Unter Überhobenen

Marx

Karl Marx an Friedrich Engels vom 30. Juli 1862, MEW 30, S. 259

“Die moralische Selbstüberhebung jener Schicht, die sich selbst als links definiert, aber verständnislos und verächtlich auf Menschen herabblickt, die in nichtakademischen Berufen unser aller Wohlleben sichern, aber andere Lebensentwürfe und eine andere Weltsicht haben, für die Frauen Frauen sind und nicht Menschen, die menstruieren, die heimatverbunden sind und sprechen wollen, wie sie es gelernt haben.

Mit heiligem Zorn schreibt Wagenknecht von der Empathielosigkeit und dem Hochmut dieser elitären Minderheit, die sich in den Medien, Universitäten und Parteien etabliert hat und wie eine Dampfwalze über die Bedürfnisse, die Sprache und Lebensformen der Mehrheit hinwegrollt.

Gegnerschaften haben sich zu Feindschaften ausgewachsen, Gender- und Identitätspolitik sind zur Obsession geworden, und wer meint, darin eine Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft zu erkennen, gilt den linken Identitären als rückwärtsgewandt, reaktionär, eben als rechts.” (Monika Maron hinter der Paywall der Welt)

Ich halte diese Minderheit nicht unbedingt für elitär, sondern nur für opportunistisch und feige. An den Universitäten sitzt die Mittelklasse – und fast nur die. Warum nutzen die meisten Gewerkschaftsfunktionäre gegenderte Sprache, ohne ihre Mitglieder gefragt zu haben? Warum fast alle Medien? Weil sie nichts falsch machen wollen, weil sie ab Werk nicht die Eier den Mut haben, gegen den gefühlten Mainstream zu schwimmen. Weil ihnen der Mumm fehlt, in einer Menschenmenge zu rufen: “Der Kaiser ist nackt.”

Ich hatte 2014 schon etwas zum Thema geschrieben – die Links zeigen Irrsinn im Detail:

Wie Fefe berichtet, wollen Studenten der Berliner Humboldt-Universität Hegel, Rousseau und Kant nicht mehr behandeln.

Schon in den ersten Sitzungen kam die Frage auf, wieso wir denn Texte aus der Antike lesen sollten, also aus einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und Menschen versklavt wurden.

Das Deutsch des Grauens spricht schon für sich: “…die Kolonialisierung unterstützte die Versklavung, Ausbeutung, Unterdrückung, Misshandlung und Ermordung von Menschen”. Ung, ung ung ung.”

Frage an die Schwarmintelligenz

Liebe “Linke”, was wäre für ein sozialistisches Deutschland am besten: a) Waffenindustrie vergesellschaften, b) Waffenindustrie abschaffen und alle Waffen von Israel kaufen oder c) Polen oder Frankreich beitreten?

Das Label Links

“Das Label „Links“ steht heute für viele Menschen leider nicht mehr für das Streben nach sozialer Gerechtigkeit, sondern für abgehobene akademische Debatten, die an ihrer Lebensrealität und ihren Problemen vorbeigehen. Das ist zwar eine teilweise ungerechte Wahrnehmung, weil etwa die Linke im Bundestag viele Anträge zu sozialen Themen einbringt – für einen höheren Mindestlohn, für bessere Renten, für eine Mietpreisbremse.

Aber solange sich Teile der Partei an Diskussionen um Lebensstilfragen und Gendersprache beteiligen, also an Debatten, die viele Menschen als belehrend empfinden, werden sich viele abwenden. Menschen mögen es verständlicherweise nicht, wenn man ihnen vorschreiben will, wie sie zu reden und zu leben haben.”

“Den Begriff „skurrile Minderheit“ hat man mir immer wieder vorgehalten. Aber es ist doch so, dass sehr kleine Gruppen in unserer Gesellschaft Diskurse vorantreiben, die die übergroße Mehrheit absurd findet. Etwa den, dass es keine biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe, oder dass Menschen weißer Hautfarbe per se Rassisten sind. Wenn man den Niedriglohnsektor austrocknen und Hartz IV überwinden würde, hätte man sehr viel mehr für die Besserstellung von Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund getan, als solche skurrilen Debatten jemals bewirken werden.”

Man muss nicht dazuschreiben, wer das gesagt hat. Und jedes Wort ist wahr. Nur diejenigen, die gemeint sind, sind so verbohrt und im Sektenmodus, dass es zwecklos ist, sich mit ihnen streiten zu wollen.

Der ganze Jammer in einem Bild

linke

Bevor ich mein Posting beginnen konnte, trudelte die Meldung ein, dass ein paar von den so genannten “Linken” Sahra Wagenknecht ausschließen wollen. Sie habe der Partei mit ihrem Buch (!) Schaden zugefügt.

Natürlich ist der Vollmeisen-Anteil in allen Parteien ähnlich hoch, und man muss immer damit rechnen, dass irgendwelche Spinner spinnerte Anträge verfassen. Daran kann man sie nicht hindern. Aber ich würde diese “Genossen” vorladen und ihnen so den Marsch blasen, dass ihnen das Stellen von dämlichen Anträgen gründlich verginge. Leider kann man nicht mehr mit Sibirien drohen.

Wer die mit Abstand populärste Politikerin der eigenen Partei ausschließen will, gehört entweder in die Psychiatrie oder ausgeschlossen oder zwangsweise zur MLPD überstellt. Aber die Sache zeigt nur, dass die “Linke” komplett linksidentitär verseucht ist und auf dem besten Weg zu einer irrelevanten Politsekte. Es ist nur schade um die vielen Mitglieder an der Front, die es ernst und ehrlich meinen.

Man muss sich wünschen, dass die den Ausschluss noch vor der Bundestagswahl durchziehen. Ich hoffe, dass Wagenknecht sich nicht wehrt und auch nicht erscheint, wenn sie angehört werden soll. Vereinsrechtlich kann man sowieso niemanden ausschließen. “Namentlich genannt werden wollen sie derzeit nicht”. Erbärmliche Feiglinge sind sie auch noch. Daher glaube ich, dass die Kampagne insgeheim von der Parteiführung goutiert wird, damit sie nach der zu erwartenden krachenden Wahlniederlage kurz über oder unter der Fünf-Prozent-Hürde sagen können, dass Wagenknecht schuld sei.

Passend ist auch, dass die “Linke” nichts zum neuen linksradikalen Präsidenten von Peru sagt. Der ist ein Alptraum für unsere Linksidentitären, zu denen sich leider sogar die “Konkret” gesellt hat. Pedro Castillo ist gegen die Homo-Ehe, will Flüchtlinge unerwünschte Einwanderer abschieben (was auch Israel macht) und ist gegen Abtreibung. ER besinnt sich – ich schrieb es schon – auf das Kerngeschäft der “Linken” – it’s the economy, stupid. Der Rest ist Lifestyle.

Auch “Klimaschutz” ist Lifestyle, wenn man suggeriert, dass der Kapitalismus repariert werden könne. Klimaschutz ist im Interesse des Kapitals, und die “Linke” sollte dazu einfach das Maul halten und das Thema den Grünen und kleinen Mädchen überlassen.

“Natürliche Lebensgrundlagen” – wer hat das geschrieben? Rudolf Steiner oder Baldur Springmann? “Gerechte Verteilung” – das ist höchstens Sozialdemokratie. Und der Rest – wieder grottenschlechtes Deutsch, als wäre das “Neue Deutschland” aus den 70-ern wieder auferstanden: Eine ellenlange Kette von Namen, als würde wer weiß was passieren, wenn man irgendjemanden vergäße – gegen sämtlich Regeln, wie ein Text verständlich sein soll und kann (43 Wörter – unfassbar dämliches Geschreibsel).

Für diese Grundpfeiler wünscht man sich eine Samsona, die sie einreißt und etwas Vernünftiges darauf errichtet. Leider bleibt der Wagenknecht jetzt keine Zeit mehr, eine neue Partei zur Bundestagswahl antreten zu lassen – die würde die jetzige “Linke” ins politische Aus katapultieren und auf dem Stand in den Bundestag einziehen. Man kann aber noch hoffen.

Die Lage

soljanka
Die Soljanka muss zur Lektüre passen und umgekehrt.

– Die Lage in Peru – doch halt, lassen wir die bürgerliche Presse zu Wort kommen: “Das Comeback des Marxismus”. Als ehemaliger Deutschlehrer muss ich das Denglisch bemängeln: Die “Rückkehr des Marxismus” klingt besser. Ein Gespenst geht um usw.. Mal sehen, wann die US-Amerikaner die ersten Sanktionen verhängen.

Castillo war von 2005 bis 2017 Mitglied der Partei Perú Posible und ist seit 2020 Mitglied der Partei Freies Peru, die als marxistisch-leninistisch gilt. Er vertritt wirtschaftspolitisch linke bis linkspopulistische Positionen, auch wenn er sich selbst als “progessiv” und nicht marxistisch definiert. So spricht er sich für die Verstaatlichung und Teilverstaatlichung von Infrastruktur und Rohstoffförderung und eine Erhöhung der Ausgaben für Bildung und Gesundheit aus. Er distanzierte sich aber vom Kommunismus und Chavismus. Ihm werden gleichzeitig Verbindungen zu einer Unterorganisation des Leuchtenden Pfads vorgeworfen.

Guter Mann! Von dem könnte die hiesige Linke was lernen: “Klima”, “nachhaltig”, “soziookölogisch”, “genderdings” gibt es bei ihm nicht. Er besinnt sich aufs Kerngeschäft der Linken. So überzeugt man die Massen.

kuchen
Heute Nachmittag zu Ehren des Genossen Pedro Castillo gebacken!

– Die Lage in Wokistan: An der Universtität Oxford (!) wollen sie die Bilder der Queen abhängen. Ist Kolonialismus und so. Mein Rat: Zwangsarbeit im Steinbruch Studenten ans Fließband und auch sonstwo in die Produktion!

– Die Lage bei den Grünen: Gibt es irgendwo einen Annalena-Baerbock-Lebenslauf-Liveticker? (Variante: Gibt es irgendwo einen Armin-Laschet-Lebenslauf-Liveticker?)

– Die Lage bei der CDU: Jemand von denen “will wegen der wachsenden Zahl antisemitischer Vorfälle das Staatsbürgerschaftsrecht ändern. Wer gegen Juden hetzt, soll nicht Deutscher werden können.” Das ist ja eine großartige Trollerei. Man sieht die Grünen und die Linken die Lippen zusammenbeißen und murmeln: Dazu sagen wir jetzt nichts.

– Die Lage in Nordkorea: Hatte ich schon über das Uhrenarmband von Kim Jong Un berichtet?

– Die Lage in Gor: We are expecting two to three feet of drama this evening with bullshit blowing in from all directions.

gamla
Ausstattung: Golan Heights Winery Gamla Syrah Galilee-Galiläa 2018

Mit Nazis reden

Operation overlord

Keep Left

keep left

Die “Linke” hat also in Sachsen-Anhalt ein Drittel ihrer Wähler verloren. Der Trend wird sicher bis zu den Bundestagswahlen anhalten. Die werden aber nicht in sich gehen und fragen, was falsch gelaufen sein könnte, sondern entweder behaupten, dass die Wähler die “Botschaft” der Erleuchteten nicht verstanden hätten oder dass die sozioklimaökologischnachhaltigen Textbausteine nicht richtig vermittelt werden konnten.

Mein unmaßgeblicher Rat: Jetzt noch mehr Gendersprache! Noch mehr über Flüchtlinge reden und nicht das, was die Leute interessiert! Noch mehr linksidentitären Scheiß! Noch mehr Klima, Klima, Klima. Noch mehr Nachhaltiges oder Sozioökologisches! (Wer Ironie findet, darf sie behalten.)

Nach der krachenden Niederlage im September: Macht die Wagenknecht zur Vorsitzenden! Werft ihre Gegner raus! Viele werden nicht aufmucken: Die Antisemiten werden zur MLPD gehen, die Klimanachhaltigengendersprechenden vielleicht zurück zu den Grünen, wo sie hingehören. Dann könnt ihr das Projekt “15 Prozent” angehen. Wenn Wagenknecht Vorsitzende würde, könnte ich sogar eintreten und einen eisernen Besen als Mitgift mitbringen.

Wenn ihr meinen Rat nicht beherzigt, werdet ihr spätestens bei der übernächsten Wahl politisch irrelevant sein. Und das wäre auch richtig und gut so.

Unter Altlinken

strike

Telepolis (Teseo La Marca): Wer sich heute politisch links einordnet, muss sich einer ernüchternden Realität stellen: Mit der Identitätspolitik zerstören Linke gerade ihr eigenes Wertefundament. (…) Ich war einmal ein Linker. Ich sage es ohne Scham und ganz unbefangen, so wie man über private Dinge spricht, wenn sie schon längst hinter einem liegen. Wenn man nichts mehr damit zu tun hat. Links sein, das bedeutete für mich, für soziale Gerechtigkeit einzustehen, für Chancengleichheit, für Gleichberechtigung und, wo es sein musste, für Umverteilung. und, wo es sein musste, für Umverteilung. Von oben nach unten, versteht sich.

Einspruch, Euer Ehren! Wenn alle anderen bekloppt sind, heißt das noch lange nicht, dass man an der eigenen Meinung zweifeln müsste! (Ja, ich weiß, meine Sekten-Sozialisation schimmert wieder durch.)

Warum sollte ich kein Linker mehr sei, auch wenn die Partei, die sich hierzulande so nennt, mit “links” so viel zu tun hat wie ein Stück Tofu mit Rindergulasch? Links sein bedeutet mitnichten, “für soziale Gerechtigkeit einzustehen, für Chancengleichheit, für Gleichberechtigung und, wo es sein musste, für Umverteilung.”

Das kommt davon, möchte man hinzufügen, wenn man aus dem Bauch argumentiert und nach Gefühl. Was soll denn “sozial gerecht” sein außer etwas doppelte Gemoppeltem? Dann kann ich auch gleich sozioökologischnachhaltig sagen wie die Sprachblasenfacharbeiter aus der “Linken”. Im Kapitalismus ist nichts “gerecht”, wenn man die ersten 100 Seiten vom “Kapital” verstanden hat. Ausbeutung ist ein Feature des System und kein Fehler, den man beseitigen müsste oder gar könnte.

Das gilt auch für die anderen moraltheologischen Begriffe “gleiche Chancen” (wie soll das gehen?) oder Gleichberechtigung (vom wem? Kerlen und Weibern? Cissen und Transen und Ladyboys? Kapital und Arbeit? Verehrer höherer Wesen und Atheisten?). “Umverteilung” ist das Schlimmste und führt nur zu Robinhoodisierung der Politik. Wir nehmen es den Reichen und geben es den Armen, die es dann versaufen oder anders sinnvoll verprassen wie George Best.

So nicht, um Rainer Barzel zu zitieren. Natürlich ist “links” zu sein letztlich eine moralische Haltung, deren Wurzeln in der Kindheit zu suchen sind, in Begegnungen mit prägenden Personen, die Vorbild waren, auch aus Gründen, die den eigenen gar nicht entsprechen müssten.

Beispiel: Mein Großvater hat russischen Kriegsgefangenen Lebensmittel heimlich zugesteckt, obwohl das streng verboten war und ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Niemand sonst hat sich das getraut. Warum? Manchmal muss man eben den Mut haben, etwas zu tun, was die Mehrheit nicht kann und will, weil das gut ist und menschlich. Wer nur moralisch handelt, weil die Anderen einen dafür anerkennen und loben, ist nur ein Opportunist.

Zur Moral muss die Wissenschaft kommen und ein solides Fundament aus historischen Fakten. Man steht doch in einer Tradition und auf den Schultern der Alten. Das soll nicht mehr gelten, weil die heutigen Linken sich mehr um Sex und Hautfarbe und um alberne sprachpolizeiliche Vorschriften kümmern als um Klassenkampf oder weil Religion wieder als etwas gilt, dass man angeblich tolerieren müsste und nicht aktiv bekämpfen?

Raue Zeiten für Linke gab es schon oft. Wir leben doch hier noch bequem. Das vermutlich ist das Problem. Wenn die “kleinen Leute” sich nicht bewegen, kann man nichts herbeibeschwören. Die “Linke” hat den Kontakt zu denen, deren Lobby sie sein sollte, schlicht verloren. Das hat mir ihrer gegenwärtigen Klassenbasis zu tun. Was will man von Studentglottisschlaginnen erwarten oder von den moralisch unerbittlichen Guten, die sich mehr um “Flüchtlinge” kümmern als um die Armut in der Nachbarschaft? Diese Attitude halte ich sowieso für politischen Sextourismus (um voll mikroaggressiv zu ein), um sich und der peer group zu zeigen, wie großartig man ist. Da gründe ich dann lieber ein Heim für gefallene Mädchen.

Die Konsequenz ist eine traurige Lücke in der linken Debattenlandschaft von heute: Menschlichere Produktionsbedingungen, gerechte Löhne, Ressourcenausbeutung und Überfischung durch westliche Konzerne im Globalen Süden, gerechtere Handelsbeziehungen oder Maßnahmen gegen Kindesmisshandlung sind Themen, die kaum noch vorkommen. Diejenigen, die keine Stimme haben, haben ihren wichtigsten Fürsprecher verloren.

Der Dichter Bertolt Brecht, nach heutigen Maßstäben ein wahrer Altlinker, mahnte seine Gesinnungsgenossen frühzeitig vor solchen Entgleisungen: “Sorgt doch, dass ihr, die Welt verlassend, nicht nur gut wart, sondern verlasst eine gute Welt!”

Eine “Lücke in der linken Debattenlandschaft”? Dann sollte er vielleicht auf auf dem altlinken Blog burks.de vorbeischauen…

Grüner Kapitalismus

Hatte ich hier schon darüber spekuliert, welche Fraktion des Kapitals die “Grünen” unterstützt? Wir haben eine Antwort: “Ex-Siemens-Chef Kaeser für Baerbock als Kanzlerin”.

Wenn die “Linke” nicht allmählich kapiert, dass die “Grünen” für einen modernisierten Kapitalismus stehen, also von der Bourgeoisie unterstützt werden, dann werden sie zu Recht untergehen und zu einer Sekte verkümmern. Die Basis der Grünen kann man teilweise im linken Lager vermuten, solange sie nicht linksidentitären Quatsch vertritt, aber was die große Linie angeht, ist die Partei genauso ein politischer Gegner der Linken im allgemeinen wie die FDP.

Ich fürchte aber, dass die “Linke” sich diesen meinen Überlegungen komplett verweigert.

Antisemitenpack, shut up! [Update][2. Update]

Rolling Stone: “Eine Gruppe von 600 teils prominenten Musikern fordert in einem offenen Brief Kollegen zu Solidarität mit dem palästinensischen Volk auf – und dazu, vorerst nicht mehr in Israel aufzutreten.”

Dann weiß ich jetzt, welche Musik ich nicht mehr höre. Was für ein dämliches Antisemitenpack!

[Update] Völlig verstrahlt ist auch die Zeitung Exberliner: “Why is German media so pro-Israel?” – “This talking point, that people boycotting the only Jewish state must be antisemites, is a very specific German attitude.”

Vielleicht sollte sich die Zeitung in Ex-Amin-al-Husseini umbenennen.

[2. Update] “Israel-Experte” Dr. Steffen Hagemann zur Tagesschau: “Auf der anderen Seite haben die Proteste im jüngsten Gaza-Krieg gezeigt, dass die palästinensische Bevölkerung in Israel nicht nur soziale Forderungen stellt, sondern sich als Teil des palästinensischen Volkes sieht.”

Aha. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat ein palästinensisches “Volk” entdeckt. Dann wird Jasser Arafat vermutlich bald posthum Ehrenpräsident der Heinrich-Böll-Stiftung.

Apropos “westliche Werte”

Junge Welt: “Der festgenommene belarussische Oppositionsaktivist Raman Pratassewitsch hat eine weit rechtere Vergangenheit, als es westliche Medien bisher dargestellt haben. Der Chef des belarussischen Geheimdienstes KGB, Iwan Tertel, sagte am Mittwoch vor dem Parlament des Landes, Pratassewitsch habe 2014/15 im ukrainischen Neonazibataillon (inzwischen: Regiment) »Asow« im Donbass gekämpft. Das erfülle die Tatbestände des Terrorismus und des Söldnertums.

Der Einsatz von Pratassewitsch bei »Asow« wird auch von ukrainischer Seite nicht mehr bestritten.”

Abgefahren

feuerwache Neukölln
Feuerwache Neukölln. Symboldbild für Wachsamkeit oder so

In Israel wollen die Ultrarechten mit eine liberalen Partei der “Mitte” eine Regierung bilden. Diese Gelassenheit, auch mit dem Gegner aus pragmatischen Gründen zusammenzuarbeiten, kennen sonst nur die Italiener – aber die haben auch schon 2500 Jahre Erfahrung damit, wie man Koalitionen schließt. Das wünsche ich der deutschen Politik.

Dann haben wir noch Wolken auf dem Mars. I love it.

Und eine chinesische Eisenbahn, 8.000 Kilometer lang und mal eben die Beringstrasse unterquerend. Think big!

wiese

Nach Ostland wollen wir reiten [Update]

Nach Ostland wollen wir reiten

SCNR [Update] Auf Rat der Schwarmintelligenz das Plakat mit korrekter Schrift genommen.

Unkontrollierte Akten

Berliner Zeitung (hatte ich übersehen): “Wie der Umgang mit Stasiakten außer Kontrolle geraten ist”.

Problematisch auf andere Weise ist das Statement des Bundesbeauftragten Roland Jahn in der “Abendschau” im Jahr 2015, der Bernd Lammel recht suggestiv Transparenz im Umgang mit der Vergangenheit empfahl, die ich damals als indirekte Rücktrittsforderung von seiner Funktion als Vorsitzender des Journalistenverbands wahrnahm. (…)

Wäre ein Presseantrag von der “Jungen Welt” oder vom “Neuen Deutschland” zum Fall Lammel genauso behandelt worden? Die Recherche ging von rbb und Bild-Zeitung aus. Und wie würden die Kritiker des Findungseifers der BStU im Fall Lammel eine ähnliche DDR-Geschichte bewerten, wenn der Akteur heute in der AfD-Spitze gelandet wäre?

(Interessant, dass die Berliner Zeitung in der Bildunterschrift die Schreibweise “Westberlin” wählt. Oder ist das schon ein Insider-Witz?)

Wg.: Respekt und fromme Verehrer des höheren Wesens “Allah”

Sawsan Chebli sagte: “Wir dürfen die Integrationsdebatte nicht mit der Diskussion über Muslime und Islam oder Religion insgesamt vermengen. Mein Vater ist ein frommer Muslim, spricht kaum Deutsch, kann weder lesen noch schreiben, ist aber integrierter als viele Funktionäre der AfD, die unsere Verfassung in Frage stellen.”…..

Katja Schneidt, Autorin und seit zwei Jahrzehnten ehrenamtlich für Flüchtlinge tätig, hat eine Anwort an die Dame geschrieben:

“Sehr geehrte Frau Sawsan Chebli.
Ich habe lange überlegt, ob ich Ihnen wirklich ein eigenes Posting widmen möchte aber ich mache es in der Hoffnung, dass ich mich hinterher besser fühle, wenn ich mir die Seele frei schreibe!

Das Sie vor Scham nicht im Boden versinken, wird mir immer unbegreiflich bleiben und ich als Muslimin sage Ihnen, dass ich mich für Sie gleich doppelt schäme und das Wort “Glaubensschwester” mir im Zusammenhang mit Ihnen im Halse stecken bleiben würde!

Ihre Familie kam 1970 als Flüchtlinge nach Deutschland und obwohl Ihnen keine Aufenthaltserlaubnis erteilt wurde, haben Ihre Eltern hier munter weiter Kinder in die Welt gesetzt, obwohl die Zukunft der Familie völlig unsicher und im unklaren war. Unter diesen Voraussetzungen 13 Kinder in die Welt zu setzen und die finanzielle Verantwortung dem Deutschen Steuerzahler zu übertragen, ist einfach nur dreist und verantwortungslos. Ich habe keine Ahnung, was in ihren Eltern vorging.

Ihr Vater hat die Deutschen Gesetze von Anfang an mit Füßen getreten. Drei mal wurde er Rechtmäßig ausgewiesen und drei mal ist er illegal wieder eingereist! Das weder ihre Mutter noch ihr Vater sich die Mühe gemacht haben, die Sprache des Landes zu erlernen, das immerhin eine fünfzehnköpfige Familie über viele, viele Jahre versorgte und ernährte, ist an Respektlosigkeit kaum zu überbieten.

Das Sie, Frau Chebli aber nicht müde werden, immer und immer wieder Respekt für Muslime und Migranten einzufordern, zeigt schon das ganze Dilemma auf!

Wo bleibt der Respekt, den Sie den Menschen entgegen bringen, die sie und ihre Familie mit Wohnraum, Nahrung, Kleidung und Medizin versorgt haben? 15 Personen über 18 Jahre mit genau diesen Dingen zu versorgen, kostet ungefähr 90.000 Euro im Jahr und in 18 Jahren über 1,6 Millionen. Und selbst wenn es nur 10 Jahre gewesen wären, hätte ihre Familie den Steuerzahler ein Vermögen gekostet! (500,00 Euro pro Person an Leistung, Krankenversicherung, Wohnraum, etc.pro Monat)!!!

Und sie haben wirklich den Nerv die Menschen, die für Sie und Ihre Familie so viel ermöglicht haben, zu jeder Gelegenheit als Rassisten zu bezeichnen? Sie haben den Nerv und fordern noch mehr Toleranz?

Sie spalten seit Anbeginn ihrer “Politischen Tätigkeit” (Wobei nicht nur ich mich frage, worin diese eigentlich besteht, denn Ihr Gestammel welches Sie bei jeder Pressekonferenz von sich geben, ist das bestbezahlteste Gestammel welches ich jemals gehört habe!) die Bevölkerung und heizen mit so Tweets wie “Wir sind zu wenig Radikal”, die Stimmung auf. Das Sie diesen nach Kritik gelöscht haben, macht es nicht besser!
Sie bezichtigen Hinz und Kunz der sexuellen Belästigung und vergessen dabei völlig, das Sie in einem freien Land leben und unsere Männer nicht so triebgesteuert sind, dass sie jede Frau betatschen, die sich nicht bis zur Unkenntlichkeit verhüllt hat.

Und das Sie eine Stewardess unterschwellig des Rassismus bezichtigen, weil sie die Dreistigkeit besaß, sie in Englisch anzusprechen und Sie ja Deutsch sind, setzt dem ganzen noch die Krone auf! Tipp von mir: Tackern Sie sich ihren Deutschen Pass doch sichtbar an Ihre Bluse, dann passiert das nicht mehr. Es kann niemand etwas dafür, dass Sie ein fremdländisches Aussehen haben und es könnte daran liegen, dass Sie Eltern mit einem Migrationshintergrund haben! Meine Österreichische blonde und blauäugige Freundin ist in die Türkei ausgewandert und hat dort einen Sohn geboren. Glauben Sie, dass der Junge jetzt automatisch schwarzhaarig ist und für einen Türken gehalten wird? Eher nicht!

Wissen Sie was? Ich bin es leid, dass Menschen wie Sie, von der Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft der Deutschen profitieren aber trotzdem bei jeder Gelegenheit die Rassismuskeule schwingen. Denken Sie mal drüber nach was aus ihnen geworden wäre, wenn Sie in dem Heimatland ihrer Eltern leben müssten und dann werden Sie hoffentlich ganz demütig!

Die meisten Menschen die hier leben sind herzlich, weltoffen, tolerant und wollen nur eines: Friedlich und sicher leben und keine Bevorzugung von Bevölkerungsgruppen und Religionen! Und das ist kein Rassismus, sondern das 1 X 1 eines guten Miteinander!”
#Katjaschneidt”

Mir ist es übrigens schnurzpiepegal, ob irgendwelche rechten Honks den Brief auch gut finden.

Doppelte Moral

Ich wollte etwas von Heuchelei und Doppelmoral schreiben, aber auf Telepolis steht schon das, was gesagt werden muss. “EU und Nato erbost über Zwangslandung von Zivilmaschine in Minsk. Bei ähnlichem Vorfall 2013 schwiegen sie. Damals waren Bündnispartner verantwortlich.” Und fast alle deutschen Medien vergießen Krododilstränen und heulen mit.

Moderne Folter

Sollte man lesen. Ortin Rosner schreibt auf Telepolis über “Wie Julian Assange in Großbritannien gefoltert wird”.

Haben Sie überdies schon einmal darüber nachgedacht, warum Assange derart verwahrlost und um Jahre gealtert wirkte, mit langen, verfilzten Haaren und einem dichten, ungepflegten Vollbart, als er am 11. April 2019 schließlich von der Polizei aus der ecuadorianischen Botschaft gezerrt wurde? Nun, die Antwort ist viel perfider, als Sie es sich vermutlich träumen haben lassen. Drei Monate vor seiner Verhaftung hatte man ihm sein Rasierzeug weggenommen – eine der unzähligen Schikanen, denen Assange ausgesetzt worden war. Die unwürdige Erscheinung des Australiers war ganz bewusst inszeniert worden, passte sie doch zu dem Narrativ des “Monsters” Assange, das man nähren wollte.

Der Artikel ist eine Rezension von Nils Melzer, Oliver Kobold: Der Fall Julian Assange: Geschichte einer Verfolgung – Der spektakuläre Report des UNO-Sonderberichterstatters für Folter, 22 Euro / 336 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag. Piper, München 2021.

Tomyris die Barbarin

Tomyris

Irgendein Algorithmus spülte mir den kasachischen (!) Film Tomiris in meine Amazon-Prime-Timeline. Man weiß nach fünf Minuten beim gelangweilten Zappen, worum es sich handelt. Hier also auf den ersten Blick: Conan die Barbarin, mit besseren Kostümen. (Mongolisch? Hunnisch? Dschingiskhanisch? Kasachisch?) Auch der zu vermutende Plot ließ meinen Finger schon über der Aus-Taste schweben. Vater eines Mädchen wird ermordet. Tochter wird laracroftmäßig Kämpferin (nein, Mönche spielen nicht mit). Die Pöhsen werden massakriert. Heute, dem Mainstream gehorsam folgend, noch schön divers und pseudofeministisch aufgehübscht.

Ich habe mir das Werk dann doch bis zum Schluss angetan. Ein Hinweis zu Beginn ließ mich stutzen: Die Geschichte stammt von Herodot? Ist also keine Fantasy? Fünftes Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung niedergeschrieben – die Herrscherin eines Reitervolkes aus der südrussischen Steppe killt den Perserkönig Kyros II.? Ist das wirklich wahr? Also habe ich mir die Historien auch sofort besorgt. Die nicht zu kennen war ohnehin eine klaffende Bildungslücke.

Es war nun, nachdem ihr Mann gestorben war, seine Frau Königin der Massageten; Tomyris war ihr Name. Zu ihr schickte Kyros und hielt um ihre Hand an, indem er vorgab, die zur Frau haben zu wollen. Tomyros aber begriff, dass er nicht um sie, sondern um die Herrschaft über die Massageten warb, und lehnte seinen Besuch ab.

HistorienHerodot

Iranisches Reitervolk? In meiner Ausgabe schildert Herodot die Region, um die es hier geht. Von diesem Volk aber wird berichtet, dass es sowohl groß als auch wehrhaft ist und gegen Osten und zum Aufgang der Sonne hin wohnt, jenseits des Flusses Araxes gegenüber den Issedonen. Es gibt jedoch Leute, die behaupten, dass dieses Volk auch ein skythisches ist.

Die Namen klingen exotisch und geheimnisvoll – der längste Nebenfluss der Kura. Kaukasus! Wieso sagt mir das alles nichts? Das hätten mir meine Geschichtslehrer vermitteln können, sind doch die Großregionen der Antike nicht so kompliziert zu verstehen: Östlich des Römischen Reiches lag das Sassanidenreich, mit dem die Römer irgendwie immer im Krieg waren wie mit ihren Vorläufern, den Parthern. Ich finde es faszinierend, dass die römischen Legionen am Euphrat standen! Jenseits der Perser kommt dann Indien; nur Alexander der Große schaffte es bis dahin. Und danach liegt “rechts” davon China, das aber mit Zentraleuropa vermutlich mehr über die nördlicher gelegene Seidenstrasse handelte. So könnte man das Schülern schnell begreiflich machen – das schon damals alles mit allem zusammenhing und – trotz der unendlichen Weiten – Gelehrten wie Herodot bekannt war. Herodot schildert nicht unbedingt validierte Fakten, aber für einen Geschichtsschreiber, der vor zweieinhalbtausend Jahren lebte, ist er großartig informiert und war in Geographie vermutlich besser als die meisten heutigen Bundestagsabgeordneten.

massageten

Ich sehe mich als Jungen über ein dickes Abenteuerbuch gebeugt, dessen Titel ich leider vergessen habe, versunken in Erzählungen von fernen Ländern, die auch auf einem anderen Planeten oder in Mittelerde hätten liegen können. Da war vom Khaiber-Pass die Rede, und ich schwor mir, dass ich den aufsuchen würde, wenn ich erwachsen wäre, wie schon der legendäre Alexander. Den Plan hätte ich noch verwirklichen können, als ich stattdessen nach Südamerika reiste. Heute wäre es mir nicht mehr möglich aus vielen Gründen – ich kann immerhin drüberzoomen. Nur-Sultan wäre vielleicht eine fast so exotische Alternative. (Hat jemand Astana gesagt?)

Es geht also um einen bewaffneten Konflikt zwischen dem persischen Großreich und einem Stammesverbund von Reiternomadenvölkern der eurasischen Steppen, die vermutlich eher unter dem Begriff Skythen bekannt sind. Mehr als ein halbes Jahrtausend später tauchen diese Völker dann unter dem Namen Hunnen im Westen auf.

Tomyris

Der Film “Tomiris” ist aus meiner Sicht natürlich eher ein Kinderfilm. Die Details sind oft albern. Aber man könnte Mädchen oder jungen Frauen damit zeigen, dass Frauen zu alle dem imstande sind, was auch Männer können. Die geringen körperlichen Unterschiede, was Ausdauer und Physis angehen, sind irrelevant. Das galt eben nicht nur für die Wikinger. (So verschweigt uns zum Beispiel die Populärkultur, dass es auch Frauen gab, die in Rom als Gladiator auftraten.) Mein Urteil fällt daher insgesamt – und für mich selbst überraschend – eher positiv aus.

Ich sah den Film im Original mit Untertiteln – die Darsteller sprechen eine alte Turksprache, was nicht unbedingt historisch korrekt sein muss und die sich so hart anhört wie Althochdeutsch; die Perser modernes Farsi. Über die Hauptdarstellerin Almyra Tursin gibt es kaum aussagekräftige Websites, was mich wundert. Positiv: Sie isst Fleisch. (Gibt es in Kasachstan Vegetarier?)

Tomyris

Da wurde der größte Teil des persischen Heeres dort im Land vernichtet, und auch Kyros selbst kam ums Leben, nachdem er insgesamt neunundzwanzig Jahre lang König gewesen war. Tomyris aber füllte einen Schlauch mit Menschenblut und suchte unter den toten Persern den Leichnam des Kyros; und als sie ihn gefunden hatte, steckte sie seinen Kopf in den Schlauch….

Nachtrag: Produzentin des Films ist Aliya Nazarbayeva, die Tochter des ehemaligen kasachischen Diktators Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Was von Tomyris als Warrior Queen zu halten ist, sollte besser Alice Schwarzer beantworten. “The novel was so successful that Tomyris remains a popular name for newborn girls in Kazakhstan.”

Datenschutz-Verfahren und Folterwerkzeuge, revisited II

Übermedien legt nach: “Ausforschung von Journalisten: Stasi-Unterlagenbehörde widerspricht sich selbst”.

Durfte die Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) über 1000 Seiten mit privaten Unterlagen über Journalisten herausgeben? Ein interner Prüfbericht der Leiterin der Grundsatzabteilung der Behörde kam zu einem klaren Ergebnis: Das war rechtswidrig. Die Behörde ist plötzlich der gegenteiligen Ansicht.

Schon klar. “…die Pressesprecherin war telefonisch nicht erreichbar.” War zu erwarten. Jetzt liegt das interne Rechtsgutachten eben im Volltext vor – so macht man das mit dem Internet. Vertuschen und leugnen ist nicht mehr ganz so einfach wie früher.

Neues vom linken Elend

linke osnabrück

Antrag an meine lieben Mitmenschen!
Würden Sie bitte alle, ja, unbedingt und ausnahmslos alle, 24 Stunden am Tag, rund um die Uhr, ohne Pause und lebenslang, ein Schild mit dieser Aufschrift um Ihren Hals tragen:
Das Elend hat viele Gesichter – wie gefällt Ihnen meins?
Das stünde Ihnen allen nämlich gut zu Gesicht. (Wiglaf Droste)

(Das musste ich jetzt vorab zitieren, um mir das Thema erträglicher zu gestalten und um eine Schreibblockade zu vermeiden.)

“Sorgt für Empörung” – nach solchen Textbausteinen lese ich normalerweise nicht weiter. Was die “Linke” in “Osnabrück-Land” da verbreitetet, finde ich harmlos, ist es doch ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass “politische” Diskussionen über schwierige Themen nicht geführt werden, sondern nach einem Reiz-Reaktions-Mechanismus ablaufen, bei dem schon a priori weiß, wer was sagen wird.

“Wir haben Antisemitismus importiert”, sagt eben nicht, dass eben dieser erst mit muslimischen Einwanderern ins Land gekommen sei. Unstrittig ist sogar in der liberalen Presse, dass “bei der Integration dieser Menschen mit arabischen Wurzeln einiges schiefgegangen sein muss.” Warum gibt es jetzt das Getue der üblichen Verdächtigen, das sei “Rassistenscheiße”?

Die Welt hat (leider hinter der Paywall) einen großartigen Artikel von Deniz Yücel über die “Metamorphosen des Antisemitismus”:

“In Deutschland gilt Antisemitismus vielen als praktisch unsichtbares Randphänomen. Dabei greift er noch immer um sich, rechts wie links. Er hat sich nur ein lieblich-progressives Gewand übergezogen: postkolonial, antirassistisch, gendergerecht. Das macht ihn so gefährlich.”

“Doch dem noblen Ziel des Antirassismus schadet man, wenn man – womöglich aus Sorge, dies könne den falschen Leuten nützen – um Tatsachen herumdruckst: dass es weitaus gefährlicher ist, mit einer Kippa durch Berliner Stadtteile wie Neukölln oder Kreuzberg zu laufen als durch Mitte oder Zehlendorf. Oder dass für jüdische Makkabi-Vereine Spiele gegen arabisch oder türkisch geprägte Vereine oft so hässlich verlaufen wie für Migrantenvereine Auswärtsspiele in Ostdeutschland.”

Genau das ist gemeint: Einige der “Linken” meinen wohl, man dürfe Einwanderer aus Staaten, in denen Antisemitismus und der Hass gegen Israel zur Staatsraison gehört – also auch Syrien – nicht kritisieren. Wie absurd ist das denn? Diese Menschen bringen doch ihr Weltbild mit, also wird es “importiert”. Was ist daran falsch?

Man muss sich schon sehr intellektuell verknoten, um das zu leugnen. Eberhard Seidel schrieb auf Facebook: “Wenn Teile der Muslime in Deutschland antisemitisch sind, heißt das nicht, dass dieser Antisemitismus importiert ist. Wenn Jugendliche, die hier geboren und sozialisiert sind, Anhänger der Hamas sind, heißt das nicht, dass dieser Judenhass importiert ist. Das bedeutet lediglich, dass die alt-deutsche antisemitische Angebotspalette diverser geworden ist und diese Formen des Antisemitismus zum festen Bestandteil des Ideologieangebots in Deutschland geworden sind.”

Diversity also auch bei Antisemitismus? Das, was Frau Sawsan Chebli zu Besten gibt, die sich bekanntlich als “Palästinenserin” versteht, obwohl sie in Berlin-Moabit geboren wurde (wie bei den Sudentendeutschen und anderen Vertriebenen vererbt sich offenbar der “Flüchtlings-Status”), soll also “Bestandteil des Ideologieangebots in Deutschland” sein? Das kann man so sehen. Man muss aber dann nachfragen, wo der Unfug, den sie mehrfach absonderte, ihr eingetrichtert wurde – in einer deutschen Schule oder zuhause oder auf der Straße? (Das deutsche Wikipedia macht sich die Erfindung Arafats zu eigen und behauptet, die “Palästinenser” seien ein “arabisches Volk”).

In den USA ist es übrigens ähnlich. Auch hinter der Paywall der Welt: Apartheidstaaten sind keine Demokratien“, so lautete ein Tweet, den die linke demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez am Samstagnachmittag an ihre rund 13 Millionen Follower absetzte.

Viele ihrer Mitstreiter verbreiteten den Tweet umgehend nach dem Modell eines Kettenbriefes: Die Abgeordnete Coris Bush retweetete Ocasio-Cortez, deren Mitteilung ihrerseits von Fraktionskollegin Rashida Tlaib weiterverbreitet wurde. Tlaib, in Detroit geborene Tochter palästinensischer Einwanderer, kommentierte die Botschaft von Ocasio-Cortez und Bush mit demselben Wortlaut: “Apartheidstaaten sind keine Demokratien.”

Um erst gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, auf welches Land sie ihre Stellungnahme bezieht, legte Tlaib später nach – sie rief dazu auf, sich die Stellungnahme des palästinensisch-israelischen Künstlers Tamer Nafer anzuhören: „Hören Sie den Palästinensern, die unter der Apartheid Israels leben, direkt zu.”

Das Neue Deutschland nennt Ocasio-Cortez “progressiv”. Mal sehen, wann sie von der Partei “Die Linke” eingeladen wird.

In den sozialen Medien stellte ich die Frage – to stir the soup up -: “Wie kann man der “Linken” die islamo-völkische Wahnidee “Palästina” austreiben?” Mein Namensvetter Jürgen hat dazu eine interessante historische Antwort, wie das alles anfing – und weiterging.

Nachtrag: Ich muss mich jetzt auch noch vom RBB erholen – was für eine widerliche Hetze!

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