El Hoyo

el hoyo

Herausragend, brilliant, ultraspannend, brutal gut, grausam, SciFi vom Feinsten: Der Schacht (El Hoyo, in Spanisch, mit Untertiteln) bei Netflix.

Aus den Rezensionen:
In einer Hölle aus Beton wacht unser Held aus Der Schacht auf, die unvorstellbare Schrecken in ihren Tiefen verbirgt. Unvorstellbar? Nicht lange, denn einige davon werden wir in dem klaustrophobischen Thriller mit Horror-Einschlag mit eigenen Augen sehen müssen. Wem die Baby-Ess-Story aus Snowpiercer noch im Magen rumort, der sollte die erstklassige spanische Genre-Entdeckung am besten auslassen.

So bizarr und unwirklich die Einrichtung auch im ersten Moment erscheinen mag, so zeichnet der Film selbst mit jeder weiteren Minute eine Welt ab, die echter und realer kaum sein könnte. Gerade in Zeiten der Corona-Krise wirkt die fehlende Solidarität, die im Film als zentraler Anker fungiert, nahbarer denn je. So ist „Der Schacht“ nicht nur der verstörendste Film seit langer, langer Zeit, sondern zugleich einer der brillantesten in seinem Genre. Muss man gesehen haben – wenn man es denn aushält! (Kinoundco)

Da die Rezensenten politisch offenbar ungebildet sind: “Der Schacht” ist auch eine Parabel darauf, ob und wie Revolutionen möglich oder unmöglich sind. (Ich musste zwischendurch pausieren, so hat mich das Geschehen mitgenommen – und ich bin nicht wirklich zimperlich. Unbedingt im Original anschauen und mit Untertiteln.)

RIP Papa Manu

manu dibango

Manu Dibango ist an Covid-19 gestorben. Ich empfehle den Nachruf der Süddeutschen: “Bach, Händel und ein Halleluja”.

Das waren noch Zeiten, als man CDs kaufte….

Am Gesäß

bomelino
Credits: Bomelino

Was gibt es heute? Das Gesundheitssystem ist am Gesäß: “Nur ein Labortest bietet Sicherheit – doch obwohl Krankenkassen die Finanzierung zugesagt haben, sind sie bislang vielerorts kaum verfügbar. In Berlin führen etwa die an einigen Kliniken eingerichteten Testzentren jeden Tag nur einige dutzend bis wenige hundert Tests durch. Und das auch nicht bei allen Patienten. Teils werden Erkrankte nicht getestet, wenn sie nicht in Risikogebieten und nicht in Kontakt mit einem sicher infizierten Menschen waren.”

Bitte hört auf, mir Zahlen zu nennen, wieviel Menschen infiziert seien.

Zum Thema gibt es einen Aufruf der Pflegekräfte:
Pflege(-fach)kräfte sind ein wertvolles Gut, dass es nun zu schützen und zu schätzen gilt!
Schade, dass diese Wahrheit noch nicht bei allen durchgedrungen ist, ist (man hatte sich wohl an die devote Haltung der Pflege gewöhnt).
Nur in diesem Kontext ist eine offensichtlich mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg abgestimmte Mitteilung der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft e.V. zu verstehen, die gestern Abend an die Pflegeeinrichtungen in diesem Land ging:
Man bemühe sich Schutzmaterial zu besorgen, aber die Verteilung müsste organisiert werden und man wisse auch nicht, wann es überhaupt vorhanden ist, und falls keines mehr organisierbar ist, sollen wir einfach ohne Schutz weiterarbeiten.
Sie werden jetzt vielleicht verwundert sein, aber genau so geht es nicht!”

Ich bin nicht verwundert. Mal sehen, ob die jemals ein bisschen militanter werden und merken, dass das System kein Bug ist, sondern ein Feature.

And now for something completely different.

bomelino
En noir et blanc … une photo de Leonard Misonne, dans la gare de Namur, en Belgique, en 1938 … Atmosphère, atmosphère … Credits: Lumière de l’Atelier

Auf Fratzenbuch gibt es mehr – eine ganz wunderbare Kollektion: “En noir et blanc…”

Fighting over a yoghurt pot and a lot of browsing the internet

Welch schöne Metapher! Affen verhalten sich irgendwie wie Menschen in Stressituationen. The Guardian: “A video filmed this week in Lopburi, north-east of Bangkok, showed large crowds of monkeys brawling in the streets, apparently fighting over a yoghurt pot. Residents in the city, which is famed for its monkey population, say the fall in tourist numbers means there are far fewer people offering food.”

Es gibt auch andere Filme zum Thema.

And now for something completely different. Der Tagesspiegel schreibt, was der Kapitalismus-affine Journalist in seiner grenzenlosen Naivität so denkt: “…Freiberufler fallen zu lassen, das kann nicht der Anspruch einer sozialen Marktwirtschaft sein.”

Ach?! Kann es nicht? Der Kapitalismus kichert sich einen. By the way: Gibt es auch eine asoziale Marktwirtschaft? Nein, gibt es nicht. Soziale Marktwirtschaft ist Neusprech.

And now for something completely different. Ich versteht nicht, falls Quarantäne angesagt wäre, wie man sich auch nur eine Sekunde langweilen kann. Ich habe hier noch zwei Dutzend Bücher herumliegen, die ich alle noch lesen will – und komme leider nur selten dazu. Und es gibt immer genug zu entdecken, wenn man des Lesens temporär überdrüssig sein sollte. Emfpehlenswert auf Netflix: The Walhalla Murders sowie Jan de Lichte und seine Bande (den sollte man auf Flämisch (!) ansehen und mit deutschen Untertiteln – manchmal sprechen die auch im Original Deutsch).

And now for something completely different. IFLScience: “The long-lost capital of an ancient Maya kingdom has been discovered in the backyard of a cattle rancher in southeastern Mexico. Now dubbed Lacanja Tzeltal, named for the nearby modern community, the ancient city is thought to be the capital of the Sak Tz’I’ – “white dog” – kingdom, located in Chiapas, Mexico”.

Auch bildend und unterhaltend ist der Vorschlag: “Going into a self-quarantine can have many complex issues and complications beyond having enough food and supplies for two weeks. In terms of entertainment, it also probably means you’re in for a lot of boredom, a lot of Netflix, and a lot of browsing the internet.

But there is a way to get a little culture and education while you’re confined to your home. According to Fast Company, Google Arts & Culture teamed up with over 500 museums and galleries around the world to bring anyone and everyone virtual tours and online exhibits of some of the most famous museums around the world.”

torvaldsland

Schade, dass es den Dresdner Zwinger nicht mehr online gibt, den würde ich mir mein Avatar sich in der freien Zeit gern noch einmal anschauen. Dann also wieder Gor (vgl. oben).

Betr.: Apokalypse und ein Buch mit sieben Siegeln

plautus

“Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist.” Sagte Plautus, und die Hobbesche Version hat man missinterpretiert. Sozialdarwinistisch meinte der das nicht. In Science-Fiction-Romanen und -filmen wird bekanntlich häufig das Szenario durchgespielt, wie Menschen angesichts einer beliebigen Apokalyse reagieren – meistens vorhersehbar.

burks

Ich werde weiter arbeiten, zur Zeit habe ich mit Publikum nicht viel zu tun, und mit meinen Kollegen kann ich über Funk kommunizieren. Was passiert aber, wenn die Polizei, die Feuerwehr und ein großer Teil des medinizischen Personals ausfallen?

Die biblische Apokalypse, die man zu diesem Anlass lesen könnte, ist übrigens ein ganz großartiges Stück Literatur, das auch Luther verwirrt zurückließ. In modernen Versionen ist leider der Text der so genannten Offenbarung des Johannes so eingeebnet und verhunzt, dass der ursprüngliche kryptische und fast unheimliche Text kaum noch zu erkennen ist. Heute würde man annehmen, dass der Autor auf einem psychodelischen Trip war. Das “Buch mit sieben Siegeln” und die Apokalpytischen Reiter sind in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.

Ich übrigens gehe davon, dass der Text ein astronomisches Traktat ist. Auch Ranke-Graves argumentiert ähnlich.

apokalypse

Sogar Friedrich Engels war fasziniert und hat darüber ein längeres Traktat geschrieben, was immer noch den heutigen Forschungsstand wiederspiegelt. “Das Christentum ergriff die Massen genauso, wie es der moderne Sozialismus tut, in Gestalt mannigfaltiger Sekten und noch mehr durch widersprechende individuelle Meinungen – manche klarer, manche verwirrter, wobei die letzteren die große Mehrheit bildeten -, aber alle sind dem herrschenden System, “den bestehenden Mächten”, feindlich gesinnt.”

Die Verwirrten bilden die Mehrheit – auch diese Sentenz ist aktuell und universell gültig.

Jetzt aber zu aktuellen Apokalypse.

Der Tagesspiegel:
Sieben Millionen Tote binnen drei Jahren, Engpässe bei Lebensmitteln und ein Gesundheitssystem, das so überlastet ist, dass Menschen nicht versorgt werden können und sterben.

So steht es in einer “Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz” der Bundesregierung aus dem Jahr 2012, dem Bundestag vorgelegt Anfang 2013. Es geht darin auch um eine Pandemie, ausgelöst durch einen fiktiven Virus. (…)

Nach Abklingen der ersten Welle gibt es demnach zwei weitere, schwächere Wellen, bis drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Erkrankungen ein Impfstoff verfügbar ist. Grund für die weiteren Welle: Auch Personen, die die Krankheit “durchlebt” haben, werden zunächst immun, dann aber wieder anfällig: Weil das Virus mutiert.

Die Pandemie würde also über einen sehr langen Zeitraum anhalten (….) Die Bundesregierung rechnet mit mindestens 7,5 Millionen Toten.

Eine Maske brauche ich aber noch nicht.

burks mit Maske

Unter Moralapostelinnen

Cicero: “Rowohlt-Autoren wie Margarete Stokowski fordern ihren Verlag auf, Woody Allens Autobiografie Ganz nebenbei nicht zu veröffentlichen. Dabei sind die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn nie bewiesen worden. Für den Traditionsverlag wäre ein Einknicken vor den Moralaposteln ein Armutszeugnis. (…)
Dabei habe Mia, die selbst aus eine dysfunktionalen Familie stamme, ihre Adoptivkinder ständig angeschrien, geschlagen, eingesperrt, oder Gehirnwäschen unterzogen, damit sie kleine Vergehen gestehen (…)
Und dass ausgerechnet Stokowski fordert, Allen seines Privatlebens wegen zu zensieren, ist beinahe komisch. Die Spiegel-Kolumnistin ist Trägerin des Kurt-Tucholsky-Preises, immerhin ein Autor, der einerseits radikal gegen jegliche Zensur eintrat, auch wenn sie unter dem Deckmantel der Moral und des Jugendschutzes daherkam und dessen erste Frau andererseits die Scheidung einreichte, weil sie (wie sie sagte), über seine Geliebten hinwegsteigen musste, um in ihr Ehebett zu kommen. Vielleicht sollte Stokowski wenigstens das Preisgeld an ein Frauenhaus stiften.”

Alles einfach nur ekelhaft.

Nahe an Armageddon

burks

An manchen Orten in Berlin, wenn man zu Fuß unterwegs ist, fühlt man sich nahe an Armageddon. Wieso muss ich an die visionäre Band Kraftwerk denken?

Keine Panik! Oder Speichen und Sprechpuppen

Burks

Nach vier mal zwölf Stunden und zwei Mal acht hat die Leserschaft einiges verpasst, da mir die Zeit zum Bloggen fehlte. Die Politik hierzulande ist bekanntlich grottenlangweilig. Was soll man dazu schreiben? Man muss das aus der Perspektive der Chinesen sehen – 2000 Jahre Kultur und die passende Schrift dazu – und was dauerhaft wichtig ist. Oder auch der Italiener, die seit der Gründung Roms erfahren sind in der permanenten Intrige der Herrschenden gegen alle anderen und sich selbst.

Was wird man in einem halben Jahrhundert sagen über die SPD, Thüringen hinter den sieben Bergen bei den sieben politischen Zwergen, einen Friedrich Merz und seine widerwärtigen Vorbilder? Da lobe ich doch meinen Großvater, der als Analphabet zur Zeit der russischen Revolution nach Deutschland kam und intuitiv wusste, dass Hitler ein “Arschloch” (Zitat von meiner Mutter überliefert) war.

corona

Apropos Corona und Corona-Prophylaxe [Update von der WHO]: An den Folgen der “Spanischen Grippe” starben in Deutschland geschätzt mehr als 400.000 Menschen, infolge der “Asiatischen Grippe” starben 1957/58 rund 29.000 Menschen, und infolge der “Schweinegrippe” im Winter 2009/10 starben 350 Menschen. Just saying. Fakten und Statistiken sind immer prägnanter als Talkshow-Gelaber.

lego
Credits Martin Heuwold (megx.one|Instagram)

Man kann sich mit Kunst beschäftigen oder mit Wissenschaft. My Modern Met schreibt über Lego am Bau. Schön! Mehr davon!

Das Smithsonian Magazin stellt die verwegene These auf: “Fairy tales could be older than you ever imagined”. Das ist aber nicht neu, das Nibelungenlied ist nur ein Beispiel. Man muss sich diese oral history aber wie eine Schichttorte vorstellen: Die Erzähler bzw. Sänger wussten nicht immer um den tieferen Gehalt, was wiederum garantierte, dass dieser nicht ganz verfälscht wurde, da es auch darum ging, das Erinnerte genau so wiederzugeben, wie man es gelernt hatte. Vgl. auch die Quellen zum Thema Pontos Oxeinos sowie Ranke-Graves, insbesondere Die Weiße Göttin. Nicht zu vergessen Die Erlkönigin (der beste Artikel, den ich jemals geschrieben habe).

ming
Credits: Lei Xue

Noch mal My Modern Met: “Smashed cans sculpted in the traditional style of Ming dynasty porcelain. Das nenne ich wahrhaft große Kunst, die man sich lange anschauen kann.

ming
Credits: Somewhere on the internet

Jetzt nur noch gute Nachrichten, zum Beispiel grüne Dörfer und Entenarmeen.

And now for something completely different. Auch wenn der Beklagte ein politischer Idiot ist, kann ich klammheimliche Freude nicht verhehlen. Eine auch hier schon erwähnte Klägerin darf “islamische Sprechpuppe” und “Quotenmigrantin der SPD” genannt werden. Die Textbausteine sind natürlich keine Tatsachenbehauptungen, sondern werden durch das Recht, die freie Meinung zu äußern, gedeckt. Die Klägerin blamierte sich schon durch die Klage und zeigt, dass sie das nicht verstanden hat. Und auch der Kommentar Katja Füchsels und Sebastian Lebers greift total ins Klo: “Für Rechtsradikale ist Sawsan Chebli ein Trigger auf zwei Beinen”. Nicht nur für die. Wer den Blödsinn, den die Dame von sich gibt, kritisiert, wird in die rechte Ecke gestellt? Geht’s noch? Ihr habt doch ein Rad ab.

Da zitiere ich zum Trotz Henrik M. Broder noch einmal:
Die Berliner Staatssekretärin für bürgerschaftiches Engagement und ähnliches Gedöns hat vor kurzem wieder mal Auschwitz besucht….) Derweil Frau Chebli, die den IQ einer Birkenstocksandale mit dem Charme einer handbetriebenen Kaffeemühle verbindet, noch lauter gegen Rassismus aufsteht. (…) Ob die Frau nun einen an der Klatsche oder nicht alle Speichen am Rad hat, dafür ist das Duisburger Amtsgericht zuständig. Was man auch ohne juristischen Beistand sagen kann, ist, dass sie unter einem hypertrophen Mitteilungszwang leidet, der in der Fachliteratur als Logorrhoe bezeichnet wird.

veganer

Auch schön: Der Hijabisierung wird zumindest vor Gericht Einhalt geboten. Auf Fratzenbuch wurden die Richter als “Kulturrassisten” beschimpft, ein Wort, das direkt aus Pallywood stammen könnte.

Der Schockwellenreiter schrieb dazu: “Negative Religionsfreiheit bedeutet auch, die katholische Kirche als das bezeichnen zu können, was sie ist – eine Kinderfickersekte. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat mich wegen dieser Behauptung der Gotteslästerung angeklagt, die zuständige Richterin sah das allerdings anders. Eine Richterin mit Kopftuch hätte da sicher im Sinne der katholischen Kirche entschieden. Daher gilt: Kein Kreuz, keine Kippa und kein Kopftuch in Gerichten (und auch nicht in Schulen oder sonstigen Amtsstuben). Wir Atheisten fordern endlich die Freiheit von den Religioten.”

Zum Schluss noch ein Video (Facebook).

Outlander oder: Kostüm-Schmonzette

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Der Netflix-Algorithmus schlug mir Outlander vor, eine unendlich lange Serie nach der Romanvorlage von Diana Gabaldon. Ich muss jetzt schlucken und komme mir vor wie bei einer Beichte. Wie kann man so eine Schmonzette angucken? Dazu fällt mir Tucholsky ein:
Jeder historische Roman vermittelt ein ausgezeichnetes Bild von der Epoche des Verfassers.

Ich gebe also zu, dass ich überraschenderweise gefesselt war und die ersten beiden Staffel, die in Schottland und Paris spielen, mehr oder weniger am Stück angesehen habe. Die dritte und die vierte Staffeln (vorwiegend in den USA des 18. Jahrhunderts) fallen etwas ab. Die Bücher habe ich mir anschließend besorgt, weil ich mein Englisch verbessern will. Ich vermute, dass die schlechter sind als die Verfilmung.

Zugegeben: Das Thema Zeitreise wurde schon langweiliger bearbeitet. Der Plot von Outlander ist sogar ganz intelligent gemacht, da man nicht wirklich erfährt, warum ein Stein eines neolithischen Heiligtums in Inverness ermöglicht, ins 18. Jahrhundert reisen zu können. Wenn man erst mit Physik kommt, kann man das ohnehin vergessen.

Exzellente Nebenwirkung: Ich weiß jetzt sehr viel über die Geschichte Schottlands, inklusive der Jakobiten und Schlacht von Culloden. Man bekommt Lust, dorthin zu reisen. Der Plot spielt auch ganz witzig auf die heutige Unabhängkeitsbewegung an, und einer ihrer schauspielerischen Protagonisten (Lotte Verbeek als Gillian Edgars) findet sich plötzlich als Hexe in der Vergangenheit wieder, was seinen Reiz hat.

Zu der Hauptdarstellerin Caitriona Balfe: Mich nervte total, dass die Dame ständig heult oder das typisch weibliche soziale Lächeln zeigt und dass sie natürlich Krankenschwester/Heilerin ist. Ich würde sie gern persönlich kennenlernen, um herauszufinden, ob sie nur schauspielert oder ob sie immer so guckt. Vermutlich waren englische Damen im 18. Jahrhundert wirklich so. In der Serie darf sie den Traum jeden Models ausleben und in gefühlt mehr als einer Million Kostümen herumlaufen. Sie gibt neben ihrem Filmpartner Sam Heughan ein gutes und sympathisches Bild ab, obwohl ich die Sexszenen bei der x-ten Version langweilig fand. Auch bei den “Beziehungsgesprächen” habe ich meistens den Vorlauf-Button gedrückt.

Aber zum eigentlichen Thema: Von Outlander kann man lernen, wie man heute Drehbücher schreiben muss. Es ist schwer, in überlangen Serien die Spannung hochzuhalten, weil man irgendwann meint, alles schon zu kennen. Nicht jedoch bei Outlander, was vermutlich aber auch an dem kompliziert und schlau konstruierten Plot liegt. Alles verweist auf alles, man merkt es oft aber erst im Nachhinein.

Ich habe es hiermit gebeichtet und bereue nicht.

Unter Elektronegern

Ein Mann seiner Klasse

Buchempfehlung: Ein Mann seiner Klasse von Christian Baron, dessen Buch “Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten) ich hier schon lobend erwähnte.

Deutsche Journalisten stammen fast ausnahmslos aus der Mittelschicht. Das bedeutet: Sie nehmen den Klassenstandpunkt der Mittelschicht ein – und nur den – und leugnen es gleichzeitig. Sie leugnen auch unisono, dass es Klassen gebe, und wenn doch, dann höchstens, was “Bildung” angeht.

Baron passt nicht in das Schema, er stammt aus den Slums von Kaiserslautern. Das Buch schildert seine Kindheit zwischen einem prügelnden Vater und einer depressiven Mutter. Wer aber glaubt, es gehe darum, nur zu jammern und zu einem guten Ende – also dem sozialen Aufstieg – zu kommen, der irrt. Baron schildert ohne Gefühlsduselei das, was das Leben vieler prägt, die nicht zwischen Klavierstunde und Bücherregal großgeworden sind.

Man muss natürlich die Anspielung des Titels verstehen. Wie würde die “Linke” heute mit Arbeitern umgehen, deren Lobby sie sein sollte, die aber so sind wie der Vater des Buchautors? Die “Elektroneger” sagen, wenn sie jemanden verspotten wollen, der im Sonnenstudio war? Für die “keine Gewalt” ein Fremdwort ist? Die saufen, rauchen und sich arm durchs Leben schlagen müssen?

Die, die gemeint sind, werden das gar nicht merken. Linke verirren sich nur selten in soziale Brennpunkte. Und wenn doch, dann meiden sie den Kontakt zum “white trash” und wenden sich – was allein natürlich unterstützenswert ist – den dort lebenden Flüchtlingen zu.

Ich habe es mit Gewinn gelesen.

Pferdefleisch und andere Miszellen

pferderoulade

Wo beginnt man am besten, um die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser zu interessieren? Mit Vögeln? Mit dem notwendigen Wissen über die hierzulande verbotenen Generalstreiks? Mit einer regional begrenzten Version? Mit Beethoven, der gar nicht taub war, obwohl alle das behaupteten? Mit alten Schildkröten? Oder Mäusen? Oder mit der erst jetzt beantworteten Frage, warum die Leiche Alexander des Großen eine Woche nicht verweste?

spiegel

Oder mit den weiblichen Brüsten und der Frage, wo sie beginnen? Apropos, Spiegel online: Ihr tut alles, aber auch wirklich alles, damit ich euch nicht mehr lese. Wenn ich das aber doch wollte, erlaubte ich temporär Cookies und lösche die aus purer Boshaftigkeit, wenn ich eure Website verlasse. Ich denke nicht daran, meine IT-Abteilung zu konsultieren. Wenn ich eine hätte, würden die sich totlachen.

Ich lese kaum noch deutsche Medien, sondern bezahle den Guardian, der gerade über eine ‘ghost population’ of ancient humans berichtet – spannende Sache!

bücherregelbücherregel

Vor fünf Jahren wies der Schockwellenreiter auf einen Artikel hin, dessen Autor dazu auffordert, Bücher wegzuwerfen und bramarbasierend schreibt:
Viele Bücher hingegen sehen aus wie “viel in der Birne”.
Das ist so, als würde jemand, der jeden Abend das heute Journal guckt, über Jahrzehnte jede einzelne Sendung zum Nachweis auf DVD brennen. Macht aber hoffentlich keiner.
Wer Bücher zum Angeben aufhebt, trägt bestimmt auch langärmlige Hausjacken mit Zopfmuster. Ich wette, da gibt es Studien. So!

So! Dagegen muss ich mit Fotos argumentieren. Gar nicht wahr, was der Kerl behauptet.

rohe kräfte

Übrigens: Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten. (Die Nachgeborenen wissen natürlich weder, woher das Zitat stammt, noch haben sie die Originalquelle gelesen, obwohl man dort lernen kann, wie elegant Verben im Deutschen eingesetzt werden können, so dass, versuchte man die unerreichte Sprachkunst eines Heinrich von Kleist oder eines Friedrich Schiller zu imitieren, sogar Pressemeldungen der “Linken” lesbar, eingängig und verständlich wären und natürlich ganz ohne hässliche Wörter auskämen, die auf “ung” enden oder mit Gendersternchen verunziert wurden.)

Innenpolitischer Wetterwinkel

schützinger bürgerkrieg

Ich habe mir aus Gründen der Familien-Recherche ein antiquarisches und höchst interessantes Bändchen zugelegt, bei dem mich eine Seite ungefähr einen Euro gekostet hat: Herrmann Schützingers “Bürgerkrieg” (weder auf Amazon noch Ebay noch im Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher erhältlich), erschienen 1924 im Verlag Ernst Oldenburg, Leipzig, 64 Seiten mitsamt Karten. Im ersten Band von Erhard Lucas’ Märzrevolution fand ich den Hinweis:
Der Verfasser war höherer Polizeioffizier in der Staatlichen preußischen Polizei. Sein Ziel ist: es, die richtige Strategie und Taktik bei der Bekämpfung von Aufständen, sei es von links oder von rechts, zu entwickeln. Für Schützinger ist es selbstverständlich, daß nicht nur die Polizei, sondern auch das Militär im Innern zur “Erhaltung das Staates”, der “demokratischen Republik” eingesetz wird. Wichtig ist ihm die Frage, nach welchen Grundsätzen der Einsatz erfolgt, und seine Stellungnahme geht dahin, daß das nicht die Grundsätze des Militärs sein dürfen, die auf Vernichtung des Gegners zielen, sondern “die Polizei-Technik und -Taktik”. Bei Aufständen von links zum Beispiel, argumentiert Schützinger, ist es keine Kunst, militärisch gegen die rebellierenden Arbeiter vorzugehen; das Ergebnis wird sein, daß sie erst recht ins Lager der Kommunisten (“kleine Clique von Narren und Desperados”) getrieben werden. “Viel höher steht uns jedoch das Ziel, den Brandherd eines rebellierenden Industriegebietes zu löschen durch die gefühlsmäßige und tatsächliche Trennung der staatstreuen Arbeiterschaft von den antirepublikanischen Kampfgruppen und die Bändigung dieser aktivistischen Reste durch Isolierung und möglichst unblutige Beugung unter Recht und Gesetz.”

Diese Ausführungen, die Verfeinerung der alten “Rädelsführer”-Theorie, sind sozusagen die Anfänge der Polizeipsychologie in Deutschland. Dabei ist es interessant zu sehen, wie die eigentlichen politischen Fragen zu Fragen der psychologisch geschichten Behandlung der Massen werden. Am Beispiel des Arbeiteraufstands von 1920 an der Ruhr (nach Schützinger der bisher einzige Arbeiteraufstand in Deutschland, der bis zum höchaten Stadium kam, nämlich zur Bildung einer geschlossenen Front gegenüber Militär und Polizei): hier seien, so Schützinger, von der militärischen Führung “Fehler” und “Dummheiten” gemacht worden, z. B. als der Vormarsch ins Ruhrgebiet vor den vertraglich festgesetzten Terminen begonnen wurde, als Standgerichte eingesetzt wurden, oder auch als zu Beginn des Aufstandes Truppen unter der alten Flagge der Monarchie ins Aufstandsgebiet einmarschierten. Solche “Fehler” und “Dummheiten” sollen künftig durch “staatsbürgerliche” Erziehung von Polizei und Militär vermieden werden.

In gewisser Weise kann Schützinger als Sprachrohr seines obersten Vorgesetzten verstanden werden, eines führenden Sozialdemokraten, der 1919 von den beiden Regierungen des Reiches und des Landes Preußen als politischer Kommissar ins Ruhrgebiet entsandt wurde, und der dann selbst ab 1920 als preußischer Innenminister die von Schützinger formulierten Grundsätze in der staatlichen Polizei praktisch durchsetzte: Carl Severing. 1927 veröffentlichte Severing seine Erinnerungen an seine Tätigkeit im Ruhrgebiet unter dem Titel 1919/1920 im Wetter- und Watterwinkel. Als innenpolitischer “Wetterwinkel” galt das Ruhrgebiet wegen seiner starken sozialen Gegensätze seit langem; Watter war, der Name des seit Januar 1919 amtierenden Oberbefehlshabers der in Rheinland und Westfalen stehenden Truppen mit dem Sitz in Münster.

Schützinger beschäftigt sich auch damit, wie ein Aufstand von Rechts, den er für gefährlicher hielt, bekämpft werden könne und müssen. Interessant ist sein Blick auf die Perspektive: Heute würden bürgerliche Historiker nicht von einem Bürgerkrieg reden, sondern von Aufständen, was die Sache gleich entpolitisiert und die Aufständischen zu Illegalen, ja zu Terroristen macht.

schützinger bürgerkrieg

Zone Blanche

black spot

Allerwärmste Empfehlung: Black Spot, eine französisch-belgische Produktion auf Netflix.

Wer mehr US-amerikanische und russische Serien gewohnt ist (wie ich), empfindet französisches Kino als wohltuend intelligent (vgl. Ad Vitam). Das Niveau könnte nur durch südkoreanische oder japanische Filme übertroffen werden – die überfordern den durchschnittlichen Europäer aber meistens (vgl. Bittersweat Life).

Vor allem die unglaublich überzeugend spielende Suliane Brahim (die ich leider bisher noch gar nicht kannte) macht die Serie zu einem ästhetischen Genuss. Von einem Augenblick zum anderen kann sie nur mit Gesichtsausdruck von einer mittelalterlichen verschlossenen harten Frau zu einem jungen hübschen Mädchen wechseln. Das nenne ich Schauspielern. Große Kunst und großes Kino.

Auch die anderen Rollen sind hervorragend besetzt, vor allem ihr Counterpart, ein gegen alles allergischer Staatsanwalt, dessen sanfte Coolness und nie erlahmende Ausdauer die lethargischen Hinterwäldler zur Raserei bringt.

Zu Beginn wusste ich nicht, was mich erwartet: Nur ein Krimi oder Mystery (igitt) oder gar Horror? Der Wald als prägendes Ambiente ist eigentlich ein typisch deutscher Plot, hier auch in opulenten Bildern düster umgesetzt.

Ich habe mich bisher keine Sekunde gelangweilt: Keine überlangen Dialoge, keine übermäßige Action – trotzdem spannend bis zum Zerreißen. (Ich schaue den in Französisch mit Untertiteln. Mein Schulfranzösisch kommt so langsam wieder zum Vorschein.)

Ich bin immer noch bei der ersten Staffel, aber ich habe den Verdacht, dass die Kommissarin und der Staatsanwalt sich noch näher kommen werden, obwohl es zur Zeit nicht so aussieht.

black spot

Was sonst noch so geschah…

he's not the Messiah

– Terry Jones, die Mutter des Brian, ist gestorben. Er wird genau so unsterblich und inspirierend sein für andere wie Buster Keaton.

The Guardian: “Greenwald charges are ‘existential threat’ to journalism in Brazil, says Edward Snowden.” (Ich vermute, dass die deutschen Medien alles vom Guardian übernommen und umgeschrieben haben.)

“Prosecutors claimed on Tuesday that Greenwald, 52, ‘helped, encouraged and guided‘ a group of hackers who obtained phone messages between key figures in a sweeping Brazilian anti-corruption investigation.”

– Die BBC schildert die Situation auf den ägäischen Inseln: “Greece migrant crisis: Islanders strike over crowded camps”.

“North Aegean Regional Governor Kostas Moutzouris said on Wednesday he was “annoyed” that Greek islands had been “turned into places of concentration and detention” for thousands of people around the world.”

The New York Times: “Leaders in Israel to Mark 75 Years Since Auschwitz Liberation. Jerusalem is hosting the largest political gathering in its history, as monarchs, presidents and premiers arrive to speak out against the rise of anti-Semitism and commemorate the Holocaust.” Der deutsche Bundespräsident ist auch dort.

La cantante! oder: Kauf mir was Süßes!

beamer

Endlich habe ich neuen Beamer (Link geht zu Amazon) zum Laufen bekommen und kann das, was ich größer sehen will, auf die Leinwand werfen.

Es läuft: El Ducero, Septeto Tumbao, de Villa Clara, Cuba. La cantante es extremadamente hermosa! Sie heisst Claudia Leanet Medina Brito. (Leider finde ich den Text des Stücks nirgendwo.)

Brothers in Arms

rote ruhrarmee
Kämpfer der Roten Ruhrarmee in Dortmund. Credits: Wikipedia/unknown

… reaktionäre Elemente haben es verstanden, mit lügenhaften Worten, Schriften und Plakaten die Volksseele zu vergiften. Sie senden gekaufte Hetzer unter die Arbeiter, um diese irrezuführen.
Genossen, hört nicht auf diese Lügen! Die reaktionären Elemente (…) möchten Euch gerne zu Pogromen gegen die Juden verleiten, um wieder im Trüben fischen zu können. Was ihnen bisher trotz aller Mühe nicht gelungen ist, wollen sie jetzt, wo die Volksseele erregt ist, durchführen.
Genossen, die Juden sind nicht Arbeiterfeinde, aber die, welche Euch gegen die Juden aufwiegeln. Die Juden sind von jeher von dieser Richtung ebenso unterdrückt worden, wie wir Arbeiter! Die böswillig verbreiteten Gerüchte, daß die Juden aus ihren Häusern auf die Arbeiter geschossen haben, und daß sie Maschinengewehre und Waffen in ihren Häusern verbergen, haben sich nach stattgefundenen scharfen Untersuchungen auch alle als unwahr erwiesen….”
(Vollzugsrat der Roten Ruhrarmee, Hamborn, 24. März 1920, zit. nach Erhard Lucas: Märzrevolution 1920)

bewaffnete Kämpfe

Leider ein Fehlkauf und enttäuschend: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923, Berlin, Militärverlag der DDR, 1988.

Ich versuche herauszufinden, was genau zwischen 1920 in Aplerbeck passierte. Mein Opa Hugo Schröder war damals Lehrhauer auf der Zeche Vereinigte Margarete in Aplerbeck-Sölde – beide heute Stadtteile von Dortmund. Er hat also die Rote Ruhrarmee live erlebt. Leider habe ich ihn nie danach gefragt, und er hat nie darüber geredet. Mein Vater, geboren 1927, also zu spät, um sich erinnern zu können, weiß nur, dass mein Opa damals “Kommunist” gewesen sei, was auch immer das hieß.

Das obige Buch aus dem Militärverlag der DDR ist weder wissenschaftlich (es fehlen Quellennachweise) noch politisch brauchbar. Wichtige Fakten werden schlicht weggelassen, zum Beispiel die Rolle der nicht unbedeutenden anarchosyndikalistischen Gewerkschaften im Ruhrgebiet bei den bewaffneten Kämpfen. Die KPD (es gab mehrere davon, auch das wird unterschlagen) war mitnichten die “Spitze”, wie behauptet wird, sondern hoppelte oft planlos hinterher. So dargestellt ist das Geschichtskittung und reine Propaganda. Man findet nur Daten und Fakten ohne Analyse aneinandergereiht, dazwischen die üblichen sinnfreien Textbausteine (“Jahre heftigster Klassenkämpfe”) stalinistischer Art.

Man kann das Buch eventuell als Datensammlung für weitere Recherchen benutzen. Die meisten Namen der damals Beteiligten sind heute vergessen. Was an Denkmälern übrigblieb, haben fast ausnahmslos die Nationalsozialisten zerstört. Die staatstreue Geschichtsschreibung will gar nicht daran erinnert werden, und auch nicht an die schändliche Rolle der Funktionäre und Parteiführung der SPD während der Ruhrkämpfe.

Ich kenne nur ein einziges Buch, das die damalige Zeit korrekt und interessant beschreibt: Erhard Lucas: Märzrevolution 1920, erschienen im Verlag Roter Stern 1973. Ich besitze leider nur den zweiten Band. Den ersten haben ich mir gerade für einen Haufen Geld bestellt – den dritten kaufe ich mir, wenn ich mal reich bin.

bewaffnete Kämpfe
Credits: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923, Berlin (DDR) 1988

Mehr lesen!

books

Ich komme gar nicht mehr dazu, all die Bücher zu lesen, die auf meiner To-Do-Liste stehen. Ich muss einfach schneller lesen.

Russian Affairs oder: Unter Sugar-Daddys

russian affairs

Allerwärmste Empfehlung: Russian Affairs (Amazon Prime) – ein Thriller mit wenig Gewalt, aber viel Sex. Ich habe mich bei den Kommentaren auf Amazon amüsiert, vor allem einige Frauen meckern herum. Ich finde die Serie großartig, intelligent und zynisch. Der Regisseur Konstantin Bogolomov haut den Russen ihre Heuchelei – vor allem die der oberen Klassen – um die Ohren, dass es nur so scheppert.

Ich empfehle ein Interview mit ihm über russische Zensur und Sebstzensur zu lesen:
Das Problem in Russland ist gerade, dass sich viele aus Angst zu einer gewisse Selbstzensur verleiten lassen. Autoritäten sagen: Mach das nicht! Wir werden es dir nicht verbieten, aber wir raten dir, es nicht zu tun. Und viele sagen dann: Ok, ich werde es nicht machen. (…) Das wahre Gesicht der Gesellschaft wird versteckt, sagt Bogomolov. Das Problem ist, dass Russland sehr kindisch ist, wir benehmen uns nicht wie Erwachsene in all diesen Dingen. Wir sind sehr naiv, wenn es um die Homosexuellen-Thematik geht.

“Russian Affairs” hat alles, was ein guter Thriller braucht, ist aber für “westliche” Verhältnisse extrem politisch inkorrekt: Schwule und Lesben kommen nicht vor, obwohl irgendwie jeder mit jeder aus unterschiedlichen Gründen ins Bett geht.

Die meisten Kommentatorinnen bemängeln, dass die Frauen ziemlich schlecht wegkommen. “Alle Frauen sind Luder”, sagt der Familienpatriarch Igor (Sergeï Bourounov), der im Hintergrund die Fäden zieht und im Wweifelsfall allen zeigt, wo >Gott wohnt -und vor dem alle Angst haben – zu Recht. (“Warum hat mich Dein Vater überwacht?” – “Ex-Geheimdienstler überwachen immer alle.”)

Das Thema – neben dem Whodunnit-Plot – sind Affären und vor allem die Sugar-Daddys. Der Regisseur bricht überzeugend die Ehen und Sex-Affären auf das herunter, was sie sind – Frauen wollen Geld und Sicherheit und nehmen Gefühle billigend in Kauf, Männer wollen Sex. Das hat nichts mit Moral zu tun, sondern eher mit “das Sein bestimmt das Bewusstsein”.

Das möchten MeToo-Aktivistinnen natürlich nicht hören. (Dazu sollte man einen klugen Artikel von Tanja Röckemann in der aktuellen Konkret lesen: “Auch im Fall Jeffrey Epstein werden die strukturellen Ursachen sexueller Übergriffe geleugnet”.)

Die Serie ist noch nirgendwo ernsthaft rezensiert worden. Das ist sie aber wert. (Ich habe sie auf Russisch mit deutschen Untertiteln angesehen – die deutschen Synchronstimmen sind, wie gewohnt, unerträglich und passen nicht.) Auch für eine Liste der Darsteller musste ich suchen.

“Russian Affairs” lebt von den starken Frauenfiguren, obwohl deren Situation nicht “stark” ist. Sofya Ernst (Darya Smirnova) ist die heimliche Hauptdarstellerin: Sie spielt ihre Rolle als “dumme” Geliebte einerseits und Intrigantin, die genau weiß, was sie will, so überzeugend, dass man nie weiß, was sie wirklich im Schilde führt. Am Anfang erscheint sie wie ein Dorftrottel, der ins Getümmel der Metropole gerät, aber weit gefehlt!

Ihre schauspielerische Gegenspielerin ist die Kommissarin Elena Darya Moroz, die mit ihrer Attitude und dem Kurzhaarschnitt herüberkommt wie eine Kampflesbe, aber auch die Männer in die Tonne wirft, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben. Vermutlich verlangt der Geschmack des Publikums, danach, dass eine toughe Komissarin, die die Kerle herumkommandiert, nicht wie ein feminines Model aussieht. Diese Kommissarin wäre in einem deutschen Film so undenkbar, vor allem am Ende der Serie (mehr verrate ich nicht).

Eine hübsche Nebenrolle hat auch Ekaterina Aleksandra Revenko als Youtube-affine Lolita, die sich in ihren Lehrer ranmacht (Sergey Chonishvili spielt ihren Vater. Leider habe ich den Namen ihrer bildhübschen filmischen und fast gleichaltrigen Stiefmutter, mit der sie sich nur herumzofft, nicht herausgekriegt). Auch hier ist der Ausgang unerwartet und zynisch.

Der Lehrer, der Gatte des Kommissarin, ist die einzige moralisch einigermaßen “positive” Figur, aber ein Langweiler – neben Irina Starshenbaum als stille und betrogene Ehefrau, die immer noch ein paar Karten im Ärmel hat, wenn es darauf ankommt. Aber auch er sitzt am Schluss auf einem Scherbenhaufen und wird für seine Integrität nicht belohnt.

Aleksandr Kuznetsov (den ich schon aus der russischen SF-Serie Better than us kannte) gibt den Loverboy für zahlreiche Damen, sozusagen als männlichen Gegenpart zu den Geliebten, aber niemand kann mir erzählen, dass das eine erstrebenswerte Rolle ist.

In weiteren Rollen Olga Sutulova und Alexandr Zbruev und noch einige – ich habe nicht alle gefunden.

Ich warne hiermit: Man findet nicht wirklich heraus, wer der Mördereiner der Opfer ist. Am Schluss hat man – auch die Kommissarin – mehrere Optionen und muss selbst entscheiden, was wahr sein könnte. Höchst intelligent und unterhaltsam! (Ich habe für “Russian Affairs” sogar die 4. Staffel von “The Expanse” pausieren lassen.)

Das Ende suggeriert, dass es noch mehr Staffeln geben könnte. Ja, bitte und bald!

Larson is back!

Gary Larson

Caution: reading this website may result in hyperventilation from uncontrollable laughter.

“Andrews McMeel described The Far Side as “an unparalleled comic masterpiece”, which it said had “revolutionised conventional considerations of humour in general, and of comics in particular”. According to the publisher, more than 40m books and 77m Far Side calendars have been sold, and it has been translated into more than 17 languages. Terms dreamed up by Larson – as in his cartoon of a caveman pointing to the tail of a stegosaurus and telling his audience that it is named “the thagomizer, after the late Thag Simmonds”, led paleontologists to adopt the invented word, while Larson himself has a species of chewing louse named after him: Strigiphilus garylarsoni.”

The Far Side kommt hier in die Blogroll. Ich lach mich noch jeden Tag kaputt.

The Expanse, revisited

the Expanse

Heise über The Expanse, Staffel 4: “Nicht so gut wie das Buch, trotzdem beste Sci-Fi im TV”. Das gilt auch für alle anderen Staffeln – ich bin gerade beim Ende der Staffel 3. Dem Artikel bei Heise kann ich kaum noch etwas hinzufügen – außer einigen kulturpessimistischen Meckereien (siehe unten).

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Meine Favoriten der Staffel 3 sind Klaes Ashford (David Strathairn – ein erfahrender alter Kerl bringt die Truppe auf Vordermann und zeigt den jungen Leuten, wo Gott wohnt – eine Rolle, die ich gern spielen würde, aber alles zugunsten einer jungen Frau, die er gefördert hat:) und Drummer (Cara Gee), die nicht nur umwerfend aussieht, sondern auch gnadenlos überzeugend spielt und eine Stimme hat, die einen Mann wie mich dumm wirkende Sachen tun lassen würde, dürfte ich sie aus der Nähe anhimmeln. Wer sich die synchronisiert anhört, sollte in den nächsten See mit einem Gewicht an den Füßen.

In vielen Hollywood-Filmen halten irgendwelche “Führer” mit und ohne Ausstrahlung irgendwelche Reden, um die Zuhörer zu Heldentaten aufzustacheln. Auf mich wirkt das fast immer lächerlich – Billy Graham lässt grüßen. Nicht wegen der ohnehin blöden Inhalte, sondern der unprofessionellen Rhetorik. Rudi Dutschke, den ich einmal live erlebt habe, redete oft dummes Zeug und niemand verstand, was er wollte, aber er war hinreißend charismatisch.

Auch Drummer hält eine Rede, aber das macht sie aus der Sicht eines Sektenpredigersohns richtig gut – gebraucht einfache dynamische Wörter wie Trump, appelliert an das Wesentliche und die Gruppendynamik (die Zuhörer sind toll) und definiert den Feind außen. Mehr braucht eine gute Rede nicht.

Cara Gee stammt von den Ojibwa (Chippewa) aka Anishinabe ab. (Wieder was gelernt – hat Karl May die erwähnt?). Kein Wunder, dass deutsche Schauspielerinnen dagegen oft langweilig wirken (kann aber auch an meinem kosmopolitischen Geschmack liegen.)

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Und nun zu uns, Religioten! Dr. Annushka “Anna” Volovodov (Elizabeth Mitchell, eine Methodisten-Pfäffin – was hat so jemand in einem Science-Fiction-Film zu suchen? Ihr sanfter Tonfall und dass sie immer nur helfen will, geht mir total auf den Keks. Das ist so absurd wie die Tatsache, dass in Stanislaw Lems Rauschschiffen keine Frauen, aber manchmal Pfaffen mitfliegen. Polen und die USA – zwei Länder, in denen die Religion komplett die Hirne vernebelt, dass sogar die ferne Zukunft nicht ohne die Verehrung höherer Wesen denkbar ist. Da war die Sowjetunion 1917 schon weiter (und weiter als die heutige deutsche Linke). Immerhin bringt sich ein weiterer Methodist in “The Expanse” um – nur konsequent angesichts des großartigen Weltraumspektakels und der unendlichen Weiten.

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