Kriegerische Berichterstattung und andere mythische Erzählungen

wieder mal putin

Foto: Es war Putin!

Ein grandioser Artikel von Malte Daniljuk auf Telepolis: „Rückblick auf ein besonderes Jahr für den Kriegs- und Krisenjournalismus“. Absoluter Lesebefehl!

Im gesamten vergangenen Jahr schaffte es kein einziges deutsches Medium, eine kritische Analyse der jüngeren ukrainischen Geschichte vorzulegen, die auch nur andeutet, was alle in der Ukraine wissen und was sogar ein zentrales Motiv für viele Teilnehmer an den Maidan-Protesten war. (…) Das wichtigste medienpolitische Ereignis des vergangenen Jahres besteht darin, dass große Teile des deutschen Publikums mithilfe der Netzmedien ihre oppositionelle Lesart, in diesem Fall des Ukraine-Konflikts, drastisch und unmissverständlich öffentlich Ausdruck verliehen haben. (…) Inzwischen nutzen die großen Anbieter ihre Verfügungsmacht, um die Möglichkeit zu kommentieren grundsätzlich einzuschränken oder unangepasste Meinungsbeiträge zu zensieren. (…) Ein zentrales Warnsignal besteht sicher im erzählerischen Motiv: „Demokratische Opposition verteidigt sich gegen autokratischen Herrscher“. Dieser Mythos erweist sich bei einem genaueren Rückblick als ein Paradigma, das im Zusammenhang mit zahlreichen Fällen von westlichen Einmischungen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder auftritt. Da mythische Erzählungen sich im Wesentlichen aus dem Selbstverständnis der Erzähler speisen und nur teilweise bewusst gestaltet sind, lässt sich sicher vorhersagen, dass wir diese Geschichte auch in Zukunft noch häufiger hören werden.

Dazu passt von Marcus Klöckner ebd.: „Journalismusforschung: „Ganz auf Linie mit den Eliten“.

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