Interoceanica, revisited

Interoceanica sur

Das Foto habe ich 1984 gemacht, von der Ladefläche eines LKW aus (vermutlich ungefähr hier) – auf einer der damals gefährlichsten Straßen (Teil der Interoceanica Sur) der Welt. (Was man auf dem Foto sieht, ist die „Straße“. Vgl. auch On the Road, 22.11.2018)

Aus meinem Reisetagebuch, Ende Juli 1984:
In Puerto Maldonado verpassen wir den Volvo [LKW], der früh am Morgen mit Holz losfährt, weil wir fälschlicherweise annehmen, dass er nicht pünktlich sei. Wir müssen mit einer Moped-Taxe zum Kontrollpunkt, wo sogar ein kleines Wartehäuschen mit Dach steht. In der Kneipe nebenan gibt es ein originelles Spiel: ein Frosch, umgeben von kleinen Felltütchen, in die man Münzen werfen muss – derjenige gewinnt, der genau in das Maul des Frosches trifft.

Am Nachmittag kommt ein LKW, der uns mitnimmt, allerdings laden wir bis spät in die Nacht hinein Holz auf, das die Siedler am Wegesrand verkaufen. Später erfahren wir, dass eigentlich geschnittenes Holz nicht in die Anden transportiert werden darf, aber der Polizist, der kontrolliert, möchte dann ein regalo von zwei „Hölzchen“.

Ungefähr bei Kilometer 140 kann man für kurze Zeit in der Ferne schneebedeckte Berge sehen [die Cordillera Vilcanota]. Dann kommen die ersten Hügel, ein Blick von oben auf das grüne Meer der Ebene, und es geht wieder in unendlichen Kurven aufwärts.

Die Vegetation wird vielseitiger, alles ist „well-stocked“ mit bunten Blüten und Orchideen. In Marcapata machen wir Rast essen in Caranavi-ähnlicher [d.h. großartiger] Stimmung.

Die ersten beiden Nächte sind einigermaßen erträglich, obwohl jeder von uns nur ein ca. 30 cm breites Brett als Untergrund zur Verfügung [auf der Ladefläche des LKW] hat.

In der dritten Nacht überqueren wir die Cordillera und frieren uns trotz Pullover, Hosen und Mütze einen ab. Im Morgengrauen halten wir in einem winzigen Dorf vor Ocongate…

Nazca, backstage

nazca

Nein, die weltberühmten Nazca-Linien habe ich mir nicht angesehen, ich bin 1984 nur, wie man hier sieht, vorbeigefahren (auf dem Weg von Ica nach Camana) – der Beobachtungsturm wäre mir auch zu klein gewesen. Jemand war offenbar mit dem Moped da.

Aus meinem Reisetagebuch, März 1984, auf der Panamericana durch die Wüste nach Süden:
Es ist erstaunlich, welche Assoziationen man bekommt, wenn man bis zum Horizont buchstäblich bis zu einer flachen Sandfläche nichts sieht. Oder: Totale Steinwüste, Wanderdünen, deformierte und erodierte Felsengebirge und an den unmöglichsten Stellen plötzlich Dörfer oder Häuser.

Die Flüsse aus den Anden verbreitern sich, und die Leute bewässern jedes Stückchen Erde in den Tälern, bauen das Dorf aber woanders hin. Einige Täler sind noch völlig mit Resten von Terrassen bedeckt, die teilweise nur an aus der Ferne als Streifen auf dem Boden zu sehen sind.

Auf die Frage an unseren Autobesitzer, warum denn die Leute keine Terrassen bauten? sagt er nur, es sei kein Wasser dafür da. Lächerlich.

In der Nacht hat ein Fluss die Straße überschwemmt. [Vermutlich war es bei Capisca.] Es sieht unheimlich aus, aber als ein Ormeño durchkommt, wage ich es auch [mit dem Volkswagen], und den lauernden Dorfbewohner entgeht ein Trinkgeld.

Spät in der Nacht erreichen wir Camana

Bergwelt

Anden

Fotografiert 1984 in den peruanischen Anden, irgendwo auf dem Camino de los Incas, auch bekannt als Inca-Trail.

Warmi Wañusqa oder: Die Frau, die starb

Warmi Wañusqa
Warmi Wañusqa, 4200 Höhenmeter, „…a mountain pass in the Cusco Region in Peru. It is located in the Urubamba Province, Machupicchu District.“

Aus meinem Reisetagebuch, Juli 1984, auf dem Camino de los Incas, Peru, auch bekannt als Inca-Trail:

… Es geht unablässig steil aufwärts, mit kurzen, nur meterlangen Passagen zum Ausruhen. Der Berg hinter uns gilt als Maßstab; wir steigen wirklich sehr schnell. Bald sind die drei weißen Steine [Wayllabamba] des ersten Zeltplatzes zu sehen, aber B. kann das letzte Stück einfach nicht mehr. Ich gefalle mir darin, ein wenig mit zwei Rucksäcken zu laufen. Wir erreichen mit letzter Kraft den Platz. Uns folgt der verrückte Kalifornier, der vor vier Wochen einige Sechstausender bestiegen hat und der zudem Marathonläufer ist.

Wir descansaren und sehen nach und nach noch einige total fertige Gringos eintrudeln; andere – nur wenige – steigen scheinbar ohne Ermüdungserscheinungen weiter.

Bald klettern wir weiter und hängen trotz des erzwungenen Beinahe-Gänsemarsches einige noch ab – sie hätten sich vielleicht ausruhen sollen. Jetzt geht es durch einen Märchenwald steil, sehr steil aufwärts, knapp zwei Stunden, und dann taucht kurz vor Erreichen der Baumgrenze ein wunderschöner kleiner Platz auf, eine Wiese mit Büschen und Bäumen. Wir zelten oberhalb, wo schon zwei andere Zelte stehen, weil es näher zum Wasser ist. Letzteres ist eher flüssiges Eis statt Wasser.

Wir müssen uns mit allen warmen Sachen anziehen, kochen unser Essen und genießen den prächtigen Blick auf der Berge ringsum, deren Hänge und Schneefelder sich in der Dämmerung langsam rosa färben. Gleichzeitig wird es kalt und kälter. Unter großen Mühen entfachen wir noch ein Feuer, das alle zitternden Umstehenden für eine kurze Zeit wärmt, dann zieht es alle ins Zelt.

Am nächsten Morgen stehe ich als erster draußen; das Zelt ist mit einer Eisschicht überzogen, B.s T-Shirt liegt gefroren auf einem Busch und die Wiese ist total glitschig. Der Ofen macht Schwierigkeiten, wir sind über 4000 Meter hoch, aber irgendwann bequemt er sich, und der warme Kaffee weckt allmählich die Lebengeister, selbst die kalten Zehen erwärmen sich. So beginnt der dritte Tag….

Frohe Festtage!

cabanaconde

Cabanaconde, damals noch ein winziges Bauerndorf, eine Tagesreise nördlich von Arequipa, in den peruanischen Anden (1984). Der Bräutigam (links, neben ihm seine Braut) hieß Huaman Huamani, sein Name soll hier als Dank für die Einladung und das unvergessliche Erlebnis verewigt werden. [Reprint vom 11.01.2011]

Insel der Sterne

Iglesia de San Antonio Abad

Die Iglesia de San Antonio Abad auf der peruanischen Insel Amantani, fotografiert im April 1984 (Ich habe nur zwei Fotos dieser Kirche gefunden). Damals gab es weder gepflasterte Straßen auf der Insel noch irgendeine Herberge. Wir waren bei Bauern privat untergebracht. Aus meinem Reisetagebuch:

Der Aufenthalt in Amantaní ist das interessante Gegenstück zu Cabanaconde. Der vierstündige Bootstrip [von Punu aus] zeigt Plätze, an denen die Schilfboote gebaut werden. In Amantaní werden wir von der Familie schüchtern empfangen und bekommen ein sauberes und hübsches Zimmer mit zwei Betten inklusive einer Matratze aus Schilf und einem Steintisch. (…)

Zu allen Mahlzeiten gibt es den obligatorischen Mate de Muña, ein Kraut, das den Magen beruhigen soll, bei mir aber nach drei Tagen das Gegenteil bewirkt. Zum Frühstück Brot und Ei. Mittagessen und cena: Suppe (sieht gut aus und schmeckt gut), secundo: Ei mit papas fritas und Reis, am Sonntag Fisch (Pejerrey).

Vermutlich hat mein Magen das Fett der papas fritas nicht vertragen, denn ich kriege Durchfall. Das baño ist ein ordentlich mit Steinen eingefasstes Loch hinter dem Haus, das bald von unserem Klopapier vollgestopft ist. Nachts ist das ärgerlich, aber der señor [Hausherr] stellt mir schließlich einen ehemalige Topf als Pinkelpott ins Zimmer.

Amantani

Die Frauen sprechen nur Quechua und tragen als Inseltracht einen schwarzen Schleier, den sie, wenn sie die Insel verlassen, gegen den obligatorischen Hut eintauschen. Wir sehen die Mädchen weben, die beiden Jungen bauen kleine Boote aus Schilf, wie ich es nicht hätte tun können. Die ultima (das jüngste Kind der Familie, das keinen Namen hat) trägt einen riesigen Hut mit breiter Krempe wie alle ultimas.

Auf dem Pachatata ist eine kleine Ruinenstadt mit einem viereckigen ummauerten Platz, wo sich am 22. Januar alle Leute der Insel treffen, um zu feiern. Der señor, der uns führt, erzählt, noch sein Vater habe die Häuser der heutigen Ruinen intakt gesehen, aber da das Land knapp ist, brauchten die Leute die Steine. Er sagt, auf Taquile [was damals bei Touristen „angesagt“ war] gebe es nichts Interessantes, und die Leute zögen ihre Trachten nur an, damit Touristen kämen.

Die ganze Insel ist wie ein großer Garten: viele kleine, gepflasterte Wege zwischen Gartenzäunen laufen auf Terassen kreuz und quer, so dass er schwer fällt, die Richtung einzuhalten. Die Höfe sind ziemlich ärmlich: ein zweistöckiges schmales Haupthaus und die Küche ohne Kamin daran gebaut. Die Frauen haben verquollene Augen, wenn sie gekocht haben. Je nach Reichtum sind sie mit Wellblech oder mit Schilf gedeckt. Es gibt auch eine Adventisten-Kirche, wohl nach dem Motto: Wer zuerst da ist…

Wir unterhalten uns mit dem einzigen Ladenbesitzer, dessen Inventar mit deutscher Hilfe eingekauft worden ist. Später klärt uns der señor auf, dass der Laden comunal sei.

Amantani

Das ist auch der Unterschied zu den Orten in der Sierra und auf dem Altiplano: Um überhaupt in den Geldverkehr eintreten zu können, müssen die Leute gemeinsam handeln. Je 30 besitzen ein Boot. Gemeinsam tauschen sie das steinharte Eukalyptusholz gegen Lebensmittel. Außerdem handeln sie mit den Urus.

Der Laden ist sinnvoll, weil die Armen die Schiffspassage nach Puno gar nicht aufbringen könnten. Wir könnten für den Ladenbesitzer „Schicksal“ spielen, indem wir irgendwelchen Reiseführern [damals gab es noch keine außer dem South American Handbook] mitteilten, dass er auch ein alojamiento hat, was bis jetzt [1984] niemand weiß.

Die Situation ist vielleicht untypisch. Früher haben nur 900 Leute auf der Insel gelebt, und vermutlich hat erst der Handel mehr ermöglicht. Die Leute auf Amanataní seine fleißig. (…)

Alle Kinder rufen ständig da me plata (gib mir Geld), weil irgendwelche Touristen ihnen wohl für Weg- und andere Auskünfte etwas bezahlt haben. Die ersten Touristen, Franzosen – vor ca. zwei oder drei Jahren -, haben mit ihren blonden Haaren noch die Kinder erschreckt.

Die Rückfahrt ist schrecklich: ziemlich hoher Wellengang, und mir ist kotzübel, was sich nach einer Weile ein wenig bessert. Ein Kotzeimer wird auf dem Boot herumgereicht, und ich muss die ganze Zeit kacken, was die Neugier auf die Urus, bei denen wir anlegen, vermindert. Eine „Herde“ von Schilfbooten empfängt uns und cargo wird umgeladen. Ich weiß nicht, ob die Urus nur von Fisch leben?

Aguas Calientes

chivay

Fotografiert am 25.03.1984 in Chivay, Peru. Chivay ist bekannt für heiße Quellen. (Leider ist das Foto von mir ein bisschen verwackelt.)

Durch die Wüste, revisited

panamericana

Ich bin 1984 die Panamericana nach Süden getrampt, von Ica südlich von Lima bis nach Camana an der Pazifik-Küste westlich von Arequipa. Es werden um die 1000 Kilometer gewesen sein.

Ich wurde irgendwann von einem Mann in einem Volkswagen mitgenommen, der nicht wusste, wozu die Gänge gut sind – er fuhr mit heulendem Motor im dritten Gang neunzig und mit Stottern im vierten Gang Hügel hinauf, solange, bis es mir zu bunt wurde und ihn ihn überredete, mich als Steuer zu lassen, zumal er schon schweißüberströmt war und sich jedes Mal beim Anblick eines anderen Autos bekreuzigte und irgendetwas Frommes murmelte. Ich darf also behaupten, dass ich die Panamericana selbst befahren habe.

[Mehr: Durch die Wüste, 15.05.2011]

Die Freiheit über den Wolken

flug

Über der Küste Perus – Flug von Lima nach Havanna, Kuba, 02.08.1984.

Cuzco, revisitado

Cuzco

Cuzco, Peru, links der Mercado Central de San Pedro, rechts die Estación Ferroviaria de San Pedro – die Eisenbahnlinie, die nach Huancayo führt -, auf den Treppen fotografiert, Juli 1984.

Via Gander

gander

Zwischenlandung auf dem Gander International Airport, Kanada, fotografiert 1984. Wir flogen von Berlin-Schönefeld, damals DDR, nach Lima, Peru.

amtsplatz

Am ehemaligen Grenzübergang Walthersdorfer Chaussee in Richtung Flughafen Schönefeld. Aus meinem Reisetagebuch:
„…Polizeikontrolle in Rudow, einen Tag warten in Schönefeld. Dort gruppenreisenden Ostler mit aufdringlich-fröhlichem Leiter-Animateur, nach Syrien abreisende Araber. Zwischenlandung auf Neufundland/Kanada mit supermodernem Flughafen Gander. Tiefer Schnee draußen. Landkarten à la Elch mit Holzfäller. Dann weiter nach Kuba, 20 Grad plus, aber kühl, und wegen der Wolken nichts von oben zu sehen… Dort wusste ich dann weder Tag und Uhrzeit.“

Fotógrafo

fotograf

Fotografiert in Lima, Peru, Ende Juli 1984. Leider kann man aus dem Foto (Dia) nicht mehr herausholen, die Kontraste sind zu stark.

Colorido

amantani

Fotografiert auf Amantani, einer peruanische Insel im Titcacasee. Dort habe ich im April 1984 eine Woche bei Quechua-Bauern verbracht.

Ferrocarril Central Andino, revisited

La Galera

Das Foto wurde am 26.12.1979 gemacht, links im Vordergrund bin ich. (Vgl. SAIS Túpac Amaru, 24.03.2011)

Ich stieg in Lima, der peruanischen Hauptstadt, in den Zug nach Huancayo, hoch in den Anden. Von einem Deutschen hatten wir gehört, es gebe dort irgendwo in der Bergen eine landwirtschaftliche Kooperative, die SAIS Túpac Amaru (La Sociedad Agrícola de Interés Social “Tùpac Amaru” Ltda.. Nº 1). Die Bahn war damals noch die höchste der Welt. „Im September 1892 konnte der erste Zug der Ferrocarril Central Andino von Lima nach Oroya befahren. Diese Bahnlinie war bis 2005 die höchste normalspurige Eisenbahnstrecke der Welt mit einem Scheitelpunkt bei 4781 m ü. NN bei La Galera.“ (Wikipedia). (Video)

Die Haare schön

indios

Fotografiert in Huancayo (3250m) in den peruanischen Anden, 1979

[Ich habe erst ungefähr die Hälfte meiner Lateinamerika-Fotos online. Sorry – da kommt noch mehr.]

Faustinos Ort oder: Aguirre lässt grüßen

Puerto MaldonadoRio Madre de Dios

Mitte Mai 1984 reisten wir von La Paz aus in die bolivianischen Yungas, ein paar Wochen später flogen wir mit einer Militärmaschine nach Riberalta im Nordosten, im Pando-Dschungel, nahe der brasilianischen Grenze. Von dort aus wollten wir per Schiff wieder nach Westen nach Peru.

Aus meinem Reisetagebuch: 13. Juni: Wir schwimmen auf dem Rio Madre de Dios. Eine Angelegenheit, die einen eigentlich inspirieren müsste, einen Abenteuerroman zu schreiben, wenn man nicht gerade an die vielen kleinen Unannehmlichkeiten denkt, die schnell vergessen sind, aber das Gefühl in der Gegenwart beeinflussen. Der Schiffsmotor ist so laut, dass die Zähne und die Zunge vibrieren. Der Kaffeetopf starrt vor Ruß, der sowohl in unsere Tassen fällt als auch auf den Fingern kleben bleibt. Ein Klo gibt es nicht. Die Moskitos lassen sich von dem leichten Lüftchen, was anderen Ortes Fahrtwind heißt, nicht beeindrucken. Ich sitze am Bug. (…) Wir fahren ganz dicht am Ufer, um der Hauptströmung des Flusses möglichst wenig Widerstand zu bieten. Angesichts des Ufers scheint es mit, dass wir ungefähr Fahrradtempo fahren.

Gestern wagte ich es, in der Schlammbrühe ein Bad zu nehmen. Die pasajeros beobachteten mich, als wenn sie vermuteten, ich müsste im nächsten Augenblick untergehen. Aber der Fluss erfrischt.

14. Juni. Der zweite Tag auf dem Rio Madre de Dios. Wir haben unsere Reisepläne geändert. Heute Morgen erfuhren wir zufällig im Gespräch, dass dieses Schiff wohl das letzte ist, was noch flussaufwärts fährt, weil der Flusspegel so niedrig ist, dass zwischen Chivé bzw. Puerto Heath [an der Grenze zu Peru] und Puerto Maldonado wegen irgendwelcher Stromschnellen keiner mehr durchkommt. (…) [Zu Chive vgl. Der Katschuksammler, revisited und Tag der Arbeit, Goma in Riberalta ] (…)

Puerto Maldonado, Freitag, 28. Juni: Wir haben es geschafft! Unter schier unbeschreiblichen Umständen und den sie begleitenden Gefühlen und Eindrücken. Natürlich mussten wir in Chive tagelang warten, als wir von den Kautschuksammlern zurückgekehrt waren, und selbst dann war es noch lange Zeit fraglich, ob wir wegkommen würden, weil der „Sur“ [kalter Südwind] wieder losbrach mit einem Sturm sondergleichen und starken Regengüssen. Die Temperatur sank in zwei Stunden ca. 15 Grad. (…) Wir schlafen auf Säcken mit Paranüssen.

B. hat Schüttelfrost und schwankt zwischen totaler Verzweiflung und Thomapyrin-Hochstimmung, die später wieder umschlägt, weil die Tabletten das Fieber nur unterdrücken. Ich kann auch kaum schlafen, weil die „Unterlage“ überall zwickt, die Moskito-Stiche verteufelt jucken und der Schweinwerfer der Papillon [so hieß das Schiff] genau in meine Augen leuchten, wenn sie schwenken. Unsere Schlafsäcke stinken widerlich nach Schweiß. B. hat eine dicke Beule von einem Mückenstich unter dem Knie, die noch zusätzlich schmerzt, und eine hinterm Ohr. Es reicht. Am Morgen fühlen wir uns etwas besser, aber wie durch den Kakao oder etwas Schlimmeres gezogen.

Die Strömung ist so stark, dass das Schiff zeitweise auf der Stelle „tritt“ oder rückwärts treibt. Außerdem liegt es so tief im Wasser, dass die Spritzer der Bugwellen bedenklich ins Schiff schlagen. (…) Mitten in der Nacht machen wir fest, ein paar peruanische Grenzer kommen verschlafen an Bord. Ich versuche Smalltalk. Sind hier öfter Touristen gewesen? Sie überlegen: „In diesem Jahr erst ein Ausländer…“ (…)

Endlich taucht Puerto Maldonado auf – Faustinos Ort – ein hoher Hang mit Holzhäusern und dem unübersehbaren Wasserturm. Rechts davon eine rote Lehmküste, die aussieht wie in Helgoland. (…) Wir nehmen ein Fahrradtaxi; der Fahrer ist so schüchtern, dass er kaum ein Wort herausbringt, als hätte er noch nie Fremde gesehen.

Mercado, revisitado

markt puno

Puno (Peru 1984)

Farmacia

farmacia puno

Apotheke, Puno (Peru 1984)

Waqaypata nisqaqa

cuzco plaza de armas

Cuzco, Peru, Plaza de Armas (1984). Eine Sicht von heute zeigt, dass sich alles geändert hat.

Leider gibt es weder einen englischen (nur über Cusco) und natürlich auch keinen deutschen Wikipedia-Eintrag zum Thema – die Geschichte des Platzes zur Inka-Zeit ist sehr interessant. Die Stadt Cuzco ist magisch. Als ich Anfang 1980 zum ersten Mal da war, gab es fast keine Touristen und nur eine winzige Kneipe, wo sich die trafen.

Mucho trafico

Lima

Lima, Peru, 1984. Ich kann nicht mehr rekonstruieren, wo das war, vielleicht die Avenida Tacna. Man kam zu Fuß zur Plaza de Armas.

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