Nimm dies, Mecki!

mecki

1. Mai

1. Mai

Aus gegebenem Anlass – Photo by Ilya Pavlyuk, Lvov, Ukrainian SSR, 1968 (Credits: Soviet Visuals).

Kennst Du Deutschland?

digitalwahlkampf CDU

Die CDU eröffnet den Digitalwahlkampf. Man kann auch die ruhmreiche Vergangenheit nachspielen, falls einem das zu parteihaltig ist.

Nach Verkehrsunfall geflüchtet und mit Bombe gedroht

Polizeimeldung von heute aus Berlin: “Ein Autofahrer verursachte gestern Abend in Wedding einen Verkehrsunfall, flüchtete anschließend, leistete Widerstand bei seiner Festnahme und drohte darüber hinaus mit einer Bombe in seinem Fahrzeug. (…) Der Rettungsdienst brachte den 27-Jährigen in eine Klinik, in der er einem Psychiater vorgestellt wurde.

Bei dem während der Festnahme geleisteten Widerstand verletzte der Verdächtige fünf Einsatzkräfte leicht. Einer von ihnen beendete seinen Dienst. Auch bei der Übergabe im Krankenhaus widersetzte sich der Festgenommene den dortigen Maßnahmen. Mit Unterstützung des Krankenhauspersonals konnte sein Widerstand gebrochen und die medizinische Untersuchung vorgenommen werden.”

Erinnert mich an manche Kunden im Urban in der Rettungsstelle. Ich musste mit solchen Leuten gut zwei Minuten durchhalten, bis die Polizei eintraf. Dann merkt man erst, wie lang zwei Minuten sein können. Man wird auch daran erinnert, welche Damen und Herren da draußen frei herumlaufen…

Alles Perlator

klempnern

Ich wollte gerade den Wasserhahn der Spüle bei meiner Mutter erneuern, aber den hat irgendein Pfuscher vor Jahrzehnten installiert. Jetzt brauche ich schweres Werkzeug, und zwar mein eigenes…

Eine Frage an die hier mitlesenden Klempner: Das bronzene oder kupferne Ding, in dem die Zuleitungen zusammenlaufen, ist vermutlich dazu da, den Hahn festzuhalten? So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Pfuscher hat das nach unten laufende Rohr einfach seitlich abgeknickt – ein Wunder, dass ihm das Ding nicht einfach um die Ohren geflogen ist.

Einen Perlator muss ich auch noch installieren. Dann ist bei dem neuen Teil eine Art Handgranate aus schwarzem Gummi – kann man aufschrauben in zwei Hälften, und laut dem wortlosen fucking manual (vgl. 10) führt der Schlauch, den man mitsamt dem Perlator rausziehen kann, da durch. Wird da nichts abgeklemmt? Und wozu ist das Teil gut?

Das ist ungefähr der siebenundachzigste Wasserhahn, den ich installiere. Aber warum muss immer alles so kompliziert sein?

Gargoyle am Hohenzollerndamm

Gargoyle

Steinreich und technikbesessen

technikbesessen

Aus: Vorwort von Willy Loderhose: Geschichten aus dem Dunkel. In: Stephen King: Katzenauge. Bergisch Gladbach, 1986, S. 8, ausgegraben von Christian Y. Schmidt auf Fratzenbuch.

CCC, retro

ccc

Wegwerfen oder als Erinnerung behalten?

Laut rumbrüllen

stimmenerkennung

Faires Ärgern

kuchen

Ich langweile mich nie und auch nicht während des so genannten Lockdowns. Man kann zum Beispiel ununterbrochen Kuchen backen und es sich gut gehen lassen, wenn man nicht arbeiten muss.

Da sitze ich also harmlos in der Küche, esse selbst gemachte Stachelbeertorte und Marmorkuchen, selbstredend alles mit Sahne, und lasse die neuesten Nachrichten in Print- und Digitalform an mir vorbeifliegen und rege mich sofort und überflüssigerweise total auf.

– Es rächt sich immer noch, dass die Revolution 1918 von den Sozialdemokraten hintertrieben und verraten wurde. Die Süddeutsche berichtet: “Erben der bayerischen Könige kassieren immer noch Millionen”. “Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung kommt sie jedes Jahr in den Genuss von knapp 14 Millionen Euro, die der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) ausschüttet. Diese Stiftung wurde im Jahr 1923 vom Freistaat Bayern errichtet, um die Mitglieder des Hauses Wittelsbach weiterhin zu alimentieren.”

Da fällt mir doch ganz spontan ein altes französisches Lied ein.

– Im Print-“Spiegel” lese ich wieder groben Unfug. Überschrift “Krieg der Köpfe” – “Mit Falschnachrichten, Fake-Profilen, Bot- und Trollarmeen wollen ausländische Geheimdienst bla bla usw.” Wie machen die das?

“Die Absender der Mails, die bei sieben Bundestagsabgeordneten der Unionsfraktion und der SPD sowie bei mehr als 70 Landtagsabgeordneten eingingen, klangen harmlos: mailing@t-online.de stand da oder mailing@gmx.de. Doch die Mails waren Fallen. Ein Link führte auf eine Website, auf der die Angeschriebenen ihre Daten eingeben sollten. Das Ziel der sogenannten Phishing-Attacke: die E-Mail Postfächer und Social-Media-Accounts der Politiker zu kapern.”

Nein, ich rege mich sogar über fast jedes Wort auf (mal abgesehen davon, dass “Phishing” schon gefühlt Fantastillarden mal durchgekaut wurde).

Wann eigentlich sind “Absender” von E-Mails “harmlos” oder besser: wann “klingen” sie so? Erinnert sich das IT-affine Publikum noch an den Kremvax-Hoax aus dem Jahre 1984 im Usenet? Piet Beertema hatte damals nicht nur den Absender eines Postings gefälscht, sondern alles andere auch. Außer dem Datum (April! April!) stimmte nichts, auch nicht die Newsserver. Ich erinnere mich auch, was ich zu Crosspoint-Zeiten mit dem Hamster für einen Unsinn angestellt habe – man konnte alles mögliche in den Header einer E-Mail hineinschreiben und es musste nicht wahr sein. Wer den “Klang” einer elektronischen Postkarte als Maßstab für Seriösität nimmt, sollte besser eine Brieftaube nehmen, die gurrt wenigstens.

Es geht gleich weiter. “Ein Link führte…” Auch das kennen wir bereits: Die Pappnasen, die das geschrieben haben, gehen davon aus, dass die Nutzer sich ihre E-Mails im HTML-Format anzeigen lassen. Dann kann man über das Ziel eines Links getäuscht werden, weil in Hypertext Markup Language alles mögliche stehen kann, was aber nicht angezeigt werden muss. Wer verhält sich denn so selten dämlich? Spiegel-Redakteure und Politiker und der DJV Berlin und und und. Ach so, ganz viele? Man sollte denen zwangsweise Claws Mail verordnen, das zeigt HTMl nicht an. Hierzu hat mein Hausphilosoph das Nötige gesagt: “Es gibt manche Leute, die nicht eher hören können, bis man ihnen die Ohren abschneidet.” (Georg Christoph Lichtenberg)

– Ich höre jetzt besser auf. Ich erinnere mich daran, dass ich mich schon beim Einkaufen geärgert habe. Neben “fairem Lohn” und “fairem Handel” und “fairem Parken” gibt es vermutlich auch bald “fairen Sex”? Und fordern das die Grünen schon? Ich blogge ich eigentlich fair und nachhaltig? Ich wüsste gar nicht, was das sein sollte.

fair parken

Du sagen, ich fahren

taxi

Das Ende ist nahe. Taxifahrer brauchen keine Ortskenntnisse mehr. Der Bundestag hat eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes beschlossen.

Der Unterschied zwischen Taxi und Fahrdienst beschränkt sich künftig auf einen Unterschied: Taxis dürfen nach wie vor überall Kunden einsteigen lassen. Fahrdienstleister müssen dagegen telefonisch oder per App vorab gebucht werden.

Das bedeutet: Uber ist jetzt legalisiert und darf den kleinen Unternehmen die Aufträge wegschnappen. Taxifahrer werden nur noch Mindestlohn beziehen oder noch weniger, wenn sie Kleinunternehmer sind. Oder auch: Die Kleinbourgeoisie wird zerquetscht. Je ein Kapitalist schlägt viele tot, habe ich irgendwo gelesen.

Ich hatte meinen Taxischein 1977 gemacht, ab 1979 war ich Unternehmer, mit anderen zusammen, bis ca. 1997. Damals war rund die Hälfte der Fahrer Studenten, der Rest die so genannten “Alleinfahrer”. Ich habe meine Reisen nach Südamerika damit finanziert: Drei Monate wie ein Idiot schuften, 14-Stunden-Schichten (was auch damals illegal war, aber niemand kontrollierte, wenn man sein eigener Chef war). Mit dem Geld konnte man ein halbes Jahr verreisen.

Das gibt es nicht mehr. Heute muss ein Tourist in Berlin froh sein, wenn er einen Fahrer erwischt, der Englisch kann – Türkisch und Arabisch ist aber kein Problem. So ist ist sie, die Weltstadt Berlin.

Trebuchet, reloaded

trebuchettrebuchet

Und Burks sprach: Es werde eine Feste zwischen den ungeklebten Hölzern, die da scheide zwischen den geklebten Hölzern und den frei rotierenden Hölzern. Da klebte Burks die Feste und schied die Hölzer unter der Feste von dem Hölzern über der Feste. Und es geschah so. Und Burks nannte die Feste “Rahmen der Blide”. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Trebuchet

trebuchet

Am Anfang schuf Leonardo die Idee.

Und der Tisch war wüst und gar nicht leer, sondern allerlei hölzernes Zeug, dessen Zweck unklar blieb, füllte die Leere, und es war finster auf der Tiefe des Raumes, und der Geist Burks irrte über den Dielen umher.

Und Burks sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Burks sah, dass das Licht gut war. Da schied Burks ein Hölzchen vom anderen, nannte dieses “sling ramp” und jedes “counterweight” box und noch vieles mehr. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Nimm dies, Leonardo!

blide

Da habe ich mir ja was eingebrockt.

Angst und Hass

das Gerücht
“Das Gerücht” – Lithographie von A. Paul Weber (1943). Foto: Webermuseum Ratzeburg

“Jemand auf Twitter sagt, ein Freund eines Verwandten habe folgende Geschichte so gut wie selbst erlebt.” Wenn das Publikum etwas über Stallmann wissen will: Fefe hat jetzt hinreichend genug dazu gesagt.

Interessant auch ein Interview (2017) mit Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Joachim Neubauer: “Gerüchte nähren sich von kollektiven Gefühlen, von Angst und von Hass. Manchmal, ganz selten, auch von Hoffnung. Wenig Sicherheit = viel Sorge = viele Gerüchte.”

“Gegengerücht streuen” – das gefällt mir. Wer mobbt, was ich oft genug erlebt habe, sollte noch schlimmer zurückgemobbt werden. Gefangene werden nicht gemacht.

True Heroism

suez kanal

Shiv Ramdas: “If you think youre having a bad day, spare a thought for the helmsman who somehow managed to stick his giantass ship sideways into the goddamn Suez Canal & blocked it into literal gridlock & is currently costing every seafaring nation of Earth like millions of dollars every hour.”

Die Kommentare des Tweets zum obigen Foto sind manchmal zum Kringeln: “I wonder if they told the operator what to expect when he got there, or just left it a surprise.” Die Quelle des Fotos (und noch anderen) ist übrigens BBC: “Owner of cargo ship blocking waterway apologises”.

A few alarms to view [Update]

alarmanlage
Alarmanlage (Symbolbild)

Ich musste gestern folgende Sätze in Englisch sagen, was mir ohne Google nicht spontan gelang:
“Um das herauszufinden, brauchten wir eine Rohrzange. Die habe ich leider nicht dabei.”
“Ich habe den Klempner, der hier ist, um die Heizung zu reparieren, off the record gefragt, ob er eine Idee habe, warum das Wasser nicht läuft. Er war hilfsbereit und hat den Hauptwasserhahn gesucht, gefunden und angestellt. Der Geschirrspüler sei übrigens an die Warmwasserleitung angeschlossen. Das ist keine gute Idee.”
“Der Ingenieur hat die Alarmanlage repariert. Einer der Bewegungsmelder war kaputt. Der hatte die zahlreichen Fehlalarme ausgelöst und bewirkt, dass die ganze Anlage herumspinnt.”
#neubau #handwerk #security #einmalmitprofisarbeiten

Ich mochte immer an der journalistischen Recherche, dass man ständig vor neuen und herausfordernden Situationen steht, für die es keine “Dienstanweisung” gibt. Ein sesselfurzender Job war nie mein Ding. In dem Beruf, der meinen Lebensunterhalt zuverlässig sichert, was vom ersteren nicht gesagt werden kann, ist es ähnlich. Hier spricht niemand Deutsch, und alle kennen sich mit Datenverarbeitung aus. Aber eben nicht mit Rohrzangen und wie man deutsche Klempner dazu bringt, dass sie etwas tun, was nicht im Auftragsbuch steht.

Die Chefin hier spricht fünf Sprachen fließend, aber Englisch ist auch nicht ihre Muttersprache. Mit einem Stromkonzern zu telefonieren, warum der Formschreiben in unverständlichem Bürokratendeutsch schickt, statt eine konkrete Anfrage zu beantworten, übersteigt ihr (gutes) Deutsch. Also muss ich plötzlich dolmetschen. Oder mit deutschen Handwerkern ausdiskutieren, warum es für anspruchsvolle elektronische Anlagen, die ich auch noch bedienen soll, gar kein Handbuch in irgendeiner Sprache gibt. Oder die Tipps eines superhilfsbereiten britischen Ingenieurs kapieren, der kein Wort Deutsch kann, aber dafür mit starkem walisischen Akzent über komplizierte elektronische devices plaudert, den ich so verstehe wie ein Deutsch lernender Pakistani Niederbayrisch.

Ich mag den neuen Job. Er ist nicht ganz so herausfordernd wie die Aufgabe, randalierende psychiatrische Patienten daran zu hindern, das medizinische Personal zu attackieren, oder Großfamilien der südländischen Art davon abzuhalten, gewaltsam in die Rettungsstelle einzudringen, oder Türkisch sprechende männliche Jugendliche zu ermahnen, nicht mit einer Fernbedienung erotische Filme auf den Fernseher im Warteraum zu “zaubern”, oder weibliche Insassen der geschlossenen Abteilungen, die – für mich nicht nachvollziehbar – Ausgang bekommen haben, wieder einzufangen, weil sie sich – für mich nachvollziehbar – weigern zurückzukommen, ober polnische Bürger, die nur noch “kurwa” sagen können, zu bitten, nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen haben und der Promillepegel unter zwei gefallen ist, die Notaufnahme zu verlassen, mit dem glaubwürdigen Hinweis, dass ich gewaltsam nachhelfen würde, falls sie sich weigerten.

Man muss eben improvisieren mögen.

[Update] Geschirrspüler an die Warmwasserleitung anzuschließen ist möglich. Also irrte der Plumber.

Girlfriends

girlfriends

Jugendfreundinnen meiner Mutter, mit Schallplattenspieler, fotografiert 1943.

Siam-Nico, Buzzwords und der chinesische Imperialismus

myanmar
Link geht zu Facebook

Bei manchen Buzzwords (früher sagte man frankophil Slogan) schlägt mein Bullshit-Detektor sofort an, bei einigen Themen auch. Ich bedauere, die des Politischen kundigen Lesern und die an Medienkompetenz interessierten Leserinnen mit einer kleinen und vorläufigen Etüde in Recherche behelligen zu müssen.

Klassenkampf. Chinesischer Imperialismus. Mahnwache. Kommt alle. Fehlen nur noch die Fackeln Lichterketten, aber die sind mittlerweile sowas von out. Wer steckt dahinter? Aufmerksamkeitshuren, Marketing-Agenturen, etwas getarnt Politisches oder alles?

Setzen wir das Puzzle zusammen. Man sollte vermuten, dass bei a) Klassenkampf irgendwas “Linkes” mitmacht, in Kombination mit b) chinesischer Imperialismus ergibt das aber zunächst wenig Sinn. “Die Linke” lässt sich zwar von der pro-uigurischen Propaganda einlullen, aber sie würde nicht so weit gehen, eine “Volksrepublik” als imperialistisch zu benennen. Die Grünen wiederum kriegen beim Begriff Klassenkampf sofort die Krätze. Beides – so unserer Arbeitshypothese nach 30 Sekunden – scheidet aus. Im Sinn haben wir den Namen “Nico Buchmüller”, der als Organisator der Mahnwache genannt ist.

myanmar

Die “Süddeutsche” (Paywall) zitiert die (virtuelle) Gruppe German Solidarity with Myanmar Democracy. Man könnte irrig vermuten, dass die “Süddeutsche” recherchiert hat, ob es diese Gruppe gibt. Dass sie das nicht getan hat, beweist die Zeichenkette “setzt sich nach eigenen Worten [bitte selbst ausfüllen] für ein freies Myanmar ein.” Ohne drei unabhängige Quellen zu haben, durfte man früher, in den goldenen Zeiten des Journalismus, noch nicht mal furzen gehen. Heute reicht eine abhängige.

myanmar

Wait a minute. Warum sollte sich überhaupt jemand hierzulande ausgerechnet für Myanmar einsetzen, und was ist “frei”? Kapitalismus unter der Schirmherrschaft der NATO und faschistischer Banden wie in der Ukraine? Warum nicht Freiheit für Äquatorialguinea? Robbenbabys Negerkinder auf Fotos werden doch von jeder Werbeagentur mit Kusshand angenommen, weil sie immer in die Kamera lachen, außer wenn sie kurz vor dem Hungertod stehen (Amnesty, Brot für die Welt usw.). Kann man also für praktisch alles vermarkten.

myanmar

Doch halt, wie haben ein Motiv, sagt jetzt der Kommissar (wir sind erst bei Minute fünf der Recherche). Hier spricht Nico Buchmüller, man sieht ihn die Hände ringen und tränenkullernd schluchzen: Brutalität! Gewalt! Die ist nicht geil, sondern pöhse. Wir werden alle störben. Da muss man doch was tun!

Merke: Der Herr schreibt schlechtes Deutsch, und auch die Kommata fehlen oder stehen an der falschen Stelle. (Er hat also kein Abitur. Leider kann man heutzutage bei der Recherche aus diesem Tatbestand nichts folgern, weil das Kriterium sogar für die meisten Journalisten zutrifft.)

Wir merken uns in Rechercheminute fünf: Kein Profi, vermutlich keine der vorhandenen Parteien im Hintergrund (Arbeitshypothese, es fehlen die vorgestanzten Textbausteine), die Volksmassen jubeln noch nicht (was bei Myanmar auch extrem unwahrscheinlich ist, da vermutlich 90 Prozent der Bevölkerung das Land nicht auf einer Karte lokalisieren könnten). Appell an Gefühle, wie schon beim Kampf gegen “Hass”. Gefühle entpolitisieren sofort jedes Thema, lassen sich aber natürlich bei den intellektuell Schmalbrüstigen geistig Armen gezielt mobilisieren. Wer “gegen Gewalt” ist, redet zur Mittelschicht. Man appelliert, sich zu benehmen: Man möchte bei denen da oben nicht unangenehm auffallen und sich gleichzeitig von denen da unten absetzen. “Klassenkampf” und “gegen Gewalt” – das passt nicht und spricht bei mir sofort für einen geistig verwirrten Einzeltäter oder Drogenmissbrauch.

myanmar

In Minute zehn der Recherche müssen wir nur noch die falschen Nico Buchmüllers aussortieren. Der richtige ist Klima-Nico von der Klimaliste Baden-Württemberg. Einw der Abspaltungen von der Befreiungsfront Judäas den Grünen, die sich auf nur ein Thema focussieren und den Kapitalismus reformieren wollen, aber selbstredend weiterhin zum GlottisschlagStimmritzenverschlusslaut-Milieu gehören. Ergo: Schon wieder nur Winkelreformer der buntscheckigsten Art.

Unser Klima- und Siam-Nico drückt mit Karacho auf alle Tränendrüsen: Er sammelt Spenden für Waisenkinder in Mayanmar. Das volle Programm also. Ich frage immer noch: Warum ausgerechnet Birma? (Ich hatte ein Kinderbuch über die KatzenTigerjagd in Siam – so hieß das früher.) Er hat dort eine Zeit verbracht. Das muss uns reichen. Man muss nicht alles runtermachen, auch wenn man “Entwicklungshilfe” als eine Art Embryo des Imperialismus ansieht und “helfen” durchweg als ein niedriges Motiv, um sich selbst besser zu fühlen.

Man kann natürlich noch weitermachen und den beruflichen Werdegang recherchieren, Bildersuche und -vergleich eingeschlossen). Wir haben Nico unrasiert, auf Linkedin rasiert. Bei krauth technology im Schwarzwald wurde er offenbar ausgebildet (7. von links). Bei highQ war er auch oder ist er noch.

Der “Klassenkampf” war also nur ein Versehen und wird in die Rubrik attention whore eingetütet. Wenn man unseren Siam-Nico fragte, was Imperialismus sei, würde er garantiert ins Stottern kommen oder “die Uiguren, die Uiguren” murmeln.

Übrigens: Die so genannte Opposition in Myanmar würde ich auch nur mit der Kneifzange anfassen.

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leben großstadt
Die Schönheit des Lebens in der Großstadt im Deutschland des 21. Jahrhunderts (Symbolbild)

In Tübingen braucht man keinen Lockdown. “… in Tübingen können die Menschen wieder fast so zusammenkommen wie vor der Corona-Pandemie. Kino, Besuche im Restaurant, Einkaufsbummel in der Innenstadt, alles möglich mit einem Tagespass nach einem Corona-Test.”

Boris Palmer ist dort Bürgermeister (das ist der, den die Glottisschlag-Fraktion der Grün[Stimmritzenverschlusslaut]:*_Innen am liebsten aus der Partei werfen will). Die Notärztin Lisa Federle organisiert das Ganze.

Das konnte anderswo auch funktionieren, wenn es genug Schnelltests gäbe. Gibt es aber nicht. Wir haben bekanntlich ein profit- und marktorientiertes Gesundheitssystem. Vielleicht kann der Ehemann des Gesundheitsministers kurzfristig aushelfen?

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