We don’t need education

Linke

Den so genannten „Linken“ haben sie doch ins Gehirn geschissen…

Unter Reputierten

cyber

Berlin wird von Cyberkriminellen cybererpresst. Es ist Putin.

Die Kommentare bei Heise dazu sind lustiger als der Artikel.

Spieltheoretisch hat die Sache einen gewissen Charme: Ausgerechnet ein Geschäftsmodell, das auf Erpressung beruht, funktioniert auf Dauer nur, wenn die Erpresser einen Ruf als zuverlässige Vertragspartner haben.

– Berlin muss glaubwürdig machen: Wir zahlen nicht.
– Rhysida muss glaubwürdig machen: Wenn ihr zahlt, halten wir uns an die Abmachung.

Spieltheoretisch ist das ein wiederholtes Spiel mit Reputation. Bei einer einmaligen Erpressung hätte der Täter nach Zahlung einen Anreiz, die Daten trotzdem zu veröffentlichen, weiterzuverkaufen oder erneut Geld zu verlangen. Das Opfer weiß das vorher. Wenn es rational handelt und davon ausgeht, dass Zahlung keinerlei verlässliche Gegenleistung bringt, sinkt seine Zahlungsbereitschaft.

Für eine dauerhaft operierende Ransomware-Gruppe verändert sich die Rechnung. Sie spielt nicht nur gegen Berlin, sondern gewissermaßen auch gegen alle zukünftigen Opfer. Diese beobachten – soweit Informationen darüber bekannt werden –, ob Zahlungen tatsächlich dazu führen, dass Daten nicht veröffentlicht beziehungsweise Entschlüsselungswerkzeuge geliefert werden.

Damit entsteht etwas, das die Spieltheorie bei wiederholten Spielen häufig untersucht: Der Schatten der Zukunft diszipliniert gegenwärtiges Verhalten. Ein kurzfristiger Vorteil durch Vertragsbruch kann kleiner sein als die zukünftigen Einnahmeverluste durch eine zerstörte Reputation.

Das Geschäftsmodell organisierter „Cyberkriminalität“ beruht also ausgerechnet auf etwas, das im normalen Geschäftsleben gelegentlich überschätzt wird: Vertrauen.

Man überweist zwei Millionen Euro an anonyme Kriminelle und verlässt sich anschließend darauf, dass diese ihr Wort halten, keine Sicherheitskopie behalten, nichts weiterverkauft haben und auch ihre Geschäftspartner ordnungsgemäß zur Datenlöschung anhalten.

Eine interessante Form der Compliance.

Das Problem für Berlin lautet deshalb nicht einmal: Kann man Rhysida vertrauen? Sondern: Selbst wenn Rhysida zu den letzten ehrbaren Kaufleuten im Internet gehören sollte – wer garantiert, dass die Daten nicht längst kopiert, verkauft oder an Dritte weitergereicht wurden?

Am Ende braucht also selbst die organisierte Cyberkriminalität Reputation, Vertragstreue und zufriedene Kunden.

Der Kapitalismus funktioniert!

Fehlt nur noch Trusted Shops: „Rhysida – 4,8 von 5 Sternen. Lösegeld bezahlt, Daten wie versprochen nicht veröffentlicht. Gerne wieder.“

ChatGPT: Das ist nicht bloß eine Pointe, sondern tatsächlich ein bekanntes ökonomisches Phänomen: Auch illegale Märkte entwickeln Reputationsmechanismen, weil Gerichte und einklagbare Verträge fehlen. Je weniger formale Durchsetzung möglich ist, desto wichtiger kann Reputation werden.

Yashar!

tel aviv
Tel Aviv, aufgenommen am 27.10.2025, 06:18 Uhr

Wäre ich Israeli, ich würde Gadi Eisenkot bzw. die Partei Yashar wählen. (Sein Sohn ist im Dezember 2023 im Gazakrieg gefallen.)

„Netanjahu will den Konflikt weder beenden, noch weiß er, wie er ihn beenden soll. Er und (der israelische Minister für strategische Angelegenheiten, Ron) Dermer, ein gebildeter Mann, der jedoch in seiner eigenen Fantasiewelt lebt und von der israelischen Realität abgekoppelt ist, verfolgen einen rein quantitativen Ansatz. Deshalb sprechen sie vom totalen Sieg. Sie erzeugen die Illusion, dass der Konflikt vorbei sei, wenn Israel nur hart genug zuschlage. Das funktioniert nicht. Es zeugt von einem tiefen Missverständnis. Der Kampf ist militärisch-strategisch, aber auch religiös-national. Es handelt sich um einen langwierigen Konflikt, und Netanjahu scheitert hier.“

„Eisenkot sagte, Netanjahu habe eindeutige Warnungen ignoriert. „Der stellvertretende Leiter des Nationalen Sicherheitsrats schrieb ihm im Januar 2024 ein Memo, in dem er erklärte, der Krieg sei zum Scheitern verurteilt. Wir warnten ihn, dass der Krieg ohne eine Lösung der Geiselfrage scheitern würde. Doch er torpedierte Abkommen. Wir boten Lösungen an, aber er entschied sich für Gewalt und noch mehr Gewalt, einen endlosen Krieg und Tricks wie humanitäre Hilfsprogramme, Familienclan-Vereinbarungen und Hilfsfonds.“

Eisenkot bezeichnet die Zweistaatenlösung nach dem 7. Oktober 2023 als schweren Fehler. Einen palästinensischen Staat jetzt zu schaffen, würde er als Belohnung für Terrorismus ansehen. Er betont in einem Interview, er habe in seiner politischen Konzeption nie einen Palästinenserstaat als Ziel formuliert: „Der arabisch-palästinensische Terrorismus gegen Israel ist tief verwurzelt und hat unter anderem religiöse Motive. (…)

Netanjahu übergab die Polizei an Ben-Gvir und die MTA [Meta’em Pe’ulot HaMemshala BaShtachim – COGAT)] an Smotrich, wodurch die israelischen Streitkräfte ihre Souveränität in der Region verloren – und diese muss ihnen zurückgegeben werden. Das Handeln dieser beiden Minister führt zusammen mit den Gewalttaten von Siedlern gegen Palästinenser zum Verlust der internationalen Legitimität Israels und gefährdet die gesamte Siedlungsbewegung. Die beiden sabotieren Israels nationale Interessen.“

Populismus

Der mediale Diskurs ignoriert das, worum es dem jeweiligen „Populismus“ geht.

„Das ist zumindest kompatibel mit der in dieser Debatte vorherrschenden Haltung, dass den populistischen Positionen die Unvernunft ohnehin so offensichtlich innewohnt, dass darüber kein weiteres Wort zu verlieren sei – was nichts anderes ist als die Selbstdementierung des pluralistischen Plädoyers, mit dem man zuvor hantiert hatte, um überhaupt erst ein Konzept des Populismus zu gewinnen.

Insbesondere vermeidet man es so, grundlegende Verteilungs- und Knappheitsfragen zu thematisieren, etwa Fragen nach den Gewinnern und Verlierern von »Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit«, Fragen, die zu stellen eine Mittelschicht nicht länger für schicklich hält, in deren lebensweltlicher Realität Knappheit nicht mehr prominent vorkommt.
Zumindest scheint die Beobachtung nicht völlig irrelevant, und das ist jetzt überhaupt nicht zynisch gemeint, dass emphatische Bekenntnisse zu maximaler kosmopolitischer Moral stabil mit gewissen sozioökonomischen Eigenschaften derer korrelieren, die solche Positionen vorzugsweise vertreten – »die Wohlmeinenden und die Wohlhabenden«“

Aus dem lesenswerten und überraschend interessanten Buch Philip Manows: Die politische Ökonomie des Populismus„. Ich werde darauf später noch eingehen, weil ich es noch nicht ganz gelesen habe.

Frontberichte, Pflanzen und das eigene Reden über den Sachverhalt

Strahlenaralie
Strahlenaralie (Schefflera arboricola), aka Zwerg-Schefflera. Eine schwierige Pflanze – hier ein selbst gezüchteter Ableger der Mutterpflanze, die mehr als zweieinhalb Meter hoch ist. Letztere verlor im letzten Jahr plötzlich sehr viele Blätter, weil ich zu spät bemerkt hatte, dass sie voller Schildläuse war, welchselbige ich in einem chemischen Vernichtungskrieg bis zum letzten Mann ausrottete.

Ich wollte eigentlich bei Kaiserwetter heute auf’s Boot und die Havel, da es das Klima vermutlich der letzte richtig warme Tag im Jahr sein wird. Aber erstens bin ich viel zu spät aufgewacht, weil heute der letzte von vier freien Tagen ist, an dem ich ausschlafen kann. Ab morgen wieder vier Mal hintereinander um vier Uhr aufstehen und dann 12 Stunden Lohnschinderei. Und zweitens habe ich noch so viel vor und zu tun, dass ich vermeiden möchte, heute Abend hektisch herumzurödeln, um dann nur ein paar Stunden Schlaf übrig zu haben.

Ich denke also an Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden: Es sei wichtig, dass dem Gegenüber die Materie bekannt ist. Der ausschlaggebende Punkt sei vielmehr das eigene Reden Bloggen über den Sachverhalt. Mit dieser Methode könne man sich selbst am besten belehren: Die Idee kommt beim Sprechen Schreiben. Wohlan.

StrahlenaralieStrahlenaralie
Köstliches Fensterblatt (Monstera deliciosa) (links). Die Pflanze wurde mir, als sie erst zwei Blätter hatte, von einer scheidenden Untermieterin geschenkt und hat sich prächtig entwickelt. Die Luftwurzeln sehen zwar hässlich aus, und die Blätter stehen kreuz und quer und sperrig herum, aber Burks gefällt das. Der Drachenbaum (rechts), der auf meinem Schreibtisch stand, ist mittlerweile riesig – er musste jetzt hinunter in einer ultraschweren Tontopf, damit er nicht in Gefahr gerät umzukippen, wenn er wieder Zweige, die fast größer sind als der Baum selbst, in Richtung Sonne wachsen lässt. Er mag aber keine Zugluft, und ich muss mir überlegen, ob er verträgt, dass die Balkontür sehr oft offen steht.

Armageddon-Front

Während meines Frühstücks spülten mir die Algorithmen tonnenweise Katastrophen-Filmchen zur Unterhaltung in meine Feeds. Beim Bildervergleich assoziierte ich Tsunami, aber mit höheren Bergen, oder Kerala. Textbausteine: „Heftige Unwetter“ (das Klima!), „völlig unerwartet“ (das Klima!).

Nein, nichts ist „unerwartet“, mit oder ohne Klima. Das war schon immer so, mit oder ohne Menschen, mehr oder weniger heftig. Erinnert sich noch jemand an den Flimser Bergsturz?

Ostfront

„Während Russland Luhansk nahezu vollständig erobert hat, kontrolliert die Ukraine noch knapp ein Fünftel der Oblast Donezk – gut 5000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa der fünffachen Fläche Berlins. Sehr wahrscheinlich geht es nicht mehr um die Frage, ob Putins Armee die verbliebenen Gebiete im Donbass erobern wird, sondern wann,“ schreibt die bürgerliche Presse.

Oh, es geht nicht mehr um den Endsieg der Ukraine? „Die Eskalation nimmt immer mehr zu“, beobachtet Oberst Markus Reisner…“Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle.“

Drachenbaum
„Das ist sehr wahrscheinlich eine Birkenfeige (Ficus benjamina), auch Benjamini genannt. Dafür sprechen auf deinem Foto die typischen Merkmale: die zahlreichen kleinen, glänzenden, ovalen und vorne zugespitzten Blätter sowie die dünnen, verholzten und stark verzweigten Triebe. Die Pflanze sieht insgesamt gesund und kräftig aus. Einige hellgrüne Blätter sind einfach jüngerer Austrieb. Der Standort direkt am hellen Fenster scheint ihr zu gefallen.“ Die Benjamini ist meine heimliche Lieblingspflanze, die wie fast alle anderen auch, eine Geschichte hat: Ich habe sie aus dem Büro des Konzerns, in dem ich ein paar Jahre gearbeitet habe, gerettet, nachdem dort Security nicht mehr gebraucht wurde. Sie hatte nur noch ein (!) Blatt. Vielleicht ist sie mir dankbar.

Naher-Osten-Front

Israels wachsender Bedarf an ausländischen Arbeitskräften verschärft die Wohnungskrise.

Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel die meisten „palästinensischen Arbeitskräfte“ durch ausländische Beschäftigte ersetzt. Ihre Zahl liegt inzwischen bei 250.000 – so hoch wie nie zuvor. Die von der Regierung festgelegte Obergrenze beträgt 330.000. [In der Kantine des Kibbutz Jan Mordechai, wo ich im Oktober 2025 war, arbeiteten Asiaten – ich glaube, waren Filipinos.]

Aufsichtsbehörden berichten von überbelegten Wohnungen und menschenunwürdigen Zuständen. Teilweise leben 12 bis 15 Menschen in einer Wohnung und müssen sich zwei Badezimmer teilen. Die staatlichen Pläne zur Unterbringung der Arbeitskräfte bestehen bislang größtenteils nur auf dem Papier – während die Wahlen näher rücken.

Ach. Ach was.

Die Jerusalem Post ist immer noch interessanter als alle deutsche Medien zusammen. Just saying.

Ich sage übrigens nur: Fauda!

Und Netanjahu sollte man auch nicht abschreiben.

Alles wiederholt sich

wehrmacht

1941, Soldaten der Wehrmacht. Quelle: Dyukov, Alexander Reshideovich: Wofür das sowjetische Volk kämpfte. Moskau: Yauza, Eksmo, 2007.

Hochaktuell, insbesondere für Michael Martens, den Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Frage gestellt hat, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten.

Wait a minute. Hat der das wirklich wörtlich gefragt? Ja, hat er.

martens

And now for something completely different.

„Die Aussagen des rechtsextremen [sic] israelischen Sicherheitsministers Ben-Gvir über gezielte Tötungen im Gazastreifen haben in Deutschland parteiübergreifend Empörung ausgelöst. Ben-Gvir hatte in einem Podcast erklärt, er halte Tötungen in Gaza für richtig.“

Keine weitere Fragen, Euer Ehren.

Unter Werbenden

Hinkel

Wer ist die gefährlichste Frau Deutschlands? Heidi Reichinnek? Bärbel Bas? Ursula von der Leyen?

Übrigens: Natürlich hat das ehemalige Nachrichtenmagazin gewusst, dass es mit so einem Titel (nein, an die hier mitlesenden Rechtsanwälte: Das hier ist Satire, die der staatsbürgerlichen Aufklärung dient, und sieht mitnichten so wie das Original) und – wenn man der bürgerlichen Presse glauben will („ein journalistischer Offenbarungseid“) – völlig inhaltslosen „Reportage“ Wahlkampf für Siegmund macht.

Die sind dort vermutlich ganz egoistisch. Für die Qualitätsmedien kann es nichts Besseres geben als wenn der AfD-Kandidat Ministerpräsident würde. Dann hätten sie wieder ein Thema und etwas, wogegen sie anschreiben können. Eine langweilige Koalition aller anderen, die sich inhaltlich nicht mehr unterscheiden, hingegen lässt die Rezipienten sich gähnend abwenden. Er gibt keine schlechte Werbung.

Das Korken-Prinzip

korken-metapher

Boris Reitschuster: „Warum die Falschen regieren“ – über die Gruppendynamik in Parteien (die auch für Gewerkschaften und Journalistenverbände gilt):

„Was mich damals so traf, war nicht die Niederlage des Besseren an sich. Es war die Art und Weise. Es waren all die Intrigen, die auch abseits der lokalen Delegiertenversammlungen vorherrschten. Es waren die Machtstrukturen. Wer was werden wollte, musste sich hochdienen – wobei Plakat-Kleben und Frondienst am Wahlkampfstand noch die geringeren Übel waren. Entscheidend war absolute Loyalität nach oben. Nie ein falsches Wort sagen, immer schön einschmeicheln bei denen, die schon Macht hatten – und das auf lokaler Ebene, wo es nicht um Ministerämter und gut dotierte Abgeordnetensessel ging, sondern um ehrenamtliche Plätze im Stadtrat.

Ich dachte damals, das System habe versagt. Es brauchte Jahrzehnte, bevor ich verstand: Genau das war das System. Und es hatte nicht versagt, es funktioniert genau so. Präzise wie ein Uhrwerk. Und wenn man dieses System versteht, weiß man auch, warum die Klingbeils, Schulz, Baerbocks, Habecks, Wüsts und Günthers nach oben kommen: nicht die Fähigsten setzen sich durch, sondern die Angepassten. Die Netzwerker. Die Kuchen-Bringer.

Überzeugung, inhaltliche Kompetenz, der Mut, für diese einzustehen und Verantwortung zu übernehmen, werden in diesem System bestraft. Menschen mit echten Überzeugungen, die unbequem werden, wenn etwas gegen diese läuft, sortiert dieses System aus.“

Ich nenne diesen Mechanismus das Korken-Prinzip: Aus Mangel an Gewicht nach oben geschwemmt.

Unter Besorgten

grenzübertritt symbolbild

Übersetzt von La Razón:

Die spanische Nationalpolizei ist zutiefst besorgt über die Lage in Ceuta seit vergangenem Donnerstag, als laut offiziellen Angaben des Innenministeriums 72.000 Migranten ohne gültige Papiere über den Grenzübergang El Tarajal einreisten. Obwohl die meisten nach Marokko zurückgeschickt wurden, halten sich noch immer 2.000 in den Bergen und Stadtvierteln der autonomen Stadt versteckt.

Experten für Terrorismusbekämpfung und Nachrichtendienst der Polizei gehen davon aus, dass diese 2.000 ein völlig anderes Profil aufweisen als die Mehrheit derer, denen die Einreise nach Spanien gelang. Während die Zurückgekehrten durch diverse Nachrichten in sozialen Medien und WhatsApp-Gruppen getäuscht wurden, seien die verbleibenden 2.000 „sehr gefährlich, sie gehören zu den Schlimmsten“, so verschiedene Quellen gegenüber dieser Zeitung.

Unter den Flüchtigen befinden sich Kriminelle aller Art, aber auch einige mit dschihadistischen Tendenzen, wie Beobachtungen von Experten der nationalen Sicherheit in den letzten Tagen mit Unterstützung der marokkanischen Behörden ergaben. Dies stellt derzeit die größte Bedrohung für die Polizei dar, da ihr Aufenthaltsort unbekannt ist und sie als äußerst gefährlich gelten, da sie allein einen Anschlag verüben könnten.

Das Hauptziel besteht momentan darin, sie zu finden, um sie nach Marokko zurückzuführen. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass sie mit einem der Boote, die die Straße von Gibraltar überqueren, das spanische Festland erreichen. Die Beamten suchen intensiv nach ihnen, um sie so schnell wie möglich zu lokalisieren. Das Hauptproblem ist, dass sie in einer Stadt wie Ceuta leicht unbemerkt bleiben können.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte gestern, dass zu keinem Zeitpunkt die Gefahr bestanden habe, dass die 72.000 Migranten ohne Papiere, die nach Ceuta gekommen waren, das Mittelmeer überqueren und sich innerhalb der Europäischen Union bewegen könnten. Experten schließen diese Möglichkeit jedoch nicht aus.

Der Chef der Staatssicherheit reagierte damit auf die Besorgnis seiner EU-Kollegen angesichts der größten Migrationskrise zwischen Spanien und Marokko. Marlaska hielt am Dienstag eine Videokonferenz mit den anderen Ministern ab, um zu erklären, dass die Regierung die Lage im Griff habe und um erneut Marokkos Arbeit während des gesamten Rückführungsprozesses der Migranten zu loben.

Experten der Einwanderungsbehörde relativierten den positiven Ton des Ministers. „Diese Leute kommen nicht zurück“, erklärte ein hochrangiger Beamter. Sie gehen davon aus, dass sich unter denjenigen, die noch in Vierteln wie El Príncipe und in den Bergen rund um das temporäre Abschiebezentrum (CETI) in der Stadt warten, „stark radikalisierte“ Personen befinden.

Neben der Suche nach diesen Personen herrscht erhebliche Verärgerung bei den Verantwortlichen für den Bereich der Bürgersicherheit, zu denen die Polizeieinsatzkommandos (UIP) und die Präventions- und Reaktionseinheiten (UPR) gehören. Sie halten das Bild der Polizei und des Innenministeriums für „katastrophal“, da diese am vergangenen Donnerstag, als die Migranten ins Land einreisten, keine Einsatzkräfte zum Grenzübergang entsandt hatten.

„Selbst wenn man sie nicht aufhalten kann, weil es Zehntausende waren, sollte man wenigstens 15 Beamte der Grenzpolizei schicken, damit es so aussieht, als würde man etwas unternehmen. Das kann man nicht erklären“, so andere Quellen.

Das Innenministerium verstärkte die Polizeipräsenz in der Stadt nach den ersten Stunden der Krise. Laut offiziellen Angaben wurden Teams der Zentralen Bereitschaftspolizei (UIP) und der Bereitschaftspolizei Málaga eingesetzt, wodurch sich die Gesamtzahl der Beamten der Bereitschaftspolizei und der Einheit für öffentliche Ordnung (UPR) auf 225 erhöhte. Auch Teams der Guardia Civil und Taucher wurden entsandt, und die Luftstaffel wurde verstärkt.

Frontbericht

ukraine
Credits: ISW

Ich darf das des Kriegsberichterstattens kundige Fachpublikum auf ein Interview mit Markus Reisner aufmerksam machen. („Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im Österreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes für Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Militärakademie.“ Vermutlich ist er auch Geheimrat.)

Kurzfassung:

► Die Ukraine leidet unter einem akuten Mangel an Luftabwehr und Patriot-Raketen; Europa liefert zu wenig, die USA halten Bestände aus politischen und militärischen Gründen zurück.
► Trump setzt Selenskyj mit ausbleibenden Waffenlieferungen unter Druck, strebt aber zugleich einen Waffenstillstand vor den US-Zwischenwahlen an.
► Der kommende Winter dürfte für die Ukraine besonders kritisch werden, da Russland die Energieinfrastruktur weiter angreifen wird.
► Der Krieg bleibt ein Abnutzungskrieg: Beide Seiten stehen unter Druck, Russland könnte jedoch weitere Soldaten mobilisieren, während der Ukraine Personal fehlt.
► Die offiziell genannten ukrainischen und russischen Verlustzahlen werden als unrealistisch eingeschätzt; die tatsächlichen Opfer dürften deutlich höher liegen.
► Russland setzt Gleitbomben zunehmend gegen Städte und Frontstellungen ein; der Ukraine fehlen wirksame Gegenmittel.
► Die Ukraine greift erfolgreich russische Raffinerien und Logistikzentren an, der wirtschaftliche Schaden wird durch höhere Ölpreise jedoch teilweise ausgeglichen.
► Eine größere ukrainische Offensive, etwa bei Cherson, gilt derzeit als unwahrscheinlich.
► Russland hat mit Rassvet ein eigenes Satellitenkommunikationssystem aufgebaut und erhält im technologischen Wettlauf Unterstützung aus China.

Das Heilige Edikt oder: Gewährt Flüchtigen keinen Unterschlupf u.a.

Kangxi

Das Heilige Edikt (Sheng Yü)

Ausgehend von den sechs Leitsätzen, die sein Vorgänger im Jahr 1652 erlassen hatte, wurde dieses Edikt 1670 vom Kaiser Kangxi (* 4. Mai 1654 in Peking; † 20. Dezember 1722 im Alten Sommerpalast) herausgegeben. Es sollte jeweils am ersten und fünfzehnten Tag eines jeden Monats in jeder Ortschaft öffentlich verlesen und erläutert werden. Jeder der 16 Leitsätze besteht aus sieben Schriftzeichen. Kangxis Nachfolger Yongzheng veröffentlichte 1724 eine stark erweiterte Erläuterung. .

1.  Erfüllt aufrichtig die Pflichten der kindlichen Pietät und der brüderlichen Verbundenheit, um den sozialen Beziehungen den ihnen gebührenden Wert zu geben.

2.  Behandelt eure Verwandten mit Großzügigkeit, um Harmonie und gegenseitige Zuneigung zu fördern.

3.  Pflegt Frieden und Eintracht in eurer Nachbarschaft, um Streitigkeiten und Rechtsprozesse zu verhindern.

4.  Erkennt die Bedeutung von Landwirtschaft und Maulbeeranbau an, um eine ausreichende Versorgung mit Nahrung und Kleidung sicherzustellen.

5.  Schätzt Sparsamkeit, um Geld und Güter zu bewahren.

6.  Fördert Schulen und Unterricht, um die Bildung der Gelehrten zu verbessern.

7.  Verwerft falsche Lehren, um die wahre Gelehrsamkeit zu ehren.

8.  Erläutert die Gesetze, um die Unwissenden und Uneinsichtigen zu warnen.

9.  Zeigt Anstand und Höflichkeit, damit Sitten und Gebräuche geordnet und gut bleiben.

10.  Geht eurem rechtmäßigen Beruf mit Fleiß nach, um den Lebensunterhalt des Volkes zu sichern.

11.  Unterweist eure Söhne und jüngeren Brüder, damit sie vor Fehlverhalten bewahrt werden.

12.  Unterbindet falsche Anschuldigungen, um die Unschuldigen und Rechtschaffenen zu schützen.

13.  Gewährt Flüchtigen keinen Unterschlupf, damit ihr nicht an ihrer Bestrafung mitschuldig werdet.

14.  Entrichtet eure Steuern vollständig, damit behördliche Zwangsmaßnahmen entbehrlich werden.

15.  Schließt euch in den Pao-Chia-Gemeinschaften zusammen, um Diebe und Räuber zu unterdrücken.

16.  Legt Feindschaften bei, damit ihr euer Leben gebührend achtet.

Anmerkung: Pao-Chia bezeichnet ein System gegenseitiger Haftungs- und Selbstverwaltungsgemeinschaften von jeweils 100 (chia) beziehungsweise 1.000 (pao) Haushalten.

Zitiert nach East Asia: The Modern Transformation, vgl. 10.06.2026, übersetzt von Hal.

Humanitäres Minimum

ceuta

Kleine Medienkompetenzübung.

San Agustin, KI revisited

San Agustin

Gönnt mir mal einen oder zwei Tage Pause vom Weltgeschehen. Wir kümmern uns nicht um Ceuta, sondern murmeln: „Wir schaffen das“ vor uns hin.

Ich habe mir ein Foto vom 23.07.2016 verbessern lassen. Ich hatte es im November 1979 in San Agustín in den kolumbianischen Anden geschossen. Ich saß übrigens auf einem Pferd. Wir kamen von Norden aus dem Tal des Rio Magadalena.

Die Straße dürfte die Carretera 8 sein, die heute natürlich ganz anders aussieht.

Abdul und gedeistert

abdul

„Gesprächstermine mit einer Beratungsstelle im Bereich Deradikalisierung und Extremismusprävention“ – den Quatsch kann man auch abschaffen.

Oder: „Violence Prevention Network gGmbH ist eine NRO, die seit über zwei Jahrzehnten mit Erfolg in der Extremismusprävention sowie der Deradikalisierung und Distanzierungsbegleitung tätig ist.“

Das sieht man. Immerhin kann man hierzulande auch die israelische Anti-Abdulalimohammed-Methode.

Martin Post schreibt auf Facebook über die „freie und weltoffene Gesellschaft“ mit all ihren Bodyguard-geschützten Sprechautomaten und Weiter-so-Journalisten“:
„Sie wird spätestens ab Montag
– statt über den Islam von „Autos“ sprechen, die in Gruppen fuhren;
– mit hängenden Mundwinkeln und zitternder Stimme wortreich vor jeder „politischen Vereinnahmung der schrecklichen Ereignisse“ warnen, gleichwohl
– „Konsequenzen“ ankündigen (die nicht kommen werden);
– den Kampf gegen den „eigentlichen Gegner“ – die „rechten Feinde Unserer Demokratie™“ – intensivieren (ein Verbot der AfD ist nun das Gebot der Stunde!) und selbstverständlich
– Demos für die behauptete „Vielfalt“ organisieren. Es wird Gelegenheit zu Selfies mit Katrin Göring-Eckardt geben und ansonsten eben: Party und strahlende Wir-sind-mehr-Gesichter, von rot und grün bis schwarz.“

abdul

And now for something completely different.

Was ich heute gemacht habe? Im Naturkundemuseum in einer 12-stündigen Schicht die Deisterroute erkundet, knapp vierzig Kontrollpunkte (auszulesen mit einem Handheld-Computer mit integriertem RFID-/NFC-Leser oder Barcode-Scanner) auf sieben Etagen in einem total verwinkelten Gebäude, das vor fast 150 Jahren erbaut und danach mehrfach erweitert wurde.

Wieviel Kalorien verbraucht man ungefähr, wenn man viereinhalb Stunden zügig geht, davon ein Viertel Treppen steigt?

Das hängt vor allem von deinem Körpergewicht, dem Tempo und der Steigung ab. Als grobe Schätzung:
►Zügiges Gehen (ca. 5,5–6 km/h): etwa 300–400 kcal pro Stunde.
►Treppensteigen: etwa 700–1.000 kcal pro Stunde, je nach Intensität.

Wenn du 4,5 Stunden unterwegs bist und davon ein Viertel (ca. 1 Stunde 8 Minuten) Treppen steigst, ergibt sich ungefähr:
►3 Stunden 22 Minuten zügiges Gehen: ca. 1.000–1.350 kcal
►1 Stunde 8 Minuten Treppensteigen: ca. 800–1.100 kcal

Insgesamt: etwa 1.800 bis 2.400 kcal.

Für eine Person um 80 kg liegt ein realistischer Wert meist bei rund 2.000 kcal für diese Belastung.

Wisst ihr Bescheid.

Projekt Panama

laboratory
A medieval illuminated manuscript being carefully digitized in a professional conservation laboratory, enormous parchment codex opened on a scanning table, conservator wearing white cotton gloves gently turning a large page, richly decorated Gothic script in two columns, colorful illuminated initials, exquisite medieval miniature painting, computer monitor displaying a live digital scan in the background, warm archival lighting, museum atmosphere, ultra realistic, extremely detailed, historical preservation, documentary photography, shallow depth of field, natural colors, 8k, Nikon D850, editorial style –ar 3:2 –v 7 –style raw

„Seit Ende April wundern sich deutsche Antiquariate über Bestellungen, meist mitten in der Nacht. Eine Firma namens „Zoom Books“ aus Nordamerika bestellt alles: Kochbücher, Biografien, Sachbücher oder Reiseführer – quer durch alle Wissensgebiete und sogar Ladenhüter, alles aus den 1960er bis 70er Jahren.

Bestellt wurde immer nur ein Exemplar. Die deutschen Antiquariate machten innerhalb weniger Wochen bis zu 50.000 Euro Umsatz, wunderten sich aber gleichermaßen über diese hohen Einnahmen. Laut Markus Brandis, dem Vorsitzenden des Verbands Deutscher Antiquare (VDA), brachten dann Kontakte in die USA die Aufklärung. Dort hatte es solche Massenbestellungen kurz vorher ebenfalls gegeben. Laut Washington Post stecke hinter den Masseneinkäufen das KI-Unternehmen Anthropic. Unter dem Namen Projekt Panama wolle man „alle Bücher der Welt destruktiv scannen“. Das heißt: Die Buchrücken werden abgeschnitten, die einzelnen Seiten gescannt und das Original dann vernichtet. So sollen die Bücher verschiedene KI-Modelle unterstützen.

Das Problem ist das Urheberrecht, denn gerade die jüngeren Werke sind nicht gemeinfrei, und das hat dafür gesorgt, dass das Vorgehen von „Anthropic“ überhaupt erst ans Licht gekommen ist: US-Firmen hatten illegale Dateien aus sogenannten „Schattenbibliotheken“ heruntergeladen. Das Verfahren gegen „Anthropic“ wurde gegen eine Zahlung von 1,5 Milliarden Euro an die klagenden Autoren eingestellt, aber vermutlich auch nur, weil die Richter angedeutet haben, dass sie die Downloads für illegal halten.“ (Aus dem Infobrief des Vereins Deutsche Sprache e. V.)

Das bezieht sich u.a. auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau: „Fahrenheit 451 im Silicon Valley: Wie KI-Konzerne unsere Antiquariate plündern und Bücher schreddern.“

Unter Sonntagsfragenden

Sonntagsfrage

Neueste Umfragen in Berlin – Version ARD und ZDF. (Liebe Anstalten: Das ist Satire und dient der staatsbürgerlichen Aufklärung! Also bitte nicht hausdurchsuchen lassen!)

(Quelle: Qualitätsboulevardmedien)

Schland und andere Orte des Wahnsinns

schland

Ich verfolge das Zeitgeschehen, obwohl ich nicht immer Zeit finde, etwas hier zu kommentieren. (Vorschau: Ab Sonntag sieben 12-Stunden-Schichten in acht Tagen.)

– In Schland gibt es nur Kleinkariertes wie etwa im Zentralorgan der Lastenfahrräder und Esoteriker: Leihmutterschaft kann auch altruistisch sein. Was haben wir gelacht.

. In der bürgerlichen Presse lesen wir etwas über durchgeknallte Tunten- und Transengroupies buntscheckigen kleinbürgerlichen Abschaum: „Eine angeblich transfeindliche Vorlesung hat heute an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) für massiven Protest gesorgt. Am Dienstagmorgen versammelten sich nach einem Aufruf mehrerer Studierendenverbände bis zu 500 Demonstrierende auf dem Campus. Sie forderten nicht nur die Absage der Veranstaltung, sondern teils auch die Entlassung der verantwortlichen Professorin.“

Warum nicht gleich teeren und federn und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrennen? Diese Hampelmänner sollte man alle in die Produktion verbannen. (Es heißt übrigens, Merkur, „Studentenverbände“. Wenn die Idioten sich versammeln, sind sie eben nicht „studierend“.)

Susanne Schröter schreibt dazu auf Facebook: „Die Universitäten sind zu Orten des Wahnsinns geworden. Immer wieder machen woke Studenten mit Unterstützung gleichgesinnter Dozenten und außeruniversitären Aktivisten mobil, um gegen Professoren vorzugehen, die ihre krude Ideologie infrage stellen. Damit haben sie es geschafft, dass die Orte, an denen eigentlich ein freier Diskurs auf der Basis transparenter und ergebnisoffener Forschung praktiziert werden sollte, Orte des ängstlichen Wegduckens, des Schweigens und der politischen Selektion von Forschungsthemen geworden sind. Ganze Themenbereiche sind mittlerweile aus der Forschung verschwunden. Dazu gehören kritische Migrationsforschung, Islamismus und auch eine kritische Geschlechterforschung, die sich nicht den wissenschaftsfernen Dogmen politischer Aktivisten beugt.“

Wäre ich der Vorsitzende eines revolutionären Arbeiter- und Soldatenrates, würde ich alle Universitäten für zwei Jahre schließen, damit sie zur Besinnung kämen.

And now for something completely different.

– „Die Trump-Regierung will die bevorstehende Generalversammlung der Vereinten Nationen nutzen, um eine Resolution zur Meinungsfreiheit durchzusetzen – aus Sicht europäischer Abgeordneter eine kaum verhüllte Kampfansage an die EU-Regulierung von Tech-Unternehmen.“

Danke, Präsident Trump!

And now for something completely different.

schland

Spannend ist es sich vorzustellen, dass die künstliche Intelligenz „ausbricht“, woraus auch immer. Das hat sie offenbar jetzt getan und dabei „feindliche“ Rechner übernommen. „…haben die KI-Modelle in ihrer gesicherten Umgebung eine „substanzielle Menge“ an Rechenleistung verwendet, um einen Internetzugang zu bekommen. Dabei hätten sie eine Zero-Day-Lücke im Cache-Proxy des Paketregisters identifiziert. Darauf aufbauend hätten sie schließlich den Zugang zum Internet erlangt.“

Einfach großartig! Genau das hätte ich auch gemacht. Nur bin ich nicht so clever.

Jürgen Schmidt schreibt auf Heise: „Doch egal, ob man OpenAIs offizieller Geschichte oder einer der Verschwörungstheorien folgt – irgendwie geht es aktuell offenbar nur noch darum, das gefährlichste Modell zu entwickeln und einander mit Doomsday-Schlagzeilen zu überbieten. Dabei wird doch immer klarer, dass die größte aktuelle Herausforderung darin besteht, die nachweislich vorhandenen Fähigkeiten der LLMs in konkreten, praktischen Nutzen für die Gesellschaft münden zu lassen.“

Was aber ist genau der „praktische“ Nutzen der KI im Kapitalismus? Den tendenziellen Fall der Profitrate zu verlangsamen? Eine Neutronenbombe klimafreundlich zu gestalten? Dieses naive Geplaudere erinnert mich an die Zeit, als man glaubte, das Internet śei für die Wissenschaft da.

Die KI ist wie die Medien: Sie verstärkt das, was schon da ist. Viel Glück dabei.

And now for something completely different.

taz

Das oben erwähnte Zentralorgan überbietet sich in antisemitischen Schwachsinn. Nun gut, es ist ein Kommentar, und da wir alle für Meinungsfreiheit sind, kann der nicht polemisch genug sein. Unverschämt ist es aber, dieses Pack – wie auch Mamdami – als „links“ zu bezeichnen. Diese Mischpoke ist genau so „links“ wie die NSDAP „sozialistisch“ war.

„Mit moralischer Klarheit über Israels Verbrechen spricht“? Das ist kein Kommentar, sondern Hass und Hetze, wie man heute zu sagen pflegt. Leider gibt es keine NGOs, die dagegen vorgehen.

Geplante Reise

route

„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ (Blaise Pascal, Mathematiker)

Mein Vater hatte sich meine Reiseroute 1970/80 notiert, so, wie sie ursprünglich geplant war. Ich vermute, die Buchstaben und Zahlen am rechten Rand meinten die Seiten oder Quadranten in seinem Atlas. Internet gab es bekanntlich noch nicht.

Der Trip verlief dann doch anders, vor allem, weil mein damaliger Reisebegleiter weitaus weniger abenteuerlustig und zielstrebig war als ich. Surinam und Französisch Guyana musste ich ganz weglassen.

Ich habe mich entschlossen, alle Fotos aller Reisen nach Lateinamerika noch einmal hier zu publizieren, aber geordnet in der richtigen Reihenfolge (falls ich mich daran noch erinnern kann). Außerdem werde ich meine Tagebücher noch durchgehen, was ich vor einem Jahrzehnt, als ich die ersten Bilder online stellte, nicht gemacht habe. Und diejenigen Bilder, deren Qualität unter aller Sau schon sehr schlecht war, als ich sie digitalisierte, kann ich mit KI vielleicht verbessern.

Der Plan ist, irgendwann daraus vielleicht ein E-Book zu machen, das ich meine Nachfahren vererben kann. Die wird das nicht interessieren, aber wer weiß das schon…

route

Unter Siedlern, revisited

tenenbom

Ich lache mich immer noch schlapp über einzelne Passagen von Tuvias Tenenboms „Wie nennt ihr dieses Land hier? – Unter Siedlern“. Lesebefehl!

Ich empfehle auch ein Interview mit ihm auf Mena-Watch:

„Nein, das Problem liegt darin, dass Israel das Gebiet nie annektiert hat. Welche Gesetze sollen also gelten? Sie können kein israelisches Recht anwenden, da das Gebiet nicht zu Israel gehört. Sie selbst sagen, dass es nicht zu Israel gehört; sie bezeichnen es als umstrittenes Gebiet. Welches Recht gilt also? Es gibt das osmanische Recht und das jordanische Recht. Das sind die Rechtsgrundlagen im Westjordanland.

Israelisches Recht gilt dort nicht, weil Israel das Gebiet bis heute nicht annektiert hat. Man kann schließlich kein Gesetz für ein Gebiet erlassen, das man nicht kontrolliert. Es gehört nicht zum eigenen Land. Das wäre so, als würde die Knesset entscheiden, wie Immobilientransaktionen in New Jersey rechtlich abzuwickeln sind. Nein, sie haben kein Mitspracherecht bei dem, was in New Jersey geschieht. Sie können Gesetze nur für Gebiete erlassen, die ihnen gehören. In dem Moment, in dem Israel das Gebiet annektiert, gibt es keine Siedler mehr. Denn dann siedeln sie nicht mehr, sondern leben in Israel. Sobald Israel es also annektiert, wird es – zumindest nach israelischem Recht – als Israel gelten.“

Tenenbom hat das seltene Talent, Dinge lächerlich zu machen, ohne die Leute zu diskreditieren, die den Quatsch glauben und verfasst haben. Das Buch wird zwar positiv besprochen in Deutschland, der Inhalt und die Thesen werden aber nicht bis in die Anstalten vordringen – und zu Dunja Hayali und Sawsan Chebli ohnehin nicht. Hier zwei bemerkenswerte Zitate:

„Die Haupthalle der Synagoge ist den Männern vorbehalten, während die Frauen obendrüber auf dem ersten Rang beten. Die Frauensektion ist abgeschirmt, sodass die Männer nicht zu den Frauen schauen und, Gott bewahre, von ihren weiblichen Körpern verführt werden. Die Frauen hingegen können die Männer nach Herzenslust in Augenschein nehmen, weil Männer, wie man nie vergessen sollte, nicht verführerisch sind, ihre Körper sind nichts, womit sich prahlen ließe, und die Holzbänke, auf denen sie sitzen, geben weitaus mehr her als ihre Gesichter.

Ich gucke mir das Bücherregal im nichtverführerischen Männerbereich an und entdecke ein Buch darüber, wie sich männliche Soldaten in der israelischen Armee benehmen sollen, insbesondere in der Gegenwart von Soldatinnen. Nämlich wie? Sie sollen ihren Austausch mit Frauen auf Themen beschränken, die auf Logik, Rationalität und praktischen Fragen beruhen, es jedoch vermeiden, mit den Damen über irgendetwas zu plaudern, was mit Gefühlen zu tun hat.

Wenn ich das richtig verstehe, dann ist es, wenn eine Frau an einen Mann herantritt, um mit ihm zum Beispiel über mathematische Ableitungen zu sprechen, in Ordnung, wenn der Mann sich auf ein stundenlanges Gespräch mit ihr einlässt. Wenn sie sich jedoch an ihn wendet und beispielsweise gurrt, »ich habe Lust auf ein Eis«, sollte er davonflitzen wie vor einer iranischen Rakete.

Habe ich ein Glück, dass ich hier bin, in Elon Moreh, um solche Schmankerl zu lernen.

Neben weiteren Regeln darüber, wie sich ein Soldat im Dunstkreis von Soldatinnen verhalten soll, findet sich auch folgende: Bei einer Musikdarbietung von Frauen sollten die Männer tunlichst mitsingen, da sie dies von deren verführerischen Stimmen oder deren stets verführerischen Leibern ablenken würde.

Wunderbar!“

Und:

„Sie müssen verstehen, dass die Leute, die bereit sind, in jüdische Viertel einzudringen, um Terrorangriffe zu verüben, unterschiedlicher Art sind und aus unterschiedlichen Motiven handeln. Einige sind durch ihre Ideologie motiviert, eine religiöse Ideologie gegen Juden, aber das ist nur eine Art potenzieller Terroristen. Andere hingegen begehen terroristische Akte aus ganz anderen Gründen, zum Beispiel Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben.

Ein solches Beispiel: eine Frau, die mit einem Mann gesehen wurde, der nicht ihr Ehemann ist. In der muslimischen Gesellschaft von Nablus ist diese Frau erledigt. Anstatt von einem Angehörigen ihrer Familie in einem sogenannten ›Ehrenmord‹ getötet zu werden, kann sie beschließen, ehrenvoll als Märtyrerin zu sterben. So zieht sie mit einem Messer los, um einen Juden umzubringen, und wenn sie dabei selbst den Tod findet, dann ist das großartig für sie, weil sie nun ins Paradies kommt und zu einer jungfräulichen Braut wird, einer sexy Lady, der die Ehre zuteilwird, die Gerechten zu unterhalten.

Der Mann einer solchen Frau, der seine Ehre verloren hat, könnte ebenfalls entscheiden, dass der beste Ausweg für ihn zur Wahrung seiner Würde sein Tod als Märtyrer ist. Er zieht ins Paradies ein, glaubt er, wo er mit Dutzenden von jungfräulichen Bräuten in alle Ewigkeit belohnt wird. Und ein auf frischer Tat ertappter Dieb weiß, dass seine beste Chance, dass Allah und seine eigene Gesellschaft ihm vergeben, in der Tötung von Juden besteht.“

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo

Ich habe mir Michael Roberts‘ informativen Artikel China’s slowdown vom 13,06. übersetzen lassen, Links hinzugefügt und einiges umformuliert. Die Grafiken stammen auch von dort.

Das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat sich im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die Wirtschaftsleistung nur noch um 4,3 Prozent, nach 5,0 Prozent im ersten Quartal. Damit fiel das Ergebnis schwächer aus als von den meisten Analysten erwartet und markiert das geringste Quartalswachstum seit den pandemiebedingten Lockdowns im Jahr 2022. Trotz dieser Schwächephase liegt das reale BIP-Wachstum im ersten Halbjahr 2026 mit 4,7 Prozent im Jahresvergleich weiterhin innerhalb der von der chinesischen Regierung angestrebten Zielspanne.

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Dennoch sehen sich viele westliche „Experten“ durch diese Entwicklung in ihrer Auffassung bestätigt, China steuere unausweichlich auf eine Phase der Stagnation zu. So schrieb etwa Ruchir Sharma bereits vor Veröffentlichung der jüngsten Wachstumszahlen in der Financial Times:

Obwohl viele Prognosen weiterhin davon ausgehen, dass China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt überholen wird, erreichte das chinesische Wachstum bereits 2021 seinen Höhepunkt. Seither ist Chinas Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt zu laufenden Preisen von 18 auf 16,5 Prozent gesunken, während der Anteil der USA auf 26 Prozent gestiegen ist. Chinas Wachstumstempo liegt inzwischen unter dem des übrigen Weltwirtschaft, einschließlich der Vereinigten Staaten. Unabhängige Schätzungen gehen inzwischen davon aus, dass das reale Wachstum Chinas näher bei null liegt als beim offiziellen Zielkorridor von 4,5 bis 5 Prozent.

Diese Argumente verdienen genauer geprüft zu werden.

Erstens mag Chinas reales Wirtschaftswachstum bereits 2014 seinen Höchststand erreicht haben. Doch der Abstand zu den führenden westlichen Industriestaaten ist keineswegs verschwunden. Im Durchschnitt lag Chinas Wachstumsrate seit 2014 mehr als vier Prozentpunkte über dem Mittelwert der G7-Staaten. Das Land expandierte also trotz sinkender Dynamik weiterhin deutlich schneller als die großen entwickelten Volkswirtschaften.

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Ja, gemessen zu nominalen Preisen ist Chinas Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt tatsächlich zurückgegangen. Real, also kaufkraftbereinigt, zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Sharma argumentiert hier daher zumindest einseitig.

Der Rückgang des nominalen Anteils ist vor allem auf die Abwertung des chinesischen Yuan gegenüber dem ungewöhnlich starken US-Dollar sowie auf die Deflation im Inland zurückzuführen. Da das nominale BIP in aktuellen US-Dollar berechnet wird, führen Wechselkurs- und Preisveränderungen dazu, dass die Größe der chinesischen Volkswirtschaft im internationalen Vergleich künstlich kleiner erscheint.

Betrachtet man die Wirtschaftsleistung dagegen auf Basis der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP), werden die Verzerrungen durch Wechselkursschwankungen weitgehend ausgeblendet. Nach diesem Maßstab ist Chinas Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung nicht um 1,5 bis 2 Prozentpunkte gesunken, sondern um rund 1,4 Prozentpunkte gestiegen.

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Auch die Behauptung Sharmas, Chinas Wirtschaft wachse inzwischen langsamer als der Rest der Welt, hält der Autor [Michael Roberts] für nicht überzeugend. Zur Untermauerung verweist Sharma auf angeblich „unabhängige Schätzungen“, wonach das reale Wachstum Chinas eher bei null Prozent liege als im offiziellen Zielkorridor von 4,5 bis 5 Prozent.

Doch worauf stützen sich diese „unabhängigen“ Schätzungen? Nach Ansicht des Autors im Wesentlichen auf eine einzige Quelle: die westliche Denkfabrik Rhodium Group, die sich auf China-Analysen spezialisiert hat. Die Rhodium Group verwirft die offiziellen chinesischen BIP-Daten mit der Begründung, sie seien systematisch zu hoch angesetzt und spiegelten die schwache Binnennachfrage nicht angemessen wider.

Stattdessen versucht Rhodium, das Wirtschaftswachstum von unten nach oben zu berechnen, indem die Ausgaben einzelner Wirtschaftssektoren getrennt analysiert werden – und zwar auf Basis der Ausgaben, nicht der Produktion. Nach Auffassung des Autors läuft diese Methode letztlich darauf hinaus, die offiziellen Investitionszahlen stark nach unten zu korrigieren und sie weitgehend am Immobiliensektor auszurichten.

Gerade dieser Sektor befindet sich jedoch seit Jahren in einer tiefen Krise. Während die gesamten Anlageinvestitionen Chinas im Jahresvergleich um 5,7 Prozent wachsen, sind die Investitionen in Immobilien um 18 Prozent eingebrochen. Indem Rhodium die Entwicklung des Immobilienmarktes praktisch zum Maßstab für die gesamte Investitionstätigkeit macht, werde das gesamtwirtschaftliche Wachstum zwangsläufig nach unten gezogen. Wer die Immobilieninvestitionen als Stellvertreter für die gesamte chinesische Investitionsdynamik verwende, müsse sich daher nicht wundern, am Ende nahezu kein Wirtschaftswachstum mehr zu errechnen.

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Die Rhodium Group stützt ihre Wachstumsberechnungen fast ausschließlich auf Nachfrageindikatoren wie Einzelhandelsumsätze, Kreditwachstum und das Konsumklima. Angebotsseitige Kennzahlen – etwa die Industrieproduktion, die Exporte oder die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes – blieben dagegen weitgehend unberücksichtigt.

Allerdings folgen nicht alle westlichen Institutionen diesem Ansatz. So übernimmt auch die Bank von Finnland die offiziellen chinesischen BIP-Daten nicht ungeprüft. Stattdessen orientiert sie sich an Produktionsindikatoren wie der Stromerzeugung, dem Schienengüterverkehr und den Nettoexporten. Auf dieser Grundlage kommt sie zwar zu dem Ergebnis, dass Chinas reales Wirtschaftswachstum etwa einen Prozentpunkt unter den offiziellen Angaben liegt. Doch selbst danach würde die chinesische Wirtschaft derzeit noch rund vier Prozent pro Jahr wachsen.

Auch die aktuellen Produktionsdaten sprechen gegen die These eines nahezu stagnierenden Wirtschaftswachstums. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die chinesische Industrieproduktion um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das verarbeitende Gewerbe legte um 6 Prozent zu, während der Technologiesektor sogar ein Wachstum von 14 Prozent verzeichnete.

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Ein Blick auf die chinesische Industrie zeigt deutlich, dass vor allem die Auslandsnachfrage den jüngsten Aufschwung trägt. Besonders kräftig expandierten die Branchen Schienenfahrzeuge, Schiffbau und Luft- und Raumfahrt mit einem Plus von 18,2 Prozent. Die Automobilindustrie legte um 8,7 Prozent zu, während die Produktion von Computern, Kommunikations- und Elektroniktechnik um 15,7 Prozent wuchs.

Besonders dynamisch entwickelte sich die Halbleiterproduktion. Sie erreichte mit einem Anstieg von 25,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum den höchsten Zuwachs seit 17 Monaten – ein weiterer Hinweis auf den anhaltenden Boom im chinesischen Technologiesektor.

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Allerdings wäre es verfehlt, die gegenwärtige Abschwächung der Investitionstätigkeit zu ignorieren. Die Anlageinvestitionen gingen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent zurück und erreichten damit den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Die Investitionen des privaten Sektors sanken um 8,5 Prozent, während auch die Investitionen staatseigener Unternehmen weiter nachgaben und nur noch 2,3 Prozent zulegten. Sowohl private als auch staatliche Unternehmen scheinen größere Investitionsvorhaben aufzuschieben, was das ohnehin schwache Investitionsklima zusätzlich belastet.

Die Ursachen liegen vor allem in der anhaltenden Krise des Immobiliensektors sowie in den finanziellen Problemen vieler Lokalregierungen, die noch immer unter der hohen Verschuldung leiden, die während des Immobilienbooms aufgebaut wurde. Diese beiden Faktoren seien die Hauptgründe für die vergleichsweise schwache Binnennachfrage.

Zwar fallen die Immobilienpreise weiterhin, allerdings deutlich langsamer als zuvor; in einigen Städten sind inzwischen sogar wieder leichte Preissteigerungen zu beobachten. Dennoch bleibt die Investitionsschwäche bestehen. Selbst wenn der Immobiliensektor ausgeklammert wird, lagen die Anlageinvestitionen in den sechs Monaten bis Juni 2,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Damit hat sich der Rückgang gegenüber den ersten fünf Monaten des Jahres, als er noch 1,2 Prozent betrug, weiter verstärkt.

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Ein weiterer Faktor, der die Binnennachfrage belastet, ist der Schuldenüberhang, den der Zusammenbruch des Immobilienbooms hinterlassen hat. Die Hauptlast tragen inzwischen die Lokalregierungen. Viele der Kredite, die sie während der Boomjahre an private Immobilienentwickler vergaben oder absicherten, belasten noch immer ihre Haushalte. Dadurch fehle zahlreichen Kommunen der finanzielle Spielraum für neue Investitionen.

Während die Zentralregierung und die staatlichen Banken ihre Investitionen sowie die Kreditvergabe gezielt auf die sogenannten „neuen Produktivkräfte“ – insbesondere Hochtechnologie und Solarindustrie – ausweiten, können viele Lokalregierungen diesen Kurs wegen ihrer hohen Verschuldung nicht mitgehen.

Der deutliche Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Investitionen sei deshalb zu einem erheblichen Teil eine Spätfolge des Immobilienbooms und der damaligen expansiven Finanzierungspolitik der Kommunen. Der Autor sieht darin einen grundlegenden politischen Fehler der chinesischen Führung: Sie habe die Urbanisierung des Landes und den Wohnungsbau weitgehend dem privaten Sektor überlassen, anstatt frühzeitig ein staatlich gesteuertes, landesweites Wohnungsbauprogramm aufzulegen. Stattdessen finanzierten viele Lokalregierungen private Bauträger und förderten damit einen massiven Ausbau spekulativer Investitionen.

Zwar musste angesichts der rasanten Verstädterung dringend neuer Wohnraum geschaffen werden. Doch anstatt vor allem Mietwohnungen zu errichten, setzte China weitgehend auf den Markt und auf private Bauträger, die Wohnungen zum Verkauf entwickelten. Präsident Xi Jinping brachte die daraus entstandene Fehlentwicklung später selbst mit dem Satz auf den Punkt: „Wohnungen sind zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren.“

Das erklärt auch, weshalb sich heute der Großteil der chinesischen „Zombie-Unternehmen“ im Immobiliensektor befindet. Viele dieser hoch verschuldeten Bauträger bremsen weiterhin Investitionen und Wachstum. Gleichzeitig mussten die Lokalregierungen einen erheblichen Teil der faulen Kredite übernehmen, obwohl ihre Möglichkeiten zur Neuverschuldung begrenzt sind und die Unterstützung aus Peking bislang nur begrenzt ausfällt.

Trotz dieser strukturellen Probleme setzt sich Chinas wirtschaftliche Expansion fort – sie stützt sich derzeit jedoch vor allem auf den Außenhandel. Ungeachtet der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle und weiterer Sanktionen erreichten die chinesischen Exporte neue Rekordwerte. Im Juni 2026 stiegen sie gegenüber dem Vorjahresmonat um 27 Prozent auf den historischen Höchststand von 412 Milliarden US-Dollar. Für das gesamte erste Halbjahr summierten sich die Ausfuhren auf 2,12 Billionen US-Dollar, was einem Zuwachs von 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Angetrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch zwei Trends: den weltweiten Boom beim Ausbau von Infrastrukturen für Künstliche Intelligenz sowie den starken Anstieg der Exporte von grünen Technologien.

Auf die in westlichen Medien häufig erhobenen Vorwürfe, China verschärfe mit seinen Exporterfolgen globale Ungleichgewichte oder überschwemme die Weltmärkte mit Billigprodukten aus angeblichen Überkapazitäten, geht der Autor an dieser Stelle nicht näher ein; diese Kritik habe er bereits früher ausführlich behandelt.

Stattdessen nimmt er eine neuere Argumentationslinie aufs Korn. Danach verdränge Chinas wachsender Anteil am Welthandel zunehmend andere Exportländer des Globalen Südens. Der Autor hält diese These für wenig überzeugend. Vor zwei Jahrzehnten hätten westliche Beobachter Chinas Exporterfolge kaum kritisiert, solange diese vor allem als Ergebnis westlicher Unternehmen galten, die in China produzierten. Erst seit chinesische Unternehmen selbst in zahlreichen Schlüsselindustrien die technologische Führung übernommen hätten, werde behauptet, ihr Erfolg schade ärmeren Entwicklungsländern.

Ein Gegenbeispiel ist Vietnam. Das Land verfolge ein ähnliches Wirtschaftsmodell mit einem starken staatlichen Sektor neben privatwirtschaftlichen Unternehmen. Dennoch habe Vietnam seinen Anteil an den weltweiten Exporten in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut – von rund 1,2 Prozent auf etwa 1,35 Prozent. Dies spricht gegen die Behauptung, Chinas Exporterfolge würden zwangsläufig andere Volkswirtschaften des Globalen Südens vom Weltmarkt verdrängen.

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Nach Auffassung des Autors verdrängt China Vietnam keineswegs vom Weltmarkt. Dass viele andere Länder des Globalen Südens ihre Exportanteile nicht ausbauen konnten, liege vielmehr daran, dass ihre Volkswirtschaften weitgehend von ausländischen multinationalen Konzernen dominiert würden und weder über einen starken staatlichen Wirtschaftssektor noch über eine eigenständige industriepolitische Strategie verfügten. Verantwortlich für das ausbleibende wirtschaftliche Aufholen des Globalen Südens sei daher nicht China, sondern die fortbestehenden Strukturen des Imperialismus.

Chinas Binnenwirtschaft wächst derzeit nicht so dynamisch wächst, wie es wünschenswert wäre. Dennoch ist die Entwicklung des privaten Konsums keineswegs schwach: Seit 2014 hat der reale Konsum durchschnittlich mehr als sechs Prozent pro Jahr zugelegt – ein Tempo, das deutlich über dem der G7-Staaten liege.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Krise des Immobilienmarktes ihren Tiefpunkt erreicht hat und die Lokalregierungen beginnen, ihren hohen Schuldenbestand schrittweise abzubauen. Gleichzeitig verzeichnen die Investitionen in Zukunftsbranchen, insbesondere im Technologiesektor, ein außerordentlich starkes Wachstum. Vor diesem Hintergrund sieht er gute Gründe für die Erwartung, dass China sein offizielles Wachstumsziel von 4,5 bis 5,0 Prozent im laufenden Jahr erreichen wird.

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