Unter kulturindustriellen Verramschern

coffee

„Correctiv enthüllt“ als szenische Lesung im Berliner Ensemble. Im Vergleich hierzu – zu dieser kulturindustriellen Verramschung des Politischen plus der narzisstischen Selbstüberhöhung von Journalisten – war selbst die Art, wie die SZ ihre eigene Aiwanger-Recherche im selben Text zerschossen hat, ein Klacks.

Demnächst dann in diesem oder einem anderen Theater:
„Correctiv-enthüllt-T-Shirts“, „Correctiv-enthüllt-Kaffeetassen“ und schließlich: „Correctiv enthüllt – der Film“. (Sorry, Correctiv. Aber so verdienstvoll eure Recherche war, so murks ist das.
(Deniz Yücel)

Krieg ist Frieden!

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Francisco Goya: Para eso habeís nacido [für das wurdest du geboren], aus: Los desastres de la guerra, 1810

„Das Beste, was wir für den Frieden tun können, ist deshalb – und ich sage es noch einmal –, massiv aufzurüsten.“ (Joschka Fischer, Friedensforscher)

Voluntary Immigration, rechts-religiös

„Israeli Finance Minister Betzalel Smotrich told US Secretary of State Antony Blinken that Israel will not transfer any funds to the Palestinian Authority (PA) during Blinken’s visit to Israel on Tuesday.“

„We will not transfer a shekel to the Palestinian Authority that will go to the families of the Nazis in Gaza and we will work to allow the opening of the gates of Gaza for the voluntary immigration of refugees as the international community did for the refugees from Syria and Ukraine,“ Smotrich said in his remarks to Blinken.

Well said, dude. Ich will nicht, dass meine Schekel, die ich in Israel gelassen habe, irgendwelchen arabischen Terroristen übereignet werden.

„Smotrich leugnet die Existenz des palästinensischen Volkes“, schreibt irgendein Dödel auf Wikipedia. Ich auch. Bin ich jetzt „rechts-religiös“?

Das Wort zum Sonntag

lohnsteuerkarte

„Bei guter Witterung findet die Religion im Wort zum Sonntag oder auf der Lohnsteuerkarte statt. Zieht aber ein Gewitter auf, fliegen die Pfaffen tief.“ (Hermann L. Gremliza 1981)

Der Deutsche in der Gruppe

„Der einzelne, nicht organisierte Deutsche mag sich vom Engländer, Amerikaner oder Angehörigen einer anderen Kulturnation nicht unterscheiden. Sehr gefährlich wird der Deutsche dann, wenn er in einer Gruppe auftritt.“ (Eliashiv Ben-Horin, israelischer Diplomat, 1950, später Botschafter in Deutschland)

Das Wort zum Sonntag

„Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt. Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft. Die Religion ist das Opium des Volks. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen.“ (W.I. Lenin: Sozialismus und Religion, 1905)

Walser und die herumzigeunernden Israeliten

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Ich habe mal die KI auf Walser angesetzt…

„Tagelang werden wir nun von den Medien mit Fotos zugespammt werden, auf denen das zerknitterte Antlitz und die wild wuchernden Augenbrauen des letzten deutschen Großdichters („Ich baue Leichtigkeit an wie andere Mais und dünge sie mit Himmelslicht“) zu sehen sein werden. Ich erinnere daher mal vorsichtshalber an diese denkwürdige Episode:
Nachdem Günter Amendt 1978 Bob Dylan auf seiner Europatournee begleitet hatte, begegnete er zufällig Martin Walser in den Redaktionsräumen der Zeitschrift ‚Konkret‘: „Er, der seine Worte besonders behutsam, nach meinem Geschmack behäbig zu setzen pflegt, fragte mich, von meinen Beobachtungen und Betrachtungen zu Dylans 78er-Tour offenbar gelangweilt, plötzlich nicht ohne einen aggressiven Unterton, was eigentlich an diesem ‘herumzigeunernden Israeliten’ Besonderes wäre.““
(Jan Seghers/Matthias Altenburg: „Geisterbahn“, Eintrag vom 6. September 2010) (via Thomas Blum auf Fratzenbuch)

Wer sagte was warum?

„In Thüringen müssen nun vielleicht schon wieder Wahlen rückgängig gemacht werden, weil die Falschen gewählt haben bzw. der Falsche gewählt wurde. Das ist aber das Risiko bei Wahlen, dass die Bürger einfach wählen, was sie wollen und nicht das, was den vorherrschenden Meinungsbildnern in Politik und Medien gefällt.“

ich habe mir angewöhnt, in (auf?) so genannten „sozialen Medien“ die Zitate ohne Quellenangabe zu bringen. Die Leute wollen keine Argumente hören, sondern entscheiden danach, wer es gesagt hat, also irrational. Sie vermeiden so eine Diskussion.

Beispiel: Ich zitierte einen Satz von Orban: „Was zählt, sind die Amerikaner. Die Ukraine ist kein souveränes Land mehr“. Damit hat er natürlich „vollinhaltlich“ (im Juristenjargon) recht. Jemand antwortete auf Fratzenbuch: „Orban kann man ja wohl vergessen, oder?“ Aha. Weil es Organ gesagt hat, muss es automatisch falsch sein. Wir müssen uns dann nicht mehr damit auseinandersetzen. Wenn Biden aber behauptet, Wladimir Putin verlöre den Krieg im Irak, ist es automatisch richtig.

Gut gemacht, Birte!

Kluge Frau, die Christine Prayon: „Christine Prayon alias Birte Schneider tritt nicht mehr in der „heute-show“ auf. Welke & Co. machten „Stimmung gegen Andersdenkende“, kritisiert die Kabarettistin. Und bezieht „Die Anstalt“ und Böhmermann mit ein. Mit Satire, die keinen Diskurs zulasse, könne sie nichts anfangen, sagt Prayon.

Ich glaube zum Beispiel auch, wenn man das große Fass Kapitalismuskritik aufmacht und das wirklich ernst meint, ist man draußen. (…) Wie wenig bedarf es mittlerweile, um als rechts gebrandmarkt zu werden. Wann bin ich rechts, wann bin ich eine Verschwörungstheoretikerin, eine Schwurblerin? Ich habe Fragen, ich habe Kritik, ich möchte mich äußern dürfen, ich möchte auch zuhören dürfen, ich möchte auch den hören, der für das Letzte gehalten wird. Ich kann mit Satire, die das verunmöglicht, nichts mehr anfangen. Das ist ein Simulieren von Freiheit.

Der nationale Bourgeois

bourgeois
capitalist in the style of a drawing of George Grosz –s 750

„Der Bourgeois hat, so sehr der einzelne Bourgeois gegen die anderen kämpft, als Klasse ein gemeinschaftliches Interesse, und diese Gemeinschaftlichkeit, wie sie nach innen gegen das Proletariat gekehrt ist, ist nach außen hin gegen die Bourgeoisie anderer Nationen gerichtet. Das nennt der Bourgeois seine Nationalität.“ (Karl Marx: Über Friedrich Lists Buch „Das nationale System der politischen Ökonomie“, 1845, MEGA I/4))

bourgeois
capitalist in the style of a drawing of George Grosz –s 750

Sich unbeliebt machen

sich unbeliebt machen
Sich unbeliebt machen (Symbolbild) /imagine –ar 16:9 slim german Hendrik Broder and german politician Claudia Roth yelling at each other ultrarealistic, photographic press photo

Ich arbeite seit vielen Jahren, eigentlich schon Jahrzehnten, daran, mich unbeliebt zu machen. Was vor 42 Jahren mit einem lustigen Text in der ZEIT begann, macht sich inzwischen reichlich bezahlt. Claudia Roth, die charmante und charismatische Staatssekretärin für Kultur und Medien, hat diesen Prozess in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen klug zusammengefasst. Broders „Geschäftsmodell beruht auf Hetze und Falschbehauptungen“. Das war die Retourkutsche dafür, dass ich sie einmal als einen „Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst“ bezeichnet habe. (Hendrik M. Broder)

Unter Medienprofis

Harald Schmidt über Trump: „Ich seh ihn sehr, sehr gerne. Als Medienprofi. Wie er so daherkommt, mit Mantel, langer Krawatte. Ich glaube, dass die Hälfte der Amerikaner sagt: Guter Mann. Man macht sich hier in Europa kein Bild davon, wie viele dort die Art, wie er redet und auftritt, gut finden. Und Biden: Ich höre, dass er jeden dritten Satz zweimal sagt. Ich weiß aber nicht, ob er das deshalb macht, weil der Satz so wichtig ist, oder er vergessen hat, dass er ihn gerade gesagt hat. Wie die Wahl ausgeht, werden unsere amerikanischen Freundinnen und Freunde entscheiden.“

Nehmt dies, „Linke“: „Da sag ich nur: „Lernen von Trump, Boris Johnson und Silvio Berlusconi“. Diese drei Wahlprofis haben nie etwas anderes behauptet, als das, was sie machen. Sie lassen es krachen.“

Betr.: Bürgerliche Ehe

„Solange der Mann der Ernährer ist, ist die Ehe doch Prostitution.“ (Ulrike Meinhof)

Meinung und Moral

zensur

Die öffentliche Meinung verachten ist so gefährlich, als wenn man die moralischen Grundsätze verachtet, schrieb der österreichische Staatsmann und gefürchtete Unterdrücker Klemens Wenzel Lothar von Metternich einmal so treffend. Das schrieb Don Alphonso, von Beruf Couponschneider und, was das Schreiben mit feiner Ironie angeht, nicht untalentiert.

Das gefällt mir nicht. Der Satz holpert zu lang einher, und der Schluss hört sich an wie eine Schlagzeile aus dem „Neuen Deutschland“ von vor fünfzig Jahren. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Vorsitzender des Staatsrats der DDR und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates… ja was denn nun? Jetzt kommt, worauf wir alle lange genug gewartet haben: Erich Honecker!

Die öffentliche Meinung zu verachten ist so gefährlich, als verachtete [Konjunktiv] man moralischen Grundsätze. Das schrieb treffend Klemens Wenzel Lothar von Metternich [man kann Links ins weltweite Internet setzen, Welt „online“!], ein österreichischer Staatsmann und gefürchteter Unterdrücker.

Angeblich hatte Metternich gesagt: „Die öffentliche Meinung ist das wichtigste der Mittel, das wie die Religion in die verborgensten Tiefen dringt, wo administrative Einflüsse keine Einfluss mehr haben. Die öffentliche Meinung verachten ist so gefährlich, als wenn man die moralischen Grundsätze verachtet.“

Mag sein, dass er nicht korrektes Deutsch sprach oder schrieb. Das ist keine Schande. Außerdem war er ja Österreicher.

Ich habe das Zitat nur in der Sekundärliteratur und auf gefunden, aber keine Quelle. Man müsste dazu zu viel lesen, was das Thema nicht wert ist. Also bleibt der Satz vorerst ein Meme.

Vermutlich wäre Metternich aber ein besserer Außenminister gewesen als de [sic], den [sic] wir jetzt in Deutschland haben.

Ausgrenzungsrecht für Kollektive

„Wenn man neuerdings mit beflissener Pedanterie nicht mehr von Zigeunern spricht, sondern von Sinti und Roma, die ebensogut Bantu oder Nuba heißen könnten, weil kein Mensch den Unterschied kennt, mit Ausnahme von Leni Riefenstahl und den Experten für Abstammungslehre aus dem ehemaligen Reichsicherheitshauptamt; wenn die Grünen Vergangenheitsbewältigungsveranstaltungen gern in der Form einer Rassekatzenschau organisieren, bei welcher auf dem Podium ein Sinti/Roma, ein Jude und ein weiterer Teilnehmer sitzt, der zwar neutral als Deutscher firmiert, aus Gründen der Logik aber den Arier spielen müsste, weil die anderen beiden auch Deutsche sind, und weil man nie Äpfel, Birnen und Obst zusammenzählen darf, sondern nur Äpfel, Birnen und beispielsweise Pflaumen […] – dann liegt der Verdacht nahe, dass die Mehrheit nur einen unverfänglichen Weg sucht, jenes Abgrenzungs- und Ausgrenzungsrecht für Kollektive zu proklamieren, welches sie dann als das ihre beanspruchen wird, um es gegen die Minderheiten anzuwenden.“ (Wolfgang Pohrt)

Wo er recht hat, hat er recht

“I ask you who was the first Palestinian King, what [unique] language do they have, was there ever a Palestinian coin. Is there a Palestinian history or culture? There isn’t. There is no such thing as a Palestinian nation. The Palestinians, he said, are regional Arabs who arrived in the Land of Israel at the same of the first major waves of immigration at the end of the 19th century.

O je. Bin ich jetzt ein „religiöser Zionist“?

Präferenzen

„Der deutsche Imperialismus mag ukrainische Nazis und iranische Islamisten, aber keine gewählte israelische Regierung.“ (Zitat aus der Fratzenbuch-Gruppe „Deutsch mich nicht voll“)

Zu dumm

Es gibt noch kluge Richter in Deutschland: „Als [die angeklagte „Klimaaktivistin“] Hinrichs sagt, mit ihren Aktionen alles Leben auf der Erde schützen zu wollen, wird Richter Weyreuther schnippisch. „Kakerlaken auch? Und die Dinos sind schließlich auch ausgestorben. Der Mensch wird sowieso aussterben, davon bin ich fest überzeugt. Das lässt sich nicht verhindern, dafür ist er zu dumm.“ (Sorry für die Quelle)

Klimadings

virtual desert
Virtuelle Wüste nahe der virtuellen Oasis of Klima. (Alles von mir gebaut, einschließlich des Sternenhimmels)

Die Wahrheit stand im „Tagesspiegel“: „Es war warm, bis zu 18 Grad wurden Silvester in Berlin gemessen. Die hohen Temperaturen begünstigten vermutlich die Neigung zur Randale.“
Der Klimawandel war also eine Ursache der Krawalle. Eigentlich hätte man als Kenner der zeitgenössischen Diskurskultur sofort drauf kommen müssen. Damit bin ich beim Ukraine-Krieg, der sicher ebenfalls zum Teil eine Folge des Klimawandels ist. Die hohen Temperaturen der letzten Jahre begünstigten vermutlich Wladimir Putins Neigung zu Angriffskriegen.
(Harald Martenstein, Welt online)

Endlich erklärt es mal jemand.

Flirting with disaster

Guter Kommentar im Guardian von Simon Jenkins: „In Taiwan, as in Ukraine, the west is flirting with disaster“.
The fates of Ukraine and Taiwan merit every diplomatic support but they cannot be allowed to lurch downhill towards global war or nuclear catastrophe. This may reduce the effect – always overstated – of nuclear deterrence, and make them vulnerable to blackmail. But it is one thing to declare yourself “rather dead than red”, quite another to inflict that decision on others.

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