Religioten, aber nicht in Island

Wenn ich auswandern müsste, wäre Island erste Wahl. Iceland declares all religions are mental disorders.

Was sonst noch so geschah…

he's not the Messiah

– Terry Jones, die Mutter des Brian, ist gestorben. Er wird genau so unsterblich und inspirierend sein für andere wie Buster Keaton.

The Guardian: „Greenwald charges are ‘existential threat’ to journalism in Brazil, says Edward Snowden.“ (Ich vermute, dass die deutschen Medien alles vom Guardian übernommen und umgeschrieben haben.)

„Prosecutors claimed on Tuesday that Greenwald, 52, ‚helped, encouraged and guided‚ a group of hackers who obtained phone messages between key figures in a sweeping Brazilian anti-corruption investigation.“

– Die BBC schildert die Situation auf den ägäischen Inseln: „Greece migrant crisis: Islanders strike over crowded camps“.

„North Aegean Regional Governor Kostas Moutzouris said on Wednesday he was „annoyed“ that Greek islands had been „turned into places of concentration and detention“ for thousands of people around the world.“

The New York Times: „Leaders in Israel to Mark 75 Years Since Auschwitz Liberation. Jerusalem is hosting the largest political gathering in its history, as monarchs, presidents and premiers arrive to speak out against the rise of anti-Semitism and commemorate the Holocaust.“ Der deutsche Bundespräsident ist auch dort.

Interoceanica, revisited

Interoceanica sur

Das Foto habe ich 1984 gemacht, von der Ladefläche eines LKW aus (vermutlich ungefähr hier) – auf einer der damals gefährlichsten Straßen (Teil der Interoceanica Sur) der Welt. (Was man auf dem Foto sieht, ist die „Straße“. Vgl. auch On the Road, 22.11.2018)

Aus meinem Reisetagebuch, Ende Juli 1984:
In Puerto Maldonado verpassen wir den Volvo [LKW], der früh am Morgen mit Holz losfährt, weil wir fälschlicherweise annehmen, dass er nicht pünktlich sei. Wir müssen mit einer Moped-Taxe zum Kontrollpunkt, wo sogar ein kleines Wartehäuschen mit Dach steht. In der Kneipe nebenan gibt es ein originelles Spiel: ein Frosch, umgeben von kleinen Felltütchen, in die man Münzen werfen muss – derjenige gewinnt, der genau in das Maul des Frosches trifft.

Am Nachmittag kommt ein LKW, der uns mitnimmt, allerdings laden wir bis spät in die Nacht hinein Holz auf, das die Siedler am Wegesrand verkaufen. Später erfahren wir, dass eigentlich geschnittenes Holz nicht in die Anden transportiert werden darf, aber der Polizist, der kontrolliert, möchte dann ein regalo von zwei „Hölzchen“.

Ungefähr bei Kilometer 140 kann man für kurze Zeit in der Ferne schneebedeckte Berge sehen [die Cordillera Vilcanota]. Dann kommen die ersten Hügel, ein Blick von oben auf das grüne Meer der Ebene, und es geht wieder in unendlichen Kurven aufwärts.

Die Vegetation wird vielseitiger, alles ist „well-stocked“ mit bunten Blüten und Orchideen. In Marcapata machen wir Rast essen in Caranavi-ähnlicher [d.h. großartiger] Stimmung.

Die ersten beiden Nächte sind einigermaßen erträglich, obwohl jeder von uns nur ein ca. 30 cm breites Brett als Untergrund zur Verfügung [auf der Ladefläche des LKW] hat.

In der dritten Nacht überqueren wir die Cordillera und frieren uns trotz Pullover, Hosen und Mütze einen ab. Im Morgengrauen halten wir in einem winzigen Dorf vor Ocongate…

Brothers in Arms

rote ruhrarmee
Kämpfer der Roten Ruhrarmee in Dortmund. Credits: Wikipedia/unknown

… reaktionäre Elemente haben es verstanden, mit lügenhaften Worten, Schriften und Plakaten die Volksseele zu vergiften. Sie senden gekaufte Hetzer unter die Arbeiter, um diese irrezuführen.
Genossen, hört nicht auf diese Lügen! Die reaktionären Elemente (…) möchten Euch gerne zu Pogromen gegen die Juden verleiten, um wieder im Trüben fischen zu können. Was ihnen bisher trotz aller Mühe nicht gelungen ist, wollen sie jetzt, wo die Volksseele erregt ist, durchführen.
Genossen, die Juden sind nicht Arbeiterfeinde, aber die, welche Euch gegen die Juden aufwiegeln. Die Juden sind von jeher von dieser Richtung ebenso unterdrückt worden, wie wir Arbeiter! Die böswillig verbreiteten Gerüchte, daß die Juden aus ihren Häusern auf die Arbeiter geschossen haben, und daß sie Maschinengewehre und Waffen in ihren Häusern verbergen, haben sich nach stattgefundenen scharfen Untersuchungen auch alle als unwahr erwiesen….“
(Vollzugsrat der Roten Ruhrarmee, Hamborn, 24. März 1920, zit. nach Erhard Lucas: Märzrevolution 1920)

bewaffnete Kämpfe

Leider ein Fehlkauf und enttäuschend: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923, Berlin, Militärverlag der DDR, 1988.

Ich versuche herauszufinden, was genau zwischen 1920 in Aplerbeck passierte. Mein Opa Hugo Schröder war damals Lehrhauer auf der Zeche Vereinigte Margarete in Aplerbeck-Sölde – beide heute Stadtteile von Dortmund. Er hat also die Rote Ruhrarmee live erlebt. Leider habe ich ihn nie danach gefragt, und er hat nie darüber geredet. Mein Vater, geboren 1927, also zu spät, um sich erinnern zu können, weiß nur, dass mein Opa damals „Kommunist“ gewesen sei, was auch immer das hieß.

Das obige Buch aus dem Militärverlag der DDR ist weder wissenschaftlich (es fehlen Quellennachweise) noch politisch brauchbar. Wichtige Fakten werden schlicht weggelassen, zum Beispiel die Rolle der nicht unbedeutenden anarchosyndikalistischen Gewerkschaften im Ruhrgebiet bei den bewaffneten Kämpfen. Die KPD (es gab mehrere davon, auch das wird unterschlagen) war mitnichten die „Spitze“, wie behauptet wird, sondern hoppelte oft planlos hinterher. So dargestellt ist das Geschichtskittung und reine Propaganda. Man findet nur Daten und Fakten ohne Analyse aneinandergereiht, dazwischen die üblichen sinnfreien Textbausteine („Jahre heftigster Klassenkämpfe“) stalinistischer Art.

Man kann das Buch eventuell als Datensammlung für weitere Recherchen benutzen. Die meisten Namen der damals Beteiligten sind heute vergessen. Was an Denkmälern übrigblieb, haben fast ausnahmslos die Nationalsozialisten zerstört. Die staatstreue Geschichtsschreibung will gar nicht daran erinnert werden, und auch nicht an die schändliche Rolle der Funktionäre und Parteiführung der SPD während der Ruhrkämpfe.

Ich kenne nur ein einziges Buch, das die damalige Zeit korrekt und interessant beschreibt: Erhard Lucas: Märzrevolution 1920, erschienen im Verlag Roter Stern 1973. Ich besitze leider nur den zweiten Band. Den ersten haben ich mir gerade für einen Haufen Geld bestellt – den dritten kaufe ich mir, wenn ich mal reich bin.

bewaffnete Kämpfe
Credits: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923, Berlin (DDR) 1988

Merkwürdige Politik

„Wenn die Leute sich nicht artikulieren können, dann werden sie Häuser anzünden. Und wenn man ihnen nicht eine demokratische Lösung anbieten kann, eine linke Lösung, dann werden sie nach rechts gehen, werden wieder dem Faschismus folgen, das ist die ganz große Gefahr, die ich sehe, und diese Gefahr wird dadurch noch vergrößert, daß die entscheidenden Medien zusammen mit der Regierung eine ganz merkwürdige Politik treiben, eine Politik, die darin besteht, daß man den alten ökonomischen Mustern unter allen Umständen folgt – auch wenn diese breiten Teilen der Bevölkerung zum Nachteil gereichen -, solange nur eine gewisse Schicht ihre Profite macht. Das wird auf die Dauer nicht gut gehen …, damit wird auch die herrschende Schicht Bankrott machen.“
Aus: Gespräch mit Stefan Heym. In: Neue deutsche Literatur, Heft 12, 1992

Free Speech, aber nicht bei Facebook

Malca Goldstein-Wolf / Facebook Ireland Ltd:
– Frau Goldstein-Wolf wurde von Facebook in der zweiten Novemberhälfte für 30 Tage gesperrt und ihr nachstehend wiedergegebener Beitrag, ein Witz, wegen angeblicher „Hassrede“ gelöscht.
Was passiert, wenn eine Fliege in eine Kaffeetasse fällt? Der Italiener schmeißt die Tasse zu Boden, zerbricht sie und läuft wutentbrannt davon. Der Deutsche wäscht die Tasse sorgfältig aus, sterilisiert sie und kocht sich einen neuen Kaffee. Der Franzose nimmt die Fliege heraus und trinkt den Kaffee. Der Chinese isst die Fliege und schüttet den Kaffee weg. Der Russe trinkt den Kaffee mit der Fliege, wenn es schon mal was gratis gibt. Der Israeli verkauft den Kaffee dem Franzosen, die Fliege dem Chinesen und die Tasse dem Italiener, trinkt eine Tasse Tee und erfindet mit dem verdienten Geld einen Schutz, der Fliegen davon abhält, in Tassen zu fallen. Der Palästinenser gibt dem Israeli die Schuld an der Fliege in seinem Kaffee, protestiert bei den Vereinten Nationen gegen diesen Akt der Aggression, nimmt von der Europäischen Union eine Spende für den Kauf eines neuen Kaffees entgegen, kauft für das Geld jedoch Sprengstoff und jagt damit das Kaffeehaus in die Luft, in dem der Italiener, der Franzose, der Chinese, der Deutsche und der Russe gerade versuchen, dem Israeli zu erklären, dass dieser seine Tasse Tee dem Palästinenser überlassen sollte.

Fuhgeddaboudit

sanders

Der Guardian analysiert die Wahlchancen Bernie Sanders‘ gegenüber seinen demokratischen Mitkandidaten und Donald Trump: „The Republican campaign against Sanders would be gruesome. The likely result would look like Labour’s defeat under Corbyn“.

According to a recent Gallup poll, socialism is as popular as capitalism among Americans between the ages of 18 and 39 – and Sanders’ support is driven by young people.

Was man in den USA aber als „Sozialismus“ versteht, würde in Mitteleuropa höchstens als Sozialdemokratie light durchgehen. Der Sandersche „Sozialismus“ stellt noch nicht einmal die Systemfrage. Der herrschenden Klasse droht keine Gefahr.

Das Für und Wider einer Kandidatur Sanders‘ gegen Trump lässt schnell entscheiden: Er habe keinen Plan, irgendetwas Entscheidendes durchsetzen zu können. „These promises are unrealistic, and Sanders’ ability to get them past Congress would be approximately nil.“

I say this because in 2016 I got a glimpse of the Republican party’s opposition research book on Sanders, which was so massive it had to be transported on a cart. The Newsweek reporter Kurt Eichenwald, who got to see some of its contents, declared that „it was brutal. The Republicans would have torn [Sanders] apart.“ (…) As they say in Sanders’ Brooklyn birthplace, fuhgeddaboudit.

Religion is poison, science is not

religion is poison
Facebook hat die obige Grafik gesperrt, sie entspreche nicht den „Gemeinschaftsstandards“.

True Dreadz: „Blind faith in religion destroys our ability to critically think for ourselves“. Das ist für mich natürlich nichts Neues, und Religioten wird man damit nicht überzeugen.

Ich möchte da aber noch nachlegen: Ich könnte mir niemandem befreundet sein, der höhere Wesen verehrt, also auch mit keinem gläubigen Christen oder Muslim. Frauen, die religiöse Symbole aka „Hijab“ oder Schlimmeres benutzen, nehme ich als Gesprächspartner und intellektuell nicht ernst. Ich verschwende nicht meine Lebenszeit damit, mit Religioten zu diskutieren.

Aberglauben, sei es Religion oder Esoterik aka Verehrung niederer Wesen muss bekämpft und ins Private zurückgedrängt werden. Jeder Mensch hat das Recht, bekloppt zu sein, aber ich und andere müssen nicht damit belästigt werden.

Die iranische Schach-Schiedsrichtern Shohreh Bayat sieht das genau so: „Seit dem vierten Turniertag tritt die 32-Jährige bewusst ohne Kopftuch auf. Drohungen iranischer Staatsmedien und ihres heimischen Schach-Verbandes ignoriert die Schiedsrichterin.“

So auch die iranische Medalliengewinnerin Kimia Alizadeh: „Sie habe das Land verlassen, weil sie genug davon habe, von den Behörden als Propagandainstrument benutzt zu werden, berichtet CNN. Die 21-Jährige kritisiert unter anderem, dass sie einen Hidschab tragen müsse, und beschuldigte Offizielle im Iran des Sexismus und schlechter Behandlung.“

religion is poison

Und was sagt die hiesige „Linke“ dazu? „Im öffentlichen Dienst würden kopftuchtragende Musliminnen von qualifizierten Jobs und einem eigenständigen Einkommen ausgeschlossen werden“. Die sind doch total übergeschnappt. (Soll ich solche Pappnasen etwas wählen?) Da war die russische Revolution 1917 viel weiter.

Und now for something not really different: die SPD: „Im Januar 1920 protestierte die Rätebewegung gegen das Betriebsrätegesetz der SPD und wurde dafür beschossen.“ Wikipedia: „Gegen die geplante Verabschiedung des Betriebsrätegesetzes mobilisierten USPD und KPD am 13. Januar 1920 eine demonstrierende Menschenmenge vor dem Reichstagsgebäude, etwa 100.000 Teilnehmer kamen. Preußische Sicherheitspolizei eröffnete das Feuer auf die Demonstranten. Bei diesem Blutbad vor dem Reichstag starben 42 Menschen, 105 wurden verletzt. Reichspräsident Friedrich Ebert sah sich gezwungen, den Ausnahmezustand zu verhängen.“

Sah sich gezwungen? Ist der Wikipedia-Autor auch ein Sozialdemokrat? Ein Linker jedenfalls nicht.

Und nun als Kontrastprogramm das Wetter Wissenschaft und Technik:

winged insects
Credits: boredpanda: „Winged insects made from old computer circuit boards and electronics“

Turk Stream, revisited

turkstream

Ich hatte hier am 20.11.2018 und am 31.03.2016 ausführlich über die ökonomischen Interessen gebloggt, die bei den kriegerischen Konflikten im nahen und mittleren Osten eine Rolle spielen. (Und kommt mir nicht wieder mit der Wasserfrage.)

Es zeigt sich: Der damalige „Streit“ zwischen der russischen und der türkischen Regierung war nur temporär, da es um ökonomische Interessen geht – und hierbei kann es sich Erdogan gar nicht leisten, die Russen endgültig zu verprellen. Heute wurde Turk Stream von beiden Präsidenten offiziell eröffnet.

pipelines

Jens Berger 2010: „Die Türkei will künftig zum größten Energiehub der Welt werden. Dies geht natürlich nur, wenn man mit Iran und vor allem mit Russland kooperiert.“

By the way: Staaten, Nationen (Deutschland hat derer fünf) oder gar Völker, was auch immer das sein soll, haben keine Interessen. Nur Klassen haben Interessen. Und die können sich widersprechen oder sind temporärer Natur. Just saying.

Causa: Soleimani [Update]

war
Credits: Michael Moore

Dass ausgerechnet pazifistische Linke es betrauern, wenn religiöse Faschisten wie #Soleimani ausgeschaltet werden, zeigt mal wieder, dass der Pazifismus objektiv profaschistischen Charakter hat. (Nico Hoppe)

Natürlich werden wir nie genau erfahren, warum der iranische Terroristen-Anführer Soleimani just zu dem Zeitpunkt (und nicht schon viel früher) getötet wurde. Angeblich (via Fefe) war er im Irak, um eine diplomatische Note zu übergeben. Angeblich.

Es passt für Trump, wie schon für Clinton (siehe oben) – niemand redet jetzt mehr darüber, dass die US-amerikanischen Demokraten den amtierenden Präsidenten des Amtes entheben wollen. Die Jerusalem Post folgert ganz richtig und nachvollziehbar, dass auch Netanjahu vermutlich die nächste Wahl gewinnen wird, da sein größter Widersacher nicht anders gehandelt hätte.

Es hat schon seinen Grund, warum ich zum Thema deutsche Medien nicht mehr zur Kenntnis nehme. Was für einen gequirlten Unsinn man da lesen muss!

n-tv

Arye Sharuz Shalicar schreibt auf Facebook: An das ntv Nachrichten Team: Eure Schlagzeile ist mega-unprofessionel. ‬Suleimani ’nur‘ als General zu bezeichnen wäre ungefähr so, als würdet ihr Himmler als Polizisten bezeichnen.‬ Diese Art der verzerrten Berichterstattung ist eine Frechheit.‬ Ein anderer Nutzer kommentierte: …und die al-Quds-Brigaden werden medienweit (z.B. „Welt“) in Deutschland zur militärischen „Eliteeinheit“ aufgewertet. Obwohl schon der Name, das arabische „Jerusalem“, eindeutig zeigt, wohin die Reise geht.

Ob ein Terrorist und Schlächter „getötet“ oder „ermordet“ wird, ist eben eine Frage des Standpunkts – wie auch schon bei der deutschen RAF. Besonders dämlich formuliert Telepolis: „USA ermorden mit gezielter Tötung General Soleimani“. Mit einer Ermordung töten? Oder umgekehrt?

Ich muss leider der Bild zustimmen: „Trump hat die Welt von einem Monster befreit“: Der iranische Terror-Pate Ghassem Soleimani stand für eine Welt, die kein friedliebender Mensch wollen kann: Eine Welt, in der man jederzeit von einer Bombe zerfetzt werden kann, weil man zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Eine Welt, in der ganze Städte ausgelöscht werden wie Aleppo, in der blutrünstige Milizen von Tür zu Tür gehen und Zivilisten exekutieren. In der Kindergärten in Deutschland jederzeit in einem Feuerball verglühen können, bloß weil die Kinder darin jüdisch sind. In der Israel jeden Tag von der Auslöschung bedroht ist.

Die Linke faselt nur dummes Zeug. Was wäre gewesen, wenn die Alliierten ab 1939 Drohnen und Raketen besessen hätten und Hitler erledigt hätten? Wäre das auch „völkerrechtswidrig“ gewesen? By the way: welche Völker? Wahre Linke haben kein Vaterland, sagte mal irgendjemand sinngemäß.

soleimani

Für den Anfang empfehle ich eine kühle Analyse der New York Times: „Trump Kills Iran’s Most Overrated Warrior. Suleimani pushed his country to build an empire, but drove it into the ground instead.“

Wie schon so oft macht Trump außenpolitisch instinktiv vieles richtig: Er kann sich jetzt nach dem großen Palaver im irakischen „Parlament“ zurückziehen und vorher noch die Rechnung bezahlen lassen.

Der Iran ist keine militärische Gefahr für die USA, wie schon auch der Irak. Das hat der erste Golfkrieg gezeigt. Die religiös-faschistische Mullah-Bande, die dort das Sagen hat, muss sich weiter auf asymmetrische Kriegsführung aka Terrorismus beschränken.

Übrigens habe ich in den letzten Tagen viele Kommentare zum Thema gehört von denen, die in den Medien nur selten vorkommen, Polizisten, Arbeiter, Putzfrauen und -männer, Menschen, die sich abrackern und nur wenig verdienen: Fast ausnahmslos, wenn es sie überhaupt interessierte, fanden die Trumps Aktion gut und richtig. Ich weiß nicht, mit wem die Funktionäre der „Linken“ reden, aber mit den so genannten „kleinen Leuten“ bestimmt nicht. Die „Linken“ sind in ihrer eigenen Echo-Kammer gefangen – gemeinsam in den Untergang und unter die Fünfprozent-Hürde.

Ceterum censeo: Der Tod Soleimans ist aus vorwiegend innenpolitischen Gründen (der USA) erfolgt. Jemand wird ihn ersetzen. Punktuelle Angriffe von außen unterstützen immer das jeweilige Regime und führen mitnichten zu einem Regime Change.

[Update] – Washington Post: „Don’t believe Iranian propaganda about the mourning for Soleimani“.
Ali Safavi (Twitter): „OMG! Massive crowd at funeral of TERMINATED TERRORIST-IN-CHIEF, Soleimani. LOL! Tehran has a pop. of 12m. Regime offered free ride, breakfast, lunch & promised students „good“ grades to entice ppl. to attend. Attached notice from #Iran’s Industries Univ.“

Der größte Journalist des Landes [Update]

Pellworm

„Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage, und ich sage nicht, was sie hören möchte.“ (Karl Kraus)

Hermann L. Gremliza ist gestorben. Er begriff sich selbst als Kommunist. Und sich mit allen anzulegen, die es verdient haben, ist ein guter Plan. Chapeau!

[Update] Clemens Heni: „Das Ende einer linksradikalen Ära: Zum Tode von Hermann L. Gremliza“ (20.11.1940–20.12.2019)

Nichts gelernt und nichts vergessen

„Ob vor über 30 jahren eine von der DKP importierte KPDSU-Broschüre mit dem Titel „Zionismusmuslüge von A bisZ“ erklärte, „die Gründung eines Judenstaates war den zionistischen Führern lediglich ein Mittel zur größtmöglichen Bereicherung um der Macht und des parasitären Wohlergehens Willen“, ob die junge Welt von vorgestern und übermorgen Israel als ein Staatswesen denunziert, das „sich nicht auf die Gesamtheit seiner Bürger, sondern auf das gesamte jüdische Volk, wo immer sich das auch befmden mag, bezieht“, das heißt: als Staatsungetüm, als Staatsunwesen schlechthin denunziert, ob aber auch die obskure Gruppe Arbeitermacht – das ist die euch bestimmt bekannte Liga für die Fünfte Internationale – den Zionismus selbst für „ein Hindernis auf dem Weg zur Befreiung“ hält – jedenfalls harmoniert diese materialismusvergessene Propaganda von links so innig mit der Agitation von rechts, dass man darüber fast zum Parteigänger des Liberalismus und seiner totalitarismustheoretischen Projektionen werden könnte.“ (Joachim Bruhn: „Nichts gelernt und nichts vergessen“, 2010)

Buntscheckig

„Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Missständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher Ökonomisten, Philanthropen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohltätigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierquälerei, Mäßigkeitsvereinsstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art.“ (Karl Marx: Das Manifest der kommunistischen Partei)

Vergessen hat er Veganer, Gendersprecher und Klimaverbesserer.

Was sonst noch geschah

cat

– Good News: Die Franzosen werfen einen Folterer aus Argentinien raus. Vorbildlich. Hoffentlich schicken die ihn nicht nach Deutschland. So ein ekelhaftes Pack könnte aber auch hier angeklagt werden.

– Was ist nur mit der so genannten „Linken“ los? Ekelhafte Feiglinge! Immerhin hatte eine Abgeordnete – EvrinSommer – den Mumm, für den Antrag der Regierungsparteien zu stimmen, die Terrororganisation Hisbollah zu verbieten. Von den Grünen erwarte ich nichts, aber was ist daran so schwer zu begreifen, dass eine Gruppe, die die Juden ins Meer werfen und Israel zerstören will, hier nicht erlaubt sein sollte? Warum muss man sich da enthalten?

– Ein Zitat von aus dem Guardian von Nesrine Malik: „We must learn to talk to leave voters without falling into the Clinton trap“.

I could be argued that the September 2016 speech in which Hillary Clinton said “you could put half of Trump’s supporters into what I call the basket of deplorables” was the moment she lost the White House. The phrase was rapidly deployed to define her – and liberals more generally – as out-of-touch elitists who dismissed voters as „racist, sexist, homophobic, xenophobic, Islamophobic – you name it,“ in Clinton’s own phrase.
What was easy to miss was the second half of the quote, which posed a more difficult question for liberals: what about the “other basket” of Trump voters – “people who feel that the government has let them down, the economy has let them down, nobody cares about them, nobody worries about what happens to their lives and their futures; and they’re just desperate for change. It doesn’t really even matter where it comes from.

Das sollte man der Partei „Die Linke“ und anderen Lichterkettenträger*/&_innen mal unter die Nase reiben: out-of-touch elitists who dismissed voters as „racist, sexist, homophobic, xenophobic, Islamophobic“. Die werden es aber noch nicht mal merken, wenn sie nur noch vier Prozent kriegen.

– Warum sind russische Hacker so gut? Weil sie Windows XP benutzen!

Russian Beyond (Facebook): In Yakutsk sind es 44 Grad minus. Die Chinesen heizen hingegen allen ein.

– Zum Schluss: Nextshark: „Some of The Deadliest Samurai Were Women, But History Forgot.“ Großartig.

China und anderes

laugh

Vor zehn Jahren schrieb ich hier: „Mir fällt gerade nichts ein. Beim Lesen der aktuellen Tagesnachrichten fühle ich mich oft wie die virtuelle Dame hier in Second-Life-Gor.“

Was sonst noch geschah:
Spiegel online preist die Vorzüge des Kommunismus Staatskapitalismus – die chinesischen Eisenbahnen sind besser und umweltfreundlicher als hierzulande: “ In nur viereinhalb Stunden wird der Zug 1318 Kilometer zurücklegen, eine Distanz wie von der Ostsee zum Mittelmeer. Während der Fahrt reißt das WLAN kein einziges Mal ab. Bahnfahren ist in China eine echte Alternative zum Fliegen, besonders in den dicht besiedelten Regionen im Osten des Landes, wo heute praktisch jede Stadt per Zug erreichbar ist.“

Ein weiterer Grund, den BER erst gar nicht zu eröffnen und kleine innerdeutsche Flughäfen zu schließen. Dazu fehlt aber der politische Wille.

South China Morning Post über Hongkong: „The city will never be like Macau, and that’s why it will reach the end of the line come 2047 and will not be anything like the one we have loved and treasured. (…) Now that so many Hong Kong people have shown their readiness to work with American and British politicians against their own governments, the city has crossed a red line to which there is no return.“

Vermutlich werde ich noch erleben, dass Hongkong ganz in die Volksrepubik China eingeliedert wird. Das ist auch gut so: „Die Unternehmenssteuern sind mit 16,5 Prozent die niedrigsten in der westlichen Welt. Die Währung Hongkong-Dollar ist an den US-Dollar gebunden, die Zentralbank ist praktisch eine Filiale der Federal Reserve. Mit 215 Mrd. US-Dollar an US-Staatsschulden gehören Hongkonger Spekulanten nach Japan und China zu den größten Finanziers der westlichen Supermacht.“

Ach so ist das? Schon mal etwas in den Mainstream-Medien über den Konzern Jardine Matheson Holdings gehört? It’s the economy, stupid! „Der größte Konzern ist bis heute, ununterbrochen seit 187 Jahren, Jardine Matheson. Kontrolliert wird er von der Keswick-Familie, direkte Nachfahren des Gründers William Jardine. Mit den Gewinnen aus dem Opium-Schmuggel wurde ein weitverzweigter Mischkonzern aufgebaut…“ Enteignen, sage ich, und in chinesisches Staatseigentum überführen!

Noch was zu China. Telepolis über „Instrumentalisierung der Menschenrechte“ beim Thema Uiguren. Ich bin immer misstrauisch, vor allem dann, wenn die Zahlen zwischen einer Million und „Zehntausende“ schwanken, und informierte mich eher zum Beispiel bei der BBC oder bei der New York Times. (Ich habe in einigen deutschen Zeitungen online einen Link zum Leak der New York Times gesucht, aber nicht gefunden. Ich welchem Jahrhundert leben die eigentlich? Linkfreie Artikel sind unverschämt und verprellen die Leser. Oder sind die einfach nur zu doof für das Internet?)

Beim Thema Uiguren sympathisiere ich eher mit der Politik der chinesischen Regierung. Religion (Islam) und Terrorismus? Die Chinesen sind nicht besser oder schlechter als die USA, nur effektiver. Alles andere ist Heuchelei.

Storkower Strasse
Foto: Storkower Strasse, Berlin, 03.12.2009

– Auch bei der Rettung der boat people auf dem Mittelmeer sollte man auf die Ökonomie sehen: „Die nicht beabsichtigten Folgen der Seenotrettung von Migranten“ titelt die Neue Zürcher Zeitung: „Die Vermutung steht schon lange im Raum, dass die Seenotrettung im Mittelmeer von Schleppern genutzt wird, um ihren Profit zu maximieren. Drei Ökonomen haben die These jetzt überprüft.“

„Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Seenotrettung insgesamt kaum einen Sicherheitsgewinn bringe, da sie Überfahrten verbillige und so die Nachfrage erhöhe. Zudem schöpfen die Schlepper einen Teil des Nutzens ab, den die Rettung stiftet: Sie setzen die Migranten statt in seetüchtige teure Holzboote in billige chinesische Schlauchboote mit schwachen Aussenbordmotoren.“

Möchte das jemand hören? Natürlich nicht.

New York Times: „He Was One of Mexico’s Deadliest Assassins. Then He Turned on His Cartel.“ Wie Killer geschult werde. Kriegt mal Albträume von.

Im Bonsaiformat hat die Berliner Morgenpost etwas: „2018 hat in Neukölln eine Clan-Familie ohne Genehmigung auf ihrem Grundstück ein Haus gebaut. Davon wusste der Baustadtrat.“ Verantwortlich ist (Paywall) der grüne (natürlich!) Baustadtrat Jochen Biedermann [sic].

„‚Dem Bezirksamt ist auf dem besagten Grundstück ein Flachbau bekannt, für den kein Antrag und insofern auch keine Genehmigung vorliegt‘, erklärte Biedermann. Auf Nachfrage sagte ein Rathaus-Sprecher, dass man bereits seit dem vergangenem Jahr von dem Bau wisse. Biedermann habe zwar daraufhin eine Überprüfung angeordnet. Allerdings ist seitdem nichts weiter passiert.“

Warum auch.

Telepolis hat ein Fetaure über die hiesige Brexit-Berichterstattung: „Das Wahlergebnis zeigte, dass die Berichte über den großen Brexit-Frust in Großbritannien Chimären waren“. Nein! Doch! Oh!

БОГА НЕ СУЩЕСТВУЕТ, reloaded

es gibt keinen Gott

Falls Verehrer höherer Wesen (was diese verhüten mögen) mich besuchen sollten, hat mein neues Kissen die richtige Botschaft für deren Allerwertesten.

Die spinnen, die Übersprungshandler [Update]

brexit
Brexit (Symbolbild)

Meine prophetischen Fähigkeiten Ich kann nicht so gut prophezeien, wie ich dachte. Die Niederlage Corbyns habe ich vorhergesehen, aber nicht, dass es ein Durchmarsch zur absoluten Mehrheit sein würde. Das englische Wahlsystem ist aber so kompliziert, dass Details viel wirken.

Zum Thema las ich die New York Times: “ How Conservatives Won in a Landslide“ und den Guardian: „Five reasons why Labour lost the election – Corbyn’s unpopularity, a muddled manifesto and its Brexit stance cost the party dear“.

Interessant ist, welche Konsequenz das für uns hat und ob man vergleichen kann. Seit dem Deutschen Zollverein von 1833 wissen wir der Ökonomie kundige Leser, dass der Kapitalismus letztlich die nationale Kleinstaaterei abschafft. (Es wäre eine ausführlich Diskussion wert, inwiefern neue Nationalstaaten wie „Kurdistan“, Katalanien und jetzt „England“ den Gesetzen des Kapitalismus zuwiderlaufen und ob das nicht ein Nebenwiderspruch sei.)

Die Mehrheit der Briten hat sich also irrational entschieden (wie die meisten Wähler allüberall). Mich erstaunt aber um so mehr, dass die herrschende Klasse Großbritanniens gegen ihre eigenen Interessen handelt – die hat ihr Klasseninstinkt noch nie verlassen. Aber stimmt das? Wer wen? würde Lenin fragen. It’s the economy, stupid!. Und die Deutschen gewinnen.

Man kann Johnson durchaus mit Trump vergleichen: Bei haben sich „gegen“ das „Establishment“ kostümiert; bei Johnson kam noch dazu, dass die Krise des Kapitalismus mit den bekannten Nebenwirkungen für die kleinen Leute wie in einer Übersprunghandlung der EU zugeschoben wurde – so ähnlich wie ein Teil der AfD-Wähler im Beitrittsgebiet, die – zu Recht! muss man natürlich als Linker sagen – etwas „gegen das System“ haben, aber nicht den wahren Gegner – das Großkapital – bekennen wollen oder können, sondern stattdessen sich dem ökonomisch nicht wirklich relevanten Thema „Einwanderung“ widmen.

In Großbritannien setzt sich der europaweite Trend fort, dass die klassischen Wähler der Arbeiterklasse sich von der Linken abwenden und Rechtspopulisten wählen. Genderklos und-sprache, „Klimadings“ und „Nachhaltiges“ interessiert die Leute nicht. Das wird die hiesige Gefühlslinke noch bitter aufstoßen.

Das wird alles auch auf uns auch zukommen, obwohl ich glaube, dass das hiesige Parteisystem alle diejenigen, die Charisma haben und unabhängig denken, schon aussondert, bevor sie nach „oben“ kommen. Jemanden wie Johnson und Trump würde der jeweilige Ortsverein schon zu Beginn in den Orkus schicken.

brexit
Brexit (Symbolbild)

[Update] Der Guardian stellt das Programm der Konservativen vor. Das zum Thema „links kostümieren“.

Die New York Times schreibt über „The Labour Party’s devastating defeat in an ex-stronghold has grave consequences for a party: Its two wings — older and working class and urban and educated — appear to have irreconcilable differences“. Genau wie hier, und auch die hiesige Linke hat den Schuss nicht gehört.

Rumpelstilzchen und merkwürdige Verbrechen

„Deshalb ist es auch ziemlich egal, ob man Herrn Höcke „Faschist“ nennen darf, was jetzt manche Antifaschisten gerne tun, vor allem im Fernsehen, in der kindlichen Hoffnung, dann würden „die Menschen“ sagen: Ja wenn das so ist!, und wieder SPD wählen oder wenigstens AKK. Dabei übersehen sie, dass Herr Höcke nicht gewählt wird, obwohl er Faschist ist, sondern weil er es ist. Und dass Herr Höcke sich nicht wie Rumpelstilzchen in der Luft zerreißt, wenn man seinen geheimen Namen herausgefunden hat. Die heutige Jugend jeden Alters glaubt leider an Zauberwörter und denkt, „Faschismus“ sei, wenn man Juden hasst, albern spricht und Antifaschisten zusammenschlägt. Das täuscht.“ (Thomas Fischer, 05.12.2019)

„In Augsburg ist ein Mann durch Gewalteinwirkung getötet worden; ein zweiter Mann wurde verletzt. Wenn man den seither anhaltenden Verlautbarungen und Berichten folgt, ist die Tat, vorab und auf jeden Fall, als entsetzlich, grauenhaft, fürchterlich, schockierend, zutiefst verstörend, unfassbar usw. zu bezeichnen. Alles andere wäre fast schon wieder selbst ahndungswürdig, da es „verharmlost“, die Opfer missachtet, die Realität verkennt, Verbrechen entschuldigt, usw. Man kann sich also vermutlich, sofern man nicht alsbald, ungefragt und bedingungslos in das lautest mögliche Wehgeschrei einstimmt, nur unbeliebt machen, mindestens aber verdächtig der Förderung von Gewalt, Verrohung und Menschenverachtung.“ (Thomas Fischer, 11.12.2019)

Fernfuchtler et al

Telepolis: „Von Fernfuchtlern, Zeitungsratten und Knüppelwörtern – Der Streit um Peter Handke ist auch eine Auseinandersetzung um Literatur und Journalismus.“

„Dass in deutschsprachigen Medien einseitig über Jugoslawien berichtet wurde, haben inzwischen zahlreiche universitäre Forschungen von Doktoranden und Professoren belegt. Doch in den Leitmedien werden allem Anschein nach weder Dissertationen noch Sammelbände wissenschaftlicher Symposien ernsthaft wahrgenommen.“

Warum auch, wenn man im Schießschartenmodus schreibt…

Durex [Werbung]

durex

Older entries