Fuck this and the race-faking academic

burks
Credits: Samira, wurde mir soeben aus Kopenhagen zugeschickt.

Heute nur Belangloses, während ich Candy Dulfer zuhöre.

Böhmermann! Die Syntax von “fuck you!” ist weder “fick dich”! noch “fuck yourself” (letzteres ist eine Lehnrückübersetzung der falschen deutschen Übersetzung “fick dich!”), sondern – syntaktisch notwendige Satzteile auslassend – “man ficke dich!”, wie in “fuck this fucking rifle, it’s jammed again”. Im letzteren Fall ist theoretisch auch ein Imperativ/Optativ der 2. Person möglich. Si quis negat hæc vera esse, anathema sit.

küchekäsekuchen

– Neu erlernt und ausprobiert: Sauer-Scharf-Suppe und Käsekuchen. Wo kommt das Saure und Süße in der Suppe her? Lesen hier chinesische Großmütter mit? 中国祖母在这里读书吗? Meine Suppe schmeckt zwar gut, könnte aber etwas pikanter sein. Mehr Essig? (Ich habe Reisessig genommen.) Mehr Zucker?

Ich habe auch meine handmade Currywurst-Sauce neu gemixt, weil ich plane, alsbald ein paar Bratwürste zu verzehren. Die Küche sieht sah aus wie ein Schlachtfeld.

– Erneute Disqualifikation bei der Opferolympiade: “The rise of the race-faking academic
Another white academic, who was pretending to be black, has resigned.” Yeah! Mehr davon!

laptop

Da läuft gerade Lucky Backup. Ich wurde daran schmerzhaft erinnert, weil mein Hauptrechner sich heute plötzlich weigerte, die Monitorauflösung aufzuführen, sondern bei jämmerlichen 1024×768 Pixel steckenblieb, statt mir die gewohnten 1920×1080 Pixel zu zeigen. Ich musste wie gewohnt kryptische Foren-Beiträge durchforsten, hatte plötzlich unzählige Festplatten, fuhrwerkte mit Herzklopfen mit gedit im dev-Verzeichnis herum und kam mit Nautilus eigentlich nirgendwo mehr hin außer in mein Home-Verzeichnis, noch nicht einmal, wenn ich zum Erschrecken der Terminals den Dateimanager mit sudo aufrief. Das ergab alles keinen Sinn. Das Problem hat sich mit autoremove halbwegs lösen lassen, zumindest spinnt der XServer nicht mehr.

Ich wünsche jetzt eine gute Nacht. Wenn ihr noch einen guten Film sehen wollte: Training Day mit Denzel Washington in Höchstform (…stealing scene after scene as he utters gritty dialogue and glares into the camera). Natürlich im Original mit Untertiteln! Die Dialoge sind großartig.

Multikausal und ziemlich komplex

kunst am verkehrsschild
Kunst am Verkehrsschild, Rathaus Neukölln, fotografiert 2013. Symboldbild für Experten und Profis.

Was geht? – Beethoven darf in Zukunft vermutlich nur mit Gendersternchen aufgeführt werden. Oder alle Musiker müssen Farbige sein. Telepolis hat auch etwas zum allgemeinen Thema: “Cancel Culture ist unmodern!” Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

– Das große Sterben der Zeitungen geht weiter. Die Süddeutsche entlässt rund ein Zehntel der Belegschaft – und deutsche Medien wie die taz nennen das wie gewohnt in schönstem Neusprech “Stellenabbau”.

Tagesspiegel: “Polizei stuft Wrangelkiez und Schlesisches Tor als Kriminalitäts-Hotspots ein”.
Vor allem Drogendealer aus Westafrika entwickeln sich für Frauen und Anwohnerinnen zu einem alltäglichen Problem. Sie werden bedrängt, beleidigt und sexuell belästigt. “Delinquentes Verhalten gegenüber Frauen stellt hierbei ein relevantes Themenfeld”, erklärte ein Polizeisprecher. Mehr als 40 Sexualdelikte – von sexueller Nötigung bis hin zu Vergewaltigungen – wurden in der Gegend seit 2017 angezeigt.”

Dazu lesen wir noch einmal alle gemeinsam im Chor: “Dealer machen heldenhafte Arbeit”.

– Wieder Telepolis über die “stumme Hälfte”: “Bei der jüngsten Kommunalwahl in NRW erreichen die Nichtwähler eine Zahl von 6,958 Millionen und übertreffen damit – wenn auch knapp – die Zahl der Wähler aller anderen Parteien zusammen.”

Was für ein Desaster! Die meisten Wähler sind mit “dem System” aka Kapitalismus so unzufrieden, dass sie die etablieren Parteien ignorieren – und die Partei “Die Linke” kann das nicht ausnutzen!? Vermutlich denken die, dass das Volk noch zu dumm sei, ihre Weis- und Wahrheit zu kapieren. Die “Linke” ist definitiv auf dem Weg zu einer Politsekte, die bald an der Fünfprozenthürde” vorbeischrammen wird.

– Die Berliner Innenverwaltung (!) erklärt das Volksbegehren, die “Deutsche Wohnen” zu enteignen, für zulässig. Grundlage des bundesweit bisher einmaligen Vorstoßes sind Regelungen im Grundgesetz, die eine Vergesellschaftung gegen Entschädigung unter Bedingungen zulassen. Gut, dass sich mal jemand an das Grundgesetz erinnert. Das schreibt den Kapitalismus nicht zwingend vor, obwohl die üblichen Verdächtigen noch nicht einmal vor dreisten Lügen zurückschrecken, wenn es dem Kapital nur ein Klitzekleinesbisschen an den Kragen geht.

Dumm ist nur, dass die Berliner “Innenverwaltung” nicht dafür berühmt ist, Gesetze so zu verfassen, dass diese auch vor Gericht Bestand hätten. Für juristische Expertisen würde ich die dortigen “Experten” nicht heranziehen. Ich hätte den Titel – Enteignung sei in diesem Fall zulässig – daher korrekt als “Meinung” ausgewiesen. Warten wir’s ab. Sie werden auch das versemmeln.

– Weiter geht es mit der beliebten Rubrik “Einmal mit Profis arbeiten”. Experten finden keine Lösung für die Probleme der IT der Justizbehörden in Berlin. Auf die Frage nach den Ursachen für die Störung erklärte Böttcher, es handele sich um ein “multikausales und ziemlich komplexes Fehlerbild”. Ach!? Wer hätte das gedacht. Für so ein Gefasel müsste es mindestens zwei Wochen Arbeit im Steinbruch geben – ohne Handschuhe.

Auch in Bayern ist es nicht besser. Weil eine Familie nicht von der Covid-Erkrankung der Großmutter wusste, feierte sie mit 100 Gästen Hochzeit. Dabei lag die 68-jährige Frau aus Vilshofen (Landkreis Passau) seit zwei Tagen mit Covid-Symptomen im Krankenhaus, wurde dort jedoch nicht auf das Virus getestet.

Wait a minute! Eine Frau hat Covid-Symptome, kommt ins Krankenhaus und wird nicht getestet? Es geht um das Krankenhaus Vilshofen. Gut zu wissen, wohin man nie gebracht werden möchte.

Schon wieder und unter anderem: Schöne Menschen mit Menstruationshintergrund

bone hunter

Wenn Konzerne wie Netflix oder Amazon mein Medienverhalten kennen, was Filme angeht, dürfen die wohlwollenden Leser und geneigten Leser das natürlich auch. Die Agorithmen, die mir etwas vorschlagen, sind einigermaßen gut, aber bei meinen erratischen Interessen und Sehgewohnheiten natürlich meistens überfordert. Jüngst hatte ich das überraschende Problem, dass ich nichts Sehenswertes auf Netflix mehr fand und daher auf Uralt-Produkte wie den Bone Hunter zurückgreifen musste. Denzel Washington geht immer, auch wenn der die ganze Zeit nur herumliegt und betonähnliche Sätze auf Horoskop-Niveau sagen muss. Angelina Jolie finde ich, was ihr Gesicht angeht, zu unnatürlich, ja eher Zombie-haft attraktiv. Eine ganz normale Polizistin passt einfach nicht für sie. Comic-Strip-Figur käme besser. Tomb Raider war daher ihre Paraderolle. Science Fiction ginge für Jolie auch, aber Jessica Matten finde ich hübscher. Tribal wird aber weder von Netflix noch von Amazon gestreamt und steht noch auf meiner To-Watch-Liste. Von Agelina Jolie hätte ich aber gern die Schreibmaschine.

Zappen wir weiter. Centurion kannte ich schon. Ich hielt ihn nur eine halbe Stunde aus. Ohnehin hatte ich den Film nur wegen Olga Kurylenko und ihrem Lächeln ausgewählt, obwohl sie dort überhaupt nie lächelt, sondern so viele verschiedene Gesichtsausdrücke zeigt wie Clint Eastwood. “Die Römer bei den Pikten” wurde in Adler der neunten Legion besser abgehandelt. Der letztere Film hat nur wenig mit der Historie zu tun hat, und der Schluss ist so bekloppt und realistisch ist wie der Angriff der Killertomaten.


netflix

Offenbar werden nur noch Kinderfilme gedreht und immer nach einem ähnlichen Muster. Zum Beispiel: Eine gender- und diversity-ausgewogene Jugendgruppe gerät irgendwo hin und muss ums Überleben kämpfen. Oder Mädchen haben keinen Sex, aber sehen gut aus wie in Warrior Nun. “Kriegernonne” ist so bescheuert, dass der Inhalt noch nicht mal als C-Movie durchginge. Alba Baptista scheint zwar klug und sehr sprachbegabt zu sein, aber als Schauspielerin wäre Lolita für sie die passende Rolle. Dann doch lieber gleich ganz politisch unkorrekt gucken.

Away wurde mir vorgeschlagen, vermutlich weil ich Star Trek Enterprise durchzappte, um zu sehen, ob T’Pol vielleicht irgendwann doch einmal etwas Durchsichtiges trägt. Auch unerträglich: Das Sci-Fi-Szenario ist nur ein Vorwand, um den üblichen Kleinfamilien-Kitsch lang und länger auszubreiten. Ich kann es nicht ertragen, spannend ist die Serie auch nicht, sondern mit der Drehbuch-Nudelrolle so platt und dünn gewalzt wie es nur irgend geht. “Away” funktionierte auch, wenn die Heldin LKW-Fahrerin wäre. Die Heldin finde ich zu allem Überfluss auch noch unattraktiv. Übler Trash.

Official Secrets: Keira Knightley kann man immer eine Weile ansehen, aber nicht einen ganzen träge dahinfließenden Plot lang. Ich habe es nur 20 Minuten geschafft. Der Film sollte aber Pflichtprogramm für die sein, die Trump-Witze machen oder, noch dämlicher, sich darüber aufregen, dass Politiker lügen. Was ist mit `George Dabbelju Busch oder Tony Blair? Kann man dort im Original verfolgen.

Ich will nicht nur nörgeln. Gridlocked ist solide Herumballerei à la Van Damme, old school action, der Plot nach dem Motto: Junger Schnösel wird durch alten Kerl zum Mann gemacht, also etwas für Sean Connery, der sich so etwas aber natürlich nicht mehr antun muss. (Hey, IMHO nutzt Dominic Purcell Krav Maga – mir kamen einige schmutzige Tricks bekannt vor.)

Meine wärmste Empfehlung gilt Shtisel – gefällt mir wesentlich besser als Unorthodox. (Weiß jemand, ob Stiesel jiddischen Ursprungs ist?)

Back to blood in Hollywood

diversity

“Diversity”, “Vielfalt” – was das heißt, zeigt uns gerade Hollywood in Gestalt der Academy of Motion Picture Arts and Sciences: Bewerber für den Hauptpreis des Oscar-Wettbewerbs müssen ab 2024 mindestens zwei “Vielfaltskriterien” erfüllen, um sich zu qualifizieren.
Beispielsweise könnte eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören, etwa afroamerikanischer, asiatischer, hispanischer oder indigener Abstammung sein. Als ein weiteres Kriterium führt die Filmakademie inhaltliche Aspekte an: Filmbeiträge sollten demnach ein Thema behandeln, das sich um Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder LGBT-Inhalte dreht – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen.

Ich habe da noch eine Frage: Sind Friesen eine “unterrepräsentierte ethnische Minderheit”? Müssen Künstler, bevor sie Kunst machen, jetzt eine Check-Liste abarbeiten, was vorkommen darf und was nicht? Muss in einer Astronauten-Crew in Zukunft immer eine Lesbe sein oder jemand behindert? Was ist “hispanisch?”

Ceterum censeo: In jedem deutschen “Tatort” sollte zukünftig eine Latina mitspielen, die so ausseht wie Lupe Fuentes.

Übrigens – Kunden, die das Obige lasen, sollten auch dieses zu Gemüte führen: Die bunt angemalte Pseudo-Farbige “diverse” Professorin Jessica Krug hat jetzt ihren Posten aufgegeben. – Ein Interview mit Jan Böhmermann über “cancel culture” in der “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” darf nicht erscheinen. – Die “Sinti-Allianz” findet die Diskussion über “Zigeunersauce” unwürdig und verwendet weiter den Begriff “Zigeuner”.

Gendern diskriminiert noch schlimmer

gendersprech

Überraschend guter Artikel im Tagesspiegel: “Gendern macht die Diskriminierung nur noch schlimmer. Wer will, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden, der muss sie gleich benennen.”

“Ich gendere nicht, ich möchte nicht gegendert werden, gerade weil ich weiß, wie Diskriminierung sich anfühlt. (…) Während die Deutschen sich für das permanente Benennen von Geschlechterunterschieden entschieden haben, haben die Briten sich entschieden, das Anzeigen von Geschlechtlichkeit so weit wie möglich zu vermeiden.”

Die Autorin vergisst, dass diejenigen, die Gendersprache nutzen, einer rationalen Argumentation nicht zugänglich sind. Außerdem nutzt auch der “Tagesspiegel” Gendersternchen. Quod erat demonstrandum.

Kubikmeterweie Assoziationsketten

lesestoff

– Ich wollte das wohlwollende Stammpublikum nur warnen, dass wieder bald zahlreiche Rezensionen zu erwarten sind. Ich lese sehr schnell und kubikmeterweise.

– Ich muss verschämt zugeben, dass bei demonstrierenden Veganern, asozialen Hedonisten und anderen Verirrten in meinem Gehirn die Begriffe “Arbeit”, “Steinbruch” und “mit Stacheldraht umzäuntes Areal” unwillkürlich eine Assoziationskette bilden. Ich sollte mein stalinistisches Unterbewusstsein jetzt mit etwas anderem überschreiben.

– Oberstufe Gymnasium, Gesellschaftslehre, Thema der nächsten Klassenarbeit: “91770 Deutsche waren 2019 Mitglied in einem Schachverein. Vergleiche diese Zahl mit der Zahl derjenigen, die auf bekloppte Demonstrationen gehen, und sage etwas über die gesellschaftliche Relevanz beider Gruppen!”

– “In einer Demokratie sollte der Staat Grundrechte niemals präventiv einschränken, wenn es sich vermeiden lässt. Meinungen, und seien sie noch so abstrus, müssen wir aushalten. (…) In einer Demokratie sollte der Staat Grundrechte niemals präventiv einschränken, wenn es sich vermeiden lässt. Meinungen, und seien sie noch so abstrus, müssen wir aushalten.” (Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, hinter der Paywall der “Welt”)

– Vorhersage: Wenn Katja Kipping als Parteivorsitzende der “Linken” aufhört, wird die Zahl der Wörter, die auf -ung enden, in der Öffentlichkeit signifikant abnehmen.

– Übrigens: Wieviel Humor ist zumutbar?

Nachlese: Collegia Compitalicia et al

puppets
Source: Fear World (Facebook)

Wegen Zeitmangels nur kurz und knapp:

Und schon beim ersten Sonnenschein
hau ich mir selber eine rein,
denn wie sagt’ einst ein weiser Mann:
“Man muss zuerst sich selber hassen,
bevor man andre hassen kann.
(Lisa Eckhart)

Ich habe gerade Eckharts Metrische Taktlosigkeiten: Eine Einführung ins politische Korrektum durchgelesen und mich köstlich amüsiert.

– “Alte” ist politisch inkorrekt. “Senioren” klingt zu deutsch. Jetzt heißt es PoA.

– Facebook “kriminalisiert” die Antifa.

Republik (Schweiz): “Wir haben die Wahl zwischen einem neofaschistischen Gangster und einem neoliberalen Desaster”. Der Autor: “Cornel West, Professor für Afroamerikanische Geschichte und Philosophie, Theologe, Aktivist, Christ und Sozialist, gilt als einer der führenden schwarzen Intellektuellen in den USA”.

Sorry, aber jemanden, der an höhere Wesen glaubt, kann ich als Intellektuellen nicht ernst nehmen. Interessant ist die Lektüre trotzdem – der Artikel zeigt, woran es bei den US-amerikanischen Demokraten scheitert: Bernie Sanders hätte sich “frontal mit der Wall Street” angelegt. Finanzkapital, ick hör dir trapsen. Er nennt die Antisemitin Alexandria Ocasio-Cortez “fortschrittlich”. Ansonsten sagt er viele richtige Dinge, aber auf sozialdemokratischem Niveau.

– Auch im antiken Rom kannte man den öffentlichen Druck der peer group, Abschnittsbevollmächtigte und Kontaktbereichsbeamte, sie hießen nur anders:
“Der Kult der augusteischen Haushaltsgötter und des augusteischen genius wurde aber auch öffentlich vollzogen, speziell an den von alters her an den Straßenkreuzungen gelegenen sacella, die die Stadtlandschaften in Italien und den romanisierten Provinzen prägten; diesbezüglich und hinsichtlich ihres Aussehens ähnelten sie Heiligenkapellen im Mittelalter. Die Nachbarschaften der einzelnen Stadtquartiere wählten Mitglieder von Kultvereinen (collegia compitalicia) und deren Vorsitzende, die sich um das Schmücken und die regelmäßige Ausrichtung der Compitalfeiern (Straßenkreuzungsfeiern) zu kümmern hatten. In den Kultvereinen in Rom – immerhin 265 an der Zahl – waren häufig Sklaven und Freigelassene vertreten, zu deren Integration in die augusteische Gesellschaft der Genien- und Larenkult einen besonderen Beitrag leistete. Andererseits ging von diesen Nachbarschaftsorganisationen auch ein erheblicher Druck aus, nach Möglichkeit und in heiterer Stimmung an der Feier der neuen Verhältnisse mitzuwirken.” (Armin Eich: Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium)

Radio Fritz führt Gendersternchen ein. Gut zu wissen, welchen Sender man auf keinen Fall mehr einschalten sollte. Das Sternchen soll durch eine Pause beim Sprechen ausgedrückt werden und nicht – wie man befürchten musste – durch einen stimmlosen glottalen Plosiv wie im Xhosa und Zulu, obwohl diese Fremdsprachen viel “diverser” und “vielfältiger” wären als etwa Denglisch.
Der Zwang zum milieuspezifischen Jargon zeigt auch, wes Geistes Kind man dort politisch ist. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun. Ich verachte diese Mischpoke.

Cinzia Sciuto in der taz: “Die politische Perspektive wird inzwischen häufig durch eine kulturalistische ersetzt. Für Menschenrechte und Selbstbestimmung ist das gefährlich.” – ” Ganz oft, und oft ohne Absicht, rutschen die Multikulturalisten auf die Seite der Reaktionäre.”

Well said. Nicht oft, sondern immer!

– Vertreter einer bestimmten Fraktion der herrschenden Klasse der USA rufen dazu auf, Biden zu wählen. Finde den Fehler. Und zu Trump verkündet CNN: “Biden and Trump matchup tightens as enthusiasm hits new high”. Trump holt also auf.

– Das Wort zum Sonntag wieder von Lisa Eckhart:
Lasst uns gemeinsam beten: Vater unser, der du bist
obn im Himmel … Orsch und Zwirn,
lossts uns d’Mess schnö umabiagn. Kummts her, fressts Hostien, trinkts an Doppla,
im Namen des Heiligen Geistes – na hoppla!
Jetzt bin i scho wida, was tut mich das reun,
in an Ministranten gfoin!
Wie dem auch sei, tuats no a Spend in des Körberl do schmeißem
sunst trifft euch gewiss da Blitz Gottes beim Scheißen.
Und befolgt die Gebote, zumindest die leichten,
und wem sogar des z’bled, der kummt nochher zum Beichten.

Feuer, Schwert und Eisenbahn

wüsteneisenbahn
Screenshot von Google Maps: Die Wüsteneisenbahn wurde zwischen Wadi Halfa (links oben) und Abu Hamed (unten rechts, am Nil) gebaut, später noch weiter nach Darfur. Heute ist nichts mehr von dem ersten Abschnitt übrig.

“Worte sind kaum zureichend, um die grausame Verlassenheit der Landstriche zu beschreiben, in welche die Bahnlinie und die Bauarbeiter nun eintauchten. Ein geglätteter Ozean hellen Sands dehnte sich weit und breit bis zum Horizont. Mit sinnloser Härte brannte die tropische Sonne auf den flachen Erdboden, der mit bloßer Hand nicht berührt werden konnte, und die dünne Luft flimmerte wie über einem glühenden Heizkessel. Da und dort wuchsen hohe Haufen zerborstenen Gesteins aus dem Boden wie Schlackeninseln im Feuermeer. Und einsam in der unermeßlichen Weite lag Railhead, die Endstation, eine Segeltuchstadt von zweitausendfünfhundert Einwohnern, vollständig ausgestattet mit Bahnhofsgebäude, Läden, Postamt, Telegraphenamt und Kantine mit der bewohnbaren Welt verbunden nur durch zwei parallele Eisenstriche, drei Fuß und sechs Zoll auseinander, die in der Ferne matter und schmaler wurden, bis sie von einer Luftspiegelung verwischt wurden und im Unbestimmten verschwanden.“feuer und schwert im Sudan (Winston S. Churchill: Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi, Kapitel 9: Die Wüsteneisenbahn, 1899)

Ich mal solche Geschichten, zumal Churchill ein glänzender Stilist ist, was man sogar in der deutschen Übersetzung merkt. Als Junge habe ich unzählige Abenteuer-Bücher gelesen. Nach der Lektüre des Kapitels über die Wüsteneisenbahn kaufte ich mir gleich aus Neugier Rudolf Slatins “Feuer und Schwert im Sudan – Meine Kämpfe mit den Derwischen. Meine Gefangenschaft und Flucht, 1879-1895”.
1881 war im Sudan der Mahdi-Aufstand ausgebrochen, und die Mahdisten begannen das Land zu erobern. Am 23. Dezember 1883 geriet auch Slatin in Gefangenschaft des Mahdis Muhammad Ahmad. Slatin konnte den Mahdi überzeugen, vom Christentum zum Islam übergetreten zu sein, und wurde deshalb nicht ermordet. Die nächsten zwölf Jahre lebte er als Sklave des Kalifen Abdallahi ibn Muhammad, des Nachfolgers des Mahdi, und erlangte allmählich das Vertrauen der Mahdisten. 1895 gelang Slatin unter abenteuerlichen Umständen die Flucht; er schlug sich bis zu anglo-ägyptischen Truppen durch.

Was für eine Geschichte! Was für ein interessantes Leben?

Im Reich des Mahdi oder: Islamismus, retro-style

mahdimahdiIch las neulich Sebastian Haffners Biografie Winston Churchill in einem Rutsch durch. Ich wusste nicht, dass Churchill 1898 am Krieg gegen den Mahdi-Aufstand im Sudan teilgenommen hatte – oder: ich wusste rein gar nichts über die Geschichte des Sudan. Bei der Lektüre der einschlägigen Websites fiel mir auf, dass es einige Vorläufer dieser “Mahdi”-Aufstände gab – und natürlich erinnerte ich mich an die Mahdi-Trilogie von Karl May, die ich aber als Junge nicht gelesen hatte.

Ich besorgte mir also das Original Winston Churchills in deutscher Übersetzung: Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi, und erwartete ein gut geschriebenes Buch über “Abenteuer” [es geht um einen Kolonialkrieg] in fremder Zeit in fremden Ländern, da der Autor immerhin Nobelpreisträger für Literatur ist. Ich bin positiv überrascht – es ist weit mehr. Allein die Einleitung von Georg Brunold: Winston S. Churchill und die Geburtsstunde des modernen politischen Islam (33. Seiten) ist eine glänzende, informative und aktuelle Einführung in das Thema, weitaus besser als Online-Quellen. Mir ging es wie ein Rezensent über Rian Malans Mein Verräterherz (unter den top ten aller Bücher, die ich jemals gelesen habe) schrieb: “…ein Stück Afrika, von dem wir alles zu wissen glauben – und wussten doch gar nichts.”

“Warum habt ihr die Leute, welche hier am Boden liegen, gefesselt?”
“Sie sind Gefangene von uns, Sklavenjäger.”
“Das ist doch kein Verbrechen?”
“Nun, dann Menschenraub!”
“Sklaven, überhaupt Schwarze, sind keine eigentlichen Menschen. Du wirst diese Männer also frei lassen!”
Der Mann war wohl etwas über dreißig Jahre alt, hager und trug einen dunkeln, nicht sehr dichten Vollbart. Sein Gewand war weiß gewesen, jetzt aber nicht mehr von allzu reinlichem Aussehen. Der Ausdruck seines Gesichtes war streng, düster asketisch. Er stand gerade und stolz aufgerichtet vor mir, und seine Augen blickten mich fast drohend an, als ob er und nicht ich es sei, der zu befehlen hatte. Ich ahnte nicht, daß dieser Mann später als Mahdi eine so hervorragende Rolle spielen werde.
(Karl May: Der Mahdi)

Bei allen Mahdis geht es um Messianismus, also um eine Mix aus Endzeit-Erwartung und Klassenkampf in religiösem Kostüm. Im 19. Jahrhundert, schreibt Brunold, “erschütterte ein Geist der Revolte und des Neubeginns die islamische Welt”, “entfacht durch soziale, wirtschaftliche und politische Unzufriedenheit.” – “Nach Jahrhunderten obrigkeitlicher Korruption und Dekadenz, unter denen die verschütteten Quellen wahrer Religon beschworen wurde, konnte allein Gott Abhilfe versprechen – durch Rückkehr zu ihm und Erneuerung des rechtgeleiteten Glaubens.” Das entspricht exakt der Marxschen Definition: “Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.”

Ein Zitat Charles Gordons, des britischen Generalgouverneurs der ägyptischen Provinz Sudan, bestätigt das: “Nach dem zu urteilen, was ich von diesem sogenannten fanatischen Land gesehen habe, glaube ich nicht, dass es hier Fanatismus gibt in dem Sinne, wie ihn die Welt gekannt hat. Es geht weit mehr um Fragen des Eigentums und gleicht mehr einem Kommunismus unter der Flagge der Religion.” (The journals of Gordon Khartoum) Eine klare Einsicht von einem britischem Kolonialoffizier, die man sich auch für die deutsche Journaille wünscht, die meint, über den so genannten Islamismus in Afrika meint berichten zu müssen.

Brunold erwähnt den Aufstand des Diponegoro 1825 auf Java gegen die Holländer, die indische Rebellion von 1857, die anglo-afghanischen Kriege zwischen 1839 und 1919, dem Widerstand des Imam Schamil der Muslime in Dagestan gegen die Russen, den “heiligen Krieg” der Muwahiddun, der Vorläufer der heutigen saudischen Wahhabiten, 1811-1818 gegen Ägypten, der nur mit Hilfe der britischen Armee gewonnen werden konnte, und das Kalifat von Sokoto im heutigen Nigeria, das die Briten 1903 zerschlugen.

Der Mahdi-Aufstand von 1881 bis 1899 im Sudan, über den Churchill berichtet, “gilt als der erste – zumindest kurzzeitig – erfolgreiche Aufstand einer afrikanischen Bevölkerungsgruppe gegen den Kolonialismus und führte am Ende des 19. Jahrhunderts zur Bildung des Kalifats von Omdurman (auch Mahdi-Reich oder Reich des Mahdi). Die Mahdisten eroberten bis 1885 weite Teile des Landes und wurden 1898 durch eine anglo-ägyptische Streitmacht besiegt.”

Brunold schreibt über den Madhi: In knapp dreieinhalb Jahren des Aufstands bis zum Fall von Khartum war der gewiefte Taktkliker Mohammed Ahmed immer erst in die Gebiete einmarschiert, deren Bevölkerung er bereits auf seiner Seite wußte. Unblutige Siege zog er vor, in deren Folge die traditionellen lokalen Führer allerdings nichts zu lachen und noch weniger zu sagen hatten. Es ist nicht bekannt, daß einer seiner Emire in den Provinzen sich jemals an die Versprechungen gehalten hätte, mit denen zuvor den Gegnern die Kapitulation schmackhaft gemacht worden war. Unter seinen christlichen Gefangenen ließ der Mahdi nur Priestern das Leben und zugleich ihren Glauben. Europäische Söldneroffiziere schonte er, wenn sie sich ergeben hatten und seinen Glauben annahmen. Islam oder das Schwert hieß in großer Tradition die Wahl, die er seinen ungläubigen Feinden ließ. Beim Einzug nach Khartum wurden Tausende massakriert, geköpft, verstümmelt, die verbliebenen Europäer neben Gordon als einzigem Militär der österreichische Konsul Martin Hansal und einige Dutzend Zivilisten samt Kindern, Hunden und Papageien erschlagen, die Frauen versklavt.

Wenn man also heute über den Darfur-Konflikt (das ehemalige Sultanat Darfur) redet und über Dschandschawid, muss man wissen, dass die Vorgeschichte ein paar hundert Jahre zurückreicht. Brunold weist aber darauf hin, dass alle pan-islamischen Bewegungen in Afrika sich schnell zu “ethnisch abgestützten, offen rassistischen Militärdiktaturen” wandelten.

The Affair, de Twaalf

the affair

Ich empfehle zwei Serien bzw. Miniserien, The Affair (mittlerweile fünf Staffeln, auf Amazon Prime) und De Twaalf (die 12 Geschworenen, Belgien auf Netflix).

The Affair

Ein Kompliment für “The Affair” ist, dass ich schon bis zur dritten Staffel gekommen bin, obwohl ich mir so etwas normalerweise überhaupt nicht anschaue. Das Thema riecht nach so etwas Ekligem wie “Beziehungsgesprächen”, kindischem Verhalten, spießigen bürgerlichen Normen wie “Treue” und anderen Dinge, über die ich nicht mehr diskutiere, außer mit wenigen klugen Leuten aus meiner Peer Group. Noch ein Kompliment: Ich kann keinen der Schauspieler leiden, die in “The Affair” mitspielen, mehr noch: Ich kann sie nicht ausstehen (außer der bildschönen Julia Goldani Telles, die mich als Vater in ihrer Rolle als schwer spätpubertierende Tochter an den Rande des Wahnsinns treiben würde). Ruth Wilson als Heldin Alison Lockhart (nomen est omen) spielt überragend und subtil, aber dieser Art Frau gehe ich realiter lieber aus dem Weg. Und trotzdem gucke und gucke ich weiter und glotz TV.

Die Zeit titelt ganz nett und treffend: “An der Liebe will keiner schuld sein”. Wenn Liebe samt der dazugehörigen Biochemie einfach vom “Himmel fällt”, wie in “The Affairs”, dann kann sie anarchisch alle festgefügten Kleinfamilienidylle sprengen, auch wenn das niemand gewollt hat.

Natürlich fällt die Biochemie nicht vom Himmel, aber die Sache ist eben ziemlich kompliziert und nicht vorhersehbar, selbst von Psychiatern und Psychologen nicht. Die Charaktere in “The Affairs” werden immer wieder mit ihrem inneren Schranken, ihrer gut gemeinten Heuchelei, ihren dunklen Geheimnissen konfrontiert und handeln manchmal nach dem umgekehrten Faustschen Lehrsatz: Der Geist, der das Gute will, aber das Böse schafft.

Ziemlich genial ist auch der Wechsel der Perspektiven. Dieselbe (!) Geschichte wird mehrfach erzählt, wie die Protagonisten sie (meinen) erlebt (zu) haben, und man muss sich schon sehr anstrengen, um zu merken, dass die wirklich dieselbe Story ist. Das könnte langweilig sein, ist aber es aber nicht. (Der Film erinnerte mich an ein Buch, das ich 1989 geschrieben habe, für das ich getrennte Ehepaare bat, jeweils ihre Version zu schildern – ich kam aus dem Staunen nicht heraus.)

(Zeit online irrt: Auf Amazon kann man den Film auch im Original mit deutschen Untertiteln ansehen – nur Kulturbanausen bestehen auf Synchronisierung.)

Unterhaltsam und wesentlich besser als derartige Filme im Normalfall.

De twaalf

Die 12 Geschworenen

Ich wusste gar nicht, dass die Belgier gute Filme machen. Das hier ist einer. (Zugegeben: Hier habe ich die sychronisierte Fassung geschaut, da ich Flämisch gar nicht verstehe.) Auch hier musste ich mich zunächst beherrschen, weil mich weinerliche, depressive, unterwürfige Frauen – aggressiv machen. Aus einer Rezension:
Immer wieder wird die Suche nach der Wahrheit daher durch Nebenhandlungen unterbrochen, denn die meisten haben privat mit irgendwas zu kämpfen. Mal sind es Probleme mit der Tochter, dann steckt jemand in finanziellen Schwierigkeiten, ein anderer ist einsam und sucht Anschluss in der Gruppe, wird jedoch zunächst ignoriert. Das trägt dazu bei, dass “Die zwölf Geschworenen” deutlich mehr menschelt, als man es vorab erwarten durfte. Die belgische Produktion, die Ende 2019 bei unseren Nachbarn bereits im Fernsehen lief, ist an vielen Stellen mehr Drama als Krimi, beschäftigt sich stark mit den Beziehungen der Figuren und diversen menschlichen Abgründen. An verabscheuungswürdigen Charakteren mangelt es dabei nicht, vor allem lügen viele wie gedruckt.

Und nichts ist, wie es scheint. Die Miniserie ist mit Abstand tiefgründiger als die üblichen Gerichtsserien aus Hollywood. Bei uns gibt es Geschworenengerichte nicht mehr, in Belgien sollen sie auch abgeschafft werden. Wenn man im Film erlebt, warum manche der “Laien” wie entscheiden, wird einem Angst und Bange, stünde man selbst vor einem solchen Gericht. “Die zwölf Geschworenen macht sie zu einem der Geschworenen, schreibt Dhruv Sharma bei TheCinemaholic, die Serie schafft es die Zuschauer genauso nichtsahnend zu lassen wie die Geschworenen und lässt Spielraum Entscheidungen zu treffen, die man dann wieder revidieren muss.” Große Kunst!

Meine “Lieblinge” sind Josse de Pauw, der Rechtsbeistand der Verdächtigen, der mit seinem Rauschebart wie Karl Marx aussieht und agiert wie ein Anwalt der RAF vor Gericht – er nimmt die Zeugen allesamt nach allen Regeln der Kunst auseinander – sehr unterhaltsam. Aber was macht man, wenn alle lügen? Und natürlich Charlotte De Bruyne als Holly Ceusters, die junge “Vorsitzende” der Geschworenen, die mit den Männern macht, was wie will, und auch sonst ziemlich kess und nicht auf’s Maul gefallen ist. Aber natürlich lauert auch in ihr ein schreckliches Geheimnis.

Absolut sehenswert! Wer beides nicht mag: Ich habe gerade L’Immortel mit Jean Reno angesehene. Gute Krimi-Kost, und Reno ist wie immer mit seiner physischen Präsenz herausragend. (Bei der Arie Arie Il Dolce Suono bevorzuge ich aber die Callas oder gleich Inva_Mula.)

Zum x-ten Mal: Gendern

The European: “Die Gender-Sprachregelung ist verfassungsfeindlich”.
Ich selbst gehöre zu den Dissidenten und weigere mich konsequent, zu “gendern”, und sehe völlig davon ab, meine Studenten zum Gebrauch der neuen Normen zu nötigen. Sollten mir deswegen meine Lehraufträge gekündigt werden, würde ich hocherhobenen Hauptes aus der Akademie gehen und sagen “Das ist kein demokratischer Ort.” Denn Gender-Deutsch ist nicht nur umständlich, sondern auch verfassungswidrig, da es weder demokratisch zustande kam, noch dem Geist des Grundgesetzes entspricht.

Man muss das Thema nicht so pathetisch sehen. Ich kann die Haltung der Autorin Dr. Claudia Simone Dorchain aber nachvollziehen: Als ich noch an der Uni lehrte, hätte ich mich genau so verhalten. Ich hatte nur das Glück, dass meine – mehrheitlich weiblichen – Studenten sich ohnehin gegen das “Gendern” aussprachen.

Gendersprache, xtrem

gendersprache

Demnächst schr&$BPIeiben* wir alle LTMBSQörter-cis/innen nur noch in EKll_indigenenInnen/transDFV-englischen Abkürzung*^#@innen und in Colo(u)r. 然后请用普通话。

Aber mal im Ernst – für mich sind diese reaktionären kleinbürgerlichen GestaltInnen einfach nur gestört. Und wer mich “weiß” nennt, den bitte ich das zu beweisen, oder ich nenne ihn und sie ein verdammtes Rassistenpack.

Gerda Taro oder: Die Wahrheit ist das beste Bild

gerda taro

1936 beschlossen die faschistischen Achsenmächte zugunsten der Putschisten unter Franco in den Spanischen Bürgerkrieg einzugreifen.

Ein Jahr später, am 26. Juli 1937, starb die deutsche Fotografin Gerda Taro (Gerta Pohorylle), die zusammen mit Robert Capa die Gewalt des Spanischen Bürgerkriegs dokumentierte.

Als Jüdin und Sozialistin verfolgt, wegen Flugblattaktionen kurzzeitig inhaftiert, musste sie 1933 ins französische Exil gehen. Nach dem Militärputsch 1936 ging sie nach Spanien.

Bei Villanueva de la Cañada wurde Gerda Taro während eines Angriffs der deutschen Legion Condor am 25. Juli 1937 durch ein Missgeschick bei der Evakuierung von einem republikanischen Panzer überrollt. Sie starb am nächsten Tag im Lazarett.

Eine Ausstellung mit Werken Taros in Leipzig wurde 2016 zerstört.

Rudel und Schwarm

correos
Lateinamerikanische Postausgabe – vermutlich aufgenommen in Lima, Peru, entweder 1979 oder 1984.

Kluger Artikel auf Telepolis: “In Sozialen Medien wirkt eine Dynamik, die sehr viel älter ist als Twitter oder Facebook”.

“Deshalb neigen Nutzer bewusst und unbewusst dazu, ihre Beiträge so zu gestalten, dass sie möglichst viel Aufmerksamkeit, Zustimmung und Weiterverbreitung erreichen. Ein sehr einfacher Weg dazu, der auch ohne kreatives Talent gangbar ist, ist die Empörung. Sie tendiert dazu, ein Phänomen zu erzeugen, das einerseits einem Schwarm und andererseits einem Rudel ähnelt. Einem Schwarm, weil es sich ohne zentrale Führung selbst bildet und gleich agiert, da sich seine Teilnehmer gegenseitig Belohnungserlebnisse liefern. Und einem Rudel, weil dabei häufig ein einzelnes Individuum attackiert wird.”

Elias Canetti schreibt in Masse und Macht über die “Hetzmasse”: “Ein wichtiger Grund für das rapide Anwachsen der Hetzmasse ist die Gefahrlosigkeit des Unternehmens. Es ist gefahrlos, denn die Überlegenheit auf seiten der Masse ist enorm.” (…) Ein gefahrloser, erlaubter, empfohlener und mit vielen anderen geteilter Mord ist für den weitaus größten Teil der Menschen unwiderstehlich.”

Damit ist heute auch der “soziale Mord” durch virtuelle Shitstorms gemeint, die durch die Anonymität der Denunzianten noch attraktiver wird. “Alle Formen der Hinrichtung hängen an der alten Übrung des Zusammen-Tötens. Der wahre Henker ist die Masse, die sich um das Blutgerüst versammelt. (…) Der Abscheu vor dem Zusammentöten ist ganz modernen Datums. Man überschätze ihn nicht. Auch heute [“Masse und Macht” erschien 1960) nimmt jeder an öffentlichen Hinrichtungen teil, durch die Zeitung.”

FYI: Lustkauf

bücher

FYI: Neu in meiner Bibliothek (Links gehen zu Amazon).
– Egon Flaig Ritualisierte Politik. Bd. 1. Zeichen, Gesten und Herrschaft im Alten Rom (Historische Semantik, Band 1) (das stand schon ewig auf meiner Wunschliste, war aber nicht verfügbar).
– Armin Eich: Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium.
– Peter Feldbauer und Hans-Jürgen Puhle (Hrsg.): Bauern im Widerstand.

Was mache ich an einem Tag, der der Wissenschaft und dem Forschen vorbehalten sein soll (außer Putzen, Waschen und Kochen), zuerst? Ancestry? Bücher schreiben (eines ist konkret in Arbeit), die Konquistadoren als E-Book? Den Feudalismus endlich hinreichend beschreiben? Oder die letzen 900 Fotos aus Lateinamerika weiter sortieren, beschriften und online stellen? Oder alles – und dann nichts davon hinkriegen?

Kinkerlitzchen und Vorschau, dem Kulturpessimismus entgegenwirkend

komturstrasse

Eine Stimme aus dem Publikum beklagte sich bitterlich, ich postete nur noch Reiseberichte und pöbelte herum, das Niveau sei im allgemeinen und besonderen, analog zu den Weltläuften, den Sitten und der Moral, gesunken. Es liegt mir selbstredend nichts ferner, als die wohlwollenden Leser und geneigten Leser zu enttäuschen, dass diese sich, was ein höheres Wesen verhüte möge, womöglich anderen Dingen zuwenden anstatt hier die virtuellen Seiten zu blättern browsen.

Daher sei kurz angemerkt, dass ich viel zu tun habe, unter anderem Arztbesuche wegen altersbedingter Kinkerlitzchen, dabei Wartezimmer kennenlernte, die sich doch erheblich von meiner Erfahrung in der Notaufnahme unterschieden und mich bass vor Staunen in einen komfortablen Sessel sinken ließen, ohne dass ich auch nur irgendeinen Hijab und die dazugehörenen lärmenden, weil antiautoritär vielleicht muslimisch erzogenen Jungen oder gar mental irregeleiteten Psychos vermisste hätte, aber parallel dazu kubikmeterweise Literatur in mich hineinschaufele, um meinen Plan, den Feudalismus an sich – und damit leider auch alle anderen Epochen der Weltgeschichte – hinreichend zu beschreiben.

wartezimmer

Ich hatte hier schon bemerkt, dass ich “Die vorkapitalistischen Produktionsweisen” erneut exzerpiert habe und das Fazit hier mitteilen werde, eines der vielen Puzzle-Teile. Rudi Dutschkes “Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen” hatte ich ebenfalls schon in den 70-ern gelesen und tat es jetzt noch einmal. Wilhelm Backhaus’ “Marx, Engels und die Sklaverei: zur ökonomischen Problematik der Unfreiheit” war im Gegensatz zu Dutsche ergiebiger und wird in Form eines weiteres Exzerptes hier in Kürze vorgestellt werden.

aberlour

Äusserst interessant zum Thema ist Erich Pilz: “Zur neuesten Debatte über die Asiatische Produktionsweise in der Volksrepublik China”. “Neueste” bedeutet leider, dass er die Diskussion der 80-er Jahre referiert.

Wesentlich informativer ist Ellen Meiksins Wood: “Der Ursprung des Kapitalismus”, welchselbiges ich noch nicht ganz durchgelesen habe, was aber wohl den aktuellen Stand der marxistischen Forschung – außer in China – wiedergibt.

By the way, zum Wiederholen und Weitersagen: “Der Kapitalismus unterscheidet sich von anderen Gesellschaftsformen, weil die Produzenten für den Zugang zu den Produktionsmitteln vom Markt abhängig sind (im Unterschied etwa zu Bauern, denen das Land unmittelbar und nicht über den Markt vermittelt gehört); während die Aneigner sich nicht auf eine “außerökonomische” Aneignungsgewalt durch unmittelbaren Zwang stützen können wie etwa das Militär und eine politische und rechtliche Macht, die es feudalen Grundherren ermöglicht, Mehrarbeit aus Bauern herauszuziehen -, sondern von den rein “ökonomischen” Mechanismen des Marktes abhängig bleiben müssen. Dieses besondere System der Abhängigkeit vom Markt bedeutet, dass die Erfordernisse der Konkurrenz und der Profitmaximierung die grundlegenden Regeln des Lebens sind. Aufgrund dieser Regeln ist der Kapitalismus ein System, das auf einzigartige Weise dazu getrieben ist, die Produktivität der Arbeit durch technische Mittel zu erhöhen.” (Wood)

Wie gesagt: Seid gewarnt vor dem, was noch alles auf euch zukommt.

chillen

Noch ein Lied, das Chillen begleitend?

Ich lasse mir meinen Körper schwarz bepinseln, schwarz bepinseln
Und fahre nach den Fidschi-Inseln, nach den Fidschi-Inseln
Dort ist noch alles pardiesisch neu
Ach, wie ich mich freu!
Ach, wie ich mich freu!
Ich trage nur ein Feigenblatt mit Muscheln, Muscheln, Muscheln
Und gehe mit ‘ner Fidschipuppe kuscheln, kuscheln, kuscheln
Von Bambus richte ich mir eine Klitsche ein
Ich bin ein Fidsche, will ein Fidsche sein.

(1931, Willy Fritsch hat das Lied gesungen, Friedrich Hollaender schrieb die Musik. Der Text ist von Robert Liebmann. Muss man alles verbieten, sowas.

Un tendre poulet oder: Die purpurnen Flüsse

die purpurnen Flüsse

Ich empfehle die Thriller-Serie Die Purpurnen Flüsse (auf Netflix, bis jetzt drei Staffeln). Die Serie hat nichts mit dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2000 zu tun (was ich zuerst dachte) – außer dem Titel der Romanvorlage.

Hauptdarsteller sind Olivier Marchal, der im realen Leben auch Polizist war, und die erstaunlich wandlungsfähige Erika Sainte.

Als ich die Biografie Marchals überflog, musste ich mehrfach nicken. Ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen – nach sechs Jahren als Security in einem so genannten sozialen Brennpunkt, in direktem Kontakt mit Irren, Kriminellen, Kranken, Gewalttätern, Alkoholikern, Junkies, Einwanderern jeder Art, Nazis und Normalos. “Die offene Verachtung, die die Menschen ihn spüren ließen, wenn er seine Arbeit verrichtete, die Beleidigungen, die er zu hören bekam, wenn er beispielsweise in Bars Kontrollen durchführte, desillusionierten ihn rasch. Er charakterisiert sich heute, auf die damalige Zeit zurückblickend, als weichlich (“un tendre poulet”), respektvoll gegenüber den Ganoven, außer in Fällen von Gewalt gegen Kinder oder alte Menschen.”

Das hört sich komisch an, aber “verweichlicht” war ich vor meiner eigenen Erfahrung auch. Ich weiß jedenfalls, was Marchal damit meint.

Die Ausstrahlung des Hauptdarstellers und seine Attitude (“grumpy”) passen hervorragend zu seiner jungen Assistentin, die sich viel von ihm abguckt, vor allem das Motto, dass Vorschriften dazu da sind, ignoriert zu werden und dass Vorgesetzte Idioten sind, denen man das auch möglichst oft sagen muss. Ich musste laut lachen, als Kommissar Niémans (Marchal) seiner Kollegin Camille (Sainte) sagt, er müsse noch kurz mit dem “Stümper” reden, einem Dorfpolizisten, der in Sichtweite an einem Auto wartet, und sie schmunzelt, weil sie weiß, dass er den armen Kerl mit wenigen ruhigen Sätzen so zusammenscheißen wird, das der nicht mehr weiß, wo vorn und hinten ist, was auch geschieht.

Beide gehen sehr robust vor, vermutlich wäre das so in deutschen Krimis so nicht politisch korrekt möglich. Nicht so wie “Dirty Harry”, sondern nachvollziehbar für die Rezipienten, kein Klamauk wie “Schimanski”, sondern spannend, düster und abgründig.

Church of und wo das alles enden kann

Vielen Dank der Genossin edlen Spenderin, die mir die Lettre (2017) zugeschickt hat. Darin ein Artikel von Elaine Mokhtefi über “Panther in Algerien – Eldrige Cleavers Exil im gelobten Land des Antikolonialismus“.

“After spending seven years in exile in Cuba, Algeria, and France, Cleaver returned to the US in 1975, where he became involved in various religious groups (Unification Church and CARP) before finally joining the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, as well as becoming a conservative Republican, appearing at Republican events.” (Wikipedia)

Tja. Ich lese noch. Sehr interessant, aber vermutlich wissen die Nachgeborenen nicht, wovon die Rede ist. (Stimme im Hintergrund: “Boomer!”)

Unter Neee…

mungo Park

Neu in meiner Bibliothek: Mungo Park Reisen ins innerste Afrika: Dem Geheimnis des Niger auf der Spur (1795-1806).

Ich habe das Gefühl, dass man jetzt noch schnell alle interessanten Bücher kaufen und/oder lesen sollte, in denen das N-Wort vorkommt. Vielleicht werden solche Bücher in Kürze umgeschrieben, um das “Böse” endgültig zu bannen, womit nichts mehr authentisch wäre. (Ich sage nur: Halbblut!)

Jetzt wollten die ethnografisch vorgebildeten Leserinnen und ethnologisch interessierten Leser vermutlich wissen, wieso ich ausgerechnet auf Mungo Park komme. Die schlechte Nachricht: Es drohen euch einige Rezensionen von Büchern, die keinen Menschen mehr interessieren (zur Zeit), die aber wichtig sind für mein Puzzle als “Vorarbeit zum Einen und Einzigen Wahren und Autorativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Bericht über den Feudalismus und wie er den Kapitalismus gebar und warum und warum anderswo nicht – der geplante Beitrag soll allem Widerspruch und Streit zum Thema ein Ende setzen.” Leider muss ich dazu die gesamte Weltgeschichte schnell umwühlen.

Ein Puzzleteilchen war die Lektüre von Die vorkapitalistischen Produktionsweisen. (1973). Darin: “China zur Zeit der Ch’ing-Dynastie und die Gesellschaft der Fulbe in Westafrika bis zum Einbruch des Kolonialismus, Unterkapitel: “Die Produktionsweise der Fulbe zur Zeit des Sokotoreiches – eine mit Fakten (also nicht, wie oft und leider üblich, nur eine Exegese der Klassiker) und Sekundärliteratur gespickte marxistische Analyse einer Gesellschaft, die sich von der “Urgesellschaft” weiterentwickelte, wie und warum. Das war für mich extrem spannend, zumal ich mich mit afrikanischer Geschichte vor der Kolonialzeit nicht auskannte und ich ein Aha-Erlebnis nach dem anderen hatte.

Die Fulbe werden in den verschiedenen Sprachen und Gebieten mit unterschiedlichen Namen bezeichnet. Die auch von den Franzosen gebrauchte Wolof-Bezeichnung ist “Peul(s)”. Die Engländer in Gambia verwenden den Bambara-Ausdruck “Fula”. In Ghana und Nigeria sind sie unter dem Hausa-Namen “Fulani” bekannt. Die Kanuri, Teda, Ostsudanesen und anderen Völker des Tschad-Beckens nennen sie “Felaata”. Bei den Tuareg heißen sie “A-Fuli”, bei den Mande “Fula” oder “Feli”. In deutschen Arbeiten wird die Bezeichnung „Fulbe“ verwendet, die, mit dem Singular “Pullo”, ihre eigene ist. Ihre Sprache bezeichnen sie als „Fulfulde“. (…)

Der später aufzuzeigende ökonomische und soziale Differenzierungsprozeß löst die ursprüngliche ethnische und ökonomische Einheit des Hirtenvolkes auf. Johnston unterscheidet vier Gruppen mit unterschiedlichen Bezeichnungen: Die Fulbe, die ihre Herde durch unglückliche Umstände völlig verloren haben und gezwungen sind, unter den seßhaften Bauern zu leben, werden als “Fulbe siire” bezeichnet, die wirklichen Nomaden als “Bororo”, die halbseßhaften, deren Haushalte und Herde gespalten sind, als “Fulbe nai’i”, auch “Fulbe Farfaru”. Für die zur herrschenden Klasse gehörenden, seßhaften Stadtfulbe wird in der Literatur neben den Bezeichnungen “Fulani gida” und “town fulani” meist der Terminus “Toroobe”

Da die apologetische Kolonialgeschichtsschreibung den Afrikanern eine eigenständige Geschichte abspricht, um die Ausbeutung als Kulturtat zu rechtfertigen, versucht sie, die Fulbe, die in der westafrikanischen Geschichte Wertvolles geleistet haben, außerhalb des afrikanischen Kontinents herzuholen. Die helle Hautfarbe und die Tatsache, daß diese Wanderhirten in gewissen Gebieten eine Herrscheraristokratie gebildet haben, reicht für eine kolonialistische Mentalität, für die die Inferiorität der schwarzen Rasse außer Frage steht, die Ursache dafür aus einer vorgeblichen weißen Herkunft abzuleiten.

Darin kam Mungo Park vor. Wisst ihr Bescheid.

Da 5 Blood und so

da 5 blood

Unbedingt sehenswert: Da 5 Blood von Regisseur Spike Lee.

Action und Bildung – man erfährt alles, was man über afroamerikanische Geschichte wissen muss, in Kurzform und unterhaltsam.

Gemeinsam mit der Peer Group und den Nachgeborenen anschauen! Das ist besser als auf lächerliche Demos zu gehen, wo weiße Deutsche zusammen mit “palästinensischem” Antisemitenpack für Farbige in den USA “Gesicht zeigen”.

Übrigens: Spiked bringt es auf den Punkt: “Why did the protests over George Floyd turn into mass hysteria? A new culture of groupthink is emerging, and it is causing mass psychosis. (…) From Hollywood to the churches, from big business to public-health officials, the word is out: support for BLM is essential, and in some cases mandatory.”

Full ack.

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