Demut und der Druck, fit zu bleiben

Muskeln

Mit Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben? bin ich fast durch. Ich muss ständig schmunzeln oder losprusten wegen des abgrundtiefen und erholsamen Zynismus, von dem das Buch nur so trieft. Ehrenreich ist Wissenschaftsjournalistin, kann extrem komplexe Sachverhalte verständlich darstellen und glaubt grundsätzlich niemandem auch nur ein Wort, solange man das nicht auf drei verschiedene Arten beweisen kann. Sämtliche Gesundheits-und Wellness-Gurus kriegen ihr Fett ab, und viele Wissenschaftler, die auf irgendeinen Mainstream meinten aufspringen zu müssen, auch.

Falls man daraus eine Lehre ziehen kann, dann ist es wohl Demut. Trotz unserer vielgepriesenen Intelligenz und „Komplexität“ sind wir nicht die alleinigen Lenker unserer Geschicke oder überhaupt von irgendwas. Man kann verbissen seine Fitnessübungen machen und nach den neuesten Moden der Ernährungswissenschaft essen und trotzdem am Stich einer Biene sterben. Auch schlank und beispielhaft fit kann man einen Makrophagen in sich tragen, der beschließt, mit einem heranwachsenden Tumor gemeinsame Sache zu machen. (…) Der Druck, fit und schlank zu bleiben und den eigenen Körper im Griff zu haben, lässt im Alter keineswegs nach: Vielmehr werden die Daumenschrauben angezogen. Familienmitglieder und Ärzte bearbeiten Ältere, sich in einem Fitnessstudio anzumelden, „gesund zu essen“ oder allermindestens tägliche Spaziergänge zu unternehmen. Wer darauf gehofft hat, nach Jahrzehnten von Stress oder körperlicher Schwerstarbeit in einen Lehnstuhl oder eine Hängematte zu sinken, wird möglicherweise enttäuscht.

Lesenswert für Leute, die gern „Wellness“ machen (die Lektüre ersetzt mehrere kalte Duschen).

Unter Mailinglistenabbestellern

Mailingliste

Nein, und nochmals nein! Ich habe nie eine Mailingliste „Mailingliste“ bestellt!

Lokal, entschleunigte Bahn und ein Archiv

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Ich finde Lokalbahnen ganz großartig. In den sechziger Jahren fuhr von Unna nach Dortmund und dessen Vorstädte in knallroter Schienenbus, der noch richtig ruckelte. Jetzt ist sie grün und eine S-Bahn, fährt aber immer noch von einem abgelegenen Gleis ab.

Und welchen Bahnhöfen man begegnet! Unna-West, „mäßig besucht“, har har – kann man die täglichen Fahrgäste in einer oder zwei Händen abzählen?

Unna-Königsborn – der Zug wechselt die Fahrtrichtung und braucht dazu gefühlt eine halbe Stunde. Entschleunigung pur.

Dortmund-Massen: „Nachdem das Durchgangslager für Flüchtlinge und Spätaussiedler 1951 von Siegen nach Massen als Landesstelle Unna-Massen verlegt worden war (eine der größten Aufnahmestellen im Bundesgebiet), wurde Massen angesichts der hohen Zahlen an Flüchtlingen aus der Deutschen Demokratischen Republik erstmals Anfang der 1960er und erneut Ende der 1980er Jahre über die Landesgrenzen hinaus bekannt.“ Ich wusste das schon immer.

Dortmund-Asseln: Wieso denke ich immer an kleine hässliche Tiere? Ein ekelhafter Name für einen Ort.

Dortmund-Brackel (das „a“ spricht man lang aus): Im dortigen Knappschaftskrankenhaus wurde meine kleine Schwester geboren.

Dortmund-Stadthaus: Im Südbad habe ich schwimmen gelernt, das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her.

Heute war ich im Dortmunder Stadtarchiv, das in Sichtweite der S-Bahn-Station Stadthaus liegt, um etwas über meinen Großvater herauszufinden. Gleichzeitig musste ich mich auch daran erinnern, wie man Microfiches liest. Hat Spaß gemacht!

Ich sehe was, was du wahrscheinlich nicht siehst [Update]

Evangelische Stadtkirche unna

Das Foto zeigt unter anderem den Marktplatz von Unna. Das Stammpublikum kennt das. Auf dem Bild sind aber zwei Dinge merkwürdig. Mal sehen, ob ihr das herausfindet. (Für die mitlesenden investigativen Reporter: warum?)

[Update] Da ist was vom Turm gefallen, das untere Foto erklärt alles. Ganz unten sieht man auch, was fehlt, wie ein aufmerksamer Leser schon anmerkte – eine Fiale (ein Wort, das man nicht kennen muss, außer man ist Architekt). Die Kirchenuhr wurde gleich mit stillgelegt, deswegen zeigt sie die falsche Zeit an.

Evangelische Stadtkirche unnaEvangelische Stadtkirche unna

Taboo

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Ich empfehle die großartige Serie Taboo. Ich schaue gerade die erste Staffel (via Amazon Prime, sorry) und bin restlos begeistert. (Unbedingt in Englisch mit deutschen Untertiteln! Allein wegen der Sprache gibt es ein Sternchen mehr.) Da ich keinen Fernseher besitze, der private Sender zeigt, ist mir entgangen, dass Taboo dort schon lief.

Wunderschöne und stimmungsvolle Bilder und Panoramen, bis ins kleinste Detail uppig und realistisch ausgestattet, ein spannender Plot, der immer wieder überrascht, und nicht zuletzt wunderbare Schauspieler. Das Fernduell zwischen dem Helden James Keziah Delaney (Tom Hardy) und Stuart Strange (Jonathan Pryce), dem Chef der Britischen Ostindien-Kompanie, ist einfach nur großartig. Auch die Frauen überzeugen, für meinen Geschmack Zilpha Geary (Oona Chaplin – umwerfend!) und Lorna Bow (Jessie Buckley) noch mehr als Helga von Hinten (Franka Potente (muss man eine Hure unbedingt so nennen?), aber das mag an meinem Frauengeschmack liegen, der mich voreingenommen macht.

Übrigens: Taboo ist nichts für schwache Nerven, düster und voller Gewalt, und man wagt gar nicht, auf irgendein Happy End zu hoffen.

Hurra, es gibt eine zweite Staffel!

Stadtguerilla et al

Ja, ich weiß, reißerischer Titel. In den letzten Wochen habe ich im Schnelldurchgang gefühlt 3000 Seiten gelesen, vor allem Stefan Austs Der Baader-Meinhof-Komplex: Erweiterte Neuausgabe. Ich hätte jeden Eid schwören können, dass ich das Buch schon kannte und auch gelesen hatte, aber ich fand es nicht in meiner Bibliothek (vielleicht hatte ich es auch verliehen und, wie gewohnt, nicht wiederbekommen). Fazit: Gut geschrieben (sowieso), Standardwerk, gehört zum Bildungskanon. Wer das Buch nicht von vorn bis hinten gelesen hat, sollte zum Thema RAF einfach das Maul halten. Just saying.

Ich kann auch zwei Bücher nicht empfehlen. Bettina Röhl: So macht Kommunismus Spaß: Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret. Ich finde das Buch ärgerlich und schließe mich den Rezensionen der „Zeit“ und der „Süddeutschen“ an. Röhl Buch ist weder Journalismus noch Autobiograife noch ein politischer Essay oder gar eine Analyse – eher von allem ein bisschen, aber durchmischt mit oberlehrerinnenhaften Thesen aus heutiger (reaktionärer und plump antikommunistischer) Sicht.

Ähnliches gilt für Klaus Rainer Röhl: Fünf Finger sind keine Faust. Ansgar Skriver hat das Nötige dazu geschrieben. Ich fand das Buch insofern nicht uninteressant, weil Personen und Ereignisse darin vorkommen, die in meiner Jugend prägend für mich waren. Da es antiquarisch nicht viel kostete, legte ich es mir als Kontrastprogramm zum Traktat der Tochter zu. Es steht inhaltlich auf ähnlichem Niveau, ist nur lesbarer geschrieben.

Ergänzend zu Aust lese ich gerade Oliver Tolmein: RAF – Das war für uns Befreiung: Ein Gespräch mit Irmgard Möller über bewaffneten Kampf, Knast und die Linke. Was mir nie so klar war, ist dort zu lesen: Antisemitismus und der Hass auf Israel hielt die extreme Linke, zu der ich mich ja auch zähle, damals zusammen. Ich glaube nicht, dass sich so viel geändert hat.

Dann doch lieber antideutsch (ich schaffe nur 80 Prozent….).

Schienentrolley und Schleusenreiher an Zitadelle

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Dank des Hinweises eines hier mitlesenden Paddlers oder Schleusenwärters beschloss ich am ersten Tag meines Kurzurlaubes die Wasserfahrt in Richtung Spandauer Schleuse zu wagen, um auf die nördliche Seite zu gelangen. Vom Stößensee aus brauchte ich ca. 45 Minuten. (Muss man als Paddler bei Rot auch halten?).

Rechts neben der Schleuse ist eine steinerne Rampe mit Schienen, oben auf dem Gipfel ein Trolley, der mit Karacho nach unten rollt, wenn man ihn nicht an einem Seil festzurrt. Mein Kajak bekam ich ohne Probleme auf die andere Seite. Das Patent gefällt mir.

Das Internet behauptet, an der Charlottenburger Schleuse aber, die die Vorsehung zwischen mein Boot und das Charlottenburger Schloss platziert hat, gebe es so etwas nicht. (Wie macht man denn das? Nimmt man das Boot huckepack oder mietet man sich einen Esel oder kann man mit in die Schleuse und ertrinkt dann womöglich?)

Die Havel nördlich der Schleuse brachte mich in großartige Urlaubsstimmung. Wohlgemut erkundete ich den Festungsgraben der Zitadelle Spandau (neues Wort: Ravelin) und steuerte dann nach Norden, fast allein auf dem glitzernen Wasser, umrundete fröhlich Eiswerder und die Pionierinsel (vorher nie gehört: Spandauer Militäreisenbahn), und paddelte dann wieder südwärts.

An der Schleuse wartete ein Reiher, der mich fast auf fünf Meter heranließ, aber dann doch davonflatterte. Das unterste Foto zeigt übrigens den Großen Jürgengraben. Die Tour dauerte fünf Stunden. Ich war ganz begeistert…

West Virginia’s mine wars

Kleiner Ausflug in die US-amerikanische Geschichte: West Virginia’s mine wars, 1920-1921.

„On this day, 19 May 1920, a shootout took place in the town of Matewan, West Virginia between striking miners and the Baldwin-Felts Detective Agency, who had arrived in town to evict miners’ families from their mountain encampment, in what would become known as the infamous ‘Battle of Matewan’. Seven Baldwin-Felts Detectives were killed as were two miners and one unarmed bystander.“

Man versteht auch die US-amerikanischen Waffengesetze besser.

Ohne Worte

karneval der kulturen

Demnächst treten dort auch die Hobbits auf.

Keine Hoffnung für Gaza

Keine Hoffnung für Gaza: Wie die Hamas mit Hilfe der UNO das Land ruiniert.

„Armut, Verzweiflung, Arbeitslosigkeit, kaputte Infrastruktur, Korruption – in Gaza gäbe es genug zu tun, aber statt das Land aufzubauen und der Zivilgesellschaft zu helfen, schickt die Hamas seit Wochen tausende Menschen an den Grenzzaun zu Israel, um im Schatten gewalttätiger Demonstrationen ihre Kämpfer nach Israel zu schleusen.“

Business in disguise

gor

Auch Avatare müssen über Geschäfte reden, meiner (rechts, in meinem virtuellen Büro in Ianda) plaudert gerade mit einem als Kaufmann verkleideten Killer, der wichtige Informationen brachte #rollenspiel #secondlife #gor

Datenschutz

Nach dem neuesten WordPress-Update bekommt man einen Leitfaden für eine Datenschutzerklärung, u,a. über Export und Löschung personenbezogener Daten. Ich habe die für meinen Bedarf umgeschrieben (vgl. Impressum).

Klassenbewusstsein und trapezoides Kanuisieren auf der Havel

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Fitness oder die Bemühungen, sie zu erreichen, bekamen für die Mittelschicht bald eine andere Bedeutung – sie wurden zu einem Identifikationsmerkmal oder einem „Marker für die Schichtzugehörigkeit“. Gegend die Fitnessregeln verstoßendes Verhalten wie Rauchen oder mit einem Bier vor dem Fernsehapparat zu sitzen, signalisierte Zugehörigkeit zur Unterschicht, während gesundheitsbewusstes Verhalten auf eine höhere Schicht hindeutete – selbst wenn der einzige Hinweis die Sporttasche in der Hand oder die Yogamatte unter dem Arm war. Ähnliches galt für die Ernährung. In den 1970er-Jahren schienen Lebensmittel sich entlang der Klassenschranken zu sortieren. Die Wohlhabenden wählten „natürliche“ biologische Produkte mit Vollkorn oder überhaupt „vollwertige“ (was auch immer das heißen mag) und vor allem „reine“ Nahrungsmittel. Fest mit solchen Etikettierungen verbunden war die Betonung von wenig Fett; (…) Doch der lange Feldzug gegen Fett etablierte auch die Vorstellung, dass Fett etwas für wirtschaftliche Verlierer ist – Burger und Pommes mit Mayo als Signal für die Zugehörigkeit zur Unterschicht. (Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben?)

Ich empfehle dieses Buch – wie auch alle anderen von Barbara Ehrenreich: Scharfsinnig und mit großem Witz und Selbstironie geschrieben, wer Sport und „Wellness“ betreibt und wer denkt, eine medizinische Vorsorgeuntersuchung sei staatsbürgerliche Pflicht, sollte es lesen. Wenn man Ehrenreichs Bücher kennt, weiß man immer schon, was zehn Jahre später in Deutschland – mit geringerem Niveau – diskutiert wird.

And now for something completely different (nicht wirklich). Ich betreibe das Kajaken, Kanuisieren bzw. Paddeln bekanntlich nicht als Sport, sondern zu meditativ-chilligen Zwecken, obwohl es angeblich gut für das Trapezoide meine Körpers ist.

Hier neue Eindrücke – die Havel südlich der Stößenseebrücke, vorbei an der Halbinsel Schildhorn und dem Grunewaldturm bis Lindwerder.

Ich war ziemlich spät losgepaddelt, und als ich überlegte, ob es sich noch lohnen würde, weiterhin in See zu stechen, zogen über Spandau dunkle Wolken auf, und ich kehrte um. Ich bin Neuling, was Sturm und Wind auf Stadtgewässern betrifft, und das kabbelige Wasser und der heftige Gegenwind von Norden machten mir ziemlich zu schaffen – aber mein Rücken fand es vermutlich gut.

Am Himmel zuckten die ersten Blitze, und mein Kajak wäre oft abgetrieben worden, wenn ich nicht kräftig gegengehalten hätte. Als ich die Stößenseebrücke erreichte, fing es an zu schütten – auch eine interessante Erfahrung. Die letzten 300 Meter ließen mich frohlocken, dass ich eh nur eine Badehose anhatte. Mit letzter Kraft bekam ich das Boot noch ins Bootshaus und könnte mir das Wüten des Regens, Donner und Blitz vom Trockenen aus ansehen, während ich mich abrubbelte.

Demnächst gerne wieder.

Hermann der Cherusker Markthalle

Arminius Markthalle

Arminius-Markthalle, Berlin-Moabit, eröffnet 1891.

Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs, revisited again

Warschauer Ghetto

Dieser Artikel erschien auf burks.de vor fünfzehn Jahren. Ich habe ihn leicht verändert und die Links und Bilder aktualisiert. Vgl Burks.de vom 19. April 2013 und vom 20. April 2003: „Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs“ sowie den Stroop Report.

Am 19. April 1943 fand die herausragendste militärische Leistung des zweiten Weltkriegs statt. Sehr wenige gegen viele, sehr schlecht Bewaffnete gegen einen übermächtigen militärischen Apparat, heroischer Mut, den sicheren Tod vor Augen, nur noch ein mögliches Ziel: in Würde zu sterben. Der Kampf der wenigen hundert Frauen und Männer hinterließ der Welt ein Fanal – es machte sie und die wenigen Bilder, der erhalten sind, unsterblich.

Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto. Im Juli des Vorjahres hatten die Nazis angefangen, die Juden aus Warschau in die Konzentrationslager zu deportieren. Die Geschichte ist bekannt, und zahlreiche und gute Websites informieren über die Details. Im Oktober 1942 gründete sich die „Jüdische Kampforganisation“ Żydowska Organizacja Bojowa“ im Ghetto. Die ersten Aktionen wandten sich gegen Kollaborateure. Am 23. Januar sollte losgeschlagen werden. Doch vier Tage vorher marschierten die Nazis in das Ghetto ein. Nach vier Tagen erbitterten Kampfes mussten sich die Deutschen zurückziehen. Die ZOB verlor fast 80 Prozent ihrer KämpferInnen.
Warschauer Ghetto
In den folgenden Wochen organisierten die Juden im Ghetto ein System von Bunkern, die mit der Kanalisation verbunden sind, und versuchten, Waffen „nach drinnen“ zu schmuggeln. Einige Namen sollen hier genannt werden: Mordechai Anielewicz, der Organisator der Untergrundbewegung und des Aufstands im Ghetto, Yitzhak Zuckerman, Gole Mire and Adolf Liebeskind. Und Marek Edelmann der letzte überlebende Anführer des Aufstands starb 2009. Eine Ironie der Geschichte ist es, dass die Fotos des heroischen Widerstands ausgerechnet von einem fanatischen Nazi stammen, von Jürgen Stroop, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei, Leiter der Vernichtung des Warschauer Ghettos. Der 76-seitige „Stroop-Report“ samt Fotos kann digitalisiert im Original im Internet nachgelesen werden.

Im Morgengrauen des 19. April marschieren die Waffen-SS erneut in das Ghetto ein – Himmler will Hitler zum Geburtstag ein „judenfreies“ Warschau schenken. Die Juden – weniger als 1000 – haben nur zwei Maschinengewehre, 15 (!) Gewehre und 500 Pistolen – und eröffnen dennoch das Feuer. Die Nazis werden zurückgeschlagen und kommen mit 5000 Mann am Abend zurück.

Ein Augenzeuge: „Die unseren kämpften so gut sie konnten. (..) Ich blickte in die ruhigen Gesichter der Frauen, sie waren ohne Tränen, ohne Furcht, entschlossen, würdig zu sterben.“ Am vierten Tag der Kämpfe beginnen die Nazis das Ghetto auszuräuchern und schießen mit Flammenwerfern die Häuser in Brand. Die ZOB zieht sich in die Bunker zurück. Da die Nazis hier nicht eindringen können, leiten sie Giftgas in die Bunker oder setzen die Gebäude unter Wasser. Roza Rozenfeld – die Kommandeurin des Bunkers in der Lesznostraße – kämpft, bis ihr das Wasser bis zum Hals steht. Dann wird sie erschossen. Am 8. Mai 1943 nehmen die Nazis den Bunker, in dem der Führungsstab der ZOB kämpft. Doch der Widerstand geht weiter. Viele der Kämpfer bringen sich um. Die SS braucht zehn Wochen, um die jüdischen KämpferInnen zu besiegen. Die Überlebenden werden in Konzentrationslager gebracht. Nur wenigen gelingt die Flucht. Das Warschauer Ghetto wird dem Erdboden gleichgemacht.

Warschauer Ghetto

Aus dem Kriegstagebuch des Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld: „In Treblinka werden die Züge mit den Viehwaggons ausgeladen, viele der transportierten Menschen sind schon tot. Die Toten werden neben den Gleisen aufgeschichtet, die gesunden Männer müssen die Leichenberge wegschaffen, neue Gruben graben und die gefüllten zuwerfen. Dann werden sie erschossen. Frauen und Kinder müssen sich entkleiden, werden in eine fahrbare Baracke getrieben und werden da vergast. […] So geht das nun schon lange. Ein furchtbarer Leichengeruch liegt über der ganzen Gegend.“

Bildquellen: „Unknown Stroop Report photographer“, vgl. die Angaben bei Wikipedia.

Last Dandy Standing

Tom Wolfe (1931 – 2018)

„Wolfe war einer der Pioniere des New Journalism. Respektlos. Brilliant recherchierte Geschichten. Ein literarischer Journalismus, Romane, die eigentlich Riesenreportagen waren (Fegefeuer der Eitelkeiten, Die Helden der Nation, Ein ganzer Kerl, etc.) Zu dem Mann haben wir aufgeblickt.“ (Peter Glaser)

Ein großartiger Schriftsteller! Ich habe seine Bücher begeistert gelesen. Auf burks.de besprochen: A Man in Full und Ich bin Charlotte Simmons (einfach nur brilliant!). Fegefeuer der Eitelkeiten ist zeitlos und eines der besten Bücher, die je geschrieben wurden.

Metallbau

metallbaukasten

Seit meiner Kindheit habe ich diesen Metallbaukasten, das beste Spielzeug, was ich je besaß. Das merkwürdige Auto mit Propeller (oder soll das ein Motorschlitten sein?) habe ich nie hingekriegt…

Fünf auf einen Streich

Rettungsstelle

Innerhalb von 35 Minuten kamen neun Feuerwehren und brachten Patienten. Fünf auf einen Streich bekam ich auf’s Bild. Der normale Wahnsinn am Wochenende. #notfallaufnahme #rettungsstelle

Armee ohne Unterhosen

Harald Martenstein im Tagesspiegel über nachhaltige Unterwäsche:
„Überraschend fand ich die Nachricht, ebenfalls in der Zeit, dass bei der Bundeswehr auch die Unterhosen knapp sind. Eine Armee ohne Unterhosen hat es in der Militärgeschichte zum letzten Mal beim großen Showdown zwischen Neandertalern und Homo sapiens gegeben. Das Unterhosenproblem hängt damit zusammen, dass die Öko- und Nachhaltigkeit-Standards inzwischen so hoch sind, dass kaum eine real existierende Unterhose sie erfüllen kann. Die Bundeswehr muss die Lebensbedingungen jedes einzelnen Schafes prüfen, welches Wolle für das Garn der Unterhose stiftet.“

Marx, 219a und Gewalt

Thomas Fischer auf Spiegel online zu den Themen Marx, § 219a und Gewalt. Lesenswert und wortgewaltig.

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