Wikimediarelevanz

Wikimedia

Ich habe den Kommentaren zu der gestrigen Wikimedia-Veranstaltung nichts hinzuzufügen. Lest Jürgen Kosche („Burkhard Schröder sprach vom ‚gesunden Nerdempfinden‘, das sich im Endeffekt im Artikelinhalt durchsetzt“), textberater.com, schneeschmelze (Jürgen Fenn), Felix Leitner (per Ferndiagnose, aber am ausführlichsten sowie sein Update), Gulli, Markus Kompa (der sinnvolle Vorschläge macht), den Freitag, Heise Newsticker, Telepolis sowie Aufmerksamkeitsökonomie.

Nicht ohne eure IP-Adressen

Das ist doch eine hübsche Meldung: „Der Berliner Datenschutzbeauftragter [sic] hat dem Bildblogger Stefan Niggemeier bezüglich dessen Seite www.stefan-niggemeier.de untersagt, IP-Adressen von Nutzern ohne deren Einwilligung zu speichern und somit heimlich Nutzungsprofile zu erstellen. Außerdem hat der Datenschutzbeauftragte unter Bußgeldandrohung eine fehlende Unterrichtung über die Erhebung, Verwendung und Verarbeitung von Nutzerdaten auf Niggemeiers Webseite gerügt. Ferner sei es unzulässig, in Foren E-Mail-Adressen als Pflichtfeld abzufragen. Dies geht aus mehreren Schreiben der Behörde, zuletzt vom 26.10.2009 hervor (Az. 521.4501).“ [mehr…]

Übrigens: Mein Provider minuscel screen partner speichert nicht. Jetzt muss ich mal schnell bei Kai Diekmann vorbeischauen, ob der speichert….

Sturm im Wasserglas: Eva gegen Johnny und Philipp [Update]

Lesenswert: Johnny Haeusler (spreeblick.com) antwortet auf die Kollegin Eva Schweitzer, auch bekannt als taz-Bloggerin. Es geht um kostenpflichtige Abmahnungen, zulässige oder unzulässige Groß- oder Kleinzitate (um jene kann man sich juristisch streiten, um diese nicht). Vgl. spreeblick.com: „Journalistin lässt Blog abmahnen, fordert 1.200 Euro Schadensersatz für Textzitate“.

Leider erkennt man nicht auf Anhieb, was geschehen ist. Spreeblick behauptet: „Am 20. Mai 2008 veröffentlichte Philipp im Gemeinschaftsblog nom nom nom einen kurzen Eintrag mit zwei Links zu Frau Schweitzers damaliger ZEIT-Kolumne. Um zu unterstreichen, was ihm an der Kolumne gefiel, zitierte Philipp drei Absätze aus dem Artikel von Frau Schweitzer.“

Ich kenne Eva seit den frühen 80-er Jahren. Sie war keine „Unterstützerin“ der Hausbesetzerszene, wie Häusler behauptet, sondern schon damals Journalistin bei der nicht mehr existierenden Stadtteilzeitung Südwestexpress (nicht zu verwechseln mit dem Südostexpress). Deshalb war sie unbequem und unbeliebt, weil sie nicht verlautbarte, sondern auch etwas schrieb, was uns nicht gefiel. Ja, ich verkehrte damals in einem besetzten Haus in der Willibald-Alexis-Straße, weil meine Freundin dort wohnte. Eva hat auch mich interviewt. Später schrieb sie für den berliner Tagesspiegel und – ich erinnere mich dunkel – bekam irgendeinen wichtigen Preis. Mehr als ein Vierteljahrhundert später heuerte ich Eva an, als ich Chefredakteur von Berliner Journalisten war. Sie wurde unsere „Nordamerika-Korrespondentin“.

Eva schreibt: „Die ganze Geschichte fing an, als ich vor einiger Zeit meinen Namen durch eine Suchmaschine laufen ließ, die Zeitungsartikel der letzten paar Wochen findet. Dabei stellte ich fest, dass eine Tageszeitung einen Artikel von mir, für den sie ungefähr 80 Euro bezahlt hat, an sage und schreibe 15 andere Zeitungen verkauft hat, ohne mir Bescheid zu sagen. Ich beschwerte mich, mir wurde bedeutet, ich könne eine Nachzahlung verlangen, dann würde man mich aber hinauswerfen. Wenn man mich hinauswirft, möchte ich gerne, dass sich das richtig lohnt.“

In solchen Fällen beauftragt man einen Anwalt. Ich mache das auch so. Wenn ich jedoch merke, dass jemand, der meine Artikel einfach klaut, offenbar keine Ahnung hat, dass das Folgen haben könnte, dann schreibe ich vorher eine Gratis-E-Mail und warne. Das funktioniert meistens. Falls jemand nur einen Link auf meine Artikel setzt und einen Teaser, ist das korrekt. Man kann mich auch fragen.

Ich weiß nach der Lektüre des Pro und Kontra immer noch nicht, ob dieser Philipp, den Johnny verteidigt, nun Evas ganzen Artikel geklaut hat (dann hätte er Unrecht) und was „kannibalisiert“ heißt (Zitat Schweizer) oder ob er nur großfächig zitiert hat (darf er in der Regel) oder ob er ihren Gehirnschmalz als den Seinen ausgegeben hat (wäre fies). Und wenn die Kontrahenten bloggerisches Schwarmverhalten auslösen wollen, dann sollten sie uns das mitteilen.

Was lese ich da aber auf Spreeblick? „Diese eine Woche hatte Philipp mit der Recherche juristischer und auch moralischer Unterstützung und mit dem Versuch verbracht, Sie zu kontaktieren. Da er auf ihrem taz-Blog keine Mailadresse von Ihnen gefunden hat, nutzte er ihre im Netz gefundene Telefonnummer, unter der sie nicht erreichbar waren. Der Kollege Markus Beckedahl von netzpolitik.org nutzte derweil leider ergebnislos seine Kontakte zu ZEIT, bei der Ihr Artikel erschienen war.“ Wirklich wahr? „Im Netz“ gibt es auch eine Website der Journalistin mit allen Angaben, die man braucht, um sie zu kontaktieren – bei mir der 16. Treffer bei Google. [By the way: Alle Beteiligen können offenbar nur elektronische Postkarten schreiben. SCNR]

Der Sturm im Wasserglas hat sich gelegt. Schweitzer schreibt (wie bei der taz linkfrei – weil deutsches Offline-Medium): „Obwohl ich bloß eine Frau bin, habe ich nicht automatisch Respekt vor Männern, bloß weil sie Java Script von Latte Americano unterscheiden können. (…) Ich lasse die Forderung fallen. Da er aber offenbar auf dem in-der IT-Welt-wird-nicht-bezahlt-Planeten lebt, sollte er etwas für mich tun, kostenfrei. Ein Hinweis: Was mir wirklich fehlt, ist ein Apple-Reparaturservice in Berlin.“

Uptate: Jetzt wird es bei der taz unterirdisch. Aber was will man bei einer Zeitung verlangen, die zum Thema „Online-Durchsuchung“ Verschwörungstheorien verbreitet?

Independence Bloggen aus dem Bett [Update]

Glotze

Das ist mein erstes Blog aus dem Bett. Nein, ich bin noch angezogen. Independence Day in der Glotze (nur weil ich den Film noch nie gesehen habe und ich zappe zwischendurch herum.). „Sie sind wie Wanderheuschrecken“, die Aliens. Das kleinste gemeinsam mögliche Niveau des patriotischen Films. Klar, dass das nur ein Deutscher bewältigen konnte.

Auslandsjournal ist besser, aber kürzer und auch zu deutsch: Private Waffen in den USA – irgendwie bleiben deutsche Journalisten bei dem Thema sprachlos.

Internet auf dem Schoß. Nein, das Radio ist nicht an. Auch mein Handy nicht. Das Telefon steht nicht im Schlafzimmer.

Update: Wechsel zu Illner: Journalisten, die lieber Politiker wären. Wird Hajo Schumacher die Piraten erwähnen?

Weimer ist kein Ehrenmann und wird „Focus“-Chef

Weimer wird Nachfolger Markworts bei Focus. Was will Wolfram Weimer laut Wikipedia? (Ich poste das hier nur, weil ich als wütender Wertkonservativer (!) Stabreim witzig (!) finde.)

„Die Warnungen vor dem Klimawandel hat er unter anderem als ‚Öko-Horrorshow‘ bezeichnet, die Ergebnisse des Weltklimarats zieht er in Zweifel. In der Integrationsdebatte kritisiert Weimer ’naiven Multikulturalismus‘ und spricht von einer ‚Multi-Kulti-Lüge‘. [Ich auch, aber aus anderen Gründen.] Wenngleich er sich des Öfteren islamkritisch geäußert hat, bewertet er die sog. Rückkehr der Religion im Allgemeinen positiv und sieht darin die Chance für eine kulturelle Renaissance des Abendlands.“

Ein glühender Vereherer höherer Wesen als Chefredakteur eines Nachrichtenmagazins (gefühlt)? Dazu: „Ausgesprochen atheistische Positionen finden sich zwar bis heute, aber eher vereinzelt, wie ein Zitat von Burkhard Schröder, dem ehemaligen Chefredakteur des Magazins Berliner Journalisten belegt. Im Editorial zu dem Heft ‚Religion und Medien‘ fragt und antwortet er: ‚Dürfen Journalisten höhere Wesen verehren oder gar Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein? Nein, natürlich nicht. Respektlosigkeit und Mut zur Aufklärung gelten als journalistische Tugenden. In Deutschland herrscht jedoch finsteres Mittelalter, wenn Religion zum Thema wird‘ (Schröder 2006).“ Das Original „Ohne Gott – eine Frage der Berufsehre“ ist natürlich online.

Ich bin selten! Ja! Und Weimer ist kein Ehrenmann.

Journalismus Open Source oder: Der Volkssturm der Holzmedien schlägt zurück

Auch wieder jemand, der nicht weiß, was Online-Journalismus ist. FAZ-Herausgeber Werner D’Inka laut Rhein Zeitung:

„Zweifellos ist der klassische Journalismus ein einseitiger Informationsfluss, indem wir für unser Publikum das aussuchen, von dem wir glauben, es sei wichtig und berichtenswert. Ich finde es auch nicht anstößig, wenn gesagt wird, der traditionelle Journalismus sei hierarchisch. Natürlich ist er das – so wie jede kreative Leistung hierarchisch ist. Auch Theater und Konzerte sind hierarchisch, und niemand käme vermutlich ernsthaft auf die Idee, die Musik ‚demokratisieren‘ zu wollen – es sei denn, er hielte Karaoke für eine besondere zivilisatorische Errungenschaft und für irgendwie authentischer als Beethoven. Selbst ein Friseurbesuch hat etwas Hierarchisches, denn der Friseur, bei dem ich gestern war, hat etwas gelernt, das ich nicht kann. Und ich weiß nicht, ob es die Menschheit sehr viel weiterbrächte, wenn wir uns alle gegenseitig die Haare schnitten. Genau das aber ist das Credo der Blogoshpäre: Professionelle Handwerksnormen seien nichts als Anmaßung, nichts als die Selbstlegitimation einer Berufskaste, die ihr Publikum bevormunde. Und eigentlich seien sie die besseren, die authentischeren Journalisten, frei von redaktionellen Zwängen, nur der Wahrheit und der Freiheit verpflichtet.

Ja, Internet-Blogs können durchaus eine Bereicherung sein, und viele sind originell und anregend. Eine besonders authentische Form des Journalismus sind sie freilich nicht. Die meisten Blogger, die sich als Graswurzel-Journalisten verstehen, überlassen die Recherchearbeit lieber den Mainstream-Medien und erregen sich über deren Fehler, wie Michael Haller von der Universität Leipzig zu recht konstatiert. Die besten und geistreichsten Blogger sind so etwas wie Kolumnisten, die oft originelle Sichtweisen vertreten, die sich aber nicht mit der Mühe ernsthafter Nachrichtenarbeit plagen und stattdessen das abschöpfen, was Zeitungsredaktionen kostenlos ins Netz stellen.“

So argumentiert der Volkssturm der Holzmedien. Zeitungsredaktionen publizieren nur gedrucktes Papier „im Netz“. Dafür brauchte ich kein Internet. Wer stellte denn das so genannte Enthauptungsvideo „ins Netz“? Da kommen wir der Frage schon näher, was „hierarchisch“ für die Holzmedien meint – nichts anderes als eine altertümliche paternalistishe Attitude, die der ähnelt, die die deutschen Jugendschutzwarte pflegen. Und wer hat beim Thema „Online-Durchsuchung“ komplett versagt? Der traditionelle, angeblich der Wahrheit (der Wahrheit, nicht der Public Relations des Innenministeriums!) verpflichtete traditionelle Journalismus.

Blogger und Journalismus – das war noch nie ein Widerspruch. Ein Blogger muss sich mehr anstrengen, um so viele Leute für sich und seine Meinung zu interessieren, als jemand, der quasi-verbeamtet in einer (Medien-)Anstalt sitzt, sich auf seinen bezahlten Urlaub verlassen kann und das Usenet nicht von einem Telefonkabel unterscheiden kann.

Auch Blogger sind hierarchisch: Niemand würde sie lesen, wenn man die Inhalte auch selbst fände. Blogs sind aber demokaratischer und ehrlicher, haben also einen Mehrwert gegenüber den Holzmedien. Diese sprechen den Lesern die Medienkompetenz ab, indem sie ihre Quellen verschweigen („auf einer islamistisischen Website“). Jene legen ihre Quellen offen – Journalismus Open Source. Nur das hat Zukunft.

Hallo DJV? Jemand zu Hause?

Recherchegruppe (mein DJV-kritisches Blog): „V.i.S.d.P. greift ins Klo und der DJV antwortet nicht“. [mehr…]

Nun, der DJV hat auch noch immer nicht geantwortet auf die Rechnung meiner Anwältin, meine Prozesskosten betreffend…Nicht zu antworten, ist offenbar DJV-typisch.

Unterschichtfernsehen am Ende?

Videotext

Laut diverser Medienberichte kosten einige der Privatsender künftig Geld: „Der Zeitung zufolge plant der Konzern, für bisher frei empfangbare Sender wie ProSieben, Sat.1 oder Kabel 1 von den Zuschauern eine Nutzungsgebühr zu verlangen.“

Der Artikel, von dem alle anderen abschreiben (und den niemand verlinkt), steht im Handelsblatt: „Pro Sieben Sat 1 plant Bezahl-TV.“

Das Interessante steht im Kleingedruckten: „Außerdem will sich die Sendergruppe aus München durch neue Geschäftsfelder verstärken. (…) Darüber hinaus will Pro Sieben Sat 1 als Eventveranstalter und Künstleragentur weitere Geschäftsfelder erobern. So könne das Unternehmen zum Beispiel Tickets verkaufen oder Merchandising betreiben… Pro Sieben Sat 1 ächzt im Gegensatz zum Konkurrenten RTL Group unter einem gewaltigen Schuldenberg. Dem Konzern bleibt gar nichts anderes übrig, als die Kosten massiv zu senken und neue Einnahmequellen zu erschließen. Fallen die Zahlen zu schlecht aus und werden die Kreditvereinbarungen gebrochen, droht Ärger mit den Banken.“

Artikel, die sich nicht mit der chaotischen Geschichte der Eigentumsverhältnisse beschäftigen, ist nichts wert. „In den großen Ländern in Europa ist das prozentuale Minus auf dem Werbemarkt im Vergleich zum Vorjahr nach Schätzungen von Experten durchweg zweistellig. Die Agenturgruppe Zenith Optimedia prognostiziert für 2009 weltweit einen Rückgang der Reklameausgaben von 8,5 Prozent. Für den deutschen Markt ist Ebeling noch skeptischer.“

Da auch das Handelsblatt sich dem Online-Journalismus verweigert, musste ich selbst noch recherchieren: „ZenithOptimedia is part of the world’s largest media services group. “ ZenithOptimedia ist eine Werbeagentur: „Mediaagenturen beraten Unternehmen bei der Streuung eines Werbeetats in verschiedenen Massenmedien. Sie sind spezialisierte Dienstleister in der Werbewirtschaft.“ Die Studie der Medienagentur, die Pro Sieben Sat 1 als Basis für seine Entscheidung diente, heißt Online Advertising Expenditure.

Auf ClickZ erfährt man dann zum Beispiel menr, worum es geht: „Newer media types will show the highest gain, though they will build from a smaller base.“ Werbung im klassischen Holzmedien-TV nimmt ab, im Internet nimmt sie zu. Fernsehen hat ein ähnliches Problem wie die Printmedien: Sie alle kommen mit dem Internet nicht klar, und deshalb nehmen sie weniger ein. Ist klar: Unterschichtfernsehen im Dienste der Profitmaximierung kann sich bald die Karten legen (vgl. Screenshot). Und alle anderen Holzmedien auch.

Online hat gewonnen

Frankfurter Rundschau im Interview mit Jakob Augstein, dem Eigentümer des Freitag:
„Ist online die neue Tageszeitung?
Ja, absolut. Dass hier das Netz im Prinzip gewonnen hat, steht für mich außer Frage. Die Tageszeitungen machen meiner Meinung nach jetzt schon keinen Sinn mehr, weil auf den ersten zwei, drei Seiten nur Nachrichten stehen – das ist völliger Schwachsinn! Ich kenne auch niemanden, der das in Wahrheit für klug hält. Doch die Leute, die das machen, können sich offenbar nicht davon lösen. (…)
Welche Rolle kommt zukünftig den Bloggern zu?
Also, ich war auf der „Re:publica“, wo ich mich auch mit einigen unterhalten habe. Das war ganz merkwürdig, denn die sollten doch eigentlich in ihrem Denken ganz vorne sein, aber die haben so geredet, als wären sie noch ganz hinten.“

Kluger Mann, der Augstein.

Neu in der Blogroll: Kai Diekmann

Kai Diekmann – der Chefredakteur der BILD bloggt jetzt auch. Walraff, it’s your turn now!

Lettre verklagt Bild

Kress.de: „Die Kulturzeitschrift „Lettre International“ hat Schadensersatzansprüche gegenüber der „Bild“-Zeitung und der Website „Bild.de“ angemeldet. Dies bestätigte Rechtsanwalt Johnny Eisenberg gegenüber kress. „Lettre“-Chefredakteur Frank Berberich hatte für die aktuelle Ausgabe der Berliner Zeitschrift ein 60.000 Zeichen umfassendes Interview mit dem Bundesbanker Thilo Sarrazin über Berlin geführt, das für erheblichen Rummel sorgte. (…) Weil „Lettre“ das plötzlich heiß begehrte Interview in dem 17 Euro teuren Magazin nicht kostenlos im Internet verbreiten wollte, bedienten sich Zeitung und Website der Axel Springer AG einfach selber.“

Dazu auch meedia.de, heute2 und dwdl.de. Und hier ist die Stellungnahme Kai Diekmanns.

Die 50 einflussreichsten Blogger 2009

Nettheweb.de: „Die 50 einflussreichsten Blogger 2009“. – „Die Liste stammt übrigens von Income Diary und wurde von mir nur leicht angepasst und ins deutsche übersetzt.“ Außerordentlich interessant zu lesen!

Das Dimido-Blog schreibt dazu: „Zumindest im Mutterland der Blogger, in den USA, haben Blogs eine gewisse Macht, wie man anhand der Liste von 50 einflusstreichsten Blogger 2009 sehen kann. Sehr interessant dabei, dass alle Blogger in englischer Sprache schreiben und viele sogar richtig viel Geld dabei verdienen!“

Nebelkerzen zur Online-Durchsuchung

Der Kaiser ist bekanntlich nackt und Online-Durchsuchungen hat es nie gegeben und wird es nie geben. Jedenfalls nicht so, wie sie der Volksmund und Klein Wolfgang verstehen: Da sitzt ein Ermittler irgendwo in einer Behörde und sucht und findet die IP-Adresse des Computers eines Verdächtigen, spielt dem dann „online“ und unbemerkt ein Spionageprogramm auf und liest dann mit? Vergesst es. Keep on dreaming. Die real gar nicht existierende Online-Durchsuchung ist der einflussreichste Medien-Hoax, den ich kenne, ein hübsches urbanes Märchen, das vom Wünschen und Wollen ahnungsloser internet-Ausdrucker und noch mehr vom ahnungslosen Geraune der Medien am Leben erhalten wird. Nicht ich muss beweisen, dass es bisher keine „Online-Durchsuchung gab, sondern diejenigem, die behaupten, so etwas würde gemacht, müssen Fakten, Fakten, Fakten liefern – wer, wie und womit. Eine Presseerklärung irgendeines Innenministeriums gilt nicht als Beweis.

Der Deutschlandfunk hat jetzt eine schöne Nebelkerze geworfen: Man interviewte Peter Welchering, den FDP-Stadtverbandsvorsitzender und Kreisvorsitzender des DJV zum Thema. (Für Insider: Welchering und Karl Geibel sind in demselben DJV-Verband.) Ach ja, Journalist ist Welchering auch noch und Erfinder des Tron-Netzes.

Sorry, aber ich vergesse nie etwas – Originalton Welchering in einem Artikel vor zwei Jahren: „Wird eine verschlüsselte Datei einmal auf die Festplatte eines Internet-Rechners kopiert, ist sie – auch wenn sie sofort danach wieder gelöscht wird – mit einigem Aufwand mittels Online-Durchsuchung für Datenspione sichtbar.“ Der gute Mann hat also keinen blassen Schimmer.

[Irrelevanter Einschub: Und deshalb war Welchering vermutlich der einzige Journalist, der versuchte, im MediumMagazin die PrivacyBox zu diskreditieren. Er meinte mich, prügelte aber auf die Privacybox ein. So funktioniert Mobbing im DJV. Ich habe ja seinen geliebten Großen Vorsitzenden Charly Geibel ständig angegriffen und der Unfähgkeit bezichtigt. Das tut man nicht unter Journalistenfunktionären. Und ausserdem war ich Chefredakteur von Berliner Journalisten, dem einzig ernst zu nehmenden Konkurrenten des MediumMagazins. Aber ich schweife ab…]

Irgendwie haben sie es ja gemerkt, dass es mit der Online-Durchsuchung nicht so weit her ist. Ja, wo durchsuchen sie denn? Manfred Kloiber fragt: „Welche technischen Probleme machen denn den BKA-Beamten das Leben schwer, Peter Welchering?“ Man muss sich die Anwort auf der Zunge zergehen lassen: „Denn diese Firewall, die verhindert, dass der sogenannte Infiltrationsschädling eindringen kann, das ist im wesentlichen ein Downloader, ein Trojaner, der sich ins System schleicht, um das eigentliche Überwachungsmodul, auf die es ja den Ermittlern ankommt, das dann auch die eigentliche Durchsuchungssoftware von einem BKA-Server herunterladen soll. Das ist insofern etwas verwunderlich, als die von den Geheimdiensten eingesetzten Bundestrojaner dieses Problem eigentlich schon gelöst hatten, und das schon vor einigen Jahren.“Ja, sie hatten „das Problem“ schon gelöst? Gibt es dazu vielleicht irgendeine winzige Tatsache, die aus einer unabhängigen Quelle stammt? Nein, gar nicht. Null. Es ist nur vages Gefasel. Und: Woher will Welchering das wissen? „Nach allem, was man aus den so schüchternen Sicherheitskreisen so hört“ – das ist. mit Verlaub und meiner Meinung nach pure Aufschneiderei. Mit „Sicherheitskreisen“ meinen Journalisten in der Regel die Presseabteilungen der Verfassungsschützer. Und die sind so seriös wie der ehemalige irakische Informationsminister.

Welchering behauptet allen Ernstes, der Bundesnachrichtendienst habe „solche Angriffsprogramme aus mehr oder weniger gut getarnten Quellen beschafft.“ Woher weiß er das? Das weiß ich wiederum: Von Focus Online, die das ständig mit wachsender Begeisterung, aber faktenfrei behaupten. Oder von Spiegel Online vom Frühjahr 2009: „Nach Informationen des SPIEGEL hat der Geheimdienst BND in den vergangenen Jahren in mindestens 2500 Fällen PCs im Ausland durchsucht“. Aber nicht „online“, sondern Keylogger physikalisch installiert und/oder schlicht die E-Mail-Accounts abgerufen wie beim afghanischen Handelsminister. Welchering weiß nicht mehr, als das, was in der Zeitung steht.

Jetzt fragt Kloiber: „Letztlich handelt es sich ja auch beim Bundestrojaner um ein Computervirus. Und deren Ausbreitung ist ja nicht völlig unter Kontrolle zu halten.“ Nonsens und Schwachfug, wie Wau Holland es funktioniert hätte. Jetzt ist der „Trojaner“ also ein „Virus“? Eine Lokomoive ist also irgendwie ein Auto, und das Usenet ist dasselbe wie das Word Wide Web, und ein Kamel ist auch irgendwie in Pferd? Wenn man etwas nicht kontrollieren kann, dann ist es ermittlungstechnisch -und taktisch ohnehin Quatsch, von der Beweiskraft vor Gericht ganz zu schweigen.

Welcherung: „Offenbar war man in Wiesbaden mit den Parameterermittlungen, die es ja auch kommerziell zu kaufen gibt, nicht so übermäßig zufrieden. Und man hat deshalb einen anderen Weg eingeschlagen, solche Systemparameter auszuspähen, aber der ist auch nicht erfolgreich gewesen, der ist von den Betriebssystemherstellern dichtgemacht worden. Das funktioniert recht elegant. Die Ermittler haben einfach ein Sicherheitsupdate eines Betriebssystemherstellers genommen und dem einen Trojaner angehängt. Weil Sicherheitsupdates ja automatisch heruntergeladen werden, bemerken die Überwachten PC-Besitzer das gar nicht.“ Ach ja? Gibt es dafür Quellen? Nein, gibt es nicht. Welcherung ist der einzige Mensch auf der Welt, der davon weiß. Er weiß mehr als der Chaos Computer Club und die c’t zusammen. Vielleicht ist das der Grund, warum er in der FDP ist… Da sind ausschließlich solche klugen Menschen. „Kloiber: Welche Strategien werden denn derzeit im BKA favorisiert, um die technischen Schwierigkeiten beim Einsatz des Bundestrojaners zu überwinden?
Welchering: Das ist schwierig zu ermitteln. Auf solche Fragen schweigt das BKA natürlich“.

Eben. Nichts Genaues weiß man nicht. Man weiß überhaupt nichts, auch nichts über Exploits, mit denen das laut Welchering angeblich gemacht wird. Um so lauter tönen diejenigen, die die magische Online-Durchsuchung herbeifantasieren wollen. irgendwie erinnert mich das geheimisvolle Getöne an Voodoo und Regenzauber. Irgendwelche obskuren Männer stehen im Kreis oder im Viereck und murmeln etwas gemeinsam, auf das die Welt so sei, wie sie es wünschen.

By the way: Wenn ihr das Buch nicht lesen wollt, dann lest die Artikel, die ich 2007 zum Thema gebloggt habe. Har har.

spiggel.de (07.02.2007): „Der Staats-Trojaner-Hoax“
spiggel.de (08.02.2007): „Der Staats-Trojaner-Hoax, update“
spiggel.de (09.02.2007): „Wie schütze ich mich vor dem Bundestrojaner?“
spiggel.de (11.02.2007): „Der SPIEGEL heizt den Hoax an“
spiggel.de (13.02.2007): „Jetzt ganz neu: Social Engineering“
spiggel.de (12.03.2007): „Online-Durchsuchungen, die 234te“
spiggel.de (18.03.2007): „Online-Kriminelle immer onliner und immer krimineller“
spiggel.de (07.04.2007): „Online-Durchsuchungen: Die Farce geht weiter“
spiggel.de (28.04.2007): „Schäuble ist nackt“
spiggel.de (06.05.2007): „Auch du, meine Christiane?“
spiggel.de (10.05.2007): „Der Koran, geile Titten und der Quelle-Katalog“
spiggel.de (10.05.2007): „Heimlicher Zugriff auf IT-Systeme“
spiggel.de (19.05.2007): „Online-Duchsuchung in Second Life!“
spiggel.de (30.06.2007): „Wie tötet man eine Online-Ente?“
spiggel.de (01.07.2007): „Digitale Spaltung?“
spiggel.de (08.07.2007): „Sex-Verbot für Terroristen?“
spiggel.de (12.07.2007): „Wie Enten geklont werden“
spiggel.de (15.07.2007): „Richter erklärt die Online-Durchsuchung zur Ente“
spiggel.de (19.07.2007): „Heise Hoax-verseucht“
spiggel.de (31.07.2007): „Hurra, so funktionieren Online-Durchsuchungen!“
spiggel.de (25.08.2007): „Sie haben ein Attachment bekommen“
spiggel.de (28.08.2007): „Blauäugige Keylogger“
spiggel.de (30.08.2007): „Gefälschte Behörden-E-Mails?“
spiggel.de (03.10.2007): „Keine Chance für Online-Durchsuchung“
spiggel.de (07.10.2007): „Das Märchen vom Datenstrom“
spiggel.de (22.10.2007): „Technische Details offen“
spiggel.de (10.11.2007): „Neues vom Tron-Netz“
spiggel.de (13.11.2007): „Eintagstrojaner mit Verfallsdatum“
spiggel.de (10.11.2007): „Zierckes Traum“
spiggel.de (19.11.2007): „Terroristen nutzen Windows“
spiggel.de (16.12.2007): „HTTP 909 – Bundestrojaner-Online-Durchsuchung“

Journalismus: Jetzt auch aus Textbausteinen vom Kollege Automat

Via carta: „Medienarbeit wird von denkenden Menschen verrichtet, die honorige Auswahlkriterien benutzen, gründlich recherchieren, ausgewogen berichten und von niemandem für diese Tätigkeit bezahlt werden außer von ihrem Arbeit- oder Auftraggeber.

Dream on. Denn diese Illusion wird nicht mehr sehr lange weiter existieren. Jedenfalls nicht, wenn man weiß, woran Studenten an der Northwestern University außerhalb von Chicago arbeiten. Sie haben soeben in einem der Hauptarbeitsbereiche des Medienalltags – der Sportberichterstattung – ein Computerprogramm entwickelt, das zeigt, dass es ganz ohne Journalisten geht.

Allenfalls der Name ihres Konzepts ist surreal. Sie nennen es Stat Monkey – Statistik-Affe. Der Rest ist ungeheuer handfest. Denn das Programm wurde – ähnlich der Analyseabläufe in Schachcomputern – so weit verfeinert und verästelt, dass es eine ganz bemerkenswerte Qualitätsstufe erreicht. “ [mehr…]

By the way: Ich achte, das gäbe es schon. Man muss doch nur Google News lesen und die Teaser der deutschen Medien abgrasen.

Merkel zu Finanzminister Schäuble und den 100.000 D-Mark

Ein Journalist vom Telegraaf aus Amsterdem fragt sinngemäß: Schäuble habe im Bundestag zugegeben, einen Waffenhändler getroffen und 100000 DM in bar von ihm angenommen zu haben.

Wikipedia hierzu: „Am 10. Januar 2000 räumte Schäuble ein, von dem inzwischen zur Verhaftung ausgeschriebenen Waffenhändler Karlheinz Schreiber im Jahre 1994 eine Bar-Spende von 100.000 D-Mark für die CDU entgegengenommen zu haben. Am 31. Januar 2000 gab er ein weiteres Treffen mit Schreiber im Jahr 1995 zu. Die Schatzmeisterei der CDU habe den Betrag als ’sonstige Einnahme‘ verbucht.“

Noch Fragen? Doch, ich habe noch eine: Warum stellte kein deutscher Journalist diese Frage bei der Pressekonferenz? Antwort: So was tut man nicht in Deutschland. Oder, wie Roger Boyes, Deutschland-Korrrespondent der Londoner Times, es formulierte: „Die Berliner Republik kanalisiert ihre Informationen über Hintergrundgespräche und Stammtische, über informelle Netzwerke, über Vereinbarungen zwischen einzelnen Politikern und einzelnen Verlagsgruppen. Der Traum vieler deutscher Journalisten scheint immer noch darin zu bestehen, eines Tages selbst Politiker, Pressesprecher oder Redenschreiber zu werden. Der Traum jedes britischen journalisten besteht darin, einen nichtsnutzigen Politiker um seinen Job zu bringen.“ (In: Berliner Journalisten 3/2005)

Schleichwerbung erwünscht: Medienskandal Regividerm

Screenshot WDR

Der Film der ARD: „Heilung unerwünscht (WDR): Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern“ ist kein Pharma-Skandal, sondern ein Medienskandal. Hier Auszüge aus einem Offenem Brief an Klaus Martens und Frank Plasberg:

(…) „In der letzten Woche haben Sie – wissentlich oder unwissentlich – diese Öffentlichkeit in die Irre geführt, indem Sie vielen Kranken und ihren Angehörigen eine zumindest im behaupteten Ausmaß unberechtigte Hoffnung auf Heilung gemacht haben. Sie haben so einseitig positiv und so überzeugt ein Mittel als „Medikament“, als „Heilmittel“ vorgestellt, dass Ihnen viele Menschen geglaubt haben. Dieses Mittel heißt Regividerm und es ist überaus zweifelhaft, dass es nur einen Bruchteil der Erwartungen hält, die Sie geweckt haben. (…) Viele Fakten liegen mittlerweile offen, die die Vermutung stützen, dass es sich bei der Angelegenheit, zu der Sie beigetragen haben, um eine PR-Kampagne für ein schlichtes Medizinprodukt handelt, das ohne Ihre Fürsprache und ohne Ihre Bekanntheit – zu Recht – nicht diesen Bekanntheitsgrad und Grad der Nachfrage erreicht hätte.“ (…)

Dazu FAZ.net: „Schleichwerbung – Der öffentlich-rechtliche Zuschauerverrat“, ÖKO-Test Online-Forum (Thread), Principien: „Die Supersalbe Regividerm“, Forum TG-1 (Thread 1), Forum TG-1 (Thread 2), EsoWatch.com „Regividerm“, Stationäre Aufnahme: „Wahrheit unerwünscht: WDR löscht kritische Kommentare zu Regividerm“, Ärzte Zeitung: „Selbsthilfe-Vereinigungen protestieren gegen ARD-Film zu neuer Hautsalbe“ sowie eine Stellungnahme des Autos Klaus Mertens. Die Süddeutsche berichtete zunächst völlig unkritisch und werbend für den Film („Eine ARD-Dokumentation über Profitgier und ihre Folgen“). Das änderte sich erst zwei Tage später: „Zweifel an der Wundercreme“.

Ein Zitat aus einem Kommentar in der Journalisten-Mailingliste JoNet: „…als einer der Rechercheure in dieser Sache habe ich mich sehr gewundert, wie einer der dreistesten Medien-Skandale der letzten Zeit so unbehelligt über die Bühne gehen kann: volle 6 Stunden Sendezeit im Fernsehen mit knallharter PR für eine ‚Wundersalbe‘.
ARD, 19.20.2009: 3/4 Stunde Reklamefilm
ARD, 23.20.2009: 3/4 Stunde Reklamefilm
Phoenix, 23.10.09: 1 Stunde Reklamefilm
Phoenix, 24.10.09: 1 Stunde Reklamefilm
1Extra, 24.10.2009: 1 Stunde Reklamefilm
1Extra, 04.11.2009: 1 Stunde Reklamefilm
Dazu kommt noch die 1. Sendung „hart aber fair“, in der eine Riege von Prominenten als Hilfsträger mißbraucht wird: gut 20 Minuten. Wenn das keine Schleichwerbung ist, was dann!?“

Jamaica stinkt (nicht erst jetzt)

Stern.de: „Nach Recherchen von stern.de hat das Jamaika-Bündins indes nicht nur politische, sondern auch persönliche Implikationen. Denn zwischen dem grünen Landesvorsitzenden Hubert Ulrich, dem „Jamaika-Ingenieur“ („Cicero“), und der FDP gibt es eine enge Verbindung.

Laut Handbuch des saarländischen Landtags ist Ulrich seit 2001 „Marketingleiter beim IT-Beratungshaus think & solve GmbH in Saarbrücken.“ Dort ist er zuständig für IT-Beratung und Softwareentwicklung. Think & solve ist ein Unternehmen, das im Handelsregister des Amtsgerichts St. Ingbert unter der Nummer HRB 3086 eingetragen worden ist. Im Jahr 2000 wurde der Sitz der Gesellschaft nach Saarbrücken verlegt. Einer der Gesellschafter heißt Hartmut Ostermann, FDP-Kreisvorsitzender in Saarbrücken. Er ist also einer der Arbeitgeber Ulrichs.“ [mehr…][via Fefes Blog]

Eine schone Offline-Recherche von stern.de. Leider haben die geschätzten Kolleginnen und Kollegen nicht die geringste Ahnung vom Online-Journalismus, deswegen musste ich die Links im Teaser selbst zusammensuchen.

Keine Zensur im BBC

Netzeitung: „Keine Zensur – BBC lädt Rechtsextremen-Chef ein“. „Nach einem Sturm der Entrüstung hat die BBC die Einladung des rechtsextremen Parteichefs Nick Griffin zu ihrer wichtigsten Politik-Debatte verteidigt. Den Vorsitzenden der British National Party (BNP) nicht im Programm des öffentlich-rechtlichen Senders zu berücksichtigen, käme einer Zensur gleich, erklärte BBC-Chef Mark Thompson.“

Richtig und gut so. (By the way: „Net“zeitung – man kann Links setzen! Schon mal davon gehört?) Was machen die deutschen Medien daraus, denen bestimmt der Mund offen steht vor Staunen? Sie verstecken die Meldung unter „Vermischtes“ wie Focus Online, sie haben gar keine Meinung dazu wie Spiegel Offline (wie gewohnt kein Link) oder finden die Einladung gaaaanz schlimm wie die Sächsische Zeitung oder die Frankfurter Rundschau („Tabubruch“).

Irgendwann wandere ich ganz ab zu englischen Medien oder gleich zu den Arabern.

Dumm gelaufen: Kinderpornografie auf Manchesters Flughafen

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Die britische Zeitung Daily Mail berichtet: Kinder dürfen von den neuen Nacktscannern auf Manchesters Flughafen nicht mehr erfasst werden:

„But now – with the system due to begin operating at full capacity at Manchester’s Terminal 2 next week – security chiefs have been told no one under 18 can be subjected to the new checks. Child protection experts have warned that the image produced by the Rapiscan machines may break the law which prevents the creation of an indecent image or pseudo-image of a child.“

Dann werden Familien mit Kindern vermutlich in Zukunft besonders verdächtig, weil die lieben Kleinen der Terroristen den Sprengstoff tragen werden. Die spinnen, die Überwachungs-Paranoiker…

By the way. Sehr schön die Kommentar-Funktion der Daily Mail. Lichtjahre von den Websites deutscher Holzmedien entfernt. Davon können die noch viel lernen.

TV-Kritik: Der Dachdecker

Honecker

Gestern im TV. Der Tatort „Um jeden Preis“ hat mich erst geärgert und dann gelangweilt. Journalisten wie dort beschrieben gibt es nicht. Die Drehbuchautoren scheinen zu oft US-Krimis zu sehen: Der Journalist an sich trägt dort eine Kamera, tritt in nervtötenden Pulks auf, drängt sich um Leichen, die seit einer Minute tot sind, und kennt keine moralischen Hemmmungen. Nur in deutschen Krimis trägt der Journalist zusätzlich einen Presseausweis, weil der Deutsche ohne Ausweis gar nicht zu existieren meint. Das ist doch alles Klischee und ausgemachter Blödsinn.

Wenn Computer oder gar das Internet in’s Spiel kommen, wird es im deutschen TV-Krimi meistens erst recht Comedy. Kein Computer ist dort passwortgesichert: Irgendjemand kann einfach in irgendeine Wohnung gehen und irgendeinen Rechner hochfahren und Dateien kopieren und/oder löschen (oder ganze Festplatten wie in „Um jeden Preis“ – ohne Admin-Zugriff!), wie in den Wunschträumen Schäubles zur real gar nicht existierenden „Online-Durchsuchung“. Das funktioniert so nicht: Ein Journalist, der investigativ rercherchiert, hat seine Arbeitsgeräte abgesichert (nein, Passworte kann man nicht erraten). Falls nicht, ist er kein investigativer Journalist, sondern ein DAU oder Klein-Fritzchen oder bei Akte soundso für’s Internet zuständig.

Ich bin nach einer halben Stunde in meine Stammkneipe. Dort gibt es den Tatort auf einer großen Leinwand und man kann Bier dabei trinken. Ich hatte das Vergnügen, neben einer ausnehmend hübschen jungen Dame mit Wursthaaren zu stehen und mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Leider ging sie allein nach Haus, bevor ich mir einen interessanten Spruch überlegen konnte, sie zum Bleiben zu bewegen. Sie hätte vermutlich auch altersmäßig meine Tochter sein können. Also Finger weg, Burks, das geht schief. Aber sie war schon sehr süß.

Wieder zuhause, zappte ich genervt herum und geriet an EinsExtra und an einen sehr interessanten Doku-Film über Erich Honecker und seinen Rücktriitt vor 20 Jahren.

Das Film hat mich fasziniert, vor allem die vielen unbekannten Details. Ich wusste nicht, dass Wolf Biermann ein intimes Verhältnis mit/zu Margot Honecker gehabt hatte, bevor er nicht mehr in die DDR zurück durfte. Die Ausreise und Ausbürgerung Biermanns erscheint für mich in einem ganz neuen Licht. „Was wusste Margot?“ wäre eine wunderbare Schlagzeile, wenn das heute noch jemand interessieren würde. Und wusste Biermann a priori, was mit ihm geschehen würde?

Interessant auch das Statement des Arztes, der Honecker zuletzt operiert hatte: Honecker habe ihm gegenüber zugegeben, dass er von seinem „Job“ intellektuell überfordert gewesen sei. Ja, das sagen auch andere: Honecker war intellektuell ein Dachdecker, nicht mehr oder weniger, ein Handwerker ohne Vision und ohne Charisma, clever bis zur Menschenverachtung, gleichzeitig eine „ehrliche“ Haut, verblendet und politischer Autist, er verkörperte die Diktatur der Mediokren und der Spießbürger – ein deutscher Sozialist eben, wie er im Buche steht. Das war ein guter Film, weil ich mich noch 12 Stunden später an seinen Inhalt erinnere – das ist beim heutigen TV-Programm die Ausnahme und nicht die Regel.

Foto: Erich Honecker (3. von links)

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