Anonym Mails empfangen?

anonbox

Da die Privacybox der GPF demnächst abgeschaltet wird, suche ich nach einer Alternative.

Anonbox.net vom CCC verstehe ich nicht: Wenn ich mir an meinen temporär erzeugten Account eine Mail schreibe, sehe ich, woher sie kommt – das ist doch das Gegenteil von dem, was ich erreichen will? Oder denke ich irgendwie um die Ecke?

Erstens will ich mich auch nicht immer mit dem Zertifikat herumärgern, zweitens schalte ich Javascript natürlich nicht ein (was man aber nicht unbedingt tun muss, vgl. Sceenshot), drittens würde ich gern die Mails auch noch automatisch verschlüsselt empfangen.

Bei awxcnx.de kann man sich auch keinen eigenen Account einrichten.

Kennt jemand eine Lösung, ein Interface in eine Website einzubauen?

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, reloaded 2.0

Tagesschau.de: „Das Bundeskriminalamt (BKA) hat zwischen 2008 und 2010 mehrfach Geheimdienstagenten und Polizisten in Tunesien und Ägypten in Seminaren ausgebildet.“

Kein IT-Sicherheitskonzept

Heise berichtet über das Schweriner Bildungsministerium: die werfen virenverseuchte Rechner auf den Müll und kaufen neue. „Wie der Rechnungshof in seinem Bericht für 2012 bemängelt, habe das Bildungsministerium ‚kein IT-Sicherheitskonzept‘ gehabt und begründete den Neukauf mit ‚mangelhafter IT-Ausstattung‘.“

Bruhahaha. Daber damit sind die Pappnasen aus Mecklenburg nicht allein. Ich will gar nicht erst anfangen aufzuzählen, wer von den Einrichtungen, bei denen ich arbeite, „kein IT-Sicherheitskonzept“ hat – und nicht nur das, sondern sich auch weigert – trotz meiner Hinweise, dass man das brauche – damit zu beschäftigen.

Erika und die Lust

lustcinema.com

Amica: „Pornos für Frauen werden immer beliebter“ – ein interessantes Interview mit der mehrfach preisgekrönten Filmemacherin Erika Lust aka Erika Hallqivst.

„Zudem betreibe ich das Online-Kino-Portal ‚Lustcinema.com‚, auf dem man sich die Videos ansehen oder downloaden kann, wann immer man will.“ (Um die gestreamten Filme ansehen zu können, muss man sich registrieren lassen und leider Javascript erlauben.)

Der Artikel ist gewohnt linkfrei, und denen scheint das noch nicht einmal peinlich zu sein. Amica gehört zu Burda und wurde 2009 eingestellt – die Website ist offenbar unter das Dach von Focus geschlüpft. Gut so – ein Medium, dass zu feige ist, die Websites zu verlinken, die in Artikeln sogar erwähnt werden, sollte so schnell wie möglich pleite gehen und verschwinden.

Die Emma wird sogar das ganze Thema verschwiegen (werden), obwohl erfolgreiche Frauen eigentlich zu deren Portfolio gehörten. Deutscher Journalismus at its best: Prüde, feige und Angst vor dem Link ins Internet.

Hair

heir

Haar- und Hutmode für männliche Avatare in Second Life

Retro-Surfen für alle!

lynx

„Internet für alle – Btx startet durch!“ (Deutsche Telekom, 1995)

Screenshot: Surfen mit dem Browser Lynx.

Telekom-Drosselung, Remixed

(Via Metronaut)

Ein Zehntel Ferkel, in Muscheln ausgedrückt

Was bisher in unserem kleinen „Kapital-Kurs“ geschah: Wir hatten die Ware analysiert und ihre Elemente „Gebrauchswert“ und „Tauschwert“ („Nackte Frauen, Schweine und die Ware an sich“, 27.12.2012),

In einem weiteren Artikel („Moneta, Aes Signatum und die Ware an sich“, 29.12.2012) ging es um den „Warenfetisch“ – das erkenntnistheoretische Problem, dass die abstrakte Warenform „den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt“.

Anschließend diskutierten wir den Begriff „Arbeit“ („Von grôzer arebeit und ihrer fantastischen Gestalt“, 02.01.2013.

Jetzt versuchen wir, die Kategorie „Geld“ oder dessen Embryonalformen näher zu untersuchen.

Geld

Es gibt nur einen Ökonomen, der es verdient, diesen Titel zu tragen. Karl Marx.“ (Börsenlegende Seth Glickenhaus laut sueddeutsche.de)

1. Einfache, einzelne oder zufällige Wertform

Gäbe es nur zwei Menschen auf der Welt, etwa die Neandertaler Alice und Bob, brauchte man kein Geld, selbst wenn diese unterschiedliche Dinge produzierten, von denen sie einige tauschen wollten. Wenn Alice ein lebendes Ferkel gegen zehn lebende Hühner Bobs konvertiert, muss sie nicht annehmen, dass sie immer so viel für ihr kleines Schwein bekommt. Falls Bob das Federvieh wegstürbe oder ein Fuchs die Hälfte klaute und auffräße, würde er beim nächsten Mal die abstrakte Einheit anders definieren. Alice und Bob setzen im Kopf temporär etwas gleich: Ein Huhn sei ein Zehntel Ferkel (obwohl ein zehntel Jungschwein gar nicht laufen könnte und schon tot wäre).

Noch wissenschaftlicher abstrakter: Der Wert ihres Schweins („relative Wertform“ bei Marx) drückt sich für sie in einer bestimmten Anzahl Hühner („Äquivalentform“) aus, während für Bob dessen Hühner als Teilmengen des noch quietschfidelen Schweinchens erscheinen. Für Alice sind Bobs Hühner nur der Wertausdruck ihres Ferkels – und für Bob umgekehrt: Für ihn ist das Schwein die Äquivalentform seiner zehn Hühner. Bob hat etwas verglichen, was nicht vergleichbar ist (Hühner und Schweine), setzt aber dennoch zehn Hühner einem Schwein äquivalent.

Von „Preis“ kann hier noch nicht die Rede sein. „Das Wertverhältnis zweier Waren liefert daher den einfachsten Wertausdruck für eine Ware.“ (Das Kapital, Bd.1, S. 62)

Komplizierter wird es, wenn wir nicht Tiere nehmen, die sich von selbst vermehren, wenn man sie füttert und einigermaßen gut behandelt, sondern Güter, die selbst schon produziert wurde. Alice besäße Pfeil und Bogen und möchte diese gern gegen zwei Dutzend Feuersteine eintauschen. Indem Alice und Bob im Kopf vergleichen, um herauszufinden, was wieviel wert ist, schaffen sie etwas Abstraktes: Sie beziehen sich beide – nur temporär! – auf die menschliche Arbeit, die sowohl in Pfeil und Bogen als auch in den Feuersteinen steckt. Anders geht es gar nicht.

Äquivalentform

Marx drückt das im „Kapital“ recht verschwurbelt aus und braucht dazu rund 20 Buchseiten. Worauf es ihm ankommt:
Wirkliche Wechsel der Wertgröße spiegeln sich also weder unzweideutig noch erschöpfend wider in ihrem relativen Ausdruck oder in der Größe des relativen Werts. Der relative Wert einer Ware kann wechseln, obgleich ihr Wert konstant bleibt. Ihr relativer Wert kann konstant bleiben, obgleich ihr Wert wechselt, und endlich brauchen gleichzeitige Wechsel in ihrer Wertgröße und im relativen Ausdruck dieser Wertgröße sich keineswegs zu decken.

Noch ein Detail aus der Sicht Alices über Bobs zwei Dutzend Feuersteine: Für sie sind die Feuersteine Bobs die „Äquivalentform“ ihrer Pfeile und des Bogens, die konkrete Arbeit Bobs, die in den Feuersteinen steckt, die er hergestellt hat, erscheint als deren Gegenteil – als abstrakt menschliche Arbeit, die man als Idee braucht, um überhaupt etwas gleichzusetzen (deshalb „Äquivalentform“).

Übrigens: Wenn die Anhänger der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) jetzt herumjammern, das sei doch kompliziert und man müsse Marx nicht lesen, weil das anstrengend sei und Volkswirtschaftlern dürfe man geistige Arbeit nicht zumuten: Das alles oben hat Marx nicht erfunden, sondern steht fast genauso schon bei Aristoteles. Aber den kennen „Volkswirtschaftler“ vermutlich gar nicht: Philosophie und so ist ihnen ein Gräuel.

Marx beruft sich auf Aristoteles auch deshalb ausführlich, weil er ein weiteres erkenntnis- und wissenschaftstheoretisches Problem abhandelt, was ich hier schon angesprochen hatte („Ciompi und andere“, 24.12.2012): Was konnte Aristoteles warum nicht analysieren bzw. erkennen?

Daß aber in der Form der Warenwerte alle Arbeiten als gleiche menschliche Arbeit und daher als gleichgeltend ausgedrückt sind, konnte Aristoteles nicht aus der Wertform selbst herauslesen, weil die griechische Gesellschaft auf der Sklavenarbeit beruhte, daher die Ungleichheit der Menschen und ihrer Arbeitskräfte zur Naturbasis hatte. Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und gleiche Gültigkeit aller Arbeiten, weil und insofern sie menschliche Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Begriff der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das herrschende gesellschaftliche Verhältnis ist. Das Genie des Aristoteles glänzt grade darin, daß er im Wertausdruck der Waren ein Gleichheitsverhältnis entdeckt. Nur die historische Schranke der Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin denn „in Wahrheit“ dies Gleichheitsverhältnis besteht.

Geld

2. Die entfaltete und die allgemeine Wertform

Nehmen wir an, unsere Neandertaler Alice und Bob kämen überein, nicht nur Schweine, Hühner, Pfeil eund Bogen sowie Feuersteine zu tauschen, sondern noch viel mehr Produkte, weil sie mittlerweile Sex hatten und schon zahllose Nachkommen gezeugt haben, die schon erwachsen sind und ebenfalls an unserem Mini-Markt ohne Geld teilnehmen wollen.

Gesetzt, ein Schweinchen sei zehn Hühner wert. Zehn Hühner könnte man gegen ein Dutzend Feuersteine tauschen. Für ein Dutzend Feuersteine bekäme man aber auch ein Paar Moschusochsenfell-Mokassins. Wenn alle diese Dinge temporär gleich viel wert sind, ist also dieser „Warenwert gleichgültg (..) gegen die besondere Form des Gebrauchswerts, worin er erscheint. (…) Das zufällige Verhältnis zweier individueller Warenbesitzer fällt fort. Es wird offenbar, daß nicht der Austausch die Wertgröße der Ware, sondern umgekehrt die Wertgröße der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert.“ (Das Kapital, S. 78)

Man könnte also auf die Idee kommen, Alices kleines (ein anderes als oben) Schwein nicht nur gegen Hühner oder Feuersteine, sondern auch direkt gegen ein Paar Moschusochsenfell-Mokassins einzuhandeln. Es gilt die mathematische Formel: x Ware A = y Ware B = z Ware C usw.

Irgendwann wird irgendeinem Gut, das auf dem Markt erscheint und gehandelt wird, der Charakter des allgemeinen Äquivalents aufgedrückt – sehr schön zu sehen beim altrömischen Aes signatum.

Halt, stopp: wohlwollende Leserinnen und geneigte Leser, die noch übrig sind und sich gerade den Schweiß von der Stirn wischen: Natürlich denken wir alle zu Recht, dass jetzt – endlich! – das Geld dran wäre. Marx aber macht vor dem Kapitel „Übergang aus der allgemeinen Wertform zur Geldform“ (Das Kapital, S. 83ff) noch eine kleine Pause und schreibt die etwas rätselhaften Sätze (ich ersetze „Leinwand“ durch „Schweine“):

Umgekehrt ist die Ware, die als allgemeines Äquivalent figuriert, von der einheitlichen und daher allgemeinen relativen Wertform der Warenwelt ausgeschlossen. Sollte Alices Schweinchen, d.h. irgendeine in allgemeiner Äquivalentform befindliche Ware, auch zugleich an der allgemeinen relativen Wertform teilnehmen, so müßte sie sich selbst zum Äquivalent dienen. Wir erhielten dann: ein Ferkel = ein Ferkel, eine Tautologie, worin weder Wert noch Wertgröße ausgedrückt ist. Um den relativen Wert des allgemeinen Äquivalents auszudrücken, müssen wir vielmehr die Form III umkehren. Es besitzt keine mit den andren Waren gemeinschaftliche relative Wertform, sondern sein Wert drückt sich relativ aus in der endlosen Reihe aller andren Warenkörper. So erscheint jetzt die entfaltete relative Wertform oder Form II als die spezifische relative Wertform der Äquivalentware.

Alles klar? Puls und Atmung auch? Marx will hier noch mal klären, dass der Wert dessen, was als allgemeines Äquivalent („Geld“) dient – aes signatum, Muscheln, Goldmünzen, irrelevant ist für seine Funktion: Ob der Metallwert einer Münze schwankt, ist unerheblich für deren Funktion als Geld(stück) oder wieviel man dafür kaufen kann.

Eine Ware erhielt im Lauf der Zeit das „Monopol“, „innerhalb der Warenwelt die Rolle des allgemeinen Äquivalents zu spielen. Diesen bevorzugten Platz hat (…) eine bestimmte Ware historisch erobert, das Gold.“

Nachdem Marx im „Kapital“ (S. 83) das Geld eingeführt hat, folgt zunächst das berühmte Kapitel über den „Fetischcharakter der Ware“, das ich hier schon mehrfach verhackstückt hatte. Erst ab S. 142 beschäftigt Marx sich dann noch einmal ausführlich mit den Facetten des Geldes. Dazu mehr beim nächsten „Kapital-Kurs“ in diesem Theater.

Fotos oben und unten: Burks

Sexualethisch desorientierende grob aufdringliche aussergewöhnliche Sexualpraktiken

-Buzzwords

Mehr zum Jugendschutzsprech-Buzzword-Bingo auf Pornoanwalt.de.

Linkes Betschwestertum

Ein köstlicher Artikel Jan Fleischhauers über einen taz-Kongress: „Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie wenig ausreicht, um Menschen, die der Linken angehören, in Aufregung zu versetzen. (…) Die meisten Menschen suchen in ihrem Meinungsumfeld nach Bestätigung für ihre Weltsicht, das gilt lagerübergreifend. Aber nirgendwo ist die ideologische Selbstisolierung so weit fortgeschritten wie in den Vierteln, in denen man sich auf die eigene Weltläufigkeit sonst so viel einbildet. (…) Ein gewisser Hang zur Bigotterie ist dabei fast unausweichlich“.

Und der von Deniz Yücel über dasselbe Event ist auch sehr lesenswert. Der lässt es wieder krachen….

The Militia is for Defence

Militia

Gesehen und fotografiert im Landesinneren Grenadas (Kleine Antillen) während der leider fast vergessenen Revolution 1982.

Deutscher Reklamedreck

Aribert Deckers in der Journalisten-Mailingliste Jonet: „NIEMAND will diese verfluchte Werbung. Da lese ich in aller Ruhe in einer US-amerikanischen Website… das heißt: ich WILL lesen, doch DEUTSCHE Reklame verpestet die Sicht. Ich kann NICHT sehen, was die Menschen in den USA sehen, sondern bekomme, per IP zwangsweise Deutschland als Zielgruppenlokation zugeordnet, DEUTSCHEN Reklamedreck auf den Bildschirm, als Text, als bewegte Grafik, als lärmende Videos. Wenn Flüche töten könnten, hätten Sargmacher Hochkonjunktur.

Der Dreck hat vor Jahren angefangen: als DVDs geographische Zuordnungen bekamen. Man stelle sich vor, die Hitler-Nazis hätten das damals schon gekonnt – deutsche Plattenspieler hätten keine Negermusik mehr abspielen können. Die heutigen Nazis stehen den alten in nichts nach.“

Mizar – Chronicles from the Kasbah

mizar

Mehr Bilder von dieser Wüsten-Gor-Sim in Second Life gab es schon hier.

Seien sie sich bewusst von diesem Zeug!

spam

Mutmaßliche Terrorverdächtige

Liebe Bild-Zeitung, Spiegel online, AFP, Welt online: Schon klar, dass die deutsche Sprache schwer ist. Aber wer, wenn nicht bezahlte Schreiberlinge, sollten sie beherrschen? Wenn es an der Logik fehlt, fällt es natürlich schwer, die Wörter so zu fügen, dass sich ein Sinn ergibt:

„Mutmaßliche Terrorverdächtige“ gibt es nicht. Wie das? Das kommt davon, wenn man Tuwörter, auch bekannt als „Verben“, vermeidet. Wir mutmaßen, dass jemand ein Terrorist ist. Oder wir verdächtigen jemanden, ein Terrorist zu sein. Aber beides?

Wir mutmaßen, dass jemand des Terrorismus vedächtigt wird? Nein? Tun wir gar nicht? Die Verdächtigen sind ganz sicher verdächtig? Dann schreibt es auch so.

Interessierte Sicherheitskreise

briefbomben

Wer mögen wohl diese „Sicherheitskreise“ sein, und warum sind es Kreise und nicht vielmehr Ellipsen oder Vierecke?

Und wie viele Journalisten stehen auf deren Gehaltsliste und verbreiten gegen Geld oder honigsüße Worte die feuchten Träume der Überwachungs-Mafia?

Liebe Tagesschau, es kömmt nicht darauf an, was wirklich in dem Brief war, sondern darauf, was man euch dazu einflüstert und was ihr dann verbreitet. Im übrigens bestand zu keiner Zeit keinerlei Gefahr für niemanden.

Ihnen geht es doch gut!

„Deutschland dagegen ist so reich und klug geworden, dass die organisierten Absahner das Land nur so weit ausbeuten, dass die meisten den Eindruck haben, es ginge ihnen gut.“ (Don Alphonso)

Kein Sex für Anna

vermehrung verboten

Gibt es die Content-Mafia jetzt auch bei Pflanzen? Vermehrung verboten? Was will uns das höhere Wesen, das diese Pflanze wachsen ließ die Evolution, in deren Namen jemand hier zu sprechen befugt sein will, damit sagen? Darf die Pflanze keinen Sex haben? Oder bin ich verpflichtet, Moskitonetze gegen Bienen über Anna zu stülpen oder gar eine Selbstschussanlage gegen geflügelte Pollentransporter zu installieren? Oder ist Anna so dekadent, dass sie ohne Gentechnik ohne Hilfe des Homo sapiens der evolutionären Pflicht zur Erhaltung der Art nicht mehr nachkommen kann?

Hat jemand schon ein Patent auf Anna Chlorophyll? Der Kapitalismus und sein goldenes Kalb seine heilige Kuh, das Privateigentum an allem, überraschen mich doch immer wieder.

Seelenverkäufer

Seelenverkäufer

Oblivion oder: Vergessen!

Oblivion

Vor ein paar Tagen habe ich mir Joseph Kosinskis „Oblivion“ angesehen.

Oblivion (englisch für Vergessen, In Vergessenheit) ist ein US-amerikanischer Science Fiction-Film aus dem Jahr 2013, der unter der Regie von Joseph Kosinski entstand. In einem postapokalyptischen Szenario ist die Erde durch einen Krieg zwischen Menschen und Außerirdischen verwüstet und nahezu unbewohnbar, nur einige Drohnen und Techniker befinden sich noch dort um den Abbau wichtiger Ressourcen zu überwachen. In den Hauptrollen spielen Tom Cruise, Andrea Riseborough, Olga Kurylenko und Morgan Freeman.

Mehr brauchte man über diesen Film gar nicht zu wissen. Man wird einigermaßen unterhalten, aber hat außer der überirdisch schönen Olga Kurylenko nach einer Stunde alles wieder vergessen.

Für Science-Ficion-Fans bietet „Oblivion“ nichts außer ein paar Zitaten aus anderen Werken. Man hätte stattdessen die witzigenOblivion Rezensionen bei Rotten Tomatoes verfilmen sollen. „40 years ago, the part of Jack would undoubtedly have gone to Charlton Heston.“ – „The part of the film that works the best? Morgan Freeman looks absolutely awesome in those sunglasses.“

Ignatiy Vishnevetsky schreibt auf rogerebert.com: „If nothing else, ‚Oblivion‘ will go down in film history as the movie where Tom Cruise pilots a white, sperm-shaped craft into a giant space uterus. The scene is more interesting to describe than it is to watch.“

Noch mehr: Der Plot strotzt vor (Text-)Bausteinen aus der kruden Scientology-Fantasy-Welt. Kein Wunder, das der bekennende Scientologe Cruise die Hauptrolle spielt. Es geht zu wie beim „Auditing„: „Engramme“ im Gehirn werden gelöscht, tauchen aber als Erinnerungsfetzen wieder auf und dergleichen des Hubbardschen Unfugs mehr.

Bei Science Fiction läuft das so: Jemand hat eine geniale Idee, und dann passiert außer Imitationen und seichten Abklatschen gefühlt zehn Jahre gar nichts mehr.

Das war mit „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) so, mit „Alien“ (1978), „Matrix (1999) oder „Avatar“ (2009). Oder fällt jemandem dazwischen noch ein epochaler Science-Fiction-Film ein, dessen Elemente in die Pop-Kultur und in das kollektive Gedächnis eingegangen sind? („Krieg der Sterne“ ist Fatansy, keine Science (!) Fiction.)

Oblivion

Natürlich gilt auch immer: Stanislaw Lem hat es oft schon vorweggenommen. Sein Roman „Solaris (1961), der mittlerweile schon drei Mal verfilmt wurde, ist für mich immer noch der beste Science-Fiction-Plot aller Zeiten, und die Rolle der Victoria (Andrea Riseborough) hätte sich sehr gut für eine Hommage geeignet. „According to Kosinski, Oblivion pays homage to science fiction films of the 1970s“, lesen wir in der englischen Wikipedia. Gut gemeint, aber die damaligen Filme waren dann aber auch, was die Tiefe und Originalität der Ideen angeht, wesentlich besser.

Fazit: Nur ansehen, wenn grad nichts Besseres läuft, man aber unbedingt ins Kino will.

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