Huelga oder gendersozialökologischklimatisch?

socabaya la paz

La Paz, Bolivien, während des Generalstreiks 1984. Hier der Blick von unserem Balkon des Hotel Torino auf die Socabaya ganz nah am Palacio Quemada. Der war damals Sitz des Präsidenten Hernán Siles Zuazo. Tag und Nacht demonstrierten damals die Bergarbeiter und Gewerkschaften.

Apropos Streik.

Zwischen Mittwoch, 4. März, und Sonntag, 8. März, wird die DB Regio Bus Nord GmbH durch die Gewerkschaft Ver.di bestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Post-Tochterunternehmens Deutsche Post Customer Service (DP CSC) zum ganztägigen Streik aufgerufen. Betroffen war der Standort Fürth. Usw.

Telepolis beschreibt Mobilizing und Organizing: “Den Gewerkschaften kommen die Mitglieder abhanden. Die Alten gehen in Rente oder sterben und bei den jungen Arbeitnehmern kommen nicht viele Mitglieder nach. Klassische Industriebetriebe haben ihre Produktion oft verlagert und geblieben sind die Angestellten, auf die die Industrie-Gewerkschaften bislang nicht oder weniger setzten”.

Das Konzept ist banal, aber offenbar für die Funktionäre der Gewerkschaften nicht selbstverständlich – man will die Mitglieder fragen, was ihre Probleme sind. Ach?!

In der aktuellen Konkret schreibt Stefan Dietl über Nazis am Werk – Im Umgang mit der AfD wirken die Gewerkschaften oft hilflos.

In der aktuellen Z – Zeitschrift für Marxistische Erneuerung ist ein Attikel über die aktuelle Situation in Italien. Darin der bemerkenswerte Satz: “So ist es der Lega trotz ihrer früheren Beteiligung an der von Berlusconi betriebenen Privatisierungs- und Arbeitsmarktpolitik und mithilfe einer geschickten Nutzung der Social Media gelungen, sogar Sympathisanten der Linken sowie kommunistischer Organisationen zu gewinnen, die von der Verteidigung der weißen Arbeiterklasse gegen Globalisierung und die vermeintliche Konkurrenz durch ein migrantisches Subproletariat fasziniert sind.”

Offenbar haben die Gewerkschaften keinen Plan, wie man das Proletariat, das nicht so wählt, wie es sich gehört, wie die Linke es sich so denkt, zurückholt. Die Zahl rechter Betriebsräte habe sich verfünffacht. Man beschimpft sie bequemerweise als Nazis. Das führt bekanntlich nicht allzuweit – vgl. Italien. “Aufklärung” nützt auch nichts -das ist wieder die Attitude, dass die Funktionäre viel schlauer seien als die “verirrten” Mitglieder.

Mein Vorschlag: Die Linke muss sich auf den Markenkern besinnen und Lifestyle-Fragen wie “Klima”, “Diversity” (was immer das heißen mag) uns. den Grünen überlassen. Markenkern heißt a) Lobby für die Arbeiterklasse und b) Klassenkampf, der auch so benannt werden muss.

Bernd Riexinger hat in dem unsäglich langweiligen Video auch zu Recht darauf hingewiesen, dass “Klima” letzlich auf die Klassenfrage hinführt. Es gibt offenbar, wenn man sich die Diskutierenden anseht, viel zu viele Leute, die sich mit ihren privaten Hobbys beschäftigen und die politisch interessierte kleine Öffentlichkeit damit belästigen. Man müsste denen einfach mal rhetorisch über’s Maul fahren (aber ich würde vermutlich, wenn ich die die Partei “Die Linke” einträte, sehr schnell wieder hinausgeworfen wegen politisch unkorrekter und nicht erwünschter Statements).

Und dann dieses bürokratische Neusprech-Gestammel: “sozioökologischer Umbruch” – welcher normale Mensch redet denn so? Die merken das gar nicht mehr. “Sozial-ökologisch” – das ist doch der letzte Quatsch. Dann schon gleich “gendersozialökologischklimatisch”.

Kommentare

5 Kommentare zu “Huelga oder gendersozialökologischklimatisch?”

  1. Godwin am März 6th, 2020 11:09 pm

    DIE Arbeiterklasse – das klingt schon wie Urban Legend…

    … da steht doch dass die inzwische weg ist. “geblieben sind die Angestellten”

    und was wollen eben jene “Angestellten”??
    ja genau – die wollen, dass die Arbeitgeber sich nicht so anstellen, damit SIE – und nicht etwas die ungeliebte Konkurrenz Angestellt bleiben und sich nicht im Jobcenter anstellen müssen.
    Systemfrage? pfff. Pustekuchen
    Die Antwort ist eh 42

    (btw – gibt es für Systemfrage überhaupt eine Übersetzung???)

  2. GrooveX am März 7th, 2020 7:16 am

    „Die Linke muss sich auf den Markenkern besinnen“

    die worthülse und ihr gegenstück

    „sozioökologischer Umbruch“

  3. altautonomer am März 7th, 2020 10:09 am

    Zum Mythos Markenkern der LINKEN:

    Bodo Ramelow, der die Gelegenheit auf dem Strategiekongress in Kassel nutzte, um zu verkünden, dass er auch bei der – mutmaßlich – 2021 stattfindenden nächsten Landtagswahl wieder als Spitzenkandidat seiner Partei antreten werde, lobte (den Klassenfeind d. V.) »unsere Unternehmer«, die bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten sehr geholfen hätten. Da habe er selbstverständlich nicht erst gefragt: »Zahlt ihr den Tarifvertrag? Und seid ihr für einen Betriebsrat?« Unternehmer, wusste er zu berichten, hätten »bei uns« als »gesellschaftliche Kraft« das »höchste Ansehen«.

    Damit ist das ver.di-Mitglied Ramelow definitiv im Neoliberalismus angekommen. Nicht den Initiativen vor Ort, den Flüchtlingshilfegruppen, den Tafeln und Kirchengemeinden galt sein Lob, sondern denjenigen, die jenseits tariflicher Bindungen aus einem unerschöpflichern Reservoir an Billigarbeitskräften schöpfen und profitieren konnten.

  4. altautonomer am März 8th, 2020 8:16 am

    Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat nach eigener Aussage den Landtagsvizepräsidenten der AfD mitgewählt. „Ich habe mich sehr grundsätzlich entschieden, auch mit meiner Stimme den Weg frei zu machen für die parlamentarische Teilhabe, die jeder Fraktion zugebilligt werden muss“, sagte er dieser Zeitung. Ramelow ist neben seinem Regierungsamt weiterhin Abgeordneter.

    https://www.thueringer-allgemeine.de/politik/ramelow-habe-fuer-afd-vizepraesidenten-im-thueringer-landtag-gestimmt-id228629213.html

  5. Formiert marschieren : Burks' Blog am Juni 1st, 2020 1:37 pm

    […] und das Foto habe ich wahrscheinlich beim zweiten Mal aufgenommen, weil das nicht in der Nähe des Palacio Quemada […]

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