Islam, Autoritarismus und Unterentwicklung

islam

Ich habe mir die Einleitung Ahmet T. Kurus Islam, Authoritarianism, and Underdevelopment: A Global and Historical Comparison (New York 2019) übersetzen lassen, sie gestrafft und Links hinzugefügt.

Im Juni 2025 schrieb ich über sein Thema: „Warum zeigen Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit im Vergleich zu weltweiten Durchschnittswerten ein hohes Maß an Autoritarismus und ein niedriges Maß an sozioökonomischer Entwicklung? Ahmet T. Kuru kritisiert Erklärungsansätze, die den Islam selbst als Ursache dieser Unterschiede anführen, da Muslime zwischen dem neunten und zwölften Jahrhundert philosophisch und sozioökonomisch weiter entwickelt waren als die westeuropäischen Gesellschaften. Auch der westliche Kolonialismus sei nicht die Ursache: Politische und sozioökonomische Probleme hatten die muslimischen Gesellschaften bereits vor Beginn der Kolonialzeit.“

Seine These: „Im elften Jahrhundert jedoch begann sich ein Bündnis zwischen orthodoxen islamischen Gelehrten (den Ulema) und den Militärstaaten herauszubilden. Dieses Bündnis behinderte nach und nach die intellektuelle und wirtschaftliche Kreativität, indem es intellektuelle und bürgerliche Schichten in der muslimischen Welt an den Rand drängte.“

Das ist natürlich eine typische Interpretation bürgerlicher Historiker und Soziologen, die sich ausschließlich in den luftigen Gefilden des Überbaus bewegt. Karl Marx schreibt aber im Vorwort Zur muslimisch geprägten vorkapitalistischen Gesellschaften? Kudu sieht das Problem auch: Der Islam war vor einem Jahrtausend an der Spitze des intellektuellen Fortschritts – wie kann man den unaufhaltsamen Abstieg erklären?

Im Prolog stellt Kudu fest: „…[he] argued that it was only Protestant nations who truly contributed to modern civilization, while Muslim nations were mere consumers of it.“ Mit „Zivilisation“ ist – das ich – der Kapitalismus gemeint. Höre ich da im Hintergrund Max Weber trapsen?

Kitab al-Tafhim
Illustration der verschiedenen Mondphasen, aus dem Manuskript des Kitab al-Tafhim (Buch der Unterweisung in die Anfänge der Kunst der Sterndeutung) von Al-Biruni (973–1048)

Einleitung

Im November 2014 berichteten die Medien, dass innerhalb eines einzigen Monats die von sechzehn verschiedenen dschihadistischen Gruppen verübten Anschläge mehr als 5.000 Menschen töteten; der Großteil dieses Blutvergießens ereignete sich im Irak, gefolgt von Nigeria, Afghanistan und Syrien.¹ Spätestens seit dem 11. September 2001 haben die weltweiten Medien muslimische Täter im Zusammenhang mit Terrorismus, kleineren Konflikten und Kriegen häufig thematisiert. Die Prominenz von Muslimen in dieser Berichterstattung kann nicht vollständig als journalistischer Sensationalismus oder Voreingenommenheit abgetan werden. Wissenschaftliche Daten stützen die unverhältnismäßige Aufmerksamkeit für Muslime in der Berichterstattung über Gewalt. Zwei Drittel aller Kriege und etwa ein Drittel aller kleineren militärischen Konflikte im Jahr 2009 fanden in Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit statt.²

Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit haben zudem überproportional häufig autoritäre Herrschaftsformen erlebt, was einen wesentlichen Faktor darstellt, der zu Gewalt beiträgt. Im Jahr 2013 klassifizierte Freedom House weniger als ein Fünftel der neunundvierzig Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit als Wahldemokratien, während es drei Fünftel der 195 Länder weltweit als Wahldemokratien einordnete. Autoritarismus ist darüber hinaus ein vielschichtiges Phänomen; er steht mit mehreren Faktoren in Zusammenhang, insbesondere mit sozioökonomischer Unterentwicklung. Um das Jahr 2010 lagen in Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit die Durchschnittswerte des Bruttonationaleinkommens pro Kopf (BNE pro Kopf), der Alphabetisierungsrate, der Schuljahre sowie der Lebenserwartung sämtlich unter den weltweiten Durchschnittswerten, wie Tabelle 1.1 zeigt. Diese Daten führen zu der Frage: Warum sind Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit weniger friedlich, weniger demokratisch und weniger entwickelt?

Tabelle 1.1: Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit und die Welt (um 2010)
Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit (49) Alle Länder (ca. 195)
Gewalt (Gesamtzahlen) Kriege: 4
Kleinere Konflikte: 9
Kriege: 6
Kleinere Konflikte: 30
Autoritarismus Wahldemokratien: 14 % Wahldemokratien: 60 %
Unterentwicklung (Durchschnittswerte) BNE pro Kopf: 9.000 USD
Alphabetisierungsrate: 73 %
Schulbildung: 5,8 Jahre
Lebenserwartung: 66 Jahre
BNE pro Kopf: 14.000 USD
Alphabetisierungsrate: 84 %
Schulbildung: 7,5 Jahre
Lebenserwartung: 69 Jahre

Quellen: Gewalt: Daten des Uppsala Conflict Data Program (UCDP) für 2009, zitiert in Harbom und Wallensteen 2010, S. 506–7. Das UCDP definiert Konflikte mit mindestens 1.000 Todesopfern als Kriege und solche mit 25 bis 999 Todesopfern als kleinere Konflikte. Wahldemokratien: Freedom House 2013. BNE pro Kopf: Weltbank 2010. In meiner Berechnung wurde das BNE pro Kopf Katars (179.000 USD), das etwa dreimal so hoch war wie das des zweitplatzierten Landes weltweit, Luxemburg (61.790 USD), ausgeschlossen. Alphabetisierungsraten: Statistikabteilung der Vereinten Nationen 2013. Schuljahre und Lebenserwartung: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen 2011.

Die gegenwärtigen Probleme von Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit³ erscheinen besonders rätselhaft angesichts der wissenschaftlichen und sozioökonomischen Leistungen ihrer Vorgänger zwischen dem achten und zwölften Jahrhundert. In dieser Zeit brachte die muslimische Welt bedeutende Universalgelehrte hervor, wie etwa al-Fārābī, al-Bīrūnī und Ibn Sīnā, und spielte eine zentrale Rolle im interkontinentalen Handel,⁴ während Westeuropa⁵ einen randständigen Bereich der Alten Welt darstellte.⁶ Diese historische Erfahrung zeigt, dass der Islam durchaus mit wissenschaftlicher Blüte und sozioökonomischem Fortschritt vereinbar war.

al-Bīrūnī
Bildnis al-Bīrūnīs auf einer sowjetischen Briefmarke

Ab dem 11. und 12. Jahrhundert kehrte sich jedoch das Verhältnis der wissenschaftlichen und sozioökonomischen Entwicklung zwischen der muslimischen Welt und Westeuropa allmählich um. Insbesondere zwischen dem sechzehnten und achtzehnten Jahrhundert erlebte Westeuropa mehrere fortschreitende Transformationen, während die muslimische Welt stagnierte und zurückfiel. Als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die umfassende westliche Kolonisierung muslimischer Gebiete einsetzte, waren Muslime bereits mit vielfältigen intellektuellen, sozioökonomischen und politischen Problemen konfrontiert.

Daraus folgt, dass die politischen und sozioökonomischen Probleme gegenwärtiger muslimischer Länder langfristige historische Ursprünge haben und nicht einfach als Ergebnis entweder des Islams oder des westlichen Kolonialismus erklärt werden können. Der Unterschied zwischen der intellektuell und wirtschaftlich dynamischen muslimischen Welt ihrer Frühzeit einerseits und der stagnierenden muslimischen Welt ihrer späteren Geschichte andererseits erfordert eine differenziertere und anspruchsvollere Erklärung. Welche historischen Faktoren erklären diesen Unterschied und bilden die Wurzeln der gegenwärtigen Probleme der Muslime?

islam
Ein Kommentar zu Nāṣir ad-Dīn al-Ṭūsī’s Tadhkira von ʿAlī b. Muḥammad al-Dschurdschānī

Die Allianz zwischen Ulema und Staat

Meine These: Die Beziehungen zwischen religiösen, politischen, intellektuellen und wirtschaftlichen Klassen waren die Haupttriebkraft hinter den Veränderungen und Umkehrprozessen in den Entwicklungsniveaus sowohl der muslimischen Welt als auch Westeuropas. In der frühen islamischen Geschichte betrachteten islamische Gelehrte enge Verflechtungen mit politischen Autoritäten im Allgemeinen als korrumpierend; sie zogen es vor, durch Handel finanziert zu werden, und pflegten enge Beziehungen zu Kaufleuten. Einer Analyse zufolge arbeiteten vom achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts 72,5 Prozent der islamischen Gelehrten oder ihrer Familien im Handel und/oder in der Industrie.⁷

Die Distanz islamischer Gelehrter gegenüber staatlichen Autoritäten geht auf die Mitte des siebten Jahrhunderts zurück, als die Abū Ḥanīfa, Mālik, asch-Schāfiʿī und Ahmad ibn Hanbal -, die sich allesamt weigerten, in den Dienst des Staates zu treten. Darüber hinaus wurden diese Begründer aufgrund ihrer abweichenden Auffassungen von staatlichen Autoritäten inhaftiert und verfolgt. Schiitische religiöse Führer sahen sich seitens der politischen Klasse noch stärkerer Verfolgung ausgesetzt.

In der frühen islamischen Geschichte ermöglichte die Unabhängigkeit der islamischen Gelehrten vom Staat sowie der wirtschaftliche Einfluss der Kaufleute die von ihnen genossene Gedankenfreiheit, unterstützt von
Philosophen, einer vielfältigen Gruppe, die nicht nur sunnitische und schiitische Muslime, sondern auch Christen, Juden und Agnostiker umfasste. Diese Philosophen wurden sowohl von Kaufleuten als auch von politischen Autoritäten finanziert. Die Herrscher förderten insbesondere die Übersetzung antiker Werke (aus dem Griechischen, Syrischen, Mittelpersischen und Sanskrit ins Arabische). Gleichwohl existierten keine staatlich geleiteten Schulen, die Philosophie zu standardisieren. Daher war die staatliche Förderung von Philosophen in der frühen islamischen Geschichte für die intellektuelle Entfaltung weniger schädlich als die staatliche Förderung islamischer Gelehrter (der Ulema; Singular: ʿālim), wie sie sich nach dem elften Jahrhundert entwickelte.

Was sich im elften Jahrhundert in Zentralasien, Iran und Irak ereignete, war eine mehrdimensionale Transformation. Die abbasidischen Kalifen in Bagdad, die durch das Aufkommen schiitischer Staaten in Nordafrika, Ägypten, Syrien und sogar im Irak erheblich geschwächt waren, riefen zur Vereinigung der sunnitischen Muslime auf, um dieser Bedrohung zu begegnen. Um sunnitische Sultane, die Ulema und die Bevölkerung zu einen, proklamierten zwei abbasidische Kalifen zu Beginn des elften Jahrhunderts ein „sunnitisches Glaubensbekenntnis“; diejenigen, deren Ansichten als diesem widersprechend galten, darunter bestimmte Schiiten, rationalistische Theologen (Muʿtaziliten) und Philosophen, wurden zu Abtrünnigen erklärt und sahen sich der Gefahr der Hinrichtung ausgesetzt. Dieser Aufruf zur Formierung einer sunnitischen Orthodoxie fiel zeitlich mit dem Aufstieg der Ghaznawiden zusammen, eines sunnitischen Militärstaates in Zentralasien. Später entwickelte sich das Seldschukenreich (1040–1194) zu einem noch mächtigeren sunnitischen Militärstaat, der über ein ausgedehntes Territorium herrschte, das den größten Teil Zentralasiens, Irans, des Irak und Anatoliens umfasste.

Zentral für die seldschukische Herrschaft war die Ausweitung des iqṭāʿ, eines bereits bestehenden Systems der Zuweisung von Land- und Steuereinnahmen, das darauf abzielte, insbesondere landwirtschaftliche Erträge und die Wirtschaft insgesamt unter militärische Kontrolle zu bringen. Diese Politik schwächte die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die gesellschaftliche Stellung der Kaufleute, die zuvor sowohl die Ulema als auch die Philosophen finanziell unterstützt hatten. Ein seldschukischer Großwesir initiierte zudem die Gründung einer Reihe von Madrasen, der sogenannten Niẓāmīya-Schulen, mit dem Ziel, konkurrierende sunnitische Rechtsschulen und theologischen Richtungen zu vereinnahmen und sunnitische Ulema auszubilden, die Schiiten, Muʿtaziliten und Philosophen herausfordern konnten. Der herausragende Gelehrte al-Ġazālī spielte in diesem Projekt eine zentrale Rolle, indem er zahlreiche einflussreiche Werke verfasste, die diese drei „unorthodoxen“ Gruppen kritisierten.

Vom zwölften bis zum vierzehnten Jahrhundert verbreitete sich das seldschukische Modell der Allianz zwischen Ulema und Staat auf andere sunnitische Staaten in al-Andalus, Ägypten und Syrien, insbesondere auf das Mamlukenreich. Die Invasionen der Kreuzfahrer und der Mongolen beschleunigten die Ausbreitung dieser Allianz, da muslimische Gemeinschaften angesichts des Chaos fremder Eroberungen Schutz bei militärischen und religiösen Autoritäten suchten. Später, etwa im sechzehnten Jahrhundert, errichteten Muslime drei mächtige Militärreiche: das sunnitische Osmanische Reich, das schiitische Safawidenreich und das sunnitisch geprägte (jedoch nicht konfessionell gebundene) Mogulreich. Diese Reiche etablierten Varianten der Allianz zwischen Ulema und Staat in einem Gebiet, das sich vom Balkan bis nach Bengalen erstreckte.⁸ Diese Reiche waren militärisch sehr mächtig, doch es gelang ihnen nicht, die intellektuelle und ökonomische Dynamik der frühen Muslime wiederzubeleben, da sie Philosophen weitgehend ausschalteten und Kaufleute marginalisierten.⁹

Während die muslimische Welt an intellektuellem und wirtschaftlichem Schwung verlor, setzte der Aufstieg Westeuropas ein. In der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts vollzogen sich in Westeuropa drei Transformationen. Erstens versuchten die katholische Kirche und die königlichen Autoritäten, einander zu beherrschen, scheiterten jedoch daran – was zur Institutionalisierung ihrer Trennung als modus vivendi führte. Dies trug wesentlich zur Dezentralisierung sowie zum Machtgleichgewicht zwischen westeuropäischen Akteuren und Institutionen bei. Zweitens entstanden Universitäten, die eine institutionelle Grundlage für das allmähliche Auftreten und den wachsenden Einfluss der intellektuellen Klasse bildeten. Viele revolutionäre Denker – von Thomas von Aquin über Martin Luther bis hin zu Kopernikus, Galileo und Newton – waren Universitätsabsolventen und -professoren. Drittens begann die Kaufmannsschicht, die zum Motor der wirtschaftlichen Durchbrüche Westeuropas werden sollte, zu florieren.¹⁰ Diese neuen Beziehungen zwischen religiösen, politischen, intellektuellen und wirtschaftlichen Klassen setzten schließlich verschiedene fortschrittliche Prozesse in Gang, darunter die Renaissance, die Revolution des Buchdrucks, die geographischen Entdeckungen, die protestantische Reformation, die wissenschaftliche Revolution, die Amerikanische und die Französische Revolution sowie die Industrielle Revolution. Infolge dieser Entwicklungen übertraf Westeuropa seine einst überlegenen Konkurrenten, die muslimische Welt und China.

Nach nahezu einem Jahrhundert westlichem Kolonialismus begannen Muslime in den 1920er und 1930er Jahren, unabhängige Staaten zu errichten. Diese Staaten erbten tiefgreifende politische und sozioökonomische Probleme als Ergebnis jahrhundertelanger intellektueller und wirtschaftlicher Stagnation, gefolgt von kolonialer Ausbeutung. Um die Probleme von Gewalt, Autoritarismus und sozioökonomischer Unterentwicklung zu bewältigen, benötigten muslimische Länder kreative Intellektuelle (d. h. Denker, die etablierte Perspektiven kritisch hinterfragen und originelle Alternativen entwickeln) sowie eine unabhängige Bourgeoisie (d. h. wirtschaftliche Unternehmer wie Kaufleute, Bankiers und Industrielle).¹¹

Doch diese beiden Klassen entstanden in den meisten muslimischen Ländern nicht – ein Fehlen, das ich auf die historische (nach dem elften Jahrhundert einsetzende) Dominanz der Allianz zwischen Ulema und Staat zurückführe. Gleichwohl schafften neu entstandene Staaten in der muslimischen Welt – mit wenigen Ausnahmen wie Saudi-Arabien – seit den 1920er Jahren, beginnend mit der Türkei und dem Iran, diese Allianz ab und übernahmen säkularere Arrangements politischer Herrschaft. Doch warum bildeten sich selbst in diesen Fällen politischer Säkularisierung keine unabhängigen intellektuellen und bürgerlichen Klassen mit maßgeblichem Einfluss heraus?

auge
Darstellung des menschlichen Auges nach Hunayn ibn Ishaq, aus einem Manuskript um 1200.

Säkularisten und islamische Akteure

Trotz ihrer jahrhundertelangen Auseinandersetzungen haben sowohl Säkularisten als auch islamische Akteure zur anhaltenden Marginalisierung von Intellektuellen und Bürgertum in ihren Gesellschaften beigetragen. Für den Beitrag der Säkularisten lassen sich drei Hauptgründe anführen. Erstens waren die meisten säkularistischen Führer des 20. Jahrhunderts in Ländern wie der Türkei, dem Iran, Ägypten, dem Irak, Syrien, Algerien, Tunesien, Pakistan und Indonesien ehemalige Militärangehörige. Aufgrund ihrer Ausbildung und Sozialisation waren sie kaum in der Lage, die Bedeutung von Intellektuellen und Bürgertum für die politische und wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder angemessen zu würdigen. Zweitens standen diese säkularistischen Führer im Allgemeinen unter dem Einfluss sozialistischer und faschistischer Ideologien im Besonderen sowie autoritär-modernistischer Ideen im Allgemeinen. Folglich setzten sie der Gesellschaft ideologische Vorstellungen auf und etablierten staatliche Kontrolle über die Wirtschaft, indem sie die intellektuellen und bürgerlichen Klassen einschränkten. Drittens versuchten viele säkularistische Herrscher willkürlich, den Islam zur Legitimation ihrer Regime zu instrumentalisieren. Eine solche Kooptation stärkte letztlich die etablierte Ulema auf Kosten unabhängiger islamischer Gelehrter und Intellektueller.

Obwohl viele moderne Staaten in der muslimischen Welt von säkularistischen Führern gegründet wurden, erlebten sie infolge politischer Fehlleistungen der Säkularisten und eines allgemeinen gesellschaftlichen Konservatismus eine Islamisierung des öffentlichen Lebens. Diese Islamisierung erhöhte den Status dreier Gruppen islamischer Akteure, die gegenüber Intellektuellen und Bürgertum eine ablehnende Haltung teilen. Eine dieser Gruppen sind die Ulema, die in Madrasen oder in deren modernisierten Entsprechungen (wie etwa den theologischen Fakultäten in der Türkei) in islamischen Disziplinen ausgebildet werden, darunter Rechtswissenschaft (fiqh), Hadith und Koranexegese. Eine weitere Gruppe sind die Islamisten, die über politische Parteien und Bewegungen an Wahlen oder anderen Formen politischer Aktivität teilnehmen. Die dritte Gruppe bilden die Sufi-Scheichs, die als mystische und soziale Führer von Sufi-Orden (ṭarīqas) fungieren.

Trotz ihrer internen Differenzen teilen diese islamischen Akteure eine ablehnende Haltung gegenüber einer unabhängigen Bourgeoisie, was auf ihre staatszentrierte und hierarchische Sichtweise zurückzuführen ist, der zufolge religiöse und politische Autoritäten als Träger des höchsten sozialen Status gelten. Diese islamischen Akteure haben zudem eine gemeinsame antiintellektuelle Haltung entwickelt. Diese Haltung folgt der Erkenntnistheorie der Ulema, die auf vier hierarchisch geordneten Quellen basiert: dem Koran, den Hadithen (den Überlieferungen der Worte und Handlungen des Propheten), dem Konsens der Ulema (iǧmāʿ) sowie dem Analogieschluss (qiyās).¹² Zwei Merkmale dieser Erkenntnistheorie wirken neuen Interpretationen des Islams, insbesondere durch muslimische Intellektuelle, entgegen. Erstens beschränkt sie die Vernunft auf die Bildung von Analogien in Fällen, in denen die wörtliche Bedeutung von Koran und Hadithen keine eindeutige Regelung bietet und unter den Gelehrten kein Konsens besteht.¹³ Zweitens etabliert sie – eng damit verbunden – den Konsens der Ulema als verfestigte Autorität, wodurch alternative Auffassungen geschwächt werden.

Tatsächlich beruht das Konzept des Konsenses als rechtsmethodisches Prinzip auf einem Hadith: „Meine Gemeinschaft wird sich niemals auf einen Irrtum einigen.“ Der Begriff „Gemeinschaft“ bezog sich hierbei ursprünglich auf die muslimische Gemeinschaft insgesamt. Wäre diese weite Bedeutung beibehalten worden, hätte dieses Konzept Möglichkeiten für Partizipation und Wandel eröffnen können. Die Ulema haben jedoch das Konzept des Konsenses monopolisiert, indem sie es ausschließlich auf sich selbst bezogen interpretierten und es so zu „einer Bastion des Konservatismus“ machten.¹⁴

Die frühen Muslime maßen der Vernunft tatsächlich eine bedeutendere und emanzipatorische Rolle bei. Abū Ḥanīfa (699–767), der Begründer der frühesten sunnitischen Rechtsschule, erkannte das auf Vernunft gegründete Urteil eines Juristen als wichtige Quelle rechtlicher Autorität an. Zwei Generationen später entwickelte jedoch asch-Schāfiʿī eine rechtsmethodische Lehre, die dem wörtlichen Verständnis von Koran und Hadithen den Vorrang einräumte, gefolgt vom Konsens der Ulema, und die Rolle der Vernunft auf bloße Analogie beschränkte. Darüber hinaus beeinflusste diese rechtsmethodische Konzeption – insbesondere durch die Werke bedeutender Ulema wie al-Ġazālī – auch andere Bereiche islamischen Wissens, etwa die Theologie und den Sufismus.¹⁵ Zunächst war die Methode asch-Schāfiʿīs nur eine von mehreren konkurrierenden rechtsmethodischen Ansätzen. Mit der Etablierung der Allianz zwischen Ulema und Staat seit dem elften Jahrhundert entwickelte sie sich jedoch allmählich zur zentralen Grundlage sunnitischer Orthodoxie. Schließlich übernahmen auch die Hanafiten diese Methodologie, ebenso wie die Malikiten und Hanbaliten.¹⁶

Folglich entwickelte sich die von asch-Schāfiʿī begründete Rechtsmethodik zu einer dominanten Erkenntnistheorie, die auch andere Wissensbereiche in der muslimischen Welt ordnete. „Wenn es zulässig wäre, die islamische Kultur nach einem ihrer Produkte zu benennen“, schrieb Mohammed Abed al-Jabri in den 1980-er Jahren, „dann würden wir sie als ‚Kultur des fiqh (der Rechtswissenschaft)‘ bezeichnen, in demselben Sinne, in dem wir von der griechischen Kultur als einer ‚Kultur der Philosophie‘ und von der zeitgenössischen europäischen Kultur als einer ‚Kultur von Wissenschaft und Technologie‘ sprechen.“ Für al-Jabri sind die von asch-Schāfiʿī formulierten Regeln der Rechtsmethodik „für die Herausbildung der arabisch-islamischen Vernunft nicht weniger bedeutsam als die von Descartes aufgestellten ‚Regeln der Methode‘ für die Formierung der französischen Vernunft“.¹⁷

Es gab einige Versuche, zusätzliche Wissensquellen in diese rechtsmethodische Erkenntnistheorie einzubeziehen. Obwohl al-Ġazālī ein bedeutender Vertreter dieser Erkenntnistheorie war, insbesondere hinsichtlich der Zurückdrängung der Vernunft, war er zugleich ein differenzierter Gelehrter mit komplexen, nicht immer konsistenten Auffassungen. Er vertrat die Idee der fünf „höheren Ziele“ (maqāṣid) des islamischen Rechts. Etwa drei Jahrhunderte später entwickelte der andalusische Jurist aš-Šāṭibī diese fünf Ziele – den Schutz von Religion, Leben, Verstand, Nachkommenschaft und Eigentum – weiter, um die Rechtswissenschaft flexibler zu gestalten.¹⁸ Auch die Förderung mystischen Wissens durch Sufi-Scheichs stellte einen Versuch dar, die erkenntnistheoretischen Beschränkungen des muslimischen Geisteslebens zu lockern.¹⁹ Dennoch blieben diese Bemühungen im Vergleich zur dominanten, ursprünglich von asch-Schāfiʿī formulierten Erkenntnistheorie weitgehend folgenlos, da diese der Vernunft nur eine marginale Rolle und empirischer Erfahrung überhaupt keine Rolle zuweist. Diese Erkenntnistheorie war eine Quelle des Antiintellektualismus unter den Ulema, Islamisten und Sufi-Scheichs.

Seit den 1980er Jahren erlebten viele muslimische Länder eine Islamisierung des öffentlichen Lebens²⁰ als Teil des globalen Aufstiegs religiöser Bewegungen.²¹ Ulema, Islamisten und Sufis gewannen an öffentlichem Einfluss und verstärkten die Marginalisierung der intellektuellen und bürgerlichen Klassen. Auch die Säkularisten waren bei der Umsetzung ihrer autoritären säkularistischen Ideologien und Politiken weitgehend antiintellektuell und antibürgerlich ausgerichtet. Unter diesen klassenstrukturellen Bedingungen ist es den muslimischen Ländern größtenteils nicht gelungen, ihre vielschichtigen und historisch verwurzelten Probleme zu lösen.

Diejenigen, die den Islam als inhärent gegen eine Trennung von Religion und Staat gerichtet betrachten, mögen meine Erklärung als pessimistisch ansehen. Für sie gilt: Wenn die Allianz zwischen Ulema und Staat die Ursache der Probleme der Muslime ist, dann gibt es keinen Weg zu ihrer Lösung, da diese Allianz auf einem im Wesen des Islams angelegten, nicht-trennenden Verständnis der Beziehungen zwischen Religion und Staat beruht. Meine Analyse zeigt jedoch, dass die Allianz zwischen Ulema und Staat weder ein wesentlicher Bestandteil von Koran und Hadithen noch ein dauerhaftes Merkmal der islamischen Geschichte ist. Die frühe islamische Geschichte enthält Beispiele für eine Trennung von Religion und Staat, und es ist ein Irrtum, den Islam als grundsätzlich gegen eine solche Trennung gerichtet zu betrachten. Doch worin liegt die Ursache dieses weit verbreiteten und inzwischen konventionell gewordenen Missverständnisses?

Imaginäre Debatte
Imaginäre Debatte zwischen AverroesPorphyrios. Quelle: Monfredo de Monte Imperiali „Liber de herbis“, 14. Jahrhundert. Reproduktion in Samuel Sadaune: „Inventions et decouvertes au Moyen-Age“

Religion und Staat (dīn wa dawla)

Es gibt zwei Hauptquellen der verbreiteten Auffassung über das Verhältnis des Islams zum Staat. Eine Quelle ist das Werk westlicher (d. h. nordamerikanischer und westeuropäischer) Gelehrter, die die quasi-islamischen politischen Auffassungen der Ulema, wie sie im elften Jahrhundert und danach formuliert wurden, als Definition dessen übernommen haben, was im Wesentlichen als islamisch gilt. In seinem bekannten Werk Political Thought in Medieval Islam schreibt Erwin Rosenthal fälschlicherweise dem Propheten Muhammad die Aussage zu: „Religion und (weltliche) Macht sind Zwillinge.“²² Rosenthal behauptet, es sei al-Ġazālī gewesen, der diesen „Hadith“ zitiert habe.²³ In Moderation in Belief – von Rosenthal zitiert – definiert al-Ġazālī tatsächlich Religion und Staat als Zwillinge: „Es ist gesagt worden, dass Religion und Sultan Zwillinge sind, und auch, dass die Religion ein Fundament und der Sultan ein Wächter ist: Was kein Fundament hat, stürzt ein, und was keinen Wächter hat, geht verloren.“²⁴ Als al-Ġazālī jedoch schrieb „es ist gesagt worden“, bezog er sich nicht auf einen Hadith. Tatsächlich war die Maxime „Religion und königliche Autorität sind Zwillinge“ ein wohlbekanntes Sprichwort, das nicht prophetischen, sondern sassanidischen Ursprungs ist.²⁵

Etwa eineinhalb Jahrhunderte vor al-Ġazālī zitierte der Historiker al-Masʿūdī in seinem Werk eine arabische Übersetzung eines sassanidischen Textes. In der Darstellung al-Masʿūdīs gibt der Gründer des Sassanidenreiches, A“rdašīr I. (reg. 224–242), in seinem Testament folgenden Rat: Religion und königliche Autorität sind Zwillinge, die nicht ohne einander existieren können; denn die Religion ist das Fundament der königlichen Autorität, und die königliche Autorität ist der Wächter der Religion. Jede Struktur, die nicht auf einem Fundament ruht, stürzt ein, und jede Struktur, die nicht geschützt wird, geht zugrunde.“²⁶ Bereits vor al-Masʿūdī war das Testament Ardašīrs mehrfach aus dem Mittelpersischen ins Arabische übersetzt worden; die erste Übersetzung entstand bereits im achten Jahrhundert.²⁷ Insgesamt stammt die Idee einer Einheit von Religion und Staat in der muslimischen Welt aus einem sassanidischen und nicht einem islamischen Text.

In verschiedenen Phasen seines Lebens unterhielt al-Ġazālī (1058–1111) widersprüchliche Beziehungen zu staatlichen Autoritäten – ein weiterer Hinweis darauf, dass die Beziehungen zwischen Islam und Staat nie eindeutig waren. Zu Beginn seiner Laufbahn lehrte al-Ġazālī an einer staatlich kontrollierten Madrasa und unterlag direktem Einfluss der Herrscher. Später sagte er sich vollständig vom Staat los, um ein unabhängiger Sufi und Gelehrter zu werden, und erklärte sein Bedauern über frühere Verflechtungen mit staatlichen Autoritäten.²⁸ Gegen Ende seines Lebens änderte sich die Situation erneut, als er vorübergehend an eine öffentliche Madrasa zurückkehrte. Die Schriften al-Ġazālīs spiegeln diese inkonsistente Beziehung zum Staat wider. In seinem Hauptwerk, Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften (Iḥyāʾ ʿulūm ad-dīn), das den Sufismus fördert, wiederholte al-Ġazālī zwar seine Aussagen über die „Bruderschaft“ von Religion und Staat,²⁹ mahnte jedoch zugleich die Ulema, enge Verbindungen zu Herrschern zu vermeiden, die er im Allgemeinen als korrupt und repressiv charakterisierte.³⁰ Somit überlebten trotz der Ausbildung der Allianz zwischen Ulema und Staat im elften Jahrhundert die früheren Vorstellungen der Ulema von einer notwendigen Distanz zwischen Gelehrten und politischen Autoritäten teilweise in den muslimischen Gesellschaften.

Die islamistische Propaganda stellt die zweite Quelle der Fehlwahrnehmung dar, der zufolge der Islam grundsätzlich gegen eine Trennung von Religion und Staat gerichtet sei. Obwohl Islamisten nur in wenigen Ländern politische Macht erlangt haben, trugen sie wesentlich zur Islamisierung der öffentlichen Sphäre in der muslimischen Welt bei und prägten die globalen Wahrnehmungen des Islams. Im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts lehnten islamistische Führer – darunter Ḥasan al-Bannā (der Gründer der Muslimbruderschaft in Ägypten), Abū l-Aʿlā Maudūdī (der Gründer der Ǧamāʿat-i Islāmī auf dem indischen Subkontinent) und Rūḥollāh Ḫomeinī (der Begründer der Islamischen Republik Iran) – die Idee eines säkularen Staates ab und befürworteten die Integration von Religion und Staat, wobei sie über das vormoderne Konzept einer Allianz zwischen Religion und Staat hinausgingen.

Al-Bannā (1906–1949) popularisierte die Vorstellung, dass der Islam zugleich Religion und Staat sei (al-islām dīn wa dawla).³¹ Ḫomeinī (1902–1989) war sowohl ein bedeutendes Mitglied der schiitischen Ulema als auch ein islamistischer Revolutionsführer.³² Für Ḫomeinī sind der „Slogan der Trennung von Religion und Politik sowie die Forderung, dass islamische Gelehrte sich nicht in gesellschaftliche und politische Angelegenheiten einmischen sollen“ von den Imperialisten verbreitet worden, und „“ die Irreligiösen wiederholen sie“.³³ Ḫomeinīs Konzept der Herrschaft des Rechtsgelehrten (velāyat-e faqīh), das eine in dieser Form beispiellose Dominanz der Ulema über sowohl judikative als auch exekutive Gewalt implizierte, wurde zur Grundlage des nachrevolutionären politisch-rechtlichen Systems im Iran.

Im zwanzigsten und frühen einundzwanzigsten Jahrhundert gab es jedoch auch westliche Gelehrte und muslimische Denker, die argumentierten, dass der Islam eine Trennung von Religion und Staat nicht inhärent ablehne. Der Historiker Ira Lapidus vertrat in mehreren Publikationen die Auffassung, dass bereits in der frühen islamischen Geschichte ein gewisses Maß an Trennung zwischen Islam und Staat existierte. Für ihn entstand die Allianz zwischen Ulema und Staat erst im Verlauf und nach dem elften Jahrhundert.³⁴

Drei muslimische Denker haben in ähnlicher und überzeugender Weise argumentiert, dass die Trennung von Religion und Staat integraler Bestandteil islamischen Denkens und Handelns sei. Einer dieser Denker war Sayyid Bey, ein islamischer Jurist und Mitglied der osmanischen Ulema. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurde er Justizminister. Im Jahr 1924 hielt Sayyid Bey eine berühmte Rede im türkischen Parlament, die viele Abgeordnete davon überzeugte, das Kalifat abzuschaffen. In dieser Rede argumentierte er für die Notwendigkeit und Realität einer gewissen Trennung von Islam und Staat, indem er geltend machte, dass (1) der Islam keine politische Institution wie das Kalifat vorschreibe und es den Menschen überlasse, ihre politischen Institutionen selbst zu bestimmen; (2) das Kalifat auf der Repräsentation des Volkes beruht habe und das neue und wahre Repräsentationsorgan des Volkes das Parlament sei; (3) der Prophet Muḥammad erklärt habe, dass das wahre Kalifat nur dreißig Jahre nach ihm bestehen werde und danach durch ein korrumpiertes Sultanat ersetzt werde; und (4) sich viele Araber im Ersten Weltkrieg gegen den osmanischen Kalifen mit Großbritannien verbündet hätten.³⁵

Ein Jahr später verfasste der ägyptische islamische Jurist und Richter ʿAlī ʿAbd ar-Rāziq eine einflussreiche Abhandlung gegen die Idee eines islamischen Kalifats. Er argumentierte, dass (1) weder im Koran noch in den Hadithen ein Beleg für die Notwendigkeit einer islamischen politischen Autorität (Kalifen) existiere; (2) die politischen Handlungen des Propheten Muḥammad aus weltlichen Notwendigkeiten resultierten und nicht Teil seiner eigentlichen religiösen Mission gewesen seien; (3) der Prophet weder einen politischen Nachfolger noch ein politisches System hinterlassen habe; und (4) die Geschichte der umayyadischen und abbasidischen Kalifate von Aufständen und Unterdrückung geprägt gewesen sei, was den korrumpierenden Charakter politischer Herrschaft zeige.³⁶

Etwa ein Jahrhundert später verteidigte ein weiterer Ägypter, Gamal al-Bannā, eine ähnliche These. Er war ein autodidaktischer muslimischer Denker, ein linksgerichteter Autor sowie der jüngste Bruder von Ḥasan al-Bannā. In seinem Werk al-Islām dīn wa umma wa laysa dīnan wa dawla („Der Islam ist Religion und Gemeinschaft, nicht Religion und Staat“), argumentiert Gamal, dass staatliche Macht jede Religion, einschließlich des Islams, inhärent und unvermeidlich korrumpiert. Er führt Koranverse an, die betonen, dass der Prophet Muḥammad ein Gesandter und kein Herrscher war; dass es Gott und nicht einer menschlichen Autorität – nicht einmal dem Propheten – obliegt, den Glauben in die Herzen der Menschen zu legen; dass Glauben oder Nichtglauben eine persönliche Entscheidung ist; dass es keine weltliche Strafe für Apostasie gibt; und dass der Islam die Gemeinschaft und nicht den Staat in den Mittelpunkt stellt. Gamal vertrat die Auffassung, dass die politische Autorität des Propheten heute nicht als Vorbild dienen sollte, da seine Herrschaft sich in ihren institutionalisierten Zwangs- und anderen Kapazitäten grundlegend vom modernen Staat unterschied.³⁷

Im Gegensatz zu Ḥasan al-Bannā, Maudūdī und Ḫomeinī hatten jene muslimischen Denker, die eine Trennung von Religion und Staat befürworteten, nur geringen Einfluss auf die Politik in muslimischen Gesellschaften. Obwohl Sayyid Bey kein Islamist war, galt er aus der Sicht Mustafa Kemals (später Atatürk) als zu islamisch-konservativ. Unmittelbar nachdem Sayyid Bey zur Abschaffung des Kalifats beigetragen hatte, ersetzte Mustafa Kemal ihn durch einen neuen, strikt säkularistischen Justizminister. Auch ʿAlī ʿAbd ar-Rāziq sah sich einer ähnlichen Entlassung gegenüber, die von den Ulema ausging, die – anders als ihre Gegenstücke im säkularisierenden Türkei – in Ägypten weiterhin einflussreich waren. Als Reaktion auf ʿAbd ar-Rāziqs Buch, das die Idee des Kalifats kritisierte, verurteilte ihn der Ulema-Rat von al-Azhar – der berühmten Madrasa, an der er studiert hatte -, entzog ihm seine Lehrbefugnis und machte es ihm damit unmöglich, als Richter tätig zu sein. In jüngerer Zeit erreichte der Einfluss von Gamal al-Bannā nicht annähernd den seines islamistischen älteren Bruders.

Für den begrenzten Einfluss dieser muslimischen Denker lassen sich zwei Gründe anführen. Erstens fand ihre vermittelnde Position zwischen Islamisten und Säkularisten bei keiner dieser beiden polarisierten Gruppen Unterstützung. Zweitens war die Vorstellung einer Allianz zwischen Islam und Staat – genauer gesagt der Allianz zwischen Ulema und Staat – in der Türkei, in Ägypten und in vielen anderen muslimischen Gesellschaften so fest etabliert, dass diejenigen, die sie kritisierten, mit hoher Wahrscheinlichkeit marginalisiert, wenn nicht sogar verfolgt wurden.
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¹ Ian Black, „Jihadi Groups Killed More than 5,000 People in November“, The Guardian, 10. Dezember 2014.
² Siehe Tabelle 1.1.
³ Der Einfachheit halber werde ich im Folgenden „Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit“ als „muslimische Länder“ bezeichnen.
⁴ In dieser Zeit entwickelten muslimische Kaufleute mehrere wirtschaftliche Instrumente, wie etwa den Scheck und den Wechsel (vgl. Braudel 1982, S. 556; Udovitch 1979, S. 263, 269; Van Zanden 2009, S. 61). Das persische Wort sakk ist der Ursprung des heutigen Begriffs „Scheck“ (Bloom und Blair 2002, S. 114).
⁵ Bei der Analyse des Mittelalters verwendet dieses Buch im Allgemeinen die Begriffe „westliche Christen“ oder „Katholiken“, wenn sie mit einer anderen religiös-kulturellen Einheit, den „Muslimen“, verglichen werden. Insbesondere seit Reformation und Aufklärung wird es jedoch zunehmend schwierig, diese Begriffe angesichts der komplexen religiösen und säkularen Identitäten in Westeuropa zu verwenden. Für die Neuzeit verwende ich daher den Begriff „Westeuropäer“ und beziehe mich dabei auf eine kulturell-zivilisatorische und nicht lediglich geografische Einheit. Mit „westeuropäischen Ländern“ sind die heutigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeint, mit Ausnahme Bulgariens, Zyperns und Griechenlands (die Osteuropa zugerechnet werden), sowie einschließlich der Schweiz und Norwegens.
⁶ Im späten achten Jahrhundert war der wirtschaftliche Einfluss der muslimischen Welt auf Westeuropa so groß, dass im angelsächsischen Königreich Mercia König Offa Nachprägungen von abbasidischen Goldmünzen herstellen ließ, die (fehlerhafte) arabische Inschriften trugen: „Es gibt keinen Gott außer Gott [Allah], der keinen Gefährten hat“ und „Muhammad ist der Gesandte Gottes [Allah]“ (Beckett 2003, S. 58).
Cohen 1970, S. 36 (Tabelle A-1).
⁸ Obwohl diese drei Reiche die muslimische Welt dominierten, existierten weitere muslimische politische Einheiten, darunter kleinere Staaten im heutigen Indonesien und Malaysia. Im Unterschied zu den drei Großreichen verfügten mehrere dieser südostasiatischen Staaten nicht über eine Allianz zwischen Ulema und Staat und waren vorwiegend handelsorientiert (vgl. Hefner 2000, S. 14, 26; Lombard 2000, S. 120;
Reid 1993a
, Kap. 1 und 2).

Diese Staaten konnten jedoch aus zwei Hauptgründen kein alternatives Modell von Klassenbeziehungen für die muslimische Welt bereitstellen. Erstens existierte der Islam selbst noch im sechzehnten Jahrhundert in diesen Regionen neben lokalen religiösen Überzeugungen und Praktiken. Nach Anthony
Reid
(1993b, S. 156) „sind keine islamischen Texte in südostasiatischen Sprachen bekannt, die vor 1590 entstanden sind.“ Zweitens setzte die europäische Kolonisation in dieser Region bereits im siebzehnten Jahrhundert ein. Folglich war die Zeitspanne zwischen Islamisierung und Kolonisierung zu kurz, um ein südostasiatisches Modell auszubilden. Zudem beeinflussten im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert Interpretationen des Islams aus dem Nahen Osten die Muslime Südostasiens, und nicht umgekehrt (vgl. Hefner 2009, S. 15–23).

⁹ Nach Ibn Khaldūn (gest. 1406) in der Geschichtswissenschaft, ʿAlī Kušǧī (gest. 1474) in der Astronomie sowie Taftāzānī (gest. 1390) und Ǧurǧānī (gest. 1414) in der Theologie brachte die muslimische Welt nur noch selten Gelehrte dieses Formats hervor, mit wenigen Ausnahmen wie Taqīyuddīn (gest. 1585) in der Astronomie und Mullā Ṣadrā (gest. 1640) in der Philosophie.
¹⁰ Europäische Universitäten lehrten bis ins sechzehnte Jahrhundert hinein Übersetzungen mehrerer Werke muslimischer Universalgelehrter, etwa von Ibn Sīnā.
¹¹ Nach Eric Hobsbawm (1987, S. 170) ist die Definition der Bourgeoisie „bekanntermaßen schwierig“, und verschiedene westliche Sprachen verwenden „schwankende und unpräzise Kategorien“ wie „Großbürgertum“ oder „Kleinbürgertum“.
¹² Die Rolle der Muslimbruderschaft bei der Ausarbeitung einer neuen ägyptischen Verfassung im November 2012 spiegelt die Anerkennung der Autorität der Ulema zur Interpretation des islamischen Rechts durch islamistische Akteure wider. In diesem Verfassungsentwurf statteten die islamistischen Akteure die führenden Ulema von al-Azhar mit beratender Autorität „in Angelegenheiten des islamischen Rechts“ (Art. 4) aus, das als „Hauptquelle der Gesetzgebung“ in Ägypten galt (Art. 2). Vgl. auch Euben und Zaman 2009, S. 19; Roy 1996, S. x.
¹³ Die Erkenntnistheorie der schiitischen Ulema ist ähnlich, wenngleich für sie der Konsens weniger verbindlich ist und der Vernunft größere Bedeutung beigemessen wird (vgl. Weiss 1998, S. 36). Die überwiegende Mehrheit der Muslime weltweit (87–90 %) sind Sunniten, während der Rest (10–13 %) Schiiten sind (vgl. Pew Research Center 2009, S. 1). Unter den muslimischen Ländern sind fünfundvierzig mehrheitlich sunnitisch, während die übrigen vier (Iran, Irak, Aserbaidschan und Bahrain) mehrheitlich schiitisch sind.
¹⁴ Lambton 1981, S. 10, 12.
¹⁵ al-Ġazālī 2015 [ca. 1097].
¹⁶ Lambton 1981, S. 4; McAuliffe 2015, S. 196; Abou El Fadl 2014, S. xxxiv–vii.
¹⁷ Al-Jabri 2011 [1984], S. 109, 114.
¹⁸ Opwis 2010; Masud 1995; al-Raysuni 2005; Zaman 2012, Kap. 4.
¹⁹ Al-Ġazālī spielte ebenfalls eine Rolle bei der Förderung mystischen Wissens. Er kritisierte die Überbetonung des fiqh als Übertreibung und versuchte, sie durch den Sufismus auszugleichen. Al-Ġazālī (2015 [ca. 1097], S. 87–90) stellte fest, dass der Begriff fiqh im Koran und in den Hadithen nicht im engen Sinne der Rechtswissenschaft (im Sinne der Kenntnis juristischer Details) zu verstehen ist, sondern vielmehr umfassendere Bedeutungen wie Verständnis, Frömmigkeit und mystische Einsicht umfasst.
²⁰ Eine zwischen 2002 und 2010 in fünfzehn Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas durchgeführte Umfrage zeigt, dass sich 70 % der Befragten in erster Linie als Muslime und nicht über nationale oder andere Identitäten definieren (vgl. Tessler 2015, S. 81).
²¹ Casanova 1994;
Berger
1999; Juergensmeyer 2007.

²² Rosenthal 1958, S. 8; vgl. auch Lambton 1981, S. xv.
²³ Rosenthal 1958, S. 39.
²⁴ al-Ġazālī 2013 [1095], S. 231.
²⁵ Bagley 1964, S. xlii; Abbès 2015, S. 56.
²⁶ Zitiert nach al-Masʿūdī 1863 [947], S. 162; vgl. auch Le Testament d’Ardashir 1966, S. 49, 62.
²⁷ Askari 2016, S. 155; Boyce 1968, S. 14.
²⁸ Griffel 2009, S. 43–44.
²⁹ „Staat und Religion sind Zwillinge. Die Religion ist das Fundament, während der Staat ihr Wächter ist. Was kein Fundament hat, wird gewiss zusammenbrechen, und was keinen Wächter hat, geht verloren.“ Al-Ġazālī 1962 [ca. 1097], S. 33–34; vgl. auch al-Ġazālī 1974a [ca. 1097], S. 15.
³⁰ al-Ġazālī 1962 [ca. 1097], S. 172–176; al-Ġazālī 2015 [ca. 1097], S. 199–203; al-Ġazālī 1974b [ca. 1097], S. 344.
³¹ al-Bannā 1979 [1938–1945], S. 179; ebenso S. 18, 317–318, 356. Der Muslimbruderschaft zufolge bedeute der Aufruf zum Islam zugleich, dass „die Regierung ein Teil davon ist“. Wenn Kritiker sagen: „Das ist Politik“, solle man antworten: „Das ist der Islam, und wir erkennen solche Trennungen nicht an.“ al-Bannā 1978 [1938–1945], S. 36; vgl. auch al-Bannā 1979 [1938–1945], S. 110.
³² Maudūdī erhielt ebenfalls eine Madrasa-Ausbildung, verbarg dies jedoch. Vgl. Nasr 1996, S. 19; Moosa 2015, S. 24.
³³ Ḫomeinī 1981 [1970], S. 38; vgl. auch 1960, insbesondere S. 202–204.
³⁴ Lapidus 1975; Lapidus 1996.
³⁵ Bey 1969 [1924], S. 40–61; Bey 1942 [1924].
³⁶ ʿAbd ar-Rāziq 2012 [1925], insbesondere S. 36–56, 71–74, 87–96, 104–107. Für Befürworter und Kritiker von ʿAbd ar-Rāziqs These siehe Filali-Ansary 2002, insbesondere S. 47–77; Filali-Ansary 2003, S. 95–114; Radhan 2014, S. 22–24, 112–125; Ali 2009.
³⁷ al-Bannā 2003, S. 3–4, 12–18, 38–39; vgl. auch al-Bannā 2001.

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Centraal auf Pfählen

Amsterdam centraal

Der Bahnhof Amsterdam Centraal wurde auf drei künstlichen Inseln gebaut und steht wegen des sandigen, feuchten Untergrundes auf rund 9000 Holzpfählen. Am 15. Oktober 1889 wurde der Bahnhof eröffnet und ersetzte damit die Bahnstationen „Willemspoort“ und „Station Westerdok“. Heute streiten sie sich darüber, ob der Bahnhof verkleinert oder ausgebaut werden soll.

Ich arbeite gerade an einem längeren Text und weiß nicht, ob ich den heute fertig bekomme, zumal ich wieder Nachtschicht habe….

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Nicht vergessen

Amsterdam Nationalmonument

Als Deutscher wird man natürlich auch in Amsterdam daran erinnert, dass wir im 2. Weltkrieg die Niederlande besetzt hatten. Die Mehrheit der Niederländer leistet übrigens keinen Widerstand.

„Das Nationalmonument steht jährlich im Mittelpunkt des niederländischen Volkstrauertages (Nationale Dodenherdenking) am 4. Mai, wenn der niederländische König einen Kranz niederlegt und abends um 20 Uhr zwei Schweigeminuten im ganzen Land eingehalten werden.“ – „1995 kam es in den Medien landesweit zu Aufregung, als das Denkmal dringend restauriert werden musste und ausgerechnet eine deutsche Firma die internationale Ausschreibung gewann und die Arbeiten ausführte.“

Wie unterscheiden sich Niederländer von Dänen? Ich war 1977 oder 1978 in Kopenhagen und habe mir damals das Museum des dänischen Freiheitskampfes 1940-1945 angesehen:
1943 kam es zu einer Welle von Unruhen in größeren dänischen Städten. Als Folge davon trat die Regierung zurück. Das deutsche Besatzungsregime verhängte den Ausnahmezustand. Als der dänische Widerstand von der geplanten Deportation aller Juden aus Dänemark erfuhr, begann eine groß angelegte Rettungsaktion. Es gelang, die überwältigende Mehrheit aller in Dänemark lebenden Juden zu retten.

Mehr muss man dazu nicht sagen.

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

„Das Nationale Holocaust-Museum ist das erste und einzige Museum, das die Geschichte der Judenverfolgung in den ganzen Niederlanden erzählt.“

Wer sich mit dem Thema auskennt, erfährt in dem Museum nicht viel Neues. Man wird nur immer wieder daran erinnert, wie aktuell das Thema ist, vor allem jetzt wieder in Deutschland.

Amsterdam Nationaal HolocaustmuseumAmsterdam Nationaal Holocaustmuseum

Das sollte man auf der Neuköllner Sonnenallee aufhängen – mal sehen, was dann passierte.

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

Es gab natürlich auch Gerechte und Menschen, die das Unheil klar sahen und beschrieben, wie in Deutschland Friedrich Kellner. Unter dem Pseudonym Dr. W. Bottema C. Az. schrieb Levie Fles 1933 das Büchlein „Hitler, Reformer oder Verbrecher“. Er warnte vor dem Regime und schilderte, wie die deutsche Regierung begann, die deutschen Juden zu misshandeln und wie sich die deutsche Außenpolitik veränderte. Dies geschah also Jahre vor der Reichspogromnacht, ja sogar erst zu Beginn der Zeit, als Hitler an die Macht gekommen war.

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

Im Museum sind auch zahlreiche Dokumente und Fotos über die, die mit dem Nazi-Regime kollaborieren. Die sollte man gar nicht so groß darstellen. Ihre Namen sollten auf ewig ausgelöscht und vergessen sein. Aber dann könnte man leider nicht mehr darüber berichten.

Amsterdam Nationaal HolocaustmuseumAmsterdam Nationaal HolocaustmuseumAmsterdam Nationaal Holocaustmuseum

Klaartje de Zwarte-Walvisch kannte ich gar nicht. Sie wurde 1943 in Sobibor ermordet. Ihr Tagebuch ist erhalten, wurde aber erst sehr spät entdeckt und erschien 2009 als Buch.

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kleine Museum empfehlen soll. Für Niederländer ist es sicher interessanter als für informierte Deutsche.

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

In der Stadt sieht man auch oft Stolpersteine. Etwa 102.000 bis 104.000 Juden aus den Niederlanden wurden während der deutschen Besatzung im Holocaust ermordet. Das entspricht rund 75 % der jüdischen Bevölkerung der Niederlande vor dem Zweiten Weltkrieg (ca. 140.000 Personen). Damit gehörte die Vernichtungsrate dort zu den höchsten in Westeuropa.

Amsterdam

Eindrucksvoller fand ich das Holocaust Namen Monument, das erst seit wenigen Jahren existiert.
Das Monument besteht aus Backsteinmauern in Form von vier hebräischen Buchstaben לזכר. Sie bedeuten von oben gesehen «Im Gedenken». Auf jedem Backstein steht der Name eines Opfers, das Geburtsdatum und das Alter zum Zeitpunkt der Ermordung. Die Besucher können um die vier Buchstaben herumlaufen, die Mauern bilden ein Labyrinth von Passagen. Von oben werden die Mauern von einem Stahlrand abgeschlossen, in dem sich Bäume und Wolken sowie die Mauern darunter spiegeln. Nahezu 80 Prozent der namentlich aufgeführten Familien wurden vom NS-Regime im Zuge der Shoah völlig ausgelöscht.

Amsterdam Holocaust NamenmonumentAmsterdam Holocaust NamenmonumentAmsterdam Holocaust Namenmonument

Den Satz des Maimonides kann ich unterschreiben – er passt wunderbar zum Titel seines Hauptwerkes. Maimonides lebte übrigens, bevor das Nibelungenlied niedergeschrieben wurde. „Shemoneh Perakim“ („acht Kapitel“) ist eine klassische Einführung in die jüdische Moralphilosophie

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

Ich diskutiere öfter mit einem Freund, der lateinamerikanischer Jude ist und keinen deutschen Linken kennt, der nicht Antisemit ist. Uns ist gemeinsam, dass wir beide Zen versucht und praktiziert haben – ich in den späten 80-ern unter der Anleitung von Hugo Makibi Enomiya-Lassalle. Von Zen-Meistern hört man meistens sinngemäß, wenn sie einen nicht auslachen wegen dummer Fragen: Es ist eh alles Quatsch und sinnlos, aber man muss sich trotzdem anstrengen und sein Bestes geben. Darauf können wir uns immer einigen.

Amsterdam Nationaal Holocaustmuseum

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Stay Vigilant!

app

Mehr auf cybernews.com: „Die EU präsentierte am Mittwoch eine neue App zur Altersverifizierung, mit der Nutzer ihr Alter online nachweisen können, ohne persönliche Daten an Plattformen weiterzugeben. Dadurch entfällt für Websites die Notwendigkeit, sensible Informationen zu sammeln.“

Laut Moore speichert die App eine verschlüsselte PIN lokal. Entscheidend ist jedoch, dass die Verschlüsselung nicht mit dem Identitätsspeicher des Nutzers verknüpft ist, in dem sensible Verifizierungsdaten gespeichert werden.

Damit kann die Sicherheitslücke einfach umgangen werden. „Durch das Löschen bestimmter, mit der PIN verknüpfter Werte aus den Konfigurationsdateien der App und einen Neustart der App kann ein Angreifer eine neue PIN festlegen und gleichzeitig weiterhin Zugriff auf die unter dem vorherigen Profil erstellten Anmeldeinformationen behalten. Im Endeffekt akzeptiert die App wiederverwendete Identitätsdaten unter einer neu definierten Zugriffskontrolle.“

Pavel Durov, Mitgründer und CEO von Telegram, hat dazu eine hübsche Veschwörungstheorie, die ich für gar nicht so unwahrscheinlich halte. Die Sicherheitslücke sei kein technischer Fehler.

app

Die Russen machen sich auch schon darüber lustig, obwohl sie natürlich im Glashaus sitzen.

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Blau und Gelb, Centraal

Amsterdam

Auf der Fahrt von Amsterdam nach Berlin… Der Zug fuhr pünklich ab, das Internet funktioniert, und der Waggon ist halb leer. Ab übermorgen wieder nächtliche Lohnschinderei.

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Peijie Hotpot

Peijie Hotpot

Restaurantkritik, hier: Peijie Hotpot, Amsterdam Chinatown, Zeedijk 57. Voraussetzung: Man muss mit Stäbchen essen können – Messer und Gabeln gibt nicht.

Fazit: Das beste China-Restaurant, in dem ich jemals war, aber auch das teuerste.

Tauchen Sie ein in die kräftigen, würzigen und duftenden Aromen des authentischen Chongqing-Hotpots. Seit über einem Jahrhundert wird unser Geheimrezept weitergegeben und vereint Tradition mit Herzlichkeit und Lebensfreude.

Sehr hübsch übrigens die Warnung: „Die in Chongqing servierten Spezialitäten sind aber dermassen scharf, dass jedem Reisenden empfohlen wird, sich bereits Monate vor der Reise an die Schärfe zu gewöhnen.“

Da habe ich einen gewissen Ehrgeiz. Mit Gewürzen ist es wie mit dem schönen Geschlecht: Die schärfste Version ist immer die beste. Die extrem hilfsbereite Kellnerin (Familienbetrieb) zog lächelnd eine Augenbraue noch, aber ich bestand drauf – und ich musste später nicht einmal husten. Vielleicht ist bei mir auch alles seit Jahren weggebrannt.

Peijie Hotpot

Jetzt wird es kompliziert. Man kann auch per QR-Code auf den Tischen bestellen, aber das funktionierte mit meiner kleinen Hirse nicht, obwohl es sozusagen eine innerchinesische Kommunikation gewesen wäre.

Die Kellnerin stand die ganze Zeit neben mir und bot sich an, mir alles zu zeigen, weil ich weder wusste, was ich bestellen sollte und auch nicht wie. Übrigens sind die Tische auch Öfen – das Essen kocht am Tisch.

Außer mir waren nur Chinesen im Restaurant.

Peijie Hotpot

Nachdem ich auf Empfehlung des Hauses Stem Lettuce Meatballs bestellt hatte und dazu Heritage Pickled Cabbage Fried Rice, ging es Schlag auf Schlag – ich musste weniger als fünf Minuten warten, als schon von allen Seiten allerlei geheimnisvolle Tellerchen und Schüsselchen vor mich hingestellt wurden.

Das funktioniert ungefähr so wie ein Käse-Fondue ohne Käse. In den vier metallen Gefäßen, die im Tisch eingelassen sind, kochen jeweils unterschiedliche Saucen mit unterschiedlichen Gewürzen vor sich hin. Daneben sind noch drei Töpfchen mit Koriander, Knoblauch und einem dritten Kraut, das ich nicht identifizieren könne, es sah aus wie Schnittlauch. Die mischt man sich zusammen und kippt das blend oil (vgl. unten) darüber.

Die Bällchen kommen mit Schöpflöffeln vier Minuten in die brodelnde Sauce – ich habe natürlich alle probiert. Sie können nicht verloren gehen: Die Schöpflöffel finden sie, und zur Not hat man noch ein zweites Paar extra langer Stäbchen. Es wird verlangt, dass man weiß, wann die vier Minuten vorbei sind. Aber vermutlich hätten sie es mir auch gesagt, wenn ich behauptet hätte, ich sei des Uhrenlesens nicht kundig.

Peijie Hotpot

Man hat also de facto vier verschiedene Gerichte, nur alle mit nicht koscheren oder halalenen Schweinefleischbällchen. Ich habe aber jetzt – zwei Stunden später – das Gefühl, ich hätte ein Kilo Knoblauch gegessen. Aber das war meine Schuld. Es jetzt noch drei junge New Yorker auf meinem Zimmer. Ich werde sie warnen.

Peijie Hotpot

Das blend oil interessierte mich. ChatGPT sagte, das Foto davon analysierend: „In chinesischen Hotpot-Restaurants (vor allem aus Chongqing) bekommt man oft kleine Gläser mit Öl zum Dippen. Das ist kein reines Öl, sondern eine Mischung, gedacht als Dip für das gekochte Fleisch/Gemüse, es mildert die Schärfe des Hotpots. Typisch ist: Man nimmt das Essen aus der extrem scharfen Brühe und taucht es in dieses Öl, das kühlt und macht es aromatischer. Ein Beispiel für so ein Hotpot-Blend: ca. 70 % neutrales Öl + 30 % Sesamöl.“

Ich habe nur Tee und Wasser getrunken und rund 50 Euro bezahlt. Man gönnt sich ja sonst nichts (vgl. gestern).

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Rotlicht

Amsterdam

Ich habe mich gestern ein paar Stunden im Rotlichtviertel von Amsterdam herumgetrieben, zwecks anthropologisch-soziologischer Studien. Das war nicht neu für mich – ich habe in den 80-ern und 90-ern fast alles ausprobiert, was man ausprobieren kann, auch um mich selbst und meine Reaktionen auf bestimmte Reize kennenzulernen.

Amsterdam

Nicht nur jeder Jeck ist anders, sondern auch jeder Kick. Als Kerl ist man natürlich im Vorteil, aber man sollte nicht herumheucheln: Frauen sind wie Männer, wenn man sie lässt. Sextourismus ist, wenn man ökonomische Zwänge außer acht lässt, bei Männlein und Weiblein verbreitet.

Amsterdam

Amsterdam ist natürlich anders, weil das Anbahnen des Geschäfts mehr oder minder öffentlich abläuft – die Damen präsentieren sich der Kundschaft. Die meisten Leute gaffen – vor allem diejenigen aus Ländern mit Doppelmoral vom Feinsten. Paare klammern sich aneinander, als wären sie in Gefahr, unanständige Ideen zu bekommen.

Junge westasiatische Kerle, die ihren Frauen vermutlich Hijabs aufzwingen würden, versuchen, möglichst nahe ans „Geschehen“ zu kommen. Männergruppen lachen gemeinsam, was gelogen ist – sie fürchten sich allein (so meine unmaßgebliche Interpretation).

Amsterdam

Die Stimmung ist nicht ganz unentspannt. Alle tun nur so. Erfreulich ist, dass man keine Luden herumlungern sieht, und auch die Damen offenbar selbstbestimmt arbeiten können.

Ich habe mit einigen Frauen kurz geplaudert, um die Konditionen zu erfahren. Man winkt von außen, und sie öffnen dann die Glastür. Alle sprachen Englisch. Wenn man den Fuß über die Schwelle setzt, ist man schon 100 Euro los. Ich wusste natürlich, dass das nicht der wahre Preis war. Erst nach Nachfrage: Normalen Sex gibt es für 400 Euro aufwärts.

Im Gordijnensteeg sprach ich mit einer der wenigen – für mich – attraktiven Prostituierten, und hinter mir lauerte ein Nordafrikaner, um mitzuhören. Das Mädel schnauzte ihn energisch an, er solle sich verpissen (sie benutzte ein höflicheres Wort), und redete erst weiter, als er gehorchte.

Amsterdam

Es ging mir nicht darum erfahren, was das billigste Angebot wäre, sondern ab wann die Damen anfangen etwas zu offerieren. Für den Preis, den man bezahlen würde, um mehr als einen Quickie oder eine so genannte „Thai-Massage“ (womit vermutlich ein Handjob gemeint ist) zu bekommen, kann ich schon nach Israel und zurück fliegen.

Es ist also eine Frage der finanziellen Prioritäten. Meine liegen woanders.

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Tolhius

Amsterdam
Modell der Innenstadt Amsterdams im A’Dam Lookout. Der Aussichtsturm ist ganz links hinter am nordöstlichen Ufer zu sehen – vor den beiden roten Klötzen.

Ist sonst noch etwa passiert? Lesen wir die bürgerliche Presse. Inzwischen ist klar: Fast die gesamte Medienberichterstattung zum „Geheimplan“, die an Hysterie grenzte und – im Zusammenspiel mit NGOs und populistischen Spitzenpolitikern von CDU, SPD, FDP und Grünen – eine beispiellose Demonstrationswelle „gegen rechts“ in Bewegung setzte, beruhte auf einer Falschbehauptung, oder, um Lieblingsbegriffe dieses politisch-medialen Milieus zu verwenden: auf „Fake News“ und „Desinformation“.

Amsterdam
Früher stand da ein Galgen zur Abschreckung der Missetäter.

Was aber bleibt von der „Correctiv“-Geschichte, wenn vom „Masterplan“ nichts zurückbleibt? Eine bis auf die Knochen blamierte Medienlandschaft – und viele offene Fragen, vor allem an die Politik und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Denn sie haben die Steuergelder und Rundfunkbeiträge der Bürger dazu benutzt, eine Kampagne zu befeuern, von der sie leicht hätten feststellen können, dass daran etwas faul ist – und dass die zentrale Aussage nicht mit Beweisen unterfüttert wird.

Amsterdam
Blick in Richtung Nordsee

Die Legal Tribune online macht das anhand von Zitaten noch klarer: „ARD, ZDF, t-online, SPIEGEL, taz, der Verfassungsblog, prominente Anwälte – auch LTO – und viele andere Medien und Influencer hatten die Ausführungen in der Correctiv-Recherche falsch verstanden.“

Man könnte natürlich boshaft herumpolemisieren, das sei so gewollt gewesen. Ich glaube aber nicht: Die Aktivisten von „Correctiv“, die sich „Journalisten“ nennen (was sie dürfen) glauben selbst daran, was sie sagen. Die Welt als Wille und Vorstellung eben.

Amsterdam
Blick zum Hauptbahnhof Amsterdam Centraal. Im Vordergrund die beiden Fähren in Richtung Buiksloterweg, die die Innenstadt mit Amsterdam-Noord verbinden.

Noch ist das letztinstanzliche Urteil nicht gesprochen. Aber bei dieser juristischen Eskalationsstufe weiß ohnehin niemand mehr, worum es überhaupt geht. Und alle Beteiligten werden auch eine endgültige krachende Niederlage als Sieg verkünden.

Amsterdam
Blick nach Südosten in Richtung Hafen

Noch mal die LTO: „Dabei ist und bleibt unstreitig: In Potsdam wurde kein Plan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger geschmiedet. Correctiv trug in einem anderen Gerichtsverfahren vor dem LG Hamburg sogar ausdrücklich vor, dass der Rechtsextremist Martin Sellner, der in Potsdam seinen Remigrationsplan vorstellte, die Staatsbürgerschaft als Sperre für Ausweisungen anerkenne (Az. 324 O 61/24).

Niemand wird also etwas widerrufen. Und: Sie würden es wieder tun.

Amsterdam
Die „Klötze“ sind im Original nicht rot, sondern Hochhäuser mit viel Glas; das rote Gebäude im Vordergrund ist das Hostel Clinknoord.

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Brutalst oder: Not my business

Amsterdam

Mehr als zwei Tage braucht man für Amsterdam nicht, wenn man nur die Innenstadt und die Sehenswürdigkeiten sehen will.

Diese Architektur gibt es in Deutschland nicht. Wir hätten überall etwas Ähnliches, nur aus einem anderen Jahrhundert, wie etwa in Quedlinburg, wenn nicht der zweite Weltkrieg viele mittelalterliche Innenstädte ruiniert hätte, so in in Köln und Frankfurt, und nach 1945 noch mehr kaputtgemacht wurde, vermutlich weil man meinte, so der Vergangenheit entkommen zu können. Dann kamen so brutalistische hässliche Städte wie Siegen oder Leverkusen heraus.

Wir Die Deutschen sind übrigens für Zerstörung der Innenstadt Rotterdams verantwortlich.

Amsterdam
Das schmalste Haus von Amsterdam – 2,02 Meter breit, in der Oude Hoogstraat 22.

Fachwerk ist natürlich ein paar Jahrhunderte älter. Wenn man sich aber erst an den Anblick der hübschen Giebel und der unzähligen netten Häuschen aus dem 17. Jahrhundert – natürlich modernisiert – an den Grachten des Stadtkerns in Amsterdam gewöhnt hat, wird es schon wieder eintönig. Vieles ist aber einfach putzig, wie sich auch Niederländisch für Deutsche anhört.

Amsterdam

Ich würde nicht in Amsterdam leben wollen. Die Touristen treten sich gegenseitig auf die Füße, und die Läden sind fast alle Nepp und Nippes. Ein paar schöne holzvertäfelte Cafes habe ich gesehen, aber es dominiert die gesichtslose Mischung aus Fastfood-Ketten, die man auch in jeder deutschen Großstadt sieht. Ich verstehe eh nicht, warum man ständig fressen muss, wenn man sich etwas anschaut.

Amsterdam

Ach ja. Sagen wir es mal brutalstmöglich ehrlich: Am frühen Nachmittag lauern schon die ersten Sexarbeiterinnen hinter den Fenstern zwischen der Bloedstraat (ist die nach den Freiern benannt?) und der Alten Kirche. Aber ich habe noch nie so eine Ansammlung ultrahässlicher Frauen mit aufgepumpten Brüsten gesehen. Anregend ist das nicht.

Amsterdam

Was ist eigentlich das Spezielle an der holländischen Küche, außer Käse? Offenbar der klassische Pfannkuchen wie Poffertjes oder Pannekoeken in diversen Variationen. Mehl, Milch und Eier und dann alles oben drauf, was nicht sauer schmeckt. Ich nahm einen mit Käse und Äpfeln. Auch der hätte besser geschmeckt, wenn ich ihn selbst zubereitet hätte, und vor allem weniger als fünf Euro gekostet, während man mir im Pankakes Amsterdam Centraal das Vierfache berechnete – was ich aber erwartet hatte.

Amsterdam

Leider wird man auch hier mit sehr vielen Hijabs belästigt. Geert Wilders Besonders pikant ist es, wenn die auch noch das Rotlichtviertel besichtigen. Die Niederländer sind zwar Calvinisten, und man muss sich über die lockere Moral wundern. Aber Muslime würden das Sündenbabel dem Erdboden gleichmachen, wenn sie es könnten. Aber not my business, sondern das der Leute hier.

Amsterdam

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Entdek de beste ervaringen

rembrandt haus
Die Taufe des Eunuchen, ca. 1631, Kopie nach Rembrandts: Die Taufe des Kämmerers, 1626

Nein, niemand hat die Absicht, Niederländisch zu lernen. Ich war heute im Rembrandt Haus Museum: „The Rembrandt House Museum is the only place in the world completely dedicated to Rembrandt. Visit the home of Rembrandt where he lived and worked for 19 years and created his biggest masterpieces. Step back in time to the 17th century and get inspired by Rembrandt the man, the artist, his home, his city and his time.“

rembrandt haus
Restbestände, aus dem Müll ausgegraben, aus Rembrandts Küche

Oder auch auf „Deutsch“: „Nicht weit vom chinesischen Viertel Amsterdams, direkt hinter dem Retlichtviertel, in direkter Nähe des Waterlooplein, steht das Haus, das der berühmte niederländische Malers Rembrandt im zwischen 1639 und 1659 besitze und in dem er lebte.“ [sic]

rembrandt haus

Wer Gemälde von Rembrandt sehen will, ist hier falsch. Das Rijkmuseum ist aber immer überfüllt, was ich abgrundtief hasse, und für das Van Gogh Museum muss man Tage im voraus buchen, was ich nicht tat.

rembrandt haus

Ich habe dennoch etwas gelernt, neben der offenkundigen Tatsache, dass man in dem wunderschönen Gebäude nicht die Treppe hinaufkäme, wenn man zu dick oder unsportlich wäre, geschweige denn als Rollstuhlfahrer.

Die Fotos oben und unten zeigen die private Sammlung von Souvenirs exotischer Dinge, die der Maler von Reisenden und Händlern aus alle Welt kaufte (mit wokem Kommentar über Sklaverei und Kolonialismus per Audio-Guide). In einer Zeit, in der es noch keine Fotos gab, war das die einzige Möglichkeit, konkret etwas zu erfahren über Kunst und Biologie. (Nein, auch die Skizzen Michelangelos oder da Vincis wurde nicht kopiert.)

Wie sahen also ein ausgestopftes Krokodil (was in dem Raum an der Decke hängt) oder Korallen aus, wenn man noch nie so etwas gesehen hat?

rembrandt haus

Rembrandt war so besessen von seiner Sammelei, dass er – obwohl berühmt – nach zwei Jahrzehnten pleite war und sein Haus samt Interieur verkaufen musste. Anhand der Inventarliste, die erhalten ist, konnte man es rekonstruieren.

rembrandt haus

Kunst hatte damals mit Können zu tun. Heute nicht mehr, sondern mit Vermarktung. Auch van Gogh hatte zu Lebzeiten nie genug Geld – sein Gemälde „Porträt des Dr. Gachet“ wurde 1990 für 82,5 Millionen US-Dollar verkauft! Rembrandts „Porträts von Maerten Soolmans und Oopjen Coppit“ (1634) erzielte 2015 ca. 160 Millionen Euro – damit würde man heute mehrere Häuser samt Gracht kaufen können.

rembrandt haus

Deswegen waren Kopierer von beliebten Gemälden damals auch keine „Urheberrechtsverletzer“. Das Urheberrecht ist ein autochthones Produkt des Kapitalismus und wurde erst im späten 19. Jahrhundert kodifiziert.

Würde man da Vinci, Michelangelo, Rembrandt oder van Gogh das erklären wollen, würde die – falls sie es überhaupt verstünden – kaputtlachen. Aber zum Glück macht die KI das Urheberrecht wieder obsolet. Das probieren wir gleich mal aus:

rembrandt haus

Create a dramatic Baroque-style painting inspired by Rembrandt’s The Baptism of the Eunuch. The scene takes place outdoors near a small body of water, where a biblical baptism is occurring. A central figure kneels humbly in the water while another figure performs the baptism, pouring water over their head. Surround them with a few onlookers, dressed in historical robes.

Use strong chiaroscuro lighting with deep shadows and warm golden highlights, emphasizing emotional intensity and spiritual significance. The composition should feel intimate yet profound, with realistic human expressions, rich textures, and detailed fabrics. The background should be subdued and atmospheric, with dark tones contrasting the illuminated figures.

Paint in an oil-on-canvas style, with visible brushwork, earthy colors, and a timeless 17th-century Dutch master aesthetic.

rembrandt haus

So ganz funktioniert es nicht. Rembrandts Figuren sind im Sinne von Netflix divers, das heißt maximalpigmentiert. Da muss die KI noch woker werden.

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Wildplassen, Vlaamse Friet und eine Trigger-Warnung

Amsterdam

Ich grüße das verehrte Publikum aus Amsterdam! (Warum gibt es eigentlich in Deutschland kein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit wie in den Niederlanden und Polen? Weil wir das nicht durchsetzen könnten?)

Amsterdam

Amsterdam in einem Satz? Wunderschöne Häuser, Wasser dazwischen und gefühlt zwei Milliarden Fahrräder. (Es ist noch zu früh am Tag, um etwas über den Red Light District zu sagen.)

Amsterdam

Wir werfen alles zusammen, was nicht zusammengehört.

Ich bin im Clinknoord abgestiegen – das ist eine Mischung aus einem klassischen Hostel und den Capsule Hotels. Vierbettzimmer, aber ich habe es für mich allein, inklusive Klo und Dusche im Zimmer. Aber, wie schon in Israel: Nicht das klassische Backpacker-Publikum. Vielleicht nutzen die Nachgeborenen heute alle Rollkoffer, weil sie einen Rucksack nicht mehr tragen können?

Amsterdam

Es begann holprig. Ich hatte vorher online schon eingecheckt, aber die Maschinen („wir sind voll digitalisiert“) fanden mich nicht. Ein findiger Homo sapiens vom Hostel sah mich in seiner elektronischen Kaderakte und meinte, wenn man Hotels über booking.com buchte, vertauschten die gern Vor- und Nachnamen, weil dort nur Algorithmen seelenlos vor sich hinwerkeln. Ich heiße hier also Herr Burkhard.

Amsterdam

Ich habe eine halbe Stunde gebraucht, bis ich online war – wie schon 2023 in Jeruslem (damals aber mit Windows, heute mit Linux). Die hilfreichen Angestellten wusste nicht weiter, und ich musste mit dem Handy ChatGPT bemühen.

Amsterdam

Das Problem ist ziemlich typisch für sogenannte Captive Portals (z. B. in Hotels, Cafés, Flughäfen). Dein Gerät ist zwar mit dem WLAN verbunden, aber die Login-/Akzeptanzseite wird nicht angezeigt – oft wegen Browser- oder Netzwerkeinstellungen.

Ich hatte schon Javascript erlaubt und alle Erweiterungen, die irgendetwas verbieten, ausgeschaltet. Check: chrome://settings/content/javascript: erlauben

Wichtig: kein https! Viele WLAN-Portale können HTTPS nicht umleiten. Das war es auch nicht. Ein anderer Browser kam ebenfalls nicht online.

Direkte Portal-IP aufrufen – nein, obwohl ich die IP-Adresse im Verlauf des Handys hatte.

DNS-Cache leeren, im Terminal: sudo systemd-resolve –flush-caches
Oder alternativ: sudo resolvectl flush-caches
Njet.

Öffne im Browser: http://connectivity-check.ubuntu.com funktionierte nicht.

Amsterdam

nmcli networking off
nmcli networking on
sudo systemctl restart NetworkManager

Endlich! Wer ist denn jetzt schuld an dem Gewürge?

Amsterdam

Warum Amsterdam? Das hat natürlich mit Secondlife zu tun. Ende Mai findet auf meiner Sim ein Rollenspiel-Plot statt. Ich poste hier die Einladung desjenigen, der das organisiert, um zu zeigen, wie viel Mühe sich manche Leute machen (und um den Platz zwischen den Bildern zu füllen). Wer nicht weiß, was Rollenspiel ist: Das ist es.

Amsterdam

Intro RP for the Abductees: You sit at your kitchen table, sipping coffee on a lazy Saturday morning, when the mail arrives with a thud through the slot. Among the bills and flyers is a thick, cream-colored envelope with elegant gold embossing. Your name is handwritten in neat cursive, and the return address reads „Von Meyland Research Foundation, Amsterdam.“ Curiosity piqued, you slice it open with a butter knife.

Inside is a letter on heavy stationery, the kind that feels official and important. It begins: „Dear [Your Name], We are pleased to inform you that you have been selected to participate in an innovative social experiment conducted in collaboration with a team of behavioral scientists. This hidden camera reality program, titled ‚Echoes of Interaction,‘ will explore human dynamics in controlled settings. The experience spans ten days in Amsterdam, with the first three days for orientation and the final seven in an isolated environment designed to simulate real-world social pressures—think of it as a paid vacation with a twist.“

Your eyes widen as you read on. The accommodation is a private houseboat moored in the heart of Amsterdam’s canals, complete with all amenities, meals provided, and a stipend equivalent to two weeks‘ salary. The main sponsors are listed: The Chronander Bank, a longstanding European financial institution known for ethical investments, and the von Meyland Research Foundation, a nonprofit dedicated to psychological and sociological research. It’s all expenses paid, including round-trip flights, and emphasizes participant safety, consent, and the option to withdraw at any time.

Tucked into the envelope is a printed airline ticket: economy class on KLM from your local airport to Schiphol, dated two weeks from now. You scrutinize it—the barcode, the flight numbers, the passenger details all match. To be sure, you grab your phone and pull up the KLM app, scanning the code.

Amsterdam

It validates instantly: „Reservation confirmed.“ Next, you check the travel agency mentioned on the ticket stub, „EuroVoyage Travel Services.“ A quick search on their website shows they’re a reputable Amsterdam-based firm with glowing reviews on TripAdvisor and a Better Business Bureau equivalent rating in the Netherlands. No red flags; everything seems legit.

Still, a hidden camera show? Social experiment? You decide to dig deeper. You type „Von Meyland Research Foundation“ into your search bar. The results pour in: it’s a well-established organization founded in the 1950s by a philanthropist family, focused on advancing human sciences through ethical studies. They’ve funded groundbreaking research on group behavior, empathy, and urban living, with partnerships at universities like Oxford and Harvard. No scandals, just awards for innovation and transparency. Next, „The Chronander Bank“ – ah, a Sweden-based bank with a sterling reputation for sustainable finance, supporting education and environmental causes. They’re known as do-gooders in the financial world, with a history of charitable foundations and zero ties to shady dealings. Everything checks out; these aren’t fly-by-night operations but pillars of respectability.

A grin spreads across your face. Why not? Work has been a grind lately, and Amsterdam has always been on your bucket list—the canals, the bikes, the vibe. This could be an unexpected adventure, a free holiday disguised as something quirky. You imagine waking up on that houseboat, the gentle lap of water against the hull, sunlight filtering through portholes onto cozy wooden interiors.

You reply to the enclosed RSVP card with a firm „Yes,“ sealing it and dropping it in the mailbox. What could go wrong? It’s time for a little excitement in your life. (…)

Amsterdam

First off. We base our roleplay off of the books about Gor, written by John Norman. If you have no idea what that is about, check them out, google them, make sure you know what the basics of Gor are!

In short, Gor is a planet opposite the sun, viewed from earth. It is a world that is strongly patriarchal and men and women are not on an equal basis. Aside from that, it is also a world where slavery is very much a thing. And seen as a normal and natural part of society. (…)

Trigger warnings: Role playing within the guidelines of the books on Gor is not without potential triggers. Gor can be a harsh place and it is important to know what you might be getting yourself into. A few of the possible triggers we have set out below. can be, but are not limited to:
– forced slavery
– physical harm and or punishment
– mental pressure
– sexual acts both consensual and non consensual
– degradation
– betrayal

Amsterdam
Ich finde das Kunstwerk an der Gracht albern und naiv. Dann kann man gleich Nathan der Weise lesen. Aber Lessing wird bestimmt nicht mehr an Schulen gelehrt – viel zu lang!

Ich muss in Secondlife (und in meiner Freizeit) ein virtuelles Ambiente aufbauen, das ungefähr so aussieht wie Amsterdam, nur ein paar Straßenzüge und Kneipen und die perspektivische Illusion, dass man die Avatare in den Holland sind.

Ich war 1980 zum letzten Mal in den Niederlanden, in Rotterdam zum Russell-Tribunal.

Also nichts wie hin an den wenigen freien Tagen zwischen den Schichten und inspirieren lassen… #gamedesign

Amsterdam

Ich war, weil ich seit dem frühen Frühstück nichts mehr gegessen hatte, zeitig in Chinatown bei Kim’s So Korean Food Centrum. Sowohl mein Reis auch mein selbst gemachtes Bulgogi sind erheblich besser. Mein Reis klebt nicht, und das von mir bevorzugte Fleisch hätte natürlich den Preis verdoppelt. Ich besitze auch keine goldenen Blechteller, die auf dem Tisch herumrotieren, wenn man sie nicht fixiert. Für den bezahlbaren Preis war es aber ok. Ich saß an der Tür mit Blick auf die Straße, und genau gegenüber räkelten sich halbnackte Damen im Schaufenster… Das ist Amsterdam.

Amsterdam
Die Bar im Clinknoord

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Islamist attitudes

muslime

Jerusalem Post: „Almost one in two, or 45.1 percent, of Muslims in Germany under the age of 40 hold Islamist attitudes, according to Germany’s Radicalization Monitoring System and Transfer Platform. MOTRA is run by the Federal Criminal Police Office (BKA)“

Eine Studie, die „antisemitisch“ und „muslimfeindlich“ in einem Atemzug nennt, kann aber niemand ernst nehmen. Wes Geistes Kind die Verfasser sind, erkennt man sofort an den Gendersternchen.

„MOTRA researchers revealed last month that almost half of younger Muslims in Germany hold latent or manifest Islamist-leaning views, which means they feel drawn to Islamism, prefer Sharia law over the constitution, and hold antisemitic prejudices.

Breaking this down, the researchers found manifest Islamist attitudes – meaning their radicalization toward Islamism is already evident and pronounced – to be most widespread among Muslims under 40, at 11.5%.“

Also auswandern….

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Unter Blockierenden

seeblockade
Realistic press photo of a naval blockade at sea, United States Navy warships surrounding an area, large aircraft carrier in the center, destroyers and cruisers in formation, tense atmosphere, ocean waves, overcast sky, military operation, high detail, photojournalism style, ultra realistic, 8k, dramatic lighting, long lens photography, documentary realism –s 750

So, there you have it, the meeting went well, most points were agreed to, but the only point that really mattered, NUCLEAR, was not. Effective immediately, the United States Navy, the Finest in the World, will begin the process of BLOCKADING any and all Ships trying to enter, or leave, the Strait of Hormuz. At some point, we will reach an “ALL BEING ALLOWED TO GO IN, ALL BEING ALLOWED TO GO OUT” basis, but Iran has not allowed that to happen by merely saying, “There may be a mine out there somewhere,” that nobody knows about but them. THIS IS WORLD EXTORTION, and Leaders of Countries, especially the United States of America, will never be extorted. I have also instructed our Navy to seek and interdict every vessel in International Waters that has paid a toll to Iran. No one who pays an illegal toll will have safe passage on the high seas. We will also begin destroying the mines the Iranians laid in the Straits. Any Iranian who fires at us, or at peaceful vessels, will be BLOWN TO HELL! Iran knows, better than anyone, how to END this situation which has already devastated their Country. Their Navy is gone, their Air Force is gone, their Anti Aircraft and Radar are useless, Khomeini, and most of their “Leaders,” are dead, all because of their Nuclear ambition. The Blockade will begin shortly. Other Countries will be involved with this Blockade. Iran will not be allowed to profit off this Illegal Act of EXTORTION. They want money and, more importantly, they want Nuclear. Additionally and, at an appropriate moment, we are fully “LOCKED AND LOADED,” and our Military will finish up the little that is left of Iran! President DONALD J. TRUMP.

seeblockade

Hier die lesbare Version:

„So, das Treffen verlief gut, die meisten Punkte wurden vereinbart, nur der entscheidende Punkt – Atomwaffen – nicht. Die US-Marine , die beste der Welt, beginnt ab sofort mit der Blockade aller Schiffe, die versuchen, in die Straße von Hormus einzufahren oder sie zu verlassen.

Wir werden irgendwann eine Situation erreichen, in der alle Schiffe ungehindert ein- und ausfahren können. Doch der Iran hat dies verhindert, indem er lediglich behauptete, es gäbe irgendwo eine Mine, von der außer ihnen niemand wisse. Das ist Erpressung, und Staats- und Regierungschefs, insbesondere die der Vereinigten Staaten von Amerika, lassen sich niemals erpressen.

Ich habe unsere Marine außerdem angewiesen, jedes Schiff in internationalen Gewässern aufzuspüren und abzufangen, das Maut an den Iran gezahlt hat. Niemand, der illegale Maut zahlt, wird auf hoher See sicher passieren können.

Wir werden auch damit beginnen, die vom Iran in der Straße von Hormus verlegten Minen zu zerstören. Jeder Iraner, der auf uns oder friedliche Schiffe schießt, wird in die Luft gesprengt!

Der Iran weiß besser als jeder andere, wie diese Situation, die sein Land bereits verwüstet hat, beendet werden kann. Seine Marine ist zerschlagen, seine Luftwaffe ist zerschlagen, seine Flugabwehr und sein Radar sind nutzlos, Khomeini und die meisten seiner „Führer“ sind tot – alles wegen seines Atomprogramms.

Die Blockade beginnt in Kürze. Andere Länder werden sich an dieser Blockade beteiligen. Dem Iran wird es nicht erlaubt sein, von diesem illegalen Akt der Erpressung zu profitieren. Sie wollen Geld und, noch wichtiger, sie wollen Atomwaffen. Darüber hinaus sind wir zum gegebenen Zeitpunkt voll einsatzbereit, und unser Militär wird den Rest des Irans vernichten!“

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Anschein der Repression

freedom of speech
A symbolic scene of freedom of speech under threat, a fragile glowing bird made of light trapped inside a dark cage of barbed wire and shadows, hands reaching in to silence it, cracked megaphone on the ground, torn papers with blurred words floating away, oppressive atmosphere, dramatic lighting, high contrast, dystopian mood, cinematic, ultra detailed, surreal, 8k –ar 16:9 –v 6.0 –s 750

Das philosophisch gebildete Publikum verwies beim Thema Meinungsfreiheit und dieser Berliner Erklärung auf Jean Baudrillard (formuliert von Irène der KI).

Das System braucht den Anschein von Repression, um die Illusion aufrechtzuerhalten, dass es überhaupt noch eine „echte“ Freiheit oder Macht gibt, die es zu verteidigen gilt. Der lautstarke Protest gegen „Cancel Culture“ oder „Meldestellen“ dient als Alibi, das verschleiern soll, dass der diskursive Raum längst durch den Code der Medien neutralisiert wurde.

Sie befinden sich hier: [x] Metaebene der Metaebene.

Das wird so laufen: Die so genannte „Berliner Erklärung“ (und nicht etwa die „Clausthal-Zellerfelder Erklärung) wird von den Mainstream-Qualitätsmedien ignoriert werden. Dann wird die Kontaktschuld aktiviert: Ist von den Unterzeichnern von irgendeinem Inlandsgeheimdienst beobachtet jemand rrrrrrächts? Dann werden alle anderen in Sippenhaft genommen und geshitstormt sozial geächtet, um jedwede Diskussion des Inhalts zu vermeiden.

Diejenigen, die gemeint sind als Unterdrücker der – in Deutschland ohnehin nur teilweise garantierten – Meinungsfreiheit – herrschen ohnehin über die Zeichen im Sinne Baudrillards, sie „simulieren“ eine künstliche Realität“. Man kann nicht einen Zensor, der es gut meint, auffordern, kein Zensor zu sein. Der verstünde gar nicht, was man von ihm will, genauso wenig wie die Internet-Blockwarte und NGO-Denunzianten sich als Unterdrücker der Meinungsfreiheit verstehen.

freedom of speech
A dark dystopian allegory of suppressed freedom of speech, a broken statue with its mouth sewn shut standing in a ruined city, thick black smoke forming ghostly hands choking the sky, shattered microphones buried in ash, faceless figures in the shadows watching silently, torn pages dissolving into darkness, heavy fog, oppressive atmosphere, minimal light, deep shadows, high contrast, haunting, cinematic, ultra detailed, surreal, 8k –ar 16:9 –v 6.0 –s 750

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Footsteps

moon

#Artemis II just captured the #Apollo 11 landing site in extreme detail, closing the debate of Fake #Moon landings forever. #science

So einfach ist es nicht. Mein Opa, Hauptschüler aus Westpreußen, hat nie geglaubt, dass jemand auf dem Mond gelandet ist. Fotos können nicht überzeugen. Merke: Fakten helfen weder gegen Religion noch gegen selbst verschuldete Unmündigkeit noch gegen Gendersprache.

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Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!

Berliner Erklärung für Meinungsfreiheit – das kann ich alles unterschreiben (obwohl es nichts nützen wird):

Als Verfechter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung erfüllt uns diese Entwicklung mit größter Sorge. Wir fordern deshalb:

Der öffentliche Diskurs sollte möglichst frei von unbestimmten, pauschal exkludierenden Begriffen wie „Hass und Hetze“ oder „Desinformation“ sein, um das Meinungsspektrum möglichst weit offen zu halten.

Der Tatbestand der Beleidigung von Personen des öffentlichen Lebens ist abzuschaffen. Einen weiteren Tatbestand der Journalistenbeleidigung, wie diskutiert wurde, darf es gar nicht erst geben. Vielmehr ist zum Grundsatz des gleichen Ehrschutzes für jedermann zurückzukehren.
In einer freien Gesellschaft muss jeder mit jedem reden können. Allein schon das Konzept der Kontaktschuld ist einer liberalen Gesellschaft unwürdig.

Die faktische Beweislastumkehr im Beamtenrecht ist zurückzunehmen.
Es sollten in Verfassungsschutzberichten keine Meinungsäußerungen aufgenommen werden, die nicht wirklich verfassungsfeindliche Ziele zum Ausdruck bringen.

Die Verschärfung des Volksverhetzungsparagraphen ist zurückzunehmen. Auf Verschärfungen in Bereichen des Strafrechts, die für Meinungsäußerungen relevant sind, ist konsequent zu verzichten.

Das Programm „Demokratie leben!“ und die staatliche Finanzierung von Meldestellen sind zu beenden.

Im zwangsbeitragsfinanzierten Medienbereich ist zu einer pluralen, ausgewogenen Berichterstattung zurückzukehren. Tritt keine Besserung ein, ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk so umzugestalten oder abzulösen, dass durch ihn die freiheitliche demokratische Grundordnung nicht länger gefährdet wird.

Die staatliche Finanzierung für Faktenchecker-Organisationen ist einzustellen.

Eine Chatkontrolle darf es nicht geben.

Dem WHO-Pandemievertrag in der Beschlussfassung vom 14. Mai 2025 ist die Ratifizierung zu verweigern. In den Erwägungsgründen sieht er nämlich vor, sogenannte „Desinformation“ zu bekämpfen. Weil aber die vermeintlich „schädliche Desinformation“ von heute sich morgen als nützliche Information herausstellen kann, widerspricht jenes Ziel dem Prinzip der Revisionsoffenheit wissenschaftlicher Erkenntnis.

Der Digital Services Act ist grundlegend zu novellieren und seine „Trusted Flagger“ sind abzuschaffen. Auf Begriffe wie „schädlich“ oder „Desinformation“, die politisch instrumentalisiert werden können, ist bei der Regulierung der Internetkommunikation zu verzichten. Diese Begriffe können willkürlich eingesetzt werden, um bestimmte Meinungen aus dem Diskurs auszuschließen, in ihrer Reichweite zu drosseln („Shadow-Banning“) oder rechtlicher Sanktionierung zu unterstellen.

Wissenschaft darf im öffentlichen Diskurs nicht den Status einer vermeintlich letztinstanzlichen Autorität erhalten. Wissenschaft fußt auf der Revisionsoffenheit ihrer Befunde. So müssen sich auch die Richtlinien der WHO oder des RKI dem kritischen Diskurs stellen. Politik muss die Verantwortung für ihre (Wert-)Entscheidungen selbst tragen und darf sie nicht auf Wissenschaft als autoritative Instanz auslagern („Follow the science“). Es ist für eine institutionelle Trennung von Wissenschaft und Politik zu sorgen. Unbeschadet dessen haben natürlich auch Wissenschaftler das Recht, als Staatsbürger mit eigener Meinung aufzutreten.

Die Revisionsfähigkeit des wissenschaftlichen Prozesses ist ebenso anzuerkennen wie die immer wieder sich zeigende Revisionsbedürftigkeit politischer Entscheidungen. Wer aber das Bestehen von Demokratie mit dem Vorherrschen einer einzigen politischen Richtung gleichsetzt, zerstört die freiheitliche demokratische Grundordnung ausgerechnet im Namen ihres Schutzes.

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Hybris oder: Die Unbesiegbaren

drohnen
Swarm of tiny metallic drones forming a dynamic cloud, surrounding and overwhelming a massive futuristic war machine, contrast between scale and power, symbolic dominance of small over large, alien desert planet, dark sci-fi atmosphere, glowing electromagnetic effects, cinematic lighting, highly detailed, epic scale, sense of inevitability, hard science fiction style, ultra realistic, 8k, volumetric lighting, dramatic shadows –ar 16:9 –v 6.0 –s 750 –raw –

Wir müssen das Drohnen-Thema von gestern noch einmal angehen, aber jetzt aus philosophischer Sicht. Stanislaw Lem 1964 hat in „Der Unbesiegbare“ schon alles gesagt; man muss es nur geringfügig modifizieren.

Der Plot: Auf dem Planeten, auf dem die Kosmonauten gelandet sind, existieren Schwärme winziger, metallischer Maschinen. Diese handeln wie ein kollektiver Organismus. Sie können Gehirne „löschen“ (Gedächtnisverlust) und greifen mit elektromagnetischen Effekten an. Diese Maschinen sind vermutlich das Ergebnis einer Evolution.

Der Roman – neben Solaris und Dune – für mich einer der besten Science-Fiction-Romane aller Zeiten – ist weniger ein Action-Abenteuer als vielmehr:
– eine Studie über fremde Intelligenz,
– eine Warnung vor menschlicher Hybris,
– und ein früher Gedanke über Technik-Evolution (fast wie Nanobots).

Die KI kann das natürlich wunderbar illustrieren. (Das Titelbild meiner uralten Ausgabe von 1974 ist auch großartig.) Das Bild ganz oben könnte den „Zyklopen“ zeigen, die stärkste Waffen der Menschen, der aber, als er – im Roman – gegen die „Fliegen“ eingesetzt wird, scheitert, weil er seines elektronischen Gedächtnisses beraubt wird.

drohnen
Endless swarm of tiny robotic drones like metallic insects, storm-like movement, lightning-like electromagnetic pulses, dark alien world, epic sci-fi battle, hyper detailed, cinematic masterpiece, dramatic perspective –ar 7:3 –v 6.0 –s 750

Der Roman ist – heute gelesen – eine Parabel über die Effizienz von Drohnen (die es 1964 noch gar nicht gab) und über die Zukunft des Krieges.

Wenn man die Entwicklung der Drohnen mit der der metallischen „Fliegen“ in Lems Story vergleicht, fällt einem sofort die frappante Ähnlichkeit auf: Die Kleinen gewinnen, weil sie weniger Energie und Rohstoffe brauchen und sich nur im Falle einer Aggression zu größeren Einheiten zusammenschließen, die dann eine Art Schwarmintelligenz entwickeln.

Die Evolution der „Kriegswaffen“ ist logisch: Seit dem ersten Faustkeil lagert der Homo sapiens seine Werkzeuge aus. Der Hammer ist eine metallische Faust, der Bagger eine „externe“ Kralle, der Computer ein digitaler Cluster von Gehirnzellen, die KI ausgelagertes Wissen.

Panzer sind heute die Dinosaurier – je größer, um so stör- und reparaturanfälliger. Das gilt auch für Bomber. Der Northrop B-2 Spirit der USA kostet 4 Milliarden Dollar und 150.000–200.000 Dollar pro Flugstunde (!). Die Shahed-136 kostet in der Produktion angeblich nur 20.000 Dollar.

Die israelische Elbit Hermes 900-Drohne kostet zwischen sechs und 30 Millionen Dollar. Bei der „High End“-Drohne IAI Heron TP (Eitan), die sogar mit Raketen ausgerüstet werden kann, ist die Grenze zwischen Drohne und kleinem unbemannten Flugzeug fließend.

ChatGPT stimmte mir hier sofort zu:
⚖️ Vergleich zu bemannten Systemen
– kleine Drohne: ~2 Mio. $ → wie ein Luxusauto
– große Drohne (Heron TP): ~50 Mio. $ → wie ein Kampfjet
– Bomber (z. B. B-2): >2 Milliarden $

👉 Genau hier kommt dein Lem-Gedanke ins Spiel: Viele kleine, günstige Systeme können strategisch wichtiger sein als wenige extrem teure Maschinen.

drohnen

Die Bundeswehr nutzt übrigens bisher israelischen Drohnen, weil die Deutsche zu blöd waren, selbst auf die Idee zu kommen, so etwas zu entwickeln. Erst 2022 (!) entschied die Bundesregierung, dass Drohnen der Bundeswehr bewaffnet werden dürfen. Bis 2027 (!) soll die erste Batterie einsatzbereit sein. Die Digitalisierung funktioniert aber noch nicht, was nicht weiter verwundert. Vermutlich, was jeden Pazifisten erfreut, wäre die Bundeswehr noch nicht einmal in der Lage, Andorra oder Luxemburg zu erobern.

drohnen
Swarm of tiny metallic drones forming a dynamic cloud, surrounding and overwhelming a massive futuristic war machine, contrast between scale and power, symbolic dominance of small over large, alien desert planet, dark sci-fi atmosphere, glowing electromagnetic effects, cinematic lighting, highly detailed, epic scale, sense of inevitability, hard science fiction style, ultra realistic, 8k, volumetric lighting, dramatic shadows –ar 16:9 –v 6.0 –s 750 –raw –

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Kriege der Zukunft

Drohne
Frontansicht einer Shahed-136-Drohne in der Ausstellung der Luft- und Raumfahrtkräfte der Islamischen Revolutionsgarden in Qom. Source: Tasnim News Agency / Wikipedia

Ich darf die geschätzte Leserschaft auf einen Artikel von ABC News aufmerksam machen: „Ukraine outshoots Russia in cross-border drone war for 1st time, March data suggests“. Dazu passt ein Beitrag hinter der Paywall der von mir abonnieren bürgerlichen Presse: „Der Iran hat die Art verändert, wie heute Krieg geführt wird“.

Die KI fasst ABC News zusammen: „Im März 2026 setzte die Ukraine erstmals mehr grenzüberschreitende Drohnenangriffe ein als Russland. Russland meldete über 7.300 abgeschossene ukrainische Drohnen, während die Ukraine angab, rund 6.600 russische Drohnen und Raketen abgewehrt zu haben – ein neuer Höchstwert russischer Angriffe.

Beide Seiten nutzen verstärkt Drohnen und Raketen, um Infrastruktur und Wirtschaft des Gegners zu schwächen. Besonders Russland greift weiterhin intensiv an, doch die Daten deuten darauf hin, dass die Ukraine ihre Fähigkeiten deutlich ausbaut und aufholt.

Ein Schwerpunkt ukrainischer Angriffe liegt auf russischen Öl- und Energieanlagen, um Einnahmequellen Russlands zu treffen. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Wirksamkeit der Angriffe schwer überprüfbar, da beide Seiten ihre Angaben möglicherweise übertreiben.“

Die Welt: „Der Artikel beschreibt, wie günstige Drohnen die klassische militärische Überlegenheit in der Luft verändern. Während teure Abwehrsysteme wie die MIM-104 Patriot Millionen kosten, sind einfache Drohnen extrem billig – wodurch Angriffe wirtschaftlich im Vorteil sind.

Der Iran nutzt diese Strategie gezielt mit massenhaft eingesetzten Shahed-Drohnen, was selbst die USA und Israel unter Druck setzt, da ihre teuren Abwehrmittel schnell erschöpft sind. Dadurch verschiebt sich die Kriegsführung: Auch militärisch schwächere Staaten können starke Gegner effektiv herausfordern.

Ähnliche Entwicklungen zeigt der Krieg in der Ukraine. Insgesamt entsteht eine neue „Kostenlogik“ des Krieges: Angriff ist billig, Verteidigung teuer.“

Drohne
Chinesische Jiutian SS-UAV-Drohne, die als Drohnen-Mutterschiff konzipiert ist. Im Rumpf befindet sich ein „Waben-Missionsraum“, eine Sammelbox, in der ein Schwarm von bis zu 100 kleinen Drohnen untergebracht ist.

Israel hat das natürlich vorhergesehen und fackelt mittlerweise mit Laserschwertern den Himmel ab – das ist ultrabillig, treibt nur die Stromkosten in die Höhe. Auch China setzt auf Drohnenkriege.

Ich weiß noch nicht, was genau ich davon halten soll. Der russische Militärblogger Juri Podoljaka beklagt, dass die Ukraine die Taktik der Russen jetzt gegen sie selbst anwendet. Wen wundert’s?

Die Materialschlachten des 1. Weltkriegs könnte man im Zeitalter des Internet der eigenen Bevölkerung nicht mehr verkaufen, auch wenn alle „offiziellen“ Medien – wie hierzulande im Ukraine-Krieg – sich freiwillig gleichschalten.

Militärisch-technische Vorteile werden immer von der Gegenseite adaptiert und damit neutralisiert. Wer will überhaupt noch wie einen Krieg „gewinnen“?

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Empfohlene Grundeinstellung für deinen Sack oder: Diffuse Blinn-Phong AO Mesh, update

mesh

[x] Problem solved. Eine Woche Versuch und Irrtum.

Falls irgendjemand außer mir sich für dieses Problem interessiert – was genauso wahrscheinlich ist wie eine Nutella-Dose im Weltraum* -, hier die Lösung:

mesh PBR

Nachdem ich PBR auf „blank“ bzw. „default“ gesetzt hatte, behielt das Objekt (der „Salzsack“) auch nach wiederholtem Rezzen sowohl Farbe als auch Helligkeit.

Der Clou ist: „Traditionelles“ Erstellen von Objekten – nur mit Polygonen – hätte für so einen virtuellen Sack zwei Prims gebraucht – einen für den Sack, einen anderen für die „Füllung“, die auch nur die normale geometrische Form annehmen kann, Kugel, Halbkugel, Kegel. Oder man hätte ein so genanntes Sculpted Prim nehmen müssen, um die Polygone zum Beispiel am Rand abrunden zu können, damit sie realistischer aussehen. Das aber reduziert nicht die Zahl der Prims, die man für ein kompliziertes Objekt braucht. Mesh braucht neu ein Polygon für den Sack. Das ist ein Entwicklungssprung wie von der Kutsche zum Automobil.

Ich habe dabei viel gelernt über Mesh-Objekte und -Texturen, auch wenn ich zwischendurch ziemlich unanständig fluchten musste. Texturen sind das eine, neue Objekte mit Bforartists erstellen etwas anderes. Aber das wird schon.
___________________

* Wie blöd kann man sein, Sueddeutsche und „ein Experte vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)“? Nutella wird in den USA primär in Plastikbehältern (PET) statt in Gläsern verkauft, um Transportkosten zu sparen. Kunststoff ist dort leichter recycelbar. Diese Verpackung ist leichter, aber das Produkt schmeckt durch eine leicht veränderte Rezeptur oft anders als die europäische Version. Die Gläser sind in großen US-Supermärkten weit verbreitet.

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Unter Klötzchen

lego

Während wir auf mehr Fakten warten, um die Weltläufte richtig interpretieren zu können, schauen wir uns ein Video auf Instagram oder auf X an.

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