Jungbreslau

Breslau Dom

Das Foto habe ich 1982 in Inowrazlaw gemacht. Damals war ich zu Fuß unterwegs nach Dąbrowa Mała (Mittenwalde) und Toruń (Thorn). Ich habe leider die Stelle nicht wiedergefunden.

Volks-Facebook oder: Befreunden Sie diese Personen

bürgerinnennetz

Zitat aus der aktuellen c’t: „Sämtliche Daten sind dabei sicher vor unerwünschten Zugriffen, liegen sie doch auf Regierungsservern.“

You made my day.

Update: Vgl. Hal Fabers Kolumne

Meine eigene Wolke

„Wichtige Daten verfrachte ich nun in meine eigene Wolke. Die kann mir keiner nehmen, solange ich die Server-Rechnung bezahle.“ (Stefan Porteck. c’t-Redakteur, 25.3.2013)

Tweet of the day 60

Der Wurfschuh: „Es heißt übrigens nicht OSTEREI, sondern: Zyklisch realisiertes agrarisches Proteinprodukt mit religiös motivierter Coloration.“

Last Exit Bundesfamilienministerium

Dieser Artikel erschien auf burks.de am 21.09.2008 und ist gerade mal wieder aktuell. In fünf Jahren werde ich ihn vermutlich wieder publizieren – ohne Hinweis auf das Dateum würde es ohnehin niemand merken. Manche Textbausteine in den Medien wiederholen sich eben immer wieder, weil es nicht um Inhalte, sondern um Moraltheologie geht. Und bei derselben liest man am liebsten das Althergebrachte und Gewohnte.

Tagesschau

Medien, das wissen wir nicht erst seit Hal Faber von heute, betreiben nicht nur Aufklärung, sondern auch Volksverdummung. Wir alle machen Fehler. Ärgerlich wird es nur, wenn diejenigen, die Falschmeldungen verbreiten, diese weder zugeben noch korrigieren. Die Tagesthemen vom 06.09.2008, 23.15 Uhr, sind ein lehrreiches Beispiel dafür, dass bei bestimmten Themen nicht Recherche, sondern unkritische Public Relations und das Motto „Kopf ab zum Gebet“ angesagt ist.

Die Kernsätze des Beitrags über „Aussteigerprogramme“ für Neonazis: „Die Szene“ werde „immer aggressiver“ (der Komparativ ist bei alarmistischer Attitude gesetzt). „Wer aus der aktiven Neonazi-Szene aussteigen will, dem droht meist brutale Rache.“ – „Das geht kaum ohne Hilfe.“

Das ist natürlich eine urbane Legende und kompletter Unfug. Die Autoren Boris Hermel und Martin Polansky haben offenbar nicht recherchiert, sondern blind alles übernommen, was ihnen von Exit Deutschland eingeflüstert worden ist. [Beim RBB wollte man mir den telefonischen Kontakt zu Hermel wegen einer Stellungnahme nicht herstellen.] Wenn jemand, der den Aussteig zum Beruf gemacht hat wie Matthias Adrian, der „Kronzeuge“ bei Exit, von einer „Hetzjagd im Internet“ faselt, dann muss man jedes Wort überprüfen. Die Fakten sprechen gegen Adrian – die vermeintliche Bedrohung existiert nicht, sondern dient nur der Selbstvermarktung.

Vater aller „Neonazi-Aussteiger ist übrigens Richard Scheringer. Zahlreiche Ex-Nazis haben Bücher geschrieben oder können bestätigen, dass der Ausstieg aus einem sektenähnlichen Milieu keinesfalls gefährlich ist: Ingo Hasselbach, Danny Thüring, Detlef Nolde, Michael Petri, Gabriel Landgraf, Tanja Privenau, Odfried Hepp, Jan Zobel, Stefan Michael Bar, Stefan Jähnel, Jörg Fischer, Michael Wobbe, Christine Hewicker, Nick W. Greger, Torsten Lemmer und Norbert Weidner. Wenn es Hermel und Polansky um ernsthaften Journalismus gegangen wäre, hätten sie mehr als eine Quelle befragt. Bei diesem Thema findet man das aber kaum, sondern nur Lichterkettenträgerei und Moraltheologie mit den seit zwei Jahrzehnten sattsam bekannten sinnfreien Textbausteinen.

Die eigentliche Falschmeldung ist aber die These, das Bundesarbeitsministerium habe den Förderantrag von Exit abgelehnt. Offenbar hielt es die Redaktion der „Tagesthemen“ noch nicht einmal für nötig, dort nachzufragen. Ich habe es getan. Der Antrag war noch gar nicht beschieden worden und wies auch, wie bei anderen Antragstellern, formale Mängel auf. Exit hat also schlicht gelogen. Auf meine Nachfrage bei Exit wurde behauptet, die Lage sei „noch unklar“. Am letzten Montag sei ein Gespräch mit dem Ministerium angesetzt. Auch das war frei erfunden – das Bundesarbeitsministerum wusste davon nichts.

Tagesschau

Ich habe die „Tagesthemen“ drei mal per E-Mail zu einer Stellungnahme aufgefordert – eine Antwort bekam ich nicht. Vielleicht ist die E-Mail in einem virtuellen Bermuda-Dreieck verschwunden, vielleicht ist das Thema auch zu unwichtig, als dass man sich damit befassen müsste.
„Lieber Kollege Hinrichs, ich hätte gern eine Stellungnahme der Redaktion der ‚Tagesthemen‘ zur Sendung vom 06.09.2008, 23.15 Uhr „‚Initiative „Exit‘ für Aussteiger aus der Neonazi-Szene vor dem Aus“.
1. Die Autoren Boris Hermel und Martin Polansky behaupten, das Bundearbeitsministerium habe den jüngsten Förderantrag von Exit abgelehnt. Welche Quelle gibt es für diese These? Die zuständige Stelle im Bundesministerium für Arbeit und Soziales sagt auf Anfrage, über den Antrag sei noch gar nicht entschieden worden.
2. Welche unabhängigen Quellen gibt es für die These, Exit habe 290 Rechtsextremen zum Ausstieg verholfen? Wurde diese Behauptung überprüft oder beruht sie ausschließlich auf der Selbstdarstellung von Exit?
3. Welche Belege gibt es für die in der Sendung aufgestellte These, Aussteigern aus dem rechtsextremen Milieu drohe „meist brutale Rache“?
4. Warum wird in der Sendung nicht erwähnt, dass Exit auch vom Bundesfamilienministerium gefördert wird?“

Das Hamburger Abendblatt verriet vor fünf Jahren unfreiwillig, wie die Aussteiger-Zahlen von Exit zustandegekommen sein könnten, wenn überhaupt etwas Wahres dran ist: „170 Ausstiegswillige wurden bis heute von „Exit“ betreut. 35 von ihnen haben den Ausstieg geschafft.“ Aber sicher: Jeder, der dort anruft, ist damit offenbar gleich ein „Aussteiger“ und schönt die Statistik. Was „Ausstieg“ bedeutet, kann ohnehin niemand überprüfen.

Man darf sich als Journalist auch mit der „guten Sache“ nicht gemein machen, also auch nicht lügen, um dem Guten zu helfen. Ich zweifele daran, dass „Aussteigerprogramme“ etwas „Gutes“ sind. Man könnte sie ersatzlos streichen, und niemandem würde das unangenehm auffallen. Sie dienen ohnehin der Politik nur als moralischen Feigenblatt. „Gut“ ist die Berichterstattung über das Thema, weil sie als pädagogisch wertvolles Paradebeispiel für mangelnde Recherche und den desaströsen Zustand des Journalismus in Deutschland dienen kann.

Zyperns Banken sollen Politikern Millionen geschenkt haben

Kein weiterer Text nötig. So isser halt, der Kapitalismus.

Unter Zwiebelfreunden

tor

Nur zur Erinnerung: Anonym surfen ist keine Wissenschaft für Geeks, sondern ganz simpel, auch für technisch unbedarfte Windows-NutzerInnen! Einfach ausprobieren – für’s „Zweitsurfen“ sozusagen. Heutzutage hat jeder normale PC soviel Arbeitsspeicher, dass man mehrere Browser benutzen kann, zur Not auch parallel.

1. Schritt: den Tor-Browser Bundle herunterladen und installieren. (Ich habe alles in Englisch hier, aber die Software gibt es auch auf Deutsch.)

2. Wenn man dann die „Executable“ (.exe =das Programm) ausführt, sollte zunächst das Menü der grafischen Oberfläche Vidalia erscheinen, während der eigentliche Browser noch hochfährt.
Vidalia lets you start and stop Tor, see how much bandwidth you are consuming, see how many circuits you currently have active, see where these circuits are connected on a global map, view messages from Tor about its progress and current state, and let you configure your Tor client, bridge, or relay with a simple interface. Included in Vidalia is an extensive help system which helps you understand all of the options available to you. All of these features are translated into a large number of languages.

3. Surfen!

4. Mal in den Optionen von Vidalia herumklicken (vgl. Screenshot). Zum Beispiel lernen, was Tor Bridges sind:
Bridge relays (or „bridges“ for short) are Tor relays that aren’t listed in the main Tor directory. Since there is no complete public list of them, even if your ISP is filtering connections to all the known Tor relays, they probably won’t be able to block all the bridges. If you suspect your access to the Tor network is being blocked, you may want to use the bridge feature of Tor. The addition of bridges to Tor is a step forward in the blocking resistance race. It is perfectly possible that even if your ISP filters the Internet, you do not require a bridge to use Tor. So you should try to use Tor without bridges first, since it might work.

4. Wer sich langweilt, kann die FAQ (Häufig gestellten Fragen) durchlesen und anschliessend seinem sozialen Umfeld erklären, was ein wahrer Zwiebelfreund ist.

By the way: Die gemeinnützige German Privacy Foundation betreibt mehrere Tor-Server. Man kann in den Verein eintreten und das unterstützen!

Kann Weiss sich noch retten?

chess

Schwarz am Zug. Ich zog übrigens Da7 und gewann sofort nach Sxc6.

Fakten zum variablen Kapital

variables Kapital

Naked capitalism zitiert Wolf Richter: „The Stunning Differences In European Costs Of Labor – Or Why “Competitiveness” Is A Beggar-Thy-Neighbor Strategy“:

„Alas, the rejuvenated ’sick man of Europe,‘ Germany, isn’t surviving just by cutting its cost of labor. At €31 per hour, it was 32% higher than the EU average, though 11% lower than in France. In manufacturing, it was even more striking: Germany’s cost of labor of €35.20 per hour was 47% higher than the EU average, but still 3% lower than in France.“

Variables Kapital bezeichnet in der Marxschen Theorie die Lohnkosten der in der Produktion beschäftigten Arbeiter. Der Lohn ist der Preis der Ware Arbeitskraft, die die Kapitalisten von den Arbeitern kaufen. Dieser Wert der Arbeitskraft bestimmt sich dabei durch die zu ihrer Produktion durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit, also die Lebens- und Erhaltungskosten des Lohnarbeiters.

Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert dagegen seinen Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert sein eignes Äquivalent und einen Überschuß darüber, Mehrwert, der selbst wechseln, größer oder kleiner sein kann. Aus einer konstanten Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapitals fortwährend in eine variable. Ich nenne ihn daher variablen Kapitalteil, oder kürzer: variables Kapital. Dieselben Kapitalbestandteile, die sich vom Standpunkt des Arbeitsprozesses als objektive und subjektive Faktoren, als Produktionsmittel und Arbeitskraft unterscheiden, unterscheiden sich vom Standpunkt des Verwertungsprozesses als konstantes Kapital und variables Kapital.

Unter linken Finanzexperten

Rbb Nachrichten: „Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) hat Kritik zurückgewiesen, er gehe bei der Anlage von Geld aus dem Pensionsfonds für Beamte zu hohe Risiken ein. Markov sagte dem rbb am Samstag, er halte sich an die Anlage-Richtlinien, denen der Landtag zugestimmt habe. Zwar seien Gelder aus dem Pensionsfonds für Beamte in Zypern angelegt…“

Vgl auch Telepolis: „Brandenburg investierte Rücklagen für Beamtenpensionen in zyprische Staatsanleihen“.

ROTFL!

Schillhaiderhuber reloaded und revisited

Kollege Feynsinn hat den optimalen Begriff für die neuen hellbraunen Kameraden geprägt: „die unsympathischen Rechtsausleger der Henkel-Lucke-Bande.

Trojaner heimlich zugeflogen

Zeit online erklärt Computer-Voodoo: „Ein heimlich installierter Trojaner durchsucht dabei den Rechner eines Verdächtigen auf zweifelhafte Dateien.“

Ja, so stellt ihr euch das vor. Nur: wie installiert man heimlich ein Trojanisches Pferd, wie es korrekt heißen müsste? Und warum stellt ihr nicht diese einfachste aller Fragen? Oder fliegen euch die „Trojaner“ per Attachment bka_trojaner.exe zu und ihr klickt da drauf?

Real-Time (G)Mail Spying

Slate berichtet: Für das FBI hat das Abhören von G(oogle)-Mail-Accounts höchste Priorität.
That’s because a 1994 surveillance law called the Communications Assistance for Law Enforcement Act only allows the government to force Internet providers and phone companies to install surveillance equipment within their networks.

Wieder etwas gelernt: Was in Deutschland „Telekommunikations-Überwachungsverordnung“ heißt, ist in den USA „Communications Assistance for Law Enforcement Act“. Deutschland setzte nur zwei Jahre später die prophetischen Maßgaben von George Orwell um.

Der Breslauer Dom [Update]

Breslau Dom

Das Foto habe ich 1982 in Breslau (Wrocław) gemacht. Ich habe mir die Kathedrale heute noch mal mit Google Street View angesehen: Damals waren die beiden Spitzen auf den Türmen noch nicht erneuert worden. Von wo aus ich fotografiert hatte, kann ich nicht mehr herausfinden.

Update: Vermutlich waren sie beim Scannen seitenverkehrt – so wie jetzt ist es wahrscheinlicher. Könnte vom Plac Kościelny aus sein… Dank an die Leserschaft!

Rebellion in Ubangi-Schari

CAR

„Ich wünsche Ihnen eine gute Entwicklung da unten.“ (Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959-1969, zu einer Delegation aus Mauretanien)

In der Zentralafrikanischen Republik (aka Sango Ködörösêse tî Bêafrîka oder R.C.A.) gab es vor einigen Tagen einen Militärputsch. Ich fühle mich durch die deutschen Medien nicht hinreichend informiert und habe daher selbst über die Hintergründe recherchiert.

Das letzte Mal hatte ich etwas über dieses Land im Zusammenhang mit „Kaiser“ Jean-Bédel Bokassa gehört, einer der zahlreichen durchgeknallten und korrupten Folter-Despoten Afrikas, der sich aber der besonderen Zuneigung des damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing erfreute: Der schützte ihn mit französischen Soldaten und der Fremdenlegion und erhielt dafür Uran für das französische Atom-Programm. Das übliche und bekannte Muster eben.

Der Plot des aktuellen Putsches scheint zunächst einfach zu sein: Eine ehemalige französische Kolonie, ohne deren Willen oder Duldung bis heute nichts passiert, wie BBC 2007 Einheimische zitierte. „CAR is in many ways still a French colony“. Und zu 80 Prozent christlich.

Der jetzt gestürzte Präsident François Bozizé hatte am 15.03.2003, also vor zehn Jahren, den damaligen Präsidenten Ange-Félix Patassé (Premierminister unter Bokassa) aus dem Amt geputscht. Patassé war offenbar eine Allianz mit Libyen eingegangen, sagt Roland Marchal in französischen Medien; das würde erklären, warum die Franzosen den ersten gewählten Präsenten des Landes damals zugunsten Bozizés fallen gelassen haben. Der abgesetzte Präsident ist laut Al Jazeera in den Kongo geflüchtet.

Der Afrika-Experte Marchal meint, Frankreich habe sich aus den aktuellen Kämpfen herausgehalten, weil „there is no structural or significant strategic interest there“. Das glaube ich nicht: „The landlocked Central African Republic, which is bordered by the Sudans, Chad, Cameroon and the Democratic Republic of Congo, is rich in natural resources such as gold, timber, uranium and diamonds.“

Der jetzige starke Mann ist Michel Djotodia, er war schon vorher „Verteidigungsminister“ und Anführer der so genannten Séléka-Rebellion („Allianz“ in der zentralafrikanischen Sprache Sango) vor einem Jahr. Das ist eine Gruppe mehrere tribal orientierter Warlords aus dem Norden der Zentralafrikanischen Republik. Französische Medien berichteten über Djotodia: „He comes from … a region where he is mostly known as an intellectual who speaks several languages. (…) He studied in Russia and has always had huge political ambitions.“

Einige Medien tischen uns die These auf, die „Instablität“ des Armenhauses Afrikas sei „hausgemacht“. Wie überall in Afrika haben auch die Staatsgrenzen der RCA nichts mit realen ökononmischen, sprachlichen oder kulturellen Gegebenheiten zu tun, sondern waren reine Willkür der Kolonialmächte rund um Französisch-Äquatorialafrika. Übrigens war ein westlicher Teil der heutigen Zentralafrikanischen Republik, der so genannte „Entenschnabel„, vorher Deutsch-Kamerun.

Am 11.01.2013 war es zu einem Stillhalteabkommen zwischen Bozizé und den Aufständischen gekommen. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt dazu, Bozizés Macht sei damals eingeschränkt worden: „Ihm wurde als Premierminister der 55-jährige Nicolas Tiangaye vor die Nase gesetzt, ein angesehener Verfassungsexperte und ehemaliger Menschenrechtsanwalt.“ Tiangaye wird auch unter den neuen Machthabern im Amt bleiben. [Wenn man sich den Wikipedia-Eintrag über ihn anseht, den die Mainstream-Medien natürlich nicht verlinken, bekommt das „angesehen“ einen merkwürdigen Geschmack: Der Mann weiß vermutlich zu viel, als das man ihn loswerden könnte.]

CAR

Die Nachrichtenagentur AP schreibt: „The rebels say they are seeking the release of political prisoners and the integration of rebel forces into the national army. Seleka also wants South African soldiers who have been on assignment in Central African Republic to leave the country.“ Interessant ist, dass Südafrika (Mandela-Land!) Truppen geschickt hatte, die dem jetzt gestürzten Präsidenten helfen sollten, was offenbar misslungen ist.

Man fragt sich natürlich, warum Frankreich in Mali interveniert hat, nicht aber beim Putsch in Bangui. Die NZZ berichtet, dass die Warlords der „Webellen“ aus dem Tschad unterstützt würden. Man muss wissen, dass es vor allem um Diamantenschmuggel geht. Ein Drittel der Edelsteine verlassen illegal das Land. Die Organisation Kimberley-Prozess, einer internationalen Organisation zur Unterbindung des Handels mit „Konfliktdiamanten“, zu der auch die RCA gehört, sollte das eigentlich verhindern. eine Pressemitteilung von medico international klärt uns auf, dass es sich wohl nur um eine „Selbstverpflichtung“ der Industrie handelt, keine Diamanten zu akzeptieren, mit denen Kriege finanziert werden. Es gibt keine Konsequenzen, wenn sich jemand nicht daran hält. „Holz und Diamanten stellen die wichtigsten Exportgüter dar, die zusammen zwei Drittel des Exports ausmachen.“

Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Frankreich greift nur dann militärisch ein, wenn jemand anderes an der Ausbeutung Afrikas beteiligt werden will, etwa einheimische „Rebellen“. Das ist aktuell nicht der Fall. Die neue Machthaber hätten gegen französische Soldaten keine Chance. Die Kolonialmächte können mit Warlords sehr gut leben, auch wenn die die Bevölerung abschlachten und den Staatshaushalt in die eigene Tasche verschwinden lassen. Die Idee einer wahren Unabhängigkeit ist ausgestorben.

Es war auch einmal anders: Ubangi-Schari, wie das Gebiet früher genannt wurde, wurde im „Afrikanischen Jahr“ 1960 „unabhängig“ von Frankreich. Der erste Premierminister Barthélemy Boganda progagierte die „Vereinigte Staaten von Lateinafrika“, ähnlich wie Simon Bolivar in Südamerika.

„Ein wichtiges Anliegen war Boganda, die Einheit der Staaten des bisherigen Französisch-Äquatorialafrika auch für die Zukunft zu sichern, was am Widerstand des relativ wohlhabenden Gabun unter Léon M’ba scheiterte. Als Gegengewicht zu den arabischen und ehemals britischen Gebieten Afrikas schlug Boganda 1957 den Zusammenschluss der ehemaligen französischen, portugiesischen, spanischen und belgischen Kolonien Zentralafrikas zu den Les Etats-Unis de l’Afrique Latine (Französisch) bzw. Estados Unidos da África Latina (Portugiesisch) vor.“

Boganda, schon zum Premierminsiter ernannt, verunglückte 1959 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz – noch vor der Unabhängigkeit. Wen wundert das…

Bildquellen: Wikipedia (unten: „Soldiers of the Forces Françaises Libres near Bangui in the Oubangui-Chari region (nowadays the Central African Republic) in 1940“)

Traumwelten

Empfehlung (obwohl ich ja eigentlich Flickr boykottiere): Juno Angerona’s photostream über Second Life und Gor.

Was Journalisten verdienen

Freischreiber: „Was Journalisten verdienen“

Wer ist der Nächste?

kommentare

24.03.2013, 12.32 Uhr

#dafaelltdirnixmehrein zum „Leistungsschutz“recht

Joerg Heidrich, Anwalt des Heise-Verlags, via Google+: „Auch lustig: Unternehmen klaut bei heise.de News aus dpa-Quelle im Volltext und setzt sogar sein eigenes ‚Copyright‘ drunter. Jetzt wird er von dpa abgemahnt und will per Anwalt von uns Schadensersatz, da wir nicht darauf hingewiesen hätten, dass man unsere Artikel nicht klauen darf.“

Tweet of the day 59

„The whole ‚American Dream‘ is pretty much a fairy tale.“ – Linus Torvalds https://plus.google.com/+LinusTorvalds/posts/J1NCgKQi55X (via Poul-Henning Kamp)

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