Vorher – Nachher

gefäßchirurgiegefäßchirurgie

Habe die Gefäßchirurgie gut überstanden und bin wieder da. Da ich keine Schmerztabletten esse, ziept es noch ein bisschen, aber in ein paar Tagen bin ich wieder gesund.

Saures Land

sauerland

Meine Mutter und ich in der Nähe der Daubermühle im Sauerland, vermutlich 1956.

To whom it may concern: Meine Mutter wird in der nächsten Woche aus dem Krankenhaus entlassen, kommt in eine Kurzzeitpflege und dann wieder nach Hause. In wenigen Monate könnten wir dann ihren 95. Geburtstag feiern, wenn nicht wieder etwas passiert.

Im Brennpunkt stehende Frettkatze

focal fossa

Das war ja eine schwere Geburt: Sudo gedit und in der fstab rumfummeln. So etwas macht man doch so gern wie eine Operation am offenen Herzen. Sage und schreibe eine Woche musste ich im Ubuntu-Forum Ratschläge verstehen und befolgen.
sudo mount /dev/sda1 /mnt && sudo ls -R /mnt && sudo umount /mnt
cat /etc/fstab | grep -v “^#”
sudo parted -l
sudo blkid
in der fstab fehlt diese Zeile: UUID=EC7E-55BA /boot/efi vfat umask=0077 0 1

Da lernt man, blind zu vertrauen. Ich war froh, dass das Gerät ohne Herumzuzicken wieder hochfuhr. Finally: Rechner 2, auch bekannt als mein Laptop, läuft jetzt mit Focal Fossa (Ubuntu 20.04 LTS).

Die Neuerungen seien behutsam, schreibt Heise. I disagree, Euer Ehren. Ohne Vorwarnung hat man meinen Passwortmanager Revelation entfernt. Was wäre, wenn ich nur einen Rechner gehabt hätte? Als Ersatz bietet sich jetzt KeepassXC an. Aber natürlich funktioniert der Import der alten Keepass-Dateien (bei mir) nicht. Ich musste alles von Hand neu eintragen, und ich habe zahlreiche lange und komplizierte Passwörter. Schön, einige uralte mal wieder gesehen und eingetippt zu haben.

Die Optik interessiert mich nicht, das ändere ich sowieso alles. Ich war auch überrascht, dass die Desktop-Symbole nicht mehr im Original zu sehen waren, nur ein “Muster”, wie ein Newbie-Avatar in Second Life. Das konnte ich reparieren, indem ich die Icons aus /usr/share/applications nahm. Viel Handarbeit – und ein fetter Bug.

Firefox neu? Früher war Firefox erste Wahl, jetzt fliegt er bei mir runter. Das VPN soll schneller gehen? Wieso hängt das vom Betriebssystem ab? Das macht bei mir die Fritzbox. Oder habe ich was falsch verstanden?

Gute Besserung, Mama!

friedel

Meine Mutter (*04.12.1925) ca. 1929 oder 1930 mit zwei Tanten (deren Namen ich vergessen habe).

To whom it may concern: Meine Mutter ist wenige Tage vor dem Tod meines Vaters schwer gestürzt und wurde per Feuerwehr in die Rettungsstelle des AVK gebracht. Dort diagnostizierte man ein Blutgerinnsel im Gehirn. Eine Operation in dem Alter lehnen Mediziner ab. Es war ziemlich dramatisch: Sie war halbseitig gelähmt und konnte nicht mehr sprechen.

Ihr Zustand besserte sich soweit, dass sie ein anderes Krankenhaus zur Rehabilitation verlegt wurde. Es war ein Auf und Ab – manchmal konnte sie wieder einigermaßen reden, später sprach sie gar nicht mehr und schien verwirrt. Am Wochenende ist natürlich in deutschen Krankenhäusern nur ein Arzt für alle da – und gerade dann wäre mehr Personal nötig, wenn etwas passiert. Ich habe einmal den Chef vom Dienst gerufen, weil ich die Abläufe ein bisschen kenne und weiß, auf welchen “Knopf” man drücken muss. Bestimmtes, aber höfliches Auftreten hilft manchmal – man darf nur nie nachlassen und man muss dem überlasteten Personal deutlich machen, dass man sich nicht abwimmeln lässt. Der Arzt führte in meinem Beisein ein paar Tests durch und versicherte, es sei nicht gefährlich und sie reagiere zufriedenstellend – außer dem Sprechen.

In den letzten Tagen wurde es wieder schlechter, und jetzt kommt auch noch das Besuchsverbot dazu. “Ausnahmen können bei Kindern und Schwerstkranken vereinbart werden. Bitte sprechen Sie dafür mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt” heißt es bei Vivantes. Ärzte waren nur selten zu erreichen, eine exakte Diagnose, wenn denn nur vorliege, bekamen wir nicht. Auch schien es so, dass man meinte, unsere Mutter fiele nicht in die Kategorie “schwerstkrank”.

Ich bin in solchen Fällen für den sofortigen Einsatz der Kavallerie, ohne lange hin- und her zu diskutieren. Meine “kleine” Schwester ist Schuldirektorin und ähnlich veranlagt. Ich konsultierte eine Anwältin und was man so macht in der Waffenkammer. Sehr hilfreich ist die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner, die und deren Mitarbeiter ich hiermit in den allerhöchsten Tönen lobe: Man war nicht nur freundlich, sondern auch kompetent. Das ist in Berliner Verwaltungen nicht selbstverständlich. Dort bekamen wir die richtigen Tipps.

Und siehe da: Die Chefärztin der Station, wo unsere Mutter gerade behandelt wird, erteilte eine “Ausnahmegenehmigung”. Unsere Mutter darf besucht werden. Ihr Zustand scheint sich auch zu bessern, sehr langsam, wie in dem Alter nicht anders zu erwarten. Zur Zeit gehen wir davon aus, dass sie im November wieder nach Hause kann.

Saugnäpfe an der Brust und Nadeln im Arm

gesundheit

Ich habe mich gerade gegen COVID-19 Grippe impfen lassen. Dazu ein Komplett-Check wegen eines bevorstehenden minimalinvasiven Eingriffs: Kein Übergewicht. Kein erhöhter Blutdruck. Schon lange Nichtraucher. Leber ok. Keine Allergien. Keine sonstigen Auffälligkeiten. EKG wie ein Sportler. Eltern waren nie krank.

Die Vertretung meines urlaubenden Hausarztes ist Araberin und fragt mich, ob ich Deutscher sei?
“Ähm… ja?!”
Dann schwärmt sie von “den” gesunden Deutschen…

Ich scheine dem Publikum noch länger erhalten zu bleiben.

Hausmitteilung: Webinar!

webinar

Burks proudly presents: Ich werde mein Seminar “Professionelle Datenrecherche im Internet und Datenschutz” in Kürze online als Webinar (kostenpflichtig, aber preiswerter als bei anderen Bildungseinrichtungen) anbieten.

Inhalt:
Professionelle Datenrecherche im Internet und Datenschutz

Das Seminar findet als virtuelle Konferenz statt und dauert ca. 5 oder 6 Stunden. Der Dozent nutzt das Konferenzsystem BigBlueButton (open source), die Teilnehmer benötigen keine eigenen Software, nur den Browser.

Inhalt des Webinars:
Modul 1: Tipps und Tricks zur professionellen Online-Recherche für Fortgeschrittene
Modul 2: Sicher Browsen – Risiken und Nebenwirkungen aktiver Inhalte – effektive Gefahrenabwehr beim Surfen
Modul 3: E-Mails für Dich und mich – Risiken beim Verfassen und Empfangen
Modul 4: E-Mails verschlüsseln
Modul 5: Unterwegs mit virtueller Tarnkappe – anonym surfen (Tor, Jondonym, VPN)
Modul 6: Sichere Daten – Datenschutz auf dem eigenen Rechner und dem Smartphone

Alle Teilnehmer bekommen umfangreiches Material (pdf, ca. 60 Seiten).

Euch erwartet auch ein umfassender Relaunch einiger statischer Websites auf burks.de (vermutlich ab November). Das Blog wird so bleiben wie es ist.

Wenn hier nur Oberfreaks und Oberfreakinnen mitlesen, die auf Anhieb wissen, was “EFI Symstempartition (ESP) nicht verwendbar. Ihre EFI Symstempartition (ESP) ist nicht in /boot/efi eingehängt” bedeutet oder die E-Mails per Mutt verschicken oder ein Script benutzen, dass OpenPGP und S/Mime kompatibel macht – einfach wegsehen. Für Euch ist das nichts. Aber vielleicht gibt es andere Interessenten, die sich hier bisher nur für die Römische Kaiserzeit oder peruanische Landkooperativen in den 80-er Jahren interessiert haben und sich noch weiterbilden möchten? Schreibt mir eine unverbindliche E-Mail, auch gern und ausnahmsweise unverschlüsselt! Dann kann ich das Interesse einschätzen und Terminvorschläge machen. Ab vier Teilnehmern würde ich ein Webinar anbieten (maximal zehn). Einzelunterricht: Preis VB.
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Reaktionen auf das letzte Seminar:

Lieber Burkhard,
ich habe heute an deinem Workshop im Rahmen der LIMA teilgenommen und mich gleich mal dran gemacht, eine Verschlüsselung meiner Mails einzurichten. Ich hoffe und glaube, dass es geklappt hat?
Vielen Dank nochmal für den spannenden Workshop, ich habe wirklich viel Neues gelernt und bin endlich mal motiviert worden Dinge anzugehen, die schon sehr lange auf meiner To-Do-Liste standen (z.B. eine Verschlüsselung für meine Mails einzurichten).
Liebe Grüße, S.

Hallo Burkhard!
Danke nochmal für das Seminar! Einiges kannte ich schon, aber es war auch trotzdem viel neues dabei. Ich bin immer wieder erstaunt (na gut, eigentlich nicht mehr…), wie wenig man selbst an der Uni in einem Informatikstudium über Datensicherheit usw. lernt… und ich hoffe, dass ich jetzt alles richtig eingerichtet habe :-)
Liebe Grüße F.

Lieber Burkhard,
hier sende ich dich meine erste verschlüsselte Mail (wenn das funktioniert).
Im Anhang ist mein öffentlicher Schlüssel.
Vielen Dank für das Seminar!
Schöne Grüße, A.

Kurt Waldemar Schröder *16.10.1927 †03.10.2020

kurt schröder
Eintrag im Kirchenbuch der Evangelischen Kirche Holzwickede

Ein Nachruf auf meinen Vater

kurt schröder

Mein Vater ist gestern um ca. 19.30 Uhr friedlich eingeschlafen. Er hat einen Nachruf verdient wie jeder andere “wichtige” Mensch auch. Man könnte einwenden, ein Nachruf sei entweder etwas sehr Privates, und die Details, womöglich negative, interessierten nur die engsten Freunde und Verwandten, oder seien zu öffentlich, als dass man Dinge erwarten könne, die wirklich etwas aussagen und nicht nur an der sichtbaren Fassade hafteten. Das Leben meines Vaters ist jedoch exemplarisch für eine Generation, deren Erfahrungen für uns – nur eine Generation später – Äonen weit weg zu sein scheinen. Können wir, kann ich das verstehen?

Mein Verhältnis zu meinem Vater war schwierig und kompliziert: Wir konnten uns nicht sehr nahekommen, weil unsere Ansichten zu weit auseinander lagen und nichts das hätte ändern können. Aber je älter ich wurde, um so mehr begriff ich, wie er seine Zuneigung ohne Worte äußerte – auf eine Art, die ich früher nicht verstand, und schon gar nicht als Jugendlicher. Ich hatte vielleicht auf Worte gehofft, aber er konnte das nicht so, wie ich es erwartete – dafür machte er es mit Gesten. Wir handeln und sprechen im Rahmen dessen, was uns möglich ist, was uns begrenzt, auch in den Gefühlen – aber dennoch haben wir alle ähnliche Emotionen, die, wenn wir sie auf unsere gelernte Art äußern, für andere vielleicht erst “übersetzt” werden müssen.

Mein Vater hat in seinem Leben, außer in der Schulzeit und Jugendzeit, nur ein einziges Buch gelesen – die für ihn heilige Schrift – die Lutherbibel Version 1884. Er war zu jung, um Soldat im 2. Weltkrieg zu werden – das ist mein Glück, sonst hätte es mich vielleicht nicht gegeben. Er war auch nicht alt genug, um zu begreifen, was in der Zeit, die ihn prägte, politisch geschah.

Meine Versuche in den sechziger Jahren, über die Zeit des Faschismus zu reden, scheiterten allesamt. Mein Vater hätte vermutlich auch nicht viel sagen können. Für ihn galt die Devise aus Römer 13, Vers 1: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Ich fand das abscheulich. Ich wollte die Welt verändern, und lebe, vermutlich heute auch noch, nach dem Motto, dass mich jedwede Obrigkeiten kreuzweise können und dass Religionen allesamt bekämpft werden sollten. Obrigkeitshörigkeit ist für mich ein schlimmes Schimpfwort.

Für Politik interessierte er sich nicht. Ich vermutete damals, dass meine Mutter recht hatte, wenn sie behauptete, mein Vater würde auf Wahlzettel einen Satz aus der Bibel schreiben – Jesaja 41. Vers 24: Siehe, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist auch aus nichts; und euch wählen ist ein Greuel. Heute muss ich schmunzeln, wie sich meine Meinung dem angenähert hat, aber natürlich aus anderen Gründen.

kurt schröder
Meine Vater mit seiner älteren Schwester, vermutlich 1929 oder 1930, Holzwickede

Mein Vater wurde evangelisch getauft, eine Tatsache, mit der ich ihn noch vor wenigen Jahren, als ich nach einiger Recherche im betreffenden Kirchenbuch fündig geworden war, aufzog: Er war neuapostolisch und alle andere Religionen waren “Feindsender”. Mein Großvater hatte gelehrt, mich auch, dass insbesondere die Katholiken die große Hure Babylons der heutigen Zeit seien. Die Protestanten waren fast genauso schlimm, vor allem weil sie seinem Glauben so ähnlich waren. Mein Vater hat nie eine “fremde” Kirche betreten, noch nicht einmal eine leere, etwa im Urlaub, um sie zu besichtigen – alles Teufelswerk, um wahre Gläubige zu verwirren. Auch das bringt mich heute zum Lachen, weil ich das manchmal exakt so handhabe – ich würde nie eine neuapostolische Kirche mehr betreten, vielleicht nur auf die Fußmatte spucken. Da kommt wieder Lichtenberg ins Spiel: Grade das Gegenteil tun, heißt auch nachahmen, es heißt nämlich, das Gegenteil nachahmen.

kurt schröder
Sonntagsschule der Neuapostolischen Kirche Holzwickede, vermutlich 1933 oder 1934. Mein Vater steht in der mittleren Reihe, 2. von rechts. Rechts oben mein Großvater Hugo, der damals schon Prediger war, obwohl er erst 1933 zur NAK konvertierte. Die Laienprediger der Neuapostolischen hatten und haben keinerlei theologische Ausbildung.

Was lernt man als Kind, wenn in den Schulen nur Nationalsozialismus gelehrt wird und man gleichzeitig durch eine fundamentalistische christliche Sekte geprägt wird? Zum Glück war mein Großvater, ein Bauernjunge aus Westpreußen und als Bergmann im Ruhrgebiet Kommunist, bis er fromm wurde, gegen Hitler – für ihn war die Religion wichtiger. Meinem Vater verbot er den Besuch einer Adolf-Hitler-Schule, obwohl die Schulleitung das empfohlen hatte. weil der kleine Kurt einer der besten Schüler sei. “Dann hätte ich keinen Sohn mehr”, ist als Zitat meines Opas überliefert, eine Einsicht, die heute noch meinen Respekt fordert.

kurt schröder
Mein Vater 1934 als Schüler, Holzwickede

Meine Familie war immer aufstiegsorientiert. So weit man sich erinnern konnte, gab es unter den Vorfahren, den Verwandten und Freunden ausschließlich Bauern, Arbeiter und kleine Angestellte. Man hatte es “geschafft”, wenn man Beamter wurde – auf der sicheren Seite war. Künstler und ähnlich windige Existenzen waren nicht vorgesehen. Als ich meinen Eltern erklärte, dass ich den Lehrerberuf aufgeben und Journalist werden, womöglich Bücher schreiben wolle, war mein Vater entsetzt – er konnte das nicht verstehen. Er hat mich aber nicht versucht davon abzuhalten, was nicht möglich gewesen wäre, weil ich genau so stur wie er bin, und respektierte mich damit, was ich erst sehr spät verstanden habe.

Jahre später, als mein Vater aufgefordert wurde, schriftlich zu der damals seltenen Tatsache Stellung zu nehmen, warum ich den Kriegsdienst verweigerte, antwortete er sinngemäß: Man hielte mich, seinen Sohn, für in der Lage, entscheiden zu können, Soldat zu werden, und das müsse dann doch auch für das Gegenteil gelten – eben das nicht zu tun?

Dieses Glück hatte mein Vater nicht. Noch während seiner Zeit am Gymnasium wurde er als Luftwaffenhelfer abkommandiert: Luftwaffenhelfer hatten nicht den Status von Soldaten. Sie erfüllten zwar wie Soldaten Aufgaben an Geschützen und Geräten und lebten in den Flakstellungen wie sie, waren jedoch gleichzeitig Schüler, die von Lehrern unterrichtet wurden. Offiziell galten sie als Mitglieder der Hitlerjugend, was ihnen oft missfiel. (…) Freiwillige Meldungen waren nicht möglich, die Schüler wurden klassenweise und innerhalb der Schulklassen jahrgangsweise zum Einsatz abgeordnet. Mein Vater musste nach Köthen in Sachsen-Anhalt.

kurt schröder
Mein Vater als Luftwaffenhelfer in Köthen, 1943 und 1944

Als der Krieg vorbei war, ging es nur um’s Überleben. Das Abitur hatte mein Vater verpasst. Der einträglichste Beruf war Bergmann – das lernte er, wie sein Vater. Handwerkliches hat ihm immer Spaß gemacht. Ja, er war berühmt dafür! Als ich im zweiten Schuljahr war, sollten die Schüler ein Papiermodell ihrer Wohnung oder ihres Hauses basteln und mitbringen. Mein Vater baute ein kleines Modell unseres vierstöckigen Wohnhauses, mit maßstabsgetreuem Grundriss und Wänden aus Pappe und vier entnehmbaren Etagen, ein kleines Wunderwerk, an das ich mich noch heute erinnern kann – und daran, dass die Lehrer und anderen Schüler ehrfürchtig staunten und es kaum zu berühren wagten. (Ich darf darauf hinweisen, dass alle, die das von mir gebaute Hochbett in meinem Gästezimmer sehen, ehrfürchtig staunen.)

Mein Vater hat bis ins hohe Alter mir immer Werkzeug geschenkt oder etwas für mich gebaut, Schränke oder die Anrichte, die noch heute in meiner Küche steht, die er noch mit knapp 80 Jahren zu meiner Hochzeit gebastelt hatte – natürlich in Perfektion. Sein Maßstab, alles müsse perfekt sein, hat mich manchmal zum Wahnsinn gebracht. Als ich als Junge meinen Koffer packte, für ein paar Tage im Schullandheim, machte er den wieder auf und packte alles neu, aber jetzt so, dass man ihn schließen konnte. Damals war ich genervt, heute muss ich mich zurückhalten, wenn ich in einer ähnlichen Situation bin. Ich neige dazu, alles besser zu wissen und zu können als andere – und das denen auch zu sagen und zu zeigen. Damit macht man sich nicht unbedingt beliebt.

kurt schröder
Mein Vater (rechts) als Laienprediger (“Priester“), Anfang der 50-er Jahre. In der Mitte mein Großonkel Otto Mey, der damalige “Vorsteher” der neuapostolischen Gemeinde Holzwickede. Ich mochte “Onkel Otto”: Der war ein sehr kleiner Mann, aber trat um so energischer auf. Im 1. Weltkrieg hatte er eine Medaille für große Tapferkeit bekommen, weil er allein 17 Franzosen gefangen genommen hatte. Er erzählte bei Familientreffen Geschichten aus Ostpreußen, wie er den Teufel “ausgetrickst” hätte und wie man gemeinsam in Opherdicke dafür gesorgt habe, dass ein Selbstmörder nicht mehr in einem Haus spukte und mehr in der Art. Das war spannender als jeder Horrorfilm. Otto war für meinen Vater eine wichtige und prägende Figur.

Wir erzieht man Kinder, wenn man durch Nazis zum “kulturellen” Nazi erzogen wird? Man Vater hatte gelernt, man müsse zunächst den eigenen Willen von Kindern brechen, um sie dann erziehen zu können. Etwas anderes kannte er nicht, und so praktizierte er es an mir. War mein “Konto” an Missetaten “voll”, prügelte er mich mit einem Stock. Das war schlimmer als ein spontaner Ausraster – kalt und berechnend. Später hat er das bitter bereut, schämte sich aber so sehr, dass er mir das selbst nicht sagen konnte, sondern meine Mutter bat, das für ihn zu tun. Ich war zu jung und damals zu wenig in der Lage, meine Emotionen ausdrücken zu können, um ihm zu sagen, dass ich seine Entschuldigung akzeptiert hatte.

kurt schröder
Mein Vater und ich, ca. 1956 oder 1957, im Sauerland in der Nähe der Daubermühle

Als ich auf ein Gymnasium geschickt werden sollte, protestierte mein Großvater – das würde meinen Glauben zerstören. Meine Eltern setzten sich durch, wofür ich ihnen dankbar bin. Die Religion war in den folgenden Jahrzehnten ein großes Hindernis, über mehr als Smalltalk hinauszukommen – ich war mit 20 aus der NAK ausgetreten und zu feige, das meinem Vater ins Gesicht zu sagen. Er wusste es aber von meiner Mutter. Als ich meine Staatsexamenarbeit mit Bestnote machte und sie stolz meinen Eltern präsentierte, sagte mein Vater nichts. Meine Mutter beichtete mir später, mein Vater habe nicht begriffen, was das sollte und es “Geschwätz” genannt.

Auf seine Art war er der zuverlässigste Mensch, den ich kannte. Wenn er ankündigte, etwas zu tun, dann geschah das auch – ohne Wenn und Aber. Keine Kompromisse! Man zieht eine Sache, von der man überzeugt ist, durch oder lässt es ganz, auch wenn alle ringsum empört aufheulen – eine Haltung, die mir heute sehr bekannt vorkommt. Von meinem Vater habe ich unbewusst gelernt, wie man den inneren Schweinehund besiegt und der öffentlichen Druck aushält. Mit 16 oder 17 Jahren “musste” ich oft an einem Tag in der Woche mit ihm zusammen “Zeugnis bringen” – das heißt: Man geht kurz nach der “Tagesschau” raus (wir besaßen keinen Fernseher) und klingelt bei wildfremden Leuten, die erstaunt die Tür öffnen, und fragt sie, ob man mit ihnen über Gott reden könne. Das muss man sich als Jugendlicher erst einmal trauen. Ich erinnere mich immer an Jack Londons Abenteuer eines Tramps, ein Buch, das ich als Junge begeistert gelesen habe: Ein Tramp, der bettelt, muss, wenn sich eine Tür öffnet, in weniger als einer Sekunde zu dem Gesicht, was erscheint, die “passende” Geschichte erfinden, um etwa zu bekommen. Man lernt, sich “volkstümlich” auszudrücken.

kurt schröder
Ich besuche meinen Vater in der Klinik, 2015

Bis ins Greisenalter fuhr mein Vater noch Auto und mich sogar manchmal zur Nachtschicht, wenn ich vorher meine Eltern besucht hatte. Wir versuchten ihm klarzumachen, dass er die Poller vor dem Supermarkt nicht unbegrenzt oft umfahren könne, und was wäre, wenn ein Kind vor den Wagen liefe? Irgendwann schlossen wir dann einen Kompromiss. Wir nahmen ihm das Auto weg, aber er durfte seinen Führerschein behalten. Ich war mit meinem Vater einmal in einem Autoladen, um einen Leasing-Vertrag abzuschließen oder zu verlängern, und der Kerl hinter der Theke hielte den Führerschein meines Vaters wie eine ägyptische Schriftrolle in der Hand und wusste nicht, was das für ein exotischer Lappen war. Mein Vater hat auch nie einen Unfall gebaut, dazu war er viel zu korrekt und pflichtbewusst. Wir spotteten immer, er würde auch in der Wüste Sahara vor einer roten Ampel anhalten, selbst wenn 300 Kilometer ringsum niemand sei. So war er eben, und er hatte nie die Absicht, daran was zu ändern.

Im Alter von 88 sprang er dann dem Tod von der Schippe. In einer Nacht sackte er schreiend zusammen, und meine Mutter rief die Feuerwehr. In der Klinik stellte man ein Aorta-Aneurysma fest, eine geplatzte Bauchschlagader. In dem Alter ist das ein Todesurteil. Aber nicht bei meinem Vater. Der operierende Chirurg sagte mir am nächsten Morgen, ein Aneurysma der Aorta überlebe man nur, wenn man sofort auf den Operationstisch springe. “Wir glaubten nicht ihn durchzubringen.” Mein Vater war aber noch mit Blaulicht durch halb Berlin gefahren worden. Als er auf der Trage lag und am nächsten Tag auf die Intensivstation gefahren wurde, winkte mein Vater mir zu. Das medizinische Personal machte große Augen oder schüttelte den Kopf. Ich hätte ihnen am liebsten gesagt: Mein Papa ist stur und zieht das jetzt durch, ob das jemandem gefällt oder glaubt oder nicht. Die Rehabilitationmaßnahmen dauerten drei Monate. Er bekam einen künstlichen Darmausgang und einen Herzschrittmacher.

kurt schröder
Zu seinem neunzigsten Geburtstag bekam mein Vater von seinem ersten Urenkelkind ein Blümchen geschenkt.

Irgendwann ging es nicht mehr. Meine Mutter ist ein Jahr älter als mein Vater und konnte ihn nicht mehr pflegen. Immer wenn das Thema aufkam, wurde mein Vater extrem ängstlich und fing laut an zu weinen. Wir waren froh, dass er einen klaren Kopf behielt, nur der Körper verfiel zusehends. Vor wenigen Monaten war ein schönes Pflegeheim ganz in der Nähe der Wohnung meiner Eltern gefunden.

Aber schon nach wenigen Wochen aß mein Vater nichts mehr. Sogar der Fernseher, das einzige “Vergnügen” neben den Besuchen der Kinder, interessierte ihn nicht mehr. Noch vor zwei Wochen konnte meine Mutter ihn noch einmal besuchen. Es war für sie ein Abschied – so hat sie es empfunden. Bei meinem letzten Besuch, als er noch flüstern konnte, sagte er mir: “Das ist alles so unwirklich.”

Gestern (am 3. Oktober) rief man uns an, wir sollten bitte so schnell wie möglich kommen: Die Rasselatmung habe eingesetzt. Er öffnete nicht mehr die Augen und reagierte nicht spürbar und lag friedlich mit den Händen auf dem Bauch. Wenige Stunden später war er tot.

Papa, ich habe mehr von dir gelernt und übernommen, als du dir je zu träumen gewagt hast. Neben mir steht seine Armbanduhr, die ich von seinem kalten Arm nahm. Sie läuft noch.

Nachtrag: Meine Mutter (94) liegt nach einem schweren Sturz auf den Kopf im Krankenhaus. Sie konnte weder sprechen noch schlucken und war halbseitig gelähmt, ein Blutgerinnsel im Kopf drückt auf das Gehirn. Laut ihrer Patientenverfügung verboten wir alle Maßnahmen wie künstliche Ernährung per Magensonde. Wir wussten nicht, wer von unseren Eltern eher sterben würde, meine Mutter oder mein Vater. Als ich sie besuchte, konnte sie nur einzelne Wörter mühsam flüstern. Heute, zwei Tage später, rief mich meine Schwester an: “Mama kann wieder schlucken. Die Lähmung geht zurück. Sie schimpft auf die Krankenschwestern, die ihr nicht das richtige Mineralwasser bringen.” Vielleicht werden sich Ehepaare, die siebzig Jahre verheiratet waren, irgendwann immer ähnlicher.

Profitorientiertes Gesundheitssystem, revisited

notaufnahme symboldbild

Meine Mutter ist 94 Jahre alt und liegt nach einem Sturz mit einer Kopfverletzung im Auguste-Viktoria-Krankenhaus Berlin. Da die Gefahr eines Blutgerinnsels im Kopf besteht, sollte sie eigentlich operiert werden, aber im Neuköllner Krankenhaus (Neurochirurgie) ist kein Bett frei. Wir haben bekanntlich ein profitorientiertes Gesundheitssystem, und wenn man kein Privatpatient ist, hat man Pech gehabt.

Heute Nacht wurde meine Schwester von der Security im AVK im Auftrag des Personals aus der Rettungsstelle geworfen, weil sie sich darüber beschwerte, dass man eine 94-Jährige über Stunden dort liegen ließ, ohne dass ein Arzt nach ihr sah oder dass es valide Informationen gab – obwohl die Notaufnahme nicht voll gewesen sein soll.

Ich überlegte, ob ich meinerseits auch dort auftauchen und die Security rauswerfen sollte (nicht meine Firma dort – den Kollege trifft keine Schuld). Aber dann hätte ich wohl die Nacht in U-Haft verbracht. Und meine Schwester wollte es auch nicht, weil sie mich kennt.

BigBlueButton, reloaded und revisited

bigbluebutton

Ich gebe in Kürze mehrere Seminare online und musste mich dafür ganz neu vorbereiten. Als “Abfallprodukt” fertigte ich auch eine Kurzanleitung für BigBlueButton, die die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser eventuell zu Gemüte führen könnten, um sich auf unsere Wohlwollenderuserinnenundgeneigteuser-Konferenz im Oktober vorzubereiten. Wir werden wohl kaum mit hochgeladenen Dokumenten arbeiten, den Teil könnt ihr also ignorieren. (Auf dem Screenshot bin ich zwei Mal zu sehen, einmal mit einem “Testburks” als normaler Teilnehmer, der keine besonderen Rechte hat. Ich habe hier genug Rechner herumstehen, mit denen ich mich virtuell vervielfältigen kann.)

Was hält das Publikum von Freitag, dem 09. Oktober, 20.15 Uhr MEZ? Oder Samstag?

Wir kommunizieren:
– über den öffentlichen Chat (links oben), unten links ist das Chatfenster
– über Mikrofon und Kamera: Wer etwa sagen möchte, bitte @ihrname im öffentlichen Chat schreiben.
– über geteilte Notizen (links oben, alle können die Notiz bearbeiten,
– per Klick auf den Namen (links) kann man einen privaten Chat starten,
– der Dozent kann auch einzelne private Chaträume für eine oder mehrere Personen einrichten.
– Wer auf den eigenen Namen klickt, dann “Status setzen”, kann sich auch melden oder applaudieren usw., das ist aber unnötig, das Melden funktioniert so weniger gut.

Wohl bekomms.

Hippeastrum

hippeastrum

Während das Wetter denkbar bescheiden ist, bemüht sich mein Ritterstern am Küchenfenster, den trüben Anblick aufzuhellen. Noch zwei 12-stündige Nachtschichten vor mir, drei habe ich schon hinter mir. Was soll’s – ich bin jung und brauch das Geld.

Diversitäten aus der Gräfenberg-Zone

burksburks

– Das KaDeWe und die SPD wollen sich “vielfältiger” machen (mehr Arabisches und mehr Hijabs?), was immer das heisst. Vielleicht sollten beide jetzt preiswerte Mäntel für die Arbeiterklasse anbieten? Den obigen Bademantel wird es übrigens nach der Revolution für alle gratis geben.

“Das KaDeWe toleriert andere Meinungen, auch wenn wir sie nicht immer teilen. Wir alle halten das aus.” Aha. Dann kann man vermutlich bald Alexander Gauland im Schaufenster sehen, natürlich in schwarzem Leder?

– Es wird Zeit für eine Bundeskanzlerin mit chinesischen, japanischen oder vietnamesischen Wurzeln, damit die preußischen Tugenden Fleiß, Disziplin und Selbstbeherrschung wieder mehr gepflegt werden.

– Der ehemalige Bundeskanzler Ludwig Erhard war ab 1933 Lehrbeauftragter an der Nürnberg Handelshochschule. Er äußerte sich positiv über die nationalsozialistische Zwangskartellierung, denn sie beuge den Schäden des “artfremden Preiskampfes” vor. Deshalb schaden Altherrenwitze über die real nicht existierende Gräfenberg-Zone der Frau dem Ansehen der Ludwig-Erhard-Stiftung.

– Vielen Dank an den edlen Spender R. G.!

BigBLueButton, revisited

bigbluebutton

Die Europa-Universität Viadrina hat eine Anleitung für BigBlueButton veröffentlich. Die ist auf Anhieb ungefähr so verständlich wie der Bausatz für einen Leopard-Panzer, aber wer sich auf unsere Wohlwollenderuserinnenundgeneigteuser-Konferenz im Oktober vorbereiten will, kann mal reinschauen. Viel muss man aber nicht wissen, wenn man nur teilnimmt und nicht verwalten und organisieren muss. Ich habe einen eigenen Server gemietet. Man kommt per Link hinein (den ich rechtzeitig versenden werde) und per Browser. Mein Firefox zeigte natürlich nichts an, weil ich den tiefergelegt dem alle aktiven Inhalte verbiete, aber per Chromium für Linux und Chrome für Windows ist es kein Problem.

Rechts auf dem Screenshot bin ich auch. Ich habe mich von zwei Rechnern aus eingeloggt, um zu testen. Bei schlechter Beleuchtung sieht man natürlich nicht viel.

Großer blauer Knopf

bigbluebutton

Ich arbeite mich gerade in BigBlueButton ein, weil ich bald mehrere Seminare mit dieser Software halten muss und soeben auch einen Server gemietet habe. Ich kam auf die kühne Idee, den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern vielleicht einmal im Monat eine Videokonferenz über höhere Wesen und die Welt anzubieten, falls diese mit ihre E-Mail-Adressen zu dem Zweck dann vorab mitteilen würden, damit ich sie einladen könnte? Oder wollt ihr doch lieber alle anonym bleiben?

Helm ab zur Beckenmontage

hornbachspülemontageküchenfussboden

Ich hasse es, Anleitungen zu lesen, vor allem dann, wenn man das zu montierende Gerät nur online gesehen hat und man sich überraschen lassen muss, wie es denn wirklich aussieht und wie man es im Detail zusammendröseln soll. Immerhin verlange das fucking manual nicht, dass ich einen Helm aufsetze. Das hiesige Publikum wird sich an die erdbebensicher verstärkte hässliche Spüle in meiner Küche erinnern, die aber jetzt – weil Billigware – vollends aus den Fugen ging.

Merkwürdig, dass bei der neuen Spüle, die jetzt schon aufgebaut ist, aber noch ohne Türen und Schubladen, alldieweil ich erst um 17 Uhr mit der Montage anfangen konnte (ich hatte zwischendurch nicht viele erschöpfende Telefonkonferenzen wie Frau Chebli, sondern nur eine, die aber so museal und retro rüberkam, dass ich, um abzuschweifen, vehement für Jitsi plädierte, was selbst der letzte rüstige Ü80-Journalisten-Rentner hinkriegen könnte, wäre der Wille vorhanden, die technischen Höhen des 12. Jahrhunderts zu erklimmen), jetzt aber noch ein Loch in das Metall gebohrt werden muss, da – o Graus! – gar keine Aussparung vorhanden ist, durch die die Wasserleitung von unten nach oben zum Wasserhahn gelänge, aber für diese Art von Geräuschen die Nachbarschaft, obzwar sehr tolerant, zu nachtschlafender Zeit nicht empfänglich ist, sondern (das ist nur meine Phantasie), falls zum Beispiel jemand auf die Idee käme, die Menschheit mit orientalischem Gedudel, was mir schwer auf das Gemüt schlägt, zu beglücken, womöglich aus dem geöffneten Fenster in meine Richtung, den Krach aus meiner Wohnung mit dem preußischen Präsentiermarsch kontern könnte, ab 120 Phon aufwärts, natürlich zuzüglich Verstärker, oder noch schlimmer mit dem Wagnerschen Ritt der Walküre, der mich in die Stimmung brächte, Polen zu überfallen, wie auch schon Woody Allen.

Interessant, dass man wahrhaft archäologische Gefühle bekommt, entdeckt man einen merkwürdig bemalten Küchenfußboden, der, umzingelt von RAL 5010, seit Jahrhunderten langer Zeit nicht mehr gestrichen wurde.

Fest gedübelt in der Erden
Steht die Form aus Span gebrannt.
Morgen muß die Spüle werden!
Frisch, den Bohrer in die Hand!
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben;
Beinah’ hätte ich mich verhoben!

Zum Werke, das wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn gute Reden sie begleiten,
Dann fließt die Arbeit munter fort.
So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
Was durch die schwache Kraft entspringt;
Den schlechten Mann muss man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.
Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.

Eine Sekunde über TikTok

tiktok

Ich sage etwas zum Thema TikToK (ab Min. 1.18). Meinen Namen haben sie auch vergessen. Dann bin ich eben der ideelle Gesamtdatenschützer.

FYI: Lustkauf

bücher

FYI: Neu in meiner Bibliothek (Links gehen zu Amazon).
– Egon Flaig Ritualisierte Politik. Bd. 1. Zeichen, Gesten und Herrschaft im Alten Rom (Historische Semantik, Band 1) (das stand schon ewig auf meiner Wunschliste, war aber nicht verfügbar).
– Armin Eich: Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium.
– Peter Feldbauer und Hans-Jürgen Puhle (Hrsg.): Bauern im Widerstand.

Was mache ich an einem Tag, der der Wissenschaft und dem Forschen vorbehalten sein soll (außer Putzen, Waschen und Kochen), zuerst? Ancestry? Bücher schreiben (eines ist konkret in Arbeit), die Konquistadoren als E-Book? Den Feudalismus endlich hinreichend beschreiben? Oder die letzen 900 Fotos aus Lateinamerika weiter sortieren, beschriften und online stellen? Oder alles – und dann nichts davon hinkriegen?

Kinkerlitzchen und Vorschau, dem Kulturpessimismus entgegenwirkend

komturstrasse

Eine Stimme aus dem Publikum beklagte sich bitterlich, ich postete nur noch Reiseberichte und pöbelte herum, das Niveau sei im allgemeinen und besonderen, analog zu den Weltläuften, den Sitten und der Moral, gesunken. Es liegt mir selbstredend nichts ferner, als die wohlwollenden Leser und geneigten Leser zu enttäuschen, dass diese sich, was ein höheres Wesen verhüte möge, womöglich anderen Dingen zuwenden anstatt hier die virtuellen Seiten zu blättern browsen.

Daher sei kurz angemerkt, dass ich viel zu tun habe, unter anderem Arztbesuche wegen altersbedingter Kinkerlitzchen, dabei Wartezimmer kennenlernte, die sich doch erheblich von meiner Erfahrung in der Notaufnahme unterschieden und mich bass vor Staunen in einen komfortablen Sessel sinken ließen, ohne dass ich auch nur irgendeinen Hijab und die dazugehörenen lärmenden, weil antiautoritär vielleicht muslimisch erzogenen Jungen oder gar mental irregeleiteten Psychos vermisste hätte, aber parallel dazu kubikmeterweise Literatur in mich hineinschaufele, um meinen Plan, den Feudalismus an sich – und damit leider auch alle anderen Epochen der Weltgeschichte – hinreichend zu beschreiben.

wartezimmer

Ich hatte hier schon bemerkt, dass ich “Die vorkapitalistischen Produktionsweisen” erneut exzerpiert habe und das Fazit hier mitteilen werde, eines der vielen Puzzle-Teile. Rudi Dutschkes “Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen” hatte ich ebenfalls schon in den 70-ern gelesen und tat es jetzt noch einmal. Wilhelm Backhaus’ “Marx, Engels und die Sklaverei: zur ökonomischen Problematik der Unfreiheit” war im Gegensatz zu Dutsche ergiebiger und wird in Form eines weiteres Exzerptes hier in Kürze vorgestellt werden.

aberlour

Äusserst interessant zum Thema ist Erich Pilz: “Zur neuesten Debatte über die Asiatische Produktionsweise in der Volksrepublik China”. “Neueste” bedeutet leider, dass er die Diskussion der 80-er Jahre referiert.

Wesentlich informativer ist Ellen Meiksins Wood: “Der Ursprung des Kapitalismus”, welchselbiges ich noch nicht ganz durchgelesen habe, was aber wohl den aktuellen Stand der marxistischen Forschung – außer in China – wiedergibt.

By the way, zum Wiederholen und Weitersagen: “Der Kapitalismus unterscheidet sich von anderen Gesellschaftsformen, weil die Produzenten für den Zugang zu den Produktionsmitteln vom Markt abhängig sind (im Unterschied etwa zu Bauern, denen das Land unmittelbar und nicht über den Markt vermittelt gehört); während die Aneigner sich nicht auf eine “außerökonomische” Aneignungsgewalt durch unmittelbaren Zwang stützen können wie etwa das Militär und eine politische und rechtliche Macht, die es feudalen Grundherren ermöglicht, Mehrarbeit aus Bauern herauszuziehen -, sondern von den rein “ökonomischen” Mechanismen des Marktes abhängig bleiben müssen. Dieses besondere System der Abhängigkeit vom Markt bedeutet, dass die Erfordernisse der Konkurrenz und der Profitmaximierung die grundlegenden Regeln des Lebens sind. Aufgrund dieser Regeln ist der Kapitalismus ein System, das auf einzigartige Weise dazu getrieben ist, die Produktivität der Arbeit durch technische Mittel zu erhöhen.” (Wood)

Wie gesagt: Seid gewarnt vor dem, was noch alles auf euch zukommt.

chillen

Noch ein Lied, das Chillen begleitend?

Ich lasse mir meinen Körper schwarz bepinseln, schwarz bepinseln
Und fahre nach den Fidschi-Inseln, nach den Fidschi-Inseln
Dort ist noch alles pardiesisch neu
Ach, wie ich mich freu!
Ach, wie ich mich freu!
Ich trage nur ein Feigenblatt mit Muscheln, Muscheln, Muscheln
Und gehe mit ‘ner Fidschipuppe kuscheln, kuscheln, kuscheln
Von Bambus richte ich mir eine Klitsche ein
Ich bin ein Fidsche, will ein Fidsche sein.

(1931, Willy Fritsch hat das Lied gesungen, Friedrich Hollaender schrieb die Musik. Der Text ist von Robert Liebmann. Muss man alles verbieten, sowas.

Männlicher Singlehaushalt oder: Rede an die Blattlauslöwen et al

pflanzenpflanzenpflanzenpflanzen

Kurzurlaub. Langes Frühstück mit Internet-Konsum. Wäsche waschen, Geschirr abwaschen, Zimmerpflanzen gießen, Rosen beschneiden, Balkonpflanzen gießen, kurze, aber motivierende Rede an die Blattlauslöwen halten, die sich zahlreich versammelt hatten. Schuhe putzen, Bad säubern. Flurteppich saugen. Rucksack ebenfalls für eine Kurzwäsche in die Waschmaschine stampfen. Jetzt bloggen.

Kater, Delfine und Roboter

Kater

Mein Kater “Kater”, Mitte der 90-er Jahre. Er stammte aus einem Tierheim und brauchte lange, um zu verstehen, dass ich ihn regelmäßig füttern würde. In den ersten Wochen bunkerte er immer noch Lebensmittel an unzugänglichen Stellen in der Fabriketage, in der ich damals wohnte.

Ich basaß in meinem Leben drei Katzen und einen Hund, aber ein Foto von “Kater” hatte ich bisher hier nicht gepostet, soweit ich mich erinnere.

Noch mehr von Tieren? Dann guckt euch die Delphine in Australien an. They made my day.

Oder doch lieber Roboter, die unser profitorientertes Gesundheitssystem zu teuer findet und die deshalb im Ausland zum Einsatz kommen werden.

Der nackte Wahnsinn

bild

Wie ich schon andeutete: Komsumiert man beim Frühstück das Internet die gewohnten Medien aller Art, schreit einem der nackte Wahnsinn ins Gesicht. Ich hoffe, das ist nicht irgendwie ansteckend.

max plankton

Ich bin vermutlich nur wenig traumatisiert, außer durch Religion und Religioten, aber ich hoffe, die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser mucken auf und informieren mich rechtzeitig (verschlüsselt!), falls Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass ich durchdrehen sollte.

aldi

Kann es sein, dass mir jetzt hustende und niesende Autos im Traum erscheinen? Falls ich auch noch zwischen meinen Büchern einen Abstand herrichten muss, brauchte ich eine Lagerhalle so groß wie zwei Fußballfelder.

chess

Ich muss mich jetzt kurz erholen, das kaffeegetränkte Gehirn anwerfen und an meiner Elo-Zahl arbeiten oder diese auf’s Spiel setzen. Dann werden wir mal sehen, was der Tag noch so bringt.

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