Der Jesse-Ventura-Effekt, reloaded

wahlplakat

Frei nach Michael Moore: Schließlich sollte man die Fähigkeit der Wähler, schelmisch zu sein, nicht unterschätzen und auch nicht, wie Millionen sich insgeheim als Anarchisten fühlen, sobald sie den Vorhang beiseite schieben und ganz allein in der Wahlkabine sind. Es ist einer der wenigen Orte in der Gesellschaft, an dem es keine Überwachungskameras, keine Abhörgeräte, keine Ehepartner, keine Kinder, keinen Chef, keine Polizisten gibt – nicht einmal ein verdammtes Zeitlimit. Man kann sich dort so viel Zeit nehmen, wie man braucht, und niemand kann einen zu irgendetwas zwingen. Man kann den Knopf drücken und einfach die Parteilinie wählen oder Mickey Mouse und Donald Duck auf den Wahlzettel schreiben. Es gibt keine Regeln.

Und genau deshalb, und wegen der Wut so vieler auf ein kaputtes politisches System, werden Millionen für die AfD stimmen – nicht weil sie ihr zustimmen, nicht weil deren Programm gutheißen, sondern einfach nur, weil sie es können. Einfach nur, weil es die etablierten Strukturen durcheinanderbringt und Mama und Papa wütend macht. Und genau wie man am Rande des Röthbachfalls steht und sich einen Moment lang fragt, wie es wohl wäre, hinunterzustürzen, werden viele es lieben, die Fäden in der Hand zu halten und für die AfD zu stimmen, nur um zu sehen, wie das aussehen könnte.

Erinnern Sie sich an die 90er Jahre, als die Einwohner Minnesotas einen professionellen Wrestler zum Gouverneur wählten? Sie taten das nicht, weil sie dumm waren oder Jesse Ventura für einen Staatsmann oder politischen Intellektuellen hielten. Sie taten es einfach, weil sie es konnten. Minnesota ist einer der intelligentesten Bundesstaaten des Landes. Er ist auch voller Menschen mit einem schwarzen Humor – und die Wahl von Ventura war ihre Version eines guten Streichs auf Kosten eines kranken politischen Systems. Genau das wird mit der AfD wieder passieren.

image_pdfimage_print

Kommentare

Schreibe einen Kommentar