Austritt

djv Berlin

DJV Berlin – JVBB e.V.
Markgrafenstr. 15
10969 Berlin
07.06.2026

Liebe Kollegen,

Hiermit trete ich von allen Ämtern zurück und aus dem DJV-JVBB e.V. aus. Mein Eintrittsdatum war der 17.08.1990.

Mittlerweile finde ich es ehrenrührig, in einem Verband Mitglied zu sein, in dem der Bundesverband nur noch groben und peinlichen Unfug von sich gibt wie die „Warnung vor Trump“ oder das, was zum Thema Israel dort verlautbart wird.

Zu allen wichtigen Themen, in denen es um Medien geht, hat der DJV insgesamt wenig zu sagen: sei es die um sich greifende Denunziation seitens staatlich geförderter NGOs, sei es die paternalistische Attitude der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die mit Journalismus, wenn überhaupt, nur sehr entfernt etwas zu tun hat, sei es die freiwillige „Gleichschaltung“ fast aller deutschen Medien, was etwa den Krieg in der Ukraine oder die Volksrepublik China angeht, sei es die (erfolglose) strafrechtliche Verfolgung von Journalisten wie im Fall der rechtsextremen Zeitschrift „Compact“. Pressefreiheit ist nicht teilbar; der DJV scheint das anders zu sehen.

Ich würde auch keine Träne vergießen, wenn die „Anstalten“ ersatzlos abgewickelt würden. Ich sehe seit über einem Jahrzehnt kein deutsches Fernsehen mehr und fühle mich dennoch nicht uninformiert. Journalist

Zudem macht die KI traditionellen Journalismus überflüssig. Zu einem beliebigen Thema liefert die künstliche Intelligenz mittlerweile Artikel ab, deren Niveau besser ist als die übergroße Mehrheit aller „journalistischen“ Artikel in deutschen Medien. Dieser Beruf hat eine Zukunft nur als Nischenprodukt, und das ist in Deutschland, in dem Interviews – wie in Nordkorea oder den autoritären Nachfolgestaaten der UdSSR – „autorisiert“ werden, auch gut so.

Ich will zudem in keinem Verein Mitglied sein, der sich anmaßt, die Mitglieder und die Rezipienten von Medien mit Gendersprache und anderem woken Quatsch zu belästigen, obwohl drei Viertel der Deutschen das ablehnen. Das ist nicht nur sprachesoterische Arroganz, sondern Klassismus wie aus dem Lehrbuch. Dem DJV insgesamt wäre es offenbar lieber, Mitglieder zu verlieren als mit dem „Gendern“ aufzuhören. Dann sei es so.

Nach 35 Jahren und unzähligen Versuchen, den DJV zu reformieren, kann ich als Fazit nur sagen: Der DJV spiegelt den eingeschränkten Klassenhorizont der deutschen Journalisten wider, mit einer weltanschaulichen Bandbreite so weit wie eine Schießscharte. Als Vertretung des Berufsstandes ist der DJV genau so wenig reformfähig wie der Berufsstand selbst.

Der Verband ist unfähig zur Selbstkritik, was sich an den jahrelangen und extrem kostenintensiven Rechtsstreitigkeiten um Ausschlüsse ganzer Landesverbände zeigte. Nichts davon wurde aufgearbeitet. Noch mehr: Der DJV ist überflüssig.

Ich trete nicht im Zorn oder aus Ärger aus, sondern nach reiflicher und nüchterner Überlegung.

Den Presseausweis sowie diesen Brief in Papierform übersende ich Ihnen zusätzlich auf dem Postweg.

Mit kollegialen Grüßen
Burkhard Schröder