Opherdicke oder: Da liegen die Erbsälzer

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Über Opherdicke hatte ich hier schon vor zwei Jahren geschrieben. Ich bin zwar in Sichtweite des Dorfes auf dem Haarstrang aufgewachsen, aber war selten da. Es gehörte nicht zu meiner kleinen Welt.

Ich wundere mich aber jedes Mal, wie alt die Dörfer hier sind, zum Teil älter als die Städte. „Eine Besiedlung in Opherdicke ist seit 950 n. Chr. überliefert“. Vermutlich wohnten aber schon ein Jahrtausend vorher Menschen hier, denn Spuren der Römer sind überall gefunden worden. Wie mag es damals ausgesehen haben? Die Sicht von Opherdicke ins Ruhrtal und nach Norden ist bei gutem Wetter ganz grandios und strategisch nützlich. So etwas wird die Römern gefallen haben.

Ich habe mich immer geweigert, mich für die architektonischen Hinterlassenschaften der herrschenden Klassen zu interessieren. Daher habe ich das ehemalige Rittergut Opherdicke nie fotografiert.

Die Grabsteine des Adelsgeschlechts Lilien – Zweig Opherdicke – liegen auf dem winzigen Friedhof der katholischen Kirche. „Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zu den Erbsälzern von Werl.“ Das Wort Erbsälzer kannte ich noch nicht. Es ist typisch deutsch, denn die Sippe der Lilien war zwar feudaladlig, gehörte aber faktisch zum Stadtpatriziat Werls. „Das ‚Kollegium der Erbsälzer zu Werl und Neuwerk‘ existiert noch heute.“ Und der Kurpark gehört denen immer noch.

Ebenso typisch deutsch: Es hat hier nie eine erfolgreiche Revolution gegeben. Die Ausbeuter der Bauern und Arbeiter vererbten ihre Privilegien aus der Zeit Kaiser Karl des Großen bis heute.

Kommentare

2 Kommentare zu “Opherdicke oder: Da liegen die Erbsälzer”

  1. Wolf-Dieter Busch am Mai 29th, 2018 4:02 pm

    Die Ritter waren nicht die „herrschende Klasse“, sondern nachträglich geadelte Soldten. Natürlich charakterlich verdorben. Etwa Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen soll geschwindelt haben.

  2. Wolf-Dieter Busch am Mai 29th, 2018 4:04 pm

    Wenn du wirklich alte Ortsnamen sehen willst, fahr über die Autobahn und achte auf die Namen der Rastplätze, etwa „Borbelholz“: längst in Vergessenheit geraten, wenn, ja wenn nicht die tapfere Autobahnmeistereien dafür gesorgt hätten …

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