Entscheidend ist das Ergebnis oder: Was tun nach der Machtübernahme?

[Die Überschrift ist nur dazu, das Publikum zu animieren, den folgenden Text länger als fünf Sekunden zu lesen.]

Oruro
Fotografiert in der Bergarbeiterstadt Oruro, Bolivien 1984

Ich schrob schrieb: „Daher ist die Idee, man müsse die Geschichte durch eine „Revolution“ beschleunigen, vermutlich obsolet und aus dem Kindergarten stalinistischer Textbausteine“. Wenn das wahr ist, muss man sich das näher ansehen.

These: Im voll entwickelten Kapitalismus kann die herrschende Klasse nicht mehr militärisch besiegt werden. Alle Fantasien über einen „Umsturz“ gegen den Willen der Mehrheit sind Unfug. Das gilt auch für die orthodoxe „marxistische“ Theorie einer „Diktatur des Proletariats“. Das ist keine moralische, sondern eine „technische“ Argumentation.

Beispiel: Die Urform einer zeitweilig erfolgreichen Revolution ist die Oktoberrevolution im zaristischen Russland. Russland war damals ein halbfeudales Land mit einer nur winzigen Arbeiterklasse. Die „Avantgarde“ unter Lenin putschte eher, als dass sie sich auf sozialrevolutionäre Bewegungen stützte. Das war vielleicht angebracht – man sollte den Mantel der Geschichte ergreifen, wenn er an einem vorbeiweht. Erstaunlich ist, dass es überhaupt so lange funktioniert hat.

Die russische Revolution ist eher atypisch, weil sie erstens während eines Krieges stattfand und zweitens in einen Bürgerkrieg mündete, den – was historisch die große Ausnahme ist – die Revolutionäre gewannen. Dann kommt das große „Aber“.

Ich schrieb am 24.11.2017 über das lesenswerte Standardwerk Bini Adamczaks Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman über die russische Revolution, wie sie hätte sein können und sollen: „Ich sehe mich durch die Lektüre bestätigt, das nicht nur mit dem Tod Lenins und der Machtübernahme Stalins die Konterrevolution in der Sowjetunion begann, sondern dass schon viel früher so viele entscheidende Fehler gemacht wurden, dass die Sache verloren war. Die Frage ist nur, ob diese “Sache” unter den damals gegebenen Umständen überhaupt eine ernsthafte Chance hatte.“

kronstadt

Beispiel: Die zeitweilig erfolgreiche Revolution der Sandinistas in Nicaragua. Hier waren die Voraussetzungen ähnlich wie in Vietnam beim Sieg der Vietcong gegen Frankreich und die USA: Es gab ein „Hinterland“, das den Revolutionären als Versteck und heimliches Aufmarschgebiet dienen konnte. Das wäre heute im Zeitalter von Drohnen und Satellitenüberwachung undenkbar. Außerdem hatte der korrupte Diktator Somoza nur eine schmale Machtbasis und wurde zudem von der USA unterstützt. Alle Klassen kämpften gegen ihn; die Sandinistas waren damals – wie auch die Teilnehmer des Langen Marsches in China – eine Jugendbewegung. Aber: Ein wie auch immer gearteter Sozialismus steht in einem klassischen „Entwicklungsland“ gar nicht auf der Tagesordnung.

Als „Revolution“ wird in Nicaragua heute zumeist die Zeit der ersten Herrschaft der Sandinisten von 1979 bis 1990 bezeichnet als die FSLN-Regierung 1979 die Schulpflicht für Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren durch gebührenfreie Schulen durchsetzte. Durch die 1980 und 1981 folgende landesweite Alphabetisierungskampagne wurde der Anteil von Analphabeten in der Bevölkerung von 50 Prozent (1979) auf 12 Prozent gesenkt. Hingegen scheiterte die Regierung bei ihrem Bemühen, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, um die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln, vor allem Mais und Bohnen, zu gewährleisten und von Importen unabhängig zu werden.

Landreform und Alfabetisierung: Gut und nützlich, aber auch diese Revolution scheiterte auf lange Sicht. Im voll entwickelten Kapitalismus sollte die Arbeiterklasse schreiben und lesen können, also Kulturtechniken beherrschen, die auf dem Markt der Arbeitskräfte gebraucht werden und für die heute der Staat sorgt. (Offenbar sieht man das in Deutschland jetzt wieder anders.) Das ist aber keine „echte“ revolutionäre Forderung.

Land- und Bodenreformen dienen vielleicht Kleinbauern, an die das Land der kapitalistischen Agrarkonzerte verteilt würde. Der Kapitalismus macht aber der Kleinbourgeoisie und kleinen Bauern ohnehin langfristig den Garaus.

Nicaragua ist heute eine Diktatur und immer noch ein Entwicklungsland, also kein entwickelter Kapitalismus. Typologisch vergleichbar: Die Revolution in Kuba – ich ahne, wie das enden wird, jedenfalls nicht gut.

nicaragua
Fotografiert in León, Nicaragua, 1981

Beispiel: Revolutionen, die weitgehend friedlich abliefen, aber nur die Form der Klassenherrschaft der Bourgeoisie änderten, wie die Revolution in Portugal oder der friedliche Umsturz in der DDR. Hier trifft im Gegensatz zu den vorherigen Umstürzen zu, dass die Herrschenden – wie Lenin schon formulierte – nicht mehr in der Lage oder willens waren, sich zu wehren.

Beispiel: Exotische revolutionäre Sonderformen, die schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind, wie der Aufstand der Ciompi, die Pariser Kommune oder die zeitweilig erfolgreiche Revolution in Grenada. Die Gebiete, in denen Revolutionäre zeitweilig die Macht übernahmen, waren so klein, dass sie ökonomisch gar nicht lebensfähig waren. Der Versuch ist gültig und lobenswert, aber aussichtslos.

Revolutionen, die in einem nicht-kapitalistischen Land stattfinden, wie etwa die französische Revolution – ebnen der Bourgeoisie den Weg zur Macht, nicht dem Proletariat. Sogar das ist in Deutschland gescheitert, wie alle anderen Versuche auch.

Jetzt die gute Nachricht: Wie sollte | würde | könnte eine Machtübernahme der Linken aussehen?

Wir müssen die antiken Ungeheuer Skylla und Charybdis bemühen. Oder: Alles, was man machen kann, ist schlecht.

Ginge eine noch zu formierende deutsche Linke in Koalitionen Kompromisse ein, verwässerte sie ihr Programm und könnte die ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus nicht umstürzen. Beispiele: Die Unidad Popular in Chile oder der Historische Kompromiss in Italien.

Geht die Linke aber keine Koalitionen ein, bleibt sie eine sektenmäßige APO. Das kann man auch ein Jahrhundert lang durchziehen.

Wir haben nur wenige Beispiele für eine demokratische Machtübernahme der Linken, die erwähnenswert sind: Die Nepalesische Kommunistische Partei und die kommunistisch dominierte Koalition der Linken in Kerala. Ich habe aber meine Zweifel, ob es sich um voll entwickelte kapitalistische Staaten handelt. Nepal ist auch typologisch eher vergleichbar mit Grenada.

Wikipedia zu Kerala: „Da die CPI in Kerala letztlich der Zentralregierung unterstand, war ihr Landesplan von den eigenständig beschafften Mitteln abhängig. In den 1960er Jahren bemühte sie sich, die Industrialisierung und den Aufbau neuer Produktionsstätten in Kerala voranzutreiben und gleichzeitig die Ungleichheiten der Industrialisierung [also Reform des Kapitalismus wie bei den deutschen Grünen] auszugleichen. Die CPI hatte Industrieminister, die für die industrielle Entwicklung verantwortlich waren.

Sie verfügte außerdem über eine Industrieentwicklungsgesellschaft, die Unternehmen finanzielle Unterstützung für die Gründung neuer Produktionsprojekte gewährte. Anfang der 1970er Jahre gründete die CPI zwei neue Unternehmen zur Förderung der industriellen Entwicklung: die Kerala Industrial and Technical Consultancy Organization und die Kerala State Electronics Development Corporation. Diese Maßnahmen verbesserten die Industrie auf Landesebene, waren aber auf lokaler Ebene weniger erfolgreich.

Um die lokale Industrie wiederzubeleben, startete die CPI einen ambitionierten Vierjahresplan, der sich möglicherweise an Stalins Fünfjahresplänen orientierte, die Namboodiripad als Inspiration betrachtete. Der Vierjahresplan umfasste Konferenzen auf Bezirksebene, um potenzielle Unternehmer zu gewinnen, da die Regierung mehr private Investoren zur Ankurbelung der Industrie gewinnen wollte. Diese Unternehmer wurden geschult, um eigene Unternehmen zu gründen. Der Plan war in den ersten sechs Wochen äußerst erfolgreich und konnte elf neue Industriegebiete errichten, geriet dann aber im weiteren Verlauf des Programms ins Stocken.“

Im Klartext: Die Kommunisten in Kerala setzen auf Kooperativen, was nichts anderes ist als eine Form der Vergesellschaftung. Die orthodoxe sektiererische Linke übt sich naturgemäß angesichts „privater Investoren“ in Heulen und Zähneklappern: Kompromisse? Kapitalisten? Igitt! Alles Verräter….

Man sollte eigentlich erwarten, dass die deutsche „Linke“ Beobachter zum Lernen nach Kerala oder Nepal geschickt hätte. „Konkrete formelle Partnerschaften der deutschen „Linken“ mit indischen kommunistischen Parteien sind öffentlich dagegen nicht prominent dokumentiert“, meint ChatGPT und hat vermutlich damit recht.

grenada agitprop
Fotografiert auf Grenada (Kleine Antillen) während der leider fast vergessenen Revolution 1982. Auf dem großen Schild steht: EVERY WORKER A LEARNER, rechts unten Revo stay up, das kleine Schild wirbt für Bier aus Trinidad.

Der einzige Fall, der uns pädagogisch wertvoll weiterhilft, ist der Wahlsieg der „Linken“ in Griechenland 2015. Auch die haben alles vergeigt, was zu vergeigen war. Aber man kann sich die Chance, die sie hatte, genauer ansehen. Was hätte getan werden müssen bzw. können?

In Griechenland muss man zuerst das Militär ruhigstellen, weil die geübt im Putschen und in Diktaturen sind. Daher war es ein geschickter Schachzug, Anexartiti Ellines von der rechten Partei „Unabhängige Griechen“ zum Verteidigungsminister zu machen. Da konnte er nicht viel verkehrt machen. So hätte ich auch gehandelt.

Was die linke Koalitionsregierung machte, war weitgehend richtig und volkstümlich, aber Kosmetik:
– Kostenlose Stromversorgung für besonders arme Haushalte, kostenlose Gesundheitsversorgung für Unversicherte, Wiedereinstellung entlassener Staatsbediensteter, u. a.: Reinigungskräfte des Finanzministeriums, Beschäftigte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT.

Kann man machen, weil man die Wähler braucht, ändert aber nichts am System.

– Die Wiederherstellung von Tarifverträgen – eine klassische linke Forderung – konnte nicht durchgesetzt werden, weil Griechenland pleite war und von internationalen Gläubigern abhängig, die alles blockierten.

– Aussetzung bzw. Überprüfung laufender Privatisierungen, u. a. des Hafens von Piräus [der Containerhafen wurde von den Chinesen übernommen, die die Gewerkschaften drangsalieren] und von Energieunternehmen sowie Stopp von Zwangsversteigerungen von Hauptwohnungen wurde bald wieder rückgängig gemacht.

Fazit: Der Kapitalismus wurde nicht angetastet. Die Linken hatten auch keinen Plan dafür. (Ich hätte noch in der Nacht der Wahl die Banken besetzen lassen und alle Manager in Geiselhaft genommen.)

Weil ich ein positiv denkender Mensch bin, habe ich noch Tipps für die Zeit nach der Machtübernahme vorbereitet.

– Revolutionäre müssen handeln, wie Menschen tatsächlich sind, nicht wie sie sein sollten. Moralisches Handeln kann politisch gefährlich sein.

– Maßnahmen werden danach beurteilt, ob sie die Herrschaft stabilisieren. Grausamkeit, Täuschung oder Vertragsbruch können legitim sein, wenn sie politisch notwendig sind. Entscheidend ist nicht die Absicht, sondern das Ergebnis.

– Revolutionäre müssen Tugendhaftigkeit vortäuschen, auch wenn sie anders handeln. Die Mehrheit urteilt nach dem äußeren Anschein, nicht nach der Wahrheit.

– Gewalt ist manchmal notwendig, muss aber strategisch eingesetzt werden.

– Grausamkeit sollte rasch, konzentriert, einmalig angewendet werden, nicht fortlaufend. Wohltaten sollten langsam und schrittweise verteilt werden.

– Macht entsteht aus dem Zusammenspiel von Zufall, Glück und kluger Entschlossenheit. Der Zufall kann durch entschlossenes Handeln und Flexibilität beeinflusst werden.

– Erfolgreiche Revolutionäre zwingen der Fortuna ihren Willen auf.

Diese Tipps wurden beeinflusst von (Zutreffendes bitte ankreuzen):

[ ] Josef Wissarionowitsch Stalin
[ ] Toussaint Louverture
[ ] Mao Zedong
[ ] Alexandra Michailowna Kollontai
[ ] Niccolò Machiavelli.

The Carenage, backstage

gran mal bay

Im Yachthafen („The Carenage“) von St. George’s, Grenada, während der Revolution 1982. Da liegen ein Autoreifen und auch ein toter Fisch herum. Deshalb „backstage“.

Brothers and sisters, das war das letzte Foto aus Grenada, falls ich nicht doch noch in irgendeinem Backup eines finde, das ich noch nicht veröffentlicht habe.

The Carenage und die tragische Revolution von Grenada

the carenage grenada

On March 13, 1979, the leaders of Grenada’s New Jewel Movement overthrew the hated and feared neocolonial puppet, Prime Minister Eric Gairy, setting in motion a memorable revolutionary experiment in Caribbean history. Those who lived through the 1979-83 Grenadian Revolution were forever transformed.

Das Foto zeigt den Yachthafen („The Carenage“) von St. George’s, Grenada, während der Revolution 1982. Als ich mir das Foto genau ansah, fiel mir auf, dass dort heute ein Gebäude fehlt – das auf dem Hügel oberhalb des Jachthafens der Marina (sorry, kleine Wortschatzübung). Auf heutigen Bildern ist da nichts mehr.

Das langgestreckte Gebäude auf meinem Foto ist das ehemalige Hauptquartier des Militärs und später des New Jewel Movement. Vermutlich wurde es nach dem Einmarsch der US-Truppen im März 1983, den Ronald Reagan zu verantworten hat, demoliert und abgerissen.

Das tragische Ende der Revolution auf Grenada ist lehrreich: Alle Linken müssen sich fragen, wie es so weit kommen konnte. Der charismatische Anführer des sozialistischen New Jewel Movement, Maurice Bishop, wurde von stalinistischen Putschisten der eigenen Partei ermordet.

Am 13. März 1979 hatte Bishop mit nur 40 bewaffneten Leuten den korrupten Diktator Eric Gairy gestürzt. Eine Revolution, die nur eine halbe Stunde dauerte und weitgehend unblutig war! Davon träumt man doch! Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unterstützte Bishop. Vermutlich war das auch, wenn es die Kategorie gäbe, die „kleinste“ Revolution der Welt.

Gairys private Schlägertruppe, die Mongoose Gang, war von den Putschisten in Chile geschult worden. Seine Biografie ähnelt sehr der des heutigen Diktators von Nicagagua, Daniel Ortega. Gairy, ein Gewerkschaftler, organisierte in den 50-er Jahren erfolgreiche Streiks und spielte eine wichtige Rolle, als es darum ging, das allgemeine und gleiche Wahlrecht einzuführen. Warum drehen sich solche Leute politisch um die eigene Achse und werden Teil des Unterdrückungsapparats, den sie ursprünglich bekämpften? (Schöne Frage an die Künstliche Intelligenz!)

Man müsste die Revolution von Grenada strukturell vergleichen mit anderen erfolgreichen Umstürzen in der 3. Welt: Haiti, Kuba, Mexiko und Algerien. Das Schicksal der Nicaraguanischen Revolution ist bekannt. Maurice Bishops Rolle ist in etwa vergleichbar mit der Alexander Dubceks: Beide wurden vom Volk unterstützt, jener von Stalinisten der eigenen Bewegung umgebracht, dieser durch eine Intervention der stalinistischen „Bruderstaaten“ hinweggefegt.

Die traumhaft schöne „Gewürzinsel“ Grenada war und ist, wenn man sie mit anderen Inselstaaten der Karibik vergleicht, ein wirtschaftliches Schwergewicht: „… unter anderem der zweitgrößte Hersteller von Muskatnuss, dem Hauptexportprodukt des Staates. Etwa jede fünfte dieser Nuss weltweit stammt von der kleinen Karibikinsel.“ Eine ökonomische Basis für eine Arbeiterbewegung im klassischen Sinn ist vorhanden, wenn auch eher in der Landwirtschaft.

…the revolution made a series of gains. All the anti-worker trade union laws were repealed by the PRG in 1980. 14 percent of the budget was allocated to health expenditure, making it one of the highest in the Commonwealth Caribbean. The PRG ended the corruption in the health sector and used St. George’s University to train up new doctors and clinical staff for their hospitals. Mobile health teams were also set up for remote areas.

Die Probleme, die die Revolutionäre damals versuchten zu lösen, existieren heute immer noch, wenn auch nicht in so krasser Form. Grenada ist eine zwar offenbar stabile Gesellschaft, aber nur noch pro Forma unabhängig: Der Staat hat seit der US-Invasion 1983 kein stehendes Heer, die Verteidigung ist Aufgabe der USA. Wie könnte eine progressive Bewegung dort erfolgreich sein, wenn eine Kompanie Lederjacken ausreichte, um jeden Widerstand zu beenden?

In einem Staatsstreich wurde Bishop im Oktober 1983 von Mitgliedern des linken Flügels unter dem Vize-Premierminister und Minister für Finanzen, Handel und Planung Bernard Coard gestürzt und mit anderen Parteimitgliedern inhaftiert. Als es in der Bevölkerung Demonstrationen gegen die Verhaftung Bishops gab, wurden diese mit Gewalt beendet, etwa 100 Menschen wurden erschossen. Am 19. Oktober 1983 wurden schließlich unter anderem Bishop, Außenminister Whiteman und die Bildungsministerin Creft exekutiert, obwohl sie sich ergeben hatten.

Kurz darauf marschierten die USA ein. (Getty Images würde ich, wenn ich könnte, sofort enteignen lassen. Das sind Schmarotzer, sogar für kapitalistische Verhältnisse.)

In Gegensatz zu Nicaragua hat Grenada die vier Jahre Revolution aufgearbeitet und öffentlich diskutiert. Man muss also nicht befürchten, wie in Nicaragua oder auch in China (wenn es um die Kulturrevolution geht), Probleme zu bekommen und im Gefängnis zu landen, wenn man Fragen nach der Geschichte stellt.

Es ist witzig, dass ich immerhin zwei Revolutionen live erlebt habe, wenn auch nicht die militärische Phase – Nicaragua und Grenada. Ich habe auch keine anderen Fotos von Reisenden aus der Zeit von 1979-1983 gefunden. Außer den reichen Besitzern der Jachten, die auch damals in Grenada ankerten, und den Tagesurlaubern der wenigen Kreuzfahrtschiffe gab es keine Touristen. Wir waren die einzigen. Gibt es niemanden sonst, der die zum Teil lustigen Propaganda-Tafeln dort fotografiert hat?

new Jewel Movement

Das Meer. Unendliche Weiten.

gran mal bay

Blick von meinem Quartier an der Grand Mal Bay auf die Bucht, nördlich der Hauptstadt St. Georges auf Grenada (Kleine Antillen). Vgl. Grand Mal Bay, revisited vom 08.06.2023 sowie Grand Mal Bay, revisited again vom 09.06.2023.

Fotografiert während der Revolution 1982.

Noch drei Fotos von Grenada zu erwarten.

Grand Mal Bay, revisited again

Grand Mal Bay

Blick von meinem Quartier an der Grand Mal Bay auf die Bucht, nördlich der Hauptstadt St. Georges auf Grenada (Kleine Antillen) (vgl. Grand Mal Bay, revisited vom 08.06.2023)

Fotografiert während der Revolution 1982.

Noch vier Fotos von Grenada zu erwarten.

Grand Mal Bay, revisited

Grand Mal Bay

Blick von meinem Quartier an der Grand Mal Bay auf die Bucht, nördlich der Hauptstadt St. Georges auf Grenada (Kleine Antillen). Ich vermute, dass mein Häuschen eines der beiden südlich der heutigen Jah Lion Bar war. Die anderen Häuser in Gran Mal Bay an der Western Main Road waren nicht direkt am Meer.

Fotografiert während der leider fast vergessenen Revolution 1982.

St. George’s Parish Church

St. George's Parish Church

St. George’s Anglican Church was built in 1825, and a clock was later added in 1904 which plays the Westminster chimes on the hour. The church laid in ruin for a decade following heavy damage from Hurricane Ivan in 2004, when it continued to be used informally by locals for both prayer as well as school classes. Following several years of reconstruction work since the mid-2010s, the building returned to its function as a church.“

Fotografiert in St. George’s, der Hauptstadt Grenadas (Kleine Antillen) während der Revolution 1982.

Freedom Snackette

grenada st. george's snackette

Auf dem Schild steht: Freedom Snackette. Fotografiert in St. George’s, der Hauptstadt Grenadas (Kleine Antillen) während der Revolution 1982.

Die (einzige) Website zur Revolution in Grenada scheint down zu sein. Zum Glück habe ich sie schon vor einige Zeit komplett gespeichert. Wenn sie nicht wieder online geht, mach ich das.

Grenada Building and Loan Association, Established 1925

Grenada Building and Loan Association st. George's

Die Grenada Building and Loan Association, in St. George’s, der Hauptstadt Grenadas (Kleine Antillen) während der Revolution 1982.

Jones, Browne & Hubbard

Jones, Browne & Hubbard grenada st. George's

Im Hafen von St. George’s, der Hauptstadt Grenadas (Kleine Antillen) während der Revolution 1982. Ich stand auf der Carenage, in der anderen Richtung wird der hier mehrfach erwähnte Anlegeplatz des Segelschiffes mit Bananen sein.

Wir hatten eingekauft und waren auf dem Weg zu unserem Häuschen in Grand Mal. Nach rechts (nach Nordwesten) geht es zum Sendall Tunnel. Wir waren also genau auf der Ecke The Carenage/Marine Villa Road. In dem Gebäude rechts ist heute die National Water and Sewerage Authority; geradeaus heute das BB’s Crabback Restaurant (mit einer kaputten Website).

Jones, Browne & Hubbard ist auch noch da (ebenfalls mit einer komischen „Internet-Präsenz“). Ich habe denen das Foto mal geschickt, ich glaube nicht, dass sie eines aus der Zeit haben.

Caribbean Airlines, revisited

liat airlines grenada

Eine Maschine der LIAT („the caribbean airline“) auf dem winzigen Airport Grenada Pearls der Antillen-Insel Grenada während der Revolution 1982. Der heutige Flughafen ist nach dem Revolutionär und ehemaligen Ministerpräsidenten Maurice Bishop benannt (vgl. Caribbean Airlines (12.10.2022) und Das grosse Flughafen-Quiz (13.01.2011)).

Mit der LIAT bin ich am 16.03.1982 von Trinidad/Tobago nach Grenada geflogen und am 30.03. von Grenada nach Barbados.

Long Live Free Grenada!

grenada 1982

Am Grand Anse Beach, fotografiert in Grenada (Kleine Antillen), während der leider fast vergessenen Revolution 1982. Meine damalige Freundin und Reisebegleiterin liest in einer revolutionären Zeitung.

Warum heute?
On this day, 25 October 1983, the United States invaded the Caribbean island of Grenada. The stated justification of the invasion was to „protect“ US citizens. However, the real reason was very different.

In the wake of their defeat in Vietnam, the US was keen to demonstrate its military and political might, and as a senior US official told New York Times journalist Bernard Gwertzman, „What good are manoeuvres and shows of force, if you never use it?“

Scores of people were killed in the invasion, with hundreds wounded, as the US government toppled the left-wing government which had been established after independence from Britain. 18 civilians were killed when US aircraft missiles hit a psychiatric hospital.

The new, pro-US government which was subsequently set up, established October 25 as a national holiday called „Thanksgiving Day“ to commemorate the invasion.

Gran Mal Bay, noch mal revisited

gran Mal Bay

Blick von meinem Quartier an der Grand Mal Bay nach Süden, nördlich der Hauptstadt St. Georges auf Grenada (Kleine Antillen) während der leider fast vergessenen Revolution 1982.

Cruise Ship

abendlage

Im Hafen von St. George’s, der Hauptstadt Grenadas, (Kleine Antillen) während der Revolution 1982. Ich muss ungefähr an der heutigen Osprey Ferry To Carriacouy gestanden haben.

Im Februar schrieb ich:
21.03.1981: Am Samstag treffen wir Igor Jedlin, den Zauberer, nebst Frau oder Freundin. Sie kommen von einem gecharterten russischen Kreuzfahrerschiff (auf dem Foto). Wir führen sie ein bisschen durch die Stadt und trinken einen Rum-Punsch mit ihnen. Die Kreuzfahrer sind zu bedauern, für eine Insel haben sie jeweils nur einen Tag, und dann wollen sie noch nach Venezuela und Jamaica.

Caribbean Airlines

liat

Eine Maschine der LIAT („the caribbean airline“) auf dem winzigen Airport Grenada Pearls der Antillen-Insel Grenada während der Revolution 1982. Der heutige Flughafen ist nach dem Revolutionär und ehemaligen Ministerpräsidenten Maurice Bishop benannt.

Mit der LIAT bin ich am 16.03.1982 von Trinidad/Tobago nach Grenada geflogen und am 30.03. von Grenada nach Barbados.

Aus meinem Reisetagebuch, 16.03.1982:
Am Sonntag früh [noch in Scarborough, Tobago] kommt der Taxifahrer natürlich nicht pünktlich, aber wir haben Glück. Eine Frau mit Pick-up spricht uns einfach an und fährt uns für 20 zum Flughafen. Eine BWIA auf Zwischenstopp bring uns in 15 Minuten nach Piarco/Trinidad. Dort suchen wir das LIAT-Büro, aber das wird von BWIA gemacht. Wir sitzen herum und fliegen dann reibungslos nach Grenada.

Immigration problemlos. Susanne wird mit „hello sister“ vom Officer begrüßt. Reklame deutscher Reiseunternehmen (unleserlich) Prospekt „Grenada hat noch kein Rauschgiftproblem, wir möchten, dass es so bleibt“. Die Taxifahrer reißen sich um uns, und für fahren für 20 $ durch eine wildverwegene Gegend nach St. George’s. Der Taxifahrer hupt noch eine Beerdigung zur beiseite.

Alle Guesthouses sind voll, weil der zweite Jahrestag der Revolution am 13. gefeiert wurde. Bei Tita’s Guest house [gibt es nicht mehr] warten wir bis zum Abend [weil dort auch kein Zimmer frei war] bei der schauerlichen Begleitung einer Reggae-Band, bis wir in ein [privates] Haus in Queens Park [Grand Mal Bay] gebracht werden, das in jeder Hinsicht alle unsere Erwartungen übertrifft…

liat

Bananensegler, reloaded

grenada

Im Hafen von St. George’s, der Hauptstadt Grenadas, (Kleine Antillen) während der Revolution 1982.

Das Segelschiff im Hintergrund hatten wir hier schon vor vier Jahren und vor zwei Jahren und von seewärts.

Ich habe mir das noch einmal angesehen. Ich stand auf The Carenage. Die Kneipe, die dem damals gestürzten Diktator Eric Gairy gehört haben soll und die die Revolutionäre des New Jewel Movement enteignet hatten, heißt heute Sails Restaurant & Bar, wahrscheinlich für Globetrotter wie mich heute unbezahlbar.

Die Schiffe legen heute noch vor der Kreuzung The Carenage, Monkton street und Wharf road an. Ich habe ein Foto gefunden, das den Anlegeplatz von einer Jacht im Hafen aus zeigt.

Ich muss gerade über einen Eintrag in meinem Reisetagebuch lachen: „Schreibmaschine mit Korrekturtaste wäre auch schön.“

21.03.1981: Am Samstag treffen wir Igor Jedlin, den Zauberer, nebst Frau oder Freundin. Sie kommen von einem gecharterten russischen Kreuzfahrerschiff. Wir führen sie ein bisschen durch die Stadt und trinken einen Rum-Punsch mit ihnen. Die Kreuzfahrer sind zu bedauern, für eine Insel haben sie jeweils nur einen Tag, und dann wollen sie noch nach Venezuela und Jamaica.

Gran Mal Bay, revisited

gran mal bay

Blick von meinem Quartier an der Grand Mal Bay, nördlich der Hauptstadt St. Georges auf Grenada (Kleine Antillen) während der leider fast vergessenen Revolution 1982.

Grand Mal Bay, revisited

grand mal bay grenada

Fischer an der Grand Mal Bay, nördlich der Hauptstadt St. Georges. Gesehen und fotografiert auf Grenada (Kleine Antillen) während der leider fast vergessenen Revolution 1982. Das Foto ergänzt mein Posting „Grand Mal Bay“ vom 22.05.2015.

Stand Firm!

Kakao

Kakaobaum – fotografiert Grenada (Kleine Antillen), fotografiert während der leider fast vergessenen Revolution 1982.

nutmeg

Aus meinem Reisetagebuch:
Concord Falls [in Saint John bei Gouyave, absoluter Geheimtipp!] jedenfalls lernen wir Nutmeg [Muskatnuss, mittleres Foto] kennen, die Früchte sehen am Baum aus wie kleine Pfirsiche, öffnen sich dann und heraus fällt die braune Nuss mit roter Umhüllung [Foto oben], die aber „überflüssig“ und ungenießbar ist.

boy Grenada

Zwei Jungen sammeln Skorpione im Bachbett, um sie zu kochen… brrrrr. Die Landschaft ist urwüchsiger als in Tobago, mehr Felsen, steile Abhänge, aber es ist schwer, den Unterschied zu beschreiben. (…)

Die Taxifahrer sind bekloppt, aber die Taxis relativ komfortabel. Wir leben herrlich, kulinarisch fast wie zu Hause. Was fehlt, sind Knackiges, Saures und Milchprodukte. Brotfrucht gibt es anscheinened nur morgens auf dem Markt, ebenso haben wir größere Fische bis jetzt noch nicht gesehen. Auf dem Bay-Town-Fishmarket [so steht das in meinem Tagebuch, den Begriff habe ich nicht so gefunden – es ist unwahrscheinlich, dass der Fischmarkt in Guayave gemeint ist, es war nur ein Tagesausflug dorthin] verkaufen sie nur die kleinen und mittelgroßen Bludger, die jeden Morgen mit dem Schleppnetz gefangen werden.“ [An die hier mitlesenden Fischer und Angelfreunde: Es gibt keinen deutschen Wikipedia-Eintrag zu Carangoides gymnostethus. Kann es sein, dass es sich um eine Makrelenart handelt?]

Fotografiert Grenada (Kleine Antillen), fotografiert während der leider fast vergessenen Revolution

Über das Folgende in meinem Reisetagebuch muss ich heute schmunzeln – es erinnert mich an einen Satz Blaise Pascals: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen!
„Unsere Bibliothek [in unserem Haus an der Grand Mal Bay] besteht aus einem runden Dutzend Reader-Digest-Sammelbänden. Ich fange beim „hohen Norden“ Kanadas an und bin am meisten beeindruckt vom Malayischen Dschungel-Abenteuern und der Ausgrabungsgeschichte im „Heiligen Land“. Ich glaube fest, dass meine nächste Reise zumindest Istanbul-Bagdad-Damaskus-Akko-Amman-Jericho-Jerusalem-Kairo wird berühren müsste – Arabisch zu lernen ist also Pflicht! Ich schreibe einen langen Brief an Ulrike über das Verhältnis Frankreich-Deutschland und komme mir ein bisschen dumm vor, weil ich ihn selbst kaum verstehe.“

In diesem Sinne auch für 2022:

stand firm

Nicht nur Grün

Dschungel

Dschungel im Landesinneren von Grenada (Kleine Antillen), fotografiert während der leider fast vergessenen Revolution 1982.

image_pdfimage_print

Older entries