mir die wesentlichen Passagen übersetzen lassen und Links hinzugefügt. Der Artikel erinnerte mich an eine Diskussion per Videokonferenz, die ich mit dem Chefredakteur von Telepolis hatte: Ich saß auf einer Bank vor dem Sitz des isralischen Staatspräsidenten (was ich da noch gar nicht wusste) und er in Postdam: Es ging darum, ob in meinem Artikel die Hamas als „Terroristen“ bezeichnet werden sollte – die BBC täte das nicht.
„(…) Gemessen an wöchentlicher Reichweite und Reputation ist die BBC die weltweit führende internationale Rundfunkorganisation. Neben ihrem Programm für Großbritannien sendet sie Unterhaltung, Informationen, Nachrichten und aktuelle Ereignisse über Fernsehen, Radio und Internet an ein Millionenpublikum weltweit. Dennoch kämpft sie ständig damit, ihrer in der DNA verankerten Verpflichtung nachzukommen, höchste Standards an Objektivität, Unparteilichkeit und Objektivität zu wahren.
Dieses Problem, das die BBC seit mehr als der Hälfte ihrer Geschichte plagt, erreichte im November letzten Jahres seinen Höhepunkt. Dies führte zum Rücktritt des BBC-Generaldirektors, des Nachrichtenchefs und eines Vorstandsmitglieds sowie zur Drohung von US-Präsident Donald Trump, den Sender auf bis zu fünf Milliarden Dollar zu verklagen. Tatsächlich hat er vor einem Bundesgericht eine Klage über 10 Milliarden Dollar eingereicht. (…)
Die anhaltende antiisraelische Schlagseite der BBC in ihrer Berichterstattung und Kommentierung hatte ein derart empörend parteiisches Ausmaß angenommen, dass sie nicht länger widerspruchslos hingenommen werden konnte. Asserson, heute Seniorpartner einer international tätigen, auf Tel Aviv ausgerichteten Anwaltskanzlei, stellte ein Team von rund 20 Juristen und 20 Datenwissenschaftlern zusammen und begann auf Pro-bono-Basis ein akribisches Forschungsprojekt zur Analyse der BBC-Berichterstattung über den Gaza-Konflikt.
Der Bericht, der am 6. September 2024 veröffentlicht wurde, legte eine detaillierte Untersuchung der BBC-Nachrichtenberichterstattung über einen Zeitraum von vier Monaten vor, beginnend am 7. Oktober 2023.
Obwohl die redaktionellen Leitlinien der BBC Unparteilichkeit, Genauigkeit sowie die Verpflichtung zu redaktionellen Werten und zum öffentlichen Interesse verlangen, identifizierte der Asserson-Bericht 1.553 Verstöße. „Die Ergebnisse“, so der Bericht, „zeigen ein zutiefst beunruhigendes Muster von Voreingenommenheit sowie zahlreiche Verletzungen der eigenen redaktionellen Richtlinien durch die BBC.“
Die Untersuchung ergab, dass die BBC den Terrorismus der Hamas wiederholt verharmloste, während Israel als aggressiv und militaristisch dargestellt wurde. Zudem zeigte der Bericht, dass einige von der BBC eingesetzte Journalisten im Rahmen ihrer Berichterstattung über den Israel-Hamas-Krieg zuvor Sympathien für die Hamas geäußert und sogar deren Terrorakte gefeiert hatten.
Eine Woche nach Beginn des Krieges kam es zu der Explosion auf dem Parkplatz des Al-Ahli-Arab-Krankenhauses in Gaza-Stadt. In der Berichterstattung erklärte ein BBC-Korrespondent, der live aus Gaza sprach: „Angesichts der Stärke der Explosion ist schwer vorstellbar, was das sonst gewesen sein könnte – außer einem israelischen Luftangriff oder mehreren Luftangriffen.“
Der arabische Dienst der BBC übernahm diese Einschätzung, woraufhin sowohl in der arabischen Welt als auch im Westen umgehend antiisraelische Proteste ausbrachen.
Die Wahrheit, nachdem der Schaden bereits angerichtet war
Es dauerte nicht lange, bis die Wahrheit ans Licht kam – doch zu diesem Zeitpunkt war der Schaden bereits angerichtet. Die Explosion war das Ergebnis einer fehlgeleiteten Rakete des Islamischen Dschihad.
Tage später gelang es der BBC selbst in ihrer ausweichenden Entschuldigung nicht, klarzustellen, dass die Beweise eindeutig belegten, dass es sich nicht um einen israelischen Angriff gehandelt hatte.
Auf die hastige und ungeprüfte Behauptung, Israel müsse für die Explosion am Al-Ahli-Krankenhaus verantwortlich sein, folgte wenige Wochen später ein weiteres Beispiel. Diesmal berichtete die BBC, israelische Streitkräfte seien in das Schifa-Krankenhaus in Gaza eingedrungen und hätten dabei „medizinisches Personal und arabische Sprecher ins Visier genommen“.
Dabei handelte es sich entweder um eine vorsätzliche oder um eine unprofessionelle Fehlinterpretation einer Erklärung der israelischen Armee, in der es hieß, die Truppen hätten das Krankenhaus „in Begleitung arabischsprachiger Mitarbeiter und medizinischer Teams“ betreten, um Patienten zu unterstützen. Zwar strahlte die BBC später eine angemessene Entschuldigung aus, doch der Vorfall belegte die tief verwurzelte Neigung des Senders, vorschnell gegen Israel zu urteilen.
Schutzschild für die Hamas
Als das weitverzweigte Tunnelsystem der Hamas unter dem Gazastreifen nach und nach offengelegt wurde, schien die BBC bemüht, die Entdeckung eines militärischen Hamas-Kommandopostens direkt unter einem Krankenhaus durch die israelischen Streitkräfte zu relativieren.
In seinem Beitrag ließ der internationale BBC-Redakteur Jeremy Bowen durchblicken, dass die unter dem Krankenhaus gefundenen Kalaschnikow-Sturmgewehre möglicherweise nichts mit der Hamas zu tun hätten, sondern zur Sicherheitsausstattung des Krankenhauses selbst gehörten.
Beispiele für antiisraelische Voreingenommenheit oder sachliche Fehler in Bowens Berichterstattung über den Gaza-Konflikt nehmen im neuen Asserson-Bericht 16 Seiten ein. Zudem identifizierte der Bericht den arabischen Dienst der BBC als einen der voreingenommensten Medienanbieter weltweit. Er nannte elf Nachrichten- und Kommentarsendungen, in denen Reporter auftraten, die zuvor öffentlich ihre Unterstützung für die Hamas bekundet hatten – ohne dass das Publikum darüber informiert worden wäre.
Die BBC kündigte eine Stellungnahme zu dem Asserson-Bericht an. Einige Wochen später veröffentlichte sie eine kurze, abweisende Erklärung, in der sie die zur Erhebung und Auswertung der Daten verwendete Methodik infrage stellte.
Der „Daily Telegraph“ schlägt Alarm
Die im November aufgeflammte Kontroverse um die BBC geht auf die Veröffentlichung eines 19-seitigen Whistleblower-Memorandums durch den britischen Daily Telegraph zurück. Verfasser war der angesehene Journalist Michael Prescott, der drei Jahre lang als unabhängiger Berater des Editorial-Standards-Ausschusses der BBC tätig gewesen war. Nachdem seine wiederholten Hinweise auf gravierende Mängel von der BBC-Führung ignoriert worden waren, legte Prescott sein Amt nieder. Anschließend verfasste er das Memorandum und ließ es sämtlichen Mitgliedern des BBC-Verwaltungsrats zukommen.
In seinem Bericht warf er der BBC fortgesetzte und schwerwiegende Verstöße gegen das Gebot der Unparteilichkeit vor sowie ein chronisches Versagen der Führungsebene, redaktionelle Standards durchzusetzen oder Fehler zu korrigieren.
Der prominenteste von Prescott angeführte Fall betraf die BBC-Flaggschiffsendung Panorama, die kurz vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 ausgestrahlt wurde. Prescott zufolge hatte die Sendung eine Rede Donald Trumps vom 6. Januar 2021 manipuliert, sodass der Eindruck entstand, der Präsident habe den Sturm auf das Kapitol gezielt angeheizt.
Darüber hinaus verwies Prescott auf gravierende Probleme in der Berichterstattung von BBC Arabic über den Israel-Hamas-Krieg. Er zeigte auf, dass dort bekannte Hamas-Unterstützer eingesetzt, israelisches Leid marginalisiert, ungeprüfte Opferzahlen verwendet und durchgängig ein verzerrtes Narrativ verbreitet worden sei, das Israel als Aggressor darstelle.
Im September 2025 lud der parlamentarische Ausschuss für Kultur, Medien und Sport den BBC-Vorsitzenden Samir Shah sowie den Generaldirektor der BBC vor, um Vorwürfe von Voreingenommenheit, redaktionellem Versagen und jüngsten Skandalen zu klären – darunter die Ausstrahlung einer Gaza-Dokumentation, die sich später als von dem Sohn eines Hamas-Funktionärs gesprochen herausstellte.
Kurz darauf stellte die Rundfunkaufsichtsbehörde Ofcom fest, dass der Film „in wesentlichen Punkten irreführend“ gewesen sei. Ofcom wies die BBC an, ihr Publikum über diese Feststellungen zu informieren und den Film aus ihrem Streaming-Angebot zu entfernen.
Um die aktuelle Krise aufzuarbeiten, unterzog der Ausschuss am 24. November 2025 sowohl Shah als auch Prescott einer intensiven Befragung. Weit verbreitet ist inzwischen die Überzeugung, dass die Nachrichten- und Politikredaktionen der BBC – wie Prescott es sinngemäß darlegte – systemisch verzerrt seien.
Zwar verfügt die Anstalt weiterhin über entschlossene Fürsprecher unter Politikern und Meinungsmachern, die große Teile ihres Programms schätzen. Dennoch kursieren bereits lebhafte Spekulationen darüber, wer als nächster Generaldirektor der BBC berufen werden könnte. Viele hoffen, dass ein neuer Besen tatsächlich gründlich kehren wird.






















































