Frontberichte, Pflanzen und das eigene Reden über den Sachverhalt

Strahlenaralie (Schefflera arboricola), aka Zwerg-Schefflera. Eine schwierige Pflanze – hier ein selbst gezüchteter Ableger der Mutterpflanze, die mehr als zweieinhalb Meter hoch ist. Letztere verlor im letzten Jahr plötzlich sehr viele Blätter, weil ich zu spät bemerkt hatte, dass sie voller Schildläuse war, welchselbige ich in einem chemischen Vernichtungskrieg bis zum letzten Mann ausrottete.
Ich wollte eigentlich bei Kaiserwetter heute auf’s Boot und die Havel, da es das Klima vermutlich der letzte richtig warme Tag im Jahr sein wird. Aber erstens bin ich viel zu spät aufgewacht, weil heute der letzte von vier freien Tagen ist, an dem ich ausschlafen kann. Ab morgen wieder vier Mal hintereinander um vier Uhr aufstehen und dann 12 Stunden Lohnschinderei. Und zweitens habe ich noch so viel vor und zu tun, dass ich vermeiden möchte, heute Abend hektisch herumzurödeln, um dann nur ein paar Stunden Schlaf übrig zu haben.
Ich denke also an Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden: Es sei wichtig, dass dem Gegenüber die Materie bekannt ist. Der ausschlaggebende Punkt sei vielmehr das eigene Reden Bloggen über den Sachverhalt. Mit dieser Methode könne man sich selbst am besten belehren: Die Idee kommt beim Sprechen Schreiben. Wohlan.


Köstliches Fensterblatt (Monstera deliciosa) (links). Die Pflanze wurde mir, als sie erst zwei Blätter hatte, von einer scheidenden Untermieterin geschenkt und hat sich prächtig entwickelt. Die Luftwurzeln sehen zwar hässlich aus, und die Blätter stehen kreuz und quer und sperrig herum, aber Burks gefällt das. Der Drachenbaum (rechts), der auf meinem Schreibtisch stand, ist mittlerweile riesig – er musste jetzt hinunter in einer ultraschweren Tontopf, damit er nicht in Gefahr gerät umzukippen, wenn er wieder Zweige, die fast größer sind als der Baum selbst, in Richtung Sonne wachsen lässt. Er mag aber keine Zugluft, und ich muss mir überlegen, ob er verträgt, dass die Balkontür sehr oft offen steht.
Armageddon-Front
Während meines Frühstücks spülten mir die Algorithmen tonnenweise Katastrophen-Filmchen zur Unterhaltung in meine Feeds. Beim Bildervergleich assoziierte ich Tsunami, aber mit höheren Bergen, oder Kerala. Textbausteine: „Heftige Unwetter“ (das Klima!), „völlig unerwartet“ (das Klima!).
Nein, nichts ist „unerwartet“, mit oder ohne Klima. Das war schon immer so, mit oder ohne Menschen, mehr oder weniger heftig. Erinnert sich noch jemand an den Flimser Bergsturz?
Ostfront
„Während Russland Luhansk nahezu vollständig erobert hat, kontrolliert die Ukraine noch knapp ein Fünftel der Oblast Donezk – gut 5000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa der fünffachen Fläche Berlins. Sehr wahrscheinlich geht es nicht mehr um die Frage, ob Putins Armee die verbliebenen Gebiete im Donbass erobern wird, sondern wann,“ schreibt die bürgerliche Presse.
Oh, es geht nicht mehr um den Endsieg der Ukraine? „Die Eskalation nimmt immer mehr zu“, beobachtet Oberst Markus Reisner…“Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle.“

„Das ist sehr wahrscheinlich eine Birkenfeige (Ficus benjamina), auch Benjamini genannt. Dafür sprechen auf deinem Foto die typischen Merkmale: die zahlreichen kleinen, glänzenden, ovalen und vorne zugespitzten Blätter sowie die dünnen, verholzten und stark verzweigten Triebe. Die Pflanze sieht insgesamt gesund und kräftig aus. Einige hellgrüne Blätter sind einfach jüngerer Austrieb. Der Standort direkt am hellen Fenster scheint ihr zu gefallen.“ Die Benjamini ist meine heimliche Lieblingspflanze, die wie fast alle anderen auch, eine Geschichte hat: Ich habe sie aus dem Büro des Konzerns, in dem ich ein paar Jahre gearbeitet habe, gerettet, nachdem dort Security nicht mehr gebraucht wurde. Sie hatte nur noch ein (!) Blatt. Vielleicht ist sie mir dankbar.
Naher-Osten-Front
Israels wachsender Bedarf an ausländischen Arbeitskräften verschärft die Wohnungskrise.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel die meisten „palästinensischen Arbeitskräfte“ durch ausländische Beschäftigte ersetzt. Ihre Zahl liegt inzwischen bei 250.000 – so hoch wie nie zuvor. Die von der Regierung festgelegte Obergrenze beträgt 330.000. [In der Kantine des Kibbutz Jan Mordechai, wo ich im Oktober 2025 war, arbeiteten Asiaten – ich glaube, waren Filipinos.]
Aufsichtsbehörden berichten von überbelegten Wohnungen und menschenunwürdigen Zuständen. Teilweise leben 12 bis 15 Menschen in einer Wohnung und müssen sich zwei Badezimmer teilen. Die staatlichen Pläne zur Unterbringung der Arbeitskräfte bestehen bislang größtenteils nur auf dem Papier – während die Wahlen näher rücken.
Ach. Ach was.
Die Jerusalem Post ist immer noch interessanter als alle deutsche Medien zusammen. Just saying.
Ich sage übrigens nur: Fauda!
Und Netanjahu sollte man auch nicht abschreiben.
Kommentare
7 Kommentare zu “Frontberichte, Pflanzen und das eigene Reden über den Sachverhalt”
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Tolle Klopflanzen!
@ Nepal:
nachdem ich das Video gesehen habe, war mir klar, dass die ersten Meldungen von 100-150 vermutlichen Toten uns vermissten NIE UND NIMMER stimmen konnten…
https://www.youtube.com/watch?v=VH9IqCIKYG4
@ Ukraine
wie ich schon schrub – im Baltikum besprach man bereits die Szenarien für Nach-Dem-Krieg.
Einen Sieg der Ukraine erwähnte dabei aber niemand…
@ Israel entwickelt sich also stück für Stück zur Sklavenhaltergesellschaft zurück…
interessanter wäre aber die Frage der geopolitischen NeuOrdnung des sog. Nahen Ostens.
die Straße von Hormuz verliere wohl zunehmend an strategischer Bedeutung, lese ich da, weil man nun unterirdisch fette Pipelines verlegt.
Was wird mit „Syrien“, was machen die Chinesen, Russen – ggf. Inder und die Amis??
Die zunehmende israelische Siedlergewalt richtet sich gegen palästinensische Industrieanlagen im gesamten besetzten Westjordanland, mit dem Ziel, die lokale Wirtschaft zu lähmen und Massenvertreibungen zu erzwingen.
https://www.aljazeera.com/economy/2026/8/27/israeli-settlers-targeting-palestinian-factories-to-force-workers-off-land
ggf. hatte ich das schon mal gepostet
aber immer noch passend:
Ein Blick auf die wichtigsten Siedlergruppen, die die Eskalation gegen Palästinenser im Westjordanland vorantreiben.
https://www.aljazeera.com/news/2026/8/4/who-is-behind-settler-violence-in-the-occupied-west-bank
„Daten der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din zeigen, dass die israelische Polizei etwa 91 Prozent der Beschwerdeakten im Zusammenhang mit Siedlerangriffen auf Palästinenser ohne Verurteilungen geschlossen hat. Nur 7,4 Prozent der Fälle führten zu Anklagen, während die Zahl der Fälle, die letztlich zu einer tatsächlichen Verurteilung führten, bei etwa 1,8 Prozent lag. Die Organisation erklärte, die Zahlen deuten auf ein sich ausweitendes Muster der Straflosigkeit für von nationalistischer Ideologie motivierte Verbrechen hin.“
Wird Sachsen-Anhalt das gleiche Blühen, nachdem die AfD die Macht übernommen hat und die völkischen Siedler dort einströmen??
Die Araber sind die Siedler in Judäa und Samaria, was seit 3000 Jahren zu Israel gehört.
der Staat Israel existiert seit dem 14. Mai 1948
so viel Mathe kann selbst ich, dass das KEINE 3.000 Jahre her ist…
Und wieso erwähnen dann die Pharaonen ein „Israel“?
Die sprachliche Besonderheit (Determinativ):
Die Hieroglyphen für Städte wie Aschkelon wurden von den ägyptischen Schreibern mit dem Symbol für eine befestigte Stadt versehen.
Bei dem Wort „Israel“ nutzten sie jedoch das Determinativ für eine Menschengruppe/ein Volk…
Das historische, antike Reich Israel hörte in zwei Etappen endgültig auf zu existieren.
Nach dem Tod König Salomos (um 930 v. Chr.) hatte sich das Reich in ein Nordreich (Israel) und ein Südreich (Juda) gespalten:
Das Nordreich Israel wurde 722 v. Chr. vom Neuassyrischen Reich unter Sargon II. erobert, die Hauptstadt Samaria zerstört und die Oberschicht deportiert. Dieses Reich erholte sich nie wieder.
Das Südreich Juda (von dessen Namen sich das Wort „Juden“ ableitet) bestand noch bis 586 v. Chr.. In diesem Jahr eroberten die Babylonier unter Nebukadnezar II. Jerusalem, zerstörten den Salomonischen Tempel und führten die Bevölkerung ins babylonische Exil.
Dann kamen:
Die Perser (539–332 v. Chr.)
Die Griechen / Hellenismus (332–140 v. Chr.)
Zwischenspiel – Die Hasmonäer (140–63 v. Chr.)
Die Römer & Byzantiner (63 v. Chr. – 638 n. Chr.)
Die Ersten Islamischen Kalifate (638–1099 n. Chr.)
Die Kreuzritter (1099–1291 n. Chr.)
Die Mamluken (1291–1516 n. Chr.)
Das Osmanische Reich (1516–1917 n. Chr.)
danach die Mandatsmächte…