We support you

support our troops

Aus der Rubrik: Einmal mit WerbeProfis arbeiten. “Trump ad asks people to support the troops. But it uses a picture of Russian jets.”
Pierre Sprey, who helped design both the F-16 and A-10 planes for the US, said “That’s definitely a MiG-29. I’m glad to see it’s supporting our troops.”

Har har. Gibt es keine Flugzeug-Erkennungs-App? Wo welche sind ist schon klar. Aber anhand des Umrisses? Wäre ein bisschen kurzfristig bei einem Tieffliegerangriff, aber auf einem Flughafen?

Back to blood in Hollywood

diversity

“Diversity”, “Vielfalt” – was das heißt, zeigt uns gerade Hollywood in Gestalt der Academy of Motion Picture Arts and Sciences: Bewerber für den Hauptpreis des Oscar-Wettbewerbs müssen ab 2024 mindestens zwei “Vielfaltskriterien” erfüllen, um sich zu qualifizieren.
Beispielsweise könnte eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören, etwa afroamerikanischer, asiatischer, hispanischer oder indigener Abstammung sein. Als ein weiteres Kriterium führt die Filmakademie inhaltliche Aspekte an: Filmbeiträge sollten demnach ein Thema behandeln, das sich um Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder LGBT-Inhalte dreht – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen.

Ich habe da noch eine Frage: Sind Friesen eine “unterrepräsentierte ethnische Minderheit”? Müssen Künstler, bevor sie Kunst machen, jetzt eine Check-Liste abarbeiten, was vorkommen darf und was nicht? Muss in einer Astronauten-Crew in Zukunft immer eine Lesbe sein oder jemand behindert? Was ist “hispanisch?”

Ceterum censeo: In jedem deutschen “Tatort” sollte zukünftig eine Latina mitspielen, die so ausseht wie Lupe Fuentes.

Übrigens – Kunden, die das Obige lasen, sollten auch dieses zu Gemüte führen: Die bunt angemalte Pseudo-Farbige “diverse” Professorin Jessica Krug hat jetzt ihren Posten aufgegeben. – Ein Interview mit Jan Böhmermann über “cancel culture” in der “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” darf nicht erscheinen. – Die “Sinti-Allianz” findet die Diskussion über “Zigeunersauce” unwürdig und verwendet weiter den Begriff “Zigeuner”.

In einer funktionalen Enklave

mittelberg

Der Liechelkopf, der Elferkopf und der Zwölferkopf von Mittelberg im Kleinwalsertal aus – von mir fotografiert im August (Neuschnee!) 1968.

Meine aktuellen Annalen

tacitus

Wenn ich das jetzt hier auf der Parkbank anfange zu lesen, denken alle, ich sei ein Student, der für’s große Latinum paukt. Oder ein Historiker, der beweisen will, dass jede Geschichtsschreibung seit 2000 Jahren auch immer Propagandafür die herrschenden Zustände ist. Die Vorgeschichte: Ich las von Armin Eich Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium – ein ganz hervorragendes und spannendes Buch und, soweit ich weiß, das Standardwerk zum Thema. Um meine Freude richtig zu verstehen, muss man wissen, dass es in Deutschland, anders etwa als in Frankreich, Großbritannien, den USA oder gar Japan keine marxistischen Historiker mehr gibt – die wurden alle nach der Wiedervereinigung von den Lehrstühlen gejagt, ins Ausland vertrieben oder sind mittlerweile emeritiert und publizieren nicht mehr. Die deutsche Geschichtswissenschaft nimmt auch am internationalen marxistischen Diskurs nicht mehr teil. Bei Armin Eich jedoch war ich überrascht: Er benutzt das Wort “Klasse”, was an sich schon “verdächtig” ist für einen deutschen Historiker, und was er schreibt, könnte kein marxistisch geschulter Wissenschaftler besser, obwohl er Marx mit keinem Wort erwähnt. Er hat über “Die politische Ökonomie (!) des antiken Griechenland” habilitiert – eine Arbeit, die ich mir sofort besorgt hätte, aber sie ist nirgendwo zu bekommen. Ergo: Wenn ein Althistoriker heimlich das “marxistische” wissenschaftliche Instrumentarium nutzt, kann er das bei dem Thema “römische Antike” natürlich gut verstecken. Tacitus taucht natürlich immer auf, wenn es um Römer und Germanen geht. (Rezension Eichs folgt.)

Ich schweife kurz ab: Ich erinnere mich an mein Philosophikum Ende der 70er Jahre – die Prüfer waren stockkonservative Altgermanistik-Professoren und Wolfgang Fritz Haug, bei dem ich gleichzeitig als Tutor in seinen Kapital-Kursen arbeitete. Haug prüfte mich über das Thema “Walter von der Vogelweide und der Warenfetischismus bei Karl Marx”, die ich mit Bestnote bestand, weil die Herren vom Landesprüfungsamt aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, was man mit dem Minnesänger alles anfangen kann – wir diskutierten lang und breit über Vogelweides Lehen, ob er es nun bekommen hatte oder nicht – da konnten sie immerhin mitreden.

Was haben wir denn heute noch in meinen Annalen?

Schmalle nennt “3 Gründe, warum progressive Linke marx21 ablehnen sollten”. “…ist marx21 besonders bekannt für das “Kuscheln” mit Akteurinnen aus einem reaktionär-islamischen Milieu, wobei man selbst differenzierte und emanzipatorische Kritik an diesen Strukturen als anti-muslimischen Rassismus zurückweist und bedingungslose Solidarität mit Musliminnen per se fordert.”(1)

– Die Pop-Up-Radwege in Berlin rechtswidrig. Man muss aber das Urteil – wie immer – genau lesen. Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat die neuen Radwege falsch begründet. Das Gericht hat nicht geurteilt, dass diese an sich nicht erlaubt seien. Verantwortlich für diesen Dilettantismus ist Senatorin Regine Günther, natürlich von den “Grünen”.

Der Schockwellenreiter fasst das komplette Versagen der Politik hübsch anhand zahlreicher Fälle zusammen (noch eine Version).

– “Als nämlich diese Epidemie herannahte, befiel ein allgemeiner Schrecken die Bourgeoisie dieser Stadt; man erinnerte sich auf einmal der ungesunden Wohnungen der Armut und zitterte bei der Gewissheit, dass jedes dieser schlechten Viertel ein Zentrum für die Seuche bilden würde, von wo aus sie ihre Verwüstungen nach allen Richtungen in die Wohnsitze der besitzenden Klasse ausbreite”. (Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, 1854)

– Im Neuen Deutschland schreibt Ilkay Çiçek über “Links auf Deutsch, rechts auf Türkisch
Warum hierzulande so viele Progressive den islamischen Konservatismus hofieren.” Wer Religion hofiert, ist natürlich weder links noch progressiv. Es sagt viel aus über die deutschen Zustände und das weltanschauliche Desaster der hiesigen Linken, wenn das nicht mehr selbstverständlich ist.

Jessica Krug

Jessica Krug ist meine Kronzeugin für die These, dass “Diversity” ein reaktionärer Scheiß ist und am Ende zu einer “Opferolympiade” führt. Der Guardian berichtete: “White US professor Jessica Krug admits she has pretended to be Black for years – Jessica Krug, an activist who teaches African American history, writes Medium post apologizing for false identity”. (Der Tagesspiegel hat auch etwas zum Thema.)

Wie ich hier schon schrieb: Tom Wolfe hat das alles schon ironisch und amüsant geschildert – in seinem großartigem Roman Back to Blood.

Interessant auch das öffentlichen “Reue”-Bekunden; das erinnert mich ein wenig an die chinesische Kulturrevolution. Das macht die Sache gleich doppelt peinlich.
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(1) Gendersternchen habe ich entfernt.

Unterneger oder: Ortsschilder voller Hass[Update]

unterneger
Es geht natürlich um Fratzenbuch.

[Update] Nach ca. einer Stunde wurde die Sperre aufgehoben. Ich finde aber interessant, dass die offenbar einen Algorithmus habe, der Schriften auf Bildern liest.

El Chepe oder: Archäologie des Befindens

cuauhtemoc
Cuauhtémoc im Norden Mexikos im Bundesstaat Chihuahua. Über meinen zweiten Aufenthalt in Cuauhtémoc 1981 habe ich am 25.05.2013 schon etwas geschrieben.

Wir könnten heute Sean Connery huldigen oder ihm zum Geburtstag gratulieren. Oder über den Landesparteitag der Link*innen lustig machen, wo man – immerhin! – den Kapitalismus*innen an die Kett*innen legen will – nach der Maxime: Immer die selben Leute treffen sich zu Veranstaltungen, um sich dort gegenseitig zu bestätigen und bejubeln, dass sie auf dem richtigen Weg zur Fünfprozenthürde sind und dass es ganz großartig ist, wenn man halb so viele Stimmen wie weiland die KPD bekommt.

Apropos Weg: Ich musste mir gestern wieder die Frage nach der Zahl 42 stellen, dröselte ich doch stundenlang an eingescannten uralten Dias Fotos, rund zweitausend oder mehr an der Zahl, die zu katalogisieren und den Nachgeborenen zu erhalten ich mir zur Aufgabe gemacht habe, trotz deren zum Teil desaströsen, weil im Original verstaubten Zustands. Ich stellte mir vor, jemand schaute die (wie?) in einem halben Jahrhundert an, eingedenk der oral überlieferten Tatsache, dass der besagte Vorfahre damals in Zeiten, bevor es das Internet als Massenmedium gab, in Lateinamerika auf das Abenteuerlichste herumgereist sei. Ist das in irgendeiner Weise relevant? el pasoOder werden diese Nachfahren verständnislos auf diese Fotos starren und mich für bekloppt erachten, weil ich zum Beispiel 1979 es versäumte, gleich Videos zu drehen – anstatt platt und zweidimensional etwas zu dokumentieren, was für andere ohnehin keinen Sinn ergibt? Ich sage nur: Dias! Wie meinen?

Gestern schaute ich Passagen meines ersten Reisetagebuchs (1979/80) an; einige Stellen hatte ich seit dem Notieren nie wieder gelesen. Merkwürdig, was ich damals wichtig fand! Das Geschreibsel klingt irgendwie hilflos und naiv. Es war meine erste Reise außerhalb Europas, und vorher war ich auch nicht viel herumgekommen. Ich plante ursprünglich, ins kalte Wasser zu springen und allein loszuziehen, aber ein Freund wollte unbedingt mit (was ich später bedauerte, weil wir nicht dieselbe Art des Abenteuerns mochten und oft vor der Option standen, getrennt weiterzureisen. Es war wie in der Ehe eine Frage des Abwägens der Vor- und Nachteile.)

Ich versuchte, mir mich selbst vorzustellen: Die paar Wochen in den USA waren exotisch: New York, New Orleans, das Space Center in Houston (leider ist das Foto, was ich im Kontrollraum gemacht hatte, verschollen), Santa Fe. Aber danach wurde es ganz anders: Mexiko?! Eine mir damals noch ziemlich fremde Sprache – was würde mich erwarten? Und danach: Südamerika? In meinem Tagebuch steht am Anfang nur Belangloses. Erst eine Busfahrt entlang des Rio Grande in Richtung El Paso “weckte” mich auf: Ritten da nicht die Apachen entlang – oder so? Was macht man eigentlich, wenn man reist?

Ich hatte einfach Glück. Oder macht man instinktiv etwas, was zum größtmöglichen Abenteuer führt? Aus meinem Reisetagebuch:

27.9.1979 Fahrt Santa Fe – Albuquerque – El Paso. Western-Kulisse am Rio Grande entlang. In El Paso drei Mal die Grenze [zu Mexiko, kleines Foto] überquert, da uns beim ersten Mal der Grenzer in Mexiko zurückschickt, weil kein Zug mehr fahre. Beim zweiten Mal sagen wir, laut Touristen-Information, dass wir mit dem Bus fahren würden, Er lässt uns durch. Fahrt mit dem ordinario [Lokalbus] durch das nächtliche Ciudad Juarez. Erste Gespräche auf Spanisch. [Ich habe nie Spanisch “ordentlich” gelernt. Ich hatte Latein und Französisch in der Schule, der Rest war learning by doing.]

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Hof von Mennoniten in Cuauhtémoc, im Hintergrund eine ihrer typischen Kutschen. Die orthodoxen Mennoniten benutzen keine Autos.

28.09. Kommen im 1.30 Uhr nachts in Chihuahua an. Suchen ein Hotel, es gibt nur eines mit allem Konfort (damals 250 Pesos pro Nacht). Sind zu müde, um ein anderes zu suchen. Frühstück: Tortillas! Fahren mit dem Bus nach Cuauhtémoc. Der Bus ist gerammelt voll. Cuauhtémoc hat einen komischen Bahnhof. Ein Kerl [ein Mennonite], dem die Getreidesilos gehören, spricht uns an. Nachdem er gehört hat, dass wir aus Alémania federal kommen [und nicht aus der DDR], lädt er uns zu sich ein, Wir verbringen den Nachmittag im Café [Ausblick von dort oberstes Foto], trinken zahllose Cola und spielen Schach. Die Bettler kommen uns bis ins Café hinterher. Viele Schuhputzerjungen. Mennoniten in traditioneller Tracht.

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In der Nähe des Bahnhofs von Cuauhtémoc, im Hintergrund Mennoniten-Jungen mit Cowboy-Hut, den alle Männer tragen.

Bei den Mennoniten abends gibt es Bratkartoffeln mit Bouletten. Lange Gespräche. Der Mann behauptet, die Mexikaner enteigneten alle reichen Bauern. Wir kriegen die Adresse seines Sohnes in Belize!

29.09. Frühstück mit anderen Mennoniten. Fresspakete für uns: Brote mit Schinken. Redekop [der Familienname des Mennoniten] organisiert den Fahrkartenverkauf, so dass wir bevorzugt werden.

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Bahnstrecke Cuauhtémoc nach El Sufragio – Ferrocarril Chihuahua al Pacífico

Der Zug nach El Sufragio [Sonora] fährt um 10 Uhr. Keine Schranken an den Gleisen, keine Signaltöne. Kaputte Scheiben, Musik und fliegende Händler. Das Gebirge ist abenteuerlich: 89 Tunnels und 40 Brücken. Zwischenstopp an der Barranca del Cobre [“Kupferschlucht”, Foto ganz unten]. Viele ärmliche Dörfer, die Leute hausen zum Teil ins ausrangierten Waggons. Händler verkaufen Papageien, Tacos, Bananen, Tequila.

Heute weiß ich, dass die Zug “El Chepe” genannt wird und dass ich auf einer der exotischsten und aufregendsten Eisenbahnrouten der Welt war. Wikipedia zu dieser Strecke: “Von der Hafenstadt Topolobampo an der Pazifikküste führt die Strecke über Los Mochis [dort liegt El Sufragio] nach El Fuerte und schlängelt sich dann durch die zerklüfteten Felsen der Sierra Madre Occidental, vorbei an schwindelerregend tiefen Schluchten und bizarren Felsformationen. Über viele Brücken und durch zahlreiche Tunnel wird ein Höhenunterschied von 2400 m bewältigt. Während der mehrere Stunden dauernden Reise durchfährt der Zug verschiedene Landschafts- und Vegetationsformen: die Pazifikküste mit ihrem subtropischen Klima genauso wie kühle Bergregionen und Kakteensteppen.”

Wir kommen abends um 20 Uhr in Sufragio an und haben sofort Anschluss nach Guadalajara. Eine sehr kesse Mexikanerin, die angeblich in Florida als Diätassistentin gearbeitet hat, gibt uns ihre Adresse und die ihrer Freundin in Lima, Peru.

29.09. Um fünf Uhr am Morgen sind es schon 25 Grad [im Zug]. Sonnenaufgang im Gebirge, dazwischen Palmen im Nebel, davor grünes, wucherndes Gestrüpp. Hinter jedem Tunnel ist ein Postkarten-Motiv. Der Zug braucht 22 1/2 Stunden. Wir sind total verdreckt, aber bekommen zum Glück vom Fraß der fliegenden Händler keinen Durchfall.

War das jetzt wichtig zu erfahren? Wichtiger als die aktuellen Nachrichten? Ich bin ein egoistischer Schreiber und mache, was ich will. Zu meinen Fotos fällt mir oft mehr ein und ich muss mehr recherchieren als etwa bei schlechten Nachrichten zur aktuellen Seuche, Gift oder nicht Gift oder zum gegenwärtigen Vorsitzenden des Ausschusses der herrschenden Klasse in den USA.

barranca del cobre
Kupferschlucht (Barranca del Cobre)

Der N. hat Zigeunersoße gesagt und vieles mehr

Arpad

Ich bin dem verehrten Publikum noch eine mehrtägige Nachlese von Links und Leseempfehlungen schuldig.

– Der Zentralrat der Sinti und Roma erläutert, was “Zigeuner” bedeutet:
„Zigeuner“ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird – so haben sich die Sinti und Roma nämlich niemals selbst genannt. (…) Außerhalb des deutschen Sprachkreises wird „Roma“ – oder einfach „Rom“ (das bedeutet „Mensch“) – auch als Sammelname für die gesamte Minderheit verwendet. In Deutschland bilden Sinti seit jeher die größte Gruppe, daher wird hier die Bezeichnung „Sinti und Roma“ bevorzugt. (…) Die Bezeichnung „Zigeuner“ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich in Deutschland die (irrige) Auffassung durch, „Zigeuner“ sei abgeleitet von „Ziehgauner“. Auch in einem der ersten Lexikonartikel zum Stichwort „Zigeuner“, 1848 im Brockhaus erschienen, wird dieser Zusammenhang explizit hergestellt. Dort findet man die ganze Palette negativer Stereotypen über unsere Minderheit aufgelistet, bis hin zu der Behauptung, „Zigeuner“ würden Kinder stehlen. Noch in der 2. Auflage des Dudens sinn- und sachverwandter Wörter aus dem Jahr 1986 wird unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen.

Das ist für mich überzeugend, einige Dinge waren mir nicht so klar. Sinti und Roma sind übrigens, wie hier mehrfach erwähnt, neben Friesen, Dänen und Sorben die vierte nationale Minderheit in Deutschland. Hausaufgabe: Bringe einem “Patrioten”, Nazi oder einem sonstwie braun gebrannten völkischen Kameraden bei, was eine “nationale Minderheit” ist.

– Liebe Feuerwehr Mülheim an der Ruhr! Das Wort “verunfallen” gibt es nicht im Deutschen und sollte mitnichten erfunden werden. “Verunfallen” ist hässliches und bürokratisches Neusprech wie “Migrationshintergrund”, riecht nach Bürosesselfürzen und vertrockneten Zimmerpflanzen und wird nur von Leuten benutzt, die Angst vor starken Tuwörtern haben, weil sie nicht wissen, was das ist. Man muss es nicht erfinden. Das Substantiv “Vorfall” zieht auch nicht “vervorfallen” nach sich.
Schöne Verben findet ihr in diesem Gedicht, das vermutlich in jeder Brandwache aushängt:
Dampf wallt auf!
Flackernd steigt die Feuersäule,
Durch der Straße lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile;
Kochend, wie aus Ofens Rachen,
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
Kinder jammern, Mütter irren,
Tiere wimmern
Unter Trümmern;
Alles rennet, rettet, flüchtet.

– “Die jüngeren Spieler, die da nachkommen, sind schon nicht so gut. Sie würden vielleicht als Amateure gut aussehen. Oder nicht mal als Amateure. Viele von ihnen sind so schlecht.” (Ronnie O’Sullivan, Weltmeister im Snooker).

Das Verdikt gilt auch für Journalismus und Postings in/auf sozialen Medien.

– Die “Faktenfinder” von der ARD und die “Faktenchecker” von RT duellieren sich um Putin und seine Covid-Impfung (via Fefe). Ganz großes Kino!

– Lesenswert auf Telepolis: “Die Rolle der IT-Industrien in der gegenwärtigen Offensive kapitalistischer Reorganisation”. – “In welcher Weise kann Digitalisierung zu neuen Ausbeutungsformen führen und wie können sich die Arbeitnehmer dagegen wehren? Die kapitalistische Innovationsoffensive zielt auf die Zerstörung alter Arbeitsformen ab”.

– Sehr hübsch: Ein Youtube-Video beweist: “Western media’s favorite ‘Hong Kong activist’ is US regime-changer in yellowface”.

Das nennt man vermutlich erfolgreiche “kulturelle Aneignung”.

– Genderpolitisch höchst bedenklich: Mutierte Honigbiene ist männlich und weiblich zugleich.

Neues Deutschland: Die “Linke” fordert Sanktionen gegen Frankreich Weißrussland aka Belarus, u.a. weil die Regierung gewalttätig gegen Demonstranten war. Na so was.

– Ninve Ermagan hinter der Welt-Paywall: “Linke bleiben gerne unter sich. Man trifft sich auf den immer gleichen Podien, man verleiht sich gegenseitig Preise für den Mut, Dinge auszusprechen, mit denen alle einverstanden sind. Das verhindert aber eine offene Debattenkultur. Den vermeintlich feministischen Parteien Deutschlands, die gegen das Patriarchat kämpfen, kommt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kopftuch nicht in den Sinn. Die bloße Diskussion darüber wird als Islamophobie gewertet.”

bild spiegel

– Dann haben wir noch ganz aktuell etwas aus der Rubrik “Das-hat-doch-nichts-mit-dem-Islam-zu-tun”. Polizei Berlin: “Mutmaßlich islamistischer Anschlag auf der Bundesautobahn”.

Das geht aber noch mutmaßlicher, etwa: Mutmaßlicher psychisch gestörter Einzeltäter mit mutmaßlichem religiösem Hintergrund und mutmaßlichem arabischen Migrationshintergrund begeht mutmaßlichen Unfall. Ich überlege anhand des Fotos, ob ich ihn schon einmal vor oder in der Rettungsstelle als “Kunde” hatte – würde vom Profil her passen.

Fake News des Tages

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– Der Zigeunerbaron von Johann Strauss wird in Hamburg nicht mehr aufgeführt. Die Absage des Konzerts erfolgte auf Basis “besorgter Warnungen aus der Nachbarschaft”.

– Michael Müller (SPD, Berlin) möchte gern Bundesbauminister werden. Ich hingegen möchte Bundesverteidigungsminister werden. (Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen!)

Sawsan Chebli betreibt Lobbyarbeit für palästinensische Hersteller von Armbanduhren.

– Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine neue Doktorarbeit vorgelegt. Sie handelt von historischen Methoden, Geld zu überweisen, etwa im internationalen Handel. Er hat sich dafür unter anderem mit arabischen Händlern und den Kreuzzügen beschäftigt. Als gelernter Historiker vermute ich, dass er vor allem in der Bibliothek von Alexandria recherchiert hat.

High Noon

high noon

High Noon, S-Bahnhof Neukölln, leider nicht der Jupitermoon Io.

Es blubt nicht mehr

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Rein zufällig bin ich beim Radeln (zu einem Baumarkt) auf die Ruinen des ehemaligen Berliner Luft- und Badeparadieses (Blub) in Berlin-Britz gestoßen. Am 21.07.2016 war es bei einem Brand fast völlig zerstört worden.

Der Tagesspiegel schrieb 2018:
“Schon vor zwei Jahren hätten die Spaßbad-Ruinen abgerissen werden sollen, um Platz für ein neues Wohngebiet zu machen. Doch mit dem Antritt von Rot-Rot-Grün im Herbst 2016 kam auch dieses Projekt vorerst zum Erliegen. Der neue grüne Baustadtrat Jochen Biedermann hatte die Verhandlungsführung seines Amtsvorgängers Thomas Blesing (SPD) aus der BVV heraus heftig kritisiert. Nun war er plötzlich selbst verantwortlich und wollte seine Kritik nicht einfach stillschweigend beerdigen.”

Mit dem Bauen haben es die Grünen bekanntlich ja nicht so. Wichtig ist nur, dass beim Nicht-Bauen die “richtige” Sprache gesprochen wird.

Charkow

charkow

Mir ist es gelungen, einige alte Postkarten aufzutreiben, die Charkow in der heutigen Ukraine zur Zeit der russischen Revolution oder kurz vorher zeigen. Besonders interessant ist das obige Gerichtsgebäude, in dem vermutlich mein Großvater Peter Baumgart 1916 oder 1917 zum Tode verurteilt wurde.

Eine weitere Karte ist sogar als Feldpost verschickt worden, von einem Unbekannten nach Riesa. Sie zeigt auf der Vorderseite eine Straßenansicht aus Charkow und ist auf der Rückseite beschrieben (vgl. unten). Der Inhalt hat mit meinen Recherchen nichts zu tun, ich finde es aber trotzdem spannend zu erfahren, was jemand am 23. April 1918 aus Charkow mitzuteilen hatte. Ich kann die Schrift leider nicht entziffern.

charkow

Umstritten

Lisa Eckhart ist in der Tat „umstritten“. In einer Gesellschaft, die den „Diskurs“ schätzt, müsste das ein Kompliment und kein Ausschlusskriterium sein. In der Berliner Republik ist das aber nicht mehr der Fall. Die Gesellschaft hat sich inzwischen dermaßen gleichgeschaltet, dass sie nur noch das hören will, was sie in ihrem Nichtwissenwollen bestätigt.”

Den Autor müsst ihr raten. Besser für eine Diskussion, soweit das online und in “sozialen Medien möglich, ist, dass man selbst denken muss, anstatt nur anhand des Namens des Autors zu entscheiden, was man richtig findet. (Der Satzbau ist korrekt – falls jemand herummäkeln will, dass ein Hilfsverb fehle.)

Dazu passt: “Wenn eine Regierung oder auch eine Kirche zu ihren Leuten sagt: »Dies darfst du nicht lesen, dies darfst du nicht sehen, dies ist dir verboten zu wissen, so darfst du nicht sprechen«, ist das Endergebnis Tyrannei und Unterdrückung, ganz gleich, wie heilig die Motive sind.” (Robert A. Heinlein)

Im Ophiuchus oder: Weiterhin gute Reise, Reisender!

io
Vulkanausbruch auf Io (Mond des Jupiter)

Interessanter Artikel auf Heise über die Sonde Voyager 1:
Die NASA-Sonde Voyager 1 ist jetzt mehr als 150 Mal so weit von der Sonne entfernt wie unsere Erde. Das geht aus den Statusdaten der NASA hervor, abgesehen davon ist der Meilenstein weitestgehend untergegangen. Irgendwann im Verlauf des Donnerstags (MESZ) hat die Sonde demnach die Distanz von 150 Astronomische Einheiten (AE) zur Sonne erreicht und übersprungen. Voyager 1 ist seit 1998 das am weitesten von uns entfernte Objekt von Menschenhand, die Distanz zur Erde beträgt gegenwärtig knapp 149,5 AE. (Die Entfernung in Metern triggert jeden Taschenrechner. Ich kriege hier 2,243968061×10¹³.)

Die bisherigen Ergebnisse der Sonde sind – man muss es genau so sagen – faszinierend. Ich finde so etwas großartig und auch irgendwie rührend. Man möchte unwillkürlich das kleine Gerät beschützen auf der gefährlichen Reise ins Sternbild Ophiuchus auf dem Weg zu Giese 445.

Buntscheckige Vollidioten

corona leugner

Rund 17.000 Idioten marschierten durch Berlin. Wo sind die Sozialdemokraten Ebert, Noske und Zörgiebel, wenn man sie mal braucht?

Karl Marx zu einem ähnlichen Thema: “Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher: Ökonomisten, Philantrophen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohltätigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierquälerei, Mäßigkeitsvereinsstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art.”

Zum x-ten Mal: Gendern

The European: “Die Gender-Sprachregelung ist verfassungsfeindlich”.
Ich selbst gehöre zu den Dissidenten und weigere mich konsequent, zu “gendern”, und sehe völlig davon ab, meine Studenten zum Gebrauch der neuen Normen zu nötigen. Sollten mir deswegen meine Lehraufträge gekündigt werden, würde ich hocherhobenen Hauptes aus der Akademie gehen und sagen “Das ist kein demokratischer Ort.” Denn Gender-Deutsch ist nicht nur umständlich, sondern auch verfassungswidrig, da es weder demokratisch zustande kam, noch dem Geist des Grundgesetzes entspricht.

Man muss das Thema nicht so pathetisch sehen. Ich kann die Haltung der Autorin Dr. Claudia Simone Dorchain aber nachvollziehen: Als ich noch an der Uni lehrte, hätte ich mich genau so verhalten. Ich hatte nur das Glück, dass meine – mehrheitlich weiblichen – Studenten sich ohnehin gegen das “Gendern” aussprachen.

Ruhmreiche Dreizehn oder: Pizarro im Exil

pizarro

Auch die mehrheitlich katholischen Peruaner hatten einen Fall von Bilder- bzw. Statuenstürmerei. Als ich 1984 in Lima war, stand das Reiterdenkmal für den spanischen Konquistador Francisco Pizarro, erschaffen vom US-amerikanischen Bildhauer Charles Cary Rumsey, noch vor der Kathedrale. Wie ich jetzt recherchiert habe, wurde das Denkmal 2003 an eine weniger exponierte Stelle umgesetzt.

Francisco Pizarro led a brutal and bloody campaign to conquer and subjugate the Inca empire. His expedition reached northern Peru in 1532, and he founded the city of Lima in 1535 which was going to become the capital of the Viceroyalty of Peru in 1541. Later in 1535 he entered the Inca capital of Cusco, thus completing his conquest of the Inca empire. Pizarro was murdered in Lima in 1541 by a fellow Spaniard as a result of political conflict among colonizers–which was a common feature of the Conquest.

Natürlich waren Pizarro und alle anderen Konquistadoren wie etwa der deutsche Nikolaus Federmann im heutigen Sinn Kriegsverbrecher. Aber das waren die Inkas auch. Man kann also schwerlich einen mehr oder weniger moralisch verurteilen. Julius Caesar war auch ein Kriegsverbrecher, wenn man die Schlacht von Alesia nimmt, machte er sich sogar des Völkermords schuldig.

Conservatives saw it appropriate to commemorate the founder of the city and to celebrate the colonial roots of contemporary Peru. They likened the Spanish conquest of Peru to the Roman conquest of Spain and argued that Peru in its essence was Spanish. Progressives viewed the monument as a symbol of colonialism and oppression and argued that Lima should not honor the destroyer of the Inca culture and oppressor and murderer of Peru’s indigenous people. They viewed Peru as a nation rooted in indigenous culture which survived centuries of efforts to eradicate it.

Da haben wir wieder das große Problem aller “Linken” in Lateinamerika: Einerseits der völlig irrationale Nationalismus (“patria libre”) und andererseits die reaktionäre Romantik, sich auf “indianische” Wurzeln zu berufen, was auch immer das sei (wie der Leuchtende Pfad). Die armen Bauern der Anden sind ungefähr so “indigen” wie die Niedersachsen “germanisch” sind. Im Kapitalismus ist so etwas irrelevant.

Ich mag die peruanische Lösung: Der Konquistador wurde vom Sockel geholt und einen Park verbannt, wo man sich Gedanken darüber machen kann oder nicht, was man mit der historischen Figur anfangen will.

Földalatti

földalatti

Földalatti ist das einzige finno-ugrische Wort, das ich kenne. Die Metró Budapest wurde schon 1896 eröffnet. Fotografiert am 23.11.2003.

Nachtwache oder: Der Himmel über Berlin

himmel berlin nacht

Anthropomorph

heiligenfigur

Fotografiert in meiner Unterkunft in Chivay im Colca-Tal, Peru (März 1984).

Für mich ist so etwas rätselhaft. Wieso fällt mir jetzt anthropomorph ein? Oder besser: Magie? Ein (für mich lächerliches) Objekt, das durch seine – durch einen Gruppenkonsens a priori zugeschriebenen Eigenschaften – “Gesellschaft” konstituiert und erfahrbar macht? Das Gegenteil von Protestantismus eben?

Die spinnen, die Katholiken….

Tȟatȟáŋka Íyotake oder: #redlivesmatter

sitting Bull

Heute (oder gestern) vor 139 Jahren, am 20. Juli 1881, kapitulierte Sitting Bull, der Anführer der Sioux, mit einer Handvoll Gefährten in North Dakota vor der US-Armee.

Sitting Bull war Häuptling und Schamane der HunkpapaLakotaSioux. Als vor allem spiritueller Anführer leistete er jahrelangen Widerstand gegen die US-amerikanische Regierungspolitik.

After the Battle of Little Big Horn, Sitting Bull led his people north to Canada, remaining there until 1881. By the time of his return, the railroad was close to completion; the containment of Indians on their reservations was ongoing; random raids and massacres of various bands that attempted to move to traditional hunting lands had become a feature of Indian life. And well underway was the systematic starvation of the Sioux through the U.S. government’s “Buffalo Harvest” program.

The buffalo, essential to the survival of the Sioux way of life, were being eradicated from the prairies. Hunters were paid a bounty to kill as many as possible. Huge mountains of buffalo skulls were common features on the prairies of the Dakotas and Montana. The purpose of this program was described by an army officer to reporter John F. Finerty: “Better [to] kill the buffalo than have him feed the Sioux.” The intention was not only to break the spirit of the Sioux Nation but also to force Indians to subsist on handouts from the government.

And it worked. Sitting Bull, on his return to Montana, watched 300 of his tribespeople starve to death during the winter of 1883 at Fort Peck. Neither the medical treatment nor food rations promised by the government were available to prevent this.(GRIID)

1883 soll er zum katholischen Christentum konvertiert sein, blieb jedoch nach Bericht seiner Freundin Mary Collins (1846–1920) ein glühender Gegner der Kirche. [Sympathischer Kerl!]

Ein Mix seiner Worte gibt es auch gesungen. Da das Dokument Sitting Bull speaking to the U.S. Secretary of War & Secretary of the Interior, as recorded by the Northwest Mounted Police, Fort Walsh, Saskatchewan, Canada p. 9 (18 October 1877) auf Wikipedia nicht mehr gibt, habe ich es hier online gestellt.

1890 wurde Sitting Bull von Indianerpolizisten bei einer versuchten Verhaftung erschossen.

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