Artikel jetzt frei zugänglich

Alle meine Artikel zwischen 1990 und 2007 sind jetzt ohne Username und Passwort zugänglich. (Einige Links funktionieren vermutlich nicht mehr, zum Beispiel zu den Artikeln im Medienmagazin Berliner Journalisten..)

Fisting-Attacke auf E-Mails beim ZDF

Taz gewinnt gegen BILD

Der u. a. für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute seine Rechtsprechung zu den Grenzen humorvoller Werbevergleiche präzisiert. . Die taz gewann einen Rechtsstreit gegen die Bild-Zeitung.

„Die Klägerin sieht in diesem Werbespot eine nach § 6 Abs. 2 Nr. 5 UWG unlautere vergleichende Werbung und nimmt die Beklagte daher auf Unterlassung, Auskunftserteilung und Feststellung ihrer Schadensersatz-pflicht in Anspruch. Wer vergleichend wirbt, handelt nach dieser Bestimmung unlauter, wenn der Vergleich die Waren eines Mitbewerbers herabsetzt oder verunglimpft.

Landgericht (ja, das Landgericht Hamburg mal wieder! BS) und Berufungsgericht haben der Klage weitgehend stattgegeben. Das Berufungsgericht hat angenommen, die Beklagte überschreite mit dem Werbespot, auch wenn dieser durch Witz, Ironie und Sarkasmus geprägt sei, die Grenzen des wettbewerblich Zulässigen. Sie versuche, ihre Zeitung werblich herauszustellen, indem sie ein vernichtendes Bild von der trostlosen Sozialstruktur und den (fehlenden) intellektuellen Fähigkeiten eines typischen BILD-Zeitungslesers zeichne und damit die Leserschaft und die Zeitung der Klägerin ohne sachlichen Grund abqualifiziere.

Auf die Revision der Beklagten hat der Bundesgerichtshof die Entscheidungen der Vorinstanzen aufgehoben und die Klage abgewiesen. (…) Der Werbespot der Beklagten ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofs danach nicht als wettbewerbswidrig anzusehen. Er bringe lediglich zum Ausdruck, dass die TAZ „nicht für jeden“ sei, also nicht den Massengeschmack anspreche. Der durchschnittliche Zuschauer erkenne, dass es sich bei der Darstellung um eine humorvolle Überspitzung handele, mit der die Aufmerksamkeit der Werbeadressaten geweckt und nicht die BILD-Zeitung oder deren Leserschaft pauschal abgewertet werden solle.“

By the way: Ich glaube nicht, dass ein deutsches Mainstream-Medium in der Lage ist, einen Link zur Presseerklärung des BGH zu setzen. Wetten dass?

Bitte wählen Sie eine dieser Aufgaben:

Meine (erwachsenen) (Journalisten-(SchülerInnen) schreiben gerade einen praxisnahe Klausur. Folgende Aufgaben habe ich gestellt:
Online-Journalismus – Recherche
Bitte wählen Sie EINE dieser Aufgaben:

1. Nowosti: „Ukraine: Gift-Anschlag auf Juschtschenko kann vorgetäuscht sein“
a. Stellen Sie alle relevanten Links zum Artikel zusammen, die in einem Online-Medium wie etwa Telepolis sinnvoll wären! b. Überprüfen Sie die Fakten!

2. Die Telekom startet am 17.10 mit der Zensur ohne Grundlage des Zugangserschwerungsgesetzes (Quelle?). Schreiben Sie einen Hintergrundartikel zum Thema für ein Online-Magazin, der auch erklärt, mit welchen Methoden das Gesetz umgangen werden kann.

3. Heise-Security: „E-Mail-Verschlüsselung austesten – Diagnose von POP3, IMAP und SMTP via SSL“
Schreiben Sie diesen Artikel so um, dass ihn ein DAU versteht (nur die grundlegenden Fakten).

4. Wählen Sie drei Artikel von wissenschaft.de (aus den letzten zehn Tagen) und stellen Sie die Links zusammen, dass die Artikel in einem Online-Magazin erscheinen könnten.
Hinweis: Kopieren Sie den Text der Artikel und verfahren Sie mit den Links wie unten vorgeschlagen.

– Länge des Artikels, wie es Ihnen beliebt.
– Ihren Artikel bitte als Textdatei an burks@burks.de (Word wird nicht angenommen) schicken.
– Links im Text bitte wie folgt: Das ist ein Beispiel (www.dasisteinurl.info), wie es sein sollte.
©Burkhard Schröder

She loves you – im Netz aufeinander zugehen

Tagesschau

Kommentar in der Tagesschau vom 26.09.: „Wir müssen aber zueinander finden auch in der Sprache. Yeah, yeah, yeah ist Nonsens. Die Internet-Gemeinde muss aufhören, jeden für blöd zu erklären, der nicht in den social networks, also den sozialen Netzwerken unterwegs ist, und die anderen – einschliéßlich den Parteien – müssen anfangen, ernsthaft im Netz aufeinander zuzugehen.“

Jetzt möchte ich diesen Kommentar kommentieren. Irgendwie verstehe ich den Herrn und Kollegen nicht. „Yeah, yeah, yeah“ ist nicht mehr oder weniger Nonsens als das, was in den Wahlkampfreden zum Besten gegeben wird. Wir haben das Yeah. Klingt doch vernünftig. Außerdem gab es da mal einen Song von den Beatles: „She loves you.“ Ich kann mich vage daran erinnern, dass der mediale Mainstream diese Musik auch als „Unfug“ abtat. (Damals sprach man noch deutsch, heute sagt man: „nonsens“ statt „Unsinn“, damit es irgendwie internetter klingen soll)

Das Internet ist ein riesiges soziales Netz, vor allem mit seinen Diensten Usenet, IRC und den so genannten 2.0-Features wie Second Life, dem größten Chatroom der Welt (wenn man Computerspiele außer acht lässt).

Ja. Ich erkläre jeden für blöd, der nicht nicht in den social networks unterwegs ist. („network“, Kollege Hinrichs, heißt im Deutschen „Netz“ – man muss das Wort nicht falsch rückübersetzen).

Im Netz auf einander zugehen. Mit der real gar nicht existierenden Online-Durchsuchung? Mit Zensur, Datenspionage und lächerlcihen virtuellen Stoppschildern? Nein, es stimmt nicht, Kollege Hinrichs, die Politik hat sich nicht „bemüht“, sie hat komplett versagt und bekämpft das Internet als Teufelswerk. Daher auch der beschwörende Ton in solchen Kommentaren. Ihr habt Angst davor. Und ich habe mir schon mal Gedanken gemacht, wie das „Aufeinanderzugehen“ im „Netz“ aussähe, wenn etwa die Schäuble- und Layenfilter-Groupies auf die Sympathisanten der Piratenpartei treffen würden (vgl. Screenshot unten).

Doom.

Journalistenlobbykrähen oder: Atomlobby plante Wahlkampf minutiös [2. Update]

Vor ein paar Tagen hatte ich versehentlich Spiegel „online“ gelobt: „‚So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein‘. Inklusive einer Namensliste.“ Was lesen wir heute? „Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes wurden die Namen der Journalisten veröffentlicht. Aufgrund von Bedenken einiger Betroffener wurde diese Übersicht entfernt. “

Ach ja? Die Zahnpasta wieder in die Tube zurückdrücken? Es geht hier doch nicht um eine Tatsachenbehauptung über die Journalisten, sondern darum, was die Atomenergie-Lobby über sie denkt – das muss nicht stimmen. Selbst dagegen gebt es also „Bedenken“. Erbärmliche Feiglinge – so etwas nennt ihr also „Journalismus“.

Wenn ich also zukünftig „Bedenken“ habe, dann schicke ich eine selbstredend unverschlüsselte E-Mail an Spiegel „online“ und äußere die – und dann wird alles das, wogegen ich Bedenken habe, entfernt? Das sind ja schöne Aussichten. Oder hat jetzt nur das Motto gesiegt: Eine Journalistenlobbykrähe hackt der anderen kein Auge aus?

Greenpeace hat das Original (pdf) publiziert, die Namen auch geschwärzt. Aber die findet man auf zahlreichen Websites.

Mein Selbstverständnis als Journalist war es immer, aufdecken, nicht zudecken oder verschweigen („auf einer islamistischen Website“, aber wir sagen nicht, um welche es sich handelt) zu wollen. Damit bin ich aber offenbar zu einer Minderheit geworden.

O Allah, was bist du bekloppt oder: Mitleid ist nicht angebracht

desk

Das nächste Video des deutschen Taliban Bekkay Harrach aka „Al Hafidh Abu Talha der Deutsche“ in Afghanistan gibt es hier und heißt „O Allah , ich liebe dich“.

O Allah, was bist du bekloppt…Das erste Video gibt es hier und auch woanders. Ich habe es mir heruntergeladen und angesehen. Es ist kaum erträglich. Die „Argumentation“ ist religionssoziologisch recht primitiv. Ich kenne das schon in – scheinbar gemäßigter – Version von anderen Sekten (ich weiß wovon ich rede).

Google News listet zur Zeit 521 Artikel deutscher Medien zum Thema auf. Keines war in der Lage, das Original des Videos, über das alle berichten, zu verlinken. Geht sterben, Holzmedien. Die Medienkrise trifft die Richtigen. Mitleid ist nicht angebracht.

„Du kannst im Leben nur erfolgreich sein, wenn du standhaft bist“, sagst die talibanistische Knallcharge im Video (knapp 80 MB). Jawoll. Zum Beispiel bei Hausdurchsuchungen. Har har.

Screenshot: © BurkS (Wehe ihr klaut den, Holzmedien! Die Grafik ist steganografisch bearbeitet – ich könnte das beweisen!)

Eric Dane, Rebecca Gayheart, And Kari Ann Peniche’s Uncensored Sex Tape

desk

Manchmal ist es nur noch lächerlich und man fragt sich, ob deutsche Journalisten gar kein Gespür mehr dafür haben, wie albern sie sind. Spiegel Online: „‚Grey’s Anatomy‘-Star verklagt Blog auf eine Million Dollar“. Anlass: „Seit Montag wird ein Sex-Video des US-Schauspielers Eric Dane im Internet verbreitet, das den 36-Jährigen „Grey’s Anatomy“-Star zusammen mit seiner Ehefrau Rebecca Gayheart, 37, und dem Hollywood-Sternchen Kari Ann Peniche, 25, nackt zeigt“.

„Danes Anwalt Marty Singer argumentiert einem Bericht des ‚People‘-Magazins zufolge, ‚Gawker“‚ sei informiert gewesen, dass eine Veröffentlichung des Privatvideos rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen werde und habe es dennoch in seiner ‚Defamer‘-Kolumne gezeigt. ‚Gawker‘-Herausgeber Nick Dention reagierte betont gelassen – und zitiert eine frühere Äußerung des Anwalts Singer: „Wenn du nicht willst, dass ein Nacktvideo ins Internet gelangt, dann dreh keins!'“

Wie kann man nur so bescheuert sein, und derartige Sätze linkfrei lassen und sich dann noch „online“ schimpfen? Ich verstehe es einfach nicht. Dummheit, Ignoranz, Faulheit, Feigheit?

Hier sind das Video, das gawker.com-Blog, Infos zu Eric Dane, Rebecca Gayhear, Kari Ann Peniche (süß!), Marty Singer ( Rechtsanwalt), Grey’s Anatomy (Fersehserie). Diese Links hätten in einen Artikel gehört, der den Anspruch erhebt, Online-Journalismus zu sein. Spiegel „online“ erfüllt diesen Anspruch definitiv nicht.

Weiter heißt es: „Wie das Online-Portal people.com berichtet, gebe es zudem eine weitere Version des Films, auf dem der spätere Geschlechtsverkehr zu sehen sein soll.“ Soll. Gerüchte. Den Rest des Videos suche ich jetzt nicht. Das sollen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser selbst tun. Oder fragen Sie Spiegel offline.

Recherchegruppe.tk wieder aktiv

Recherchegruppe.tk: „Nach einer längeren Pause – aus unterschiedlichen Gründen (auch privaten) – werde ich das Blog recherchegruppe.tk wieder reaktivieren.“

Atomlobby plante Wahlkampf minutiös [Update]

Spiegel Online (gefällt mir, der Artikel!): „So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein“. Inklusive einer Namensliste. So muss es sein. Immer Butter bei die Fische.

So eine Liste hätte ich gern aus dem Innenministerium über Journalisten, die zum Thema „Online-Durchsuchung“ berichten. Zum Beispiel erwarte ich: FOCUS: „BND-nah“ oder so ähnlich. Also schickt mir diese Namensliste, aber anonym!

Update, 25.09: Jetzt habe die bei SpOn doch tatsächlich die Namen gelöscht. Ich fasse es nicht.

Hier sind sie (Quelle):

So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein

„FAZ“ Andreas Mihm schwarz-gelb
„FAZ“ Konrad Mrusek schwarz-gelb
„Wirtschaftswoche“ Steffi Augter schwarz-gelb
„Wirtschaftswoche“ Andreas Wildhagen schwarz-gelb
„Handelsblatt“ Klaus Stratmann schwarz-gelb
„Handelsblatt“ Daniel Delhaes schwarz-gelb
„Welt“ Daniel Wetzel schwarz-grün
SPIEGEL Wolfgang J. Reuter schwarz-rot
SPIEGEL Frank Dohmen schwarz-rot
„FTD“ Timm Krägenow gelb-grün
„FTD“ Olaf Preuß gelb-grün
SPIEGEL ONLINE Anselm Waldermann rot-grün
„Süddeutsche Zeitung“ Michael Bauchmüller rot-grün
„Süddeutsche Zeitung“ Cerstin Gammelin rot-grün
„FR“ Vera Gaserow grün
„taz“ Nick Reimer grün
Quelle: PRGS („Kommunikationskonzept Kernenergie“)

2. Update: Greenpeace hat das Original (pdf) publiziert.

Verfasse eine textbezogene Erörterung zum Text

Mein Telepolis-Artikel: „Die Medien und die grausamen Bilder – Sollen Journalisten entscheiden, welche Bilder die Öffentlichkeit sehen darf?“ vom 13.05.2004 ist jetzt vom Klett-Verlag in einem Lehrerband nachgedruckt worden: deutsch.punkt 6 Gymnasium (Klett Nr. 313936).

„Klassenarbeitsvorschlag zum Lernvorhaben: Argumentieren und Erörtern: 1. Erläutere, was man mit Blick auf die Anordnung von Argumenten unter dem ‚Sanduhr-‚ und dem ‚Reißverschlussprinzip‘ versteht. 2. Lies den text und nenne die Gründe, die der Autor für seine Auffassung anführt, Bilder bzw. Videos der im Text genannten Art zu zeigen. 3.- Welchen Gegengrund, grausame Kriegbilder nicht zu zeigen, deutet der Autor an? 4. Hältst du die Aussage ‚Die Bilder Goyas unterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht von den schrecklichsten Kriegsfilmen, die heute gezeigt werden.‘ für richtig: Bewerte die Aussage. 4. Verfasse eine textbezogene Erörterung zum Text.“

Ein Gegengrund, etwas nicht zu zeigen…ähhh…muss ich jetzt dafür oder dagegen sein? Und habe ich wie eine Sanduhr oder wie ein Reissverschluss argumentiert?

Tools für Plausibilitätscheck

Beim Lesen der Heise-Meldung „Bluewater-Reinfall: dpa verordnet sich schärfere Regeln“ musste ich schallend lachen. „Um den Journalisten die Überprüfung von Domains zu erleichtern, soll ein Tool entwickelt werden, ‚mit dem jeder Mitarbeiter einen ersten Plausibilitätscheck vornehmen kann‘. Büchner fordert auch die Einhaltung allgemeingültiger Recherchegrundsätze wie eine Mehrfachüberprüfung von Informationen bei zweifelhafter Quellenlage.“

Auf das Tool bin ich gespannt. Vielleicht versteckt es sich ja hier? Und man muss bei dpa neue Regeln aufstellen, dass jetzt Informationen „mehrfach“ überpüft werden? Schön, dass wir darüber geredet haben.

Taliban dehnen Einfluss auf fast ganz Afghanistan aus

Die Bundeswehr ist in Afghanistan im Krieg. Das hiesige Ministerium für Wahrheit nennt den Krieg Stabilisierungseinsatz.

Spiegel Offline meldet in einem gewohnt linkfreien Artikel: „Die radikal-islamischen Taliban sind nach Einschätzung des internationalen Forschungsinstituts Icos mittlerweile wieder in fast ganz Afghanistan aktiv. Derzeit seien sie in 80 Prozent des Landes durchgehend präsent, teilte der in London ansässige International Council on Security and Development (Icos) am Freitag mit.“

Mit Verlaub, SpOn, Ihr seid so etwas von lächerlich und schlampig. Hier ist der Link zum ICOS und hier ist der Link zum Report (pdf): „Afghanistan Situation Report August 2009: Insecurity, Power Plays and Legitimate Grievances“. Ist schon ein paar Tage her, dass der erschienen ist. Warum könnt ihr keinen Link darauf setzen? Darf ich den Report im Original nicht lesen? Link: Das ist das mit dem Internet. Schon mal davon gehört?

Ich empfehle auch den Artikel: „The Taliban are back: Situation update December 2008“. 2008? Ja, richtig gelesen.

Verurteilt ohne Urteil aka Massenhysterie

„Der Deutsche Bundestag hat gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe die Immunität des unter Kinderpornografie-Verdachts stehenden Abgeordneten Jörg Tauss aufgehoben“, meldet u.a. Heise.

Der beste Artikel überhaupt zum Thema steht in der Stuttgarter Zeitung: „Verurteilt ohne Urteil“. Dort heißt es über Tauss‘ Ehefrau: „Der Tatvorwurf bahnte sich erst später seinen Weg ins Gehirn und traf sie mit voller Wucht, als die Kripo ihr empfahl, die Rollläden runterzulassen, die sie nicht hatten, durch den Hintereingang hinaus und möglichst lange in Urlaub zu gehen. Pädophile stehen in der Rangliste der Verbrecher ganz unten. Wenige Kilometer südlich, auf dem Marktplatz in Bretten, wo ihr Mann sein (zeitgleich durchsuchtes) Wahlkreisbüro hat, befragte ein Fernsehteam bereits Passanten, ob Jörg Tauss schon als Grabscher aufgefallen sei.“

Das sagt schon genug. Krankheitsbild: öffentliche Hysterie, natürlich metaphorisch gemeint: „Auch der Hexenwahn des Mittelalters und andere massenhaft auftretende Ängste (etwa die Kommunistenangst im McCarthyismus) werden häufig als Massenhysterie bezeichnet.“ Die Angst vor dem Kommunismus und den Drogen wurde mittlerweile ersetzt durch die Angst vor der angeblich in signifikanter Anzahl vorhandenen KiPo im Internet. Auch das ist ein Wahn, der durch die meisten Medien kritiklos mitgeschürt wird und durch rationale Argumente nicht zu erschüttern ist. By the way: Chapeau, Stuttgarter Zeitung.

„Tauss‘ Anwalt Jan Mönikes (Ludwigsburg) vermag hinter dem Hin und Her zwei Gründe zu erkennen: eine „sehr dünne“ Beweislage und die Absicht, das Thema wabernd im Wahlkampf zu halten.“ Exakt.

Internet-Manifest (Schwarmverhalten, update)

1. Das Internet ist anders.

Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.

Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.

Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.

Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.

7. Das Netz verlangt Vernetzung.

Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs.

Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.

Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.

Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren

13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.

Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

14. Das Internet kennt viele Währungen.

Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.

Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.

17. Alle für alle.

Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.

Internet, 07.09.2009

www.internet-manifest.de, unterzeichnet von den üblichen Verdächtigen

Es gäbe einiges anzumerken, zum Beispiel dass es „das Web“ nicht gibt, sondern dass WWW eine Art und Weise meint an Daten zu gelangen („ein über das Internet abrufbares Hypertext-System“). Das „Web“ ist mitnichten ein Synonym für Internet. Das Manifest soll ja auch für das Usenet und IRC gelten. (Erbsenzählmodus off)

Trojaner-Sensor

Einen lustigen Hoax bzw. eine Falschmeldung verbreitet Spiegel Online: Aus einem „internen Bericht des Landesverfassungsschutzes“ Baden.Württemberg gehe hervor, dass dort ein „Trojaner-Sensor“ installiert werden soll. „Die Software soll Attacken fremdgesteuerter Spitzelprogramme auf den Behördenrechnern entdecken und abwehren.“

An dem kleinen Text des größten Offline-Nachrichtenmagains Deutschland ist außer dem Datum, wenn man es genau nimmt, alles falsch bzw. grober Unfug. Die Schlapphüte nutzen also Windows (Trojaner for Apple-Computer oder Linux? Das möchte ich sehen…). Und weil die Anwender keine Ahnung haben, muss noch gesondert Software eingekauft werden, damit man das Geld so richtig zum Schornstein hinauspusten kann.

Aber das ist ncht alles. „Die deutschen Verwaltungen kämpfen bereits seit Jahren gegen elektronische Spionageangriffe, häufig aus Fernost.“ Jetzt verhalten wir uns so, wie sich ein Journalist verhalten würde. Ist diese Meldung wahr: Gibt es mehrere unabhängige Quellen? ich darf auf zwei Artikell hinweisen., spiggel.de vom 26.08.2007: „Die China-Hacker kommen nicht“ sowie spiggel.de vom 04.09.2007: „Chinesen greifen das Pentagon an!“. Spiegel Online hatte am 26.08.2007 gemeldet: „Der SPIEGEL berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass zahlreiche Computer der Bundesregierung mit Spionageprogrammen aus China infiziert sind. Eine Überprüfung, die der Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vorgenommen haben, kam zu diesem Ergebnis.“ Ich soltte es einfach hier noch einmal posten, weil es so schön ist:

„Jeder, der sich auch nur annähernd mit Computern auskennt, sollte jetzt eigentlich in brüllendes Gelächter ausbrechen. So einen Bären will man uns aufbinden? „Er tarnte sich als Word-Datei oder als Powerpoint-Vortrag“? Wofür soll denn das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gut sein? Man öffnet auf Windows-Rechnern E-Mails aus Südkorea oder China, mit unbekannten (?) Absendern und – man höre und staune – mit Word-Attachments? Sind die denn total bekloppt? Und so etwas lässt die EVD-Abteilung unnnötig geschehen? Und was soll eine „Umleitung“ sein – können die jetzt sogar IP-Adressen zuordnen? Wer hätte das gedacht!

Das schreibt das BSI über G 5.43 Makro-Viren: „Mit dem Austausch von Dateien (z. B. per Datenträger oder E-Mail) besteht die Gefahr, dass neben der eigentlichen Datei (Textdatei, Tabelle etc.) weitere, mit dem Dokument verbundene Makros bzw. eingebettete Editorkommandos übersandt werden. Diese Makros laufen erst mit dem jeweiligen Anwendungsprogramm (Winword, Excel etc.) bei der Bearbeitung des Dokuments ab, indem der Benutzer das Makro aktiviert bzw. das Makro automatisch gestartet wird. Wird ein Dokument über einen WWW-Browser empfangen, der das Dokument automatisch öffnet, kann hierdurch ein (Auto-) Makro aktiviert werden.“

Klicken, klicken, klicken, und nicht an die Sicherheit denken? Oder gar Powerpoint? Ceterum censeo: Ich glaube keine Wort. Der Spiegel verletzt zudem alle Grundsätze des journalistischen Handwerks, indem er keine, in Worten: keine zwei oder drei unabhängigen Quellen befragt hat, sondern sich ausschließlich auf die Propaganda der Dauerskandalbehörde Verfassungsschutz verlässt. Der baden-württembergische VS-Chef Johannes Schmalzl darf sich dafür in einem Interview weitschweifig verbreiten. Hackerin Bei Heise steht die Mellung auch. Quelle: „der Verfassungsschutz in einem vertraulichen Bericht .“ Weitere Risiko-Faktoren sieht der Verfassungsschutz in der Zunahme der Internet-Telefonie und der Beschäftigung von Praktikanten.“ Bruhaha.

Diese Räuberpistole wurde schon im Februar diesen Jahres in die Welt gesetzt – auch von Heise: „Verfassungsschutz: Spionage aus dem Reich der Mitte bedroht deutschen Mittelstand“. „Dies berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) in ihrer heutigen Ausgabe. „In letzter Zeit haben wir verstärkt chinesische Hackerangriffe festgestellt“, zitiert das Blatt den Vizepräsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans Elmar Remberg. „Hacker in China sind sehr gut ausgebildet. Sie verfügen über gute mathematische und kryptografische Kenntnisse.“

Sehr hübsch ist radio-utopie.de zum Thema: Mir scheint, dass der Spiegel schlicht auf eine PR-Offensive der Result-Group hereingefallen ist:

„Der Vizepräsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans Elmar Remberg, bestätigt, dass es einen Anstieg von Wirtschaftsspionage vor allem aus China und Russland gibt. Bereits vor 20 Jahren stellte China mit dem Programm 863 (Ji Hua) die Weichen um die internationale Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Entwicklung von Hochtechnologie zu fördern. Teil des Programms ist die Verpflichtung chinesischer Studenten, die ins Ausland gelassen werden, sich nach ihrer Rückkehr bei der Partei zu revanchieren. Die aktuelle Studie der Result Group zum Thema Informationsabfluss belegt, dass dieses Programm noch heute aktuell ist und in der jüngeren Vergangenheit mehrfach chinesische Studenten, Diplomanden und Praktikanten im Verdacht standen, deutsches Know-how auszuspionieren. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes hat sich China zudem auf den Einsatz von Hackern spezialisiert.“

Man braucht nur auf der Website der Result Group GmbH nachzusehen [Die Links funktionieren nicht mehr, die Sätze wurden gelöscht – warum wohl?): „Unser Erfolg basiert auf einem Netzwerk hoch qualifizierter Spezialisten: Ehemalige Kriminalisten und Sicherheitsbeamte mit weitreichendem Erfahrungspotenzial aus den Spezialeinheiten des Bundes (GSG 9, KSK) und der Länder Spezialeinsatzkommandos (SEK), Mobile Einsatzkommandos (MEK), von BKA, LKA, sowie Verfassungsschutz und BND .“ Auch bei den Kooperationspartnern ist man nicht mehr überrascht – u.a. der Verband für Sicherheit in der Wirtschaft Baden Würtemberg.

Die Result Group schreibt in einer Pressemitteilung vom 04.07 über Afghanistan (!): „Wirksamer Schutz gegen Entführungen im In- und Ausland bietet nur ein professionelles Risiko- und Krisenmanagement. (…) Wirksamer Schutz gegen Entführungen im In- und Ausland bietet nur ein professionelles Risiko- und Krisenmanagement. (…) Besonders kleine- und mittelgroße Firmen sind auf diese Art der Risiken nicht vorbereitet. Das Know-how zum Schutz von Personal und Einrichtungen im gefährdeten Ausland ist meist nicht vorhanden. Diese Lücken schließen dann Beratungsunternehmen wie die Result Group, die seit Jahren erfolgreich nationale und internationale Unternehmen berät. „Man beachte auch einen online [nicxht mehr] verfügbaren Vortrag der Result Group (28.02.2007): „Vortrag beim Verband der bayerischen Wirtschaft –Hackerin Informationsschutz auf Auslandsreisen (Schwerpunkt China)“.

In einer Studie der Result Group („Wirtschaftskriminalität durch Informationsabflüsse“) finden sich die vorformulierten Zitate, die die Verfassungsschützer von sich geben, fast wortwörtlich wieder: „Ein ebenfalls unterschätztes Risiko stellen Diplomanden, Praktikanten und Leiharbeiter dar. Der Chef eines mittel ständischen Maschinenbau- Unternehmens berichtet: ‚Mir war gar nicht bewußt, dass aus der Beschäftigung des Praktikanten eine Gefahr für mein Unternehmen entstehen könnte.“Jetzt wissen wir auch, warum der Verfassungsschutz Praktikanten als Sicherheitsrisikio einstuft.

Noch Fragen? Die Schleichwerbung eines Unternehmens als Titelstory des Spiegel – das hat was.“

Ja, das hat soviel, dass man den gleichen Quatsch zwei Jahre später wieder in die Welt setzt. Merkt eh keiner.

COW – The film that will stop you txting and driving

Deutsche paternalistische Journaille at its best. Spiegel online: „Anmerkung der Redaktion: Wir zeigen Ihnen das Video an dieser Stelle nicht, da es verstörende Szenen enthält. Eine Zusammenfassung der Handlung sehen Sie in der Fotostrecke oben. Wenn Sie sich den Clip anschauen wollen, finden Sie ihn auf der zweiten Seite dieses Artikels. Die drastische Darstellung des Unfalls ist schockierend.“

Wir zeigen es nicht hier, sondern woanders. Damit Sie sich zunächst zum stillen Gebet zurückziehen oder den Jugendschutzwart Ihres Vertrauens anrufen können. By the way: Wer hätte das gedacht? Ein Film, der zur Abschreckung gedacht ist, wirkt schockierend. Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen.

Die englische Polizei hat das Video drehen lassen. Deutsche sind zu zartfühlend, um so etwas ohne zahllose Warnungen ansehen zu können. Das hat man schon im zweiten Weltkrieg gemerkt. Deshalb: Deutsche Journalisten, insbesondere die von Spiegel Online, sind hartgesotten, charakterlich gefestigt und haben zur Not einen Redaktionspfaffen als psychologischen Betreuer zur Hand. Die dürfen solche Videos sehen. Wir aber nicht. Wir sind nur die Leser, minderes Volk, sittllich gefährdet.

Bitte hier nicht drauf klicken! Das Polizeivideo könnte sie verstören wie ein Freddy-Krüger-Film! Jugendliche bitte fernhalten oder eine Internet-Schutzbrille aufsetzen! Und nur ganz vorsichtig ansehen und ein paar Pausen einlegen (zwischendurch, weil Spiegel Online vor seinen Filmchen immer Werbung zeigt. Man kann nie wissen, ob nicht das Logo des ADAC auftaucht).

Good news: Kinderporno-Bekämpfer tritt zurück

Vogt

Heise berichtet: „Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Halle gilt als Vorreiter im strafrechtlichen Kampf gegen Kinderpornographie im Internet. Am gestrigen Mittwoch nun hat der prominente Ermittler das Handtuch geworfen. Er bat den Generalstaatsanwalt um seine Entbindung von der Funktion als Leiter der Zentralstelle im Kampf gegen Kinderpornografie in Sachsen-Anhalt zum 1. Januar 2010. (…) Der streitbare Staatsanwalt gilt als international anerkannter Experte auf dem Gebiet Kinderpornographie. Er leitete beispielsweise die Operation ‚Marcy‘, bei der im September 2003 angeblich rund 26.500 tatverdächtige Internet-Nutzer in 166 Ländern aufgespürt worden waren.“

Er gilt also als „Experte“. Wer ist Peter Vogt? Ich habe in meinem Artikel „Operation Heiße Luft“ für Telepolis geschrieben: „Auch die reißerischen Überschriften haben sich allesamt als falsch erwiesen. Vom „größtem Skandal“ kann man ohnehin schon deshalb nicht sprechen, weil bei der Operation Marcy im Jahr 2003 sogar von 23.000 Verdächtigen die Rede war. Auch hier spielen einige Medien bei der Berichterstattung eine fragwürdige Rolle, da – laut der Zeitschrift Gigi – einige der sichergestellten und im Fernsehen gezeigten „Tatmittel“ in Bibliotheken öffentlich zugängliche und legale Bücher waren.“ Heise schreibt: „Der überzeugte Verfechter von Internet-Sperren machte darüber hinaus mit zweifelhaften Ermittlungsmethoden auf sich aufmerksam“. Er machte also mit rechtswidrigen und zweifelhaften Ermittlungsmethoden auf sich aufmerksam und wird deshalb in den Medien als Experte bezeichnet.

„So habe er Strafverfahren einstellen müssen, weil die Beweismittel wegen Personalmangels bei der Polizei nicht fristgerecht ausgewertet werden konnten.“ Ja, weil die Beweismittel vermutlich gar keine waren, sondern man erst einmal sämtlich Rechner, derer man habhaft werden konnte, beschlagnahmt hat. (ja, ich bin befangen). Wäre doch blöd, wenn die Polizei zeitnah nach den Beschlagnahmungen die Rechner wieder zurückgeben müsste, weil sich der Verdacht als haltlos erwiesen hat – wie bei den meisten Fällen der so genannten „Operation Himmel“.

Das Seeblog: „Vogt wies nämlich darauf hin, dass sich Internetnutzer bei Kinderpornografie sehr schnell strafbar machten. Vogt: ‚Schon wenn zielgerichtet mit bestimmten Begriffen nach Kinderpornografie gesucht werde, macht man sich strafbar.’” Das ist juristisch ohnehin totaler Blödsinn und wenn es ein Oberstaatsanwalt sagt, der es wissen müsste, Volksverdummung und bewusste Irreführung (vgl. auch den Screenshot: Dass es KiPo in Second Life – nach US-amerikanischem Recht – gegeben habe, ist glatt gelogen.).

MOGIS: „Im selben Artikel kommt noch der Hallenser Oberstaatsanwalt Peter Vogt zu Wort: „“Das Datenvolumen, um das es bei den Kinderpornos im Internet geht, ist enorm: Allein in Sachsen-Anhalt warten 41 Terabyte mit 364.000.000 Bildern auf eine Auswertung.“ Eigentlich ist es überhaupt eine Frechheit, dass diese Leute mit Ihrer Armut Presse machen können. Dass die überhaupt soviele unausgewertete Rechner mit Daten da stehen haben. Die stehen dort teilweise über 2 Jahre! Und naja was sind 41 Terabyte heute? So circa 80 Rechner, oder? Sie wissen gar nicht, was da d’rauf ist. Sie vermuten nur!“

Man muss sich nur das kritiklose Gefasel der Mainstream-Medien zu Gemüte führen: Hamburger Abendblatt: „Kinderpornografie-Ermittler gibt entnervt auf“. Frankfurter Rundschau: „Kämpfer gegen Kinderpornos gibt auf“. Die angeblich seriösen Medien üben sich in suggestiver Moraltheologie, während die Blogosphäre oft kritisch und journalistisch die Fakten untersucht. Der Staatsanwalt, der jetzt zurückgetrten ist, ist weder ein Experte noch sind seine dubiosen Ansichten und Methoden geeignet, um irgendetwas gegen Kinderpornografie zu bewirken. Gut, dass er endlich weg ist.

Männersache: Lieber Pelz als nackt und der Hang zum Schwachsinn

Megan Fox

Sex sells und ist gut für die Klickraten. Und ein bisschen Schwachsinn unter den Bildchen schadet nicht, weil man eben die Bildchen anguckt und mitnichten die „Inhalte“ liest. Da wir – mal ganz anthropoligisch-noraltheologisch gesprochen – im 21. Jahrhundert die 68er ganz vergessen haben und wieder in der verlogenen Prüderie der 50er angekommen sind, kombiniert mit der gewohnten Feigheit der deutschen Journaille, nur ja im Mainstream nicht aufzufallen oder gar einen Jugendschutzwart aus einem intellektuellen Dämmerschlaf aufzuwecken, gibt es in Halb-Offline-Magazinen wie Spiegel Online keine nackten Brüste zu sehen. Wo kämen wir denn da hin. Was sollen die Werbekunden sagen.

Ganz besonders erbärmlich wird es dann, wenn statt der Titten, die den gewöhnlichen lechzenden Hetero-Leser anlocken sollen, Bildchen von schönen bekleideten Frauen gezeigt werden in der Hoffnung, das würde dennoch zum Klicken Klicken Klicken und nur nicht an das Eine denken verführen, wenn man nur irgendeinen Unfug drumherumstammelt. Gleich zwei Beispiele, die ich gestern dozierendeweise auszubildenden Journalisten als Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, vorgeführt habe.

Unter den scheinheiligen Überschrift „Megan Fox und ihr Hang zur Dominanz“ bietet Spiegel Online einen schlampig aufbereitenen Artikel über die schnuckelige Megan Fox an. (Ja, ich mache es wie Spiegel Online – ich verlinke nur auf mich selbst, ganz im Sinne des Luhmannschen selbstreferenziellen Systems, welchselbiges Spiegel-Redakteure immer noch mit Online-Journalismus verwechseln). „Megan Fox ist kein Fan von inhaltslosen Worten, sondern bevorzugt gern Klartext: In einem Interview mit „Cosmopolitan“ sagte die „Transformers„-Aktrice [Die Links stammen natürlichausnahmslos von mir! Und „Actice“ bedeutet: Schauspielerin.] daher auch ohne Umschweife, wer in ihren Beziehungen die Hosen anhabe, wie die Zeitung „The Sun“ berichtete“, heißt es da ganz investigativ.

Wenn Wolf Schneider das läse, wendete er sich mit Grausen ab. Wer hat hier vom wem abgeschrieben? Die „Sun“ von der „Cosmopolitan“ und „Spiegel Online“ wiederum von der „Sun“. weil man zu blöd war, die Website der „Cosmopolitan“ zu finden? Das kommt davon, wenn ein „Online“-Magazin keine Links zu den Quellen setzt. Hier also das Original mit der viel prägnanteren Überschrift: „Der Teufel in Megan Fox“. Fox sieht nicht nur verdammt gut aus, sie ist auch clever: „But as we begin to bust Megan on the ridiculousness of her statement, she interrupts us with a laugh.“ Alles nur PR und erstunken und erlogen und gute PR für sich selbst.

„Ihr ideales Date wäre ein Dreier mit Andy Samberg und Jonah Hill, gab Fox noch zu Protokoll.“ Oh mein Gott, Spiegel Online – wie faul und abgestumpft seid ihr eigentlich? Mit wem will Megan Fox angeblich gern einen flotten Dreier im Bett hinlegen? Das interessiert mich brennend und ich kenne die Herren nicht! Könnt Ihr nicht mal einen einzigen Link auf ein Bildchen setzen, verdammt noch mal?

By the way, deutsche Journaille, lest mal die Mutter aller Investigativ-Zeitungen, die Sun: Nicht nur die heißesten Fotos der Fox, sondern auch Sätze wie: „The brutally honest star is convinced she’s mentally ill, but is still awaiting the diagnosis of her condition.“ Das finde ich interessant. Ach so, man müsste dazu recherchieren? Entschuldigung, damit wollte ich niemanden behelligen. Aber schon, dass wir darüber geredet haben.

Naomi

Naomi bei Spiegel Offline können wir kurz machen, nur als Service für die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser. „15 Jahre nach ihrer Anti-Pelz-Kampagne für die Tierschutzorganisation Peta räkelt sich das 39-jährige Supermodel für die Kampagne eines New Yorker Designers und Luxus-Pelzhändlers im Tierfell, wie die „Daily Mail“ berichtet.“ Link zur Naomis Website? Fehlanzeige? Link zu Peta? Fehlanzeige. Welcher New Yorker Designer? Wollt ihr mich dumm sterben klassen? Und ihr habt das von der „Daily Mail“ ohne schöpferische Eigenhöhe abgeschrieben und seid zu feige, das Original zu verlinken – die Leser könnnten das womöglich merken? Wisst ihr was, Spiegel-Offline-Redakteur für die Rubrik Trash, die sich bei euch als „Wissen“ kostümiert: Lasst das mit dem Internet einfach. Beschränkt Euch auf das gute alte Papier. Ihr kapiert es einfach nicht. Geht sterben, Holzmedien!

Vetternwirtschaft beim NDR [Update]

Sueddeutsche.de: „Ein Dreh zuviel“ – ein hübscher Artikel über die Vetternwirtschaft beim NDR: „Doch der Fall geht weit über die Begünstigung des eigenen Ehemanns durch eine Fernsehredakteurin hinaus. Unterlagen, die der SZ vorliegen, deuten auf ein ausgedehntes System der Vetternwirtschaft hin, das in mehreren Fällen Straftatbestände wie Betrug oder Untreue erfüllen könnte. Die Staatsanwaltschaft Hamburg prüft den Fall bereits. So zahlte die Münchner Agentur AllMedia Pictures, mit der Heinze oft zusammenarbeitete, mehrmals hohe Beträge für wahrscheinlich fiktive Leistungen.“

Update 31.08. Spiegel Online: „Die suspendierte NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze hat nicht nur ihrem Ehemann verdeckt Aufträge verschafft, sondern auch eigene Drehbücher eingeschleust. Nach Informationen des SPIEGEL legte sie sich dafür das Pseudonym Marie Funder-Donoghue zu und erfand wiederum eine Biografie.“

Man lese zum Thema auch die völlig unkritische Jubelorgie der Zeit (DIE ZEIT 1999) über Heinze. Das eben ist das übliche Rechercheniveau hierzulande. „Doris Heinzes Kalender strotzt vor Terminen. Dennoch findet sie die Muße, eigene Drehbücher zu Papier zu bringen.“ Eben.

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