614.033 Fliegen können nicht irren
Frankfurter Rundschau: „Zunächst die Fakten, Fakten, Fakten. Nachdem die Media-Analyse Focus jüngst bescheinigt hat, 370.000 Leser verloren zu haben, ist seit Donnerstag offiziell, dass die Auflage des Münchner Magazins im dritten Quartal um 174.000 auf nur noch 614.033 Exemplare geschrumpft ist. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr Einbußen von 22 Prozent, mehr als einem Fünftel der Gesamtauflage. (…) Auch die Zahl der Abonnenten ist geschrumpft: um mehr als ein Viertel binnen eines Jahres.“
Mehr Links und mehr Porn, verdammt noch mal!
Jemand hat netzpolitik.org anonym Listen von zahlreichen SchülerVZ-Nutzern zugeschickt. (Anonym? Wie hat dieser Jemand das gemacht? Wir haben die Antwort!)
„Ein Datensatz umfasst mehr als eine Million Datensätze mit den Feldern Profil-ID, Name und dazugehörige Schule samt ID. Ein kleinerer Datensatz zeigt detailliertere Informationen mit den Feldern Profil-ID, Name, Schule samt ID, Geschlecht, Alter und Profil-Bild (Plus dazu gehörigem Link auf Bild) an.“ Zum Thema steht im Heise-Forum ein hübscher Link: svz-captcha – „a captcha solver for studivz/schülervz/meinvz“. Nachmachen.
Bei Spiegel Offline geht es um die Taliban und Al Kaida: „Bei der Pressekonferenz brachte einer der Journalisten den neuen TTP-Chef dazu, ein paar autobiografische Notizen handschriftlich zu verfassen. Die New Yorker Nefa-Foundation, ein Think Tank mit dem Arbeitsschwerpunkt Terrorismus, veröffentlichte die Blätter und eine Übersetzung.“ Faules und arrogantes Pack, uns den Link zur Nefa-Foundation und zu den Quellen vorzuenthalten! Ja, faul und arrogant seid ihr. Keine Ahnung vom Online-Journalismus.
Gleich noch mal, weil Sex sells: Feministischer Pornopreis – „Wir wollen die Jungs aus der Schmuddelecke holen“ Spiegel Offline geht erst gar nicht hinein: „…spricht die Initiatorin Laura Méritt über faire Pornos, farbige Sexspielzeuge und genretypischen Schmalspursex.“ Nachdem wir uns jetzt voyeuristisch aufgegeilt haben, wollen wir einen Link, oder? Nicht bei Spiegel offline, aber hier. Twitter findet PorYesEurope, dort ist auch der Link zur Website. „Mit dem Label PorYes werden zukünftig eingereichte Filme zertifiziert, die feministischen Kriterien entsprechen und den Reichtum sexueller Ausdrucksweisen einbeziehen.“
Die Webmistress braucht noch ein wenig Nachhilfe in HTM, und Laura Méritt ein paar Tipps, wie frau gutes Deutsch schreibt. Auf keinen Fall, mit Verlaub: „Wenn Sie bei der Vorfreude und Entscheidungsfindung eine fröhlich kompetente Unterstützung brauchen“. Mit dem Deutsch ist es wie mit dem Sex: Immer locker bleiben bei der Orgasmusfindung!
Die Neger sind nun mal nicht so intelligent wie die Weißen
Nur weil ich den Sprachpapst Wolf Schneider hier so oft lobe, etwas von Günter Wallraff über ihn:
„Der angesehene Journalistenausbilder und Talkshowmoderator Wolf Schneider referierte 1979 vor seinen Schülern: ‚Die Neger sind nun mal nicht so intelligent wie die Weißen, weil sie nur auf Körperkraft hin gezüchtet worden sind‘; der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der 1988 vor einer deutschen Gesellschaft warnte, die ‚durchmischt‘ und ‚durchrasst‘ sei (wofür er sich nach heftiger Kritik entschuldigte); der frühere Hamburger Innensenator Ronald Schill, der seine Karriere als ‚Richter Gnadenlos‘ begonnen hatte und sich später rühmte: ‚Von mir haben die Neger alle etwas mehr bekommen.'“
Das schreibt Wallraff in Zeit online. „Der Film „Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß. Eine Reise durch Deutschland“ läuft ab 22. Oktober in den Kinos“. Ich empfehle dazu mein Posting auf meinem alten Blog spiggel.de: „Warum ich Journalist geworden bin“ (17.12.2004).
Die Not der freien Journalisten
NDR: „Die Krise trifft die Freien Journalisten allerdings mehr als alle anderen. Sie können von ihrer Arbeit kaum noch leben. Laut einer neuen Studie des Deutschen Journalisten Verbandes müssen knapp 40 Prozent der Freien mit weniger als 1.000 Euro im Monat klarkommen. Und trotzdem bleiben sie Überzeugungstäter.“ [mehr…]
Romania rulez!
Heise: „Rumänisches Verfassungsgericht untersagt Vorratsdatenspeicherung“. „Das rumänische Verfassungsgericht hat damit einer Klage von Bürgern gegen den Telekommunikationsanbieter Orange entsprochen, es unter Berufung auf Artikel 28 der Verfassung zu unterlassen, Verbindungsdaten, E-Mails und SMS-Inhalte bereitzuhalten.“
Hurra! Ganz Europa soll ein Überwachungsstaat werden. Nur ein, nein zwei kleine osteuropäische Ländern leisten Widerstand. Hätten Sie’s gewusst? Man muss sich für deutsche Politiker wie Schäuble, Bosbach und Zensursula und andere mit Überwachungswahnvorstellungen schon im Ausland schämen…
Da kein deutsches Mainstream-Holzmedium in der Lage sein wird, auf die Original-Quelle zu verlinken: es ist die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax (in englischer Sprache!).
Artikel jetzt frei zugänglich
Alle meine Artikel zwischen 1990 und 2007 sind jetzt ohne Username und Passwort zugänglich. (Einige Links funktionieren vermutlich nicht mehr, zum Beispiel zu den Artikeln im Medienmagazin Berliner Journalisten..)
Fisting-Attacke auf E-Mails beim ZDF
Taz gewinnt gegen BILD
Der u. a. für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute seine Rechtsprechung zu den Grenzen humorvoller Werbevergleiche präzisiert. . Die taz gewann einen Rechtsstreit gegen die Bild-Zeitung.
„Die Klägerin sieht in diesem Werbespot eine nach § 6 Abs. 2 Nr. 5 UWG unlautere vergleichende Werbung und nimmt die Beklagte daher auf Unterlassung, Auskunftserteilung und Feststellung ihrer Schadensersatz-pflicht in Anspruch. Wer vergleichend wirbt, handelt nach dieser Bestimmung unlauter, wenn der Vergleich die Waren eines Mitbewerbers herabsetzt oder verunglimpft.
Landgericht (ja, das Landgericht Hamburg mal wieder! BS) und Berufungsgericht haben der Klage weitgehend stattgegeben. Das Berufungsgericht hat angenommen, die Beklagte überschreite mit dem Werbespot, auch wenn dieser durch Witz, Ironie und Sarkasmus geprägt sei, die Grenzen des wettbewerblich Zulässigen. Sie versuche, ihre Zeitung werblich herauszustellen, indem sie ein vernichtendes Bild von der trostlosen Sozialstruktur und den (fehlenden) intellektuellen Fähigkeiten eines typischen BILD-Zeitungslesers zeichne und damit die Leserschaft und die Zeitung der Klägerin ohne sachlichen Grund abqualifiziere.
Auf die Revision der Beklagten hat der Bundesgerichtshof die Entscheidungen der Vorinstanzen aufgehoben und die Klage abgewiesen. (…) Der Werbespot der Beklagten ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofs danach nicht als wettbewerbswidrig anzusehen. Er bringe lediglich zum Ausdruck, dass die TAZ „nicht für jeden“ sei, also nicht den Massengeschmack anspreche. Der durchschnittliche Zuschauer erkenne, dass es sich bei der Darstellung um eine humorvolle Überspitzung handele, mit der die Aufmerksamkeit der Werbeadressaten geweckt und nicht die BILD-Zeitung oder deren Leserschaft pauschal abgewertet werden solle.“
By the way: Ich glaube nicht, dass ein deutsches Mainstream-Medium in der Lage ist, einen Link zur Presseerklärung des BGH zu setzen. Wetten dass?
Bitte wählen Sie eine dieser Aufgaben:
Meine (erwachsenen) (Journalisten-(SchülerInnen) schreiben gerade einen praxisnahe Klausur. Folgende Aufgaben habe ich gestellt:
Online-Journalismus – Recherche
Bitte wählen Sie EINE dieser Aufgaben:
1. Nowosti: „Ukraine: Gift-Anschlag auf Juschtschenko kann vorgetäuscht sein“
a. Stellen Sie alle relevanten Links zum Artikel zusammen, die in einem Online-Medium wie etwa Telepolis sinnvoll wären! b. Überprüfen Sie die Fakten!
2. Die Telekom startet am 17.10 mit der Zensur ohne Grundlage des Zugangserschwerungsgesetzes (Quelle?). Schreiben Sie einen Hintergrundartikel zum Thema für ein Online-Magazin, der auch erklärt, mit welchen Methoden das Gesetz umgangen werden kann.
3. Heise-Security: „E-Mail-Verschlüsselung austesten – Diagnose von POP3, IMAP und SMTP via SSL“
Schreiben Sie diesen Artikel so um, dass ihn ein DAU versteht (nur die grundlegenden Fakten).
4. Wählen Sie drei Artikel von wissenschaft.de (aus den letzten zehn Tagen) und stellen Sie die Links zusammen, dass die Artikel in einem Online-Magazin erscheinen könnten.
Hinweis: Kopieren Sie den Text der Artikel und verfahren Sie mit den Links wie unten vorgeschlagen.
– Länge des Artikels, wie es Ihnen beliebt.
– Ihren Artikel bitte als Textdatei an burks@burks.de (Word wird nicht angenommen) schicken.
– Links im Text bitte wie folgt: Das ist ein Beispiel (www.dasisteinurl.info), wie es sein sollte.
©Burkhard Schröder
She loves you – im Netz aufeinander zugehen
Kommentar in der Tagesschau vom 26.09.: „Wir müssen aber zueinander finden auch in der Sprache. Yeah, yeah, yeah ist Nonsens. Die Internet-Gemeinde muss aufhören, jeden für blöd zu erklären, der nicht in den social networks, also den sozialen Netzwerken unterwegs ist, und die anderen – einschliéßlich den Parteien – müssen anfangen, ernsthaft im Netz aufeinander zuzugehen.“
Jetzt möchte ich diesen Kommentar kommentieren. Irgendwie verstehe ich den Herrn und Kollegen nicht. „Yeah, yeah, yeah“ ist nicht mehr oder weniger Nonsens als das, was in den Wahlkampfreden zum Besten gegeben wird. Wir haben das Yeah. Klingt doch vernünftig. Außerdem gab es da mal einen Song von den Beatles: „She loves you.“ Ich kann mich vage daran erinnern, dass der mediale Mainstream diese Musik auch als „Unfug“ abtat. (Damals sprach man noch deutsch, heute sagt man: „nonsens“ statt „Unsinn“, damit es irgendwie internetter klingen soll)
Das Internet ist ein riesiges soziales Netz, vor allem mit seinen Diensten Usenet, IRC und den so genannten 2.0-Features wie Second Life, dem größten Chatroom der Welt (wenn man Computerspiele außer acht lässt).
Ja. Ich erkläre jeden für blöd, der nicht nicht in den social networks unterwegs ist. („network“, Kollege Hinrichs, heißt im Deutschen „Netz“ – man muss das Wort nicht falsch rückübersetzen).
Im Netz auf einander zugehen. Mit der real gar nicht existierenden Online-Durchsuchung? Mit Zensur, Datenspionage und lächerlcihen virtuellen Stoppschildern? Nein, es stimmt nicht, Kollege Hinrichs, die Politik hat sich nicht „bemüht“, sie hat komplett versagt und bekämpft das Internet als Teufelswerk. Daher auch der beschwörende Ton in solchen Kommentaren. Ihr habt Angst davor. Und ich habe mir schon mal Gedanken gemacht, wie das „Aufeinanderzugehen“ im „Netz“ aussähe, wenn etwa die Schäuble- und Layenfilter-Groupies auf die Sympathisanten der Piratenpartei treffen würden (vgl. Screenshot unten).
Journalistenlobbykrähen oder: Atomlobby plante Wahlkampf minutiös [2. Update]
Vor ein paar Tagen hatte ich versehentlich Spiegel „online“ gelobt: „‚So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein‘. Inklusive einer Namensliste.“ Was lesen wir heute? „Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes wurden die Namen der Journalisten veröffentlicht. Aufgrund von Bedenken einiger Betroffener wurde diese Übersicht entfernt. “
Ach ja? Die Zahnpasta wieder in die Tube zurückdrücken? Es geht hier doch nicht um eine Tatsachenbehauptung über die Journalisten, sondern darum, was die Atomenergie-Lobby über sie denkt – das muss nicht stimmen. Selbst dagegen gebt es also „Bedenken“. Erbärmliche Feiglinge – so etwas nennt ihr also „Journalismus“.
Wenn ich also zukünftig „Bedenken“ habe, dann schicke ich eine selbstredend unverschlüsselte E-Mail an Spiegel „online“ und äußere die – und dann wird alles das, wogegen ich Bedenken habe, entfernt? Das sind ja schöne Aussichten. Oder hat jetzt nur das Motto gesiegt: Eine Journalistenlobbykrähe hackt der anderen kein Auge aus?
Greenpeace hat das Original (pdf) publiziert, die Namen auch geschwärzt. Aber die findet man auf zahlreichen Websites.
Mein Selbstverständnis als Journalist war es immer, aufdecken, nicht zudecken oder verschweigen („auf einer islamistischen Website“, aber wir sagen nicht, um welche es sich handelt) zu wollen. Damit bin ich aber offenbar zu einer Minderheit geworden.
O Allah, was bist du bekloppt oder: Mitleid ist nicht angebracht
Das nächste Video des deutschen Taliban Bekkay Harrach aka „Al Hafidh Abu Talha der Deutsche“ in Afghanistan gibt es hier und heißt „O Allah , ich liebe dich“.
O Allah, was bist du bekloppt…Das erste Video gibt es hier und auch woanders. Ich habe es mir heruntergeladen und angesehen. Es ist kaum erträglich. Die „Argumentation“ ist religionssoziologisch recht primitiv. Ich kenne das schon in – scheinbar gemäßigter – Version von anderen Sekten (ich weiß wovon ich rede).
Google News listet zur Zeit 521 Artikel deutscher Medien zum Thema auf. Keines war in der Lage, das Original des Videos, über das alle berichten, zu verlinken. Geht sterben, Holzmedien. Die Medienkrise trifft die Richtigen. Mitleid ist nicht angebracht.
„Du kannst im Leben nur erfolgreich sein, wenn du standhaft bist“, sagst die talibanistische Knallcharge im Video (knapp 80 MB). Jawoll. Zum Beispiel bei Hausdurchsuchungen. Har har.
Screenshot: © BurkS (Wehe ihr klaut den, Holzmedien! Die Grafik ist steganografisch bearbeitet – ich könnte das beweisen!)
Eric Dane, Rebecca Gayheart, And Kari Ann Peniche’s Uncensored Sex Tape
Manchmal ist es nur noch lächerlich und man fragt sich, ob deutsche Journalisten gar kein Gespür mehr dafür haben, wie albern sie sind. Spiegel Online: „‚Grey’s Anatomy‘-Star verklagt Blog auf eine Million Dollar“. Anlass: „Seit Montag wird ein Sex-Video des US-Schauspielers Eric Dane im Internet verbreitet, das den 36-Jährigen „Grey’s Anatomy“-Star zusammen mit seiner Ehefrau Rebecca Gayheart, 37, und dem Hollywood-Sternchen Kari Ann Peniche, 25, nackt zeigt“.
„Danes Anwalt Marty Singer argumentiert einem Bericht des ‚People‘-Magazins zufolge, ‚Gawker“‚ sei informiert gewesen, dass eine Veröffentlichung des Privatvideos rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen werde und habe es dennoch in seiner ‚Defamer‘-Kolumne gezeigt. ‚Gawker‘-Herausgeber Nick Dention reagierte betont gelassen – und zitiert eine frühere Äußerung des Anwalts Singer: „Wenn du nicht willst, dass ein Nacktvideo ins Internet gelangt, dann dreh keins!'“
Wie kann man nur so bescheuert sein, und derartige Sätze linkfrei lassen und sich dann noch „online“ schimpfen? Ich verstehe es einfach nicht. Dummheit, Ignoranz, Faulheit, Feigheit?
Hier sind das Video, das gawker.com-Blog, Infos zu Eric Dane, Rebecca Gayhear, Kari Ann Peniche (süß!), Marty Singer ( Rechtsanwalt), Grey’s Anatomy (Fersehserie). Diese Links hätten in einen Artikel gehört, der den Anspruch erhebt, Online-Journalismus zu sein. Spiegel „online“ erfüllt diesen Anspruch definitiv nicht.
Weiter heißt es: „Wie das Online-Portal people.com berichtet, gebe es zudem eine weitere Version des Films, auf dem der spätere Geschlechtsverkehr zu sehen sein soll.“ Soll. Gerüchte. Den Rest des Videos suche ich jetzt nicht. Das sollen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser selbst tun. Oder fragen Sie Spiegel offline.
Recherchegruppe.tk wieder aktiv
Recherchegruppe.tk: „Nach einer längeren Pause – aus unterschiedlichen Gründen (auch privaten) – werde ich das Blog recherchegruppe.tk wieder reaktivieren.“
Atomlobby plante Wahlkampf minutiös [Update]
Spiegel Online (gefällt mir, der Artikel!): „So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein“. Inklusive einer Namensliste. So muss es sein. Immer Butter bei die Fische.
So eine Liste hätte ich gern aus dem Innenministerium über Journalisten, die zum Thema „Online-Durchsuchung“ berichten. Zum Beispiel erwarte ich: FOCUS: „BND-nah“ oder so ähnlich. Also schickt mir diese Namensliste, aber anonym!
Update, 25.09: Jetzt habe die bei SpOn doch tatsächlich die Namen gelöscht. Ich fasse es nicht.
Hier sind sie (Quelle):
So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein
„FAZ“ Andreas Mihm schwarz-gelb
„FAZ“ Konrad Mrusek schwarz-gelb
„Wirtschaftswoche“ Steffi Augter schwarz-gelb
„Wirtschaftswoche“ Andreas Wildhagen schwarz-gelb
„Handelsblatt“ Klaus Stratmann schwarz-gelb
„Handelsblatt“ Daniel Delhaes schwarz-gelb
„Welt“ Daniel Wetzel schwarz-grün
SPIEGEL Wolfgang J. Reuter schwarz-rot
SPIEGEL Frank Dohmen schwarz-rot
„FTD“ Timm Krägenow gelb-grün
„FTD“ Olaf Preuß gelb-grün
SPIEGEL ONLINE Anselm Waldermann rot-grün
„Süddeutsche Zeitung“ Michael Bauchmüller rot-grün
„Süddeutsche Zeitung“ Cerstin Gammelin rot-grün
„FR“ Vera Gaserow grün
„taz“ Nick Reimer grün
Quelle: PRGS („Kommunikationskonzept Kernenergie“)
2. Update: Greenpeace hat das Original (pdf) publiziert.
Verfasse eine textbezogene Erörterung zum Text
Mein Telepolis-Artikel: „Die Medien und die grausamen Bilder – Sollen Journalisten entscheiden, welche Bilder die Öffentlichkeit sehen darf?“ vom 13.05.2004 ist jetzt vom Klett-Verlag in einem Lehrerband nachgedruckt worden: deutsch.punkt 6 Gymnasium (Klett Nr. 313936).
„Klassenarbeitsvorschlag zum Lernvorhaben: Argumentieren und Erörtern: 1. Erläutere, was man mit Blick auf die Anordnung von Argumenten unter dem ‚Sanduhr-‚ und dem ‚Reißverschlussprinzip‘ versteht. 2. Lies den text und nenne die Gründe, die der Autor für seine Auffassung anführt, Bilder bzw. Videos der im Text genannten Art zu zeigen. 3.- Welchen Gegengrund, grausame Kriegbilder nicht zu zeigen, deutet der Autor an? 4. Hältst du die Aussage ‚Die Bilder Goyas unterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht von den schrecklichsten Kriegsfilmen, die heute gezeigt werden.‘ für richtig: Bewerte die Aussage. 4. Verfasse eine textbezogene Erörterung zum Text.“
Ein Gegengrund, etwas nicht zu zeigen…ähhh…muss ich jetzt dafür oder dagegen sein? Und habe ich wie eine Sanduhr oder wie ein Reissverschluss argumentiert?
Tools für Plausibilitätscheck
Beim Lesen der Heise-Meldung „Bluewater-Reinfall: dpa verordnet sich schärfere Regeln“ musste ich schallend lachen. „Um den Journalisten die Überprüfung von Domains zu erleichtern, soll ein Tool entwickelt werden, ‚mit dem jeder Mitarbeiter einen ersten Plausibilitätscheck vornehmen kann‘. Büchner fordert auch die Einhaltung allgemeingültiger Recherchegrundsätze wie eine Mehrfachüberprüfung von Informationen bei zweifelhafter Quellenlage.“
Auf das Tool bin ich gespannt. Vielleicht versteckt es sich ja hier? Und man muss bei dpa neue Regeln aufstellen, dass jetzt Informationen „mehrfach“ überpüft werden? Schön, dass wir darüber geredet haben.
Taliban dehnen Einfluss auf fast ganz Afghanistan aus
Die Bundeswehr ist in Afghanistan im Krieg. Das hiesige Ministerium für Wahrheit nennt den Krieg Stabilisierungseinsatz.
Spiegel Offline meldet in einem gewohnt linkfreien Artikel: „Die radikal-islamischen Taliban sind nach Einschätzung des internationalen Forschungsinstituts Icos mittlerweile wieder in fast ganz Afghanistan aktiv. Derzeit seien sie in 80 Prozent des Landes durchgehend präsent, teilte der in London ansässige International Council on Security and Development (Icos) am Freitag mit.“
Mit Verlaub, SpOn, Ihr seid so etwas von lächerlich und schlampig. Hier ist der Link zum ICOS und hier ist der Link zum Report (pdf): „Afghanistan Situation Report August 2009: Insecurity, Power Plays and Legitimate Grievances“. Ist schon ein paar Tage her, dass der erschienen ist. Warum könnt ihr keinen Link darauf setzen? Darf ich den Report im Original nicht lesen? Link: Das ist das mit dem Internet. Schon mal davon gehört?
Ich empfehle auch den Artikel: „The Taliban are back: Situation update December 2008“. 2008? Ja, richtig gelesen.
Verurteilt ohne Urteil aka Massenhysterie
„Der Deutsche Bundestag hat gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe die Immunität des unter Kinderpornografie-Verdachts stehenden Abgeordneten Jörg Tauss aufgehoben“, meldet u.a. Heise.
Der beste Artikel überhaupt zum Thema steht in der Stuttgarter Zeitung: „Verurteilt ohne Urteil“. Dort heißt es über Tauss‘ Ehefrau: „Der Tatvorwurf bahnte sich erst später seinen Weg ins Gehirn und traf sie mit voller Wucht, als die Kripo ihr empfahl, die Rollläden runterzulassen, die sie nicht hatten, durch den Hintereingang hinaus und möglichst lange in Urlaub zu gehen. Pädophile stehen in der Rangliste der Verbrecher ganz unten. Wenige Kilometer südlich, auf dem Marktplatz in Bretten, wo ihr Mann sein (zeitgleich durchsuchtes) Wahlkreisbüro hat, befragte ein Fernsehteam bereits Passanten, ob Jörg Tauss schon als Grabscher aufgefallen sei.“
Das sagt schon genug. Krankheitsbild: öffentliche Hysterie, natürlich metaphorisch gemeint: „Auch der Hexenwahn des Mittelalters und andere massenhaft auftretende Ängste (etwa die Kommunistenangst im McCarthyismus) werden häufig als Massenhysterie bezeichnet.“ Die Angst vor dem Kommunismus und den Drogen wurde mittlerweile ersetzt durch die Angst vor der angeblich in signifikanter Anzahl vorhandenen KiPo im Internet. Auch das ist ein Wahn, der durch die meisten Medien kritiklos mitgeschürt wird und durch rationale Argumente nicht zu erschüttern ist. By the way: Chapeau, Stuttgarter Zeitung.
„Tauss‘ Anwalt Jan Mönikes (Ludwigsburg) vermag hinter dem Hin und Her zwei Gründe zu erkennen: eine „sehr dünne“ Beweislage und die Absicht, das Thema wabernd im Wahlkampf zu halten.“ Exakt.
Internet-Manifest (Schwarmverhalten, update)
1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.
2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.
Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.
3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.
4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.
Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.
5. Das Internet ist der Sieg der Information.
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.
6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.
Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.
7. Das Netz verlangt Vernetzung.
Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.
8. Links lohnen, Zitate zieren.
Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.
9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs.
Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.
10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.
Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.
11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.
Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.
Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren
13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.
Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.
14. Das Internet kennt viele Währungen.
Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.
15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.
Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.
17. Alle für alle.
Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.
Internet, 07.09.2009
www.internet-manifest.de, unterzeichnet von den üblichen Verdächtigen
Es gäbe einiges anzumerken, zum Beispiel dass es „das Web“ nicht gibt, sondern dass WWW eine Art und Weise meint an Daten zu gelangen („ein über das Internet abrufbares Hypertext-System“). Das „Web“ ist mitnichten ein Synonym für Internet. Das Manifest soll ja auch für das Usenet und IRC gelten. (Erbsenzählmodus off)























