
Virtuelle Reminiszenzen an die Statuen beim peruanischen Kuelap.
Ich muss das wohlwollende Publikum, bevor wir uns wieder den Weltläuften widmen, noch mit irrelevantem Quatsch belästigen, also mit einem meiner Hobbys, dem Gamedesign. Außerdem schreibt sich mit einem Verband am Handgelenk, das zu schonen sei, nicht so gut.
Wie ich schon schrob schrieb, baue ich gerade den peruanischen Urwald um Kuelap nach. Das an sich interessiert niemanden, der das nicht auch versucht hat. Aber vielleicht kann ich erklären, warum mein Werk als „Kunst“ gelten könnte und was das mit Literatur zu tun hat.
Literatur? Du erfindest eine Geschichte und hoffst, dass dreieinhalb Leser Spaß damit haben. Ich bin nicht so unbescheiden wie Johann Wolfgang von Goethe: „Wer nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben.“ Eines meiner Bücher hatte eine Auflage von 26.000 – das war das Maximum, das ich bisher erreichte. Die Konquistadoren wurden immerhin rund 8.000 Mal verkauft, die gesamte erste Auflage.
Ein Rollenspiel-Plot in Secondlife erreicht nur eine zweistellige Zahl von Interessenten, und man verdient gar nichts daran. Im Unterschied zu Literatur spielen aber andere die Story, die als Basis für ein Event gilt, nach.

Das von mir gebaute Rollenspiel-Environment „Dschungel von Peru“ aus der Vogelperspektive.
Vorgabe des Organisators des knapp zweiwöchigen Events im Oktober war:
Hola visionaries,
P. Grande here with one last script proposal that is… well, let’s say it’s operating on a slightly higher frequency.
We’re developing a narrative arc deeply rooted in altered states, mysticism, and the spiritual underground. Think guided meditations, deep inner journeys, and drug-related thematic arcs. Yes, before you ask—Ayahuasca is explicitly on the call sheet for this one, alongside voluntary self-experimentation rounds and deep-dive spiritual sessions for the cast members brave enough to step through the portal.
Have you danced with the shamans before? Splendid! Never touched a plant medicine in your life? Also fine—fresh souls make for fantastic close-ups.
Are you ready to expand your mind for the camera, or would you rather keep both feet planted firmly on physical Earth? Hit reply and tell me how deep down the rabbit hole you’re willing to wander.
Un abrazo fuerte and warm regards,
¡Nos vemos pronto en Perú!
P. GRANDE
Executive Vice President of Talent Development & Creative Affairs
Navargento Pictures S.A.C. – Studio District, Lima
www.navargento-pictures.pe | +51 (1) 555-0199 ((Both NOT provided functionally here, if you use them, do so in RP please.))
“Capturing the raw, the real, and the unforgettable.”
Ich habe also den Dschungel gebaut, einen versteckten Inkatempel, etwas von Kuelap, Wasserfälle, was eben zu einem Urwald – auch der virtuellen Art – gehört. Aber wie erkläre ich die Brücke ohne Straße? Das ist für die KI eine Aufgabe von 30 Sekunden, wenn man die richtigen Vorgaben macht.

Ich habe einen Screenshot wie unten hochgeladen und gepromptet: Turn it into a black and white photo from the fifties, place two construction workers with helmets but in Peruvian dress with shovels in front of the statue, posing proudly.
The Lost Bridge and the Inca Warrior
TINGO, PERU. Near the famous ruins of Kuélap, an old bridge deep in the jungle may point to an archaeological discovery that has been overlooked for more than half a century.
The event agency Navargento Pictures recently established a jungle camp near Kuélap, offering guided expeditions into the surrounding rainforest. Visitors reported an unusual sight: a bridge crossing the Río Utcubamba, apparently without any road leading to or from it.
Research by Peru Noticias indicates that the bridge was built in 1969 as part of a planned road. The project was abandoned before the road was completed. At the time, the remote area was considered unsafe because of smuggling activities and remained largely unexplored.
But the bridge itself is not the most intriguing part of the story.
In our newspaper archives, Peru Noticias discovered a photograph taken during construction in 1969. It shows two workers wearing helmets and posing proudly with their shovels beside the new bridge. Between them stands a large stone figure whose appearance strongly suggests an Inca origin.
Reports from the period mention rumors among the workers that the remains of an ancient temple were hidden somewhere nearby. No archaeological investigation followed, and when the road project was abandoned, the story was forgotten.
The statue, however, was not lost.
It is still there.
More than 50 years later, the stone warrior remains near the abandoned bridge, surrounded by dense jungle vegetation.
That raises an intriguing historical question: What were the Inca doing at this particular location?
The Chachapoya controlled much of what is now Peru’s Amazonas region, with Kuélap as their most famous monumental site. Around 1475, only a few decades before the arrival of the Spaniards, the expanding Inca Empire conquered the Chachapoya.
The Inca established roads, administrative centers, military posts and other installations throughout conquered territories. An Inca presence in the Utcubamba Valley would therefore not be unexpected. But a previously unknown Inca ceremonial or administrative complex close to Kuélap could provide important evidence about how the Inca controlled the newly conquered Chachapoya territory.
For now, the mysterious temple remains only a rumor from 1969.
But the first clue is no longer a rumor. Deep in the vegetation stands a bridge leading nowhere – and beside it, just as in the old photograph, the stone Inca warrior is still waiting.

Jetzt wisst ihr, was eine „Storyline“ ist. Das obere „Foto“ ist natürlich von ChatGPT, das untere dieselbe Stelle auf der virtuellen „realen“ Sim, dort wo ich die Statue und die Brücke platziert habe.
Die Avatare Rollenspieler werden also ab Anfang Oktober „anreisen“ und zum Basis-Camp gebracht. Von dort auf erkunden sie den gefährlichen Dschungel und entdecken auch irgendwann – hoffentlich! – den Tempel. Und dann werden sie alle entführt und mit einem Raumschiff nach Gor gebracht, wie beim letzten Mal aus Amsterdam.

Der Organisator hat schon rund zwei Dutzend Anmeldungen. Gestern gab es ein Preview.
[13:28] Jasmine Emerald (jassysis26): oh lord above this is beautiful
[13:28] Nephtides na Neidos (nephtides): [mein Avatarname] built the landscape.
[13:29] Jasmine Emerald (jassysis26): absoloutely incredible
[13:29] Nephtides na Neidos (nephtides): he’s an excellent and very dedicated builder
Den Künstler freut es.

Das ist der letzte meiner Briefe aus Südamerika, den meine Mutter aufgehoben hatte. Aus Venezuela (1998) habe ich nur einen geschrieben.

Das Hotel El Gran Duque gibt es noch in Quibor! Leider ist noch nicht einmal die Hauptverkehrsstraße von Google erfasst worden.
Quíbor, 28.1. [1998, südwestlich von Barquisimeto]
Liebe Eltern!
Venezuela ist leider teurer als ich dachte, ich darf nicht mehr als 20 Mark pro Tag ausgeben, und ein Hotel von der billigsten Sorte kostet schon mindestens 10 Mark. Aber es macht trotzdem Spaß. Ich bin braun wie ein Indianer, und wenn ich nicht etwas andere Kleidung trüge, würden mich alle für einen Einheimischen halten. So bin ich für die meisten ein etwas merkwürdig aussehender Großstädter, wahrscheinlich aus Caracas, wo die Verrückten alle wohnen.
Hier ist es geradezu brüllend heiß, an die 40 Grad am Mittag, und beim frischen Brise wie in Coro. Ein kleiner, quirliger Ort mit viel Rinderzucht, obwohl die Berge nicht bewaldet sind. Es sieht aus wie in der Steinwüste, aber es ist Trockenzeit, der nächste Regen fällt erst wieder im April.
Morgen werde ich hoffentlich das Datum des Rückflugs festlegen können, es ist billiger, von hier aus mit einem Lokalbus nach Barquisimeto [Vgl. „Im Tal der Frauen“, 05.03.2023] zu fahren als dort ein Hotel zu haben. Barquisimeto ist so groß wie Dortmund, ca. 1 Mio, demgleichen. [Wurde von 1552 von Juan de Villegas gegründet, der einer meine Protagonisten in „Die Konquistadoren“ ist.]

Die Iglesia de la Virgen de Altagracia „La Caimana“ in Quibor an der Avenida Baudilio Lara, vgl. Iglesia de la Virgen de Altagracia „La Caimana“ 30.04.2023.
Ich hab schon einige Male mehr oder minder lustige Abenteuer hinter mir. Coro war ruhig, ich habe im Meer gebadet und den ersten Sonnenbrand nur sehr knapp vermieden. Dann bin ich bald eine Woche ca. 50 km nach Süden, ca. 1500 m hoch, angenehmes subtropisches Klima – um die 25 Grad. Dort gibt es nur einige kleine Bergdörfer, und es ist etwas schwer, dort wieder wegzukommen. Die Konquistadoren hatten ja damals indianische Träger.

In der Sierra de San Luis
Am Samstag bin ich – ohne Rucksack – ca. 10 km ins nächste Dorf marschiert, nur um festzustellen, daß dort der Hund begraben war und auch kein Auto zurückfuhr. Also mußte ich zu Fuß zurück. Am nächsten Tag hatte ich Blasen und konnte mich kaum bewegen. Die Hüfte schmerzt ein wenig, macht aber alles mit [es war drei Jahre nach meinem doppelten Hüftbruch]. Es kam aber noch viel härter: Am dritten Tag nahm mich der Wirt der Herberge ein Stück mit dem Auto mit. Dann bin ich getrampt, weil es keine Busse gab. Ein Rinderzüchter hielt an und nahm mich mit, zeigte mir aber alle Rinder auf seiner Hazienda, ich mußte gute Miene zum Spiel machen.
Nach etwa 100 km von einem kleinen Ort zum anderen] gelangte ich an den Südrand der Sierra de San Luis [aka Juan Crisóstomo Falcón National Park], nach Churuguara. Von dort fahren Sammeltaxis, und ich kam für 2 Mark wieder 30 km weit, und so fort, bis an einen gottverlassenen Ort, östlich von Santa Cruz de Bucaral. Da gab es nur ein paar Häuser und ein Posten der Polizei, die für die „Bewachung“ des Nationalparks zuständig ist. Die erklärten bereitwillig, der sei 9 km entfernt, ihnen sei aber das Benzin ausgegangen – ich müßte laufen oder umkehren. Es war grad 12 Uhr mittags und ich schon seit 5 Uhr auf den Beinen. Ich habe für die Strecke – mit Rucksack – mehr als vier Stunden gebraucht, in glühender Hitze.

Santa Cruz de Bucaral
Aber ich hab es geschafft! Zwischendurch gab es in den Bergen ein paar schreklich arme Bauern, die mir ein Glas lauwarmes Wasser spendierten. Der „Nationalpark“ ist eigentlich Urwald, am Eingang ist ein kleines Wasserwerk, das den Strom für die Ortschaften der Sierra liefert. Dort war ein einsamer Mechaniker, der sich sehr über den Gringo zu Fuß wunderte und der mir eine große Flasche eiskaltes Bergwasser spendierte. Dort ist ein unterirdischer Fluß, der eine 2 km lange Höhle in den Fels gewaschen hat. [Die Cuevas de Cuarzos – leider habe ich kein Foto, weil es schon fast dunkel war, als ich ankam.] Es war sehr eindrucksvoll. Ich hab dort übernachtet, und am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang kam ein kleiner Jeep, die Ablösung, und die haben mich gratis mitgenommen. Das ist das typische Gefühl: Hinten auf der Ladefläche (vgl. Foto unten), kurz nach Sonnenaufgang, und der Jeep rumpelt in Serpentinen einen Weg die Berge hinauf und hinunter, und eine grandiose Aussicht…

Auf einem Jeep durch den Parque nacional Cueva de la Quebrada del Toro.
Dafür hab ich mir dann für die 200 km nach Barquisimeto ein Sammeltaxi gegönnt, einen uralten amerikanischen Straßenkreuzer, in den sich 6 Personen quetschen, kostete 10 DM. Direkt auf der Brücke am Rio Tocuyo, die Grenze zwischen den venezolanischen Bundesstaaten Falcón und Lara, hatten wir eine Panne. So kam ich an mein Foto des Rio Tocuyo, den meine Konquistadoren damals auf Flößen überquert haben. Nachdem sich ein halbes Dutzend Autos versammelt hatten, aber keiner weiter wußte, wurden wir abgeschleppt. Und irgendwie haben sie das Auto dann repariert, und wir erreichten den chaotischen Busbahnhof von Barquisimeto.

Auf der Brücke über den Rio Tocuyo, vgl. „Am Rio Tocuyo“ 05.05.2023.
Und da ich mich recht gut an die Sitten und Gebräuche gewöhnt habe, kriegte ich sofort einen Lokalbus nach Quíbor, wo ich jetzt bin. Ich lasse meine Sachen waschen, war heute morgen bei einem der drei Schuster, der mir gratis ein Stückchen Sohle angeklebt hat – für eine halbstündige Unterhaltung als Gegenleistung. Der örtliche anthropologische Museum, das mich interessiert hätte, war völlig leer, bis auf ein einziges Bild einer Grabstätte. Ich hatte nach dem langen Tag gestern gut geschlafen: das Hotel ist zwar das billigste am Ort, hat aber eine gute Matratze. Dafür liegt es erstens an der Hauptverkehrsstraße, mein Fenster geht zur Tankstelle hinaus, und zweitens gewann leider gestern die einheimische Baseball-Mannschaft gegen die von Caracas. Baseball ist so verbreitet wie Fußball in Deutschland, und es gab die ganze Nacht einen Autokorso, und die Leute tanzten auf der Straße. Das ist eben Lateinamerika…

Ausschnitt aus der Karte Venezuelas, die ich damals benutzt habe. Meine Reiseroute 1998 folgte zunächst der Route der Konquistadoren im 16. Jahrhundert, soweit das möglich war. Südlich von Barinas bin ich dann nach Osten abgebogen.
Heute bin ich mit einem klapprigen Lokalbus in einen kleinen Ort gefahren und habe mir eine Hängematte gekauft, die leider nicht biller als 50 DM zu kriegen war. Sie ist das Geld wert das sind aber drei Tagessätze [meines Reisebudgets]… Ich hatte dafür ein paar interessante Unterhaltungen über die Geschichte der Gegend hier, und dabei gibt es einen Ort, in dem viele Leute blond sind und blaue Augen haben und der seit dem 16. Jahrhundert existiert – da fahre ich übermorgen hin.

Meine Hängematte stammt aus Tintorero bei Quibor im venezolanischen Bundesstaat Lara. Das Mädel war im Verhandeln eisenhart und gefiel mir außerordentlich. Die Hängematten werden von einer Kooperative hergestellt und verkauft, und man hat dort Festpreise, was extrem un-südamerikanisch ist.
Ansonsten geht es mir blendend, der Gürtel läßt sich schon zwei Löcher enger schnallen.
Gruß Burkhard

Nachtrag:
In Quibor sprach es sich schnell herum, dass ich an der Geschichte des Ortes interessiert war. Irgendwann klopfte jemand an der Tür und sagte mir, er solle mich zu Dr. Tarquino Barreto führen, der ein Buch dazu geschrieben habe. Dessen Haus war grandios, eine Villa mit Atrium und kühlem Steinparkett, auf dem Katzen herumspazierten. Nachdem klar war, was ich wollte, schenkte er mir seine beiden Bücher.

LEGENDEN:
Das Geheimnis über die Ursprünge der Gründung von Quíbor ist gut verborgen; allein die von Jahrhundert zu Jahrhundert und von Generation zu Generation weitergegebene Überlieferung hat die Legende bewahrt – denn anders kann man etwas, das nicht bewiesen werden kann, nicht nennen -, wonach eines Tages um die Mitte des 16. Jahrhunderts die deutschen Konquistadoren im Namen der Welser ihre Lager auf dem Land der Cuiba-Indianer, am Fuße der Serranía de Cubiro, aufschlugen, und zwar an dem Ort, den heute Buenavista de Cuara einnimmt, fünf Kilometer südlich der heutigen Ortschaft; dort blieb Lope Montalvo de Lugo mit einer Kompanie deutscher Soldaten zurück.
Wahrheit oder Legende? Sicher ist nur, dass in Cuara der Keim einer ethnologisch von den übrigen Bevölkerungsgruppen des Bundesstaates Lara verschiedenen Rasse zurückblieb: einer starken, arbeitsamen und genialen Rasse von gewalttätigem Charakter, mit großen und blonden Männern und Frauen, blauen Augen und einer ausgeprägten Ähnlichkeit mit der deutschen Rasse.
Dem Buch habe ich meine Romanfigur Lope Montalvo de Lugo entnommen.
September 2, 2026 | Kategorie
Venezuela |
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Gönnt mir mal einen oder zwei Tage Pause vom Weltgeschehen. Wir kümmern uns nicht um Ceuta, sondern murmeln: „Wir schaffen das“ vor uns hin.
Ich habe mir ein Foto vom 23.07.2016 verbessern lassen. Ich hatte es im November 1979 in San Agustín in den kolumbianischen Anden geschossen. Ich saß übrigens auf einem Pferd. Wir kamen von Norden aus dem Tal des Rio Magadalena.
Die Straße dürfte die Carretera 8 sein, die heute natürlich ganz anders aussieht.

„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ (Blaise Pascal, Mathematiker)
Mein Vater hatte sich meine Reiseroute 1970/80 notiert, so, wie sie ursprünglich geplant war. Ich vermute, die Buchstaben und Zahlen am rechten Rand meinten die Seiten oder Quadranten in seinem Atlas. Internet gab es bekanntlich noch nicht.
Der Trip verlief dann doch anders, vor allem, weil mein damaliger Reisebegleiter weitaus weniger abenteuerlustig und zielstrebig war als ich. Surinam und Französisch Guyana musste ich ganz weglassen.
Ich habe mich entschlossen, alle Fotos aller Reisen nach Lateinamerika noch einmal hier zu publizieren, aber geordnet in der richtigen Reihenfolge (falls ich mich daran noch erinnern kann). Außerdem werde ich meine Tagebücher noch durchgehen, was ich vor einem Jahrzehnt, als ich die ersten Bilder online stellte, nicht gemacht habe. Und diejenigen Bilder, deren Qualität unter aller Sau schon sehr schlecht war, als ich sie digitalisierte, kann ich mit KI vielleicht verbessern.
Der Plan ist, irgendwann daraus vielleicht ein E-Book zu machen, das ich meine Nachfahren vererben kann. Die wird das nicht interessieren, aber wer weiß das schon…

Juli 20, 2026 | Kategorie
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Bogota, Kolumbien, fotografiert 1982. Da ich damals zwei Mal in Bogota war, weiß ich das Datum nicht genau. Ort: Plaza de Armas; im Hintergrund das Observatorio Astronómico Nacional.
Die übten da vermutlich so eine Art Gleichschritt, kriegten es aber nicht hin. Die Kolumbianer sind eben keine Chilenen. (vgl. 11.10.2022)

Fotografiert in León, Nicaragua, 1981, Version ChatGPT
Die wahren Helden sind nicht diejenigen, die erwarten, von der Revolution zu leben; die wahren Helden sind diejenigen, die ihr Leben für die Freiheit und die Revolution gaben. (Edgard José Munguía Álvarez, aka La Gata Munguía, 1947-1976)
COMANDANTE GUERRILLERO
EDGARD MUNGUIA ALVAREZ (VENTURA)
HAY EN MI UNA NETA PROYECCION
HACIA EL SOCIALISMO — R.M.A.
CAIDO EN COMBATE EN LA MONTAÑA
DE YAOSCA EL 13 DE SEPT. 1976
PATRIA LIBRE O MORIR
C.D.S. ZONA 5 — F.S.L.N.
Aus der spanischen Wikipedia übersetzt: Edgard José Munguía Álvarez, besser bekannt als La Gata Munguía (1947–1976), war ein nicaraguanischer Revolutionär. La Gata Munguía war aufgrund seiner Fähigkeit, sich zu tarnen, einer der charismatischsten Guerillakämpfer der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN). An der Universität studierte er Biologie, war Schauspieler und fungierte als erster Präsident des Universitätsrates der Nationalen Autonomen Universität von Nicaragua (CUUN).
1973 hielt er sich in Chile auf, als Salvador Allende Präsident war, und reiste dann nach Kuba, als Fidel Castro Ruz an der Macht war. Dort erhielt er zusammen mit anderen militanten Mitgliedern der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront eine militärische Ausbildung, bevor er in den Untergrund ging.
Ich habe versucht, ein eingescanntes Dia, das ich hier schon am 21.09.2012 veröffentlich hatte, restaurieren zu lassen. Daraus ergab sich ein überraschendes Streitgespräch der künstlichen Intelligenzen, die sich gegenseitig bezichtigten („abgesoffen“), schlecht gearbeitet zu haben.
ChatGPT: „Das Interessante an deinem Foto ist weniger die Tafel als der Zeitpunkt der Aufnahme:
► Der Guerillero starb 1976.
► Die Sandinisten siegten 1979.
► Dein Foto entstand 1981, also nur etwa zwei Jahre nach dem Sieg der Revolution.
Du hast damit einen frühen revolutionären Erinnerungsort dokumentiert, als die neue Regierung noch ganz am Anfang stand und die Verehrung gefallener FSLN-Kämpfer überall sichtbar war.
Für einen Historiker ist außerdem der Kontrast bemerkenswert: Die koloniale spanische Kathedrale von León im Hintergrund und davor das Gewehr sowie die Gedenktafel eines marxistisch orientierten Guerillakämpfers. Dieses Nebeneinander von kolonialem Erbe, katholischer Tradition und revolutionärer Symbolik war für Nicaragua Anfang der 1980er Jahre sehr typisch.
Das Dia ist deshalb nicht nur ein Reisefoto, sondern auch ein kleines zeitgeschichtliches Dokument der ersten Jahre der sandinistischen Revolution.“
Jaja, weiß ich alles.
Gemini machte eine Version, die, was Farbe und Schärfe angeht, recht ordentlich war, aber wie immer mit Wasserzeichen. ChatGPT entfernte das, aber fing zu Recht an zu meckern:
„Das von dir gezeigte Bild wirkt auf mich dennoch digital nachbearbeitet oder möglicherweise von einer KI aus einem historischen Motiv rekonstruiert. Vor allem die Schrift auf der Tafel und einige Steinstrukturen zeigen typische Artefakte. Falls du ein Originalfoto von 1981 digitalisiert hast, könnte das auch durch spätere Schärfungs- oder KI-Restaurationsverfahren entstanden sein.“
Der Vergleich zum Original: „Das von dir zuerst gezeigte Bild war offenbar bereits eine KI-aufbereitete oder stark nachgeschärfte Version des Dias. Das hier ist eindeutig ein echtes, analoges Dia:
► typische Staubpartikel und kleine Kratzer im Himmel
► leichte Farbverschiebung ins Bläuliche, wie bei gealterten Dias häufig
► ausgefressene Lichter an den weißen Gebäudeteilen
► Kornstruktur statt KI-typischer künstlicher Texturen
► die Schrift auf der Tafel ist zwar schwer lesbar, aber konsistent und nicht „halluziniert“.
Tatsächlich kann man auf dem Original die Zeile besser lesen als auf der KI-Version“.

Version Gemini
Ich fühlte mich ertappt. Was aber sagt Gemini, das bei der Restauration meiner alten Familienfotos um Klassen besser abschnitt, auf die Frage, welche KI besser sei?
„Das kommt ganz darauf an, worauf du bei der Qualität den Fokus legst. Beide Versionen haben das Original deutlich aufgewertet, gehen aber in verschiedene Richtungen.
Hier ist ein direkter Vergleich zwischen meiner Version und der Version ChatGPT:
Was bei ChatGPT besser ist:
► Schärfe und Details: Diese Version ist spürbar schärfer gerechnet. Die Textur der Steinmauer im Vordergrund wirkt plastischer, und auch die Details an der Kathedrale im Hintergrund kommen deutlicher heraus.
► Lesbarkeit der Gedenktafel: Die Schrift auf der Plakette für Edgard Munguía Álvarez ist knackiger und lässt sich etwas müheloser entziffern.
Was bei meiner Version besser ist:
► Natürliche Helligkeit & Kontraste: Meine Version behält die sonnige, warme Atmosphäre des Originalschauplatzes bei. Die Schatten im Vordergrund an der Mauer sind nicht so extrem tiefschwarz (abgesoffen), wodurch in den dunklen Bereichen der Mauer noch mehr Nuancen sichtbar bleiben.
► Farbbalance: Das Blau des Himmels und die warmen Sandsteintöne der Kirche wirken etwas harmonischer aufeinander abgestimmt, während die andere Version sehr stark nachgeschärft und kontrastiert ist, was manchmal etwas digital oder „überdreht“ wirken kann.
Fazit
► Wenn du maximale Knackigkeit, Schärfe und Lesbarkeit suchst, hat ChatGPT die Nase vorn.
► Wenn dir ein natürlicherer Bildeindruck mit weicheren Kontrasten und besseren Details in den tiefen Schatten wichtig ist, erfüllt meine Version diesen Zweck besser.“
Was meint das Publikum?

Sucre, 1. Mai [1984, Bolivien, der Brief kam am 6.6.1984 an]
Liebe Eltern,
In Bolivien ist gerade Generalstreik, und das heißt, daß hier wirklich niemand arbeitet außer dem Markt, auch die Post nicht. Aller Wahrscheinlichkeit ist der Streik Montag zu Ende, und ich werde meine geschriebenen Briefe los. Wir reisen nun noch fröhlich beschwingt durch Bolivien, was uns immer mehr wie ein Traumland vorkommt, vorausgesetzt, man hat soviel Geld wie wir. Wir geben trotz Souvenirs und Schlemmerei nicht mehr als 10 DM am Tag aus.

Heute am 1. Mai nach dem Frühstück auf dem Markt Parade der Gewerkschaften mit vielen Fahnen auf dem Hauptplatz, umsäumt von riesigen alten Bäumen, hohen Palmen und wunderschönen Kolonialhäusern, dazu „Kaiserwetter“.
Zwischendurch Salteñas, das sind mit Fleisch und Gemüse gefüllt Brötchen. Mittags Nudeln, Kartoffeln, Gemüse und Fleisch auf dem Markt, nachmittags Café mit „Banana-Split“-Eis und Bananensaft, Kaffee, dann Spazierengehen, abends Essen auf dem Markt, jetzt Bier trinken. Wir haben gerade ausgerechnet, daß wir trotzdem inklusive Hotel noch nicht 10 DM ausgegeben haben.
So gemütlich geht es nicht immer zu: Die Reise hierhin verlief z.B. ein wenig dramatisch. Abreise von Potosi in eisiger Kälte (es liegt 4100 m hoch), der letzte Bus, der vor dem Generalstreik noch fuhr. Nach 1 Stunde Buszusammenbruch, alle Fahrgäste klettern auf einen LKW, der in einem kleinen Ort steht und auch nach Sucre will, bis ca. 70 Leute drauf sind, alte Indio-Omas mit vielen Röcken, junge Männer, die Charango spielen (das sind winzige Gitarren, denen Klangkörper aus dem Panzer eines Gürteltiers gemacht worden ist).
Die Fahrt in endlosen Serpentinen an Schluchten vorbei, von 4100 auf 2500, die ganze kalte Nacht auf Schotterstrecke, höchstens 20 km im Stundendurchschnitt. Um Mitternacht kommen wir in Sucre an, latschen mit voller Ausrüstung (jeder 20 kg) durch die leeren Straßen von Unterkunft zu Unterkunft wie in Bethlehem. Es gibt kein Bett, es macht keiner auf oder es ist extrem teuer (das gibt es auch). Am Platz kaufen wir noch ein Brot bei einer in einer Ecke zusammengekauerten Indiofrau, und eine Stunde später haben wir endlich ein Bett.
Ich habe mich noch nie so gut gefühlt auf Reisen. Das liegt auch daran, dass B. und ich eine sehr ähnliche Art zu Reisen und des Reagierens auf die Dinge haben – ganz im Gegenteil zur letzten Reise. Außerdem gefällt uns Bolivien 10x besser als Peru, obwohl wir auch dort sehr interessante Dinge erlebt haben. Es gibt fast keinen Leerlauf. Jeder Tag bringt neue Ereignisse.

Vor einer Woche noch sind wir in der Größten Zinnmine Boliviens mit Grubenlampe und Gummistiefel durch eiskalte Stollen spaziert und haben mit den Bergleuten gequatscht. Ein paar Tage später nach einer halsbrecherischen Tour mit einem LKW quer durch’s Gebirge sind wir in einem winzigen Dort mit strohgedeckten Häusern, wo die Kinder erstaunt hinter uns herlaufen. Dann wieder LKW auf eisiger Pampa auf 5000 m Höhe, wo nur noch spärlich Gras wächst und Hunderte von Lamas mit bunten Schleifchen an den Ohren hinter uns herblicken. Seit 6 Wochen sind wir zum ersten Mal unter 3000 m Höhe.

Die Salzwüste Boliviens, fotografiert im April 1984, vgl. 26.06.2020.
Das Extremste bisher war von Oruro aus 2 Tage und eine Nacht Richtung chilenische Grenze in die Salzwüste. Der LKW blieb so oft im Schlamm stecken, daß wir für die 160bkm 36 Stunden brauchten. Alle Fahrgäste, ca. 50, müssen bis zu den Knien im Schlamm schieben, schaufeln usw.. Dann, mit vollem Gepäck, am 3. Tag 17 km Fußmarsch in glühender Hitze, am 4. Tag Fußmarsch durch Sand und Salzwüste, 26 km mit diversen Flußüberquerungen zu Fuß.

Eine Ansichtskarte aus Boliven (1984) von Chipaya. Die Dorfbewohner wollten nicht fotografiert werden; diesen Wunsch habe ich respektiert.
Am Abend das Ziel, ein winziges Dorf [Chipaya] mit einzigartigen Indianern. Die Frauen haben braune Umhänge, tragen ihre Haar in Dutzenden von geflochtenen Zöpfen, die Männer haben helle Baumwollhemden [an] wie ein Kleid, mit bunten Gürteln und Zipfelmützen. Die Häuser sind rund wie ein Kral in Afrika. Das Dorf spricht als einziges eine fast ausgestorbene Sprache, Pokina [gemeint ist Puquina nach Selbstauskunft der Bewohner, was aber vermutlich falsch ist, da mal dort dort Uru-Chipaya spricht], die älter ist als die der Inkas,
Wir sitzen erschöpft neben dem riesigen Backofen und warten auf das erste Brot, trinken braunes Wasser aus dem einzigen Brunnen des Dorfes. Der Bürgermeister erklärt uns, zum Glück auf Spanisch, wir könnten auf der der Erde [gemeint ist der Fußboden] im Büro des Dorfes schlafen, für’s fotografieren müßten wir bezahlen und überhaupt seinen Fremde nicht sehr erwünscht. Wir verzichten auf Fotos und marschieren am nächsten Tag 15 km wieder zurück, bis uns ein Indio sagt, daß ein LKW von einem Hof abfährt, den wir auch erwischen.
Wieder eine Nacht bei tollem Sternenhimmel, aber eisiger Kälte. Wir werden total durchgeschüttelt und außerdem sitzen wir auf Säcken mit toten Schafen, deren Knochen uns pikesen – außerdem der Geruch…
Am nächsten Morgen um 10 Ankunft in einem Dorf in der Zivilisation, wo es einen Bus nach Oruro gibt. Vorher kann ich schon nicht mehr weiter, und B. muß einen Teil von meinen Sachen tragen. Vorher, beim ersten Tagesmarsch, konnte B. die letzten paar km nur heulend und stoplernd.

Oruro, fotografiert 31.01.1979, vgl. heute
Jetzt: Wir kommen in Oruro an (so groß wie Unna [1984], ein Bett, ein Restaurant, ein heiße Suppe. Allein das Gefühl beim ersten Schluck war’s fast schon wert. Ich habe ein wenig abgenommen, aber fühle, wie sich jeden Tag Energie und innere Ruhe auftanken. Außerdem fühle ich eine körperliche Spannkraft wie schon seit langem nicht mehr – trotz diverser Verdauungsprobleme. Die Tannacomp sind schon fast alle.
Übermorgen werden wir von hier in ein Dorf mit einem riesigen Markt [Tarabuco] fahren. Wenn ihr uns jetzt sehen könntet: Ich habe weite dunkle indianische Hosen an, die von einem breiten bunten Gürtel zusammengehalten wird, einen Pullover aus purem Alpaca (10 DM in Peru!), Opas Hut mit buntem Bändchen – genau wie die Männer hier! – und eine bunte indianische Decke um. Außerdem sind wir braungebrannt – aber bei euch fängt der Sommer ja auch an.

Altstadt von Ĺa Paz, Bolivien, fotografiert 1984, mit ChatGPT verbessert, vgl. das Original 20.10.2020
Dann geht es von Dorf zu Dorf über Cochabamba wieder zurück nach La Paz, wo wir ein Paket mit Souvenirs losschicken werden. Von da auch 6 Wochen Richtung Norden in den Urwald, wo es endlich knallig heiß sein wird.
Mitte Juni werden wir die Grenze nach Peru überschreiten und nach Cusco fahren. Von dort auf, je nach Zeit und Geld, irgendwann nach Lima, wie, wissen wir noch nicht.
Was uns fehlt, sind die Kneipen in Berlin, Rotkohl, Sauerkraut, Kartoffelsalat, Blumenkohl, Buttercreme… Leider erwartet mich ja allerhand in Berlin: Wohnungssuche, vielleicht existiert die Knesebeckstraßenwohnung [ich wohne in der Charlottenburger Knesebeckstraße von 1977 bis 1984] nicht [mehr], und meine Sachen sind auf meine Freunde verteilt. Vielleicht gibt es einen Prozeß gegen die geräumten Bewohner der Bülowstraße, wo ich auch dabei war [ich wurde bei der Räumung festgenommen, das Verfahren wurde später eingestellt], vielleicht habe H,. und A. schon eine Wohnung gefunden. Die erste und letzte Post kriegen wir ja erst in 6-7 Wochen in Cusco.
Nun ja, es geht uns blendend und ich könnte länger bleiben als geplant. Heute feiern wir die Hälfte [von sechs Monaten Reise] […] Seit mehreren Wochen auch das erste Bier. Hoffentlich gibt es nicht doch noch einen Putsch. Oder einen Generalstreik, der unbegrenzt dauert! Die Arbeiter schmeißen hier mit Steinen, und kein Bus wagt es zu fahren, ganz anders als bei uns.
Bis bald und Grüße Burkhard

Das Original-Foto
Zu meiner Überraschung fand ich das obige Foto auf dem Blog gar nicht. Habe ich es bisher nicht veröffentlicht? Monte Albán war ehemalige Hauptstadt und das religiöse Zentrum der Zapoteken im heutigen Mexiko in der Nähe von Oaxaca. Das Foto habe ich am 14.10.1979 gemacht. Über Monte Alban hatte ich am 13.07.2012 und am 02.07.2023 etwas geschrieben.

Uxmal das Original-Foto, hier veröffentlicht am 06.08.2022. Fotografiert in Yucatan, Mexiko, am 17.10.1979.
Ich war etwas komplizierter als gedacht, die Fotos (die schon ein eingescannte Dias waren) zu restaurieren.

Offenbar haben künstliche Intelligenzen ein Problem, „verbessern“ und „verändern“ unterscheiden zu können. Geminis Versionen von Monte Alban waren zwar auch gut, aber beim ersten Mal halluzinierte die KI eine große Touristengruppe auf den kleinen Hügel im Hintergrund in der Mitte. Die fiktiven Personen waren so klein, dass ich sie beinahe nicht gesehen hätte. Wir waren damals allein – andere Touristen wären kontraproduktiv und sowieso komplett gelogen.

Version ChatGPT von Monte Alban
Bei Uxmal wurden mir zwei Versionen vorgeschlagen. Die zweite hatte den Himmel verändert und war geringfügig besser, ich wählte dennoch der Authentizität werden die erste.

Uxmal, Version Gemini
Natürlich ist das alles völlig sinnlos. Wer interessiert sich für Fotos, die vor einem halben Jahrhundert geschossen wurden? Ich habe zwar Nachfahren, die meinen gesamten Krempel erben werden, aber die rufen vermutlich gleich einen Entrümplungsdienst.
Etwas irgendjemandem hinterlassen zu wollen, ist evolutionär eine Übersprungshandlung des Zeugens von Nachkommen. So sehe ich das. Die Nachgeborenen lernen nicht aus den Fehlern, die man selbst gemacht hat.
Ich werde ganz egoistisch dennoch alle (ca. 3000) Bilder noch einmal durchforsten und auch die Reise-Tagebücher, die ich, als ich begann, die Fotos hier zu veröffentlichen (2010? Die auf spiggel.de – der Vor-Version dieses Blogs – waren nicht eingesannt), gar nicht berücksichtigt hatte – auf die Idee kam ich erst später. Kann sein, dass das Publikum demnächst Bilder vorgesetzt bekommt, die es schon kennt, nur etwas enhanced…

Ich bin sehr motiviert, meine alten Fotos von der KI aufmöbeln zu lassen (vgl. oben und unten).
Dazu schrieb ich am 14.11.2022: Das letzte Foto aus der Ruinenstadt Uxmal in Mexiko, am 17.10.1979. Ich habe lange gesucht, um ein ähnliches Foto zu finden, aber vergeblich. Es hat sich nicht viel geändert. Die Ruine gehört zum Nunnery Quadrangle (Cuadrangulo De Las Monjas).



Das Foto habe ich 1984 auf Amantani gemacht, einer peruanischen Insel im Titcaca-See. Dort habe ich eine Woche bei Quechua-Bauern verbracht, die schlechter Spanisch sprachen als ich. Die Kinder hatten noch nie eine Kamera gesehen und reagierten dementsprechend. Das obere Foto (eingescanntes Dia) und das unten habe ich mit KI bearbeitet. ChatGPT schlug vor, um alte Fotos zu verbessern:
Wenn du nur ein Tool willst:
Beste Gesamtwahl: Topaz Photo AI (kostenpflichtig)
Beste Profi-Kontrolle: Adobe Photoshop
Beste kostenlose Lösung:
GIMP + Real-ESRGAN Github
Ich finde, der Authentizität schadet es nicht.



Brief aus Puerto Maldonado, Peru, vom 29.06.1984, angekommen am 09.07.
Über Puerto Maldonado hatte ich am 01.04.2020 („Nicht an der blauen Donau“) und am 09.07.2019 („Faustinos Ort oder: Aguirre lässt grüßen“) ausführlicher geschrieben. Ankunft: „Puerto Maldonado, Freitag, 28. Juni: Wir haben es geschafft! Unter schier unbeschreiblichen Umständen und den sie begleitenden Gefühlen und Eindrücken.“

Puerto Maldonado, am 28.06.1984 vom Rio Madre de Dios aus fotografiert.
Puerto Maldonado, Peru. 29.6. [1984]
Liebe Eltern!
Wir haben es geschafft, die sogenannte Zivilisation hat uns wieder. Nach 6 Wochen Urwald sind wie heilfroh, wieder in einem Ort mit Straßenanschluß in die Anden, Cafés und Läden zu sein, wo man fast alles kaufen kann, was das Herz und auch der Magen begehren.
3 Monate fast waren jetzt in Bolivien, und was haben wir nicht alles erlebt! Die Zeit ging so schnell dahin, daß wir in Peru jetzt nur noch 3 Wochen rund um Cusco vorgesehen haben und dann auf dem schnellsten Weg nach Lima reisen werden, um noch wenigstens vor meinem Geburtstag {im August] wieder in Berlin zu sein. Wir haben auch so wenig Geld ausgegeben, ohne uns groß einzuschränken! Nicht mehr als 12 DM am Tag – und das die ganze Zeit!
Die Nachwirkungen des Urwalds werden wir allerdings noch einige Zeit spüren. Von oben bis unten alles voller juckender Moskitostiche, die sich teilweise zu Beulen entwickelt haben. B. hat sich Würmer eingefangen, daß wir gestern, als ihr Fieber auf fast 40 Grad stieg, noch zu einem Arzt gefahren sind (mit einem Mopedtaxi), de zum Glück mit Sproitzen ausgestattet war, sodaß es ihr heute besser geht, und die Tiechen werden in ein paar Tagen abgetötet sein.
Unsere Mägen sind auch leicht angeschlagen, zumindest bis gestern, weil wir uns die letzte Woche von Tapir- und Affenfleisch ernährt und Mehl gekauft haben (das einzige, was es außer Reis zu kaufen gab), daß so von kleinen Tierchen und Würmern wimmelte, daß wir es in mühevoller Kleinarbeit ganz mit unserem Teesieb durchgesiebt haben.

Puerto Maldonado, früher auch bekannt als Faustinos Ort
Ja, wie soll ich meine Eindrücke über den Atlantik schicken? Ich weiß auch gar nicht mehr, was in dem letzten Brief stand. Wenn etwas doppelt vorkommt, ist es ja halb so schlimm. Also macht es euch bequem und lauscht dem fernen Flüstern der Tropen!
Bolivien! Ich sitze am Bug eines kleinen Urwalddampfers, der gemütlich im Fahrradtempo dahintuckert, kratze mich und schlage hier und dort nach bösartig summenden Moskitos und danke dabei an den berühmten Film Klaus Kinskis „Aguirre, der Zorn Gottes“ über einen spanischen Eroberer, der sich mit eine Handvoll Abenteurer von der Truppe Pizarros gelöst hat und mit einem Floß einen ähnliches Fluß langgefahren ist -vielleicht war es sogar dieser? [Es war der Amazonas.] Auch vorn sitzend deklamiert er: „Alles Land, rechts und links des Flußes, soweit das Auge reicht, erkläre ich für mein Eigentum!“ Dabei ist nichts zu sehen, nur der Urwald.
Aber wenn man genauer hinsieht – und das Schifflein fährt soweit wie möglich am Ufer, um der starken Strömung in Gegenrichtung zu entgehen – löst sich die grüne Mauer auf und Einzelheiten werden deutlich: Da gibt es riesige Palmen, deren Wedel sich über das Ufer neigen, anderen haben ihre Wedel so hochgestellt, als wenn sie einer unsichtbaren Person ständig Luft zufächeln müßten. Baumriesen, deren Wurzeln schon 1 Meter über der Erde sich ausbreiten, werden von Lianen und Schlingpflanzen überwuchert, die sich so eng um den Stamm schligen, daß dieser beim Wachsen Knoten bildet! Dazwischen weißstämmige Bäumchen, die fast wie ein Birkenwälchen aussehen. Abgestorbene Stümpfe und Baumstämme sind vom Rand in den Fluß gestürzt und gefährden das Schiff, weiße Fischreiher warten geduldig am Ufer, manchmal flattern Scharen bunter Vögel auf, die sich krächzend über das Motorengeräusch aufregen, häufig springen vorn Fische aus dem Wasser, als ob sie neugierig auf die Störenfriede wären, manchmal erhebt sich das rostrote Ufer 10m über das Wasser und man sieht, mit welcher Gewalt die tobenden Fluten in der Regenzeit am Urwald nagen.

Riberalta, der Ausgangspunkt für den Pando-Dschungel Boliviens. Auf den Booten kann man Kautschuk-Rollen erkennen.
Die Luft ist schwül und schwirrt förmlich vor geflügelten Insekten jeder Größe und Bauart, und wenn man das Land betritt, merkt man schnell, daß sich unter der „Grasnarbe“ das Reich der Ameisen befindet, die so groß wie ein Fingerglied sind und dem Menschen die „Herrschaft“ ohne weiteres streitig machen.
Der Gesamteindruck aus der Ferne: Ein stiller, aber gnadenloser Kampf um das bißchen Sonne, das von den höchsten Blätterdächern nach unten gelassen wird – wie viele Männer, die mit Schlangen ringend, zu Pflanzen erstarrt sind. Wir sind im Pando-Dschungel!
Das bedeutet: Hunderte von Kilometern ringsum nur Indianer, Goldsucher und Kautschuksammler. Bei den Indianern hieß der Rio Madre des Dios („Mutter-Gottes-Fluß“) „die Schlange“, weil er sich wie eine endlose Schlange in Mäandern vom Fuße der Anden bis nach Brasilien hinein schlängelt, wo er zu einem Nebenfluß des Amazonas wird.
Wir reisen schon 5 Tage auf dem Schiff, nachdem wir 4 Tage in Hängematten in einem kleinen Hafen auf den Kapitän gewartet haben. Zu essen gibt es Fisch, Kochbananen und den ewigen Reis und das morgens, mittags und – wenn der Maschinist, der gleichzeitig auch Koch ist, Lust hat, abends auch. Zum Glück haben wir uns schon vorher mit Obst eingedeckt, und für alle Fälle haben wir noch eine große Dose Müsli in Reserve. Außerdem haben wir für ca. 2 Wochen Benzin mit und können uns selbst Fisch zu bereiten. Komisch, daß ich erst nach fast 1 1/2 Jahren Südamerika meinen ersten Fisch selbst ausgenommen habe!

Chivé im bolivianischen Teil des Pando nahe der Grenze zu Peru
Wir entscheiden uns nach langer Diskussion mit der Besatzung und einigen Passagieren, eine Tagesreise von der peruanischen Grenze, in einem kleinen Urwalddorf namens Chivé auszusteigen, um, wenn möglich, zu sehen, wie Kautschuk gesammelt wird. Spät in der Nacht erreichen wir unser Ziel, strömender Regen, aber warm, oben am Ufer eine schwankende Funzel, die Taschenlampe des Kapitäns irrt auf und ab, und wir quälen uns in voller Marschausrüstung den glitschigen Abhang hinauf, doch neugierig und zusätzlich noch froh, dem Schiff entkommen zu sein.

Vor der Lagerhalle für Paranüsse in Chivé
Oben stehen ein paar Leute, die flüstern: „dos gringos vienen!“ („zwei Ausländer kommen“) Später erfahren wir: im vorigen Jahr war auch schon einmal einer da – und vor 5 Jahren auch schon mal welche. Unser „Hotel“ ist recht „komfortabel“: eine große Lagerhalle, mit Palmwedeln gedeckt, wo wir unsere Hängematten und Moskitonetze inmitten von Millionen von Paranüssen aufhängen, von draußen beobachtet von Dutzenden von Kindern und anderen Neugierigen.
Außer uns „wohnt“ noch eine andere Familie mit vielen Kindern in dem Schuppen. Sie sind so arm, daß sie kein eigenes Haus haben und außerdem bei dem „patron“, dem Besitzer des ganzen Landes ringsum, verschuldet (solange wie kein eigenes Land bebauen, müssen sie beim „patron“ Lebensmittel kaufen, die doppelt so teuer sind wie sonst üblich). Das Mann kann keine Dinge anbauen, weil er für den patron arbeiten muß, um abzuzahlen, er wird aber nie abzahlen können, weil er Lebensmittel kaufen muß. Aber ich gerate ins Plaudern.

Marsch durch den Urwald (ungefähr hier), fotografiert Ende Juni 1984. Meine damalige Freundin und ich waren auf dem Weg zu einem Kautschuksammler samt Familie. Man hatte uns gesagt, der „Weg“ sei leicht zu finden. Vermutlich hätte Winnetou die Aufgabe als „leicht“ empfunden, wir waren ganz schön verunsichert.
Wir kriegen eine Einladung von einem Siedler und Kautschuksammler, der eine Stunde Fußmarsch [entfernt] im Urwald wohnt, an einem idyllischen, aber braunen Fluß, mit Holzhäuschen und frisch gerodetem Feld, das noch voller verkohlter Baumstümpfe ist, wo aber schon Papaya, Apfelsinen, Reis, Mais und Kürbis wachsen. Bei dieser Gelegenheit kriegen wir Affenfleisch serviert, weil die Leute hier so ziemlich alles essen, was sich bewegt.
Wir gehen mit und lernen, wie man Kautschuk aus den Bäumen zapft, wie man Yucca pflanzt und erntet und sonst allerlei interessante Dinge [gemeint ist Maniok oder Cassava.]


Maniok-Ernte
Abends liegen wir in der Hängematte und betrachten die Sterne, inklusive der ganz klar zu sehenden Milchstraße und dem schon von Kolumbus erwähnten „Kreuz des Südens.“ Wenn nur nicht die Moskitos wären – sie stechen sogar durchs Hemd und durch die Hose, wenn sie eng anliegen.
Nach einigen Tagen marschieren wir ins Dorf zurück, müssen aber insgesamt fast eine Woche warten, bis ein kleines Boot, das noch zwei andere Kähne im Schlepptau hat, Richtung Puerto Maldonado fährt. Wir liegen nachts auf dem Schiff, zusammen mit 200 Säcken Paranüssen, und versuchen, trotz des Motos und der Kälte einzuschlafen. Die Kälte – das ist der „sur“, der Südwind, der alle 2 Wochen kommt, begleitet von heftigen Regengüssen, und die Temperatur innerhalb von zwei Stunden von knapp 40 Grad auf 15 Grad sinken läßt! Was das für den Kreislauf bedeutet! Wir hatten gerade das Pech, auf der letzten „Schiffsreise“ Kälte zu haben, aber jetzt ist es schon wieder wärmer.

Auf dem Rio Madre des Dios kurz vor Puerto Maldonado
Ein anderes Mal fuhren wir mit einem Kahn einen Fluß entlang und mußten ihn ständig schieben – aber das kann ich auch erzählen anhand von Fotos. Die letzten zwei Wochen funktionierte allerdings der Belichtungsmesser der Kamera nicht mehr, weil die Batterie ausgefallen war. Vielleicht sind die Fotos alle zu hell oder dunkel. [Nein, waren sie nicht.] Aber jetzt reicht’s mit dem Urwald.
Wir haben dreimal lange warten müssen, das erste Mal eine Woche [in Reyes], das zweite [Mal] elf Tage [in Riberalta], das dritte Mal 5 Tage [in Chivé], weil entweder unser Flugzeug oder das Schiff einfach nicht aufzutreiben war. Beim ersten mal – als nach 11 Tagen Verspätung die Militärmaschine endlich kam -flog der Pilot erst mal ganz woanders hin – zur brasilianische Grenze [nach Cobija], wo wir eine Nacht auf dem Fußboden einer überfüllten Herberge schlafen mußten, bis es am nächsten Morgen zu unserem eigentlichen Ziel weiterging.

Llallagua in Bolivien. Das Foto zeigt den Eingang der Zinnmine Catavi-Siglo XX. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas. Die Mine war für Touristen geschlossen, wir hatten uns aber eine Sondergenehmigung der Comibol in La Paz geholt.
Ich glaube, in dem letzten Brief hatte ich von unserem Marsch nach Chipaya berichtet. Was ist nicht alles dazwischen passiert! Zum Beispiel: Wir stehen, ausgestattet mit Gummistiefeln, Grubenhelm und Grubenlampe am Eingang der der größten Zinnmine und warten zusammen mit den Bergleuten auf die Bimmelbahn, die uns durch endlose, zugige und feuchte Stollen in den Berg fährt. Mit Leitern geht es auf und ab, das Ganze untermalt vom dumpfen Grollen unterirdischer Sprengungen. In einer Ecke kauert eine hölzerne Gestalt mit bunt bemaltem Gesicht, Konfetti auf dem Kopf, eine Bierflasche und riesigem Penis. Das ist der „tio“ (der Onkel), der Gott und Schutzheilige, dem die Bergleute Bier hinstellen wie dem Klabautermann. Der tio ist vor vielen tausend Jahren, noch vor der Inkazeit, eine Frau gewesen, die Erdgöttin, später, mit der Herausbildung großer Staaten, wurde sie zum Mann wie fast alle Götter der Inkas, und zuletzt gestaltete ihn die katholische Kirche, weil sie seine Verehrung nicht verhindern konnte, zu einem bösen Dämon um, vor dem man Angst haben sollte. Dabei lacht er diebisch und macht sich scheinbar vor den erschrockenen Gringos lustig!

Der Markt von Tarabuco in den bolivianischen Anden
Bolivien – das ist z.B. der Sonntagsmarkt von Tarabuco, hoch in den Anden. Schon am Samstag ziehen endlose Karawanen von hoch bepackten Eseln aus dem Gebirge ins Dorf ein, der Platz füllt sich mit schwatzendem Volk, er werden überall kleine dampfende Köstlichkeiten verkauft, und alles ist frohe Erwartung.
Sonntag früh, als wir unsere Herberge verlassen, ist schon der Bär los. Aber was sind das für Leute! Alle gehen in indianischer Tracht. Die Frauen in langen schwarzen oder blauen Röcken und Jacken, man sieht Lederhüte mit Pickelhauben und Nackenschutz – die Männer tragen einen langen Zopf (unsere ersten männlichen Indianer mit langen Haaren) und Lederhelme, die den Eisenhelmen der Spanier nachgebildet sind. Die Jungen spielen die Charango, die Gitarre [ursprünglich] aus dem Panzer eines Gürteltiers. Viele dicke Frauen mit Zöpfen und mehreren Röcken sind umgeben von rußigen Töpfen, in denen etwas Leckeres brodelt.

Marktszene in Tarabuco – der Mann links mit dem grauen Hut (halb verdeckt) bin ich.
Ein alter Indianer mit grauem Haar, in ganz schwarzer Kleidung und Helm nähert sich langsam B., die gerade ein frisch gekauftes indianisches Hemd angezogen hat und faßt ihr vorsichtig an die Brust, weil er wohl absolut nicht weiß – bei ihren kurzen Haaren -, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. Als es feststeht, neugieriges Gemurmel der umstehenden Frauen, die den Alten anscheinend beauftragt haben.
Bolivien hat uns so gut gefallen, dass wir außer Cusco und Umgebung das restliche Peru-Programm gestrichen haben. Es sieht so aus, daß wir nun doch erst Anfang August wiederkommen werden. (…)


Correos Central (Hauptpostamt) de Lima. Todos dere hos reservados por Roberto Accinelli Tanaka – Juan Bielovueich 1328 Lima 14, Perú
Wir ignorieren die Weltläufte, und ich schwächele immer noch ein wenig und fühle mich bescheiden.
Die letzte Postkarte von meine dritten Lateinamerika-Reise (1984). Es gibt noch mehr Bilder eines Fotografen mit dem Namen, aber der scheint keine Website zu haben.

März 24, 2026 | Kategorie
Lateinamerika,
Peru |
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Ich habe heute meinen Flug nach Israel im Oktober schweren Herzens gecancelt. Ich würde auch unter Beschuss dahin reisen, aber ich hatte geplant, den Norden zu erkunden, was jetzt nicht so entspannend ist. Wer weiß, wie es im Oktober aussieht, aber sicher ist sicher. Also 2027.
Ich werde improvisieren. Ägypten? Albanien? Kosovo? Thailand? Spanien? Tipps nehme ich gern entgegen.
Ich muss aber sparen, weil ich mehrere größere Posten bezahlen muss. Vielleicht kaufe ich auch schon in diesem Jahr einen neuen Niu – mein jetziger hat schon mehr als 17.000 Kilometer auf dem Tacho.
Leichten Herzens bedanke ich mich bei dem edlen Spender H.H.: „Toller Blog, klasse Infos – weiter so! Lese hier schon lange mit und wollt mal was ablatzen. Grössten Respekt für deinen Fleiß und Energie! Mein Tip: Ardbeg Corryvreckan.“ Schon bei der Großbourgeoisie bestellt!
Schweren Herzens nehmen wir Abschied von dem Kuba, das wir kennen. Es wird so ausgehen wie in allen ehemaligen „sozialistischen“ Staaten.

Der Autor in San Fernando de Atabapo
Michael Roberts schreibt auf seinem Blog über „Venezuela: the end game“. Er rezensiert Venezuela in Crisis – Socialist Perspectives, herausgegeben von Anderson M. Bean. Ich habe mir das Posting übersetzen lassen, es umformuliert und Links hinzugefügt.
Der Artikel bestätigt, was ich bisher hier über Venezuela geschrieben habe. Venezuela war nie ein „sozialistischer“ Staat. Maduro verhielt sich zu Chavez wie Stalin zu Lenin. Noch mehr: Die Machtübernahme Maduros nach dem Tod Chavez war ein reaktionärer Putsch in „linkem“ Kostüm. Die Frage, die das Buch nicht beantwortet: Wie konnte das passieren?
Die Entführung von Venezuelas Präsident Maduro und seiner Ehefrau durch US-Militärkräfte, die anschließende Machtübernahme durch Vizepräsidentin Rodríguez und ihre Zustimmung, den USA die Kontrolle über Venezuelas Ölexporteinnahmen zu überlassen und US-Energie-Multis ins Land zu holen – all dies signalisiert das Endspiel der chavistischen Revolution, die vor über 25 Jahren begann. Daher ist es sehr passend, dass nun ein neues Buch darüber erschienen ist, was in Venezuela geschehen ist, um an diesen Punkt zu gelangen.
Unter dem Titel Venezuela in Crisis und veröffentlicht bei Haymarket Books versammelt das Buch „einige der wichtigsten marxistischen, sozialistischen und antikapitalistischen Denker Venezuelas, die verschiedene linke politische Traditionen und Organisationen repräsentieren“. Diese spanischsprachigen Autoren wurden übersetzt, sodass englischsprachige Leser die Argumente und Erfahrungen der venezolanischen Linken nachvollziehen können. Einige Mitwirkende dienten im Kabinett von Chávez und sind inzwischen zu Kritikern der Maduro-Regierung geworden. „Diese Stimmen einem englischsprachigen Publikum zugänglich zu machen, ermöglicht es den Lesern, sich mit den aktuellen Debatten und Perspektiven der venezolanischen Linken auseinanderzusetzen.“
Herausgegeben wurde das Buch von Anderson Bean von der North Carolina Agricultural and Technical State University, der bereits zuvor über Venezuela geschrieben hat. Sein einleitendes Kapitel vermittelt dem Leser die Essenz der Beiträge des Buches. Bean beginnt mit dem Hinweis, dass die chavistisch-bolivarische Revolution in Venezuela in den 2000er-Jahren für viele im sogenannten Globalen Süden eine Inspiration war – vielleicht sogar mehr noch als die kubanische Revolution der 1960er-Jahre. Die Wahl von Hugo Chávez im Jahr 1998, nach Jahrzehnten korrupter, pro-kapitalistischer und pro-US-amerikanischer Regierungen, war ein frischer Wind. In den darauffolgenden Jahren „verbesserte die Chávez-Präsidentschaft das materielle Wohlergehen der Venezolaner, sorgte für größere soziale Gleichheit und stärkte gesellschaftliche Gruppen, die traditionell vom politischen Prozess ausgeschlossen waren.“

Caracas, Venezuela, Anfang März 1998
Bean argumentiert, dass es drei zentrale Komponenten der Chávez-Präsidentschaft gab: Erstens die Neufassung der Verfassung zur Förderung breiter Bürgerbeteiligung und umfassender Menschenrechtsschutzbestimmungen; zweitens die Umverteilung der Ölgewinne über verschiedene Sozialprogramme, wodurch die offizielle Armutsquote um 37,6 % und die „extreme Armut“ um 57,8 % gesenkt wurde.Bis 2008 hatte Venezuela zudem den höchsten Mindestlohn in ganz Lateinamerika, und die Ungleichheit im Land sank auf einen der niedrigsten Werte in Amerika. Bis 2011 war Venezuela das zweitgleichste Land der westlichen Hemisphäre – nur Kanada wies eine geringere Ungleichheit auf. Und drittens – was Bean als „am transformativsten“ bezeichnet – die Machtübertragung an die Volkssektoren durch neue Formen von Volksversammlungen sowie Experimente mit Arbeiterkontrolle und Gemeinderäten.
Doch ab 2013 geriet alles massiv aus dem Ruder. Zwischen 2013 und 2021 schrumpfte Venezuelas BIP um 75 %, die Inflation erreichte 2018 mit 130.000 % den höchsten Wert weltweit. Der Anteil der als arm eingestuften Haushalte stieg von 48,4 % im Jahr 2014 auf 81,5 % im Jahr 2022. Der monatliche Mindestlohn von 2,23 US-Dollar war damals der niedrigste in ganz Lateinamerika. Tatsächlich entsprach der monatliche Mindestlohn nur 0,15 US-Dollar pro Tag – achtmal weniger als die damalige Weltbank-Grenze für absolute Armut von 1,25 US-Dollar pro Tag. Zum Vergleich: Unter Chávez lag der monatliche Mindestlohn bei 300 US-Dollar – über 60-mal höher.
Der Zusammenbruch der Realeinkommen und der starke Anstieg der Armut in den 2010er-Jahren führten zu einer Migrationskrise. Seit 2016 sind Millionen Venezolaner aus dem Land geflohen, um im Ausland Arbeit zu suchen und Geld in die Heimat zu schicken. Heute wird die Zahl der venezolanischen Flüchtlinge und Migranten weltweit auf rund 7,7 Millionen geschätzt – etwa 20 % aller Venezolaner. Venezuela weist nun die höchste Zahl Vertriebener in Lateinamerika und die zweithöchste weltweit auf, nur hinter Syrien.
Was erklärt diesen Absturz von Inspiration zu Albtraum? Bean nennt zwei Ursachen. Die erste waren die von den USA verhängten Sanktionen gegen Venezuela sowie mehrere Versuche des US-Staates in Zusammenarbeit mit der venezolanischen rechten Opposition, die venezolanische Wirtschaft zu untergraben, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Der US-Imperialismus betrachtete Venezuela als Bedrohung – insbesondere wegen Chávez’ Renationalisierung der Ölindustrie und seines Versuchs, Handelsbeziehungen mit anderen lateinamerikanischen Ländern außerhalb des von den USA geführten Handelsrahmens aufzubauen und Unterstützung bei Handel und Investitionen etwa aus China zu suchen. Der frühe Erfolg der chavistischen Präsidentschaft war ein Dorn im Auge.
Bereits 2002 versuchten die USA in Zusammenarbeit mit der venezolanischen Wirtschaftselite einen Staatsstreich gegen Chávez. Er wurde für 47 Stunden aus dem Amt entfernt, bevor er durch massive Mobilisierungen der Bevölkerung wieder eingesetzt wurde. Von Ende 2002 bis Anfang 2003 unterstützten die USA einen Öl-Lockout, um die Produktion zum Stillstand zu bringen und Chávez zum Rücktritt zu zwingen. 2014 unterstützten die USA erneut die venezolanische Rechte bei gewaltsamen Straßenprotesten („guarimbas“), die den „Abgang“ Maduros forderten. Im Januar 2019 unternahmen die USA in Zusammenarbeit mit Teilen der venezolanischen Rechten einen weiteren Putschversuch, als Juan Guaidó sich verfassungswidrig selbst zum Präsidenten erklärte. Nachdem dieser Versuch scheiterte, folgte im April 2019 ein weiterer – ebenfalls erfolglos.
Zwar scheiterten diese Putschversuche, doch es folgte eine Vielzahl wirtschaftlicher Sanktionen. Unter Trumps Sanktionen wurde US-Institutionen und -Bürgern der Handel mit venezolanischen Staatsschulden untersagt. Alle Staatsvermögen wurden eingefroren. Das Land wurde daran gehindert, seine Auslandsschulden umzustrukturieren oder Zahlungspläne zu ändern. Zahlungen aus Programmen mit Vorzugskonditionen für Öl wurden blockiert. Der Verkauf von Milliarden an Handelskrediten wurde untersagt. Sanktionen versperrten Venezuela zudem den Zugang zu seinem wichtigsten Ölmarkt, den USA, und beschlagnahmten im Ausland gehaltene Vermögenswerte wie das US-Unternehmen Citgo, auf dessen Einnahmen der Staat angewiesen war. Allein 2018 führten diese Maßnahmen zu einem Verlust von 6 Milliarden US-Dollar an Öleinnahmen. Sanktionen froren 17 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten ein und verursachten 2019 Exporteinbußen von rund 11 Milliarden US-Dollar – etwa 30 Millionen pro Tag.
Das in Washington, D.C. ansässige Center for Economic and Policy Research veröffentlichte 2019 einen Bericht über die Auswirkungen der US-Sanktionen auf Venezuela. Zwischen 2017 und 2018 sollen die Sanktionen schätzungsweise 40.000 Venezolaner das Leben gekostet und viele weitere in extreme Unsicherheit gestürzt haben. Über 300.000 Menschen gerieten durch Medikamenten- und Gesundheitsmangel in Gefahr, darunter 80.000 HIV-Positive ohne Zugang zu antiretroviralen Medikamenten. Auch für 16.000 Dialysepatienten, 4 Millionen Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck sowie 16.000 Krebspatienten wurde die Versorgung mit notwendigen Medikamenten extrem schwierig.
Doch die Autoren des Buches betonen, dass der Zusammenbruch Venezuelas nicht allein dem US-Imperialismus und seinen Sanktionen angelastet werden könne. Neben den Schäden durch Sanktionen sei ein weiterer Hauptfaktor das wirtschaftliche Missmanagement und das neoliberale Programm der zunehmend autoritären Maduro-Regierung gewesen. Mainstream-Ökonomen behaupten, der Zusammenbruch sei Folge des Sozialismus; während viele Linke das Maduro-Regime als sozialistisches Beispiel verteidigen. Beide Seiten liegen falsch. Bean und die anderen Autoren akzeptieren nicht, dass Chávez (und später Maduro) eine sozialistische Wirtschaft etabliert hätten oder dass Venezuela sich auf einem „Weg zum Sozialismus“ befunden habe.
Wie ich in meinen eigenen Beiträgen zu Venezuela argumentiert habe, beruhte Chávez’ relativer Erfolg bei der Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Rohstoffboom der 2000er-Jahre. Hohe Öl- und Gaspreise führten schon bei moderaten Steuer- und Abgabenerhöhungen zu enormen Staatseinnahmen. Diese ermöglichten höhere Sozialausgaben und eine Verbesserung des Lebensstandards.
Doch wie Bean hervorhebt, geschah dies ohne grundlegende Veränderung der venezolanischen Eigentumsverhältnisse. „Es gab keine echte Transformation der gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse, keine Veränderung der internationalen Arbeitsteilung und keine Herausforderung der Vorrechte des transnationalen Kapitals.“ Der Privatsektor dominierte weiterhin die Wirtschaft. Zwischen 1999 und 2011 stieg sein Anteil an der Wirtschaftsleistung sogar von 65 % auf 71 %. Auch zentrale Branchen wie Nahrungsmittelimporte, Pharma oder Autoteile blieben privat kontrolliert.
Selbst dort, wo der Staat Produktionsmittel besaß – etwa beim staatlichen Öl- und Gasunternehmen PDVSA – lag die Kontrolle bei der Staatsbürokratie, nicht bei den Arbeitern. Chávez selbst sagte: „Wer würde behaupten, Venezuela sei ein sozialistisches Land? Nein, das wäre Selbsttäuschung. Wir leben noch im Kapitalismus; wir haben nur einen Weg begonnen…“ Entscheidend war zudem, dass es keinen Bruch mit der Abhängigkeit vom Export von Rohstoffen und Kohlenwasserstoffen gab. Im Gegenteil, die Ölabhängigkeit nahm sogar zu.
Mit dem Ende des Rohstoffbooms 2013 endete auch der „Kompromiss“ mit dem venezolanischen Kapital. Bis 2015 waren die Preise auf ein Zwölfjahrestief gefallen. Gleichzeitig starb Chávez, und Maduro übernahm. Die Frage war nun: Wer würde die Krise bezahlen?

Das Geld sieht jetzt anders aus.
Die Antwort zeigte sich bald. Laut dem Ökonomen Luis Salas gebe es „nicht viel Unterschied zwischen dem Wirtschaftsprogramm der Opposition und dem der Regierung“. Der Unterschied liege lediglich in den Partnern – Russen, Chinesen oder Türken statt Amerikanern oder Europäern. Auch Roberto López argumentiert, dass mit Maduros Amtsantritt 2013 das anti-neoliberale Programm fast vollständig aufgegeben worden sei. Trotz radikaler Rhetorik habe Maduro neoliberale Maßnahmen eingeführt – im Rahmen wachsender Autorität.
2016 öffnete die Regierung den Orinoco-Bergbau-Gürtel für Ausbeutung. 2021 wurden Sonderwirtschaftszonen für kapitalistische Unternehmen geschaffen, steuer- und regulierungsfrei. 2018 wurde das Streikrecht abgeschafft. Mit dem sogenannten Anti-Blockade-Gesetz 2020 setzte Maduro faktisch die Verfassung außer Kraft. Große Industriezweige – Öl, Eisen, Aluminium, Gold, Diamanten – wurden privatisiert, teils rückgängig gemacht, was zuvor verstaatlicht worden war.
Schlimm sei vor allem die Vetternwirtschaft. Der venezolanische Staat sei zu einer Piñata geworden, in der eine politisch-militärische Kaste Ressourcen und Privilegien verteile, um Loyalität zu sichern. Selbst Fedecámaras – der Unternehmerverband, der 2002 eine Schlüsselrolle beim Putsch gespielt hatte – wurde wieder eingebunden.
Die Schlussfolgerung der Autoren lautet, dass viele Beobachter im Globalen Norden ungewollt einem Regime Glaubwürdigkeit verliehen hätten, das sozialistische Sprache nutze, um autoritäre und arbeiterfeindliche Praktiken zu verschleiern. Gescheitert sei nicht der Sozialismus, sondern das Versäumnis, tatsächlich sozialistische Politik umzusetzen und die Arbeiterbewegung im Kampf gegen US-Imperialismus zu vereinen.
Im Februar 2026 liegt die Rodríguez-Administration nun vor dem US-Imperialismus am Boden. Die Trump-Regierung agiert vorsichtig und hat Maduro bislang nicht durch die rechte, marktliberale und (ironisch gemeint) „Friedensnobelpreisträgerin“ María Machado ersetzt, um Unruhen oder gar Bürgerkrieg zu vermeiden. Stattdessen zwingt sie Rodríguez schrittweise zur Zustimmung zu ihren Forderungen, um spätere Wahlen vorzubereiten, die ein klar pro-US-Regime an die Macht bringen könnten. Bei einem gemeinsamen Auftritt im Präsidentenpalast Miraflores erklärte US-Energieminister Chris Wright: „Wir wollen das venezolanische Volk und die Wirtschaft befreien.“ Eine Umfrage von Gold Glove Consulting ergab, dass Machado bei Neuwahlen mit 67 % deutlich vor Rodríguez (25 %) liegen würde. 72 % der Befragten meinten, Venezuela bewege sich nach Maduros Festnahme „in eine positive Richtung“.

Mädchen aus Elorza, Venezuela 1998

Die Juden sind wieder mal schuld. Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez meint, hinter dem Angriff der USA stecke der Zionismus. Das hatte Maduro auch schon gesagt. Wie kann man so etwas öffentlich behaupten, ohne ausgelacht zu werden?
Die ehemals große jüdische Community von Venezuela kämpft ums Überleben. „Die Geschichte der jüdischen Gemeinde des Landes reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, als sefardische Juden von den Karibikinseln aufs Festland übersiedelten. Ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts kamen Aschkenasim aus Osteuropa, und 1939 gewährte das Tropenland jüdischen Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland Asyl. Als Hugo Chávez 1998 zum Präsidenten gewählt wurde, lebten etwa 25.000 Juden in Venezuela. Heute sind es noch rund 7000, doch genau weiß das niemand.“
Übrigens: Das Publikum merkte an, dass es auch schon vor Chavez „Schlamperei“ gegeben hat. Als ich in Venezuela war, war der typisch südamerikanische „Caudillo“ noch nicht an der Macht. Schlamperei? Die ist in Venezuela kein Bug, sondern ein Feature.
Man hat mir dazu eine Geschichte erzählt. Zwischen Puerto Ayacucho im Süden und San Fernando de Atabapo gibt es keine Straßen. Das Flugzeug ist zu teuer, also fahren die meisten Leute, die in diese Einöde am Ende der Zivilisation wollen, mit dem Boot. Es gibt nur eines. Ich habe darüber schon am 20.04.2023 geschrieben:

„No existe ningun. Kein Transport, nirgends. Also nur vier Boote für die ganze Region, die halb so groß ist wie ganz Deutschland, und von denen garantiert so viele oder so wenige schwimmfähig sind wie die bei der Bundesmarine. Damals gab es nur eins, und ob die Reise damit losging, hing davon ab, ob der Kapitän und Besitzer sich am Abend vorher mit Damen vergnügt und vollgesoffen hatte oder nicht. Das erzählten mir die Mitreisenden.
Ich habe noch ein Foto gefunden, dass ich bei dieser – oben erwähnten – Reise per Boot gemacht habe – in Samariapo. Dorthin hatte uns ein LKW aus Puerto Ayacucho gebracht und damit die unbefahrbaren Stromschnellen des Orinoco umgangen. Vermutlich habe ich das Foto unweit des Comando Fluvial Puesto Samariapo geschossen.“
Wie denkt der preußisch erzogene Deutsche, wenn er für das einzige Transportmittel einer ganzen Region verantwortlich ist? In Kategorien wie Soll und Haben, Rücklagen bilden. Wo ist der nächste Mechaniker? Rendite und Abschreibung. Nicht so in Venezula: Als das Schiff kaputtging, habe der Kapitän gesagt, er hätte kein Geld, da er alles bei Parties und für Frauen ausgegeben hatte. Also musste ihm die Regierung ein neues Schiff kaufen, was dauerte. Es fuhr in der Zeit keins.
Also keine protestantische Arbeitsethik vorhanden. Nirgends. Das sagen die Venezolaner: Wenn du jemanden arbeiten sieht, ist es ein Kolumbianer.

Postscriptum: Das Publikum sorgte sich um meine Hängematte. Der geht es gut (Foto von gestern).

Screenshot aus einem russischen Propagandavideo, daher automatisch voll gelogen
Wenn ich jetzt die Regierung Venezuelas wäre, würde ich möglichst schnell freie Wahlen verkünden unter Aufsicht von Beobachtern aus Spanien, Argentinien, Deutschland und den USA. Dann würde sich herausstellen, was das Volk denkt. Und Trump hätte ein Problem, falls die Wähler doch lieber kein Marionettenregime der USA wollten.
Ich glaube aber nicht, dass Maduros Clique eine Mehrheit bekäme. Unter Chavez wäre das noch etwas anderes gewesen. Der hat das Land auch nicht ruiniert.
Die russischen Qualitätsmedien schreiben: „US-Präsident Donald Trump sieht nach der gewaltsamen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Neuwahlen in dem südamerikanischen Land derzeit nicht als Priorität. „Wir werden zur richtigen Zeit Wahlen haben, aber das Wichtigste ist, dass sie das Problem lösen. Das Land ist kaputt […] Derzeit wollen wir erst einmal die Ölindustrie wieder in Gang bringen, das Land wieder aufbauen, es wieder auf die Beine stellen und dann Wahlen abhalten“.
Schon klar. Wahlen würden die Bevölkerung nur beunruhigen.
Im übrigen muss man dem US-Imperialismus dankbar sein, dass der Antisemit und Terroristen-Unterstützer Maduro weg ist.
Am 3. Januar 2026 veröffentlichte die libanesische Tageszeitung Al-Nahar einen Artikel, in dem behauptet wird, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro – der zuvor am selben Tag bei einer US-Razzia abgesetzt und nach New York City gebracht worden sein soll [1] – der libanesischen Hisbollah 10.000 venezolanische Pässe zur Verfügung gestellt habe. Einige dieser Pässe seien von Offizieren des Assad-Regimes in Syrien benutzt worden, um aus dem Land zu fliehen. (Quelle: MEMRI)

Screenshot aus einem russischen Propagandavideo, daher automatisch voll gelogen – man sieht die üblichen Verdächtigen mit Hamas-freundlichen Halstüchern.
Was an Venezuela war „links“?
Ich habe mir eine Übersicht über die Wirtschaftspolitik unter Maduros Vorgänger Hugo Chavez machen lassen.
Venezuelas Wirtschaft unter Hugo Chávez
Zwischen 1999 und 2013 setzte die Regierung von Hugo Chávez auf staatliche Kontrolle,
Verstaatlichungen sowie umfangreiche Sozialprogramme – finanziert vor allem durch Öleinnahmen.
Zeitraum: 1999–2013
Schwerpunkte: Ölpolitik, Devisen- und Preiskontrollen, Verstaatlichungen
Mit seinem Amtsantritt 1999 leitete Hugo Chávez einen grundlegenden Kurswechsel der venezolanischen Wirtschaftspolitik ein. Der Staat übernahm zunehmend die Steuerung zentraler Wirtschaftsbereiche.
1) Ölpolitik
Der Ölsektor wurde zur zentralen Einnahmequelle und politischen Schaltstelle. Der Staat stärkte seine Kontrolle über Förderung, Joint Ventures und Einnahmen.
2) Devisenkontrollen
Ab 2003 regulierte der Staat den Zugang zu Fremdwährungen. Unternehmen waren für Importe auf staatliche Dollarzuteilungen angewiesen.
3) Preisregulierung
Preisobergrenzen für Grundgüter sollten soziale Härten abfedern, führten jedoch häufig zu Knappheit und Produktionsrückgang.
4) Verstaatlichungen
Schlüsselindustrien wie Energie, Telekommunikation und Teile des Finanzsektors wurden schrittweise in staatliches Eigentum überführt.
5) Landreform
Durch neue Agrargesetze wurde Land umverteilt und stärker staatlich kontrolliert, mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit im ländlichen Raum.
6) Sozialprogramme
Ab 2003/04 wurden die „Bolivarianischen Missionen“ zu einem zentralen Instrument der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Sie zielten auf Gesundheit, Bildung und Ernährungssicherheit (z. B. Barrio Adentro, Robinson, Mercal)
Wie ich schon mehrfach schrieb: Verstaatlichung im Kapitalismus ist keine Lösung, wenn die staatlichen Institutionen nicht strikt kontrolliert werden und transparent handeln. „Preisregulierung“ ist so etwas wie „fairer Lohn“, also Quatsch.

Meine Hängematte stammt aus Tintorero bei Quibor im venezolanischen Bundesstaat Lara. Das Mädel war im Verhandeln eisenhart und gefiel mir außerordentlich. Die Hängematten werden von einer Kooperative hergestellt und verkauft, und man hat dort Festpreise, was extrem un-südamerikanisch ist.
„Die Wirtschaftspolitik von Hugo Chávez und Nicolás Maduro wird oft in einem Atemzug genannt, unterscheidet sich aber in Zielsetzung, Handlungsspielraum und konkreter Umsetzung deutlich. Maduro übernahm kein „identisches Modell“, sondern verwaltete und veränderte ein bereits stark verzerrtes System unter völlig anderen Rahmenbedingungen.“
Im Folgenden die zentralen Unterschiede, strukturiert und vergleichend:
Ausgangslage und Handlungsspielraum
Chávez (1999–2013)
– Regierte überwiegend bei hohen Ölpreisen (v. a. 2004–2012)
– Verfügte über hohe Einnahmen zur Finanzierung von:
– Sozialprogrammen
– Subventionen
– Importen
– Konnte wirtschaftspolitische Fehler durch Ölrenten kaschieren
– Politisch charismatisch, mit starker Massenmobilisierung
Maduro (ab 2013)
– Amtsantritt nach dem Ende des Ölbooms
Konfrontiert mit:
– sinkender Ölproduktion
– Devisenmangel
– massiver Auslandsverschuldung
– internationalen Sanktionen
– Stark eingeschränkter Handlungsspielraum
– Geringere politische Legitimation
➡️ Kernunterschied:
Chávez gestaltete mit Geld – Maduro verwaltete den Mangel.
Preis- und Devisenkontrollen
Chávez:
– Einführung der Devisenkontrollen (CADIVI) ab 2003
– Preisobergrenzen für Grundgüter
Ziel:
– Inflation dämpfen
– Versorgung sichern
Probleme vorhanden, aber durch Importe überdeckt
Maduro:
– Beibehaltung und radikale Verschärfung (2013–2018)
Folgen:
– Hyperinflation
– Schwarzmärkte
– flächendeckende Knappheit
Ab ca. 2019:
– faktische Aufgabe vieler Kontrollen
– informelle Dollarisierung
➡️ Paradox:
Maduro demontierte Teile des Chávez-Modells – ohne es offen zuzugeben.
Wisst ihr Bescheid.
Januar 5, 2026 | Kategorie
Politics,
Venezuela |
9 Kommentare
Das argentinische Blog de Abel [der Journalist Abel Veiga, auch hier in der Blogroll] : „Deshalb muss ich sagen, dass Trumps „wahres“ Motiv für die Festnahme Maduros darin bestand, dass er kalkulierte, es ohne großen Aufwand tun zu können.
Die hochentwickelte Ausrüstung, die Venezuela von Russland und China kaufte, war als Abschreckungsmittel gegen einen Feind, der keine ausländischen Waffen benötigte, nutzlos. In dieser Lektion schwingt ein Hauch von Machiavelli mit.
Eine weitere Schwäche Maduros spiegelt die Lehren des Florentiners wider: Es ist offensichtlich, dass der venezolanische Präsident nicht die volle Unterstützung seines eigenen Sicherheitsapparats genoss. Jemand, oder mehrere Personen, haben ihn verraten.“
Interessant auch die Analyse von Ron Ben-Yishai auf ynet.com:
„US-Präsident Donald Trump befahl seinem Militär, das Regime in Venezuela aus einer Reihe wirtschaftlicher, strategischer und politischer Gründe anzugreifen und zu stürzen. Obwohl einige dieser Gründe aus juristischer und völkerrechtlicher Sicht gerechtfertigt sein können, stellte Venezuela keine existenzielle strategische Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Selbst die Drogen und illegalen Migranten, die Venezuela – und nach Angaben Washingtons der Präsident und starke Mann Nicolás Maduro persönlich – in großer Zahl in die USA schickten, stellten weder eine besonders gefährliche noch eine neue Bedrohung dar.
Chinas zunehmender Einfluss auf die zusammenbrechende Wirtschaft von Caracas, der Venezuela faktisch zu einem chinesischen Satellitenstaat gemacht hat, rechtfertigte an sich keine US-amerikanische Übernahme. (…)
Die Folgen von Trumps überraschendem Vorgehen in Venezuela dürften sich auch auf den Iran auswirken. Oberster Führer Ali Khamenei wird Trumps implizite Drohungen, gegen das Regime in Teheran vorzugehen, sollte es protestierende Bürger töten, nun wohl ernster nehmen, da Venezuela ein strategischer Verbündeter des Iran und Partner bei der Umgehung der US-Sanktionen war. Aus Sicht der Islamischen Republik ist der nächtliche Angriff auf Venezuela eine schlechte Nachricht und ein weiterer Schlag für das Regime der Ayatollahs. (…)
Schließlich ist die kühne Operation in Caracas auch ein schwerer Schlag für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Russland war ein Verbündeter Venezuelas und sollte dem Land Sicherheit gewährleisten; Putins Leute waren für Venezuelas Sicherheits- und Luftverteidigungssysteme verantwortlich, die im Kampf gegen das US-Militär beinahe kampflos zusammenbrachen.“
Januar 4, 2026 | Kategorie
Politics,
Venezuela |
10 Kommentare
Meine hier schon geäußerte Meinung über das venezolanische Miltär hat sich bestätigt.
Die in Englisch erscheinende Zeitung Caracas Cronicles fragt:
Wo ist das Militär?
„Sie schienen überrascht zu sein, und kein US-Flugzeug wurde abgeschossen. Die offensichtliche Geschwindigkeit, mit der Maduro abgeführt wurde, deutet darauf hin, dass er bereits gefangen genommen war, als die US-Flugzeuge in das Tal von Caracas eindrangen. Uns liegen keine Berichte darüber vor, dass das venezolanische Militär die US-Truppen zurückgeschlagen oder sich an Kämpfen beteiligt hätte. Es gibt Berichte über verwundete Offiziere, die im Militärkrankenhaus in Caracas behandelt werden.“
Das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt: „Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump sind bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela »viele« kubanische Staatsbürger getötet worden. »Viele Kubaner haben letzte Nacht ihr Leben verloren«, sagte Trump in einem Interview mit der »New York Post«. »Sie haben Maduro beschützt. Das war kein guter Zug«.“


Das Foto zeigt einen Ara (Englisch Macaw, Spanisch/Nahuatl: Guacamaya), Fotograf Donald Forbes
Postkarte aus Venezuela: Coro, 19.1. [1998]
Liebe Eltern, bin gut angekommen, 44 Stunden Berlin-Coro. Chaos in Madrid, Ankunft abends in Caracas, zu Fuß quer durch die Stadt zum Busbahnhof. Leute sind sehr freundlich + hilfsbereit. Kam um 5 Uhr morgens in Coro ab (kleiner als Unna). Sonnenaufgang vor der Kathedrale, in der vor 400 Jahren meine Bergleute saßen. 35 Grad, ich bade im Meer und bin schon schwarzbraun. Venezuela ist leider teuer, man gibt 20 DM pro Tag aus, wenn man auf jeglichen Komfort verzichtet. Übernachte in einer Spelunke, ohne Fenster und mit Schaben – aber alles abenteuerlich, wie es sein soll…
Was haben wir heute? Die USA haben den venezolanischen Präsidenten festgenommen und entführt. Dürfen die das? Jetzt ist die völkerrechtliche Expertise Annalena Baerbocks gefragt. Hatten sie Hilfe vom Mossad?

Die bürgerliche Presse schreibt: „Mit der Gefangennahme von Machthaber Maduro hat Trump die Verhältnisse in Venezuela auf den Kopf gestellt. Weil er es kann.“
Ja, der US-Imperialismus betrachtet Lateinamerika als seinen Hinterhof.
– Mexiko (1846–1848): Mexikanisch-Amerikanischer Krieg – USA besetzen große Teile Mexikos; Annexion u. a. von Kalifornien und Texas.
– Nicaragua (1855–1857): Unterstützung des US-Filibusters William Walker, der sich selbst zum Präsidenten erklärt.
– Kuba (1898; 1906–1909; 1912; 1917–1922): Militärische Besetzungen nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg.
– Panama (1903; mehrfach bis 1935): Militärische Präsenz zur Abspaltung von Kolumbien und Sicherung des Panamakanals.
– Honduras (1903–1925, mehrfach): Interventionen zum Schutz US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen (Bananenkonzerne).
– Nicaragua (1912–1933) – Langjährige militärische Besetzung; Kampf gegen Augusto César Sandino.
– Haiti (1915–1934) – Militärische Besetzung und Kontrolle von Regierung und Finanzen.
Dominikanische Republik (1916–1924): US-Militärregierung nach innenpolitischer Krise.
– Guatemala (1954) – Militärische Unterstützung beim Sturz der gewählten Regierung Árbenz.
– Kuba (1961): Invasion in der Schweinebucht – gescheiterter Angriff exilkubanischer Truppen unter US-Führung.
– Dominikanische Republik (1965): Entsendung von über 20.000 US-Soldaten im Bürgerkrieg.
– Grenada (1983): Invasion nach marxistischem Putsch (Operation Urgent Fury).
– Panama (1989): Invasion zur Absetzung von Manuel Noriega (Operation Just Cause).
– Haiti (1994): Militärintervention zur Wiedereinsetzung von Präsident Aristide.
– Kolumbien (ab 2000): Militärische Unterstützung und Truppenpräsenz im Rahmen von Plan Colombia (Drogenkrieg).
Nicht enthalten sind:
– verdeckte CIA-Operationen (z. B. Chile 1973),
– wirtschaftlicher oder politischer Druck,
– Unterstützung von Militärdiktaturen ohne formellen Truppeneinsatz.

Postkarte aus Bolivien, 11.04.1984, an Verwandte.
„Descansando“ – cerca Tarabuco – Provincia de Yamparáez
Über den Fotografen Roger Yorke habe ich noch eine interessante Geschichte gefunden: „Subsequent investigation revealed that Yorke had lived in South America for nine years and operated a store in La Paz as a vehicle through which he could purchase Indigenous textiles“. (…) In January 1990, Roger Yorke was charged with illegally importing Bolivian cultural property into Canada.“

Januar 1, 2026 | Kategorie
Bolivia,
Lateinamerika |
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