Santa Ana de Alto Beni

Santa Ana de Alto BeniSanta Ana de Alto Beni

Santa Ana de Alto Beni, Dschungel von Bolivien. Hier steckten wir fast eine Woche fest.

Aus meinem Reisetagebuch, 22.05.1984:
Wir schlafen eine Nacht an der Polizeistation an der Brücke [Der Ort scheint immer noch nicht viel größer zu sein als damals.] Das Dorf Sapecho besteht nur aus ein paar Hütten, aber sie haben sogar eine Kneipe. Ein Boot flussabwärts gibt es nicht. Später erfahren wir, dass wir durchaus hätten warten können, aber es wären vermutlich mehrere Tage gewesen, wenn nicht Wochen.

Am Morgen empfiehlt man uns, zu Fuß den Weg nach Santa Ana de Alto Beni zu gehen, was wir schweren Herzens auch tun. Wider Erwarten ist der Pfad durch den Dschungel nur 13 Kilometer lang. Wir schwitzen uns zwar die Seele aus dem Leib, aber sehen den Fluss und ein abwechslungsreiches Panorama. Gegen Ende des Marsches bekommen wir sogar von den uns entgegenkommenden Leuten exakte Informationen über den Weg, den wir noch zurücklegen müssen.

Santa Ana de Alto Beni: nur eine Straße, eine Pentecostal-Kirche, zwei Kneipen und ein paar Läden, in denen refrescos verkauft werden. Erst erwischen wir eine Flasche Chicha [Maiswein], die wir hinunterstürzen, dann die schlechtere der beiden Kneipen. Aber am nächsten Tag gibt es leckeres Essen bei einer Frau, die sich richtig Mühe macht und Papayas zu einem Salat zubereitet. Auf der anderen Seite des Flusses wartet in deutschen Paar aus Stuttgart schon mehrere Tage, sie sind ziemlich fertig, total zerstochen, und kriegen nichts mit, weil sie kein Spanisch sprechen.

Wir stecken mehrere Tage fest. Am Mittwoch gibt es reichlich psychischen Stress wegen der Abfahrt eines Bootes nach Norden nach Rurrenabaque. Wir sind ständig auf dem Sprung, um das Boot nicht zu verpassen. Die letzte Nacht kampieren wir sogar auf der Veranda der capitania del puerto, nach einem für hiesige Verhältnisse netten Gespräch mit dem Häuptling der policia. Wir hatten fast eine Woche in einem unbewohnten Haus direkt am Fluss gewohnt (vgl. Foto oben, rechts kann man unsere Hängematten sehen. Das oberste Foto zeigt die andere Seite der Straße].

Die anderen Leute, die zum Teil auch schon tagelang auf ein Boot warten, sind dumm, aber neugierig und freundlich. Es war dann doch vorauszusehen: Wir machen eine Passagierliste auf einem Zettel, die aber einen Tag vor dem Ablegen des Kahns nicht mehr gelten soll, weil alle anderen mit dem fetten Macho-Polizisten etwas ausgemauschelt haben. Ich werde laut, aber ein Polizist richtet seine Waffe auf mich. Sie müssen extra den Kommandanten holen, der uns auf ein zweites Schiff verweist, was bald kommen soll.

Ein bärtiger Typ empfiehlt uns, aber sagt gleichzeitig, wir sollten uns keine Hoffnung machen. Ich verhandele stundenlang mit dem Kapitän des Bootes, der ein ekelhafter Macho ist, zehn US-Dollar und 2000 Pesos für die Passage, die sich dann beim Auftauchen eines Mannes, der behauptet, der Kurs des Dollars sei gefallen, auf 5000 erhöht.

Am Freitag geht es am frühen Morgen endlich los – mit zwei Booten, langsam und mit vielen Zwischenstopps. Comida gibt es nur für Bolivianer, aber wir haben ja unseren Benzinkocher.

Landschaftlich wird es erst interessant, als wir enge Schluchten passieren und das Wasser so reißend wird, dass wir total nass von den Wellen werden. Zwischendurch ist der Rio Beni wieder so seicht, dass wir alle rausspringen und die Boote schieben müssen, natürlich total schwachsinnig, nämlich quer zur Strömung. Das Schiff ächzt und stöhnt, aber ein Stahlseil sichert es, dass es nicht durchbricht.

Abends schießt der Kapitän auf alles, was sich bewegt, und ein anderer fischt mit Dynamit ein Dutzend fetter Fische, die so voller Gräten sind, dass wir nicht bedauern, nichts abzukriegen. Kurz vor Dämmerung legen wir an einer Sandbank an und machen Feuer und kochen etwas. Die beiden Stuttgarter frieren und haben Hunger, während wir in unsere Schlafsäcke kriechen. Das war unsere erste Nacht am Lagerfeuer mitten im Fluss…




Chichén Itzá

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Chichén Itzá, Mexiko, fotografiert am 18.10.1979. Die beiden unteren Fotos zeigen den Caracol (“Schneckenturm”), ein Observatorium der Maya.




Schwesterchen und Brüderchen

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Schwesterchen und Brüderchen aus Elorza im Süden Venezuelas, fotografiert 1998.




Reis mit Eiern

chica

Ein Mädchen auf der Mario Angel, einem “Seelenverkäufer” auf dem Río Mamoré im Dschungel Boliviens. Ich reiste im Februar 1980 von Puerto Villaroel bis nach Trinidad. Das Original-Dia ist leider verlorengegangen, aber ich hatte noch ein Foto, das ich eingescannt habe.

Sorry, ich habe gerade sehr viel zu tun, in diversen Berufen, und komme kaum zum Bloggen. Morgen ist auch das erste Online-Seminar, das ich von zu Hause aus halten werde. Ich muss mich jedes Mal vorbereiten, da ich den Ehrgeiz habe, die umfangreichen Seminarunterlagen aktuell zu halten.

Leider ist der Relaunch der Website auch noch nicht fertig. Das liegt an mir, weil ich noch nicht alle Texte fertiggestellt habe und unzählige Links aktualisieren musste.




Yahoo in den Llanos, revisited

palmarito

Das Foto eines Reiterspiels habe ich 1998 in dem winzigen Ort Palmarito in den südlichen Llanos von Venezuela gemacht (vgl. 09.10.2012).




Chicos a caballo

vistahermosa

Straßenszene in Vistahermosa, in der Nähe der Serranía de la Macarena im Osten Kolumbiens (Januar 1982).




Porto de Ceasa

porto de Ceasa Brasil amazonas

Die Ankunft der Fähre von Porto do Careiro Castanho am Solimoes (Amazonas) in Porto de Ceasa. Mit dem Bus auf dem Bild bin ich von Porto Velho nach Manaus gereist.

Aus meinem Reisetagbuch, 24.02.1980 [Porto Velho]:
Brasilianisches Portugiesisch ist das letzte: Ich verstehe kein Wort. Wir fragen uns trotzdem durch zur Busgesellschaft Rondonia. [Scheint es nicht mehr zu geben.] Im Bus [von Guaramirim] quatschen wir mit Kenneth, der einen schottischen Vater und eine deutsche Mutter hat und recht gut Deutsch spricht. Er lädt uns in sein Appartement ein und bezahlt auch noch das teure Taxi.

Kenneth arbeitet in irgendeiner Landwirtschaftsbehörde. Jedenfalls hat er nicht viel zu tun. Es gibt Kaffee aus großen Kanistern. Er führt uns über den Markt von Porto Velho, und wir probieren alles aus: Ein Getränk aus Cupuaçu, Tapioka (schmeckt wie Maniok mit Zimt, lecker!), Tambaqui, ein wahnsinnig großer Fisch. Eine Gemüserolle mittags schmeckt auch ausgezeichnet. Das Essen ist vergleichsweise teuer, aber auch um mehrere Klassen besser als in Bolivien.

[Was nicht in meinem Tagebuch steht, was ich aber nie vergessen werde: Auf dem Markt begegnete uns ein Mann in sehr ärmlicher Kleidung, der seinen zerfetzen Hut abnahm, in den Händen drehte und unseren Gastgeber Kenneth in unterwürfiger Haltung bat, die “reichen ausländischen Herren” – also uns! – zu fragen, ob sie nicht Arbeit für ihn hätten.]

Wir gehen noch in ein Eisenbahn-Museum. Alle Lokomotiven sind schon sehr schrottig.

Kenneth hat sich mehrere Flächen Land gekauft, 200 km südlich von Porto Velho, 500 Hektar für 40.000 DM. Die Leute aus den südlichen Regionen Brasiliens kommen alle in den Norden und arbeiten für die Grundbesitzer. Die Indianer hätten zwei seiner Leute umgebracht. So etwas hören wir auch von der Busstrecke nach Boa Vista, wo wir nach Manaus hinwollen. Aus irgendwelchen Gründen greifen die Indianer nur in der Nacht an, deswegen warten die Busse vor dem gefährlichen Gebiet, bis ein Konvoi zusammen ist.

Der Bus nach Manaus kostet 1022 Cruzeiros – wir nehmen versehentlich den Luxus-Bus, der doppelt so teuer wie der normale Bus ist, weil wir nicht kapieren, dass leito “mit Liegesitzen” bedeutet. Nur drei Sitze nebeneinander! Mit Kopfkissen, großen Colaflaschen, Kaffee und Bonbons.

26.02. Wir kommen um ca. acht Uhr am Rio Solimoes an und warten eine Stunde auf die Fähre. Ich rede mit dem Busfahrer, der sogar einen Schlips trägt. Der erzählt, dass er studieren wollte, aber dass ihm die Regierung das nicht erlaubt habe, weil er bei den Studentenunruhen vor 12 Jahren mitgemischt hat.




Run through the jungle

run through the jungle

Bolivien, Pando-Dschungel (ungefähr hier), fotografiert Ende Juni 1984. Meine damalige Freundin und ich waren auf dem Marsch zu einem Kautschuksammler samt Familie. Man hatte uns gesagt, der “Weg” sei leicht zu finden. Vermutlich hätte Winnetou die Aufgabe als “leicht” empfunden, wir waren ganz schön verunsichert. Wer den Urwald kennt, weiß, dass manchmal wenige falsche Schritte ausreichen, um verloren zu sein. (Vgl. “Tag der Arbeit” 01.05.2019, “Der Kautschuksammler, revisited” 04.04.2011)




Zickzack und das Bad der Inka

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Die oberen drei Fotos zeigen Qenko – das Quechua-Wort für “Zickzack”, ein “heiliger” Platz der Inka; das untere Tambomachay, das “Bad der Inka” im Valle Sagrado bei Cusco, alle fotografiert im November 1980. Auf dem unteren bin ich zu sehen.

Mein Tagebucheintrag an dem Tag ist lächerlich und kurz. Offenbar war ich von Eindrücken schon so übersättigt, dass ich die beiden archäologischen Stätten nicht mehr verkraften konnte. (Im deutschen Wikipeida ist Quenko irrelevant.) “It is one of the largest huacas (holy places) in the Cusco Region. Many huacas were based on naturally occurring rock formations. It was believed to be a place where sacrifices and mummification took place”. Natürliche Felsenformation? Man muss das gesehen haben – ich keine keinen Ort auf der Welt, der so ähnlich ist, auch nicht in den Andenstaaten. Der riesige Felsblock ist perforiert und ähnelt eher einem Meteoriten.

Qenko war und ist mir heute noch unheimlich. Innen wie eine Art labyrinthische Tropfsteinhöhle, und steinerne “Tische”, zweifellos aus dem Felsen gehauen. Man man mag sich gar nicht vorstellen, was die da gemacht haben. Offenbar ist auch die Literatur zu Qenko spärlich und überschaubar. Man weiß also kaum etwas.




Marcia Maria und reisende Rassisten

marcia maria

Mit der Marcia Maria war ich 1982 zehn Tage unterwegs auf dem Rio Solimões (Amazonas), von Tabatinga bzw. Benjamin Constant in Brasilien bis nach Manaus.

“Reiselustige Personen, so heißt es, sind weitaus weniger rassistisch. Das ist natürlich grober Unsinn. Selbst den größten Fremdenfeind begeistert eine schöne Aussicht. In Wahrheit reisen vor allem Rassisten. Die glauben in fremden Ländern etwas anderes zu finden als immerzu das Ewiggleiche. Am schlimmsten sind die Weltenbummler, ehemals Landstreicher genannt. Landstreicher aber konnten noch etwas. Oft waren das vorzügliche Taschendiebe, Trickbetrüger oder unterhaltsame Tölpel. Die Weltenbummler können gar nichts. Die brauchen auch nichts mehr zu können, weil sie nicht die Armut treibt, sondern ihr stumpfsinniger Reichtum. Die wollen niemanden berauben. Die wollen sich nur selbst bereichern. Und das nicht einmal mit Geld, denn davon haben sie genug. Nein, sie wollen Erlebnisse. Sie müssen ständig etwas erleben, um nur ja nicht leben zu müssen. Und sie wollen Erfahrungen. Sowohl gute als auch schlechte. Sie wollen lieber Erfahrungen sammeln, anstatt Wissen anzuhäufen.” (Lisa Eckhart: Omama)




On the not paved road

gutarra peru

Irgendwo in den Anden Perus, fotografiert Ende 1979 (vorn ein mitreisender Belgier). Unser Bus musste in einer Kurve an einem liegengebliebenden LKW vorbeibugsiert werden. Alle Fahrgäste waren ausgestiegen, damit nur der Fahrer in die Schlucht gefallen wäre, hätten sie es nicht hingekriegt.




Viva la izquierda boliviana! [Update]

la paz
Wachablösung am Regierungspalast (Palacio Quemada) in Ĺa Paz, Bolivien, fotografiert 1984

Die linke Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo, MAS) hat die Wahlen in Bolivien haushoch gewonnen. La Izquierda Diario: “Es importante recordar también que en las elecciones del 2019 fue precisamente la inesperada detención de la emisión del sistema de conteo rápido de datos TREP, lo que generó críticas y sospechas de fraude en la elección, hecho que terminó abriendo la mayor crisis política de los últimos años en Bolivia y fue la excusa central para el Golpe de Estado de noviembre de ese año.”

Zum Erinnern: Die größten Lithium-Vorkommen sind im sogenannten “Lithium-Dreieck” zwischen Bolivien, Argentinien und Chile. Mal sehen, ob die Nachfolger des Präsidenten Morales das bolivianisch-deutsche Joint Venture zur Lithium-Gewinnung wiederaufnehmen. Das deutsche Kapital bekäme damit einen Zugang zu dem Rohstoff, der u.a. für Batterien gebraucht wird.

Vielleicht funken die US-Amerikaner in Gestalt ihrer Marionetten beim bolivianischen Militär noch dazwischen. Denen wird der Wahlausgang gar nicht gefallen.

Zum Neuen Präsidemtem Luis Arce scheibt Wikipedia:
Im ersten Jahr seiner Amtszeit als Minister wurden die Öl- und Erdgasvorkommen im Land verstaatlicht.[6][8] Zwischen 2005 und 2018 ging der Anteil der Bevölkerung, der in extremer Armut lebt, von 38,2 auf 17,1 Prozent zurück, das durchschnittliche Wirtschaftswachstum während der Amtszeit Arces betrug 4,9 Prozent.

Arce war regelmäßig auf hochrangigen internationalen Konferenzen als Redner zu Gast, um Boliviens als alternativ wahrgenommenes Wirtschaftsmodell zu erläutern, das er an der Seite von Morales und García wesentlich mitgestaltete. Ein Kernelement des Modells bestand in der Schaffung und Stärkung von leistungsfähigen Staatskonzernen in Bereichen wie Rohstoffe (COMIBOL, YLB), Energie (YPFB), Telekommunikation (Entel Bolivien) und Luftverkehr (BoA). Die Gewinne daraus sollten für den Ausbau der Grundversorgung der Bevölkerung und die Förderung von genossenschaftlich organisierten Kleinunternehmern, insbesondere unter der Landbevölkerung, eingesetzt werden. Zudem wurden Anstrengungen unternommen, um die Rohstoffabhängigkeit zu senken, die inländische Wertschöpfung zu steigern und wissenschaftliche Kapazitäten aufzubauen, wobei diese Ziele nur zu einem geringen Teil erreicht wurden.”

la paz
Altstadt von Ĺa Paz, Bolivien, fotografiert 1984

[Update] Telepolis: Gastkommentar des Ex-Botschafters von Bolivien in Deutschland über die Rückkehr des Landes zur Demokratie. Und wie sich die linke Partei MAS verändert hat.




Rupununi Sunset

rupununi

Abenddämmerung in der Rupununi-Savanne in der Nähe der Manari-Ranch, Guyana, fotografiert Ende Februar 1980.

Ich muss morgen eine kleine Operation über mich ergehen lassen. Falls ich wider Erwarten nicht aus der Narkose aufwachen sollte, habt ihr zum Schluss immerhin ein schönes Bild aus meinem Traumland.




Vista panorámica andina

Vista panorámica andina

Fotografiert irgendwo in den peruanischen Anden (1984). Ich weiß leider nicht mehr wo. Es gibt ein ähnliches Foto aus dem Valle de Colca; oder es war in der Nähe von Machu Picchu.




Camino de los Incas

inca trail

Inca-Trail (Spanisch: Camino de los Incas), wenn ich mich recht erinnere zwischen Runkuraqai und Puyupatamarca, ungefähr auf einer Höhe von 4.000m, fotografiert Ende Januar 1980.




Plaza San Martín

Plaza San Martín, Lima

Plaza San Martín, Lima – der schönste Platz der peruanischen Hauptstadt, ungefähr von hier aus fotografiert, Anfang August 1984.




1500 Jahre alt(e Hosenträger)

san agustin

Ich und ein Grabwächter der San Agustín – Kultur in den kolumbianischen Anden. Die Statue ist rund 1500 Jahre alt. Unten ein Grab, das von den Statuen bewacht wird. (Fotografiert 12.12.1979, vgl. 25.02.2019, 12.12.2012 und 23.07.2016)

The statues present both anthropomorphic and zoomorphic features (from crocodiles, bats and jaguars), having short legs. There were found approximately 300 statues. They were painted in bright colors, mainly yellow, red, black and white, but today only a few of them are still colored.

The statues vary in height, the tallest being 23 feet (7.0 m) tall. They are suspected to be funeral statuary. In other regions of the archaeological site where large burial mounds are located, you will see more intimidating figures such as snakes, frogs, and birds strategically place to stand guard for increased protecting during the afterlife. Statues of deities or carving on the ground, of both solar gods, males, and lunar gods, females. These figures and statues provide researchers with a little insight to what this civilization thoughts and perception of life and death are.

Aus meinem Reisetagebuch:
Wir laufen drei Kilometer zum archäologischen Park: Eintritt frei, ohne irgendwelche Kontrollen. 35 Statuen mitten im Urwald. Sehr interessant die Geräusche seltener Kolibris! Figuren sind teilweise naturalistisch, teilweise abstrakt mit geometrischen Mustern. Wieder ein “Denker”. Kulturperiode Horqueta u. Primavera 800 v. Chr. – 1500 n. Chr.. (…) Die Paez-Indios leisteten den Spaniern Widerstand, vermutlich Nachkommen derjenigen, die die Statuen herstellten. Grabstätten und Hünengräber. meistens bewachen zwei Wächer den “überdachten” Gang zu einer Figur. Keine “weiblichen” Statuen, wie ein Guide uns sagt, sondern Dämonen, da es um einen Totenkult gehe. Die Gesichter sehen oft auch so aus. Der “Bischof” ist vier Meter hoch. Fuente de Cavapatas: drei Fußwaschbecken und originelle Wasserführung. Der Park ist sehr schön angelegt…

san agustin




Caye Caulker, revisited

caye Caulkercaye caulker

Beide Bilder zeigen dieselbe Szenerie. Das obere Foto habe ich im Oktober 1979 gemacht, das untere mit meiner damaligen Freundin im November 1981. Im Hintergrund Caye Caulker vor Belize. In dem blauen Haus habe ich beide Male gewohnt. Warum meine Ex so eine schlechte Laune hatte oder ob sie nur in die Sonne blinzelte, weiß ich nicht mehr. Ich war auch unsicher, ob das Foto nicht seitenverkehrt war, aber dann wäre es das obere auch – das blaue Plumpsklo ist beide Male zu erkennen. Den Ausschlag für meine Entscheidung, dass es so richtig ist, gab die Gürtelschnalle.

Caye Caulker ist heute nicht wiederzuerkennen: Damals gab es nur Holzhäuser, keinen Flughafen, keine Autos, keine “richtigen” Restaurants, nur Privatküchen, und alles war total easy und chillig, eben typisch karibisch, inklusive Schnorcheln am Belize Barrier Reef. Heute ist die Insel vollgeknallt mit Touristen-Herbergen jeder Preisklasse. Ich habe eine Weile gesucht, aber die Perspektive nicht wiedergefunden, nur auf alten Fotos.

2017 schrieb ich: Eine Fährverbindung nach Belize City gab es auch nicht; man musste sich in den wenigen Hafenkneipen von Belize City durchfragen, wer ein Boot mit Außenborder zu vermieten hatte.

Aus meinem Reisetagebuch 21.10.1079: [Belize City] …Mom’s Restaurant [eigentlich: Mom’s Triangle] rechts hinter der Ziehbrücke. Alle Häuser auf Pfählen, schmutzig, aber mit Atmosphäre. Schwarze in allen Schattierungen, Indios und Chinesen. Fragen uns durch nach einem Boot nach “Kekoko”. [Der mennonitische Bauer aus Tres Leguas im Norden von Belize, bei dem wir gewohnt hatte, empfahl uns “Kekoko”. Da wir keinen Reiseführer (und natürlich auch kein Internet) für Belize hatten, konnten wir das nur lautmalerisch notieren – gemeint ist Caye Caulker.] Der erste Bootsbesitzer will 30 Dollar. Das ist uns zu teuer. Wir fahren mit einem Fischerboot, das Baumaterialien für San Pedro [Ambergis Caye] geladen hat. Kommen in der Dunkelheit an. Essen noch sehr gut Fisch.

caye caulker
Die “Hauptstraße von Cay Caulker 1979. Unfassbar, wie das heute aussieht!

22.10. Lustwandeln am Strand, aber es gibt keine Möglichkeit, Hängematten aufzuspannen. [Heute weiß ich, dass das auch eine blöde Idee gewesen wäre – unter Palmen mit Kokosnüssen!] Ein Karl sagt uns, das sei auch verboten. Die erste Pension (von zweien auf der ganzen Insel!) will 12 Dollar für zwei Personen. Wir kaufen Rum und sitzen auf der Veranda im ersten Stock. 23.10. Gutes Frühstück mit Marmelade, Eiern, Speck und Brot. Wir stehen schon um sechs Uhr auf, weil es um 17.30 Uhr wieder dunkel wird. Wir wechseln das Hotel: sechs Dollar für beide! Treffen den Australier vom Busterminal in Oaxaca.

Sandfliegen sind überall, auch im Bett. Waschen unsere Klamotten mit einem Waschbrett. Baden in der Karibik – herrlich warm, Fischschwärme überall, aber bis ziemlich weit draußen nur 1,5 Meter tief. Caye Caulker ist 200 Meter breit und 800 Meter lang. Sonnenuntergang wie üblich ein Postkartenmotiv. Der “Hafen” besteht aus einem Holzsteg. In der Nacht sitze ich noch dort und bewundere den Sternenhimmel.

24.10. Fünf Uhr Wecken, aber ohne Mücken. Das Klo ist kaputt. Freiluftklo auf dem Kai [das blaue Häuschen] ist angesagt, mit Sandfliegen. Wandere um die Insel, das ist aber kaum möglich [wegen der Mangroven, vgl. Foto unten]. Das Piraten-Englisch der Fischer ist kaum zu verstehen.

caye caulker

Aus meinem Reisetagebuch, 05.11.1981: Caye Caulker! [dort angekommen] Der Bus von Chetumal an der [mexikanischen Grenze] ist jetzt auch moderner geworden, kostet fünf Pesos, und da ich zehn Pesos im Busbahnhof auf dem Boden finde, kommen wir gerade so hin. Der mexikanische Zoll kontrolliert nicht, ob wir ein Visum für Belize haben. Im neuen Zollgebäude von Belize ist ein Heidenspektakel, nur ein Mann und der gesamte kleine Grenz- bzw. Berufsverkehr. Ein Mexikaner handelt sich einen Rüffel ein, da er sich über die Theke neigt und “señor!” brüllt. Die Abwicklung der Formalitäten geht zwar langsam, aber korrekt in Oxford-Englisch vor sich. Der Zollhäuptling wie im Kolonialzeitalter mit Schirmmütze, Zigarette, piccobello Uniform und muskulösem Oberkörper trifft erst später ein. Wir bekommen ohne Schwierigkeiten eine Aufenthaltserlaubnis für die Zeit, die wir angeben.

Wir trampen bis Corozal, tauschen Geld bei Barclays, und essen ein Toast-mit-cheese-and-ham-Frühstück im Hotel auf der rechten Seite kurz vor der Brücke beim Ortsausgang. [Keine Ahnung, ich finde das nicht mehr.] Wir nehmen den Lokalbus nach Belize City.

Der erste Eindruck: Alles ist ohne Firlefanz eingerichtet, kein Jesus, Maria etc. an den Wänden, saubere Toiletten, der Tisch wird geputzt, der Bus ist genau so alt wie in Mexiko, aber viel gepflegter, nichts ist kaputt. Nach längerem Fragen erwischen wir ein Charter-Boot, nicht ohne mehrere Verkaufsangebote für Gras usw. über uns ergehen lassen zu müssen. Bei Dunkelheit kommen wir in Caye Caulker an.

Am nächsten Tag Wäsche waschen, Umschau in der Tierwelt [vgl. Fotos unten], die bekannte Mischung aus Sandfliegen, schönem Wetter und gutem Essen. Im besten “Restaurant”, kurz vor “Edith” rechts in der zweiten Häuserreihe gibt es Lobster mit Kartoffelsalat für fünf Belize Dollar. Sehr viele Leute sprechen Spanisch oder bekennen in wehmütigem Ton, dass Spanisch ihre Muttersprache sei. Aber dann hängt auch sofort wieder ein Jesus an der Wand, auch wenn sie ausnahmsweise der Assemblies of God angehören.

Heute regnet es, und wir kommen gerade rechtzeitig vom Riff zurück. Leider etwas zu starker Wellengang und zu wenig Sonne. Die Unterwasserwelt ist ein bisschen unheimlich, was noch verstärkt wird dadurch, dass man die Entfernungen falsch einschätzt. Die größte Tiefe beträgt höchstens zwei Meter. Die Fische scheinen keine natürlichen Feinde zu haben, jedenfalls schwimmen sie nicht weg. Ein kleiner schwarzer Fisch frisst mir fast eine abgebrochene Koralle (oder was auch immer das war) aus der Hand. Einige große Fische haben eine Metallic-Randstreifen. Sehr viele blaue mit gelbem Schwanz und ganz dicke Rotbunte und einige blau und gelb Gestreifte.

Sonntag Abend ist bei Martinez große Disco-Time, und die Leute kommen sogar per Boot von den anderen Inseln. Die andere Bar gefällt uns nicht – dort verkehrt wohl die lokale Unterwelt.

Frühstück bei “Rivas” ganz lecker mit Apfelsine und Haferschleim, aber mit einer Kompanie Ameisen auf dem Tisch. Kommentar: “Die wollen auch nur Honig frühstücken.” Der Käpt’n heißt Alfonso. Man fragt ihn ganz harmlos, was er sonst noch so “arbeite”. Antwort: “I gave up this fuckin’ shit.” Überhaupt ist “fuckin'” jedes zweite Wort bei den Unterhaltungen. Ein anderer Einheimischer erzählt, dass sein Schiff von Placencia nach Honduras fahre, aber vielleicht ist es dasselbe, was auch nach Belize City und zurück geht.

Bis jetzt ist mir der Unterschied zwischen Creolen und Cariben vom Aussehen her nicht klar. Wenn kein Wind geht, sind die Sandfliegen unerträglich, und selbst das Abbrennen von Moskito-Spiralen hilft nicht, Alfonso rät, die Stiche mit reinem Alkohol einzureiben, dass der Juckreiz weggehe…

caye caulkercaye caulker




Caballos descansando

vistahermosa

Straßenszene in Vistahermosa, in der Nähe der Serranía de la Macarena im Osten Kolumbiens (Januar 1982).




Großes Gringo-Treffen

gringos

Fotografiert im November 1979 in der Altstadt von Quito, Ecuador (der 2. von links bin ich). Damals gab es nur wenige Rucksacktouristen in Ecuador, und man lief sich in der Hauptstadt immer wieder über den Weg. “Der Slangbegriff Gringo (feminin Gringa) bezeichnet von Mitteleuropäern abstammende Personen, die sich in Nord- oder Mittelamerika aufhalten.” Wisst ihr Bescheid.