Lohn, Preis, Profit, Sonnenstrahlen

lohn, Preis, Profit

Bei den letzten Sonnenstrahlen des Sommers zu studieren: Thomas Kuczynski zu Marxens Lohn Preis Profit. Immer wieder schön zu lesen, der Alte im Original – scharf, prägnant und sarkastisch.

Ihr wärt sehr auf dem Holzweg, falls ihr glaubtet, daß der Wert der Arbeit oder jeder beliebigen andern Ware in letzter Instanz durch Angebot und Nachfrage festgestellt werde. Angebot und Nachfrage regeln nichts als die vorübergehenden Fluktuationen der Marktpreise. Sie werden euch erklären, warum der Marktpreis einer Ware über ihren Wert steigt oder unter ihn fällt, aber sie können nie über diesen Wert selbst Aufschluß geben. Unterstellt, daß Angebot und Nachfrage sich die Waage halten oder, wie die Ökonomen das nennen, einander decken. Nun, im selben Augenblick, wo diese entgegengesetzten Kräfte gleich werden, heben sie einander auf und wirken nicht mehr in der einen oder der andern Richtung. In dem Augenblick, wo Angebot und Nachfrage einander die Waage halten und daher zu wirken aufhören, fällt der Marktpreis einer Ware mit ihrem wirklichen Wert, mit dem Normalpreis zusammen, um den ihre Marktpreise oszillieren. Bei Untersuchung der Natur dieses Werts haben wir daher mit den vorübergehenden Einwirkungen von Angebot und Nachfrage auf die Marktpreise nichts mehr zu schaffen. Das gleiche gilt vom Arbeitslohn wie von den Preisen aller andern Waren.

Vgl. meine Leseempfehlung (20.05.2017, pdf): Marx popularisiert Marx von Thomas Kuczynski (mit Dank an den Schockwellenreiter).

Über Medien

„Ich suchte den Professor Tarantoga auf, der den vernünftigen Brauch pflegt, die Tageszeitungen vor der Lektüre erst einige Wochen ablagern zu lassen.“ (Stanislaw Lem: Lokaltermin, 1982) #wahlen #brandenburg #sachsen

Zeitreisen

afghanistan houseiraq house
Screenshots: Second Life Marketplace

Doktorarbeit, Anthropologische Fakultät, Volksuniversität Berlin (vormals: „Freie Universität Berlin“), im Jahr 2119: „Imperialistische Kriege im nahen Osten Anfang des 21. Jahrhunderts und deren ästhetische Widerspiegelung in virtuellen Welten, unter besonderer Berücksichtigung der ehemaligen Nationalstaaten Afghanistan und Irak“.

Das erinnert mich an einen der besten SciFi-Romane aller Zeiten: Wolfgang Jeschkes Der letzte Tag der Schöpfung. Dort sinnieren die Protagonisten über mögliche Versionen verschiedener Zukünfte; in einer ist Israel Mitglied der NATO und schickt schwer bewaffnete Soldaten in die Vergangenheit. In einer anderen Zukunft gibt es nur ein großarabisches Reich an derselben geografischen Stelle. Der Held begegnet in seiner „Gegenwart“ (in der fernen Vergangenheit) einem einsamen Krieger in einem Rauschschiff, der unter der Flagge des Vatikan mit den Bösen aufräumt. Einfach nur großartig zu lesen.

I am not your negro

The Guardian: „The Pulitzer-nominated poet Laurie Sheck, a professor at the New School in New York City, is being investigated by the university for using the N-word during a discussion about James Baldwin’s use of the racial slur.“.

„During the class, Sheck pointed to the 2016 documentary about Baldwin, I Am Not Your Negro, and asked her students to discuss why the title altered Baldwin’s original statement, in which he used the N-word instead of negro during an appearance on a talk show.

Sheck told Inside Higher Education that a white student had objected to her language.“

Schon klar. „White students“ beschweren sich über das Wort negro. Man muss auch wissen, wer Baldwin ist und woher das Zitat stammt.

By the way: Woran und wie erkennt man, ob jemand weiß ist?

Everything simplified, miscellaneous and kafkaesque

Brexit
Source: Pulse of Europe – Canarias

By the way: Greta Rackete heißt jetzt Maria-Jeanne d’Arc. Ganz wenig Likes auf Fratzenbuch – entweder ist die Pointe zu schwer zu verstehen oder alle missbilligen meine suggestive These, bestimmte Frauentypen seien die Basis für moderne Massenhysterie im Sinne Le Bons und Elias Canettis.

Ich hatte viel zu tun in den letzten Tagen, auch die zwei drei Sims sind noch nicht fertig, ja, der Bau hängt im Plan zurück; im Vergleich zum Stand von vor acht Tagen hat sich aber viel getan – ich habe jetzt und mittlerweile auch eine gesamtarchitektonische Idee.

secondlife

And now for something completely different. Lesebefehl vom Schockwellenreiter: Culture and Cognition – Essays in Honor of Peter Damerow (Open Source). Nur für Kaltduscher.

Miscellaneous: The Guardian: Schoolchildren in China work overnight to produce Amazon Alexa devices. Friedrich Engels hätte seine wahre Freude daran.

Der Europarat stellt der deutschen Regierung ein vernichteten Zeugnis aus beim Kampf gegen Korruption. Zitat aus dem Tagesspiegel:
Auch die Anzeigepflichten für Abgeordnete gehen den Experten nicht weit genug. Sie sprechen sich insbesondere dafür aus, dass Parlamentarier ihre Unternehmensbeteiligungen auch dann angegeben müssen, wenn sie unter dem derzeit für die Offenlegung geltenden Mindestanteil von 25 Prozent liegen. Beim Thema Offenlegungspflichten wirft der Evaluationsbericht dem deutschen Parlament sogar eine „Blockade jeglicher künftiger Reformen“ vor. Schon klar.

Da wir gerade dabei sind, genau hinzusehen, wo es gewaltig stinkt –
Telepolis: Scharfe Kritik an der ARD. Mit dem Filmbeitrag „Krankenhäuser schließen – Leben retten?“ soll der beitragsfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender Werbung für die Studie der Bertelsmann Stiftung betrieben haben. Was ist dran an dem Vorwurf? Alles. Was zu erwarten war.

And now for something completely different. In China fahren die Züge bald 400 km/h schnell. Deutschland setzt weiterhin auf stinkende Privatautos und Flugzeuge für Kurzstrecken. Flughäfen zu Wäldern oder so!

Ich empfehle einen nüchternen Artikel im Tagesspiegel – ein Interview mit Christian Walburg): Was genau ist Ausländerkriminalität? „Kein Hintergrund bestimmt uns einfach. Das müsste man nur noch so popularisieren, wie Donald Trump redet. Wenn man da Katja Kipping oder verklemmte Sprachblasenfacharbeiter ranlässt, versteht das niemand oder das Volk wendet sich mit Grausen ab.

Es gab ein großes Hallo im Antideutschen-Forum auf Fratzenbuch. Die Ruhrbarone titeln: Liebe Amerikaner, lasst uns mit diesen Deutschen nicht alleine! Richtig: Linkspartei, AfD, SPD – gleich drei große Parteien stehen für einen antiwestlichen Nationalpazifismus. Falsch: … die USA sind das intellektuelle Zentrum der Welt. Immerhin kann man über die Thesen wunderbar diskutieren.

Washington Post: Israel unveils Franz Kafka’s papers after a legal battle that was, well, Kafkaesque. Schön zu lesen.

Auf Empfehlung eines Lesers: Knuttis grüner Schatten. Ein einziger Autor verfasst auf Wikipedia praktisch im Alleingang die Einträge zu «Klimaleugner», «Energiewende» und «Reto Knutti» . Widerspruch duldet der Vollzeit-Wikipedianer nicht. Hinter dem anonymen Vielschreiber versteckt sich der Aktivist Andreas Lieb. Wer bezahlt ihn? Gute und einzig richtige journalistische Frage. Wieder ein Argument mehr, Wikipedia auf Deutsch bei politischen Fragen nicht ernst zu nehmen.

Einen habe ich noch. Wenn schon Wodka, dann einen, der im Dunkel leuchtet.

Am Göring-Kahn, nachdenklich

Nieder-Neuendorfer SeeMolenkähneburksMolenkähne

Selbst bei Paddeln, wenn man den Kopf freikriegen will und den alternden Körper ertüchtigt, um die Fleischmarktchancen zu erhöhen, holt einen die Geschichte ein.

Die Arme gleichmäßig bewegend, den Kopf durch ein neutrales Käppi vor der gleißenden Sonne geschützt, die Kühle des Wassers fühlend, das Weichbild der Altstadt Spandau hinter mir lassend, vor mich hinsinnierend, (ist das jetzt das im Deutschen nicht vorhandene MolenkähneGerundium?), was der Sinn der Weltläufte sei, wenn nicht, wie eine typische Vertreterin der „linken“ Arbeiterklasse behauptet, die Zahl 42, gelangte ich – nach Ansicht des auch virtuellen Kartenmaterials war das wahrscheinlich, ja sogar unvermeidbar – ins Beitrittsgebiet aka Brandenburg, obzwar Berlin immer noch auf meiner Steuerbord-Seite, genauer: den Nieder-Neuendorfer See, den, da er mir langweilig erschien, weil die Gestade von Bootsanlegeplätzen wie gewohnt umsäumt, ich eilig durchquerte, wohl wissend, dass alsbald Henningsdorf am Horizont erscheinen müsste, das mir bis jetzt völlig unbekannt war – ein zusätzliches Motiv, dieses paddelnd aufzusuchen, eingedenk der Tatsache, dass der Satzbau des Heinrich von Kleist, der die deutsche Sprache zur Höchstform trieb, was ihn aber zum Feind aller Blogger und der tl;dr-Fans machte, vermutlich einen großen Teil der hiesigen Leserschaft vergrätzen würde (Futur II und Konditional – aus der Perspektive von vorgestern – vermag das Deutsche hier nicht exakt auszudrücken).

In Deutschland hat alles einen Namen, sogar die Bäume sind nummeriert – ein Relikt magischen Denkens, das in uns schlummert: Wir meinen offenbar, das Unbekannte bannen zu können, indem wir es benennen, sogar Tiere, denen es herzlich egal ist, wie der Homo Sapiens sie ruft (mein leider verstorbener Hund Ajax von Teufelslauch hörte auch genau so gut und gehorsam auf „Tölchen“). Vor mir erschien also ein Eiland, offenbar unbewohnt, schmal und lang und voller Gestrüpp, zum Anlanden nicht wirklich geeignet – was mich dazu trieb, es dennoch zu versuchen. Mit Mühe gelang es mir, mein Boot zu vertäuen. Der Untergrund war durchzogen von verrosteten Eisenstangen und anderem Material, was zu dubios war, als das ich ihm meine 84 Kilo anvertraut hätte. Es war eine künstliche Struktur, die mich an Stanislaw Lems „Der Unbesiegbare“ erinnerte, nur welche, erschloss sich mir nicht. Noch Geheimnisvoller war, dass die Insel keinen Namen hatte, was undeutsch ist.

Nach der Recherche stellt sich heraus, dass ich auf einem Göring-Kahn gerastet hatte.

Im nördlichen Bereich des Gewässers befindet sich eine künstlich angelegte Mole in Nord-Südrichtung, ein Ergebnis der deutschen Teilung. Im Zuge der Absicherung der Sektorengrenzen sowie des DDR-Staatsgebietes wurde bereits vor 1961 ein Kontrollpunkt in Hennigsdorf für die sektoren- und grenzüberschreitende Binnenschifffahrt geschaffen. Diese entstand etwa am Kilometer 10,35 im Verlauf des Oder-Havel-Kanals. Unmittelbar nach dieser künstlichen Engstelle zweigt der Mitte der 1950er Jahre unter Umgehung von Westberliner Stadtgebiet entstandene Havelkanal in Richtung Paretz nach Westen ab. Um eine Zwangskanalisierung und Einengung der Wasserstraße zu erreichen, wurden durch das damalige Wasserstraßenhauptamt mehrere Arbeitsschuten, die aus den Beständen alter Schleppkähne stammten im angrenzenden Seengebiet in Fahrtrichtung Berlin-West im Nieder Neuendorfer See versenkt und mittels Bauschutt und Erdauffüllung zu einer künstlichen Mole verbaut.

HenningsdorfHafen Henningsdorf

Weiter nach Norden kommt noch mehr Pampa. Ich hatte befürchtet, die Ufer würden durch das hässliche Gewerbegebiet von Henningsdorf-Papenberge verunstaltet – aber da ist nichts von zu sehen, nur Grün und Bäume. Man könnte fast Urwald-Feeling bekommen. Das wurde unvermittelt unterbrochen, als der Wind mir eine gelbsandige Wolke ins Gesicht trieb, so, als paddelte ich durch den Suez-Kanal, die wohl aus einem Schornstein stammte, den ich aus der Ferne sah.

Der Hafen von Hennigsdorf wird von Lokaljournalismus selbstredend unkritisch bejubelt, wenn auch nur ein „Unternehmer“ sich dort umtreibt. Ich sah dort nichts, aber auch nichts über Gebühr Hässliches, und machte kehrt.

havelkanalFöhre Hakenfelde - Tegelortwasserpolo

By the way: die Fähre zwischen Tegelort und Hakenfelde hatte ich zum letzten Mal in den 70-er Jahren gesehen, als ich mit meiner Taxe übersetzen ließ. Lustig ist das.

Und wer kennt die neue Sportart Wasserpolo? Wieder in Klein-Venedig angelangt, beobachtete ich die Herren, die mit Händen und einer Art Paddel versuchten, einen Ball in ein hoch gelegenes Netz zu befördern – und dabei vom Feinsten mit ihren winzigen Kajaks herumplantschten.

Wenn man beim Paddeln durchschittlich fünf Stundenkilometer macht, dann bin ich vorgestern rund 40 Kilometer gepaddelt.

Frauen- und Männersprachen

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Credits. Niabot/Wikipedia

Die Japaner kennen kein Patriarchat und sind die emanzipiertesten Menschen der Welt. Das müssten unsere sprachesoterischen Gender*sprechertheoretiker_/*Innen behaupten. Warum?

„Das Subjekt kann weggelassen werden – und dennoch gibt es weit mehr Möglichkeiten; „Ich“, „du“, „Sie“ etc. zu sagen als in europäischen Sprachen. Die Wörter kennen kein Geschlecht; bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine Pluralbildungen. Auch an das Fehlen einer Deklination, einer Konjugation, eines Futurs und eines Konjunktivs in unserem Sinn muß man sich gewöhnen. Wenn man dann die Höflichkeitssprache(n) beherrscht, Frauen- von Männersprache unterscheiden kann, hat man die ersten Weihen schon hinter sich, ohne sich allerdings schon einen Akrobaten nennen zu dürfen.“ (Peter Pörtner: Die japanische Sprache – auch eine japanische Herausforderung. In: Konkursbuch. Zeitschrift für Vernunftkritik: Japan, Bd.1, Ein Lesebuch)

Selbstgerechter Tugendfuror

Die Philosophin Hilal Sezgin schwadroniert in der taz vom „Klischee von der scheinbar zwangsläufig unterdrückten, verblödeten, jeder Individualität beraubten kopftuchtragenden Frau.“

Das bestätigt wiederum mein Klischee. Wer religiöse Symbole verteidigt, ist verblödet – und schreibt garantiert in der Taz.

Solidarität mit Franziska Becker!

An die Nachgeborenen über die Zeiten

rupununi

Die Rupununi-Savanne im Westen Guyanas in der Trockenzeit (Symbolbild für regenarme Zeiten)

… Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

(Bertolt Brecht: An die Nachgeborenen, entstanden 1934-38)

„An die Nachgeborenen“ gehört für mich zu den Top Ten aller Gedichte seit dem Gilgamesch-Epos. Ich wüsste gern, ob das im deutschen Schulunterricht Thema ist und wie Lehrer mit den Worten „durch die Kriege der Klassen“ umgehen?! Vermutlich sagen sie, dass es damals so war, heute aber nicht – oder irgendeinen anderen Kapitalismus-affinen Unsinn.

Ich wüsste auch gern, was der wortgewaltige Dichter zu Gendersprache sagen würde: „Daß der Mensch dem Menschen ein/e Helfer*_In ist“? Da merkt man, wie bekloppt solche Leute sind. Aber verzerrte Züge hat der protestantische Furor der neuen deutschen grünen Mittelschicht schon, wenn es um Volkspädagogisches geht. Man müsse sich sprachlich benehmen. Wer das nicht kann, gehört nicht zu den Guten und muss zukünftig Fleischwurst und Eier von Hühnern aus Legebatterien essen.

Gedenkt unsrer mit Nachsicht. Großartig! Pathetisch wie Homer, ohne in Kitsch abzugleiten. Werde ich mir für meine Nachfahren merken, falls sie mir zuhören….

Savant-Syndrom oder: All systems go

riemann

„Der Große Kunstgriff, kleine Abweichungen von der Wahrheit für die Wahrheit selbst zu halten, worauf die ganze Differential-Rechnung aufgebaut ist, ist auch zugleich der Grund unserer wizzigen Gedancken, wo offt das Ganze hinfallen würde, wenn wir die Abweichungen in einer philosophischen Strenge nehmen würde.“ (Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher, verfasst 1764–1799)

Jetzt muss ich also die Wünsche des Publikums abarbeiten?! Da habe ich mir etwas eingebrockt. Ich kann aber zunächst zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Themen Riemann sowie Donald Byrne gegen Bobby Fischer haben beide etwas mit der so genannten Inselbegabung aka Savant-Syndrom zu tun. Riemann war ein Mathematik-Genie, und Robert Jamnes „Bobby“ Fischer ein Schach-Genie, den Stefan Zweig in seiner Schachnovelle vielleicht zum Vorbild genommen hätte, wäre er damals schon am Leben gewesen. (Fischers Sieg gegen Byrne ist IMHO eines der interessantesten und schönsten Schachspiele aller Zeiten.)

Zweigs grandiose und immer noch lesenswerte Novelle ist politisch: Die Nazis hielten den literarischen Helden in Isolationshaft, und das Schachspiel diente ihm dazu, dem Wahnsinn zu entkommen. Fischer war außerhalb des Schachbretts ein Antisemit, Frauenverächter, paranoid (er wurde aber vom FBI beobachtet) und ziemlich bekloppt exzentrisch.

These: Auch Schach, das so streng logisch ist wie Mathematik, kann man politisch diskutieren. (Ich bin, wie man weiß, begeisterter Schachspieler, spiele mit Weiß im Blitz fast immer Königsgambit, habe aber Mathematik in der Schule immer gehasst.)

Und nun zu uns, Riemann. Ich verstehe überhaupt nichts auf Anhieb. Lasst mich also in Frieden mit der Zahlentheorie et al. Von der Riemannschen Geometrie hatte ich eine blasse Ahnung. Ich kann jedoch nichts volkstümlich erklären, und wenn ich es versuchte, wäre das Ergebnis vermutlich Unsinn.

Ich stöberte deshalb in meiner Bibliothek und fand drei Büchlein zum Thema (alle Buchlinks führen zu Amazon). Karl Marx: Mathematische Manuskripte (mit einer (!) albernen Rezension bei Amazon) – Textexzerpte, die Marx benötigte, um die politische Ökonomie auszuarbeiten. Der Herausgeber schreibt im Vorwort (1974): „Wir sind der Meinung, daß eine fruchtbare Verbindung von mathematischen Methoden und kritischer Gesellschaftsanalyse möglich ist, in der weder die letztere hinter dem mathematischen Formalismus verschwindet, noch in bornierter Abwehrhaltung verbleibt“. Nichts über Riemann in diesem Buch, was nicht verwundert.

Interessanter klingt schon Herbert Meschkowski: Mathematik als Grundlage: Ein Plädoyer für ein rationales Bildungskonzept mit der Überschrift des ersten Kapitels: „Erziehung zur Objektivität“ sowie Kapitel VI.1: „Die Grenzen wissenschaftlicher Verfahren – Unmöglichkeitsaussagen in der modernen Mathematik“. Schon einer der ersten Sätze ließ mich schmunzeln: „In einem Kreis von Schulmathematikern vertrat ich die Ansicht, daß jeder Schüler eine gewisse Zeit lang in der Überzeugung leben müsse: „‚Es gibt keine Zahl, deren Quadrat gleich 2 ist.'“ Auch der letzte Satz des Buches, ein Zitat des Physikers Max Born, ist bemerkenswert: „Ist doch der Glaube an eine einzige Wahrheit und die Überzeugung, deren einziges Besitzer zu sein, die tiefst Wurzel allen Übels in der Welt.“ Ich habe auch hier nichts über Riemann gefunden.

Dritter Versuch. Oskar Becker: Grundlagen der Mathematik in geschichtlicher Entwicklung – Seiten 185-193 über Riemann und seine „Weiterentwicklung der nichteuklidischen Geometrie“ inklusive des Originaltextes seines Habilitationsvortrags: Über die Hypothesen, welche der Geometrie zugrunde liegen. Versteht man den? Tl;dr. Har har.

Erkenntnistheoretische Frage: Warum hat Euklid die Sache nicht so gesehen wie Riemann? Kann es einen Riemann nur im entwickelten Kapitalismus geben, nicht aber etwa in der Renaissance? Und wenn ja oder nein, warum oder auch nicht?

Da kommt jetzt einer meiner Lehrer an der Uni ins Spiel – Wolfgang Lefèvre: Naturtheorie und Produktionsweise, der sich mit den materiellen Voraussetzungen neuzeitlicher Wissenschaft beschäftigt, allerdings mehr oder weniger mit Leibniz aufhört.

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Wunschliste [Update]

wunschliste

Zu teuer oder nicht zu haben – was ein Pech. Wenn jemand eine preiswertere Version irgendwo sieht, bitte ich um eine verschlüsselte E-Mail.

Jemand schickte mir gerade Link 1 und Link 2 – funktioniert aber gerade nichts (Zeitmangel!).

Goethe et al

goethe zitate

Eines Menschen gedenken

Wiglaf Droste ist tot. (Und – Ironie des Schicksals – Vera Lengsfeld lebt noch.)

Ich empfehle den Nachruf Gustav Seibts in der Süddeutschen: „Patriotismusverächter und Sprachliebhaber“:
Sein Metier dabei war weniger die Welt- als die Sprachbeobachtung. Sprachkritik war bei ihm aber nicht Knöllchenverteilung zur Verhöhnung von Unterprivilegierten, sondern ein scharfer Blick auf gesellschaftliche Praktiken, in denen Mitarbeiter „gut aufgestellt“ zu sein haben, um „zeitnah“ und „zielführend“ agieren zu können, gehetzt von rollkofferbollernden und mobiltelefonbrüllenden Managementbarbaren. Dabei mobilisierte Droste die autoerotische Sprachlust ungebremsten Schimpfens ebenso wie das raue Gelächter über öffentlichen Schwachsinn.

Einer meiner Lieblingstexte Drostes ist Mösenstövchen bleibt:
Sex/Gender-Debatten mögen einige Akademikerinnen ernähren; zu diesem einzigen Zweck wurden sie schließlich ersonnen. Sie fügen der Welt jedoch weder Wahrheit noch Schönheit zu. Was sich im feministischen Restmilieu abspielt, ist bloße Folklore. Der Wunsch, über korrekt gemeinte scheußliche Wörter Welt und Weltbewusstsein zu ändern, nervt – und scheitert.

Dieselben Leute, die früher wegen Wiglaf Drostes Kolumnen ihr Taz-Abo gekündigt haben, gehen heute vegan essen, verehren Greta und den Klimaschutz und sprechen gendergerechte Sprache.

Nimm dies, Klopstock!

Klopstockhaus

Nachtrag: Klopstockhaus

Frage: Muss man Klopstock kennen und lesen? Ja. Nein.

GoT, reloaded

GoT
Screenshot Game of Thrones

Erstaunlich, wie viele Leute (vor allem auf Fratzenbuch) meinen, Game of Thrones verteidigen müssen. Ich habe es gar nicht angegriffen. Ich komme mir vor, als hätte ich mitten im Film Godzilla gerufen: Jetzt wird es aber unrealistisch!

Noch einmal: Ich traue mir zu, über die Serie etwas sagen zu können, ohne jemals eine Folge angeschaut zu haben. Es ist ganz einfach: Niemand könnte die ferne Vergangenheit oder eine fiktive Gesellschaft aka Fantasy darstellen, die anders ist als die gegenwärtige. (Man könnte jetzt über Norbert Elias diskutieren.)

Das Problem hat schon Stanislaw Lem erkannt und endgültig beantwortet: Man sieht immer nur in den Spiegel, selbst wenn ein Ozean den einem entgegenhalten muss.

Was soll also Fantasy à la Game of Thrones sein – wenn nicht eine Soap des heutigen Kapitalismus in pseudohistorischen Kostümen, garniert mit ein paar Drachen? Warum zum Teufel sollte ich mir einen Film mit Drachen anschauen?

Als gelernter Historiker krieg ich immer eine Krise, wenn ich mir das Outfit der Protagonisten in solchen Machwerken ansehe: Das ist weder Antike noch Mittelalter noch frühe Neuzeit – das ist einfach zu wenig Fantasie.

Voice of Gor
Titelmotive der mittlerweile im achten Jahrgang erscheinenen Wochenzeitung Voice of Gor, die ausschließlich in der Gorean Community in Second Life (nach Altersüberprüfung) erhältlich ist.

Natürlich muss Unterhaltung nicht politisch „korrekt“ sein, und Fantasy schon gar nicht. Wenn schon, denn schon – aber glaubt denn irgendjemand, ein Filmemacher würde sich trauen, einen der 33 Romane aus dem Gor-Zyklus von John Norman zu verfilmen? Immerhin ist der in den USA Bestseller-Autor mit Millionenauflage. Es scheint also eine „Grenze“ des Zumutbaren zu geben (obwohl ich Normans Trash-Romane für harmlos halte).

Games of Thrones zeigt also nicht genug Sex, um als Pornografie durchzugehen und kann mit Norman nicht mithalten, was die genderpolitische Inkorrektheit angeht. Die Serie ist nicht so gewalttätig und – aus heutiger Sicht – grausam, wie der Feudalismus wirklich war (bitte mehr Folterszenen!? Hält aber der Zuschauer nicht aus).

Da laufen Schwarze und Liliputaner herum (Schwarze gibt es schon im Parzival von Wolfram von Eschenbach – um 1200). Warum eigentlich? Damit auch kleinwüchsige Menschen jemanden haben, mit dem sie sich identifizieren könne? Was ist mit lesbischen Japanerinnen oder schwulen Latinos? Und sind nicht alle Frisuren total langweilig, weil man das alles schon in C-Movies mit Römern und Germanen und sonstwem gesehen hat?

Ich schaue Serien, die meinen Intellekt kitzeln, aber – ich bleibe dabei – nicht Game of Thrones.

GoT

GoT

Ich muss zugeben, dass ich Game of Thrones noch nie gesehen habe und das auch nicht vorhabe. Auf analyse & kritik las ich dennoch eine interessante Analyse: „Die große Sinnstiftung“.

„Seit einiger Zeit allerdings werden anspruchsvolle Serien produziert, die gängige Regeln und Gesetze der Mehrheitstauglichkeit und Familienfreundlichkeit von TV-Serien regelrecht annullieren. Sie erzählen episch langsam wie Romane des 19. Jahrhunderts und sehen aus wie Kinofilme. Seitdem haben wir ein Kultur-Statussymbol mehr, um das wir uns identifikatorisch sammeln können wie ums Lagerfeuer.

Ein aberwitziges Projekt dieser Art ist die US-Serie »Game of Thrones«, die Verfilmung der mehrbändigen (und noch nicht abgeschlossenen) Fantasysaga »Das Lied von Eis und Feuer« von George R.R. Martin.“

Ich identifiziere mich nicht. Just saying. Wie Karen Banting treffend schreibt: “ To be honest, I’m actually kinda pissed.“

The Expanse

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Wärmste Empfehlung: The Expanse (jetzt auf Amazon Prime), mittlerweile schon die 3. Staffel. Ein starker Plot, sogar gute Dialoge, und überzeugende Schauspieler wie etwa die heimliche Heldin Dominique Tipper als Naomi Nagata. Thomas Jane als Joe Miller spielt einen zerknitterten „Philip Marlowe“ in der Zukunft. Sex habe ich bisher noch nicht wirklich gesehen, nur Herumgeknutsche – vielleicht kommt das noch.

Die Serie spielt im 23. Jahrhundert. Die Menschheit hat Teile des Sonnensystems besiedelt, darunter den Mond und den Mars, es existieren zudem weitere im System verstreute Kolonien und Raumstationen. Politisch bestehen jedoch erhebliche Spannungen. Auf der überbevölkerten und unter dem erhöhten Meeresspiegel leidenden Erde sind die Vereinten Nationen zu einer Weltregierung aufgestiegen, die auch den Mond und mehrere Stationen im Sonnensystem kontrolliert. Die meisten Bewohner (in der dt. Fassung Terraner) haben keinen Arbeitsplatz und sind für ihren Alltag auf eine staatliche Grundversorgung angewiesen. In den großen Städten wie New York City gibt es Elendsviertel und Slums.

Der Mars hat sich seine Unabhängigkeit von der Erde erstritten (offizielle Bezeichnung Martian Congressional Republic) und verfügt über ein beachtliches militärisches Potential, sodass eine Pattsituation herrscht. Die Marsianer sind ein sehr fokussiertes Volk. Viele sehen auf Terraner herab, die sie als faul und verwöhnt ansehen.

Sowohl die Erde als auch der Mars sind dringend auf die Ressourcen aus dem Asteroidengürtel angewiesen. Die sogenannten Gürtler (englisch Belter) betreiben Asteroidenbergbau, leiden aber unter schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen (saubere Luft und Wasser sind oft nicht ausreichend vorhanden) und weisen aufgrund der Schwerkraftbedingungen körperliche Verformungen auf. Hauptstützpunkt des Gürtels ist de facto der Zwergplanet Ceres, bedeutende Industriezentren sind Asteroiden wie Eros oder freifliegende Raumstationen wie Tycho, während der Jupitermond Ganymed der Nahrungsgewinnung dient. Eine militante Widerstandsgruppe namens Outer Planets Alliance (OPA) hat sich gebildet, die gegen die Erde und den Mars agiert und von den Vereinten Nationen mit allen Mitteln bekämpft wird. Die Eskalation des seit Jahren schwelenden Konflikts zwischen diesen drei Kräften scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. (Wikipedia)

Was mich wundert: Wir sehen zwar mind blowing spaceships,an denen man kaum etwas kritisieren kann, aber was die Gesellschaft und die Machtverhältnisse in der Zukunft angeht, haben Autoren offenbar keine Utopien. Es wird immer alles schlimmer oder bleibt wie es ist, nur die Technik wird ausgefeilter.

Da waren die sogar die Science-Fiction-Autoren der frühen Sowjetunion Mitte des 20. Jahrhunderts weiter.

Trotzdem: Sehr gute Unterhaltung!

Eine Horde Banditen

lockruf des Goldes

„Die moderne Gesellschaft war ein riesiger organisierter, auf Ausbeutung der Schwachen und Minderbegabten berechneter Schwindel. Arbeit, rechtmäßige Arbeit war die Quelle allen Reichtums, nirgends aber sah man die rauhhändigen Söhne der Arbeit sich ihrer Früchte freuen. Fuhren sie in eigenen federnden Automobilen, kleideten sich in feine seidene Stoffe? … Tausende, Hunderttausende saßen Nächte hindurch und schmiedeten Ränke, um sich zwischen die Arbeiter und die von diesen geschaffenen Dingen zu drängen. Diese Ränkeschmiede waren die Unternehmer. Ihnen fiel der Gewinn zu, der durch kein Gleichheitsgesetz geregelt, sondern nur durch ihre eigene Stärke und Gemeinheit bestimmt wurde.

Freilich gab es auch unter ihnen Unterschiede. Jene kleinen Geschäftsleute, Ladeninhaber und dergleichen waren in Wirklichkeit nur die Handlanger der Großen, über denen wiederum die ganz Großen saßen. Magnaten, über Heere von Arbeitern gebietend, mehr Spieler als Räuber, die kein direkter Gewinn befriedigte, und deren unersättliche Gier sie zu Großmachtskämpfen untereinander trieb. Das nannte man haute finance.

Noblesse oblige galt bei den Großen des Handels und der Industrie nur in seltenen Ausnahmefällen. Diese modernen Übermenschen waren eine Horde Banditen, die die erfolgreiche Frechheit besaßen, ihren Opfern ein Gesetz über Recht und Unrecht zu predigen, das sie selbst nicht befolgten.“ (Jack London: Lockruf des Goldes aka Burning Daylight, 1910)

Ich glaube nicht, dass meine Großeltern gewusst haben, was sie mir damals schenkten. Ich habe den Roman verschlungen, genauso wie später die Abenteuer des Schienenstrangs und Wolfsblut – das beste Hundebuch ever.

Obwohl London im Alter ein „Grüner“ war und sich für Ökologie begeisterte, würden ihn unsere „Grünen“ vermutlich am liebsten verbieten, und genderpolitisch inkorrekt ist er sowieso.

„Der Mensch hat als Individuum in den letzten zehntausend Jahren keine moralischen Fortschritte gemacht, das behaupte ich mit Bestimmtheit.“ Dem kann ich mich anschließen.

Rebellion als Massenbetrug

subkultur

Vortrag (Youtube) Video von John Lütten zu dem Text in Melodie und Rhythmus.

Nicht alles, was »subversiv« und »kritisch« daherkommt, ist es auch. So auch der aktuelle Mainstream linker Pop- und Subkultur-Bands: Diverse »Zeckenrapper«, Punkrock- und Electro-Bands, die von Labels wie Springstoff oder Audiolith vertrieben werden, geben sich nonkonform und rebellisch, sind aber eigentlich völlig angepasst und kreuzbrav.

Immer wieder schön, wenn man erfährt, dass es auch kluge Leute in der Linken gibt.

Vernebelte Hirne

friedrich kellner tagebücher

Ich möchte dem Publikum zwei Bücher wärmstens empfehlen. Friedrich Kellner, Justizinspektor und Sozialdemokrat: ‚Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne‘: Tagebücher 1939-1945 – die besten Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus, die ich jemals gelesen habe.

Ich konnte die Nazis damals nicht in der Gegenwart bekämpfen. Also entschloss ich mich, sie in der Zukunft zu bekämpfen. Ich wollte kommenden Generationen eine Waffe gegen jedes Wiederaufleben solchen Unrechts geben. Meine Augenzeugenberichte sollten die barbarischen Akte aufzeichnen und auch zeigen, wie man sie beenden konnte.

Die beiden Bände lehren eindeutig: Jeder der damals lebenden Deutschen hätte über die Verbrechen Bescheid wissen können und müssen – über die Konzentrationslager, über dem Massenmord an Juden, über die Euthanasie. Kellner hat unzählige Zeitungsausschnitte dokumentiert, die die lächerlichen Lügen der Nazi-Propaganda auch ohne Kommentar ad absurdum führen.

friedrich kellner tagebücher

So etwas gehörte in den Schulunterricht – diese Augenzeugenberichte sind viel anschaulicher als theoretisches Lehrmaterial.

Man bleibt jedoch verzweifelt zurück: Wie konnten die Deutschen so sein? Ist das ein „Kulturvolk“? Nein.

Die Geschichte der Tagebücher, wer sie wo aufgefunden und nach großen Mühen herausgegeben hat, ist genau so abenteuerlich wie die Bücher selbst – es sind wahrhaft „Jahrhundert-Dokumente“. Dagegen ist das Antisemiten-Offizierspack, das in den offiziellen Gedenkstätten verherrlicht wird, völlig irrelevant.

Da der Kapitalismus die höchste Stufe der Entwicklung erreicht zu haben scheint, neige ich zu der Auffassung, daß nach dem Kriege nur der wirtschaftliche Kollektivismus d.i. der Sozialismus als einzige sittlich berechtigte Eigentumsform wirtschaftliche Daseinsberechtigung hat. Die Produktionsmittel müssen Gemeineigentum werden, damit der unheilvolle Einfluß der Wirtschaftsführer endgültig beseitigt wird. (…) Eins ist sicher: der Kapitalismus ist auf der ganzen Welt dem Untergang geweiht. Der Faschismus konnte ihn auch nicht mehr retten.

Diese Sätze werden natürlich in sämtlichen Rezensionen verschwiegen.

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