Basilika La Merced

Basilika La Merced (Quito)

Blick auf die Basilika La Merced, Quito, Ecuador, fotografiert von der Treppe an der Plaza San Francisco im November 1979.

Agua enojada

rio napo

Rio Napo, Ecuador, November 1979 (Symbolbild). Mehr: Am Rio Napo, 19.02.2011.

Invasión de Cochinos

Quito
Dekonstration auf de Plaza Grande, Quito, Ecuador, fotografiert im November 1979

In Ecuador hat der erzreaktionäre Banker Guillermo Lasso die Präsidentschaftswahl gewonnen. (Leider sind die Kommentare auf amerika21.de so grottenschlecht übersetzt worden, dass man zum Teil den Sinn nicht versteht oder dort nur Bullshit-Bingo steht.) Der Grund ist vermutlich ganz einfach: Die „indigene“ Partei Pachakutik hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen. (Vgl. Indianerismus in Ecuador)

Wer sich davon erholen will, kann die Junge Welt lesen: „Mit der Niederlage in der Schweinebucht scheiterte vor 60 Jahren der Versuch des US-Imperialismus, die Konterrevolution nach Kuba zu bringen.“

Indianerismus in Ecuador

ecuador
Verkäuferin von Andenken in Ecuador, fotografiert im Dezember 1979

Ich versuchte soeben, die politische Situation in Ecuador zu verstehen. America21 ist normalerweise informativ und meine erste Anlaufstelle. Eva Haule ist eine Reakteurin, sowie Jonathan Pfeifenberger. Man weiß also, was man bekommt – auf jeden Fall nicht den Einheitsbrei der bürgerlichen Medien, die über Lateinamerika oft befangen und nicht objektiv berichten. (Oh, ich schreibe wieder erschröckliches Linksextremes…)

Hintergrund: Guillermo Lasso tritt bei der Stichwahl am 11. April gegen Andrés Arauz an. Lasso ist ein ultrareaktionärer Banker, Arauz, ebenfalls Banker, stammt aus der Elite des Landes und kommt aus dem Umfeld des ehemaligen „linken“ Präsendenten Rafael Correa. Correa ist wegen Korruption verurteilt worden.

Sein Nachfolger Lenin Moreno war nicht viel besser und wurde – auch wegen Korruption – aus der eigenen Partei geworfen. Die hiesigen Medien hatten ihn und auch seinen Vorgänger vor einigen Jahren noch bejubelt, als Anführer einer Bürgerrevolution. Das war wohl nichts. (Irgendwie scheint die hiesige „Linke“ das alles nicht richtig mitbekommen zu haben.)

Der dritte – jetzt ausgeschiedene – Kandidat ist Yaku Pérez Guartambel: Pérez stützt sich auf die indianischen left wing indigenen Bewegungen, vor allem der Landarbeiter.

Der aktuelle Artikel zur Präsidentschaftswahl schwurbelt aber daher, dass ich entweder eine grottenschlechte Übersetzung eines Artikels von Nodal vermute oder aber linke Sektiererei (mein Detektor schlug auch aus).
Es wird also zu einer Konfrontation von klar unterschiedlichen Projekten, zu einer deutlicheren politisch-ideologischen Auseinandersetzung kommen, als wenn Yaku Pérez ins Spiel gekommen wäre. Er ist eine ambivalente Person, Vertreter der reaktionärsten Strömung in der indigenen Bewegung und hat politische Gepflogenheiten, die eigentlich konservativ sind, aber deren soziale Wählerbasis Ausdruck des Indigenismus und popularer bäuerlicher Sektoren ist, die sich vom Correismus distanzieren.

Pérez ist also „reaktionär“? Und was ist eine „reaktionäre Strömung“ in der „indigenen“ Bewegung? Less than 10% of Ecuador’s population identifies as indigenous, schreibt americaquarterly.org: We’re from the ecological left that defends the rights of people and nature and understands indigenous communities,” said Pérez, a water conservation activist.

So könnte ein orthodoxer Linker geschrieben haben, der den Indigenismo als eine Art Multikulti- und „Diversity“-Bewegung der Landbevölkerung Lateinamerikas ansieht, eine identitäre Folklore, die den Klassenkampf verschleiert und von ihm ablenkt. Das Problem ist unlösbar: Es hilft auch nichts, wenn man – wie Jutta Ditfurth – einfach „links-grün sagt (oder meinetwegen „ökolinks“). Indigenismo war immer antikolonial, also unterstützenswert und musste zuerst den rassistischen Konsens der „weißen“ Oberschicht in Lateinamerika durchbrechen. Andererseits ist Indigenismo auch nicht per se links und kann schnell in eine reaktionäre oder nur ökologische Richtung driften. Genau das Schicksal scheint auch Pachakutik in Ecuador zu blühen.

Sozialismus.de schreibt: Pérez hat sich als Anführer des indigenen Widerstands gegen Energie- und Infrastruktur-Projekte auf indianischem Gebiet, insbesondere wasserverschmutzende und -vergeudende Bergbauprojekte, einen Namen gemacht. Beim gleichzeitigen Referendum »Ja zum Wasser« in Ecuadors drittgrößter Stadt Cuenca sprachen sich über 80% für das Verbot der Ausbeutung von Metall­erzen durch den Mega-Tagebau in den Was­ser­einzugsgebieten von fünf Flüssen in der Region aus. Pérez gelang es, seine Kandidatur mit der Protestwelle vom Oktober 2019 zu verbinden. Damals gingen, angeführt von Gewerkschaften und den Vertretern der CONAIE, dem Bündnis der indigenen Nationalitäten, Tausende auf die Straße.

Das „öko“ ist also ganz klassisch der Anlass und der Aufhänger, was die Leute ganz praktisch bewegt, es stellt aber nicht die System- und Machtfrage. Die klassische „Linke“ in Ecuador muss sich fragen lassen, wieso sie das nicht gesehen und aufgegriffen hat. Und: Warum werden linke Präsidenten immer und schnell genauso korrupt wie die Rechten?

Nicht vergnatzt, nur kalt

tungurahua

Nein, ich war nicht vergnatzt, es war auf dem Vulkan Tungurahua nur saukalt – immerhin waren wir dort, wo das Foto Ende 1979 aufgenommen wurde, 3.800 Meter hoch. Am nächsten Tag bin ich die fehlenden 1.200 Höhenmeter bis zum Krater allein aufgestiegen. (Wenn ich meine Schuhe auf dem Foto heute ansehe, wird mir fast schlecht – mit Halbschuhen auf einen Fünftausender…)

Mein damaliger Reisebegleiter ist vor einigen Jahren verstorben, obwohl er jünger als ich war. Das erinnert einen daran, was bleiben wird, online und offline, und was nicht.

Teufelsnase oder: Auf und ab im Zick Zack [Update]

eisenbahn ecuador

Das Foto habe ich 1979 an der Bahnstrecke zwischen Guayaquil (eigentlich Durán) und Quito gemacht.

Das Foto muss erklärt werden. Ich saß im Waggon eines Zuges und fotografierte nach unten – von dort kamen wir. Der Höhenunterschied auf der Bahnstrecke war so extrem, dass der gesamte Zug eine Weile im Zickzack vor und zurück fahren musste, bis wir „oben“ ankamen und es normal weiterging. Für Serpentinen oder gar für normale Kurven hatte es beim Bau nicht gereicht. Ich weiß auch nicht genau, wo das war – vermutlich im Tal des Río Chanchán an der „Teufelsnase„.

Update: Es war genau hier, die Station heisst Sibambe am Rio Alausi.

Viajeros

viajeros

Das Foto habe ich 1979 irgendwo an der Bahnstrecke zwischen Guayaquil (eigentlich Durán) und Quito gemacht. Mit „Ponce“ (der Schriftzug auf der Mauer) könnte Camilo Ponce Enríquez gemeint sein.

Ecuador und die Pandemie

Catedral metropolitana de Quito

Die Kathedrale von Quito, Ecuador, erbaut ab 1545. Die Kathedrale ist die älteste katholische Kirche des Landes. Sie liegt am Plaza Grande – einer der schönsten Plätze, die den ich in Lateinamerika gesehen habe. Fotografiert im November 1979.

Ich empfehle einen sehr interessanten Text zu Ecuador und der gegenwärtigen politischen Situation auf Michael Roberts blog (auch hier in der Blogroll): „Ecuador: reversing the pandemic slump?“.

„Ecuador is near the top of deaths per million globally. Indeed, Congress is impeaching health minister Juan Zavallos for mismanaging the COVID-19 vaccination. (…) Moreno’s solution to the slump was to take yet another IMF loan ($6.5bn), in return for the deregulation of the central bank and a hike in gasoline and diesel to world market prices. He also took a bilateral loan of $3.5bn from the Trump administration in return for privatising a major oil refinery and parts of the country’s electrical grid and to exclude China from its telecommunications development. (…)“.

Alles falsch gemacht, möchte man sagen. Aber: „And Arauz plans to obtain loans from China to replace IMF funding. (…) So there is no incentive for the business sector to invest, particularly if oil prices stay low. And over the longer term, the global fossil fuel industry faces serious decline.“

Das kann nicht gut gehen… Vermutlich geht Ecuador bald den Weg Venezuelas.

Ferrocarriles Ecuatorianos, revisited

eisenbahn ecuador

Das Foto habe ich 1981 1979 irgendwo an der Bahnstrecke zwischen Guayaquil (eigentlich Durán) und Quito gemacht. Leider weiß ich nicht mehr, wo genau das war.

Komisch, dass ich dieses Foto bisher noch nicht veröffentlicht hatte. Das Bild gehört zu meinen Favoriten, weil ich es immer exotisch und aufregend finde, wenn ein Zug, hier sogar eine Dampflok mit Güter- und Personenwagen, mitten durch einen Ort fährt, ohne dass die Schienen irgendwie gesichert sind.

Großes Gringo-Treffen

gringos

Fotografiert im November 1979 in der Altstadt von Quito, Ecuador (der 2. von links bin ich). Damals gab es nur wenige Rucksacktouristen in Ecuador, und man lief sich in der Hauptstadt immer wieder über den Weg. „Der Slangbegriff Gringo (feminin Gringa) bezeichnet von Mitteleuropäern abstammende Personen, die sich in Nord- oder Mittelamerika aufhalten.“ Wisst ihr Bescheid.

San Lorenzo, revisited

san lorenzo ecuadorsan lorenzo ecuadorsan lorenzo ecuador

Vor vier Jahren schrieb ich: Wir waren mit Schmugglern vom kolumbianischen Tumaco nach San Lorenzo (San Lorenzo (Youtube) in Ecuador gereist. (Vgl. Am Rio Mira, Januar 2015). Damals war San Lorenzo ein verschlafenes und schwülwarmes Tropennest. Unfassbar, dass es dort Google Street View gibt! Ich habe ein wenig herumgezoomt, aber noch nicht einmal den Bahnhof wiedergefunden bzw. die Schienen für den merkwürdigen Schienenbus.

Manchmal begegnet man auf Reisen Menschen, die unsympathisch sind, aber dennoch interessant. In San Lorenzo habe ich jemanden getroffen, der schon lange tot ist und den ich nie im Leben an einem solchen Ort vermutet hätte. Aus meinem Reisetagebuch, November 1979:

Wir übernachten in der Residencial San Lorenzo (Foto oben). Dusche und ziemlich gutes Bad, allerdings im Freien unter Wellblech. San Lorenzo ist fast wie Tumaco, Karibik-Style. Die Leute sind sehr freundlich.

Morgens um sechs fürchterlicher Radiolärm. Wir laufen durchs Dorf und kaufen Brot, Käse, jugos und atun. Wir werden auf der Straße von einem Deutschen angesprochen, der uns zum Frühstück einlädt [oberes Foto links, der Mann rechts ist mein Reisebegleiter H,]. Er ist Jude, seit 1936 hier [in Ecuador], 32 seiner Familienmitglieder seien umgebracht worden. Ein Bild von Golda Meir hängt an der Wand. Er sagt, er sei wohlhabend, im gehöre das Sägewerk (Foto unten), er habe Beziehungen zu den „Bonzen“ in Ecuador. Sein Sohn sei Offizier in der chilenischen Marine. Er stammt aus Stolp in Pommern und erzählt jede Menge Familiengeschichten. Hat humanistische Bildung genossen und sein Abitur auf dem Arndt-Gymnasium in Berlin-Dahlem gemacht und kennt sich in Berlin aus. Er sei 64 Jahre alt und habe die Funklizenz 0006 von Ecuador.

Frühstück mit Kamillentee und Honigbrot. Lang und breit erzählt er Geschichten von Prostituierten in Berlin, ekelhaft. Er will demnächst nach Guayaquil umziehen. Er gibt uns ein Empfehlungsschreiben für den chefe de la estación de ferrocarril [Bahnhofsvorsteher]. Will uns unbedingt Nutten für die Nacht besorgen und lässt sich auch nicht davon abbringen, als wir ablehnen. Die Damen kommen aber zum Glück nicht.

Ambulantes Comida

Quito

Fotografiert in Quito, Ecuador, November 1979, vermutlich ungefähr hier am Bulevard 24 de Mayo. Damals standen dort fliegende Händler und verkauften warme Mahlzeiten.

Ich habe lange gesucht, um die Herberge wiederzufinden, in der ich damals war und die mir aufgrund der Atmosphäre gut gefallen hatte.

Damals hieß sie Gran Casino, heute heisst sie Hostel Rebel an der Gacía Moreno, fast an der Ecke Ambato. Quito fand ich aussergewöhnlich interessant, aber mit den Details will ich die Leserschaft nicht langweilen, sonst beschwert sich wieder jemand.

Das Gran Casino war ein Treffpunkt und Geheimtipp für echte Globetrotter, wo man auch Leute traf, die Informationen weitergaben. Für die Nachgeborenen: Es gab kein Internet, keine richtigen Reiseführer für Rucksacktouristen ausser dem Velbinger, der aber nicht wirklich hilfreich war. Man musste in Kontakt kommen mit Leuten, und dafür war dieses „Hotel“ gut, und ebenso die Spelunke darin, wo man sich abends traf.

gran casino
Source: South Amerika Handbook, Ende der 70-er

Tulcán, kalt an der Grenze

tulcan

Eine Marktszene in Tulcán, Ecuador, einem Ort an der Grenze zu Kolumbien. Fotografiert am 24.11.1979.

Wir wollten da nicht hin, aber die Polizei schickte uns von Ibarra wieder zurück an die Grenze, weil man nur dort einen gültigen Einreisestempel bekam. Wir waren versehentlich illegal eingereist – mit Benzinschmugglern über den Rio Mira in Kolumbien nach San Lorenzo an der Pazifikküste und von dort mit der Eisenbahn hoch in die Anden. Aus meinem Reisetagebuch:

Unangenehmer Tag, aber sonnig. Ibarra 2700 Meter hoch, sauberer als in Kolumbien. Stehen um fünf Uhr nach durchfrorener Nacht auf. Auf dem Indiomarkt ist noch nicht viel los. Oficina de la Immigration am Plaza Mayor ist am Wochenende geschlossen. Polizei schickt uns zurück an die Grenze nach Tulcán.

Der Bus braucht zweieinhalb Stunden. Tolle Fahrt über die Panamericana durch das Gebirge. Vom Busterminal zwei Kilometer in die Stadt gelaufen. Grenzpolizist schickt uns zu seinem Chef, der macht großes Theater. Reden eine Stunde mit ihm. Er sagt, der Offizier in San Lorenzo sei nicht berechtigt gewesen, uns die Einreise zu gewähren. Die sei nur in Tulcán, über Puerto Asis oder Esmeraldas und noch einer anderen Stadt möglich. Er verdonnert uns zu einer Strafe von 80 Dollar pro Person und zeigt uns sogar den Auszug des Gesetzes, auf das er sich beruft. Sie können aber keine US-Dollar wechseln, und der Kerl, der das kann und auch eine Quittung unterschreiben darf, ist erst am Montag wieder da. Wir müssen also noch eine Nacht bleiben und dürfen die Stadt bis dahin nicht verlassen..

Gehen Sie (selbst)!

vantage
Plaza San Francisco, Quito, Ecuador, fotografiert November 1979

AKK möchte „im Indo-Pazifischen Raum“ aktiv werden. Die Idee stammt aber von Merkel.

Das wird wohl auf eine Hunnenrede light hinauslaufen. Ich bin dafür, dass alle, die kriegerische Handlungen vorschlagen, selbst mit gutem Beispiel vorangehen. In diesem Sinne: Vantage!

Ese miedo te hace buscar lo auténtico en la suerte de torear

stierkampfstierkampf

Ich war nur einmal im Leben bei einem Stierkampf, das reichte mir auch. Fotografiert in Quito, Ecuador, 02.12.1979.

Ich habe noch den Tagebucheintrag wiedergefunden:
1. Stiere wiegen ca. 450 kg, werden zuerst von „Hilfstoreros“ mit Muletas wild gemacht. 2. Es erscheinen Reiter mit gepanzerten Pferden, denen die Augen verbunden sind (und angeblich die Stimmbänder zerschnitten), sie verletzen den Stier mit einer Lanze im Nacken. 3. Torero zeigt seine „Kunst“ und ermüdet den Stier. 4. Torero holt sich den Degen und sticht dem Stier in den Nacken. Wenn der richtig getroffen wurde, bricht er nach ca. 30 Sekunden zusammen. 6. Ein „Metzger“ wühlt im Kopf des Stieres herum. 7. Wenn der Torero gut war, schneidet ein kostümierter Typ die Ohren des Stieres ab. 8. Der Stier wird abtransportiert und kriegt entweder Beifall oder Pfiffe.

Einige Mitspieler sind schlecht: Die Picadores setzen die Spieße zu weit hinten an, so dass der Stier blutet, oder treffen gar nicht. Die Reiter sind so ungeschickt, dass sie das Pferd vom Stier verletzten lassen. Die Toreros treffen nicht mit dem Degen. Ein Stier nahm einen Torero auf die Hörner. Der letzte Torero tötete den Stier mit nur einem Stoß.

Reaktion des Publikums teilweise unverständlich: Wenn die Stiere nicht kämpferisch genug sind, wird nach dem comisario (?) gerufen. Ein Stier muss wieder hochgezerrt werden. Publikum ist sehr patriotisch, singt die Nationalhymne mit und trägt Hüte mit „Viva Quito“.

Ausserdem ist es brüllend heiß, und ich habe keinen Hut. Fazit: Vermutlich nie wieder.

Sicherheit wird überschätzt

arbeitssicherheit

Ich hätte schwören können, dass ich dieses Foto hier schon veröffentlicht habe – das ist aber wohl nicht so. Aufgenommen in Quito, Ecuador, 1979.

Ich traute meinen Augen zuerst nicht: Die obere Leiter steht mit nur einem Balken auf der unteren, und der Mann hält sie mit einem Seil in der Balance, während der andere in Seelenruhe die Hauswand streicht. Ich frage mich, wie der überhaupt auf die Leiter gekommen ist?

Razzia [Update]

ibarra iglesia cetedral

Ibarra, Ecuador, Iglesia Catedral

Aus meinem Reisetagebuch, 23.11.1979:
In der Nacht bollert Militärpolizei gegen die Tür des Zimmers unserer Herberge. Razzia. Junge Burschen, die kaum lesen und schreiben können. Kontrollieren die Rucksäcke. H.s Messer verschwindet beinahe, die Herren akzeptieren aber ein „Geschenk“ von mir und lassen es ihm: Kohletabletten gegen diarrhea. Alle sind sehr neugierig und verhalten sich korrekt. Aber wir sind froh, als sie wieder draußen sind.

[Update] Man lernt doch nie aus. Ich habe erst jetzt festgestellt, dass man bei der Google Bildesuche ein Feature hat, um Bilder upzuloaden (das Kamera-Symbol) und die – per Algorithmus – untersuchen zu lassen. „Offiziell“ geht es darum, den Ursprung der Bilder eventuell festzustellen. Es kommt aber ganz etwas anderes heraus, wenn man das Foto oben hochlädt: Mögliche verwandte Suchanfrage: attalea speciosa. Ich weiß jetzt auch, um welche Palmenart es sich handelt.

Das ist ein bekanntes Problem bei „künstlicher Intelligenz“: Ein Computer erkennt nicht sofort, was auf einem Foto wichtig ist – hier eben weniger die Palme, sondern die Kirche – nicht immer ein Nachteil.

Widerwärtige und Tyrannen und anderes Pack

chica llorando
Symbolfoto für den Zustand der Welt, aufgenommen 1979 in Quito, Ecuador

Den Begriff Fake News habe ich immer recht albern gefunden, vor allem dann, wenn der von denen verbreitet wird, die selbst Lügen, Halbwahrheiten oder Unfug verbreiten. Gestern wieder der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Der Sender hatte falsch verbreitet, einer der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Gro0beeren trete nicht mehr an.

Kachelmann wirft dem RBB-Inforadio vor, man würde dort frei erfinden. „Kachelmanns Kritik ist, dass es sich bei den Informationen auf der rbb-Webseite gar nicht um echte Messwerte handle, sie würden lediglich berechnet, was für Kachelmann das gleiche ist wie ‚erfunden‘.“

Die Neue Zürcher Zeitung berichtet über den Versuch des Salonfaschisten Bernd Luckes, in Hamburg seine Antrittsvorlesung zu halten. Er würde mit Gebrüll daran gehindert und musste mit der Polizei aus dem Saal geführt werden.

Voltaire sagte dazu: Le droit de dire et d’imprimer ce que nous pensons est le droit de tout homme libre, dont on ne saurait le priver sans exercer la tyrannie la plus odieuse.
Das Recht zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist eines jeden freien Menschen Recht, welches man ihm nicht nehmen könnte, ohne die widerwärtigste Tyrannei auszuüben.

Die Meinungsfreiheit gilt als einer der wichtigsten Maßstäbe für den Zustand eines demokratischen Rechtsstaates. „Eines der häufigsten Zitate zur Meinungsfreiheit wird dabei irrtümlich Voltaire zugeschrieben, entstammt aber tatsächlich der Biographie von Evelyn Beatrice Hall über ihn, um damit seine Überzeugung zu beschreiben:
I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it.

Ich halte dieses kleinbürgerliche Krawall-Pack, dass noch nicht mal jemanden aushalten kann, der die esoterischen Banalitäten der in Deutschland gelehrten „Volkswirtschaft“ von sich gibt, für unerträglich und reaktionär bis auf die Knochen. Und die Verantwortlichen von der Verwaltung der Uni sind feige – das ist ekelhaft.

Genauso zum Kotzen (Heise): „Bundesregierung finanziert türkeitreue Islamisten in Nordsyrien“.

Und now fore something completely different. National History Museum: „Wildlife Photographer of the Year 2019“. Die Fotos lohnen sich anzusehen – auch für die, die noch nie einen Vulpes ferrilata gesehen haben. (IFLScience hat auch was dazu.)

Und now fore something completely different. Mit dem Antisemitismus-Beauftragten von Baden Württemberg hat man wohl den Bock zum Gärtner gemacht, obwohl er auch manchmal ein Korn findet..

chica llorando
Symbolfoto für den Zustand der Welt, aufgenommen 1979 in Quito, Ecuador

Tal vez el cóndor volará

tunguragua
Aufstieg zum Vulkan Tungurahua, Ecuador 1979, bisher unveröffentlicht ( vgl. Aufstieg zum Tungurahua, 08.05.2011)

In Ecuador tobt eine Art Revolution, Generalstreik, Ausnahmezustand, Militäreinsatz – wie man das so kennt. Interessant ist, dass die Revolte nicht nur vom städtischen Bürgertum getragen wird, sondern vor allem von den indianischen indigenen Verbänden wie der Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador (CONAIE). Die ersetzen vor allem in den Andenstaaten die klassischen Organisationsformen des Proletariats. (Nur in Bolivien ist beides weitgehend identisch – auch mit traditionell weitaus stärkerer Militanz: Bergarbeiter sind immer extrem gut organisiert und die Speerspitze, wenn es um etwas geht.) Damit ist garantiert, dass auch das „Land“ einbezogen ist. Eine „Revolución Ciudadana“ würde schnell in sich zusammenbrechen.

Ich bin heute froh, dass ich die Reisen durch Lateinamerika damals – vor vierzig Jahren – gemacht habe. Heute wäre das kaum noch so möglich, außer man machte einen großen Bogen um alles, was nach Klassenkampf aussieht. Dazu empfehle ich noch einmal den Film „Und dann der Regen“ von Icíar Bollaín. Besser kann man das Dilemma auch eines politisch interessierten Reisenden nicht beschreiben.

tunguragua
Markt von Otavalo, Ecuador 1979, bisher unveröffentlicht (vgl. Otavaleños, 15.01.2011)

Balkonien, Subjektlose Herrschaft, Rich Kids et al

balkonien

Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich nach vier 12-Stunden-Schichten zwei Wochen Urlaub habe und den Beginn desselben heute morgen um 7.35 Uhr feucht-fröhlich (Lagavulin) begossen begonnen habe.

Wenn ich jetzt Zeit und Lust hätte, würde ich die Leserschaft mit allerlei Themen behelligen; ich beschränke mich auf Hinweise.

CNN: „What explains rich-kid terrorists“. „Sri Lankan Defense Minister Ruwan Wijewardene said Wednesday that most of the terrorists who killed at least 253 people at churches and hotels in Sri Lanka on Sunday were „well-educated and come from maybe middle- or upper-middle-class. So, they are financially quite independent, and their families are quite stable financially.“

➨ Tomasz Konicz schreibt auf Telepolis über „Die subjektlose Herrschaft des Kapitals“. Interessant und richtig, aber das weiß ich schon alles. „Die Prämisse, die dem altlinken Klassenkampfdenken innewohnt, wonach es eine Gruppe von Menschen gebe, die die gesellschaftliche Reproduktion bewusst kontrollierten, ist falsch.“ So habe ich nie gedacht. Ich sage nur: Alles Charaktermasken!

➨ Ich habe in den so genannten „sozialen Medien“ einen Artikel der Zeit kommentiert: Ich lese nicht weiter, wenn die Wörter „Verfassungsschutz“ und „warnt“ vorkommen. (Ich lese auch keine Artikel in Genderdeutsch.)

Phys.org™ (formerly Physorg.com): „Ecuador Amazon tribe win first victory against oil companies“. Hasta la victoria siempre!

jerusalem Post: „The newly formed Committee to Ban Hezbollah in Germany called on US consumers to boycott German automobiles in an advertisement in The Jewish Journal of Greater Los Angeles, after German Chancellor Angela Merkel rejected outlawing Hezbollah.“

➨ Ein informativer Artikel in der New York Times: „Casting Light on Little-Known Story of Albania Rescuing Jews From Nazis“. „With ordinary Albanians moving Jews from hide-out to hide-out to elude capture, Albania saved virtually all of its 200 native Jews and 400 Jewish refugees from Germany and Austria. The country also helped spirit hundreds more over from Nazi-occupied Balkan lands.“

➨ Wer sich über die Krim von heute informieren will, kann einen Artikel auf Rubikon lesen – dort sind auch zahlreiche Primärquellen verlinkt. „‚Annektiert‘ und gut drauf – Vor-Ort-Erfahrungen von Besuchern der Krim widersprechen eklatant den Negativberichten deutscher Medien.“ Ich habe an dem Artikel aus journalistischer Sicht nichts auszusetzen.

➨ „Antimuslimischen Rassismus“ gibt es nicht. Das sieht ein Gastkommentar im Standard ähnlich. „Rassismus und Religion haben nichts miteinander zu tun.“

➨ Orang-Utans in freier Wildbahn werden in zehn Jahren ausgerottet sein. Auch den Königspinguinen geht es schon an den Kragen.

image_pdfimage_print

Older entries