In der Schlangengrube

Recherchegruppe-Blog: „In der Schlangengrube“.

Radikaler Islam und Verfall der Demokratie

Ein Interview mit Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität: „Der Fundamentalismus zerstört die muslimischen Gesellschaften. (…) Seit den 60er/70er-Jahren hat die Demokratie weltweit große Fortschritte gemacht – etwa in Südeuropa oder Lateinamerika. Die Zahl der Demokratien in der islamischen Welt aber hat sich im gleichen Zeitraum verringert. Heute sind nur noch zwei islamische Länder Demokratien – Senegal und Tunesien. (…)

…die Lage der Menschenrechte in islamischen Ländern untersucht, die Rechte von Frauen, von Homosexuellen und von religiösen Minderheiten. In all diesen Bereichen hat sich die Lage in islamischen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert: In internationalen Statistiken dazu belegen sie die letzten Plätze. (…) Erfolgreiche Industrienationen finden sich fast nur außerhalb der islamischen Welt.“

P.S:: Auch die Ägypter bauen jetzt eine Mauer.

Die Polizei empfiehlt naughty Linux

kali linux

ZDNet (via Fefe): „UK police deny responsibility for poster urging parents to report kids for using Kali Linux. Updated: Using Discord, too, is apparently a warning sign that your child is turning into a naughty hacker.“

Das ist ja lustig. Ich mag die britische Ironie im Teaser des Artikels.

Discord hat auch gleich einen Leitfaden für Eltern. „Block inappropriate content“ ist nett, aber das überlässt die Entscheidung, was appropriate ist, wieder einer Firma. Dann kann ich auch gleich via Facebook chatten.

Apropos, Kali Linux: Ich kann das Video-Tutorial der Website weder mit Chromium noch mit Opera noch mit Firefox (alle für Linux) ansehen. Da müssten sie noch dran arbeiten oder verraten, was sie gern als Voreinstellung hätten.

Teotihuacán

TeotihuacánTeotihuacán

Die Ruinen von Teotihuacán in Mexiko, fotografiert am 07.10.1979.

Journalisten sollten keine Religioten sein

Blasphemie

Der französische Staatsdpräsident Macron sagte laut FAZ: „Wir haben das Recht auf Gotteslästerung“.

Heute trudelt bei mir eine Presseerklärung des DJV Berlin ein (in sehr schlechtem Deutsch verfasst – es ist zum Heulen!): „Journalistenverband kritisiert drohende Schließung der Evangelischen Journalistenschule„. „Wer an den gesellschaftlichen Auftrag der Kirche glaubt, muss vom Glauben abfallen angesichts der Pläne zur Schließung der Evangelischen Journalistenschule in Berlin.“

Glaube ich aber nicht. Eine Schule, die schon im Logo höhere Wesen verehrt, kann keine ernst zu nehmenden Journalisten ausbilden. So einfach, so hart gesagt. Das erinnert mich an einen Artikel, den ich vor sehr langer Zeit geschrieben habe – Grund genug, ihn wieder online zu stellen.

Dieser Artikel erschien als Leitartikel in Berliner Journalisten Nr. 8 Winter 2006.

Dürfen Journalisten höhere Wesen verehren oder gar Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein? Nein, natürlich nicht. Respektlosigkeit und Mut zur Aufklärung gelten als journalistische Tugenden. In Deutschland herrscht jedoch finsteres Mittelalter, wenn Religion zum Thema wird.

Ja, man darf den vorgeblichen Sohn des Christengottes „Balkensepp“ oder „Lattengustl“ nennen, man darf die Vielweiberei Mohammeds durch Prostitutierte metaphorisch darstellen. Man sollte sogar – wie der Philosoph und Publizist Max Bense – den „Atheismus als die notwendige und selbstverständliche Form menschlicher Intelligenz“ verteidigen. Natürlich gibt es dumme Journalisten, Klugheit wird in diesem Beruf nicht vorausgesetzt. Aber wer soll aufklären im Sinne des Wortes – wenn nicht die Medien? Wie soll das geschehen, wenn deren Vertreter die so genannten „heiligen“ Gefühle der Menschen respektieren, die der Atheisten jedoch nicht?

Muslime sollen in die Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender, sagt Peter Voß, der Intendant des Südwestrundfunks. Das ist eine Frechheit, die ihm leider niemand um die Ohren geschlagen hat: Wer vertritt die Konfessionslosen? Angela Merkel will in der EU-Verfassung den Gottesbezug verankern. Kaum vorstellbar, dass sich jemand traut, die amtierende Kanzlerin im Interview zu fragen, ob sie noch bei Trost sei, im 21. Jahrhundert Atheisten verpflichten zu wollen, Aberglauben und mehr oder minder primitive Magie – und genau das ist Religion – per Gesetz zu akzeptieren. Georg Christoph Lichtenberg hat dazu schon vor rund 300 Jahren das Nötige gesagt: „Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.“ Darauf werden wir insbesondere in Deutschland noch lange warten müssen: Dort werden fromme Märchen sogar in die Lehrpläne der Schule aufgenommen. Pisa lässt grüßen.

Religion und Aberglauben sind zwar Privatsache, aber wer die Existenz eines Jahwe, Gott, Allah oder Manitou für wahr hält, kann auch gleich den Wetterbericht nach der Tageschau durch einen Regenzauber aus Papua-Neuguinea ersetzen. Wie sollte ein Journalist über den Mummenschanz während eines Papstbesuches objektiv berichten, wenn er das Staatsoberhaupt des Vatikan für den Stellvertreter eines höheren Wesens auf Erden ansieht oder die Zeugung eines Kindes vor 2000 Jahren ohne Zutun eines Mannes nicht für das hält, was es ist – für baren Unfug?

Robert Leicht zum Beispiel war Chefredakteur der Zeit, ist Kolumnist des Tagesspiegel und war gleichzeitig Ratsmitglied der Evangelischen Kirche. Wer Funktionär bei den Lutheranern ist, meint der verdutzte Leser vormutlich vorschnell, der müsse an irgendeinen Gott glauben, vielleicht auch nur in einer Light-Version, so wie das Christliche bei Michel Friedman (CDU). Wer Religion insgeheim propagiert, ist aber ein gewöhnlicher Lobbyist oder Pressesprecher und macht Schleichwerbung. Bascha Mika, [ehemalige] Chefredakteurin der taz, hält es für „unanständig“, als Journalist Mitglied einer politischen Partei zu sein. Genauso verlogen ist es, religiös zu sein und etwa über die Karikaturen Mohammeds in den Medien zu berichten, ohne selbst im Abspann zuzugeben, dass man an absurde Dogmen glaubt wie etwa die Wiedergeburt eines Gottessohnes oder die zu erwartende Wiederkunft eines Messias.

In Zukunft müssen wir dann auch saudische Journalisten akzeptieren, die Anhänger der Wahhabiya und nebenberuflich Lehrer an Koranschulen sind und Ekin Deligöz eine Burka aufzwingen wollen. Aus der Perspektive eines Atheisten ist der weltanschauliche Unterschied zwischen Joseph Alois Ratzinger alias Benedikt XVI., dem Scientologen Ron Hubbard, einem Schamanen der Apachen und einem Präses der Evangelischen nur marginal. Alle sollten gleich behandelt werden – als Vertreter der, wie Bernhard Russell es pointiert formulierte, „Krankheit Religion“, der „Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.“

Wolfram Weimer, Chefredakteur des Magazins Cicero, spricht von einem „Paradigmenwechsel“ und von einem „Heimweh nach Gott“: „Glaube war früher ein Nischenthema für Theologen, heute ist er ein Mainstream-Thema.“ Er beobachte einen „Rückgang der Glaubenskritik“. Das wäre, wenn es wahr ist, ein Anlass zu klagen und zu bedauern, dass Religion leider immer noch die Droge des Volkes sei. Mitnichten: Weimer beurteilt die Rückkehr der Religion positiv – und das als Journalist! Was hätte Johann Wolfgang Goethe dazu gesagt? Vielleicht: „Er ist ein heller Geist und also ungläubig“. Und Lichtenberg hätte augenzwinkernd kommentiert: „Und ich dank‘ es dem lieben Gott tausendmal, dass er mich zum Atheisten hat werden lassen.“

Für Journalisten gilt daher der immer noch aktuelle Aufruf Kurt Tucholskys: „Tretet aus der Kirche aus. Tretet aus der Kirche aus. Tretet aus der Kirche aus.“

Unzulässiger Eilantrag gegen Berliner „Mietendeckel“

Pressemeldung des Bundesverfassungsgerichts: Die Zulässigkeit eines Eilantrags gegen ein Gesetz vor seiner Verkündung setzt dabei voraus, dass der Inhalt des Gesetzes feststeht und seine Verkündung unmittelbar bevorsteht. Diesen Anforderungen genügt der Antrag nicht.

Alles hochqualifizierte und vermutlich gut bezahlte Anwälte. Die sind noch nicht einmal imstande, einen Antrag korrekt zu begründen.

Der Nominativ ist dem Akkusativ sein Tod

gendersternchen

Wen oder was soll es nicht geben? Keinen Pakt mit Faschisten! Das wäre korrektes Deutsch. Alles andere ist reaktionäre Sprachesoterik (ich sagte es vermutlich schon) und lächerlich. #nichtmitmir!

Besteht die „Linke“ eigentlich nur noch aus Studenten und Verwaltungsangestellten, die genauso grün oder sozialdemokratisch wählen könnten? Dann gute Nacht!

Pferdefleisch und andere Miszellen

pferderoulade

Wo beginnt man am besten, um die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser zu interessieren? Mit Vögeln? Mit dem notwendigen Wissen über die hierzulande verbotenen Generalstreiks? Mit einer regional begrenzten Version? Mit Beethoven, der gar nicht taub war, obwohl alle das behaupteten? Mit alten Schildkröten? Oder Mäusen? Oder mit der erst jetzt beantworteten Frage, warum die Leiche Alexander des Großen eine Woche nicht verweste?

spiegel

Oder mit den weiblichen Brüsten und der Frage, wo sie beginnen? Apropos, Spiegel online: Ihr tut alles, aber auch wirklich alles, damit ich euch nicht mehr lese. Wenn ich das aber doch wollte, erlaubte ich temporär Cookies und lösche die aus purer Boshaftigkeit, wenn ich eure Website verlasse. Ich denke nicht daran, meine IT-Abteilung zu konsultieren. Wenn ich eine hätte, würden die sich totlachen.

Ich lese kaum noch deutsche Medien, sondern bezahle den Guardian, der gerade über eine ‚ghost population‘ of ancient humans berichtet – spannende Sache!

bücherregelbücherregel

Vor fünf Jahren wies der Schockwellenreiter auf einen Artikel hin, dessen Autor dazu auffordert, Bücher wegzuwerfen und bramarbasierend schreibt:
Viele Bücher hingegen sehen aus wie „viel in der Birne“.
Das ist so, als würde jemand, der jeden Abend das heute Journal guckt, über Jahrzehnte jede einzelne Sendung zum Nachweis auf DVD brennen. Macht aber hoffentlich keiner.
Wer Bücher zum Angeben aufhebt, trägt bestimmt auch langärmlige Hausjacken mit Zopfmuster. Ich wette, da gibt es Studien. So!

So! Dagegen muss ich mit Fotos argumentieren. Gar nicht wahr, was der Kerl behauptet.

rohe kräfte

Übrigens: Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten. (Die Nachgeborenen wissen natürlich weder, woher das Zitat stammt, noch haben sie die Originalquelle gelesen, obwohl man dort lernen kann, wie elegant Verben im Deutschen eingesetzt werden können, so dass, versuchte man die unerreichte Sprachkunst eines Heinrich von Kleist oder eines Friedrich Schiller zu imitieren, sogar Pressemeldungen der „Linken“ lesbar, eingängig und verständlich wären und natürlich ganz ohne hässliche Wörter auskämen, die auf „ung“ enden oder mit Gendersternchen verunziert wurden.)

Vorschau: 50-Jähriges

waz

Erinnert mich daran, dass ich im November 50-jähriges Berufsjubiläum habe! Von den Honoraren konnte man damals schon nicht leben. (Und auch meinen Vornamen konnten damals schon einige Kollegen nicht richtig schreiben.)

Und nun zu uns, Totalitarismus-Theoretiker von der CDU!

Thomas von der Osten Sacken (auf Facebook): „Was ich auch nicht mehr lesen mag: Irgendwelche Beiträge über die „zwei deutschen Unrechtsstaaten“ in denen 3. Reich und DDR in einem Atemzug genannt werden, ganz so als seien an der innerdeutschen Grenze ein paar Millionen Menschen industriell ermordet worden und als sei die Volksarmee ebenfalls über Europa hergefallen.

Gegen Leute, die so etwas ganz kalkuliert verzapfen, fühlt man sich sogar aufgefordert, die DDR resolut zu verteidigen.

Anders ausgedrückt: Zwischen einem Kommunisten der nach 1933 im KZ saß oder vor einem Erschießungskommando stand und einem Nazi,der nach 1945 in einem ostdeutschen Knast eingesperrt war (und das waren eher zu wenige), liegen schlicht Welten.

An dieser Stelle sei deshalb ganz ausdrücklich aller Kommunisten gedacht, die zwischen 1933 und 1945 im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr Leben ließen, schwer gefoltert wurden oder jahrelang eingesperrt waren.“

Der gottverlassene Landstrich, revisited

Dieser Text erschien am 19.9.97 im Berliner Tagesspiegel – leider erheblich und sinnentstellend gekürzt.

San Fernando de Atabapo
San Fernando de Atabapo im venezolanischen Bundesstaat Amazonas (obwohl der Ort am Orinoco liegt).

Oberhalb der großen Katarakte fanden wir längs des Orinoco auf einer Strecke von 450 km nur drei christliche Niederlassungen, und in denselben waren kaum sechs bis acht Weiße, das heißt Menschen europäischer Abkunft. Es ist nicht zu verwundern, daß ein so ödes Land von jeher der klassische Boden für Sagen und Wundergeschichten war. Hierher versetzten einst Missionare die Völker, die ein Auge auf der Stirn, einen Hundskopf oder den Mund unter dem Magen haben. (Alexander von Humboldt)

Wuchtiger Granit, von der stillen Kraft der Strömung rund geschliffen, versperrt den Weg. Den Orinoco aufwärts, oberhalb der unpassierbaren Stromschnellen: Die Trockenzeit hat den Pegel so weit fallen lassen, daß schwarze Felsbrocken sich unerwartet dort auftürmen, wo man vor einigen Tagen noch ohne Mühe passieren konnte. Der indianische Kapitän strahlt über das ganze Gesicht: Er darf zeigen, daß er jeden Quadratmeter des Flusses kennt. Das Steuer abrupt nach links und rechts, Außenbordmotoren röhren, die Passagiere stöhnen auf, die Bugwelle klatscht an die vorbeihuschenden Felsen, gerettet.

Wer von Puerto Ayacucho, der quirligen und stickigen Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, nach Süden reisen will, muß zunächst mit einem Lastwagen vorliebnehmen. Der bringt ihn an den Katarakten vorbei an den Oberlauf des Orinoco. Die Straße endet abrupt im Fluß. In einer Bretterbude verkaufen zwei Frauen gekühlte Getränke. Ein einsamer Ventilator surrt aufgeregt, aber vergeblich gegen die Hitze. Umsteigen in ein hoffnungslos überladenes Schnellboot. Die Fahrt nach San Fernando de Atabapo im tiefsten Urwald Venezuelas dauert vier Stunden.

Hier, inmitten des neuen Kontinents, gewöhnt man sich beinahe daran, den Menschen als etwas zu betrachten, das nicht notwendig zur Naturordnung gehört… Krokodile und Boa sind die Herren des Stromes; der Jaguar, der Pecarim, der Tapir und die Affen streifen durch den Wald, ohne Furcht und ohne Gefährde; sie hausen hier wie auf einem angestammten Stück Erde.

Das schrieb Alexander von Humboldt im April 1800, als er und sein Gefährte Bonpland im Auftrag der spanischen Krone die Region erforschten. Humboldt bewies, daß zwischen den größten Flußsystemen Südamerikas eine Verbindung besteht. Der Cassiquiare, den Humboldt als erster Europäer befuhr, zweigt vom Orinoco ab, östlich von San Fernando de Atabapo, und ergießt sich zwei Tagesreisen mit dem Kanu weiter südlich in den Rio Negro. Der wiederum mündet bei Manaus in den Amazonas. Das Gebiet am Oberlauf des Orinoco ist weitgehend unerforscht und gilt als letzte Heimstatt indianischer Völker, die sich dem Kontakt mit der Zivilisation weitgehend verweigern. Die Schilderungen Humboldts, ab 1805 unter dem Titel „Reise in die Äquinoctial-Gegenden des Neuen Kontinents“ veröffentlicht, können noch heute als Reiseführer dienen.

Auf beiden Seiten lief fortwährend dicker Wald am Strome hin. Die Berge im Osten schienen immer weiter wegzurücken. Wir kamen an einer merkwürdig gestalteten Insel vorbei. Ein viereckiger Granitfels steigt wie eine Kiste gerade aus dem Wasser empor; die Missionare nennen ihn El Castillito.

Orinoco
„El Castillito“

San Fernando de Atabapo: ein verschlafener Ort mit 3000 Einwohnern. Eine Kirche. Ein Restaurant: der folgenlose Genuß des Tagesmenüs setzt eine tropentaugliche Darmflora voraus. Das einzige Hotel an der Plaza Bolivar: nur drei Zimmer, weit jenseits von mitteleuropäischem Standard und Komfort. Mittendurch eine Heerstraße für Ameisen und die in Volksliedern liebevoll besungenen Cucarachas. Am Abend schauen auch ein paar Kröten herein, die der kurze, aber um so heftigere Tropenregen unternehmungskustig macht. Hängematte und Moskitonetz gehörten zur Grundausstattung des Reisenden wie Toilettenpapier und Plastikfolie, um Papiere und Geld vor Feuchtigkeit zu schützen.

San Fernando de Atabapo

Das grandiose Panorama entschädigt: Eine Gewitterwolke dräut über dem satten Dunkelgrün des Urwalds, die letzten Sonnenstrahlen gleißen durch das kitschige Abendrot und lassen die Sandbänke weiß leuchten. Hier fließen drei Ströme zusammen: Guaviare, Atabapo und Orinoco. Der Guaviare, breiter als der Rhein, entspringt tausend Kilometer westlich in den kolumbianischen Anden und hat weißes Wasser, und der ganze Anblick seiner Ufer, seiner gefiederten Fischfänger, seine Fische, die großen Krokodile, die darin hausen, machen, daß er dem Orinoco weit mehr gleicht. Von Süden ergießt sich der Atabapo in den Guaviare. Wassertemperatur: erstaunliche 37 Grad. Der sonnendurchglühte Granit heizt den Fluß auf. Er ist dunkel wie schwarzer Tee, aber klar bis auf den Grund. Die Färbung rührt von Gerbsäure, die Insekten abhält, ihre Eier zu legen.

Für Individualreisende ist die Region östlich und südlich von San Fernando Sperrgebiet – zum Schutz der Indianer. Um hier zu reisen, benötigt man eine schriftliche Erlaubnis der Indianerbehörde im Kultusministerium, des Innenministeriums in Caracas und der Distriktsverwaltung in Puerto Ayacucho. Aber die Behörden sind weit, und Papier zählt weniger als der menschliche Kontakt. Am oberen Orinoco gibt es zwei Dutzend illegale Goldminen. Der Kommandant der örtlichen Guardia Nacional kann die genauen Standorte auf der Karte zeigen. Wichtige Honoratioren des Ortes sind daran nicht ganz unbeteiligt, und der Schmuggel nach Kolumbien ist ebenfalls einträglich. Übermäßiger Aktivismus der Sicherheitskräfte würden den regen Bootsverkehr nur unnötig stören. Auch die kolumbianischen Grenzposten auf der anderen Seite des Guivare beobachten den Fluß, manchmal. Was gringos tun, interessiert sie nicht. Jede zweite Nacht sind in der Ferne Schußwechsel zu hören. Die Guerilla, sagen die Venezolaner.

Orinoco
Der Autor in San Fernando de Atabapo

Clemente Guicho ist Curripaco – eine indianische Ethnie, die am Westufer des Atabapo lebt, aber äußerlich nicht von den Kreolen zu unterscheiden ist. Deshalb bleiben die Curripaco von Touristen auf der Suche nach Naturvölkern unbehelligt. Curripaco, ein Aruak-Dialekt, wird nur noch von 600 Menschen in rund dreißig Dörfern gesprochen. Guicho hat ein schnelles Boot, eine Vorliebe für amerikanische Dollar, kümmert sich nicht um Vorschriften und fährt gern den Atababo hinab, bis nach Javita kurz vor der brasilianischen Grenze.

Unsere Piroge bleib ein paar Minuten lang zwischen zwei Baumstämmen stecken. Kaum war sie wieder losgemacht, kamen wir an eine Stelle, wo mehrere Wasserpfade oder kleine Kanäle sich kreuzten, und der Steuermann wußte nicht gleich, welches der befahrenste Weg war. Sobald die Sonne aufgegangen war, ging es wieder, um der starken Strömung auszuweichen, durch den überschwemmten Wald. Das Klima in Javita ist ungemein regnerisch.

Doch die Wettergötter haben ein Einsehen. Keine Wolke trübt den Himmel, und am Abend kann der Reisende die Hängematte unter freiem Himmel aufspannen. Das Kreuz des Südens steigt langsam zum Zenit.

Es war eine der stillen, heiteren Nächte, welche im heißen Erdstrich so gewöhnlich sind. Die Sterne glänzten im milden planetarischen Licht. Ein Funkeln war kaum am Horizont bemerkbar, den die großen Nebelflächen der südlichen Halbkugel zu beleuchten schienen. Ungeheure Insektenschwärme verbreiteten ein rötliches Licht in der Luft. Der dichtbewachsene Boden glühte von lebendigem Feuer, als hätte sich die gestirnte Himmelsdecke auf die Grasflur niedergesenkt.

Elorza am Rio Arauca, südliche Llanos. Selten verirrt sich jemand nach Elorza. Nur die Fiesta im März, die toros coleados, zieht venezolanische Touristen an, die die Wildwest-Atmosphäre genießen wollen: breitbeinige Männer mit staubigen Stiefeln und Cowboy-Hut, schmelzender Gesang, untermalt von Gitarre und Harfe, Reiter, die versuchen, einen Stier möglichst schnell am Schwanz zu Fall zu bringen.

Am Ortsrand leben knapp hundert Guahibos, eng zusammengedrängt unter einem Wellblechdach und umgeben von Müllbergen. Die Guahibos sind Nomaden, die Mehrzahl stammt aus Kolumbien. Sie nennen ihre Wohnstätte garpón, „großes Haus“, und erhalten Sozialhilfe; einige Männer sprechen spanisch und verdingen sich für ein Almosen als Gelegenheitsarbeiter auf den umliegenden Farmen. Das gibt böses Blut: der Wahlkampf steht vor der Tür, und Lokalpolitiker haben Parolen ausgegeben, die frei übersetzt lauten: „Guahibos raus!“ und: „Arbeitsplätze zuerst für Einheimische!“

Pater Christobal ist Pole und aus Ostpreußen gebürtig. Sein klimatisierter Amtssitz nimmt die ganze Breite der Plaza Bolivar von Elorza ein. Als öffentliche Person könne er zwar nicht immer laut sagen, was er denke, aber seine kirchliche Autorität geltend machen. „Vor fünfzehn Jahren haben Viehzüchter und ihre Handlanger ein Massaker an den Guahibos verübt“, erzählt er, „es gab siebzehn Tote, auch Frauen und Kinder. Einige Überlebende hausen im garpón. Sie haben heute noch Angst. Die Schuldigen waren bekannt, wurden aber nicht bestraft.“

Guahibos
Guahibo, auch Wayapopihíwi genannt, im Süden Venezuelas, irgendwo in einem winzigen Dorf ungefähr hier. Das Stammpublikum wird auch mich erkennen.

Man erfährt, daß der örtliche Automechaniker Roberto Para vor einigen Jahren eine Anthropologin aus Paris zu den nomadisierenden Guahibos gefahren hat, die irgendwo in der Savanne leben. Bis zum Rio Meta, der Grenze zu Kolumbien, sind es rund 200 Kilometer, aber es gibt in diesem gottverlassenen Landstrich nur zwei aufgegebene Gehöfte. Die kolumbianische Guerilla macht das Gebiet unsicher, attackiert die venezolanischen Grenzposten und erhebt bei nächtlichen Überfällen von den Viehzüchtern „Kriegssteuern“.

Fünf Stunden mit dem rüttelnden Jeep durch die Savanne (vgl. Foto). Der Boden zeigte überall, wo er von der Vegetation entbößt war, eine Temperatur von 48 bis 50 Grad. Die Ebenen ringsum schienen zum Himmel anzusteigen, und die weite unermeßliche Einöde stellte sich unseren Blicken als eine mit Tang und Meeralgen bedeckte See dar. Im Norden stehen Rauchsäulen am Himmel – die Rancher nennen das „Flurbereinigung“.

Ein schlammiger Fluß: der Rio Capanaparo. Ein alter Mann rudert den Reisenden schweigend an das andere Ufer. Wieder ein garpón. Aller Augen richten sich auf den chefe. Der erklärt in stockendem Spanisch: Das Feuer und die Viehzucht engen den Lebensraum der Guahibos immer mehr ein. Sie litten Hunger, weil sie nicht mehr jagen könnten. Die Regierung lobt sich im Ausland für ihre gut gemeinte, das heißt paternalistische Indianerpolitik. Sie bietet den Nomaden an, gratis in Reihenhaussiedlungen wohnen zu können wie die katholischen und assimilierten Indianer am Orinoco. Dort wären sie geschützt vor Übergriffen sowohl der kolumbianischen Guerilla als auch der Viehzüchter. Doch sie wollen nicht.

Kein Stamm ist schwerer seßhaft zu machen als die Guahibos. Lieber leben sie von faulen Fischen, Tausendfüßen und Würmern, als daß sie ein kleines Stück Land bebauen. Wir fanden daselbst sechs von noch nicht katechisierten Guahibos bewohnte Häuser. Sie unterschieden sich in nichts von den wilden Indianern. Ihre ziemlich großen schwarzen Augen verrieten mehr Lebendigkeit als die der Indianer in den übrigen Missionen… Mehrere hatten einen Bart; sie schienen stolz darauf, faßten uns am Kinn und gaben uns durch Zeichen zu verstehen, sie seien wie wir.

Die ersten Weißen, die die Guahibos kennenlernten, waren Deutsche – im 16. Jahrhundert. Die Konquistadoren Georg Hohermuth von Speyer und Friedrich von Hutten zogen 1535 im Auftrag der Welser von Coro an der Küste nach Süden, bis in das Quellgebiet des Guaviare im heutigen Kolumbien. Mehrere hundert deutsche und spanische Landsknechte durchstreiften monatelang die Savanne, ausgemergelt vor Hunger und vergeblich auf der Suche nach einem Paß in die Anden, in das Land der Muisca, zum legendären El Dorado. Die Muisca zahlten mit Gold für die Kinder der Guahibos, erfuhren sie.

Fiengent ain Cassicquen oder Obersten, ßo sagt, er wer auff der andern Seitten des Birgs gewest, gab uns groß Zeittung von Reichtumb. Vermochten aber mit den Pfferden nit hynuber… berichtet der fränkische Edelmann Philipp von Hutten am 30. Oktober 1538 aus Coro an den kaiserlichen Rat Matthias Zimmermann in einem der ersten Briefe, den ein Deutscher aus Südamerika geschrieben hat.

coro
Plaza von Santa Ana de Coro, gegründet 1527 vom Spanier Juan de Ampiés, der sich dazu die Erlaubnis des Kaziken Manaure holte. Die kleine Kathedrale, dem heiligen Franziskus geweiht, war noch im Bau, als Georg Hohermuth von Speyer und Philipp von Hutten 1528 auf diesem Platz standen.

Coro, im Nordwesten Venezuelas. Auf einem Platz, inmitten liebevoll restaurierter Kolonial-Architektur, steht ein Glaskasten. Darin ein schlichtes Holzkreuz. Die Legende sagt, hier sei 1528 die erste Messe der Stadt gelesen worden, und das Holz stammte von dem Baum, unter dem sich der spanische Konquistador Juan de Ampiés und der Caquetio-Kazike Manaure zum ersten Mal trafen. Ein Jahr später kam Ambrosius Dalfinger aus Ulm, um im Auftrag der Welser einen schwunghaften Handel mit afrikanischen und indianischen Sklaven aufzuziehen. Ganz privat suchte er El Dorado. Ihm folgten deutsche und spanische Glücksritter und die Pocken, die die Indianer dezimierten.

Eine Geschichte, die sich in Südamerika Dutzende Male in verschiedenen Variationen ereignet hat. Warum also das flaue Gefühl des Autors im Magen, auf der Plaza Bolivar zu stehen, vor der eintürmigen Kathedrale Coros? Hans Hauser ist eine literarische Figur, die zum Glück und zu Recht vergessen worden ist. „Mit den Konquistadoren ins Goldland“ hieß das Buch, erschienen im Jahr 1958 in Stuttgart, von einem ebenso vergessenen Autor: Blonde deutsche Männer sorgen in fremden Landen für Ordnung, bekehren heidnische wilde Indianer und erleben prächtige Abenteuer. Der Held ist frei erfunden, nicht jedoch die Nebenfiguren: der leutselige Ambrosius Dalfinger, der tapfere Georg Hohermuth von Speyer, der stolze Philipp von Hutten und der finstere Nikolaus Federmann, Gründer von Bogota.

„Was so durch kindliche Eindrücke, was durch Zufälligkeiten der Lebensverhältnisse in uns erweckt wird, nimmt später eine ernstere Richtung an, wird oft ein Motiv wissenschaftlicher Arbeiten, weiterführender Unternehmungen.“ Das schreibt Alexander von Humboldt über das Motiv seiner Reise. Und Philipp von Hutten schrieb am 31. März 1539 an seinen Vater: Weiß Gott kein Geitz Gelds hat mich bewegt, diese Reiß zu thun dann allein ein sonderlicher Lust, so ich vor langer Zeit gehabt, dünckt mich auch, wäre ich nicht mit Ruhe gestorben, wo ich Indien nicht erst gesehen.

Die Zitate Alexander von Humboldts (kursiv) sind entnommen aus: „Eine südamerikanische Reise“, hg. v. Reinhard Jaspert, Berlin 1979, einer Auswahl u.a. aus Humboldts Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent, (Reise in die Äquinoctial-Gegenden des Neuen Kontinents), 36 Bände, 1806ff., (Nachdruck bei Brockhaus 1970).

Die Zitate Philipp von Huttens aus: Eberhard Schmitt und Friedrich Karl von Hutten: Das Gold der Neuen Welt. Die Papiere des Welser-Konquistadors und Generalkapitäns von Venezuela Philipp von Hutten 1534-1541, Hildburghausen 1996.

Wahl-Extra oder: Wettbewerb um die ergiebigsten Claims

konkret

Es wurde vom Publikum angemerkt, man vermute, ich läse die konkret. Das ist korrekt. Nachdem vermehrt Gendersternchen dort aufgetaucht waren, erwog ich, die Zeitschrift, die ich schon abonniert hatte, also dort noch Tittenbildchen das Cover schmückten, abzubestellen, da ich reaktionäre Lifestyle-Sprachesoterik und „links“ für inkompatibel halte. Die letzte Ausgabe hat – und die erste ohne Gremliza – hat mir aber so gut gefallen, dass ich noch abwarte.

Wir wollen heute über den Abzocker Kemmerich und den Plan der CDU reden, irgendwann mit den Salonfaschisten von der AfD zu paktieren. Auf lokaler Ebene ist das ohnehin schon so und lässt sich auch nicht vermeiden, wenn man zum Beispiel einer Meinung ist, ob die Straßenbeleuchtung in irgendeinem Kaff aus- oder angeschaltet werden soll.

Interessant ist aber die Strategie. interessanter Aufsatz in The European ist lehrreich. Der Verfasser Karl-Eckhard Hahn, Leiter des wissenschaftlichen Dienstes der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, ist ein rechter Christdemokrat, den zu beschreiben die gefühlten liberalen Medien dazu veranlasst, weltanschaulich ziemlich herumzueiern zwischen „neurechts“, „konservativ“ und was sich sonst so im angebräunten Schattenreich so tummelt. Es ist natürlich Blödsinn, zwischen CDU und CDU einerseits und AfD andererseits scharfe Grenzen ziehen zu wollen.

Hahn beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken, wie mit der AfD parlamentarisch umzugehen sei.
Die CDU-Landtagsfraktion hat in einem einstimmigen Beschluss vom 14. Januar 2020 vielmehr betont, „alle parlamentarischen Möglichkeiten nutzen“ zu wollen, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Die dort angekündigte „Korrektur von Fehlentscheidungen der vergangenen Wahlperiode“ lässt sich kaum ohne Zustimmung von Abgeordneten der AfD umsetzen.

Es zeichnet sich denn auch bereits ab, dass der linke, wie üblich antifaschistisch geadelte Rigorismus [Link von mir, B.S] sich nicht durchhalten lassen wird. Der geschäftsführende Chef der Staatskanzlei, Benjamin Immanuel Hoff (Linke), sieht inzwischen kein Problem mehr darin, wenn die AfD rot-rot-grünen Gesetzen zur Mehrheit verhilft, wenn sie anders nicht zu haben ist. So ausgeführt in der MDR-Sendung Fakt ist am 20. Januar 2020 [gemeint ist der 25.01., B.S.]. Im parlamentarischen Alltag sieht rot-rot-grün [sic] großzügig darüber hinweg, wenn ihr die AfD auch gegen die Stimmen von CDU und FDP Mehrheiten verschafft. Das zeugt von Realismus.

Man muss zunächst mal akzeptieren, dass Hahn die Situation zutreffend analysiert; der Autor ist mitnichten ein Sympathisant der AfD, sondern treuer Parteisoldat der CDU, also auch Anhänger der dort herrschenden Totalitarismus-Theorie („Rot gleich Braun“], der Lebenslüge der Bürgerlichen.

Ein Teil der konkreten Wahlversprechen ließe sich mit Rot-Rot-Grün, ein anderer Teil mit der AfD und der FDP umsetzen. Und zwar jeweils so weit, wie die politischen Inhalte deckungsgleich sind. Genau aus diesem Grund versuchen Linke, SPD und Grüne die vollständige Einbeziehung der AfD in die parlamentarische Sacharbeit zu verhindern. Die Erwartung wird meist abstrakt formuliert, es dürfe keine Zusammenarbeit geben.

Die Konsequenz dieses Strategie-Papiers ist einfach: Die Stimmabgabe zugunsten eines FDP-Kandidaten, der ohne einen Koalitionsvertrag oder sonstige politische Zusicherungen an den Start ginge, verpflichtete diesen politisch zu absolut nichts. Weder gegenüber der AfD noch irgendjemandem sonst. Bei der Zusammenstellung eines Kabinetts wäre er vollkommen frei. Nach welchen Maßgaben ein Bewerber das zu tun gedenkt, kann er außerdem vor einer Wahl klarstellen und damit für Transparenz sorgen.

Die CDU oder ein FDP-Ministerpräsent kann also eine Minderheitsregierung bilden und sich dann heimlich von der AfD wählen lassen. Alles ganz demokratisch. So wird es irgendwann auch kommen.

Wenn euch Politik jetzt nicht mehr interessiert, könnte ihr euch natürlich auch Eulen angucken.

Islas Ballestas

islas Ballestasislas Ballestasislas Ballestas

Bootsausflug zu den Islas Ballestas vor der Küste Perus (bei Pisco), März 1984.

Aus meinem Reisetagebuch:
In Pisco ging uns das Hotel Mi Casa auf die Nerven, obwohl es extrem billig war: Total verdreckte Klos ohne Wasser und Licht, ebenso das winzige Zimmer. Der einzige Pluspunkt war das Fenster zur Straße. Außerdem hatte wir beide – mit einem Tag Unterschied – Darm- und Magenverstimmung und fühlten uns sauelend.

Das herausragende Erlebnis war der Ausflug zu den Inseln. Die Leute sind manchmal richtig lieb und niedlich, so der Opa, der die Karten dazu verkauft. Klein, weisshaarig, murmelt bei unseren Namen etwas von como los rusos und freut sich.

Die Inseln: Klippen mit Felsentoren, schäumende Brandung, Pelikane, Pinguine, Möwen, kleine Enten, Seelöwen. Die peruanischen Touristen haben natürlich nichts besseres zu tun als die Tierchen mit Händeklatschen und Pfiffen zu belästigen.

Länger hätte ich in Pisco nicht bleiben können. Das Baden ist schlecht, die Strände in Pisco Puerto sind verdreckt, und das Wasser ist flach und kalt. Auffallend war ein riesiges Holzkreuz mit Totenkopf und anderen angenagelten Gerätschaften.

Viele Leute aus der Sierra scheinen an die Küste zu ziehen, vielleicht wegen des Wetters oder auch, weil es den Menschen hier besser zu gehen scheint. Den Zeitungen ist zu entnehmen, dass die Förderung der Wirtschaft nach dem Parteien-Prinzip zu funktionieren scheint, und zwar ziemlich krass. Die Gebiete, die zum Beispiel unter „linker“ Verwaltung stehen, kriegen gar nichts.

Vielleicht verzockt

Nach den neuesten Umfragen könnte es sein, dass sich sowohl CDU als auch FDP in Thüringen verzockt haben.

Hü und Hott

die rote Fahne
Die Rote Fahne, 22.11.1928

„Den größten Erfolg erzielten wir in Thüringen. Dort sind wir heute wirklich die ausschlaggebende Partei.[…] Die Parteien in Thüringen, die bisher die Regierung bildeten, vermögen ohne unsere Mitwirkung keine Majorität aufzubringen.“ (Adolf Hitler, 02.02.1930 nach Bodo Ramelow)

Man muss aber heute die Bild-Zeitung lesen.

AFDP im Mustergau

fdp

Kein Grund für Schnappatmung. Es war schon immer eine Option der herrschenden Klasse, den Faschismus oder ähnliche Formen anstatt der Demokratie zu wählen. Es gibt keinen „bürgerlichen“ Konsens, sich nicht durch Nazis wählen zu lassen. Wer die Geschichte der Weimarer Republik kennt, wird sich nicht überraschen lassen.

Dass ein harmloser Sozialdemokrat Politiker wie Ramelow dran glauben musste, zeigt nur, dass das Kapital und seine Helfershelfer reichlich nervös sind. Was würden sie erst tun, wenn es eine linke Partei gäbe?

Interessant finde ich die historische Kontinuität im Mustergau Thüringen. „Im national gesinnten Bürgertum Weimars fiel die Propaganda der Nationalsozialisten auf fruchtbaren Boden. In Thüringen feierten sie auch ihren ersten parlamentarischen Sieg: nach den Landtagswahlen vom 8. Dezember 1929 wurde die NSDAP zum ersten Mal an der Regierung eines Landes beteiligt.“

FYI

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Meine Firma war zu gut und zu teuer. Meine letzte Schicht ist am 25. Februar. Vielleicht sind sechs Jahre auch genug. Jetzt kommt was Billigeres dort :-). Das wird lustig. Nennt man „profitorientiertes Gesundheitssystem“.

Pirate’s Bay

pirate's bay

Das Foto habe ich 1982 in Charlotteville an der Man-O-War-Bay auf Tobago (Republic of Trinidad and Tobago, Kleine Antillen) gemacht – der idyllischste Ort, in dem ich jemals war. Hotels gab es dort nicht, und alle Strände waren leer.

Havanna, revisited

havanna

Irgendeine Straße in der Altstadt von Havanna, fotografiert 1984. Das ist das letzte Foto (Dia) aus Kuba, das ich noch nicht veröffentlicht habe.

Schweinewetter oder: Danke, BVG-Bus!

lynarstrasse

Vom Grunewald nach Neukölln – die Strecke wäre ich bei dem Schweinewetter ungern mit dem Fahrrad gefahren.

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