Der Jesse-Ventura-Effekt, reloaded

wahlplakat

Frei nach Michael Moore: Schließlich sollte man die Fähigkeit der Wähler, schelmisch zu sein, nicht unterschätzen und auch nicht, wie Millionen sich insgeheim als Anarchisten fühlen, sobald sie den Vorhang beiseite schieben und ganz allein in der Wahlkabine sind. Es ist einer der wenigen Orte in der Gesellschaft, an dem es keine Überwachungskameras, keine Abhörgeräte, keine Ehepartner, keine Kinder, keinen Chef, keine Polizisten gibt – nicht einmal ein verdammtes Zeitlimit. Man kann sich dort so viel Zeit nehmen, wie man braucht, und niemand kann einen zu irgendetwas zwingen. Man kann den Knopf drücken und einfach die Parteilinie wählen oder Mickey Mouse und Donald Duck auf den Wahlzettel schreiben. Es gibt keine Regeln.

Und genau deshalb, und wegen der Wut so vieler auf ein kaputtes politisches System, werden Millionen für die AfD stimmen – nicht weil sie ihr zustimmen, nicht weil deren Programm gutheißen, sondern einfach nur, weil sie es können. Einfach nur, weil es die etablierten Strukturen durcheinanderbringt und Mama und Papa wütend macht. Und genau wie man am Rande des Röthbachfalls steht und sich einen Moment lang fragt, wie es wohl wäre, hinunterzustürzen, werden viele es lieben, die Fäden in der Hand zu halten und für die AfD zu stimmen, nur um zu sehen, wie das aussehen könnte.

Erinnern Sie sich an die 90er Jahre, als die Einwohner Minnesotas einen professionellen Wrestler zum Gouverneur wählten? Sie taten das nicht, weil sie dumm waren oder Jesse Ventura für einen Staatsmann oder politischen Intellektuellen hielten. Sie taten es einfach, weil sie es konnten. Minnesota ist einer der intelligentesten Bundesstaaten des Landes. Er ist auch voller Menschen mit einem schwarzen Humor – und die Wahl von Ventura war ihre Version eines guten Streichs auf Kosten eines kranken politischen Systems. Genau das wird mit der AfD wieder passieren.

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Kommentare

6 Kommentare zu “Der Jesse-Ventura-Effekt, reloaded”

  1. nOby am September 19th, 2026 5:51 p.m.

    Ich war die letzten Wochen auf Jagd nach Kalmare 😳 ⁉️ Leider war das ein völliger Fehlschlag. Wenn meine folgenden Sätze deswegen etwas blutrünstig erscheinen, dann liegt es daran. Außerdem ist es hier kalt und windig.

    ***

    Etwa das intelligente Minnesota?

    ***

    Burks, wie ich in einem anderen Post von Dir lese willst Du Juden, unter anderem einen mit einem ganz seltsamen Namen, wählen, wenn die Dich denn lassen würden. Morgen kannst Du wählen.

    Wie wäre es mit Elif Eralp?

    Ja, von der las ich vor drei Wochen zum ersten Mal, aber dieses von 0 auf 100 in einem Tag, das ist offenbar Normalität bei Die Linke.

    In jedem Fall toller Name. Das ist übrigens eine Frau. Wen die großen Ohren und der Pony nicht stören, dann sieht die alte Frau gut erhalten aus und damit besser aus, wie die meisten Kommunistinnen die mir bisher vor die Augen liefen. Mit der Heidi Reichinnek hält die allerdings nicht mit. Eralp ist 45 Jahre alt, Nationalität Türkei, Juristin und gehört demnach zur Intelligenzia unter den Rechtgläubigen. Die wird in den Medien übrigens Sozialistin genannt. Die ist nicht tätowiert – denke ich mal – und möchte Bürgermeisterin von Berlin werden. Die tritt öffentlich mit der Flagge der Sowjetunion auf. Manchmal in Begleitung eines Mannes, der selbst unter den Taliban nicht auffallen würde. Demnach könnte die eine marxistisch-leninistische Stalinistin sein. Mehr Marxismus und Kommunismus geht aktuell nicht auf ’schlands Wahllisten. Nutze die Gelegenheit. Wenn Du die wählst, dann ist das im Ergebnis sowas wie Selbstbefriedigung.

    Ihre Lieblingsworte sind „diskriminierend“, „menschenverachtend“, „demokratiefeindlich“, „minderheitendiskriminierend“ oder „soziale Gerechtigkeit“. Verwahrlosung nennt die „Umverteilungsproblem“. Berlin ist für die ein Siedlungsgebiet für alle und Einbürgerungen will die nicht an Voraussetzungen knüpfen. Die ist ganz schön ehrlich die Frau.

    Verräterisch ist allerdings dieser Taliban an ihrer Seite. Leider konnte ich nicht herausfinden, ob der nur einmalig mit auf der Bühne stand oder regelmäßig. Ich weiß deshalb nicht, ob das eine Linke oder eine „Linke“ ist. Vermutlich eine „Linke“, eben wegen dem Taliban. Die Elif könnte demnach keine Stalinistin sein, sondern eine „Linke“. Im ungünstigsten Fall ist das eine völlig Verblödete, die sich von Rechtgläubigen hat bespringen lassen und die noch heute von diesem intersextionalistischen Akt so begeistert von dem oder den Rechtgläubigen ist, dass sie nicht merkt, wie die bereits den Strick für sie knüpfen und eine Laterne suchen. Aber wie gesagt, mehr Marxismus, mehr Sozialismus, mehr Kommunismus geht aktuell nicht in Berlin. Egal, ob das nun mit der Verblödung stimmt oder nicht. Bleib Dir treu, bleib auf Linie.

    Wie wär’s mit der?

  2. Godwin am September 19th, 2026 7:12 p.m.

    na gut – DAS hast du bereits mehrhfach gepostet

    die Frage ist eher, welche Auswirkungen es haben könnte
    LSA war wochenlang DAS Thema – eben weil man annehmen konnte, dass die AfD eine absolute Mehrheit erreichen könnte.

    Sie hatte zuvor schon in Thüringen knapp 33% geholt.
    Das allein ist inzwischen langweilig.
    Ergo interessiert sich auch niemand für die Wahlen in Berlin und Meck-Pomm.
    Das wird erst interessant, wenn der Club Der Ukraine unter 5% rutscht oder/und die Linke in Berlin den Volksentscheid umsetzt und die Deutsche Wohnen vergesellschaftet

    Arte hat aktuell ein paar gute Dokus zum Aufstand der Bourgeoisie in Chile… (das einzig wahre 9/11)

  3. bentux am September 20th, 2026 6:12 a.m.

    Also Ich finde den Artikel Cool, trifft es, gibt dem nichts mehr hinzuzufügen. Höchstens zu streichen, aber was soll man dann noch schreiben?

    <8*) Der Aluhut meint, Geschichte wiederholt sich nicht, aber Sie reimt.

  4. Godwin am September 20th, 2026 7:19 p.m.

    sehr gut, dass deine Lieblingslinke (die du sicher heimlich im Zuge der Wahlintifada doch gewählt hast) mit deutlichem Abstand in Börlich gewonnen hat.
    nur knapp wäre doof gewesen

    Die Arbeiterpartei AfD gewinnt die dritte LTW im Osten und wird wieder nichts davon haben.
    Man sieht an Thüringen, dass die unfähig sind, aus der Position noch irgendwie Kapital zu schlagen.
    Und ich seh noch nicht, dass die in LSA von Neuwahlen profitieren würden.

    du hattest vor 10 Jahren das erste mal auf Moores Analyse hingewiesen.
    So langsam wird es aber knapp für die AfD – einem Hype wie in LSA folgt i.d.R. eine Kurskorrektur an den Börsen.

  5. Juri Nello am September 21st, 2026 6:07 a.m.

    Ich erinnere mich auch an Arnie, den sie einst zum Gouvernator von Kalifornien krönten.

  6. irgendwer am September 21st, 2026 1:14 p.m.

    Enteignung… Umverteilung… Berlin…
    Woran erinnert mich das eigentlich..?
    Da war doch ‚mal ‚was…

    [Spoiler1: https://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung

    Spoiler2: Wurde da nach Bedürfnis oder nach verdienter Parteitreue „umverteilt?

    Spoiler3: Herr R. aus Kleinmachnow gründet demnächst eine äußerst erfolgreiche Berliner Makleragentur (zulassungs- und steuerbefreit) mit Regierungsalleinauftrag. Oder so.]

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