Politische Krise in Guyana nach Verhaftung des Oppositionsführers
Ich schrieb am 01.12.2023: „…da ich zwei Mal in Guyana war, bin ich besorgt, dass dort der nächste Krieg ausbrechen könnte. Die Venezolaner sind bescheuert genug, den anzufangen (natürlich aus innenpolitischen Gründen und weil es dort Öl gibt).
Guyana hat nur 4000 Soldaten, darunter auch Frauen. Die Venezolaner können rund 300.000 Mann aufbieten. Auf einen Soldaten Guyanas kommen also 75 von Venezuela.
Das heißt aber nichts. Man erinnere sich an den Falklandkrieg. Guyana war britische Kolonie. Ein Flugzeugträger braucht eine Woche nach Guyana – bis zu den Falklands wäre es fast doppelt so weit. Wenn die Briten um Hilfe gebeten würden, machten die die venezolanische Armee ziemlich schnell platt. Wer einmal lateinamerikanische Soldaten erlebt hat, weiß, was ich meine. Es träfen unterschiedliche Welten, Traditionen und Mentalitäten aufeinander, so wie Spanier versus Azteken. Außerdem ist der britische Premierminister Hindu und hat indische Wurzeln. Rund ein Drittel der Einwohner Guyanas sind auch Hindus. Man ahnt, wo die Sympathien liegen.
Dagegen spricht, dass Venezuela gute Beziehungen zu Russland hat. Die Russen sind imstande, die Venezolaner aufzuhetzen, nur um einen weiteren Kriegsschauplatz zu eröffnen.“

Georgetown City Hall, Guyana, fotografiert 1982
Ich habe mir einen Artikel aus dem Guardian übersetzen und überarbeiten lassen: „Guyana in turmoil after opposition leader arrested and faces US extradition“. Was also ist da genau los?
Politische Krise in Guyana nach Verhaftung des Oppositionsführers
Guyana ist in eine politische Krise gestürzt, nachdem der führende Oppositionspolitiker des Landes verhaftet wurde und ihm nun die Auslieferung an die Vereinigten Staaten droht – nur zwei Monate, nachdem er überraschend als Präsidentschaftskandidat angetreten war und die Wahl den amtierenden Präsidenten Irfaan Ali im Amt bestätigte.
Azruddin Mohamed (38) und sein Vater Nazar Mohamed (73) – zwei der wohlhabendsten Männer des Landes dank ihres weitverzweigten Goldminen-Imperiums – wurden am 31. Oktober in der Hauptstadt Georgetown auf Ersuchen der US-Regierung festgenommen.
Ihnen werden vor einem Gericht in Florida elf Straftaten vorgeworfen, darunter Geldwäsche, Bestechung und Steuerhinterziehung. Beide wurden jedoch noch am selben Tag gegen Kaution freigelassen – jeweils 150.000 Guyana-Dollar (rund 720 US-Dollar). Sie müssen sich wöchentlich bei Gericht melden; die nächste Anhörung ist für Montag angesetzt.
Mohamed sieht sich als Opfer politischer Verfolgung durch die Regierung Alis. „Die Regierung steckt vollständig hinter den Sanktionen und arbeitet mit ihren Kontakten in den USA zusammen“, erklärte er gegenüber lokalen Medien.
Guyanas Generalstaatsanwalt Mohabir Anil Nandlall wies diese Vorwürfe zurück. Die Auslieferung sei eine „rechtliche Verpflichtung“, die sich aus internationalen Abkommen ergebe – der Auslieferungsvertrag von 1931 zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA gelte in Guyana, das 1966 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte, bis heute.
Der Fall hat in Guyana große Symbolkraft gewonnen – in einer Phase, in der die Beziehungen zwischen der Karibikrepublik und den Vereinigten Staaten zunehmend von der Ölindustrie geprägt sind. Amerikanische Energiekonzerne treiben die Erschließung neuer Vorkommen voran, die Guyana schon bald zum größten Ölproduzenten pro Kopf weltweit machen könnten.
„Der Status quo in Guyana wird gerade in Frage gestellt“, sagte der Politikwissenschaftler Peter Wickham, Direktor eines Meinungsforschungsinstituts in der Karibik.
Erst drei Monate vor der Wahl hatte Mohamed eine eigene Partei gegründet und seine Kandidatur angekündigt – ein Bruch mit dem seit Jahrzehnten dominierenden Zwei-Parteien-System des Landes. Dieses wird traditionell von der Regierungspartei PPP/C, die vor allem unter indo-guyanischen Wählern stark ist, und der oppositionellen APNU, die überwiegend von Afro-Guyanesinnen und -Guyanesen unterstützt wird, bestimmt.
Mohamed rief die Bevölkerung dazu auf, „Stammeswahlen“ zu überwinden, und versprach auf einer populistischen, systemkritischen Plattform, das bestehende Ölabkommen neu zu verhandeln. Trotz der neu entdeckten Ölreserven lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiterhin in Armut.
„Er hoffte, eine Art Zünglein an der Waage für den Wahlsieger zu werden – und das Ergebnis fiel besser aus, als er selbst erwartet hatte“, sagte Wickham.
Zwar gewann Amtsinhaber Ali die Wahl, seine Partei sicherte sich 36 der 65 Sitze im Parlament. Doch erstmals war nicht die APNU die größte Oppositionskraft – sie kam nur auf 12 Sitze –, sondern Mohameds Partei mit 16 Mandaten.
Drei Tage nach seiner Festnahme und Freilassung auf Kaution wurde Mohamed gemeinsam mit den übrigen Abgeordneten des neuen Parlaments vereidigt. Für Aufsehen sorgte sein Eintreffen in einem Lamborghini – jenem Fahrzeug, das im Zentrum eines mutmaßlichen Postbetrugs steht. Mohamed soll eine gefälschte Rechnung über 75.300 US-Dollar für ein Auto eingereicht haben, das tatsächlich 680.000 US-Dollar gekostet haben soll.
Obwohl der US-Auslieferungsantrag bereits im Oktober vergangenen Jahres gestellt wurde, laufen die Ermittlungen gegen Mohamed und seinen Vater schon länger. Die Anklage soll mutmaßliche Straftaten aus den Jahren 2017 bis 2024 umfassen.
Im Juni 2024 beschlagnahmten US-Behörden am Flughafen von Miami Goldbarren im Wert von rund 5,3 Millionen US-Dollar, die von Mohameds Unternehmen Mohamed’s Enterprise aus Guyana verschickt worden waren. Im selben Monat verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen Vater und Sohn wegen Goldschmuggels, Steuerhinterziehung in Höhe von mehr als 50 Millionen US-Dollar und Bestechung lokaler Beamter.
Bei einer Pressekonferenz vergangene Woche erklärte Vizepräsident Bharrat Jagdeo – Präsident des Landes von 1999 bis 2011 –, das Auslieferungsersuchen stamme persönlich vom US-Außenminister Marco Rubio.
„Sehen Sie seine Unterschrift? ‚Marco Rubio‘“, sagte Jagdeo. „Das ist kein kleiner Beamter in Florida – das zeigt, wie ernst die Sache ist. Wir sind Teil eines internationalen Vertragswerks und einer Gemeinschaft, die daran glaubt, dass Menschen für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden müssen.“
Mohamed und seine Anwälte lehnten eine Stellungnahme gegenüber dem Guardian ab, bestreiten jedoch weiterhin jedes Fehlverhalten.
Sein Anwaltsteam argumentiert zudem, einige der in der US-Anklage genannten Delikte seien nach guyanischem Recht keine Straftaten und Mohamed dürfe deshalb nicht ausgeliefert werden. Die Verteidigung kündigte an, den Fall auf allen Instanzen zu bekämpfen – vom Verfassungsgericht bis hin zum Karibischen Gerichtshof (Caribbean Court of Justice).
Politikwissenschaftler Wickham rechnet mit einem langen Verfahren: „Währenddessen bleibt Mohamed Parlamentsabgeordneter – und er wird alles daransetzen, der Regierung in seiner Rolle als Oppositionsführer das Leben so schwer wie möglich zu machen.“
Fotografiert 1982 in Georgetown, Guyana
Kommentare
8 Kommentare zu “Politische Krise in Guyana nach Verhaftung des Oppositionsführers”
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gibt es einen südamerikanischen Blogger, der über die politische Krise in Teutschland schreibt?
(wobei man dann argwöhnen müsste, dass es sich um einen Nachfahren geflüchteter Alt-Nazis handeln könnte)
selbst die Franzosen haben es geschafft ihren ex-Präsi hinter Gittern zu schaffen.
CumEx, Wirecard, NSU…
Ich hätte da eine Journalistin, aber Sie hat nur ne Webseite und nen Youtube Kanal. Alt-Nazi würde Ich Sie nicht nennen.
https://www.youtube.com/@gabyweber8050/videos
Die Politische Krise? Es gibt mehrere Krisen in der BRD, ist ja nicht wie bei Armen Leuten. Ohne Krise geht ja nun mal gar nicht. Irgendwie muss das Volk bei Laune gehalten werden.
<8*) Der Aluhut meint, da scheint es nicht so viel Blogger zu geben.
Das mit dem Anklagen und hinter Gittern dürfte hier nicht so einfach möglich sein.
Es gibt Immunität. Als wenn der Politiker…, der Politiker kann so ziemlich alles machen was Er/Sie/Es/D will.
Doch eine Strafe gibt es, zur EU, nach Brüssel oder Straßburg. Leider mehr Gehalt, diese Sitzungen, Banketts und weniger zu tun.
Dann haben Wir noch Gewaltenteilung, das ist so aufgebaut das so etwas einfach nicht passieren kann.
Das geht hier Einfach nicht, so was tun Wir hier nicht, das kann es nicht geben, das haben Wir hier noch nie so gemacht.
Außerdem Wer würde so etwas einem Politiker unterstellen? Unrechtmäßigkeit, ausnutzen, absprechen, vorsätzlich. Nein… Da kann Ich mich nicht dran Erinnern.
<8*) der Aluhut meint, alles gut, hier gibt es nix zu sehen.
Guyana? Ohne Landkarte weiß ich nicht wo das liegt. Erinnert mich an den Namen einer terrestrischen Weltraumbasis, die von Aliens übernommen wurde. ’schland hat andere Sorgen:
Er war bei der Waffen-SS: Die SS-Akte von Uschi Glas’ Vater
Film-Legende suchte nach jüdischen Wurzeln und fand ein dunkles Geheimnis
Die Uschi wollte sich jüdische Wurzeln bescheinigen lassen und sich damit endgültig einen Heiligenschein verpassen. Aber was passiert? Der beauftragte Ahnenforscher entdeckt das Papa Glas bei der Es-Es war. Der war nicht bei irgend einer Es-Es Einheit. Der war bei der SS-Division „Skanderbeg“! Die wird als eine Art von Bande gesehen und in dieser Truppe kann ich mit einiger Phantasie durchaus die Vorgänger der Henker der Antifa erkennen, die, wie passend, gerade in Ungarn einsitzen.
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10. Todestag des Altkanzlers Schmidt: Was würde ER heute tun, um Deutschland wieder auf Kurs zu bringen? Was uns der vor genau 10 Jahren gestorbene SPD-Kanzler zum Thema Einwanderung und Sozialstaat hinterlassen hat
Der Mann war 68 Jahre lang verheiratet.
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Bitte dieses Video nicht kommentieren! Das ist Werbung für Berlin? Das ist Werbung für die Berliner Justiz? Ob das was gekostet hat? Ist das echt?
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Das mit dem Vorwurf der Spionage für Rußland klappte nicht. Jetzt kommt die nächste Idee, um die AfD zu diskreditieren.
Meinung: Statt Brandmauer: Streit in die AfD hineintragen!
Kommentar von BILD-Chefin Marion Horn
Frau Horn schreibt:
Ist das nicht bereits Tagesgeschäft im Umgang mit der AfD? Der Erfinder dieser Idee ist nicht Erich Mielke. Allerdings brachte er es zu Papier und verteilte diese Schrift als Arbeitsanleitung an die ihm unterstellten Abteilungen. Kurios, eine seiner Meisterschülerinnen und Subversiven, Anetta Kahane, wendet es im Rahmen ihrer vielen Projekte nicht an oder ich habe es übersehen.
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Nach Außenminister Wadephuls Logik bleibt Syrien auf ewig Brachland.
Kommentar zur Wadephul-Debatte: Wer soll Syrien aufbauen, außer den Syrern selbst?
Mein erster Gedanke war „das machen einige der Burksblog Leser freiwillig“. Rechne ich noch alle Wähler von Grünen, SPD und Linke dazu, dann kommen mehrere Millionen freiwillige Helfer zusammen. Wenn Syrien wieder aufgebaut ist, wer soll dort einziehen oder wird der neu geschaffene Wohnraum den in ’schland eingebürgerten Syriern als Zweitwohnung geschenkt? Oder wie?
Wahrscheinlich wiederhole ich mich heute erneut, aber ich mache jetzt eine Rechnung auf. Ob die sich erfüllt, das wird keiner der hier im Blog lesenden jemals erfahren. Ich bin mir allerdings sicher, das von Burks erwähnte Guyana wird es dann noch geben. Da bin ich mir sogar 100% sicher. Also:
Rechenbeispiel.
Professor Daniel Thym rechnet vor: Experte: Fast alle Syrer bleiben für immer in Deutschland!
In den nächsten 10 Jahren:
900.000 x 4 Kinder = 3.600.000
In den nächsten 30 Jahren:
3.600.000 x 4 Kinder = 14.400.000
In den nächsten 50 Jahren:
14.400.000 x 4 Kinder = 57.600.000
Selbst wenn ich die 900.000 durch 2 teile und mit 450.000 meine Rechnung eröffne, dann sehen die Zahlen beängstigend für das Juden- und Christentum aus. Jetzt fehlen in dieser Rechnung die Osmanen, die Afghanen, die Libanesen, und und und. Andererseits, wenn die Juden und Christen beseitigt sind, vielleicht schaffen die Sieger ein Wirtschaftswunder wie die Deutschen 1955. Das wäre ein Sieg für Merkel und Göring-Eckardt und andere. Leider werden die es nicht mehr erfahren und die Sieger feiern bekanntlich keine Atheisten.
@n0by: https://www.burks.de/grafik/weblog/guy3_map.jpg
Vielleicht noch erwähnenswert, in französisch Guyana (da liegt nur das ehemalig holländische Surinam) bezahlt man den Rum nach dem Mittagsmahl mit Euro.
@ n0by
Da zum Kinderkriegen immer zwei gehören, hieße das nach deiner Rechnung, daß jedes Paar 8 Kinder bekommt. Das halte ich für stark übertrieben.