Doggerbank (im Besserwissermodus)

doggerbank
Credts: Wikipedia, User:Juschki

Ein Artikel der Süddeutschen „Der erste Brexit“ machte mich auf das Thema Doggerbank aufmerksam. Ich war unwissend und habe mich gern weitergebildet.

Nur die Insel Helgoland ragt heute noch als sichtbarer Rest aus dem Wasser. „Helgoland bot damals als gut sichtbarer, rot leuchtender Sandsteinfelsen inmitten einer weiten Graslandschaft einen sicherlich imposanten Anblick, ähnlich dem Ayers Rock [der heißt heute Uluru – vielleicht ist das hierzulande noch nicht bekannt] im heutigen Australien“, sagt die Archäologin Ursula Warnke, die im Rahmen des Forschungsnetzwerks „Splashcos“ Doggerland untersuchte.

Ceterum censeo: Wären deutsche Medien und Journalisten Internet-affin, würden sie Links setzen, allein schon aus Höflichkeit gegenüber den Lesern. Hier muss man entschuldigend feststellen, dass zum Forschungsnetzwerk Splashcos nicht viel zu finden ist. Im Jahresbericht 2014 des Deutschen Schiffahrtsmuseums [sic! IMHO schreibt man das heute mit drei „f“] fand ich, dass „Splashcos“ für Submerged Prehistoric Landscapes and Archaeology of Continental Shelf steht. Dazu finde ich auch keine aussagekräftigen Links.

Römische Zeitkapseln am Meeresgrund

Österreichische Akademie der Wissenschaften: „Unweit der spanischen Küste lag über 2000 Jahre unentdeckt ein römisches Handelsschiff. Nun wird die Fracht schrittweise geborgen. ÖAW-Archäologe Horacio Gonzalez Cesteros freut sich über hunderte original-versiegelter Gefäße, die ihm einiges über die Essgewohnheiten im Römischen Reich verraten.“

Beresheet Crashed

beresheet

Schade. Aber es wird bestimmt noch einen weiteren Versuch geben. Sie waren ganz nah dran.

Fuck you, Time Magazine!

time magazine

Ich wollte das Interview im „Time Magazine“ mit Katie Bouman (da ist eine Schiefertafel im Hintergrund!) lesen. Ohne sie gäbe es kein Foto des Schwarzen Lochs. Ohne Javascript komme ich auch nicht weiter. Also lese ich lieber woanders.

Dionysus, die Schlange und orgiastische Feten mit dem Stier

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Credits: Prof saxx [Public domain], via Wikimedia Commons

Und den stierförmigen Gott bracht
Er zur Welt, als er gereift war
Von der Zeit, kränzte mit Schlangen
Ihm die Stirn, daß die Mänaden
In die Haarlocken sich flechten
Dies gefangene Tier.

(Euripides: Die Bakchen)

Mythen haben mich immer fasziniert – kryptische, ja geheimnisvolle Erzählungen, deren wahren Kern man vielleicht entschlüsseln kann. Heute weiß ich, dass es immer um Astronomie geht, dass diese Tatsache aber nicht immer im Bewusstsein derer, die Mythen tradieren, präsent ist. (Ich sage nur: Hertha von Dechend und Die Mühle des Hamlet!)

Vor und parallel zum Mythos existiert der Ritus mit seiner Teilmenge „Tanz“. Bei Marija Gimbutas: Göttinnen und Götter des Alten Europa: Mythen und Kultbilder fand ich eine interessante Passage über stiergestaltige Gottheiten (schon im 5. Jahrtausend v. Chr. auf dem Balkan präsent), die den gebildeten Europäer natürlich sofort an Dionysus erinnern. Die alten Griechen machten dazu voll die Party. Gimbutas schreibt:

… bei diesen Feuerlichkeiten, in die Elemente hohen Alters eingegangen sind, erscheint Dionysos als Jahresgott. Bei den Winter- und Frühjahrsfeiern herrscht die Idee der Erneuerung vor; in dem Fest wird ein orgiastisches Szenario von ackerbäuerlicher Kultur mit Phallen, phallusförmigen Krügen, Schöpflöffeln und Kultschalen wiederbelebt, und der Stiermann (Dionysos) heiratet die Königin (Göttin).

Den im Januar angehaltenen Lenaia gingen die ländlichen Dionysia voran, bei denen Phalli in Prozessionen unter allgemeiner Lustbarkeit herumgetragen wurden, um die Fruchtbarkeit der Herbstsaat sowie der im Winter ruhenden Scholle zu befördern. Dem Bildnis des Dionysos wurden Opfergaben dargeboten (…); es wurden Priapuslieder und solche über Ziegen gesungen.

bus
Credits: Sailko, via Wikimedia Commons.

Der Sinn der Lenäen bestand darin, die schlummernde Natur zu erwecken (Deubner, 1956; James 1968: 142f.). Die Stadtdionysien im März dienten ebenfalls dazu, Fruchtbarkeit zu fördern; zu diesem Fest sandten alle Städte des athenischen Herrschaftsbereichs das vornehmliche Fruchtbarkeitssymbol, den Phallus, als einen Teil ihres schuldigen Tributes (Webster 1959: 59). Die Anthesteria schließlich waren ein Blumenfest zu Ehren des Dionysos, schlossen Trinkgelage ein und waren von ausgelassener Fröhlichkeit beherrscht. Der zweite Tag wurde Choes genannt, der Tag der Weinbecher. Der Wein wurde den Krügen entnommen und zum Heiligtum des Dionysos in den Sumpfgebieten gebracht; dort wurde er in kleinen Krügen schweigend an alle Bürger verteilt, die älter waren als vier Jahre. Nachdem jeder getrunken hatte, wurde die Frau des Stadtvorstehers im Bukoleion (Rinderstall), assistiert von Frauen, die dem Dionysos zugunsten ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte, mit dem Gott vermählt. (…)

Ein Heiligtum des Dionysos, dessen Gebrauch bis ins fünfzehnte Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden kann, wurde auf der Insel Keos entdeckt (Caskey 1964: 326).

Man muss sich das alles bildlich vorstellen! Es gibt gefühlt drei Fatastillionen Filme und Dokumentationen über das antike Griechenland, aber das Thema bleibt immer ausgespart.

Apropos Stiergott und Astronomie: Das wird kompliziert.

Warum rufen die Frauen von Elis [ein Heiligtum des Dionysos] mit ihren Liedern Dionysos an, auf daß er mit seinem Stierfuß zu ihnen komme? (…) Weil in alten Zeiten der Sakralkönig des Mysteriendramas, der auf die Anrufung der Drei Grazien hin erschien, tatsächlich einen Stierfuß hatte. (Robert von Ranke-Graves: Die Weiße Göttin)

Die gesamte antike Welt kennt die Hochzeit des (stierköpfigen) Sonnenkönigs mit der Erdkönigin (oft: die Schlange). Man kennt das: Die zweite Jahreshälfte bringt die erste um, abgeschwächt: Der Sonnenkönig wird sakral gelämht und hat eine Hinkefuß wie Hephaistos.

So ein Ritual (im Bonsai-Format) habe ich selbst mitgemacht, als ich inkognito bei den Freimaurern war: Der Hinkende will immer von einer Welt in die andere.

Wenn wir das aber jetzt anfangen würden zu diskutieren, müssten wir vorher Ranke-Graves auch noch noch einmal studieren (639 Seiten). Oder wir lesen einfach die Bibel, Offenbarung des Johannes – aka Apokalypse (damit wurde ich schon in meiner Kindheit traktiert, aber mittlerweile gilt alles nicht mehr):

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache [Schlange], groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab.

Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.

Nun könnte ihr versuchen, diesen biblischen Mythos astronomisch zu entschlüsseln!

Miscellanous oder: Wenig bekleidete Menschen, Chili und die Sintflut

mehr oder weniger bekleideter Mensch mit menstruationshintergrund
Symbolbild für „mehr oder weniger bekleidete Menschen (weiblich)“

Ein User schrieb:
Hmmmmm, Burks, was in diesem Blog immer geht ist:
1. Mehr oder weniger bekleidete Menschen (weiblich!)
2. Irgendwas mit Essen
3. Alles mit historischer Geschichte

Zu 3) muss ich anmerken, dass „historische Geschichte“ ein weißer Schimmel aka Oxymoron ist, es sei denn, es gäbe eine ahistorische Geschichte – wobei wir schon fast bei einer grundlegenden und tiefschürfenden Analyse der bürgerlichen Geschichtswissenschaft wären, die bekanntlich, wenn es darum geht, die Vergangenheit in Phasen oder Epochen einzuteilen, die sich – eingedenk des Widerspruches zwischen Produktionsverhältnissen und Produktivenkräften – in dialektischen Widersprüchen aka Klassenkampf auszutoben pflegen, jämmerlich versagt, da sie, sobald sie die stukturelle Analyse des Kapitalismus theoretisch erreicht hat (merke: schon Aristoteles hat die Ware an sich erklärt, was die heutige Volkswirtschartslehre feige igorieren muss), dessen Wurzeln im Feudalismus liegen, den er selbst vernichtet hat, aber dennoch auf ihm aufbaut, eine weitere Entwicklung zu etwas Höherem und Komplexeren, das wir gar nicht näher bezeichnen müssen, da das K-Wort zur zeit inpportun ist, leugnen muss, auch wenn es so klar vor den Augen erscheint wie eine Fata Morgana.

chili con carne

Ich bin den Ratschlägen des hiesigen sachkundigen Publikums gefolgt und habe den Zucker und den Wein bei Chili con Carne weggelassen und habe stattdessen Tabasco und Zartbitterschokolade zugefügt.

noah's flood

Zu 3): Ich muss es erst noch lesen, aber das Thema ist spannend. „David Brown (The Washington Post): A fascinating lesson in geology, oceanography, archaeology, and inductive reasoning.“

Over the millennia, the legend of a great deluge has endured in the biblical story of Noah and in such Middle Eastern myths as the epic of Gilgamesh. Now two distinguished geophysicists have discovered a catastrophic event that changed history, a gigantic flood 7,600 years ago in what is today the Black Sea.
Using sound waves and coring devices to probe the sea floor, William Ryan and Walter Pitman revealed clear evidence that this inland body of water had once been a vast freshwater lake lying hundreds of feet below the level of the world’s rising oceans. Sophisticated dating techniques confirmed that 7,600 years ago the mounting seas had burst through the narrow Bosporus valley, and the salt water of the Mediterranean had poured into the lake with unimaginable force, racing over beaches and up rivers, destroying or chasing all life before it. The rim of the lake, which had served as an oasis, a Garden of Eden for farms and villages in a vast region of semi-desert, became a sea of death. The people fled, dispersing their languages, genes, and memories.

Ich habe übrigens keine deutsche Ausgabe bzw. Übersetzung gefunden. irgendwie ist das bezeichnend.

Pontos Euxeinos

chicas

Le Déluge von Léon-François Comerre, Musée d’Arts de Nantes

Was und zu welchem Ende studieren wir die Urgesellschaft Steinzeit? Ich bin eher durch Zufall auf das Thema gekommen: Seit Wochen quäle ich mich unter anderem durch Heide Wunders (Hrsg.): Feudalismus – 10 Aufsätze – dort wird eine interessante Diskussion innerhalb der marxistischen Geschichtswissenschaft der 60-er Jahre referiert. Thema: Wie definiert man vorfeudale Gesellschaften, die weder durch Sklavenhaltung geprägt sind noch im Marxschen Sinne eine „Orientalische Despotie“ bzw. „asiatische“ Produktionsweise sind?

Eckehard Müller-Mertens vertrat die Thesen, dass 1) „die Durchbrüche zu weltgeschichtlich weiterführende Entwicklungen“ meist in „verhältnismäßig rückständigen Randgebieten“ erfolgt sei“, was die Frage aufwerfe, ob der Feudalismus in Europa vielleicht nur eine „primitive Variante“ einer Gesellschaftsformation ist, „die feudale und andere, nichtfeudale, vorkapitalistische Produktionsverhältnisse“ einschließe, und 2) was das okzidentale „Mittelalter“ so besonders gemacht habe, dass sich daraus – und nur dort – der Kapitalismus entwickelt habe? („Trotz seines marxistischen Weltverständnisses konnten sich seine Werke in den Leitdarstellungen der DDR-Geschichtswissenschaft nicht durchsetzen“ – wahrscheinlich hatte er also mit seinen Thesen recht.) Je detaillierter man das diskutiert, um so komplizierter wird es. Da es in Deutschland keine marxistischen Historiker mehr gibt, bleibt das Problem vorerst ungelöst.

Marx schreibt in den Grundrissen: „Nicht die Einheit der lebenden und tätigen Menschen mit den natürlichen, unorganischen Bedingungen ihres Stoffwechsels mit der Natur, und daher ihre Aneignung der Natur – bedarf der Erklärung oder ist Resultat eines historischen Prozesses, sondern die Trennung zwischen diesen unorganischen Bedingungen des menschlichen Daseins und diesem tätigen Dasein, eine Trennung, wie sie vollständig erst gesetzt ist im Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital.“

Wann man aber von einer „Einheit“ sprechen kann oder, wie Marx es oft nennt, von „ursprünglichen“ oder „naturwüchsigen“ Bedingungen der Produktion“, ist unklar – der Begriff „Urgesellschaft“ kann alles bedeuten – eine Horde Neandertaler oder diejenigen Zivilisationen, die mehrere Jahrtausende vor dem antiken Griechenland außerordentliche komplexe Kunstwerke geschaffen haben, wie sie bei Marija Gimbutas: Göttinnen und Götter des Alten Europa: Mythen und Kultbilder bewundert werden können. (Ein großartiges Buch! Offenbar gibt es gar kein anderes, das die Kunst Alteuropas – also vor der Einwanderung der Indoeuropäer – so zusammenfasst.)

Wie ich schon erwähnte, stieß ich dann auf Harald Haarmanns Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas. Diese Zivilisation, die auch Alteuropa“ genannt wird, habe die „Voraussetzungen für den rasanten Aufstieg der griechischen Kultur im ersten Jahrtausend v. Chr. geschaffen“. Ohne diese wiederum ist das heutige Europa nicht zu denken. Was wissen wir über die sechs oder gar mehr Jahrtausende davor?

donauzivilisation

Übersicht: Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation

Schon zu Beginn der Lektüre musste ich bei mir große Bildungslücken entdecken. Noch weniger war mir zum Beispiel bewusst, dass es ca. 6700 v. Chr. eine Sintflut gab – das Mittelmeer brach durch die heutigen Dardanellen, ergoß sich in das Schwarze Meer und überflutete weite Landstriche der Ufer. Auf Grund des heutigen geologischen Forschungsstandes kann man davon ausgehen, dass es keine Hypothese mehr ist, sondern ein Faktum.

Black Sea

Das Dunkelblaue zeigt die ursprüngliche Größe des Schwarzen Meeres – im Altertum als Pontus Euxeinos bekannt -, das Hellblaue die überfluteten Regionen ab Ende des 6. Jahrtausends v. Chr..

Haarmann diskutiert, dass vor der großen Flut eine Migration von Anatolien nach Thessalien (und auch in die Gegenrichtung) stattgefunden habe, was unter anderem auch die Humangenetik beweisen kann, und dass die Technik des Ackerbaus so in das heutige Nordgriechenland gelangte. „Die Besiedelung Thessaliens durch sesshafte Ackerbauern markiert den Beginn einer Ära, die man als Inkubationszeit der Donauzivilisation bezeichnen kann“ (Haarmann, S. 22) Diese frühe Phase des Neolithikums kannte noch keine Töpferei, die entstand erst ab ca. 6500 v. Chr..

alteuropa

Credits: David W. Anthony: Horse, the Wheel, and Language: How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes Shaped the Modern World

Das ökologische Gleichgewicht der Schwarzmeerregion änderte sich nach der Sintflut dramatisch. Um ca. 6200 v. Chr. erlebten die Menschen eine „kleine Eiszeit„. „Solange die Kälteperiode anhielt, blieb die Kultivierung von Nutzpflanzen auf Gebiete südlich der Dobau beschränkt. In Anatolien war die Verschlechterung der klimatischen Bedingungen noch drastischer als in Europa. Die feuchten Niederungen rings um Çatalhöyük – die um 7400 v. Ch. gegründete, nach Jericho zweitälteste Stadt der Alten Welt -, trockneten aus, ebenso die in der Nähe der Stadt bebauten Felder.“ Çatalhöyük wurde ca. 6000 v. Chr. von den Einwohnern verlassen.

Um 5800 v. Chr. erwärmte sich das Klima wieder – und die Bewohner Thessaliens gründeten zahlreiche Siedlungen (oder brachten die Idee des Ackerbaus dorthin) „in den Schluchten des Balkan“ und an der Donau, zum Beispiel Karanovo im heutigen Bulgarien oder Lepenski Vir in Serbien. (Die Ortsnamen hatte ich noch gehört…)

Ich habe mir gleich noch das Standardwerk für das gekauft, was danach – in der Bronzezeit – spannend und interessant wird: David W. Anthonys Horse, the Wheel, and Language: How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes Shaped the Modern World.
Anthony gives a broad overview of the linguistic and archaeological evidence for the early origins and spread of the Indo-European languages, describing a revised version of Marija Gimbutas’s Kurgan hypothesis. Anthony describes the development of local cultures at the northern Black Sea coast, from hunter-gatherers to herders, under the influence of the Balkan cultures, which introduced cattle, horses and bronze technology.

When the climate changed between 3500 and 3000 BCE, with the steppes becoming drier and cooler, those inventions led to a new way of life in which mobile herders moved into the steppes, developing a new kind of social organisation with patron-client and host-guest relationships. That new social organisation, with its related Indo-European languages, spread throughout Europe, Central Asia and South Asia because of its possibilities to include new members within its social structures.

david w. Anthony

Demnächst mehr in diesem Theater. Nun der Vorhang zu und alle Fragen offen.

Furious Chicken et al

naked woman chicken

„Viaje Fantástico“ von Roberto Fabelo, Plaza Vieja, Havana

Zwei Meldungen interessierten mich heute:

Furious French chickens team up to henpeck fox to death – dazu ein wie immer wunderbar süffisanter Bericht von IFLScience: „It’s very hard to take chickens seriously. Every now and again, though, these clucky creatures like to remind us they are not ones to be pushed around. After all, they are descended from dinosaurs.

A furious gang of chickens at a poultry farm in France are suspected of killing a fox that snuck into their coop looking for a tasty snack…“

Ebendort: „Nearly half of British women don’t know where the vagina is. And it gets much worse.“

Sollte das mit dem Protestantismus zutun haben? Ich erinnere mich an diverse Szenen bei Monthy Python, die das thematisieren.

Was macht eigentlich die Arbeiterklasse?

arbeiterklasse

Nein, ich vergesse die Fragen nicht. Hier wurde vom interessierten Publikum bezweifelt, ob es das klassische Proletariat noch gebe bzw. ob die Arbeiterklasse noch existiere. Um das zu beantworten, nutze ich gern Quellen, die des Linksextremismus bwz. der politischen Ökonomie unverdächtig sind.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung wäre so eine Instanz. Der scheinbar harmlose Titel: „Die Bevölkerung wächst – Engpässe bei fachlichen Tätigkeiten bleiben aber dennoch bestehen. BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen bis zum Jahr 2035 unter Berücksichtigung der Zuwanderung Geflüchteter“.

arbeiterklasse
Credits:BiBB-Report, 3/2016

Im obigen Report heisst es: „Der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft ist nicht gleichzusetzen mit einer Deindustrialisierung. Die Bruttoproduktion im produzierenden Gewerbe wächst auch in Zukunft leicht überdurchschnittlich. Voraussetzung dafür ist auch weiterhin ein erfolgreicher Export. Die Rationalisierungsmöglichkeiten der Industrie erlauben – insbesondere bei einer Digitalisierung der Produktion – überdurchschnittliche Produktivitätssteigerungen, die mit einem geringeren Arbeitskräfteeinsatz einhergehen.“

Das kann man so auch im Marxschen „Kapital“ nachlesen, insbesondere im Abschnitt über die Rate des Mehrwerts. „Arbeitskräfteeinsatz“ im esoterischen Neusprech der „Volkswirtschaftler“ bedeutet das variable Kapital: Je kleiner der Anteil des variablen Kapitals, um so höher der Mehrwert, der letztlich in den Profit eingeht – trotz tendenziellen Falls der Profitrate.

Der Anteil der Arbeiterklasse sinkt also nur leicht, auch perspektivisch. Ich interpretiere die Schaubilder so, dass mindestens ein Viertel aller Berufstätigen zum Proletariat gehört. Dazu kommen deren eventuell nicht berufstätigen Familienangehörigen und Arbeiter, die entlassen wurden und eine neue Anstellung suchen, dazu alle, die nur zweitweilig und/oder prekär beschäftigt sind. Das klassische Kleinbürgertum zähle ich im Gegensatz zu Hal Draper nicht dazu.

Letztlich ist die Arbeiterklasse in der Mehrheit, sogar dann, wenn man die marxistische Definition eng auslegt. Und wieviel davon werden in den Medien und im Bundestag repräsentiert – und von wem?

Beresheet takes off

beresheetberesheet

In ca. acht Wochen wird die israelische Mondlandefähre Beresheet auf dem Erdtrabanten landen. (Livebericht vom Start) Glückwunsch!

Israel (8,7 Millionen Einwohner) wird damit eine Weltraummacht, obwohl die Mission privat finanziert wurde.

„In der Zeitkapsel befinden sich drei digitale Speicher-Disks mit Hunderten von Dateien. Dabei handelt es sich um für Israel besonders bedeutsame Dokumente und Werke, etwa die Unabhängigkeitserklärung und die Nationalhymne, hebräische Lieder, das Gebet für die Reise, aber auch Zeichnungen von Kindern.“ Großartig!

Deutschland kann noch nicht mal ordentliche Flughäfen bauen. Woran das wohl liegt?

Schönheit und Hoffnung

fresken

„Love and sensuality in the frescoes of Regio V“ – „An elegant and sensual bedroom re-emerges in its entire beauty from the Regio V excavation at Pompeii“. Wieso kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die alten Römer einen weitaus besseren Geschmack hatten als alle Innendesigner von heute?

communism in space

„How Soviet Artists Imagined Communist Life in Space“ – mir gefällt die vielleicht naive Hoffnung, die aus den Bildern hervorscheint. Man glaubte noch an das Schöne, Wahre und Gute, das sich in der Zukunft einstellen sollte.

Farewell, Opportunity! [Update]

mars rover

Credits: NASA

Die NASA hat sich von ihrem Mars Rover Opportunity verabschiedet. „It looks like lights out for Opportunity, one of NASA’s most successful missions of all time.“

Der Rover ist das großartigste Gefährt, das die Menschheit je gebaut hat. Ich habe das Bild sogar manchmal als Bildschirmschoner. Curiosity bringt uns und alles voran, auch im philosophischen Sinn.

[Update] N-TV: „Chinas Mond-Rover „Jadehase 2″ rollt los“.

Bewusstsein oder nicht, das ist die Frage – und wo sitzt es?

ScienceAdvances: „Human consciousness is supported by dynamic complex patterns of brain signal coordination“. „Our results establish that consciousness rests on the brain’s ability to sustain rich brain dynamics and pave the way for determining specific and generalizable fingerprints of conscious and unconscious states.“

Feudal

käsekuchen

Ich aß Käsekuchen am Richardplatz im Zuckerbaby Café & Deli und las Michael A. Barg: „Zum Feudalismusbegriff in der der gegenwärtigen bürgerlichen Geschichtsschreibung“, Vosprosy istorii 1965, in Michael, Bernd [Bearb.]. Kuchenbuch, Ludolf [Hrsg.]: Feudalismus: Materialien zur Theorie und Geschichte, Frankfurt a. M. [u.a.] (1977).

Warum ich das tat? Um das hiesige Publikum um auf eine Diskussion vorzubereiten, die hier alsbald stattfinden wird. Zur Vorbereitung bitte noch alle anderen Aufsätze in dem oben genannten Band Feudalismus, Materialien zur Theorie und Geschichte lesen, 780 Seiten, dazu Heide Wunder (Hrsg.): Feudalismus – 10 Aufsätze, München 1972, 312 Seiten, insbesondere die Einleitung der Herausgeberin: „Der Feudalismus-Begriff. Überlegungen zu Möglichkeiten der historischen Begriffsbildung“. Selbstverständlich auch Johannes Fried: Die Anfänge der Deutschen: Der Weg in die Geschichte, Berlin 2015, 1056 S..

feudalismus

Marc Bloch Die Feudalgesellschaft könnt ihr weglassen.

Alles bis morgen, bitte!

Klassisch

klassen

Das hiesige Publikum zweifelte jüngst daran, ob es noch Klassen im Marxschen Sinn bzw. das Proletariat gebe. Darüber lese ich gerade die Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 116, die sich speziell diesem Thema widmet.

Ich saß im Café Zuckerbaby, trank Milchkaffe und aß Käsekuchen, der dort Cheesecake genannt wird, vermutlich weil US-Amerikaner sonst nicht wissen würden, was sie da vor sich haben.

Minuspunkt im Café Zuckerbaby: Ein Haufen unerzogener und bläkender Kinder aus den neuen Mittelschichten, deren Eltern so aussehen, als hätten sie veganen glutenfreien Sex.

Wer etwas lernen will

bildung

„Heutzutage fällt zur Last, wer etwas lernen will. (…) Die einen würdigen die Palme der Wissenschaft und erlangen sie nicht, die anderen fliehen den Ruhm, den sie bringt, als unwürdig, beide halten sich von edlem Streben fern. Was mich betrifft, mir scheint das gelehrten Wissen um seiner selbst willen erstrebenswert genug.“ (Lupus Servatus (862-863), auch bekannt als Lupus abbas Ferrariensis oder auch Lupus von Ferrières)

Der Mönch schrieb auf Latein, ich zitiere nach Johannes Frieds Die Anfänge der Deutschen: Der Weg in die Geschichte.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Student die Monumenta Germaniae Historica gemieden habe wie die Pest, weil Quellen aus der Zeit extrem schwierig zu lesen sind. Heute wäre das anders.

Unter Machtspielern

alexander von plato

Die primären psychologischen Reaktionen der Einzelnen, Führer oder Geführter, sind irrelevant vor den übermächtigen Verhältnissen, in die sie eingespannt sind und die ihnen ihr Verhalten weithin aufnötigen, obwohl die objektiven Tendenzen kaum so furchtbar sich durchzusetzen vermöchten, okkupierten sie nicht auch das psychische Leben wider die Interessen der Lebenden.“ (Theodor W. Adorno: Anmerkungen zum sozialen Konflikt heute (1968), in: Adorno: Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I)

Wer sich dafür interessiert, was wirklich backstage geschah, als die jeweils Herrschenden beschlossen, Deutschland wiederzuvereinigen, sollte Alexander von Plato: Die Vereinigung Deutschlands – ein weltpolitisches Machtspiel von vorn bis hinten lesen. Es ist das Standardwerk zum Thema und das einzige, dessen Fazit auf allen relevanten Akten fußt – auch den sowjetischen. Plato interviewte zusätzlich die maßgeblichen Beteiligten, was zu interessanten Widersprüchen zwischen Protokollen und dem führt, an das sich die Protagonisten erinnern. (Allein die Bibliographie umfasst rund 50 Seiten. Durch die Fülle der Original-Quellen eignet sich das Buch hervorragend für den Schulunterricht oder für historische Seminare.)

Helmut Kohl ist als Bettvorleger losgesprungen und als Tiger gelandet.“ (Nikolai Portugalow im Interview, 2000)

Fazit: Die sowjetische Seite hatte zunächst gar keinen Plan und hat sich weitgehend über den Tisch ziehen lassen, auch auf Grund der lavierenden Verhandlungstaktik Gorbatschows. Andererseits hatte er keine große Wahl, denn er kämpfte an mehreren Fronten, gegen die Hardliner im Inneren und gegen den drohenden Staatsbankrott. Plato gibt zu, dass die Strategie der deutschen Bundesregierung „ohne größere Fehler“ gewesen sei und diese das Maximum herausgeholt hat, was möglich war. Dazu kommt, dass die sowjetischen Regierung die Macht und die Sogwirkung nationaler Unabhängigkeitsbewegungen, wie die in Litauen, unterschätzte, was ihre Verhandlungsposition im „Inneren“ – parallel zu den Verhandlungen mit den Deutschen – unterminierte. „Mit Litauen war die UdSSR selbst bedroht, mit der deutschen Frage ’nur‘ die Ränder ihres Hegemonialbereichs. Dadurch war wegen Litauen der Zwang zu sowjetischen Konzessionen in der deutschen und in der NATO-Frage stärker geworden.“

Die Protokolle der Verhandlungen verdeutlichen, dass ein wiedervereinigtes, aber neutrales Deutschland – also ohne NATO-Mitgliedschaft – durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre. Der ökonomische Bankrott der DDR, den sich sogar Helmut Kohl nach eigenen Angaben. so hatte nicht vorstellen können, und auch der gleichzeitig drohende wirtschaftliche Kollaps der UdSSR drängten in eine andere Richtung.

Ein weiteres Fazit: Die Rolle der Opposition der DDR wird im öffentlichen Diskurs maßlos überschätzt. Es gehört wohl zum nationalen Mythos, dass die Wiedervereinigung durch „das Volk“ erzwungen worden sei, ähnlich realistisch wie die Siegfried-Sage. Die Mitglieder der Opposition waren, laut den Protokollen, über alle Maßen naiv, hatten von den ökonomischen Sachzwängen nicht die geringste Ahnung und wurden – man muss sagen: wohl zu Recht – einfach überrollt.

Schwer zu lesen und manchmal dröge, aber äußerst penibel geschrieben und teilweise spannend, weil man die Dinge hinterher anders sieht als man sie aus den Medien zum Thema kennt.

Für Prophet und Führer

islam und judentum

Südfrankreich: Soldaten der 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ bei der Ausbildung; Lesen einer Broschüre „Islam und Judentum“, ca. Sommer 1943. Foto: Bundesarchiv Koblenz, vgl. Zenith: „Viele Juden konvertierten während des Kriegs zum Islam“.

Auch die Nazis bauten Moscheen auf. Interessanter Artikel auf Zeit online: „Deutschland wird den Krieg gewinnen – Insch’Allah!“

Dazu passt Die SS-Mullah-Schule und die Arbeitsgemeinschaft Turkestan in Dresden.

Aus einem Interview mit dem Buchautor David Motadel: Für Prophet und Führer: Die islamische Welt und das Dritte Reich:

Wie haben die Muslime insgesamt auf die Verfolgung ihrer jüdischen Nachbarn reagiert?
Im Prinzip unterschieden sich die Reaktionen der Muslime auf die NS-Vernichtungspolitik kaum von dem Verhalten anderer Bevölkerungsgruppen unter deutscher Besatzung. Das Spektrum reicht da von Kollaboration mit den Besatzern und Angriffen auf jüdische Nachbarn aus Gründen des Profits oder aus reinem Antisemitismus, über Gleichgültigkeit, bis hin zu Empathie und zum Schutz verfolgter Juden. Häufig kam es vor allem auf die Gegebenheiten und die interkonfessionellen Beziehungen vor Ort an. Als bedeutendes Beispiel für eine Unterstützung von Muslimen gegenüber Juden während es Holocaust ließe sich Albanien nennen. Dort haben Muslime einen großen Teil ihrer jüdischen Nachbarn retten können.

Cooles Bärtierchen

tardigrade

Nature.com: „Extremotolerant tardigrade genome and improved radiotolerance of human cultured cells by tardigrade-unique protein. (…) Using human cultured cells, we demonstrate that a tardigrade-unique DNA-associating protein suppresses X-ray-induced DNA damage by ∼40% and improves radiotolerance. These findings indicate the relevance of tardigrade-unique proteins to tolerability and tardigrades could be a bountiful source of new protection genes and mechanisms.“

Das Bärtierchen (engl. Tardigrade) ist ein Superheld: „Tardigrades are pretty much impossible to kill. No, seriously – the tiny organisms also known as water bears or mossy piglets can survive the following environments: the vacuum of outer space, near absolute zero, boiling temperatures, pressures six times greater than the deepest ocean, several years’ worth of dehydration, and radiation lethal to pretty much every other animal on Earth. Scientists now know what gives Tardigrades that latter quality – and it could be a boon to making deep space travel for human beings possible.“ (Quelle: Inverse.com)

Da denke ich an die Bibel, Matthäus 18, Vers 7: „In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist denn im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Bärtierchen herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Bärtierchen, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen. Wer sich so klein macht wie dieses Bärtierchen, der ist im Himmelreich der Größte.“

How to Download the Books That Just Entered the Public Domain

old books

Motherboard: „Public Domain Day was yesterday, but you were probably hungover, so here’s how to download the tens of thousands of books that became legal to download for free in 2019.“

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