Das deutsche Zensurnetzwerk

Quelle: liber-net.org
Aya Velasquez (mit der man aber nicht über Israel reden sollte): „Ein internationales Rechercheteam namens “liber net” hat in monatelanger Arbeit die bislang größte und umfangreichste Zusammenstellung des deutschen Zensursystems – bestehend aus Regierungsbehörden, Stiftungen, NGOs und akademischen Einrichtungen – zusammengestellt. Der Umfang, den sie vorfanden, übertraf ihre eigenen Erwartungen bei Weitem: Über 330 staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen sind demnach in Deutschland aktiv daran beteiligt, Inhalte im Netz zu kontrollieren.“
Wenn man so etwas zusammenstellt, merkt man irgendwann, dass alles mit allem und jeder mit jedem zusammenhängt. Ich halte da nicht viel von, obwohl es nett aussieht.
Unstrittig ist, dass NGOs und staatliche Stellen Hand in Hand arbeiten, um die Meinung der herrschenden Klassen in Deutschland durchzusetzen und abweichende Meinungen zu unterdrücken, teils mit Einschüchterung, teils mit staatlicher Repression, teils mit freiwilliger Selbstkontrolle aka Opportunismus – nach dem altbekannten Motto: Deutsch bleibt Deutsch, da helfen keine Pillen. Melden! Durchführen! Verbieten!
Solange ich das aber noch posten kann, geht die Welt nicht unter. Bei den sozialen Medien kann man sich aber nicht mehr sicher sein…
Die Hebräer oder: Die Habiru II
Ich habe mir ein Kapitel des (nur für mich) höchst interessanten Buchs von Robert Wolfe: „From Habiru to Hebrews and Other Essays“ (2011) übersetzen lassen (umformuliert, alle Links sind von mir, 2. Teil).
[Teil 1: Parasoziale Elemente oder: Die Habiru I (26.11.2025)]
Was war die genaue Bedeutung des Ausdrucks Habiru in seinem ursprünglichen Kontext? Und darüber hinaus: Lautete der Begriff tatsächlich Habiru oder vielmehr Apiru? Diese Fragen müssen beantwortet werden, um die größere Problematik der Beziehung zwischen den Bezeichnungen Habiru und Hebräer anzugehen.
Über viele Jahrzehnte nach der Entdeckung der Tafeln von Tell el-Amarna und anderer Fundorte zweifelte niemand daran, dass sie sich auf Menschen bezogen, die Habiru genannt wurden. In der englischsprachigen Übersetzung der Tell-el-Amarna-Tafeln durch Samuel Mercer aus dem Jahr 1939 wird der Begriff Habiru ohne jeden Hinweis auf die Möglichkeit einer abweichenden Lesung verwendet. Nebenbei bemerkt erklärte F. H. Hallock in einem „Exkurs“ am Ende des Buches [das ich nicht gefunden habe, B.S.] auf Seite 843:
„Aber wir müssen eine gewisse Verbindung zwischen Hebräern und Habiru einräumen; linguistische und historische Überlegungen machen dies unvermeidlich, auch wenn wir angesichts gegenwärtigen Wissens nicht mit allzu großer Gewissheit über diese Verbindung sprechen können.“
Doch beginnend in den 1950er-Jahren wurden Zweifel an der Richtigkeit von Habiru als Lesung des keilschriftlichen Textes laut, wobei Apiru zunehmend als mögliche alternative Lesung vorgeschlagen wurde.
Akkadische Keilschrift, das Schriftsystem, in dem die Tell-el-Amarna-Tafeln verfasst wurden, besteht aus keilförmigen Eindrücken im Ton. Nach Ansicht der Experten konnte der betreffende Anfangskonsonant des fraglichen Zeichens entweder als „h“ oder als „p“ gelesen werden. Die akkadische Schrift selbst machte offenbar keinen Unterschied zwischen beiden Lauten. Doch bis in die 1950er-Jahre hinein waren einige Verweise auf die Habiru in anderen Schriftsystemen bekannt geworden, und in diesen schien der Anfangskonsonant ein „p“ zu sein. Gleichzeitig wurde – aus Gründen, die mir nicht völlig klar sind – behauptet, das Wort müsse ohne einen anfänglichen „h“ gelesen werden. Manche Bibelwissenschaftler ließen sich von diesen Argumenten nicht überzeugen und verwendeten weiterhin die Bezeichnung Habiru. Die Mehrheit wechselte jedoch allmählich zu Apiru, das allgemein als die korrektere Lesung gilt.

Akkadische Inschrift auf dem Obelisken von Manishtushu, 2600–500 vor Chr., Louvre
Ich selbst halte mich nicht für qualifiziert, ein endgültiges Urteil darüber zu fällen, ob Habiru oder Apiru die richtige Lesung ist, und mir erscheint auch nicht, dass die Beweislage eindeutig zugunsten der einen oder anderen Möglichkeit ausfällt. In Le problème des Habiru, veröffentlicht 1954, untersuchte Jean Bottéro die damals verfügbaren Texte ausführlich und kam auf Seite 156 zu dem Ergebnis, dass er die Frage nicht lösen könne. Er selbst verwendete weiterhin den Begriff Habiru. Obwohl mir scheint, dass jene, die die Identität von Hebräern und Habiru bejahen, mit wenigen Ausnahmen eher den Begriff Habiru bevorzugen, neigen diejenigen, die die Identität der beiden Gruppen bestreiten, eher zu Apiru.
„Hebrew“ ist natürlich nicht das hebräische Wort für „Hebräer“.
Auch ich bejahe die Identität der beiden Gruppen und verwende daher den Ausdruck Habiru, der stärker an „Hebrew“ erinnert. Letztlich spielt es jedoch keine große Rolle, welche Bezeichnung dem Wort „Hebrew“ ähnlicher klingt, denn „Hebrew“ ist natürlich nicht das hebräische Wort für „Hebräer“. Das hebräische Wort lautet Ivri, das weder dem einen noch dem anderen Begriff besonders ähnlich ist.
Andererseits sind die Unterschiede auch nicht allzu groß. Im Hebräischen kann der Buchstabe bet je nach Stellung im Wort entweder als „b“- oder als „v“-Laut ausgesprochen werden. Ivri wird mit einem bet geschrieben, weshalb viele Übersetzungen dieses Wortes, wie etwa „Hebrew“, ein „b“ statt eines „v“ verwenden. Was die Möglichkeit betrifft, dass das akkadische Wort mit einem „p“ statt eines „b“ ausgesprochen wurde, behandelt Manfred Weippert diese Frage in „The Settlement of the Israelite Tribes in Palestine“ [auf Deutsch: „Die Landnahme der israelitischen Stämme in der neueren wissenschaftlichen Diskussion“]. Weippert bezweifelt nicht, dass Hebräer und Habiru identisch waren, und bevorzugt die Lesung Apiru gegenüber Habiru. Doch wie viele andere Bibelwissenschaftler sieht er eine sprachliche Verbindung zwischen den akkadischen und den hebräischen Begriffen. Er führt insbesondere nicht weniger als 14 Beispiele an, in denen ein „b“-Laut in verschiedenen semitischen Sprachen zu einem „p“-Laut (oder umgekehrt) wurde, und folgert auf Seite 82: „Mit anderen Worten: Die Gleichung apiru = Hebräer kann durchaus mit linguistischen Belegen untermauert werden.“ Meine eigene Einschätzung ist, dass die Sprachbeweise keineswegs die Identität der akkadischen und hebräischen Begriffe beweisen, ihnen jedoch Raum lassen. Der Hauptgrund, warum die meisten Bibelwissenschaftler eine Verbindung der beiden Termini annehmen, liegt darin, dass sie in sehr ähnlicher Weise verwendet wurden.
Die Gleichung apiru = Hebräer kann durchaus mit linguistischen Belegen untermauert werden.
Bibelwissenschaftler sind sich im Allgemeinen darüber einig, wer die Habiru waren, uneinig jedoch darüber, wie sie wahrgenommen wurden. Bottéro zufolge war „Flüchtling“ die treffendste Bezeichnung, während Weippert „Outlaw“ („Geächteter“) bevorzugte. Das eine gemeinsame Merkmal, das die Habiru als Gruppe definierte, besteht darin, dass sie buchstäblich – sie lagerten am Rand der besiedelten Gebiete – und im übertragenen Sinne außerhalb der etablierten sozialen Ordnung standen. Dennoch gab es offenbar erhebliche Unterschiede von Ort zu Ort hinsichtlich der Beziehung der Habiru zu den jeweiligen Staaten. Dienten sie als Söldner, könnten sie ein besonderes Verhältnis zu einem Staat gehabt haben, das ihnen eine gewisse formale Anerkennung verschaffte. Einige Bibelwissenschaftler glauben, die Habiru seien generell als „Fremde“ wahrgenommen worden, andere betonen ihren Status als „Flüchtige“. Es gibt keinen offensichtlichen Grund, den einen Begriff dem anderen vorzuziehen, da beide eine gewisse Grundlage haben.

Keilschriftliches sumerisches sa.gaz und das entsprechende westsemitische ḫa-bi-ru
Ein Hinweis darauf, wie der Begriff Habiru im 2. Jahrtausend v. Chr. allgemein verstanden wurde, findet sich jedoch in der Existenz ähnlicher Begriffe anderer altorientalischer Sprachen. Besonders relevant ist hier der sumerische Ausdruck „SA.GAZ“. Ich weiß nicht genug über sumerische Hieroglyphen, um zu verstehen, warum er auf diese Weise geschrieben wird, doch da die meisten Bibelwissenschaftler das tun, folge ich ihnen. Die Sumerer waren ein Volk, dessen ethnischer und sprachlicher Hintergrund noch nicht erschöpfend erforscht worden ist. Sie waren im südlichen Mesopotamien ansässig, als sie um 3000 v. Chr. ein hieroglyphisches Schriftsystem entwickelten. Die akkadische Schrift wurde aus der sumerischen abgeleitet, und sie übernahm auch den sumerischen Ausdruck „SA.GAZ“, der in akkadischen Texten – einschließlich der Tell-el-Amarna-Tafeln – weit verbreitet war und als Synonym für Habiru diente. Bottéro stellt auf Seite 82 fest, dass die beiden Begriffe in Texten aus Boghazköy, der Hauptstadt des hethitischen Reiches im Gebiet der heutigen Türkei, nebeneinander verwendet wurden und dass Bibelwissenschaftler übereinstimmend davon ausgehen, dass ihre Bedeutung mehr oder weniger identisch war.
Nach Bottéro (S. 149) ist die Grundbedeutung von SA.GAZ in seinem ursprünglichen sumerischen Kontext „pejorativ und bezeichnet einen gewalttätigen und kriminellen Akt der Aggression und zumeist den Täter einer solchen Aggression“ (meine Übersetzung). Bottéro schließt daraus, dass „SA.GAZ“ als „Räuber“ wiederzugeben sei, obwohl er meint, dass „Flüchtling“ die beste Übersetzung für Habiru sei. Dieser Widerspruch ist jedoch nur scheinbar, da die Habiru offenbar Flüchtlinge (oder Geflüchtete) waren, die zu Räubern wurden.
Genau diese Auffassung vertritt auch Nadav Na’aman in seinem Kapitel „Habiru-like Bands in the Assyrian Empire and Bands in Biblical Historiography“ in Band I seiner „Collected Essays“. In assyrischen Inschriften aus dem 7. und 8. Jahrhundert v. Chr. wird eine Gruppe namens „urbi“ erwähnt. Die Bedeutung dieses Begriffs wurde verschieden übersetzt: als „Flüchtlinge“, „Banditen“, „irreguläre Truppen“, „eine besondere Art Soldaten“ oder „Elitekrieger“. Nach Na’aman leitet sich der Begriff „urbi“ ab von merubu, ein Verb, das „fliehen, davonlaufen, entkommen““ bedeutet. Na’aman fährt auf Seite 299 fort:
„Der Begriff urbi bezeichnet Gruppen von Flüchtlingen, die angesichts assyrischer Feldzüge, Zerstörungen oder Annexionen aus ihrer Heimat flohen und Zuflucht in Randgebieten suchten. Diese Vertriebenen versuchten, sich neuen Umständen anzupassen, indem sie eine Bande bildeten, die unter der Führung eines herausragenden Anführers stand. Die Banden waren unabhängige bewaffnete Einheiten, zahlenmäßig begrenzt und durch ihre räuberische Natur und ihr militärisches Können charakterisiert. Häufig wurden sie für sesshafte und pastorale Gesellschaften gefährlich. Aufgrund ihrer militärischen Fähigkeiten dienten sie gelegentlich als Söldner in den Armeen benachbarter Herrscher.“
Und Na’aman schließt:
„Alle diese Merkmale sind typisch für die Banden der Habiru, die aus spät-drittem und mittel-zweitem Jahrtausend v. Chr. im Alten Orient wohlbekannt sind.“
Der wichtigste Punkt, der sich aus alledem ergibt, ist, dass für die Menschen, die die Texte verfassten und lasen, in denen Begriffe wie „SA.GAZ“, Habiru oder „urbi“ auftauchen, all diese Termini offenbar eine negative Konnotation besaßen. Mitunter wird diese Konnotation explizit, wie in einer der Tell-el-Amarna-Tafeln, die auf Seite 261 von Mercers Übersetzung erscheint, wo ein kanaanäischer Beamter von einem anderen sagt, er sei zu einem „SA.GAZ-Hund“, einem „herumstreunenden Hund“, geworden. Die Habiru waren definitionsgemäß Outlaws, da sie nicht Teil der etablierten sozialen Ordnung waren und sich selbst auch nicht als ihr Teil betrachteten. Darüber hinaus verlieh die Tatsache, dass viele von ihnen entflohene Sklaven waren, ihrer Wahrnehmung ein zusätzliches Element der Kriminalität, denn die Flucht aus der Sklaverei galt als schweres Verbrechen, oft mit dem Tod bestraft. Zweifellos haftete den Habiru auch das Bild an, eine ernsthafte militärische Gefahr darzustellen, doch mag sie dies für einige attraktiv gemacht haben; für die etablierte Gesellschaft jedoch war dies vermutlich nur ein weiterer Punkt der Anklage. Ob die Habiru selbst Stolz aus ihrem Outlaw-Status zogen, lässt sich schwer sagen, doch deutet die Gesamtheit der Belege darauf hin, dass sie sich – ob mit oder ohne Stolz – bemühten, ihn loszuwerden.

James W. Jack: The Date of the Exodus, Edinburgh 1925
Der beste Weg herauszufinden, wie die Habiru dazu standen, Habiru genannt zu werden, besteht darin zu untersuchen, wie die Hebräer empfanden, „Hebräer“ genannt zu werden. Alle Texte, die die Habiru erwähnen, wurden von anderen geschrieben und spiegeln daher nicht die Sicht der Habiru selbst wider; die Hebräer hingegen hatten mehrfach Gelegenheit, ihren eigenen Standpunkt darzulegen. Und das Erste, was jedem Bibelleser auffällt, ist, dass der Begriff „Hebräer“ im Tanach kaum verwendet wird. Im gesamten Tanach erscheint er lediglich 39 Mal. In der Tora werden die Hebräer fast immer als „Söhne Israels“ (b’nei Israel auf Hebräisch, gewöhnlich mit „Kinder Israels“ oder „Israeliten“ übersetzt) bezeichnet. In den späteren Teilen des Tanach erscheinen weitere Bezeichnungen, jedoch kaum je „Hebräer“.
Wenn der Begriff „Hebräer“ dennoch vorkommt, dann in spezifischen Bedeutungszusammenhängen. Nadav Na’aman hat diese Frage ausführlich in seiner Studie „Habiru and Hebrews: The Transfer of a Social Term to the Literary Sphere“ untersucht, die in Band 2 seiner Collected Essays erschien. Wie die meisten Bibelwissenschaftler bestreitet Na’aman nicht, dass die Hebräer Habiru waren, doch zweifelt er nicht daran, dass der Begriff Hebrew von Habiru abstammt. Er weist darauf hin, dass der Begriff im Tanach in der Regel verwendet wird, um „Israeliten in außergewöhnlichen Umständen“ zu bezeichnen. Insbesondere dient er der Beschreibung von „Israeliten, die in ein fremdes Land migriert sind“ oder „Israeliten in einer Lage der Knechtschaft“. Er ergänzt, dass die Verwendung des Begriffs „Hebräer“ besonders in den Erzählungen des Buches Exodus auffällig ist, wo er auf Israeliten angewendet wird, die von den Ägyptern zur schweren Fronarbeit versklavt und ausgebeutet wurden. Und zusammenfassend stellt er auf Seite 271 fest:
„Es scheint, dass alle biblischen Bezüge zu den ‘Hebräern’ gewisse Züge widerspiegeln, die den Habiru des zweiten Jahrtausends v. Chr. zugeschrieben werden.“
Ein gutes Beispiel dafür, wie der Begriff „Hebräer“ im Tanach verwendet wird, findet sich in Kapitel 29 des Ersten Buches Samuel Nachdem David gezwungen ist, das Gebiet Israels zu verlassen, weil der amtierende König Saul seine Verfolgung aufgenommen hat, sammelt der zukünftige König eine Schar von Außenseitern um sich und sucht Schutz bei den Philistern. Nun bereiten die Philister eine Schlacht gegen Saul vor, und David und seine Männer sind bereit, sich ihnen anzuschließen. Doch die „Fürsten der Philister“ rufen aus: „Was machen diese Hebräer hier?“

1. Buch Samuel 27, Vers 3 in der Lutherbibel von 1525
Der Philisterfürst, der über David den Schutz der Philister ausübt, sieht sich gezwungen, David und seine Männer fortzuschicken, weil die anderen Philisterführer ihnen misstrauen und befürchten, sie könnten sich im bevorstehenden Kampf König Saul anschließen, sobald die Schlacht unmittelbar bevorsteht. Die Verwendung des Ausdrucks „Hebräer“ in diesem Zusammenhang kann natürlich als Bezugnahme auf die ethnische Gruppe verstanden werden, der David und seine Männer angehörten; zugleich ergibt sie jedoch ebenso vollkommen Sinn als Synonym für Habiru, da eine Gruppe von Söldnern – wie sie häufig beschrieben werden – von den meisten Philisterführern mit Geringschätzung betrachtet wurde. Es scheint, als hätten die Autoren des Tanach gelegentlich nicht umhin gekonnt, den Begriff „Hebräer“ zu verwenden, um ihrer Darstellung zusätzliche Anschaulichkeit zu verleihen, zugleich jedoch jede explizite Identifizierung der Hebräer als Habiru systematisch vermieden, weil dies mit der Legende der „Söhne Israels“ kollidiert hätte.
Nach Na’aman geschah Folgendes: Der Ausdruck „Hebräer“ wurde durch die jüdischen Schriftsteller der Spätphase des Zweiten Tempels, die ihn zunehmend als Bezeichnung der Vorfahren der Juden verwendeten, davor gerettet, ganz zu verschwinden. Es scheint mir, dass zu dieser Zeit die Verbindung zwischen den Habiru und den Hebräern – die zur Zeit der Abfassung der Bücher des Tanach eindeutig bekannt war – weitgehend in Vergessenheit geraten war und dass der Begriff „Hebräer“ allmählich eine religiöse Bedeutung erlangte, die sich stark von seinen ursprünglichen Konnotationen unterschied. Vielleicht wurde „Hebräer“ unter dem Einfluss des Josephus, der den Begriff häufig verwendete, zu einem respektablen Ausdruck im christlichen (und letztlich auch jüdischen) Diskurs und diente als Alternative zum stets pejorativ gebrauchten Ausdruck „Jude“.
Die hebräische Sprache bewahrt jedoch noch immer eine Spur der ursprünglichen Bedeutung des Begriffes. Das hebräische Wort Ivri stammt von einer hebräischen Wurzel ʿbr (ayin, bet, resh), deren Grundbedeutung „hinübergehen“, „überqueren“ oder „überschreiten“ ist. Das hebräische Wort für „Vergangenheit“ ist ebenfalls von dieser Wurzel abgeleitet. Es gibt außerdem eine Reihe weiterer Wörter im Hebräischen, die von dieser Wurzel abstammen und deren Bedeutung exakt der englischen Bedeutung von „transgress“ entspricht – also das Überschreiten einer erlaubten Grenze. Dazu gehören avaryan („Gesetzesbrecher“) und avera („Verstoß gegen die Regeln“). Einige Bibelwissenschaftler sind sogar so weit gegangen zu behaupten, das Wort Habiru, dessen Bedeutung im Akkadischen nicht völlig klar ist, sei von derselben westsemitischen Wurzel wie Ivri abgeleitet und habe die Bedeutung „überqueren“, sei es als Flüchtlinge oder als Gesetzesbrecher. Wie dem auch sei, es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Begriffe „Hebräer“ und „Habiru“ eng miteinander verbunden sind, und die naheliegendste Erklärung für diese Beziehung ist, dass die Hebräer tatsächlich Habiru waren.
Wird fortgesetzt.
Großer Mann und kleiner Mann, um das Brandenburger Tor herum
Heute habe ich den kleine Mann gefunden. Das sieht irgendwie lustig aus. Burks gefällt das.
Übrigens, Grok sagt: Die ursprüngliche und älteste Schreibung des Vornamens ist Burkhard (bzw. in althochdeutschen Quellen auch Burkhart, Burchard oder Burcard). Der Name ist rein althochdeutsch und setzt sich aus zwei Gliedern zusammen:
1. burg / burc = die Burg, der Schutz, die Festung
2. hart / hard = hart, stark, kühn, mutig
Burkhard bedeutet daher wörtlich: „der Burgstarke“, „der kühne Burgbeschützer“ oder „der mit der Stärke einer Burg“. Das ist ein typischer zweiteiliger germanischer Personenname aus der Zeit der Merowinger und Karolinger (6.–9. Jahrhundert). Die heute in Deutschland am weitesten verbreitete Form ist Burkhard (mit „k“ und ohne „t“ am Ende), gefolgt von Burkhardt und Burkhart.
Wenn mir vor mehr als vier Jahrzehnten jemand gesagt hätte: Direkt neben dem Brandenburger Tor wirst du mal arbeiten!, hätte ich den für verrückt erklärt.
Das Leben – jedenfalls mein Leben – war und ist voller Überraschungen, und ich bin gespannt auf die nächste…
Der Vorteil am unvermeidlichen Tod ist bekanntlich, dass man sich nachher nicht darüber ärgern kann. Ich würde das tun, weil ich das Gefühl hätte, so viel von dem verpasst zu haben, was noch alles kommt.

Brandenburger Tor, 80-er Jahre, eingescanntes Dia
Großer Mann und kleiner Mann
Großer Mann mit kleinem Mann von Stephan Balkenhol, Palais am Pariser Platz, Berlin-Mitte. Den kleinen Mann habe ich nicht gesehen, er war zu klein. Muss ich morgen noch genauer gucken. ich habe 12 Stunden Zeit dafür. Um den Mann herum ist jetzt eine künstliche Curling-Bahn mit viel Radau, warum auch immer.
Parasoziale Elemente oder: Die Habiru I
David ging von da hinweg und rettete sich in die Höhle Adullam. Als das seine Brüder hörten und das ganze Haus seines Vaters, kamen sie dorthin zu ihm hinab. Und es sammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und verbitterten Herzens waren, und er wurde ihr Oberster; und es waren bei ihm etwa vierhundert Mann. (Bibel, 1. Samuel 22)
Ich habe mir einen Teil des (nur für mich) höchst interessanten Buchs von Robert Wolfe: „From Habiru to Hebrews and Other Essays“ (2011) übersetzen lassen (umformuliert, alle Links sind von mir). Wolfe stammt aus einem kommunistischen Elternhaus und wuchs als säkularer Jude in New York auf. Er nahm an den Studentenunruhen im Frühjahr 1970 teil und saß deswegen drei Monate im Gefängnis. Er fühlte sich als „Linker“, bis die Studentenbewegung mehr und mehr antisemitische Züge zeigte. Dann begann er, sich mit der Geschichte der Juden und Israels zu beschäftigen.
… stieß ich erstmals auf die Habiru. Obwohl ich als Berufshistoriker tätig war, hatte ich bis dahin nie von ihnen gehört. In dem kleinen Fachgebiet der „biblischen Wissenschaften“ war das Thema durchaus präsent, doch außerhalb dieses Kreises war ihre Existenz nahezu unbekannt.
Seit rund hundert Jahren hatten Archäologen im Nahen Osten Tontafeln ausgegraben, auf denen eine Gruppe von Menschen erwähnt wurde, die in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedlich als „Habiru“ oder „Apiru“ bezeichnet wird. Hunderte solcher Belege wurden entdeckt, die sämtlich in das 2. Jahrtausend v. Chr. datieren. Keine dieser Tontafeln behandelt die Habiru ausführlich; vielmehr erscheinen sie jeweils nur als Randbemerkung in einem größeren Zusammenhang. Mitunter werden die Habiru als Söldner beschrieben, ein anderes Mal als Tagelöhner und wiederum in anderen Fällen als Banditen.
Unter Bibelwissenschaftlern herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass den unterschiedlichen Beschreibungen wahrscheinlich Gruppen bewaffneter Männer zugrunde lagen, von denen die meisten Flüchtlinge waren, die an den Rändern bewohnter Gebiete lagerten und ihren Lebensunterhalt auf irgendeine Weise zu bestreiten versuchten. Hinweise auf solche Habiru-Gruppen wurden in vielen verschiedenen Regionen des Nahen Ostens gefunden, was deutlich macht, dass sie weder einen Stamm noch eine Nation bildeten, sondern eher eine soziale Gruppe oder Schicht darstellten, eine Gruppe, die von den Schreibern, die sie erwähnten, im Allgemeinen mit einer Mischung aus Furcht und Verachtung betrachtet wurde.
Was jedoch mein besonderes Interesse an der wissenschaftlichen Literatur über die Habiru weckte, war der Nachweis, dass viele von ihnen entflohene Sklaven gewesen sein müssen. So erklärt etwa William Albright auf Seite 86 seines Buches Yahweh and the Gods of Canaan:
In den Tontafeln von Ugarit lesen wir, dass entflohene Sklaven gewöhnlich bei den Apiru Zuflucht fanden, vorzugsweise auf der anderen Seite der Grenze zwischen dem eigentlichen Hethiterreich und dem Vasallenstaat Ugarit. Dieses Vorgehen war ausdrücklich verboten, und entlaufene Sklaven mussten ausgeliefert werden.

James B. Pritchard: The Ancient Near East. S. 262
Und auf Seite 273 des ersten Bandes von James Pritchards Anthologie The Ancient Near East findet sich eine Passage aus einem Brief aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., in dem auf „Sklaven, die zu Apiru geworden waren“, Bezug genommen wird. Auffällig ist daher nicht nur, dass die Begriffe Habiru (bzw. Apiru) phonetisch an „Hebräer“ erinnern, sondern dass beide Gruppen offenbar einen ähnlichen sozialen Status teilten. Die jüdische Überlieferung stellt die ursprünglichen Hebräer als entflohene Sklaven dar, und die Verfasser der Tora nahmen diese Tradition offenbar so ernst, dass sie sie in Kapitel 23, Vers 16 des Deuteronomiums kodifizierten:
Du sollst einen Sklaven, der sich vor seinem Herrn zu dir flüchtet, nicht an seinen Herrn ausliefern. Er soll bei dir wohnen, an einem Ort seiner Wahl, in einer beliebigen deiner Siedlungen, wo es ihm gefällt; du darfst ihn nicht bedrücken.
Hätten die Verfasser der Tora ein solches Gebot erlassen, wenn sie nicht selbst – zumindest teilweise – von entflohenen Sklaven abstammten? Ich halte dies für unwahrscheinlich. Daher erscheint mir die Tatsache, dass auch ein großer Teil der Habiru entflohene Sklaven gewesen zu sein scheint, als starkes Indiz für eine Verbindung zwischen beiden Gruppen.
Bald wurde mir jedoch bewusst, dass die meisten Bibelwissenschaftler meine Annahme nicht teilten. Fast ausnahmslos behandeln biblische Fachgelehrte früherer wie heutiger Zeit die Frage nach den Ursprüngen der Hebräer aus einer religiösen Perspektive. Anstatt sich auf das zu stützen, was aus den Quellen zuverlässig hervorgeht, und das über die Habiru Bekannte als Ausgangspunkt ihrer Forschungen zu nehmen, tendieren sie meistens dazu, die Habiru in ein Bild der hebräischer Ursprünge einzupassen, das letztlich aus der in der Bibel erzählten Geschichte abgeleitet ist.
Betrachtet man die Frage jedoch aus dieser Perspektive, fügen sich die Habiru schlicht nicht ein. Insbesondere stellen die in der Bibel beschriebenen Hebräer einen Stamm oder eine Nation dar, während die Habiru eindeutig eine soziale Klasse repräsentierten. Viele Bibelwissenschaftler sind zwar bereit einzuräumen, dass es eine Verbindung zwischen den Bezeichnungen „Hebräer“ und „Habiru“ geben könnte, doch nur eine kleine Minderheit ist bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Hebräer in Wahrheit Habiru gewesen sein könnten. James Hoffmeier gibt auf Seite 124 seines 1996 erschienenen Werkes Israel in and out of Egypt die gängige Auffassung wie folgt wieder:
„Früher war es üblich, die Hebräer mit den habiru zu identifizieren, doch in den letzten Jahrzehnten wurde diese Gleichsetzung zunehmend abgelehnt, vor allem weil habiru inzwischen als ein soziologischer Begriff verstanden wird, der nicht auf eine bestimmte ethnische Gruppe verweist. Neuere Untersuchungen betrachten die habiru konkreter als Gruppen von Flüchtlingen, die außerhalb der Reichweite städtischer, sesshafter Gebiete lebten, diese Gemeinwesen jedoch dennoch gelegentlich ausbeuteten. Diese allgemein anerkannte Bedeutung schließt nicht aus, dass der Begriff habiru auch auf jene Hebräer angewandt wurde, die in Ägypten entwurzelt wurden und später bei ihrer Rückkehr nach Kanaan.“
Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass Hoffmeier die Vorstellung, die Hebräer könnten Habiru gewesen sein, für problematisch hielt – nicht nur, weil die habiru eine soziale Klasse darstellten, sondern auch, weil er offenbar der Ansicht war, dass diese spezielle soziale Gruppe „die braven Bewohner“ der Städte und Gemeinwesen ausbeutete.
Letztlich besteht der Kern des Problems darin, dass die meisten Bibelwissenschaftler keineswegs wünschen, die Hebräer mit den Habiru zu identifizieren.

Nubische und asiatische Sklaven bei der Arbeit, Neues Reich, 18. Dynastie, ca. 1400 vor Chr., Grab von Rekhmire, Ägyptisches Museum Kairo
Selbst George Mendenhall, von dem viele annehmen, er habe diese Identifikation befürwortet, tat dies in Wirklichkeit nicht. In seinem 1973 veröffentlichten Werk The Tenth Generation stellte er die Frage, warum der Begriff Apiru auf die „Israeliten“ angewandt wurde, und beantwortete sie auf Seite 137 wie folgt:
„Der Begriff wurde auf Israel angewandt, weil es eine Kontinuität in vorisraelitischer Tradition gab und eine Geschichte der Weigerung seitens von Dorfbewohnern und Hirten, sich den bestehenden politischen Organisationen ihrer Umgebung anzupassen. Als das politische Reich untragbar wurde und die Ordnung nicht mehr aufrechterhalten konnte, zogen sie sich von jeder Verpflichtung und Beziehung zu diesem Reich zurück und wandten sich stattdessen einem anderen, unpolitischen „Oberherrn“ zu, dessen Verpflichtungen völlig anderer Art und Funktion waren.“
Mit anderen Worten: Die Hebräer waren keine tatsächlichen Habiru, sondern eher „Dorfbewohner und Hirten“, die von anderen als Habiru verleumdet wurden, weil sie sich weigerten, die Herrschaft der kanaanäischen Stadtstaaten anzuerkennen. Der „unpolitische Oberherr“, dem sie nach Mendenhalls Vorstellung gehorchten, war selbstverständlich Gott – ein „Oberherr“, an den auch Mendenhall selbst glaubte.
Die moderne Bibelwissenschaft, begründet im 19. Jahrhundert durch deutsche protestantische Theologen, hat seit jeher einen doppelten Charakter. Einerseits haben Bibelwissenschaftler erhebliche Fortschritte darin erzielt, ein realistisches Verständnis dafür zu entwickeln, wann und von wem die Tora verfasst wurde und welches historische Umfeld sie prägte. Andererseits glauben die meisten Bibelwissenschaftler weiterhin, dass im Kern der „biblischen“ Tradition eine göttliche Offenbarung stehe, die nicht nur die ursprüngliche Grundlage des Judentums bildete, sondern auch des Christentums.
Einer der wenigen Bibelwissenschaftler, die sich zu diesem Spannungsverhältnis geäußert haben, ist Niels Peter Lemche, der Autor von Early Israel (1985). Lemche betonte, dass die meisten Bibelwissenschaftler zwar eine skeptische Haltung gegenüber der historischen Darstellung in der Tora einnehmen, zugleich jedoch deren religiöse Ideologie als Ergebnis einer „göttlichen Intervention in die Geschichte“ behandeln. Lemche wies diesen Ansatz zurück und gelangte auf Seite 413 zu folgendem Schluss:
„Daher scheidet es aus, Israels hypothetische religiöse Erfahrung als Ausgangspunkt für eine Untersuchung der frühen Geschichte Israels zu betrachten.“
Da Lemche nicht daran interessiert war, die Habiru gewaltsam in das biblische Narrativ einzupassen, hatte er keinerlei Schwierigkeiten, sie als die ursprünglichen Hebräer zu betrachten. Auf Seite 427 formulierte er dies folgendermaßen:
„Daher schlage ich als Arbeitshypothese folgendes Szenario vor: Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und anschließend in der späten Bronzezeit wurden die Bergregionen von einem parasozialen Element „bewohnt“, nämlich den habiru, die aus entlaufenen ehemaligen unfreien Bauern oder Pächterfamilien der kleinen Stadtstaaten in den Ebenen und Tälern Palästinas bestanden.“
Lemche war der Auffassung, dass die Habiru, die ursprünglich kein sesshaftes Element darstellten, sondern vielmehr „gesetzlose Gruppen von Freibeutern“, sich schließlich im Hügelland dessen niederließen, was er „Palästina“ nannte — möglicherweise ab etwa 1200 v. Chr. Er betrachtete ihre Verwandlung in eine „sesshafte Bevölkerung“ als das Ergebnis mehrerer Entwicklungen: die Ausbreitung von Eisenwerkzeugen, die Einführung von Brandrodungslandwirtschaft und die Terrassierung der Berghänge, welche allesamt die landwirtschaftliche Produktivität des zuvor dicht bewaldeten Hügellandes erheblich steigerten.
Doch wie genau und aus welchem Grund wurden die Habiru zu den Begründern der biblischen Tradition? Da Lemche die Exodus-Erzählung für nahezu vollständig mythisch hielt, musste er einen Ursprung der biblischen Tradition innerhalb Kanaans selbst finden. Allerdings war er äußerst zurückhaltend, „gesetzlosen Gruppen von Freibeutern“ die Schaffung einer so angesehenen Tradition zuzuschreiben. Daher argumentierte er auf Seite 434, dass „das Phänomen, das später als spezifisch israelitische Religion bezeichnet wurde, im Kern auf der Isolierung eines besonderen Aspekts der kanaanäischen Kultur beruhte – nämlich dem ethischen.“
Diese kanaanäischen „ethischen Denker“, so fügte Lemche hinzu, müssten aus den „höheren sozialen Schichten“ der kanaanäischen Gesellschaft entstammt sein. Meiner Ansicht nach ist offensichtlich, dass Lemche ebenso wenig wie andere Bibelwissenschaftler bereit war, die Habiru als Urheber anzuerkennen, und sich daher genötigt sah, eine kanaanäische Oberschichttradition zu postulieren – obwohl sich dafür keinerlei Hinweise finden lassen – um die Ursprünge der biblischen Religion zu erklären. Zudem bin ich nicht sicher, ob „ethisch“ tatsächlich der präziseste Begriff ist, um die Religion der Hebräer zu beschreiben; vielleicht wäre „egalitär“ zutreffender.
Ein Bibelwissenschaftler, der ausdrücklich den egalitären Charakter dieser Religion betonte, war Norman Gottwald [ein US-amerikanischer Marxist], der Autor von The Tribes of Yahweh, veröffentlicht 1979. Er formulierte auf Seite 643: „…stellte sich von Beginn an ausschließlich als Religion sozial egalitärer Gemeinschaften dar.“
Gottwald betrachtete die Habiru als Teil der sozialen Bewegung, aus der hervorging, was er „die Religion Jahwes“ nannte – jedoch nicht als deren dominanten Bestandteil. Wie Mendenhall war er der Auffassung, dass die Entstehung Israels in einem Aufstand kanaanäischer „Dorfbewohner“ gegen die Herrschaft der kanaanäischen Stadtstaaten wurzelte; im Unterschied zu Mendenhall jedoch glaubte er, dass viele Habiru ebenfalls an diesem Aufstand beteiligt gewesen seien. Er argumentierte auf Seite 408, dass die Grenze zwischen Habiru und Dorfbewohnern „in vielen Fällen wahrscheinlich ziemlich unscharf war und mit dem Zusammenbruch der zentralen Autorität immer undeutlicher wurde“. Mit der Zeit begannen die Habiru, sesshaft zu werden, während die Dorfbewohner anfingen, Selbstverteidigungsgruppen zu bilden. Schließlich:
„In einem hypothetischen Stadium dieser Expansion und der langsamen Annäherung nicht feudaler Gemeinschaften entwickelten sich die Voraussetzungen für eine weiterreichende Einheit. In einem solchen Umfeld nahm das frühe Israel seinen Anfang.“
Dieses Szenario klingt plausibel; doch während es zahlreiche Belege dafür gibt, dass Habiru an bewaffneten Angriffen gegen die kanaanäischen Stadtstaaten beteiligt waren, gibt es kaum oder gar keine Hinweise darauf, dass kanaanäische Dorfbewohner dasselbe taten.
Zudem betrachtete Gottwald die Kultur der Habiru zwar als „egalitär“, doch er war nicht der Ansicht, dass sie die Quelle der „Religion Jahwes“ gewesen sei. Gottwald tendierte dazu, die Belege hervorzuheben, die die Habiru als „Söldner“ beschrieben (oder so interpretiert werden konnten). Damit konnte er argumentieren, dass die Habiru trotz ihrer rebellischen Einstellung und trotz ihres Außenseiterstatus dennoch in das kanaanäische soziale System integriert waren und daher nicht in der Lage waren, eigenständig eine alternative soziale Ideologie zu entwickeln. Diese Ideologie, so glaubte Gottwald, könne nur aus der „Moses-Gruppe“ stammen, die er auf Seite 39 als „eine Mischung aus Viehzüchtern (Schafe, Ziegen, Rinder), Kleinbauern und Fischern, darunter Kriegsgefangene oder Migranten aus Kanaan“ beschrieb. Woher er diese Information bezog, erläuterte Gottwald nicht; ebenso wenig erklärte er, warum er in dieser Aufzählung die Habiru ausließ, von denen bekannt ist, dass sie als Kriegsgefangene nach Ägypten gebracht und als Sklaven in Bauprojekten eingesetzt wurden.
So angreifbar die Arbeiten von Mendenhall und Gottwald und Lemsche auch sein mögen: Sie boten weiterhin zahlreiche zutreffende Einsichten in die Frage nach der Beziehung zwischen den Hebräern und den Habiru. Ihre Bücher erschienen in den 1970-er- und 1980-er-Jahren, zu einer Zeit, als die Erinnerungen an die 1960-er noch lebendig waren. In den letzten Jahrzehnten jedoch, wie Hoffmeier zu Recht feststellte, ist es „entmutigt“ worden, einen Zusammenhang zwischen den Hebräern und den Habiru herzustellen. Gottwald beispielsweise wurde eindeutig von der „Befreiungstheologie“ der 1960-er und 1970-er-Jahre beeinflusst, doch das politische und intellektuelle Klima seit den 1980-er Jahren hat sich deutlich verändert. Die Vorstellung, dass die biblische Tradition aus einer Art Revolution hervorgegangen sei — möglicherweise angeführt von gesetzlosen bewaffneten Gruppen, den Habiru – hat das geringe Interesse verloren, das sie in der Bibelwissenschaft einst besaß.
In Wirklichkeit jedoch sind die Hinweise auf die Identität der Hebräer und der Habiru überwältigend.
Der Grund, weshalb ich diesen Artikel mit einer Darstellung meines eigenen wissenschaftlichen Hintergrunds begann, besteht darin, dass die Leserinnen und Leser verstehen können, warum ich dieser Evidenz aufgeschlossener gegenüberstehe als viele andere. Doch letztlich ist allein die Evidenz entscheidend, und obwohl ich kein Bibelwissenschaftler bin, besitze ich genügend Erfahrung als Historiker, um eine verborgene Wahrheit zu erkennen, wenn ich sie sehe.

Akkadischer diplomatischer Brief, gefunden in Tell el-Amarna. Teil des Corpus der Amarna-Briefe (1550 bis 1070 v. Chr., 18. bis 20. Dynastie). Vorderseite (Obverse),
Aziru an den Pharao, überschrieben: „Eine erklärte Abwesenheit“. Aziru wird in Zeile 2 genannt: „Botschaft (so spricht) Aziru, dein Diener.“ (Akkadisch: Umma 1 A-zi-ru, arad-ka – „So spricht Aziru, dein Knecht.“) Die Amarna-Briefe hatte ich schon am 12.01.2024 erwähnt.
SICHEM
Obwohl Hinweise auf die Habiru überall im Nahen Osten gefunden wurden, stellt die umfangreiche Sammlung von Tontafeln aus Tell el-Amarna in Ägypten bei weitem die wichtigste Informationsquelle dar. Diese Tafeln wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Viele von ihnen bestehen aus Briefen, die im 14. Jahrhundert v. Chr. in akkadischer Keilschrift verfasst und von verschiedenen ägyptischen Vasallenherrschern in Kanaan an den Pharao nach Ägypten geschickt wurden. Die Briefe sind voller Beschwerden über die Habiru, von denen berichtet wird, dass sie einen Aufstand gegen die ägyptische Herrschaft in Kanaan anführten und die Städte jener lokalen Herrscher plünderten, die dem Pharao weiterhin loyal geblieben waren.
In einem dieser Briefe – wiedergegeben auf Seite 200 von Shechem von G. Ernest Wright – erscheint eine Drohung von Abdu-Hiba, dem Herrscher von Jerusalem. Darin fordert er, dass man sich den Habiru anschließen müsse, sofern man nicht verstärkte Unterstützung vom Pharao erhalte. Besonders eindringlich drohte Abdu-Hiba:
Sollen wir nun handeln wie Lab’ayu, der das Land von Sichem den Apiru übergab?
Lab’ayu wird in vielen Briefen erwähnt; er war der Herrscher von Sichem und der wichtigste Rivale Abdu-Hibas im Kampf um die Vorherrschaft im Hügelland Kanaans war. Ob er tatsächlich „das Land von Sichem“ den Habiru übergab, ist ungewiss. Vielleicht übertrieb Abdu-Hiba, vielleicht auch nicht. Wesentlich ist jedoch, dass sein Brief zeigt, dass die Habiru im 14. Jahrhundert v. Chr. einen beträchtlichen Einfluss auf die Region Sichem ausübten. Und der Grund, weshalb dies von Bedeutung ist, liegt darin, dass Sichem zweifellos das wichtigste politische und religiöse Zentrum der Hebräer während ihrer frühen Geschichte war.

Karte Samarias (Samarien) mit Sichem (Shechem) und den östlichen und nördlichen Nachbarn
Zahlreiche Hinweise auf die Bedeutung Sichems für die Hebräer finden sich in vielen Büchern des Tanach, der hebräischen Bezeichnung (genauer: des Akronyms) für die jüdischen Schriften bzw. das Alte Testament. Im Buch Genesis ist Sichem der Ort, an dem Abraham erstmals das Land Israel betritt und einen heiligen Altar errichtet. Im Buch Josua ist Sichem der Ort, an dem Josua die Hebräer kurz vor seinem Tod versammelt, um mit ihnen einen feierlichen Bund zu schließen, der sie zur Treue gegenüber Gott verpflichtet. Im Buch der Richter ist Sichem der Ort, an den Abimelech — der erste Anwärter auf das Königtum der Hebräer — geht, um seine Kandidatur zu erklären. Und im Ersten Buch der Könige ist Sichem der Ort, an dem Rehabeam, der Sohn Salomos, hingeht, um die hebräischen Stämme zu bewegen, ihn als König anzuerkennen. Als die Stämme stattdessen Jerobeam wählen, macht Jerobeam Sichem zur ersten Hauptstadt des Königreichs Israel. Selbst wenn einige dieser Hinweise vollständig oder teilweise legendären Charakter haben sollten, zeigen sie dennoch, dass Sichem für die Autoren des Tanach ein Ort mit besonderer Bedeutung für die frühen Hebräer war.
Da versammelte Josua alle Stämme Israels gen Sichem und berief die Ältesten Israels, seine Obersten, Richter und Amtleute; und sie traten vor Gott. Und Josua sprach zum ganzen Volk: So spricht der HERR, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vorzeiten jenseits des Stroms, Tharah [Terach], Abrahams Vater, und Nahors Vater, und dienten andern Göttern. (Josua 24,1–2)
Diese Hinweise wiegen umso schwerer, als nahezu alle Bücher des Tanach von den Schreibern des Königreichs Juda verfasst wurden, dessen Zentrum Jerusalem war – ein erbitterter Rivale des Königreichs Israel im Kampf um die Herrschaft über die Hebräer. Die Schreiber des Königreichs Juda hatten keinen Grund, die Bedeutung Sichems für die frühe hebräische Geschichte zu übertreiben, zumal Sichem eng mit den Ursprüngen des Königreichs Israel verbunden war. Wenn sie dennoch Material im Tanach aufnahmen – etwa die Versammlung der hebräischen Stämme in Sichem durch Josua, die als Legitimierung des Königreichs Israel interpretiert werden könnte — dann wohl deshalb, weil sie der Ansicht waren, dass die Bedeutung von Sichem in der hebräischen Kultur zu bekannt und zu fest verankert war, um übergangen oder geleugnet zu werden. Diese Bedeutung war nicht nur politischer, sondern auch religiöser Natur, da dort tatsächlich ein Altar errichtet wurde und religiöse Zeremonien im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen stattfanden. All dies legt nahe, dass Abdu-Hiba nicht übertrieben hat und dass Lab’ayu den Habiru in der Region Sichem tatsächlich eine formelle Art von Autorität übertrug – eine Autorität, die später zur Grundlage der hebräischen Vorstellung von Sichem als heiligem Versammlungsort wurde.

Siegesstele des Merenptah aus dem Totentempel des Königs der 19. Dynastie in Theben-West, ausgestellt im Ägyptischen Museum in Kairo, Ägypten (Source)
Weitere Hinweise auf die zentrale Rolle des Habiru-Zentrums Sichem in der frühen hebräischen Geschichte stammen von einer ungewöhnlichen Quelle: der sogenannten „Siegesstele“ des Merenptah. Um etwa 1207 v. Chr. errichtete der ägyptische Pharao Merenptah ein Steindenkmal, das seine angeblichen Siege über Libyer und Kanaanäer festhielt. Die spezifischen Regionen Kanaans, die er für erobert erklärte, sind darin geografisch von Süden nach Norden aufgeführt. Nahe dem Ende dieser Liste erscheint ein Verweis auf die „Eroberung“ Israels. Hoffmeier, ein Experte für ägyptische Hieroglyphen, übersetzt den Verweis mit: „Israel ist verwüstet, sein Same ist nicht.“
Anschließend bemerkt er auf Seite 29 seines Werkes „Israel in Egypt“, dass die Position dieses Ortsnamens innerhalb der Liste nahelege: „Die Stämme Israels scheinen hauptsächlich im zentralen Hügelland und in Obergaliläa lokalisiert gewesen zu sein.“
Auch das „Land Sichem“ lag im zentralen Hügelland, im nördlichen Teil, angrenzend an das Jesreeletal und Galiläa. Nadav Na’aman merkt in einem Aufsatz mit dem Titel „The Contribution of the Amarna Letters to the Debate on Jerusalem’s Political Position in the Tenth Century BCE“, abgedruckt im dritten Band seiner Collected Essays, auf Seite 5 an, dass zur Zeit der Amarnabriefe „zwei kanaanäische Königreiche nahezu das gesamte zentrale Hügelland besetzten: Sichem und Jerusalem“.
All dies deutet darauf hin, dass gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. die in der Region Sichem ansässigen Habiru begonnen hatten, sich selbst unter dem Namen Israel zu bezeichnen.
Wann sie diesen Namen annahmen, ist unbekannt; doch es ist plausibel anzunehmen, dass dies nicht lange vor der Ankunft einer kleinen Gruppe Habiru-Flüchtlinge in Kanaan geschah – Menschen, die der Sklaverei in Ägypten entkommen waren und mit sich die Ideologie einer habirischen Herrschaft über das gesamte „Land Israel“ führten.
Dass es zur fraglichen Zeit tatsächlich Habiru-Sklaven in Ägypten gab, wird durch eine Reihe von Quellen belegt, die völlig unabhängig vom Bericht der Tora sind. Hoffmeier verweist auf Seite 113 auf die „Siegesstele“ des Pharaos Amenophis II. aus dem 15. Jahrhundert v. Chr., die die verschiedenen Gruppen von Gefangenen auflistet, welche die Ägypter nach einem erfolgreichen Feldzug in Kanaan und Syrien nach Ägypten brachten. In dieser Liste sind auch 3600 „Apiru“ genannt. Weitere Habiru-Gefangene müssen bei anderen Gelegenheiten erbeutet worden sein, denn aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. liegen Hinweise auf „Habiru“-Sklaven vor, die für die Ägypter bei Bauprojekten arbeiteten. Abraham Malamat zitiert auf Seite 42 seines Artikels in Haim Ben-Sassons Anthologie A History of the Jewish People folgende Inschrift aus der Zeit des Pharaos Ramses II.:
Gib Getreiderationen an die Soldaten und an die Apiru, die Steine für den großen Pylon des Ramses transportieren.
Hoffmeier verweist außerdem auf Seite 115 auf einen Artikel von Ellen Morris, in dem Szenen von Zwangsarbeit auf ägyptischen Wandmalereien beschrieben werden. Hoffmeier fasst Morris’ Befund wie folgt zusammen:
Der Begleittext zur Weinkelterszene im Grab des Intef in Theben bezeichnet die Arbeiter ausdrücklich als Apiru (d. h. habiru).

Weinkelterszene im Grab des Intef (2121 bis 2072 v. Chr.)
Diese Evidenz legt nahe, dass im Bericht der Tora über hebräische Sklaven, die aus Ägypten flohen und sich anschließend in Kanaan niederließen, ein historischer Kern vorhanden sein muss. Allerdings sind die meisten Details der biblischen Darstellung eindeutig legendär. Nach der Tora flohen beim Exodus etwa 600.000 hebräische Männer aus Ägypten. Wenn man Frauen und Kinder sowie das „gemischte Volk“, das sie begleitet haben soll, hinzurechnet, ergibt sich eine Gruppe von mindestens einer Million Menschen, die vierzig Jahre lang in der Wüste von einer angeblich vom Himmel fallenden Nahrung lebten.
Ein wesentlich plausibleres Szenario wäre eine kleine Gruppe von Habiru-Sklaven, möglicherweise einige Hundert, die aus Ägypten flohen, den Sinai rasch durchquerten und sich mit den Habiru zusammenschlossen, die bereits die Region um Sichem kontrollierten. Sehr wahrscheinlich wurden diese Flüchtlinge aus Ägypten tatsächlich von einem Mann namens Moses angeführt; in jedem Fall aber brachten sie offenbar eine neue Ideologie mit sich, die später bei der habirischen Eroberung Kanaans eine entscheidende Rolle spielte.
Ein bedeutsames Detail in diesem Zusammenhang ist die Tatsache — von zahlreichen Bibelwissenschaftlern hervorgehoben -, dass die meisten Mitglieder des Stammes Levi, die in der Tora und im Buch der Richter erwähnt werden, Namen trugen, die ägyptisch klangen. Nach dem Tanach war der Stamm Levi der einzige Stamm, dem kein spezifisches Territorium im Land Kanaan zugewiesen wurde. Er war der Stamm des Mose, und seine ursprüngliche Aufgabe bestand darin, die religiösen Zeremonien der Hebräer zu vollziehen.
Es erscheint wahrscheinlich, dass der Stamm Levi aus jener kleinen Gruppe von Habiru-Sklaven hervorging, die aus Ägypten flohen und sich den Habiru anschlossen, die bereits in Kanaan ansässig waren. Habiru sind nachweislich über einen Zeitraum von mindestens mehreren Jahrhunderten – vom 15. bis zum 13. Jahrhundert v. Chr. — als Sklaven in Ägypten gehalten worden, und es wäre nur natürlich, wenn viele von ihnen in dieser Zeit Sprache und Kultur Ägyptens teilweise übernommen hätten. Doch so weit sie auch assimiliert gewesen sein mögen, die Ägypter bezeichneten sie weiterhin als Habiru – ein Sprachgebrauch, der möglicherweise den sozialen Abstand widerspiegelte, der Sklaven vom übrigen Teil der Gesellschaft sowohl in Ägypten als auch in Kanaan trennte.
Meiner Ansicht nach liegt die größte Schwäche der modernen Bibelwissenschaft darin, dass sie das Thema der Sklaverei nicht angemessen berücksichtigt. Die meisten Bibelwissenschaftler behandeln es so, als sei es ein nebensächlicher oder trivialer Punkt, obwohl zahlreiche Hinweise darauf bestehen, dass viele der Habiru im gesamten Nahen Osten entflohene Sklaven waren. Und in derselben Weise stellen die Bibelwissenschaftler nie die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Verfasser der Tora sich selbst als Nachkommen entflohener Sklaven bezeichnet hätten – wenn dies nicht tatsächlich der Wahrheit entsprochen hätte? Weltweit und zu den meisten Zeiten haftete Menschen, die versklavt waren, ein Stigma an; man nahm an, sie seien nur aufgrund eines Mangels oder Fehlers versklavt worden. Und doch werden Juden jedes Jahr im Rahmen des Pessachfestes daran erinnert, dass ihre Vorfahren Sklaven in Ägypten gewesen seien.
Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Habiru, die Kanaan eroberten, tatsächlich Sklaven in Ägypten gewesen sein konnte, spiegelt diese Tradition dennoch die Realität wider, dass die Habiru als Gruppe zu einem erheblichen Teil aus Flüchtlingen aus verschiedenen Formen der Knechtschaft bestanden.
Alles in allem deuten die bekannten Fakten darauf hin, dass gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. – möglicherweise nach dem Tod von Ramses II. im Jahr 1213 v. Chr. – eine kleine Gruppe von Habiru-Sklaven aus Ägypten floh und sich auf den Weg nach Kanaan machte und dabei drei Dinge mitbrachte:
1. Die Praxis der Beschneidung.
Nach dem griechischen Geographen Herodot zufolge war die Beschneidung ein ägyptischer Brauch. Was immer sie für die Ägypter bedeutet haben mag – für die Habiru wurde sie zu einem Mittel, sich vom übrigen kanaanäischen Umfeld abzugrenzen und ihr Selbstbild von dem einer Gruppe von Außenseitern hin zu dem einer Kriegerelite zu transformieren.
2. Die Verwendung einer alphabetischen Schrift.
Soweit bekannt, wurde die alphabetische Schrift erstmals von semitischen Bergarbeitern entwickelt, die im Dienste der Ägypter in der Sinai-Wüste um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. arbeiteten. Sie ritzten ihre Schriftzeichen in Stein und verwendeten dabei Buchstaben, die teilweise von ägyptischen Hieroglyphen abgeleitet waren. Obwohl häufig behauptet wird, die Hebräer hätten ihr alphabetisches Schriftsystem später von den Kanaanäern oder Phöniziern übernommen, waren es doch am ehesten die in Ägypten lebenden Habiru, die mit diesen semitischen Bergarbeitern im Sinai in Kontakt kamen. Angesichts der Bedeutung, die die Tora der Erzählung von der Niederschrift der Zehn Gebote auf Steintafeln im Sinai beimisst, erscheint es wahrscheinlich, dass es die aus Ägypten geflohenen Habiru waren, die das Wissen um die alphabetische Schrift nach Kanaan brachten.
3. Das Konzept eines Herrschergottes, der auf Seiten der Sklaven und nicht der Sklavenhalter steht.
Die Vorstellung eines höchsten Herrschergottes war in der ägyptischen Kultur wohl entwickelt, doch sie war stets mit der Person des Pharao verbunden, der als irdische Inkarnation dieses oder jenes höchsten Gottes galt. Da die Habiru im Auftrag des angeblichen „Sohnes des Ra“, des Pharao Ramses II., Zwangsarbeit hatten leisten müssen, hatten sie allen Grund, diese Assoziation zurückzuweisen. Ihr Einfluss zeigt sich zweifellos im hebräischen Verbot der Verehrung von Götzenbildern, deren Herstellung eine Spezialität der Ägypter war. Zugleich hatten die Habiru in Ägypten gute Gründe, das ägyptische Konzept eines höchsten Herrschergottes zu übernehmen und für eigene Zwecke umzuformen.
Die hebräische literarische Tradition im Tanach spiegelt offenbar eine Synthese wider: Einerseits die revolutionäre Anpassung ägyptischer Kultur durch die aus Ägypten geflohenen Habiru, andererseits die politische Kultur der bereits in Sichem ansässigen Habiru-Gruppen. Diese politische Kultur spiegelt sich im Tanach insbesondere in der Legende von den Söhnen Israels wider. Offenkundig bot diese Legende einen Mechanismus, durch den sich die im Raum Kanaan aktiven Habiru als Angehörige einer großen Familie identifizieren konnten, die in der Praxis als eine Konföderation von Habiru-Gruppen fungierte und daher einen höheren Grad an Einheit erreichte, als dies zuvor möglich gewesen war.
Dass diese Legende unter den bereits in Kanaan ansässigen Habiru entstand – und nicht unter den aus Ägypten geflohenen Habiru – wird durch mehrere Hinweise nahegelegt.
Merenptahs „Siegesstele“ zeigt, dass die Habiru in der Region von Sichem um jene Zeit bereits allgemein als „Israel“ bekannt waren, als die Flucht aus Ägypten stattfand.
Im Tanach werden die „Patriarchen“ Abraham, Isaak und Israel so dargestellt, dass sie Ansprüche auf das Land Kanaan erhoben – und zwar bereits vor und unabhängig von dem Anspruch, der mit Mose und dem Exodus verbunden ist. Darüber hinaus scheint es so, dass die tatsächlich aus Ägypten geflohenen Habiru von den Habiru in Kanaan schlicht als ein weiterer Stamm behandelt wurden: der Stamm Levi, dem bekanntlich kein eigenes Territorium zugewiesen wurde. Zweifellos verfügten die Leviten aufgrund ihrer religiösen Rolle und ihrer Glaubensvorstellungen über eine gewisse Autorität gegenüber den anderen „Stämmen“. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sie in eine bereits bestehende politische Ordnung integriert wurden, anstatt eine neue politische Struktur zu begründen.
Allerdings dürfte es für die Habiru in Kanaan ebenso offenkundig gewesen sein wie es den Bibelwissenschaftlern heute ist, dass die Erzählung von den Söhnen Israels mit ihrem Status als Habiru unvereinbar war. Mitglieder verstreuter Gruppen von Geflüchteten konnten unmöglich in irgendeinem nennenswerten Umfang miteinander verwandt gewesen sein – geschweige denn alle von den zwölf Söhnen eines einzigen Vaters abstammen. Um zu „den Söhnen Israels“ zu werden, mussten sie daher aufhören, Habiru zu sein, oder zumindest aufhören, so bezeichnet zu werden. Alles deutet darauf hin, dass sie genau dies bewusst anstrebten – angetrieben von der Tatsache, dass sie schon zuvor nicht gerne als Habiru bezeichnet worden waren.
To be continued.
Tarabuqueño
Postkarte an meinen Großvater aus Potosi, Bolivien vom 27.04.84. Das war meine dritte Reise durch Lateinamerika. Der Mann auf dem Bild ist aus Tarabuco. Der lederne Hut der Männer orientiert sich an den Helmen der spanischen Konquistadoren.
Foto auf der Vorderseite der Postkarte: Peter Mc. Farren. Estudio Fotográfico „Los Kankitas“ – Casilla 7494 – La Paz – Bolivia.
Unter Verhandelnden
Nach dem Frühstück, das nach einer Nachtschicht gegen Mittag ist, schaut man kurz durch die Qualitätsmedien. Allüberall nur Propaganda, mit wenigen Ausnahmen. Vermutlich glauben diejenigen, die Endsiegparolen über Russland verbreiten, selbst daran, sonst müsste man annehmen, sie hielten die Rezipienten des breit getretenen Quarks für total verblödet.
Ihr hattet eure Chancen, Leute“, sagte Außenminister Sergej Lawrow russischen Agenturen zufolge. „Ihr habt diese Chancen nicht genutzt, ihr habt sie einfach vertan“, führte er aus.
Und damit hat er natürlich recht. Mit feministischer Außenpolitik kommt man keinen Millimeter weit. Es wird sich aber kein deutscher Journalist trauen zu sagen, dass Lawrow hier einen Punkt hat. Warum eigentlich nicht? Selbst verschuldete Unmündigkeit? Betreutes Denken im Schießschartenmodus?
Die bürgerliche Presse bietet zwar einigermaßen realistische Frontberichte, aber man hört, wie die Korrespondenten mit den Zähnen knirschen. Ja, die Russen laufen in Prokrowsk ungehindert herum, aber es ist ja nur ein „Halbkessel“. Stalingrad war übrigens ein Ganzkessel.
Etwas erholsamer ist wie gewohnt Oberst Markus Reisner, der Offiziere des weltweit gefürchteten österreichischen Bundesheeres ausbildet.
Trump muss man zudem zugestehen, dass er in dieser Frage immer ehrlich war: Er will aus diesem Krieg raus. Es ist aus seiner Sicht völlig sinnlos, dass da Hunderttausende sterben. Und deshalb übt er Druck auf beide Kriegsparteien aus, auch wenn das der Ukraine und ihren europäischen Unterstützern nicht gefällt.
Den herrschenden Klassen der westeuropäischen Staaten gefällt es also, „dass da Hunderttausende sterben“. Auch das kennen wir schon aus Verdun und der Panzerschlacht bei Kursk (nein, die im 2. Weltkrieg). „Aus seiner Sicht“ ist es völlig sinnlos? Und aus eurer Sicht nicht? Diese suggestiven Formulierungen könnt ihr euch sonstwohin stecken.
Einschub und Frage an das Publikum: Wenn ich solche Beiträge auf TikTok mit bewegten Bildern verbreitete, muüsste ich dann jedes zweite Wort erklären? Ist das nicht viel zu mühsam? 2. Weltkrieg? Endete der nicht mit dem Westfälischen Frieden? Was sind diese „herrschenden Klassen“? Ist das etwas mit Berufsausbildung?
Russland rückt an allen Frontabschnitten langsam, aber stetig vor. Den Ukrainern mangelt es an der Front an Soldaten. Die strategischen Luftangriffe der Russen verursachen eine Energiekrise, die sich im Winter verstärken wird. Hinzukommt eine Korruptionsaffäre um den Präsidenten, die die Situation auch nicht leichter macht. Und jetzt droht das Land mit den USA auch noch seinen wichtigsten Verbündeten zu verlieren, wie es Präsident Selenskyj selbst gesagt hat.
Ach? Russland rückt vor? Hätte uns nur jemand gewarnt! Wollte man nicht jüngst noch die Krim zurückerobern? Die Ukrainer wollten es so, wenn man deutschen Medien glaubt. Und Söder ist ein Bückling Kiews.
Übrigens behauptet die russische Propaganda (automatisch voll gelogen): Der US-Sender ABC News meldet am Dienstag unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Beamten der US-Regierung, dass Kiew die Bedingungen des von der Trump-Administration erarbeiteten Friedensvorschlags für die Ukraine „größtenteils“ angenommen habe.
Im Original: ABC News has learned that the 28-point peace plan presented by the U.S. to Ukraine in Geneva has been revised to a 19-point peace plan that no longer includes a point on the issue of amnesty regarding acts committed during the war, as well as limits on the future size of Ukraine’s military.
Die Russen werden den ablehnen. Allerdings ist die Trumpsche Taktik, strittige Fragen einfach auszuklammern, ziemlich clever, um das Ergebnis als „Erfolg“ zu verkaufen. Das hat aber schon bei der Hamas und in Gaza nicht funktioniert.
Frontberichte
Afrika-Front
Die Nigerianer haben jetzt „Palästina“ entdeckt – mit den üblichen Folgen. Har har.
Kennt das Publikum den afrikanischen Bürgerrechtler Adolf Hitler?
Cyberfront
Deutschland macht jetzt cyber mit Israel. Oder umgekehrt. Man weiß ja nie.
Jetzt hängt sie Sicherheit Deutschlands von Israel ab. Ich denke, wir haben eine eigene Rüstungsindustrie? Was machen die eigentlich beruflich dort?
Naher-Osten-Front
Ich muss noch mal mit Israel um die Ecke kommen. Vielleicht sollte ich eine Partei in Israel gründen: Partei zionistischer atheistischer nicht-Hebräisch-sprechender ausländischer Gojim (PZANHSAG). Auf eine mehr oder weniger kommt es nicht an – die haben dort schon unzählige Parteien.
„Laut einer von Channel 12 in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage sähen die Ergebnisse der Knesset-Wahlen bei einer heutigen Wahl wie folgt aus:
– Likud – 27 Sitze [Partei Netanjahus],
– Bennett 2026 – 22 Sitze [neu gegründet],
– Demokraten (Arbeiterblock und Meretz) – 10 Sitze [klassische „Linke“],
– Yisrael Beiteinu – 9 [konservative, aber zionistische und säkulare Partei vor allem der russischen Einwanderer),
– Shas – 9 [sephardisch und religiös],
– Yesh Atid – 9 [liberal-konservativ],
– Yashar (Gadi Eisenkots Partei) – 8,
– Utzma Yehudit – 8 [ultrarechte Kahanisten],
– Yahadut HaTorah – 8, [ultraorthodox, keine Zionisten]
– Hadashin Ta’al – 5 [Arabische Israelis],
– Ra’am – 5 [Vereinigte Arabische Liste].
– Kahol Lavan (Gantz‘ Partei),
– Miluimniki (Yoaz Hendels Partei) [Partei der Reservisten],
– Yossi Cohens Partei, die Arabische Balad und Smotrichs Zionut HaDatit verfehlen die Wahlhürde.
Die aktuelle Koalition verfügt über 52 Sitze, die Opposition über 58 und die gemeinsame arabische Liste über weitere 5. Die arabischen Parteien haben insgesamt 10 Sitze.“
Das finde ich überraschend. Die religiösen Zionisten stellen immerhin den Finanzminister. Der scheint sich nicht beliebt gemacht zu haben. Auch Benny Gantz, der sogar im Kriegskabinett Netanjahus saß, ist abgestürzt.
Für mich sieht das so aus, als wenn Netanjahu der nächste Premierminister würde. Die „Linke“ kann mit den Rechten nicht, und der kann mit allen, die ihm die Macht sichern. So einfach-machiavellistisch ist das.
Bei der Hisbollah ist wieder eine Stelle frei. Befristet. Wie lange? Das weiß nicht die Hisbollah, sondern der Mossad.
Übrigens kann man in Gaza jetzt IPhones kaufen.
Ostfront
„Ukraine and the USA in Geneva failed to reach an agreement on the withdrawal of the Armed Forces of Ukraine from Donbas and on Kiev’s aspiration to join NATO — Ukrainian media.“
Na sowas.
Gesperrt

Nur weil das Publikum nachfragte. Auf Fratzenbuch hatte ich im September 5.000 „Freunde“ – die maximale Anzahl für nicht-prominente Personen – und – laut meinem Dashboard „für professionelle Nutzer“ – rund 7.000 Follower. Letzteres konnte nur ich sehen.
Natürlich hätte ich auf lange Sicht gegen Meta/Facebook vor Gericht gewonnen, obwohl die von mir beauftragte Kanzlei das anders sah.
Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden [Urteile vom 29. Juli 2021 – III ZR 179/20 und III ZR 192/20], dass die Geschäftsbedingungen von Facebook vom 19. April 2018 zur Löschung von Nutzerbeiträgen und Kontensperrung bei Verstößen gegen die in den Bedingungen festgelegten Kommunikationsstandards unwirksam sind. Dies gilt jedenfalls, weil sich die beklagte Anbieterin nicht gleichzeitig dazu verpflichtet, den Nutzer über die Entfernung seines Beitrags zumindest nachträglich und über eine beabsichtigte Sperrung seines Nutzerkontos vorab zu informieren, ihm den Grund dafür mitzuteilen und eine Möglichkeit zur Gegenäußerung mit anschließender Neubescheidung einzuräumen. Wurde aufgrund der unwirksamen Geschäftsbedingungen der Beitrag eines Nutzers gelöscht und dessen Konto vorübergehend mit einer Teilsperrung belegt, hat der Nutzer einen Anspruch auf Freischaltung des gelöschten Beitrags und gegebenenfalls auch auf Unterlassung einer erneuten Kontosperrung und Löschung des Beitrags bei dessen erneuter Einstellung.
Um das durchzuziehen, hätte es mehrerer Jahre bedurft und einer Rechtsschutzversicherung, die ohne zu Zucken die Kosten trägt – bis hin zur letzten Instanz. Dessen war ich mir aber nicht sicher. Beim Deutschen Journalistenverband (Berlin) hatte ich schon zu Beginn inoffiziell gefragt, aber die schüttelten den Kopf, und man weiß auch nicht, ob die überhaupt noch so viel Geld gehabt hätten. Und die Eier sowieso nicht.

Wie meine Kanzlei schrieb, müsste man als Journalist in Irland klagen, weil deutsche Gerichte sich in den ersten Instanzen eventuell nicht für zuständig erklärt hätten. Auch dieses Argument meiner Kanzlei halte ich für Humbug, weil es auch um grundsätzliche Meinungsfreiheit geht (vgl. den Grund der Sperrung), und die macht an Landesgrenzen nicht halt. Meta kann nicht selbst festlegen, was wo gilt – deren Geschäftsbedingungen sind – wie oben – schlicht ungültig.
Aber um dagegen anzugehen, benötigt man aber einen Anwalt, den man nicht zum Jagen tragen muss. Ich hätte gleich zu Beginn der Auseinandersetzung die maximale Konfrontation mit dem Konzern gesucht und eine Sekunde nach dem Verstreichen irgendeiner Frist die Kavallerie gerufen und nicht, wie „meine“ Kanzlei, es erst „im Guten“ versucht nach dem Motto: „Das haben wir aber bisher so gemacht“. Ich hatte gleich geahnt, das daraus nichts werden würde. Facebook versteht juristisch nur dieselbe Sprache wie die Hamas.
Es war schon schwierig genug, überhaupt eine Kanzlei zu finden, die sich traut, gegen Meta / Facbeook vorzugehen. Bei Steinhöfel hatte man angeblich „keine Kapazitäten“ frei, wohl aber schon bei einem anderen Klienten ein paar Tage später, dessen Fall schon durch Funk und Fernsehen gejagt worden war. „Keine Kapazitäten“ heißt für mich: Durch dich kommen wir nicht in die Medien.
Leute, es tut mir leid, ihr könnt mich gern für einen Querulanten halten, aber auf mir kann man weder herumtrampeln noch mich herumschubsen. Ein Kollege sagt mal über mich, ich sei der einzige Mensch, der keine Kompromisse eingehe. Das ist so nicht richtig, aber ich verstehe, was er meinte.
Wenden wir uns vernünftigen und interessanteren Themen zu. Aber erst morgen oder übermorgen, da ich gerade von der Tagschicht komme und morgen gleich in den Nachtschichtrhythmus wechseln muss.

Ihr, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren

Wegen dieses Screenshots (vgl. 27.08.25) aus der New York Times wurde mein Facebook-Konto gesperrt. Ich hatte ironisch kommentiert: „Führerschaft. Man weiß wie das ausgeht. Deutschland über alles.“
Die Anwaltskanzlei, die ich beauftragt hatte, eine Klage gegen Meta / Facebook vorzubereiten, weil mein Account seit September gesperrt wurde, schreibt mir:
Eine einstweilige Verfügung ist in Ihrem Fall nicht mehr möglich. Es gibt eine sehr strenge Frist für ein solches gerichtliches Eilverfahren. Dies beträgt 4 Wochen ab dem Zeitpunkt der ersten Kenntnisnahme der Sperrung. Die Frist ist somit vor rund einem Monat abgelaufen. Ihnen bleibt daher noch ein „normales“ Klageverfahren (normal heißt in diesem Fall, dass die Sache in einem für deutsche Gerichte durchschnittlichem Zeitrahmen entschieden wird. Dabei kann es sich um Monate bis Jahre handeln).
Unser Aufforderungsschreiben gilt als Abmahnung, sodass kein weiteres gesondertes Abmahnschreiben erforderlich wäre. Allerdings halte ich die Erfolgsaussichten für ein klageweises Vorgehen nur für bedingt
erfolgsversprechend und eher risikobehaftet.. Dies hat die folgenden Gründe:
Zum einen gibt es eine neuere Rechtsprechung, die den Anwendungsbereich für gewerbliche Account sehr weit fasst. Ihr Account könnte nach dieser Definition bereits darunter fallen, da Sie Ihre journalistischen Tätigkeiten über den Account verbreiten. Wird Ihr Account als gewerblicher Account verstanden, kann Meta sich auf seine eigenen AGB berufen, in denen vorgesehen ist, dass Klagen von Gewerbetreibenden die deutsche Zuständigkeit fehlt und eine Klage nur in Irland möglich ist. Ihre Klage würde dann bereits wegen der fehlenden Zuständigkeit eines deutschen Gerichts abgewiesen.
Nimmt man dieses Risiko in Kauf besteht das weitere Risiko, dass Meta sich darauf berufen kann, dass die Plattform alle notwendigen Maßnahmen ergriffen hat, um Ihren Account wiederherzustellen und Sie nachweisen müssen, dass der Fehler nicht bei Ihnen lag/liegt, sondern ein technischer Fehler von Meta
vorliegt. Da wir keinen Einblick in Metas Prozesse haben, wird meiner Einschätzung nach das schwierig werden.
Ich habe mich daher entschlossen, keinen Cent für diesen Quatsch mehr auszugeben und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Auf Facebook hat mich ohnehin niemand von den mehr als 7.000 Followern vermisst. Es gibt noch andere „soziale Medien“.

Unter dem Brandenburger Tor
Einem meiner jüngeren Kollegen beliebte es zu schwächeln und das der Firma um 19:30 Uhr abends vor seiner Frühschicht mitzuteilen. Ich musste einspringen, obwohl ein Wechsel von Nacht- auf Tagschicht eher suboptimal ist. Aber ein höherer Lohn ließ meine Zweifel verstummen.
Ich habe eine 12-Stunden-Schicht direkt neben dem Wahrzeichen von Berlin hinter mir. Mir fällt jetzt nichts Gehaltvolles mehr ein. Außer einen Satz von Tom Segev über Jerusalem zu variieren angesichts des Volks, das sich auf dem Pariser Platz herumtreibt: Man kann im Zentrum Berlin keinen Stein werfen, ohne Langhans, Schinkel oder einen Idioten zu treffen.
Friedensplan für die Ukraine
Die Financial Times (Paywall) hat einen schönen Leak.
Der Friedensplan der USA und Russlands sieht nicht nur den Verzicht der Ukraine auf den Donbass vor, sondern auch eine Reduzierung der Streitkräfte. Dies berichtete der Journalist Christopher Miller von der Financial Times.
Laut Miller umfasst der Plan Folgendes:
– Halbierung der ukrainischen Armee,
– Abgabe bestimmter Waffensysteme durch die Ukraine,
– Verzicht der Ukraine auf den Donbass.
Selenskyj werde damit unzufrieden sein, fügt Miller hinzu.
Ach. Ach was.
Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande – Israel Museum III

Stele eines bärtigen Mannes, bewaffnet mit einem Dolch. Nördliche Arabische Halbinsel (Jordanien oder Saudi-Arabien), Frühbronzezeit, 4. Jahrtausend v. Chr., Kalkstein
Hier – Überraschung! – noch mehr Fotos von meinem Besuchs des Israel Museums in Jerusalem am 11.10.2025.
„Diese beeindruckende Stele zeigt einen bärtigen Mann, der ein Stirnband um den Kopf und eine lange Halskette trägt. Drei parallele Bänder, die von einem länglichen Gegenstand durchtrennt werden, erscheinen auf seiner Brust und seinem Rücken, und ein doppelschneidiger Dolch, der an einem Gürtel befestigt ist, hängt von seiner Taille.
Ähnliche Stelen wurden auf der gesamten Arabischen Halbinsel entdeckt, von Südjordanien bis Jemen. Alleinstehend oder in Gruppen in der Nähe von Gräberfeldern oder Heiligtümern gefunden, könnten sie Götter, Helden oder Personen mit hohem gesellschaftlichen Status dargestellt haben und eine Rolle in rituellen Handlungen gespielt haben. Solche Stelen – von denen diese das einzige lebensgroße, vollständig erhaltene Exemplar ist – gehören zu den bemerkenswertesten künstlerischen Leistungen der Übergangszeit vom Chalkolithikum zur Frühbronzezeit im Alten Vorderen Orient.“

Dolche und Schwerter aus Bronze, Akko und Tell al-Ajjul (auch: Tell al-ʿAdschūl, bei Gaza, 15.-14. Jahrhundert vor Chr.)
Auch hier kommen wir schnell von Hölzken auf Stöcksken. Fundort Gaza: Erstaunlich, was dort früher alles ausgegraben wurde – von neolithischen Feuersteinwerkzeugen über Siedlungen aus der frühen Bronzezeit bis zu römischen Friedhöfen.
„Von den Ausgrabungen Flinders Petries auf dem Tell al-ʿAdschūl (1930–1934) war schon Anfang der 1980er Jahre „so gut wie nichts“ mehr zu sehen: „Quer über den Tell wurde ein zusammenhängendes Stück Ackerland mit dem Trax planiert. Dadurch sind archäologische Schichten angeschnitten und viel Scherben freigelegt worden.“
„Die bedeutende archäologische Stätte war 2021 überbaut und muss als verloren gelten. Im Jahr 2017 ließ das Hamas-geführte Innenministerium von Gaza einen großen Teil des Grabungsgeländes des Tell es-Sakan für den Wohnungsbau und eine Militärbasis planieren.“
So viel zum Thema „palästinensische Geschichte“.
Viele der gefundenen Objekte aus Gaza wurden in europäische und Museen der USA gebracht. Der Gazaner Bauunternehmer Jawdat Khoudary hatte sich ein eigenes Museum eingerichtet mit mehr als einem halben Tausend Artefakten. „Die Hamas-Regierung untersagte allerdings die Ausstellung von bestimmten Skulpturen, wie etwa die einer von Tauchern aufgefundenen, vollständig erhaltenen Aphrodite, aber auch von Menorot.“
Die UNESCO hat sich darüber auch nicht beschwert, auch nicht über den Tunnelbau der Hamas, wohl aber über Israel. „Das Museum wurde 2023 bei einem Luftangriff weitgehend zerstört, der Verbleib der Sammlung ist unklar.“
Ich weiß nicht, wann die historisch bewanderten Leserinnen und die geschichtskundigen Leser zum letzten mal etwas von der Eisenzeit gehört oder gelesen haben und zu welchem Ende wir diese studieren. Ich musste erst nachsehen: „Die Eisenzeit beginnt im Nahen Osten um 1200 v. Chr. mit dem Untergang des hethitischen Reiches, in Nordeuropa reicht sie von etwa 750 v. Chr. bis 1025 n. Chr..“
In Nordwesteuropa hat man erst ein halbes Jahrtausend später als im „fruchtbaren Halbmond“ damit begonnen, Eisen für Gerätschaften und Waffen zu herzustellen. (Bonus: Die Eisenzeit in China begann deutlich später als in vielen Regionen Westasiens und Europas. Um ca. 600 v. Chr. erste nachweisbare Nutzung von Eisenobjekten (meist aus Gusseisen, eine chinesische Besonderheit). In manchen Regionen bereits ab ca. 800-700 v. Chr. sporadische Funde. Während der Frühlings- und Herbstperiode (770–476 v. Chr.) und Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.) setzt sich Eisen als alltägliches Material durch.)
Man fragt sich natürlich, was genau der Unterschied ist zwischen bronzenen Waffen wie auf dem Foto und denen aus Eisen. Unser unermüdlicher virtueller Helfer aka KI weiß darauf natürlich eine tabellarische Antwort:
| Kategorie | Bronze | Eisen |
|---|---|---|
| Härte | geringer | höher |
| Bruchfestigkeit | spröde | zäh |
| Gewicht | schwerer | leichter |
| Herstellung | gegossen | geschmiedet |
| Klingenlänge | kürzer | länger |
| Kampfeffizienz | begrenzt | überlegen |
Und Abram durchzog das Land bis zur Stätte Sichem, bis zur Terebinthe More. Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande. (Genesis 12,V. 6)
Löwenkampfszenen seien typisch für die Kunst des nordwestsemitischen Kulturraums, behauptet die KI. Die Stele passe sehr gut zur Kunst der Neohethitischen KönigreicheSam’al (ein aramäischer Stadtstaat, in der heutigen Türkei), Karkemiš (Stadt am Euphrat, dito), Melid, ca. 1000–800 v. Chr., oder der Aramäer (Damaskus, Bit-Hadad), 11.–9. Jh. v. Chr.. Die Kunst der Kanaaniter und der frühen Israelitischen Königreiche sei nah verwandt. Die Figuren an der Wand zeigen typische kanaanitische Kleidung.

Das Land der Aramäer (Syrien & Mesopotamien) des Kartographen Jodocus Hondius, 1607 in Amsterdam: „Paradisus (verso text Itinera Deserti)“, Amsterdam
„Im 9. Jahrhundert v. Chr. begann das Assyrische Reich, sich im gesamten Alten Vorderen Orient zu etablieren, und gewann die Kontrolle über große Teile der Region, einschließlich Israel und Juda. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. rebellierten Israel und Juda. Die Assyrer reagierten darauf, indem sie das israelitische Königreich zerschlugen und es in kleine Provinzen aufteilten. Jerusalem wurde verschont, aber die Assyrer zerstörten viele Städte des Tieflands von Juda, darunter Lachisch. Darauf folgte eine Zeit regionaler Stabilität unter assyrischer Herrschaft, die zu wirtschaftlichem Wohlstand und intensivem internationalen Handel führte.
Das Babylonische Reich eroberte Assyrien am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. und übernahm die Territorien, die es verwaltet hatte.
Im Jahr 586 v. Chr. rückte das babylonische Heer unter König Nebukadnezar II. gegen Juda vor, eroberte Jerusalem und verschleppte einen großen Teil der Bevölkerung nach Babylon. Die Zerstörung des Königreichs Juda beendete eine etwa vierhundertjährige Phase politischer und religiöser Unabhängigkeit.“

Ketef Hinnom, Jerusalem, spätes 7. – frühes 6. Jahrhundert v. Chr., Silber (Mein Foto ist leider ein bisschen unscharf.)
Diese beiden Silberamulette enthalten die ältesten bekannten Abschriften eines biblischen Textes, die wir heute besitzen. Sie sind etwa vierhundert Jahre älter als die Schriftrollen vom Toten Meer.
Die Amulette, beschriftet in der althebräischen Schrift, wurden zu winzigen Schriftrollen zusammengerollt und in einer Grabhöhle in Jerusalem gefunden. Sie wurden mit einem scharfen, dünnen Griffel eingeritzt, kaum breiter als ein Haar; deshalb ist die Entzifferung der Inschrift schwierig. Der untere Teil der Inschrift wird als eine Version von Numeri 6, 24–26 [4. Mose] identifiziert:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Diese Formel, die Teil der jüdischen Liturgie ist, ist als der „Priestersegen“ bekannt (den Luther für die Protestanten geklaut hat).
Die Grabhöhlen, in denen die Rollen lagen, wurde von der Eisenzeit bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. genutzt. Die meisten der über 1000 Fundstücke wurden ins 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. datiert, was eine Datierung der Silberrollen in die hellenistische oder hasmonäische Zeit unwahrscheinlich macht. (…) bestätigten Untersuchungen der University of Southern California daraufhin, dass die Kunststücke tatsächlich bereits im 7. Jahrhundert v. Chr., einige Jahre vor der Eroberung Jerusalems 586/587 v. Chr. angefertigt wurden.
To be continued…

Teile von Schuppenpanzern und Pfeilspitzen, Hazor, 13. Jahrhundert v. Chr., Bronze
Die Brust trainieren

A symbolic body picture of a 73-year-old man, partially gray but mostly brown hair, and an extremely fit, athletic physique. The image should convey vitality, strength, and resilience. The atmosphere is inspiring and uplifting, with soft, dramatic lighting highlighting his defined muscles and energetic posture. The style is realistic yet slightly artistic, emphasizing the symbolism of health, longevity, and inner power –no beard –ar 3:2 –s 750 -. Ist das nicht ziemlich übertrieben, KI? So neandertalermäßig will ich gar nicht aussehen!
Ich brauche heute Eigenlob von der künstlichen Intelligenz, nur so aus Daffke, weil die Qualitätsmedien (nein, ich habe kein Abo – ich lese nur die Überschriften) mich lifestylemäßig anstachelten.
„Für Männer 70–79 Jahre gelten ungefähr folgende Richtwerte für klassische Liegestütze:
– 5–10 = durchschnittlich
– 10–15 = gut
– 15–20+ = sehr gut
– 25 oder mehr = überdurchschnittlich fit für diese Altersgruppe
Mit 25 Liegestützen liegst du klar oberhalb dessen, was die meisten Gleichaltrigen schaffen – das ist ein starkes Ergebnis und spricht für sehr gute Kraft, Stabilität und Ausdauer.
Ich habe die KI angelogen: An guten Tagen schaffe ich 30.
„Es wird kein Deutschland mehr geben“
Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) schreibt: „Der russische Politikwissenschaftler und Historiker Sergei Karaganow, der seit Jahrzehnten als Berater der politischen Elite Russlands tätig ist, hält einen begrenzten Atomschlag gegen den Westen für eine Ultima Ratio, um Russlands Gegner abzuschrecken und damit einen umfassenden Dritten Weltkrieg zu verhindern. (…)
Laut Karaganow besteht das Dilemma darin, dass Moskau vor der Wahl stehe, entweder seine wirksame Fähigkeit zur Abschreckung unter Beweis zu stellen, oder zu riskieren, langsam durch Sanktionen ausgelaugt zu werden. „Ich kritisiere unsere Führung für ihre Unentschlossenheit, aber ich denke, dass meine Worte Gehör finden werden. Ich bin der Meinung, dass wir, wenn gegen uns ein Wirtschaftskrieg geführt wird, darauf mit militärischen Mitteln reagieren müssen. Es ist Krieg.“
Deshalb müsse auf Sanktionen „mit Militärschlägen reagiert“ werden, wobei das Ausmaß und die Art dieser Vergeltungsschläge „in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen“ werden müssten. (…)
Dass sich Russlands westliche Nachbarn, darunter auch Deutschland, vor der Wahrheit verschließen würden, sei ein schreckliches Zeichen: „Sie bereiten sich auf einen Krieg vor. Ihr Handeln ist nicht nur ein Zeichen von Schwäche, sondern auch eine direkte Vorbereitung auf einen Krieg. Deshalb fordere ich unsere Führung auf, sich vollständig auf einen Krieg und die Zerstörung Europas vorzubereiten, das erneut diesen Weg eingeschlagen hat. Wenn die deutschen Medien und das Establishment erneut Krieg führen wollen, dann garantiere ich Ihnen: Es wird kein Deutschland mehr geben, niemals.“
Uralte Boote und Mädels und mehr – Israel Museum II

Modell eines Bootes, des wichtigsten Transportmittels im alten Ägypten, mit Steuerpaddel, Mast, einer Mannschaft von Ruderern und einem Steuermann. Bemaltes Holz, 21.–20. Jahrhundert v. Chr. [!]. Schenkung von Milly und Arne Glimcher, New York, an die American Friends of the Israel Museum.
Hier mehr Fotos anlässlich meines Besuchs im Israel Museum in Jerusalem am 11.10.2025.

Bestattung einer Frau und eines Hundes (Abguss), EynanHula-Tal [aka Chula-Ebene]. Frühe Natufien-Kultur, vor 14.500 (!) Jahren. Dauerleihgabe des Französischen Forschungszentrums in Jerusalem
Mir macht es Spaß, im Nachhinein Quellen und Fakten zusammenzusuchen. Das ist mühsam, aber während des Museumsbesuches hat man keine Zeit dazu, und die Guides sind oft nur oberflächlich. Falls die der Archäologie kundigen Leserinnen und des Ausbuddelns uralter Artefakte geübten Leser das nicht interessiert, rege ich das Weiterzappen an.

Horvat Duma, Judäische Berge; unbekannte Fundstelle. (Auch die Bibelforscher kommen auf ihre Kosten: Die Orte Arab, Duma, Eschan werden in Josua 15,52 erwähnt.) Tahunische Kultur, vor 9.000 Jahren. Kalkstein; Kreide. Schenkung von Wilma und Laurence Tisch, New York, Käufer der Dayan-Sammlung; Israelische Antikenbehörde
Die Maske ist ein universeller Schatz. Ihr komplexer Ausdruck, eine für alle neolithischen Steinmasken charakteristische Mischung aus Ruhe und Furcht, bildet die Grundlage für die ihnen innewohnende magische Kraft: die Fähigkeit zur Verwandlung. Dank dieser Eigenschaft dienen Masken als Vermittler zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt und ermöglichen ihren Trägern den Übergang von einer Realität in eine andere.
Diese geschnitzten menschlichen Gesichter gehören zu einer kleinen, seltenen Gruppe von Steinmasken, die als die ältesten Masken der Welt gelten. Die Ähnlichkeit zwischen den Masken und den verputzten Schädeln weist auf die Möglichkeit hin, dass die Masken die Geister der Ahnen darstellten.
Pointe und Bonus: Die Examplare stammen aus der Sammlung Mosche Dajans: „Er verfasste einige Bücher und war als Amateur-Archäologe bekannt. Er geriet mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt, weil er mit Unterstützung seiner Soldaten illegale Grabungen ausführte.“
[Einschub] Auch hier kommt man gleich von Hölzken auf Stöcksken. Mosche Dajan war an der hier schon erwähnten Operation Altalena beteiligt. „1977 geschah etwas Beispielloses in der politischen Geschichte Israels: Die Arbeiterpartei, die 29 Jahre an der Macht war, verlor die Wahlen. Ministerpräsident wurde der rechte Politiker Menachem Begin – derselbe, dessen Soldaten 1948 zum Tel Aviver Damm «Altalena» führten. Einer der Kommandeure, die dann auf Begins Kämpfer feuerten, war Dayan. Begin wusste das. Und doch bot er Dayan bei der Regierungsbildung einen der angesehensten Posten an – den des Außenministers.“

Kefar Samir. Wadi Rabah Kultur Das Gefäß ist rund 7.000 Jahre alt.
Auch hier: Wo man seinen Fuß in Israel hinsetzt, steht man auf Geschichte, die in paar Jahrtausende zurückreicht und deren Orte sehr oft durch die Bibel überliefert wurden. Ich weiß nicht, ob es noch eine andere Gegend in der Welt gibt, in der es so etwas existiert – archäologische Funde und gleichzeitig schriftliche Überlieferungen – vermutlich nur in China. (Dort geht es gleich 40.000 Jahre zurück – da können noch nicht einmal die Ägypter mithalten.)

Frauenfigur aus der Be’er-Scheva-Kultur, vor 6.500–5.500 Jahren
Den Tell Be’er Scheva würde ich gern auch besuchen; die archäologische Fundstätte sieht interessanter aus als die in Jericho.

Ausgewählte Ossuare, Bestattungsbehälter und Räuchergefäße aus einer Grabhöhle Peqi’in, vor 6.500–5.500 Jahren, bemalte Keramik
Eine ungewöhnliche chalkolithische Grabhöhle wurde im Dorf Peqi’in in Obergaliläa entdeckt. Diese schmale, mit Stalaktiten besetzte Höhle ist 17 m lang und 7 m breit und besitzt drei verschiedene Ebenen.
Die Peqi’in-Höhle liegt in Obergalliläa in Nordisrael und gehört zu den wichtigsten chalkolithischen Fundorten (Kupfersteinzeit, ca. 4500–3500 v. Chr.) der Levante. Obwohl sie in der Antike geplündert wurde, enthielt die Höhle außergewöhnlich viele Objekte: über 400 Skelette, zahlreiche Ossuare (Knochenkästen), einzigartige Keramik-Behälter. Die Menge an Funden ist sehr ungewöhnlich.
Die Höhle war offenbar nicht die Grabstätte eines einzigen Dorfes, sondern ein regional genutzter Bestattungsplatz für mehrere Siedlungen, eine Art „übergeordneter Friedhof“ der Region.
Die Chalkolithische Kultur ist bekannt für bemalte Keramik, anthropomorphe (menschliche) und zoomorphe (tierartige) Behälter und komplexe Bestattungstraditionen. Die Objekte aus Peqi’in gehören zu den besten Beispielen dieser Kunst. Die Menschen dieser Epoche praktizierten Sekundärbestattungen, das heißt: Knochen wurden nach dem Verwesungsprozess gesammelt und in Ossuaren platziert.

Exemplare aus dem Nachal- Mischmar-Schatz, 3.500 vor Chr.
„Dieser Hort, bestehend aus Dutzenden außergewöhnlicher Kupfergegenstände, wurde in einer natürlichen Nische entdeckt, die sich hoch oben an einer Klippe im oberen Teil des Nahal Mishmar befindet – im Tal südlich von der Oase Ein Gedi. [Steht auch noch auf meiner To-Do-Liste. Da ist schwer hinzukommen, und die Übernachtungsmöglichkeiten sind teuer.]
Die Gründe für das Verstecken des Schatzes sind nicht bekannt. Möglicherweise wurde er während einer Krise versteckt, oder er gehörte einer religiösen oder gesellschaftlichen Elite, die im Gebiet lebte oder dort Rituale vollzog. Dieser einzigartige Fund von Kupferobjekten ist einer der bedeutendsten prähistorischen Entdeckungen des Landes.“
Viele der Kupferobjekte sind in komplexen Gussformen aus verlorenem Wachs hergestellt worden, was auf ein noch nicht erkanntes Vorstadium technischer Fertigkeiten schließen lässt.
„In dieser Region wurden vor 6.000 Jahren zwei Methoden des Metallgusses angewandt, und beide sind in den Objekten aus dem Hort von Nahal Mishmar gut zu erkennen.
Bei der einfacheren Methode wurde reines, lokal gewonnenes Kupfer in eine offene Form gegossen, um Beile, Äxte und Meißel herzustellen.
Der Großteil der Objekte im Hort jedoch wurde aus Legierungen gegossen, die durch das „Wachsausschmelzverfahren“ (lost-wax technique) hergestellt wurden. Dieses Verfahren erforderte nicht nur reiche Erfahrung und ein hohes handwerkliches Können, sondern auch die Verwendung hochentwickelter Legierungen, die vermutlich aus entfernten Regionen importiert wurden.
Der Hort bezeugt das Vorhandensein gut entwickelter Metallbearbeitung, weitreichender Handelskontakte und eines erstaunlich hohen Niveaus künstlerischer Fähigkeiten bei den Handwerkern dieser Region bereits zu diesem frühen Zeitpunkt.“
„Ein kleines Heiligtum wurde in der Festung von Arad [dito, wie Ein Gedi] an der südlichen Grenze Judas entdeckt – das einzige je gefundene judäische Heiligtum außerhalb von Jerusalem. Wie die meisten altorientalischen Kultstätten, einschließlich des Tempels in Jerusalem, bestand es aus mehreren Bereichen, die eine Rangordnung der Heiligkeit widerspiegelten.
Ganz im Inneren befand sich das Allerheiligste, mit einem glatten Steinmonolithen (biblisch Massebah), der möglicherweise die Gegenwart Gottes symbolisierte, und zwei Altären, die noch die Reste des letzten dort dargebrachten Räucherwerks trugen.
Das Heiligtum wurde absichtlich zerstört in der Zeit des Königs Hiskia, der alle öffentliche Verehrung außerhalb des Tempels in Jerusalem abschaffen wollte.“
Irgendwie kenne ich das Verehren von Steinen oder Monolithen auch aus einer anderen Religion…
Tools, Steine, Scherben – Israel Museum I
Hier Fotos anlässlich meines Besuchs im Israel Museum in Jerusalem am 11.10.2025.
Heute kann man zum Glück ChatGPT fragen, wenn man vergessen hat, welches Objekt was zu bedeuten hat. Ich hatte einen Guide, aber die Dame war schon uralt und ein bisschen tüddelig und verlor manchmal den Faden.
Das Museum ist so riesig (innen so groß wie acht Fußballfelder), dass man mehrere Tage brauchte, um alles zu sehen – und man verläuft sich. Ich war fast ausschließlich in der archäologischen Abteilung.
Das Besondere in diesem Museum ist, im Gegensatz etwa zum Louvre (in dem ich irgendwann in den 60-er Jahren war) und dem British Museum, dass es sich bei den Artefakten nicht um „Raubkunst“ handelt, wie die Woken das formulieren würden, sondern dass alles „um die Ecke“ ausgebuddelt wurde.
Es fühlt sich anders an, ob man in eine Ort ist wie Jerusalem, der schon ein paar tausend Jahre besiedelt wurde (oder gar in Jericho oder Tyros) oder in Berlin, das eineinhalb Jahrtausende, nachdem es schon laut einer aramäischen Quelle ein „Haus David“ in Israel gab, noch ein wendischen Dorf war.

Arad, frühes 6. Jahrhundert v. Chr., Tinte auf Keramik
Foto oben: Dieser althebräische „Brief“ enthält die früheste außerbiblische Erwähnung von Salomos [der vermutlich keine historische Person ist, auch wenn mich jetzt 2,3 Milliarden Christen und 16 Millionen Juden hassen] Tempel. Es wurde geschrieben, als der Tempel noch stand, und stammt aus der gleichen Epoche wie die letzten Könige von Juda (z. B. Zedekia, *618; †nach 586 v. Chr.)
Der Brief wurde aus Jerusalem gesandt und ist eine Antwort an den Kommandanten der judäischen Festung in Arad, der nach einer bestimmten Person gefragt hatte. Der Autor versichert dem Kommandanten, dass der Mann wohlauf sei, und informiert ihn, dass er sich im „Haus Gottes“ (dem Tempel) befindet. Vielleicht suchte der betreffende Mann dort Zuflucht.
An meinen Herrn Eljaschib, möge der Herr dein Wohlergehen suchen, und nun: Gib Schemaryahu einen lettekh [vermutlich Maßeinheit], und den Kerosi [vermutlich eine nicht-hebräische Elitetruppe von Söldnern] gib einen homer [Maßeinheit für Getreide], und was die Angelegenheit betrifft, die du mir aufgetragen hast – es steht gut; er ist im Haus Gottes.
Ich finde so etwas immer total abgefahren, auch den winzigen Männerkopf auf dem Foto unten:

Kopf einer Statue, die einen König darstellt, Abel Beth Maacah, 9. Jahrhundert v. Chr., Fayence (glasierter Ton)
Dieser einzigartige Statuenkopf gibt seit seiner Entdeckung im Jahr 2017 in einer Festung auf dem Gipfel des Tel Abel Beth Maacah im Norden Israels weiterhin Rätsel auf. Sein eleganter Stil lässt keinen Zweifel daran, dass er eine bedeutende Persönlichkeit darstellt, wahrscheinlich einen König. Doch da er an der Grenze von drei verschiedenen antiken Königreichen gefunden wurde, wissen wir nicht, ob er König Ahab von Israel, König Hasaël von Aram-Damaskus oder König Ittobaal von Tyros darstellt, Herrscher, die aus der Bibel und anderen Quellen bekannt sind.
Ich hatte vergessen, mir zu den Sarkophagen Notizen zu machen. Die KI weiß mehr (von mir umformuliert):
Die Objekte auf deinem Foto sind anthropoide Ton-Sarkophage aus Deir el-Balah [Gaza] und eines der eindrucksvollsten Fundensembles im Israel Museum (Archäologie-Flügel).
Es handelt sich um tonneförmige, menschenförmig gestaltete Särge aus Ton (Terrakotta), die im späten 13.–12. Jahrhundert vor (!) Chr. in der südlichen Levante verwendet wurden. Sie gehören zu einer einzigartigen lokalen Tradition, die ägyptische Einflüsse mit regionalen Stilelementen verbindet.
In Deir el-Balah entdeckte man eine große Gräberanlage mit Dutzenden solcher Särge, teilweise mit reichhaltigen Grabbeigaben. Die Gesichter und Details sind modelliert oder aufgesetzt, oft mit stilisierten Frisuren, Masken oder ägyptisch anmutenden Insignien.
Im späten Bronzezeitalter (ca. 1400–1200 v. Chr.) stand die Region unter ägyptischer Kontrolle. Die Elite in Deir el-Balah orientierte sich deshalb an ägyptischen Bestattungsformen, aber statt Stein oder Holz wie in Ägypten benutzte man Ton, und viele Details wirken eher lokal oder „kantiger“, nicht rein ägyptisch.
Einige Forscher vermuten, dass es sich um Angehörige der sogenannten Seevölker handeln könnte, die in ägyptischen Quellen erwähnt sind.
Diese Sarkophage gehören zu den seltensten Grabformen im östlichen Mittelmeerraum und zeigen die Mischkultur der Spätbronzezeit: kanaanäisch und ägyptisch und mögliche Einflüsse der Seevölker.
(Übrigens: Das deutsche Wikipedia schlägt Deir al-Balah dem real gar nicht existierenden „Staat Palästina“ zu.)

Weibliche Figur, Berekhat Ram, Golanhöhen, vor 233.000 Jahren, Skoria (vulkanisches Gestein)
„Das Merkmal, das den Menschen mehr als jedes andere vom Rest der Tierwelt unterscheidet, ist seine Fähigkeit, verbale Symbole (Sprache) und visuelle Symbole (Kunst) zu schaffen.
Diese weibliche Figur, die vor fast einer Viertelmillion Jahren geschaffen wurde, ist das älteste Kunstwerk der Welt.
Sie zeigt, dass die Ursprünge der Kunst tatsächlich Hunderttausende von Jahren früher liegen, als wir bisher angenommen hatten.“ (Beschilderung im Museum)
Die 3,5 cm große Figur – die Venus von Berekhat Ram – wurde 1981 auf den Golanhöhen (heute Israel) entdeckt und besteht aus Skoria, einem porösen vulkanischen Gestein.
„Bei der Figur handelt sich um einen 35 mm langen, 25 mm breiten und 21 mm dicken roten Tuff, der drei Vertiefungen aufweist, die vermutlich mit einem scharfkantigen Stein eingekerbt wurden. Eine Vertiefung führt rund um das schmalere Ende, zwei weitere verlaufen die Seiten hinunter und werden als Hals bzw. Arme angesehen. Eine detaillierte SEM-Analyse der Figur und von natürlichen und experimentell bearbeiteten Tuff-Brocken aus derselben Fundstelle lassen Francesco d’Errico und April Nowell zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Ritzlinien anthropogen sind.“
Vergleiche, miscellaneous
– Wir haben da noch einen interessanten Vergleich (auf Instagram) zwischen chinesischen und russischen Robotern. Ist der chinesische wirklich echt oder veräppeln die uns oder ist das KI?
– Die Israelis pumpen Wasser in den See Kinneret (Genezareth), der austrocknet. Wait a minute. Warum nicht die Araber Jordanien?
Vegan
Es geht doch nichts über ein supergesundes veganes Hummus zum Frühstück!
Was macht eigentlich der US-Imperialismus?

Mädchen aus Quibor oder El Tocuyo, Venezuela 1998.
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat eine detaillierte Analyse formuliert, wie und unter welchen Voraussetzungen die USA Venezuela angreifen könnten.
„Nach dem ersten Angriff würden Drittparteien wie Brasilien, die Vereinten Nationen und die Organisation Amerikanischer Staaten mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Vermittlung anbieten. Die Trump-Regierung könnte eine Vermittlung akzeptieren, wie sie es beim Waffenstillstand im Gazastreifen tat, allerdings nicht bei den Bemühungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine. Präsident Trump bevorzugt bilaterale und persönliche Diplomatie. Das würde Gespräche mit Venezuela auf Ministerebene bedeuten. Ungeachtet des diplomatischen Mechanismus gibt es viele Möglichkeiten, das Regime zum Machtverzicht zu bewegen oder zu zwingen.
Sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern und Maduro sich widersetzen, wäre es für die Trump-Regierung schwierig, sich zurückzuziehen. Das käme einem öffentlichen Eingeständnis des Scheiterns gleich, und Präsident Trump verabscheut Misserfolge. Stattdessen würde die Regierung eine umfassende Luftkampagne starten, bestehend aus einer Reihe von Angriffen, um das Maduro-Regime zu lähmen und zu destabilisieren. Historisch gesehen waren solche Luftangriffe nur dann erfolgreich, wenn sie mit der Drohung oder dem tatsächlichen Eingreifen am Boden einhergingen.“
Und das – eine Bodenoffensive – kann Trump vermutlich seinen Wählern nicht verkaufen, obwohl das Militär Venezuelas ungefähr so „schlagkräftig“ ist wie das des Irak.













































