Parasoziale Elemente oder: Die Habiru I
David ging von da hinweg und rettete sich in die Höhle Adullam. Als das seine Brüder hörten und das ganze Haus seines Vaters, kamen sie dorthin zu ihm hinab. Und es sammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und verbitterten Herzens waren, und er wurde ihr Oberster; und es waren bei ihm etwa vierhundert Mann. (Bibel, 1. Samuel 22)
Ich habe mir einen Teil des (nur für mich) höchst interessanten Buchs von Robert Wolfe: „From Habiru to Hebrews and Other Essays“ (2011) übersetzen lassen (umformuliert, alle Links sind von mir). Wolfe stammt aus einem kommunistischen Elternhaus und wuchs als säkularer Jude in New York auf. Er nahm an den Studentenunruhen im Frühjahr 1970 teil und saß deswegen drei Monate im Gefängnis. Er fühlte sich als „Linker“, bis die Studentenbewegung mehr und mehr antisemitische Züge zeigte. Dann begann er, sich mit der Geschichte der Juden und Israels zu beschäftigen.
… stieß ich erstmals auf die Habiru. Obwohl ich als Berufshistoriker tätig war, hatte ich bis dahin nie von ihnen gehört. In dem kleinen Fachgebiet der „biblischen Wissenschaften“ war das Thema durchaus präsent, doch außerhalb dieses Kreises war ihre Existenz nahezu unbekannt.
Seit rund hundert Jahren hatten Archäologen im Nahen Osten Tontafeln ausgegraben, auf denen eine Gruppe von Menschen erwähnt wurde, die in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedlich als „Habiru“ oder „Apiru“ bezeichnet wird. Hunderte solcher Belege wurden entdeckt, die sämtlich in das 2. Jahrtausend v. Chr. datieren. Keine dieser Tontafeln behandelt die Habiru ausführlich; vielmehr erscheinen sie jeweils nur als Randbemerkung in einem größeren Zusammenhang. Mitunter werden die Habiru als Söldner beschrieben, ein anderes Mal als Tagelöhner und wiederum in anderen Fällen als Banditen.
Unter Bibelwissenschaftlern herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass den unterschiedlichen Beschreibungen wahrscheinlich Gruppen bewaffneter Männer zugrunde lagen, von denen die meisten Flüchtlinge waren, die an den Rändern bewohnter Gebiete lagerten und ihren Lebensunterhalt auf irgendeine Weise zu bestreiten versuchten. Hinweise auf solche Habiru-Gruppen wurden in vielen verschiedenen Regionen des Nahen Ostens gefunden, was deutlich macht, dass sie weder einen Stamm noch eine Nation bildeten, sondern eher eine soziale Gruppe oder Schicht darstellten, eine Gruppe, die von den Schreibern, die sie erwähnten, im Allgemeinen mit einer Mischung aus Furcht und Verachtung betrachtet wurde.
Was jedoch mein besonderes Interesse an der wissenschaftlichen Literatur über die Habiru weckte, war der Nachweis, dass viele von ihnen entflohene Sklaven gewesen sein müssen. So erklärt etwa William Albright auf Seite 86 seines Buches Yahweh and the Gods of Canaan:
In den Tontafeln von Ugarit lesen wir, dass entflohene Sklaven gewöhnlich bei den Apiru Zuflucht fanden, vorzugsweise auf der anderen Seite der Grenze zwischen dem eigentlichen Hethiterreich und dem Vasallenstaat Ugarit. Dieses Vorgehen war ausdrücklich verboten, und entlaufene Sklaven mussten ausgeliefert werden.

James B. Pritchard: The Ancient Near East. S. 262
Und auf Seite 273 des ersten Bandes von James Pritchards Anthologie The Ancient Near East findet sich eine Passage aus einem Brief aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., in dem auf „Sklaven, die zu Apiru geworden waren“, Bezug genommen wird. Auffällig ist daher nicht nur, dass die Begriffe Habiru (bzw. Apiru) phonetisch an „Hebräer“ erinnern, sondern dass beide Gruppen offenbar einen ähnlichen sozialen Status teilten. Die jüdische Überlieferung stellt die ursprünglichen Hebräer als entflohene Sklaven dar, und die Verfasser der Tora nahmen diese Tradition offenbar so ernst, dass sie sie in Kapitel 23, Vers 16 des Deuteronomiums kodifizierten:
Du sollst einen Sklaven, der sich vor seinem Herrn zu dir flüchtet, nicht an seinen Herrn ausliefern. Er soll bei dir wohnen, an einem Ort seiner Wahl, in einer beliebigen deiner Siedlungen, wo es ihm gefällt; du darfst ihn nicht bedrücken.
Hätten die Verfasser der Tora ein solches Gebot erlassen, wenn sie nicht selbst – zumindest teilweise – von entflohenen Sklaven abstammten? Ich halte dies für unwahrscheinlich. Daher erscheint mir die Tatsache, dass auch ein großer Teil der Habiru entflohene Sklaven gewesen zu sein scheint, als starkes Indiz für eine Verbindung zwischen beiden Gruppen.
Bald wurde mir jedoch bewusst, dass die meisten Bibelwissenschaftler meine Annahme nicht teilten. Fast ausnahmslos behandeln biblische Fachgelehrte früherer wie heutiger Zeit die Frage nach den Ursprüngen der Hebräer aus einer religiösen Perspektive. Anstatt sich auf das zu stützen, was aus den Quellen zuverlässig hervorgeht, und das über die Habiru Bekannte als Ausgangspunkt ihrer Forschungen zu nehmen, tendieren sie meistens dazu, die Habiru in ein Bild der hebräischer Ursprünge einzupassen, das letztlich aus der in der Bibel erzählten Geschichte abgeleitet ist.
Betrachtet man die Frage jedoch aus dieser Perspektive, fügen sich die Habiru schlicht nicht ein. Insbesondere stellen die in der Bibel beschriebenen Hebräer einen Stamm oder eine Nation dar, während die Habiru eindeutig eine soziale Klasse repräsentierten. Viele Bibelwissenschaftler sind zwar bereit einzuräumen, dass es eine Verbindung zwischen den Bezeichnungen „Hebräer“ und „Habiru“ geben könnte, doch nur eine kleine Minderheit ist bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Hebräer in Wahrheit Habiru gewesen sein könnten. James Hoffmeier gibt auf Seite 124 seines 1996 erschienenen Werkes Israel in and out of Egypt die gängige Auffassung wie folgt wieder:
„Früher war es üblich, die Hebräer mit den habiru zu identifizieren, doch in den letzten Jahrzehnten wurde diese Gleichsetzung zunehmend abgelehnt, vor allem weil habiru inzwischen als ein soziologischer Begriff verstanden wird, der nicht auf eine bestimmte ethnische Gruppe verweist. Neuere Untersuchungen betrachten die habiru konkreter als Gruppen von Flüchtlingen, die außerhalb der Reichweite städtischer, sesshafter Gebiete lebten, diese Gemeinwesen jedoch dennoch gelegentlich ausbeuteten. Diese allgemein anerkannte Bedeutung schließt nicht aus, dass der Begriff habiru auch auf jene Hebräer angewandt wurde, die in Ägypten entwurzelt wurden und später bei ihrer Rückkehr nach Kanaan.“
Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass Hoffmeier die Vorstellung, die Hebräer könnten Habiru gewesen sein, für problematisch hielt – nicht nur, weil die habiru eine soziale Klasse darstellten, sondern auch, weil er offenbar der Ansicht war, dass diese spezielle soziale Gruppe „die braven Bewohner“ der Städte und Gemeinwesen ausbeutete.
Letztlich besteht der Kern des Problems darin, dass die meisten Bibelwissenschaftler keineswegs wünschen, die Hebräer mit den Habiru zu identifizieren.

Nubische und asiatische Sklaven bei der Arbeit, Neues Reich, 18. Dynastie, ca. 1400 vor Chr., Grab von Rekhmire, Ägyptisches Museum Kairo
Selbst George Mendenhall, von dem viele annehmen, er habe diese Identifikation befürwortet, tat dies in Wirklichkeit nicht. In seinem 1973 veröffentlichten Werk The Tenth Generation stellte er die Frage, warum der Begriff Apiru auf die „Israeliten“ angewandt wurde, und beantwortete sie auf Seite 137 wie folgt:
„Der Begriff wurde auf Israel angewandt, weil es eine Kontinuität in vorisraelitischer Tradition gab und eine Geschichte der Weigerung seitens von Dorfbewohnern und Hirten, sich den bestehenden politischen Organisationen ihrer Umgebung anzupassen. Als das politische Reich untragbar wurde und die Ordnung nicht mehr aufrechterhalten konnte, zogen sie sich von jeder Verpflichtung und Beziehung zu diesem Reich zurück und wandten sich stattdessen einem anderen, unpolitischen „Oberherrn“ zu, dessen Verpflichtungen völlig anderer Art und Funktion waren.“
Mit anderen Worten: Die Hebräer waren keine tatsächlichen Habiru, sondern eher „Dorfbewohner und Hirten“, die von anderen als Habiru verleumdet wurden, weil sie sich weigerten, die Herrschaft der kanaanäischen Stadtstaaten anzuerkennen. Der „unpolitische Oberherr“, dem sie nach Mendenhalls Vorstellung gehorchten, war selbstverständlich Gott – ein „Oberherr“, an den auch Mendenhall selbst glaubte.
Die moderne Bibelwissenschaft, begründet im 19. Jahrhundert durch deutsche protestantische Theologen, hat seit jeher einen doppelten Charakter. Einerseits haben Bibelwissenschaftler erhebliche Fortschritte darin erzielt, ein realistisches Verständnis dafür zu entwickeln, wann und von wem die Tora verfasst wurde und welches historische Umfeld sie prägte. Andererseits glauben die meisten Bibelwissenschaftler weiterhin, dass im Kern der „biblischen“ Tradition eine göttliche Offenbarung stehe, die nicht nur die ursprüngliche Grundlage des Judentums bildete, sondern auch des Christentums.
Einer der wenigen Bibelwissenschaftler, die sich zu diesem Spannungsverhältnis geäußert haben, ist Niels Peter Lemche, der Autor von Early Israel (1985). Lemche betonte, dass die meisten Bibelwissenschaftler zwar eine skeptische Haltung gegenüber der historischen Darstellung in der Tora einnehmen, zugleich jedoch deren religiöse Ideologie als Ergebnis einer „göttlichen Intervention in die Geschichte“ behandeln. Lemche wies diesen Ansatz zurück und gelangte auf Seite 413 zu folgendem Schluss:
„Daher scheidet es aus, Israels hypothetische religiöse Erfahrung als Ausgangspunkt für eine Untersuchung der frühen Geschichte Israels zu betrachten.“
Da Lemche nicht daran interessiert war, die Habiru gewaltsam in das biblische Narrativ einzupassen, hatte er keinerlei Schwierigkeiten, sie als die ursprünglichen Hebräer zu betrachten. Auf Seite 427 formulierte er dies folgendermaßen:
„Daher schlage ich als Arbeitshypothese folgendes Szenario vor: Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und anschließend in der späten Bronzezeit wurden die Bergregionen von einem parasozialen Element „bewohnt“, nämlich den habiru, die aus entlaufenen ehemaligen unfreien Bauern oder Pächterfamilien der kleinen Stadtstaaten in den Ebenen und Tälern Palästinas bestanden.“
Lemche war der Auffassung, dass die Habiru, die ursprünglich kein sesshaftes Element darstellten, sondern vielmehr „gesetzlose Gruppen von Freibeutern“, sich schließlich im Hügelland dessen niederließen, was er „Palästina“ nannte — möglicherweise ab etwa 1200 v. Chr. Er betrachtete ihre Verwandlung in eine „sesshafte Bevölkerung“ als das Ergebnis mehrerer Entwicklungen: die Ausbreitung von Eisenwerkzeugen, die Einführung von Brandrodungslandwirtschaft und die Terrassierung der Berghänge, welche allesamt die landwirtschaftliche Produktivität des zuvor dicht bewaldeten Hügellandes erheblich steigerten.
Doch wie genau und aus welchem Grund wurden die Habiru zu den Begründern der biblischen Tradition? Da Lemche die Exodus-Erzählung für nahezu vollständig mythisch hielt, musste er einen Ursprung der biblischen Tradition innerhalb Kanaans selbst finden. Allerdings war er äußerst zurückhaltend, „gesetzlosen Gruppen von Freibeutern“ die Schaffung einer so angesehenen Tradition zuzuschreiben. Daher argumentierte er auf Seite 434, dass „das Phänomen, das später als spezifisch israelitische Religion bezeichnet wurde, im Kern auf der Isolierung eines besonderen Aspekts der kanaanäischen Kultur beruhte – nämlich dem ethischen.“
Diese kanaanäischen „ethischen Denker“, so fügte Lemche hinzu, müssten aus den „höheren sozialen Schichten“ der kanaanäischen Gesellschaft entstammt sein. Meiner Ansicht nach ist offensichtlich, dass Lemche ebenso wenig wie andere Bibelwissenschaftler bereit war, die Habiru als Urheber anzuerkennen, und sich daher genötigt sah, eine kanaanäische Oberschichttradition zu postulieren – obwohl sich dafür keinerlei Hinweise finden lassen – um die Ursprünge der biblischen Religion zu erklären. Zudem bin ich nicht sicher, ob „ethisch“ tatsächlich der präziseste Begriff ist, um die Religion der Hebräer zu beschreiben; vielleicht wäre „egalitär“ zutreffender.
Ein Bibelwissenschaftler, der ausdrücklich den egalitären Charakter dieser Religion betonte, war Norman Gottwald [ein US-amerikanischer Marxist], der Autor von The Tribes of Yahweh, veröffentlicht 1979. Er formulierte auf Seite 643: „…stellte sich von Beginn an ausschließlich als Religion sozial egalitärer Gemeinschaften dar.“
Gottwald betrachtete die Habiru als Teil der sozialen Bewegung, aus der hervorging, was er „die Religion Jahwes“ nannte – jedoch nicht als deren dominanten Bestandteil. Wie Mendenhall war er der Auffassung, dass die Entstehung Israels in einem Aufstand kanaanäischer „Dorfbewohner“ gegen die Herrschaft der kanaanäischen Stadtstaaten wurzelte; im Unterschied zu Mendenhall jedoch glaubte er, dass viele Habiru ebenfalls an diesem Aufstand beteiligt gewesen seien. Er argumentierte auf Seite 408, dass die Grenze zwischen Habiru und Dorfbewohnern „in vielen Fällen wahrscheinlich ziemlich unscharf war und mit dem Zusammenbruch der zentralen Autorität immer undeutlicher wurde“. Mit der Zeit begannen die Habiru, sesshaft zu werden, während die Dorfbewohner anfingen, Selbstverteidigungsgruppen zu bilden. Schließlich:
„In einem hypothetischen Stadium dieser Expansion und der langsamen Annäherung nicht feudaler Gemeinschaften entwickelten sich die Voraussetzungen für eine weiterreichende Einheit. In einem solchen Umfeld nahm das frühe Israel seinen Anfang.“
Dieses Szenario klingt plausibel; doch während es zahlreiche Belege dafür gibt, dass Habiru an bewaffneten Angriffen gegen die kanaanäischen Stadtstaaten beteiligt waren, gibt es kaum oder gar keine Hinweise darauf, dass kanaanäische Dorfbewohner dasselbe taten.
Zudem betrachtete Gottwald die Kultur der Habiru zwar als „egalitär“, doch er war nicht der Ansicht, dass sie die Quelle der „Religion Jahwes“ gewesen sei. Gottwald tendierte dazu, die Belege hervorzuheben, die die Habiru als „Söldner“ beschrieben (oder so interpretiert werden konnten). Damit konnte er argumentieren, dass die Habiru trotz ihrer rebellischen Einstellung und trotz ihres Außenseiterstatus dennoch in das kanaanäische soziale System integriert waren und daher nicht in der Lage waren, eigenständig eine alternative soziale Ideologie zu entwickeln. Diese Ideologie, so glaubte Gottwald, könne nur aus der „Moses-Gruppe“ stammen, die er auf Seite 39 als „eine Mischung aus Viehzüchtern (Schafe, Ziegen, Rinder), Kleinbauern und Fischern, darunter Kriegsgefangene oder Migranten aus Kanaan“ beschrieb. Woher er diese Information bezog, erläuterte Gottwald nicht; ebenso wenig erklärte er, warum er in dieser Aufzählung die Habiru ausließ, von denen bekannt ist, dass sie als Kriegsgefangene nach Ägypten gebracht und als Sklaven in Bauprojekten eingesetzt wurden.
So angreifbar die Arbeiten von Mendenhall und Gottwald und Lemsche auch sein mögen: Sie boten weiterhin zahlreiche zutreffende Einsichten in die Frage nach der Beziehung zwischen den Hebräern und den Habiru. Ihre Bücher erschienen in den 1970-er- und 1980-er-Jahren, zu einer Zeit, als die Erinnerungen an die 1960-er noch lebendig waren. In den letzten Jahrzehnten jedoch, wie Hoffmeier zu Recht feststellte, ist es „entmutigt“ worden, einen Zusammenhang zwischen den Hebräern und den Habiru herzustellen. Gottwald beispielsweise wurde eindeutig von der „Befreiungstheologie“ der 1960-er und 1970-er-Jahre beeinflusst, doch das politische und intellektuelle Klima seit den 1980-er Jahren hat sich deutlich verändert. Die Vorstellung, dass die biblische Tradition aus einer Art Revolution hervorgegangen sei — möglicherweise angeführt von gesetzlosen bewaffneten Gruppen, den Habiru – hat das geringe Interesse verloren, das sie in der Bibelwissenschaft einst besaß.
In Wirklichkeit jedoch sind die Hinweise auf die Identität der Hebräer und der Habiru überwältigend.
Der Grund, weshalb ich diesen Artikel mit einer Darstellung meines eigenen wissenschaftlichen Hintergrunds begann, besteht darin, dass die Leserinnen und Leser verstehen können, warum ich dieser Evidenz aufgeschlossener gegenüberstehe als viele andere. Doch letztlich ist allein die Evidenz entscheidend, und obwohl ich kein Bibelwissenschaftler bin, besitze ich genügend Erfahrung als Historiker, um eine verborgene Wahrheit zu erkennen, wenn ich sie sehe.

Akkadischer diplomatischer Brief, gefunden in Tell el-Amarna. Teil des Corpus der Amarna-Briefe (1550 bis 1070 v. Chr., 18. bis 20. Dynastie). Vorderseite (Obverse),
Aziru an den Pharao, überschrieben: „Eine erklärte Abwesenheit“. Aziru wird in Zeile 2 genannt: „Botschaft (so spricht) Aziru, dein Diener.“ (Akkadisch: Umma 1 A-zi-ru, arad-ka – „So spricht Aziru, dein Knecht.“) Die Amarna-Briefe hatte ich schon am 12.01.2024 erwähnt.
SICHEM
Obwohl Hinweise auf die Habiru überall im Nahen Osten gefunden wurden, stellt die umfangreiche Sammlung von Tontafeln aus Tell el-Amarna in Ägypten bei weitem die wichtigste Informationsquelle dar. Diese Tafeln wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Viele von ihnen bestehen aus Briefen, die im 14. Jahrhundert v. Chr. in akkadischer Keilschrift verfasst und von verschiedenen ägyptischen Vasallenherrschern in Kanaan an den Pharao nach Ägypten geschickt wurden. Die Briefe sind voller Beschwerden über die Habiru, von denen berichtet wird, dass sie einen Aufstand gegen die ägyptische Herrschaft in Kanaan anführten und die Städte jener lokalen Herrscher plünderten, die dem Pharao weiterhin loyal geblieben waren.
In einem dieser Briefe – wiedergegeben auf Seite 200 von Shechem von G. Ernest Wright – erscheint eine Drohung von Abdu-Hiba, dem Herrscher von Jerusalem. Darin fordert er, dass man sich den Habiru anschließen müsse, sofern man nicht verstärkte Unterstützung vom Pharao erhalte. Besonders eindringlich drohte Abdu-Hiba:
Sollen wir nun handeln wie Lab’ayu, der das Land von Sichem den Apiru übergab?
Lab’ayu wird in vielen Briefen erwähnt; er war der Herrscher von Sichem und der wichtigste Rivale Abdu-Hibas im Kampf um die Vorherrschaft im Hügelland Kanaans war. Ob er tatsächlich „das Land von Sichem“ den Habiru übergab, ist ungewiss. Vielleicht übertrieb Abdu-Hiba, vielleicht auch nicht. Wesentlich ist jedoch, dass sein Brief zeigt, dass die Habiru im 14. Jahrhundert v. Chr. einen beträchtlichen Einfluss auf die Region Sichem ausübten. Und der Grund, weshalb dies von Bedeutung ist, liegt darin, dass Sichem zweifellos das wichtigste politische und religiöse Zentrum der Hebräer während ihrer frühen Geschichte war.

Karte Samarias (Samarien) mit Sichem (Shechem) und den östlichen und nördlichen Nachbarn
Zahlreiche Hinweise auf die Bedeutung Sichems für die Hebräer finden sich in vielen Büchern des Tanach, der hebräischen Bezeichnung (genauer: des Akronyms) für die jüdischen Schriften bzw. das Alte Testament. Im Buch Genesis ist Sichem der Ort, an dem Abraham erstmals das Land Israel betritt und einen heiligen Altar errichtet. Im Buch Josua ist Sichem der Ort, an dem Josua die Hebräer kurz vor seinem Tod versammelt, um mit ihnen einen feierlichen Bund zu schließen, der sie zur Treue gegenüber Gott verpflichtet. Im Buch der Richter ist Sichem der Ort, an den Abimelech — der erste Anwärter auf das Königtum der Hebräer — geht, um seine Kandidatur zu erklären. Und im Ersten Buch der Könige ist Sichem der Ort, an dem Rehabeam, der Sohn Salomos, hingeht, um die hebräischen Stämme zu bewegen, ihn als König anzuerkennen. Als die Stämme stattdessen Jerobeam wählen, macht Jerobeam Sichem zur ersten Hauptstadt des Königreichs Israel. Selbst wenn einige dieser Hinweise vollständig oder teilweise legendären Charakter haben sollten, zeigen sie dennoch, dass Sichem für die Autoren des Tanach ein Ort mit besonderer Bedeutung für die frühen Hebräer war.
Da versammelte Josua alle Stämme Israels gen Sichem und berief die Ältesten Israels, seine Obersten, Richter und Amtleute; und sie traten vor Gott. Und Josua sprach zum ganzen Volk: So spricht der HERR, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vorzeiten jenseits des Stroms, Tharah [Terach], Abrahams Vater, und Nahors Vater, und dienten andern Göttern. (Josua 24,1–2)
Diese Hinweise wiegen umso schwerer, als nahezu alle Bücher des Tanach von den Schreibern des Königreichs Juda verfasst wurden, dessen Zentrum Jerusalem war – ein erbitterter Rivale des Königreichs Israel im Kampf um die Herrschaft über die Hebräer. Die Schreiber des Königreichs Juda hatten keinen Grund, die Bedeutung Sichems für die frühe hebräische Geschichte zu übertreiben, zumal Sichem eng mit den Ursprüngen des Königreichs Israel verbunden war. Wenn sie dennoch Material im Tanach aufnahmen – etwa die Versammlung der hebräischen Stämme in Sichem durch Josua, die als Legitimierung des Königreichs Israel interpretiert werden könnte — dann wohl deshalb, weil sie der Ansicht waren, dass die Bedeutung von Sichem in der hebräischen Kultur zu bekannt und zu fest verankert war, um übergangen oder geleugnet zu werden. Diese Bedeutung war nicht nur politischer, sondern auch religiöser Natur, da dort tatsächlich ein Altar errichtet wurde und religiöse Zeremonien im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen stattfanden. All dies legt nahe, dass Abdu-Hiba nicht übertrieben hat und dass Lab’ayu den Habiru in der Region Sichem tatsächlich eine formelle Art von Autorität übertrug – eine Autorität, die später zur Grundlage der hebräischen Vorstellung von Sichem als heiligem Versammlungsort wurde.

Siegesstele des Merenptah aus dem Totentempel des Königs der 19. Dynastie in Theben-West, ausgestellt im Ägyptischen Museum in Kairo, Ägypten (Source)
Weitere Hinweise auf die zentrale Rolle des Habiru-Zentrums Sichem in der frühen hebräischen Geschichte stammen von einer ungewöhnlichen Quelle: der sogenannten „Siegesstele“ des Merenptah. Um etwa 1207 v. Chr. errichtete der ägyptische Pharao Merenptah ein Steindenkmal, das seine angeblichen Siege über Libyer und Kanaanäer festhielt. Die spezifischen Regionen Kanaans, die er für erobert erklärte, sind darin geografisch von Süden nach Norden aufgeführt. Nahe dem Ende dieser Liste erscheint ein Verweis auf die „Eroberung“ Israels. Hoffmeier, ein Experte für ägyptische Hieroglyphen, übersetzt den Verweis mit: „Israel ist verwüstet, sein Same ist nicht.“
Anschließend bemerkt er auf Seite 29 seines Werkes „Israel in Egypt“, dass die Position dieses Ortsnamens innerhalb der Liste nahelege: „Die Stämme Israels scheinen hauptsächlich im zentralen Hügelland und in Obergaliläa lokalisiert gewesen zu sein.“
Auch das „Land Sichem“ lag im zentralen Hügelland, im nördlichen Teil, angrenzend an das Jesreeletal und Galiläa. Nadav Na’aman merkt in einem Aufsatz mit dem Titel „The Contribution of the Amarna Letters to the Debate on Jerusalem’s Political Position in the Tenth Century BCE“, abgedruckt im dritten Band seiner Collected Essays, auf Seite 5 an, dass zur Zeit der Amarnabriefe „zwei kanaanäische Königreiche nahezu das gesamte zentrale Hügelland besetzten: Sichem und Jerusalem“.
All dies deutet darauf hin, dass gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. die in der Region Sichem ansässigen Habiru begonnen hatten, sich selbst unter dem Namen Israel zu bezeichnen.
Wann sie diesen Namen annahmen, ist unbekannt; doch es ist plausibel anzunehmen, dass dies nicht lange vor der Ankunft einer kleinen Gruppe Habiru-Flüchtlinge in Kanaan geschah – Menschen, die der Sklaverei in Ägypten entkommen waren und mit sich die Ideologie einer habirischen Herrschaft über das gesamte „Land Israel“ führten.
Dass es zur fraglichen Zeit tatsächlich Habiru-Sklaven in Ägypten gab, wird durch eine Reihe von Quellen belegt, die völlig unabhängig vom Bericht der Tora sind. Hoffmeier verweist auf Seite 113 auf die „Siegesstele“ des Pharaos Amenophis II. aus dem 15. Jahrhundert v. Chr., die die verschiedenen Gruppen von Gefangenen auflistet, welche die Ägypter nach einem erfolgreichen Feldzug in Kanaan und Syrien nach Ägypten brachten. In dieser Liste sind auch 3600 „Apiru“ genannt. Weitere Habiru-Gefangene müssen bei anderen Gelegenheiten erbeutet worden sein, denn aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. liegen Hinweise auf „Habiru“-Sklaven vor, die für die Ägypter bei Bauprojekten arbeiteten. Abraham Malamat zitiert auf Seite 42 seines Artikels in Haim Ben-Sassons Anthologie A History of the Jewish People folgende Inschrift aus der Zeit des Pharaos Ramses II.:
Gib Getreiderationen an die Soldaten und an die Apiru, die Steine für den großen Pylon des Ramses transportieren.
Hoffmeier verweist außerdem auf Seite 115 auf einen Artikel von Ellen Morris, in dem Szenen von Zwangsarbeit auf ägyptischen Wandmalereien beschrieben werden. Hoffmeier fasst Morris’ Befund wie folgt zusammen:
Der Begleittext zur Weinkelterszene im Grab des Intef in Theben bezeichnet die Arbeiter ausdrücklich als Apiru (d. h. habiru).

Weinkelterszene im Grab des Intef (2121 bis 2072 v. Chr.)
Diese Evidenz legt nahe, dass im Bericht der Tora über hebräische Sklaven, die aus Ägypten flohen und sich anschließend in Kanaan niederließen, ein historischer Kern vorhanden sein muss. Allerdings sind die meisten Details der biblischen Darstellung eindeutig legendär. Nach der Tora flohen beim Exodus etwa 600.000 hebräische Männer aus Ägypten. Wenn man Frauen und Kinder sowie das „gemischte Volk“, das sie begleitet haben soll, hinzurechnet, ergibt sich eine Gruppe von mindestens einer Million Menschen, die vierzig Jahre lang in der Wüste von einer angeblich vom Himmel fallenden Nahrung lebten.
Ein wesentlich plausibleres Szenario wäre eine kleine Gruppe von Habiru-Sklaven, möglicherweise einige Hundert, die aus Ägypten flohen, den Sinai rasch durchquerten und sich mit den Habiru zusammenschlossen, die bereits die Region um Sichem kontrollierten. Sehr wahrscheinlich wurden diese Flüchtlinge aus Ägypten tatsächlich von einem Mann namens Moses angeführt; in jedem Fall aber brachten sie offenbar eine neue Ideologie mit sich, die später bei der habirischen Eroberung Kanaans eine entscheidende Rolle spielte.
Ein bedeutsames Detail in diesem Zusammenhang ist die Tatsache — von zahlreichen Bibelwissenschaftlern hervorgehoben -, dass die meisten Mitglieder des Stammes Levi, die in der Tora und im Buch der Richter erwähnt werden, Namen trugen, die ägyptisch klangen. Nach dem Tanach war der Stamm Levi der einzige Stamm, dem kein spezifisches Territorium im Land Kanaan zugewiesen wurde. Er war der Stamm des Mose, und seine ursprüngliche Aufgabe bestand darin, die religiösen Zeremonien der Hebräer zu vollziehen.
Es erscheint wahrscheinlich, dass der Stamm Levi aus jener kleinen Gruppe von Habiru-Sklaven hervorging, die aus Ägypten flohen und sich den Habiru anschlossen, die bereits in Kanaan ansässig waren. Habiru sind nachweislich über einen Zeitraum von mindestens mehreren Jahrhunderten – vom 15. bis zum 13. Jahrhundert v. Chr. — als Sklaven in Ägypten gehalten worden, und es wäre nur natürlich, wenn viele von ihnen in dieser Zeit Sprache und Kultur Ägyptens teilweise übernommen hätten. Doch so weit sie auch assimiliert gewesen sein mögen, die Ägypter bezeichneten sie weiterhin als Habiru – ein Sprachgebrauch, der möglicherweise den sozialen Abstand widerspiegelte, der Sklaven vom übrigen Teil der Gesellschaft sowohl in Ägypten als auch in Kanaan trennte.
Meiner Ansicht nach liegt die größte Schwäche der modernen Bibelwissenschaft darin, dass sie das Thema der Sklaverei nicht angemessen berücksichtigt. Die meisten Bibelwissenschaftler behandeln es so, als sei es ein nebensächlicher oder trivialer Punkt, obwohl zahlreiche Hinweise darauf bestehen, dass viele der Habiru im gesamten Nahen Osten entflohene Sklaven waren. Und in derselben Weise stellen die Bibelwissenschaftler nie die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Verfasser der Tora sich selbst als Nachkommen entflohener Sklaven bezeichnet hätten – wenn dies nicht tatsächlich der Wahrheit entsprochen hätte? Weltweit und zu den meisten Zeiten haftete Menschen, die versklavt waren, ein Stigma an; man nahm an, sie seien nur aufgrund eines Mangels oder Fehlers versklavt worden. Und doch werden Juden jedes Jahr im Rahmen des Pessachfestes daran erinnert, dass ihre Vorfahren Sklaven in Ägypten gewesen seien.
Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Habiru, die Kanaan eroberten, tatsächlich Sklaven in Ägypten gewesen sein konnte, spiegelt diese Tradition dennoch die Realität wider, dass die Habiru als Gruppe zu einem erheblichen Teil aus Flüchtlingen aus verschiedenen Formen der Knechtschaft bestanden.
Alles in allem deuten die bekannten Fakten darauf hin, dass gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. – möglicherweise nach dem Tod von Ramses II. im Jahr 1213 v. Chr. – eine kleine Gruppe von Habiru-Sklaven aus Ägypten floh und sich auf den Weg nach Kanaan machte und dabei drei Dinge mitbrachte:
1. Die Praxis der Beschneidung.
Nach dem griechischen Geographen Herodot zufolge war die Beschneidung ein ägyptischer Brauch. Was immer sie für die Ägypter bedeutet haben mag – für die Habiru wurde sie zu einem Mittel, sich vom übrigen kanaanäischen Umfeld abzugrenzen und ihr Selbstbild von dem einer Gruppe von Außenseitern hin zu dem einer Kriegerelite zu transformieren.
2. Die Verwendung einer alphabetischen Schrift.
Soweit bekannt, wurde die alphabetische Schrift erstmals von semitischen Bergarbeitern entwickelt, die im Dienste der Ägypter in der Sinai-Wüste um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. arbeiteten. Sie ritzten ihre Schriftzeichen in Stein und verwendeten dabei Buchstaben, die teilweise von ägyptischen Hieroglyphen abgeleitet waren. Obwohl häufig behauptet wird, die Hebräer hätten ihr alphabetisches Schriftsystem später von den Kanaanäern oder Phöniziern übernommen, waren es doch am ehesten die in Ägypten lebenden Habiru, die mit diesen semitischen Bergarbeitern im Sinai in Kontakt kamen. Angesichts der Bedeutung, die die Tora der Erzählung von der Niederschrift der Zehn Gebote auf Steintafeln im Sinai beimisst, erscheint es wahrscheinlich, dass es die aus Ägypten geflohenen Habiru waren, die das Wissen um die alphabetische Schrift nach Kanaan brachten.
3. Das Konzept eines Herrschergottes, der auf Seiten der Sklaven und nicht der Sklavenhalter steht.
Die Vorstellung eines höchsten Herrschergottes war in der ägyptischen Kultur wohl entwickelt, doch sie war stets mit der Person des Pharao verbunden, der als irdische Inkarnation dieses oder jenes höchsten Gottes galt. Da die Habiru im Auftrag des angeblichen „Sohnes des Ra“, des Pharao Ramses II., Zwangsarbeit hatten leisten müssen, hatten sie allen Grund, diese Assoziation zurückzuweisen. Ihr Einfluss zeigt sich zweifellos im hebräischen Verbot der Verehrung von Götzenbildern, deren Herstellung eine Spezialität der Ägypter war. Zugleich hatten die Habiru in Ägypten gute Gründe, das ägyptische Konzept eines höchsten Herrschergottes zu übernehmen und für eigene Zwecke umzuformen.
Die hebräische literarische Tradition im Tanach spiegelt offenbar eine Synthese wider: Einerseits die revolutionäre Anpassung ägyptischer Kultur durch die aus Ägypten geflohenen Habiru, andererseits die politische Kultur der bereits in Sichem ansässigen Habiru-Gruppen. Diese politische Kultur spiegelt sich im Tanach insbesondere in der Legende von den Söhnen Israels wider. Offenkundig bot diese Legende einen Mechanismus, durch den sich die im Raum Kanaan aktiven Habiru als Angehörige einer großen Familie identifizieren konnten, die in der Praxis als eine Konföderation von Habiru-Gruppen fungierte und daher einen höheren Grad an Einheit erreichte, als dies zuvor möglich gewesen war.
Dass diese Legende unter den bereits in Kanaan ansässigen Habiru entstand – und nicht unter den aus Ägypten geflohenen Habiru – wird durch mehrere Hinweise nahegelegt.
Merenptahs „Siegesstele“ zeigt, dass die Habiru in der Region von Sichem um jene Zeit bereits allgemein als „Israel“ bekannt waren, als die Flucht aus Ägypten stattfand.
Im Tanach werden die „Patriarchen“ Abraham, Isaak und Israel so dargestellt, dass sie Ansprüche auf das Land Kanaan erhoben – und zwar bereits vor und unabhängig von dem Anspruch, der mit Mose und dem Exodus verbunden ist. Darüber hinaus scheint es so, dass die tatsächlich aus Ägypten geflohenen Habiru von den Habiru in Kanaan schlicht als ein weiterer Stamm behandelt wurden: der Stamm Levi, dem bekanntlich kein eigenes Territorium zugewiesen wurde. Zweifellos verfügten die Leviten aufgrund ihrer religiösen Rolle und ihrer Glaubensvorstellungen über eine gewisse Autorität gegenüber den anderen „Stämmen“. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sie in eine bereits bestehende politische Ordnung integriert wurden, anstatt eine neue politische Struktur zu begründen.
Allerdings dürfte es für die Habiru in Kanaan ebenso offenkundig gewesen sein wie es den Bibelwissenschaftlern heute ist, dass die Erzählung von den Söhnen Israels mit ihrem Status als Habiru unvereinbar war. Mitglieder verstreuter Gruppen von Geflüchteten konnten unmöglich in irgendeinem nennenswerten Umfang miteinander verwandt gewesen sein – geschweige denn alle von den zwölf Söhnen eines einzigen Vaters abstammen. Um zu „den Söhnen Israels“ zu werden, mussten sie daher aufhören, Habiru zu sein, oder zumindest aufhören, so bezeichnet zu werden. Alles deutet darauf hin, dass sie genau dies bewusst anstrebten – angetrieben von der Tatsache, dass sie schon zuvor nicht gerne als Habiru bezeichnet worden waren.
To be continued.
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4 Kommentare zu “Parasoziale Elemente oder: Die Habiru I”
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für die bewusste Falschdarstellung historischer Tatsachen braucht man gar nicht so weit zurück in der Zeit reisen
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Linke-wird-wegen-NS-Begrifflichkeit-im-Bundestag-geruegt-id30078401.html
Eichmann wurde also schon zur NS-Zeit der Prozess gemacht
(oder meinen die damit etwa, dass 1961 doch immer noch NS-Zeit war??)
Aber das ein Journalist heute noch den Namen Hannah Arendt kennt… vergiss es…
Die Klöckner rügt, daß man NAZI-Politik als das
benennt was sie ist.
Der Begriff (Banalität des Bösen) stammt von Arendt. Sie meinte damit das sich dumm stellen eines Würstchens (ich hab nur Befehle befolgt).
Für sowas gibts die Radbruchsche Formel.
Döland hatte mal Juristen statt Schreibtischtäter
(oder Weinköniginnen).
Es ist genau diese Selbstverständlichkeit,
Afghanen als minderen Rechts zu sehen,
die man getrost in den Tod schicken kann.
Obwohl und weil man Afghanistans Regierung nicht mag.
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/die-grosse-afghanistan-illusion-eine-politik-die-sich-selbst-beluegt-li.10006359
Die Kritik der CDU an der AfD ist verlogen.
Die CDU denkt völkisch und macht AfD-Politik.
https://www.youtube.com/watch?v=uUjr1QIeueE
Das Thema Eichmann erscheint ein wenig komplexer, als es auf den ersten drei Blicken, erscheint. Was mich am meisten Irritiert ist die Geheimhaltung und die vielen schwarzen Flecken in den Dokumenten.
https://youtu.be/N0GRmAVTDDM?si=H77oqvJnRYM9xSFO
Das scheint ein riesen großes „Rabbit Hole“ zu sein.
Das mit den entlaufenen Sklaven, bei dem damaligen Bildungslevel, Politik und was über die Welt bekannt war. Eigentlich logisch, das Die sich dort hin verdrückt haben, wo es sicher war. Es gab einen Grund, nicht in die „Heimat“ zurückzukehren.
<8*) Der Aluhut meint: Den Spruch aus den Kommentaren: "Alles wie immer. Nur Schlimmer." Das man Bernd das Brot mal als Politisch ernst zu nehmende Entität zitieren kann hätte ich vor 2020 auch nicht gedacht.
Zwar wurden ca. 6 Millionen Juden ermordet.
Aber nur ca 3 Millionen in Vernichtungslagern
(zur Unterscheidung von „normalen“ KZs).
Die anderen ca. 3 Millionen direkt hinter der
Front von Sondereinsatzkommandos erschossen
von „ganz normalen“ Familienvätern.
Exemplarisch das Polizeibatallion 101.
Die Vernichtungslager waren alle nicht auf Reichsgebiet. Trotzdem war die Kenntnis davon
weit verbreitet. Wer wissen wollte konnte.
Justiz (und unser Gerechtigkeitsgefühl)
tut sich notorisch schwer mit Staatsverbrechen.
Weil es oberhalb von Staaten
keine gemeinsame Gewalt gibt,
nur gegensätzliche militärische.
Ökologische Weltprobleme analog.
Die Menschheit ist auf nem Suizidtrip.
Der politische Wille dagegen fehlt.