Der Glöckner von Notre Unna (3)

Stadtkirche Unna

„Nichts ist stärker als die Zeit“, sagt der Glöckner von Unna, und er muss es wissen. Die Uhr der Stadtkirche wird von Hand aufgezogen, und man muss eine Kraft von 80 Kilogramm dabei in Gang setzen. Heute habe ich viel gelernt. Man kommt nicht so einfach auf den Turm, aber ich bin ja ein sturer Westfale und hartnäckig. Aus dem Mittelalter stammt übrigens das Privileg der Stadt, die Zeit öffentlich anzeigen zu dürfen. Anderen ist das eigentlich nicht erlaubt, nur kümmert das heute niemanden mehr.

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Wenn man das Gewölbe von oben sieht und weiß, dass das Kirchenschiff zwölf Meter weiter drunten ist, kann einem mulmig werden. Überall wurden eiserne Anker geschlagen, weil der Turm früher nur rund ein Jahrhundert hielt, dann fiel er in sich zusammen oder wurde vom Winde verweht. Die Konstruktion der Bögen ist nicht so modern, wie es die Römer konstruiert hätten. Der Glöcker und ich waren uns einig, dass die Christianisierung im frühen Mittelalter die Leute hat zunächst verdummen lassen.

Stadtkirche UnnaStadtkirche UnnaStadtkirche Unna

Im obersten Teil des Turm stehen zwei Baumstämme von mehr als 30 Metern Länge übereinander. Mir ist immer noch ein Rätsel, wie die das ohne Hubschrauber oder Kran in diese Höhe bekommen haben. Auf dem obigen Foto sieht man noch ein Läutewerk, das aber nicht mehr in Betrieb ist.

Stadtkirche UnnaStadtkirche UnnaStadtkirche Unna

Da sich niemand – außer den Unnaern – für diese Fotos interessieren wird, brauche ich auch nicht zu erklären, was ich bei guter Fernsicht – bis rund 30 Kilometern – dort gesehen habe; sie werden es ohnehin erkennen. Auf dem leider etwas unscharfen Foto ist der Garten der ehemaligen Löwen-Apotheke zu sehen.

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Morgen bin ich wieder in Holzwickede.

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