Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande – Israel Museum III

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Stele eines bärtigen Mannes, bewaffnet mit einem Dolch. Nördliche Arabische Halbinsel (Jordanien oder Saudi-Arabien), Frühbronzezeit, 4. Jahrtausend v. Chr., Kalkstein

Hier – Überraschung! – noch mehr Fotos von meinem Besuchs des Israel Museums in Jerusalem am 11.10.2025.

„Diese beeindruckende Stele zeigt einen bärtigen Mann, der ein Stirnband um den Kopf und eine lange Halskette trägt. Drei parallele Bänder, die von einem länglichen Gegenstand durchtrennt werden, erscheinen auf seiner Brust und seinem Rücken, und ein doppelschneidiger Dolch, der an einem Gürtel befestigt ist, hängt von seiner Taille.

Ähnliche Stelen wurden auf der gesamten Arabischen Halbinsel entdeckt, von Südjordanien bis Jemen. Alleinstehend oder in Gruppen in der Nähe von Gräberfeldern oder Heiligtümern gefunden, könnten sie Götter, Helden oder Personen mit hohem gesellschaftlichen Status dargestellt haben und eine Rolle in rituellen Handlungen gespielt haben. Solche Stelen – von denen diese das einzige lebensgroße, vollständig erhaltene Exemplar ist – gehören zu den bemerkenswertesten künstlerischen Leistungen der Übergangszeit vom Chalkolithikum zur Frühbronzezeit im Alten Vorderen Orient.“

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Dolche und Schwerter aus Bronze, Akko und Tell al-Ajjul (auch: Tell al-ʿAdschūl, bei Gaza, 15.-14. Jahrhundert vor Chr.)

Auch hier kommen wir schnell von Hölzken auf Stöcksken. Fundort Gaza: Erstaunlich, was dort früher alles ausgegraben wurde – von neolithischen Feuersteinwerkzeugen über Siedlungen aus der frühen Bronzezeit bis zu römischen Friedhöfen.

„Von den Ausgrabungen Flinders Petries auf dem Tell al-ʿAdschūl (1930–1934) war schon Anfang der 1980er Jahre „so gut wie nichts“ mehr zu sehen: „Quer über den Tell wurde ein zusammenhängendes Stück Ackerland mit dem Trax planiert. Dadurch sind archäologische Schichten angeschnitten und viel Scherben freigelegt worden.“

„Die bedeutende archäologische Stätte war 2021 überbaut und muss als verloren gelten. Im Jahr 2017 ließ das Hamas-geführte Innenministerium von Gaza einen großen Teil des Grabungsgeländes des Tell es-Sakan für den Wohnungsbau und eine Militärbasis planieren.“

So viel zum Thema „palästinensische Geschichte“.

Viele der gefundenen Objekte aus Gaza wurden in europäische und Museen der USA gebracht. Der Gazaner Bauunternehmer Jawdat Khoudary hatte sich ein eigenes Museum eingerichtet mit mehr als einem halben Tausend Artefakten. „Die Hamas-Regierung untersagte allerdings die Ausstellung von bestimmten Skulpturen, wie etwa die einer von Tauchern aufgefundenen, vollständig erhaltenen Aphrodite, aber auch von Menorot.“

Die UNESCO hat sich darüber auch nicht beschwert, auch nicht über den Tunnelbau der Hamas, wohl aber über Israel. „Das Museum wurde 2023 bei einem Luftangriff weitgehend zerstört, der Verbleib der Sammlung ist unklar.“

Eisenzeit

Ich weiß nicht, wann die historisch bewanderten Leserinnen und die geschichtskundigen Leser zum letzten mal etwas von der Eisenzeit gehört oder gelesen haben und zu welchem Ende wir diese studieren. Ich musste erst nachsehen: „Die Eisenzeit beginnt im Nahen Osten um 1200 v. Chr. mit dem Untergang des hethitischen Reiches, in Nordeuropa reicht sie von etwa 750 v. Chr. bis 1025 n. Chr..“

In Nordwesteuropa hat man erst ein halbes Jahrtausend später als im „fruchtbaren Halbmond“ damit begonnen, Eisen für Gerätschaften und Waffen zu herzustellen. (Bonus: Die Eisenzeit in China begann deutlich später als in vielen Regionen Westasiens und Europas. Um ca. 600 v. Chr. erste nachweisbare Nutzung von Eisenobjekten (meist aus Gusseisen, eine chinesische Besonderheit). In manchen Regionen bereits ab ca. 800-700 v. Chr. sporadische Funde. Während der Frühlings- und Herbstperiode (770–476 v. Chr.) und Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.) setzt sich Eisen als alltägliches Material durch.)

Man fragt sich natürlich, was genau der Unterschied ist zwischen bronzenen Waffen wie auf dem Foto und denen aus Eisen. Unser unermüdlicher virtueller Helfer aka KI weiß darauf natürlich eine tabellarische Antwort:

Kategorie Bronze Eisen
Härte geringer höher
Bruchfestigkeit spröde zäh
Gewicht schwerer leichter
Herstellung gegossen geschmiedet
Klingenlänge kürzer länger
Kampfeffizienz begrenzt überlegen

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Und Abram durchzog das Land bis zur Stätte Sichem, bis zur Terebinthe More. Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande. (Genesis 12,V. 6)

Löwenkampfszenen seien typisch für die Kunst des nordwestsemitischen Kulturraums, behauptet die KI. Die Stele passe sehr gut zur Kunst der Neohethitischen KönigreicheSam’al (ein aramäischer Stadtstaat, in der heutigen Türkei), Karkemiš (Stadt am Euphrat, dito), Melid, ca. 1000–800 v. Chr., oder der Aramäer (Damaskus, Bit-Hadad), 11.–9. Jh. v. Chr.. Die Kunst der Kanaaniter und der frühen Israelitischen Königreiche sei nah verwandt. Die Figuren an der Wand zeigen typische kanaanitische Kleidung.

Aramäer
Das Land der Aramäer (Syrien & Mesopotamien) des Kartographen Jodocus Hondius, 1607 in Amsterdam: „Paradisus (verso text Itinera Deserti)“, Amsterdam

„Im 9. Jahrhundert v. Chr. begann das Assyrische Reich, sich im gesamten Alten Vorderen Orient zu etablieren, und gewann die Kontrolle über große Teile der Region, einschließlich Israel und Juda. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. rebellierten Israel und Juda. Die Assyrer reagierten darauf, indem sie das israelitische Königreich zerschlugen und es in kleine Provinzen aufteilten. Jerusalem wurde verschont, aber die Assyrer zerstörten viele Städte des Tieflands von Juda, darunter Lachisch. Darauf folgte eine Zeit regionaler Stabilität unter assyrischer Herrschaft, die zu wirtschaftlichem Wohlstand und intensivem internationalen Handel führte.

Das Babylonische Reich eroberte Assyrien am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. und übernahm die Territorien, die es verwaltet hatte.

Im Jahr 586 v. Chr. rückte das babylonische Heer unter König Nebukadnezar II. gegen Juda vor, eroberte Jerusalem und verschleppte einen großen Teil der Bevölkerung nach Babylon. Die Zerstörung des Königreichs Juda beendete eine etwa vierhundertjährige Phase politischer und religiöser Unabhängigkeit.“

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Ketef Hinnom, Jerusalem, spätes 7. – frühes 6. Jahrhundert v. Chr., Silber (Mein Foto ist leider ein bisschen unscharf.)

Diese beiden Silberamulette enthalten die ältesten bekannten Abschriften eines biblischen Textes, die wir heute besitzen. Sie sind etwa vierhundert Jahre älter als die Schriftrollen vom Toten Meer.

Die Amulette, beschriftet in der althebräischen Schrift, wurden zu winzigen Schriftrollen zusammengerollt und in einer Grabhöhle in Jerusalem gefunden. Sie wurden mit einem scharfen, dünnen Griffel eingeritzt, kaum breiter als ein Haar; deshalb ist die Entzifferung der Inschrift schwierig. Der untere Teil der Inschrift wird als eine Version von Numeri 6, 24–26 [4. Mose] identifiziert:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Diese Formel, die Teil der jüdischen Liturgie ist, ist als der „Priestersegen“ bekannt (den Luther für die Protestanten geklaut hat).

Die Grabhöhlen, in denen die Rollen lagen, wurde von der Eisenzeit bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. genutzt. Die meisten der über 1000 Fundstücke wurden ins 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. datiert, was eine Datierung der Silberrollen in die hellenistische oder hasmonäische Zeit unwahrscheinlich macht. (…) bestätigten Untersuchungen der University of Southern California daraufhin, dass die Kunststücke tatsächlich bereits im 7. Jahrhundert v. Chr., einige Jahre vor der Eroberung Jerusalems 586/587 v. Chr. angefertigt wurden.

To be continued…

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Teile von Schuppenpanzern und Pfeilspitzen, Hazor, 13. Jahrhundert v. Chr., Bronze

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Kommentare

One Kommentar zu “Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande – Israel Museum III”

  1. Eppner am November 20th, 2025 9:37 a.m.

    Zu Geschichte (Archäologie) und Erwähnungen in der Bibel gibt es ein interessantes Buch: „Von Sinuhe bis Nebukadnezar“ irgendein evangelischer Verlag, siebziger Jahre DDR. U.a. Abgleich von Erwähnungen (Personen/Ereignisse) in Bibel (Altes Testament?) mit ausgegrabenen Relikten (beschtiftete/-bilderte Stelen, Grabkammern, Tontafeln, etc.). Sehr aufschlussreich, dass es vor vier..fünftausend Jahren schon vielfältige diplomatische und Handelsbeziehungen zwischen den verschiedenen Reichen und Stadtstaaten gab. Inkl. einheitlicher internationaler Diplomaten-Korrespondenz-Sprache. Großraum: Nordost-Afrika, nördl. Arabische Halbinsel, NaherOsten-fruchtbarer Halbmond, Zweistromland, angrenzende Gebiete

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