
Nein, die Revolution im Iran – wenn es denn überhaupt eine ist – wird nicht gewinnen, auch wenn das traurig klingt.
In der bürgerlichen Presse liest man ein Interview mit Vali Nasr, der sich ähnlich äußert (aber aus anderen Gründen als ich): Das Herrschaftssystem sei „noch nicht wirklich bedroht. Zwar ist der Unmut groß, aber der Opposition fehlen ein gemeinsames Programm, eine übergreifende Organisation, handlungsfähige Führungsfiguren.“
Das alles braucht es nicht unbedingt, damit eine Regierung stürzt – etwa wie in Rumänien am 22.12.1989. Revolutionäre Führer schälen sich während der Aktion aus der Masse heraus. Und welche Art von Organisation sollte es sein? Ich kenne nur eine – der Anführer hieß Lenin -, aber so etwas wird es nicht wieder geben.
„Unruhen aus wirtschaftlichen Motiven haben die herrschende Ordnung bisher nie wirklich gefährdet.“
Es kann natürlich einen Umsturz geben, wenn die herrschende Klasse zur Einsicht kommt, dass bisherigen ihre Anführer ineffektiv handeln, wie fast in allen Staaten des so genannten Arabischen Frühlings. Die werden dann einfach durch andere ausgetauscht, die sich nicht so dumm anstellen, und nichts ändert sich – oder das Regime wird noch repressiver als zuvor.
In der französischen Revolution wurde die Feudalklasse entmachtet zugunsten der Bourgeoisie. Es folgte aber zunächst eine Diktatur, bei der im Sinne des Wortes viele Köpfe rollten, und dann das Kaisertum unter Napoleon. In Deutschland scheiterte das Bürgertum 1848 – aber der Kapitalismus, also die Klassenherrschaft der Bourgeoisie, kam dennoch.
Mai 1951
Unter Führung Mossadeghs wird die iranische Ölindustrie verstaatlicht. An der Ölgesellschaft, der Anglo-Iranian Oil Company, hält Großbritannien die Mehrheit; es kommt zum Konflikt zwischen Großbritannien und Iran. Innenpolitisch wird Mossadegh zum Widersacher des Schahs.
19. August 1953
Mossadegh wird gestürzt; Teile der iranischen Armee führen mit Hilfe des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA einen Staatsstreich durch. Mossadegh wird zu drei Jahren Haft verurteilt, im Anschluss unter Hausarrest gestellt. Mossadegh stirbt 1967.
1957
Ab 1957 baut der Schah – ebenfalls mit ausländischer Hilfe – den Geheimdienst SAVAK auf.
9. Mai 1961
Der Schah löst das Parlament (Madschlis) auf. Iran bleibt zwei Jahre ohne Volksvertretung.
Januar 1963
Der Schah lässt in einem Referendum über Reformpläne abstimmen („Weiße Revolution“). Zu den Reformen gehört unter anderem eine Landreform. Die Reformen werden angenommen.
Was soll also in Persien kommen? Eine andere, weniger religiösere Form des Kapitalismus, oder eine mehr demokratische?
Die „Islamische Republik“ war die vom Volk gewünschte Alternative zur Monarchie. Und jetzt wieder zurück?
„Die Macht in diesem System ist auf viele Pole verteilt.“
Die gefährlichste Variante wäre die, dass das Militär übernimmt – es wäre nicht das erste Mal – , oder die Ayatollahs gestürzt werden und neue Hardliner an die Macht kommen. Das können weder die Israelis noch Trump mit einem Flächenbombardement verhindern.
Januar 12, 2026 | Kategorie
Politics |
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Pirineo Aragones – Monte Perdido. – Alt. 3.355m. Foto: Foto Peñarroya – Jaca
Heute noch etwas weit jenseits des Zeitgeschehens. Ich habe auf einem sehr abgelegenen Bücherregal ein paar Reiseführer über Spanien und die Pyrenäen entdeckt und erinnerte mich, dass ich da mal war – vermutlich 1987. Ich hatte keinen Fotoapparat dabei; Handy natürlich auch nicht, weil es das noch nicht gab. Ich musste ein paar Wochen allein in den Bergen herumwandern, weil ich – wie man heute so sagt – einfach den Kopf freibekommen wollte, vor allem wegen einer unglücklich ausgegangenen …ähem… ich bleibe lieber diskret, weil das Mädel die reizende Künstlerin, mit der ich damals in einer großen WG zusammenlebte, noch quicklebendig ist und ihr charmantes Lächeln behalten hat.
Ich habe auch noch eine Postkarte gefunden und einen Brief. Ich bin von Berlin aus mit einer Mitfahrgelegenheit über Frankreich – mit einer Übernachtung – nach Pamplona gefahren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich am Steuer saß, als wir die Pässe der westlichen Pyrenäen-Ausläufer überquerten und ich mir Rennen mit den einheimischen Autos lieferte.

8.9.[1987]
Liebe Eltern!
30 Grad im Schatten, seit einer Woche keine Wolke zu sehen – das ist fast zu heiß zum Wandern. Ich sitze auf einer Terrasse (gehört zu einem feudalen Campingplatz inklusive Dusche und Waschmaschine) mit einem kühlen Getränk und mache einen Tag Pause. Die Pyrenäen sind wunderschön, fast wie die Dolomiten – bis 2000 m bewaldet und dann schroff aufsteigende Felsen bis 3000.
Die ersten Tage (nach 2 Tagen in Pamplona mit einer tollen Altstadt und vielen Kneipen wie in Berlin) hatte ich mich in die Berge geschlagen zum trainieren. In einem Seitental wanderte ich von einem Dorf zum anderen – alle unbewohnt, weil von den Bewohnern aufgegeben – malerische Ruinen im Abendlicht, Totenstille, nur Grillen zirpen und ein plätschernder Bach – Wassermangel ist hier das größte Problem. [Die Route finde ich nicht mehr, es war südwestlich von Pamplona. Die Dorfruinen waren angeblich mozarabisch.]
Das Marschieren war anstrengend. mit Zelt wieder mein Gepäck 25 kg. Dann bin ich in den Nationalpark von Ordesa [Nationalpark Ordesa y Monte Perdido] – ein riesiger Canyon mit über 15km Länge und über 1000m tief.
Den bin ich raufgekraxelt und am nächsten Tag auf den Pass, den ihr am oberen Kreuzchen auf der Karte seht. Der Abstieg war, was die Aussicht angeht, atemberaubend; Ich könnte sogar das Maladetta-Massiv [gemeint ist der Pic de Maladeta] sehen, wohin ich erst in 3 Wochen will, ansonsten aber fürchterlich – Geröll und Gletscherfelder.
Das zweite Schneefeld nahm ich im Sturzflug auf dem Hinterteil, schließlich konnte ich mich mit einem Eispickel festhalte. Beim unteren Kreuzchen passierte es: Eine Kletterpassage, normaler Schwierigkeitsgrad, aber das blöde Zelt und der Rucksack sind einfach zu schwer für so etwas. Die letzten 10m bin ich hinuntergekracht – holterdipolter den Felsen lang auf das Schneefeld, was unter dem 2. Kreuzchen zu sehen ist – außer Hautabschürfungen und zerrissenen Riemen ist nix passiert.
Nach weiteren 3 Stunden Abstieg kam ich laut fluchend an einem kristallklaren Gletschersee an [Ibón Helado], umgeben von Wiesen und bunten Blumen. Dort habe ich alles geflickt, gerichtet und mich erholt – allerdings kamen mir nach 3 Tagen das Müsli und die guten Suppen von Knorr schon zu den Ohren raus.
Übermorgen werde ich zur nächsten Tour aufbrechen, weniger halsbrecherisch, aber anstrengender, weil 5 Tage – von Bielsa (wo ich morgen den Brief abwerfe) zu Fuß zum Maladetta [Maladeta] Massiv, von da aus zum anderen Nationalpark (Vall d’Aran, von da aus Anfang Oktober nach Barcelona, wo eine Freundin wohnt und wo ich auch B. treffe.
Ich versuche noch inzwischen, mal ein Kärtchen loszuwerden – aber die bewohnten Orte sind erstens selten und zweitens so teuer wie bei uns (Essen 20 Mark).
Bis bald und Gruß Burkhard
Heute kann ich die Tour zum Teil nachvollziehen. Ich bin erst – von Süden aus – zum Refugio de Góriz – Ordesa (2200 m) marschiert und dann nordwestlich über den Pass am Soum de Ramond vorbei hinunter ins Tal, wo ich mein Zelt aufschlug, bis zum Refugio de Pineta, wo ich am nächsten Tag übernachtete. Auf der Karte des Alpenvereins ist der kleine See gut zu erkennen. Auch die Gletscherfelder sind noch da; sie waren damals aber ausgedehnter, und es war schon Spätherbst.
Der Plan, zum Pico de la Maladeta zu Wandern, zerschlug sich, weil es schon vor Bielsa anfing, heftig zu schneien. Ich bin daher von Bielsa nach Süden getrampt. Ein freundlicher Autofahrer setzte mich irgendwann an einem Stausee ab, wo der erwähnte Campingplatz war. Dann bin ich nach Graus – an die großartige Altstadt kann ich mich noch erinnern. Und von dort aus über Lleida nach Barcelona – wieder getrampt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich irgendwann in einem trockenen Flussbett unter einer Brücke geschlafen habe – vermutlich am im Tal des Llobregat in der Nähe der abtei Montserrat, weil ich mir die noch angesehen habe.
Es wäre witzig, würde ich die Tour noch einmal machen, aber dieses Mal mit Fotos. Ich zweifele aber, ob ich heute noch so fit wäre, in zwei oder drei Tagen die höchsten Pässe der Pyrenäen zu Fuß überqueren zu können.
Januar 11, 2026 | Kategorie
Panorama |
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Wir müssen heute etwas total Überflüssiges durchnehmen. Warum und zu welchem Ende liest man Heyer, Friedrich: Kirchengeschichte des Heiligen Landes, was ich vorgestern und gestern getan habe? Natürlich interessiert das niemanden außer mir, und ich machte das auch nur aus egoistischen Gründen dergestalt, dass ich hier auf meinem Blog sozusagen das Exzerpt platziere, obwohl ich auch in jedem Buch, das ich lese, herum- und unterstreiche, dass ich das Wichtigste beim nächsten Mal schneller finde.
[Die kursiven Passagen sind Zitate.] Ich war jedoch von diesem Buch recht überrascht. Ich erwartete drögen Stoff, den man im Schnellverfahren abhandeln könnte, nur der Form halber, weil es als Standardwerk zum Thema gilt.
Stattdessen kam ich aus dem Staunen über mein eigenes Unwissen gar nicht mehr heraus.

Ich musste nicht nur zahllose Namen und Begriffe googlen, sondern lernte auch Nützliches über die Spätantike. Man merkt doch immer wieder, wie eurozentiert der Blick ist, ganz zu schweigen davon, dass das Thema in den hiesigen Universitäten vermutlich gar nicht auftaucht oder nur eineinhalb Interessenten beschäftigt, die des Genderns überdrüssig sind. [Es war auch zum Teil schwierig, die richtigen Links zu finden, weil manche Namen über die Jahrhunderte mehrfach auftauchen. Aber die Recherche parallel zur Lektüre und kombiniert mit ChatGPT machte Spaß, weil sie viel mehr Details liefert und sogar kleine Fehler im Buch – das ja vor dem Internet entstanden ist – richtigstellt. Zum Beispiel gab es keinen Vertrag zwischen Karl dem Großen und Harun al-Raschid, obwohl Heyer das behauptet. ChatGPT spuckte sogar unaufgefordert das lateinische Zitat aus Einhards Vita Karoli Magni (um 830) aus: Cum Aarone rege Persarum, qui totum pene Orientem tenebat, amicitiam fecit. (Mit Aaron, dem König der Perser, der fast den ganzen Orient beherrschte, schloss er Freundschaft). Nur dass – und keinen Vertrag.]
Aber zunächst Unterhaltung.
Des Apphianus Halbbruder Ädesius, der allzeit im ärmlichen Philosophenmantel ein Asketenleben führte, in der wissenschaftlichen Bildung seinem Bruder noch überlegen (Mitschüler des Euseb[ius von Caesarea] in der Schule von Cäsarea), wagte in Alexandria ähnliches wie sein Bruder. Als er sah, wie der dortige Richter angesehene Männer, weil sie Christen waren, mißhandelte und Jungfrauen Bordellhaltern übergab, trat er an den Richter heran, schlug ihn mit beiden Händen ins Gesicht, überhäufte ihn mit Schimpfworten und warf ihn zu Boden. Auch er wurde ertränkt. In Tyrus wurde in der gleichen Zeit der junge Ulpianus nach fürchterlichen Geißelungen mit einem Hund und einer Giftschlange in rohe Rindshaut eingenäht und ins Meer geworfen.
Vermutlich hätte ich noch eine Warnung voranschicken sollen. „Beim Lesen der Zitate könnte das Publikum verstört werden! Jugendliche unter 18 dürfen die Passagen nur embedded in Gegenwart eines weltanschaulich gefestigten Journalisten Erwachsenen konsumieren.“
Als Kaiser Maximinius Daja am 20. November 306 in Cäsarea zur Feier seines Geburtstages Festspiele veranstaltete, bei denen Verbrecher in der Arena mit Tieren aus Indien oder Äthiopien kämpfen sollten, holte man den Agapius zusammen mit einem Sklaven, der seinen Herrn ermordet hatte, heran. Agapius war schon drei- oder viermal zum Tierkampf ins Stadion geführt, aber immer wieder zurückgestellt worden. Das Theater hallte von Beifallsbezeugungen wider, als der Kaiser dem Mörder Leben und Freiheit schenkte. »Den Kämpfer für das Christentum liebe der Tyrann vor sich rufen«, verlangte von ihm die Verleugnung des Glaubens, wofür er ihm die Freiheit anbot. Agapius schritt lieber der losgelassenen Bärin entgegen. Noch atmend brachte man ihn ins Gefängnis, wo er noch einen Tag lebte. Mit Steinen an den Füßen wurde er ins Meer versenkt.

Hätten Sie’s gewusst? Die Araber waren Alliierte Roms und Christen. Erst in der Spätantike wurden sie Muslims. Sie lebten damals auch nicht in Palästina. Von wegen „Palästinenser“. Aber sage das jemand den heutigen hohlköpfigen Palituch-Trägern und so genannten „Linken“!
Um das Jahr 500 hatten sich arabische Stämme, die sich um die mächtige Familie Ghassan gruppierten – vom byzantinischen General Romanos besiegt – dem Kaiser Anastasios gegenüber zum Dienst bereit gezeigt. Sie grenzten das byzantinische Reich gegen Persien ab und halfen die aufständischen Samariter zu überwältigen. Ihre Herrscher hingen freilich dem antichalcedonensischen Glauben an. Verfolgte Monophysiten aus dem byzantinischen Reich suchten bei ihnen Zuflucht. Daß die Kaiser infolge ihres Ränkespiels den Grenzschutz der Ghassaniden einbüßten, machte einen Einfall der Perser unter Chosroes ins Heilige Land im Jahre 614 möglich. Juden und Samariter begrüßten sie stürmisch.
Auch das noch! Juden bejubeln die Iraner Perser, die das Heilige Land erobern, in dem die Mehrheit Christen, also Byzantiner waren! Antichalcedonisch? Monophysiten? Das sage ich bei einem Barbesuch auf die Frage: „Bist du religiös?“ – „Ich bin antichalcedonischer Monophysit!“
Die Perser unterwarfen die palästinensische Hauptstadt Cäsarea (die damit ihre Bedeutung verlor) und Lydda und erschienen vor Jerusalem. Die Mönche der jüdischen Wüste flohen über den Jordan. Im Vertrauen, Gott werde seine Heilige Stadt schützen, hinderten rebellische Gruppen den Patriarchen Zacharias an friedlichen Verhandlungen mit dem Feind. So schickte Zacharias den Mönch Modestus aus dem Theodosioskloster zur byzantinischen Garnison von Jericho, Hilfe aufzubieten. Umsonst! Nach 20 Tagen brach die Eudokiamauer unter den Stößen des persischen Rammbocks zusammen. Als die Perser am 20. Mai in die Stadt stürmten, stachen sie nieder, wen sie trafen, und verbrannten Grabeskirche, Himmelfahrtskirche und Sion. Aus den Übriggebliebenen, aus den Verstecken gerufen, wurden nur die Handwerker zum Abtransport ausgesucht. Die in diesem Sinne Unbrauchbaren wurden in den Teich von Mamilla getrieben und dort ertränkt, oder sie erhielten einen Gnadenstoß von jüdischer Hand.
Moment. Die Juden brachten die Christen um, die nicht „nützlich“ waren?
Der tugendhafte Thomas und seine Gattin begruben die 33 000 Toten. Patriarch Zacharias wurde in die Gefangenschaft verschleppt, die Kreuzreliquie nach Persien entführt. – Unter den Deportierten befand sich der Diakon Eusebios mit seinen zwei Töchtern, 8 und 10 Jahre alt. Die persischen Priester forderten die Kinder zur persischen Feueranbetung auf, doch gestützt auf die Ermahnungen ihres Vaters verweigerten sich die Mädchen. Sie wurden hingemordet, der Vater ins Feuer gestoßen. Darüber schrieb Patriarch Sophronios einen Hymnus, den bewegendsten unter allen seinen Dichtungen.

Patriarch Sophronius von Jerusalem, Menologion von Basil II
Die christlichen Araber sind schuld, dass die muslimischen Araber Palästina erobern konnten. Und das kam so:
Nachdem 635 Damaskus in arabische Hand gefallen war, erkannte Kaiser Heraklius die drohende Gefahr. Zwei Heere entsandte er gegen Omar [ʿUmar ibn al-Chattāb, auch: Omar ibn–al-Khattab], eines, das in Armenien ausgehoben war, unter Fürst Vahan, das andere unter Theodor Trithyrios.
Am heißen Sommertag des 20. August 636 verloren die Byzantiner am Jarmuk, dem östlichen Nebenfluß des Jordan, die Entscheidungsschlacht. Mitten im Kampf gingen 12 000 christliche Araber [die Ghassaniden] zum Feind über. Als Nonchalcedonenser haßten sie Byzanz. Den Soldaten des Kaisers wehte der Sandsturm in die Augen. Als Sophronios erfuhr, daß Jericho in gegnerischer Hand sei, schaffte er die Kreuzreliquie bei Nacht zur Küste, damit sie nach Konstantinopel verbracht würde.

Schlacht von Jarmuk, 638 n. Chr., anonyme katalanische Illustration, ca. 1310 – 1325
Über den Fall der Heiligen Stadt gibt es unterschiedliche historische Berichte. Am wahrscheinlichsten ist, daß Jerusalem von einem unbekannten Stammesscheich Khalid b. Thabit al-Fahmi eingenommen wurde, der Jerusalem gegen Tributzahlung unzerstört ließ. Die spätere Phantasie haftete jedoch an einem Bericht, demzufolge der greise Patriarch Sophronios die Heilige Stadt den Muslimen übergeben habe. Der Patriarch habe gefordert, daß Kalif Omar [Omar ibn–al-Khattab] selbst in Person anwesend sei. Im 17. Jahr der Hedschra, das heißt im Februar 638, begegneten sich Sophronios und Omar auf dem Ölberg. Der alte Patriarch mußte sich vor dem Eroberer demütigen. Sophronios bot dem Kalifen an, in der Anastasis zu beten. Doch Omar erwiderte: »Wenn ich in Deinem Tempel beten würde, würdest du ihn später verlieren, denn die Muselmanen würden ihn dir nach meinem Tod wegnehmen, indem sie sagten: Hier hat Omar gebetet.«
„Jhesus aber sprach zu ihnen: Sehet jr nicht das alles? Warlich ich sage euch, Es wird hie nicht eyn steyn auff dem andern bleiben, der nicht zu brochen werde.“ (Matthäus 24,2, Lutherbibel 1525)
Der Kalif wünschte statt dessen ein Terrain zu sehen, auf dem er eine Moschee bauen könnte. Die Sage berichtet, Sophronios habe ihn auf den Tempelplatz geführt, der bis dahin wüst gelegen hatte; die Christen respektierten nämlich die Prophezeiung des Herrn, daß hier kein Stein auf dem andern bleiben werde. Omar habe sogleich mit eigenen Händen begonnen, in der Mitte des Platzes Trümmer wegzuräumen. Der Felsendom, von syrischen Kirchenarchitekten nach der Art errichtet, wie sie eine christliche Kirche gebaut haben würden, entstand freilich erst 691. Der arabische Historiker Mukkadasi [al-Muqaddasī] beschreibt das dabei vorwaltende Motiv so: Dieser Bau sei errichtet worden, damit die Pracht der Grabeskirche die Muslime nicht verwirre.
Trotz der Herrschaft muslimischer Mächte war Palästina bis zu den Kreuzzügen noch immer ein majoritär christliches Land geblieben.

Jerusalem auf der Mosaikkarte von Madaba, 6. Jh. n. Chr.
Die Juden, denen Julian Apostata die Rückkehr nach Jerusalem gestattet hatte, waren von den Kreuzfahrern wieder ausgetilgt worden. Nach Zerstörung des Kreuzfahrerreichs durften sie wieder in ganz Palästina siedeln.
Als die katholischen Majestäten 1492 die Judenschaft Spaniens vertrieben, nahm Sultan Bayazid die Exulanten [sic] großzügig im Osmanischen Reich auf. Unter 70000 Sefarden, die sich in den türkischen Häfen einfanden und in urbanen Zentren des Inneren ihre Kolonien schufen, waren vor allem religiös gestimmte Juden vertreten, die in der Kabbala lebten – jener mystischen Strömung, die anfangs des 13. Jhs. in der spanischen Stadt Gerona [Girona] ihre bedeut3enden Schriftsteller gefunden hatte. Im Heiligen Land gewann das Judentum eine neue geistige Präsenz iim obegaliläischen Safed….“
1777 trafen die ersten Chassidim aus Russland in Palästina ein… Also noch mal ganz langsam. Wie kann jemand behaupten, die Juden seien „Kolonisten“, obwohl sie viel früher als die Araber in Palästina waren?
Aber wenden wir uns von der Politik ab und den Religonen des Friedens zu. Heyers Buch reicht bis in die Gegenwart – also die 80er-Jahre. Über die Grabeskirche, in der ich jetzt schon zwei Mal war und mich immer noch nicht auskenne (das ist die mit dem afrikanischen Kloster auf dem Dach):
Das Protokoll der Berliner Konferenz von 1878 bestätigte den Status quo. Diese Regelung der Rechtsverhältnisse an den Heiligen Stätten blieb das letzte Wort. Tatsächlich handelte es sich um eine bloße Beschreibung der Gebräuche, wie sie sich historisch eingespielt hatten. Ein Versuch, 1902 den Status quo in eine Kodifikation umzumünzen, mißlang. Die bisherigen Rechte der Kustodie gingen auf das lateinische Patriarchat über. Die Forderung der Franziskaner, daß das Aedicuium der Grabeskirche, die obere Geburtsbasilika in Bethlehem und das Mariengrab im Josaphattal zurückgegeben würden, die 1757 den Lateinern genommen waren, blieb unerfüllt.
Auch den nonchalcedonensischen Kirchen – den Armeniern, Kopten und Syrern [gemeint ist die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien] – spricht der Status quo bestimmte Rechte zu. So besitzen die Kopten das Recht, Tag und Nacht in der Grabeskirche zu räuchern und bestimmte Lampen aufzuhängen, etwa am Salbungsstein zwei Lampen, außerdem in der Karwoche in Prozession das Christusgrab zu umschreiten. In Fastenzeiten dürfen die Kopten täglich eine Eucharistie in der Grabeskirche feiern, sonst zweimal in jeder Woche. Am Himmelfahrtstage dürfen sie im Imbomon ihr Zelt aufschlagen und einen eigenen Altar errichten. Auch in Bethlehem und am Mariengrab besitzen die Kopten bestimmte Rechte.
Jede der im Status quo privilegierten Kirchen wachte eifersüchtig darüber, daß die Partner ihre Grenzen in den im Vertrag einbezogenen Stätten nicht überschritten und die im Text nicht aufgeführten Kirchengemeinschaften ausgeschlossen blieben. Da der Status quo katholischen Institutionen nur insofern Rechte zuerkennt, als diese sich an das lateinische Patriarchat ankristallisieren, sind die mit Rom unierten Christen ausgeschlossen. Unierte Kleriker dürfen in der Grabes- und der Geburtskirche nicht einmal privat zelebrieren.
Als 1888 der Präsident der Russischen Palästina-Gesellschaft, Großfürst Sergij, und seine Gattin Elisaveta Jerusalem besuchten, erfolgte insofern ein Übergriff über die vom Status quo gezogenen Grenzen, als der russische Archimandrit auf dem Kalvarienberg für die hohen Herrschaften in Kirchenslawisch zelebrierte. Beim Eucharistischen Kongreß, den die katholischen Christen vom 15.–20. Mai 1893 nach Jerusalem einberiefen, ließen die Lateiner, was im Status quo nicht vorgesehen ist, die mit Rom unierten Ostchristen an diesem Ort feiern. Als im Jahre 1960 der syrisch-katholische Hierarch Ephraim aus Mossul am lateinischen Altar in der Geburtsgrotte zelebrierte, prügelte ihn ein griechischer Mönch – mitten in der Messe – hinaus.
Man kann die Israelis nur bedauern, dass sie da für Ordnung sorgen müssen. Vermutlich müssen sie auch immer erst nachsehen in einer langen Liste, mit wem sie es gerade zu tun haben.
Januar 10, 2026 | Kategorie
Feuilleton,
Israel,
Science |
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Nehmt dies, öffentlich-rechtliche Medien: „Ich brauche Informationen. Eine Meinung bilde ich mir selbst.“ (Charles Dickens) Sogar der Papst sieht euch scheel an….

– Was gerade im Iran geschieht, wäre in Deutschland wegen „Islamophobie“ verboten. Und was macht eigentlich Frau Baerbock?
– Die Islamisierung in Berlin schreitet jedenfalls voran. Frau Ataman gefällt das.
– Die bürgerliche Presse kommentiert ganz richtig die so genannte „Linke: “ Jener Milieus, die sich sonst mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und moralischer Inbrunst mobilisieren – insbesondere dann, wenn es um Israel und Gaza geht. Innerhalb weniger Stunden füllen sich Plätze, werden Demonstrationen organisiert, Resolutionen verabschiedet, Social-Media-Profile umdekoriert. „All Eyes on Gaza“ etwa, eine anti-israelische Protestbewegung mit Unterstützung der Linken, Amnesty, dem Zentralrat der Muslime und vielen mehr, die lautstark in Deutschland auftrat. Die Empörung saß locker, die Gewissheit war groß. Im Fall Iran hingegen: Zögern. Schweigen. Ausweichen.“
– „Die NGO genannten Aktivisten-Rackets, denen Israel nun die Zulassung entziehen wird, fielen in der Vergangenheit vor allem durch Pro-Pali-Aktivismus bis hin zur Kollaboration mit der Hamas auf. Daran ändern auch die herzerweichenden Namen à la „Ärzte ohne Grenzen“ nichts, die der durchschnittliche UN-verliebte Spiegel-Leser für die Inkarnation des Weltgeistes halten muss. Ein überfälliger Schritt gegen das NGO-Bandenwesen im Zeichen der nationalen Sicherheit Israels.“ (David Schneider auf Fratzenbuch)
– Dann haben wir noch etwas mit Schwefelgeruch: „Die Hisbollah-Connection des Berliner SPD-Fraktionschefs Raed Saleh“. – „Rund um die Berliner SPD-Spitze tauchen seit Jahren immer wieder dieselben Akteure auf – und mit ihnen Verbindungen in Milieus, in denen Hisbollah, Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und Samidoun eine Rolle spielen, also der politische Islamismus. NIUS analysiert dieses dubiose Umfeld anhand veröffentlichter Bilder, öffentlich einsehbar auf einer arabischsprachigen Website, die aus Berlin betrieben wird.“
By the way: Esst mehr Fleisch!
Januar 10, 2026 | Kategorie
Politics |
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Neu in der Literaturliste zu Israel:
– Alt, Albrecht: Zur Geschichte des Volkes Israel. Eine Auswahl aus den Kleinen Schriften, 1979
– Berger, Klaus: Qumram – Funde – Texte – Geschichte, Stuttgart 2011
✓
– Beyer Klaus: Die aramäischen Texte vom Toten Meer: Bd 1: Samt den Inschriften aus Palästina, dem Testament Levis aus der Kairoer Genisa, der Fastenrolle und den alten talmudischen Zitaten, Göttingen 1997
– Heyer, Friedrich: Kirchengeschichte des Heiligen Landes, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1984
✓
– Osten-Sacken, Peter von der (Hrsg.): Zionismus – Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, Institut Kirche und Judentum, 1986
Januar 10, 2026 | Kategorie
Politics |
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Ich weiß nicht, woher diese Mischung aus Paternalismus und Apokalyse in Deutschland kommt. Ein bisschen Winter, an dem vermutlich das Klima schuld ist oder die Erderwärmung, und die Qualitätsboulevardmedien möchten, dass ich zuhause bleibe. Ich denke gar nicht dran.

Ich könnte jetzt darüber räsonnieren, warum der Klassenkampf im Iran mit einer Niederlage der Rebellierenden enden wird. Für diese These habe ich viele Argumente, nur leider heute keine Zeit, sie darzulegen.

Es wäre auch interessant nachzuprüfen, welche der Organisationen, die die USA verlassen wollen, wirklich überflüssig sind, wer sie finanziert und wer sonst noch Mitglied ist. Aber wie oben.

Also noch mal zum Mitschreiben: Ich werde um 4:30 Uhr aufstehen und nach Frühstück und viel Kaffee meinen Fedora aufsetzen, der wärmt, und mit der U-Bahn zur Arbeit fahren.
ES IST NICHT KALT! Kalt ist es bei Putin.


Fünf Uhr aufstehen, Schicht von sieben bis 19 Uhr… Drei Mal hintereinander.
Januar 7, 2026 | Kategorie
Panorama |
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Die Juden sind wieder mal schuld. Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez meint, hinter dem Angriff der USA stecke der Zionismus. Das hatte Maduro auch schon gesagt. Wie kann man so etwas öffentlich behaupten, ohne ausgelacht zu werden?
Die ehemals große jüdische Community von Venezuela kämpft ums Überleben. „Die Geschichte der jüdischen Gemeinde des Landes reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, als sefardische Juden von den Karibikinseln aufs Festland übersiedelten. Ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts kamen Aschkenasim aus Osteuropa, und 1939 gewährte das Tropenland jüdischen Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland Asyl. Als Hugo Chávez 1998 zum Präsidenten gewählt wurde, lebten etwa 25.000 Juden in Venezuela. Heute sind es noch rund 7000, doch genau weiß das niemand.“
Übrigens: Das Publikum merkte an, dass es auch schon vor Chavez „Schlamperei“ gegeben hat. Als ich in Venezuela war, war der typisch südamerikanische „Caudillo“ noch nicht an der Macht. Schlamperei? Die ist in Venezuela kein Bug, sondern ein Feature.
Man hat mir dazu eine Geschichte erzählt. Zwischen Puerto Ayacucho im Süden und San Fernando de Atabapo gibt es keine Straßen. Das Flugzeug ist zu teuer, also fahren die meisten Leute, die in diese Einöde am Ende der Zivilisation wollen, mit dem Boot. Es gibt nur eines. Ich habe darüber schon am 20.04.2023 geschrieben:

„No existe ningun. Kein Transport, nirgends. Also nur vier Boote für die ganze Region, die halb so groß ist wie ganz Deutschland, und von denen garantiert so viele oder so wenige schwimmfähig sind wie die bei der Bundesmarine. Damals gab es nur eins, und ob die Reise damit losging, hing davon ab, ob der Kapitän und Besitzer sich am Abend vorher mit Damen vergnügt und vollgesoffen hatte oder nicht. Das erzählten mir die Mitreisenden.
Ich habe noch ein Foto gefunden, dass ich bei dieser – oben erwähnten – Reise per Boot gemacht habe – in Samariapo. Dorthin hatte uns ein LKW aus Puerto Ayacucho gebracht und damit die unbefahrbaren Stromschnellen des Orinoco umgangen. Vermutlich habe ich das Foto unweit des Comando Fluvial Puesto Samariapo geschossen.“
Wie denkt der preußisch erzogene Deutsche, wenn er für das einzige Transportmittel einer ganzen Region verantwortlich ist? In Kategorien wie Soll und Haben, Rücklagen bilden. Wo ist der nächste Mechaniker? Rendite und Abschreibung. Nicht so in Venezula: Als das Schiff kaputtging, habe der Kapitän gesagt, er hätte kein Geld, da er alles bei Parties und für Frauen ausgegeben hatte. Also musste ihm die Regierung ein neues Schiff kaufen, was dauerte. Es fuhr in der Zeit keins.
Also keine protestantische Arbeitsethik vorhanden. Nirgends. Das sagen die Venezolaner: Wenn du jemanden arbeiten sieht, ist es ein Kolumbianer.

Postscriptum: Das Publikum sorgte sich um meine Hängematte. Der geht es gut (Foto von gestern).

„Die Bewohner Grönlands sind das indigene Volk der Kalaallit (Grönländer), eine Untergruppe der Inuit, die eine eigene Sprache sprechen, sowie eine Minderheit von Dänen und anderen Zugezogenen, insgesamt rund 56.000 bis 57.000 Menschen auf der größten Insel der Welt. Sie leben eine Mischung aus traditioneller arktischer Kultur (Jagd, Fischerei) und modernen Lebensweisen, wobei die Hauptstadt Nuuk das Zentrum bildet.
– Indigenes Volk: Die meisten Einwohner sind Kalaallit (Grönländer), Nachkommen der Thule-Kultur, die vor etwa 1.000 Jahren nach Grönland kamen.
– Sprache: Die alleinige Amtssprache ist Grönländisch (Kalaallisut), eine Eskimo-Aleutische Sprache, mit verschiedenen Dialekten. Dänisch ist Zweitsprache.
– Zugezogene: Etwa 10-11 % der Bevölkerung sind Dänen oder Menschen aus anderen Ländern.“
Das kommt davon, wenn man völkisch denkt. Plötzlich gehört dann Grönland nicht mehr den Dänen.
Januar 6, 2026 | Kategorie
Politics |
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Neujahrsgrüße von Heinz aus Havelberg,
Januar 6, 2026 | Kategorie
Panorama |
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Screenshot aus einem russischen Propagandavideo, daher automatisch voll gelogen
Wenn ich jetzt die Regierung Venezuelas wäre, würde ich möglichst schnell freie Wahlen verkünden unter Aufsicht von Beobachtern aus Spanien, Argentinien, Deutschland und den USA. Dann würde sich herausstellen, was das Volk denkt. Und Trump hätte ein Problem, falls die Wähler doch lieber kein Marionettenregime der USA wollten.
Ich glaube aber nicht, dass Maduros Clique eine Mehrheit bekäme. Unter Chavez wäre das noch etwas anderes gewesen. Der hat das Land auch nicht ruiniert.
Die russischen Qualitätsmedien schreiben: „US-Präsident Donald Trump sieht nach der gewaltsamen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Neuwahlen in dem südamerikanischen Land derzeit nicht als Priorität. „Wir werden zur richtigen Zeit Wahlen haben, aber das Wichtigste ist, dass sie das Problem lösen. Das Land ist kaputt […] Derzeit wollen wir erst einmal die Ölindustrie wieder in Gang bringen, das Land wieder aufbauen, es wieder auf die Beine stellen und dann Wahlen abhalten“.
Schon klar. Wahlen würden die Bevölkerung nur beunruhigen.
Im übrigen muss man dem US-Imperialismus dankbar sein, dass der Antisemit und Terroristen-Unterstützer Maduro weg ist.
Am 3. Januar 2026 veröffentlichte die libanesische Tageszeitung Al-Nahar einen Artikel, in dem behauptet wird, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro – der zuvor am selben Tag bei einer US-Razzia abgesetzt und nach New York City gebracht worden sein soll [1] – der libanesischen Hisbollah 10.000 venezolanische Pässe zur Verfügung gestellt habe. Einige dieser Pässe seien von Offizieren des Assad-Regimes in Syrien benutzt worden, um aus dem Land zu fliehen. (Quelle: MEMRI)

Screenshot aus einem russischen Propagandavideo, daher automatisch voll gelogen – man sieht die üblichen Verdächtigen mit Hamas-freundlichen Halstüchern.
Was an Venezuela war „links“?
Ich habe mir eine Übersicht über die Wirtschaftspolitik unter Maduros Vorgänger Hugo Chavez machen lassen.
Venezuelas Wirtschaft unter Hugo Chávez
Zwischen 1999 und 2013 setzte die Regierung von Hugo Chávez auf staatliche Kontrolle,
Verstaatlichungen sowie umfangreiche Sozialprogramme – finanziert vor allem durch Öleinnahmen.
Zeitraum: 1999–2013
Schwerpunkte: Ölpolitik, Devisen- und Preiskontrollen, Verstaatlichungen
Mit seinem Amtsantritt 1999 leitete Hugo Chávez einen grundlegenden Kurswechsel der venezolanischen Wirtschaftspolitik ein. Der Staat übernahm zunehmend die Steuerung zentraler Wirtschaftsbereiche.
1) Ölpolitik
Der Ölsektor wurde zur zentralen Einnahmequelle und politischen Schaltstelle. Der Staat stärkte seine Kontrolle über Förderung, Joint Ventures und Einnahmen.
2) Devisenkontrollen
Ab 2003 regulierte der Staat den Zugang zu Fremdwährungen. Unternehmen waren für Importe auf staatliche Dollarzuteilungen angewiesen.
3) Preisregulierung
Preisobergrenzen für Grundgüter sollten soziale Härten abfedern, führten jedoch häufig zu Knappheit und Produktionsrückgang.
4) Verstaatlichungen
Schlüsselindustrien wie Energie, Telekommunikation und Teile des Finanzsektors wurden schrittweise in staatliches Eigentum überführt.
5) Landreform
Durch neue Agrargesetze wurde Land umverteilt und stärker staatlich kontrolliert, mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit im ländlichen Raum.
6) Sozialprogramme
Ab 2003/04 wurden die „Bolivarianischen Missionen“ zu einem zentralen Instrument der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Sie zielten auf Gesundheit, Bildung und Ernährungssicherheit (z. B. Barrio Adentro, Robinson, Mercal)
Wie ich schon mehrfach schrieb: Verstaatlichung im Kapitalismus ist keine Lösung, wenn die staatlichen Institutionen nicht strikt kontrolliert werden und transparent handeln. „Preisregulierung“ ist so etwas wie „fairer Lohn“, also Quatsch.

Meine Hängematte stammt aus Tintorero bei Quibor im venezolanischen Bundesstaat Lara. Das Mädel war im Verhandeln eisenhart und gefiel mir außerordentlich. Die Hängematten werden von einer Kooperative hergestellt und verkauft, und man hat dort Festpreise, was extrem un-südamerikanisch ist.
„Die Wirtschaftspolitik von Hugo Chávez und Nicolás Maduro wird oft in einem Atemzug genannt, unterscheidet sich aber in Zielsetzung, Handlungsspielraum und konkreter Umsetzung deutlich. Maduro übernahm kein „identisches Modell“, sondern verwaltete und veränderte ein bereits stark verzerrtes System unter völlig anderen Rahmenbedingungen.“
Im Folgenden die zentralen Unterschiede, strukturiert und vergleichend:
Ausgangslage und Handlungsspielraum
Chávez (1999–2013)
– Regierte überwiegend bei hohen Ölpreisen (v. a. 2004–2012)
– Verfügte über hohe Einnahmen zur Finanzierung von:
– Sozialprogrammen
– Subventionen
– Importen
– Konnte wirtschaftspolitische Fehler durch Ölrenten kaschieren
– Politisch charismatisch, mit starker Massenmobilisierung
Maduro (ab 2013)
– Amtsantritt nach dem Ende des Ölbooms
Konfrontiert mit:
– sinkender Ölproduktion
– Devisenmangel
– massiver Auslandsverschuldung
– internationalen Sanktionen
– Stark eingeschränkter Handlungsspielraum
– Geringere politische Legitimation
➡️ Kernunterschied:
Chávez gestaltete mit Geld – Maduro verwaltete den Mangel.
Preis- und Devisenkontrollen
Chávez:
– Einführung der Devisenkontrollen (CADIVI) ab 2003
– Preisobergrenzen für Grundgüter
Ziel:
– Inflation dämpfen
– Versorgung sichern
Probleme vorhanden, aber durch Importe überdeckt
Maduro:
– Beibehaltung und radikale Verschärfung (2013–2018)
Folgen:
– Hyperinflation
– Schwarzmärkte
– flächendeckende Knappheit
Ab ca. 2019:
– faktische Aufgabe vieler Kontrollen
– informelle Dollarisierung
➡️ Paradox:
Maduro demontierte Teile des Chávez-Modells – ohne es offen zuzugeben.
Wisst ihr Bescheid.
Januar 5, 2026 | Kategorie
Politics,
Venezuela |
9 Kommentare

Screenshot aus einem Video des Guardian
Ich habe rund 20 Minuten gebraucht, um die Anklageschrift gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro zu finden. Ich verstehe nicht, warum deutsche und auch andere Medien nicht dazu in Lage sind? Oder wollen sie die Herrschaft über Informationen behalten? Oder soll ich gezwungen werden, „embedded“ zu urteilen, weil irgendwelche Journalisten meinen, sie könnten das besser „einordnen“ als ich?

„1. Seit mindestens dem Jahr 1999 haben hochrangige Funktionsträger der venezolanischen Regierung ihre öffentlichen Ämter missbraucht, um ehemals legitime staatliche Institutionen zu korrumpieren und den Import großer Mengen Kokains in die Vereinigten Staaten zu ermöglichen.
2. Der Angeklagte NICOLÁS MADURO MOROS steht an der Spitze dieser Korruption. Gemeinsam mit seinen Mitverschwörern nutzte er seine rechtswidrig erlangte Macht und die von ihm untergrabenen staatlichen Institutionen, um Tausende Tonnen Kokain in die Vereinigten Staaten zu transportieren.
3. Bereits zu Beginn seiner politischen Laufbahn missbrauchte MADURO MOROS jedes öffentliche Amt, das er innehatte, um den Transport von Kokain unter dem Schutz venezolanischer Strafverfolgungsbehörden zu ermöglichen.
4. MADURO MOROS steht heute an der Spitze einer korrupten und illegitimen Regierung, die staatliche Macht systematisch dazu nutzt, illegale Aktivitäten – einschließlich des Drogenhandels zu schützen und zu fördern.
5. Diese kriminellen Aktivitäten bereicherten und festigten die politische und militärische Elite Venezuelas, darunter die Mitangeklagten DIOSDADO CABELLO RONDÓN und RAMÓN RODRÍGUEZ CHACÍN.
6. Auch Familienangehörige von MADURO MOROS, darunter seine Ehefrau CILIA ADELA FLORES DE MADURO und sein Sohn NICOLÁS ERNESTO MADURO GUERRA, beteiligten sich an diesem System, das sich durch Kokainhandel bereicherte und zugleich gewalttätige narcoterroristische Organisationen unterstützte, die auf venezolanischem Staatsgebiet operierten.“
Jetzt kürzen wir die Sache ab. Ich habe mir die gesamte Anklageschrift auf Deutsch übersetzen lassen. Die KI war auch so liebenswürdig, daraus sechs pdfs herzustellen, die es exklusiv auf burks.de zum Download gibt.
– Anklageschrift Teil 1 (Offizielles Deckblatt, Gerichtsbezeichnung, vollständige Liste der Angeklagten)
– Anklageschrift Teil 2: Teil 2: Zuständigkeit, Definitionen, Struktur der Anklage
– Anklageschrift Teil 3: Anklagepunkte (1: Narco-terroristische Verschwörung, 2: Verschwörung zur Einfuhr von Kokain in die USA, Nutzung/Besitz von Maschinengewehren & zerstörerischen Vorrichtungen, 4: Verschwörung zur Nutzung/Besitz dieser Waffen) inkl. Strafrahmen
– Anklageschrift Teil 4: Sachverhalt (Cartel de los Soles, FARC, Routen, Methoden)
– Anklageschrift Teil 5: Zusatzanklagen (Washington D.C. / Florida)
– Anklageschrift Teil 6: Schlussbestimmungen, Ermittlungsbehörden, Unterschriften.
Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel, dessen Kanzlei keine Kapazitäten hatte, meine Klage gegen Meta/Facebook zu übernehmen, hat aber Zeit gefunden, sich über die „völkerrechtliche Legitimation“ der Festnahme Maduros Gedanken zu machen. Ich halte das für weitgehend Bullshit:
– „Erstens entfällt Maduros völkerrechtliche Immunität, da er nach den manipulierten Wahlen 2024 international als „Usurper“ (Machtanmaßer) und nicht als rechtmäßiger Präsident gilt; ohne legales Mandat erlischt der Schutz des Amtes.“
Was ist ein legales Mandat? Sind pseudogewählte Präsidenten aus Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan keine Usurpatoren? Was ist mit China? Saudi-Arabien? Nordafrika? Zentralafrika? Die Vertreter der jeweiligen herrschenden Klassen sind allesamt nicht mehr „völkerrechtlich immun“?
-“ Zweitens wird das Regime als „Criminal Enterprise“ eingestuft. Da Maduro den Staatsapparat für Drogenterrorismus (Cartel de los Soles) missbrauchte, wird er – analog zum Fall Noriega – als Kopf einer kriminellen Organisation und nicht als politischer Akteur behandelt.“
Ich will jetzt nicht von der völlig korrupten politischen Elite der Ukraine anfangen. Man könnte die Regierungen zahlreicher Länder als „Criminal Enterprises“ einstufen.
– „Drittens rechtfertigen systematische Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Jus-Cogens-Verstöße) sowie die Bedrohung der US-Sicherheit durch massiven Kokainschmuggel den Einsatz als notwendige Schutzverantwortung (Responsibility to Protect). Die Vollstreckung der Haftbefehle steht hierbei über der souveränen Unantastbarkeit eines illegitimen Machthabers.“
Bedrohung der USA durch Kokainschmuggel? Dass ich nicht lache… Das ist an den Haaren herbeigezogen.
Es geht hier um imperialistische Machtpolitik, indirekt vor allem gegen Russland und China. Da gibt es keine Moral.
[Update] „Nach den Ereignissen in Venezuela ist klar geworden, dass die internationale Rechtsordnung und die Charta der Vereinten Nationen nicht funktionieren, dass in der Welt das Recht der Stärke, das Recht des Stärkeren herrscht und dies der einzige Grundsatz der modernen Weltpolitik ist.“ (Aleksandar Vučić, Präsident Serbiens)
Januar 4, 2026 | Kategorie
Politics |
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„Operator“ der Delta Force mit dem Karabiner Colt M4 Carbine.
Ich habe mir den Wikipedia-Eintrag über die Ausbildung der Delta Force aka 1st Special Forces Operational Detachment-Delta (Airborne), angesehen. Das ist schon beeindruckend. Eines aber ist für mich besonders interessant:
Den Operators wird in Zusammenarbeit mit Psychologen über Jahre die Fähigkeit vermittelt, im Scharfschützeneinsatz willentlich ihre Herzfrequenz zu verlangsamen, um zwischen den Herzschlägen den Abzug der Waffe zu betätigen. Das Pochen des Herzens kann über große Schussdistanz das Projektil bis zu einem Meter vom Ziel ablenken. Darüber hinaus wird, ähnlich wie bei Kampfsportarten (wie dem Wushu der Shaolinmönche), das gezielte Leiten von Körperwärme in bestimmte Regionen gelehrt. Damit ist ein Schütze/Beobachter-Team in der Lage, über Stunden mit aktivem Geist in einer Art von körperlichem „Standby-Modus“ das Ziel zu beobachten, um dann in kürzester Zeit aktiv zu werden (zum Beispiel durch Intensivierung der Durchblutung des Abzugsfingers).
Willentlich ihre Herzfrequenz verlangsamen? Darüber wollte ich mehr wissen. Die KI musste aber ermahnt werden, das nicht als Wellness-Thema zu sehen.
„Der Körper schreit, aber der Geist entscheidet.“
Willentlich die Herzfrequenz senken – Training in Eliteeinheiten des US-Militärs
Hier geht es um operativ trainierte Selbstkontrolle (Stressdominanz), wie sie in Teilen der Ausbildung
von US-Spezialkräften vermittelt und überprüft wird. Ziel ist nicht „Entspannung“, sondern
steuerbar handlungsfähig bleiben unter Schmerz, Kälte, Angst, Zeitdruck und Sauerstoffstress.
Wer lernt das?
Solche Fähigkeiten werden u. a. bei Teilen von Spezialkräften und spezialisierten Communities trainiert (je nach Schule/Lehrgang
unterschiedlich stark), z. B. bei Navy SEALs, U.S. Army Special Forces (Green Berets), Air Force Pararescue (PJs) und Marine Raiders (MARSOC).
1) Combat Breathing / Tactical Breathing
Eine Standardtechnik zur schnellen parasympathischen Aktivierung – häufig in stressintensiven Settings geübt (z. B. Lärm, Zeitdruck, Schmerzreiz).
Klassisches Schema (Box):
- 4 Sekunden einatmen
- 4 Sekunden halten
- 4 Sekunden ausatmen
- 4 Sekunden halten
Effekt: Puls und Stressreaktion können innerhalb von 30–60 Sekunden messbar sinken; Zittern, Tunnelblick und Panik werden oft reduziert.
2) Stress Inoculation Training (SIT)
Kernprinzip: Der Körper lernt, dass extreme Reize nicht automatisch Kampf/Flucht erzwingen müssen.
Atemkontrolle und Entscheidungskompetenz werden unter Belastung gekoppelt.
- Atemkontrolle trotz Lärm, Zeitdruck und körperlicher Erschöpfung
- Kognitive Aufgaben parallel (z. B. Zählen, Funkdisziplin, schnelle Entscheidungen)
- Graduell steigende Stressoren, um „Stressdominanz“ aufzubauen
3) Tauchreflex & CO2-Toleranz
Für wasserbezogene oder atemstressreiche Lagen ist es entscheidend, Panik zu verhindern. Training setzt oft auf
CO2-Toleranz (nicht auf riskante Sauerstoff-Deprivation).
- Gesichtskälte + Atemanhalten (Tauchreflex kann Herzfrequenz senken)
- Kontrollierte Apnoe-Drills mit Aufgaben (typisch streng überwacht)
- Graduelle Gewöhnung an Atemnot-Signale (CO2-Anstieg)
4) HRV-Training (Herzratenvariabilität) & Biofeedback
Mit Biofeedback lernt man, welche Atmung und welcher Fokus die Regulation verbessert. Ziel ist maximale vagale Kontrolle:
schnell hochfahren für Leistung, schnell herunterfahren für Präzision und klare Entscheidungen.
- Messung von Puls/HRV in Echtzeit
- Optimierung der Atemfrequenz (oft um ~6 Atemzüge/Minute)
- Training unter realitätsnahen Stressbedingungen
5) Mentale Kontrolle unter Zwang
Viele Ausbilder beschreiben das als: „Der Körper schreit, aber der Geist entscheidet.“
Praktisch heißt das: Aufmerksamkeit steuern, innere Sprache reduzieren, den Fokus auf unmittelbare Handlungen verengen.
- Beobachterperspektive / Distanzierung vom Stressreiz
- Fokus auf Mikrorhythmen (Atem, Puls, Bewegungsablauf)
- Reduktion von Grübeln/innerem „Alarm-Dialog“
6) Warum das operativ entscheidend ist
Ein unkontrollierter Puls kann Feinmotorik, Zielerfassung und Entscheidungsqualität verschlechtern.
Deshalb trainieren viele Programme die Fähigkeit, in einem funktionalen Bereich zu bleiben.
Grobe Praxis-Orientierung (oft genannt):
- Handlungsfähig häufig bis etwa ~140 bpm
- Optimal für Präzision oft ~90–120 bpm (kontextabhängig)
Da ist viel dabei, was ich aus der Zen-Meditation kenne. „Reduktion von Grübeln“…

Welche Techniken gibt es bei der Ausbildung von Elite-Soldaten, um gezielt Körperwärme in bestimmte Regionen zu leiten?
Wiederholte Kälteexposition trainiert den Wechsel zwischen:
– Vasokonstriktion (Wärme sparen)
– reaktiver Vasodilatation (gezielt Wärme zurückführen)
Praxis:
– Kälte an Extremitäten
– Danach bewusste Wiedererwärmung ohne Bewegung
– Fokus + Atmung
Ergebnis:
– Erfahrene Soldaten können Hände/Füße gezielt wieder aufwärmen, während der Körperkern geschützt bleibt.
Jetzt muss man sich vorstellen, was passiert, wenn ein Dutzend dieser „Operatoren“ auf eine Kompanie venezolanischer Fuerzas Especiales trifft…Das geht ungefähr so aus wie eine Schlacht zwischen berittenen Spaniern mit Musketen und Adlerkriegern.
Januar 4, 2026 | Kategorie
Panorama |
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05:46 Uhr morgens – verdächtige Person auf dem Heimweg von einer 12-stündigen Nachtschicht.
Januar 4, 2026 | Kategorie
Panorama |
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Das argentinische Blog de Abel [der Journalist Abel Veiga, auch hier in der Blogroll] : „Deshalb muss ich sagen, dass Trumps „wahres“ Motiv für die Festnahme Maduros darin bestand, dass er kalkulierte, es ohne großen Aufwand tun zu können.
Die hochentwickelte Ausrüstung, die Venezuela von Russland und China kaufte, war als Abschreckungsmittel gegen einen Feind, der keine ausländischen Waffen benötigte, nutzlos. In dieser Lektion schwingt ein Hauch von Machiavelli mit.
Eine weitere Schwäche Maduros spiegelt die Lehren des Florentiners wider: Es ist offensichtlich, dass der venezolanische Präsident nicht die volle Unterstützung seines eigenen Sicherheitsapparats genoss. Jemand, oder mehrere Personen, haben ihn verraten.“
Interessant auch die Analyse von Ron Ben-Yishai auf ynet.com:
„US-Präsident Donald Trump befahl seinem Militär, das Regime in Venezuela aus einer Reihe wirtschaftlicher, strategischer und politischer Gründe anzugreifen und zu stürzen. Obwohl einige dieser Gründe aus juristischer und völkerrechtlicher Sicht gerechtfertigt sein können, stellte Venezuela keine existenzielle strategische Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Selbst die Drogen und illegalen Migranten, die Venezuela – und nach Angaben Washingtons der Präsident und starke Mann Nicolás Maduro persönlich – in großer Zahl in die USA schickten, stellten weder eine besonders gefährliche noch eine neue Bedrohung dar.
Chinas zunehmender Einfluss auf die zusammenbrechende Wirtschaft von Caracas, der Venezuela faktisch zu einem chinesischen Satellitenstaat gemacht hat, rechtfertigte an sich keine US-amerikanische Übernahme. (…)
Die Folgen von Trumps überraschendem Vorgehen in Venezuela dürften sich auch auf den Iran auswirken. Oberster Führer Ali Khamenei wird Trumps implizite Drohungen, gegen das Regime in Teheran vorzugehen, sollte es protestierende Bürger töten, nun wohl ernster nehmen, da Venezuela ein strategischer Verbündeter des Iran und Partner bei der Umgehung der US-Sanktionen war. Aus Sicht der Islamischen Republik ist der nächtliche Angriff auf Venezuela eine schlechte Nachricht und ein weiterer Schlag für das Regime der Ayatollahs. (…)
Schließlich ist die kühne Operation in Caracas auch ein schwerer Schlag für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Russland war ein Verbündeter Venezuelas und sollte dem Land Sicherheit gewährleisten; Putins Leute waren für Venezuelas Sicherheits- und Luftverteidigungssysteme verantwortlich, die im Kampf gegen das US-Militär beinahe kampflos zusammenbrachen.“
Januar 4, 2026 | Kategorie
Politics,
Venezuela |
10 Kommentare
Meine hier schon geäußerte Meinung über das venezolanische Miltär hat sich bestätigt.
Die in Englisch erscheinende Zeitung Caracas Cronicles fragt:
Wo ist das Militär?
„Sie schienen überrascht zu sein, und kein US-Flugzeug wurde abgeschossen. Die offensichtliche Geschwindigkeit, mit der Maduro abgeführt wurde, deutet darauf hin, dass er bereits gefangen genommen war, als die US-Flugzeuge in das Tal von Caracas eindrangen. Uns liegen keine Berichte darüber vor, dass das venezolanische Militär die US-Truppen zurückgeschlagen oder sich an Kämpfen beteiligt hätte. Es gibt Berichte über verwundete Offiziere, die im Militärkrankenhaus in Caracas behandelt werden.“
Das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt: „Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump sind bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela »viele« kubanische Staatsbürger getötet worden. »Viele Kubaner haben letzte Nacht ihr Leben verloren«, sagte Trump in einem Interview mit der »New York Post«. »Sie haben Maduro beschützt. Das war kein guter Zug«.“


Das Foto zeigt einen Ara (Englisch Macaw, Spanisch/Nahuatl: Guacamaya), Fotograf Donald Forbes
Postkarte aus Venezuela: Coro, 19.1. [1998]
Liebe Eltern, bin gut angekommen, 44 Stunden Berlin-Coro. Chaos in Madrid, Ankunft abends in Caracas, zu Fuß quer durch die Stadt zum Busbahnhof. Leute sind sehr freundlich + hilfsbereit. Kam um 5 Uhr morgens in Coro ab (kleiner als Unna). Sonnenaufgang vor der Kathedrale, in der vor 400 Jahren meine Bergleute saßen. 35 Grad, ich bade im Meer und bin schon schwarzbraun. Venezuela ist leider teuer, man gibt 20 DM pro Tag aus, wenn man auf jeglichen Komfort verzichtet. Übernachte in einer Spelunke, ohne Fenster und mit Schaben – aber alles abenteuerlich, wie es sein soll…
Was haben wir heute? Die USA haben den venezolanischen Präsidenten festgenommen und entführt. Dürfen die das? Jetzt ist die völkerrechtliche Expertise Annalena Baerbocks gefragt. Hatten sie Hilfe vom Mossad?

Die bürgerliche Presse schreibt: „Mit der Gefangennahme von Machthaber Maduro hat Trump die Verhältnisse in Venezuela auf den Kopf gestellt. Weil er es kann.“
Ja, der US-Imperialismus betrachtet Lateinamerika als seinen Hinterhof.
– Mexiko (1846–1848): Mexikanisch-Amerikanischer Krieg – USA besetzen große Teile Mexikos; Annexion u. a. von Kalifornien und Texas.
– Nicaragua (1855–1857): Unterstützung des US-Filibusters William Walker, der sich selbst zum Präsidenten erklärt.
– Kuba (1898; 1906–1909; 1912; 1917–1922): Militärische Besetzungen nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg.
– Panama (1903; mehrfach bis 1935): Militärische Präsenz zur Abspaltung von Kolumbien und Sicherung des Panamakanals.
– Honduras (1903–1925, mehrfach): Interventionen zum Schutz US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen (Bananenkonzerne).
– Nicaragua (1912–1933) – Langjährige militärische Besetzung; Kampf gegen Augusto César Sandino.
– Haiti (1915–1934) – Militärische Besetzung und Kontrolle von Regierung und Finanzen.
Dominikanische Republik (1916–1924): US-Militärregierung nach innenpolitischer Krise.
– Guatemala (1954) – Militärische Unterstützung beim Sturz der gewählten Regierung Árbenz.
– Kuba (1961): Invasion in der Schweinebucht – gescheiterter Angriff exilkubanischer Truppen unter US-Führung.
– Dominikanische Republik (1965): Entsendung von über 20.000 US-Soldaten im Bürgerkrieg.
– Grenada (1983): Invasion nach marxistischem Putsch (Operation Urgent Fury).
– Panama (1989): Invasion zur Absetzung von Manuel Noriega (Operation Just Cause).
– Haiti (1994): Militärintervention zur Wiedereinsetzung von Präsident Aristide.
– Kolumbien (ab 2000): Militärische Unterstützung und Truppenpräsenz im Rahmen von Plan Colombia (Drogenkrieg).
Nicht enthalten sind:
– verdeckte CIA-Operationen (z. B. Chile 1973),
– wirtschaftlicher oder politischer Druck,
– Unterstützung von Militärdiktaturen ohne formellen Truppeneinsatz.

Ein schöner, aber so nicht geplanter Schluss nach einem bescheidenen Spiel von mir – Schwarz am Zug! Bei Doppelschach muss sich der König bewegen – aber wohin? Schlägt er die Dame, die vorher der Bauer war, setzt der zweite Turm matt.
Dabei hörte ich, was mich vermutlich ablenkte, das Jüngste Gericht – mit sehr lustigen Kommentaren: „If this doesnt play at the end of the world im not coming“.
Januar 3, 2026 | Kategorie
Feuilleton,
Schach |
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Vorrede 1: Ich hatte am 23.07.25 auf das Thema „Sklavenhandel in Afrika“ und das Buch Egon Flaigs: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“ hingewiesen.
Vorrede 2: Ich hätte Flaig schon viel früher lesen sollen, aber ich kannte ihn nicht. Leider müssen wir die Sklavenhaltergesellschaft daher noch einmal aus einer anderen Perspektive durchnehmen betrachten (bevor wir mit dem Needham-Rätsel, wie schon angedeutet, fortfahren). Ich muss auch meine Arbeitshypothese vom 08.05.2025 („Abstrahierte ökonomische Universale, revisited“) ein wenig modifizieren.
Die marxistisch geprägte Geschichtswissenschaft irrte, wenn sie die Abfolge der Gesellschaftsformationen, wie sie in Europa zu beobachten ist, auf den Rest der Welt übertragen wollte. Es gab weder überall eine Sklavenhaltergesellschaft, wie in der Antike, vor allem im römischen Reich, noch ist sie eine notwendige Entwicklungsstufe zum Feudalismus.
Das stimmt noch. Aber man muss die Frage stellen: Waren die muslimischen Staaten Afrikas – vor der europäischen Kolonisierung – Sklavenhaltergesellschaften, vergleichbar mit Sparta oder dem antiken Rom? Wenn nicht – gab es Ansätze von Feudalismus? Die Reiche von Gana, Mali oder Songhai kann man wohl kaum als „asiatische Produktionsweise“ oder gar als eine Form der tribalistischen „Urgesellschaft“ verstehen. Hat die bisherige marxistische Geschichtswissenschaft etwas Wesentliches übersehen – eine bisher unbekannte Gesellschaftsformation – , weil sie zu eurozentrisch dachte? (Vgl. 28.12.2024: „Mansa Musa und unterkomplexe Wahlaufrufe“ und 20.08.2025: „Sklavenhaltergesellschaft und verschleierter Völkermord, revisited“.)

Das Songhai-Reich in Afrika in orthografischer Azimutalprojektion. Source: KarnRedsun / Wikipedia
Wenn ja: Hat sich Afrika – wegen der Intervention der kapitalistischen Kolonialmächte – direkt zum Kapitalismus entwickelt und somit den Feudalismus „übersprungen“?
„Übersprungen“ – das hört sich sich absurd an, ist es aber nicht. Dafür gibt es mehrere Beispiele in der Menschheitsgeschichte. Seit der Ankunft der Europäer in Australien im 18 und frühen 19. Jahrhundert wurde dort der Kapitalismus eingeführt – die indigenen Völker aka Aborigines waren aber, obzwar hoch spezialisiert, technisch noch auf der Stufe der „Urgesellschaft“. Vergleichbar ist das bekannte Schicksal der Ureinwohner Nordamerikas, die weder eine Sklavenhaltergesellschaft noch Feudalismus (in der klassischen Typologie) hervorgebracht haben. Was aber dann?
Merke und ceterum censeo: Meine These, dass die „Gesellschaftsformationen“ – wie zum Beispiel „Sklavenhaltergesellschaft“ – in der marxistischen Diskussion nur analytische Kategorien sind bzw. sein sollten und keineswegs etwas über eine zeitliche Abfolge aussagen, bestätigt sich. „Analytisch“ meint: Wie ist die Beziehung des Menschen zu den Produktionsmitteln?
Das Problem löst sich in Luft auf, wenn wir es von heute aus ansehen – aus der Perspektive des Kapitalismus. Dieser ist die erste Gesellschaftsform, der es gelungen ist, wirklich alle Teile der Welt zu beherrschen (außer zum Beispiel die Sentinelesen und die Mashco-Piro). Alle „älteren“ Gesellschaftsformen waren geografisch begrenzt, vor allem wegen der Ungleichzeitigkeit der ökonomischen Evolution. Die Basis aller Produktion ist aber die bäuerliche Subsistenzwirtschaft. Das galt auch für die klassische antike Form der Sklavenhaltergesellschaft – die Kampf für „Landreform“ war daher systemimmanent. Aber es existierten immer „Inseln“, die sich dem Zugriff der staatlichen Herrschaft entzogen, also keiner „Gesellschaftsform“ zugehörten. Sogar bis heute – die Raramuri aka Tarahumara zum Beispiel.
„Gesellschaftsform“ heißt: Die Form ökonomischer Herrschaft.
Jetzt kommt Flaig ins Spiel:
Sklaverei hat seit Jahrtausenden existiert, fast überall, auch in „vorstaatlichen“ Gesellschaften, ob bei den nordamerikanischen Cherocee [„Irokesen“ bei Karl May], den Tupinamba Südamerikas, den polynesischen Maori oder den alten Germanen; sie bestand in allen Hochkulturen. (S. 11)
Die Conclusio Flaigs in Bezug auf Afrika: Dabei war die antike Sklaverei unter quantitativen Gesichtspunkten nicht herausragend. Die islamische war die umfangreichste der Geschichte; die transatlantische ist bedeutsam, weil sie von Anfang an bekämpft wurde und weil ihre politische und teilweise gewaltsame Abschaffung der Hebel war, um die Sklaverei weitweit zu beseitigen.
Flaig muss hier minimal korrigiert werden: Die Sklaverei ist nicht weltweit beseitigt. Und: Die Sklaverei wurde nicht aus moralischen Gründen abgeschafft, sondern weil sie der kapitalistischen Ökonomie widerspricht.
Für das vorkoloniale Afrika fehlen schriftliche Quellen und Angaben darüber, wie weit Sklavenhandel in die Geschichte zurückreicht. Deshalb spricht Jacques Heers von sehr alten Zeiten, in denen die Völker südlich der Sahara sich in Ethnien und Stämmen gegenüberstanden und oft ihre Krieger in benachbarte Dörfer schickten, um Frauen und Männer zu fangen. „In den meisten Ländern Schwarzafrikas war die Anzahl der Sklaven Kennzeichen des sozialen Ranges.“ Man habe bei einem Reichen nicht dessen Landbesitz, sondern seine Gefangenen und Frauen gezählt. Noch vor der Ausbreitung des Islam hätten in vielen Gegenden die Besiegten und Abgabepflichtigen als Zeichen ihrer Ergebenheit eine bestimmte Anzahl an Frauen und Männern abliefern müssen. Seit dem 7. Jahrhundert lieferten das christliche Äthiopien und Schwarzafrika (Nubien, Sudanregion) Millionen von Sklaven in den arabisch-islamischen Raum, später auch über den Transsaharahandel, vor allem über Ägypten als Handelszentrum.

Eine im 13. Jahrhundert in Bagdad von al-Wasiti angefertigte Buchillustration, die einen Sklavenmarkt in der Stadt Zabid im Jemen zeigt.
Schwarze Sklaven haben im 12., 13. und 14. Jahrhundert im afrikanischen Gao, im Malireich und Songhaireich die Hauptrolle gespielt, und zwar bis in die Zeiten des atlantischen Sklavenhandels. In Benin, einem wichtigen Sklavenhalterstaat und Lieferant von Gefangenen für die europäischen und amerikanischen Menschenhändler, habe zum Beispiel im Jahre 1778 Jabou [dazu hat die KI großartig recherchiert, was ich so nie hinbekommen hätte], ein wichtiger Kriegsherr, mehr als 10000 Sklaven besessen, die er nie verkaufte. Sei er in den Krieg gezogen, habe er immer 5000 bis 6000 Sklaven befehligt.
Für den Norden Afrikas hat Flaig den Begriff „intrusive Sklaverei“ geprägt:
Intrusive Sklaverei entzieht ihrer geopolitischen Umwelt permanent Menschen, also die kostbarste soziale Ressource überhaupt. Sie erzeugt geographische Zonen, die Menschen liefern, also «Lieferzonen». Solche Lieferzonen fungieren als «Peripherie», welche unablässig Menschen an die «Metropole» abgibt. Damit ist eine dichotomische Entwicklung eingeleitet:
a) In den Lieferzonen nehmen die Versklavungen zu. Das geschieht teils indirekt, indem die gerichtliche Praxis, Verurteilte zu versklaven, stimuliert wird, ebenso wie die Gewohnheit, Familienangehörige zu verkaufen; teils geschieht es «direkt», indem diejenigen Kriege sich vervielfachen, bei denen die Aussicht besteht, Gefangene zu machen. Solche Versklavungsprozesse können längst intern bestanden haben; doch die Nachfrage von außen beschleunigt und intensiviert sie. Die sklavenimportierende Metropole verändert also die sozialen Abläufe im Innern der betroffenen Kulturen.
b) Eine militärisch überlegene Metropole braucht die Sklaven nicht unbedingt zu kaufen. Will sie ihren Militärapparat beschäftigen, dann beschafft sie sich Sklaven mit kriegerischen Einfällen in die Lieferzone.
c) Sie kann ihren Militärapparat auch schonen für «wichtigere» Zwecke. Sie muß dann ihre Überlegenheit in eine dauerhafte politische Überordnung transformieren, um Tributeleistungen in Form von Sklaven zu verlangen. Islamische Emirate und Sultanate praktizierten diesen Brauch in großem Stil. Tributpflichtige Stämme werden versuchen, auf Kosten schwächerer Nachbarn die geforderte Sklavenzahl zu besorgen; damit erfolgt der Prozeß des Versklavens de facto durch Krieg, den die Metropole stimuliert, ohne daß er sie etwas kostet. Solche Tributeleistungen deformieren die politischen Vorgänge und Verhältnisse in der Lieferzone erheblich.
d) In jedem Falle spaltet sich die Lieferzone politisch: die siegreichen Stämme oder Staaten werden zu Sklavenjägern; die unterliegenden Völker werden zu dauerhaften Opfern von regelmäßigen Razzien. Ist diese Spaltung eingetreten, dann ist die Nachfrage aus der Metropole kein wichtiger Faktor mehr, um die Versklavungen in Gang zu halten. Denn die sklavenjagenden Staaten verändern sich dermaßen, daß ihre neue soziale Struktur sie aus häufiges Kriegführen festlegt.“ (Übrigens spricht Flaig in diesem Abschnitt vom „Sonderfall China“!)
Als die Muslime ihr Weltreich eroberten, errichteten sie das größte und langlebigste sklavistische System der Weltgeschichte.
Die Sklaverei ergriff über 12 Jahrhunderte hinweg in schwankender Intensität weite soziale und ökonomische Bereiche. In den Sultanaten am Westmittelmeer des 9. und 10. Jahrhundert herrschte Sklaverei auch in mittleren und selbst kleineren Betrieben, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. In manchen Regionen basierten einzelnen Produktionszweige auf Sklavenarbeit.
Dazu kommt die islamischen Besonderheit der Militärsklaverei – die Mameluken, die Militärsklaverei („die in Besitz Genommenen“).

Arabische Sklavenhandelskarawane, die Sklaven aus Subsahara-Afrika durch die Sahara nach Nordafrika transportiert, Kupferstich aus dem 19. Jahrhundert
Der Nordwesten Europas wurde nur deshalb nicht zur „Lieferzone“ für den islamisierten Mittelmeerraum – wie die russischen Steppengebiete und Zentralafrika, weil die Karolinger- und Frankenreiche das – auch militärisch – nicht zuließen und ökonomisch auf dem „Weg“ zum progressiveren Feudalismus waren. Schwarzafrika hingegen wurde zum größen Sklavenlieferanten der Weltgeschichte, das sei, so Flaig, mittlerweile Konsens in der wissenschaftlichen Literatur [Es gibt außer Flaig so gut wie keine deutschen Bücher zum Thema – aber Flaigs Literaturliste umfasst mehr als hundert Werke in Englisch und Französisch.]
Die Sklaverei war in Zentralafrika nicht neu. Die drei Großreiche wurden von einer Militäraristokratie regiert – wie im römischen Kaiserreich. Es kam sogar soweit, dass die – durch den Islam eingeführten – Militärsklaven die traditionelle Aristokratie verdrängten, wie im Königreich Waalo – nur dass die Bauern rebellierten und das System zum Einsturz brachten. [Auch hierzu eine ausführliche Recherche der KI mit Quellen mit dem fast schon intelligenten Kommmentar: „ein paradigmatisches Beispiel für die strukturellen Grenzen militärischer Sklavensysteme“.]
Teil II folgt.
____________________________________
Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)
Januar 2, 2026 | Kategorie
Science |
8 Kommentare
Auf meiner To-Do-Liste steht 2027 oder 2028 eine Reise nach China. Da mir aber Gruppenreisen zutiefst zuwider sind, habe ich eventuell eine Alternative: per Rad! Wir werden sehen….
Januar 1, 2026 | Kategorie
Panorama |
6 Kommentare
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