Stolz von Rixdorf

stolz von Rixdorf

Ich bin nur bei Brot (im Hintergrund), Fleisch, Marmelade und Honig öko. Heute stand ein Mann vor der køniglichen Backstube und verkaufte Honig. Mir gefiel der Name Stolz von Rixdorf. Der gleichnamige Herkunftsort ist am Dammweg. Habe ich natürlich gekauft.

Kein Vergeben! Kein Vergessen!

Wilhelm Brauckmann

Wilhelm Brauckmann, Holzwickede, Nordstr. 19, geboren am 27.05.1888 in Holzwickede, heiratete und wurde Vater zweier Töchter. Zuletzt arbeitete er als Maurerpolier bei der Firma Horstkorte. In das Fadenkreuz der Nationalsozialisten geriet er durch seine engagierte Tätigkeit in der SPD und der Gewerkschaft. Ohne weiteren Anlass wurde er am 01.09.1933 von der Polizei verhaftet und in das Konzentrationslager Bergkamen-Schönhausen verschleppt, wo er unter desolaten Verhältnissen eingesperrt und schwer misshandelt wurde. Nach seiner Entlassung im Oktober 1933 war er dauerhaft arbeitsunfähig, musste sich regelmäßig bei der NSDAP-Ortsgruppenleitung melden und wurde unter ständige „Betreuung“ eines Truppführers gestellt. Von den Folgen der Misshandlungen erholte sich Wilhelm Brauckmann nicht mehr und verstarb am 01.08.1937.

Apropos: Lünschermannsweg

burks lünschermannsweg

Nachtrag zum Lünschermannsweg in Holzwickede, von der Quellenstraße aus gesehen. Ihr wisst, warum das jetzt sein muss.

Kleinstadt Groove

katholische Unna
Katholische Kirche Unna, mit temporärem Bewohner

Es ist schwer, an dem Ort, in dem ich meine Zeit als Gymnasiast verbracht habe, auch die Musik von damals zu hören (Don Airey ist auch nicht schlecht). Der Groove fährt einem in die Knochen, und die Finger wollen anders als sonst… aber Sometimes I Feel Like Screaming.


katholische Unna
Abbrucharbeiten Bahnhofstraße Unna

Unna hat knapp 60.000 Einwohner (wenn man es glaubt), Quedlinburg gut 20.000, beides rückläufig. Was macht man, wenn man dort als Clint Eastwood ankommt und die Kneipen sind schon voll mit Familien und Peergroups (wenn sie überhaupt geöffnet haben)?

Quedels-Pub hatte am Sonntag geschlossen, natürlich an dem Tag, als ich dort hinwollte. Meine Stammkneipe in Unna ist nach dem Umbau nicht mehr so intim und „gemütlich“ wie vorher und das Publikum am Wochenende sehr jung. Mit „gemütlich“ könnte man mich nicht locken, wohl aber mit interessanten Leuten.

markt quedlinburg
Markt Quedlinburg

Und was macht man dort, wenn man arm ist? Obdachlose sind kaum zu sehen oder bemühen sich, nicht aufzufallen. Aber wer von Stütze lebt, kann sich die Getränke in einer beliebigen Kneipe sowieso nicht leisten und auch keine kulturellen Ereignisse. Und dann? Ich würde vor dem Internet hängen…

altstadt quedlinburg
Unrenoviertes Haus in der Altstadt Quedlinburgs

Morgen fahre ich in die Großstadt zurück. Und das ist auch gut so.

Unna ist nicht Paris

evangelische Stadtkirche Unnaevangelische Stadtkirche Unnaevangelische Stadtkirche Unna

Wie ich schon schrieb und wie auch anderswo berichtet wurde, fiel am 18.01.2018 bei Sturm eine Fiale, die fast eine Tonne wiegt (vgl. mittleres Foto, hinter dem Gargolyten), vom Turm der Evangelischen Stadtkirche (erbaut ab 1322) in Unna, durchschlug das Dach und zerstörte fast ein Gewölbe, so dass sogar die Gefahr bestand, dass das Gebäude ganz hätte einstürzen können. Auch die Orgel wurde schwer mitgenommen und musste komplett saniert werden. Mir wurde berichtet, dass sie vielleicht zu Weihnachen 2020 wieder gespielt werden könne. Die Sanierungsarbeiten werden insgesamt rund fünf, wenn nicht mehr Jahre dauern. Auch die Glocken werden bis dahin schweigen.

Schrieb ich schon: Lünschermannsweg?

lünschermannsweglünschermannsweg

Ich schrob hatte schon vor drei Jahren geschrieben: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Oktober 2017), hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)?

Man sieht meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs (Standpunkt des Fotos oben).

Bei Google bin ich leider immer noch an sechster Stelle mit der Zeichenkette Lünschermannsweg. Ich muss mich doch irgendwie nach oben schieben können?

Kurzer Heimaten-Check

senfladen

Location: Senfladen Unna. Speisen: XXL-Currywurst. Getränk: Kaffee. Immer meine erste Amtshandlung in meiner alten Heimat.

By the way: ich kann diese krude Diskussion in der so genannten Linken über den Begriff Heimat gar nicht verstehen. Das ist doch arrogant, sektiererisch und nicht volkstümlich! Meine Heimat ist Holzwickede, weil ich da geboren und als Kind gespielt habe. Unna ist natürlich auch meine Heimat, weil ich hier zum Gymnasium gegangen bin und auch noch alte Schulfreunde habe. Berlin, in dem ich schon mehr als 40 Jahre lebe, ist auch meine Heimat. Südamerika ist meine dritte oder meinetwegen auch die vierte oder fünfte Heimat. So what? Die spinnen doch.

Des Weiteren: Mein Hotel hat LAN!!! Ich wiederhole: L-A-N! Das ist das mit dem Kabel dran! Also schnell! Vielleicht haben die das wegen mir eingebaut, weil ich vor Jahren gemeckert habe und fast jedes Jahr einmal da bin. In meinem Zimmer kann ich bis in die Vororte von Hamm gucken – also rund 20 Kilometer weit. Das Wetter ist sonnig und kalt. Kann man aushalten. Alles vom Feinsten also.

Ich kann überall Urlaub machen und chillen, wenn ich schnelles Internet, mein Luxuslinuxlaptop und gute, spannende Bücher dabei habe.

Des Weiteren: Morgen muss ich in ein Archiv, um Dinge zu sehen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat… ach was. Aber vorher blogge ich noch etwas Wissenschaftliches Spannendes.

Richardkiez

richardkiez

Launching Area

Opherdicke Mühlenstrasse

Wenn ich in meiner Jugend vom Haarstrang in Opherdicke nach Süden blickte, sah es fast genauso aus, nur mit einem Unterschied: Wenn man Glück (oder Pech) hatte, richteten sich plötzlich Raketen auf, die (vermutlich) in Silos geruht hatte. Zu Übungszwecken wurde die manchmal hoch- und wieder runtergefahren. Ich habe das mit meinen eigenen Augen gesehen.

Opherdicke (Ortsteil von Holzwickede bei Unna) war ein Standort von Atomraketen.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Opherdicke (51°28’51“N, 07°38’54“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 6 km südwestlich der Stadt Unna in Nordrhein-Westfalen. (…) In der Stellung Opherdicke waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft.

Opherdicke oder: Da liegen die Erbsälzer

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Über Opherdicke hatte ich hier schon vor zwei Jahren geschrieben. Ich bin zwar in Sichtweite des Dorfes auf dem Haarstrang aufgewachsen, aber war selten da. Es gehörte nicht zu meiner kleinen Welt.

Ich wundere mich aber jedes Mal, wie alt die Dörfer hier sind, zum Teil älter als die Städte. „Eine Besiedlung in Opherdicke ist seit 950 n. Chr. überliefert“. Vermutlich wohnten aber schon ein Jahrtausend vorher Menschen hier, denn Spuren der Römer sind überall gefunden worden. Wie mag es damals ausgesehen haben? Die Sicht von Opherdicke ins Ruhrtal und nach Norden ist bei gutem Wetter ganz grandios und strategisch nützlich. So etwas wird die Römern gefallen haben.

Ich habe mich immer geweigert, mich für die architektonischen Hinterlassenschaften der herrschenden Klassen zu interessieren. Daher habe ich das ehemalige Rittergut Opherdicke nie fotografiert.

Die Grabsteine des Adelsgeschlechts Lilien – Zweig Opherdicke – liegen auf dem winzigen Friedhof der katholischen Kirche. „Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zu den Erbsälzern von Werl.“ Das Wort Erbsälzer kannte ich noch nicht. Es ist typisch deutsch, denn die Sippe der Lilien war zwar feudaladlig, gehörte aber faktisch zum Stadtpatriziat Werls. „Das ‚Kollegium der Erbsälzer zu Werl und Neuwerk‘ existiert noch heute.“ Und der Kurpark gehört denen immer noch.

Ebenso typisch deutsch: Es hat hier nie eine erfolgreiche Revolution gegeben. Die Ausbeuter der Bauern und Arbeiter vererbten ihre Privilegien aus der Zeit Kaiser Karl des Großen bis heute.

Quellenstrasse, schon wieder revisited

holzwickedeholzwickedeholzwickedequellenstrasseUnna bahnhof

Ich schrob schrieb im letzten Oktober und auch schon vor vor drei Jahren: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)? Die Stammleser wissen es schon, und die anderen können es selbst herausfinden. Und wenn sie es herausgefunden haben, sollten sie es mitteilen, weil ich es nicht weiß.

Auf dem 2. Foto von unten sieht man meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs. Die anderen Fotos sind nur Dekoration.

Lokal, entschleunigte Bahn und ein Archiv

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Ich finde Lokalbahnen ganz großartig. In den sechziger Jahren fuhr von Unna nach Dortmund und dessen Vorstädte in knallroter Schienenbus, der noch richtig ruckelte. Jetzt ist sie grün und eine S-Bahn, fährt aber immer noch von einem abgelegenen Gleis ab.

Und welchen Bahnhöfen man begegnet! Unna-West, „mäßig besucht“, har har – kann man die täglichen Fahrgäste in einer oder zwei Händen abzählen?

Unna-Königsborn – der Zug wechselt die Fahrtrichtung und braucht dazu gefühlt eine halbe Stunde. Entschleunigung pur.

Dortmund-Massen: „Nachdem das Durchgangslager für Flüchtlinge und Spätaussiedler 1951 von Siegen nach Massen als Landesstelle Unna-Massen verlegt worden war (eine der größten Aufnahmestellen im Bundesgebiet), wurde Massen angesichts der hohen Zahlen an Flüchtlingen aus der Deutschen Demokratischen Republik erstmals Anfang der 1960er und erneut Ende der 1980er Jahre über die Landesgrenzen hinaus bekannt.“ Ich wusste das schon immer.

Dortmund-Asseln: Wieso denke ich immer an kleine hässliche Tiere? Ein ekelhafter Name für einen Ort.

Dortmund-Brackel (das „a“ spricht man lang aus): Im dortigen Knappschaftskrankenhaus wurde meine kleine Schwester geboren.

Dortmund-Stadthaus: Im Südbad habe ich schwimmen gelernt, das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her.

Heute war ich im Dortmunder Stadtarchiv, das in Sichtweite der S-Bahn-Station Stadthaus liegt, um etwas über meinen Großvater herauszufinden. Gleichzeitig musste ich mich auch daran erinnern, wie man Microfiches liest. Hat Spaß gemacht!

Ich sehe was, was du wahrscheinlich nicht siehst [Update]

Evangelische Stadtkirche unna

Das Foto zeigt unter anderem den Marktplatz von Unna. Das Stammpublikum kennt das. Auf dem Bild sind aber zwei Dinge merkwürdig. Mal sehen, ob ihr das herausfindet. (Für die mitlesenden investigativen Reporter: warum?)

[Update] Da ist was vom Turm gefallen, das untere Foto erklärt alles. Ganz unten sieht man auch, was fehlt, wie ein aufmerksamer Leser schon anmerkte – eine Fiale (ein Wort, das man nicht kennen muss, außer man ist Architekt). Die Kirchenuhr wurde gleich mit stillgelegt, deswegen zeigt sie die falsche Zeit an.

Evangelische Stadtkirche unnaEvangelische Stadtkirche unna

Rixdorfer Grünkohl

weihnachtsmarkt Rixdorfweihnachtsmarkt Rixdorf

Jährlich gesetzt: Grünkohl mit Knacker auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt. Schön ist auch, dass ich den Markt vom Balkon aus sehen kann. Puffer mit Apfelmus konnte ich leider nicht ergattern, weil die Warteschlange wie erwartet zu lang war.

Nachtwacht

unna

Woran denkt man als Bildungsbürger? An Spitzwegs Nachtwächter? An den Maler, der den Deutschland am liebsten ist? An den Wanzlikpfad in Neukölln? Die angeblich gute, alte Zeit, romantisch verklärter Antikapitalismus, also reaktionärer Scheiß? In dem Fachwerkhaus residiert übrigens das Westfälische Literaturbüro in Unna.

Paul Weniger, du bist ein Held

Paul Weniger

Der Bergmann Paul Weniger aus Altenbögge-Bönen starb im Kampf gegen die Kapp-Putschisten, die im Frühjahr 1920 die Weimarer Republik durch eine Militärdiktatur ersetzen wollten. Paul Weniger war Mitglied der KPD und Verhandlungsführer der Roten Ruhr-Armee in Pelkum. Er wurde am 3. April 1920 im Hof des Polizeigefängnisses von Hamm erschossen. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Er war 31 Jahre alt.

Die Rote Ruhr-Armee wurde vor allem von Mitgliedern der anarchosyndikalistischen Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften (FVdG) und der Unabhängigen Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) gebildet.

Bönen (dort war mein Großvater 40 Jahre lang Bergmann) ist der einzige Ort im Ruhrgebiet, in dem eine Strasse nach einem Arbeiter benannt wurde, der von der Reichswehr ermordet wurde.

Nächtens

hotel

Kurz gesagt: Mein Hotel ist zwar nicht billig, aber das Personal ist superfreundlich, und – im Gegensatz zu früher – gibt es jetzt hier schnelles (!) unzensiertes (!) Internet. Dafür zahle ich gern ein paar Euronen mehr. Muss ich mal sagen.

Margarethe, Caroline und der Lünschermannsweg, zum wiederholten Male revisited

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Ich schrob hatte schon vor drei Jahren geschrieben: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)?

Man sieht meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs.

Der Emscherquellhof wächst immer mehr zu, in ein paar Jahren wird er aus der Perspektive gar nicht mehr zu sehen sein.

Was ist eigentlich da drunter, insbesondere dem Hixterwald, in dem ich als kleiner Junge oft mit meinem Großvater war? Das sieht man auf der Skizze: Mein Opa hatte in den zwanziger Jahren noch auf den Zechen Margarethe und Caroline gearbeitet und wusste auch noch, wo die Schächte und Stollen des Bergwerks Schwarze Adler waren. Und ich weiß das alles von ihm.

Heimaten

unna

Das ist ein Suchbild.

Bis Montag bekommen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser Facetten aus meinter alten Heimat im Ruhrgebiet zu sehen und was mir so im Kopf herumschwirrt. Ich verstehe nicht, wie man sich über das Wort „Heimat“ so aufregen kann. Ich habe gleich mehrere davon. In der jetzigen wird vorkommen: Die Rote Ruhrarmee, die Schlacht von Pelkum, die Heimatstube Holzwickede, natürlich der Lünschermannsweg, der Hixterwald, vermutlich auch das Ruhrtal, das Canapé usw..

Wie in Rixdorf gewählt wurde

richardkiez

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