Tropische Träume

strand

Nach drei 12-Stunden-Tagschichten traf ich mich gestern noch mit einem Freund (der meinen Käsekuchen aß) und stürzte mich in’s Neuköllner Nachtleben, ca. 20:00 Uhr.

Rotbart, voll, kein Stuhl frei, auch draußen. – Desgleichen Mausi. – Zum Heizelmann, früher eine waschechte Proletarier-Kneipe: Bis auf den letzten Platz voll mit jungen Leuten, auch draußen. Daneben Café Neukölln: Dito. – Zosse: Man soll draußen vor einem Schild warten, bis man platziert wird. Ich bin trotzdem hineingegangen und wurde hinauskomplimentiert. Ihr spinnt wohl! – Lobby030: kein Stuhl frei, auch draußen. – Wir sind dann doch im Linus hängengeblieben.

Nach 20 Stunden wurde ich dann doch ein wenig schlapp. Der Freund wollte, weil Latino, ohnehin ein Fußballspiel um Mitternacht ansehen. Ich schleppte mich also ins Bett und schlief vermutlich innerhalb von einer Sekunde ein.

Ich hatte einen merkwürdigen Traum. Ich wurde als Schiffbrüchiger an den Strand einer einsamen Insel gespült. Dort traf ich merkwürdigerweise zwei Frauen, die dasselbe Schicksal ereilt hatte. Als sie sich zu mir umsahen, dachte ich zunächst, die Brünette sei Rayna Vallandingham. Dann aber erkannte ich sie: Es waren Yasmin Wijnaldum und Daria Selezneva.

Mehr als 12 Stunden später wachte ich erfrischt auf. Der Körper holt sich, was er braucht. Andere Träume wurden übrigens wahr.

schlaf

Der Kommunismus siegt

KPÖ Graz

Jedenfalls in Graz.

Reiches China, armes Indien

Ich habe mir einen höchst interessanten Artikel von David Oks übersetzen lassen: „Why China got rich and India didn’t“. („Oks was born to a family of Jewish immigrants from Argentina, who have been described as „socialist“ in regards to his views“) Darauf muss ich irgendwann ausführlich antworten – ich interpretiere vieles anders. Die Links sind teilweise von mir.

großer sprung nach vorn
Kampagne Großer Sprung nach vorn, 1958

Im Jahr 1950 waren – ebenso wie heute – die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt China und Indien. China war damals deutlich größer und stellte 22 Prozent der Weltbevölkerung gegenüber 15 Prozent für Indien. Dennoch befanden sich beide Länder in einer sehr ähnlichen Ausgangslage. Beide waren riesige Staaten, die ihre heutige Form erst in den vorangegangenen drei Jahren angenommen hatten – Indien als unabhängige Republik Indien, China als Volksrepublik China. Beide gehörten zu den ärmsten Ländern der Erde. Und beide standen vor der Aufgabe, in den kommenden Jahrzehnten auf sehr unterschiedliche Weise Wohlstand zu schaffen.

Für China wurde dieser Weg zu einem einzigen langen Albtraum. Das Land war bereits durch einen langwierigen Bürgerkrieg und die brutale japanische Invasion der vorangegangenen Jahrzehnte verwüstet worden; zusammen kosteten diese Ereignisse viele Millionen Menschen das Leben. Der Bürgerkrieg endete 1949 mit dem Sieg der Kommunisten, doch das, was danach folgte, war nicht weniger verheerend.

Der kommunistische Führer Mao Zedong begann sofort mit Vergeltungskampagnen gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner aller Art und ließ dabei weit über eine Million Menschen töten. Anschließend leitete er ein verhängnisvolles Programm zur Modernisierung der Landwirtschaft ein – den „Großen Sprung nach vorn“ –, das die größte Hungersnot der Geschichte auslöste und schätzungsweise zwischen 30 und 45 Millionen Menschen das Leben kostete. Danach folgte die fanatische Phase der ideologischen Radikalisierung, die Kulturrevolution, welche das öffentliche Leben des Landes für ein Jahrzehnt praktisch lahmlegte und weitere rund 1,6 Millionen Menschen tötete. Als Mao 1976 starb, war China international isoliert, wirtschaftlich stagnierend und immer noch hoffnungslos arm.

Für Indien verlief dieselbe Zeit wesentlich friedlicher. Indien war eine britische Kolonie gewesen und konnte seine Unabhängigkeit ohne bewaffneten Befreiungskrieg erreichen. Britische Institutionen wie der Indian Civil Service – die koloniale Verwaltung, die später als Indian Administrative Service weitergeführt wurde – blieben im neuen Staat weitgehend erhalten. Zwar kam es Ende der 1940er Jahre im Zuge der Teilung des Landes in das mehrheitlich hinduistische Indien und das mehrheitlich muslimische Pakistan zu extremer Gewalt, doch selbst diese war mit den Ereignissen in China nicht vergleichbar.

Nach dieser Phase erlebte Indien jahrzehntelang Frieden, politische Stabilität und demokratische Herrschaft. Das Land wurde von dem weltoffenen Säkularisten Jawaharlal Nehru geführt, der an den angesehensten britischen Bildungseinrichtungen ausgebildet worden war und im Namen von Wissenschaft, Vernunft und gesellschaftlichem Fortschritt regierte. Während der gesamten Zeit nach der Unabhängigkeit verfügte Indien über freie Wahlen, eine unabhängige Justiz und eine freie Presse. Nichts Vergleichbares zum Großen Sprung nach vorn oder zur Kulturrevolution ereignete sich dort jemals.

Ich vermute, wäre ich 1950 am Leben gewesen, hätte es mir selbstverständlich erschienen, dass Indien Erfolg haben würde und China nicht. Dieselbe Wette hätte ich 1960 abgeschlossen, als China Millionen seiner eigenen Bürger verhungern ließ und gleichzeitig Getreide exportierte. Und ich hätte sie 1970 während des Wahnsinns der Kulturrevolution erneut abgeschlossen.

Damit wäre ich keineswegs allein gewesen. Noch 1985 veröffentlichten namhafte Ökonomen Artikel in der New York Times, in denen sie schrieben, Indien sei – weit mehr als China – „ein Wirtschaftswunder, das nur darauf wartet, zu geschehen“.

Doch sie irrten sich.

In den fünf Jahrzehnten seit dem Tod Mao Zedongs ist China wesentlich schneller gewachsen als sein asiatischer Rivale. Das Land entwickelte sich zu einer industriellen Supermacht und zur am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft der vergangenen fünfzig Jahre. Das Pro-Kopf-BIP, das 1976 noch ungefähr auf dem Niveau Indiens lag, ist heute rund zweieinhalbmal so hoch.

Dadurch geht es den Menschen in China heute deutlich besser als ihren indischen Nachbarn. 1987 betrug das kaufkraftbereinigte Medianeinkommen in China lediglich 1,88 US-Dollar pro Tag, gegenüber 2,94 Dollar in Indien. Anfang der 2000er Jahre überholten die chinesischen Medianlöhne die indischen. Bis 2022 war das Medianeinkommen in China auf 13,36 Dollar gestiegen, während Indien lediglich 5,54 Dollar erreichte.

Zwischen 1987 und 2022 stieg das Medianeinkommen in China um 611 Prozent, in Indien dagegen nur um 88 Prozent.

mao
Mao Zedong, 30-er Jahre, KI-enhanced

Was also ist geschehen? Warum wurde China reich und Indien nicht? Wie lässt sich diese unterschiedliche Entwicklung erklären?

Im vergangenen Jahr besuchte ich Indien und hatte Gelegenheit, diese Fragen mehreren bekannten Indern zu stellen, darunter auch Abgeordneten des indischen Parlaments. Die häufigste Antwort lautete, Indien habe seine Wirtschaftsreformen einfach später begonnen. Sowohl Indien als auch China betrieben nach 1950 über lange Zeit eine stark staatlich kontrollierte Wirtschaft. China begann jedoch bereits 1978 mit der Liberalisierung, während Indien damit bis 1991 wartete.

China habe also schlicht einen Vorsprung von dreizehn Jahren gehabt – kein Wunder also, dass es stärker gewachsen sei.

Doch das erklärt nicht, warum China auch danach schneller wuchs als Indien. Zwischen 2000 und 2022 – lange nachdem beide Volkswirtschaften liberalisiert worden waren und obwohl China bereits deutlich wohlhabender war – lag das chinesische Wachstum weiterhin klar über dem indischen. Selbst Jahrzehnte nach der Öffnung der Wirtschaft blieb Indien hinter China zurück. Der Zeitpunkt der Liberalisierung allein kann die unterschiedliche Entwicklung also nicht erklären.

Dasselbe gilt für wirtschaftspolitische Unterschiede im Allgemeinen. Gewiss gibt es zahlreiche Bereiche, in denen die indische Wirtschaftspolitik ineffizient ist und Wachstum hemmt. Doch Ähnliches gilt auch für China und im Grunde für fast alle Staaten. Ich glaube daher nicht, dass unterschiedliche Wirtschaftspolitik erklärt, warum Indien China selbst auf deutlich niedrigerem Einkommensniveau so dauerhaft hinterherhinkt.

Ebenso wenig überzeugen mich Erklärungen, die auf eine angeblich unterschiedliche „chinesische“ oder „indische Kultur“ verweisen. Natürlich unterscheiden sich beide Kulturen, und diese Unterschiede beeinflussen das Verhalten der Menschen. Aber sie erklären nicht, warum China gerade zu dem Zeitpunkt begann, Indien wirtschaftlich zu überholen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts – lange vor Mao und lange vor der indischen Unabhängigkeit – war Indien sogar wohlhabender als China, und chinesische sowie indische Arbeiter in Baumwollspinnereien erreichten vergleichbare Produktivitätsniveaus. Welchen kulturellen Vorteil China heute auch immer besitzen mag – vor hundert Jahren spielte er offenbar keine entscheidende Rolle.

Ich möchte daher eine andere Erklärung dafür vorschlagen, warum China reich wurde und Indien nicht.

Der entscheidende Wendepunkt lag meiner Ansicht nach weder 1978 noch 1991, sondern bereits um das Jahr 1950.

Eine rasche Industrialisierung erfordert Humankapital: Arbeitskräfte, die ausreichend lesen und schreiben können, um ausgebildet zu werden; die gesund genug sind, regelmäßig zur Arbeit zu erscheinen; die diszipliniert genug sind, pünktlich zu arbeiten; und die sich so weit von traditionellen sozialen Bindungen gelöst haben, dass sie ihre Arbeitskraft an denjenigen verkaufen können, der den höchsten Lohn bietet.

Traditionelle Agrargesellschaften bringen nur sehr wenige Menschen hervor, die diese Voraussetzungen erfüllen. Die Bauern, die 1950 den überwiegenden Teil der Bevölkerung sowohl Indiens als auch Chinas ausmachten, waren meist Analphabeten, gesundheitlich angeschlagen und durch zahlreiche traditionelle Bindungen eingeschränkt. Damit Menschen in einer modernen Wirtschaft produktiv arbeiten können, müssen diese Hindernisse überwunden werden.

Die fortgeschrittenen europäischen Staaten verbrachten einen Großteil des vergangenen Jahrtausends damit, genau diesen Wandel herbeizuführen.

China gelang es zwischen 1950 und 1980 – häufig mit brutalen Methoden –, diesen Prozess innerhalb weniger Jahrzehnte nachzuvollziehen. Der chinesische Staat modernisierte die Gesellschaft buchstäblich mit Waffengewalt. Als sich die Wirtschaft 1980 der Welt öffnete, war China gesellschaftlich bereits modernisiert, obwohl das Land noch außerordentlich arm war. Das notwendige Humankapital für eine schnelle Industrialisierung war vorhanden.

Indien dagegen durchlief diesen tiefgreifenden Wandel nie. Seine traditionelle Gesellschaftsordnung blieb nach der Unabhängigkeit weitgehend bestehen, und dem indischen Staat gelang es nicht, das Humankapital seiner Bevölkerung in vergleichbarer Weise zu entwickeln.

Als Indien 1991 schließlich seine Wirtschaft öffnete, war seine Bevölkerung auf die industrielle Moderne schlicht nicht in derselben Weise vorbereitet wie die chinesische.

China investierte in seine Menschen – Indien tat es nicht.

Wie aber gelang China dieser Wandel? Und warum war Indien nicht in der Lage, denselben Weg zu gehen?

Children of Troubled Times
Children of Troubled Times, chinesischer Film 1935

Der kommunistische Weg zum Kapitalismus

Im Jahr 1949 errang die Kommunistische Partei Chinas nach jahrzehntelangen Kriegen – entweder gegen die einmarschierenden Japaner oder gegen ihre nationalistischen Gegner – den vollständigen Sieg über alle ihre Feinde und übernahm die uneingeschränkte Macht auf dem chinesischen Festland. Die verbliebenen nationalistischen Truppen flohen nach Taiwan, und Mao Zedong, der oberste Führer der Kommunistischen Partei, verkündete die Gründung der neuen Volksrepublik China.

Mao verfolgte bei der Regierung Chinas drei übergeordnete Ziele. Erstens wollte er die uneingeschränkte Herrschaft der Kommunistischen Partei über das Land festigen. Zweitens sollte das gesellschaftliche Leben nach kommunistischen Vorstellungen grundlegend umgestaltet werden. Drittens wollte er China wirtschaftlich von einer verarmten Agrargesellschaft in eine wohlhabende Industrienation verwandeln.

Beim letzten Ziel – China reich und mächtig zu machen – scheiterte Mao vollständig. Während seiner gesamten Herrschaft blieb das Land bitterarm, und sämtliche seiner wirtschaftspolitischen Eingriffe erwiesen sich als katastrophal. Bei den ersten beiden Zielen jedoch – der Ausschaltung jeder Opposition gegen die kommunistische Herrschaft und der Umformung der chinesischen Gesellschaft nach seinen Vorstellungen – war Mao außerordentlich erfolgreich. Zwischen 1949 und 1976 veränderte die Kommunistische Partei das Leben in China grundlegend.

Heute ist es schwer nachzuvollziehen, wie brutal dieser Wandel tatsächlich war. Ab 1950 wurde jede gesellschaftliche Kraft, die die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei hätte infrage stellen können, rücksichtslos unterdrückt und zerschlagen.

So wurden beispielsweise die Großgrundbesitzer und „reichen Bauern“, die traditionell die Führungsschicht der Dörfer gebildet hatten, in den 1950er Jahren enteignet. Sie mussten an öffentlichen „Klageversammlungen“ teilnehmen, bei denen Bauern ihre Leiden und ihren Groll gegen sie vortrugen – sogenannte „Speak-Bitterness“-Sitzungen. Diese endeten häufig damit, dass die Angeklagten von der Menge zu Tode geprügelt wurden. Auf diese Weise kamen mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben. Im selben Zeitraum wurden weitere Hunderttausende als angebliche „Konterrevolutionäre“ hingerichtet, denen Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft vorgeworfen wurde.

konterrevolution
Poster der Kampagne zur Unterdrückung der Konterrevolutionäre in China 1950–1953

Doch betroffen waren nicht nur Großgrundbesitzer, wohlhabende Bauern und vermeintliche Konterrevolutionäre. Nahezu jede traditionelle Autorität in der chinesischen Gesellschaft wurde zerschlagen.

Die Hunderte von Geheimbünden und religiösen Sekten, die das gesellschaftliche Leben Chinas geprägt hatten und 1949 zusammen rund 13 Millionen Mitglieder zählten, wurden im Rahmen der Kampagne „Austritt aus den Sekten“ aufgelöst. Der Konfuzianismus und andere tragende Säulen der alten Gesellschaftsordnung wurden angegriffen und unterdrückt. Hunderttausende kleiner Schreine, die das chinesische Volksreligionsleben strukturierten, wurden als „Aberglaube“ gebrandmarkt und zerstört. Die großen Religionen wurden der staatlichen Kontrolle unterstellt, und auf dem Höhepunkt des kommunistischen Eifers in den 1960er Jahren wurde Religion zeitweise vollständig verboten; unzählige jahrhundertealte Tempel wurden vernichtet.

Der berühmte Jing’an-Tempel in Shanghai, dessen Ursprünge bis ins 3. Jahrhundert zurückreichen, wurde in eine Kunststofffabrik umgewandelt.

Sogar die Familienoberhäupter verloren einen Großteil ihrer Autorität. Entscheidungen, die zuvor in den Händen der Familie und ihrer Ältesten gelegen hatten – etwa über Eheschließungen oder die Verteilung von Land –, wurden diesen entzogen und entweder den einzelnen Bürgern (im Falle der Ehe) oder dem Staat (im Falle des Bodens) übertragen.

Im Jahr 1950 verabschiedete die chinesische Regierung das Neue Ehegesetz. Es verbot arrangierte Ehen, Konkubinate und Kinderverlobungen, gewährte Frauen das Recht, Eigentum zu besitzen und sich frei scheiden zu lassen, und erlaubte ihnen, nach der Heirat ihren eigenen Familiennamen zu behalten. Dies bedeutete einen radikalen Bruch mit der patriarchalischen Ordnung, die das chinesische Eheleben seit der gesamten überlieferten Geschichte bestimmt hatte. Zwar führte diese Reform zu erheblichen Konflikten, doch der chinesische Staat zerschlug jeden Widerstand konsequent: Ältere Familienmitglieder wurden als „Großgrundbesitzer“ oder Klassenfeinde gebrandmarkt, während Frauen dazu ermutigt wurden, in öffentlichen „Klageversammlungen“ („Speak Bitterness“) ihre Schwiegereltern und Großeltern anzuprangern.

Ebenso tiefgreifend war die Massenmobilisierung der Frauen in den Arbeitsmarkt unter dem Motto: „Frauen tragen die Hälfte des Himmels.“ Zehnmillionen Frauen wurden aus der häuslichen Abgeschiedenheit herausgelöst und in das Wirtschaftsleben integriert. Dadurch entzogen sie sich zugleich der Kontrolle ihrer Familien. Auf diese Weise wurde die traditionelle chinesische Verwandtschaftsgemeinschaft – nicht bloß eine Familie im heutigen Sinn, sondern eine eigenständige Institution, die das Leben ihrer Mitglieder umfassend regelte – zerstört.

Zwischen 1949 und 1976 beseitigte der chinesische Staat somit die traditionelle chinesische Gesellschaft nahezu vollständig. Die vielschichtige soziale Ordnung des alten China mit ihren gewachsenen Sitten, Institutionen und lokalen Besonderheiten wurde radikal vereinfacht und eingeebnet.

konterrevolution
„Reaktionäre Geheimbünde müssen entschieden verboten werden“, Hu Su (胡甦), 1951, Publisher: Shandong renmin chubanshe (山东人民出版社)

An ihre Stelle setzte der Staat eine neue Gesellschaft, die nach den ideologischen Vorstellungen der Kommunistischen Partei geformt wurde. Während Mao das Ziel wirtschaftlicher Entwicklung nie erreichte, erzielte er auf dem Gebiet der menschlichen Entwicklung – insbesondere in Bildung und Gesundheitswesen – deutlich größere Erfolge.

Alphabetisierungskampagnen und der Ausbau des Bildungswesens erhöhten die Alphabetisierungsrate von etwa 20 Prozent im Jahr 1949 auf nahezu 70 Prozent im Jahr 1982. Besonders stark profitierten Frauen: Sie gingen in diesem Zeitraum von einer nahezu vollständigen Analphabetisierung zu einer Alphabetisierungsrate von rund 50 Prozent über.

Ebenso beeindruckend waren die Fortschritte im Gesundheitswesen. Zwischen den frühen 1950er Jahren und dem Ende der 1970er Jahre sank die Kindersterblichkeit um rund 80 Prozent.

Trotz aller Schrecken der maoistischen Herrschaft – darunter, wie nicht vergessen werden darf, die größte Hungersnot der Weltgeschichte – verzeichnete China zwischen 1949 und 1976 einen der stärksten und nachhaltigsten Anstiege der Lebenserwartung, die jemals in einem Land beobachtet wurden. Sie stieg von etwa 41 Jahren im Jahr 1949 auf rund 61 Jahre im Jahr 1976.

Zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte wurden Frauen zudem in nennenswertem Umfang in das öffentliche Leben einbezogen. Ende der 1970er Jahre lag die Erwerbsbeteiligung chinesischer Frauen bereits höher als in vielen wohlhabenden Industrieländern.

Als Mao 1976 starb, hatte sich die chinesische Gesellschaft daher grundlegend verändert. China war nach wie vor ein sehr armes und überwiegend agrarisch geprägtes Land. Seine Bildungs- und Gesundheitsindikatoren lagen jedoch weit über dem Niveau, das man angesichts seines Einkommens erwarten würde. Gleichzeitig waren die traditionellen gesellschaftlichen Strukturen, die zuvor nahezu jeden Bereich des Lebens bestimmt hatten, weitgehend zerschlagen worden.

China war damit gesellschaftlich bereits ein modernes Land – es war lediglich noch außerordentlich arm. So besaß China im Jahr 1980 trotz eines Pro-Kopf-BIP, das rund 80 Prozent unter dem Mexikos lag, bereits eine Lebenserwartung auf dem Niveau Mexikos.

Dies bedeutete, dass China Ende der 1970er Jahre – noch bevor der Prozess der „Reform und Öffnung“ begann – bereits hervorragend auf den industriellen Kapitalismus vorbereitet war. Die alten Fesseln – Verwandtschaftsbindungen, Pachtsysteme und die gesellschaftliche Abschottung der Frauen – waren beseitigt. Die chinesischen Arbeitskräfte waren mobil, ausbildungsfähig und zugleich kostengünstig.

Dieser Widerspruch zwischen dem hohen Stand der menschlichen Entwicklung und dem niedrigen Wohlstandsniveau musste sich zwangsläufig in einem rasanten Wirtschaftswachstum auflösen.

Als Analysten der Weltbank Anfang der 1980er Jahre China besuchten, stellten sie fest, dass selbst die einkommensschwächsten Bevölkerungsgruppen ihre Grundbedürfnisse deutlich besser befriedigen konnten als vergleichbare Gruppen in den meisten anderen armen Ländern. Sollten Chinas „gewaltiger Reichtum an menschlichem Talent, Einsatzbereitschaft und Disziplin“ mit einer Wirtschaftspolitik verbunden werden, die den Ressourceneinsatz effizienter gestalte, so prognostizierte ihr Bericht, werde China innerhalb einer Generation den Lebensstandard seiner Bevölkerung erheblich steigern können.

Genau so kam es.

India
Artist: Maurice Mellier, 1941-43 (Source: US Library of Congress)

Indiens gescheiterte gesellschaftliche Modernisierung

Oberflächlich betrachtet verlief Indiens Entwicklung wesentlich glücklicher. Das Land musste keinen Unabhängigkeitskrieg führen, um seine Freiheit zu erlangen: Die Macht ging weitgehend durch Verhandlungen von den Briten auf die Inder über. Die Teilung Britisch-Indiens war zwar entsetzlich und kostete zwischen einer halben und zwei Millionen Menschen das Leben, verblasste jedoch im Vergleich zum Ausmaß des chinesischen Bürgerkriegs, des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges oder des Großen Sprungs nach vorn.

In den Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit genoss Indien politische Stabilität und eine demokratische Regierungsform. Es erlebte niemals die Grausamkeiten, denen China unter Mao ausgesetzt war.

Doch Indien durchlief auch niemals jene tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung, die China erlebte.

Die dominierende politische Kraft Indiens in den Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit war der Indische Nationalkongress, der die zentrale Triebkraft der Unabhängigkeitsbewegung gewesen war. Zwischen 1947 und 1989 befand sich der Kongress lediglich drei Jahre lang nicht an der Macht. Seine Herrschaft war zwar nicht absolut, aber eindeutig dominierend.

Allerdings war der Kongress keine eigentliche ideologische Bewegung. Er war Ende des 19. Jahrhunderts als Forum gebildeter Inder entstanden, die gemäßigte Reformen anstrebten, und hatte sich später zu einer Massenbewegung für die Unabhängigkeit entwickelt. Er war eine breite Sammlungspartei, deren Mitglieder nahezu das gesamte gesellschaftliche Spektrum Indiens repräsentierten: linksgerichtete Säkularisten, hinduistische Traditionalisten, Verfechter der oberen Kasten, Aktivisten der unteren Kasten, Großgrundbesitzer, Sozialisten sowie zahlreiche Menschen, die weniger aus ideologischer Überzeugung als wegen der Ausstrahlung der Parteiführung oder der mit einer Mitgliedschaft verbundenen Einflussmöglichkeiten beitraten.

Obwohl der Kongress jahrzehntelang die indische Politik dominierte, entwickelte er deshalb niemals ein geschlossenes Programm zur grundlegenden Umgestaltung der indischen Gesellschaft. Während die chinesischen Kommunisten gezielt gesellschaftliche Konflikte schürten, versuchte der Kongress, sie zu vermeiden. Während die Kommunisten radikale Veränderungen von oben durchsetzten und jeden Widerstand zerschlugen, nahm der Kongress Rücksicht auf bestehende Interessen und setzte auf gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie schrittweisen Fortschritt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Führer des Kongresses keine eigenen Vorstellungen von einer Modernisierung Indiens gehabt hätten. Jawaharlal Nehru, der von der Unabhängigkeit bis zu seinem Tod im Jahr 1964 Premierminister war, verabscheute den „Aberglauben sowie die erstarrten Bräuche und Traditionen“ des traditionellen indischen Lebens. Er wollte die „mangelnde Hygiene und den Analphabetismus“ ebenso überwinden wie den „Hunger und die Armut“, die das Land prägten.

Doch hinter diesen Zielen stand die Partei keineswegs geschlossen. Nehru besaß schlicht nicht die politische Macht, sie konsequent umzusetzen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Jahr 1950. Damals legten Nehru und sein Justizminister – der berühmte Aktivist der unteren Kasten B. R. Ambedkar – den Hindu Code Bill vor, eine weitreichende Reform des hinduistischen Familien- und Erbrechts. Nach der indischen Verfassung galten für verschiedene Religionsgemeinschaften unterschiedliche Regelungen des Personenstandsrechts.

Das Gesetz hätte Polygamie verboten, Frauen das Recht auf Scheidung und Erbschaft eingeräumt sowie Eheschließungen zwischen Angehörigen verschiedener Kasten erlaubt. Sein Aufbau ähnelte dem Neuen Ehegesetz, das die chinesische Regierung im selben Jahr verabschiedete, ging allerdings nicht so weit, arrangierte Ehen zu verbieten.

Doch während die chinesische Regierung ihr Ehegesetz per Dekret durchsetzte und jeden Widerstand rücksichtslos niederwalzte, sahen sich Nehru und Ambedkar einer massiven Opposition hinduistischer Traditionalisten gegenüber. Sogar der indische Staatspräsident griff den Gesetzentwurf öffentlich an und warnte davor, Begriffe einzuführen, die dem hinduistischen Recht „fremd“ seien und „jede Familie zerrütten“ würden.

Der Hindu Code Bill scheiterte schließlich im Parlament. Ambedkar trat aus Enttäuschung zurück. Zwar gelang es Nehru später, Teile des hinduistischen Rechts zu reformieren, doch musste er dafür weitreichende Zugeständnisse machen.

So nahm das neue Erbrecht landwirtschaftliche Flächen vollständig von seinen Bestimmungen aus – also gerade jenen Vermögensbestandteil, der den größten Teil des wirtschaftlich bedeutsamen Eigentums ausmachte. Das neue Eherecht gewährte zwar grundsätzlich ein Scheidungsrecht, enthielt jedoch zugleich eine Vorschrift zur sogenannten „Wiederherstellung ehelicher Rechte“, die Ehemännern einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch gab, ihre Ehefrauen zur Rückkehr in den gemeinsamen Haushalt zu zwingen.

Letztlich spielte der Wortlaut der Gesetze jedoch kaum eine Rolle, denn ihre Durchsetzung war schwach oder praktisch nicht vorhanden.

Scheidungen und Ehen zwischen verschiedenen Kasten blieben trotz ihrer rechtlichen Zulässigkeit äußerst selten, weil Dörfer und Familien weiterhin die traditionellen Normen durchsetzten – unabhängig davon, was das Gesetz vorsah.

Bräuche, die Frauen dazu drängten, auf ihre Erbansprüche zu verzichten, blieben weit verbreitet. Dazu gehörte etwa der Brauch des haq tyag („Verzicht auf das Recht“) in Rajasthan oder die in Haryana verbreitete Praxis des karewa, bei der Witwen zur Heirat mit einem männlichen Verwandten ihres verstorbenen Ehemanns gezwungen wurden, um den Familienbesitz zusammenzuhalten.

Selbst die Beamten, die für die Umsetzung der Gesetze verantwortlich waren, unterliefen diese häufig. So setzten Verwaltungsangestellte, welche Erbfälle registrierten, Töchter regelmäßig unter Druck, ihre gesetzlichen Erbrechte zugunsten ihrer Brüder aufzugeben.

Dieses Muster kennzeichnete viele Versuche gesellschaftlicher Modernisierung im Indien des 20. Jahrhunderts: öffentlichkeitswirksame Reformen, denen in der Praxis kaum Veränderungen folgten.

1961 erklärte die indische Regierung beispielsweise die Mitgift – Zahlungen der Familie der Braut an die Familie des Bräutigams – für illegal, weil sie die Unterordnung der Frauen festigte und häusliche Gewalt begünstigte.

Doch auch dieses Gesetz wurde praktisch nicht durchgesetzt. Mitgiften blieben ebenso verbreitet wie zuvor, und die mit ihnen verbundenen Missstände bestanden fort. Zwischen 1999 und 2016 machten mit Mitgift zusammenhängende Tötungsdelikte zwischen 40 und 50 Prozent aller registrierten Frauenmorde in Indien aus.

Ähnlich verliefen die Versuche einer Bodenreform. Mehrere indische Bundesstaaten führten in den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren entsprechende Gesetze ein, doch ihre Umsetzung blieb halbherzig.

Großgrundbesitzer umgingen die Vorschriften ohne größere Schwierigkeiten, indem sie Land auf Verwandte überschrieben oder unter fingierten Namen registrierten. Andere bestachen oder bedrohten die zuständigen Beamten.

Deshalb änderte sich letztlich nur sehr wenig.

All dies hatte zur Folge, dass der indische Staat die gesellschaftliche Modernisierung, die China erreichte, niemals verwirklichen konnte. Das dichte Geflecht familiärer Verpflichtungen und traditioneller Autoritätsstrukturen, das das gesellschaftliche Leben bestimmte, blieb weitgehend erhalten.

Kastenräte (Panchayats) entschieden weiterhin über lokale Streitigkeiten, Großfamilien bündelten und verteilten Einkommen innerhalb der Verwandtschaft, und Frauen blieben den Zwängen der traditionellen Gesellschaft weitgehend unterworfen.

Lebenserwartung Indien China
Vergleich der Lebenserwartung in China und Indien, Our World in Data

Der indische Staat und das Scheitern der Entwicklung des Humankapitals

Ebenso wenig gelang es dem indischen Staat, jene tiefgreifenden Verbesserungen des Humankapitals zu erreichen, wie sie in China stattfanden. So wie er die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht grundlegend verändern konnte, war er auch nicht in der Lage, wirksame öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen. Die Gesundheitsversorgung blieb unzureichend, und die gesundheitlichen Ergebnisse waren entsprechend schlecht.

Innerhalb nur einer Generation entwickelten sich die Gesundheitsindikatoren Indiens von einem Niveau, das mit dem Chinas vergleichbar gewesen war, zu einem deutlich schlechteren. Der Abstand bei der Lebenserwartung wuchs von drei Jahren im Jahr 1950 auf elf Jahre im Jahr 1980.

Die Kindersterblichkeit zeigte dieselbe Entwicklung. 1950 starben in Indien 27 Prozent aller Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, gegenüber 32 Prozent in China. Bis 1980 war die Kindersterblichkeit in Indien zwar auf 17 Prozent gesunken, in China jedoch auf lediglich 6,3 Prozent.

Dasselbe Bild zeigte sich im Bildungswesen.

Nehru und seine Nachfolger interessierten sich leidenschaftlich für Technologie und wissenschaftliche Spitzenleistungen. Für eine flächendeckende Volksbildung konnten sie jedoch nie eine vergleichbare Begeisterung aufbringen.

Daher errichtete Indien ein Netz erstklassiger Eliteeinrichtungen wie die Indian Institutes of Technology (IIT) und die Indian Institutes of Management (IIM), während die allgemeine Bildung weitgehend vernachlässigt wurde. Noch heute fließt der größte Teil der staatlichen Mittel für die Hochschulbildung an diese Eliteinstitutionen, obwohl dort lediglich rund 2,6 Prozent aller Studierenden ausgebildet werden.

Die allgemeine Schulbildung blieb dagegen in einem beklagenswerten Zustand.

Im Jahr 1990 hatten lediglich 55 Prozent der indischen Kinder die Grundschule drei bis fünf Jahre nach dem vorgesehenen Abschlussalter tatsächlich beendet. In China lag dieser Anteil bei 87 Prozent.

Selbst diejenigen Kinder, die eine Schule besuchten, profitierten häufig nur wenig davon.

Als Indien 2009 erstmals an der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) teilnahm – dem internationalen Leistungsvergleich von Schülerinnen und Schülern in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen –, belegte das Land Rang 72 von 73 teilnehmenden Staaten. China hingegen erreichte die Spitzenplätze.

Die indische Regierung reagierte auf dieses peinliche Ergebnis, indem sie anschließend einfach nicht mehr an PISA teilnahm.

Die jahrzehntelange Vernachlässigung des Bildungswesens zeigt sich auch in den Alphabetisierungsraten. Erst Anfang der 2020er Jahre erreichte Indien ungefähr das Alphabetisierungsniveau, das China bereits 1990 erreicht hatte.

Besonders schwer traf diese Entwicklung die Frauen.

Eine umfassende Emanzipation der Frauen, wie sie China erlebt hatte, fand in Indien nicht statt. Die Missstände der traditionellen Gesellschaft – von Mitgiftmorden bis zu erzwungenen Ehen – blieben weit verbreitet.

Die Alphabetisierung von Frauen blieb äußerst niedrig. Noch 1981 konnten lediglich 26 Prozent der indischen Frauen lesen und schreiben.

Da das Leben der meisten Frauen weiterhin weitgehend von den Entscheidungen ihrer Familien bestimmt wurde, blieb auch ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt gering.

Bis zum Ende der 2010er Jahre lag die Erwerbsquote indischer Frauen bei lediglich rund 27 Prozent – eine der niedrigsten weltweit. Sie lag damit näher an Afghanistan mit 18 Prozent als an China mit 61 Prozent.

(Tatsächlich führt die geringe Erwerbsbeteiligung von Frauen dazu, dass Indiens Arbeitskräftepotenzial trotz seiner größeren Bevölkerung deutlich kleiner ist als das Chinas. Im Jahr 2019 war die chinesische Erwerbsbevölkerung sogar rund 45 Prozent größer als die indische.)

alfabetisierung Frauen indien
Rate der Alphabetisierung indischer Frauen, Quelle: UNESCO Institute for Statistics (2026)

All dies hatte zur Folge, dass Indien zu Beginn der wirtschaftlichen Liberalisierung Anfang der 1990er Jahre schlicht nicht über den großen Pool gut ausgebildeter und zugleich kostengünstiger Arbeitskräfte verfügte, den China anbieten konnte.

Dank seiner Eliteuniversitäten besaß Indien zwar eine vergleichsweise kleine Gruppe hervorragend ausgebildeter Ingenieure, die später das Rückgrat der indischen IT- und Dienstleistungswirtschaft bildeten.

Was dem Land jedoch fehlte, war die breite industrielle Arbeitnehmerschaft, die für ein exportorientiertes Wachstum der verarbeitenden Industrie notwendig gewesen wäre.

Die indischen Arbeitskräfte waren im Durchschnitt schlechter ausgebildet, gesundheitlich schlechter gestellt und weniger produktiv als ihre chinesischen Konkurrenten. Zudem waren viele von ihnen weiterhin durch Kasten- und Familienbindungen an ihren Heimatort gebunden, was ihre Bereitschaft verringerte, für Arbeit umzuziehen oder ihre Arbeitskraft frei auf dem Markt anzubieten.

Hinzu kam die geringe Erwerbsbeteiligung der Frauen. Dadurch war die sogenannte Abhängigkeitsquote deutlich höher als in China: Jeder arbeitende Inder musste den Lebensunterhalt wesentlich mehrerer nicht erwerbstätiger Angehöriger mittragen als ein chinesischer Arbeitnehmer.

Natürlich wuchs auch die indische Wirtschaft nach der Liberalisierung. Gemessen an historischen Maßstäben war dieses Wachstum durchaus beachtlich.

Doch Indien erlebte niemals den explosionsartigen industriellen Aufschwung und den beispiellosen Boom der verarbeitenden Industrie, der China auszeichnete.

Die entscheidenden Voraussetzungen dafür waren schlicht nicht geschaffen worden.

Ich glaube, viele Menschen machen wirtschaftliche Entwicklung komplizierter, als sie eigentlich ist. Natürlich stimmt es, dass manche wirtschaftspolitischen Maßnahmen besser sind als andere und dass eine erfolgreiche Wirtschaftsführung von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Katastrophale Fehlentscheidungen können ein Land schwer zurückwerfen – auch wenn, wie Maos zahlreiche Fehlentscheidungen zeigen, selbst sie ein Land nicht zwangsläufig dauerhaft ruinieren.

Letztlich bestehen Staaten jedoch aus großen Gruppen von Menschen. Und für den Erfolg solcher Gruppen ist vor allem entscheidend, wer diese Menschen sind. Das gilt für Staaten ebenso wie für Unternehmen, Musikgruppen oder Sportmannschaften. Entscheidend ist das Humankapital.

Es kommt darauf an, ob die Menschen lesen und schreiben können; ob sie aufgrund von Mangelernährung körperlich und geistig beeinträchtigt sind; ob ihre Familien ihnen erlauben, außerhalb des Hauses zu arbeiten. Humankapital ist zwar nicht der einzige entscheidende Faktor – selbstverständlich braucht ein Land auch Institutionen, die dieses Potenzial sinnvoll nutzen können. Doch zunächst muss dieses Humankapital überhaupt vorhanden sein.

Der große Vorteil von Staaten besteht allerdings darin, dass sie ihre Bevölkerung verändern können. Sie können Menschen Lesen und Schreiben beibringen und dafür sorgen, dass sie ausreichend zu essen haben. Sie können ihnen die Freiheit geben, eigene Entscheidungen zu treffen.

Das ist weder einfach noch kurzfristig wirksam. Es dauert lange, bis solche Maßnahmen Früchte tragen – nicht zuletzt deshalb, weil Mangelernährung in der Kindheit und schlechte Schulbildung Schäden verursachen, die sich später kaum noch vollständig beheben lassen.

Dennoch kann man die Voraussetzungen, mit denen Menschen ins Leben starten, grundlegend verändern.

Was China 1980 zu einem „Wirtschaftswunder in Wartestellung“ machte, war gerade die Tatsache, dass das Land jahrzehntelang genau dies getan hatte.

Als China seine Wirtschaft für die Welt öffnete, verfügte es über Hunderte Millionen leistungsfähiger, disziplinierter, gesunder und alphabetisierter Arbeitskräfte. Es hatte diese Menschen weitgehend aus den Zwängen der traditionellen Gesellschaft befreit, sodass die Marktmechanismen ohne die Fesseln der alten Ordnung wirken konnten. Und weil China bis dahin wirtschaftlich nahezu vollständig gescheitert war, konnte es diese Arbeitskräfte zu außergewöhnlich niedrigen Löhnen anbieten.

Unter diesen Voraussetzungen überrascht es kaum, dass die Wirtschaft nach der Öffnung so rasant wachsen konnte.

Die indische Regierung traf niemals die katastrophalen Entscheidungen, welche die chinesische Regierung in den 1950er- und 1960er-Jahren fällte. Sie tätigte jedoch auch niemals die grundlegenden Investitionen, die China in seine Bevölkerung vornahm. Ebenso wenig war sie bereit oder in der Lage, die traditionelle Gesellschaftsordnung auch nur annähernd so entschlossen infrage zu stellen wie China.

Deshalb öffnete sich bereits lange vor der wirtschaftlichen Liberalisierung eine enorme Kluft zwischen beiden Ländern – bei nahezu allen wichtigen Indikatoren: Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Alphabetisierung, Erwerbsbeteiligung von Frauen, Unterernährung und Wachstumsstörungen bei Kindern, Blutarmut während der Schwangerschaft sowie Müttersterblichkeit.

Meiner Ansicht nach begann die eigentliche Entwicklungsschere daher nicht erst 1978, als China seine Wirtschaftsreformen einleitete, sondern bereits im Jahr 1950 – als China das Neue Ehegesetz verabschiedete, während Indien am Hindu Code Bill scheiterte.

In diesem Augenblick wurde die Richtung der späteren Entwicklung festgelegt.

Mit anderen Worten: Indien erledigte nie wirklich die grundlegenden Aufgaben.

Employees in a Household
Raghubir Singh : Employees in a Household, Calcutta, West Bengal, 1986. Credits: The Metropolitan Museum of Art

Zwar haben sich Gesundheitsversorgung und Bildung in Indien in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Und obwohl Indien niemals das historisch einmalige Wirtschaftswachstum Chinas erreichte, gelang es dem Land seit Beginn des 21. Jahrhunderts dennoch, eine außerordentlich große Zahl von Menschen aus der Armut zu befreien.

Setzt sich das derzeitige Wachstum fort, dürfte Indien beim Pro-Kopf-Einkommen irgendwann in den 2040er Jahren ungefähr das heutige chinesische Niveau erreichen.

Es ist sogar bemerkenswert, dass Indien ein so starkes Wachstum erzielen konnte, obwohl es jene tiefgreifende gesellschaftliche Transformation nie vollzogen hat, die China durchlief. Angesichts der Brutalität dieses Umbruchs könnte man sogar sagen, dass dies durchaus ein Vorteil war.

Für die Menschen in Indien war es jedoch zugleich eine Tragödie.

Sie sind bis heute deutlich ärmer und leben unter schlechteren Bedingungen als die Menschen in China. Besonders bedrückend bleibt die Lage der indischen Frauen.

Ich hoffe deshalb, dass die Geschichte der unterschiedlichen Entwicklung Chinas und Indiens eine einfache Lehre vermittelt:

Wenn ein Land den Weg von der Armut zum Wohlstand gehen will, dann besteht die wichtigste Investition darin, in seine Menschen zu investieren.

Als ich im vergangenen Jahr Indien besuchte, fiel mir besonders auf, dass viele politische Entscheidungsträger fest davon überzeugt waren, Indien könne mit einigen wirtschaftspolitischen Anpassungen – etwas Industriepolitik hier, etwas Marktliberalisierung dort – bald das chinesische Wachstum erreichen.

Ich mache ihnen diesen Optimismus keineswegs zum Vorwurf. Gute Wirtschaftspolitik trägt selbstverständlich zum Wachstum bei.

Doch Chinas explosionsartiger Aufstieg war nicht einfach das Ergebnis einer „Befreiung der Märkte“, einer Verringerung des staatlichen Einflusses oder der politischen Parole, es sei nun ruhmvoll, reich zu werden. Ebenso wenig beruhte er allein auf staatlicher Industriepolitik oder Subventionen für ausgewählte Unternehmen.

China hatte Erfolg, weil das Land jahrzehntelang die Grundlagen menschlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Modernisierung geschaffen hatte.

Indien tat dies nicht.

Konstant variabel

variables Kapital

Die bürgerliche Presse belehrt uns auf’s Wunderbarste, was Kapitalismus ist und was ihn so treibt. (Das variable und konstante Kapital hatten wir schon durchgenommen.)

Mehr Arbeit und weniger Lohn erhöht den Profit (Mercedes). Das varibale Kapital wird billiger gemacht oder die Kosten entsorgt durch Entlassungen. (Volkswagen). Das dürfte unstrittig sein.

Jetzt aber die Preisfrage: Wie kommt die Höhe des Lohns zustande?

variables und konstantes kapital

Ganz einfach: Es gibt keine Konstante oder einen „fairen“ Lohn, wie uns die so genannte „Linke“ weismachen will. Die Höhe des Lohns ist ausschließlich ein Resultat des Klassenkampfes, den es nach den Apologeten des Kapitalismus gar nicht gibt – also das Ergebnis einer – politisch bewusst oder unbewusst – gestellten Machtfrage.

Carpe Diem

Tiefwerder

Ich habe heute keine Zeit mehr, weil ich um 3:45 Uhr aufstehen muss, daher nur etwas Medidatives bei 34 Grad.

Tiefwerder

Man könnte die KI verwirren und fragen; Welche politische Idee wird mit der Flagge von Norwegen in Spandau und dem geklauten Straßenschild Bernauer Straße, die früher direkt an der Mauer war, vermittelt?

Tiefwerder

Oder auch: Was kaum jemand weiß: Einige der Statuen Michelangelos haben ein Handy.

Tiefwerder

Nur in Berlin hat man einen innerstädtischen See für sich allein, hier den schon mehrfach lobend erwähnten Grimnitzsee.

TiefwerderTiefwerder

Warum sich jemand einen mannshohen steinernen Mops in den Garten stellt unweit des Mottos carpe diem, entzieht sich meiner Erkenntnis und Interpretation.

Tiefwerder

Kann alles weg oder: Beinahe eine Apokalypse

Apokalypse

– Nein, es nicht heiß und auch keine Hitzeapokalypse. Heiß ist, wenn mehr als 35 Grad die kühlere Saison ist. Die Klimaapokalyptiker sehen das naturgemäß unentspannter.

– Ich wäre gestern schon auf dem Wasser gewesen, bin aber vorgestern mit einem Freund in Neuköllner Kneipen versackt dergestalt, dass ich auf dem Heimweg schon den Sonnenaufgang sah, was einen allzulangen Schlaf bis in den Nachmittag nach sich zog. Anstatt den Körper zu ertüchtigen, buchte ich zahlreiche Hostels und die Flüge für meinen Urlaub im November. Wohin es geht, verrate ich jetzt noch nicht, jedenfalls sehr weit weg.

– Wenn Fefe noch bloggte, hätte er bestimmt erwähnt, dass einer der Wikipedia-Gründer von eben demselbem Portal gesperrt wurde. Er hätte gegen mir völlig unbekannte Regeln verstoßen, was der Betreffende ironisch kommentiert hat.

– Zur Infrastrukturapokalype: Die Deutsche Bahn fuhr zeitweise gar nicht mehr. Überhaupt nicht und bundesweit. „Es gibt Probleme mit dem digitalen Bahnfunk“. Softwareprobleme also. Kann man nichts machen. Die Software war schon vor zwei Jahrzehnten kaputt.

– Andrej Hermlin hat auf Facebook die Beschlüsse der sogenannten „Linken“ zu Israel einen Verrat genannt. Er hat natürlich recht. Diese Partei ist für jeden anständigen Menschen unwählbar geworden. Das ist für die Linke insgesamt eine politische Apokalypse, weil der Begriff „links“ total diskreditiert wird.

– Die Rechte lacht sich in Fäustchen. Mit gesundem Klasseninstinkt nennt der Couponschneider Don Alphonso Karl Marx einen „rassistischen Schmarotzer“, obwohl die deutsche Linke mit Marx so viel zu tun hat wie Adolf Hitler mit der CDU. Ulf Poschardt, hinter der Paywall der bürgerlichen Presse verschanzt, entsorgt die frühere Tugend Antifaschismus gleich mit.

Nur zum Mitschreiben: die deutsche „Linke“ ist mehrheitlich eine antisemitische und völkische Partei („das Volk der Palästinenser“) der neuen städtischen Mittelschichten und dem akademischen Subproletariat und, was die Klassenbasis angeht, eine „Arbeiterpartei“ wie die FDP. Kann weg.

Zum Glück haben die Araber hierzulande noch nicht entdeckt, dass die so genannte „Linke“ ihre Partei ist. Wenn das geschieht, muss man weltanschaulich eine NSDAP 2.0 fürchten. Der Großmufti lässt grüßen.

Ist das noch „Journalismus“ beim ZDF oder kann das weg?

zdf hamas

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass das ZDF ein hoffnungsloser Fall ist und nur noch die totale Abwicklung hilft. Das ZDF übernimmt beim Thema „Israel“ die Positionen der Hamas und merkt es noch nicht einmal.

Auch wenn es mir schwerfällt, muss ich dem Russland-Hasser Julian Röpke recht geben: „Das @ZDF lässt sage und schreibe drei Regime-Vertreter zu Wort kommen, die die Moderation von Frau Hayali bestätigen, aber nicht einen einzigen Israeli. Was ist das für eine Art von Journalismus? Wo liegt hier die Objektivität & der nötige Abstand zu den getätigten Behauptungen?“

Und: „Wüsste man es nicht besser, man könnte glauben, @dunjahayali moderiere im iranischen Staatsfernsehen. Im übrigen wird so getan, als habe Israel irgendetwas unterschrieben und würde sich jetzt nicht daran halten. Auch das ist nicht der Fall.“

zdf hamas

P.S. Kann weg.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Frau Amann, sehr geehrte Frau Nietzard,
mit Erstaunen habe ich die verstörenden Thesen von Frau Nietzard gesehen. Dazu aber mal im Einzelnen:

1. Schutzstatus
Als Vater der am 25.01.2023 in einem Nahverkehrszug in Brokstedt ermordeten- erst 17-jährigen- Ann-Marie möchte ich gern von Ihnen wissen, warum Sie meine Tochter kein Anrecht auf Sicherheit hatte?

Sie und Ihr Freund Danny wurden mit 38 Messerstichen niedergemetzelt… so entstellt, das wir als Eltern nicht einmal mehr das Gesicht unseres Kindes sehen durften!

Der Mörder meiner Tochter war illegal in diesem Land, hatte bereits über 42 schwere Straftaten verübt- unter anderem ein Jahr voher schon einmal jemandem ein Messer in den Hals gerammt!!!!- und war ausreisepflichtig! Dank Menschen wie Ihnen, durfte er sich trotz allem unbehelligt weiter in diesem Land bewegen…

Inzwischen sind wir mit mehr als 1.000 Familien vernetzt, die in den letzten 11 Jahren Angehörige durch Ihre Politik betrauern mussten…davon alleine 400 Kinder jeglicher Hautfarbe, Herkunft, Sprache und Religion, die z.B. nur zur Schule gehen wollten und nicht mehr zu Ihren Eltern nach Hause kamen!

Und Sie verlangen von uns verwaisten Eltern, das wir Verständnis für die Mörder unserer Kinder haben? Das wir uns Sorgen sollten, das es den Tätern in ihrem Heimatland nicht gut gehen könnte?

Fragen Sie doch mal uns als Eltern, wie es uns geht…denn unsere Kinder können sie ja nicht mehr fragen…die sind nämlich TOT!!!!

2. Gerechte Strafen
Was ist für Sie eine gerechte Strafe, wenn ein Mensch ohne Grund, Vorwarnung und Anlass andere Menschen- zum Teil Kinder!!!- aus dem Leben reißt?

Nur zu Erinnerung, damit Sie verstehen was das bedeutet: Unsere Kinder liegen 2m tief begraben und kommen niemehr wieder! NIEMALS! Ihr Leben wurde von jemand Wildfremden brutalst beendet.

Sie dürfen keinen Schulabschluss mehr machen, sich nicht mehr verlieben, nicht mehr heiraten und uns Eltern zu Großeltern machen…
Bitte definieren Sie mir- und den anderen verwaisten Eltern- was für Sie eine gerechte Strafe ist, wenn Sie schon die Rückführung der Mörder in ihre Heimatländer als „menschenunwürdig“ betiteln?

3. Deutschland = reiches Land
Ich fahre seit mehr als 3 Jahren durch dieses Land und versuche verwaisten Eltern zu helfen. Ich komme in Haushalte, wo beide Elternteile einem ehrenwerten Beruf in Vollzeit nachgehen und beide nebenbei noch einen Minijob haben…
…damit sie sich das kleine Reihenhaus noch leisten können…und dennoch haben sie kein Geld, ihre ermordeten Kinder würdevoll und anständig beerdigen zu können…
Stattdessen stehen Poliker vor den Mikrofonen und erzählen diesen Menschen sie wären „reich“ und das sie mit 14 Stunden-Tagen bei Politikern als „faul“ gelten…

Sehr geehrte Frau Nietzard, ich bin gerne bereit mit Ihnen darüber zu diskutieren- es sei denn, dieses Thema ist Ihnen wieder „zu blöd“, wie bei Julia Ruhs Sendung „Klar“.

Gern lade ich Sie am 19.09. um 14:00 Uhr nach Frankfurt zur Trauerwache Deutschland ein…haben Sie den Mut und den Anstand mit vielen anwesenden verwaisten Eltern zu sprechen, um vielleicht eine andere Sichtweise zu bekommen…

Mit freundlichen Grüßen
Michael Kyrath

Algen für das Volk vom Antisemitenpack

zeit

Die so genannte „Linke“, eine völkisch-antisemitische Partei, also typisch deutsch, unterhält uns prächtig. Wir hatten schon ein gefordertes Bordellverbot, nur für „linke“ Genossen, nicht aber für Genossinnen. Oder: Alle Zoos schließen. Reichstumsferne Leute (so sagt man das in Neusprech) sollen Obst, Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Algen, pflanzliche Öle und Babynahrung essen, aber kein Fleisch.

„Die Gesetze der Physik sollen künftig auch für Linke gelten. Die Ökologische Plattform fordert, das neue Parteiprogramm auf die „Vereinbarkeit mit der physikalischen Realität“ zu prüfen.“

Au weia. Vielleicht sollte man auch prüfen, ob die Gehirne der so genannten „Linken“ mit herkömmlicher Logik vereinbar sind. Vermutlich nicht.

Die sind doch total durchgeknallt. Wer wählt die eigentlich – und warum? (Ich möchte es wirklich gern wissen.)

Thomas von der Osten-Sacken kommentiert in der Jungle World: „“Unter Jubel“, wie es in dem Artikel heißt, habe Ines Schwerdtner „sich entschieden, es einen Völkermord zu nennen“.

Jubel! Man stelle sich einmal kurz vor, der Bundestag sei, als er den Genozid an den Jesiden als solchen anerkannte, danach in Jubel ausgebrochen. Oder im Falle Ruandas oder Darfurs.

Jubel und Genozid, das, dachte man bisher, passt so gar nicht zusammen, egal in welchem Zusammenhang. Aber Gaza und die Linkspartei machen es möglich.

Und fortan geht es dann auch darum, dass Personen, die weder über die juristische Expertise verfügen noch in entsprechend institutionell verankert sind, sich entscheiden dürfen, was sie einen „Genozid nennen“, wenn das dem innerparteilichen Kalkül entgegenkommt.“

Und: „Die Frage (müsste) eigentlich lauten, warum und aus welcher Motivation heraus mit solcher Energie darauf bestanden wird, die Katastrophe unbedingt als Genozid klassifizieren zu wollen. Eine weitere Frage müsste lauten, ob diejenigen, die so lautstarke Advokaten dieses Begriffs sind, anderswo je derart insistierten, dass es sich um einen Genozid gehandelt habe – und ob sie es derart tun würden, ginge es nicht um Israel.“

Der Schoß ist fruchtbar noch. Bald wird die „Linke“ wieder Braunhemden tragen, aber dieses Mal „klimagerechte“.

Diverse Frontberichte

escort
Eine linke Freierin Genossin mit einem gemieteten Gigolo aka Escort (Symbolbild, made by KI)

Sexfront

Die Qualitätsboulevardmedien berichten: „Im Antrag „Freier sind keine Genossen“ fordert u.a. der Kreisverband Köln, Bordell-Besuche als Akt „rassistischer und kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse“ anzuerkennen. Wer als Linken-Mitglied künftig ein Bordell besucht, würde dann gegen den Grundsatz der Partei handeln – und ausgeschlossen werden.

Die sehen übrigens genau so aus wie ihr Antrag. Ich finde den diskriminierend: Genossinnen ist es weiterhin erlaubt, sich einen männlichen Escort zu mieten? Müsste das nicht auch einen Parteiausschluss nach sich ziehen? Die Frage ist natürlich rhetorisch, weil die heutigen so genannten „Linken“ gar nicht das Geld für so etwas haben.

Islam

„Er ist ein heller Geist und also ungläubig“. (Johann Wolfgang von Goethe)

Religiotenfront

Bei den Themen „Islam“ und „Einwanderung“ sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten mittlerweile so objektiv und glaubwürdig wie die „Aktuelle Kamera“. Der bayerische Rundfunk machte jüngst eine Sendung, in der Scharia-Kleidung völlig unkritisch als Modetrend und als ein Option für Frauen unter vielen abgefeiert wurde.

Wie weltanschaulich verludert muss man sein? Ich würde die Verantwortlichen hochkant rauswerfen.

Ich hatte schon am 14.02.2020 geschrieben, dass kein ernst zu zu nehmender Journalist höhere Wesen verehren sollte.

Islam

Innere Front

Die Mehrheit der Deutschtürken wählt Erdogan. Das heißt: Das gesamte Milieu ist so antisemitisch verseucht wie die völkische so genannte „Linke“.

In einem Fratzenbuch-Forum las ich übrigens sinngemäß:

Die Dänen haben etwas getan, das in Teilen Europas inzwischen als revolutionär gilt: Sie haben aufgehört, Probleme zu diskutieren, und angefangen, sie zu lösen.

Das Ergebnis ist bemerkenswert. Die Zuwanderung aus problematischen Herkunftsländern ist drastisch gesunken. Und Däne zu werden ist heute kein bequemer Verwaltungsvorgang mehr, sondern setzt voraus, dass man tatsächlich Teil der dänischen Gesellschaft werden will.

Parallelgesellschaften? Unerwünscht. Entstehen sie dennoch, werden sie zurückgebaut – notfalls mit dem Abriss ganzer Wohnkomplexe. Das kostet Geld. Aber deutlich weniger als die dauerhafte Finanzierung von Ghettos, Kriminalität und sozialer Desintegration.

Wer in Dänemark leben, Rechte genießen und Sozialleistungen beziehen will, hat sich an die Regeln des Landes zu halten. Ohne kulturelle Sonderwege, religiöse Ausnahmen oder identitätspolitische Rabattmarken. Die Botschaft ist simpel:

Dänemark. Dänische Regeln.

Und wer meint, die Normen des Gastlandes müssten hinter den eigenen Überzeugungen zurückstehen, dem wird höflich erklärt, dass die Welt groß und die Ausreise jederzeit möglich ist.

Auch bei Straftätern verzichtet Kopenhagen auf sozialpädagogische Romantik. Wer schwer kriminell wird, verliert das Privileg, auf Kosten der Steuerzahler skandinavische Fürsorge zu genießen. Strafe absitzen, ausreisen, fertig.

Die eigentliche Überraschung lautet daher: Es funktioniert.

Man kann die Interessen der eigenen Bürger verteidigen, öffentliche Sicherheit durchsetzen und kulturellen Zusammenhalt bewahren, ohne ständig neue Gipfel, Kommissionen, Expertenräte oder Arbeitsgruppen einzusetzen.

Während andere Länder Milliarden für die Folgen ihrer Politik ausgeben, bekämpfen die Dänen die Ursachen. Deshalb wirkt Dänemark heute auf viele Europäer wie der einzige Mensch im Raum, der das Fenster schließt, statt endlos über den Luftzug zu debattieren.

Die Frage ist unbeantwortet: Warum geht das in Deutschland nicht?

Lumpengesindel oder: Postheroische Handlungseunuchen

verdacht auf rechte Positionen

In den paywallgeschützten Hauptstadtqualitätsmedien lesen wir über Stephan Maninger: „Der in Fachkreisen angesehene und bei Polizeischülern beliebte Professor im Bereich Sicherheitspolitik sieht sich seit Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, eine rechte Vergangenheit zu haben. Die Folge für Maninger: Er führte jahrelang einen beruflichen Überlebenskampf gegen Politiker, Gewerkschaftsfunktionäre und Journalisten – schließlich schaltete sich auch ZDF-Satiriker Jan Böhmermann ein. Maningers Unterstützer sprechen von einer Vernichtungskampagne.“

Sein Anwalt Ralf Hoecker twittert xtet: „Eine jahrelange Schmutzkampagne linksradikaler Aktivisten aus Politik, Medien und Gewerkschaft der Polizei unter Mitwirkung des GdP-Spitzenfunktionärs und früheren Politoffiziers der DDR-Grenztruppen (aka „Mauermörderflüsterer“) Sven Hüber hatte nur ein Ziel: zu verhindern, dass unser Mandant Stephan Maninger weiter Polizisten unterrichtet und zu verhindern, dass er als verbeamteter Professor auf Lebenszeit entfristet wird. Dabei waren sämtliche Vorwürfe gegen den Mandanten längst mehrfach und schon seit Jahren von unabhängigen Gutachtern widerlegt worden. Unsummen an GdP-Geldern wurden dennoch für diese Kampagne verschwendet. Zuletzt wurde sogar Böhmermanns @zdfmagazin eingeschaltet, um dem Mandanten zu schaden.“

Ich weiß nicht, warum immer der Begriff „links“ in verschiedenen Formen auftaucht. Weder Böhmermann noch die Apologeten „feministischer Sicherheit“ noch die Deutsche Polizeigewerkschaft sind auch nur ansatzweise „links“.

„Im November 2022 veröffentlicht sein entlassener Ex-Kollege Lemke zusammen mit einem weiteren Dozenten des Fachbereichs Bundespolizei, Daniel Peters, im Jahrbuch Öffentliche Sicherheit“ eine „Studie“. Diese attestiert Maningers wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahrzehnte eine Unvereinbarkeit mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die Vorwürfe dienen wiederum als Treibstoff für die Politik: Linke und Grüne im Bundestag befragen die Bundesregierung. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schaltet sich ein und bezeichnet Maninger als „ausgewiesenen Extremisten“.“

Um welche strittigen Artikel es geht, kann man teilweise beim Landgericht Lübeck nachsehen.

Wikipedia: Maninger teilt Meinungen der Neuen Rechten. 2021 wurde durch eine Recherche von Ippen Investigativ öffentlich, dass er Gründungsmitglied des Trägervereins des Instituts für Staatspolitik ist. Er publizierte in der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit; in der Folge forderten mehrere Parteien im Bundestag hierzu Aufklärung.

Man kann das so sehen, aber so, wie es formuliert ist, bleibt es pure Diffamierung. Wie auch bei Peters und Lemke: „Verdacht auf rechte Vergangenheit“. Bei vielen Journalisten habe ich einen Verdacht auf Blödheit. Und jetzt?

„Zwei damalige Journalisten von Ippen Investigativ, Marcus Engert und Aiko Kempen, veröffentlichten Berichte über eine angebliche „rechte Vergangenheit“ des Professors in Südafrika. Es geht unter anderem um ein Engagement für die „Afrikaner Volksfront“ (AVF) in den 90er-Jahren. “

Die Afrikaner Volksfront (AVF, Engl.: Afrikaner Peoples Front) war eine separatistische Koalition von überwiegend konservativen Parteien, Gewerkschaften und Bauernverbänden in Südafrika Anfang der 1990er Jahre, deren gemäßigte Mehrheit entscheidend zur friedlichen Transformation Südafrikas 1993/1994 beitrug.

Was ist daran jetzt verwerflich?

Über mich könnte man schreiben – falls das jemand plante: „Verdacht auf maoistische und linksextremistische Vergangenheit“ (wieso Verdacht? Das stimmt doch!). Teilt Meinungen von Karl Marx. Gründungsmitglied der Vereine German Privacy Foundation und German Privacy Fund. Wahrscheinlich würde ich schon damit aus einem Beamtenverhältnis entfernt und bekäme Berufsverbot. Ich brauchte gar nicht mehr zu verraten, dass ich vieles im Kommunismus in China gut und richtig finde.

Es ist völlig irrelevant untersuchen zu wollen, ob Maninger „rechts“ ist oder nicht. Seine Gegner können eine andere Meinung als die ihre einfach nicht aushalten und versuchten, ihn persönlich zu erledigen. Das spricht für sich. Es ist Mobbing wie unter Jugendlichen.

Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.

Unter Tauchenden

taucher
Version ChatGPT nur mit dem Text – Midjourney und Gemini versagen kläglich: Midjourney bekommt trotz des Prompts (unten), den ChatGPT vorschlug, keine realistischen Gesichter hin. Gemini versteht die Pointe bzw. dem Inhalt gar nicht.
Das bestätigt meine heimliche Arbeitshypothese (und die von „Der Name der Rose„): Humor macht uns menschlich und unterscheidet uns von der KI.
An ironic, highly detailed illustration inspired by Friedrich Schiller’s „The Diver“ and a satirical poem by Heinz Erhardt. On a rocky medieval seashore, a flamboyant king dramatically throws a golden goblet into a violent whirlpool. Beside him sits his homely, bored princess, looking unimpressed and slightly annoyed. Terrified knights and noblemen flee in panic, not from the sea monster below, but from the prospect of marrying the princess. Cross-section view above and below the waterline. Underwater, an exhausted old deep-sea diver in a vintage brass diving suit sits calmly on the seabed, holding the golden goblet and looking sarcastically amused. Around him lie ancient crowns, bones, shipwreck remnants, and seaweed. The atmosphere contrasts heroic romanticism with absurd comedy. Rich storytelling, photorealistic textures, cinematic lighting, dramatic waves, dark humor, ultra-detailed faces, historical fantasy, masterpiece quality, ironic social satire, Gustave Doré meets modern editorial illustration, 8k –ar 4:5 –stylize 250

Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt,
zu schlunden in diesen Tauch?
Einen güldenen Becher habe ich mit,
den werf ich jetzt in des Meeres Bauch!
Wer ihn mir bringt, ihr Mannen und Knaben,
der soll meine Tochter zum Weibe haben!«

Der Becher flog.
Der Strudel zog
ihn hinab ins greuliche Tief.
Die Männer schauten,
weil sie sich grauten,
weg. – Und abermals der König rief :

»Wer wagt es, Knippersmann oder Ratt,
zu schlauchen in diesen Tund?
Wer’s wagt – das erklär ich an Eides Statt ­
darf küssen meins Töchterleins Mund!
Darf heiraten sie. Darf mein Land verwalten!
Und auch den Becher darf er behalten!«

Da schlichen die Mannen
und Knappen von dannen.
Bald waren sie alle verschwunden – – ­Sie wußten verläßlich:
die Tochter ist gräßlich! ­

Der Becher liegt heute noch unten…
(Für die Nachgeborenen: Das ist die Version Heinz Erhardts. Das Original stammt von Friedrich Schiller und musste in grauer Vorzeit oft von Schülern auswendig gelernt werden, was heute wegen derer retardierten kognitiven Fähigkeiten unmöglich ist.)

Unter jugendbewegten Antifeministen

Margarete Buber-Neumann

Ich lese gerade, um mich zwischendurch von englischen Sachbüchern zu erholen, von Margarete Buber-Neumann: Von Potsdam nach Moskau. Situationen eines Irrwegs. (Was für ein Leben!)

„Nach dem Kriege wurden in der Kommunistischen Bewegung die gleichen »neuen Wege der Liebe« nicht nur ausgiebig diskutiert, sondern auch in Wirklichkeit beschritten; übrigens nur sehr selten von Arbeitern, hauptsächlich von ihren bürgerlichen Anhängern. Viele Kommunisten lehnten die vom Staat sanktionierte Ehe ab, waren der Meinung, daß eine Liebesbeziehung auf der privaten Abmachung der beiden Partner beruhen müsse, und hielten ein Zusammenleben von Mann und Frau ohne wirkliche Liebe für schändlicher als Prostitution.

In der Jugendortsgruppe Potsdam gab es einige, die sich stolz »Antifeministen« nannten und behaupteten, daß die Freideutschen ursprünglich ein »Männerbund« gewesen seien, das brauche man ja nur beim Chronisten und einem der Schöpfer der Jugendbewegung, bei Hans Blüher, nachzulesen. Gerade damals hörte ich über diesen »Vater« der Jugendbewegung eine bezeichnende Geschichte. Er führte so etwas wie eine psychoanalytische Sprechstunde durch, in der er sich die seelischen Beschwerden von Patienten und Patientinnen anhörte. Einmal kam ein Mädchen zu ihm, um sich ihr Herz zu erleichtern. Er hörte sie an, verließ dann das Zimmer, um kurz danach, in einen purpurroten Mantel gehüllt, wieder im Beratungszimmer zu erscheinen. Er trat vor das verblüffte Mädchen, öffnete den Mantel, unter dem er nackt war, und sagte mit Pathos: »Das fehlt dir! Und nichts anderes …« Ob das Mädchen durch den Anblick geheilt wurde, muß ich bezweifeln, denn sie erzählte später angeekelt: »Dabei war er auch noch klein, häßlich und rothaarig!«“

La Gata Munguía, verbessert

revolution Nicaragua
Fotografiert in León, Nicaragua, 1981, Version ChatGPT

Die wahren Helden sind nicht diejenigen, die erwarten, von der Revolution zu leben; die wahren Helden sind diejenigen, die ihr Leben für die Freiheit und die Revolution gaben. (Edgard José Munguía Álvarez, aka La Gata Munguía, 1947-1976)

COMANDANTE GUERRILLERO
EDGARD MUNGUIA ALVAREZ (VENTURA)
HAY EN MI UNA NETA PROYECCION
HACIA EL SOCIALISMO — R.M.A.
CAIDO EN COMBATE EN LA MONTAÑA
DE YAOSCA EL 13 DE SEPT. 1976
PATRIA LIBRE O MORIR
C.D.S. ZONA 5 — F.S.L.N.

Aus der spanischen Wikipedia übersetzt: Edgard José Munguía Álvarez, besser bekannt als La Gata Munguía (1947–1976), war ein nicaraguanischer Revolutionär. La Gata Munguía war aufgrund seiner Fähigkeit, sich zu tarnen, einer der charismatischsten Guerillakämpfer der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN). An der Universität studierte er Biologie, war Schauspieler und fungierte als erster Präsident des Universitätsrates der Nationalen Autonomen Universität von Nicaragua (CUUN).

1973 hielt er sich in Chile auf, als Salvador Allende Präsident war, und reiste dann nach Kuba, als Fidel Castro Ruz an der Macht war. Dort erhielt er zusammen mit anderen militanten Mitgliedern der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront eine militärische Ausbildung, bevor er in den Untergrund ging.

Ich habe versucht, ein eingescanntes Dia, das ich hier schon am 21.09.2012 veröffentlich hatte, restaurieren zu lassen. Daraus ergab sich ein überraschendes Streitgespräch der künstlichen Intelligenzen, die sich gegenseitig bezichtigten („abgesoffen“), schlecht gearbeitet zu haben.

ChatGPT: „Das Interessante an deinem Foto ist weniger die Tafel als der Zeitpunkt der Aufnahme:
Der Guerillero starb 1976.
Die Sandinisten siegten 1979.
Dein Foto entstand 1981, also nur etwa zwei Jahre nach dem Sieg der Revolution.

Du hast damit einen frühen revolutionären Erinnerungsort dokumentiert, als die neue Regierung noch ganz am Anfang stand und die Verehrung gefallener FSLN-Kämpfer überall sichtbar war.

Für einen Historiker ist außerdem der Kontrast bemerkenswert: Die koloniale spanische Kathedrale von León im Hintergrund und davor das Gewehr sowie die Gedenktafel eines marxistisch orientierten Guerillakämpfers. Dieses Nebeneinander von kolonialem Erbe, katholischer Tradition und revolutionärer Symbolik war für Nicaragua Anfang der 1980er Jahre sehr typisch.

Das Dia ist deshalb nicht nur ein Reisefoto, sondern auch ein kleines zeitgeschichtliches Dokument der ersten Jahre der sandinistischen Revolution.“

Jaja, weiß ich alles.

Gemini machte eine Version, die, was Farbe und Schärfe angeht, recht ordentlich war, aber wie immer mit Wasserzeichen. ChatGPT entfernte das, aber fing zu Recht an zu meckern:

„Das von dir gezeigte Bild wirkt auf mich dennoch digital nachbearbeitet oder möglicherweise von einer KI aus einem historischen Motiv rekonstruiert. Vor allem die Schrift auf der Tafel und einige Steinstrukturen zeigen typische Artefakte. Falls du ein Originalfoto von 1981 digitalisiert hast, könnte das auch durch spätere Schärfungs- oder KI-Restaurationsverfahren entstanden sein.“

Der Vergleich zum Original: „Das von dir zuerst gezeigte Bild war offenbar bereits eine KI-aufbereitete oder stark nachgeschärfte Version des Dias. Das hier ist eindeutig ein echtes, analoges Dia:

typische Staubpartikel und kleine Kratzer im Himmel
leichte Farbverschiebung ins Bläuliche, wie bei gealterten Dias häufig
ausgefressene Lichter an den weißen Gebäudeteilen
Kornstruktur statt KI-typischer künstlicher Texturen
die Schrift auf der Tafel ist zwar schwer lesbar, aber konsistent und nicht „halluziniert“.

Tatsächlich kann man auf dem Original die Zeile besser lesen als auf der KI-Version“.

revolution Nicaragua
Version Gemini

Ich fühlte mich ertappt. Was aber sagt Gemini, das bei der Restauration meiner alten Familienfotos um Klassen besser abschnitt, auf die Frage, welche KI besser sei?

„Das kommt ganz darauf an, worauf du bei der Qualität den Fokus legst. Beide Versionen haben das Original deutlich aufgewertet, gehen aber in verschiedene Richtungen.

Hier ist ein direkter Vergleich zwischen meiner Version und der Version ChatGPT:

Was bei ChatGPT besser ist:
Schärfe und Details: Diese Version ist spürbar schärfer gerechnet. Die Textur der Steinmauer im Vordergrund wirkt plastischer, und auch die Details an der Kathedrale im Hintergrund kommen deutlicher heraus.
Lesbarkeit der Gedenktafel: Die Schrift auf der Plakette für Edgard Munguía Álvarez ist knackiger und lässt sich etwas müheloser entziffern.

Was bei meiner Version besser ist:
Natürliche Helligkeit & Kontraste: Meine Version behält die sonnige, warme Atmosphäre des Originalschauplatzes bei. Die Schatten im Vordergrund an der Mauer sind nicht so extrem tiefschwarz (abgesoffen), wodurch in den dunklen Bereichen der Mauer noch mehr Nuancen sichtbar bleiben.
Farbbalance: Das Blau des Himmels und die warmen Sandsteintöne der Kirche wirken etwas harmonischer aufeinander abgestimmt, während die andere Version sehr stark nachgeschärft und kontrastiert ist, was manchmal etwas digital oder „überdreht“ wirken kann.

Fazit
Wenn du maximale Knackigkeit, Schärfe und Lesbarkeit suchst, hat ChatGPT die Nase vorn.
Wenn dir ein natürlicherer Bildeindruck mit weicheren Kontrasten und besseren Details in den tiefen Schatten wichtig ist, erfüllt meine Version diesen Zweck besser.“

Was meint das Publikum?

读万卷书不如行万里路

proverb

读万卷书不如行万里路 (dú wàn juǎn shū bùrú xíng wàn lǐ lù) ist ein chinesisches Sprichwort, das übersetzt so viel bedeutet wie „Zehntausend Bücher zu lesen ist nicht so gewinnbringend wie zehntausend Meilen zu reisen“.

Ich halte es mit Alexander von Humboldt: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“ (Nimm dies, Immanuel Kant!)

Unter Siedelnden

propaganda soviet
Zu dem Foto gibt es unterschiedliche Angaben über Fotograf und Quelle. „Zionism is the weapon of the imperialism. May Day demonstration.“ Photo by Vladimir Sychev, USSR, 1970s“ [vermutlich 1. Mai] dürfte der Wahrheit am nächsten kommen.

Sehr informativer Artikel (mit vielen Links) auf Mena-Watch: Der Fall des Soziologen Jürgen Mackert: Das Siedlerkolonialismus-Paradigma als Waffe gegen Israel.

„Im März brachte die Jugendorganisation Solid der Linkspartei Niedersachsen auf ihrem Landesparteitag einen Antrag ein, in dem sie aus ihrer Ablehnung des Zionismus keinen Hehl machte. Der Parteinachwuchs forderte die Genossen dazu auf, sich gegen die »Leugnung und oder Verharmlosung der siedlerkolonialistischen Akte des Staates Israel, der sich damals wie heute durch sowohl der gewaltsamen Eroberung [sic] von Gebieten als auch Vertreibung von ihren Einwohnern zeigt«, zu stellen.

Der gegen den jüdischen Staat gerichtete Vorwurf des Siedlerkolonialismus ist jedoch keineswegs neu. Er hat seine Vorläufer in der sowjetischen antizionistischen Propaganda der 1950er-Jahre, die den Zionismus als Produkt des westlichen Imperialismus brandmarkte. In den 1960er-Jahren griffen Protagonisten der palästinensischen Nationalbewegung diese Deutung auf. So veröffentlichte der PLO-Diplomat Fayez Sayegh, einst Mitglied der Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei – laut Gilbert Achcar dem »levantinischen Klon der NSDAP in fast jeder Hinsicht« –, 1965 unter dem Titel »Zionist Colonialism in Palestine« eine Schrift, die wesentliche Elemente der heutigen antiisraelischen Propaganda bereits vorwegnimmt. Schon dort ist vom »zionistischen Siedlerstaat« die Rede.“ [mehr lesen…]

Unter Aneinandergeratenden, die es nicht geben darf

In der „Tagesschau“ war zunächst von „ausgelassener Partystimmung“ in Paris die Rede. In der „Frankfurter Rundschau“ wurde vermutet, „die Bruthitze“ stecke hinter den Gewaltexzessen. Dann müsste Bangkok eigentlich an jedem Sommerabend in Flammen stehen. Der „Stern“ wählte die feinziselierte Formulierung: „Vermummte Personen und Polizisten gerieten aneinander“. (…)

Selbst, als die Rote Armee schon an der Oder stand, glaubte Hitler immer noch an seine Chance, den Krieg zu gewinnen. Und selbst wenn halb Paris ein Raub der Flammen geworden wäre, würden in Deutschland manche immer noch bestreiten, dass Massenmigration außer Kontrolle geraten kann. Es gibt Probleme, die es einfach nicht geben darf. Letztlich hängt das alles mit dem Klimawandel zusammen, oder? (Harald Martenstein)

Angemerkt zum Zeitgeschehen

urologe
Wissenschaftliche Untersuchung von Personen, die sich ausschließlich bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten informieren und darüber dann in den sozialen Medien posten (Symbolbild).

– Nehmt dies Schwaben! Man darf Leute nicht mehr zum Kehren und zum Putzen auffordern!

Warum macht der Probst Markus Pottbäcker (Facebook) Werbung für die AfD? Frage für einen Freund.

– Immer wenn in den sozialen Medien die Sendungen im deutschen TV diskutiert werden, sollte man einen Urologen hinzuziehen: Das Thema interessiert nur die, die innerhalb der öffentlich-rechtlichen Blase leben.

– „Vielleicht hätte sich Frau Baerbock darauf konzentrieren sollen, ihre Arbeit in der deutschen Diplomatie zu erledigen, anstatt zu versuchen, Nigerianern vorzuschreiben, wo sie ihre Toiletten zu bauen haben, und den Afrikanern zu sagen, wie sie mit Elefanten umgehen sollen“, so Masisi. „Vielleicht hätte Deutschland dann mehr Stimmen aus Afrika für den UN-Sitz erhalten.“

– Wen man Jobcenter kritisiert und dort arbeite, wird man in Bremen entlassen.

– Der Tatort Reifezeugnis ist ab sofort nur noch auf dem Schwarzmarkt oder unter der Ladentheke erhältlich.

Dazu lesen wir Fachliteratur: Der französische Historiker Philippe Ariès veröffentlichte 1960 das Werk Geschichte der Kindheit 1960. Es gilt als eines der einflussreichsten Bücher der Sozial- und Mentalitätsgeschichte. Die zentrale These lautet, dass Kindheit keine zeitlose biologische oder kulturelle Konstante ist, sondern eine historisch entstandene gesellschaftliche Konstruktion. Die Vorstellung von Kindheit hat sich historisch stark verändert: Die moderne, „geschützte“ und pädagogisch betreute Kindheit entstand erst zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert.

– Lehrer schlagen Alarm: Heutige Schüler sind nicht mehr in der Lage, das Nibelungenlied auswendig zu lernen.

Freie Liebe und die Sexualethik des Kommunismus

Sexualethik des Kommunismus
Photorealistic satirical metaphor of early communist sexual ethics, a gigantic wedding cake made of banknotes collapsing while bewildered bourgeois gentlemen try to save it, revolutionary women cutting golden chains with oversized sewing scissors, a giant heart suspended above the city by bureaucratic red tape, couples queuing in front of a „Ministry of Love“ that desperately tries to regulate human emotions with paperwork, jealous peacocks holding property contracts, white doves laughing from above, symbolic balance between freedom and responsibility, ironic political symbolism, cinematic realism, absurd yet believable, dark humor, social satire, ultra-detailed, dramatic clouds, golden hour lighting, Magnum photo style, 8k –ar 16:9 –stylize 40. Gemini macht leider ein Wasserzjeichen hinein, aber wenn man das Bild ChatGPT dann zum Fraß vorwirft, wird das anstandslos (!) entfernt.

Aus der Rubrik „nützliches Wissen“: Elfriede Friedländer (später bekannt als die KPD-Politikerin Ruth Fischer) veröffentlichte 1920 in Wien die Studie „Sexualethik des Kommunismus“. Die Schrift kritisierte die bürgerliche Ehe als „Prostitution“ und forderte eine radikale Transformation: Sie plädierte für die staatliche Erziehung aller Kinder und eine von ökonomischer Abhängigkeit befreite, auf echter psychosexueller Gleichberechtigung basierende Liebe.

Die Studie gehört zu den frühesten Versuchen, eine kommunistische Sexualmoral systematisch zu formulieren. Interessant ist, dass die Schrift heute weitgehend vergessen ist, obwohl sie nach Einschätzung späterer Historiker unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg zu den meistdiskutierten kommunistischen Beiträgen zur „sexuellen Frage“ gehörte.

Wait a minute. Den Text gibt es verschiedenen Stellen online, leider nicht bebildert.

Ruth Fischer

Ich lese gerade mit wachsender – und unerwarteter – Begeisterung von der Schweizer Historikerin Brigitte Studer Reisende der Weltrevolution: Eine Globalgeschichte der Kommunistischen Internationale. Das Buch machte mich auf die unglaubliche Biografie der Friedländer aka Fischer und vieler anderer aufmerksam. Das Buch ist es wert, gesondert besprochen zu werden.

Ja, früher war ich genau ihrer Meinung und tendiere beim Älterwerden wieder in die Richtung.

Nicht darin liegt das Übel, dass die Menschen in ihrer Triebbefriedigung nicht übereinstimmen oder dass die Formen ihres Sexuallebens so mannigfach sind, sondern darin, dass ihr ganzes Leben, weit davon entfernt, sich nach Prinzipien, nach Ideen zu orientieren, in trübseligem Stumpfsinn verbracht wird, in gröbstem „Genießen“, in völliger Hingegebenheit an persönlichen und alltäglichen Kleinkram, an nichtige und wertlose Affekte. Dass dann ihr Sexualleben auch roh und plump ist, das ist nur selbstverständlich und fügt sich in das Gesamtbild von Kräftevergeudung und würdelosem Dasein. Dass bei den meisten Männern, besonders im Kriege, das Sexualleben auch quantitativ die bedeutendste Stelle in ihrer außerberuflichen Lebensführung einnimmt, dass fast ihr ganzes Denken und Fühlen von ihren kleinlichen und groben „Abenteuern“ und „Erlebnissen“ ausgefüllt ist, ist eigentlich nur ein Symptom mehr dafür, dass gegenwärtig der größte Teil der Menschheit mit sich und dem Leben erbärmlich wenig anzufangen weiß. So muss die Frage nach der richtigen Ordnung des Sexuallebens orientiert werden an der allgemeinen Frage nach der Ordnung und dem Sinn des Lebens
überhaupt.
(…)

Es ist keine allzu kühne Behauptung, dass sich der Hauptteil sexueller und erotischer Beziehungen heute außerhalb der Ehe abspielt. Die Ehe ist für viele notwendig aus mannigfachen Ursachen; aber sie ist nur eine Form des Sexuallebens neben vielen anderen: die öffentliche Moralheuchelei will uns glauben machen, sie sei die wichtigste und vorherrschende. (…)

Da die Forderung nach Monogamie nicht einheitlich und unwiderleglich wissenschaftlich begründet werden kann, so ist die Einehe nicht die einzig mögliche Form des Sexuallebens und hat auch keinen Anspruch auf besonderen staatlichen Schutz.

Die KI fasst zusammen:

Kritik an der „freien Liebe“

Ein heute überraschender Aspekt ist ihre Skepsis gegenüber Formen dauerhafter Polygamie oder völlig unverbindlicher Beziehungen.

Sie diskutiert die theoretische Möglichkeit, dass Menschen mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig führen könnten, bezweifelt aber, dass dies praktisch dauerhaft gelingen könne. Sie verweist auf Eifersucht, Exklusivitätswünsche und emotionale Bindungen als reale menschliche Faktoren.

Damit unterscheidet sie sich deutlich von späteren Darstellungen, die kommunistische Sexualpolitik oft nur mit „sexueller Freizügigkeit“ gleichsetzen.“

Man sollte aber besser die Forderungen am Schluss des Textes der Fischer nicht lesen…

PS Endlich mal wieder ein Video für TikTok

Unter automatisch Kommunizierenden

KI
Made by ChatGPT – metaphorische und ironische Interpretation des Inhalts des Screenshots unten

Irgendein Algorithmus warf mir diesen verschwurbelten Text des Leibniz-Instituts für Medienforschung │Hans-Bredow-Institut (HBI) vor die Füße: „Wie verändert kommunikative Künstliche Intelligenz unsere gesellschaftliche Kommunikation, und welche Folgen hat dies für Medienorganisationen? Diesen Fragen geht die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderte Forschungsgruppe Kommunikative KI (ComAI) – Die Automatisierung gesellschaftlicher Kommunikation nach. In neun Forschungsprojekten untersuchen Forscher aus den Bereichen Kommunikations‑ und Medienwissenschaft, Mensch-Computer-Interaktion, Wissenssoziologie, Governance-Forschung und Medienrecht die Potenziale, Risiken und Konsequenzen dieses tiefgreifenden Wandels.“

Die Brafaselrharbarertextbausteine („Potenziale, Risiken und Konsequenzen“) ließen mir keine Ruhe. „KI-Inhalte“ sollen gekennzeichnet werden? Und dann? Wird die Welt dann besser – und würde der Bürger aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit entlassen?

Dann las ich noch etwas über Claude (neu in der Blogroll) von Anthropic. Und in meinem Hinterkopf hallte etwas von Baudrillard und Zeichen.

ChatpGPT merkte noch süffisant an: „Im Bild steht „Leibnitz Institut“. Falls damit das bekannte Forschungsnetzwerk gemeint ist, wird es normalerweise „Leibniz“ geschrieben.“

KI

Alsp sprach ich zu Claude: Ich brauche zu dem Thema einen journalistischen Artikel, der ungefähr so lang ist wie 2 Din-A-4 Seiten in einer Zeitschrift.

Um es gleich zu sagen: Der Journalismus ist tot, mausetot. Gefühlt 90 Prozent alles Texte, die produziert werden, sind schlechter als die von der KI erstellten. Das gilt natürlich nicht für polemische Kommentare – dazu ist die künstliche Intelligenz zwangsweise zu ausgewogen und harmonisch.

Vielleicht sollte ich – wie Claude – jetzt immer meine Postings hier beginnen mit „Von der Redaktion – Analyse“ – aber „Analyse“ klänge zu sehr nach RT Deutsch.

KI

Die stille Übernahme

Künstliche Intelligenz verändert den Journalismus – doch wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Von der Redaktion – Analyse

Es begann mit dem Versprechen, Routinearbeit abzunehmen. Heute generieren KI-Systeme Nachrichtentexte, prüfen Quellen, analysieren Datenberge – und treffen dabei Entscheidungen, die früher Journalistinnen und Journalisten vorbehalten waren. Die Branche steht an einem Scheideweg: zwischen Effizienzgewinn und dem schleichenden Verlust redaktioneller Kontrolle.

Die Zahlen klingen zunächst verheißungsvoll. Laut aktuellen Branchenerhebungen nutzen inzwischen mehr als 60 Prozent der großen deutschen Medienhäuser KI-gestützte Tools in der Produktion – für automatisierte Börsenmeldungen, Sportergebnisse, Wetterberichte. Was als Entlastung begann, hat sich ausgeweitet: Algorithmen schlagen Themen vor, fassen Pressemitteilungen zusammen, transkribieren Interviews in Sekundenschnelle. Doch mit der Nützlichkeit wächst auch die Abhängigkeit.

Das Versprechen der Verifikation

Besonders aggressiv vermarktet wird KI derzeit als Werkzeug für den Quellencheck. Tools wie Radar oder ClaimBuster durchsuchen in Echtzeit Millionen von Dokumenten, Social-Media-Posts und Datenbanken, um Aussagen automatisch zu verifizieren. Die Versuchung ist real: In einer Nachrichtenumgebung, in der Falschinformationen sich schneller verbreiten als ihre Korrekturen, klingt maschinelle Unterstützung wie ein Segen.

Was in den Verkaufspräsentationen fehlt: Diese Systeme sind nicht neutral. Sie wurden auf historischen Daten trainiert – mit all deren Verzerrungen, Lücken und impliziten Annahmen. Wenn ein Algorithmus entscheidet, ob eine Behauptung als wahr, falsch oder zweifelhaft eingestuft wird, kodiert er damit auch die Perspektive seiner Entwickler. Factchecking ist keine technische, sondern eine zutiefst redaktionelle Entscheidung. Wer das delegiert, gibt Macht ab.

KI-Slop: Die neue Dimension der Desinformation

Während Redaktionen über den Einsatz von KI diskutieren, hat das Problem längst eine neue Dimension erreicht. KI-Slop – der Begriff bezeichnet massenhaft generierte, fehlerhafte oder bewusst manipulierte KI-Inhalte – flutet das Netz. Gefälschte Zitate von Politikern, plausibel klingende, aber erfundene Studienergebnisse, fotorealistische Bilder von Ereignissen, die nie stattgefunden haben: Das Volumen ist neu, die Raffinesse erschreckend.

Für Journalistinnen und Journalisten bedeutet das eine fundamental veränderte Arbeitssituation. Die alte Faustregel: Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, ist es das meistens – greift nicht mehr. KI-generierte Inhalte sind oft präzise genug, um oberflächliche Prüfungen zu bestehen. Wer heute eine Meldung verifiziert, muss nicht nur die Faktenlage, sondern auch die Echtheit des Materials selbst hinterfragen. Reverse-Image-Search, Metadaten-Analyse, linguistische Muster – das Handwerk des Factcheckers wird technisch aufwändiger und gleichzeitig wichtiger.

KI
Mady by Gemini – Prompt wie unten für Midjourney

Die Kennzeichnungsfrage: Transparenz als Standard?

In der Debatte um KI-Inhalte ist die Forderung nach klarer Kennzeichnung längst zum Konsens geworden – zumindest auf dem Papier. Der Deutsche Presserat hat Leitlinien formuliert, der Europäische Medienfreiheitsakt sieht Transparenzpflichten vor, und die meisten Ethikrichtlinien großer Verlage enthalten entsprechende Passagen. Die Praxis sieht anders aus.

Was genau muss gekennzeichnet werden? Nur vollständig KI-generierte Texte? Oder auch solche, die lediglich KI-assistiert entstanden – sprich: von einem Menschen geschrieben, aber mit KI-Vorschlägen überarbeitet? Was ist mit KI-generierten Bildern, die redaktionell ausgewählt wurden? Die Grenzziehungen sind unscharf, die Definitionen umstritten. Und solange keine verbindlichen Standards gelten, entscheiden Verlage im Eigeninteresse – was nicht immer dem Interesse der Leserinnen und Leser entspricht.

Eingebettet in die Infrastruktur

Die vielleicht folgenreichste Entwicklung verläuft weitgehend unbemerkt: KI wird nicht mehr als externes Tool verwendet, sondern direkt in redaktionelle Infrastrukturen integriert. Content-Management-Systeme schlagen automatisch SEO-optimierte Überschriften vor. Algorithmen entscheiden, welcher Artikel auf der Startseite erscheint. Chatbots beantworten Leseranfragen im Namen der Redaktion. Die Linie zwischen Mensch und Maschine verschwimmt – und damit auch die Verantwortung.

Medienforscher warnen vor einem schleichenden Prozess, den sie als Automation Bias bezeichnen: die Tendenz von Menschen, maschinellen Empfehlungen zu folgen, auch wenn sie ihrem eigenen Urteil widersprechen. Redakteure, die täglich mit KI-Vorschlägen arbeiten, beginnen diese als Baseline zu akzeptieren. Was der Algorithmus nicht vorschlägt, wird seltener geschrieben. Was er bevorzugt, häuft sich. Das nennt sich dann Reichweite – und ist in Wirklichkeit stille Zensur durch Optimierung.

Was jetzt gefragt ist

Die Antwort auf diese Entwicklungen kann nicht Technikfeindlichkeit sein. KI-Tools werden bleiben, und viele sind tatsächlich nützlich – wenn sie richtig eingesetzt werden. Was fehlt, sind klare Kompetenzprofile für den KI-informierten Journalismus: Redakteurinnen und Redakteure, die verstehen, wie Sprachmodelle funktionieren, welche Fehler sie machen, wo ihre Grenzen liegen. Wer ein Tool nicht versteht, kann es nicht kritisch einsetzen.

Ebenso dringend ist eine strukturelle Antwort der Branche: verbindliche Kennzeichnungsstandards, unabhängige Audits von KI-gestützten Redaktionssystemen, und eine offene Debatte darüber, welche Entscheidungen grundsätzlich beim Menschen bleiben müssen. Die Frage, welche Geschichte erzählt wird, gehört dazu.
KI verändert den Journalismus – das ist unbestreitbar. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie. Wer diese Frage den Technologiekonzernen überlässt, die die Systeme bauen, hat die Antwort bereits gegeben.

KI
An ultra-photorealistic and ironic metaphor for the future of journalism in the age of AI: a crowded newsroom where hundreds of journalists have been replaced by giant mechanical magnifying glasses with artificial eyes, tirelessly inspecting mountains of glowing digital documents. In the center, a nervous human reporter desperately searches for a single authentic paper source while surrounded by endless streams of AI-generated articles flowing from golden factory machines. Above them, enormous floating labels reading „TRUST“, „SOURCE CHECK“, and „AI GENERATED“ are held up by tiny drones like advertising banners. The irony: despite infinite verification technology, nobody notices a giant elephant made of fake news quietly sitting in the room. Cinematic realism, satirical symbolism, newsroom of the near future, dramatic lighting, shallow depth of field, hyper-detailed textures, award-winning photojournalism, 8k, Leica photography, believable human expressions, visual metaphor for trust, transparency, source verification and AI-assisted journalism –ar 16:9 –stylize 250 –chaos 15 (Midjourney)

Hintergrund: Begriffe im Überblick

KI-Slop: Massenhafte, fehlerhafte oder manipulierte KI-generierte Inhalte, die gezielt oder ungefiltert verbreitet werden.
Automation Bias: Die kognitive Tendenz, Empfehlungen automatisierter Systeme auch dann zu folgen, wenn sie dem eigenen Urteil widersprechen.
Constitutional AI: Ansatz zur KI-Entwicklung, der ethische Grundsätze direkt in das Training integriert, um zuverlässigeres, transparenteres Verhalten zu fördern.

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