Hermann der Cherusker Markthalle

Arminius Markthalle

Arminius-Markthalle, Berlin-Moabit, eröffnet 1891.

Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs, revisited again

Warschauer Ghetto

Dieser Artikel erschien auf burks.de vor fünfzehn Jahren. Ich habe ihn leicht verändert und die Links und Bilder aktualisiert. Vgl Burks.de vom 19. April 2013 und vom 20. April 2003: „Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs“ sowie den Stroop Report.

Am 19. April 1943 fand die herausragendste militärische Leistung des zweiten Weltkriegs statt. Sehr wenige gegen viele, sehr schlecht Bewaffnete gegen einen übermächtigen militärischen Apparat, heroischer Mut, den sicheren Tod vor Augen, nur noch ein mögliches Ziel: in Würde zu sterben. Der Kampf der wenigen hundert Frauen und Männer hinterließ der Welt ein Fanal – es machte sie und die wenigen Bilder, der erhalten sind, unsterblich.

Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto. Im Juli des Vorjahres hatten die Nazis angefangen, die Juden aus Warschau in die Konzentrationslager zu deportieren. Die Geschichte ist bekannt, und zahlreiche und gute Websites informieren über die Details. Im Oktober 1942 gründete sich die „Jüdische Kampforganisation“ Żydowska Organizacja Bojowa“ im Ghetto. Die ersten Aktionen wandten sich gegen Kollaborateure. Am 23. Januar sollte losgeschlagen werden. Doch vier Tage vorher marschierten die Nazis in das Ghetto ein. Nach vier Tagen erbitterten Kampfes mussten sich die Deutschen zurückziehen. Die ZOB verlor fast 80 Prozent ihrer KämpferInnen.
Warschauer Ghetto
In den folgenden Wochen organisierten die Juden im Ghetto ein System von Bunkern, die mit der Kanalisation verbunden sind, und versuchten, Waffen „nach drinnen“ zu schmuggeln. Einige Namen sollen hier genannt werden: Mordechai Anielewicz, der Organisator der Untergrundbewegung und des Aufstands im Ghetto, Yitzhak Zuckerman, Gole Mire and Adolf Liebeskind. Und Marek Edelmann der letzte überlebende Anführer des Aufstands starb 2009. Eine Ironie der Geschichte ist es, dass die Fotos des heroischen Widerstands ausgerechnet von einem fanatischen Nazi stammen, von Jürgen Stroop, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei, Leiter der Vernichtung des Warschauer Ghettos. Der 76-seitige „Stroop-Report“ samt Fotos kann digitalisiert im Original im Internet nachgelesen werden.

Im Morgengrauen des 19. April marschieren die Waffen-SS erneut in das Ghetto ein – Himmler will Hitler zum Geburtstag ein „judenfreies“ Warschau schenken. Die Juden – weniger als 1000 – haben nur zwei Maschinengewehre, 15 (!) Gewehre und 500 Pistolen – und eröffnen dennoch das Feuer. Die Nazis werden zurückgeschlagen und kommen mit 5000 Mann am Abend zurück.

Ein Augenzeuge: „Die unseren kämpften so gut sie konnten. (..) Ich blickte in die ruhigen Gesichter der Frauen, sie waren ohne Tränen, ohne Furcht, entschlossen, würdig zu sterben.“ Am vierten Tag der Kämpfe beginnen die Nazis das Ghetto auszuräuchern und schießen mit Flammenwerfern die Häuser in Brand. Die ZOB zieht sich in die Bunker zurück. Da die Nazis hier nicht eindringen können, leiten sie Giftgas in die Bunker oder setzen die Gebäude unter Wasser. Roza Rozenfeld – die Kommandeurin des Bunkers in der Lesznostraße – kämpft, bis ihr das Wasser bis zum Hals steht. Dann wird sie erschossen. Am 8. Mai 1943 nehmen die Nazis den Bunker, in dem der Führungsstab der ZOB kämpft. Doch der Widerstand geht weiter. Viele der Kämpfer bringen sich um. Die SS braucht zehn Wochen, um die jüdischen KämpferInnen zu besiegen. Die Überlebenden werden in Konzentrationslager gebracht. Nur wenigen gelingt die Flucht. Das Warschauer Ghetto wird dem Erdboden gleichgemacht.

Warschauer Ghetto

Aus dem Kriegstagebuch des Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld: „In Treblinka werden die Züge mit den Viehwaggons ausgeladen, viele der transportierten Menschen sind schon tot. Die Toten werden neben den Gleisen aufgeschichtet, die gesunden Männer müssen die Leichenberge wegschaffen, neue Gruben graben und die gefüllten zuwerfen. Dann werden sie erschossen. Frauen und Kinder müssen sich entkleiden, werden in eine fahrbare Baracke getrieben und werden da vergast. […] So geht das nun schon lange. Ein furchtbarer Leichengeruch liegt über der ganzen Gegend.“

Bildquellen: „Unknown Stroop Report photographer“, vgl. die Angaben bei Wikipedia.

Last Dandy Standing

Tom Wolfe (1931 – 2018)

„Wolfe war einer der Pioniere des New Journalism. Respektlos. Brilliant recherchierte Geschichten. Ein literarischer Journalismus, Romane, die eigentlich Riesenreportagen waren (Fegefeuer der Eitelkeiten, Die Helden der Nation, Ein ganzer Kerl, etc.) Zu dem Mann haben wir aufgeblickt.“ (Peter Glaser)

Ein großartiger Schriftsteller! Ich habe seine Bücher begeistert gelesen. Auf burks.de besprochen: A Man in Full und Ich bin Charlotte Simmons (einfach nur brilliant!). Fegefeuer der Eitelkeiten ist zeitlos und eines der besten Bücher, die je geschrieben wurden.

Metallbau

metallbaukasten

Seit meiner Kindheit habe ich diesen Metallbaukasten, das beste Spielzeug, was ich je besaß. Das merkwürdige Auto mit Propeller (oder soll das ein Motorschlitten sein?) habe ich nie hingekriegt…

Fünf auf einen Streich

Rettungsstelle

Innerhalb von 35 Minuten kamen neun Feuerwehren und brachten Patienten. Fünf auf einen Streich bekam ich auf’s Bild. Der normale Wahnsinn am Wochenende. #notfallaufnahme #rettungsstelle

Armee ohne Unterhosen

Harald Martenstein im Tagesspiegel über nachhaltige Unterwäsche:
„Überraschend fand ich die Nachricht, ebenfalls in der Zeit, dass bei der Bundeswehr auch die Unterhosen knapp sind. Eine Armee ohne Unterhosen hat es in der Militärgeschichte zum letzten Mal beim großen Showdown zwischen Neandertalern und Homo sapiens gegeben. Das Unterhosenproblem hängt damit zusammen, dass die Öko- und Nachhaltigkeit-Standards inzwischen so hoch sind, dass kaum eine real existierende Unterhose sie erfüllen kann. Die Bundeswehr muss die Lebensbedingungen jedes einzelnen Schafes prüfen, welches Wolle für das Garn der Unterhose stiftet.“

Marx, 219a und Gewalt

Thomas Fischer auf Spiegel online zu den Themen Marx, § 219a und Gewalt. Lesenswert und wortgewaltig.

Please press your desired button

Wenn ihr am Geldautomaten seid und die Karte zückt, passt auf, dass keine Krähe in der Nähe ist. Vielleicht wäre anschließen das Konto leer und ein Krähenschwarm machte eine große Party.

Alte Spree, Sophienwerder und drumherum

kanu in Spandaukanu in Spandaukanu in Spandaukanu in Spandaukanu in Spandaukanu in Spandaukanu in Spandaukanu in Spandau

Heute habe ich mehrere Orte in Berlin kennengelernt, von denen ich noch nichts wusste, obwohl ich von 1977 bis 1995 auch Taxi in Berlin gefahren bin, also jeden Bordstein kennen müsste. Vom Wasser aus hat man aber eine andere Perspektive.

Ich bin also vom Bootshaus Stößensee nach Norden gepaddelt, durch das hier schon lobend erwähnte Klein-Venedig, über den Hauptgraben und den Kleinen Jürgengraben in den Südhafen Spandaus (die „Einfahrt“ von dort nach Klein Venedig sieht man auf dem untersten Foto), dann die Havel hoch, am Rathaus Spandau vorbei bis nach Stresow und der gleichnamigen Brücke. Ein Teil Stresows heisst Die Freiheit, ein abgabenfreies Land. Wusste ich alles nicht.

Kurz danach mündet die Spree in die Havel (3. Foto von oben). Ein recht unromantischer Ort.

Leider hatte ich ganz vergessen, dass die Havel nördlich davon eine Schleuse hat. Es wäre interessant gewesen, mit dem Kanu da durchzufahren, aber sie war gerade für den Gegenverkehr geöffnet und ich wusste nicht, wie lange sowas dauert. An die hier mitlesenden Kanuten Berlins: Kommt man denn in den Westlichen Abzugsgraben und von dort zur Zitatdelle oder muss man irgendwie einen Wasserfall hinaufpaddeln? Eine Schleuse gleicht doch ein Gefälle aus, so weit mir bekannt ist?

Ich bin also ein Stück die Spree hinauf bis zur Alten Spree. (Das Fäkalienschiff war zum Glück nicht da. Weiß jemand, was das ist? Wird die Scheiße Berlins per Schiff abtransportiert – und wohin?)

Auch die Tafel, die anzeigt, wie hoch das Wasser in Sopienwerder 1961 stand, gibt mir Rätsel auf. Am 2. Juni 1961 verzeichnet eine Wetterchronik „schwere Unwetter mit sintflutartigem Regen in Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz, schlimmste Hochwasser seit 100 Jahren, Leine bei Hannover 2,65 m., viele Überschwemmungen, Tote, Millionenschäden.“ Hat sich das auch in Berlin als Hochwasser bemerkbar gemacht?

Das nächste Mal paddele ich bis in den Karpfenteich am Charlottenburger Schloss – wenn man mich lässt und da kein Wehr ist oder jemand, der mich erschießt. Versprochen!

Unter Vigilanten (chinesische Version)

empathie in china

Jemand behauptete, ich würde die verehrte Leserschaft triggern. Ich musste erst nachschauen, was das ist. (Hat hier jemand posttraumatische Belastungsstörungen?) Das könnt ihr haben – mit obigem Video aus China: „A shocking video has gone viral recently on Chinese social media showing an African man receiving some swift retribution for apparently bullying a beggar on the street in Guangzhou.“ Vigilantismus, chinesische Version.

Ernste Fragen: Handelt der Vigilant aus Empathie für den Bettler? Was hättet ihr getan, wenn ihr dabei gewesen wäret? Wem gehört eure spontane Sympathie – und warum genau?

So etwas könnte vor meinem Arbeitsplatz auch zu sehen sein, inklusive der Hautfarbe, und ich wüsste, was ich täte. Aber das Problem ist natürlich extrem kompliziert…

Lesbar

ehrenreichdas kapital

Neu in meiner Bibliothek: Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben? sowie Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie | Erster Band Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski.

Von Barbara Ehrenreich kann man ohnehin alles lesen. Sie wurde hier schon mehrfach lobend erwähnt.

And now for something completely different (nicht wirklich).

Das Ministerium für Wahrheit informiert

Das Ministerium für Wahrheit informiert: Konzentrationslager für unerwünschte Personen heißen jetzt Ankerzentren.

Amri et al

Telepolis: „Amri-Ausschuss: Spuren führen zur Generalstaatsanwaltschaft Berlin“.
Beim Lesen stehen einem die Haare zu Berge. Honi soit qui mal y pense.

Kampfmodus

Der Tagesspiegel über „Schüler und Eltern im Kampfmodus gegen Lehrer“.

„Viele der Eltern kommen aus dem arabischen Raum, eine resolute Frau ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Und wenn Astrid-Sabine Busse mal sehr deutlich klarmacht, wer hier die Regeln bestimmt, ‚dann sind arabische Männer fassungslos. (…) Man muss sich Zeit nehmen für die Gespräche. Man muss aber auch unbedingt Respekt abverlangen. Und wichtig ist eine klare Sprache. Man muss klarmachen, wer der Chef ist.'“

Yalla! Aber wer das nicht kann, dem kann man es auch nicht verordnen. Es ist eine Frage des Charakters und der Persönlichkeit.

By the way, kann mir mal jemand erklären – aus ethnologischer Sicht – warum das im „arabischen Raum“ so ist?

Miscellaneous und: Blowjob darf gesagt werden

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Zeichnerische Darstellung von Fellatio (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Pornoanwalt: „Bundesgerichtshof, Beschluss vom 23. Januar 2018 (1 StR 625/17): Das Landgericht hat durch die Verwendung weniger einzelner, ursprünglich aus der englischen Sprache stammender Begriffe (wie ‚Blow-Job‘ oder ‚Doggy-Style‘)… im Urteil nicht gegen § 184 GVG [‚Die Gerichtssprache ist deutsch.‘] verstoßen. Dabei kann offenbleiben, ob die genannten Begriffe nicht ohnehin bereits in die deutsche Sprache übernommen worden sind, worauf der Generalbundesanwalt hinweist.“

The Guardian: „Revealed: Trump team hired spy firm for ‘dirty ops’ on Iran arms deal. (…) Aides to Donald Trump, the US president, hired an Israeli private intelligence agency to orchestrate a “dirty ops” campaign against key individuals from the Obama administration who helped negotiate the Iran nuclear deal…“

Popcorn!

Die Welt: „Dem Anwalt von Deniz Yücel drohen zwei Jahre Haft. (…) Der Anwalt hatte am 25. Dezember 2015 in einem Interview mit der mittlerweile eingestellten Zeitung „Özgür Düsünce“ unter anderem erklärt, die türkische Justiz sei ‚durchgängig gleich gefärbt‘ und spreche ‚mit einer Stimme‘. (…) …. wurde das Verfahren gegen ihn laut Anklageschrift nach einer Beschwerde aus dem Büro von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan begonnen.“

Schon klar.

Telepolis: „Auswärtiges Amt: Kriegsmarketing statt Friedensdiplomatie? (…) Das deutsche Außenministerium will „kampagnenfähig“ werden und hat dazu vor kurzem mehrere PR-Experten und Journalisten eingestellt. Propaganda betreibe man aber nicht.“

Nein, man ist ja auch für das Ministerium für Wahrheit unterwegs.

Der Tagesspiegel: „Neuköllns Bürgermeister hält an Kopftuchverbot fest“.
Das ist auch gut so. Aber: „Die Grünen halten das Neutralitätsgesetz für verfassungswidrig, da es bestimmte Religionen diskriminiere. Die Linksfraktion hat noch keine gemeinsame Position gefunden.“

Ich fass es nicht. Kann mal jemand die Grünen abschaffen?

Die Chinesen haben einen Flughafen gebaut. Mehr in der South China Morning Post. Am BER sterben derweil sogar die Fische.

200!

MEW

Heute ist der 200. Geburtstag Karl Marxens. Was muss man dazu sagen? Vielleicht sollte man Euklid fragen. Sind dessen Lehrsätze noch richtig, obwohl sie unglaublich alt sind? Wenn ja, dann gilt das auch für vieles, was Marx geschrieben hat, zumindest als Methode und Idee, wie man weiter denken könne.

Ich fände es übrigens lustig, wenn sich die Leute 200 Jahre nach meinem Geburtstag immer noch über mich aufregten oder gar die Chinesen meinem Geburtsort eine Statue von mir schenkten.

TurkStream

UPI: „Gazprom completes section of TurkStream pipeline“.
Der Artikel erklärt, um was er wirklich geht in Syrien: „For Russia, the link through Turkey is part of its growing ambition to add diversity to export arteries to the European market. (…) Turkey, meanwhile, aims to capitalize on its geographic position by becoming an energy bridge between Central Asian and Middle East suppliers and the European market.“

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