Cringe Zeichen irgendwo hinsetzen

djv berlin
Quelle: Instagram-Account des DJV Berlin

Wikipedia: Mit Stand 2022 ist Instagram das am meisten genutzte soziale Netzwerk unter jungen Menschen in Deutschland. Einer der häufigsten Kritikpunkte an der Plattform ist, die psychische Gesundheit junger Menschen negativ zu beeinflussen. Weitere Kritikpunkte sind beispielsweise Zensur und Überwachungskapitalismus.

Ach Wikipedia. Wer wen (Lenin) kritisiert, würde ich gern wissen, sonst glaube ich gar nichts. Gegenfrage: Welches „soziale Netzwerk“ zensiert nicht? Dann habe wir noch „Überwachungskapitalismus“. Welche Kapitalismen gibt es denn sonst noch? Etwa den überwachungsfreien Kapitalismus? Eine herrschende Klasse, die darauf verzichtet, die Untertanen zu beobachten und auszuspionieren? Vielleicht ist das in Tuvalu oder Niue so, weil man dort sowieso jeden sehen kann, wenn man auf eine Palme klettert, aber sonst nirgendwo – also ein weißer Schimmel.

Nun zu uns, DJV Berlin! Rein PR-mäßig ist da noch sehr viel Luft nach oben. Wenn man auf Instagram erfolgreich sein will, dann braucht man Katzenvideos und halbnackte Weiber großartige Kunst oder Inhalte. Inhalte! Völlig abgedroschene Textbausteine wie „Flagge zeigen“, „Zeichen setzen“ oder „Farbe bekennen“ sind keine Inhalte, sondern sinnfreies Herumgesülze von Sprechblasenfacharbeitern.

Unter dem Motto #Fairnessfunkt, der bundesweiten Aktion des DJV, haben heute auch die Beschäftigten der Deutschen Welle am Standort Berlin (Foto) und beim Berliner Deutschlandradio in einer aktiven Mittagspause ein klares Zeichen für faire und angemessene Tarifverträge im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesetzt.

41 Wörter. Der zweite Teil des Verbs zum Schluss. Mark Twain dazu: „In einer deutschen Zeitung setzen sie ihr Verb drüben auf der nächsten Seite hin; und ich habe gehört, dass sie manchmal, wenn sie eine oder zwei Spalten lang aufregende Einleitungen und Paranthesen dahergeschwafelt haben, in Zeitnot geraten und in Druck gehen müssen, ohne überhaupt bis zum Verb gekommen zu sein.“

Merke: Die deutsche Presseagentur (dpa) sieht neun Wörter pro Satz als Obergrenze für die optimale Verständlichkeit an. Und ihr? Ein Journalistenverband, der nicht verständlich schreiben kann?

Der Deutsche Journalisten-Verband hatte die festangestellten und freien Journalisten der öffentlich-rechtlichen Sender und der Deutschen Welle zu einem gemeinsamen #Aktionstag aufgerufen, daran beteiligte sich auch die Gewerkschaft ver.di.

Wait a minute. Zwei Gewerkschaften, und dann ein Bild mit neun Leuten, wenn ich richtig gezählt habe? Wie kommt denn das bei der instagramigen Jugend rüber? Schlecht und cringe. Es gibt übrigens genau so wenig „faire Tarifverträge“ wie „faire Löhne“. Die Höhe des Lohns ist ein Resultat des Klassenkampfes. Just saying.

Und dann haben wir noch: In einer gemeinsamen Schalte haben die Journalisten über die Aktivitäten an ihren Standorten informieren. [Sic]

Soll das ein deutscher Satz sein? Das klingt eher nach Trappatoni. Wolf Schneider hat übrigens „Aktivitäten“ ausdrücklich verboten, da „Aktivität“ schon die Summe mehrerer Aktionen sei, das Wort nicht des Plurals bedürfe.

Was ist eine „Schalte“? Insidersprech? Klassismus?

radio

Wir geben zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

Unter Ehrenschützern im Irrenhaus

Interessante Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts: „Erfolgreiche Verfassungsbeschwerde eines Journalisten gegen die gerichtliche Untersagung einer kritischen Äußerung über die Bundesregierung“.

Gemeint ist Julian Reichelt, der frühere Chefredakteur der Bildzeitung.

Im August 2023 veröffentlichte der Beschwerdeführer auf der Kommunikationsplattform „X“ die Kurznachricht „Deutschland zahlte in den letzten zwei Jahren 370 MILLIONEN EURO (!!!) Entwicklungshilfe an die TALIBAN (!!!!!!). Wir leben im Irrenhaus, in einem absoluten, kompletten, totalen, historisch einzigartigen Irrenhaus. Was ist das nur für eine Regierung?!“. In der Kurznachricht verlinkt war der Artikel eines Online-Nachrichtenmagazins mit der Überschrift „Deutschland zahlt wieder Entwicklungshilfe für Afghanistan“. Das Kammergericht untersagte dem Beschwerdeführer auf Antrag der Bundesregierung die Äußerung „Deutschland zahlte in den letzten zwei Jahren 370 MILLIONEN EURO (!!!) Entwicklungshilfe an die TALIBAN (!!!!!!).“ Die Äußerung sei eine unwahre Tatsachenbehauptung, die geeignet sei, das Vertrauen der Bevölkerung in die Tätigkeit der Bundesregierung zu gefährden. Hiergegen wendet sich dieser mit seiner Verfassungsbeschwerde.

Interessant insofern, als der Sachverhalt unstrittig ist. „Millionen für Afghanistan“ berichtete der Spiegel schon 2023.

Die Zeit schreibt: „Im November 2023 untersagte das Kammergericht Reichelt eine öffentliche Verbreitung dieser Äußerung mit Verweis auf das Prinzip des Ehrenschutzes. Dieser könne geltend gemacht werden, wenn durch eine Äußerung eine juristische Person, in diesem Fall die Bundesregierung, schwerwiegend in ihrer Funktion beeinträchtigt werde. Das Kammergericht begründete seine Entscheidung damit, dass Leser den Eindruck erhalten könnten, dass Deutschland direkt Hilfen an die Taliban gezahlt hätten, was aus dem von Reichelt verlinkten Artikel nicht hervorgeht.“

Was für ein absurdes Theater! Die Bundesregierung klagt gegen einen Journalisten, weil der unstrittige Tatsachen polemisch kommentiert. Die müssen dort ziemlich dünnhäutig sein. Und den Streisand-Effekt kennen sie auch nicht.

Das Bundesverfassungsgericht ist glasklar: Dem Staat kommt kein grundrechtlich fundierter Ehrenschutz zu. Der Staat hat grundsätzlich auch scharfe und polemische Kritik auszuhalten.

Unter Geimpften und Nichtgeimpften

vaccination
Made by KI/Burks

Ein Leser der bürgerlichen Presse kommentiert: „Es gäbe noch viele weitere Aspekte, über die man reden müsste – über das, was man vereinsamenden Alten angetan hat, den Kindern in den Schulen, den ganzen Kleinunternehmern, die Opfer der Schließungshysterie wurden, das Versagen bei all den Betrügereien um die Coronatests.“

Ich habe ein eher zwiespältiges Verhältnis zum Thema. Wie das Publikum weiß, habe ich mich vier Mal gegen Covid-19 impfen lassen und hatte noch nicht einmal Beschwerden. Soweit ich weiß, hatte ich auch noch nie Corona, oder die Seuche verlief bei mir ohne Symptome. Westpreußische, russische und westfälische Bauerngene schützen offenbar.

Ich kenne aber Leute, sogar gute Freunde, die es schwer nach einer Impfung erwischt hat: Schlaganfall, zeitweilige Lähmung – das ganze Programm. Ein Schulkamerad ist an Corona gestorben, weil er nicht geimpft war. Was soll man dazu sagen…

Die Angelegenheit ist wieder typisch Deutsch verlaufen. Der Staat wollte die Untertanen zu ihrem Glück – wie er es sah – zwingen und wurde übergriffig. Die Kollateralschäden sind unübersehbar. Und wie zu erwarten war, ist niemand verantwortlich, und niemand wird für irgendetwas haften.

Montieren und Prüfen oder: Jagen und Fischen

robot

Die Chinesen setzen jetzt humaniode Roboter in Fabriken ein, berichtet Heise. Das war zu erwarten. „Humanoide Roboter haben durch ihre eingebaute Künstliche Intelligenz (KI) sowie ihre menschliche Form und damit flexible Einsatzmöglichkeit das Potenzial, für Menschen gefährliche Arbeitsvorgänge zu automatisieren…“ Nicht nur das. Die hier mitlesenden Ökonomien kennen den Begriff Taylorismus. Alle mechanischen Tätigkeiten im Produktionsprozess werden langfristig von Robotern übernommen werden können.

Roboter haben auch den Vorteil, dass sie nicht krank werden und auch keine Gewerkschaft gründen – ganz aus den feuchten Träumen des Kapitals entsprungen. Was sagen die Märkte?

robot

Es geht also nicht nur darum, dass sich die Produktivkräfte im Zhōngguó tèsè shèhuìzhǔyì in atemberaubendem Tempo weiterentwickeln, sondern auch darum, das variable Kapital aka Kosten der Ware Arbeitskraft preiswerter zu machen: „Zugleich sieht Yi in dem Einsatz humanoider Roboter eine Möglichkeit, die ansteigenden Arbeitskosten in der Automobilproduktion zu senken, um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu sein.“

Frage: Was machen die Arbeiter, wenn sie nicht mehr arbeiten müssen?

robot
ChatGPT: Die Aussage „Im Kommunismus könne jeder jagen und fischen, wenn er Lust dazu habe“ wird oft fälschlicherweise Karl Marx zugeschrieben. Tatsächlich stammt sie nicht direkt von Marx selbst, sondern ist eher eine vereinfachte Interpretation oder eine paraphrasierte Version seiner Ideen.

Die KI lügt mir frech ins Gesicht: „…während in der kommunistischen Gesellschaft, wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ (Karl Marx: Die Deutsche Ideologie – Feuerbach) Zum Glück kennt meine natürliche Intelligenz Marx besser.

San Cristóbal, revisitado

san cristobal de las casas

Hotel Baños Mercederos, San Cristóbal de las Casas, Mexiko, fotografiert in der ersten Novemberwoche 1981. Aus meinem Reisetagebuch:

Auf der Fahrt nach Cristóbal sprechen wir mit einem der beiden Busfahrer, der die Andersartigkeit der europäischen Männer aus dem Temperament (Spontaneität) herleitet. Wir sehen leider den letzten Teil zwischen Tuxtla Gutiérrez und an Cristóbal nicht [weil es Nacht war]. Dafür ist das Hotel Baños Mercederos billig (50 Pesos), und es gibt ein türkisches Ban inklusive Dampfbad, was wir am Morgen ausnutzen. Dafür schüttet es den ganzen Tag, und wir kriegen die nassen Sachen schlecht trocken.

Im Hotel jede Menge Truthähne und -hühner, die morgens mit einem unbeschreiblichen Glucksen die Gäste wecken. Zwei Kanadier sind schon Wochen hier, ein Engländer und noch drei Deutsche und jede Menge Schweizer.

Der Markt übertrifft an Farben und Trachten noch den von Oaxaca. [Notiz: Mir fällt gerade auf, dass ich gar keine Fotos vom Markt in Oaxaca habe. Vermutlich stammen einige, die ich weder Pátzcuaro noch Cristóbal eindeutig zuordnen kann, von dort, also auch das Foro der Carniceria. Es gibt fpünf oder sechs verschiedene [Trachten], von einem ganz schwarzen Kleid mit buntem Gürtel über weiße, bunt bestickte Blusen bis rotbunten Röcken. Die unverheirateten Männer einer Gruppe tragen keine Bänder am Hut. Die Leute sind viel schöner und freundlicher als die Mestizen. [Dürfte man heute nicht mehr schreiben.]

Alle Straßen rund um den Markt sind voller Indianer [sic], die aber Gringos offenbar schon gewohnt sind, jedenfalls achten sie weniger auf uns als in Oaxaca. [Man sollte der Tatsache eingedenk sein, dass es damals sehr viel weniger Touristen in Mexiko gab.] Die Häuser haben oft einen ähnlichen Anstrich wie in Pátzcuaro, mit überhängenden Holzdächern.

Wir hören viele Gerüchte [no hubo Internet!]: In Palenque soll es schütten, und die Straße nach Chetumal soll unpassierbar sein…

san cristobal de las casas
South America Handbook, 60th edition 1983, Seite 1059. Das Hotel gibt es offenbar nicht mehr.

Was könnte der Hotelname Mercederos im Spanischen bedeuten?
ChatGPT: Der Hotelname „Mercederos“ im Spanischen könnte sich auf „Mercedarios“ beziehen, was „Mercedarians“ auf Englisch bedeutet. Die Mercedarios oder Mercedarier sind Mitglieder des katholischen Ordens von der Barmherzigkeit der Jungfrau Maria, der im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Der Name „Mercederos“ könnte auch eine Variation oder eine abgeleitete Form des Wortes sein, die auf andere Aspekte oder Bedeutungen verweist. Ohne weitere Kontextinformationen ist es jedoch schwer, die genaue Bedeutung zu bestimmen.

RAL 5010, vorher

RAL 5010RAL 5010
Ausstattung: ein mehr als zwei Jahrzehnte altes T-Shirt samt dazu passender Hose, mit allen möglichen Farben verschmiert. Bosch Akku-Schleifer UniversalSander 18V-10, Handschleifer, Uralt-Ohrenschutz, darunter (!) die genialen SHOKZ OpenFit True Wireless Earbuds, weil der Schleifer so laut ist, dass man die Musik nicht hören würde. Musik u.a. Jingo, Henry Herbert, Johan JB Blohm, Silvan Zingg Trio, Rachmaninoff, auch gespielt von Lang Lang.

Gestern war wieder RAL-5010-Tag. Man hat ja auch sonst nichts zu tun. Den Tag gab es schon 2022, 2021, 2019, 2016, 2014, 2012, 2011, 2009, 2008 (noch mit anderem Mobiliar).

Das Ergebnis sieht das Publikum morgen – die Farbe trocknet noch. Die Tür hinter mir mache ich auch gleich neu, aber in weiß.

Mir gelang es tatsächlich, gestern früh noch einen Akku samt Ladegerät für den Schwingschleifer zu erstehen. Da ich aber am Wochenende jeweils 12 Stunden arbeite, musste ich gestern auch noch vorkochen, da ich keine Lust habe, wenn ich um 3:50 Uhr aufgestanden bin, um 18 Uhr noch groß einzukaufen und zu brutzeln. Ich habe bis um 21 Uhr geschuftet und dann noch geduscht und konnte natürlich nicht bloggen, weil mir auch nichts mehr einfiel. Zwischendurch zog auch noch mein neuer Untermieter ein, einen Tag vorher als geplant. Also die übliche Hektik, wenn man mal drei Tage frei hat…

Bustling Scene

Baumarkt
Describe a bustling scene at a home improvement store, where customers are navigating through aisles filled with tools, machinery, and supplies. The atmosphere is charged with a sense of urgency as people rush around, their expressions fraught with stress and determination. Shelves are lined with a plethora of products, from power tools to paint cans, as customers frantically scan for what they need. The sound of chatter mixes with the hum of machinery, creating a cacophony of activity. Despite the organized chaos, there’s an unmistakable tension in the air as individuals juggle decisions and deadlines, all while trying to navigate the labyrinthine layout of the store –ar 3:2 –s 750

Heute habe ich wieder kaum Zeit, obwohl ich an einem freien Tag schon vor sechs Uhr aufstehen musste. Sogar mein Avatar muss jetzt pausieren. Ich habe eine Odyssee durch Baumärkte hinter mir, die erst am zweiten Tag erfolgreich war, musste zwischendurch auf Anraten meiner Bank zur Polizei, um eine Anzeige wegen einer verdächtigen Abbuchung zu machen (die Bank hat alles zum Glück rückgängig machen können). Zwischendurch regnete es usw.. Ich musste auch zur Physiotherpie wegen eines Knieproblems (Überanstrengung), das weggefoltertgeknetet wurde. Das ganze Programm…

Heute früh um sechs habe ich meinen Untermieter nach Barcelona verabschiedet – buena suerte, compadre! Um acht hatte ich eine Stunde Hebräisch-Unterricht. Morgen kommt der nächste Untermieter, und ich müsste noch zwischendurch den Küchenfußboden und zwei Türen streichen, aber, was das hiesige fachkundige Publikum garantiert empfehlen wird, ersteren vorher per Schwingschleifer anrau(h)en, dass der Lack auch hält. Woher die Zeit nehmen?

Die Großbourgeoisie hatte mir gestern ein Gerät geliefert, bei dem ein wichtiges Teil fehlte – also zurückgeschickt und ab in den Baumarkt. Ich dachte zwischendurch an das HB-Männchen, das die hiesigen uralten Leser kennen werden.

Übrigens: Die Firma Bosch verkauft ganz im Sinne des profitorientierten Kapitalismus Maschinen, aber nicht automatisch die Akkus und die Ladegeräte dazu. Der Kunde soll mehrfach in die Tasche greifen, wenn dieser – so fahrlässig wie ich – das Klitzekleingedruckte übersieht. (Ich rätsele immer noch, warum in meinem doch recht großen Maschinenpark zwar Hobel, aber kein Schwingschleifer waren.)

[Ich höre gerade Gamazda aka Alexandra Kuznetsova. Es ist ein Genuss, auch weil man selbst des Klavierspielens nicht abhold ist. Die Dame bekommt bestimmt bald Einreise- und Konzertverbot im „freien Westen“. Russin!]

Ich empfehle einen Artikel in der Berliner Zeitung: „Mitarbeiter von ARD, ZDF und Deutschlandradio haben ein Manifest veröffentlicht. Sie fordern Vielfalt und wenden sich gegen Diffamierung von Andersdenkenden.“

Ich weiß nicht, warum dieses Manifest, um das geht, so geschwurbelt daherkommt, also hätte es ein Sprechblasenfacharbeiter der Politsekte „Die Linke“ verfasst.

Seit geraumer Zeit verzeichnen wir eine Eingrenzung des Debattenraums anstelle einer Erweiterung der Perspektive. Wir vermissen den Fokus auf unsere Kernaufgabe: Bürgern multiperspektivische Informationen anzubieten. Stattdessen verschwimmen Meinungsmache und Berichterstattung zusehends auf eine Art und Weise, die den Prinzipien eines seriösen Journalismus widerspricht. Nur sehr selten finden relevante inhaltliche Auseinandersetzungen mit konträren Meinungen statt.

„Eingrenzung des Debattenraums“ – was will mir der Sprachkünstler damit sagen? Das kommt gleich nach dem Verschieben des diskursiven Feldes. „Multiperspektivische Informationen“ – man holt sich alle Fakten von überall? Leider habe ich jetzt keine Lust, das in verständliches Deutsch zu übersetzen – das Traktat wäre bestimmt nur halb so lang.

Innere Pressefreiheit existiert derzeit nicht in den Redaktionen. Die Redakteure in den öffentlich-rechtlichen Medien sind zwar formal unabhängig, meist gibt es auch Redaktionsausschüsse, die über die journalistische Unabhängigkeit wachen sollten. In der Praxis aber orientieren sich die öffentlich-rechtlichen Medien am Meinungsspektrum der politisch-parlamentarischen Mehrheit.

Sagt es doch gleich: Die bürgerliche Presse wiederkäut nur die Sicht der herrschenden Klasse, die die Journalisten sind mehrheitlich opportunistische Katzbuckler mit einem beschränkten Klassenhorizont. Aber das darf man natürlich in den Anstalten nicht so sagen.

Die gute Nachricht: Ich habe mein tägliches Duolingo-Soll irgendwie zwischendurch auch noch geschafft. Und ich bekam heute morgen eine Flasche sehr guten chilenischen Piscos geschenkt (Gruss an den Trittbrettschreiber!), den mein Ex-Untermieter blasṕhemisch mit Cola trank, ich aber nicht. Es ist noch genug da, um mich auf die beiden 12-Stunden-Schichten am Wochenende mental vorzubereiten. (3.50 Uhr aufstehen!) Jetzt muss ich eh ins Bett, da ich gestern nur vier Stunden geschlafen habe.

Pisco

Es und anderes

universität

Guten Morgen, Werktätige! Es ist 5:30 Uhr. Das Proletariat ist schon seit 3:50 Uhr wach.

Mir fiel gestern kein Aprilscherz ein, weil ich beim Studieren der Qualitätsmedien nicht mehr herausfand, ob etwas wahr war oder erfunden worden ist. Manche Dinge sind so absurd, dass ich das immer noch nicht mit Sicherheit weiß.

Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) wies mich auf die Verehrer höherer Wesen in Wien hin: „Die Katholische Kirche in Österreich hat ein Abbild des Turiner Grabtuchs verkehrt herum als Teil eines Kunstwerks aufgehängt, also mit dem Kopf des gekreuzigten Jesus nach unten. (…) Das auf den Kopf gestellte Kreuz gilt üblicherweise als Symbol für die Ablehnung oder Verspottung des Christentums und wird etwa von Okkultisten und Satanisten verwendet.“

Sorry. War das ein Aprilscherz? Will mich die Erzdiözese Wien verdiözesen? Und rauchen die in den Anstalten jetzt zu viel Cannabis? Dann müsste man das mit der Freigabe noch einmal überdenken.

universität

Der bürgerlichen Presse Den Qualitätsmedien entnehme ich: „„Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling postete eine Reihe von kritischen Posts auf X (vormals Twitter) und fügte hinzu: „Sollte das, was ich hier geschrieben habe, im Sinne des neuen Gesetzes als Vergehen gelten, freue ich mich darauf, festgenommen zu werden (…).“ Rowling behauptet, das biologische Geschlecht könne nicht geändert werden und bezeichnet Transfrauen stets als Männer.“

Auch hier bin ich ratlos. Soll ich jetzt einen Kathoey als Frau oder als Mann bezeichnen? Und sind Transen jetzt Pseudohermaphroditen oder noch etwas anderes? Ich blicke nicht mehr durch. Am besten, man nennt diese Wesen Es.

ivrit
Was man lernt, wenn man Hebräisch lernt…

Unter Überforderten

polizei
„Describe the scenario where the German police and judiciary suffer from a shortage of personnel and are equipped with outdated gear, while they contend against criminals armed with state-of-the-art technology.“ Die KI hat keinen blassen Schimmer, was ich von ihr will…

– Polizei und Justiz haben viel zu wenig Personal und treten mit altertümlicher Ausrüstung gegen einen meist mit modernster Technik ausgestatteten Gegner an.

– Von den zu wenigen 425 Planstellen der Staatsanwaltschaft sind in Berlin aktuell noch weniger einsatzbereit, nämlich 345…

– Selbst schwere Verbrechen werden in Deutschland manchmal aus Überforderung der Behörden nicht mehr verfolgt und bestraft.

– Ermittler der Mordkommission müssen nicht selten beim Objektschutz aushelfen…

– Mehr als die Hälfte aller Straftäter in Deutschland werden ohnehin nie ermittelt, Tausende Haftbefehle werden nicht vollstreckt, aus Personalmangel und weil es im Knast keinen Platz mehr gibt. (Harald Martenstein, leider hinter Paywall)

Vermischtes

Akko
Akko, Israel, 23.10.2023

– Ist Michael Blume in Baden-Württemberg Beauftragter für oder gegen Antisemitismus? Man weiß es nicht.

– Annalena Baerbock gibt den Israelis bekloppte Ratschläge. Einfach mal die Kresse halten! Oder sich in Luft auflösen. Das ist so cringe…

– Die Bundesregierung plant eine Justizreform, so ähnlich wie in Israel. Die in Israel ist schlecht, weil sie in Israel ist, die in Deutschland ist automatisch gut. So argumentieren hier die Qualitätsmedien.

– Ob ich jemals wieder vom BER nach Israel fliegen kann, ist fraglich.

Wo ihre Gedanken sind

arbel
Gedenkstein für einen im Libanon gefallenen Soldaten der Spezialeinheit Sayeret Egoz, Mount Arbel, Israel, 18.10.2023

SPD-Fraktion in der BVV Neukölln: „Unsere Gedanken sind bei der Zivilbevölkerung in Gaza“.

Oder auch: „Die SPD-Fraktion Neukölln wünscht allen Feiernden einen besinnlichen Ramadan. Unsere Gedanken sind in dieser Zeit bei der Zivilbevölkerung in Gaza und auch bei allen Neuköllnern, die Angehörige in Israel und Gaza haben“, geben die Sozialdemokraten über den Kurznachrichtendienst X sowie in einer Pressemitteilung bekannt.“

spd neukölln

Die Linksfaktion setzt noch einen drauf: „Ramadan bedeutet Frieden! Neukölln fordert das Ende des Kriegs in Gaza!“. Nein, ich fordere das ausdrücklich nicht, und ich bin auch Neuköllner.

„In einem zweiten Antrag der Linksfraktion (Drucksache 1223/XXI) geht es um die Linderung der seelischen Belastungen von Kindern, Jugendlichen und Familien, die Angehörige, Freunde in Gaza und den palästinensischen Gebieten haben. Das Bezirksamt Neukölln wird gebeten, zeitnah ein Angebot für Kinder und Jugendliche mit palästinensischem Hintergrund zu machen, um sie bei der Bewältigung seelisch belastender Situationen und der täglichen Konfrontation mit den Bildern des Krieges zu unterstützen, fordert der Antrag , der den Titel „Angebote für Kinder und Jugendliche mit palästinensischem Hintergrund schaffen“ trägt. Außerdem wird das Bezirksamt ersucht, ein friedenspädagogisches Angebot für Kinder und Jugendliche mit Fokus auf den Krieg im Nahen Osten zu machen.“

Das bestätigt natürlich mein Vorurteil: Kaum sieht man irgendwo Gendersternchen, ist Antisemitismus drin. Natürlich wird das hier friedensmäßig verpackt. Interessant ist, dass Israelis mit keinem Wort erwähnt werden. Man sollte zum Beispiel fordern, dass Juden mit Kippa ohne Probleme über die Sonnenallee laufen können. Aber das interessiert weder die Neuköllner SPD und die neuvölkische Linke schon gar nicht.

Unter Ahnenforschenden

ahnenforschung

Ich habe via Ancestry.org einen DNA-Test machen lassen. Das Ergebnis war so zu erwarten laut den mir bisher vorliegenden Quellen, da alle meine Vorfahren zwischen Westpreußen, westlich von Warschau im Weichselbogen und in Wolhynien verstreut waren. Überraschend ist aber, dass das sowohl für die patriarchale als auch die matriarchale Linie gilt. Die „deutschsprachigen Regionen“ sind die Vorfahren der Großmutter meiner Mutter.

ahnenforschung

Die Vorfahren des Vaters meines Vaters waren schon im 18. Jahrhundert – exakt 1778 – an der Wechsel ansässig. Die Vorfahren des Vaters meiner Mutter stammen alle aus Wolhynien in der heutigen Ukraine bzw. Russland. Das gesamte Areal ist gar nicht so groß. Offenbar sind noch ein paar Wikinger Balten oder Skandinavier dabei.

ahnenforschung

Altehrwürdig: Wissen ist Macht

Hörsaal
Hörsaal 8 der Humboldt-Universität in Berlin

Mir hat das Studieren immer Spaß gemacht. Damals war die Studienzeit auch nicht begrenzt. Ich habe acht Jahre an der Uni verbracht und in viele Fächer auch nur zum Spaß reingehört. Neben Germanistik, Philosophie (damals noch in einer romantischen Villa mit großem Garten, IMHO Gelfertstrasse 15), Geschichte, mehrere Vorlesungen in Geologie, sogar in Mathematik an der TU (ich war in ein Mädel verknallt, die dort studierte – ich bin auch heute noch sapiosexistisch).

Ich habe das Wissen nur so in mich hineingeschaufelt, aber das taten damals viele, vor allem diejenigen, die sich auch noch politisch engagierten. Freiwilliges Seminar mit Genossen um 22.00 Uhr über Marx und Feuerbach! Ich bin dabei! Das Hildebrandslied (ganz großartiges Thema! Gehört zum Bildungskanon!) Montag früh um 9.15 Uhr? Alles kein Problem. Kapitalkurse ohne Ende; dann wurde ich auch noch Tutor bei Haug und auch in Altgermanistik.

VVs (Vollversammlungen) ohne Ende. Kadertreffen des KSV. Und nach einem Seminar über das antike Rom mit dem Prof in eine Kneipe? War damals üblich. Wenn es damals schon Smartphones gegeben hätte, mit denen man alles hätte fotografieren können!

Ich wusste aber nicht, wie man lebt. Wer eine Sektenvergangenheit hat, muss das erlernen wie eine exotische Kulturtechnik. Das kam erst nach meiner ersten Südamerika-Reise, die mir auch das nötige Selbstbewusstsein verschaffte.

Was rede ich. Während meiner Nachschicht begegnete mir ein altes Ehepaar, beide gebildet und edel gekleidet, die sich unzulässigerweise auf dem hiesigen Baustellengelände verirrt hatte und die dich hinausgeleitete. Wir kamen ins Plaudern. Alles nett. Sie kamen von einer wissenschaftlichen Veranstaltung. Plötzlich raunte mir die Dame zu: „Free Palestine!“, als sei das ein geheimes Erkennungszeichen unter Mitverschworenen, die heimlich flüstern müssen, weil sie sonst verhaftete werden.

Da war sie an den Richtigen gekommen. Ich sagte ihr, was ich davon hielt, dass ich Israel unterstütze und dass Israelis natürlich auch Palästinenser seien, weil sie bekanntlich – zusammen mit Arabern – in Palästina leben. Das hatte die Dame nicht erwartet. Stammelte etwa von „alle sind Semiten“, worauf ich entgegnete, das klänge mir aber sehr nach Rommel (jemand anderes fiel mir gerade nicht ein), wonach sie zusammen mit ihrem Gatten wortlos die Flucht ergriff.

Man muss das marxistisch sehen. Die Lebenspraxis der Menschen bestimmt, was sie denken. Ideologie fällt nicht vom Himmel. Der tief verwurzelte Antisemitismus in Deutschland war nie weg, nur übertüncht.

Und jetzt kommt alles wieder hoch. Die Antisemiten suchten nur eine Ausrede, um den Hass auf Juden neu zu kostümieren. Der Antisemitismus hat genauso eine „positive“ Funktion wie Rassismus oder das Klimaapokalypische. Man erklärt sich damit die Welt, nur leider falsch: Eine fiktive bzw. gefühlte Gruppe konstituiert sich, in dem sie andere ausschließt – mit Hilfe irrationaler Kriterien. (Wer das Klima nicht rettet, kommt in die Verdammnis. Wir werden alle störben.) Die Deutschen haben sowieso eine Obsession für die armen Araber, denen man selbst dann noch den Arsch abputzen und sie finanziell alimentieren muss, wenn sie jüdische Frauen vergewaltigt haben und ein blutiges Massaker anrichten. No mercy!

Schade eigentlich, dass ich so selten live auf das Antisemitenpack treffe. Ich diskutiere so gern kontrovers. Aber vermutlich sind die einfach zu blöd und verbohrt, um irgendwelche Argumente auch nur anzuhören. Oder es handelt sich um Feigheit vor dem Feind.

Hörsaal
Hörsaal 10 der Humboldt-Universität in Berlin

Lichterketten-Kabbala

alles voller Nazis

Plötzlich recherchiert die bürgerliche Presse: Die 16-jährige Schülerin des Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten, die Polizeibesuch und eine Gefährderansprache bekommen hatte, hatte offenbar mehr verbreitet als blaue Schlümpfe.

…insgesamt acht Screenshots, die der Hinweis-Mail angehängt waren, beispielsweise einen Post mit dem Schriftzug „nix yallah yallah“ vor einer vermummten Person, die mutmaßlich die Schülerin ist. Ihr Oberteil habe die Buchstaben „HH“ aufgestickt gehabt, außerdem habe sie eine Mütze der Marke „Pit Bull“ getragen. Unter ihrem Nutzernamen habe die Zahl 1161 gestanden, die von Rechten im Internet als Code für „Anti-Antifaschismus“ verwendet wird. Dies teilte die Polizeiinspektion Stralsund auf Anfrage mit.

Ach. Ach was. Verbotene Mützen? Das hatten wir schon alles in unendlichen Variationen. LONSDALE stand für „NS“, wenn man die Bomberjacke halb geöffnet hatte und nur die beiden Buchstaben zu sehen waren – irgendwann in den 90-ern. Das ist doch die reinste Lichterketten-Kabbala. Z steht für Putin. Gibt es überhaupt noch ungefährliche Buchstaben? Vielleicht sollte ich mir das B für „Burks“ schützen lassen, damit es die Pöhsen nicht missbrauchen.

In weiteren Posts hieß es demnach, „in Deutschland wird deutsch gesprochen“ oder „heimat freiheit tradition, multikulti endstation“ (sic!) – eine Parole, die mit der rechtsextremistischen „Identitären Bewegung“ assoziiert wird. Mehrere Bilder nebeneinander hätten den Slogan „Deutsche Jugend voran“ ergeben, der auch von der neonazistischen Kleinpartei „Der III. Weg verwendet wird. Zu sehen gewesen seien neben Deutschlandfahnen auch Runenzeichen und altdeutsche Schrift mit Lorbeerkranz.

Alles gefährlich. Die mit assoziiert wird. Vom wem? Führt nicht die „taz“ die linksidentitäre Bewegung – mit Gendersternchen und so – medial an?

Die moralische Selbstüberhebung jener Schicht, die sich selbst als links definiert, aber verständnislos und verächtlich auf Menschen herabblickt, die in nichtakademischen Berufen unser aller Wohlleben sichern, aber andere Lebensentwürfe und eine andere Weltsicht haben, für die Frauen Frauen sind und nicht Menschen, die menstruieren, die heimatverbunden sind und sprechen wollen, wie sie es gelernt haben.

Heimatverbunden – schon wieder Nazis. Wait a minute. Das war die Wagenknecht.

Deutschlandfahnen sind ganz schlimm, vor allem, wenn die mit Fußball gemeinsam auftreten. Runenzeichen sind seit Ragnar Lodbrok ohnehin wieder aktuell. Trotzdem: Zur Sicherheit melden, durchführen, verbieten.

Altdeutsche Schrift – was soll das sein? Gotisch? Sütterlin? Deutsche Kurrentschrift?

Von 1942 bis 1945 durfte an den deutschen Schulen nur noch die „deutsche Normalschrift“ verwendet und gelehrt werden. Die Nazis haben die „altdeutsche Schrift“ verboten. Deshalb ist „altdeutsche“ Schrift heute „nazi“. Voll logisch.

Last mal die Kirche im Dorf. Ich beschäftige mich jetzt dem kollektiven Hang der Deutschen zur Massenhysterie.

alles voller Nazis

Kampf um die Deutungshoheit

zapp

Ich finde das Thema unendlich langweilig. So etwas gibt es schon seit Jahrzehnten, nur immer mit neuem Personal. Rechte treffen Rechte und braun gebrannte Kameraden. Ach. Wieso regen sich Leute auf? (Dazu auch die Berliner Zeitung, leider hinter Paywall: „Regierung verweigert Auskunft über Potsdamer Treffen: „Interessen der Bundesrepublik“ in Gefahr“.)

Ich hielt Correctiv früher für eine seriöse Organisation und habe ihr sogar mit Studenten („irgendwas mit Medien“) einen Besuch abgestattet. Heute sehe ich das anders.

Der „Zapp“-Beitrag ist gut und anhörenswert, vor allem die Zitate. Audiatur et altera pars, obwohl man die Meinung von „Zapp“ sofort weiß.

zapp

Tischbeinkante u.a.

deutsche Sprache
table leg edge in the midst of a chaos of flying German words and letters –ar 3:2 –chaos 100 –s 750

Wie viele Wörter umfasst die deutsche Sprache?

Die endlosen Kombinationsmöglichkeiten von Nomen ermöglichen es, Wörter zu bilden, die nicht im Duden auftauchen, zum Beispiel „die Tischbeinkante“. Im Duden stehen aktuell 148.000 deutsche Wörter, jedoch benutzen Muttersprachler nur einen Bruchteil davon regelmäßig. Laut Duden benutze man im Durchschnitt 12.000 bis 16.000 Wörter, darin enthalten 3.500 Fremdwörter. Zu diesem aktiven Wortschatz komme ein passiver Wortschatz von mindestens 50.000 Wörtern hinzu. Laut sprachwissenschaftlichen Schätzungen gehört Deutsch zu den umfangreichsten Sprachen der Welt. (Quelle: Infobrief des VDS vom 17.03.2024)

Übrigens: Nein, die deutsche Sprache diskriminiert Frauen nicht.

Diverse Terroristen und Unverkrampftes

Kaum fängt man irgendwo an zu lesen, muss man schon wieder zur Kotztüte greifen oder lacht sich scheckig ob der übergroßen Idiotie, die einem überall entgegenquillt.

Schulen sollen ein „unverkrampftes Verhältnis zur Bundeswehr“ entwickeln, Schüler auf den Kriegsfall vorbereitet werden – das fordert Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Sie schlägt konkrete Maßnahmen vor.

Ich auch. Wehrunterricht! Hier die Details (in Planung):

– Eltern, die ihre Kinder nicht teilnehmen lassen wollen, gelten als politisch unzuverlässig und müssen mit einer Überwachung durch diverse Meldestellen rechnen oder bekommen gleich eine Gefährderansprache.

– Der Wehrunterricht beinhaltet einen theoretischen Teil zu „Fragen der kapitalistischen Landesverteidigung“. In den vorgesehenen vier Doppelstunden pro Schuljahr wird militärisches und politisches Grundlagenwissen über Bundeswehr vermittelt. Jugendliche sollen politisch geformt und auf Staatskurs gehalten werden.

– Den Abschluss des Wehrunterrichts bilden in den Winterferien der 10. Klasse drei so genannte „Tage der Wehrbereitschaft gegen die Russen“.

spielzeug
Spielzeug, das ein unverkrampften Verhältnis zum Töten fordert.

Diverse Frontberichte

Tel Aviv
Anflug auf Tel Aviv, 08.10.2023, 15:15 Uhr

Naher-Osten-Front

– Da bin ich mit den religiösen Zionisten völlig einig: „Wer jetzt über einen palästinensischen Staat spricht, lebt auf einem anderen Planeten“. So wie die deutsche Regierung.

Schon 2007 hatte Henryk M. Broder vorausgesagt, dass ein „palästinensischer“ Staat an den Arabern scheitern würde. 2014 schrieb er: „Die Zwei-Staaten-Lösung ist tot“. Lesenswert und aktuell, aber leider hinter einer Paywall:

Die Zweistaatenlösung scheint eine Art Zauberformel zu sein, die man nur aussprechen muss, damit im Nahen Osten die Friedensglocken zu läuten anfangen. Wer immer es ist, der sie ins Gespräch bringt, tut so, als habe er den Gordischen Knoten mit einer Nagelfeile zerlegt. Dabei ist die Idee alt und von den Zeitläuften längst überholt. (…)

Die Position der Israelis ist leicht zu erklären. Sie misstrauen den Palästinensern. Arafats Versprechen von 1993, die PLO werde „das Recht des Staates Israel auf Existenz in Frieden und Sicherheit“ anerkennen und „auf Terror und jede andere Art von Gewalt“ verzichten, hatte eine extrem kurze Halbwertzeit.

Die Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas 2007 bestätigte die schlimmsten Befürchtungen über die demokratischen Standards einer palästinensischen Staatlichkeit. Die Parole „From the river to the sea“ ist keine Einladung zu einem gutnachbarlichen Nebeneinander. (…)

Die Hamas, die Hisbollah, der Islamische Dschihad und alle anderen Organisationen, die angetreten sind, Palästina von den „Zionisten“ zu befreien, machen keinen Unterschied zwischen „Israel“ und den „besetzten Gebieten“. Manche Israelis gaben sich lange der Hoffnung hin, ein Rückzug auf die Grenzen von vor dem Sechs-Tage-Krieg würde den Weg zu einem Friedensabkommen ebnen. Land für Frieden. Spätestens am 7. Oktober letzten Jahres wurden sie eines Besseren belehrt.

Wer sagt es Olaf Scholz?

– Übrigens kommen jetzt einige Probleme in Israel, die per default ungelöst waren und sind, auch jetzt wieder hervor. Die Jerusalem Post: „Mass exodus threatened by chief rabbi if haredim are forced into military service“.

Kernsatz: The state exists on Torah study, and without the Torah, the army would not have succeeded. Aha. Vielleicht haben die Juden in Europa nur nicht genug ihre frommen Bücher gelesen, um die Shoa zu verhindern? Auch der Chief Rabbi (kein offizieller Titel übrigens, sondern nur Angeberei) lebt in einer anderen Welt. Das kommt davon, wenn man den Religioten nicht klar und deutlich zeigt, wer das Sagen hat. Israel ist nicht von frommen oder orthodoxen Juden gegründet worden, sondern von säkularen Juden, die oft von der sozialistischen Idee beeinflusst worden waren. Auch die Ministerpräsidentin Golda Meir war Atheistin.

Innere Front

islamic chorus
Berlin-Kreuzberg, Karneval der Kulturen, Mitglieder der Grüninnen, 2030 (Symbolbild)

Wulff lobt Ramadan-Beleuchtung – „Dann kann man auch mal ein muslimisches Lied singen“. Moment – das hat doch bestimmt etwas mit der Cannabis-Freigabe zu tun? Man könnte das vielleicht mit Preußens Gloria kombinieren. (Ich höre gerade Jingo, das passte überhaupt nicht.)

spiegel

– Ich erinnere mich ganz vage: Hören nicht auch andere mit? Vielleicht sogar die NSA? Ach ja, das Thema hatte Pofalla beendet. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu hören sehen.

By the way. „Die Software von https://de.wikipedia.org/wiki/WebexWebex und insbesondere die verschiedenen Browser-Erweiterungen standen in der Vergangenheit in der Kritik, da Sicherheitslücken aufgetreten seien. Die Verwendung des Plug-Ins für den Webbrowser Firefox wurde von Mozilla am 23. Januar 2017 zwischenzeitlich sogar global gesperrt, sodass der Zugriff für Webex-Anwender über die Desktop-Software erfolgen musste. Eine Webex Konferenz erlaubt als Option des Gastgebers die Einwahl per Webbrowser und per Telefon. Solche Kanäle sind dann aber unverschlüsselt.“

Die pöhsen Russen hören also unverschlüsselte Gespräche mit. Gut zu wissen. Das wäre mit Merkel nicht passiert. Einmal mit Profis arbeiten!

Ostfront

russianukrainewar
Russische Soldaten schleppen einen erbeuteten Panzer der ukrainischen Streitkräfte aus Avdeevka ab.

Berliner Zeitung: „Polens Außenminister: Soldaten aus Nato-Ländern sind bereits in der Ukraine“.

Das Ministerium de Wahrheit informiert: Die NATO führt Krieg gegen Russland, weil Russland Krieg gegen die Ukraine führt. Deswegen führt die NATO keinen Krieg gegen Russland.

Ich denke, die Polen werden es so machen, wie die Russen es schon vorhergesehen haben: Sie werden in den Osten der Ukraine einmarschieren, zusammen mit der französischen Fremdenlegion, und sich ihre ehemaligen Ostgebiete irgendwie wiederholen, bevor die Ukraine vollends kapituliert. Dann ist es immer noch kein „offizieller Krieg“. Oder die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) behält recht und Selenskij wird nach Florida geschickt.

Bonus: Vielleicht siegt der Kommunismus bald in Salzburg.

Gesichert [bitte selbst ausfüllen]

gesichert

Zwei Verfassungsschützer, die sich die Formulierung „gesichert rechtsextrem“ ausgedacht haben, die ihnen jetzt alle deutsche Medien nachplappern.

Denunzianten

Walter Anrndt
Gedenktafel für Walter Arndt am Haus Invalidenstraße 43 (Naturkundemuseum) in Berlin-Mitte

„Wegen kritischer Äußerungen über den Nationalsozialismus wurde Arndt 1943 denunziert: zum einen vom Ehepaar Siegfried und Hanneliese Mehlhausen (eine Jugendfreundin und enge Freundin der Schwester Arndts) und zum anderen von seinem Kollegen Wolfgang Stichel (Zoologe, Spezialist für Wanzen). Trotz mehrerer Gnadengesuche von Kollegen, unter anderen von Hanns von Lengerken, Ferdinand Sauerbruch, Oskar Heinroth, Katharina Heinroth, Franz Ruttner und Hans Hass, wurde Arndt am 11. Mai 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 26. Juni im Zuchthaus Brandenburg-Görden im Alter von 53 Jahren hingerichtet.“

Heute wird das Denunziantentum sogar staatlich gefördert. „Kritisch Äußerungen“ heißen vermutlich bald allesamt „Hassrede“.

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