A few alarms to view [Update]

alarmanlage
Alarmanlage (Symbolbild)

Ich musste gestern folgende Sätze in Englisch sagen, was mir ohne Google nicht spontan gelang:
„Um das herauszufinden, brauchten wir eine Rohrzange. Die habe ich leider nicht dabei.“
„Ich habe den Klempner, der hier ist, um die Heizung zu reparieren, off the record gefragt, ob er eine Idee habe, warum das Wasser nicht läuft. Er war hilfsbereit und hat den Hauptwasserhahn gesucht, gefunden und angestellt. Der Geschirrspüler sei übrigens an die Warmwasserleitung angeschlossen. Das ist keine gute Idee.“
„Der Ingenieur hat die Alarmanlage repariert. Einer der Bewegungsmelder war kaputt. Der hatte die zahlreichen Fehlalarme ausgelöst und bewirkt, dass die ganze Anlage herumspinnt.“
#neubau #handwerk #security #einmalmitprofisarbeiten

Ich mochte immer an der journalistischen Recherche, dass man ständig vor neuen und herausfordernden Situationen steht, für die es keine „Dienstanweisung“ gibt. Ein sesselfurzender Job war nie mein Ding. In dem Beruf, der meinen Lebensunterhalt zuverlässig sichert, was vom ersteren nicht gesagt werden kann, ist es ähnlich. Hier spricht niemand Deutsch, und alle kennen sich mit Datenverarbeitung aus. Aber eben nicht mit Rohrzangen und wie man deutsche Klempner dazu bringt, dass sie etwas tun, was nicht im Auftragsbuch steht.

Die Chefin hier spricht fünf Sprachen fließend, aber Englisch ist auch nicht ihre Muttersprache. Mit einem Stromkonzern zu telefonieren, warum der Formschreiben in unverständlichem Bürokratendeutsch schickt, statt eine konkrete Anfrage zu beantworten, übersteigt ihr (gutes) Deutsch. Also muss ich plötzlich dolmetschen. Oder mit deutschen Handwerkern ausdiskutieren, warum es für anspruchsvolle elektronische Anlagen, die ich auch noch bedienen soll, gar kein Handbuch in irgendeiner Sprache gibt. Oder die Tipps eines superhilfsbereiten britischen Ingenieurs kapieren, der kein Wort Deutsch kann, aber dafür mit starkem walisischen Akzent über komplizierte elektronische devices plaudert, den ich so verstehe wie ein Deutsch lernender Pakistani Niederbayrisch.

Ich mag den neuen Job. Er ist nicht ganz so herausfordernd wie die Aufgabe, randalierende psychiatrische Patienten daran zu hindern, das medizinische Personal zu attackieren, oder Großfamilien der südländischen Art davon abzuhalten, gewaltsam in die Rettungsstelle einzudringen, oder Türkisch sprechende männliche Jugendliche zu ermahnen, nicht mit einer Fernbedienung erotische Filme auf den Fernseher im Warteraum zu „zaubern“, oder weibliche Insassen der geschlossenen Abteilungen, die – für mich nicht nachvollziehbar – Ausgang bekommen haben, wieder einzufangen, weil sie sich – für mich nachvollziehbar – weigern zurückzukommen, ober polnische Bürger, die nur noch „kurwa“ sagen können, zu bitten, nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen haben und der Promillepegel unter zwei gefallen ist, die Notaufnahme zu verlassen, mit dem glaubwürdigen Hinweis, dass ich gewaltsam nachhelfen würde, falls sie sich weigerten.

Man muss eben improvisieren mögen.

[Update] Geschirrspüler an die Warmwasserleitung anzuschließen ist möglich. Also irrte der Plumber.

Babylonische Penunzen

Vielen Dank an den edlen Spender E.G. für die Penunzen!

Geld

Ich habe gestern mit einem Kollegen aus Bulgarien, der auch Russisch, Deutsch, Polnisch und Türkisch spricht, über das Wort Penunzen geredet, das ich aus dem Ruhrgebiet kenne. Es schien ihm irgendwie vertraut. Warum, fand ich in einem Buch über Polen:
Umgekehrt haben nur ganz wenige polnische Wörter den Weg ins Deutsche gefunden, sozusagen als Gepäck der Wanderarbeitei; die vor einem Jahrhundert vor allem ins Ruhrgebiet kamen. Die bekanntesten sind das umgangssprachlichc «Penunzen» für Geld (pieniądze“) und das im Ruhrgebiet geläufige «pitschen» (trinken «» pić‘).

Man muss sich das live vorstellen: In der Silvesternacht diskutieren zwei Sicherheitsmitarbeiter über linguistische Fragen, während ringsum der Wahnsinn fette Beute macht und ein komatöser Getränkeunfall nach dem anderen per Feuerwehr angeliefert wird. Und dazu gesellt sich ein Putzfachmann des Krankenhauses aus Ghana, der schmutzige Tragen säuberte und etwas beizutragen hatte: Ashanti aka Twi, seine Muttersprache, sei mit Fante aka Mfantse aka Fante-Twi fast identisch, sagte er, aber Fante werde ganz anders ausgesprochen, so dass man es kaum verstehen könne.

Wir unterhielten uns übrigens auf Deutsch und haben uns köstlich amüsiert, trotz des silverstertypischen Tohuwabohus in einer Notaufnahme. „Geh, wos wuist denn mit dera oidn Hiawan?“ hätten wir alle drei nicht verstanden.

Nepali oder: Babylonisch in Kreuzberg

Babylonien, 43.0: Nepali, eine indogermanische indoeuropäische Sprache. Der Mann stammte in der Tat aus Nepal.

Tamaziɣt oder: Babylonien

Babylonien, 42.0: Tamaziɣt, eine Berbersprache.

Ich musste mein racial profiling wieder überprüfen. Der Herr wurde von der Polizei gebracht und sah ein wenig derangiert aus. Dazu „urbane“ Kleidung à la Görlitzer Park, sowie halblange Wursthaare aka Rasta-Look. Arbeitsthese laut meiner privaten phänotypischen Statistik, über die ich nie öffentich sprechen würde: Der ist ein Nafri und ein Fall für die Ornithologen der Notaufnahme. Macht nur Ärger, pöbelt die Schwestern an usw..

Ich habe gern den Überblick, wer was wo macht. Das ist bei manchmal mehr als 50 anwesenden Personen in der Rettungstelle nicht immer einfach. Bei einem Kontrollgang traf ich den besagten Herrn auf dem Männerklo, grüßte ihn auf Arabisch und sprach ihn dann in allen mir bekannten Sprachen an, ob alles o.k. sei. Er wusch sich weiter und antwortete auf Englisch, dass er nur wenig Arabisch spreche. Es sei Schwede. Damit war meine Statistik perdu.

Kurz darauf kam mein Arbeitskollege (Facebook) vorbei, der Arabisch, Deutsch und Englisch spricht, aber auch ein wenig Schwedisch, weil der Rest seiner Familie aus Syrien dorthin ausgewandert ist und er sie manchmal besucht.

Mein schwedischer „Nafri“ und er unterhielten sich kurz. Es stellte sich heraus, dass er in Algerien geboren war, aber Tamaziɣt sprach. Jetzt besaß er die schwedische Staatsbürgerschaft. Er war auch nicht „psych“, wie man hier sagt.

Über die Berber hatte ich hier schon gebloggt. Kāhina kannt ich nicht, habe aber mit Entzücken darüber gelesen.

Ein Kollege, der hier im Krankenhaus fachmännisch alles reinigt, spricht neben Deutsch auch Twi. Das will ich aber nicht lernen.

Und wenn in den nächsten Tagen ein anderer Kollege Streifendienst hat, werde ich mein Spanisch üben können. Das spricht er genauso gut oder schlecht wie ich, weil er dort mehrere Jahre als doorman gearbeitet hat, sein Deutsch klingt noch nicht gut. Seine Muttersprache ist Litauisch, und er spricht natürlich auch Russisch und ein wenig Polnisch. In Litauen war er mal Schwergewichtsboxer, hat keine natürlichen Feinde und sieht auch so aus – die Schwestern nennen ihn den „Schrank“, obwohl er kleiner ist als ich und auch nicht sehr viel breiter. Dabei ist er Familienvater und sehr nett und ruhig. Unsere zahlreichen Problemkunden bleiben aber alle still auf den Stühlen und verhalten sich unauffällig, wenn mein Litauer freundlich lächelnd nur vorbeigeht. Es ist eben eine Frage der Attitude.

Ich hatte neulich einen besoffenen und pöbelnden polnischen Bürger auf Wunsch des Personals auf die Straße gesetzt, und er versuchte, im Rahmen seiner Möglichkeiten, noch eine Diskussion anzuzetteln. Mein Kollege kam zufällig vorbei, und der betrunkene Herr machte sich unverzüglich von dannen, als er ihn sah. Noch nicht einmal das unvermeidliche kurwa kam über seine Lippen. Mein Kollege grinste und sagte: „Zwei Mann… immer besser.“

Sehr babylonisch hier, aber lustig.

WTF?

Otorhinolaryngologist – Englisch ist gar nicht einfach auszusprechen wie ich dachte.

Babylonien, revisited, 41.0

Babylonien, revisited, 41.0: Mòoré aus Burkina Faso (Obervolta). Der Mann sprach auch Französisch und Englisch und gehörte zum Volk (aka in Neusprech zur „Ethnie“) der Mossi.

Babylonien, revisited, 40.0

Babylonien, revisited, 40.0: Yamba aus Kamerun. Der Mann sprach auch fließend Deutsch und Französisch und erklärte mir, dass Kamerun das Land mit den meisten Sprachen weltweit sei – rund 250.

Babylonien, revisited, 39.0

Babylonien, revisited, 39.0: Schottisch. Drei junge Männer, die von einer Aikido-Veranstaltung kamen, die für einen von ihnen nicht gut ausgegangen war. Ich hörte eine Sprache, die für mich wie eine Mischung aus Skandinavisch und Englisch klang, und fragte nach. Ich habe mir gerade Centurion gekauft, weil ich alle Filme mag, in denen Olga Kurylenko vorkommt. Vielleicht haben die Pikten ja so gesprochen.

Und noch einmal: Tigrinya. Schon der zweite Eritreer, der das sprach.

Babylonien, revisited, 38.0

Babylonien, revisited, 38.0: Urhobo, Nigeria.

Babylonien, revisited, 37.0

Babylonien, revisited, 37.0: Punjabi. Die Dame kam zusammen mit ihrer Freundin, die Hindi sprach, beide parlierten natürlich auch fließend in Englisch. Die Indierinnen stammten, wie sie gekleidet waren und sich gaben, vermutlich aus der Oberschicht, da sie mit ihren (nicht anwesenden) Gatten – beide Ärzte – in Europa shoppten. Selbstredend waren auch beide Damen wunderschön.

Babylonien, revisited, 36.0:

Babylonien, revisited, 36.0: Afar Oromo. Der Mann sprach auch Arabisch, Deutsch und Somali.

Babylonien, revisited, 35.0:

Babylonien, revisited, 35.0: Hazaragi (Afghanistan) – die Familie sprach auch Dari bzw. Farsi.

Dangla hatten wir schon.

Babylonien, revisited, 34.0:

Babylonien, revisited, 34.0: Amharisch. Der Patient stammt aus Äthiopien, benahm sich aber schlecht; ich musste ihm eine Ansprache halten, weil es wegen ihm einen Alarm gab, der immer bedeutet, dass das Personal eine Gefahr sieht und ich denn hinrennen muss. Die Ansprache half, weil er Deutsch verstand, und der Tonfall und eine gewissen Attitude reichen normalerweise auch.

In der selben Tag unterhielt ich mich in Spanisch mit einem spanischen Staatsbürger, der aus Kamerun stammte und auch Französisch und ein bisschen Englisch verstand und gerade Deutsch lernte. Seine Muttersprache war Haussa. Er meinte, es sei doch selbstverständlich, dass man die Sprache des Landes lerne, in dem man leben wolle. Bei der Idee, dass ich Haussa lernen würde, falls ich nach Kamerun reiste, wollte er sich schier kaputtlachen.

Babylonien, revisited, 33.0

Babylonien, revisited, 33.0: Dangla. Der Mann kam aus dem Tschad, war seit zwei Jahren in Deutschland und sprach schon sehr gut Deutsch. Nur rund 45.000 Menschen sprechen noch Dangla – offenbar eine aussterbende Sprache.

Babylonien, revisited, 32.0:

Babylonien, revisited, 32.0: Dahalik. Das Ehepaar kam aus Eritrea.

Babylonien, revisited, 31.0:

Babylonien, revisited, 31.0: Schwedisch (ich habe nachgesehen: das hatte ich noch nicht), innerhalb von zwei Stunden noch einmal Tschetschenisch – der Mann stammte aus Grosny -, und Baoulé, aka Baule or Bawule, aber jetzt aus Kamerun.

Babylonien, revisited, 30.0

Babylonien, revisited, 30.0: Maya aka Mayathan! Ich fass es nicht. Der Mann kam aus Yucatan, Mexico und war tätowiert wie ein Krieger aus Apocalypto. Spanisch sprach er ohnehin. Seine Freundin war aus Uruguay und hatte deutsche Vorfahren – sie verstand auch Deutsch.

Kennt ihr übrigens Chan Santa Cruz?

Babylonien, revisited, 29.0

Babylonien, revisited, 29.0: Baoulé, aka Baule or Bawule, ist eine Tano-Sprache der Akan. Der Mann sprach auch fließend Deutsch und kam von der Elfenbeinküste.

Verdammt, ich weiß zu wenig über die afrikanischen Völker. Das hört sich doch alles sehr interessant an.
Über die Herkunft der heutigen Akan Ghanas und der Elfenbeinküste lässt sich nichts Genaues sagen, da diesbezügliche archäologische Beweise (noch) nicht existieren. Die mündliche Tradition der Akan verweist auf das Reich Kong, das im Mittelalter im Quellgebiet des Schwarzen Volta (im Westen des heutigen Burkina-Faso) existiert hat oder/und auf das Gebiet des bereits existierenden oder späteren Gonja-Reiches. Von hier aus zog man in den Regenwald, wobei es gemäß der Überlieferung zur Aufspaltung zwischen Aschanti und Fanti kam. (…) Mit seinem Sieg über das mächtige Denkira 1701 begann der Aufstieg Asantes zu einem der stärksten und politisch bedeutsamsten Königreiche Westafrikas, das anfangs vor allem durch den Gold- und Kolahandel gedieh. Mit der steigenden Nachfrage nach Sklaven durch die Europäer und arabische Händler fand der Wohlstand auch ein weiteres Fundament im Sklavenhandel.

Babylonien, revisited, 28.0:

Babylonien, revisited, 28.0: Tschechisch aka Böhmisch und Slowakisch. Ich muss bekennen, dass ich mich in den Details der Geschichte Osteuropas überhaupt nicht auskenne.

Wenn ich einen Ausländer treffe, der behauptet, gut Deutsch zu sprechen, lasse ich ihn folgenden Satz sagen: „Ich habe ein tschechisches Eichhörchen in meinem Streichholzschächtelchen.“ Das geht nie gut aus.

Babylonien, revisited, 27.0

Babylonien, revisited, 27.0: Aymara (sorry, aber der deutsche Wikipidia-Eintrag ist nicht wirklich informativ.)

Der Mann kam aus Oruro in Bolivien und sprach natürlich auch Spanisch.

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