Die Haare schön

indios

Fotografiert in Huancayo (3250m) in den peruanischen Anden, 1979

[Ich habe erst ungefähr die Hälfte meiner Lateinamerika-Fotos online. Sorry – da kommt noch mehr.]

Faustinos Ort oder: Aguirre lässt grüßen

Puerto MaldonadoRio Madre de Dios

Mitte Mai 1984 reisten wir von La Paz aus in die bolivianischen Yungas, ein paar Wochen später flogen wir mit einer Militärmaschine nach Riberalta im Nordosten, im Pando-Dschungel, nahe der brasilianischen Grenze. Von dort aus wollten wir per Schiff wieder nach Westen nach Peru.

Aus meinem Reisetagebuch: 13. Juni: Wir schwimmen auf dem Rio Madre de Dios. Eine Angelegenheit, die einen eigentlich inspirieren müsste, einen Abenteuerroman zu schreiben, wenn man nicht gerade an die vielen kleinen Unannehmlichkeiten denkt, die schnell vergessen sind, aber das Gefühl in der Gegenwart beeinflussen. Der Schiffsmotor ist so laut, dass die Zähne und die Zunge vibrieren. Der Kaffeetopf starrt vor Ruß, der sowohl in unsere Tassen fällt als auch auf den Fingern kleben bleibt. Ein Klo gibt es nicht. Die Moskitos lassen sich von dem leichten Lüftchen, was anderen Ortes Fahrtwind heißt, nicht beeindrucken. Ich sitze am Bug. (…) Wir fahren ganz dicht am Ufer, um der Hauptströmung des Flusses möglichst wenig Widerstand zu bieten. Angesichts des Ufers scheint es mit, dass wir ungefähr Fahrradtempo fahren.

Gestern wagte ich es, in der Schlammbrühe ein Bad zu nehmen. Die pasajeros beobachteten mich, als wenn sie vermuteten, ich müsste im nächsten Augenblick untergehen. Aber der Fluss erfrischt.

14. Juni. Der zweite Tag auf dem Rio Madre de Dios. Wir haben unsere Reisepläne geändert. Heute Morgen erfuhren wir zufällig im Gespräch, dass dieses Schiff wohl das letzte ist, was noch flussaufwärts fährt, weil der Flusspegel so niedrig ist, dass zwischen Chivé bzw. Puerto Heath [an der Grenze zu Peru] und Puerto Maldonado wegen irgendwelcher Stromschnellen keiner mehr durchkommt. (…) [Zu Chive vgl. Der Katschuksammler, revisited und Tag der Arbeit, Goma in Riberalta ] (…)

Puerto Maldonado, Freitag, 28. Juni: Wir haben es geschafft! Unter schier unbeschreiblichen Umständen und den sie begleitenden Gefühlen und Eindrücken. Natürlich mussten wir in Chive tagelang warten, als wir von den Kautschuksammlern zurückgekehrt waren, und selbst dann war es noch lange Zeit fraglich, ob wir wegkommen würden, weil der „Sur“ [kalter Südwind] wieder losbrach mit einem Sturm sondergleichen und starken Regengüssen. Die Temperatur sank in zwei Stunden ca. 15 Grad. (…) Wir schlafen auf Säcken mit Paranüssen.

B. hat Schüttelfrost und schwankt zwischen totaler Verzweiflung und Thomapyrin-Hochstimmung, die später wieder umschlägt, weil die Tabletten das Fieber nur unterdrücken. Ich kann auch kaum schlafen, weil die „Unterlage“ überall zwickt, die Moskito-Stiche verteufelt jucken und der Schweinwerfer der Papillon [so hieß das Schiff] genau in meine Augen leuchten, wenn sie schwenken. Unsere Schlafsäcke stinken widerlich nach Schweiß. B. hat eine dicke Beule von einem Mückenstich unter dem Knie, die noch zusätzlich schmerzt, und eine hinterm Ohr. Es reicht. Am Morgen fühlen wir uns etwas besser, aber wie durch den Kakao oder etwas Schlimmeres gezogen.

Die Strömung ist so stark, dass das Schiff zeitweise auf der Stelle „tritt“ oder rückwärts treibt. Außerdem liegt es so tief im Wasser, dass die Spritzer der Bugwellen bedenklich ins Schiff schlagen. (…) Mitten in der Nacht machen wir fest, ein paar peruanische Grenzer kommen verschlafen an Bord. Ich versuche Smalltalk. Sind hier öfter Touristen gewesen? Sie überlegen: „In diesem Jahr erst ein Ausländer…“ (…)

Endlich taucht Puerto Maldonado auf – Faustinos Ort – ein hoher Hang mit Holzhäusern und dem unübersehbaren Wasserturm. Rechts davon eine rote Lehmküste, die aussieht wie in Helgoland. (…) Wir nehmen ein Fahrradtaxi; der Fahrer ist so schüchtern, dass er kaum ein Wort herausbringt, als hätte er noch nie Fremde gesehen.

Mercado, revisitado

markt puno

Puno (Peru 1984)

Farmacia

farmacia puno

Apotheke, Puno (Peru 1984)

Waqaypata nisqaqa

cuzco plaza de armas

Cuzco, Peru, Plaza de Armas (1984). Eine Sicht von heute zeigt, dass sich alles geändert hat.

Leider gibt es weder einen englischen (nur über Cusco) und natürlich auch keinen deutschen Wikipedia-Eintrag zum Thema – die Geschichte des Platzes zur Inka-Zeit ist sehr interessant. Die Stadt Cuzco ist magisch. Als ich Anfang 1980 zum ersten Mal da war, gab es fast keine Touristen und nur eine winzige Kneipe, wo sich die trafen.

Mucho trafico

Lima

Lima, Peru, 1984. Ich kann nicht mehr rekonstruieren, wo das war, vielleicht die Avenida Tacna. Man kam zu Fuß zur Plaza de Armas.

Huancayo, revisado

Huancayo

Das Foto habe ich im Dezember 1979 auf dem Markt von Huancayo im Hochland von Peru gemacht.

Über Land

bus

Heute braucht ein Bus für die Strecke zwischen Huancayo und Ayacucho in den peruanischen Anden rund fünf Stunden – wir haben damals 12 Stunden benötigt. Aus meinem Reisetagebuch vom 31.12.1979:
Der Bus braucht fast 1 1/2 Stunden, um aus Huancayo rauszukommen. Fahrt auf endlosen Serpentinenstrecken – rauf und runter. Die erste Hälfte draußen nur „Waschküche“, dann aber Aussicht. Die Anden Kolumbiens sind schöner, hier ist alles kahl, aber sehr hoch mit tiefen Schluchten und kleinen Seen.

anden

Der Bus ist das letzte Gerät, fährt teilweise Schrittempo mit halsbrecherischen Ausweichmanövern, bei denen alle Passagiere aussteigen müssen (falls der Bus in die Schlucht fiele).

Leider verschlafen wir Silvester. Wir kommen morgens um ein Uhr an. Finden erst kein Hotel, dann La Crillonesa, sehr schön im vierten Stock mit Aussicht über die ganze Stadt vom Balkon aus. Klos funktionieren aber nicht. Ayacucho ist muy tranquillo.

La Crillonesa ayacucho peru

(Die Sicht vom Balkon gibt es sogar bei Facebook. Unfassbar. Den Balkonfußboden haben sie aber erneuert…)

Hotel Comercio, Lima

burks in Limahotel comercio limaburks in Lima

Da sitze bzw. liege ich im „Hotel“zimmer in Lima, Peru, am 29. Februar 1984. Es war der erste Tag einer Reise von ca. sieben Monaten durch Peru und Bolivien.

Das extrem preisgünstige, aber gemütliche „Hotel“ Comercio gibt es heute nicht mehr. Es lag auf der Ecke der Jirón Áncash mit der Jirón Carabaya, ganz zentral mit Blick auf den Plaza de Armas und den Präsidentenpalast – ich habe sogar den Blickwinkel des Fotos in der Mitte wiedergefunden. Auf dem Balkon (Foto Mitte) steht meine damalige Freundin.

Aus meinem Reisetagebuch: „In Lima haben wir uns wohlgefühlt, was natürlich auch am Hotel lag. Die Terroristenhysterie ist selbst in den Stadtvierteln außerhalb (hier war es Rimac) zu spüren. Ein Tankwart will mit kein Benzin verkaufen, weil er denkt, dass ich eine Bombe bauen will.

Das, was in den Zeitungen steht, kriegen wir relativ wenig mit. Das Wetter in den Anden muss katastrophal sein, jedenfalls werden jede Menge Erdrutsche etc. gemeldet. In Puno ist Lebensmittelknappheit wegen eines Eisenbahnerstreiks, von Ayacucho ganz zu schweigen. (…)

Die Eckkneipe an der Iglesia San Francisco ist noch so wie früher. aber ansonsten fühlt man sich wie bei Leydicke – peruanische Mittelklasse und Gringos.

Am ersten Tag im Comercio stecken wir beinahe das Hotel in Brand, B. pumpt zu viel Luft in den Ofen [Coleman Peak 1 Multi-Benzinkocher] – oder es liegt am mangelnden Sauerstoff. Die Flammen schlagen aus allen Löchern, und die Zeitung, auf der der Ofen steht, brennt auch schon. Ich trage den Ofen auf den Balkon und verbrenne mir ziemlich das Handgelenk….“

Pastorcilla

pastorcilla

Hirtenmädchen, fotografiert in der Nähe von Ollantaytambo, Peru 1984

Land Yacht

Land Yacht

Fotografiert in Lima, Peru, Anfang August 1984. Ich meinte, das Foto sei in der Nähe des Plaza San Martin gemacht worden, ich habe aber die Stelle nicht gefunden, auch nicht das markante Gebäude im Hintergrund.

Esst mehr Fleisch, revisited

puno Fleisch

Das Foto wurde im Januar 1980 auf dem Markt in Puno in Peru gemacht. Auch wenn es nicht so aussieht: Das Fleisch dort ist sicher von besserer Qualität als das, was in deutschen Supermärkten als verpacktes Fleisch verkauft wird, jedenfalls am ersten Tag des Verkaufs. (Revisited, vgl. 2012)

Wakaywillque

Wakaywillque

Das Tal des Rio Urubamba bei Ollantaytambo, Peru 1984. Im Hintergrund der Nevado Verónica (5,893 m), auch bekannt als Wakaywillque. Der Ausblick war atemberaubend schön.

Genau an diesem Punkt sind meine Begleiterin und ich gestartet zu einer einwöchigen Tour durch die Berge nach Machu Picchu.

In den Katakomben

iglesia San franciscoiglesia San francisco

Iglesia San Francisco, ein ehemaliges Kloster der Franziskaner, in Lima, Peru (1979).

„Lima bekam erst spät einen Friedhof. Um den Verstorbenen einen Platz zu geben, fand man eine andere Lösung – Katakomben unter der Kirche. Dieses Netz aus Gängen und Gewölben verzweigt sich unter der Stadt und diente einerseits dazu, bei Erdbeben entstehende Schwingungen aufzufangen; doch andererseits fanden dort bis 1808 etwa 25.000 bis 30.000 Menschen ihre letzte Ruhestätte.

Die Knochen wurden Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckt und sortiert. Heute sind sie in geometrischen Mustern angeordnet zu sehen.“

Amantani, revisited [Update]

amantani

Amantani, eine peruanische Insel im Titcacasee. Dort habe ich eine Woche bei Quechua-Bauern verbracht. Dieses war das jüngste der Kinder der Gastfamilie. Das Mädchen wurde „Ultima“ (die Letzte bzw., Jüngste) genannt, vermutlich wird dieser Titel immer weitergereicht.

[Update] Danke, Andreas!

Cordillera Blanca

cordillera Blanca

Die Cordillera Blanca in Peru, überflogen 1984 auf dem Weg von Lima nach Havanna, Kuba.

Ich frage das hiesige Publikum, welcher Berg im Vordergrund zu sehen ist? Damals wusste ich das nicht. Heute tippe ich auf den Chopicalqui (6,354 Meter).

I wish I were not here

Grenadacordillera blanca

Ich hatte mir überlegt, wo ich Neujahr gern sein möchte (Reprint von 2011)- Mir fielen zwei gegensätzliche Orte spontan ein, ein Strand im Norden Grenadas und die Cordillera Blanca im Norden Perus.

Ich wünsche allen geneigten Leserinnen und wohlwollenden Lesern ein gutes neue Jahr! Ich feiere nicht, sondern gehe gleich ins Bett, weil ich um 5.20 Uhr aufstehen und arbeiten muss.

On the Road

Interoceanica Sur

Das Foto habe ich 1984 gemacht – auf einer der damals gefährlichsten Straßen (Teil der Interoceanica Sur) der Welt.

Ich war mit einem LKW (illegaler Holztransport, rund 20 Personen auf der Ladefläche und ein paar Benzinkanister) unterwegs von Puerto Maldonado im Urwald von Peru nach Cuzco, zwei Tage und eine Nacht. Der LKW auf dem Foto schaffte es so gerade eben durch das Flussbett (vermutlich ungefähr hier), ein paar Stunden später begannen die Berge.)

Die Nebelkrieger in Sacsayhuaman

Sacsayhuaman

Sacsayhuamán in den Anden Perus in der Nähe der alten Inkastadt Cuzco.

Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Man weiß bis heute nicht, wie die Inka die Steine transportiert haben, da sie weder das Rad noch Rollen kannten.

Sacsayhuaman war 1536 der Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen den Spaniern und den Truppen Manco Cápac II., der noch Jahre später später einen Guerillakrieg gegen die Konquistadoren führte.

Der Beginn des Aufstandes war absichtlich auf Ostern 1536 festgesetzt worden. Eine Woche zuvor gelang Manco die Flucht vor seinen Bewachern zu einem vorbereiteten Versteck im Norden, wo sich seine Truppen sammeln sollten. Aufgrund von Verzögerungen konnte der Angriff allerdings erst Anfang Mai beginnen, nachdem es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Generälen über den genauen Angriffszeitpunkt gegeben hatte.

Als die Inka-Armee in Cuzco ankam, waren etwa 200 Spanier sowie mehrere tausend indigene Soldaten in der Stadt stationiert. Unter diesen sind viele Kañaris und Chachapoyas (die „Nebelkrieger“) aus dem Norden, welche in der späten Inkazeit umgesiedelt worden waren und dort eine wichtige Rolle als Elitetruppen spielten, bis sie sich den Spaniern anschlossen. Mancos Armee umfasste vermutlich mehrere Zehntausend Krieger (Augenzeugen sprechen von bis zu 30.000). Nachdem die Wasserversorgung unterbrochen worden war, begannen sie die Belagerung der Stadt und der ihr vorgelagerten Festung Sacsayhuamán, welche schon nach kurzer Zeit fiel.

Obwohl ihre Niederlage fast sicher schien, kämpften die Spanier erbittert um ihr Leben – sie wussten, dass sie von den Inka keine Gnade zu erwarten hatten. Als Druckmittel versuchten sie deshalb, die von Manco zur Unterstützung seiner Armee angeheuerten Zivilisten zu terrorisieren. Gleichzeitig gelang es mehreren Inkaverbänden, Entsatztrupps der Spanier auf dem Weg nach Cuzco zu vernichten, wobei über dreihundert Spanier den Tod fanden…

Ein Stoff, den Homer sicher interessant gefunden hätte…

Das Foto habe ich im Februar 1980 gemacht (vgl. Sacsayhuamán).

Ausangate, revisited

ausangate

Das Foto habe ich 1984 gemacht. Der schneebedeckte Berg ist der Ausangate (6.384 m) am westlichen Rand der Cordillera Vilcanota. Die Route habe ich hier 2014 schon beschrieben – dort sieht man den Gipfel des Bergriesen aus einer anderen Perspektive.

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