Stärke und Schönheit oder: Yasuke, Daimos und Samurai, Addendum
„The small garrison force was quickly defeated, but according to the Sō Shi Kafu, one samurai, Sukesada, cut down 25 enemy soldiers in individual combat.“ (James P. Delgado: Khubilai Khan’s Lost Fleet: In Search of a Legendary Armada, 2009)
Hier weitere Fotos aus dem Samurai-Museum und ein paar kritische Gedanken dazu, die historischen Wissenschaften der marxistischen Art betreffend, was der hiesigen Leserschaft schon bekannt vorkommen mag – eingedenk der Tatsache, dass das erste Posting dieser Reihe vor zehn Jahren erschien.
Vorbemerkung I:
Die Frage, ob man Japan zu Recht als feudal geprägt bezeichnen kann, ist keineswegs geklärt. Obwohl westliche Historiker seit über hundert Jahren über „japanischen Feudalismus“ schreiben, ist die Berechtigung dieser Bezeichnung unter Historikern, insbesondere unter denen, die sich auf das mittelalterliche Europa spezialisiert haben, nach wie vor umstritten. Für eine lange Reihe westlicher Historiker (…) stand die Angemessenheit der Bezeichnung „feudal“ für Japan jedoch außer Frage. Auch der zeitgenössische japanische Historiker hinterfragt diesen Begriff nicht, da er zu einem so wichtigen Bestandteil seines Fach- und Alltagsvokabulars geworden ist. In einem Japan, in dem die Leserschaft täglich daran erinnert wird, dass der „Kampf gegen den Feudalismus“ noch immer geführt wird, erscheint der Feudalismus als eine gegenwärtige Realität, deren Existenz in Japans Vergangenheit sich naturgemäß nicht leugnen lässt.
Übersetzter Auszug aus John Witney Hall: Feudalism in Japan – a Reassessment, Cambridge 2009, zuerst erschienen 1962/63, abgedruckt in Heide Wunder; Feudalismus – 10 Aufsätze). Hall referiert die Diskussion zum Thema ab den 1920-er Jahren. Vgl. Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
Vorbemerkung II
In allen Ländern Westeuropa’s [sic] ist die feudale Produktion durch Theilung des Bodens unter möglichst viele Untersassen charakterisirt. Die Macht des Feudalherrn, wie die jedes Souverains, beruhte nicht auf der Länge seiner Rentenliste, sondern auf der Zahl seiner Unterthanen, d.h. der Zahl der auf ihren Gütern ansässigen Bauern.*
* Japan, mit seiner rein feudalen Organisation des Grundeigenthums und seiner entwickelten Kleinbauernwirthschaft, liefert in vieler Hinsicht ein viel treueres Bild des europäischen Mittelalters, als unsre sämmtlichen, meist von bürgerlichen Vorurtheilen diktirten Geschichtsbücher. Es ist gar zu bequem, auf Kosten des Mittelalters »liberal« zu sein.
Marx bezieht sich auf H[ermann] Maron: Bericht an den Herrn Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten über die japanische Landwirthschaft. In: Annalen der Landwirthschaft in den Königlich Preußischen Staaten [Monatshefte] (Berlin), Jg. 20, Bd. 39, von Januar 1862, pp. 44 u. 50, zit. nach: Justus von Liebig: Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie. 7. Aufl. Th. 2, Braunschweig 1862, pp. 425 u. 432. Ich zitiere nach Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie | Erster Band Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals Neue Textausgabe, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski. Vgl. Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
Vorbemerkung III
Meine These in Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020), es habe in Japan keine Sklaverei gegeben, ist komplett falsch. In der Yamato-Zeit (ca. 3.–7. Jh.) existierte echte Sklaverei. Diese Menschen wurden Nuhi (奴婢) genannt. In der Zeit vor den Shogunaten wurde Sklaverei durch die Ritsuryō-Gesetze geregelt.
Ab dem 8. Jahrhundert ging die klassische Form der Sklaverei zurück, erstaunlicherweise fast zeitgleich mit der Entwicklung in Nordwesteuropa, obwohl es keine Verbindung gab. Die Bevölkerungs- und Steuerregister (Shōsōin-Dokumente) aus dem 8. Jh. belegen unstrittig eine sinkende Zahl registrierter Sklaven und eine wachsende Zahl halbfreier oder freier Bauern. Staatliche Sklaven tauchen immer seltener auf.
Das verblüfft mich. Wie kann es sein, dass eine ökonomische Entwicklung – von einer Gesellschaft mit Sklaven zum klassischen Feudalismus – in zwei Regionen der Welt faktisch parallel abläuft, ohne dass es irgendeine Form des Kontakts gab? Sollte Marx doch Recht haben mit der These, es gebe eine historische Gesetzmäßigkeit?
Mal abgesehen von China, was ein eigenes Kapitel ist, kann man also die Thesen aufstellen:
– Die Sklavenhaltergesellschaft geht weltweit dem Feudalismus voraus, sowohl in Asien also auch in Europa und Afrika. Südamerika und Australien müssen nicht berücksichtigt werden, weil die Entwicklung der Produktivkräfte dort noch in der Bronzezeit verharrten bzw. auf dem Niveau von Jägern und Sammlern.
– Eine direkte Entwicklung von einer sich auflösenden Urgesellschaft, also von tribalistischen Formen der Gesellschaft, zum Feudalismus gibt es nicht.
– Die so genannte Asiatische Produktionsweise „verlangsamt“ die Entwicklung zum klassischen Feudalismus.
Interessant ist auch, dass es noch mehr strukturelle (meint: das Verhältnis der Klassen zu den Produktionsmitteln) Parallelen zwischen Japan und Nordwest- und Mitteleuropa gibt, was gleichzeitig den Beweis erhärtet, dass Religion, also der luftige Überbau, für die Ökonomie keine wesentliche Rolle spielt. Das Christentum in Europa legitimierte den Feudalismus, sowohl der Islam als auch der Buddhismus die Skalvenhaltergesellschaft und den Feudalismus. Religion legitimiert immer das herrschende System; neue Religionen versprechen, dass die Klassenschranken durchlässiger werden, werden aber immer irgendwann – wie das Christentum im Römischen Reich – von den herrschenden Klassen übernommen.
Die Zeit vor den Shogunaten in Japan lässt sich mit dem Frühfeudalismus in Nordwesteuropa – also den Karolinger- und Frankenreichen – vergleichen. In der Asuka-Zeit (ca. 592–710) und in der Nara-Zeit (710 bis 794) setzt sich der Buddhismus als „Staatsreligion“ durch. Grund und Boden gehören zum großen Teil dem Herrscher/Kaiser. Die ökonomische Tendenz ist aber genau wie in Europa: Klöster und die Feudalklasse eigneten sich immer mehr Land an, es entsteht eine Art von „Beamten“ (in Europa: Ministerialen). In der Heinan-Zeit (794–1192) wird die Macht des zentralen Herrschers gebrochen. In der Edo-Zeit beginnt der „klassische“ Feudalismus und die Herrschaft der Shoguns und Samurais – also des „Schwertadels“. Wikipedia drückt sich marxistisch aus: „Feudal-Clans verwalteten in zunehmendem Maße die steigende landwirtschaftliche Produktion und die bäuerlichen Tätigkeiten.“
Die Feudalklasse bekriegt sich gegenseitig („japanisches Mittelalter“ ist ein nichtssagender Begriff) bis hin zur Zeit der Streitenden Reiche, die man mit der Situation im „Alten Reich“ vergleichen kann. Sogar Stände wie in Europa gab es in Japan.
Man erwartet spätestens jetzt eine Stärkung einer zentralen Gewalt zuungunsten der Feudalklasse – in europa der Absolutismus, ökonomisch der Merkantilismus, in Japan.
Die Endphase der Edo-Zeit wird auch als Bakumatsu-Zeit bezeichnet. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verlangten westliche Mächte immer stärker Zugang zu Japan und seinen Märkten, allen voran Russland, England und die USA. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu Bauernaufständen, viele Samurai waren hoch verschuldet. Dem Shōgunat entglitt zunehmend die Kontrolle.
Jetzt wird es interessant. Wir haben alles, was dazugehört: Bauernkriege, Interventionen auswärtiger Mächte wie in Deutschland, zur Zeit des 30-jährigen Krieges, wirtschaftlicher Abstieg von Teilen der Feudalklasse. Die Europäischen Staaten waren aber ökonomisch weiter und im späten 19. Jahrhundert schon im Kapitalismus angelangt.
Wir machen hier aber kein Seminar zur japanischen Geschichte. Mir reicht, dass ich mir ein paar Fragen beantworten konnte. Also zurück zum Samurai-Museum.
„Dieser eindrucksvolle Helm ist eine sogenannte Nomonari kabutobachi (wörtl. „pfirsichförmige Helmschale“), ein japanischer Helmtyp, der durch spanische Cabasset-Helme beeinflusst wurde. Mit der Ankunft portugiesischer Händler im Jahr 1545 begann der sogenannte Nanban-Handel (wörtl. „südliche Barbaren-Handel“) zwischen Japan und verschiedenen europäischen Ländern.
Momonari kabuto haben eine erhöhte und spitz zulaufende Schale mit einem Flansch in der Mitte und ähneln insgesamt der Form eines Pfirsichs. Während der Momoyama-Zeit (1573–1615) erfreuten sie sich zunehmender Beleibtheit.“
Diese Pferdemaske besteht aus gekochtem und geformtem Leder, welches anschließend gold lackiert wurde. Pferdemasken nahmen generell die Gestalt von Karikaturen eines Drachens oder Pferdes an. In diesem Fall ist es wahrscheinlicher, dass es sich um die Karikatur eines Drachens handelt. Die Maske besteht aus zwei vorderen Stücken, die unter dem Teil für die Augen zusammengebunden sind, und zwei Seitenstücken, die an dem oberen Teil der Maske befestigt sind. Dies gewährleistet Flexibilität, wenn die Maske von einem Pferd getragen wird. (K. Ogorek)
Als Reaktion auf die Verbreitung von Schusswaffen und die Einfuhr europäischer Rüstungsteile durch portugiesische und holländische Händler ab dem 16. Jahrhundert begannen japanische Rüstungsschmiede, Helmschalen und Kürasse aus robustem und kugelsicherem Eisen herzustellen.
Zu dieser Zeit benutzten die Japaner die Sammelbezeichnung Nanban (wörtl. „südliche Barbaren“) sowohl für importierte ausländische Rüstungen und Rüstungsteile, die für den japanischen Träger angepasst wurden, als auch für Rüstungen japanischer Hersteller, die sich an ausländischen Rüstungsmodellen orientierten.
Heute werden japanische Rüstungen, die das Erscheinungsbild vermeintlich exotischer europäischer Rüstungen imitieren, als wasei nanban yoroi (wörtl. „in Japan gefertigte südliche Barbaren-Rüstung“) bezeichnet, um sie von den importierten Rüstungen zu unterscheiden.
Bei dem Kürass dieser eleganten Rüstung handelt es sich um einen sogenannten wasei nanban dō (wörtl. „in Japan gefertigter südlicher Barbaren-Kürass“), auch hatomune dō (wörtl. „Taubenbrustkürass“) genannt. Dieser ist aus Eisenplatten mit rostbraunem Patina-Finish (tetsu sabi-ji) gefertigt. Charakteristisch für diesen Rüstungstyp ist der Mittelgrat auf der Frontplatte des Kürasses, der das Ableiten gegnerischer Waffen begünstigt.
„Shishi-Löwen“ sind auch in einem japanischen Sprichwort zu finden, welches folgendermaßen übersetzt werden kann: „Zu den Löwen noch Pfingstrosen“. Beide Motive werden oft miteinander dargestellt und symbolisieren Stärke sowie Schönheit. Dies umfasst somit gleich zwei gute Eigenschaften, die eine Einheit bilden und gewissermaßen zusammengehören, ähnlich, wie wir es im Deutschen von der Redewendung „wie Pech und Schwefel“ kennen.
Man kann auch hier den minimalen technischen Vorsprung Europas erkennen. Im Gegensatz zu China hat die japanische Feudalklasse keine Schusswaffen entwickelt, die den europäischen Waffen hätten Paroli bieten können. Auch der Kürass aus Metall ist keine japanische Erfindung.
Es muss mal gesagt werden: Die Samurai waren keine besseren Krieger als etwa die Kreuzritter. Wenn man von Kind alle vorhandenen Waffen trainiert, ist man vermutlich genauso fit wie ein heutiger Navy Seal, für den es auf Handwaffen wie Schwerter nicht ankommt. Auch die Ritterrüstungen entsprachen dem heutigen Marschgepäck mit etwa 30 Kilogramm.
Das Albernste an „Der letzte Samurai“ fand ich, dass der Held nach wenigen Monaten so gut mit dem Katana umgehen kann wie ein Samurai, der schon seit dem dritten Lebensjahr damit übt. Das ist einfach scientologischer Blödsinn.
Und warum sieht man keinen Samurai-Film, bei dem die Krieger einen Helm tragen, auf dem übergroße Flügel von Fliegen oder anderen Insekten montiert sind? Weil das für das heutige Publikum blöd aussieht?
Die kleinen Metalltierchen mit winzigen Scharnieren sind in Europa eher unbekannt, aber technisch nicht aufwändiger herzustellen als etwa die uns wohlbekannten Reliquienbehälter aus diversen Domschätzen.
Fazit: Das (übrigens private] Museum lohnt sich und ist auch auf dem neuesten technischen Stand (wenn man es mit einem israelischen Museum vergleicht).
Natürlich kann man kein inhaltliches Niveau als etwa das von burks.de erwarten, das einem Wissenschaftler viel Neues aufbereitet. Auch eine Analyse der Gesellschaftsform (Kasten? Klassen?) sucht man vergeblich – aber das ist auch nicht der Sinn des Museums. Übrigens gibt es in ganz Europa nichts Vergleichbares.
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)
Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)
Kommentare
11 Kommentare zu “Stärke und Schönheit oder: Yasuke, Daimos und Samurai, Addendum”
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Die CDU (!!) will ihre heilige Kuh, das Beamtentum, antasten.
das wundert.
Ich fände das eine tolle Idee.
Aber es zeigt auch, dass die Lage wohl ernster und die Kassen wohl leerer sind, als man geheimhin propagiert.
Wie würde Marx diese Transformation beschreiben?
zum Thema:
ich frugte mal die KI:
### 1. **Dominante Erklärung: Die Logik des feudalen Agrarsystems**
Sowohl im frühmittelalterlichen Europa (besonders ab der Karolingerzeit) als auch im Japan der Nara- und Heian-Zeit (8.-12. Jahrhundert) fand ein Übergang zu einem **Feudalsystem** statt, das auf **Grundherrschaft und abhängiger Bauernschaft** basierte.
* **In Japan:** Der Taika-Reform (645) und später der Ritsuryō-Gesetzgebung folgend, wurde Land vermessen und an freie Bauern (*komin*) verteilt, die Steuern (in Reis, Stoff, Dienst) an den Zentralstaat zahlten. Private Sklaverei (*nuhi*) wurde zwar nicht abgeschafft, aber ihre wirtschaftliche Bedeutung schwand zugunsten der **Kontrolle von Land und abhängigen Pachtbauern**. Die zentrale Macht des Kaisers zerfiel später, mächtige Clans (*uji*) und später die Kriegerklasse (*bushi*, Samurai) etablierten lokale Herrschaft über Land und Leute.
* **In Nordwesteuropa:** Mit dem Niedergang des Römischen Reiches und der Entstehung der fränkischen Königreiche verlagerte sich der Reichtum von Sklavenplantagen (wie in der Antike) hin zu **Grundherrschaften (Manorialismus)**. Es war effizienter, abhängige Hörige (*serfs*) an das Land zu binden, das sie bearbeiteten, als Sklaven zu halten und zu versorgen. Sie produzierten Überschüsse für den lokalen Herrn und waren selbst Rekrutierungsreserve für seine Kriegerschaft.
**Gemeinsamer Nenner:** In beiden Fällen wurde die direkte Besitznahme von **Menschen (Sklaven) durch die Besitznahme von *Land* und die Kontrolle über die darauf lebenden *Gemeinschaften*** ersetzt. Dies war stabiler, förderte lokale Loyalität und war besser an eine **kriegführende, dezentralisierte Gesellschaft** angepasst.
### 2. **Die Rolle der Religion und Ideologie**
* **In Europa:** Das Christentum (besonders nach Augustinus) verurteilte zwar nicht die Sklaverei per se, betonte aber die spirituelle Gleichheit. Klöster wurden Zentren einer nicht-sklavenbasierten Landwirtschaft. Wichtiger war die Förderung von **Barmherzigkeit und Freilassung als gottgefälliges Werk**.
* **In Japan:** Der Buddhismus, der im 6. Jahrhundert in Japan eingeführt wurde und im 8. Jahrhundert (Nara-Zeit) staatlich gefördert wurde, brachte das Konzept des *ahimsa* (Nichtverletzen) und des Karmas mit. Der massive Tempelbau (wie in Nara) erforderte zwar Arbeit, doch die Ideologie betonte Mitleid. Noch wichtiger war vielleicht der **synkretistische Shinto**, der die Bindung des Menschen an seinen Clan und sein Heimatland (*uchi*) sakralisierte – eine Ideologie, die besser zur feudalen Abhängigkeit als zur entfremdeten Sklaverei passte.
### 3. **Demographie und Versorgungssicherheit**
In beiden Regionen war die **Bevölkerungsdichte vergleichsweise niedrig** (im Gegensatz zum dicht besiedelten spätrömischen Reich oder China). Die „Knappheit“ lag bei der **Arbeitskraft**, nicht beim Land. Ein System, das Arbeiter ans Land band und ihre Reproduktion (Familienbildung) ermöglichte, war langfristig nachhaltiger als ein System, das Sklaven durch (riskante und teure) Kriege oder Handel „verbrauchte“.
### 4. **Politische Zentralisierung und Gesetzgebung**
* **In Japan:** Die *Ritsuryō*-Gesetze des 7./8. Jahrhunderts schufen einen chinesisch inspirierten Beamtenstaat, der die Bevölkerung registrierte und besteuern wollte. Dies funktionierte besser mit steuerpflichtigen freien oder halbfreien Bauern als mit Sklaven, die kein eigenes Steuersubjekt waren.
* **In Europa:** Herrscher wie Karl der Große erließen Kapitularien, die den Handel mit christlichen Sklaven (besonders in heidnische Gebiete) einschränkten und die Rechte von Hörigen regelten – nicht aus Humanität, sondern um ihre **militärische und steuerliche Basis** (freie Bauern als Rekruten und Steuerzahler) zu schützen.
### Fazit: Kein Zufall, sondern strukturelle Konvergenz
Es gab **keine direkte Verbindung** zwischen Japan und Europa im 8. Jahrhundert. Der Parallelismus erklärt sich durch eine **Konvergenz hin zu ähnlichen sozio-ökonomischen Systemen** (Feudalismus/Grundherrschaft) unter ähnlichen Bedingungen:
1. **Übergang von tributären/imperialen zu dezentralen, kriegerischen Gesellschaften.**
2. **Priorisierung der Kontrolle über Land und lokale Gemeinschaften gegenüber dem Besitz entfremdeter Einzelpersonen.**
3. **Integration religiös-ethischer Rahmenbedingungen, die das neue System stabilisierten.**
Die „klassische“ Sklaverei (chattel slavery) ging also nicht einfach „zurück“, sondern wurde durch andere, in diesem neuen Kontext **effizientere Formen der Abhängigkeit und Ausbeutung** (Hörigkeit, Leibeigenschaft, erbliche Dienstpflicht) überlagert und ersetzt. Diese Entwicklungen in Japan und Europa sind damit ein klassisches Beispiel für **unabhängige, aber parallele historische Evolution**.
„… Wachsende Zahl halbfreier oder freier Bauern.“
Pardon! Was ist denn bitte halbfrei?
Erinnert mich natürlich gleich an History of the Slave. Demnach wäre ich selbst ungefähr 2/3 frei, weil ich Steuern zahlen muß, meinen Master auf dem Laufenden halten muß, wo ich lebe, er mich zu Zwangsdiensten verpflichten kann usw.
Einigkeit und Recht und zwei Drittel Freiheit lol.
Der Held in „Der letzte Samurai“ ist Katsumoto. Der von Tom Cruise gespielte Ami ist nur der Fremde aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird.
Man müsste einfach die Honorare beider vergleichen, um das zu entscheiden.
Zum Thema:
Interessant wäre die Beantwortung der Frage woher kommen diese Berliner Samurau Utensilien? War Kaiser Wilhelm II. etwa beteiligt oder die Japaner während der Nazizeit? Nach 1945 wurden diese Waffen und Ausrüstungen im größeren Umfang in Japan vernichtet oder entfernt.
In meiner Jugend war ich in den USA. Ich habe dort Verwandte. Einer der Nachbarn ist ein sogenannter Veteran. Der war 1945 als Soldat in Japan. Das war ein Schreibtischsoldat. Der hatte zwei Golftaschen proppenvoll mit Samuraischwertern und drei sehr lange Schwerter hatte der an der Wand in seiner Stube hängen. Das müssen um die 30 Schwerter gewesen sein.
Soweit mir bekannt ist mußten die besiegten Japaner 1945 alle Schwerter bei der US Army abgeben. Das haben die auch total pflichtbewußt gemacht. In den Sammelstellen sollte anschließend die Klinge gebrochen und das Schwert als Metallschrott auf einem Schrottplatz für Militärwaffen landen. Soweit die Theorie. In Wirklichkeit wurden die allerdings in den Sammeldepots zunächst gestapelt. Dort durfte sich besagter Nachbar – gegen eine Spende – was aussuchen. Als Stabsdienstsoldat verfügte der über jede Menge freie Transportkapazitäten zurück in die USA und die hat er genutzt. Seine Absicht war es die Schwerter in den USA zu verkaufen. Das scheiterte allerdings, weil nicht nur er die Idee hatte, sondern andere ebenfalls und durch die Masse von Angeboten fiel der Marktpreis für ein Schwert in der Nachkriegszeit teils unter $20. Das war damals zwar viel Geld, aber zu wenig für den Nachbarn und irgendwann war der Markt Tod. Also hat er die behalten. Ab und zu muß er die entrosten, weil die Schwerter unglaublich stark rosten.
Diesen Sport haben übrigens viele Amerikaner betrieben. Unzählige Pistolen, MGs, und Gewehre der Wehrmacht machten in ähnlicher Weise den Weg in die USA. Teilweise wurde ganze erbeutete Geschütze verschifft. Offiziell um die in den Kasernen auszustellen… Ja, in der Tat, wer es noch nicht weiß, kaufmännisch ist uns der Amerikaner weit weit überlegen.
Die Rüstungen wurden zu Pferde getragen. Kein Samurai ist damit zu Fuß gegangen. Zu Fuß hieß bei denen meistens langsamer Laufschritt.
Das mit den 25 getöteten Mongolen halte ich für ein Gerücht. Der Mann soll 67 Jahre alt gewesen sein. Ich glaube, das hätten die Mongolen nicht mit sich machen lassen.
Nein, die hatten keine Sklaven. Allerdings lebten die Bauern wie Sklaven und wurden von den Samurai entsprechend behandelt. Genauso diese Geishas. Ob das nun Sklavinnen mit Vertag waren, darüber läßt sich streiten.
Natürlich hatten die Sklaven. Lies einfach die Quellen.
@n0by
Man kann auch auf dem Pferd zur Schlacht reiten und dann absitzen, war auch im europäischen Mittelalter für Ritter nicht unüblich.
Bei Belagerungen und ähnlichen Kämpfen wurde zu Fuß gekämpft, wer da auf Rüstung verzichtet obwohl er eine hat ist dumm und schnell tot.
Natürlich muß man nicht alle Teile der Rüstung tragen wenn man vor hat zu Fuß zu kämpfen.
Und eine K/D von 1:25?
Nicht unrealistisch.
Wenn man gerüstet ist, eine gute Stellung hat wo der Gegner seine Übermacht nicht nutzen kann, Jahrzente Kampferfahrung hat und nicht damit rechnet zu überleben, sich also keine Sorgen um Verletzungen machen muß…
Welche? Wer, wann und wo?
*************************
Hallo @Albert Rech.
Ausnahmen gibt es immer.
Nicht jeder Samurai war automatisch privilegiert eine Rüstung zu tragen, aber er durfte, wenn er eine besaß. Sofern er nicht selbst eine Rüstung finanzieren konnte oder keinem reichen Machthaber diente und somit einen Rüstungssponsor hatte, konnte der sich keine Rüstung leisten und selbst dann trugen in der Regel nur die aus dem Dunstkreis des Machthabers diese Rüstung. Das war Show. Viele traf das Schicksal bereits schwer, wenn die Schwertklinge brach und die brach schnell. Danach war der Samurai ggf. ohne Schwert und mußte mit Spießen kämpfen. Wer aber als Sponsor auftreten konnte, der besaß in der Regel eine Waffenkammer. Das Schwert und eine Art von Schutzausrüstung, also keine Rüstung, war bei denen nicht das Problem. Ja, sofern kein Laufschritt erforderlich war konnten die zu Fuß in diesen Voll-Rüstungen kämpfen.
Echte Ritter in echter „Ritterrüstung“ aus Metall stiegen im Mittelalter nur vom Pferd um zu Pissen, zu Scheißen oder zu Schlafen und selbst dafür brauchten die Hilfe. Alleine konnten die das nicht. Rüstungen, sofern nicht geerbt, kosteten damals viel Geld. Sehr viel Geld. Kurz vor Einführung der Schusswaffen gab es hier und dort sowas wie eine Industrie, die dem Zeitgeist entsprechende Rüstungen bauten. Italienische Rüstungen waren damals sehr beliebt. Heute gibt es diese echten „Ritterrüstung“ via Metallpresse günstig zu kaufen. Damals waren die teuer wie heute ein Ferrari.
***
1:25?
Mit 67 Jahren halte ich das für ausgeschlossen. Wer will die gezählt haben? Soweit ich weiß haben die Mongolen damals die gesamte japanische Besatzung und deren Gefolge getötet. Aber möglich ist alles.
Die Quellen sind verlinkt.
@nOby
Schöne Zusammenfassung der gängigen Klischees.
Das Schwert war in Japan und Europa eine Seitenwaffe, die auch im zivilen Leben getragen wurde.
Schwerter sind fantastische Waffen, solange der Gegern auch nur maximal mit einem Schwert bewaffnet und nicht gerüstet ist.
Da reicht ein Treffer um das Ziel zu verkrüppeln oder zu töten.
Auf dem Schlachtfeld, gegen gerüstete Gegner sind andere Waffen effektiver, die werden verwendet bevor man zum Schwert greift.
Streitkolben, Streithämmer, die Helebarde und der Speer. Davon gabs auch in Japan einige Versionen wie z.B. der Kanabō.
Ja, Rüstungen sind teuer. So teuer das der Feudalherr seinem Knecht/Ritter/Samurai Land/Menschen zur Ausbeutung überlässt womit dieser dann seine Ausrüstung finanziert.
Noch teurer als die Rüstungen sind die 3 Pferde die so ein Ritter braucht: Streitroß, Reitpferd, Packpferd, dazu noch weitere Pferde für das Gefolge.
Waffen sind dagegen relativ billig.
Sobald das Steuer- und Finanzwesen so entwickelt ist das der Herrscher alles finanzieren kann ist es auch vorbei mit der Feudalzeit.
Dann gibt es Masse statt Klasse.
Kettenhemden sind übrigens teurer gewesen als die Plattenrüstungen des Spätmittelalters.
Weil sie mehr manuelle Arbeit erforderten. In dem Moment als genügen Stahl für Platten verfügbar war wurde Kette nur noch für die Stellen verwendet die man anders nicht schützen konnte.
Und selbst zu Napoleons Zeiten wurden noch Plattenrüstungen verwendet (der Kürsass) die sogar Pistolenkugeln abhalten konnten, da Pistolen inzwischen zur Standardausrüstung der Reiterei gehörten.
Und selbst da wurde der entscheidende Angriff häufig mit dem Speer geführt, nichts anders ist ein Bajonett.
Und was bitteschön soll eine „Ritterrüstung“ sein?
Feldtaugliche Rüstungen liegen bei 10 – 20 kg, damit kann man auch ohne Hilfe vom Pferd auf- & absteigen.
Für den Lanzengang im Turnier gab es speziell verstärkte Plattenpanzer die bis zu 40 kg wiegen konnten.
Aber das war ein teures Sportgerät, keine Rüstung für den Kampf.
Rüstungen sind zudem modular gewesen. Die Teile die man für die momentane Lage nicht benötigt hat wurden weg gelassen.
Wer nur Wache stehen muß wird nicht die volle Rüstung tragen.
Natürlich haben sich Ritter bevorzugt zu Pferd bewegt. Ist schneller, und weniger erschöpfend. Und natürlich hatten sie auch Helfer dabei – nicht weil sie ohne diese nicht in die Rüstung gekommen sind, sondern weil im Krieg einiges an Aufgaben anfällt die nicht zu den Kernaufgaben des Ritters zählen.
Kochen, Waschen, Pferde pflegen, Wache stehen, und im Kampf Flankenschutz, Aufklärer, Nachhut…
Die fränkische Heeresreform hatte damals das Ziel eine kleine, schnelle, bewegliche Truppe aufzustellen die auch jederzeit Kampfbereit war und schnell auf Überfälle reagieren konnte.
Das Pferd als Transportmittel war da notwendig, und die Kämpfer zu Pferd konnten üben da sich nicht nebenher noch ein Feld bestellen mußten.
Die klassische Elitetruppe. Klasse statt Masse.