Tweet of the day 84

verdächtig

KAPOVAZ oder: Kalkulierbare Armut

kapovaz

Welt online: „Die bittere Wahrheit über das deutsche Jobwunder“.

Bundesweit sind bereits etwas über anderthalb Millionen Menschen betroffen von den „kapazitätsorientierten variablen Arbeitszeiten“, kurz Kapovaz. Dies hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin auf Anfrage der „Welt“ berechnet. Neben Toys“R“Us nutzen auch andere Handelsketten das Instrument, das dem Unternehmen Flexibilität verschafft und den Angestellten häufig an den Rand des Existenzminimums drängt.

Vgl. Wikipedia: KAPOVAZ: „Während der Arbeitnehmer somit ein kalkulierbares und regelmäßiges Einkommen hat, ist es dem Arbeitgeber nach wie vor möglich, innerhalb vereinbarter und geregelter Grenzen auf den Arbeitnehmer zuzugreifen.“ Das suggestive Neusprech hat offenbar ein Lautsprecher des Kapitals dort hineingeschrieben.

Vgl. auch Abrufarbeit: „Bei der Arbeit auf Abruf hat der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen, d.h. der Arbeitnehmer steht für den Arbeitgeber auf Abruf bereit. Im Arbeitsvertrag muss eine wöchentliche und tägliche Mindestarbeitszeit vereinbart sein. Fehlt diese Vereinbarung, so gilt eine Wochenstundenzahl von zehn Stunden als vereinbart. (…) Fehlt es an einer vertraglichen Festlegung der täglich zu leistenden Arbeitszeit, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen. Der Arbeitnehmer ist nur zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitgeber ihm die Lage seiner Arbeitszeit jeweils mindestens vier Tage im Voraus mitteilt (§ 12 Abs. 2 TzBfG). In Tarifverträgen können für die Abrufarbeit vom Gesetz abweichenden Regelungen geschaffen werden, auch solche, die für die Arbeitnehmer ungünstiger sind (§ 12 Abs. 3 TzBfG).“

Leute, lest das Kleingedruckte, auch in Tarifverträgen!

Wie die Philosophie „weißgewaschen“ wurde

Strasse

Berliner Strassen ohne Autos sehen viel schöner aus und laden zum Philosophieren ein.

Da das hiesige Stammpublikum umfassend gebildet ist und über ein außergewöhnliches historisches, ökonomisches, sozilogisches und philsophisches Wsisen verfügt (wie man an den Kommentaren unschwer erkennen kann), empfehle ich von science.orf.at zur Lektüre:
Vor 200 Jahren wurde am Wiener Kongress der Sklavenhandel abgeschafft. Das lag weniger an der Philosophie der Aufklärung und mehr an politisch-ökonomischem Kalkül. Denn die „großen, weißen Aufklärer“ kümmerten sich wenig um die Versklavung Schwarzer Menschen. Das hat Folgen bis heute: Der Kanon der Philosophie wurde „weißgewaschen“.

Toussaint Louverture allerdings muss man sowieso kennen.

By the way, Österreicher: Im Deutschen schreibe man Adjektive klein. „Schwarz“ ist auch kein Markenname (wenn man einfach alle Regeln aus dem Englisch übernähme). Also muss es heißen: „Versklavung schwarzer Menschen“. Addendum: Im Deutschen hieße es korrekt: „Nicht alle berliner Straßen führen geradeaus, noch nicht einmal die Berliner Straße.

Donald Trump will win the US presidency by a landslide

Interessante Analyse vom Independent:
„A recent poll even had Trump him behind Clinton, by only 0.3 per cent. His momentum is upward. Do you see where this is heading? Clinton will get fewer votes than Obama. Trump will get out far more first-time voters than the Republicans have ever achieved before, while regular Republican voters will hold their noses and punt for Trump. Unless the left stop dreaming up reasons for Trump to lose, and start campaigning like he might win, the 2016 election will be the landslide for Trump.“

Echtes Brot aus der køniglichen Backstube

bäckereibäckereibäckereibäckerei

Wie das duftet! Ich hatte schon ganz vergessen, wie richtiges Brot schmeckt. Immerhin ist die deutsche Brotkultur weltweit einzigartig und eines der wenigen Dinge, die ich im Ausland wirklich vermisse.

Bei mir in unmittelbarer Nachbarschaft hat jetzt die Kønigliche Backstube eröffnet (es gibt heute schon etwas, ab Mittwoch wird regulär gearbeitet). Der Bäcker buk das Brot und siehe, es schmeckte gut. Empfehlenswert!

Kamerad, grüß mir die Sonne oder: Neues von der judäischen Querfront

Vice.com: „Neonazis und Friedensaktivisten, die Nordkorea lieben“, über Michael Koth und andere Sektierer. Irre, sehr komisch und gleichzeitig traurig.

Neusprech oder: Da, wo es wehtut

Zeit online und andere Medien berichten über den Klassenkampf in Frankreich – natürlich nicht objektiv, sondern mit klaren Regeln für Kapitalismus-affines Neusprech:

Der Begriff „Klassenkampf“ darf nicht benutzt werden. Wenn das Proletariat für weniger Geld länger arbeiten soll, muss das als positiv suggeriert, also der Begriff „Reform“ verwendet werden. Gewerkschaften, die das tun, wofür sie da sind, müssen als „kommunistisch“ bezeichnet werden. Arbeiterverräter gelten automatisch als „gemäßigt“.

Prüfung Befassung Thematik

Rationalgalerie (via >b’s weblog): „NDR-Rundfunk-Rat: Völlig befasst. Eine unendliche Geschichte aus dem Land Bürokratien“.

Da hat mal jemand versucht herauszufinden, warum die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ von den Mainstream-Medien gern kritiklos als Quelle benutzt wird. In schönstem Bürokraten-Deutsch des Grauens antwortet der NDR-Rundfunkrat auf wiederholte Nachfragen: „Ergebnis der Prüfung war, dass insgesamt nicht festgestellt werden konnte, dass ein Verstoß gegen die Programmanforderungen des NDR gegeben ist. Da die Thematik daher bereits unter allen Gesichtspunkten geprüft ist, war eine erneute Befassung nicht geboten.“

Wikipedia: „Die SOHR wird von Rami Abdulrahman (auch „Rami Abdul Rahman“ oder „Rami Abdelrahman“ geschrieben), einem syrischstämmigen sunnitischen Muslim, der ein Bekleidungsgeschäft betreibt, von seinem Reihenhaus in Coventry in England aus betrieben.“ Die Russen zweifelten übrigens schon immer. Die müssen es ja wissen.

Man könnte sich die Mühe machen, das Schreiben des NDR-Rundfunkrates ins Deutsche zu übersetzen.

Wir haben ihre Beschwerde geprüft. Wir konnten nicht feststellen, dass wir gegen das, was das Programm des NDR fordert, verstoßen haben. Das Thema wurde schon mehrfach diskutiert. Daher werden wir uns nicht noch einmal damit befassen.

Beim Kacken nie mehr allein?

public toilet Ostia

Römische Gemeinschaftstoilette, Ostia Antica. Credits: Fubar Obfusco /Wikipedia

Wie die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser schon vermuten: Ich halte die gesamte Diskussion um „gendergerechte“ Toiletten, also ob es eins, zwei drei oder zahllose Geschlechter gebe, die jeweils beim Verrichten der Notdurft separiert werden müssten, für total beschissen dämlich.

Man sollte sich vielmehr fragen: Warum will der Mensch im Spätkapitalismus eigentlich beim Kacken allein sein? Die alten Römer taten es doch auch gesellig.

O du mein höheres Wesen, schluchzt das Stammpublikum, jetzt will der Burks, dass wir Norbert Elias Über den Prozeß der Zivilisation: Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen lesen oder gar Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus?! Ja, solltet Ihr, das erklärt es: Warum „privat“ im Kapitalismus erst entsteht und wichtig sein möchte.

Es ginge auch anders. Oder, ceterum censeo: Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte, auch nicht auf dem Klo.

Geek Pride Day

Nicht vergessen: Heute ist Geek Pride Day!

Eine Situation herbei hetzen

Leseempfehlung: Don Alphonso über „Ich bin Bayer und für uns sind Österreicher entlaufene Sklaven, die zurück in unsere Leibeigenschaft gehören, wie schon im 10. Jahrhundert. Aber bis es so weit ist, würde ich deutschen Auguren der Wahl in Österreich wirklich nahe legen, die durchaus differenzierten und reflektierten Kommentare beim Standard zu lesen“ und einige andere Dinge.

Nicht mehr zählbare Promillebereiche in Paralleluniversen

Halina Wawzyniak über Anträge: „Genossen*innen haben mit viel Liebe an Formulierungen gefeilt – für Leitanträge, deren Leserschaft sich am Ende im nicht mehr zählbaren Promillebereich der Bevölkerung bewegen wird. Ob nun die eine oder andere Formulierung in einem Leitantrag steht, die Revolution wird daran nicht scheitern oder gelingen. Vielleicht wäre mehr Zeit für Politik, wenn zumindest der Parteivorstand mit Doodle oder einem anderen Tool abstimmen würde, was er übernehmen will oder nicht. Es ist ja nun nicht so, dass ich nicht selbst auch schon diverse Änderungsanträge gestellt habe. Aber manchmal denke ich, so ein Parteitag und eine Partei sind ein Paralleluniversum.“

Das kann man nahtlos auch auf den DJV übertragen.

By Night

berlin

Wer nicht da wohnt, kann kaum erraten, welche Kirche hier im Bild ist…

Im Lesemodus auf der verfickten Welt-Seite

Markus Maximilian (auf Fratzenbuch) über Deniz Yücels Artikel: „Sorry, so gern ich deine Artikel lesen würde, es wird einem leider unmöglich gemacht durch 37 von selbst startende Videos auf dieser verfickten Welt-Seite“.

Das Problem habe ich natürlich nicht, und die wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser wissen auch warum. Mir fiel aber auf, dass bei Firefox der „Lesemodus“ auch nur funktioniert, wenn man Javascript eingeschaltet hat – obwohl das Feature angezeigt wird?! Oder liegt das daran, dass ich noch nicht die Beta-Version benutze?

Ein Trotzkist in Nordkorea oder: Who is the butt of this joke?

Sehr hübscher Artikel in Jacobin: „A Trotskyist Goes to North Korea“ – „So this isn’t “Stone Age communism.” What kind of system is it, then? Socialism? The regime certainly represents itself as socialist, but since the 1990s, all the images of Marx and Lenin have disappeared. (…) Certain comparisons to absolutism come to mind. The Kims have ruled on their peninsula nearly as long as the Saud dynasty on theirs. And there are ubiquitous images of rulers with supposed magical abilities: Kim Jong-Il reportedly claimed he could control the weather.“

Ganz besonders schön ist die Passage über Laibach…. „What if the young dictator was a Dadaist? Could North Korea be a surrealist Gesamtkunstwerk?“ Muahahahaha.

Auf dem Weg zum Kalifat

Telepolis: „Das Parlament in Ankara beschloss Aufhebung der Immunität von 138 Abgeordneten – ein Meilenstein in Richtung Alleinherrschaft Erdogans“.

Die Türkei ist kein Reiseziel mehr. Boykottieren!

Sei spontan oder: Entscheide dich lieber nicht

herren damen

Foto @Burks Cottbus 2005

Sophie Schriever auf jetzt.de: „Der mangelnde Wille, sich festzulegen, bringt niemanden weiter. Er nervt. Und er nervt noch mehr, weil er seine dummdreiste Rechtfertigung gleich mitbringt: Wer von anderen fordert, sich festzulegen, gilt schnell als Spießer. Es ist ja so cool und lässig, spontan zu sein. Man lässt sich durchs Leben treiben, kommt und geht, wann man will, und unterliegt keinen Zwängen wie festgelegten Uhrzeiten. Dabei geht es ja um etwas anderes: Wer sich nicht festlegen will, schiebt eine Ausrede vor, während er auf etwas Besseres wartet. Oder er ist einfach zu faul, um eine Entscheidung zu treffen.“

Well said. Wie sie mich alle nerven – die Leute, die Angst vor menschlichen Stimmen haben, sondern nur per SMS kommunizieren, die nicht pünktlich kommen, obwohl ihr bescheuertes Smartphone, auf das sie ständig starren, ihnen jede Nanosekunde die Zeit anzeigt, die bei jeder Unterhaltung mir zehn Mal demonstrieren, dass ich unwichtiger bin als die Idioten, die ständig irgendwelche soziale Geräusche über Irrelevantes per Smartphone schicken, die nicht antworten, obwohl ich über ein so genanntes „soziales Netz“ eine Frage gestellt habe – oder erst drei Wochen später, Leute, die gar nicht mehr erreichbar sind, ohne dass man sich irgendwo „einloggt“.

Ach ja. Außerdem nerven mich Esoteriker, Veganer, Horoskop-Gläubige, Gendersprecherinnen, Maskulisten, Verehrer höherer oder niederer Wesen, alle Rechten einschließlich Sozialdemokraten, Verbandsfunktionäre mit dem IQ eines Aschenbechers, Leute, die historisch ungebildet und desinteressiert sind, Leute, die zu faul oder zu blöd sind, ihre E-Mails zu verschlüsseln, Leute, die mit einer Flasche in der Hand von Kneipe zu Kneipe ziehen, Leute, die Techno mögen, Hipster, Fussball-Fans, Operetten-Liebhaber und andere Spießer. Habe ich was vergessen?

Babylonien, revisited, 34.0:

Babylonien, revisited, 34.0: Amharisch. Der Patient stammt aus Äthiopien, benahm sich aber schlecht; ich musste ihm eine Ansprache halten, weil es wegen ihm einen Alarm gab, der immer bedeutet, dass das Personal eine Gefahr sieht und ich denn hinrennen muss. Die Ansprache half, weil er Deutsch verstand, und der Tonfall und eine gewissen Attitude reichen normalerweise auch.

In der selben Tag unterhielt ich mich in Spanisch mit einem spanischen Staatsbürger, der aus Kamerun stammte und auch Französisch und ein bisschen Englisch verstand und gerade Deutsch lernte. Seine Muttersprache war Haussa. Er meinte, es sei doch selbstverständlich, dass man die Sprache des Landes lerne, in dem man leben wolle. Bei der Idee, dass ich Haussa lernen würde, falls ich nach Kamerun reiste, wollte er sich schier kaputtlachen.

Neues von der Glaubensgemeinschaft Veganismus-Asketismus

Verwaltungsgericht Berlin via Law blog:“Berliner Schüler haben keinen Anspruch auf ein veganes Mittagessen“.

Sehr schön.

Sackdoof, feige und verklemmt [Update]

presseerklärung

Screenshot (Ausriss): Anhang der Presseerklärung des Landgerichts Hamburg: Was darf gesagt werden und was nicht?

Telepolis: „Mit einer einstweiligen Verfügung hat das Landgericht Hamburg – nicht ganz unerwartet – die Teile des Böhmerman-Gedichts verboten, die einen Sexualbezug aufweisen. Erlaubt ist jedoch:
„Sackdoof, feige und verklemmt, ist Erdogan der Präsident“
„Er ist der Mann der Mädchen schlägt und dabei Gummimasken trägt“.

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