The virtual Pfaffenthal

tagesschau

Ja, ich empfehle das immer noch als Freizeitgestaltung. Man sollte aber wissen, was man will. Nur für künstlerisch Veranlagte, nicht für inaktive TV-Glotzer.

Im Gleichschritt, marsch oder: Einseitigkeit und ein nationaler Wir-Diskurs

Telepolis: „Gleichklang, hoch problematische Sprachbilder, anstelle von Unparteilichkeit ein Schulterschluss mit Gästen und Titel, in denen eine imaginäre Bedrohung zum Vorschein kommt: Die Medienwissenschaftler Matthias Thiele und Rainer Vowe haben die großen politischen Talkshows im deutschen Fernsehen zum Thema Griechenland analysiert und dabei gewaltige Schlagseiten festgestellt, die dem Selbstverständnis dieser Formate nicht gerecht werden. Im Interview mit Telepolis stellt Thiele die Analyseergebnisse vor.“

Lesebefehl!

Wie sich die Zeiten ändern!

tagesschau

Häkelmütze im Pegida-Land

Ulrich Wolf von der Sächsischen Zeitung in Dresden schreibt bei Stefan Niggemeier etwas über Pegida und Artverwandte. Lesenswert. „Ein öffentlicher Aufschrei gegen Pegida ist im Osten kaum zu hören. Die westdeutschen Leitmedien haben sich zurückgezogen. Im Hintergrund aber arbeiten Pegidas Stichwortgeber zusammen.“

Immobil in Griechenland

Die Neue Zürcher Zeitung beschreibt den Markt für Immobilien in Griechenland – natürlich aus unkritischer Kapitalismus-affiner Sicht. Ist trotzdem interessant zu lesen.

In Griechenland ist bis heute vielerorts kein Grundbuch- und Katasterwesen eingeführt. Eine Ausnahme bilden die Dodekanes-Inseln um Rhodos, wo man ein solches den Italienern verdankt, die dort drei Jahrzehnte in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts herrschten. Im Regelfall musste deshalb eine weit zurückreichende Recherche zu den Besitzverhältnissen sowie zu gegebenenfalls auf dem Objekt liegenden Lasten durchgeführt werden. Mit dieser wurde in der Regel ein Anwalt betraut, was ab einem relativ bescheidenen Kaufpreis sogar Pflicht war.

Unter Leiharbeitern

Die taz berichtet über gängige Lohndrückerei in Medienunternehmen. „Offen zu sprechen wagt keiner der Betroffenen. In allen Häusern fürchten sie um ihren Job – und um ihre Reputation in der Branche auch über den Verlag hinaus. Niemand will öffentlich als Nestbeschmutzer dastehen, aus Angst sich damit die Karriere zu verbauen“.

Ach ja. So sind sie, die deutschen Journalisten. Was will man dann von der Recherche erwarten?!

Qualitätsmedien oder: Alles bricht zusammen

Bildblog: „Das ‚Kollaps‘-Drama von Bayreuth: Merkel fällt vom Stuhl“.

Burks gefällt das. Recherche deutscher Qualitätsmedien at its best.

What Greece Could Do

Heute habe ich keine Zeit, den gestrigen Artikel fortzusetzen. Es gibt aber eine interessante Lektüre als Alternative: „What Greece Could Do“ von J. W. Mason auf Jacobin: „Greece could ease the crisis by establishing control over its central bank. Here’s how.“

Dazu lese man auch Neues Deutschland: „Griechenland hat 700.000 Jobs im Mittelstand verloren – Athen will Stromnetzbetreiber nicht verkaufen – Berlin verlangt Massenentlassungen in Griechenland“.

Quod erat demonstrandum.

Was ist drin in Griechenland? (Teil 2)

revolutionäre Bauern

Bild: Revolutionäre Bauern attackieren einen Feudalherrn aka „Ritter“, deutscher Bauernkrieg, 1524-25

Vorsicht! Warnung! Das ist ein anspruchsvoller, dröger und langer Text, der zudem historisches Wissen und die Kenntnis einiger wissenschaftlicher Begriffe voraussetzt!

Ja, ich darf hier in der Geschichte herummäandern. Oder, wie es bei Heinrich von Kleist sinngemäß heißt: „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Bloggen.“ Wir diskutierten im ersten Teil den Klassenkampf in der Antike, warum Sklavenarbeit „fortschrittlicher“ war als die Arbeit isolierter Kleinbauern, und warum die Produktionsverhältnisse der antiken Sklavenhaltergesellschaft „reaktionärer“ waren als die im Feudalismus, wenn man sich anschaut, wie und wann sich die Produktivkräfte entwickeln können.

Warum das Ganze? Ich mache mir Gedanken über die Geschichte, um zu verstehen, was heute in Griechenland möglich ist, Revolution oder nicht, Reparatur des Kapitalismus oder nicht. Natürlich kann man aus der Geschichte lernen: Sie wiederholt sich, aber unter jeweils verschiedenen Bedingungen.

Der Aufstand der Ciompi und die Forderungen der Mansfelder Bergknappen im Bauernkrieg sind nur ein winziger Ausschnitt der europäischen Geschichte, der aber die Richtung zeigt, wohin es geht – und deswegen ist das aktuell: „Revolutionär“ kann man nur sein, wenn man das System ändern will. Aber wie soll das gehen für einen Bauern oder einen Bergknappen im 16. Jahrhundert? Was hätten diese fordern können, wenn nicht den Kapitalismus? Der wurde bekanntlich erst 300 Jahre später zur vorherrschenden Form der Produktion. Die Ciompi und die Bergarbeiter waren die erste Proletarier, die nichts zu verkaufen hatten als ihre Arbeitskraft. Das aber war im 16. Jahrhundert oder früher ein Einzelfall, heute ist es die Regel (dafür sind Kleinbauern die Ausnahme).

Wikipedia, ein bisschen schwammig: „Der Bauernkrieg von 1523 bis 1526 war nicht plötzlich über die deutschen Territorien eingebrochen. Vielmehr gehört er in eine lange Reihe von europäischen Aufständen und Widerstandsaktionen, die sich vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit zieht. (…) Auch die zahlreichen Bürgererhebungen in vor allem südwestdeutschen Städten zwischen 1509 und 1514 waren zumeist von den ärmeren und unterprivilegierten Schichten getragen und gegen die ökonomischen und politischen Privilegien der Patrizier und des Klerus gerichtet gewesen.“

Die Ideen, was möglich ist und was nicht, fallen nicht einfach vom Himmel. Erst im 19. Jahrhundert hatte sich das Bürgertum ökonomisch so weit etabliert, dass es politishe Rechte für sich als Klassen einfordern konnte – in Frankreich temporär erfolgreich, in Deutschland endete 1848 der Versuch zu revoltieren wieder einmal in einer Katastrophe und dem Trimph der Reaktion.

paris

Aber schon während kurz nach der französischen Revolution gab es einen Moment, der in die Zukunft wies, aber letztlich scheitern musste – die Pariser Commune, der erste Versuch eine sozialistischen Regierung überhaupt. Das Thema kommt natürlich im Geschichtsunterricht in deutschen Schulen so nicht vor, das ist viel zu gefährlich. Man lernt viel über die herrschende Propaganda, wenn man sich anschaut, was bewusst weggelassen wird.

Wikipedia: „Während der Pariser Kommune entstand die erste feministische Massenorganisation mit der Union des femmes pour la défense de Paris et les soins aux blessés unter dem Einfluss der russischen Aristokratin Elisabeth Dmitrieff und der Buchbinderin Nathalie Lemel. Die Frauen verlangten und bekamen in dieser kurzen Zeit erstmals das Recht auf Arbeit und gleichen Lohn wie Männer und erstritten weitere Rechte wie die Gleichstellung ehelicher und nicht ehelicher Kinder sowie die Säkularisierung von Bildungs- und Krankenpflegeeinrichtungen. Frauen wie Louise Michel kämpften auf den Barrikaden mit.“

Das ist noch nicht einmal heute umgesetzt. Man braucht Marx nicht, um das historisch einzuordnen, aber er hat es nun mal einprägsam formuliert:

In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt.
Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.
(Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie)

Im dritten und letzten Teil (hoffentlich morgen) werde ich versuchen zusammenzufassen, was mich das alles lehrt und was ich den Griechen empfehle.

Babylonien, revisited, 23.0

Babylonien, revisited, 23.0: Tigrinya. Der Mann kam aus Eritrea und sprach noch Arabisch, sonst nichts, sein Dolmetscher sagte stolz, er sei „Nubier“.

Splash around

This is going in my „Bad Day“ playlist for when I need a quick cheer up!

Westliche Werte

westliche Werte

Schon klar: Wer Rt Deutsch verlinkt, betreibt Putins Propaganda. Am besten gleich ab ins Internierungslager „for not sharing our values“.

On Brand eins schreibt ein Homo sapiens über Maschinen, die schon fast wie der Homo sapiens schreiben und den ersetzen könnten. Sollte man darob lamentieren? Nein, lieber schreibende Maschinen als Journalisten, die unbezahlte Arbeit für Facebook leisten. „You don’t know it, but you’re working for Facebook. For free“, titelt die Washington Post.

Jacobin hat interessante Fakten zur Geschichte der industriellen Reservearmee: „The International Labour Organization has recently estimated that what might be called the global reserve army of labor is now larger than the approximately 1.4 billion workers who are totally dependent on wage labor. This reserve includes both the roughly 218 million unemployed and an astronomical 1.7 billion workers designated as “vulnerably employed.“

Auch in Roar steht etwas zum Thema: „The problem with center-left critiques of neoliberalism“.

Es wirft ein bezeichnendes Licht auf das unsägliche Niveau hiesiger bürgerlichen Medien und auch der internen Diskussion unserer „sozialpartnerschaftlichen“ gelben Gewerkschaften, wenn derartige Themen schlicht nicht vorkommen. Geht sterben. Es ist nicht schade drum.

Remote kill of a Jeep

Wired: „Hackers Remotely Kill a Jeep on the Highway—With Me in It“.

Bruahahaha.

Humiliation and blackmail

Mediapart: ‚We underestimated their power‘: Greek government insider lifts the lid on five months of ‚humiliation‘ and ‚blackmail.
In this interview with Mediapart, a senior advisor to the Greek government, who has been at the heart of the past five months of negotiations between Athens and its international creditors, reveals the details of what resembles a game of liar’s dice over the fate of a nation that has been brought to its economic and social knees.

Eure Not ist unsere Sorge

csu

Ich habe erst wieder übermorgen Zeit zu bloggen. Obiges nur zum Erheitern, das Plakat ändert keine Meinungen.

Babylonien, revisited, 22.0

Babylonien, revisited, 22.0: Aramäisch – eine Familie (mit deutscher Staatsbürgerschaft), die aus der Türkei eingewandert ist.

Ianda, wegen Zeitmangels oder: Unter Polygonen, revisited

iandaianda

Da ist heute keine Zeit zum Bloggen habe, hier nur zwei unterschiedliche Ansichten meiner virtuellen Heimat Ianda. Nur Eingeweihte werden das untere Bild zu deuten wissen,

Den Kapitalismus verwalten

Rainer Trampert im Neuen Deutschland: „Linke, die den Kapitalismus nur regierend verwalten, statt ihn zu stürzen, tun das zu seinen Bedingungen. Sie sind nur Spielball der realen Mächte und werden, wenn’s dem Gläubiger passt, vorgeführt bis zum totalen Gesichtsverlust, damit sein Stammpersonal wieder ans Ruder kommt“.

Ein Karthagischer Frieden

Neues Deutschland: „Die Erklärung (pdf) des Eurogipfels von Montag im Wortlaut – kommentiert von Yanis Varoufakis“.

Pflichtlektüre für alle wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser! (Original in Englisch).

Unter Auguren oder: Happy End für das Kapital

Der Wanderpokal „Lautsprecher des Kapitals“ geht heute an Arne Gottschalck und Lutz Reiche für den Artikel „Politik schafft Chancen auf weitere Kursgewinne“ (Spiegel online)

Vorläufiges Happy End also. Der Fokus ein wenig weg von Griechenland könnte nach Meinung mancher Börsianer sogar den Weg für weitere Kursgewinne freimachen. (…) Und glaubt man den Auguren, hält die jetzt anrollende Berichtssaison durchaus Positives parat.

Ich frage mich, was Journalisten antreibt, derart kritiklos und ohne Hintergrundinformationen das wiederzukäuen, was „die Börsianer“ denken und meinen? Das wäre mir peinlich.

Remember: Der Wanderpokal „Lautsprecher des Kapitals“ geht an Journalisten, die nichts davon beherzigen, die sich die Propaganda der Kapitalisten unkritisch zu eigen machen, die deren Neusprech und und Propaganda-Worthülsen übernehmen, die in Populär-Okonomie dilettieren, ohne jemals ein Buch über den tenzenziellen Fall der Profitrate oder die Theorie des Wert gelesen zu haben. Kurzum: die ihren Beruf nicht nur verfehlt haben, sondern auch noch dummschwätzen und sich als Lobbyist missbrauchen lassen, freiwillig oder aus Dummheit und/oder Ignoranz.

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