An die Nachgeborenen über die Zeiten

rupununi

Die Rupununi-Savanne im Westen Guyanas in der Trockenzeit (Symbolbild für regenarme Zeiten)

… Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

(Bertold Brecht: An die Nachgeborenen, entstanden 1934-38)

„An die Nachgeborenen“ gehört für mich zu den Top Ten aller Gedichte seit dem Gilgamesch-Epos. Ich wüsste gern, ob das im deutschen Schulunterricht Thema ist und wie Lehrer mit den Worten „durch die Kriege der Klassen“ umgehen?! Vermutlich sagen sie, dass es damals so war, heute aber nicht – oder irgendeinen anderen Kapitalismus-affinen Unsinn.

Ich wüsste auch gern, was der wortgewaltige Dichter zu Gendersprache sagen würde: „Daß der Mensch dem Menschen ein/e Helfer*_In ist“? Da merkt man, wie bekloppt solche Leute sind. Aber verzerrte Züge hat der protestantische Furor der neuen deutschen grünen Mittelschicht schon, wenn es um Volkspädagogisches geht. Man müsse sich sprachlich benehmen. Wer das nicht kann, gehört nicht zu den Guten und muss zukünftig Fleischwurst und Eier von Hühnern aus Legebatterien essen.

Gedenkt unsrer mit Nachsicht. Großartig! Pathetisch wie Homer, ohne in Kitsch abzugleiten. Werde ich mir für meine Nachfahren merken, falls sie mir zuhören….

Rätsel für Ornithologen

Guyana Zoological ParkGuyana Zoological Park

Guyana Zoological Park, Georgetown, 1982. Ich habe mir nicht aufgeschrieben, welche Vögel das sind – beide sehen wie Geier aus. Da müssen Ornithologen ran!

Habana Libre

Habana Libre

Blick auf Havanna, Kuba, vom Hotel Habana Libre (vor der Privatisierung) auf den Stadtteil Vedado (1984). (Heutige Sicht)

Wasserblick

Manaus

In einem Slum Vorort von Manaus, Brasilien 1982. (Mehr Fotos von Manaus gibt es hier.)

Solimões, wieder einmal

Solimões

Der Oberlauf des Amazonas wird von den Brasilianern Solimões genannt. Das Foto habe ich 1982 gemacht, ein paar hundert Kilometer westlich von Manaus.

Mercado, revisitado

markt puno

Puno (Peru 1984)

Farmacia

farmacia puno

Apotheke, Puno (Peru 1984)

Die Geier am Gesäß der Welt

puerto lempira

Ich hatte schon 2011 über die Küste der Miskito geschrieben und die Pension Santa Teresita erwähnt, in der ich 1982 die Ehre hatte, wenige Nächte zu residieren.

„… Nach einer Woche Schiffsreise erreichen wir den winzigen Hafen von Puerto Lempira (Bild oben) im Nordosten von Honduras. Der Ort liegt sozusagen am Gesäß der Welt (das gilt immer noch). Auf dem Dach unserer Hospedaje versammeln sich die Aasgeier. Eine rostige Tonne schmückt den Vorhof. Wir treiben uns in den wenigen Spelunken des Ortes herum. Endlich gute Musik: Radio Cayman („The Voice of the Cayman Islands“) sendet beschwingte karibische Rhythhmen. Wir knüpfen Kontakt mit einem Chinesen, der mit allem und jedem handelt. Er will in den nächsten Tagen mit seinem Jeep nach Leimus in Nicaragua, was zufälligerweise auch genau unser Ziel ist.“

Man könnte das Foto natürlich auch als eine Allegorie auf den Kapitalismus nehmen.

Massaker und Propaganda-Sprache

Wer den Propaganda-Begriff Tian’anmen-„Massaker“ benutzt, muss konsequent sein und in Venezuela auch vom Caracazo-Massaker sprechen oder in der Ukraine vom Euromaidan-Massaker. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat es gar kein Massaker gegeben. (N-TV: „Falsche Berichterstattung hält sich jahrelang“. Warum wohl?)

Mercado

mercado

Straßenmarkt in La Paz, Bolivien (1984)

Behelmt, revisited

tarabuco

Das Foto habe ich 1984 in Tarabuco in den bolivianischen Anden gemacht.

Tag der Arbeit

chive

Ein Nachtrag zu meinem Posting vom 04.04.2011: Der Kautschuksammler, revisited. Waschtag an einem kleinen Fluss im Urwald, wo wir bei Kautschuksammlern zu Gast waren. Es ist nicht mehr herauszufinden, wo das genau war – wir sind von Chive ein paar Stunden über einen kleinen Trampelpfad noch Nordwesten gegangen. Auf der Karte ist ein Flusslauf zu erkennen, eine Siedlung gab es damals nicht, nur zwei Hütten. Die werden natürlich nicht mehr da sein, aber der Mann hatte den Urwald ein wenig gerodet. (Es könnte hier gewesen sein.)

Talabartería

talabartería
machete

In diesem Laden („Lederwaren“) in den Llanos von Kolumbien habe ich meine Machete gekauft. Ich meinte mich zu erinnern, dass wir in Vistahermosa eine Woche gewohnt hatten. Der Ort am Fluss Guejar, den wir auf dem Weg in die Serranía de la Macarena überquerten, heisst jedoch Piñalito. Darüber muss ich noch nachdenken.

Balkonien, Subjektlose Herrschaft, Rich Kids et al

balkonien

Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich nach vier 12-Stunden-Schichten zwei Wochen Urlaub habe und den Beginn desselben heute morgen um 7.35 Uhr feucht-fröhlich (Lagavulin) begossen begonnen habe.

Wenn ich jetzt Zeit und Lust hätte, würde ich die Leserschaft mit allerlei Themen behelligen; ich beschränke mich auf Hinweise.

CNN: „What explains rich-kid terrorists“. „Sri Lankan Defense Minister Ruwan Wijewardene said Wednesday that most of the terrorists who killed at least 253 people at churches and hotels in Sri Lanka on Sunday were „well-educated and come from maybe middle- or upper-middle-class. So, they are financially quite independent, and their families are quite stable financially.“

➨ Tomasz Konicz schreibt auf Telepolis über „Die subjektlose Herrschaft des Kapitals“. Interessant und richtig, aber das weiß ich schon alles. „Die Prämisse, die dem altlinken Klassenkampfdenken innewohnt, wonach es eine Gruppe von Menschen gebe, die die gesellschaftliche Reproduktion bewusst kontrollierten, ist falsch.“ So habe ich nie gedacht. Ich sage nur: Alles Charaktermasken!

➨ Ich habe in den so genannten „sozialen Medien“ einen Artikel der Zeit kommentiert: Ich lese nicht weiter, wenn die Wörter „Verfassungsschutz“ und „warnt“ vorkommen. (Ich lese auch keine Artikel in Genderdeutsch.)

Phys.org™ (formerly Physorg.com): „Ecuador Amazon tribe win first victory against oil companies“. Hasta la victoria siempre!

jerusalem Post: „The newly formed Committee to Ban Hezbollah in Germany called on US consumers to boycott German automobiles in an advertisement in The Jewish Journal of Greater Los Angeles, after German Chancellor Angela Merkel rejected outlawing Hezbollah.“

➨ Ein informativer Artikel in der New York Times: „Casting Light on Little-Known Story of Albania Rescuing Jews From Nazis“. „With ordinary Albanians moving Jews from hide-out to hide-out to elude capture, Albania saved virtually all of its 200 native Jews and 400 Jewish refugees from Germany and Austria. The country also helped spirit hundreds more over from Nazi-occupied Balkan lands.“

➨ Wer sich über die Krim von heute informieren will, kann einen Artikel auf Rubikon lesen – dort sind auch zahlreiche Primärquellen verlinkt. „‚Annektiert‘ und gut drauf – Vor-Ort-Erfahrungen von Besuchern der Krim widersprechen eklatant den Negativberichten deutscher Medien.“ Ich habe an dem Artikel aus journalistischer Sicht nichts auszusetzen.

➨ „Antimuslimischen Rassismus“ gibt es nicht. Das sieht ein Gastkommentar im Standard ähnlich. „Rassismus und Religion haben nichts miteinander zu tun.“

➨ Orang-Utans in freier Wildbahn werden in zehn Jahren ausgerottet sein. Auch den Königspinguinen geht es schon an den Kragen.

Waqaypata nisqaqa

cuzco plaza de armas

Cuzco, Peru, Plaza de Armas (1984). Eine Sicht von heute zeigt, dass sich alles geändert hat.

Leider gibt es weder einen englischen (nur über Cusco) und natürlich auch keinen deutschen Wikipedia-Eintrag zum Thema – die Geschichte des Platzes zur Inka-Zeit ist sehr interessant. Die Stadt Cuzco ist magisch. Als ich Anfang 1980 zum ersten Mal da war, gab es fast keine Touristen und nur eine winzige Kneipe, wo sich die trafen.

Mucho trafico

Lima

Lima, Peru, 1984. Ich kann nicht mehr rekonstruieren, wo das war, vielleicht die Avenida Tacna. Man kam zu Fuß zur Plaza de Armas.

Republic of Trinidad and Tobago

grand mal bay

Die Landesflagge, fotografiert am Fort King George, Scarborough, Republic of Trinidad and Tobago (1982).

Kein Artenschutz

schildkröten

Verkauf gefangener Schildkröten in La Ceiba, Honduras (1982). Vermutlich war das damals schon illegal. Schildkröten sind eine bedrohte Tierart.

Revolutionäre Organisation der Arbeiter

avatarin

Federacion Revolucionaria de Trabajadores von Chihuahua, Mexiko (1979). Der Mann mit dem Rucksack ist mein Reisebegleiter.

Cabo Manglares

Rio Mira

Benzinschmuggler brachten mich 1979 von der Pazifikküste Kolumbiens durch die Mangrovensümpfe des Rio Mira nach Ecuador. Auf dem Foto ist nicht viel zu sehen. Für mich aber war es ein großes Abenteuer, in einem Holzboot mit Aussenborder zu sitzen und wortwörtlich ins Unbekannte zu schippern und den Geschmack und die Gerüche des undurchdringlichen Dschungels zu spüren. Ein paar Stunden später wurde auf mich geschossen. Heute weiß ich: Es war eine Art tollkühne Naivität, so zu reisen. Ich bereue es aber nicht.

(Nachtrag zu meinen Postings vom Dezember 2017 „Am Rio Mira, revisited“ und vom Januar 2015: Am Rio Mira“)

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