Moerinnen

Achilles

Nur mal so feuilletonistisch zwischendurch: Ich habe in die Netflix-Serie Troy – Fall of a City reingeschaut. Diese Art von Film könnte man auch ohne Text ansehen, da die Protagonisten ohnehin Bullshit von sich geben. Hauen und Stechen sind natürlich gesetzt, das will man sehen. Der Rest ist nur zum Luft- oder Chips holen oder zum auf’s Klo gegen.

Im Vergleich: Petersens Troja mit Brad Pitt ist eher eine Persiflage der alliierten Landung in der Normandie mit antikisierten Kostümen, gemischt mit homoerotischem Faschisten-Porn (ähnlich wie 300). Man kann diesen Machwerken bekanntlich kaum historische Ungenauigkeit nachweisen, weil die Vorlage von Homer ein Heldensaga ist und ungefähr so „realistisch“ wie das Nibelungenlied.

Dennoch ist die Netflix-Version um Klassen besser. Besondern interessant finde ich die Reaktion des Publikums auf den „afrikanisch“ aussehenden Achilles. „Controversy looms as mythical Achilles is played by black actor in new BBC epic“. Har har. Shitstorm garantiert. Die „Kritiken“ u.a.:

– Homer in the Iliad repeatedly describes Achilles as „blonde“ and „golden“-haired
– Africans had nothing to do with Greek mythology or ancient European history. Who in their right mind could see and enjoy this new TV series?
– This is blatant racism towards Greek people, and I am shocked by the audacity of the BBC to try and rewrite Greek history.
– Question, would anyone be mad if I made movie about US history, and actor playing Obama would be white?

Das ist natürlich totaler Blödsinn. Warum sollte man sich an Homer orientieren, was die Hautfarbe angeht? Wie man an der antiken Vase unten sieht, hatte die alten Griechen ohnehin kein Problem damit, ihre Helden dunkel anzumalen. („Achilleus und Ajax spielen, attische schwarzfigurige Amphore, ca. 510 v. Chr.“) Ich halte es auch für gar nicht unwahrscheinlich, dass Afrikaner in den damaligen Anrainerstaaten des Mittelmeers präsent waren. Homer dichtete auch nicht über „greek history“ – es sei denn, man dächte, die Personen der Ilias hätte es wirklich gegeben.

Achilles

By the way: Sagen dem hiesigen humanistisch gebildetem Publikum die Namen Feirefiz und Belacane etwas? Oder die Moerinne im Willehalm? Im 13. Jahrhundert sagte man noch „Mohrin“. Ich warte jetzt darauf, dass Siegfried irgendwann von Dennis Schröder gespielt wird.

Verabsolutierung des Sexualgenußes

frohes fest

Pornoanwalt: Gute Nachrichten für “Die Fantastischen Vier”. Die CD Frohes Fest der „Fantastischen Vier“ gefährde nicht mehr die Jugend.

„In der Indizierungsentscheidung der Bundesprüfstelle aus dem November 1993 heißt es:
Unter besonderer Berücksichtigung der „phasenspezifischen Sensibilität“ der kindlichen bzw. jugendlichen Zielgruppe, bestanden an einer sexualethisch desorientierenden Wirkung keinerlei Zweifel. Der Text läuft, aufgrund seiner verzerrten unrealistischen und jeglicher situativer Einbettung ermangelnden Darstellung auf eine Verabsolutierung des „Sexualgenußes“ hinaus. Sexualität findet in der hier vorliegenden Skizzierung nicht als einvernehmliche, lustbringende Haltung zweier Sexualpartner statt, das Gegenüber wird vielmehr auf ein willfähriges, entpersonalisiertes Instrument zur Erlangung eigener Triebbefriedigung reduziert.

Chaos

Fauda

Jetzt kann ich mich kaum noch steigern, da ich Orange is the New Black in den höchsten Tönen gelobt habe. Fauda (arabisch für: Chaos) ist besser, aber auch anders – ein politischer Thriller der Extraklasse, so spannend, dass man den Atem anhält, und hochaktuell: Thema ist der arabische bzw. palästinensische Terror und wie eine israelische Spezialeinheit dagegen vorgeht. (Mitnichten, deutsches Wikipedia, geht es um den „israelisch-palästinensische Konflikt“, genausowenig wie es sich bei dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion um einen „deutsch-sowjetischen Konflikt“ oder bei der Reichsprogromnacht um einen „deutsch-jüdischen Konflikt“ handelt. Ihr seid einfach ein dummes Antisemitenpack.)

Hatufim ist vergleichbar und ähnlich gut, nur geht es dort eher um ein politisches Kammerspiel und Psychodrama, während Faudo wesentlich mehr Action zeigt. Ich bin schon sehr gespannt auf die dritte Staffel.

Erstaunlich ist auch der Facettenreichtum der Charaktere, die Bösen sind nicht nur holzschnittartig böse, sondern werden in ihren sehr persönlichen Konflikten dargestellt, ohne dass die Serie, wie oft in deutschen Filmen, das Persönliche die Botschaft entpolitisert. Lior Raz, der auch die Hauptrolle spielt, hat einen packenden und süchtig machenden Plot hingelegt – chapeau!

Irrelevante Randbemerkung: Warum sind in isrealischen Produktionen fast alle Schauspielerinnen gerade überirdisch hübsch, etwa wie Laetitia Eido oder Rona-Lee Shim’on? Ist das realistisch? Meirav Shirom (vgl. Screenshot) ist meine Favoritin.

Sehr schön auch Tablet: „If a Jew sympathetic to Israel and a pro-Palestinian critic writing for the Guardian both dislike the Netflix hit Fauda, now in its second season, it can’t be all bad.“

Im Schutz des Lynchmobs

FAZ: „Die Anklage gegen den Filmproduzenten droht sich nach Pannen und Widersprüchen aufzulösen. Dabei weist der Fall nicht nur Parallelen zur Causa Strauss-Kahn auf. Auch ein Staatsanwalt verhält sich verdächtig. (…) Ein Jahr nach den Missbrauchsvorwürfen, die Hollywoods einflussreichsten Strippenzieher aus der Bahn warfen und die amerikanische Filmindustrie erschütterten, scheint sich die Anklage gegen den New Yorker aufzulösen. (…)

Trotz Anschuldigungen von fast 90 Frauen dürfte sich bei Weinstein Optimismus breitmachen. Obwohl auch in London, Los Angeles und Beverly Hills gegen ihn ermittelt wurde, blieben weitere Anklagen bislang aus. Auch in New York kann die Staatsanwaltschaft nach anfangs drei mutmaßlichen Opfern nur noch eines präsentieren, bei dem es keine Widersprüche oder Ermittlungspannen gab. Verteidiger Brafman rüstet sich zum Gegenangriff. Er kündigte an, gegen Ermittler DiGaudio und den ‚New Yorker‘ vorzugehen. Die Zeitschrift soll Evans’ Bericht über die angeblich einvernehmliche sexuelle Begegnung bewusst zurückgehalten haben.“

Fefe dazu: „Die Schauspielerin, auf der der Anklagepunkt beruhte, hatte einer Zeitung geschildert, Weinstein habe sie zu Oralsex gezwungen, und sie hätte nicht gewollt. Und jetzt, wo eine Aussage unter Eid droht, mit heftigen Strafen bei Falschaussage, da stellt sich die Situation plötzlich ganz anders dar:

Darin beschrieb Evans den Oralsex mit Weinstein in dessen Büro im New Yorker Viertel Tribeca als einvernehmlich. Die Darstellerin soll sich von der sexuellen Begegnung vor 14 Jahren eine Filmrolle in einem Horrorfilm oder einer Romantikkomödie erhofft haben.

Im Schutz des Lynchmobs alte weiße Männer mit Scheiße bewerfen, da machen alle gerne mit. Aber wenn Konsequenzen für Lügen drohen, dann dünnt sich die Liste der Ankläger plötzlich aus.“

Der Wald ruft

MittenwaldeMittenwaldeMittenwalde

Gleichwie die Stämme in dem Wald
Woll’n wir zusammenhalten,
Ein‘ feste Burg, Trutz der Gewalt,
Verbleiben treu die alten.
(1)

Da stand ich im Walde so vor mich hin, dó dâhte ich mir vil ange, wie man zer welte solte leben. Aber letztlich fragt man sich auch: Was soll der Scheiß eigentlich? Einfach mal wieder Waldboden riechen und das Rascheln der Blätter hören und kein Geräusch, was in Kujawien immer noch möglich ist. Man sollte jedoch als Deutscher bei Wäldern aller Art weltanschaulich vorsichtig sein:

Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreiches geriet der „deutsche Wald“ für das radikalnationalistische Spektrum noch verstärkt zum Inbegriff organisch verstandener Identität. Außerordentlich aktiv war dabei der 1923 gegründete Deutscher Walde. V. – Bund zur Wehr und Weihe des Waldes, dem es aber weniger um die Bäume selbst als um die Bedürfnisse der Menschen ging: „Kommt, Deutsche, in den Wald hinein und lasst uns alle, alle einig sein!“ Klar definiert wurden auch die vermuteten Feinde von Wald und Volk zugleich, vor allem das französische „Schlächtergesindel“ und der jüdische „Wüstensprößling“. (2)

Hört, hört! Auf den unteren beiden Bilder bin ich hier, dort, wo der Hof meiner Urgroßeltern war. Das oberste Bild (nach Westen fotografiert) habe ich vom einzigen Bauernhof aus aufgenommen, der heute noch in Dąbrowa Mała (dt. Mittenwalde) existiert (auf der alten Karte unter der 73a).

Wir Deutschen sind von alters her ein Waldvolk gewesen und in unserem innersten Wesen bis heute geblieben. (3)

Ich kann mich an eines meiner liebsten Jugendbücher erinnern; Jan und Sam im Walde von Ernest Thomson Seton und dass ich damals das Wort „hinterwäldlerisch“, das vorkam, nicht verstanden habe.

Der Wald hat also was mit der Romantik zu tun, vermutlich eine reaktionäre, dennoch irgendwie antikapitalistische Romantik. Gut zu wissen.

(1) Joseph von Eichendorff: Der Tyroler Nachtwache. 1810. Berlin 1837.
(2) Johannes Zechner: Natur der Nation. Der ‚deutsche Wald‘ als Denkmuster und Weltanschauung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 67.49-50 (2017), 4-10.
(3) O. A., Uns ruft der Wald, in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (Hrsg.), Uns ruft der Wald. Ein Buch deutscher Dichter und Waldfreunde, Rheinhausen 1949, S. 7.

Orange Is the New Black

Orange Is the New Black

Kurze feuilletonistische Durchsage zwischendurch: Orange Is the New Black ist die beste Filmserie, die ich jemals gesehen habe. Ich kann gar nicht aufhören zu gucken. Was für grandiose Schauspielerinen! Allerdings: Wer den Film synchronisiert ansieht, ist ein Trottel (bzw. eine Trottelin). Der Original-Slang ist genauso gut wie der Plot (m besten mit deutschen Untertiteln). Man lernt viel über Widerstand.

Jeder Quatsch wird akzeptiert

Lesebefehl wie üblich für Harald Martenstein: „Misstraut den Studien! – Jeder Quatsch wird akzeptiert, wenn er der richtigen Sache dient, hat unser Autor festgestellt. Ein Experiment humorbegabter Wissenschaftler untermauert das.“ – „Die neue, identitäre Philosophie, die es in einer linken und einer rechten Variante gibt, sieht Menschen nicht mehr als Individuen, sondern nur noch als Teile eines Kollektivs. Aberglaube steht, unter neuem Namen, wieder hoch im Kurs. Vernunft und Wissenschaft wirken störend, weil sie partout unvoreingenommen sein wollen. Jeder Quatsch wird akzeptiert, wenn er der richtigen Sache dient, und Verfechter der Ideen der Aufklärung gelten plötzlich als Reaktionäre.“

Erzbesorgte erzinformierte Leser

Erzlesenswert die Kolumne Thomas Fischers: „Was mich interessieren würde: Warum eigentlich kennen ungefähr 99,9 Prozent der deutschen Staatsbürger bestenfalls einen einzigen Richter des Bundesverfassungsgerichts, haben aber zugleich zu gefühlten 60 Prozent eine Meinung über behauptete Verfehlungen des 10.000 km entfernt lebenden Richters K. als verklemmter 17-Jähriger vor 37 Jahren?“

Und: „(Auch) die deutschen Pressemedien vollführen seit zwei Jahren ein Trump-Festival jenseits aller Rationalität.“

Gefälschte abstoßende Fälscher

babylon berlin

Der Feitag über „ahistorische Pseudo-Trotzkisten in der ARD-Sky-Produktion ‚Babylon Berlin‚“: „An der Wand des Kellers hängt ein Porträt von Stalin. Warum? Wenn die Gruppe die Nachricht bekommt, dass der entführte Zug erfolgreich die Grenze überquert hat, werfen die Trotzkisten aus Freude Küchenmesser auf das Bild.

Wo soll der Historiker da anfangen? Die Vierte Internationale ist im September 1938 gegründet worden. In der Romanvorlage von Volker Kutscher ist nur von „kommunistischen Abweichlern wie Trotzki“ die Rede. Die Fernsehproduzenten haben sich den unmittelbaren Trotzki-Bezug selbst ausgedacht – und trotz 38-Millionen-Euro-Budget nicht auf Wikipedia nachgeschaut.“

Christian Y. Schmidt (auf Facebook): „Tatsächlich ist die Serie besser als fast der ganze hölzern-miserable ‚Tatort‘-Kram, was zum Beispiel die Dramaturgie angeht, die Dialoge, die Ausstattung oder die Musik. Nur: Wenn man schon mal in Deutschland richtig viel Geld in eine Serie steckt, warum beschäftigt man nicht wenigstens einen richtigen Historiker?

Mir fielen jedenfalls schon beim oberflächlichen Sehen gleich mehrere eklatante Fehler auf, sodaß ich immer wieder dachte: Hallo? Geht’s noch?

So wird im Jahr 1929 in der Sowjetunion ein Zug von oppositionellen Trotzkisten überfallen und anschließend nach Deutschland entführt. Dieser Zug fährt bei Tauroggen über die Grenze ins deutsche Reich. Hier gibt es dann Probleme bei der Grenzabfertigung, die schließlich ein deutscher General mit einem Federstrich aus der Welt schafft. Damals war Litauen jedoch kein Teil der Sowjetunion, sondern (wie heute) selbstständig, sodaß der Zug bereits eine Grenze passiert haben mußte. Und diese Grenzabfertigung dürfte nicht so reibungslos über die Bühne gegangen sein. Damals verfügte die Sowjetunion(so wie Russland heute) über ein Breitspureisenbahnenschienennetz, Litauen aber wie das Deutsche Reich über eines der Normalspur. Ein Zug konnte also ohne langwierigen Achsentausch an jedem Waggon überhaupt nicht vom sowjetischen Schienennetz auf das litauische und anschließend weiter auf das deutsche wechseln. Für eine Dampflok war das meines Wissens überhaupt nicht möglich. Es war also schon aus technischen Gründen, unmöglich, einen Zug aus der Sowjetunion nach Deutschland zu entführen, von anderen Schwierigkeiten jetzt mal abgesehen.

Zweitens wurde das Memelland 1920 vom deutschen Reich abgetrennt und bereits 1923 von Litauen annektiert, sodass Tauragė / Tauroggen 1929 überhaupt keine Grenzstadt mehr war, sondern mitten in Litauen lag.“

Dazu Das Schema: „Warum ist ‚Babylon Berlin‘ so abstoßend?“

Ich bin gelernter Historiker. So etwas kann ich nicht aushalten. Also werde ich nicht hingucken, obwohl die Mainstream-Medien jubeln.

Sudo kill fsciety

mr. robot

Der Mythos „Hacker“ hat seinen Platz als Sozialcharakter gefunden. Ein Mythos bleibt eine Projektion, deren Konsistenz sich beim näheren Hinsehen verflüchtigt. Der Hacker bündelt die Ängste, aber auch die Allmachtsphantasien derjenigen, die sich der revolutionären technischen Entwicklung im Zeitalter des Internet stellen wollen. Information bedeutet Macht; wer über sie verfügt, übt Macht über andere aus. Der Hacker scheint – stellvertretend für alle – über mehr Wissen zu verfügen als der gewöhnliche Sterbliche, und er wendet es, in dessen Phantasie, schöpferisch an. Der Hacker beweist, dass die verborgenen Geheimnisse im Innern der Technik nicht geheim bleiben müssen. Er lüftet sie und stelle sie – laut idealtypischer Form der „Hackerethik“ – der Allgemeinheit zur Verfügung. Der Hacker als Projektion ist David und Robin Hood zugleich. (Burkhard Schröder: Tron – Tod eines Hackers, 1999)

Bisher habe ich „Hackerfilme“ – zumal deutsche – immer vermieden anzusehen. Passwort-Raterei, die Eingabe von tracert auf der DOS-Shell eines Windows-95-Rechners, Remote-Zugriff auf einen fremden Rechner, ohne dessen IP-Adresse zu kennen, Verkehrsampeln mit dem Smartphone ausschalten – oder was man so sah. Da dreht sich einem das Gehirn um. Jetzt wurde ich durch Werbung bei Amazon Prime manipuliert. Die Serie Mr. Robot wurde mir empfohlen (anhand meines Nutzer- und Sehverhaltens natürlich).

mr. robot

„Die Serie handelt von einem jungen IT-Sicherheitsspezialisten mit einer dissoziativen Identitätsstörung. Er wird vom mysteriösen Mr. Robot für eine anarchistische Hackergruppe rekrutiert, um die Weltwirtschaft ins Schwanken zu bringen.“ Das hört sich bescheuert an, ist es aber nicht bzw. wird interessant umgesetzt. Linux-Kommandozeilen vom Feinsten, der Plot ist superspannend und die Charaktere zwar ein wenig übertrieben und politisch korrigiert (Frauen- und Afroamerikaner-Anteil muss stimmen), aber einigermaßen glaubwürdig und keineswegs auf Comic-Strip-Niveau. Man merkt, dass der Regisseur Sam Esmail keine Mainstream-Ware abliefern wollte. „Seine Familie stammt aus Ägypten. Esmail schreibt, dass er als Kind unter Zwangsstörungen litt und ihm später soziale Angststörungen diagnostiziert wurden. Er sei zudem als Nerd aufgewachsen und habe während seiner Collegezeit im Computerraum gearbeitet.“

Ich habe noch nicht alle Staffeln gesehen, aber mich interessierte auch, wie realistisch die Technik dargestellt wird. Auf error454 analysiert jemand die Kommandozeilen-Befehle: „I thought it would be interesting to freeze frame some of these scenes and take a closer look at what’s going on, will I come away more or less impressed? Let’s find out! But before I launch into this I want to say that I know how difficult it is making creative content and entertainment. Regardless of what I find, I’ll thumbs up the content creators as I think they did a good enough job pulling the wool over my eyes in the heat of the moment.“

mr. robot

Auch LeaseWeb labs ist angetan: „People told me that the hacking in ‚Mr Robot‘ was pretty accurate. Mr Robot is a TV series about a hacker named “Elliot”. (…) Last Sunday was a prefect lazy day and I took the time to finally watch it. I must admit it was pretty amazing to see the inside of a data-center and all the geeky Linux command line screens in a such a popular TV series.“

Die Serie bestätigt einen Artikel aus der aktuellen konkret: „Prime Time – Streamingdienste laufen Fernsehen und Kino den Rang ab.“ Ja, ich habe in den letzten Wochen mehr brilliante und unterhaltsame Serien auf Streaming-Portalen gesehen als in 20 Jahren im klassischen Fernsehen.

Reisen und Affekte

reisen

Ja, ich verfolge die Weltläufte durchaus, obwohl es scheint, als postete ich zur Zeit nur belangloses Zeug. Bald werde ich das Publikum wieder mit mehr Tiefsinnigem beschäftigen. Ich empfehle, vorher Norbert Elias‘ Über den Prozess der Zivilisation zu lesen sowie Mary Douglas Purity and Danger und Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Auch die Kenntnis des Weberschen Werkes Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus wird vorausgesetzt.

Erst dann kann man über Einwanderer und deren Tun (ich vermeide bewusst „EinwanderUNG“) adäquat diskutieren. Wer diese Bücher nicht kennt, sollte das Maul halten.

Ich lese übrigens gerade Johannes Fried Die Anfänge der Deutschen: Der Weg in die Geschichte – ein 1000-Seiten-Schinken – und wurde intellektuell angeregt, mich noch einmal mit dem Thema „Affektkontrolle“ zu beschäftigen. Ja, das Nibelungenlied kommt vermutlich auch vor.

Scheinheilige

Telepolis: Tuba Sarica über deutschtürkische Parallelgesellschaften. Sarica hat das Buch „Ihr Scheinheiligen! – Doppelmoral und falsche Toleranz – Die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen“ geschrieben (gekauft!). Ihr Blog Weltbewohner ist auch neu in der Blogroll.

Autokorrektur der Autopoiesis

luhmann

Neu in meiner Bibliothek: Niklas Luhmanns Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie.

Das bleibt euch nicht erspart. Ich wollte Luhmann eigentlich schon in den 70-er Jahren lesen – und vor allem verstehen. Heute kann man das Internet-embedded machen: Kritik und Kritik der Kritik inbegriffen.

Frage: Sollte ich mir Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – sozusagen als Aotukorrektur zur Autopoisis – gleich bestellen? Hat das jemand hier gelesen? Lohnenswert?

Tacitus, Federmann und Clynelish

whisky tacitus federmann

Ihr habt die Wahl zwischen drei Dingen: Tacitus‘ Germania, Nikolaus Federmanns Indianische Historia: Ein Schöne Kurtzweilige Historia Niclaus Federmanns des Jüngern von Ulm oder Clynelish Whisky (14 Jahre, erhältlich online oder beim Drogendealer meines Vertrauens).

Was gehört mit auf die Insel?

By the way: Die des Altindianischen mächtigen Leserinnen und mit der Altamerikanistik vertrauten Stammleser wissen, dass hiesigerseits Nikolaus Federmanns Indianische Historia, erschienen 1557, 2004 und 2005 online gestellt wurde (27 Folgen). Eine wissenschaftliche Ausgabe fehlt bisher, das steht auch noch auf meiner To-Do-Liste.

Kondom des Grauens und Queeraktivist*_%&innen

ralf könig

Ralf König sollte man auch als Hetero kennen. „In den 1990er Jahren wurden Indizierungsanträge gegen einige Bücher gestellt. Besonders engagierte sich hier das bayerische Landesjugendamt. Die geforderte Indizierung des Titels Bullenklöten (1992) lehnte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften jedoch unter Berufung auf den Kunstvorbehalt ab.

Trotzdem fand 1996 auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Meiningen eine bundesweite Ermittlungs- und Beschlagnahmeaktion in über 1.000 Buchhandlungen statt, die sich neben anderen Comics (darunter auch Art Spiegelmans Maus) unter anderem gegen den Band Kondom des Grauens richtete.“

Das Wandgemälde Königs in Brüssel am Rainbow House soll ein „Zeichen für Toleranz und Transgender“ sein. Da hat man [sic] wohl die Rechnung ohne die Gendrifizierten und Phobierten gemacht… Die Kunstfreiheit wird nicht nur durch die Rechten bedroht.

Homeland in Berlin

homeland berlin

Schaue gerade die fünfte Staffel von Homeland, die fast komplett in Berlin gedreht wurde. Auf dem Screenshot explodiert gerade eine Bombe am Kottbusser Tor, in einem ehemaligen besetzten Haus (Adalbertstrasse 6).

Der Spiegel schreibt indigniert: „Manche Straße meint man zu erkennen, die Mischung aus leicht verranzten Ausgehmeilen, englischsprachigen Touristen und verspiegelten Konzernbauten ergibt ein stimmiges, aktuelles Bild. Fremd ist nur diese latente Gefährlichkeit, die dieses homeländische Berlin ausstrahlt: Jeder Bärtige führt potenziell Böses im Schilde, islamistische Kommandeure residieren hier unbehelligt, blonde Frauen werden am helllichten Tag in Kastenwagen gezerrt. Und die CIA macht, was sie will.“

Gefährlichkeit? Das kann man sehen, wie man will. Kommt drauf an, mit wem und wo man verkehrt. „Sie stehen allem, was ihnen fremd ist, feindlich gegenüber. Sie respektieren nicht unsere Gesetze, sondern sehen Deutschland als Beuteland an.“ Sagt der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban.

Bärte? Rasieren ist nicht haraam. Ich komme fast jeden Tag über die Sonnenallee und lebe in Neukölln. Ich sehe das, was mehrheitlich von arabischen und türkischstämmigen Männern gezeigt wird. Was die im Schilde führen? Warum tragen sie jetzt Bärte und früher nicht? Fragen über Fragen. „Fremde sind Feinde“.

Entführungen am hellichten Tag in Berlin? Gab es, zum Beispiel im Juli 2017. Auch Foltern der Opfer kam vor.

Die CIA macht, was sie will? Edward Snowden könnte man fragen, ob das stimmt. Manchmal arbeitet der Geheimdienst mit der NSA zusammen – das gilt ja wohl auch.

Zwei Dinge sind jedoch völlig unglaubwürdig. Investigative Journalisten, die irgendwelche Machenschaften im Alleingang aufdecken, in Berlin? (Gut, Laura Sutton ist keine Deutsche.) Gibt es nicht. Und der Bundesnachrichtendienst darf keine Leute verhaften, was er in „Homeland“ jedoch macht.

Sehenswert. Homeland ist nicht rassistisch. Mal sehen, ob die sechste Staffel wirklich – wie befürchtet – an Niveau verliert.

Homeland

Homeland

Was hält das hiesige Publikum von Homeland? Ich beginne gerade, mir die zweite Staffel (via Amazon Prime) anzusehen und bin recht angetan, teilweise sogar begeistert.

Mit dem Original Hatufim hat Homeland ab der zweiten Hälfte der ersten Staffel offenbar nicht mehr viel zu tun, sie haben wohl nur Teile des Plots geklaut bzw. übernommen.

„Und wer Englisch kann, sollte unbedingt das Original gucken. Wichtig ist aber vor allem, dass man überhaupt zuguckt“, schreibt Johannes Boie in der Süddeutschen. Die deutschen Pseudo-Linken sind natürlich nicht angetan, die sind lieber Antisemiten als einen doch recht realistischen Blick auf den islamistischen Terror zu riskieren.

„Die Journalistin Laila al-Arian bezeichnete im Webmagazin Salon.com die Serie als die derzeit am stärksten islamophobe amerikanische Fernsehsendung.“ Ach was. Phob bin ich nicht geworden. Wer einen Hijab trägt, den nehme ich nicht ernst, Frau Al-Arian. Journalisten sollten höhere Wesen gar nicht verehren.

Ich sehe Religionen, insbesondere den Islam, als Form geistiger Verwirrung, die, wenn sie sich politisch geriert, immer gefährlich ist, auch als Passivrauchen Nebenwirkung für die, die nichts damit zu tun haben wollen wie ich.

Der heutige Islam ist noch nicht so weit zu akzeptieren, dass Staat und Kirche getrennt sein sollten. Und natürlich wird Religion von den herrschenden Klassen immer miss- und gebraucht (vgl. Erdogan), um die Untertanen vom Klassenkampf und den wahren Problemen abzulenken.

Die Freiheit verteidigen oder: Heterosexualität ist eine Angewohnheit, kein Privileg

Über Medien: „Seit Jahren schreiben wir unfreundliche Artikel übereinander: Harald Martenstein, der bekannte Kolumnist der ‚Zeit‘ und des ‚Tagesspiegels‘, und ich [Stefan Niggemeier]. Es wurde Zeit, sich endlich einmal zu treffen – nicht unbedingt, um uns zu vertragen, sondern um uns zu streiten. Auf meinen Vorschlag für ein Gespräch antwortet Martenstein: ‚Ich freue mich auf unser Treffen, so schwierig wie der Gipfel zwischen Trump und Kim wird es nicht werden. Atomwaffen sind schon mal kein Thema!'“

Martenstein: Sie sind eine Landplage. Und ich bin, Moment, jetzt muss ich meinen Zettel rausholen, „mitleiderregend“, „dummstolz“ und natürlich, dies als die Krönung, ein „weißer, heterosexueller, alter Mann“. Da habe ich mich gefragt: Woher will denn der Niggemeier wissen, ob ich heterosexuell bin? Ich kenne diesen Kollegen kaum. (…) Rassistisch und sexistisch zugleich. Die Königsdisziplin. Was ist eigentlich so schlimm daran, heterosexuell zu sein?

Ich habe den Eindruck, dass der Niggemeier völlig humorlos ist. Aber gegen Martenstein hat er eh keine Chance…

Martenstein: Schreiben Sie doch mal was Feminismuskritisches. Machen Sie das Experiment. Ich tröste Sie hinterher.

LMAO.

Ungerecht und subjektiv

„Ich werde niemals gender-„gerecht“, niemals nach der neuen Rechtschreibung, nicht nach dem Duden oder dem Österreichischen Wörterbuch schreiben, ich werde immer ungerecht, subjektiv, stur und nach meiner eigenen Façon schreiben.“ (Eva Menasse)

So halte ich es auch hier und anderswo.

Die „Terror“ in der Nordwestpassage

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Zum Glück hatte ich mich nicht informiert, als ich mir die Serie „The Terror“ ansah. Der Titel wies eher auf einen Horror-Film hin. In Wahrheit handelt es sich um die Geschichte zweier Schiffe, der „Terror“ und der „Erebus“ auf der Suche nach der Nordwestpassage. Der Plot nimmt die tragische Franklin-Expedition 1845-1848 als Grundlage. Alle Teilnehmer kamen ums Leben, und die Suche nach ihnen und den Überresten der Schiffe dauerte bis vor zwei Jahren, ein Ende ist nicht abzusehen. Ein aktuelles Buch nennt Franklin „the most famous lost person in modern history.“

Wenn man das Ende eines Films schon vorher kennt, ist es mit der Spannung nicht weit her. Ich habe erst in der sechsten Folge angefangen, nach den Hintergründen zu googeln. Die Serie ist dennoch zu empfehlen, weil die geschilderte Gruppendynamik, die Details und das Ambiente entschädigen.

„Mark Twain und Jules Verne verarbeiteten die Franklin-Expedition beziehungsweise die Suchen nach Überlebenden literarisch, Sten Nadolny widmete sich dem Kommandanten Franklin viel später in Die Entdeckung der Langsamkeit. Dan Simmons wiederum machte daraus vor knapp zehn Jahren einen tausendseitigen Gruselschinken (Terror), der nun der Fernsehserie als Vorlage dient.“

Ich hätte es vorgezogen, wenn man das „Monster“, das die Schiffsbesatzungen zeitweilig terrorisiert und den Film in Richtung „Mysterie“ driften lässt, weggelassen hätte und stattdessen die Dramatik der Suche nach der Nordwestpassage in den Vordergrund gestellt hätte. Ich habe mir das durchgelesen: Das waren noch echte Abenteurer! Ohne GPS, ohne genaue Karten, mit Segelschiffen (!) durchs Packeis – und dort auch noch zu überwintern! Der reine Wahnsinn. (Ich wäre interessiert gewesen, dabei zu sein, obwohl mir die Wüste mehr liegt.) Die trauten sich das, ohne dafür richtig ausgerüstet zu sein; vielleicht war es auch nur Hybris.

The Terror soll jetzt eine zweite Staffel erhalten: „Die 2. Staffel basiert auf der Idee von Godzilla-Drehbuchautor Max Borenstein und wird während des 2. Weltkriegs spielen und sich um ein gespenstisches Wesen drehen, das sowohl die heimische japanisch-amerikanische Gesellschaft in Süd-Kalifornien als auch die Gefangenen im Pazifik heimsucht.“ Na ja.

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