
Es begab sich aber, dass ich wieder auf der Reichsstrasse 1, zu meinen Lebzeiten also known as Bundesstrasse 1, zur Zeit des Frühfeudalismus als Hellweg, noch früher als via regia, nach Westen radelte. Def gut ausgebaute Radweg ist dem Publikum schon spätestens sei dem letzten Jahr bekannt. Was jetzt folgt, auch. (Wer sich beginnt zu langweilen, sollte sich testen statt hier herumzulesen – mein Ergebnis ist 44. Oder amüsiert euch über das Gejammere der Medien.)

Was mir in Berlin fehlt, sind die Aussichten über sanfte, begrünte Hügel, mit vielen Bäumen und einer abwechslungsreichen Mixtur aus Feldern, Wiesen und Wäldern. Leut Google war ich auf der Chaussee (so haben wir den Hellweg als Kinder genannt) – der Verlängerung der Provinzialstrasse, aber mein Foto ist natürlich besser.

Und nun zu uns, Holzwickede! Warum ist der westliche Radweg der Nordstrasse eigentlich gesperrt, obwohl da nichts kaputt zu sein scheint? Oder ist nur die Berliner Seuche, überall rot-weiße Plastikabsperrgitter hinzupflanzen, obwohl dahinter nie die schuftende Bauarbeiterklasse zu sehen ist, in den Ruhrpott geschwappt?

Lustig: Die Neuapostolische Kirche, in der ich als Kind mindestens fünf Mal in der Woche war und die mangels Verehrer höherer Wesen dieser speziellen Sorte schon vor einigen Jahren aufgegeben wurde, gehört jetzt den Buddhisten. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas in Holzwickede gibt. Es würde mich schon interessieren, ob die vorher eine Art Exorzismus betrieben haben, um die christlichen Geister zu vertreiben. (Eine Frage ans Ordnungsamt: Wieso dürfen Buddhisten elektische Leitungen wie Lichterketten außen an den Mauern aufhängen, sodass einem als Hobby-Elektriker die Haare zu Berge stehen?)

Vor meinem Geburtshaus machte ich wie gewohnt eine kleine Pause, war aber leicht indigniert, da mir die paternalistische Attitüde, jeden Furz normgerecht vorschreiben zu wollen, nicht behagt: Atmen sie regelmäßig, vergessen sie nicht zu kacken, und wischen sie sich mit der Serviette neben ihrem Kuchen nicht den Arsch, sondern Mund ab! Eine Serviette gibt mir keine Anweisungen, was ich zu tun habe!


Falls ich nicht mehr wüsste, wann ich geboren bin, könnte ich im Rathaus Holzwickede fragen. Im Kirchenbuch der Evangelischen Kirche ist noch mein Vater verzeichnet, obwohl der noch als Kind zwangsweise in die Sekte wechselte.


Die ortskundigen Leser warten selbstredend voller Spannung auf den Lünschermannsweg (bei Google komme ich jetzt an dritter Stelle) bzw. die Quellenstrasse. Ich war natürlich ausgerüstet für das obligatorische Selfie.
Ich zitiere mich selbst (13.05.2024): Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Oktober 2017), hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)?


Ich hätte da noch eine Frage an die hier mitlesenden Landwirte und andere Bauern. Was wurde da gepflanzt? Kartoffeln sind es nicht, Mais ist es auch nicht. Vielleicht Hafer?

Außerdem verstehe ich nicht, wie man mit einem Pflug so gerade Furchen ziehen kann, als hätte jemand mit einem kilometerlangen Lineal danebengestanden?! Oder ist das schon künstliche Agrarintelligenz?



Den Hixterwald mit den Rinnsalen, die ein paar hundert Meter weiter unten die Emscherquelle bilden, kennt hier mittlerweile jeder. Auch hier wiederholen wir gemeinsam: Wir reden über das Siepensystem des Selbachs (Link korrigiert).
Ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Opa bei den Spaziergängen mit mir im Hixterwald erzählte, die großen Löcher, die man überall sieht (vgl. Foto in der Mitte), seien Bombenkrater. Das war natürlich Unfug. Er wusste es nicht besser. Aber ChatGPT weiß es:
Ja, im Ruhrgebiet gibt es einen speziellen Begriff für solche Löcher oder Krater in Wäldern, die durch den frühen, meist oberflächennahen Abbau von Kohle entstanden sind:
Eine Pinge (Plural: Pingen) ist ein trichterförmiger, meist abgesackter oder eingestürzter Bereich des Bodens, der durch alten Bergbau verursacht wurde – oft durch sogenannten „Pingenbau“ oder durch Einsturz alter Stollen. Im Ruhrgebiet und anderen Bergbauregionen Deutschlands finden sich solche Pingen häufig in Wäldern, an Böschungen oder auf Brachflächen, wo im 18. oder 19. Jahrhundert Kohleflöze nahe der Erdoberfläche durch kleinen Schachtbau oder Handarbeit abgebaut wurden.
Merkmale von Pingen: oft muldenförmig oder trichterartig, heute meist bewachsen, wirken wie kleine Senken oder Kuhlen, manchmal in Reihen oder Gruppen auftretend.
Umgangssprachlich werden sie in manchen Gegenden auch „Kuhlen“, „Schlote“ oder einfach „alte Schächte“ genannt, aber „Pinge“ ist der korrekte fachliche Begriff. Wenn du z. B. durch einen Wald bei Essen, Bochum oder Dortmund [der Hixterwald liegt größtenteils in Dortmund-Sölderholz] gehst und solche Kuhlen siehst, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Pingen des Altbergbaus. Viele dieser Stellen sind heute als bergbauliche Relikte unter Schutz gestellt oder mit Warnschildern versehen, da sie nach wie vor absacken können.
Ich wollte natürlich mein komplettes Pflichtprogramm abspulen und radelte noch zum Kellerkopf. Das Kriegerdenkmal ließ ich aus und genoss stattdessen wieder die Aussicht ins Tal der Ruhr.

Ich wollte das alles schon gestern posten, aber ich befleißigte mich nach meiner Rückkehr im Don Camillo zusammen mit meinem Schuldfreund Harald, mit dem ich die meisten politischen Ansichten teile, der Todsünde der Völlerei und Trinkerei. Die Speisen waren wie immer großartig lecker. Ich habe so viel Geld verballert wie manche Leute am Tag verdienen. Das musste mal gesagt werden, weil ich zwar arm, aber (noch) privilegiert bin.

ChatGPT: Mögliche legale Tätigkeiten mit etwa 60 € Tagesverdienst:
🧹 Mini-Jobs / Geringfügige Beschäftigung
Reinigungskräfte (Teilzeit, z. B. 4–5 Stunden am Tag)
Zeitungsausträger
Küchenhilfen / Spülkräfte
Lagerhelfer oder Kommissionierer (z. B. 4 Stunden pro Tag)
Verkäufer/in auf 450-€-Basis (bzw. 538 € seit 2024)
Wisst ihr Bescheid.