Vikings, Arabs, Jews and Germans

Symbolvideo für alles

Science: C.J. Adrien hat einen ganz wunderbaren Artikel zum Thema Wikinger geschrieben: „What Was the Difference Between Danish, Norwegian, and Swedish Vikings?“

Viele Fakten, die mir – und vermutlich auch anderen – bisher unbekannt waren: Es gab nicht „die“ Wikinger.
Further confounding the subject of identity among Viking Age Scandinavians are regional differences. The Norwegian group who sacked the city of Nantes in 843, for example, referred to themselves as Vestfaldingi, or Men of Vestfold. This tells us that there were also regional differences among various groups within the context of their broader geographic affiliations. (…) Most of what we know about the Vikings both politically and culturally is derived from analyses of the Danes. Chroniclers such as Dudo, Alcuin, Saxo Grammaticus, Rimbert, Notker, among others, all focus nearly exclusively on the Danish people to form their conclusions.

Ich meinte schon immer, dass der Geschichtsunterricht in deutschen Schulen mehr europäisch, wenn nicht gar international sein müsste. Was wissen Schüler über das alte China, Über Indien, Südamerika – oder die Hochkulturen Afrikas vor dem Kolonialzeitalter? Und lernen sie wirklich etwas über das antike Griecheland, wenn man Knabenliebe und die Tatsache „vergisst“, dass die Polis eine Sklavenhaltergesellschaft war und dass zum Beispiel Sparta durch die Revolution der Sklaven unterging? (Spartacus lässt grüßen.) Ich weiß immer noch (bis zum Lesen des oben erwähnten Artikels) über die skandinavische Geschichte und deren Quellen. Die „dänischen“ Wikinger waren so gut informiert über das Geschehen in Europa, dass sie einen Gesandten an den Hof Kaiser Karls schickten. Aber hallo? Woher wussten die so gut Bescheid – und wie?
The Royal Frankish Annals recorded that the Danes sent an emissary in 782 to Charlemagne’s court, along with other Saxon leaders, to hold formal political discussions in response to the massacre of Verden, in which the Franks captured, forcibly baptized, and murdered three thousand Saxon warriors just miles from the Danish border. [Sorry, deutsches Wikipedia: Es handelte sich mitnichten um eine „Hinrichtung“ oder ein „Blutgericht“, sonder um ein Massaker oder um einen Massenmord, und Karl war weniger „groß“, sondern vielmehr blutrünstig im heutigen Sinne.]

Science: Stepfeed.com beschäftigt sich mit dem Genographic-Projekt von National Geopgraphic: „DNA analysis proves Arabs aren’t entirely Arab“. Das wird denen nicht gefallen.
Typically, an Egyptian native’s genetic composition is 68 percent North African, 17 percent Arabian, 4 percent Jewish diaspora, and 3 percent from Eastern Africa, Asia Minor and Southern Europe each. (…) Typically, a Lebanese natives is 44 percent Arabian, 14 percent Jewish diaspora, 11 percent North African, 10% from Asia minor, 5percent Southern European and 2 percent Eastern African.

Tunesier sind nur zu vier Prozent Araber. Wenn das die Kölner Polizei wüsste! Irak oder Syrien – Hauptsache Nordafrika.

Science/Politics: Die Jüdische Rundschau stellt ein paar unbequeme Frage an die hiesigen „Palästinenser“-Freunde und Israel-Kritiker:
Ist es möglich, dass in den Nachbarländern von Israel so viele Juden leben dürfen wie Muslime in Israel leben? Ich greife schon mal vor: Warum nicht? (…) Der öffentliche Platz auf dem Tempelberg darf auf Druck islamischer Organisationen zu gewissen Zeiten von Juden und Christen nicht betreten werden. Es gibt viele Orte in der arabischen Welt, die generell und zu jeder Zeit „judenrein“ gehalten werden. Gibt es öffentliche Plätze in der jüdischen und christlichen Welt, für die gilt: „Nicht für Muslime“? Nennen Sie mir bitte all diese öffentlichen Plätze.

By the way, Gerd Buurmann: Kennen Sie das Buch Keine Posaunen vor Jericho? Ich wäre vorsichtig, falls ich mich auf „historische“ Ereignisse bezöge, wenn die Quellen nicht die Archäologie und Fakten, sondern heilige Bücher sind.
Die Wurzeln des Volkes Israel beruhen auf der Geschichte zweier Königreiche und nicht wie bisher immer angenommen eines Königreiches, des Nordreiches Israel und des Südreiches Juda. Fundamentale Wahrheiten wie der Auszug aus Ägypten, die Einnahme Kanaans die Bedeutung des Reiches Salomons (fragliche Existenz des Tempels und Palastes) werden nicht nur in Frage gestellt, sondern negiert. (…) Das Buch zeichnet sich durch absolute Professionalität aus. (Rezension)

Königsberg muss nicht deutsch bleiben, und Neapel auch nicht.

Politics: Der Schockwellenreiter schreibt ganz richtig: „Die Linke ist im Liegen umgefallen“. Vielleicht liegt das eher an dem typisch Deutschen. Ich muss zur Frage „Was ist typisch Deutsch?“ hier vorgreifen. Das beste und unterhaltsamste Buch, das ich in den letzten 20 Jahren gelesen habe, beantwortet diese Frage – und man kann und sollte es nur im englischen Original lesen (leichtes und verständliches Englisch), weil u.a. der Sprachwitz im Deutschen verloren ginge. (Rezension demnächst – aber Vorsicht, ich habe bei Tenenbom in der U-Bahn mehrfach laut losgeprustet, so dass die Leute mich erstaunt ansahen – und ich kann mich normalerweise beherrschen.)

By the way: Teneboms Kommentar über Trump ist köstlich und wahr.
Wenn Sie aufhören würden, Zeitung zu lesen, den Fernseher ausschalteten, Google vergessen und alle Ihre blinkenden internetfähigen Endgeräte beiseite lassen würden, könnten Sie eine Wirklichkeit entdecken, die Sie schockieren würde.

Postscriptum: Dank an die edle Spenderin aus Schöneberg!

Ich muss jetzt meine Türen, die Spüle und vieles andere reparieren und umbauen.

Manned Robot Project

Womanned manned robot project – „Avarar“ u.a. Filme lassen grüßen.

Keine Langeweile, nirgends [Symboltitel für alles]

hacker

Symbolbild für alles

Mit dem, was ich machen möchte, könnte ich gern vier Leben vollstopfen. Vielleicht liegt es an meinem allzu hedonistischem Zeitmanagement. Ich komme zu nichts. Oder: Drei Berufe ist zu wenig. Oder: Immer ist irgendwas. Jetzt brauche ich mindestens eine Woche, um das zu reparieren, was ich in Secondlife in Monaten mühsam aufgebaut habe. Ein falscher Knopfdruck, und mehr als 6000 Polygone sind an der falschen Stelle. Es ist zum Kotzen. (Vgl. Screenshot: Welchen Knopf habe ich gedrückt, und alles war kaputt?)

admin feature secondlife

Ich wollte doch meine vier freien Tage nutzen, um die Schublade meiner Spüle zu reparieren und um aus Holzresten (Keller) einen zusätzlichen kleinen Küchenschrank zu basteln. Verschoben.

schublade

Und wann soll ich die Bücher besprechen, die ich angefangen habe zu lesen? Karsten Heinz Schönbach: Uneingeschränkt lesenswert, aber schwer wissenschaftlich und quellenlastig. Standardwerk, räumt mit der Legende auf, dass das Kapital der Weimarer Republik Hitler nicht unterstützt hätte. Zum ersten Mal wurden Firmenarchive ausgewertet. Alle anderen Bücher zum Thema Mumpitz.

Christian Barons: Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten habe ich jetzt durch, ich wiederhole meine Leseempfehlung. Der wird nicht gut besprochen, weil die, die das tun (könnten), genau die Klientel ist, die er anpisst kritisiert. Ignoranz mit Ansage.

Harald Haarmann: Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen: erst ein Drittel gelesen, sehr interessant. Demnächst mehr in diesem Theater.

Tomasz Konicz: Kapitalkollaps: Die finale Krise der Weltwirtschaft (Konkret Texte): liegt hier schon ein paar Monate herum, auf meiner To-Do-Liste.

Zwischendurch forsche ich noch in der Vergangenheit meiner Familie, um einige offene Fragen beantwortet zu bekommen. Irgendwas muss sich meinen Großneffen hinterlassen. Wer sonst, wenn nicht ich. Das funktioniert online erst seit ein paar Jahren, obwohl so und selbst ernannte Zukunftsforscher das Gegenteil behauptet haben. Spannend, wie ein Puzzle aus unbekannten Teilen. Bei einem Thema stieß ich auf Albert S. Kotowski: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919-1939. Gekauft und gelesen. Heikles Thema in beiden Ländern. Ich war verblüfft, dass es bis jetzt kein einziges Buch gibt, das sich auf die verfügbaren Quellen stützt. Kotowski ist also Standardwerk für alle, deren Vorfahren aus „Mittelpolen“ oder aus dem Weichselkorridor stammen.

By the way: Drei Berufe. Ich wollte immer machen, wozu ich Lust habe und mir nie etwas vorschreiben lassen. Davon kann man natürlich nicht leben. Wer sagt, er oder sie sei „Journalist“, nagt entweder am Hungertuch, hat einen Lebensabschnittsgefährten mit Festanstellung oder wurde schon mit einem Silberlöffel im Mund geboren (Hausbesitzer und deren Erben usw.). Es gibt nur wenige Ausnahmen bei denen, die „frei“ sind. Ich bin arm, aber sexy. Auf die To-Do-Liste: Bestseller schreiben.

Heute noch: Geld holen, Eltern besuchen, Baumarkt aufsuchen, Lebensmittel einkaufen, Rechnungen online bezahlen, einen Rechner zum Verschenken an einen Freund vorbereiten, Duschen, Blumen gießen. Habe ich was vergessen?

Kritik an allem bringt uns auf den Mars und überall hin

mars

Source: NASA’s Curiosity Mars Rover. Text: Happy New Year from Mars! I hope your next trip around the sun is full of exploration and discovery.

By the way: Danke Hal, für das wunderbare Marx-Zitat, das auch hier passt und außerdem die gegenwärtigen Zustände erklärt:
„Die Theorie wird in einem Volke immer nur so weit verwirklicht, als sie die Verwirklichung seiner Bedürfnisse ist. Wird nun dem ungeheuren Zwiespalt zwischen den Forderungen des deutschen Gedankens und den Antworten der deutschen Wirklichkeit derselbe Zwiespalt der bürgerlichen Gesellschaft mit dem Staat und mit sich selbst entsprechen? Werden die theoretischen Bedürfnisse unmittelbar praktische Bedürfnisse sein? Es genügt nicht, dass der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die Wirklichkeit muss sich selbst zum Gedanken drängen.“ (Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie: Einleitung)

Das tut man nicht – oder doch

behaviour

Shanghaiist: „A couple of mommy’s little angels were caught on tape tearing apart a piece of artwork at a Shanghai museum recently. What’s more, their parents were also caught on camera, filming their kids‘ act of destruction with a smile.“

Noch einmal sei zur Lektüre empfohlen: Norbert Elias Über den Prozeß der Zivilisation: Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. „Über den Prozeß der Zivilisation“ ist eines der wichtigsten Bücher über „Kultur“, das überhaupt je geschrieben wurden (jaja, natürlich neben Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus).

Wieso? Das, was man unter „Sitten und Gebräuche“ einer Gesellschaft oder einer deren Teilmengen (z. B. ein „Milieu“) versteht, ist eine wahnsinnig komplexe Sache, von der man bewusst gar nicht so viel weiß, weil viele Dinge, die man tut, auf einem kollektiven „Training“ beruhen, das ein paar hundert Jahre der oral history und des Lernens per Imitation bedurfte. Ethnologen können da viel zu sagen, aber die werden selten gefragt. Nichts ist natürlich, also ist auch nichts selbstverständlich oder eine anthropologische Konstante, weder der Art und Weise, wie „man“ gewalttätig ist noch, warum gegenüber wem Mitleid oder Empathie gezeigt wird. „Zivilisation“ im westeuropäischen Sinn (und nur in dem) heißt zum Beispiel:

Vorrücken der „Schamschwellen“, das heißt, mehr eigene Handlungen sind angstbesetzt;
Vorrücken der „Peinlichkeitsschwellen“, das heißt, mehr Handlungen anderer sind angstbesetzt;
„Psychologisierung“, das heißt Steigerung der Fähigkeit, die Vorgänge innerhalb anderer Menschen zu verstehen;
„Rationalisierung“, das heißt Steigerung der „Langsicht“, also der Fähigkeit, die Folgen der eigenen Handlungen über immer mehr Glieder der Kausalketten „vorauszuberechnen“.
Gewaltbereitschaft: sinkt allmählich (gegenüber Mitgliedern der eigenen Gesellschaft);
Sexualität: wird zunehmend stärker kontrolliert sowie unterdrückt und tabuisiert;
Essen und Trinken: die Formen werden strenger, „feiner“ (zum Beispiel: differenziertere Esswerkzeuge);
Ausscheidungsfunktionen: werden zunehmend tabuisiert und dem Blick anderer Menschen entzogen.

Und jetzt erst diskutieren wir über „Integration“ von Einwanderern. Das Wort ist so ein Unsinn, dass ich es gar nicht in den Mund nehme bei diesem Thema.

Prometheus in Baktrien oder: Als die Griechen Afghanistan eroberten [Update]

Alexander

Neu in meiner Filmothek (und noch ungesehen. [Update] Der Film ist Mist und langweilig.): Alexander von Oliver Stone.

Ja, natürlich hatte Alexander mehr als nur einen Koch bei sich. Leider werden bestimmte Ereignisse und sogar Epochen der Geschichte mit den Namen prominenter Exemplare der jeweils herrschenden Klasse verknüpft. So auch hier, als die Griechen (oder genauer: Mazedonier) ca. 330 v. Chr. Afghanistan und Indien eroberten. Das ist schon eine Weile her, und Alexander ist nicht Spartakus. Warum also noch einmal darüber schreiben reden?

Als Kind besaß ich ein Buch über „Abenteurer“ à la Marco Polo. Dort kam auch der Chaiber-Pass vor. Ich habe mir immer gewünscht, mal dort zu sein, notfalls per Eisenbahn. Der Pass galt für mich immer als Inbegriff des exotischen Abenteuers. Stattdessen hat es mich in die entgegengesetzte Richtung verschlagen, und ich könnte ständig Rutger Hauer zitieren.

Wenn mir also ein Buch in die Hände fällt wie damals, kann ich nicht widerstehen. Jetzt war Spartakus schuld, dass ich mir Diodoros Historische Bibliothek gekauft habe, rund 1600 Seiten und die wichtigste Quelle zum Thema. Darin kommt auch Alexander der Große vor:

Hierauf zog er weiter und schlug in der Nähe des Gebirges Kaukasus, welches Einige Paropamisus nennen, ein Lager. Er ging quer über dieses Gebirge der Breite nach in sechszehn Tagen und erbaute an dem Passe, der nach Indien führt, eine Stadt, welche er Alexandria nannte. Mitten auf dem Kaukasus ist ein Felsrücken, der zehn Stadien im Umfang und eine Höhe von vier Stadien hat. In demselben wurde von den Einwohnern die Höhle des Prometheus gezeigt und das Nest des Adlers, von dem die Fabel erzählt, und die Spuren der Fesseln. Alexander erbaute noch eine andere Stadt, eine Tagreise von Alexandria entfernt. In den beiden Städten ließ er siebentausend Fremde und dreitausend von den Nichteingereihten, die seinem Heere folgten, auch von den Miethtruppen, wer wollte, sich ansiedeln. Er brach unterdessen mit dem Heer auf und rückte nach Baktriania vor…

baktrien

Wie kam Prometheus und dessen Legende eigentlich in die Nähe von Baktrien? Hätte das Karl May gewusst? (By the way: Ich lese Diodor auf dem Klo, vermutlich werde ich im Jahr 2052 damit fertig sein.)

Ob Alexander einen höheren Intelligenzquotienten hatten als andere, wissen mir nicht. Es ist aber Tatsache, dass militärische Konflikte, die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, nicht durch geniale Ideen, sondern schlicht durch Technik entschieden werden. Die Logistik und die Waffen der Griechen waren denen der Perser und Inder überlegen, und ihre Befehlshaber setzten sie so ein, dass etwas exotische „Gegner“ wie Steitwagen oder Elefanten scheiterten. Eine Kompanie Ledernacken gegen zehn mal so viele Kreuzritter? Oder eine spanische Tercio gegen 50.000 Indianer? Vergesst es.

Noch ein weiteres Wort zum Sonntag: Ich muss mich nicht mit jedem Sturm im Wasserglas beschäftigen. Jemandem, der Listen unerwünschter Personen oder Websites erstellt, um zu „mahnen“, „warnen“, „verbieten“ oder was auch immer, sollte die Gülle stundenlang ins Gesicht schwappen. No mercy.

Man kann an jedem winzigen Detail der Geschichte alles erklären. Ich kann mich noch erinnern, dass wir uns als linksradikale Studenten am historischen Seminar der FU darüber lustig gemacht haben, dass ein Professor ein Seminar im Fachbereich Geschichte anbot mit dem Titel „Der Brückenzoll in Regensburg im 12. Jahrhundert“. Wir besuchten stattdessen alle Seminare, in deren Titel mindestens das Wort „Revolution“ vorkam. Wir hatten unrecht. Das weiß ich aber erst heute. „Wo kommt die Kohle her? Wo geht die Kohle hin?“ (Matthew D. Rose) Das ist nicht nur eine journalistische, sondern auch die wichtigste Frage marxistischer linker Historiker.

diodor

Zwölfflächler, not certain

Zwölfflächler

Weiß jemand von den gebildeten Leserinnen und intelligenten Lesern, wozu ein Dodecahedron gut ist? „As no classical accounts or narratives seem to mention them, the purpose of this mysterious object remains a puzzling mystery that has confused archaeologists since their first discovery.“

Das ist wohl nicht ganz richtig laut Wikipedia: „Iamblichus states that Hippasus, a Pythagorean, perished in the sea, because he boasted that he first divulged „the sphere with the twelve pentagons.“ – „Regular dodecahedra have been used as dice and probably also as divinatory devices. During the hellenistic era, small, hollow bronze Roman dodecahedra were made and have been found in various Roman ruins in Europe. Their purpose is not certain.“

Faszinierend! (Und vielleicht doch ganz einfach.)

Ich stech dich ab! [Update]

rettungsstelle

Michael de Ridder beschreibt im Tagesspiegel meinen Arbeitsplatz: „Beispiel Urban-Krankenhaus: Unfassbare Beleidigungen des Rettungsstellenpersonals sind in Berliner Kliniken an der Tagesordnung“.

Von heute Nacht kann ich beisteuern (zu mir): „Du Fotze!“ – „Ich bring dich um“. ! – „Verdammter Penner“. Zwei Mal musste ich jemanden gewaltsam aus der Rettungsstelle entfernen. Einmal musste die Polizei kommen, weil ein Türke das Personal permanent beleidigte und im Warteraum herumbrüllte und nicht kapierte, was ein Hausverbot ist. Die Polizei erklärte es ihm.

Coolster Spruch des Tages: Ein beschmutzter Herr, der von der Feuerwehr gebracht wurde und sich vollgekotzt hatte, sagte, nachdem der Brechreiz einigermaßen vorbei war: „Scheiße, jetzt muss ich auch noch kacken.“

Von de Ridder gibt es übrigens ein sehr gutes Buch, das ich gelesen und für mein eigenes Buch zum Thema oft verwendet habe: Heroin: Vom Arzneimittel zur Droge.

[Update] Das konnte die Leitung des Krankenhauses so nicht auf sich sitzen lassen. Tagesspiegel: „Urban-Krankenhaus setzt auf Schulung und Wachschutz“. Har har. Wer kann das nur sein…

Arrival oder: Unter Heptapoden

arrival

Gestern habe ich mir den Science-Fiction-Film Arrival angesehen. Kann man zur Unterhaltung tun, es gibt aber keinen Grund für Jubelchöre.

Der Plot: Sie sind da, und wir verstehen sie nicht. Wissenschaftler versuchen es doch, und die Militärs sind blöd und machen beinahe alles zunichte. Das Thema hat Stanislaw Lem eigentlich schon hinreichend abgehandelt, auch in linguistischer Sicht: Wir können das Andere nicht begreifen, und schauen deshalb nur immer in den Spiegel. Aber vielleicht kann man das noch mal für die Nachgeborenen wiederholen, die keine guten Bücher mehr lesen. Der Film kriegt das aber aus verschiedenen Gründen nicht hin.

Erster Kritikpunkt: Wenn man den Plot kennt, ist das Film langweilig. Zwei Mal wird ihn sicher niemand ansehen. Zweiter Kritikpunkt: „Arrival“ macht genau den Fehler, den Raymond Chandler rät zu vermeiden: Der Autor lasse die Rezipienten nicht mit dem Gefühl allein, dass er alles schon wisse, es ihnen aber nicht verrate – wegen der Spannung und so. Diese Attitude nervt.

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Doofe Zwischenfrage Frage: Warum sind Aliens eigentlich immer größer als Humanoide – in Filmen, die mit ernstem Unterton daherkommen? (Mars Attacks! bleibt also außen vor.) Man freut sich schon, wenn sie nicht schleimig sind, weil man dann nicht immer an Theweleit oder Levi Strauss denken muss. Die Außerirdischen in „Arrival“ sehen so aus die bei Gary Larson, nur eben sehr viel größer (und stehen anders herum).

Zwischendurch fand ich „Arrival“ als Germanist recht intelligent. Linguistik ist aber nicht sexy, und schon gar nicht für das gewöhnlich dumme Publikum. (Die pathetischen Rück- und Vorblenden mit dem Baby der Hauptdarstellerin sind so unerträglich schwülstig-klebrig wie die Abschiedsszene der schwulen Hobbits in Herr der Ringe.)

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Ich habe natürlich mitbekommen, dass in „Arrival“ der Sapir–Whorfismus zustimmend rezipiert und sogar namentlich genannt wird. Die Sapir-Whorf-Hypothese ist die Basis für die esoterische „Wissenschaft“ des Gendersprech, aber Fakten haben Esoteriker ja noch nie interessiert.
Die Sapir-Whorf-Hypothese geht ursprünglich zurück auf Forschungen über die Hopi-Sprache, die Benjamin Lee Whorf durchführte. Dabei entdeckte er, dass die Hopi-Sprache keine Wörter, grammatischen Formen, Konstruktionen oder Ausdrücke enthält, die sich direkt auf das, was wir Zeit nennen oder auf Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft beziehen. Whorfs vermeintliche Feldforschungen basierten jedoch nur auf sekundären Quellen. So bezog er all seine Informationen über die Hopi-Sprache von einem einzigen Hopi-Bewanderten aus New York, eine empirische Überprüfung seiner Annahmen bei Muttersprachlern vor Ort erfolgte nicht. 1983 konnte der Linguist Ekkehart Malotki nachweisen, dass die Hopi über komplexe Möglichkeiten verfügen, Zeitformen auszudrücken. Damit war eine der zentralen Motivationen für den Aufbau der Sapir-Whorf-Hypothese hinfällig.

Der Film beleidigte also auch meinen Intellekt, was bei „Science“-Fiction nicht gut ankommt und mir schlechte Laune macht.

More Science or: The real problem

Ich empfehle mal kurz zwischendurch zwei wissenschaftliche Artikel:
IFLScience: „Why can’t we remember our early childhood?“
Aeon.co: „The real problem: It looks like scientists and philosophers might have made consciousness far more mysterious than it needs to be“.

Ossikel oder : Heute Auf Arbeit

ossikel

Das Internet sagt über Ossikel (was nichts mit dem Beitrittsgebiet zu tun hat): „Das menschliche Skelett besteht bei einem Erwachsenen aus 206 bis 214 einzelnen Knochen. Bei einem kleinen Teil der Bevölkerung gibt es eine Reihe von zusätzlichen Knochen, sogenannte Akzessorische Knochen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Atavismen, das heißt das Auftreten von evolutionär überholten anatomischen Merkmalen.“

Öhm? Ich habe zuviel Knochen? Ich bin ein Atavismus? Das erklärt natürlich einiges. „Überholt“ möchte ich aber weit von mir weisen!

Der kranke Mann am Bosporus oder: Nimm dies, Erdogan!

türkei

Credits: Thomas Steiner/Wikipedia/Putzger Historischer Weltatlas/DTV-Atlas Weltgeschichte

Welt online informiert hervorragend über die hierzulande fast unbekannte Geschichte der Kriege zwischen der Türkei (bzw. dem Osmanischen Reich) und Griechenland. Man könnte es aber noch besser machen, wenn deutsche Journalisten auch andere Quellen verlinken würden und nicht nur sich selbst. Zum Beispiel:

Vertrag von Lausanne (1923) (warum verlinkt ihr nicht das Original bei Welt online? Zu faul zum Suchen? Die Leser zu dämlich, um einen englischen Text zu verstehen?

Vertrag von Sèvres (1920): „Der Vertrag von Sèvres bildete die letzte Stufe mehrerer Verträge, Abkommen und Deklarationen seitens der Entente-Mächte, die den Weltkrieg gewonnen hatten. (…) Durch den Vertrag von Sèvres hätte das Osmanische Reich einen Großteil seines Territoriums verloren. (…) Die Unterzeichnung des Vertrags von Sèvres durch seine Bevollmächtigten führte zu einer nachhaltigen Erschütterung des Ansehens und der Autorität des Sultans bei der türkischen Bevölkerung und legte den Grundstein für die spätere Abschaffung der Monarchie. Die Nationalisten in Ankara lehnten den Vertrag ab, erklärten sich zur rechtmäßigen Regierung und leisteten der griechischen Armee im Griechisch-Türkischen Krieg Widerstand. Infolge des Vertrag von Lausanne zugunsten der Türkei revidiert.“

Welt online: Den Plan Atatürks, mit einem militärischen Präventivschlag Mosul in türkische Hand zu bekommen, machten kurdische Aufstände zunichte, die von London aus geschickt gefördert wurden. Schließlich beugten sich beide Parteien dem Spruch des Völkerbundes von 1925 [auch hier kann man einen Link setzen!], der die Region – da mehrheitlich von Kurden besiedelt – dem britisch beherrschten Irak zuschlug.

Ich halte es seit Erdogan mit Karl May: „Man spricht von dem Türken kaum anders als von dem ‚kranken Mann'“.

Übrigens, Erdogan, wenn Du in alten Verträgen herumkramst, um populistisch deine Macht zu sichern bei den geistig Armen deiner Nation: Das könnten wir Deutschen auch, wenn wir nur wieder Karl May läsen, zum Beispiel „Die Liebe des Ulanen“: „Metz war eine echt deutsche Stadt, denn als Lothar der Jüngere seine Länder theilte, kam es nebst Austrasien in den Besitz Ludwigs des Deutschen, also an das deutsche Reich. Nur fortgesetzten französischen Umtrieben und Hinterlistigkeiten gelang es, die Schutzherrschaft über Metz zu erlangen, und im westphälischen Frieden die volle Souveränität über diese wichtige Stadt zu erhalten.“

Und was ist eigentlich mit Straßburg?

Spartacus, revisited

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Warum und zu welchem Ende befassen wir uns mit Spartacus? Gegenfrage: Warum gibt es trotz der Präsenz der Figur des Spartacus in Filmen, in Romanen, in der Kunst, in Computerspielen und Fernsehserien und nicht zuletzt in Namen revolutionärer Organisationen kaum ein wissenschaftliches Werk, das sich mit der historischen Person befasst? Jeder kennt Spartacus – er ist die Ikone für den Satz: „Du hast keine Chance, aber nutze sie“. Nur deutsche Historiker möchten nichts von ihm wissen. Das macht neugierig. Man lernt mehr über den diskursiven Mainstream und über Propaganda, wenn man nachschaut, was weggelassen wird.

Ich sagte hier schon:
S.L. Utschenko schreibt 1958 im Vorwort zu A. W. Mischulins: Spartacus – Abriß der Geschichte des großen Sklavenaufstandes (1936) : „Dieses Thema hatten die bürgerlichen Geschichtsschreiber bewußt mit Stillschweigen übergangen, denn sie waren nicht daran interessiert, die Aufmerksamkeit auf geschichtliche Ereignisse zu lenken, die vom Kampf der unterdrückten Klassen gegen ihre Unterdrücker Zeugnis ablegen. In Westeuropa ist die wissenschaftliche Literatur über Spartacus und seine Führung des Sklavenaufstands äußerst dürftig.“

Mischulin ist insofern noch immer ein Standardwerk, als dass er alle antiken Quellen berücksichtigt. Mehr sind nicht dazugekommen. Man kann ihn aber nicht empfehlen: Zu Stalins Zeit wurde bekanntlich die Geschichtsschreibung auf Geheiß der Partei bewusst verfälscht, um „passende“ Resultate zu bekommen: Der Sklavenaufstand wurde zu einer Revolution umgedeutet, die an den Grundfesten der römischen Sklavenhaltergesellschaft rüttelte, also eine Alternative zur herrschenden Ökonomie und dem System, diese zu organisieren, angeboten hätte. Dem war mitnichten so, und die Quellen geben das auch nicht her. (In der DDR war es nicht viel besser. Für Experten: Man denke nur an das vergleichbare Konstrukt „frühbürgerliche Revolution„.)

Was ist eigentlich das Problem? Die bürgerliche Geschichtsschreibung hat immer leugnen müssen und wollen, dass es eine Epoche der „Sklavenhaltergesellschaft“ gab, auch wenn sie dabei die Fakten genauso verbiegen mussten wie auf der anderen Seite Stalin. Slavenhaltergesellschaft meint: Für die herrschende Klasse war es ab einem bestimmten Zeitpunkt am effektivsten und profitabelsten, die gesellschaftliche Arbeit von rechtlosen Menschen, also Sklaven machen zu lassen. Das ist ganz pragmatisch gemeint und hat mit Moral nichts zu tun. Für freie Römer war es unehrenhaft, körperlich zu arbeiten. Die Moral folgt immer der Ökonomie und nicht umgekehrt.

„Ab einem gewissen Zeitpunkt“ heißt: Die Römische Republik war ursprünglich ein Modell, das freie Bauern zu einem Staat organisierte, inklusive Ämterrotation und Volksversammlungen. Die Ökonomie (Produktivkräfte) machten diesem Modell (Produktitionsverhältnisse und deren Überbau) aber den Garaus,

In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt.

Die „Produktivkäfte“ bedeuten am Ende der RepubliK: Die Bauern wurden ruiniert zugunsten der Großgrundbesitzer mit deren Latifundien. Die Produktion für den immer größer werdenden städtischen Markt verlangte nach „industrieller“ Massenproduktion. Dafür setzte man immer mehr und öfter Sklaven ein; gleichzeitig wanderten ruinierte Bauern und Landlose in die Städte ab.

Wer sich hierzu kurz, aber hervorragend informieren will, der lese Werner Raith: Spartacus (1992). Raith ist das beste Buch zum Thema. Raith fasst auch die marxistische Diskussion zum Thema kritisch zusammen. (Das ist wichtig, weil es keine „Diskussion“ über Spartacus in der bürgerlichen Geschichtswissenschaft gibt – die Fragen stellen sich für die gar nicht.) Rigobert Günther: Der Aufstand des Spartacus (DDR) ist damit überholt.

Das Problem ist: Wie haben die zahlreichen Aufstände der Sklaven gewirkt? Was haben sie verändert? Der Aufstand des Spartacus war der größte, der am besten organisiserte, aber bei weitem nicht der einzige – auch nach der Niederlage kämpften einzelne Gruppen noch jahrelang weiter. Mehr dazu hat Brent D. Shaw: Spartacus and the Slave Wars: A Brief History with Documents (2001) (leider in Englisch – aber man kann sich die von ihm zitierten Quellen in deutscher Übersetzung besorgen).

Werner Raiths These: Angesichts der Sklavenaufstände wurde es für die herrschenden Klassen Roms ineffektiv und zu gefährlich, in relevanten Segmenten der Ökonomie Sklaven einzusetzen. Das lässt sich auch durch die Quellen belegen.
Wie die Römer trotz des Sieges über die Sklaven die Sklavenhaltung aufgeben mußten. Bilanz des Sklavenkrieges – Zunehmende Unrentabilität der Sklavenhaltung – Kein Nachschub mehr – Vermehrte „freie“ Arbeit – Weitere Aufstände von Sklaven und Unfreien – Zunahme der Nichtrömer im Römischen Reich – Abbröckeln der römischen Macht – Das Christentum breitet sich als Sklavenreligion aus, behindert aber bald die Sklavenbefreiung – Absterben der Sklavenhaltung im Übergang zum Mittelalter.

Das System der Sklavenhaltergesellschaft als vorherrschende Produktionsform wurde aus vielen Gründen abgeschafft, nicht nur aus Angst vor neuen Aufständen. Man könnte aber die These aufstellen, dass der Wandel des „Überbaus“ von der Republik zur Diktatur des Kaiserreichs durch den Klassenkampf der Sklaven verursacht wurde. (Bürgerliche Historiker können hier leider nicht mitreden, weil für die Klassen und Klassenkämpfe gar nicht existieren bzw. stattfinden.)

Ein schönes Beispiel für eine beschränkte Perspektive ist Markus Schauer: Der Gallische Krieg: Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk. Schauer kann man denjenigen empfehlen, die Bellum Gallicum im Original haben lesen müssen (wie ich) und die über ein solides marxistisches Grundwissen über die Antike verfügen. Er bleibt ausschließlich in der wolkigen Sphäre des Überbaus: Was wer warum wohl dachte und was die herrschende Klasse über sich meinte, analysiert das unterhaltsam und treffend und entlarvt Caesars Werk als schlichte Propaganda, die mitnichten über die historischen Fakten informiert. Aber mehr auch nicht.

Nic Fields fehlt uns noch: Spartacus and the Slave War 73-71 BC: A gladiator rebels against Rome (2009). So ungefähr müsste ein aktuelles Werk zum Thema aussehen. Auch Fields ist ein Marxist, der im wesentlichen so argumentiert wie Raith, aber zahllose Bilder, auch über archäologische Funde, machen das Buch unterhaltsam. Leider ist es auch in Englisch und für die Nachgeborenen vermutlich zu schwierig zu lesen.

Fazit für die, die etwas über Spartacus wissen wollen: Raith kostet rund einen Euro. Kaufen, solang der Vorrat reicht!

Arbeitsbuch

Arbeitsbuch

Das so genannte „Arbeitsbuch“ meines Großvaters Hugo Schröder. Als mir das in die Hände fiel, wusste ich noch nicht, worum es eigentlich geht – Geschichtsunterricht live! Das Arbeitsbuch „war ein von staatlichen Stellen ausgestelltes Dokument, das einem Arbeitgeber [Kapitalisten] bei der Einstellung verpflichtend vorzulegen war. Ziel war es, die berufliche Mobilität von Arbeitnehmern [Arbeitern] zu kontrollieren und von der Zusage durch den früheren Arbeitgeber [Kapitalisten] abhängig zu machen. Damit sollte es Arbeitnehmern Arbeitern unmöglich gemacht werden, Lohnunterschiede zwischen Unternehmen oder Branchen mittels eines Firmenwechsels auszunutzen. Das Arbeitsbuch war somit ein Mittel, die Berufsfreiheit grundsätzlich einzuschränken, nach 1935 zudem ein Instrument der wirtschaftlichen Mobilmachung zur Vorbereitung des Vierjahresplans. In einigen Ländern wie Slowenien ist das Arbeitsbuch noch gebräuchlich und für jeden Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschrieben. In der DDR wurde das Dokument teilweise bis 1967 geführt.“

Es wird gern vergessen, dass eines der wichtigsten Anliegen des Nationalsozialismus war, die Rechte des Proletariats abzuschaffen. Die NSDAP nannte sich „sozialistisch“, in Wahrheit war sie genau das Gegenteil – eine Partei, die den Interessen des Kapitals diente – mit Terror. Deswegen hat die deutsche Großindustrie die NSDAP auch teilweise finanziell gefördert.

Unbestreitbar ist, dass in den frühen dreißiger Jahren Unterstützungsgelder der Industrie an die NSDAP flossen. Spenden kamen außer von dem bekennenden Nationalsozialisten Thyssen auch von Fritz Springorum, Paul Silverberg, Kurt Schmitt und Friedrich Flick. Kollektiv kam Geld von der so genannten Ruhrlade, dem Verein für die bergbaulichen Interessen, dem Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sowie dem I.G.-Farben-Konzern. Allein Thyssen hat von 1930 bis 1933 etwa 400.000 Reichsmark der NSDAP zukommen lassen. Auch bei dem Erwerb und der Renovierung des Palais Barlow (Braunes Haus) in München war er beteiligt. Allerdings unterstützte Thyssen wie auch die übrigen Industriellen wenn möglich solche Nationalsozialisten wie Hermann Göring oder Walther Funk, die sie für gemäßigt hielten.

Die Quellenlage ist allerdings relativ dünn. Die Interessen des Kapitals waren damals genausowenig einheitlich wie heute. Deswegen halte ich die vulgärmarxistische These, „das Kapital“ habe die Nazis finanziert und damit an die Macht gebracht, für unsinnig.

Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Industriellen unterstützte laut Turners Forschungen in der Endphase der Weimarer Republik nämlich nicht Hitler und die NSDAP, sondern Papen und die DNVP. An sie ging der ganz überwiegende Teil der politischen Spenden. (…) Erst nach der Machtübernahme kann von einer massiven finanziellen Unterstützung der NSDAP durch die Großindustrie gesprochen werden.

Es gibt jedoch ein relativ neues Buch von Karsten Heinz Schönbach zum Thema, das ich mir trotz den hohen Preises bestellt habe: Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943.

Der Historiker Karsten Heinz Schönbach widerspricht wiederum in seiner 2015 veröffentlichten Dissertation der Auffassung, die Unterstützung der NSDAP durch die Großindustrie sei vor 1933 eher marginal gewesen. Nach Schönbach zeigten die Quellen, dass die NSDAP von Großindustrieellen von 1927/28 an erheblich unterstützt worden sei. Allerdings könne von einer vorwiegend NS-freundlichen Haltung der Großindustrie erst nach der Wahlniederlage der konservativen Rechten am 6. November 1932 die Rede sein.

Mit dem kleinen „Arbeitsbuch“ meines Großvaters könnte man ein ganzes Seminar an einer Universität bestreiten, und eine Schulstunde sowieso. Das „Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches“ stammt vom 26.02.1935.

Mein Opa war damals Bergmann, zuerst auf der Zeche Margarete in Dortmund-Sölde, die 1926 stillgelegt wurde, dann auf Zeche Caroline in Holzwickede (wo ich geboren bin). Die Zeche wurde 1951 stillgelegt.

Reality is Purely your Perception

Studien der Harvard-University konstatieren, dass politische Inhalte im US-amerikanischen Wahlkampf kaum eine Rolle spielen, auch dank der Rolle der Medien. Vielleicht hat die bildschöne Kriminalpsychologin Julia Shaw einfach Recht – wir sind manipulierbar. „I think that reality is purely your perception.“

Unter Neidhammeln

Scinexx: „Unserer Ergebnisse sprechen dafür, dass sich die Mehrheit der Individuen durch nur wenige Typen beschreiben lassen: Neider, Pessimisten, Optimisten und Vertrauensvolle“, so die Forscher. Nur zehn Prozent entzogen sich dieser Kategorisierung.“ (Original-Quelle: ScienceAdvances)

Immune to any form of verifiable knowledge

The New Yorker: „Scientists have discovered a powerful new strain of fact-resistant humans who are threatening the ability of Earth to sustain life, a sobering new study reports. The research, conducted by the University of Minnesota, identifies a virulent strain of humans who are virtually immune to any form of verifiable knowledge, leaving scientists at a loss as to how to combat them.“

Yeah. Begegne ich an jedem Tag häufig. Oft haben die ein Smartphone in der Hand und starren darauf und/oder essen vegan und sprechen Gendersprech.

Schwarmintelligenz

Die BBC bestätigt meine Abneigung gegen größere Menschenmengen und gegen die so genannte „Schwarmintelligenz“, die es noch nie gab (außer unter der Leserschaft von burks.de).

Prescribe Heroin To Addicts

„Canadian Doctors Can Now Prescribe Heroin To Addicts“, schreibt Iflscience. Gut, das hatte ich schon 1993 gefordert. Wird in Deutschland ca. 2050 auch kommen.

On the Physics of High-Rise Building Collapses

EuroPhysicsNews (EPN), ein renommiertes Physik-Fachjournal, herausgegeben vom Dachverband der europäischen Physikgesellschaften, über einstürzende Hochhäuser:

It bears repeating that fires have never caused the total collapse of a steel-framed high-rise before or since 9/11. Did we witness an unprecedented event three separate times on September 11, 2001? The NIST reports, which attempted to support that unlikely conclusion, fail to persuade a growing number of architects, engineers, and scientists. Instead, the evidence points overwhelmingly to the conclusion that all three buildings were destroyed by controlled demolition. Given the far-reaching implications, it is morally imperative that this hypothesis be the subject of a truly scientific and impartial investigation by responsible authorities.

Mal sehen, was davon in deutschen Mainstream-Medien auftaucht.

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